Golo Mann

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Golo Mann
Golo Mann im Jahr 1978 bei einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Golo Mann (* 27. MĂ€rz 1909 in MĂŒnchen; † 7. April 1994 in Leverkusen; eigentlich Angelus Gottfried Thomas Mann) war ein deutsch-schweizerischer Historiker, Publizist und Schriftsteller.

Golo Mann war ein Sohn des LiteraturnobelpreistrĂ€gers Thomas Mann. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er ĂŒber Frankreich und die Schweiz in die USA. Mitte der 1950er Jahre kehrte er nach Deutschland zurĂŒck und ĂŒbersiedelte spĂ€ter in die Schweiz. Nach einer TĂ€tigkeit als Professor fĂŒr Politikwissenschaft in Stuttgart arbeitete er als freier Publizist und einflussreicher Kommentator des Zeitgeschehens. Er verkehrte mit Politikern wie Konrad Adenauer und Willy Brandt, fĂŒr den er sich zunĂ€chst als Berater einsetzte und dessen Ostpolitik er unterstĂŒtzte. Ablehnend verhielt er sich gegenĂŒber der Studentenbewegung; 1980 engagierte er sich fĂŒr den Wahlkampf von Franz Josef Strauß. Zu seinen bekanntesten Schriften gehören die 1958 erschienene Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die als historisches Standardwerk eine Millionenauflage erreicht hat und in neun Sprachen ĂŒbersetzt worden ist, sowie seine 1971 veröffentlichte Wallenstein-Biographie. Als konservativer Historiker stellte er den Menschen in den Mittelpunkt seiner erzĂ€hlend formulierten Werke und zog damit die Kritik mancher Berufskollegen auf sich, die gesellschaftspolitische Theorien bevorzugten.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Ausbildung

Golo Mann als Baby mit seinen Eltern vor dem Sommerhaus in Bad Tölz 1909; links Klaus und Erika Mann.

Angelus Gottfried Thomas Mann, der als Kleinkind seinen verkĂŒrzten Vornamen „Gelus“ nicht aussprechen konnte und sich Golo nannte, kam als drittes Kind des Schriftstellers Thomas Mann und seiner Frau Katia, geborene Pringsheim, in MĂŒnchen zur Welt. Dieser Kindername begleitete ihn sein Leben lang. Er hatte zwei Ă€ltere Geschwister, Erika und Klaus, und drei jĂŒngere, Monika, Elisabeth und Michael.

Rekonstruktion des in der Poschingerstraße 1 gelegenen Elternhauses am Herzogpark in MĂŒnchen, das im Zweiten Weltkrieg schwer beschĂ€digt und spĂ€ter abgerissen wurde. Die Villa wurde auf dem Bavaria-FilmgelĂ€nde fĂŒr Dreharbeiten zu dem Dokumentarfilm ĂŒber die Familie Mann, Die Manns – Ein Jahrhundertroman, nachgebildet.

Die Mutter beschrieb Golo in ihrem Tagebuch als sensibel, nervös und schreckhaft.[1] Der Vater verhehlte seine EnttĂ€uschung kaum und erwĂ€hnte den Sohn in seinem Tagebuch nur selten. Golo Mann beschrieb ihn rĂŒckblickend: „Wohl konnte er noch GĂŒte ausstrahlen, ĂŒberwiegend aber Schweigen, Strenge, NervositĂ€t oder Zorn“.[2] Unter den Geschwistern fĂŒhlte er sich seinem Bruder Klaus besonders nah verbunden, wĂ€hrend er zeitlebens Schwierigkeiten mit den radikalen Ansichten seiner Schwester Erika hatte.[3] Klaus Mann beschrieb den Bruder als Kind in seiner ersten Biografie Kind dieser Zeit wie folgt: „Golo [aber] reprĂ€sentierte unter uns das groteske Element. Von skurriler Ernsthaftigkeit, konnte er sowohl tĂŒckisch als auch unterwĂŒrfig sein. Er war diensteifrig und heimlich aggressiv; dabei wĂŒrdevoll wie ein Gnomenkönig. Ich vertrug mich ausgezeichnet mit ihm, wĂ€hrend er sich mit Erika viel zankte.“[4]

Golo besuchte ab September 1918 das humanistische Wilhelmsgymnasium in MĂŒnchen mit mittelmĂ€ĂŸigen Leistungen, wobei seine StĂ€rken in Geschichte, Latein und insbesondere in der Rezitation von Gedichten lagen, letzteres eine lebenslange Leidenschaft.[5] Golo war Mitglied des von den Geschwistern Klaus und Erika sowie Ricki Hallgarten im Jahr 1919 gegrĂŒndeten „Laienbunds Deutscher Mimiker“. Weitere Mitspieler waren neben Monika Mann befreundete Nachbarskinder. Die Gruppe existierte drei Jahre lang und inszenierte acht Vorstellungen in Privatwohnungen.

Eine Abwechslung zu Elternhaus und Schule bot ihm in einer Art „Ausbruchsversuch“ im FrĂŒhjahr 1921 der Eintritt in eine Pfadfinder-Vereinigung, mit der er mehrtĂ€gige Übungen und ausgedehnte Fahrten in den Sommerferien nach Franken und Tirol unternahm. Die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen machte ihm Spaß, jedoch gab es irritierende Erfahrungen: So wies er eine homoerotische AnnĂ€herung ab und litt unter der als Zwang empfundenen paramilitĂ€rischen Disziplin.[6]

Schloss Salem (SĂŒdansicht)

Neue Horizonte taten sich 1923 auf, als Golo Mann an die Internatsschule Schloss Salem wechselte, die er als Befreiung und lebenslange Bereicherung ansah. Der Leiter der Schule, Kurt Hahn, wurde eine prĂ€gende Persönlichkeit in seiner Jugend. In Salem sollte eine geistige Elite ausgebildet werden, die nicht nur individuelle Begabungen förderte, sondern auch das verantwortungsvolle Handeln fĂŒr die Gemeinschaft. Daher gab es einen freien Umgang mit den Lehrern und einen hohen Grad von Selbstverwaltung in der SchĂŒlergemeinschaft. Der Dienst fĂŒr die demokratischen Gesellschaft sollte die Richtung seines zukĂŒnftigen Handelns bestimmen. Im fachlichen Bereich intensivierte er die BeschĂ€ftigung mit der von Hahn unterrichteten lateinische Sprache, was ihn im Alter dazu befĂ€higte, ĂŒber Tacitus zu schreiben und Horaz zu ĂŒbersetzen. In der Bodenseelandschaft bildete sich zudem eine ebenso dauerhafte Leidenschaft fĂŒr Bergwanderungen aus, obgleich ihn eine beim Hochsprung erlittene Knieverletzung fĂŒr den Rest seines Lebens plagen sollte. Im RĂŒckblick, in seiner Biografie Erinnerungen und Gedanken, kam jedoch neben der Schilderung von Hahns faszinierender Persönlichkeit dessen moralische RigiditĂ€t zur Sprache, die die SexualitĂ€t völlig ausklammerte. Der Grund sei Hahns homoerotische Neigung gewesen, die dieser missbilligt und unterdrĂŒckt habe. Golo Mann selbst hatte in Salem seine eigene homoerotische PrĂ€gung entdeckt.[7]

Anfang 1925 litt Golo Mann unter einer schweren Depression, die ihn episodisch lebenslang begleitete: „Damals trat der Zweifel ein oder richtiger, brach mit unerhörter Gewalt ein [
] Ich wurde von der schwĂ€rzesten Melancholie ergriffen.“[8]

Im MĂ€rz 1927 bestand er als „Externer“ wie seine Salemer MitschĂŒler das Abitur an einem Gymnasium in Konstanz mit der Gesamtwertung „ziemlich gut“. Die Leistungen in Deutsch und Geschichte waren mit „sehr gut“ benotet. Im April 1927 spielte Golo Mann bei einer TheaterauffĂŒhrung in Salem die Rolle des Wallenstein in Schillers Wallensteins Tod â€“ einer Thematik, die ihn fortan immer wieder beschĂ€ftigen sollte.[9]

Studium und Beruf

Nach der ReifeprĂŒfung begann Golo Mann im Sommersemester 1927 offenbar lustlos ein Jura-Studium in MĂŒnchen, das er in seinen Erinnerungen nur knapp erwĂ€hnte. Die Hochschule erschien ihm als „kalte, anonyme Maschinerie“, unter den anderen Studenten fĂŒhlte er sich fremd. Im selben Jahr setzte er seine Studien in Berlin in den FĂ€chern Geschichte und Philosophie fort. Dort lebten sein Onkel Heinrich Mann, Thomas Manns Verleger Samuel Fischer sowie der Familienfreund Bruno Walter. Den hektischen Kulturbetrieb und die VergnĂŒgungsstĂ€tten der Großstadt mied er jedoch. Er traf dort die Dichterin und Historikerin Ricarda Huch, die sein spĂ€teres Werk beeinflussen sollte.[10] Den Sommer 1928 nutzte er zu einem Sprachaufenthalt in Paris und sechs Wochen „echter“ Arbeit im Braunkohlebergwerk Schipkau in der Niederlausitz, die aufgrund neuer Kniebeschwerden ein abruptes Ende fand.[11]

Karl Jaspers

Schließlich wechselte Golo Mann im FrĂŒhjahr 1929 an die UniversitĂ€t Heidelberg, wo er dem Rat seines akademischen Lehrers Karl Jaspers folgte, in Philosophie zu promovieren und parallel Geschichte und Latein auf Lehramt zu studieren. Ab Herbst 1930 engagierte er sich zudem politisch in der sozialistischen Studentengruppe. Im Mai 1932 kam es zur Vorlage der Dissertation mit dem Thema Zum Begriff des Einzelnen, des Ich und des Individuellen bei Hegel, die von Jaspers mit dem PrĂ€dikat cum laude bewertet wurde.[12]

Im Jahr 1933 kam Adolf Hitler an die Macht. FĂŒr Thomas Mann, der keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus gemacht hatte, und insbesondere fĂŒr Golo Manns Ă€ltere Geschwister Klaus und Erika Mann war dies der Zeitpunkt zur Emigration. WĂ€hrend die Eltern sich auf einer Vortragsreise im Ausland aufhielten, von der sie nicht zurĂŒckkehrten, kĂŒmmerte sich Golo Mann im April 1933 um das MĂŒnchner Haus, organisierte die Ausreise der drei jĂŒngeren Geschwister und brachte das Bankguthaben der Eltern in Sicherheit.[13] Er veranlasste den Versand der TagebĂŒcher seines Vaters in die Schweiz, da Thomas Mann deren Auswertung durch die Nationalsozialisten fĂŒrchtete. Der Koffer wurde zwar nach dem Hinweis eines Denunzianten im Hause Mann in Konstanz vom Zoll abgefangen, gleichwohl letztlich dennoch weitergeleitet.

Gedenktafel fĂŒr die deutschen und österreichischen FlĂŒchtlinge in Sanary, unter ihnen Familie Mann

Die Arbeit fĂŒr das Staatsexamen in Geschichte mit einem Wallenstein-Thema war bereits eingereicht; zur PrĂŒfung kam es nicht mehr, denn Golo Mann verließ am 31. Mai 1933 Deutschland in Richtung Bandol, wo sich seine Eltern kurzzeitig aufhielten. FĂŒr die Sommermonate kam er nach einem Aufenthalt in einer Pension als Untermieter in der Villa des US-Schriftstellers William Seabrook bei Sanary-sur-Mer unter, weitere sechs Wochen lebte er in der neuen elterlichen Wohnung in KĂŒsnacht bei ZĂŒrich. Schließlich kehrte er nach Frankreich zurĂŒck. Ab November begannen fĂŒr ihn zwei „intensive, lehrreiche Jahre“[14] als Lektor fĂŒr deutsche Sprache an der École normale supĂ©rieure in Saint-Cloud bei Paris. Gleichzeitig arbeitete er an der Exilzeitschrift Die Sammlung seines Bruders Klaus mit.

Thomas Mann im Jahr 1937, Foto von Carl van Vechten

Im November 1935 ĂŒbernahm Golo Mann ein halbjĂ€hriges Lektorat fĂŒr deutsche Sprache und Literatur an der UniversitĂ€t in Rennes. HĂ€ufige Aufenthalte in der Schweiz sind ein Indiz dafĂŒr, dass sich das schwierige VerhĂ€ltnis zum Vater entspannt hatte, der den politischen Sachverstand des Sohnes zunehmend zu schĂ€tzen gelernt hatte. Dass der Sohn in den Augen des Vaters an WertschĂ€tzung gewonnen hatte, wurde ihm aber erst in vollem Umfang bewusst, als er im Alter an der Herausgabe von dessen TagebĂŒchern mitwirkte und sich freundlich dargestellt fand.[15]

Die kollektive Aberkennung der deutschen StaatsbĂŒrgerschaft sorgte 1936 fĂŒr zusĂ€tzliche Probleme in der Literatenfamilie. Erst der tschechische Textilfabrikant Rudolf Fleischmann, ein Bewunderer von Thomas Mann, ermöglichte diesem und dessen Familie – mit Ausnahme von Erika Mann, die durch die Ehe mit W. H. Auden britische StaatsbĂŒrgerin geworden war – die EinbĂŒrgerung in seine böhmische Gemeinde Proseč und damit die Verleihung der tschechischen StaatsbĂŒrgerschaft. In Prag lernte Golo Mann an der UniversitĂ€t Tschechisch und veröffentlichte BeitrĂ€ge in der Neuen WeltbĂŒhne.[16] In seinem Tagebuch schilderte er Begegnungen mit Max Brod und Ernst Bloch; mit letzterem war eine VerstĂ€ndigung unmöglich, da sich Golo Mann angesichts der stalinistischen Schauprozesse, die ab 1935 stattfanden, vom Marxismus distanziert hatte. Im FrĂŒhling 1937 verließ er Prag und zog nach ZĂŒrich.[17]

Emigration – Als Soldat in der US Army

Maß und Wert, Ausgabe vom November/Dezember 1938. Golo Mann ist dort bereits unter „Kritik“ erwĂ€hnt.

Anfang 1939 emigrierte Golo nach Princeton, New Jersey, wo sein Vater eine Gastprofessur ĂŒbernommen hatte. Nach einigem Zögern kehrte er trotz des sich anbahnenden Kriegsausbruches im August des Jahres nach ZĂŒrich zurĂŒck, um nach zahlreichen BeitrĂ€gen als Mitarbeiter auf Wunsch seines Vaters die Redaktion der Exilzeitschrift Maß und Wert, herausgegeben von Thomas Mann und Konrad Falke, ĂŒbernehmen zu können. Maß und Wert. Zweimonatsschrift fĂŒr freie deutsche Kultur erschien von Herbst 1937 bis September 1940 unter Golo Manns HerausgebertĂ€tigkeit.

LagergebÀude Les Milles

Adolf Hitlers Feldzug gegen Frankreich im Mai 1940 bewirkte in Golo Mann den Entschluss, sich als Kriegsfreiwilliger einer in Frankreich weilenden tschechischen Einheit anzuschließen und gegen die deutschen Invasoren zu kĂ€mpfen. Doch unmittelbar nach GrenzĂŒbertritt wurde er bei Annecy festgenommen und Anfang Juni ins Internierungslager Les Milles bei Aix-en-Provence ĂŒberfĂŒhrt. Erst Anfang August kam er auf Intervention der US-Hilfsorganisation Emergency Rescue Committee frei, die Thomas Mann kontaktiert hatte. Es war gelungen, Golo und seinen Onkel Heinrich Mann sowie Franz Werfel auf eine Prominentenliste zu setzen, deren Emigrationsgesuche bevorzugt behandelt wurden. Am 13. September unternahm er mit seinem Onkel Heinrich, dessen Ehefrau Nelly sowie Alma Mahler-Werfel und Franz Werfel die waghalsige Flucht von Perpignan ĂŒber die PyrenĂ€en nach Spanien, die in Heinrich Manns Memoiren Ein Zeitalter wird besichtigt beschrieben wird. Nach der Überfahrt von Lissabon aus kamen sie mit vielen anderen Exilanten, unter ihnen auch Alfred Polgar, an Bord des griechischen Dampfers Nea Hellas am 13. Oktober in New York an. Thomas und Katia Mann waren in den Hafen von Hoboken gekommen, um die Familienmitglieder zu begrĂŒĂŸen.[18]

Klaus Mann als US-Sergeant in Italien, 1944

In der Neuen Welt wohnte Golo Mann zunĂ€chst im elterlichen Haus in Princeton, danach im ungeliebten New York, bevor er im Juli 1941 mit den Eltern in das kalifornische Pacific Palisades umzog. Ab Herbst 1942 ergab sich eine zehnmonatige LehrtĂ€tigkeit fĂŒr Geschichte am Olivet College in Olivet, Michigan.

Seinem Bruder Klaus nacheifernd, trat Golo Mann 1943 in die US Army ein. Ab August unterzog er sich der Grundausbildung in Fort McClellan, Alabama; im Dezember ĂŒbernahm er als neuer US-StaatsbĂŒrger eine nachrichtendienstliche TĂ€tigkeit im Office of Strategic Services in Washington D.C. Es war seine Aufgabe, militĂ€risch wertvolle Informationen zu sammeln und zu ĂŒbersetzen.

Im April 1944 wurde Golo Mann nach London entsandt, wo er Radio-Kommentare bei der deutschen Abteilung der gerade gegrĂŒndeten „American Broadcasting Station“[19] sprach. In den letzten Kriegsmonaten wechselte er in gleicher Funktion zum militĂ€rischen Geheimsender 1212 – ausgestrahlt von Radio Luxemburg – bevor er im SpĂ€therbst 1945 nach Bad Nauheim versetzt wurde, um beim Aufbau von Radio Frankfurt mitzuwirken. Bei seinen Reisen durch Deutschland zeigte er sich entsetzt ĂŒber das Ausmaß der Zerstörung, die insbesondere das alliierte Bombardement hervorgerufen hatte.

Aus Abscheu ĂŒber „die Taten dieses Siegergesindels“[20] verließ er im Januar 1946 auf eigenen Wunsch die Army. Er behielt jedoch vorerst seine zivile TĂ€tigkeit als Kontrolloffizier bei, in der er unter anderem am NĂŒrnberger Kriegsverbrecherprozess teilnahm. Ende 1946 kehrte er in die USA zurĂŒck. [21]

Nachkriegsjahre in den USA und RĂŒckkehr nach Deutschland

Buchautor und Publizist – Professor in Claremont und MĂŒnster

Im Jahr 1946 erschien Golo Manns erstes grĂ¶ĂŸeres Werk, die englischsprachige Biografie Secretary of Europe. The Life of Friedrich Gentz, die 1947 auch auf Deutsch unter dem Titel Friedrich v. Gentz. Geschichte eines europĂ€ischen Staatsmannes veröffentlicht wurde.

Von 1947 bis zum Jahr 1958 ĂŒbernahm Golo Mann eine Assistenzprofessur fĂŒr Geschichte am Claremont Men’s College (heute Claremont McKenna College) in Claremont, Kalifornien. Im Nachhinein zĂ€hlte er diese LehrtĂ€tigkeit „zu den glĂŒcklichsten meines Lebens“, andererseits klagte er: „Auch sind meine Studenten so höhnisch, unfreundlich und saudumm, wie sie noch nie waren“.[22]

Ab 1952 schrieb Golo Mann Leitartikel fĂŒr die ZĂŒrcher Weltwoche, deren Feuilletonredakteur und MitbegrĂŒnder Manuel Gasser war, bekennender Homosexueller, ein enger Freund, den er seit 1933 kannte und der zudem mit Manns Geschwistern Erika und Klaus befreundet war. Er sah in Gasser eine glĂŒcklicher veranlagte Ausgabe seiner selbst und bewunderte dessen Lebensmut und UnabhĂ€ngigkeit. Gassers Tod im Jahr 1979 bedeutete einen schweren Verlust fĂŒr ihn.[23]

1954 veröffentlichte Golo Mann sein zweites Buch, Vom Geist Amerikas. Zum Schreiben dieses Werks unterbrach er seinen Aufenthalt in Kalifornien und hielt sich in der Schweiz und in Österreich auf. Am 12. August des folgenden Jahres starb sein Vater Thomas Mann in Kilchberg. Golo Mann schrieb spĂ€ter in einem vertraulichen Brief an Marcel Reich-Ranicki: „Unvermeidlich musste ich seinen Tod wĂŒnschen; war aber wĂ€hrend seines Sterbens und danach völlig gebrochen; es dauerte Monate, bis ich mich einigermaßen von diesem Verlust erholte. Solche Nester voller WidersprĂŒche sind wir nun einmal ...“[24] Ranicki hat in seiner Autobiografie das Leiden Golo Manns und seiner BrĂŒder Klaus und Michael an der vĂ€terlichen Dominanz thematisiert.

In den Jahren 1956 und 1957 verbrachte er viele Wochen im Gasthaus Zur Krone in Altnau am Bodensee, um dort seine Deutsche Geschichte des XIX. und XX. Jahrhunderts niederzuschreiben. Sie erschien im Juli 1958 als zweibĂ€ndiges Werk und wurde sofort ein Bestseller. In diesem Jahr kehrte er endgĂŒltig nach Europa zurĂŒck und wurde Gastprofessor an der WestfĂ€lischen Wilhelms-UniversitĂ€t in MĂŒnster.

Ordentlicher Professor in Stuttgart

Im Herbst 1960 wechselte Golo Mann als ordentlicher Professor fĂŒr Politische Wissenschaften an die Technische Hochschule Stuttgart, aus der spĂ€ter die UniversitĂ€t Stuttgart hervorging. Die TĂ€tigkeit im UniversitĂ€tsbetrieb empfand er als unbefriedigend, die Distanz zu den Studenten konnte er nicht ĂŒberwinden; sie fĂŒhrte schließlich zu einer Depression, die klinisch behandelt werden musste. ZusĂ€tzliche Arbeitsbelastung brachte in jenen Jahren die TĂ€tigkeit als Mitherausgeber der vielbeachteten Neufassung der PropylĂ€en Weltgeschichte.[25]

1961 ließ er sich ein Ferienhaus in Berzona im Tessin bauen, wohin er sich oft zum Schreiben und Wandern zurĂŒckzog; er war dort Nachbar von Alfred Andersch und Max Frisch.

Rezension ĂŒber Hannah Arendts Eichmann in Jerusalem

Wie Golo Mann war Hannah Arendt SchĂŒlerin von Karl Jaspers gewesen. Ihr Bericht im New Yorker aus dem Jahr 1963, Eichmann in Jerusalem, ĂŒber den Eichmann-Prozess, der 1961 in Jerusalem stattgefunden hatte, löste eine Kontroverse zur Thematik des Nationalsozialismus aus. Golo Mann gehörte zu den ersten europĂ€ischen Kritikern; seine Rezension erschien unmittelbar vor der Veröffentlichung der deutschen Fassung in der Neuen Rundschau im selben Jahr. Nach Arendts Auffassung war Eichmann kein Ungeheuer und fanatischer Judenhasser, sondern ein gewöhnlicher Mensch mit Organisationstalent, der ehrgeizig und gehorsam, gleichzeitig unbeholfen und dumm, im Verhör den Eindruck eines „Hanswursts“ gemacht habe. Ihre EinschĂ€tzung der Persönlichkeit Eichmanns, die These von der Mitschuld der Juden am eigenen Untergang sowie die Beurteilung des Widerstands gegen Hitler lösten bei Golo Mann Empörung aus. Die Kontroverse fĂŒhrte zur endgĂŒltigen Entfremdung von seinem Doktorvater Jaspers, der mit Arendt befreundet war.[26]

Die Adorno/Horkheimer-Kontroverse

Max Horkheimer (links), Theodor W. Adorno (rechts) und JĂŒrgen Habermas (im Hintergrund rechts) im April 1964 in Heidelberg

Im Jahr 1963 wurde Golo Manns geplante Berufung als ordentlicher Professor an die sozialwissenschaftliche FakultĂ€t der UniversitĂ€t Frankfurt am Main durch die Kollegen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verhindert. Die Professorenstelle erhielt stattdessen der Marxismus-Spezialist Iring Fetscher. In einem Fernsehinterview, das anlĂ€sslich seines 80. Geburtstags im Jahr 1989 gefĂŒhrt wurde, bezeichnete Golo Mann beide als „Lumpen“. Daraufhin protestierten viele deutsche Soziologen, Philosophen und Historiker öffentlich. Golo Mann begrĂŒndete seine Attacke in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung damit, Adorno und Horkheimer hĂ€tten ihn als „heimlichen Antisemiten“ beim damaligen hessischen Kultusminister angeschwĂ€rzt, nachdem er sich um den Lehrstuhl an der UniversitĂ€t Frankfurt am Main beworben hatte. Eine Schilderung der VorgĂ€nge gab der Historiker Joachim Fest in seiner Publikation Begegnungen, in der er außer dem schon genannten Antisemitismusverdacht zudem den Hinweis in einem Brief Horkheimers auf Golo Manns HomosexualitĂ€t und die darauf beruhenden GefĂ€hrdung der akademischen Jugend erwĂ€hnt. Herbert Heckmann habe auf seinen „Eid genommen“, den Brief gesehen zu haben, einen Beweis fĂŒr den Brief gibt es jedoch nicht.[27] Tilman Lahme hat die Kontroverse und deren Vorgeschichte, die bereits im amerikanischen Exil begonnen hatte, fĂŒr seine 2009 erschienene Biografie ausfĂŒhrlich recherchiert. Golo Mann hatte im Juni 1960 im DĂŒsseldorfer Rhein-Ruhr-Club einen Vortrag „Über Antisemitismus“ gehalten, der gekĂŒrzt am 2. Juli in der Deutschen Zeitung mit Wirtschaftszeitung erschien. Der Soziologe Clemens Albrecht hat Golo Manns Vortrag untersucht und die sachlichen Differenzen hinsichtlich der „VergangenheitsbewĂ€ltigung“ (Albrecht) zwischen Mann und der neomarxistischen Frankfurter Schule, vertreten durch Adorno und Horkheimer, herausgestellt. Die gegensĂ€tzlichen Auffassungen lĂ€gen im Ansatz einer pessimistischen Anthropologie sowie in einer aufklĂ€rerischen Systemtheorie.[28]

In den Jahren 1963 bis 1979 war Golo Mann Mitherausgeber und Autor der Literaturzeitschrift Neue Rundschau, die im S. Fischer Verlag erscheint. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag, in dem die meisten seiner Werke publiziert wurden, begann bereits im Jahr 1957 mit seinem Beitrag ĂŒber Außenpolik im Fischer-Lexikon.

Freier Historiker und Publizist

Umzug in die Schweiz

Kilchberg
Das Haus in der Alten Landstrasse 39, heutiger Zustand. Am Eingang eine Tafel mit den Namen und Wohndaten der Familie Mann

1965 legte Golo Mann die LehrtĂ€tigkeit an der Technischen Hochschule in Stuttgart nieder, um als freischaffender Historiker und Publizist zu arbeiten. Seinen festen Wohnsitz nahm er im Elternhaus in Kilchberg in der Alten Landstrasse 39 am ZĂŒrichsee, wo er bis 1992 lebte – zunĂ€chst noch gemeinsam mit der im Alter dement gewordenen Mutter Katia und seiner Schwester Erika Mann. 1968 nahm er die schweizerische StaatsbĂŒrgerschaft an. Die charakterlichen und politischen Unterschiede zu Erika waren betrĂ€chtlich; sie wurden gemildert durch zahlreiche Reisen, die die Geschwister unternahmen, sodass das Elternhaus mehr als StĂŒtzpunkt diente. Erika Mann starb im August 1969 und setzte ihren Bruder als Erben ein. Der Vater war in Kilchberg noch immer gegenwĂ€rtig. Golo Mann konnte dem Haus erst nach und nach eine eigene Note geben. Ein naher Freund, Hanno Helbling, resĂŒmierte: „Man sah ihn leiden in Kilchberg, woran nicht die Ortschaft schuld war [
]. Die Schatten gingen um in dem Haus. [
] Das Arbeitszimmer des Vaters halb und halb noch erkennbar, von dem Sohn halb und halb ĂŒbernommen [
] Der Salon dagegen in seiner BĂŒrgerlichkeit erhalten unter dem damals noch wachen Auge der Mutter“.[29]

In Cadenabbia, einem Ferienort, den Konrad Adenauer oft besuchte, kam es im April 1966 zur Begegnung mit dem Altbundeskanzler, dessen Kurs der Westintegration und der Aussöhnung mit Israel Golo Mann öfter lobte. Bereits 1963 warf er Adenauer jedoch in der Frage der Wiedervereinigung Unehrlichkeit vor, da dieser oft von ihr gesprochen, aber nie fĂŒr sie etwas getan habe. DiesbezĂŒglich schrieb er: „Seine Politik war die gradlinigste, offenste, treueste auch nicht. Franzosen und Amerikaner hat er nie betrogen; viel eher das eigene Volk“.[30] Ab 1969 unterstĂŒtzte er Willy Brandt und dessen neue Ost- und Entspannungspolitik. Er betĂ€tigte sich außerdem gelegentlich als Ghostwriter fĂŒr Brandt.[31] Wie sein Doktorvater Karl Jaspers und die Zeit-Chefredakteurin Marion GrĂ€fin Dönhoff, mit der er freundschaftlich verbunden war, trat er fĂŒr einen Dialog zwischen Ost und West ein, um zu den Völkern Osteuropas „BrĂŒcken zu schlagen“.

Das Aufkommen und Erstarken der Studentenbewegung empfand er hingegen trotz punktueller Übereinstimmungen als schwerwiegende Bedrohung der Demokratie: „Hört auf, Lenin zu spielen!“[32] ĂŒberschrieb er im April 1968 einen Artikel in der Zeit. In diesem Sinn wandte er sich 1973 allmĂ€hlich von Willy Brandt ab, dem er PassivitĂ€t gegenĂŒber einer kommunistischen Infiltration seiner Partei vorwarf.

Die bereits 50 Jahre lang wĂ€hrende Passion fĂŒr den böhmischen Feldmarschall Wallenstein mĂŒndete 1971 in das Erscheinen der monumentalen Biografie Wallenstein. Sein Leben erzĂ€hlt von Golo Mann, die ĂŒber 1000 Seiten umfasst. Sie gilt wegen ihrer bildhaften Sprache und ihrer literarischen QualitĂ€t als Meisterwerk der erzĂ€hlenden Geschichtsschreibung.

Im Jahr 1974 leitete er als Nachfolger von GĂŒnter Gaus seine eigene Fernsehsendung mit dem Titel Golo Mann im GesprĂ€ch mit 
. 1976 nahm er zusĂ€tzlich zur schweizerischen die deutsche Staatsangehörigkeit an, die ihm unter der nationalsozialistischen Herrschaft aberkannt worden war.

Deutscher Herbst 1977

Nach der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback im April des Jahres 1977 und des Bankiers JĂŒrgen Ponto im Juli erreichte der Terrorismus in Deutschland seinen Höhepunkt. Golo Mann verfolgte die den Rechtsstaat bedrohenden AktivitĂ€ten mit großer Sorge. Er warf der Regierung unter Helmut Schmidt eine Verharmlosung der terroristischen Gefahr vor. Großes Aufsehen erregte er mit seinem emotionalen Beitrag „Quo usque tandem?“ in der Welt vom 7. September 1977, also in der Zeit des Deutschen Herbstes, in dem er die Möglichkeit der Hinrichtung von Terroristen im Zusammenhang mit der EntfĂŒhrung Hanns Martin Schleyers am 5. September 1977 ansprach. Er definierte den Kampf gegen Terroristen als Krieg und forderte neue Antiterrormaßnahmen.[33] Der Titel war Ciceros Rede gegen Catilina und seine AnhĂ€nger entlehnt, die hingerichtet wurden. Sie lautete in den Eingangsworten: „Quo usque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? (Wie lange noch, Catilina, wirst du unsere Geduld missbrauchen?).“ Dieser Artikel Manns löste unterschiedliche Reaktionen aus. Die kritische Stellungnahme fand Zustimmung beim „Mann auf der Straße“, wĂ€hrend viele Intellektuelle im Umkreis der Außerparlamentarischen Opposition Golo Mann als ReaktionĂ€r und militanten Rechtskonservativen schalten. Rechte Oppositionsmitglieder wie beispielsweise Franz Josef Strauß bekundeten ihren Beifall. Nach der erfolgreichen Aktion gegen die EntfĂŒhrung der Landshut in Mogadischu im Oktober 1977 nahm Golo Mann seine Kritik an der Bundesregierung zurĂŒck und bedankte sich fĂŒr ihren Einsatz fĂŒr Recht und Gesetz. Anhaltend weigerte er sich in den folgenden Jahren, den Terrorismus aus gesellschaftlichen und politischen HintergrĂŒnden zu erklĂ€ren und fĂŒhrte ihn vehement auf eine dem Menschen innewohnende „DĂ€monie des Bösen“ zurĂŒck. Mit der mehrfach wiederholten Äußerung, Deutschland befĂ€nde sich im Ausnahme- oder Kriegszustand, spielte er den Terroristen in die HĂ€nde, die sich als legitime Kriegspartei verstanden wissen wollten.[34]

Nicht zuletzt, um der Befehlsgewalt und dem Altersstarrsinn der demenzkranken Mutter zu entgehen, erwarb Golo Mann 1979 ein Haus in Icking bei MĂŒnchen. Er beendete den „Heimatversuch“ allerdings schon zwei Jahre spĂ€ter, um nach dem Tod der Mutter, die im Jahr 1980 verstarb, nach Kilchberg zurĂŒckzukehren.[35]

Einsatz fĂŒr Franz Josef Strauß

Franz Josef Strauß, 1982

Golo Mann, der sich nach den OstvertrĂ€gen von Willy Brandt gelöst hatte, begann sich aufgrund der Studentenunruhen und terroristischen Attentate in Deutschland zunehmend Franz Josef Strauß anzunĂ€hern, den er fĂŒr den Politiker hielt, der die linksradikale Bewegung eindĂ€mmen könnte. Bereits 1976 war es zu einem lĂ€ngeren GesprĂ€ch anlĂ€sslich einer Gedenkfeier zu Adenauers 100. Geburtstag in Bad Honnef gekommen. Ab Juli 1979 betĂ€tigte er sich als Wahlhelfer fĂŒr den Kanzlerkandidaten, indem er Aufrufe unterschrieb, an Veranstaltungen teilnahm, Interviews gab und im Fernsehen auftrat. GegenĂŒber dem damaligen GeneralsekretĂ€r der CSU, Edmund Stoiber, hatte er jedoch Vorbehalte, die sich auf dessen Gleichsetzung von Sozialismus und Nationalsozialismus im Wahlkampf der CSU grĂŒndeten.

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Briefe von Freunden und Bekannten trafen ein, die ihre Verwunderung ausdrĂŒckten, so von Hans-Jochen Vogel, Harry Pross, Ernst Klett und Arnulf Baring. An Letzteren schickte Golo Mann die BegrĂŒndung, Strauß sei fĂŒr die deutsche Intelligenzija ein „underdog“, und bemerkte: „Ich war immer, zeit meines Lebens, fĂŒr die 'underdogs'; darum war ich fĂŒr die Sozialdemokraten, leidenschaftlich 1929–1933, und darum war ich auch in den fĂŒnfziger Jahren fĂŒr sie, als Adenauer sie recht hĂ€sslich behandelte.“

FĂŒr den Auftritt in einer Fernsehsendung im Januar 1980 erhielt Mann ein negatives Pressecho. So schrieb der Stern unter dem Titel „Mannomann“: „In einer peinlichen Fernsehsendung ließ er sich sogar als Strauß-Stichwortgeber und Kopfnicker vorfĂŒhren“.[36] Die satirische Zeitschrift Titanic erklĂ€rte ihn zur „Pfeife des Jahres“,[37] nachdem er im Jahr davor zum Pfeifenraucher des Jahres gewĂ€hlt worden war.

Golo Mann notierte im Tagebuch unter dem Datum 5. Februar 1980: „Das Ganze wird mir bekommen wie die „Daily-Telegraph-AffĂ€re“ dem Kaiser Wilhelm“.[38]

Tod des Freundes Hans Beck – Besuch der DDR

Im Jahr 1986 starb ein enger Freund Golo Manns, Hans Beck-Mann â€“ ein Apotheker bei der Bayer AG in Leverkusen â€“, den er 1955 kennengelernt und finanziell beim Studium unterstĂŒtzt hatte, an Porphyrie. An dieser schweren Stoffwechselerkrankung hatte Hans Beck-Mann jahrelang gelitten.[39] Im Jahr 1964, so berichtet Manns Biograf Tilmann Lahme, „erklĂ€rte ihm Hans Beck, er werde Vater und wolle seine Freundin heiraten 
 Ein schwerer Schock fĂŒr Golo Mann“. Der Historiker adoptierte Hans Beck-Mann im Jahr 1972. Damit wurde ein Arrangement geschlossen, mit dem Golo Mann sich eine Familie schuf.[40]

Unterdessen hob die DDR Anfang 1989 die jahrelange Ächtung Golo Manns auf, da seine Deutsche Geschichte als gezielt antimarxistisch beurteilt worden war.[41] BĂŒcher, die er in die DDR gesandt hatte, waren regelmĂ€ĂŸig retourniert worden. Aus Anlass der Erstveröffentlichung des Wallenstein in der DDR hielt er im April 1989 auf Einladung des SED-Kulturministers erste Lesungen.[42] Als die Zeichen der Zeit nur ein Jahr spĂ€ter auf Wiedervereinigung standen, reagierte er distanziert: „Keine Freude an der deutschen Einheit. Sie werden wieder Unsinn machen, wenngleich ich es nicht erlebe.“[43]

Letzte Jahre

Die GrabstÀtte Golo Manns auf dem Friedhof in Kilchberg

Im MĂ€rz 1990 erlitt Golo Mann nach einem Vortrag einen Herzinfarkt und bekam einen Schrittmacher eingesetzt. Im selben Jahr diagnostizierten die Ärzte bei ihm Prostatakrebs. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit ĂŒbersiedelte er 1992 nach Leverkusen, wo er von seiner Schwiegertochter Ingrid Beck-Mann (einer ausgebildeten Krankenschwester) betreut und gepflegt wurde. Wenige Tage vor seinem Tod bekannte er sich in einem Interview gegenĂŒber dem Reporter Wolfgang Korruhn zu seiner HomosexualitĂ€t, die er jedoch aus Angst vor Repressalien nie nennenswert ausgelebt habe.

„Ich hab’ mich nicht oft verliebt. Ich hab’ es sehr oft fĂŒr mich behalten, das war vielleicht ein Fehler. Es war ja auch verboten, selbst in Amerika, und man musste schon ein bisschen achtgeben.“[44]

Nach Tilman Lahmes Biografie hat Golo Mann seine HomosexualitÀt zwar weniger offen ausgelebt als sein Bruder Klaus, hatte jedoch seit seiner Studentenzeit Liebesbeziehungen. Im New Yorker Exil lebte er einige Zeit in Wohngemeinschaft mit W. H. Auden, Benjamin Britten, Paul und Jane Bowles sowie dem Tenor Peter Pears.[45]

Golo Mann starb kurz nach seinem 85. Geburtstag am 7. April 1994 in Leverkusen. Die Urnenbeisetzung fand zwar auf dem Friedhof in Kilchberg statt, auf Wunsch des Verstorbenen jedoch abseits des Familiengrabes. An der Trauerfeier nahmen gegen den Willen des Verstorbenen, der keine Beteiligung von Blutsverwandten an seiner Beisetzung gewĂŒnscht hatte, seine Schwester Elisabeth Mann Borgese sowie seine Neffen Frido und Antony Mann teil. Golo Mann hatte sich aufgrund eines Prozesses um das Erbe von Monika Mann, die wie er von Ingrid Beck-Mann in ihrem Haus aufgenommen worden war, mit seiner Familie zerstritten.[46]

Beziehung zum Vater, Persönlichkeit

„Golo Mann was born as a ‚son‘; did not like it; could not help it.“

„Golo Mann wurde als ‚Sohn‘ geboren; mochte es nicht; konnte es nicht Ă€ndern.“

– Golo Mann im Exil zu Beginn der Niederschrift seines Lebenslaufs[47]

Golo Mann litt von Kindheit an wie seine Geschwister mit Ausnahme von Elisabeth unter der autoritĂ€ren Haltung und der BerĂŒhmtheit des Vaters. Manns Biograf Urs Bitterli zitiert aus Golo Manns Tagebuch unter anderem die Textstellen „Was hatten wir doch fĂŒr eine elende Kindheit“ und aus der Einleitung zu Vom Geist Amerikas „Insbesondere leugne ich nicht, dass ich gewisser Seiten meiner deutschen Kindheit und Jugend mich heute nur mit Grausen erinnern kann“. Das vĂ€terliche Arbeitszimmer durfte von den Kindern nicht betreten werden, bei Tisch schwiegen sie meistens. Besonders in der Zeit des Ersten Weltkriegs, als Thomas Mann mit der Niederschrift seines Werks Betrachtungen eines Unpolitischen beschĂ€ftigt war, reagierte er empfindlich und gereizt. In seinem Tagebuch von 1920 notierte Thomas Mann: „Golo, mehr und mehr problematischer Natur, verlogen, unreinlich und hysterisch, reizt K. [Katia] sehr und war mittags und abends in Strafe.“ Erst in den 1930er-Jahren entspannte sich das VerhĂ€ltnis, als Thomas Mann die Mitarbeit seines Sohns an der Exilzeitschrift Maß und Wert zu schĂ€tzen lernte.[48] Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1955 versuchte Golo Mann, mit der 1958 veröffentlichten Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts aus dessen Schatten herauszutreten. Dies gelang ihm besser als seinen BrĂŒdern. Der Thomas-Mann-Forscher Hans Wysling resĂŒmierte allerdings anlĂ€sslich Golo Manns 80. Geburtstags: „[
] Da war er nun Herr Professor Dr. Golo Mann, und doch nannten ihn alle, die von ihm sprachen, Golo. Er war ein berĂŒhmter alter Mann und war doch Sohn geblieben“. So sah es auch der Historiker selber, er haderte noch im hohen Alter mit seinem Schicksal, das ihn zum Sohn Thomas Manns gemacht hatte, wie aus seiner privaten Korrespondenz hervorgeht.[49]

Der Herausgeber des Werkes Die Kinder der Familie Mann, Uwe Naumann, beschreibt in seinem Vorwort, dass Golo Manns Wesen von seinen Mitmenschen als dĂŒster und melancholisch empfunden wurde, seine Haltung als konservativ und pessimistisch. Er habe sich nicht wie seine Geschwister Erika und Klaus am Widerstand gegen Hitler aktiv beteiligt, obgleich er unter dem Zeitgeschehen wie sie gelitten habe. Golo Mann habe betont, wie er von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts geprĂ€gt worden sei: „Wer die dreißiger und vierziger Jahre als Deutscher durchlebt hat, der kann seiner Nation nie mehr völlig trauen [
] Der wird, wie sehr er sich auch MĂŒhe geben mag und soll, in tiefster Seele traurig bleiben, bis er stirbt.“[50]

Hans Woller schrieb eine Rezension zu Tilmann Lahmes Biografie und zitiert daraus unter anderem Golo Manns Leiden am ĂŒbermĂ€chtigen, steril-kalten Vater und an der maskulin-herrischen Mutter sowie die Ängste, Phobien und Depressionen, die ihn periodisch lĂ€hmten und die er zeitweise durch Alkohol und Tabletten einzudĂ€mmen versuchte. Lahme habe in seinem Buch auch neue Erkenntnisse ĂŒber Golo Mann als „homo politicus“ und engagierter Zeitgenosse gebracht. So habe dieser sich schon als SchĂŒler in Salem fĂŒr Politik und gesellschaftliche Fragen interessiert und sich spĂ€ter als eigenstĂ€ndiger politischer Kopf vor allem in der Auseinandersetzung mit Hitler und dem Nationalsozialismus um ein eigenes Urteil bemĂŒht. Als junger Mann sei er weit nach links gedriftet und habe sich einer linksradikalen Studentengruppe angeschlossen; die demokratische LĂ€uterung, die nach 1933 einsetzte, habe jedoch rasch zum vollstĂ€ndigen Bruch mit Marx gefĂŒhrt. Golo Mann habe sich frĂŒh fĂŒr eine neue Ostpolitik und eine Aussöhnung mit Polen eingesetzt und sich nicht gescheut, unbequeme Forderungen zu erheben. Doch habe er sich zudem von Ressentiments und Stimmungen leiten lassen. Als Beispiele seien seine wohlwollenden Urteile ĂŒber Francos Spanien, sein Eintreten fĂŒr Hans Filbinger im Marinerichterskandal und sein stark kritisiertes Engagement fĂŒr Franz Josef Strauß im Wahlkampf genannt.[51]

Nachlass

Verkauf des Kilchberger Hauses

Golo Manns im Jahr 1992 verstorbene Schwester Monika hatte ebenfalls ihr letztes Jahr in Leverkusen, im Haus von Golo Manns Schwiegertochter, Ingrid Beck-Mann, verlebt, der Frau seines verstorbenen Liebhabers und Adoptivsohns Hans Beck-Mann. Ingrid Beck-Mann wurde Erbin des Besitzes ihres Adoptiv-Schwiegervaters und erhielt durch eine testamentarische VerfĂŒgung zusĂ€tzlich das Vermögen von Monika Mann. Sie verkaufte 1995 das Haus in Kilchberg, das 40 Jahre im Besitz der Familie Mann gewesen war, mitsamt dem Inventar, ohne RĂŒcksprache mit den Familienangehörigen gehalten zu haben.[52]

Zum Inventar gehörten beispielsweise drei GemĂ€lde Franz von Lenbachs: PortrĂ€ts von Katia Pringsheim, die spĂ€tere Mutter Golo Manns, ihrer 1942 in ZĂŒrich verstorbene Mutter Hedwig Pringsheim sowie ihrer Großmutter, der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm. Die GemĂ€lde wurden im Jahr 2006 vom Thomas-Mann-Archiv der ETH, ZĂŒrich, erworben.[53][54]

Nachlass im Schweizerischen Literaturarchiv

Golo Manns Nachlass wird im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern aufbewahrt. Er umfasst unter anderem Manuskripte, Briefe, BeitrĂ€ge in BĂŒchern, Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen und VortrĂ€ge sowie Objekte, wie beispielsweise GemĂ€lde, Schreibmaschine und Koffer.[55]

Werke (Auswahl)

„Daß ich im Grunde ja doch zum Schriftsteller bestimmt war, sei es auch nur zum historisierenden, ein wenig philosophierenden, verbarg ich mir manche Zeit; unbewußt wohl darum, weil ich meinem Bruder Klaus nicht ins Gehege kommen und weil ich den Tod meines Vaters abwarten wollte. “

– Golo Mann in seiner Autobiografie Erinnerungen und Gedanken [56]

Golo Mann wĂ€re gern Schriftsteller wie sein Vater Thomas und sein Bruder Klaus geworden. Er entschied sich jedoch dazu, hauptsĂ€chlich Themen aus dem geschichtlichen Bereich zu wĂ€hlen, und wurde als „literarischer Historiker“ einer der populĂ€rsten deutschen Schriftsteller in diesem Genre; die Gesamtauflage seiner BĂŒcher betrĂ€gt ĂŒber zwei Millionen Exemplare.

Unter dem Pseudonym Michael Ney beschrieb er in der ErzĂ€hlung Vom Leben des Studenten Raimund in autobiografischen BezĂŒgen seine erste Depression und die nicht erwiderte Liebe zu Raimunds Freund Jerome. Die ErzĂ€hlung erschien 1928 in der Anthologie jĂŒngster Prosa, die Klaus Mann als Mitherausgeber betreute. Tilman Lahme hat diese ErzĂ€hlung wĂ€hrend der Arbeit an seiner Biografie wiederentdeckt und sie in einem zusĂ€tzlichen Band mit dem Titel Man muss ĂŒber sich selbst schreiben im Jahr 2009 veröffentlicht. Weiterhin enthĂ€lt der Band neben der historischen Novelle Lavalette Radioansprachen an die Deutschen fĂŒr den US-Rundfunk (1944–1945), Manns Positionen zur deutschen Ostpolitik und PortrĂ€ts ĂŒber seine Familienmitglieder, ĂŒber John F. Kennedy, Willy Brandt sowie Charles de Gaulle.[57]

Sein Erstlingswerk als Buchautor war das historische Werk Secretary of Europe. The Life of Friedrich Gentz, das Golo zunĂ€chst in deutscher Sprache verfasst hatte und dann im Jahr 1946 in den USA ins Englische ĂŒbersetzt veröffentlicht wurde. Ein Jahr spĂ€ter folgte die deutsche Ausgabe im Europa Verlag von Emil Oprecht in ZĂŒrich unter dem Titel Friedrich v. Gentz. Geschichte eines europĂ€ischen Staatsmannes. Golo Mann lĂ€sst in seinem ersten Buch ĂŒber den Berater Metternichs GrundzĂŒge einer pessimistischen Geschichtsphilosophie erkennen, die an eine Evolution im Verlauf der Geschichte nicht glaubt. Menschliche UnzulĂ€nglichkeit wiederhole sich in der Politik immer wieder, der Einfluss des Einzelnen auf die Macht sei begrenzt. Das Erstlingswerk ist, so der Autor, wie sein spĂ€terer Wallenstein „[
] eine Geschichte vom Elend der Politik, vom Scheitern des politischen Menschen.“[58]

Als zweites Werk erschien im Jahr 1954 Vom Geist Amerikas als Urban-Taschenbuch im Kohlhammer Verlag, das eine Schilderung der Vereinigten Staaten aus europĂ€ischer Sicht bietet. Die „EinfĂŒhrung in amerikanisches Denken und Handeln im zwanzigsten Jahrhundert“ bringt in essayistischer Form einen geschichtlichen Abriss der Innen- und Außenpolitik sowie eine Auseinandersetzung mit der Philosophie des Landes, die sich kritisch mit der McCarthy-Ära auseinandersetzt. Golo Mann schildert in seinem Buch die USA als ein Land voller WidersprĂŒche. Er resĂŒmiert: „Noch immer sehe ich Amerika mit den Augen des EuropĂ€ers. Umgekehrt aber sehe ich Europa mit amerikanischen Augen und vieles, was mir hier ehedem natĂŒrlich erschien, erscheint mir heute eng, kĂŒnstlich und unertrĂ€glich.“ Er fĂŒhrt aus, dass er sich an gewisse Seiten seiner deutschen Kindheit und Jugend „nur mit Grausen“ erinnert.[59]

Golo Manns bekanntestes Werk ist die von der BĂŒchergilde Gutenberg 1953 in Auftrag gegebene Deutsche Geschichte des XIX. und XX. Jahrhunderts, an der er in den Jahren 1956/57 arbeitete und die als zweibĂ€ndige Buchausgabe mit ĂŒber 1000 Seiten im Jahr 1958 erstmalig veröffentlicht wurde. Es enthĂ€lt eine in zwölf Kapitel gegliederte Übersicht ĂŒber die Geschichte Deutschlands, beginnend mit der Zeit der Französischen Revolution und knĂŒpft an Ricarda Huchs dreibĂ€ndiges Werk zur deutschen Geschichte an, das in den Jahren zwischen 1934 und 1949 erschienen war. Golo Mann stellte die Geschichte Deutschlands in den Zusammenhang der europĂ€ischen Geschichte bis hin zur Gegenwart und unterbrach damit die damalige Historikertradition, die aufgrund der „mangelnden Distanz“ der Zeitgeschichte auszuweichen pflegte. Es ist vor allem eine Geschichte des deutschen Geistes. Innen- und Wirtschaftspolitik und die Untersuchung gesellschaftlicher Strukturen treten darin zurĂŒck. Der Historiker brachte die großen Philosophen wie Immanuel Kant, Dichter wie Heinrich Heine und politische Persönlichkeiten wie Karl Marx und Otto von Bismarck in den Kontext der großen UmwĂ€lzungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Das Werk entwickelte sich zum historischen Standardwerk und erscheint bis in die Gegenwart in Neuausgaben.[60]

In den Jahren 1960 bis 1964 war Golo Mann Mitherausgeber der PropylĂ€en Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte von den AnfĂ€ngen bis zur Nachkriegszeit zusammen mit Alfred Heuß und August Nitschke. In dieser Zeit erschienen zehn BĂ€nde im PropylĂ€en Verlag. Er betreute neben der Geschichte des Mittelalters hauptsĂ€chlich die Geschichte der Neuzeit.

Feldmarschall Wallenstein

Die Veröffentlichung der historischen Biografie Wallenstein. Sein Leben erzĂ€hlt von Golo Mann im Jahr 1971 geriet zu einem der grĂ¶ĂŸten Bucherfolge in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Hanno Helbling betitelte seine Rezension ĂŒber das umfangreiche Werk in der Neuen ZĂŒrcher Zeitung mit „Meisterwerk der Geschichtsschreibung“; der Übersetzer und Thomas-Mann-Kenner Peter de Mendelssohn erklĂ€rte, das Werk sei von einer „geradezu hexerischen IdentitĂ€t von Biographie und Historiographie“,[61] wĂ€hrend Golo Mann eine Anerkennung als Schriftsteller wĂŒnschte und es als „nur allzu wahren Roman“ verstanden wissen wollte. Begonnen hatte seine BeschĂ€ftigung mit dem Protagonisten bereits als SchĂŒler; als Abiturient verkörperte er die Hauptrolle in Schillers Wallensteins Tod, und seine abgeschlossene Staatsexamensarbeit in Geschichte, die wegen seiner Emigration aus Deutschland nicht mehr zum Examen fĂŒhrte, beschĂ€ftigte sich ebenfalls mit diesem Thema. Neben Schillers Drama lieferte Ricarda Huchs Wallenstein – Eine Charakterstudie Anregungen fĂŒr dieses Hauptwerk. Golo Mann arbeitete fĂŒnf Jahre daran.[62]

Unvollendet blieb eine Biografie ĂŒber Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, mit der ihn das Krupp‘sche Familienkuratorium 1976 beauftragt hatte. Er reagierte erleichtert, als er nach vierjĂ€hriger Arbeit von der Aufgabe entbunden wurde. Die genauen GrĂŒnde dafĂŒr sind unklar; möglicherweise störte man sich im Hause Krupp am Duktus der Arbeit und an der Offenlegung der Familiengeschichte. Die Biografie wurde nur zu zwei Dritteln fertig und nur in einem Auszug veröffentlicht.

Im November 1986 erschienen die Erinnerungen und Gedanken. Eine Jugend in Deutschland. Golo Mann schildert das vom Vater bestimmte Elternhaus, das Leben mit den Geschwistern, kulturelle EinflĂŒsse wie Literatur, Musik, Theaterspiel, die Schul- und Studienzeit. Das Buch endet mit dem Beginn des „Dritten Reiches“ im Jahr 1933. Es wurde ein großer Erfolg, auch wenn sich einige Kritiker ĂŒber den Titel wunderten, der wie ein Plagiat von Bismarcks Autobiografie Gedanken und Erinnerungen klang. Gleich nach der Veröffentlichung nahm er die Fortsetzung Erinnerungen und Gedanken. Lehrjahre in Frankreich, die die Zeit des französischen Exils von 1933 bis 1940 umfasst, in Angriff. Drei Jahre vor seinem Tod brach Golo Mann die Arbeit daran ab; diese autobiografische Arbeit wurde als Fragment im Jahr 1999 postum veröffentlicht.[63]

Rezeption

Der Historiker – Erfolg und Kritik

„Ich glaube an die ganze TheoriebedĂŒrftigkeit der Geschichte nicht. Die Historie ist eine Kunst, die auf Kenntnissen beruht, und weiter ist sie gar nichts.“

– Golo Mann: PlĂ€doyer fĂŒr die historische ErzĂ€hlung [64]

Golo Manns Deutsche Geschichte des XIX. und XX. Jahrhunderts aus dem Jahr 1958 machte ihn als Historiker bekannt und erreichte viele Leser. Er erhielt bedeutende Preise, beispielsweise 1968 den Georg-BĂŒchner-Preis.

Viele Historikerkollegen teilten die Euphorie nicht, da Mann seine Werke essayistisch formulierte und auf einen Anmerkungsapparat verzichtete, so im 1971 erschienenen umfangreichen Werk Wallenstein, in das er sogar einen fiktiven inneren Monolog des Feldherrn einfĂŒgte. Die Fakten im Wallenstein waren nachprĂŒfbar, doch versah die Fachwelt das Werk mit dem Spott-Titel Lotte in Eger, der auf Thomas Manns Roman Lotte in Weimar anspielte, und der Historiker Hans-Ulrich Wehler nannte Golo Mann in den 1980er-Jahren einen „GoldrĂ€hmchenerzĂ€hler“.[65][66] Golo Mann legte in der Tat in seinem Stil Wert auf VerstĂ€ndlichkeit und Bildhaftigkeit, den Fachjargon lehnte er ab. Manns Freund, der Sprachwissenschaftler Hans-Martin Gauger, betonte in seinem Beitrag Zum Stil Golo Manns[67], dass dieser die direkte Behandlung der Themen liebte und auf gelehrte UmstĂ€ndlichkeit verzichtete. Floskeln wie beispielsweise „Daraus erhellt“ oder „Es erhebt sich die Frage“ vermied er.[68]

Hans-Ulrich Wehler und Golo Mann trafen im Jahr 1978 auf einer Historikertagung zusammen und hielten Referate, die unterschiedliche Standorte vertraten und eine Einigung nicht zuließen. WĂ€hrend Wehler auf die erzĂ€hlende Darstellung historischer Themen nicht einging und Mann eine ĂŒberlebte Geschichtsauffassung vorwarf, erklĂ€rte Mann, Wehler leugne die Möglichkeiten der Veranschaulichung durch eine erzĂ€hlende Form, sodass es seiner Schule an der aus menschlicher Erfahrung gewonnenen Sympathie fehle, die den Gestalten der Geschichte entgegenzubringen sei. Es gab zudem keinen Konsens mit den Mitgliedern der 1930 gegrĂŒndeten, marxistisch orientierten Frankfurter Schule wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse und JĂŒrgen Habermas, denen viele Historiker nahe standen. Diese machten den Kapitalismus fĂŒr Faschismus und Nationalsozialismus verantwortlich und sahen in einer kritischen Analyse des gesellschaftlichen Zustands ein Vorbeugungsmittel gegen solche Ideologien. Golo Mann teilte die optimistischen Tendenzen und den Glauben an die EmanzipationsfĂ€higkeit des Menschen nur sehr bedingt, da er das Schwergewicht seiner Geschichtsdeutung auf das Individuum und nicht auf die Gesellschaft legte.[69]

Briefwechsel Rolf Hochhuth – Golo Mann (1963–1987)

Rolf Hochhuth (rechts) und David Irving, 1966

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) in Bern betreut den Nachlass Golo Manns und das Archiv Rolf Hochhuths, sodass dieser umfangreiche Briefwechsel vollstĂ€ndig erhalten ist. Er umfasst den ersten Dankesbrief Hochhuths an Golo Mann im Zusammenhang mit der Stellvertreter-Kontroverse 1963 bis zum letzten Brief im Jahr 1988.[70] Nachdem Golo Mann den Dramatiker Rolf Hochhuth nach der UrauffĂŒhrung des Stellvertreters neben den Professoren Karl Jaspers, Karl Barth und Walter Muschg stark unterstĂŒtzt und ihn bewundert hatte, entwickelte sich ein langjĂ€hriger Briefkontakt. Die nĂ€chsten StĂŒcke Hochhuths, Soldaten, Guerillas und Die Hebamme fanden jedoch nicht die ungeteilte Zustimmung Golo Manns. Hochhuths Freundschaft mit dem Holocaustleugner David Irving verschlechterte die Beziehung zunehmend. Im Fall Hans Filbinger, der Hochhuth zu dem Drama Juristen (1980) inspiriert hatte, nahm Golo Mann nach dem Erscheinen von Filbingers Verteidigungsbuch Die geschmĂ€hte Generation in der Welt am Sonntag 1987 fĂŒr diesen Stellung, indem er fĂŒr eine Versöhnung mit der Generation eintrat, die den Krieg ĂŒberlebt hatte. Hochhuth warf ihm daraufhin vor, er verstieße damit gegen seine eigene Geschichtsbetrachtung und spielte auf den Historikerstreit an. Dabei sei er, Golo Mann, der Lehrer seiner Generation gewesen. Golo Mann entgegnete, er sei am Historikerstreit nie beteiligt gewesen, und Hochhuth möge sich, anstatt ihn als Neonazi zu verleumden, mit der Darstellung Filbingers intensiv auseinandersetzen. Den letzten Brief Hochhuths ließ Golo Mann ungeöffnet zurĂŒckgehen.[71]

Filme mit Bezug auf Golo Mann und Familie

In den dritten Programmen von NDR, SFB und Radio Bremen lief Ende Oktober 1983 ein zweistĂŒndiger Fernsehfilm von Heinrich Breloer, der das Leben seines Bruders Klaus Mann dokumentierte. Der Titel lautete nach einem Roman von Klaus Mann Treffpunkt im Unendlichen. Golo und Monika Mann gehörten zu den Interviewpartnern Breloers. Golo Mann wurde in einer Szene gezeigt, wie er erstmals ein bisher unbekanntes FBI-Protokoll ĂŒber seinen Bruder las, der als Kommunistenfreund und Homosexueller verdĂ€chtigt wurde.[72]

Breloer war es auch, der den erfolgreichen dreiteiligen Dokumentarfilm Die Manns – Ein Jahrhundertroman konzipiert und gedreht hat. Er wurde im Jahr 2001 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt. Philipp Hochmair interpretierte die Rolle des Golo Mann. Elisabeth Mann Borgese als letzte Überlebende der Literatenfamilie Mann war Interviewpartnerin Breloers.

Ausstellungen zum 100. Geburtstag

Deutsche Briefmarke von 2009 zum 100. Geburtstag

Der GeschichtserzĂ€hler. Golo Mann zum 100. Geburtstag, unter diesem Titel fand eine Ausstellung im Buddenbrookhaus, LĂŒbeck, vom 6. September bis zum 22. November 2009 statt. Der Leiter des Buddenbrookhauses, Holger Pils, erklĂ€rte zum Ansatz der Ausstellung, dass fĂŒr Golo Mann die biografische ErzĂ€hlung eine bevorzugte Form gewesen sei. Daher solle die Ausstellung biografisch erzĂ€hlen und zugleich ein StĂŒck erlebter Geschichte aufzeigen. Pils hat die Ausstellung gemeinsam mit dem Golo-Mann-Biografen Tilmann Lahme konzipiert.[45]

Eine weitere Ausstellung fand 2009 anlĂ€sslich des Geburtstags im Tessin statt, wo Golo Mann in Berzona ein Ferienhaus besaß. Das „Museo Onsernonese“ in Loco erinnerte an den Historiker und Schriftsteller.[73]

Zwischen allen StĂŒhlen – wie es sich gehört war das Motto der Ausstellung im Schwulen Museum Berlin zum 100. Geburtstag im MĂ€rz 2009. Eine Rauminszenierung stellte Golo Manns Jugend und das familiĂ€re Umfeld dar. Nachgebildet war sein Kinderzimmer in der MĂŒnchner Mann-Villa in der Poschingerstraße 1 mit Laufstall und Schulschreibtisch. Eine Wand war mit Thomas-Mann-Bildern und seinen TagebuchauszĂŒgen bestĂŒckt. Weiterer Bestandteil der Ausstellung waren eine Klaus-Mann-Vitrine und eine Heinrich-Mann-BĂŒste.[74]

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)

Schriften (Auswahl)

  • 1947: Friedrich von Gentz. Ullstein, Berlin 1982. ISBN 3-548-02935-3
  • 1954: Vom Geist Amerikas. Kohlhammer, Stuttgart. 2. Aufl. 1955
  • 1958: Deutsche Geschichte des XIX. und XX. Jahrhunderts, Neuausgabe Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Fischer, Frankfurt/Main 2009, ISBN 978-3-100-47920-4
  • 1960–1964: Mitherausgeber Golo Mann: PropylĂ€en Weltgeschichte. Eine Universalgeschichte von den AnfĂ€ngen bis zur Nachkriegszeit. Zehn BĂ€nde, PropylĂ€en Verlag Berlin 1960 bis 1964, ISBN 978-3-549-05840-4
  • 1964: Wilhelm II. Archiv der Weltgeschichte. Scherz-Verlag, MĂŒnchen-Bern-Wien 1964
  • 1970: Von Weimar nach Bonn. FĂŒnfzig Jahre deutsche Republik. Fromm Druckhaus A 1982. ISBN 3-772-95003-5
  • 1971: Wallenstein. Sein Leben erzĂ€hlt von Golo Mann. Fischer, Frankfurt/Main 1997. ISBN 3-596-13654-7
  • 1986: Erinnerungen und Gedanken. Eine Jugend in Deutschland. Fischer, Frankfurt/Main 1991. ISBN 3-596-10714-8
  • 1989: Wir alle sind, was wir gelesen. Verlag der Nation. ISBN 3-373-00435-7
  • 1989: Ludwig I., König von Bayern. Oreos, Schaftlach; Fischer, Frankfurt 2006, ISBN 3-596-14491-4
  • 1992: Wissen und Trauer. Historische Portraits und Skizzen. Reclam, Leipzig. Überab. Neuaufl. 1995. ISBN 3-379-01548-2
  • 1994: Vorwort zum Buch Rudolf Heß: Ich bereue nichts Hg. von Wolf RĂŒdiger Heß. Leopold Stocker Verlag, Graz, Stuttgart 1994. ISBN 3-702-00682-6
  • 1999: Erinnerungen und Gedanken. Lehrjahre in Frankreich. Frankfurt/Main, postum erschienen. Als Taschenbuch 2000: ISBN 3-596-14952-5
  • 2006: Briefe 1932–1992. Herausgegeben von Tilmann Lahme und Kathrin LĂŒssi. Wallstein Verlag, Göttingen 2006. ISBN 3-835-30003-2
  • 2009: Man muss ĂŒber sich selber schreiben. ErzĂ€hlungen, FamilienportrĂ€ts, Essays. Herausgegeben von Tilmann Lahme, mit einem Nachwort von Hans-Martin Gauger. S. Fischer, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-100-47915-0

SekundÀrliteratur

Interview

  • „Ich hasse alles Extreme“ (4. MĂ€rz 1965) GĂŒnter Gaus im Interview mit Golo Mann. In: GĂŒnter Gaus: „Was bleibt, sind Fragen.“ Die klassischen Interviews. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 978-3360010124.

Weblinks

 Commons: Golo Mann â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Golo Mann â€“ Zitate

Einzelnachweise

  1. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S. 10 f
  2. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S. 41
  3. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 620
  4. ↑ Klaus Mann: Kind dieser Zeit, S. 19
  5. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S. 25
  6. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S. 113 f
  7. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 17–19
  8. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S.193–197
  9. ↑ Uwe Naumann: Die Kinder der Manns, S. 82 f
  10. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 23 ff
  11. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S. 265–278
  12. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S.430, 462 ff
  13. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 39 f
  14. ↑ Golo Mann: Erinnerungen und Gedanken, S. 129
  15. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 436
  16. ↑ Uwe Naumann: Die Kinder der Manns, S. 137
  17. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 55 f
  18. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 70−72
  19. ↑ „American Broadcasting Station“ in (Philip M. Taylor: British propaganda in the 20th century: selling democracy. Edinburgh University Press 1999, S. 196)
  20. ↑ Brief an Manuel Gasser, zitiert nach Bitterli: Golo Mann, S. 137
  21. ↑ Uwe Naumann: Die Kinder der Manns, S. 202
  22. ↑ Urs Bitterli:Golo Mann, S. 140 f
  23. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 502 f, 687
  24. ↑ Volker Hage: Enthusiasten der Literatur, S. 111. In: Urs Bitterli: Golo Mann, S. 437
  25. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 161–167
  26. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 216 ff
  27. ↑ Joachim Fest: Begegnungen, S. 226 f
  28. ↑ Clemens Albrecht: Warum Horkheimer Golo Mann einen Â»heimlichen Antisemiten« nannte: Der Streit um die richtige VergangenheitsbewĂ€ltigung, in: Clemens Albrecht, GĂŒnter C. Behrmann, Michael Bock, Harald Homann, Friedrich H. Tenbruck: Die intellektuelle GrĂŒndung der Bundesrepublik. Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule, Campus Verlag, 2000 (19991), ISBN 3-593-36638-X, Seite 189 - 202
  29. ↑ Hanno Helbling: Golo Mann – ein Hausherr?, in: Sprecher/Gutbrodt: Die Familie Mann in Kilchberg, S. 120. In: Urs Bitterli: Golo Mann, S. 493 f, 499
  30. ↑ Golo Mann: ''Der Staatsmann und sein Werk, S. 106. In: Urs Bitterli: Golo Mann, S. 305
  31. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 304 f, 347
  32. ↑ Uwe Naumann: Die Kinder der Manns, S. 270
  33. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 382
  34. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 384 ff
  35. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 232 f
  36. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 408–418
  37. ↑ Uwe Naumann: Die Kinder der Manns, S. 292
  38. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 427
  39. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 512
  40. ↑ Hans Georg LĂŒtzenkirchen: Mit eigenwilliger Beharrlichkeit. literaturkritik.de, 5. Mai 2009, abgerufen am 6. September 2009.
  41. ↑ Vgl. etwa Arnold Reisberg: Besprechung der Deutschen Geschichte, in: Zeitschrift fĂŒr Geschichtswissenschaft, Nr. 7 (1961), S. 1647–1651. In: Urs Bitterli: Golo Mann, S. 616
  42. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 268, 548
  43. ↑ Golo Mann: Tagebuch, 21.  Juni 1990. In: Urs Bitterli: Golo Mann, S. 554
  44. ↑ Axel Schock & Karen-Susan Fessel: OUT! — 800 berĂŒhmte Lesben, Schwule und Bisexuelle, Querverlag, Berlin 2004, ISBN 3-89656-111-1
  45. ↑ a b Golo Mann zum 100. Geburtstag. www.luebeck.de, abgerufen am 5. September 2009.
  46. ↑ Frido Mann: Achterbahn. S. 315 f
  47. ↑ Golo Mann zum 100. br-online, 20. MĂ€rz 2009, abgerufen am 18. September 2009.
  48. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 10–14
  49. ↑ Urs Bitterli: Golo Mann, S. 442 f
  50. ↑ Uwe Naumann (Hrsg.): Die Kinder der Manns, S. 18
  51. ↑ Hans Woller: Tilmann Lahme: Golo Mann. Biographie, Frankfurt a. M.: S. Fischer 2009. sehepunkte 9 (2009), Nr. 5, 15. Mai 2009, abgerufen am 18. September 2009.
  52. ↑ Marianne KrĂŒll: Die Frauen im Schatten von Thomas und Heinrich Mann. Abgerufen am 3. September 2009.
  53. ↑ Heimkehr. nzz.ch, 6. November 2006, abgerufen am 3. September 2009.
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  58. ↑ Uwe Naumann: Die Kinder der Manns, S. 204
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