Grand-Guignol

Grand-Guignol [gʁɑ̃ giɲɔl] kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „großes Kasperle“. Es ist zudem eine Gattungsbezeichnung für grotesk-triviale Grusel- und Horrorstücke.

Das Grand Guignol setzte das im 18. Jahrhundert im Geiste der Aufklärung entwickelte Theater der Empfindsamkeit mit direkteren und rabiateren Mitteln fort.

Théâtre du Grand Guignol

Das Théâtre du Grand Guignol in Paris war von 1897 bis 1962 ein einzigartiges Theater. Es war spezialisiert auf Horror. Von ihm gingen sowohl zum „entfesselten Theater“ der Moderne wie zum Splatter- und Horrorfilm der USA Impulse aus.

Oscar Metenier

Der Regisseur Oscar Metenier gründete das Grand Guignol 1897, inspiriert speziell vom Theatre Libre des André Antoine und dem Naturalismus im Allgemeinen. An einem Abend wurden etwa detailliert Mord- und Vergewaltigungssepisoden, Geistererscheinungen, Krankheitsepidemien und Selbstmorde inszeniert. Max Maurey übernahm die Leitung von 1898 bis 1914. Maurey engagierte Andre de Lorde, einen von dem Psychologen Alfred Binet beeinflussten Schriftsteller. Stücke wie L'Homme de la Nuit, über einen Nekrophilen, oder L'Horrible Passion, über eine Kindesmörderin waren die Folge.

Camille Choisy leitete das Theater von 1914 bis 1930, der viel Wert auf visuelle und akustische Spezialeffekte legte. Das Stück Le cabinet du Dr. Caligari, bereits seit 1919 bekannt als Film, fand hier 1925 seine Premiere. Jack Jouvin, Leiter von 1930 bis 1937, fokussierte wieder psychische Abgründe. In dieser Zwischenkriegszeit erlebte das Theater dabei seine beste Zeit.

Als wegen sinkender Besucherzahlen das Theater 1962 schließen musste, sagte der letzte Leiter, Charles Nonon: „Mit Buchenwald konnten wir nie gleichziehen. Vor dem Krieg wusste jeder, dass die Geschehnisse auf der Bühne unglaublich sind. Heute wissen wir, dass solche Dinge - und noch schlimmere - wahr sein können.

Literatur

  • Beitrag von Axel „Maerz“ Estein in: Thomas Gaschler & Eckhard Vollmar, „Dark Stars“; Belleville, München 1992, ISBN 3-923646-50-X
  • Mel Gordon: The Grand Guignol: Theatre of Fear and Terror. Da Capo Press, 1997 (englisch)
  • Richard Hand und Michael Wilson: Grand-Guignol: The French Theatre of Horror. University of Exeter Press, 2002 (englisch)

Weblinks


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