Grabtuch

Teilansicht des Turiner Grabtuchs mit dem Gesicht
Die erste Fotografie des Grabtuches (Positiv und Negativ)

Das Turiner Grabtuch ist ein 4,36 Meter langes und 1,10 Meter breites Leinentuch, das ein Ganzkörper-Bildnis der Vorder- und Rückseite eines Menschen zeigt. Es wird von vielen Gläubigen als das Tuch verehrt, in dem Jesus von Nazaret nach der Kreuzigung begraben wurde. Die Authentizität ist seit der dokumentierten Ersterwähnung des Tuches umstritten. Archivarbeiten, mikroskopische Untersuchungen und Radiokohlenstoffdatierungen deuten auf einen Ursprung als mittelalterliches Kunstwerk bzw. Artefakt hin, was die Diskussion um das Grabtuch allerdings noch nicht zum Ende gebracht hat.

Inhaltsverzeichnis

Einzigartigkeit

Bisher ist kein weiteres Abbild, das dem Grabtuch gleicht, der Öffentlichkeit bekannt. Die nachstehenden Eigenschaften bedingen großteilig diesen Umstand:

  • Die Abbildung ist nach Helligkeitsparametern ein Negativ. Das äußert sich darin, dass die Grabtuchabbildung im fotografischen Negativ realistischer erscheint als beim Anblick im Original. Trotzdem zeigt sich, dass die Abbildung – überträgt man die lokalen Helligkeitsparameter des Negativs in ein Höhenrelief – eine Dreidimensionalität aufweist, welche von einem typischen fotografischen Negativ einer modernen Kamera mit kurzer Belichtungszeit abweicht. Andererseits wurden modifizierte fotografische Techniken mit sehr langer Belichtungszeit vorgeschlagen, welche eine solche Dreidimensionalität erzeugen können. Auch andere Erklärungen wurden vorgeschlagen; nach dem italienischen Informatikprofessor Nello Balossino weisen experimentgestützte Kontaktbilder, das heißt Bilder, die durch das Auflegen eines Tuches auf einen Körper oder ein Gesicht entstehen, dreidimensionale Informationen auf.[1] Auch durch Kontaktabdrücke von einem Flachrelief lassen sich gemäß Jacques di Costanzo[2] Abbildungen mit der Grabtuch-typischen Dreidimensionalität herstellen.


  • Vergleich mit dem Bild einer realen Maske:
Maske des Agamemnon, die dreidimensional am Gesicht anliegt. Die Ohren sind sichtbar
Fotonegativ der Aufnahme des Turiner Grabtuches mit dem auffallend schmalen Gesicht ohne Ohren
Die Abbildung ist verzerrungsfrei nach Art einer fotografischen Projektion auf eine plane Fläche. Trotzdem zeigt sie Vorder- und Rückseite der abgebildeten Person in voller und identischer Größe. Dies ist insofern bedeutend für die Erklärung der Entstehung des Bildes, als oft argumentiert wird,[3] dass beim Abdruck einer normalen dreidimensionalen Statue oder eines echten Menschen Verzerrungen die Folge sind, die bei dem Abbild auf dem Tuch nicht vorhanden sind.
  • Die Abbildung zeigt beziehungsweise fingiert einen nach Art Jesu gekreuzigten Mann mit Spuren von Geißelung, Dornenkrönung, Annagelung und Brustöffnung. Auffällig ist jedoch, dass die Details, von der christlichen Ikonografie abweichend, mit den Ergebnissen moderner archäologischer Forschung übereinstimmen: Die Spuren der Dornenkrone ergeben keinen Kranz, sondern eine Haube (im Orient war die Dornenhaube üblich und eine Dornenkrone unüblich); die Hände erscheinen nicht in der Fläche, sondern an der Wurzel durchbohrt; die Beine müssten am Kreuz seitlich angewinkelt, nicht ausgestreckt gewesen sein.[4]

Deutungen

Viele Gläubige verehren das Tuch als Reliquie, da es sich nach ihrer Ansicht um das echte Leichentuch Christi handele. Die Abbildungen auf dem Tuch entsprächen dem Körper Jesu Christi. Zahlreiche Kritiker vertreten dagegen die Meinung, dass das Tuch mittelalterlichen Ursprungs sei. Beispielsweise sei es das Werk eines Fälschers, der sowohl über ein hohes naturkundliches Wissen als auch über ausreichende künstlerische Fähigkeiten verfügt habe.

In der historischen Literatur gibt es eine Vielzahl verschiedener Ansätze zur Entstehungsgeschichte des Tuches, die von wissenschaftlich sehr unterschiedlicher Qualität sind. So gibt es beispielsweise die Hypothese, der Tuch-Abdruck stamme von dem nach einer Folterung auf dem Scheiterhaufen verbrannten 23. Großmeister der Tempelritter, Jakob von Molay. Auch wurde etwa Leonardo da Vinci als Urheber des Grabtuches genannt. Gegen diese Annahme spricht indessen, dass sich die Existenz des Grabtuchs historisch jedenfalls bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, während Leonardo da Vinci erst 1452 geboren wurde.

Angesichts der vielen offenen Fragen um die Herkunft und Entstehung des Grabtuches wird es von der katholischen Kirche nicht als Reliquie, sondern als Ikone eingestuft.

Geschichte des Grabtuches

Allgemein anerkannte Geschichte

Die ersten gesicherten und unumstrittenen schriftlichen Quellen, welche die Existenz des Tuches erwähnen, reichen bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Bei weiter zurückliegenden Berichten von Tüchern mit dem Bildnis Christi ist nicht gesichert, ob die beschriebenen Tücher mit dem Turiner Grabtuch identisch sind. Die Schwierigkeit ist dabei, dass zu früheren Zeiten sehr viele gefälschte Reliquien in Umlauf waren und es schwer ist, Berichte über mögliche echte Reliquien von Berichten über Fälschungen zu unterscheiden.

1353 erhielt der französische Ritter Geoffroy de Charny vom König Johann II. dem Guten den Auftrag, eine Stiftskirche in Lirey bei Troyes, Département Aube in der Champagne zu bauen. Dort wurde das Grabtuch erstmals – dokumentarisch durch ein Pilgermedaillon verbürgt – 1357 der Öffentlichkeit präsentiert. Es wurde in Lirey beinahe einhundert Jahre aufbewahrt (1355–1453).

Bereits sehr früh wurde die Authentizität des Grabtuches in Frage gestellt. Der amtierende Bischof von Troyes, Pierre d’Arcis, berichtete im Jahr 1389 in einem Beschwerdebrief an den Gegenpapst Clemens VII. von einem Skandal, den er in der Kirche in Lirey entdeckt habe. Dort habe man „… fälschlich und betrügerisch, in verzehrender Habgier und nicht aus dem Motiv der Hingabe sondern nur aus Gewinnabsicht, für die dortige Kirche ein listig gemaltes bestimmtes Tuch angeschafft, auf dem mit kleverer Fingerfertigkeit das zweifache Bild eines Mannes dargestellt ist, das heißt Vorder- und Rückansicht, von dem sie fälschlich behaupten und vortäuschen, dass dies das wirkliche Grabtuch sei in welches unser Heiland, Jesus Christus, in der Grabesgruft eingewickelt war.“ Neben der seiner Meinung nach implausiblen fehlenden Erwähnung eines Grabtuches mit Körperabbildung in den Evangelien bezieht sich Pierre d’Arcis auf seinen Vorgänger, den Bischof Henri de Poitiers. Unter dessen Amtszeit, 30 Jahre früher, sei das Tuch erstmals ausgestellt worden. Demnach unternahm Henri de Poitiers, nachdem er von der Angelegenheit erfuhr, Nachforschungen und „... entdeckte die Betrügerei und wie das Tuch listig gemalt wurde, der Künstler, welcher es gemalt hatte, bestätigte die Wahrheit, nämlich, dass es das Werk menschlicher Fertigkeit sei, und nicht wunderhaft entstanden oder geschenkt sei.“ Der Name des Fälschers wird nicht genannt. Gestützt wird Pierre d'Arcis' Urteil durch Dokumente von Geoffroy de Charnys Sohn Geoffroy II., in welchen vom Grabtuch durchgehend nur von „Bildnis“ oder „Repräsentation“ die Rede ist.[5] Dasselbe gilt auch für dessen Tochter Margaret de Charny und deren Gemahl Humbert de Villersexel, welche im Besitz des Tuches waren, welches 1418 in eine Festung bei Monfort en Anoix gebracht wurde, und danach zu Saint-Hippolyte-sur-Doubs. Aufgrund des bischöflichen Appells an den Gegenpapst Clemens VII. hat dieser 1392 festgelegt, dass das Tuch keine Reliquie sei, eine Ausstellung aber erlaubt sei, solange es nicht als das Grabtuch Christi präsentiert werde.[6] Pierre d’Arcis erhielt von Clemens VII. unter Androhung der Exkommunikation die Anordnung, Stillschweigen über seine Ansichten zum Tuch zu wahren.

Erst mit dem Besitzwechsel im Jahr 1453 von den Nachfahren von Geoffroy de Charnys zum Herzog Ludwig von Savoyen, dessen Nachfahren das Tuch bis 1983 besaßen, änderte sich die offizielle Einschätzung des Tuches. 1464 sprach Francesco della Rovere, der zukünftige Papst Sixtus IV., vom Tuch als „gefärbt mit dem Blut Jesu“. Dessen Neffe wiederum, der Papst Julius II., widmete dem Tuch 1506 als dem „Heiligen Grabtuch“ einen speziellen Festtag (4. Mai), an dem eine Messe und ein Ritual zu Ehren des Tuches abgehalten wird, wobei es allerdings nicht das einzige anerkannte heilige Grabtuch in dieser Zeit war.

Das Tuch ist seit dem Besitzwechsel zum Haus Savoyen von den jeweiligen Herrschern der Familie als Prestigeobjekt auf ihrer Reise von Burg zu Burg innerhalb ihrer Besitztümer mitgeführt worden, wurde also an vielen Orten aufbewahrt. Dabei wurde es von Zeit zu Zeit auch öffentlich gezeigt. Erst 1502 wurde dem Tuch in der Schlosskapelle von Chambéry, der damaligen Residenz des Hauses Savoyen, ein vorläufig permanenter Aufbewahrungsort in einer Nische hinter dem Altar (heute noch vorhanden) eingerichtet. Eine Brandkatastrophe der Schlosskapelle von Chambéry im Jahre 1532 überstand das Tuch gefaltet in einer Silberkiste, was am Rand symmetrische Brandflecken und Löschwasserflecken hinterließ. Die Brandlöcher wurden zwei Jahre später von Nonnen vernäht.[7] Am 14. September 1578 überführte man das Grabtuch nach Turin, der neuen Residenzstadt des Hauses Savoyen, wo es bis heute in der Kathedrale von Turin, dem Duomo di San Giovanni, aufbewahrt wird. Es blieb im Besitz des Hauses Savoyen über das Ende ihres Königtums in Italien im Jahre 1946 hinaus, auch wenn es seitdem praktisch unter Verwahrung des Erzbischofs von Turin war. Nach dem Tod des ehemaligen italienischen Königs Umberto II. von Savoyen im Jahr 1983 wurde es dem Heiligen Stuhl vererbt.

Bei einem Feuer in der Turiner Kathedrale am 12. April im Jahre 1997 wurde das Tuch durch den Feuerwehrmann Mario Trematore unversehrt gerettet, der in letzter Minute das es umgebende Panzerglas zertrümmerte. Zuletzt wurde das Tuch 1998 zum hundertjährigen Jubiläum der ersten Fotografie des Tuches und im Großen Jubeljahr 2000 öffentlich ausgestellt. Die nächste Ausstellung war für das Jubeljahr 2025 vorgesehen, allerdings gab Papst Benedikt XVI. am 2. Juni 2008 bekannt, dass das Turiner Grabtuch vom 10. April bis 23. Mai 2010 wieder ausgestellt werden darf.[8]

Vorgeschlagene Vorgeschichte des Tuches vor dem 14. Jahrhundert

Besonders der englische Autor von Büchern mit Thematik im religiösen und wissenschaftlichen Grenzbereich Ian Wilson vertritt seit 1978 die These, dass das Turiner Grabtuch mit einem Tuch in Konstantinopel identisch sei, von dem der Geschichtsschreiber und Kreuzzügler Robert de Clari 1204 berichtete, es sei als Grabtuch in der Marienkirche des neuen Blachernen-Palastes aufbewahrt worden und jeden Freitag so ausgestellt gewesen, dass der vollständige Abdruck des Herrn sichtbar war.[9][10][11] Dieses wiederum, so die These, sei mit dem Abgar-Bild identisch, einem Tuchbildnis mit einem Gesichtsabdruck Christi aus Edessa in Mesopotamien, das erstmals im 6. Jahrhundert erwähnt wurde und laut verwendeter Quelle nicht von Menschenhand geschaffen worden sei. Das Turiner Grabtuch sei damals so gefaltet worden, dass nur der Gesichtsabdruck zu sehen war. Im Jahr 944 war eine Byzantinische Armee ausgesandt worden, um dieses Tuchbildnis von Edessa nach Konstantinopel zu bringen.[12] Als während des 4. Kreuzzuges 1204 die Kreuzritter Konstantinopel plünderten, verschwand das Abgar-Bild. Als ein Beleg für die Identität zwischen Abgar-Bildnis und Grabtuch wird meist ein im Jahre 1943 zerstörter und heute nur noch in Abschrift vorhandener Kodex angegeben, wonach im Jahr nach der Plünderung ein Verwandter des byzantinischen Kaisers die Rückgabe des Tuches von Papst Innozenz III. forderte, welches sich seiner Ansicht nach jetzt in Athen befände:

Die Gallier erhielten die Heiligenreliquien, dessen allerheiligster Teil das Tuch ist, in das unser Herr Jesus Christus nach seinem Tod und vor seiner Auferstehung gewickelt wurde. Wir wissen, … dass das heilige Tuch in Athen verwahrt wird (Codex Chartularium Culisanense, copia, fol. CXXVI,[13]).

Der burgundische Adlige Othon de la Roche hatte damals in Athen einen Kreuzfahrerstaat (Herzogtum Athen) gegründet,[14] vorher soll er mit seinen Rittern den Blachernen-Palast gestürmt haben.[15] Auf das Plündern von Reliquien stand die Todesstrafe und deswegen vermuten viele Historiker, dass er dieses Grabtuch den in Athen verweilenden Templer-Rittern überlassen habe. Geoffroy de Charny, der das Turiner Grabtuch 1357 in seiner Stiftskirche der Öffentlichkeit zugänglich machte, war der Enkel eines Templer-Ritters.

Widersprochen wurde dieser These der Identität des Abgar-Bildes mit dem Turiner Grabtuch schon vor der Radiokarbondatierung von Averil Cameron, Expertin für Spätantike und Byzantinische Geschichte.[16] Sie argumentiert, dass die Unterschiede in den historischen Quellen bezüglich der Dimensionen und der Beschaffenheit des Abgar-Bildes zu groß seien, um es mit dem Turiner Grabtuch identifizieren zu können. Weiterhin kommt sie zu dem Ergebnis, dass das Abgar-Bild ein Artefakt sei, welches seinen Ursprung in dem Widerstand zum Ikonoklasmus hat.[17] Dazu kommt seit 1988 die Inkompatibilität mit der Radiokarbondatierung, welche einen mittelalterlichen Ursprung des Tuches nahelegt, und der Wilson ursprünglich selbst eine wichtige Rolle zum überzeugenden Beweis seiner Hypothese einräumte.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Geschichte der Sindonologie

Die Wissenschaft des Grabtuchs nennt sich Sindonologie (altgriechisch ἡ σινδώνsindón, das Leichentuch, ebenfalls eine Bekleidung im Markusevangelium). Die erste wissenschaftliche Untersuchung zur Möglichkeit der Entstehung der Abbildung und deren Authentizität wurde ab 1900 durch den Biologen Paul Vignon und den Anatomieprofessor Yves Delage durchgeführt, mit einem ihrer Meinung nach positiven Ergebnis bezüglich der Authentizität. Ausgelöst wurden diese Untersuchungen durch die erste fotografische Aufnahme des Tuches im Jahr 1898 durch Secondo Pia, welcher feststellte, dass das Bildnis im Negativ viel detailreicher wirkte als im Original. Der Mediziner Pierre Barbet führte in den 1930ern weitere Untersuchungen, hauptsächlich zu den Umständen eines Todes durch Kreuzigung, durch.

Im Jahr 1969 wurde durch den Erzbischof von Turin eine italienische Kommission gebildet, welche das Tuch fotografierte, Empfehlungen für weitere Tests aussprach, aber selbst keine Tests durchführte. Eine 1973 gebildete italienische Kommission, bestehend aus Serologen, Forensikern, Textil- und Kunstexperten, entnahm Probenmaterial und führte mehrere Bluttests durch. Der 1976 vorgelegte Abschlussbericht La S. Sidon: Ricerche e studi della Commissione di Esperti notierte, dass alle durchgeführten Bluttests negativ ausfielen. Durch Eugenia Rizzati wird das Vorhandensein von winzigen gelblich-orangen bis roten Granulen auf den Fasern festgestellt, aber es wurden 1973 keine weiteren speziellen Tests durchgeführt, welche diese etwa als Farbpigmente hätten identifizieren können. Zwei Mitglieder der Kommission, der Ägyptologe Silvio Curto und die Kunstexpertin Noemi Gabrielli, kommen in diesem Abschlussbericht zum Resultat, dass es sich beim Grabtuch um ein im Mittelalter hergestelltes Objekt handele. Beide distanzierten sich später von ihren gemachten Feststellungen.

Im Jahr 1978 fanden weitere Untersuchungen und Probenentnahmen durch das Shroud of Turin Research Project, Inc (STURP) statt. Im Gegensatz zu den vorhergehenden italienischen Kommissionen waren die Mitglieder von STURP weit überwiegend amerikanische Staatsbürger, viele aus militärischen oder sonstigen Forschungsinstitutionen der US-amerikanischen Regierung. Besonders die Untersuchungen über die chemische Beschaffenheit der Abbildungen führten dabei zu heftigen Kontroversen zwischen dem STURP-Mitglied Walter McCrone und den restlichen STURP-Mitgliedern, welche W. McCrone letztlich dazu veranlassten, aus STURP auszutreten. McCrone kam in seinen Untersuchungen an den STURP-Proben mittels Polarisationsmikroskopie und Sekundärelektronenmikroskopie zu dem Ergebnis, dass die Körperabbildung durch Ocker-Pigmente, und die Blutabbildungen sowohl durch Ocker- als auch durch Zinnober-Farbpigmente hervorgerufen werden. Beides sind rote Farbpigmente, welche im Mittelalter von Künstlern verwendet wurden; Zinnober wurde nach McCrone damals für die Darstellung von Blut empfohlen. Während von W. McCrone durchgeführte Bluttests negativ ausfielen und die Resultate der Kommission von 1973 bestätigten, kamen die STURP-Mitglieder J. Heller und A. Adler mittels Mikrospektrometrie zu entgegengesetzten Resultaten und behaupteten, dass die Blutabbildungen aus tatsächlich vorhandenem Blut bestehen würden. Für die Körperabbildung werden von J. Heller und A. Adler dehydrierte gelbliche Fasern verantwortlich gemacht, nach McCrone hingegen werden die gelblichen Fasern durch das verwendete Farb-Bindemittel verursacht. Das nach dem Austritt von McCrone praktisch nur noch aus Echtheitsbefürwortern bestehende STURP schloss sich in ihrem Abschlussbericht J.Heller und A. Adler an. W. McCrone erhielt Unterstützung von anderen Echtheitsskeptikern wie dem Petrologen S. Schafersman, aber auch zahlreichen der Echtheitsdiskussion ansonsten eher fernstehenden Personen wie etwa Linus Pauling. Im Jahr 2000 erhielt McCrone den National Award in Analytical Chemistry der American Chemical Society; in der Antragsschrift wurde Bezug auf seine Arbeiten zum Turiner Grabtuch genommen. Starke Unterstützung erhielt die Schlussfolgerung McCrones aus seinen Resultaten, dass das Tuch mittelalterlichen Ursprungs sei, aber durch die 1988 durchgeführte Radiokohlenstoffdatierung, welche das Tuch zwischen 1260 und 1390 n. Chr. datierte.

Die Sindonologie ist insgesamt starker Kritik unterworfen, und die Qualität ihrer Forschungsresultate wird in Frage gestellt. Zum einen rührt das daher, dass im Umfeld der Sindonologie viele zweifelhafte populärwissenschaftliche oder schlichtweg pseudowissenschaftliche Publikationen entstanden. Zum anderen werden aber zum Beispiel auch den Internationalen Kongressen zum Grabtuch und den zugehörigen Publikationen, einem Forum zum Austausch neuer Resultate in der Sindonologie, ein „deprimierendes Verhältnis betreffend faktischen Informationen und religiösen Interpretationen“ (H. Gove[18]) nachgesagt. Weiter kritisiert wird der eingeschränkte und selektive Zugang für Wissenschaftler zum Grabtuch beziehungsweise genommenen Grabtuchproben. Den Mitgliedern von STURP wird vorgeworfen, dass viele Mitglieder mehr religiös als wissenschaftlich motiviert sind und einige gleichzeitig Mitglied der „Gilde des Heiligen Grabtuches“ (englisch: Holy Shroud Guild) sind, einer katholischen Organisation, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, die „Sache“ des Grabtuches zu fördern.[19] Einer der vehementesten Kritiker von STURP ist S. Schafersman, welcher deren Arbeiten weitgehend als Pseudowissenschaft einstuft.[20] W. McCrone beklagte den starken Druck aus den Reihen des Turin Sindonological Centers, welchem er ausgesetzt gewesen sei, und auf welchen er auch die Distanzierung von S. Curto und N. Gabrielli von ihren Aussagen im Expertenbericht von 1976 zurückführt. Echtheitsbefürworter kontern auf diese Vorwürfe ihrerseits mit dem Vorwurf der Voreingenommenheit in Richtung der Skeptiker.

Mögliche Entstehungsweisen des Bildes

Überblick über Erklärungsversuche

Es muss zwischen der eigentlichen Abbildung eines Gekreuzigten und den Abbildungen der Blutflecken unterschieden werden. Die chemischen Beschaffenheiten der Abbildungen sind umstritten. Walter C. McCrone behauptet, Ockerpigmente in Bereichen der Körperabbildung und der Blutfleckabbildung sowie zusätzlich Zinnober-Pigmente in Bereichen der Blutfleckabbildungen nachgewiesen zu haben. Echtheitsbefürworter gehen heute überwiegend davon aus, dass die Gekreuzigten-Abbildung durch Dehydration und damit Verfärbung der obersten Faserschicht erklärt werden kann und die Substanz der Blutabbildungen echtes Blut sei, welches das Tuch durchdrungen habe.

Wie das Bild auf dem Tuch entstanden ist, ist bis heute ungeklärt. Eine Fälschung eines mittelalterlichen Künstlers hätte aufgrund der Qualität der Abbildung und ihrer Eigenschaften sehr große Kunstfertigkeiten verlangt. Es gibt viele Erklärungsversuche für die Bildung des Bildes:

  • Kontaktabdruck: Körper/Vorlage war in Tuch gehüllt. An Stellen mit direktem Kontakt entstand eine Verfärbung, ausgelöst beispielsweise durch Wärme, chemische Reaktionen, auf Körper/Vorlage aufgebrachtes Pulver oder Farbpigmente.
  • Distanzwirkung: Körper/Vorlage war in Tuch gehüllt. Verfärbung tritt nicht nur an Stellen mit direktem Kontakt ein, sondern kann noch in einer gewissen Distanz von einigen Zentimetern zwischen Tuch und Körper beziehungsweise Vorlage eintreten. Als Verfärbungsmechanismen wurden beispielsweise elektromagnetische Wellen, Radioaktivität, Diffusion oder elektrostatische Entladung vorgeschlagen.
  • Malerei durch einen Künstler.
  • Hybrid-Mechanismen: Mischung aus mehreren der obigen Mechanismen (Beispiel: Flachreliefabdruck, bei dem das Tuch nicht direkt mit der eigentlichen Vorlage in Kontakt kommt, sondern nur mit einem nach dieser Vorlage gestaltetem Flachrelief).

Die Entstehungsmöglichkeiten wurden von J. P. Jackson und anderen untersucht.[21] Kriterien, nach denen sie die unterschiedlichen Methoden beurteilten, waren hauptsächlich die Schärfe der Abbildung und eine von ihnen beobachtete Dreidimensionalität der Grabtuchabbildung. Diese letzte Forderung wurde aufgestellt, da aus der Umsetzung der örtlichen Stärke des Grabtuchbildes in ein Höhenrelief ein recht realistisch aussehendes Körperrelief erzeugt werden konnte. Nach diesen Untersuchungen kann keine dieser obigen Methoden die Eigenschaften der Grabtuchabbildung befriedigend beschreiben. Distanzwirkungstheorien können zwar die dreidimensionalen Informationen gut erklären, da die örtliche Stärke der produzierten Abbildungen mit der erwarteten Entfernung eines Leintuches vom Körper an der jeweiligen Stelle korreliert, wenn dieses Leintuch den Körper umhüllt. Allerdings produzieren Distanzwirkungsmethoden generell nur unscharfe Bilder. Kontaktabdruck-Methoden und Malerei wären zwar in der Lage, scharfe Abbildungen zu produzieren, können aber die dreidimensionale Information nicht erklären. Auch Hybrid-Mechanismen konnten nicht alle geforderten Kriterien erfüllen, obwohl Flachreliefabdrucke im Vergleich zu den anderen Methoden den geforderten Kriterien noch am nächsten kamen.

Ein weiterer wichtiger Einwand gegen eine Abbildung (in sämtlichen Details) eines realen menschlichen Körpers durch direkten Kontakt ist die Tatsache, dass das Abbild in keiner Weise verzerrt ist, obwohl eine Verzerrung aufgrund der Topologie eines menschlichen Kopfes in jedem Fall zu erwarten wäre, ähnlich wie eine zweidimensionale Karte auch nur ein verzerrtes Bild der Erde liefert. Vielmehr stellt die Abbildung eine Projektion dar, was die These einer künstlerischen Fälschung mittels fotografischer Techniken vermuten lässt. Ein „Lichtblitz“ bei der Auferstehung kann die unverzerrte und scharfe Projektion nur schwer oder überhaupt nicht erklären. Je nachdem, ob man sich den Lichtblitz von einer Punktquelle innerhalb des Körpers oder ausgedehnt diffus von der Körperoberfläche ausgehend vorstellt, sollten entweder die weiter von der Punktquelle wegliegenden Körperteile verzerrt sein oder, bei ausgedehnter Quelle, die Abbildung eher unscharf und verschwommen sein.

Malerei

Vertreten wurde die Malerei-Hypothese unter anderem von W. McCrone [22]. Aufgrund seiner Forschungen zum Grabtuch kam er zu dem Ergebnis, dass das Grabtuch eine um 1355 entstandene Malerei für eine neue Kirche sei, welche ein attraktives Relikt benötigte, um Pilger anzuziehen. Nach McCrone wird die Technik, mit der das Bild gemalt wurde, bereits in einem 1847 von C. L. Eastlake geschriebenen Buch Methods and Materials of Painting of the Great Schools and Masters (neuaufgelegt in New York 1960) beschrieben. C. L. Eastlake beschreibt in einem Kapitel über mittelalterliche Maltechniken Practice of Painting Generally During the XIVth Century eine spezielle Technik der Leinenmalerei mit Temperafarbe, welche Abbildungen mit ungewöhnlichen transparenten Eigenschaften erzeugt, die nach W. McCrone der Grabtuchabbildung gleichen.

Flachrelief

Die Flachrelief-Technik wird zum Beispiel von Jacques di Costanzo oder auch Joe Nickell vertreten.

Fotografieähnliche Methode

Ein Erklärungsversuch durch eine fotografieähnliche Methode wird heute hauptsächlich vom Kunsthistoriker Nicolas Allen[23][24][25][26] vertreten. In einer Testreihe mit einem lichtdichten Raum (einer Art Camera Obscura), in deren Apertur eine einfache neuzeitliche Linse aus Quarz optischer Qualität angebracht war, und mit Silbernitrat-Lösung getränkten Leinentüchern konnte er bei mehrtägiger Belichtungszeit Bilder von Statuen auf Leinentüchern erzeugen, die dem Bildnis auf dem Turiner Grabtuch ähneln und wie bei diesem durch Ausbleichung der äußeren Faserschichten zustande kommen. Die so erzeugten Bilder haben die nötige Schärfe, um das Grabtuchbild zu erklären, und beinhalten auch die von J. P. Jackson und anderen (1984) geforderten dreidimensionalen Informationen. Wesentlich für das Entstehen dieser Dreidimensionalität ist die mehrtägige Belichtungsdauer, wodurch die Belichtungsverhältnisse durch die Sonne sich während der Belichtung stark verändern. Ursprünglich hatte J. P. Jackson eine fotografische Methode aufgrund der fehlenden Dreidimensionalistät ausgeschlossen, wobei er allerdings eine moderne Kamera benutzte. Der Unterschied ist, dass sich die Belichtungsverhältnisse während der kurzen Belichtungszeit einer modernen Kamera nicht ändern.

N. Allen begründet seine Hypothese damit, dass die notwendigen Materialien und prinzipiellen Grundkenntnisse für eine einfache fotografische Methode zur Zeit des mittelalterlichen erstmaligen gesicherten Auftauchens des Tuches bekannt gewesen seien. Das Prinzip der Camera Obscura war zu dieser Zeit längst bekannt, und ebenso war Silbernitrat (früher oft Höllenstein genannt und medizinisch verwendet) erhältlich.[27] Die Lichtempfindlichkeit einiger Substanzen ist seit Jahrtausenden bekannt, etwa die des Farbstoffs Purpur. Albertus Magnus (1200–1280) erwähnt in seinen Aufzeichnungen, dass auf der Haut aufgetragenes Silbernitrat sich verfärbt. Aus Bergkristall geschliffene Linsen wurden zu dieser Zeit beispielsweise als Lesesteine verwendet, und das Prinzip der Linse wurde auch spätestens seit dem 13. Jahrhundert für Brillen benutzt[28]. Auf das 11./12. Jahrhundert datierte Linsen, welche zum Teil eine Qualität aufweisen, die der von modernen Linsen gleicht, wurden in Gotland gefunden (Visby-Linsen).

Eingewendet wird hier vor allem, dass bei einem menschlichen Körper nach Tagen an der Sonne zu schnell die Verwesung einsetzen würde. Verwiesen wird zudem auf die Resultate von A. Adler, dass unterhalb einer Blut-Abbildung keine Verfärbung der Fasern und damit keine Körperabbildung vorhanden ist, so dass die Körperabbildung erst nach der des Blutes entstanden sei. Allerdings ist es nicht wesentlich für N. Allens Methode, echte menschliche Körper zu verwenden – es könnten auch Statuen verwendet werden, so wie N. Allen es in seinen Versuchen tat – und A. Adlers Resultate bezüglich des Vorhandenseins von Blut sind hoch umstritten.

Details des Bildes

Art der Kreuzigung

Oft wird argumentiert, dass die auf dem Grabtuch auftretenden vielen akkuraten Details einer Kreuzigung einem Künstler des Mittelalters absolut unbekannt waren. So wurden nicht, wie in fast sämtlichen bildlichen Darstellungen zu sehen, die Handflächen durchschlagen, sondern die Handgelenke. Diese Erkenntnis geht auf den französischen Mediziner Pierre Barbet zurück, welcher in den 1930er-Jahren entsprechende Versuche mit Leichen und Berechnungen durchgeführt hat. Der Pathologe F. T. Zugibe publizierte allerdings 1995 eine Arbeit, in der er einige Irrtümer in P. Barbets Arbeit aufzeigte und zu dem Schluss kam, dass die Nägel wahrscheinlich doch durch die obere Hälfte der Handfläche getrieben wurden, und nicht durch den Destot-Raum in der Handwurzel, wie von Barbet behauptet. Die Daumenseite der Handwurzel kann nach Zugibe aber nicht ganz ausgeschlossen werden. In einer archäologischen Ausgrabung in Jerusalem wurde 1968 das Grab eines Gekreuzigten gefunden, in dessen Fußknochen noch ein Nagel steckte. In der Handwurzel wurde kein Nagel gefunden, sondern es wurden Kratzer nachgewiesen, die darauf hindeuten, dass der Nagel an dieser Stelle durch die Handwurzel getrieben worden war. Da Konstantin der Große die Kreuzigung im Jahre 314 verboten hatte, sollten solche Kenntnisse im Mittelalter in Europa nicht mehr vorhanden gewesen sein. Im Gegensatz dazu wurden in islamischen Gebieten auch im Mittelalter gelegentlich noch Kreuzigungen gemäß der Schari'a, die dies zum Beispiel für Straßenraub vorsieht, durchgeführt. „Praktisches Wissen“ darüber könnte somit durch die Kreuzfahrer nach Europa gelangt sein. Es gibt auch schon – vor den neuzeitlichen Erkenntnissen durch P. Barbet und anderen – vereinzelt frühe Darstellungen der Kreuzigung, bei denen die Nägel durch die Handwurzeln getrieben dargestellt sind. Dies ist etwa bei einigen vom deutschen Künstler Georg Petel zu Beginn des 17. Jahrhundert gefertigten Kruzifixen in jansenistischer Darstellung der Fall.

Bild auf der Rückseite

Im April 2004 entdeckten Forscher[29] von der Universität Padua ein sehr schwaches und viel weniger detailliertes Bild auf der Rückseite des Tuches, bestehend nur aus dem etwas unschärferen Gesicht und den Händen. Keine anderen Details sind sichtbar. Wie das Bild auf der Vorderseite ist es gleichfalls das Resultat der Einfärbung nur der äußersten Fasern des Gewebes, und seine Darstellung ist akkurat mit der vorderen Seite abgeglichen. Zu dieser Entdeckung kam es bei der Auswertung von Fotografien, die 2002 aufgenommen wurden, als während der Restaurierung des Turiner Grabtuches nicht nur die 30 Stoffflicken, welche die Brandlöcher überdeckten, sondern auch das auf die Rückseite genähte sogenannte Holland-Leinentuch nach fast 500 Jahren entfernt wurde.

Computeranalysen – Geheimnisvolle Schriftzeichen

1997 wurden durch die Wissenschaftler André Marion und Anne-Laure Courage mit modernen Methoden der Computeranalyse, unter anderem einer digitalen Verstärkung von Farbvariationen auf der Grabtuchoberfläche, angeblich Inschriften neben dem Antlitz sichtbar gemacht.[30] Es handelt sich hierbei um etwa einen Zentimeter große griechische und lateinische Buchstaben. An der rechten Kopfhälfte steht „ΨΣ ΚΙΑ“. Dieses wird als ΟΨ ΣΚΙΑ (ops = Kopf; skia = Schatten) interpretiert. An der linken INSCE (inscendat = er mag hinaufgestiegen sein) oder IN NECE (in necem ibis = du wirst in den Tod gehen) und ΝΝΑΖΑΡΕΝΝΟΣ (nnazarennos, ein falsch geschriebenes „der Nazarener“ auf Griechisch – so bei Markus, sonst stets ΝΑΖΟΡAIΟΣ, von aramäisch "nazoraja oder "nazaren"), an der unteren HΣOY, der Genitiv von „Jesus“, doch der erste Buchstabe fehlt.[31] André Marion selbst hat keine paläographischen Untersuchungen durchgeführt, erwähnt aber in seinem oben zitierten Artikel in der abschließenden Zusammenfassung kurz recht allgemein und vorsichtig formuliert, dass einige Paläographen die Zeichen eher vor das Mittelalter ansetzen würden (“Some paleographists already consider that the characters, similar to epigraphic characters, are oriental rather than occidental and antique rather than medieval, probably dating from the first centuries of our era.” aus A. Marion: Discovery of inscriptions on the shroud of Turin.) Er gibt aber weder Namen der Paläographen an, noch sonst irgendeinen Hinweis darauf, wie sie zu ihren Schlüssen gelangen, womit die Behauptung als letztlich unbelegt einzustufen ist.

Münzen auf den Augen?

Nach Ansicht des Psychiaters und Sindonologen Alan Whanger waren dem Leichnam des Grabtuches Münzen auf die Augen gelegt worden, wie es in der hellenistischen Zeit Brauch war. Eine davon identifizierte dieser als römische Bronzemünze, die in den Jahren 29 und 30 in Jerusalem unter Pontius Pilatus geprägt wurde. Da die Münzen mit bloßem Auge auf den Fotografien praktisch nicht zu erkennen sind, griff Wanger auf eine von ihm selbst entwickelte Technik[32] zurück, in der das Bild der angeblichen Münze mit Vorlagen zur Übereinstimmung gebracht wird, um diese zu vergleichen.

Es wird eingewandt, dass Gegentests mit anderen Vorlagen nicht gemacht wurden, um diese Technik zu testen und auszuschließen, dass mit dieser von Whanger entwickelten Methode eine andere oder gar jede beliebige Vorlage zu einem gewünschten positiven Ergebnis führt. Die Technik von A. Whanger wird deswegen als Beispiel für schlechte Wissenschaft genannt.[33]

Radiokohlenstoffdatierung von 1988

Die Radiokohlenstoffdatierung wurde 1988 zur Ermittlung des Alters herangezogen. Am linken Eckrand des Grabtuches, in unmittelbarer Nähe eines 7,5 cm breiten, angenähten Seitenstreifens, wurde eine 10 mm x 70 mm kleine Probe entnommen. Die geteilte Probe wurde von drei unabhängigen Instituten mit 95 Prozent Konfidenz auf ein Alter zwischen 1260 und 1390 n. Chr. datiert, wobei der Mittelwert 1325 n. Chr. als wahrscheinlichster Wert angegeben wurde. In diesen Zeitbereich fällt die erstmalige gesicherte Erwähnung des Grabtuches im Jahr 1357.

Vorgeschichte

Wichtige Voraussetzung der Datierung von 1988 war die Entwicklung und Anwendung der Beschleunigermassenspektrometrie als neuartige Methode zur Datierung mittels Radiokarbon. Erst durch diese neue Messtechnik konnte die benötigte Probenmenge derart verringert werden, so dass nur ein verhältnismäßig kleines Probenstück vom Turiner Grabtuch entnommen werden musste. Eine Voruntersuchung im Jahr 1983 an drei Textilproben bekannten Alters, koordiniert durch das Britische Museum, hatte die Durchführbarkeit der geplanten Untersuchung am Turiner Grabtuch bestätigt.[34]

Auf einer Konferenz im Jahre 1986 in Turin wurde von sieben Radiokarbonlaboratorien ein Protokoll zur Probenentnahme und Datierung des Turiner Grabtuches vorgeschlagen. Vorgesehen war darin die Probenentnahme an mehreren Stellen des Grabtuches und die Datierung durch die sieben Laboratorien. Der Erzbischof von Turin, als Vertreter des Heiligen Stuhls, wählte drei der Laboratorien (University of Arizona, Oxford University, Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich) aus. Weitere Veränderungen am endgültigen Protokoll betrafen die Probenentnahme; statt Proben von mehreren Stellen wurden nach dem neuen Protokoll alle Proben von derselben Stelle des Grabtuches entnommen.

Probenentnahme, Messung und Resultate

Die Probenentnahme fand in der Sakristei der Turiner Kathedrale am 21. April 1988 statt. Anwesend waren der Turiner Erzbischof und sein wissenschaftlicher Berater, ein Repräsentant des Britischen Museums, Repräsentanten der Radiokarbonlaboratorien, zwei Textilexperten und G. Riggi, welcher die Probenentnahme vornahm. Ein etwa 10 x 70 mm großer Streifen wurde in der Nähe einer Stelle entnommen, an der bereits 1973 eine Probe entnommen worden war. Dabei wurde darauf geachtet, dass an dieser Stelle keine Flicken oder verkohlte Stellen vorhanden waren. Drei Proben (jede in etwa 50 mg) wurden von diesem Streifen separiert. Diese wurden zusammen mit Kontrollproben durch den Turiner Erzbischof (Ballestrero), seinem wissenschaftlichen Berater (Gonella) und dem Repräsentanten des britischen Museums (Tite) einzeln in verschiedene Behälter verpackt. Bis auf die Verpackung wurde die komplette Probenentnahme durch Video- und Photoaufnahmen dokumentiert. Obwohl den Radiokarbonlaboratorien nicht mitgeteilt wurde, welche Behälter die Grabtuchproben und welche Behälter die Kontrollproben enthielten, notierten sie in ihrer späteren Veröffentlichung, dass die Grabtuch-Proben durch das drei-zu-eins Fischgrätmuster-Webmuster eindeutig identifizierbar waren.

Da das Grabtuch mehreren möglichen Kontaminationsquellen (Schmutz, Rauch) ausgesetzt war, wurde besonders Wert auf die Vorbehandlung der Proben gelegt. Alle Labore untersuchten ihre Proben mikroskopisch um Verschmutzungen zu identifizieren und zu entfernen. Die einzelnen Laboratorien zerteilten ihre Proben weiterhin in mehrere Teilproben und behandelten diese mit jeweils verschiedenen effektiven chemischen und mechanischen Reinigungsverfahren.

Die gereinigten Proben wurden verbrannt, das entstandene Kohlendioxid in Graphit-Pellets umgewandelt und der Messung mittels Beschleunigermassenspektrometrie zugeführt. Nachdem die Proben gemessen worden waren, wurden die Resultate zum British Museum Research Laboratory zur statistischen Analyse übermittelt. Publiziert wurden die Resultate in einem Fachartikel im Journal Nature.[35] Die Autoren des Nature-Artikels notieren, dass die Streuung der Messwerte zwischen den drei Radiokarbonlaboratorien etwas größer ist, als es zu erwarten wäre, wenn nur rein statistische Streuung als experimentelle Fehlerursache in Betracht gezogen würde. Eine eingehende Untersuchung der Statistik der Radiokarbonresultate des Turiner Grabtuches durch J. A. Christen führte jedoch zum Resultat, dass das ermittelte Radiokarbonalter aus statistischer Sicht korrekt ist.[36] Die Messwerte der mit unterschiedlichen Reinigungsprozeduren behandelten Teilproben der jeweiligen Laboratorien zeigten keine signifikante Abweichung der Messresultate von den anderen Teilproben desselben Labors; allgemein ein starkes Argument gegen eine signifikante Verfälschung eines Radiokarbonalters durch Kontamination.

Probe Oxford Zürich Arizona
Turiner Grabtuch 1200 n. Chr. 1274 n. Chr. 1304 n. Chr.
Kontrollprobe (Fäden, 1290–1310 n. Chr) 1195 n. Chr. 1265 n. Chr. 1228 n. Chr.
Kontrollprobe (Leintuch, 11./12. Jhd. n. Chr) 1010 n. Chr. 1009 n. Chr. 1023 n. Chr.
Kontrollprobe (Leintuch, 1. Jhd. v. Chr–1. Jhd. n. Chr) 30 v. Chr. 10 n. Chr. 45 v. Chr.
Berechnete Entstehungszeit nach der Radiokohlenstoffdatierung. Jedes Labor erhielt auch drei Kontrollproben bekannten Alters.

Bedeutung

Die Radiokarbondatierung des Grabtuches war in mehrerlei Hinsicht sehr bedeutend. Zum einen trug es in der breiten Öffentlichkeit zum Bekanntwerden der Möglichkeiten der neuartigen Radiokarbondatierung mittels Beschleunigermassenspektrometrie bei. Zum anderen wird weithin akzeptiert, dass die Veröffentlichung des Resultates in der Zeitschrift Nature einen größeren Einfluss auf die Erforschung des Turiner Grabtuches – dem am meisten untersuchten Artefakt in der menschlichen Geschichte – als jede andere Publikation zum Turiner Grabtuch hatte.[37]

Obwohl die Übereinstimmung des Radiokarbonalters mit dem Datum der erstmaligen gesicherten Erwähnung des Grabtuches als konsistent erscheint, sind insbesondere von Befürwortern der Authentizität des Turiner Grabtuches Einwände gegen die Gültigkeit der Datierung erhoben worden. Nicht in Frage gestellt wird dabei die Zuverlässigkeit der Arbeit der drei beteiligten Radiokarbonlabore, was aufgrund der Reputation der beteiligten Institute unplausibel erscheinen würde. Meist wird auf eine mögliche unentdeckte Kontamination oder Nichtrepräsentativität der Probenentnahmestelle verwiesen. Anhand des großen Unterschieds zwischen dem gemessenen Alter und einem Alter, wie es für eine Authentizität des Grabtuches notwendig wäre, ist es jedoch eine große Herausforderung, Szenarien zu entwerfen, welche einem Grabtuch aus dem 1. Jahrhundert ein scheinbares Radiokarbonalter im 13./14. Jahrhundert verleihen würden. Eine Verschmutzung des Grabtuches aus dem 16. Jahrhundert müsste etwa 70% des Grabtuches ausmachen um eine Datierung aus dem 1. Jahrhundert zu der gemessenen Radiokarbondatierung hin zu verschieben. Vertreter der Radiokarbonmethode stehen solchen Szenarien gegenüber allgemein sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber.[38] So verwirft etwa Harry Gove, Entwickler der Radiokarbondatierung mittels Beschleunigermassenspektrometrie und einer der Hauptinitiatoren der Grabtuchdatierung, solche vorgebrachten Einwände, verteidigt die Gültigkeit der Datierung und geht davon aus, dass es sich beim Grabtuch nicht um ein Relikt, sondern um eine Ikone handelt.

Hypothesen, die eine Verfälschung des Radiokarbonalters behaupten

Abweichende Datierung durch Lignin-Vanillin-Zerfall

Dr. Ray Rogers gelang es im Dezember 2003 von L. Gonella, welcher 1988 bei der Probenentnahme für die Radiokarbondatierung zugegen war, kleine Proben zu erhalten, die laut Gonella von dem zur Radiokohlenstoffdatierung verwendeten Probenstück stammen, deren Entnahme allerdings undokumentiert ist.[39] Seine Untersuchungen führten R. Rogers, der bereits Mitglied des STURP-Teams von 1978 war, zu dem Ergebnis, dass in der Radiokarbonprobe im Gegensatz zu den 1978 bei den STURP-Untersuchungen genommenen Proben der Stoff Vanillin, ein Zerfallsprodukt des im Flachs enthaltenen Lignins, enthalten ist. Zusätzlich enthalten demnach die Radiokarbonproben Gummiarabikum, was auf einen erst ab dem Mittelalter verwendeten Farbstoff schließen lässt. Ferner zeigt Rogers, dass die 1973 von Prof. Raes für textilische Untersuchungen an der praktisch gleichen Stelle wie die Radiokohlenstoffdatierung entnommenen Proben ebenfalls Vanillin und Gummiarabikum enthalten.

Da das Gummiarabikum chemisch leicht entfernbar ist, schließt er, dass die Reinigungsprozeduren bei der 1988 durchgeführten Radiokohlenstoffdatierung diese beseitigt haben müssen. Das Vanillin ist sowieso ein Zerfallprodukt des Stoffes und beeinflusst eine Radiokohlenstoffdatierung nicht. Deswegen sei eine Verfälschung der Radiokohlenstoffdatierung an sich auszuschließen, allerdings glaubt Rogers zeigen zu können, dass der Probenort nicht repräsentativ für das Grabtuch ist. Zu diesem Schluss kommt er durch Berechnung der Zeit, die benötigt wird, bis die Vanillin-Konzentration, welche mit der Zeit abnimmt, unter der Nachweisgrenze liegt, so dass er ein minimales Alter für die STURP-Proben erhält. Diese minimalen Alter hängen stark von der angenommenen Umgebungstemperatur ab, bei einer Temperatur von 25 °C kommt R. Rogers auf ein minimales Alter von 1300 Jahren, bei 20 °C bereits auf ein minimales Alter von 3000 Jahren. Demnach müsste also der überwiegende Teil des Grabtuches, von dem die STURP-Proben stammen, älter sein als der Ort, von dem die Radiokarbonproben stammen. Rogers schließt daraus, dass im Mittelalter kunstvoll ein Flicken durch „Invisible Reweaving“ in das Originaltuch eingewebt wurde, der bei der Entnahme der Proben als solcher nicht erkannt wurde, und daher versehentlich das Alter einer gestopften Stelle gemessen wurde.

Allerdings hat die neue Datierung einige schwerwiegende Schwächen (siehe hierzu[40][41][42]): Das mit dieser Methode datierte minimale Alter hängt stark von der Umgebungstemperatur ab (deshalb der sehr große Bereich von 1300 bis 3000 Jahren), insbesondere können kurze Zeiten mit hohen Temperaturen das gemessene Alter sehr stark erhöhen. Zum anderen ist diese neue chemische Datierungsmethode noch nicht mit Hilfe von anderen Proben bekannten Alters validiert, sondern wurde bisher nur im Zusammenhang mit dem Grabtuch verwendet. Aus der Erfahrung mit anderen chemischen Datierungsmethoden ist aber bekannt, dass man zunächst genau testen muss, ob das Ergebnis auch durch andere Faktoren beeinflusst wird, etwa die Zusammensetzung des Ausgangsstoffes, Anwesenheit anderer Substanzen und auch die Art der Probenentnahme und Lagerung. Vanillin kann prinzipiell durch viele Faktoren zerstört werden, was ein künstlich hohes Alter vortäuschen würde. Die Aussagekraft dieser Datierung (bzw. ob eine Datierung auf diese Art überhaupt möglich ist) lässt sich erst dann beurteilen, wenn diese Methode systematisch mit anderen Proben validiert wurde.

Verunreinigung durch Bakterien und Pilze

Wieder andere glauben, dass Bakterien und Pilze, die zum Beispiel laut L. A. Garza-Valdes durch eine Schutzschicht den Verfall des Tuches verhindern, die Verteilung der Isotope beeinflusst hätten.[43] Die benötigte Kontamination, um einen so großen Fehler von 1300 Jahren durch Verunreinigung gemäß Garza-Valdes zu erzeugen, liegt selbst im günstigsten Fall, wenn die Kontamination durch Mikroorganismen erst im 20. Jahrhundert entstanden wäre und nur aus phototrophen Bakterien bestehen würde (also Bakterien, die ihren Kohlenstoffbedarf durch Photosynthese aus dem Kohlendioxid der Luft decken würden), bei 66 Prozent und ist relativ unwahrscheinlich. Nach L. A. Garza-Valdes sind die Bakterien und Pilze aber auch für das Zustandekommen des Bildes verantwortlich, demnach müssen diese schon im 14. Jahrhundert vorhanden gewesen sein, und die benötigte Kontamination müsste dementsprechend viel höher als 66 Prozent sein. Außerdem kann eine solche Kontamination nur durch phototrophe Bakterien entstehen, welche Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen und somit das Radikarbonalter des Tuches verfälschen – dazu aber ist Licht nötig und diese Art der Kontamination kann für den Zeitraum in dem das Tuch in einem Behälter aufbewahrt wurde ausgeschlossen werden. Es ist wahrscheinlicher, dass die Mikroorganismen chemotrophe sind und sich von dem Grabtuch selbst ernährten und somit das Radiokarbonalter nicht verfälschten.

Feuer von 1532: Isotopenaustausch durch Erhitzung

Einige Anhänger einer Frühdatierung behaupten, dass das Feuer von 1532 die Ergebnisse der Datierung verfälscht habe. Solche Behauptungen, speziell, dass durch das Feuer verursachter Isotopenaustausch das Radiokarbonalter verfälscht habe, wurden in Publikationen von D. Kouznetsov und anderen vertreten.[44] Diese Behauptungen wurden von den Vertretern der Radiokarbonlabors umgehend als inkorrekt und in von den Radiokarbonlabors durchgeführten Tests als nicht reproduzierbar zurückgewiesen.[45] Zudem haben sich die Arbeiten von D. Kouznetsov und anderen nach Überprüfung durch Gian Marco Rinaldi als wissenschaftlich unseriös erwiesen.[46]

Verschwörungstheorien

Einige Verschwörungstheorien behaupten, dass eine absichtliche Vertauschung der Radiokarbonproben vor der Datierung durch an der Probenentnahme beteiligte Personen stattgefunden habe. Meist wird hier auf die nicht durch Video- oder Fotoaufnahmen dokumentierte Verpackung und Verteilung der Proben durch M. Tite vom British Museum und Kardinal Ballestrero verwiesen. Diese These wurde beispielsweise 1990 in einem Buch vom Theologen Werner Bulst vertreten, einem Authentizitätsbefürworter, der über mehrere Jahrzehnte an den Forschungen zum Grabtuch beteiligt war. Verbreitet wurde diese Verschwörungstheorie auch durch eine 1991 gratis verteilte Ausgabe des Journals Catholic Counter-Reformation in the XXth Century , herausgegeben von einer ultrakonservativen katholischen, hauptsächlich in Frankreich lokalisierten, Organisation, welche in einer Anzahl von Punkten in Opposition zum Vatikan steht. Weiterhin wurde diese These 1992 in einem Buch von H. Kersten und E. Gruber aufgegriffen, welche dort ihre These vertreten, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe.

Widersprochen wird dieser Verschwörungsthese nicht nur von an der Datierung aktiv beteiligten Instituten, sondern auch vom prominenten Authentizitätsbefürworter Ian Wilson. Wilson verweist auf seine persönliche Bekanntschaft mit den beteiligten Personen wie Tite, deren Integrität, und betont, dass er solchen Unterstellungen strengstens widerspreche.[47] H. Gove vermutete, dass die Änderung des Protokolls durch die Kirche, besonders die Reduzierung der Probenentnahme auf einen einzigen Ort anstelle der drei ursprünglich vorgesehenen Entnahmestellen, mit der Absicht erfolgt sei, im Falle eines negativen Radiokarbon-Resultats betreffend der Echtheit, den Authentizitätsbefürwortern einen Angriffspunkt gegen die Datierung zu liefern.[48]

Neutronenhypothese

Auch wurde die Hypothese aufgestellt, dass durch die Auferstehung eine große Zahl von Neutronen erzeugt worden sind, die den C-14-Anteil im Tuch erhöht hätten.[49] Diese These wird jedoch von Fachwissenschaftlern wegen des übernatürlichen Faktors der Auferstehung abgelehnt. Zudem wäre neben einem Wunder auch noch ein extrem großer Zufall nötig, um genau die richtige Menge an C-14 zu erzeugen, deren Messung das Alter der gesicherten Ersterwähnung des Grabtuches als Ergebnis hat[50][51][52]

Pollenuntersuchungen und angebliche Abbildungen von Pflanzen auf dem Tuch

Pollenuntersuchungen wurden erstmals durch den Forensiker Max Frei-Sulzer,[53] später durch Avinoam Danin und Uri Baruch durchgeführt.[54] Diese durchaus kontroversen botanischen Untersuchungen sollen Hinweise auf den Ursprungsort geben, da Pollen größtenteils im einem Umkreis von 100 Meter von der Mutterpflanze zu Boden fallen. Sie beantworten nicht direkt die Frage der Entstehungszeit (Mittelalter oder 1. Jahrhundert n. Chr.) und der Authentizität des Tuches. Beispielsweise könnte nach I. Wilson[55] selbst eine Entstehung des Tuches in Nahost dadurch erklärt werden, dass ein im Mittelalter in Palästina gefertigtes Tuch durch den zu dieser Zeit bereits ausgeprägten Textilhandel nach Europa gelangt sei. Konkret könnte etwa Geoffrey de Charny, der erste dokumentierte Besitzer des Tuches welcher während seines Lebens mindestens bis nach Smyrna in Kleinasien reiste, dorthin gehandeltes Tuch aus Palästina erworben haben.

Für diese Pollenuntersuchungen wurden von Frei-Sulzer durch Aufdrücken von mehreren Klebebandstreifen an verschiedenen Stellen des Grabtuchs Partikelproben entnommen. Während ein Teil dieser Probenentnahmen bereits bei den Untersuchungen 1973 stattfand, wurde ein weiterer Teil bei den Grabtuch-Untersuchungen von 1978 genommen. Unter diesen Partikeln sind nach Frei-Sulzer 49 Pflanzenpollen (bezogen auf die 1973 genommenen Proben; in späteren Berichten, welche die Klebebänder von 1978 beinhalten, stieg die Zahl zu mehr als 50), von denen 33 entweder in Israel (bevorzugt Jerusalem) oder der Türkei, jedoch nicht in Westeuropa vorkommen. Nach Frei-Sulzers Tod 1983 gelangten seine Proben zunächst in den Besitz von ASSIST (Association of Scientists and Scholars International for the Shroud of Turin) und wurden später vom bekannten Grabtuch-Authentizitätsbefürworter und Psychiater Alan Whanger übernommen. Dieser stellte sie A. Danim und U. Baruch zu weiteren Untersuchungen zur Verfügung. Diese kommen zum Schluss, dass die Dichte der Pollen auf dem Grabtuch zu hoch ist, um sie mit Windeintrag erklären zu können. Zusammen mit A. Whanger, welcher mit einer speziellen Technik Abbildungen von Pflanzen auf dem Grabtuch entdeckt haben will[56], schließen sie weiter, dass die Pollen durch direkten Kontakt mit den entsprechenden Pflanzen auf das Tuch kamen. Die Pollentypen weisen demnach auf den Frühling als Zeitpunkt des Kontaktes und die Entstehung der behaupteten Pflanzenabbildungen hin.

Die Brauchbarkeit dieser Pollenuntersuchungen sowie das Vorhandensein der Pflanzenabbildung auf dem Grabtuch werden heftig angezweifelt. Auf einer Konferenz von Forensik-Experten (INTER/MICRO-82) im Jahr 1982 wies Steven Schafersman auf Inkonsistenzen innerhalb Frei-Sulzers Daten sowie schwerwiegende Diskrepanzen zwischen Frei-Sulzers Daten und Daten die aus vergleichbaren Klebeband-Proben stammen hin, welche 1978 parallel zu Frei-Sulzers Proben genommen wurden, und von W.McCrone und Mitgliedern von STURP untersucht wurden. Diese Diskrepanzen können nach Schafersman praktisch nur durch eine Fälschung, das heißt künstliche Anreicherung von Frei-Sulzers Klebeband-Proben, erklärt werden.[57][58] Dies mache sowohl Frei-Sulzers Resultate als auch die späteren Untersuchungen an diesen Proben durch A. Danim und U. Baruch wertlos. Schafersman untermauert seine Anschuldigung mit einer Bemerkung Ernst Martins, dem früheren Direktor der kriminal-technischen Dienste der Stadt Basel, der auf bereits frühere bekannte Verfehlungen Frei-Sulzers hinwies. Dies bezieht sich auf ein vernichtendes Urteil einer schweizer Untersuchungskommission (in welcher E. Martin Mitglied war), welche Anfangs der 1970er die Tätigkeit Frei-Sulzers als Leiter des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich überprüfte, und welches zu seinem Rücktritt führte.[59] Die Glaubwürdigkeit an der Seriosität Frei-Sulzers Arbeiten leidet zusätzlich durch sein Mitwirken an dem falschen Gutachten zu den sogenannten Hitler-Tagebüchern. Joe Nickell vermutete ebenfalls eine Kontamination der Proben Frei-Sulzers, allerdings nicht absichtlich sondern durch fehlerhafte Probenentnahme mit Hilfe der Klebebänder. Er begründet dies damit, dass Frei-Sulzers Klebebänder allgemein nur sehr wenig Pollen enthalten und nur ein einziges Klebeband sehr viel Pollen enthält, diese aber an einer Stelle, welche mit dem Tuch nicht in Berührung gekommen ist.[60]

Auch die angeblichen Abbildungen von Pflanzenteilen, welche A. Whanger gefunden haben will, werden sehr skeptisch gesehen[61] und als Beispiel für schlechte Wissenschaft oder Pseudowissenschaft angesehen. A. Whanger sei Psychiater, kein Experte für Optik oder optische Mustererkennungstechniken. Die von ihm vorgestellte Technik, die gleiche mit der er auch römische Münzen auf den Augen der Grabtuchabbildung nachgewiesen haben will, wird als praktisch unbrauchbar bezeichnet. Die behaupteten Pflanzenabbildungen seien, wenn überhaupt, nur äußerst schwach zu sehen und auch anders deutbar. M. S. Epstein hat in einem Artikel betreffend schulischer Didaktik in wissenschaftlichen Fächern vorgeschlagen, diese Technik Whangers wegen ihrer einfachen Nachbaubarkeit im Schulunterricht zu benutzen, um Schülern anhand dieses negativen Beispiels die Wichtigkeit von korrekt durchgeführten Blindtests zu demonstrieren.[62]

Webart des Tuches

Die Beschaffenheit des Tuches wurde 1973 im Rahmen einer italienischen Expertenkommission von dem Textilexperten Gilbert Raes untersucht. Im 1976 veröffentlichten Abschlussbericht dieser Expertenkommission (La S. Sidon: Ricerche e studi della Commissione di Esperti, Diocesi Torinese, Turin, 1976) kommt Raes zu dem Schluss:

  • "Am Beginn der christlichen Ära waren sowohl Baumwolle als auch Leinen im Nahen Osten bekannt. Die Webart ist nicht besonders speziell und erlaubt uns nicht, die Zeitperiode, in der es hergestellt wurde, zu bestimmen."

und

  • "Auf der Basis der obigen Beobachtung können wir sagen, dass wir keine präzisen Hinweise haben, welche uns ohne einen Schatten des Zweifels erlauben würde zu schließen, dass das Gewebe nicht in die Zeit Christi zurück datierbar ist. Andererseits ist es auch nicht möglich zu bestätigen, dass das Gewebe tatsächlich in dieser Zeit gewebt wurde."

Die Schweizer Textilspezialistin Mechthild Flury-Lemberg, die im Sommer 2002 Konservierungsarbeiten an dem Tuch durchführte, gibt an, dass die Webart des Tuches ein drei-zu-eins Fischgrätmuster ist. Fischgrätmuster sind auch aus dem Mittelalter bekannt[63] und Flury-Lemberg weist in einem Interview mit dem amerikanischen öffentlichen Fernsehen (PBS)[64] darauf hin, dass ein drei-zu-eins Fischgrätmuster in der Antike eine außergewöhnliche Qualität bedeutete, während weniger feines Leinen im ersten Jahrhundert ein eins-zu-eins-Fischgrätmuster gehabt hätte. Sie erwähnt in dem Interview, dass auf einer Seite des Tuches eine Naht existiert, deren Muster eine Ähnlichkeit zur Saumnaht eines Gewebes hat, das in der jüdischen Befestigung in Masada gefunden wurde und welches in die Zeit zwischen 40 v. Chr. und 73 n. Chr. datiert. Ihre Schlussfolgerung lautet:

  • "Das Leinen des Grabtuches von Turin zeigt keine Web- oder Näh-Techniken, die gegen einen Ursprung als Hochqualitäts-Produkt von Textilarbeitern im ersten Jahrhundert sprechen würden"

Flury-Lemberg wurde bereits in den 1980ern zur Möglichkeit einer Datierung des Grabtuches durch Textilanalyse befragt und weigerte sich, da es nach ihr unmöglich ist, ein seriöses Datierungs-Resultat allein aus einer Textilanalyse zu bekommen.

Untersuchungen der Blutfleckabbildungen

Die erste bekannte Überprüfung der Blutspurabbildungen durch international anerkannte Serologen fand im Rahmen einer von Kardinal Michele Pellegrino eingesetzten, zunächst geheim gehaltenen, Untersuchung des Grabtuches im Jahre 1973 statt. Dabei wurden mehrere Nachweismethoden – mikroskopisch, chemisch, biologisch und andere – angewendet. Der 120 Seiten lange Abschlussbericht La S. Sidon: Ricerche e studi della Commissione di Esperti (Das heilige Grabtuch: Forschungen und Studien der Expertenkommission) wurde erst 1976 veröffentlicht. Darin wird berichtet, dass alle angewandten Nachweismethoden negative Ergebnisse bzgl. des Vorhandenseins von Blut lieferten.[65]

Auch eine Untersuchung im Rahmen des STURP-Projektes durch Walter McCrone kam zu dem Ergebnis, dass kein Blut, sondern die in der Malerei verwendeten Farbpigmente Ocker und Zinnober in den Blutabbildungen des Tuches zu finden sind.[66][67][68] John Heller und Alan Adler kamen durch chemische Tests an vergleichbaren Proben zu einem positiven Ergebnis und das STURP-Projekt schloss sich in seinem Abschlussbericht dieser Meinung an.[69][70] Der Forensiker John E. Fischer vertrat auf einer Konferenz 1983 die Meinung, dass die Resultate von John Heller und Alan Adler mit deren Methoden auch durch Temperafarbe verursacht werden können.

Daneben gibt es auch Behauptungen, dass es sich bei den Blutfleckabbildungen um Blut der Blutgruppe AB handele (Baima Bollone 1981). Diese werden selbst von anderen Authentizitätsbefürwortern mit Vorsicht betrachtet[71] und von Skeptikern gewöhnlich ganz abgelehnt. Außerdem wird heute unter Forschern angenommen, dass die Blutgruppe AB relativ jungen Ursprungs ist. Es gibt keinen Nachweis für die Existenz dieser Blutgruppe vor etwa dem Jahr 700 n. Chr. Da in innerasiatischen (mongolischen) Stämmen Träger der Blutgruppe B häufig sind, wird heute angenommen, dass mit der Einwanderung dieser Stämme nach Europa und in andere Gebiete, in denen Menschen mit der Blutgruppe A leben, die Blutgruppe AB durch Vermischung entstand.[72][73] Wäre auf dem Grabtuch tatsächlich Blut der Gruppe AB zu finden, wäre es demnach eher ein Hinweis auf einen mittelalterlichen Ursprung des Tuches. Auf L. A. Garza-Valdes zurückgehende Behauptungen, wonach die Blutgruppe AB unter Juden besonders häufig sei, sind falsch.[74] Auch Behauptungen von angeblichen DNA-Spuren (so etwa von L. A. Garza-Valdes) in den Blutrückständen beruhen auf nicht autorisierten Proben und werden auch von Alan Adler, der ansonsten die Authentizität der Blutrückstände vertritt, als unglaubwürdig abgelehnt. Zudem hätte praktisch jeder, der in der Vergangenheit mit dem Tuch in Berührung kam, DNA-Spuren hinterlassen.

Vergleich mit dem Schweißtuch von Oviedo und dem Schleier von Manoppello

Zwar ist auf dem Schweißtuch von Oviedo, einer anderen umstrittenen Reliquie, keine Abbildung zu sehen, aus einem Vergleich[75] der vorhandenen Blutspuren (angeblich der gleichen seltenen Blutgruppe AB) auf dem Schweißtuch mit denjenigem Muster des Grabtuchs schließen Authentizitätsbefürworter, dass die Tücher denselben Kopf bedeckten. Die zahlreichen punktförmigen Wunden werden der Dornenkrone beim Tod Christi zugeschrieben. Avinoam Danin fügte dieser Untersuchung sein Ergebnis der Analyse des Blütenstaubes (siehe oben) übereinstimmend hinzu. Wenn dies den Tatsachen entspricht, wäre dies ein deutlicher Widerspruch zu der Radiokarbondatierung.

Auf einem weiteren Tuch, dem Schleier von Manoppello in den italienischen Abruzzen, findet sich das Bild eines Mannes mit geöffneten Augen, dessen Gesichtsverletzungen sich mit denen der Tücher von Turin und Oviedo decken. Nach Auffassung einiger Autoren soll das Volto Santo zusammen mit dem Turiner Grabtuch und dem Schweißtuch von Oviedo aus dem Grab Jesu stammen.

Ist ein Leichnam oder ein lebender Mensch abgebildet?

In der populärwissenschaftlichen Literatur wird von dem Religionspädagogen H. Kersten und dem Parapsychologen E. Gruber die These vertreten, dass der Mensch unter dem Grabtuch noch gelebt haben könnte und Jesus die Kreuzigung überlebt habe. Sie begründen ihre Behauptung damit, dass Leichen nicht wie Lebende bluten, die Blutfleckabbildung also nur durch einen lebend eingewickelten Körper entstanden sein könne.

Zwar setzt tatsächlich in der Regel bereits kurz nach dem Tod die Blutgerinnung ein,[76][77] allerdings kann auch bei einem toten Körper bis zur vollständigen Gerinnung noch Blut durch eine größere Wunde austreten. Zudem ist es umstritten ob es sich in den Blutfleckabbildungen wirklich um Blut handelt. Außerdem könnte Blut auch künstlich aufgebracht worden sein. In der seriösen wissenschaftlichen Literatur spielen die Thesen von Kersten und Gruber praktisch keine Rolle.

Zitat

Il fascino misterioso esercitato dalla Sindone spinge a formulare domande sul rapporto tra il sacro Lino e la vicenda storica di Gesù. Non trattandosi di una materia di fede, la Chiesa non ha competenza specifica per pronunciarsi su tali questioni.

Die geheimnisvolle Faszination des Grabtuches wirft Fragen über die Beziehung dieses geweihten Leinens zum historischen Leben Jesu auf. Da das aber keine Glaubensangelegenheit ist, hat die Kirche keine besondere Befugnis, zu diesen Fragen Stellung zu beziehen.

(Papst Johannes Paul II. am 24. Mai 1998[78])

Siehe auch

Literatur

Bücher

  • Maria Grazia Siliato (Archäologin, Historikerin): Und das Grabtuch ist doch echt: die neuen Beweise. Heyne, München 2002, ISBN 3-453-16501-2
  • Karl Herbst: Kriminalfall Golgatha. Econ, Berlin 1992, ISBN 3-430-14355-1
  • Joseph Sauer: Die ältesten Christusbilder. Wasmuth, Berlin 1920
  • Hans Belting: Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. Beck, München 1990, ISBN 3-406-37768-8
  • Werner Bulst S.J.: Betrug am Turiner Grabtuch. Der manipulierte Carbontest. Knecht, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-7820-0609-7 (mit kirchlicher Druckerlaubnis)
  • Michael Hesemann: Die stummen Zeugen von Golgotha. Die faszinierende Geschichte der Passionsreliquien Christi. Hugendubel, München 2000, ISBN 3-7205-2139-7
  • Michael Hesemann: Stigmata. Sie tragen die Wundmale Christi. Silberschnur, Neuwied 2006, ISBN 3-89845-125-9
  • Lynn Picknett, Clive Prince: Die Jesus-Fälschung. Leonardo da Vinci und das Turiner Grabtuch. Lübbe, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-7857-0773-8
  • Blandina Paschalis Schlömer: Der Schleier von Manoppello und das Grabtuch von Turin. Resch, Innsbruck 1999, ISBN 3-85382-068-9
  • Christopher Knight, Robert Lomas: Das Grabtuch von Turin, die Templer und das Geheimnis der Freimaurer. Scherz, München 1999, ISBN 3-502-15378-7
  • Nello Balossino: Das Bild auf dem Turiner Grabtuch: Photographische Untersuchung und Informationsstudie. Schnell & Steiner, Regensburg 2000, ISBN 3-7954-1334-6
  • Roman Laussermayer: Meta-Physik der Radiokarbon-Datierung des Turiner Grabtuches. Verlag für Wissenschaft und Forschung, Berlin 2000, ISBN 3-89700-263-9
  • Markus von Hänsel-Hohenhausen: Vom Antlitz in der Welt. Gedanken zur Identität im 21. Jahrhundert. Frankfurter Verlagsgruppe, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-937909-54-0 (mit Schwerpunkt Turiner Grabtuch)
  • Markus von Hänsel-Hohenhausen: The Countenance in the World. Thoughts on Identity in the Twenty-first Century. Fouqué, London 2005, ISBN 1-904632-25-4
  • Paul-Eric Blanrue: Le Secret du Suaire – autopsie d'une escroquerie. Pygmalion, 2006
  • Harry Gove: Relic, Icon or Hoax? Carbon Dating the Turin Shroud. Institute of Physics Publishing, Bristol 1996, ISBN 978-0-7503-0398-9
  • David Sox: The Shroud Unmasked. The Canterbury Press, Scoresby 1988, ISBN 0-947293-07-8
  • Walter C. McCrone: Judgment day for the Shroud of Turin. Prometheus Books, Amherst/NY 1999, ISBN 1-57392-679-5

Aufsätze

  • P. E. Damon u. a.: Radiocarbon dating of the Shroud of Turin. In: Nature, 1989, vol. 337, S. 611 - 615.
  • M. Warner: The Shroud of Turin. In: Annalen der Chemie, 1989, Band 61, 2, 101A
  • Amardeo Sarma: Ein Tuch mit sieben Siegeln? Das Turiner Grabtuch als Forschungsgegenstand. 2000. In: Skeptiker, Heft 00-2.
  • Stephan Matthiesen: Zweifel am Alter des Turiner Grabtuchs[40], 30. Januar 2005. Nachdruck in Skeptiker, Heft 05-4, S. 164 - 165.
  • Jacques Evin: La datation radiocarbone du Linceul de Turin. In: Dossiers d'Archéologie., Nr. 306, September 2005, ISSN 1141-7137, Seiten 60 bis 65
  • Daniel Raffard de Brienne: La désinformation autour du Linceul de Turin. Éditions de Paris, Paris 2004. ISBN 2-85162-149-1.

Roman

  • Alexander Lohner: Das Jesustuch. Aufbau, Berlin 2005, ISBN 3-7466-2122-4
  • Julia Navarro: Die stumme Bruderschaft. Limes, München 2005, ISBN 3-8090-2499-6
  • Jacques Neirynck: Die letzten Tage des Vatikan. Rowohlt, Reinbek 2006, ISBN 3-499-24122-6
  • Patrick Roth: Corpus Christi. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1996, ISBN 3-518-39564-5

Weblinks


Referenzen

  1. Nello Balossino: Das Bild auf dem Turiner Grabtuch: Photographische Untersuchung und Informationsstudie. Schnell & Steiner, Regensburg 2000, ISBN 3-7954-1334-6
  2. Jacques di Costanzo: Science & Vie. 2005
  3. z. B. argumentiert bereits Silvio Curto in La S. Sidon: Ricerche e studi della Commissione di Esperti in dieser Weise
  4. Echtheitsdiskussion und Forschungsergebnisse im historischen Überblick – Diplomarbeit (2000) von Arabella Martínez Miranda
  5. Ian Wilson Mysterius Shroud Doubleday, (1988)
  6. [1] Dokumentation des ZDF zum Turiner Grabtuch
  7. Diese 30 Flicken sind 2002 von einer Textilexpertin entfernt worden, so dass das Turiner Grabtuch am Rand anders aussieht als noch auf sämtlichen älteren Fotos
  8. [2] Meldung zur Ausstellung des Turiner Grabtuchs 2010 auf kath.net
  9. Ian Wilson: The Turin Shroud. London 1978
  10. Ian Wilson: Mysterius Shroud. Doubleday, 1988
  11. Robert of Clari's account of the Fourth Crusade, chapter 92: And on every Friday that shroud did raise itself upright, so that the form of Our Lord could clearly be seen.
  12. Predigt des Gregor Referendarius über das wahre Porträt Christi aus dem Jahre 944 (englisch)
  13. Nationalbibliothek Palermo, zum Jahre 1205 wurde durch US-amerikanische Bombardierung 1943 angeblich zerstört, in Abschrift erhalten, ein Foto siehe in: http://histor.ws/grabtuch/geschichte02.htm
  14. Liste adliger Burgunderund [3]
  15. Chroniken des vierten Kreuzzugs: die Augenzeugenberichte von Geoffroy de Villehardouin und Robert de Clari, 1998
  16. Averil Cameron: The Sceptic and the Shroud King's College Inaugural Lecture monograph, London 1980
  17. Averil Cameron: The mandylion and Byzantine Iconoclasm. In H. Kessler, G. Wolf (Hrsg.): The holy face and the paradox of representation. Bologna 1998, S. 33–54
  18. H. Gove: Relic, Icon or Hoax? Seite 38
  19. Joe Nickell Voice of Reason: The Truth Behind the Shroud of Turin
  20. Steven Schafersman: A Skeptic's View of the Shroud of Turin. History, Iconography, Photography, Blood, Pigment, and Pollen. (Powerpoint-Präsentation)
  21. J. P Jackson, E. J. Jumper, W. R. Ercoline: Correlation of image intensity on the Turin Shroud with the 3-D structure of a human body shape. In: Applied Optics. Band 23, 1984, S. 2244–2270
  22. Walter McCrone in: Wiener Berichte über Naturwissenschaft in der Kunst 1987/1988, 4/5, 50.
  23. Nicholas P. L. Allen: Is the Shroud of Turin the first recorded photograph? In: The South African Journal of Art History. 11. November 1993, S. 23–32
  24. Nicholas P. L. Allen: The methods and techniques employed in the manufacture of the Shroud of Turin. Unpublished DPhil thesis, University of Durban-Westville, 1993
  25. Nicholas P. L. Allen: A reappraisal of late thirteenth-century responses to the Shroud of Lirey-Chambéry-Turin: encolpia of the Eucharist, vera eikon or supreme relic? In: The Southern African Journal of Medieval and Renaissance Studies. 4 (1), 1994, S. 62–94
  26. Nicholas P. L. Allen: Verification of the Nature and Causes of the Photo-negative Images on the Shroud of Lirey-Chambéry-Turin.
  27. Photo History – Finding the chemistry
  28. Die Geschichte der Brille. im Virtuellen Museum der Augenoptik
  29. G. Fanti, R. Maggiolo: The double superficiality of the frontal image of the Turin Shroud. In: "Journal of Optics A: Pure and Applied Optics. 6, 2004 S. 491–503
  30. A. Marion: Discovery of inscriptions on the shroud of Turin by digital image processing. In: Optical Engineering. 37, 1998, S. 2313
  31. Foto
  32. A. Whanger: Polarized Image Overlay Technique. A New Image Comparision Method and Its Applications.
  33. M. S. Epstein: Using Bad Science to Teach Good Chemistry. In: Journal of Chemical Education. 75 (11), 1998, S. 1399–1404
  34. R. Burleigh, M. N. Leese, M. S. Tite in Radiocarbon. 28, 1986, S. 571-577
  35. P. E. Damon u.a.: Radiocarbon Dating of the Shroud of Turin. In: Nature. 337, 1988
  36. J. A. Christen: Summarizing a Set of Radiocarbon Determinations: a Robust Approach. In: Journal of Applied Statistical Science. 43, Nr. 3, 1994, S. 489–503
  37. L. A. Currie: The Remarkable Metrological History of Radiocarbon Dating [II]. In: Journal of Research of the National Institute of Standards and Technology. 109, 2004, S. 185–217
  38. R. E. M. Hedges: A Note Concerning the Application of Radiocarbon Dating to the Turin Shroud. In: Approfondimento Sindone. 1, 1997, S. 1–8
  39. Raymond N. Rogers: Studies on the radiocarbon sample from the shroud of turin. In: Thermochimica Acta. Band 425, 2005, S. 189–194 (PDF)
  40. a b Stephan Matthiesen: Zweifel am Alter des Turiner Grabuches. Neuartige Datierungsmethode wirft Fragen auf. Aktuelle Nachricht der Gesellschaft für Anomalistik e. V., 30. Januar 2005
  41. Steven Schafersman: A Skeptical Response to Ray Rogers Thermochimica Acta paper on the Shroud of Turin.
  42. John L. Ateo, Rachel C. Ateo: Rev. Father Francois Laisne 'Shroud of Turin' Apologist.
  43. H. E. Gove, S. J. Mattingly, A. R. David, L. A. Garza-Valdes: A problematic source of organic contamination of linen. In: Nuclear Instruments and Methods in Physics Research B. 123, 1997, S. 504–507
  44. D. A. Kouznetsov, A. A. Ivanov, P. R. Veletsky: Effects of fires and biofractionation of carbon isotopes on results of radiocarbon dating of old textiles. The Shroud of Turin. In: Journal of Archaeological Science. 23, 1996, S. 109–121
  45. A. J. T. Jull, D. J. Donahue, P. E. Damon: Factors Affecting the Apparent Radiocarbon Age of Textiles. A Comment on "Effects of Fires and Biofractionation of Carbon Isotopes on Results of Radiocarbon Dating of Old Textiles. The Shroud of Turin", by D. A. Kouznetsov et al. In: Journal of Archaeological Science. 23, 1996, S. 157–160
  46. Gian Marco Rinaldi fand bei Nachforschungen (siehe M. Polidoro: Notes on a Strange World, The Case of the Holy Fraudster.) in den Arbeiten Kouznetsovs eine große Anzahl von Zitaten aus wissenschaftlichen Artikeln, welche nicht existieren. Außerdem existieren Museen nicht, von denen Kouznetsov die angeblichen Proben für seine Forschungen erhalten haben will, und viele andere Ungereimtheiten. Selbst das Forschungsinstitut, dessen Direktor Kouznetsov angibt zu sein, existiert nicht, und seine Forschungen sind vermutlich frei erfunden, zumindest aber sicher verfälscht. Bereits vor seiner „Karriere“ in der Sindonologie wurden D. Kouznetsov wissenschaftliche Fälschungen nachgewiesen (Dan Larhammar: Severe Flaws in Scientific Study Criticizing Evolution. In: Skeptical Inquirer. 19, Nr. 2 1995)
  47. “Many of you here in continental Europe have opted for there having been some kind of clandestine switch of the samples used for the dating, basically, that Dr. Michael Tite and/or his colleagues in some way conspired to pervert the truth. If that is what you still believe, then I can only disagree with you most strongly.” aus Ian Wilson An Appraisal of the Mistakes Made Regarding the Shroud Samples Taken in 1988 – and a Suggested Way of Putting These Behind Us 1999
  48. H. Gove: Relic, Icon or Hoax
  49. T. J. Phillips: Shroud irradiated with neutrons. In: Nature. 337, 1989, S. 594–594
  50. R. E. M. Hedges: Shroud irradiated with neutrons – reply. Nature 337, 1989, S. 594–594
  51. H. E. Gove: Dating the turin shroud – an assesment. In: Radiocarbon. 32, 1990, S. 87–92
  52. A Coghlan: Neutron Theory fails to resurrect the Turin Shroud. In: New Scientist. 121, 1989, S. 28
  53. M. Frei in Naturwissenschaftliche Rundschau. 32, 1979, S. 132–135
  54. A. Danin, A. D. Whanger, U. Baruch, M. Whanger: Flora of the Shroud of Turin. In: Missouri Botanical Garden Press. 52, 1999
  55. I. Wilson: Mysterious Shroud. Seite 76
  56. Polarized Image Overlay Technique. A New Image Comparision Method And its Applications.
  57. Anhang 2 in W. McCrone: Judgement day for the shroud of turin.
  58. S. D. Schafersman: Unraveling the Shroud of Turin In: Approfondimento Sindone. 2, 1998
  59. Grund waren zahlreiche fehlerhafte Gutachten, an denen Frei-Sulzer mitwirkte und die teilweise zur Verurteilung von Personen führten. Die Untersuchungskommission bemängelte schwerwiegende Fehler und kam zum Beispiel in einem Fall zu dem Schluss: „Dr. Frei-Sulzer war in der Bewertung der Ergebnisse seiner Untersuchungen und in den daraus gezogenen Schlüssen zu wenig kritisch. Das Gutachten könnte den Eindruck erwecken, es habe unbedingt jemand der Tat überführt werden sollen.“ siehe auch B. Lüscher, M. Bosonnet: Die Funktion der angeblichen Objektivität von Gutachtern Am Beispiel des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich.
  60. Joe Nickell: Pollens on the 'shroud': a study in deception. Shroud of Turin. In: Skeptical Inquirer. 1994
  61. R. Lewis: XVI International Botanical Congress – The shroud of turin controversy returns. In: Scientist. 13 (18), 11999, S. 10–11
  62. M. S. Epstein: Using Bad Science to Teach Good Chemistry. In: Journal of Chemical Education. 75 (11), 1998, S. 1399–1404 (siehe auch [4])
  63. es wurde zur Wikingerzeit viel gewebt. Siehe beispielsweise das Wikingermuseum Haitabu[5]
  64. Interview mit Fury-Lemberg bei PBS[6]
  65. Joe Nickell: Scandals and Follies of the “Holy Shroud”. In: Skeptical Inquirer. September 2001
  66. W. C McCrone: The Shroud of Turine: Blood or Artist's pigment? In: Accounts of Chemical Research. 23, 1990, S. 77–83
  67. W. C. McCrone: The Scanning Electron-Microscope (SEM) Supplemented by the Polarized-light Microscope (PLM), and Vice-versa. In: Scanning Microscopy. 7 (1), 1993, S. 1–4
  68. W. C. McCrone: Judgment day for the Turin Shroud. Microscope Publications, Chicago 1996, ISBN 1-57392-679-5
  69. J. Heller, A. D. Adler: Blood on the Shroud of Turin. In: Applied Optics. 19, 1980, S. 2742–2744
  70. A. D. Adler: Updating recent studies on the Shroud of Turin. In: ACS Symposium Series. 625, 1996, S. 223–228
  71. J. Wilson: The mysterious shroud. Seite 111
  72. Evan Colins: A Question of Evidence. The Casebook of Great Forensic Controversies, from Napoleon to O.J. 2002, Kapitel 1: The Turin Shroud (1355)
  73. Peter D'Adamo: Blood groups and the history of peoples. In: Complete Blood Type Encyclopedia.
  74. Abgesehen davon, dass die Blutgruppe AB vor 700 n.Chr. praktisch nicht nachweisbar ist, stimmt die Behauptung auch für heute lebende Juden nicht. Die Häufigkeit liegt mit fünf bis acht Prozent in etwa im mittleren Bereich; siehe auch [7]
  75. In einer Studie von 1999 [8] durch Mark Guscin, Mitglied des interdisziplinären Forschungsteams des Spanischen Zentrums für Sindonologie (Centro Español de Sindonología [9]), wurde eine Beziehung zwischen den beiden Tüchern untersucht.
  76. A. S.Taylor: The Principles and Practice of Medical Jurisprudence.
  77. Tod und Sterben (Biologie) in MSN Encharta
  78. Rede Papst Johannes Paul II. vom 24. Mai 1998: [10]


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