Großer Nordischer Krieg

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Großer Nordischer Krieg
Großer Nordischer Krieg
Gemäldezusammenschnitt dem Uhrzeigersinn nach: Schlacht von Poltawa, Schlacht von Gangut, Schlacht bei Narva, Schlacht bei Gadebusch, Schlacht von Storkyro
Gemäldezusammenschnitt dem Uhrzeigersinn nach: Schlacht von Poltawa, Schlacht von Gangut, Schlacht bei Narva, Schlacht bei Gadebusch, Schlacht von Storkyro
Datum 12. Februar 1700 ‚Äď 10. September 1721
Ort Mittel-, Nord- und Osteuropa
Ausgang alliierter Sieg
Friedensschluss Präliminarfrieden zu Stockholm, Frieden von Stockholm, Frieden von Frederiksborg, Frieden von Nystad
Konfliktparteien
K√∂nigreich Schweden (1700‚Äď1721)
Hetmanat (1708‚Äď1709)
Osmanisches Reich (1710‚Äď1711)
Zarentum Russland (1700‚Äď1721)
Sachsen-Polen (1700‚Äď1706, 1709‚Äď1719)
D√§nemark-Norwegen (1700, 1709‚Äď1720)
Königreich Preußen (ab 1715)
Kurf√ľrstentum Hannover (ab 1715)

Der Gro√üe Nordische Krieg war ein in Nord-, Mittel- und Osteuropa gef√ľhrter Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum in den Jahren 1700 bis 1721.

Eine Dreierallianz, bestehend aus dem Russischen Zarenreich, den Personalunionen Sachsen-Polen und D√§nemark-Norwegen, griff im M√§rz 1700 das Schwedische Reich an, das von dem 18-j√§hrigen, als jung und unerfahren geltenden K√∂nig Karl XII. regiert wurde. Trotz der ung√ľnstigen Ausgangslage blieb der schwedische K√∂nig zun√§chst siegreich und erreichte, dass D√§nemark-Norwegen (1700) und Sachsen-Polen (1706) aus dem Krieg ausschieden. Als er sich 1708 anschickte, Russland in einem letzten Feldzug zu besiegen, erlitten die Schweden in der Schlacht bei Poltawa im Juli 1709 eine verheerende Niederlage, welche die Kriegswende bedeutete.

Durch diese Niederlage ihres ehemaligen Gegners ermutigt, traten D√§nemark und Sachsen wieder in den Krieg gegen Schweden ein. Von da an bis zum Kriegsende behielten die Alliierten die Initiative und dr√§ngten die Schweden in die Defensive. Erst nachdem der als uneinsichtig und kriegsbesessen geltende Schwedenk√∂nig im Herbst 1718 w√§hrend einer Belagerung vor Frederikshald in Norwegen gefallen war, konnte der f√ľr sein Land aussichtslos gewordene Krieg beendet werden. Die Bedingungen der Friedensvertr√§ge von Stockholm, Frederiksborg und Nystad bedeuteten das Ende Schwedens als europ√§ische Gro√ümacht und den gleichzeitigen Aufstieg des 1721 von Peter I. gegr√ľndeten Russischen Kaiserreiches.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Ursachen des Gro√üen Nordischen Krieges waren vielf√§ltiger Natur und hatten ihre Urspr√ľnge bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts. In zahlreichen Kriegen gegen die K√∂nigreiche D√§nemark und Polen-Litauen sowie das Russische Zarenreich hatte Schweden bis 1660 die Vormachtstellung im Ostseeraum errungen. Dabei hatte es dem Zarenreich im Frieden von Stolbowo (1617) den Zugang zur Ostsee genommen und D√§nemark mit dem Frieden von Oliva (1660) die uneingeschr√§nkte Herrschaft √ľber den Sund entrissen. Wie schon im Drei√üigj√§hrigen Krieg wurde Schweden auch in den folgenden Jahren au√üenpolitisch von Frankreich unterst√ľtzt und konnte so seinen Besitzstand wahren.

Als Folge dieser Entwicklungen zeichneten sich am Ende des 17. Jahrhunderts in Nordosteuropa folgende Konfliktlinien ab:

Entwicklung des schwedischen Imperiums im fr√ľhmodernen Europa (1560‚Äď1815)
  • Ein Streitpunkt zwischen D√§nemark und Schweden war die Frage der gottorfschen Anteile an den Herzogt√ľmern Holstein und vor allem Schleswig. Die Herzogt√ľmer waren 1544 in k√∂nigliche, gottorfsche und gemeinsam regierte Anteile aufgeteilt worden.[1] Trotzdem verblieb Holstein formell kaiserliches und Schleswig d√§nisches Lehen. Nach dem Frieden von Roskilde 1658 wurden die Anteile der mit den Schweden alliierten Gottorfer im Herzogtum Schleswig vom d√§nischen Lehen entbunden. Die d√§nische Au√üenpolitik, die sich durch die Allianz der Gottorfer mit den Schweden von zwei Seiten bedroht sah, versuchte, sich die verlorenen Gebiete wieder einzuverleiben. Die Unabh√§ngigkeit des Teilherzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf garantierte lediglich die schwedische Regierung, die davon ausging, dass sie mit dem verb√ľndeten Territorium im Falle eines Krieges gegen D√§nemark √ľber eine strategische Basis f√ľr Truppenaufm√§rsche und Angriffe auf das d√§nische Festland verf√ľgte.[2]
  • Einen weiteren Streitpunkt zwischen D√§nemark und Schweden bildeten die fr√ľher d√§nischen und seit 1658 zu Schweden geh√∂renden Provinzen Schonen (Sk√•ne), Blekinge und Halland. Die Frage nach der staatlichen Zugeh√∂rigkeit Schonens hatte bereits 1675 zum letztlich erfolglosen Kriegseintritt D√§nemarks in den Nordischen Krieg von 1674 bis 1679 gef√ľhrt.[2]
  • Unter K√∂nig Karl XI. von Schweden (1655‚Äď1697) war es zu den so genannten Reduktionen gekommen, durch die der Landbesitz des Adels gr√∂√ütenteils an die Krone √ľberging. Diese Praxis stie√ü unter anderem in Livland auf den Widerstand der betroffenen F√ľrsten, die sich daraufhin um ausl√§ndische Hilfe bem√ľhten.[2]
  • In Russland hatte Zar Peter I. (1672‚Äď1725) erkannt, dass das Fehlen eines Zugangs zur Ostsee den russischen Handel beeintr√§chtigte. Seine Anstrengungen richteten sich deshalb vor allem gegen Schweden, das die Ostseek√ľste besetzt hielt.[2]
  • Kurf√ľrst August I. von Sachsen (1670‚Äď1733) war im Jahre 1697 als August II. zum K√∂nig von Polen gew√§hlt worden und strebte danach, sich dort Anerkennung zu verschaffen, um das K√∂nigtum in eine Erbmonarchie umwandeln zu k√∂nnen. Dabei beriet ihn der aus Livland geflohene Johann Reinhold von Patkul (1660‚Äď1707). Dieser meinte, dass die R√ľckeroberung des einst polnischen Livlands August zu einigem Prestige verhelfen w√ľrde. Der lokale Adel w√ľrde diesen Schritt willkommen hei√üen und sich gegen die schwedische Herrschaft erheben.[2]

Zwischen den drei potentiellen Gegnern Schwedens zeichnete sich bald nach der Thronbesteigung des erst 15-j√§hrigen Karls XII. von Schweden (1682‚Äď1718) der Zusammenschluss zu einer Allianz ab. Bereits im ersten Regierungsjahr hatte der junge K√∂nig seinen Schwager Friedrich IV. (1671‚Äď1702), den Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, zum Oberbefehlshaber aller schwedischen Truppen in Deutschland gemacht und ihn beauftragt, die Landesverteidigung des Gottorfer Teilherzogtums zu verbessern. Diese offensichtlich milit√§rischen Vorbereitungen gaben im Juni 1698 den Ansto√ü zu ersten B√ľndnisverhandlungen zwischen D√§nemark und Russland.[3] Im August 1698 trafen sich Zar Peter I. und K√∂nig August II. in Rawa, wo sie erste Absprachen f√ľr einen gemeinsamen Angriff auf Schweden trafen.[4] Auf Betreiben Patkuls kam es schlie√ülich am 11. Novemberjul./ 21. November 1699greg. mit dem Vertrag von Preobraschenskoje zum formalen B√ľndnis zwischen Sachsen-Polen und Russland. Am 23. Novemberjul./ 3. Dezembergreg. wurde eine weitere Allianz zwischen Zar Peter I. und K√∂nig Friedrich IV. von D√§nemark (1671‚Äď1730) abgeschlossen. D√§nemark war seit M√§rz 1698 auch mit Sachsen in einer Defensivallianz verb√ľndet. In beiden Vertr√§gen wurde Schweden allerdings nicht explizit als Ziel dieser Abkommen erw√§hnt. Sie verpflichteten die Vertragspartner lediglich dazu, sich im Falle eines Angriffs oder wenn der Handel eines der L√§nder durch andere Staaten beeintr√§chtigt w√ľrde, Beistand zu leisten. Weiterhin lie√ü Zar Peter Klauseln einf√ľgen, nach denen er erst nach einem Friedensschluss zwischen Russland und dem Osmanischen Reich (‚Üí Russisch-T√ľrkischer Krieg (1686‚Äď1700)) an die Bestimmungen der Vertr√§ge gebunden war.[5]

Abwehr des alliierten Angriffs auf Schweden (1700)

Sächsische und dänische Angriffe

Die Beschießung von Kokenhausen in Livland durch sächsische Truppen (Herbst 1700); Zeitgenössischer Druck

Am 12. Februar 1700 drang General Jacob Heinrich von Flemming an der Spitze von etwa 14.000 s√§chsischen Soldaten in Livland ein, um die Provinz und ihre Hauptstadt Riga einzunehmen.[6] Generalgouverneur Livlands war der Feldmarschall Graf Erik von Dahlberg, gleichzeitig Schwedens ber√ľhmtester Festungsbaumeister, der seine Hauptstadt in exzellenten Verteidigungszustand versetzte. Angesichts der starken Mauern Rigas nahmen die Sachsen zun√§chst das benachbarte D√ľnam√ľnde ein (13.‚Äď15. M√§rz 1700), das von August II. sogleich in Augustusburg umbenannt wurde.[7] Danach richteten die s√§chsischen Truppen eine Blockade um Riga ein, ohne jedoch die Festung ernstlich anzugreifen. Nach acht Wochen ergriffen hingegen Dahlbergs Schweden die Initiative und schlugen die Sachsen im Gefecht bei Jungfernhof (6. Mai 1700). Die s√§chsischen Truppen wichen hinter die D√ľna aus und warteten zun√§chst auf Verst√§rkungen. Als diese im Juni 1700 unter Generalfeldmarschall Adam Heinrich von Steinau eintrafen, begleitete sie August II. pers√∂nlich. Steinau ging im Juli wieder zum Angriff √ľber, schlug ein schwedisches Detachement unter General Otto Ottoson Vellingk in der N√§he von Jungfernhof und begann die eigentliche Belagerung von Riga. Als die Belagerung kaum Fortschritte erzielte, beschloss man auf s√§chsischer Seite, zun√§chst gr√∂√üere Teile Livlands zu sichern. Aus diesem Grund wurde im Herbst auch die kleinere Festung Kokenhausen belagert und am 17. Oktober 1700 erobert. Danach suchten die Sachsen ihre Winterquartiere in Kurland auf.[8] Die schwedischen Truppen in Livland rekrutierten sich √ľberwiegend aus Esten, Letten und Finnen und waren vorerst auf sich allein gestellt. Es kam ihnen jedoch zugute, dass sich der livl√§ndische Adel nicht gegen die schwedische Herrschaft erhob. Stattdessen kam es im Zuge des s√§chsischen Einmarsches zu Bauernrevolten, was die Adligen umso mehr an die schwedische Krone anlehnen lie√ü.[9]

Blockade der Stadt Riga durch die polnischen und sächsischen Truppen im Jahr 1700

Inzwischen hatte am 11. M√§rz 1700 auch K√∂nig Friedrich IV. von D√§nemark Schweden den Krieg erkl√§rt. An der Trave war bereits ein d√§nisches Korps von 14.000 Mann unter dem Befehl des Herzogs Ferdinand Wilhelm von W√ľrttemberg zusammengezogen worden. Diese Truppen setzten sich am 17. M√§rz 1700 in Bewegung, besetzten mehrere Orte in Holstein-Gottorf und schlossen am 22. April 1700 T√∂nning ein. W√§hrend der Belagerung von T√∂nningen wurde die Stadt ab dem 26. April mit Granaten beschossen. Unterdessen blieben auf Seeland nur zwei Kavallerieregimenter, das Marineregiment und zwei Bataillone Infanterie zur√ľck. Der Schutz der d√§nischen Kerngebiete gegen Schweden wurde als Hauptaufgabe der d√§nischen Flotte √ľbertragen, die mit 29 Linienschiffen und 15 Fregatten im Mai in See stach. Sie wurde von dem jungen Ulrich Friedrich Gyldenl√łve kommandiert und hatte den Auftrag, die schwedische Flotte in Karlskrona zu √ľberwachen; sollten die Schweden Kurs auf d√§nisches Gebiet nehmen, lautete der Befehl, sie unverz√ľglich anzugreifen. Im Mai 1700 sammelte sich indessen eine schwedische Armee aus den Regimentern in Schwedisch-Pommern und Bremen-Verden, die unter dem Befehl des Feldmarschalls Nils Karlsson Gyllenstierna stand. Ab dem Sommer wurde dieser auch von einem holl√§ndisch-hannoveranischen Hilfskorps unterst√ľtzt. Die Truppen vereinigten sich bei Altona und eilten zum Entsatz von T√∂nningen. Der Herzog von W√ľrttemberg gab daraufhin die Belagerung der Stadt am 2. Juni auf und wich einer Schlacht gegen die schwedischen Truppen aus.[10]

Darstellung der Feldz√ľge w√§hrend der ersten Phase des Krieges vom Kriegsausbruch 1700 bis zur Kriegswende infolge der Schlacht bei Poltawa im Juli 1709.

Schwedische Gegenoffensive in Seeland

Schweden konnte in der ersten Phase aufgrund seiner Anfangserfolge weitgehend das Kriegsgeschehen bestimmen. Zentrale Kriegsschaupl√§tze waren in erster Linie Sachsen-Polen und das bis dahin schwedische Livland und Estland, das die russische Zarenarmee bis 1706 in einem separat gef√ľhrten Nebenkrieg eroberte.

In Schweden wurde unterdessen die Kriegsbereitschaft von Heer und Flotte hergestellt. Etwa 5.000 neue Matrosen wurden angeworben und die St√§rke der Flotte unter Admiral Hans Wachtmeister damit auf 16.000 Mann gebracht. Zus√§tzlich wurden s√§mtliche Handelsschiffe in schwedischen H√§fen f√ľr die anstehenden Truppentransporte requiriert.[11] Insgesamt verf√ľgte Schweden √ľber 42 Linienschiffe in der Ostsee gegen√ľber insgesamt 33 d√§nischen.[12] Ebenso schnell wurde das Heer aufger√ľstet. Entsprechend dem Einteilungswerk wurden die regionalen Regimenter mobilisiert und dazu eine gr√∂√üere Anzahl neuer Einheiten aufgestellt. Insgesamt umfassten die Truppen bald 77.000 Mann.[11] Eine weitere Unterst√ľtzung erhielt Schweden im Juni durch eine englisch-niederl√§ndische Flotte von 25 Linienschiffen unter den Admiralen George Rooke und Philipp van Almonde. Die Seem√§chte waren beunruhigt wegen des bevorstehenden Todes des spanischen K√∂nigs, von dem erwartet wurde, dass er einen europ√§ischen Erbfolgekrieg nach sich ziehen k√∂nnte. Angesichts dieser ungewissen Lage waren sie nicht bereit, ihre wichtigen Handels- und Nachschubrouten in der Ostsee durch einen d√§nisch-schwedischen Krieg gef√§hrden zu lassen. Aus diesem Grund hatten sie sich entschlossen, Schweden gegen den Angreifer D√§nemark beizustehen.[13]

Belagerung von Kopenhagen 1700

Mitte Juni 1700 lag das englisch-niederl√§ndische Geschwader vor G√∂teborg, w√§hrend Karl XII. am 16. Juni in Karlskrona mit der schwedischen Flotte in See stach. Zwischen den Verb√ľndeten lag im √Ėresund die d√§nische Flotte, um die Vereinigung ihrer Gegner zu verhindern. Karl lie√ü seine Flotte jedoch eine enge Fahrrinne am √∂stlichen Ufer entlang nehmen und erreichte bald die verb√ľndeten Schiffe. Gemeinsam verf√ľgten die Verb√ľndeten nun √ľber mehr als 60 Schiffe und waren der d√§nischen Flotte fast um das Doppelte √ľberlegen. Der d√§nische Admiral Gyldenstierna entschloss sich deshalb, einer Seeschlacht auszuweichen und zog sich zur√ľck. Nunmehr konnten am 25. Juli die ersten schwedischen Truppen unter dem Schutz ihrer Schiffsgesch√ľtze auf Seeland landen. Anfang August 1700 verf√ľgten sie dort bereits √ľber etwa 14.000 Mann gegen√ľber weniger als 5.000 d√§nischen Soldaten. Es gelang ihnen deshalb schnell, Kopenhagen einzuschlie√üen und mit der Artillerie zu beschie√üen. K√∂nig Friedrich IV. hatte die Seeherrschaft verloren, und seine Armee stand weit im S√ľden in Holstein-Gottorp, wo die K√§mpfe f√ľr ihn ebenfalls ung√ľnstig verliefen. Er hatte keine andere M√∂glichkeit, als sich mit Karl zu verst√§ndigen. Am 18. August 1700 schlossen die beiden Herrscher den Frieden von Traventhal, der den Status quo ante wiederherstellte.[14]

Narva-Feldzug

Urspr√ľnglich hatten die Alliierten vereinbart, dass Russland gleich nach dem Friedensschluss mit dem Osmanischen Reich, m√∂glichst jedoch im April 1700, den Krieg gegen Schweden er√∂ffnen sollte. Doch die Friedensverhandlungen zogen sich in die L√§nge und Peter I. z√∂gerte, trotz des Dr√§ngens von August II., sich am Krieg zu beteiligen. Erst Mitte August 1700 gelang eine Verst√§ndigung mit den Osmanen und am 19. August erkl√§rte Peter I. Schweden schlie√ülich den Krieg. Er tat dies jedoch in v√∂lliger Unkenntnis der Tatsache, dass am Vortag mit D√§nemark bereits ein wichtiger Verb√ľndeter der Koalition weggefallen war. In einem Bericht hielt der niederl√§ndische Gesandte am 3. September deshalb fest: ‚ÄěWenn diese Neuigkeit vierzehn Tage fr√ľher eingetroffen w√§re, so zweifle ich sehr, ob S. Czarische Majest√§t sich mit ihrer Armee in Marsch gesetzt oder S. Majest√§t dem K√∂nig von Schweden den Krieg erkl√§rt h√§tte.‚Äú[15]

Schlacht bei Narva am (20.) 30. November
aus: Johann Christoph Brotze: Sammlung verschiedner Liefländischer Monumente

Allerdings hatte Peter I. bereits im Sommer 1700 eine Armee an den schwedischen Grenzen aufstellen lassen, die zu einem gro√üen Teil aus jungen, nach westeurop√§ischem Vorbild ausgebildeten Rekruten bestand. Insgesamt wurden die Streitkr√§fte in drei Divisionen unter den Gener√§len Golowin, Weide und Repnin geteilt. Zu diesen stie√üen noch einmal 10.500 Kosaken, sodass sich die Gesamtstreitmacht auf etwa 64.000 Mann belief. Von diesen stand jedoch noch ein gro√üer Teil im Landesinneren.[16] Mitte September r√ľckte eine russische Vorhut in schwedisches Territorium ein, und am 4. Oktober 1700 begann die russische Hauptarmee mit etwa 35.000 Soldaten die Belagerung von Narva. Peter I. hatte vor dem Krieg Ingermanland und Karelien f√ľr sich reklamiert, um einen sicheren Zugang zur Ostsee zu erhalten. Narva lag zwar nur 35 Kilometer von den russischen Grenzen entfernt, aber in dem von August II. beanspruchten Livland. Bei den Verb√ľndeten regte sich deshalb Misstrauen gegen√ľber dem Zaren und man f√ľrchtete, dass dieser Livland f√ľr sich erobern wollte. Drei Gr√ľnde sprachen jedoch f√ľr Narva als Ziel des russischen Angriffs: Es lag s√ľdlich von Ingermanland und konnte den Schweden als Einfallstor in diese Provinz dienen. Es lag unweit der russischen Grenzen und war damit ein logistisch relativ einfach zu erreichendes Ziel. Wichtig war nicht zuletzt, dass fast der gesamte Handel Russlands nach Westen √ľber Riga und Narva lief und der Zar ungern beide St√§dte im Besitz Augusts II. gesehen h√§tte.[17]

Unterdessen hatte Karl XII. seine Armee bis zum 24. August 1700 wieder aus D√§nemark abgezogen. Seitdem bereitete er in S√ľdschweden eine Expedition nach Livland vor, um dort den s√§chsischen Truppen entgegen zu treten. Trotz der drohenden Herbstst√ľrme verlie√ü Karl am 1. Oktober Karlskrona und erreichte am 6. Oktober P√§rnu. Die schwedischen Verb√§nde hatten Verluste durch heftige St√ľrme hinnehmen m√ľssen. Trotzdem wurde die Flotte sofort wieder zur√ľckgeschickt, um weitere Soldaten und die schwere Artillerie zu √ľberf√ľhren. Da er den alten Dahlberg in Riga siegreich fand und die Sachsen bereits in den Winterquartieren, beschloss er, sich gegen die russische Armee bei Narva zu wenden. Er verlegte seine Truppen nach Reval, wo er weitere Verst√§rkungen aus der Region versammelte und seine Verb√§nde mehrere Wochen exerzieren lie√ü. Am 13. November 1700 brach er mit etwa 10.500 Soldaten nach Osten auf. Der Marsch im kalten Wetter und fast ohne jeden Nachschub erwies sich als schwierig, doch am 19. November erreichten die Schweden die russischen Stellungen. Am folgenden Tag kam es schlie√ülich zur Schlacht bei Narva ((20.) 30. November 1700), in der die schwedischen Truppen die zahlenm√§√üig weit √ľberlegene russische Armee vernichtend schlugen. Im Verlauf der K√§mpfe und bei der darauf folgenden Flucht l√∂ste sich das russische Heer nahezu vollst√§ndig auf und verlor praktisch die gesamte Artillerie. Allerdings waren auch die geringen schwedischen Kr√§fte geschw√§cht und auch sie mussten, nachdem Narva wieder befreit worden war, zun√§chst ihre Winterquartiere beziehen.[18]

Entthronungskrieg gegen August II. (1701‚Äď1706)

Ende 1700 hatte Karl XII. Schweden erfolgreich verteidigt und alle feindlichen Truppen vom schwedischen Territorium vertrieben. Anstatt das geschlagene russische Heer zu verfolgen, um es vollst√§ndig zu vernichten und seinen Gegner Zar Peter I. auch zum Frieden zu zwingen, wandte sich der K√∂nig nun seinem dritten Gegner, dem s√§chsischen Kurf√ľrsten und K√∂nig von Polen zu.

Der Krieg in Polen war von einer pers√∂nlichen Fehde zwischen Karl XII. und August II. gepr√§gt. Entgegen aller Ratschl√§ge seiner Berater lehnte es Karl stets ab, f√ľr ihn vorteilhafte Friedensangebote seines Gegners zu akzeptieren. Sein vordergr√ľndiges Ziel war es, zu jedem Preis August II. den polnischen K√∂nigsthron zu entrei√üen. Neben der Hauptarmee Karls, die w√§hrend des Entthronungskrieges nahezu das gesamte polnische Territorium durchzog, fanden weitere K√§mpfe um die Herrschaft in Kurland und Litauen zwischen schwedischen Truppen unter dem Oberbefehl von Lewenhaupt und russischen Einheiten statt. Die milit√§rische Entwicklung im Baltikum hielt Karl f√ľr nachrangig. Er erwartete, die russische Armee jederzeit aufs Neue besiegen zu k√∂nnen wie bei Narva 1700. Zu einer √úberschneidung der beiden Kriegsschaupl√§tze im Baltikum und in Polen kam es nur 1705, als ein russisches Heer, das 1705 in Kurland einmarschierte, sich vor dem herannahenden Karl XII. zur√ľckziehen musste, ohne dass es zu einer offenen Schlacht kam. In jahrelangen Feldz√ľgen verausgabte sich Karl mit dem schwedischen Heer in Polen und Sachsen, w√§hrend das schwedische Livland von russischen Armeen verw√ľstet wurde. Der Krieg in Polen endete erst 1706 mit dem Altranst√§der Frieden, in dem August II. zum Verzicht auf den polnischen Thron gezwungen wurde.

Besetzung des Herzogtums Kurland

Lager der polnischen und schwedischen Truppen entlang der D√ľna, 1700

August II. bereitete sich nun auf die im neuen Jahr zu erwartende schwedische Offensive vor. Als nachteilig erwies sich dabei die Weigerung seiner polnischen Untertanen, den Krieg finanziell und mit Truppen zu unterst√ľtzen. Der polnische Reichstag vom Februar 1701 erwirkte lediglich die Unterst√ľtzung Augusts durch ein kleines Hilfskorps von 6000 Polen und Litauern, zu wenig f√ľr den anstehenden Kampf gegen Karl. Als Reaktion auf die schwedischen Erfolge trafen sich im Februar 1701 August II. und Peter I. in einer v√∂llig ver√§nderten Situation, um ihr B√ľndnis zu erneuern. Peter brauchte Zeit, um die russische Zarenarmee zu reorganisieren und aufzur√ľsten. August brauchte einen starken Verb√ľndeten im R√ľcken der Schweden. Zar Peter versprach, 20.000 Mann an die D√ľna zu entsenden, so dass August zur Abwehr des schwedischen Angriffs im Juni 1701 √ľber ein 48.000 Mann starkes Heer aus Sachsen, Polen, Litauern und Russen verf√ľgen konnte.[19] Unter dem Eindruck der schwedischen Erfolge suchten beide B√ľndnispartner jeder f√ľr sich aus dem Krieg auszuscheren: Ungeachtet ihrer √úbereinkunft und ohne Mitwissen des anderen boten sie dem Schwedenk√∂nig einen Separatfrieden an. Karl XII. wollte jedoch keinen Frieden und r√ľstete verst√§rkt f√ľr den geplanten Feldzug gegen Polen. Dazu lie√ü er f√ľr 1701 insgesamt 80.492 Mann aufstellen. 17.000 Mann wurden zur Deckung des Landesinneren abgestellt, 18.000 Mann sch√ľtzten Schwedisch-Pommern, 45.000 Mann waren auf Livland, Estland und Ingermanland verteilt.[20] Der gr√∂√üte Teil der schwedischen Truppen in Livland wurde um Dorpat konzentriert.

Bombardierung der Festung D√ľnam√ľnde durch k√∂niglich-schwedische Truppen im Jahr 1701

Nach den √ľblichen Heerschauen begann am 17. Juni 1701 der schwedische Vormarsch √ľber Wolmar und Wenden nach Riga. Karl plante, sein Heer √ľber die D√ľna zwischen Kokenhusen und Riga zu setzen. Die Sachsen hatten dieses Vorgehen vermutet und an mehreren √úbergangsstellungen entlang der D√ľna Feldbefestigungen errichtet. Beide Heere standen sich erstmals am 8. Julijul./ 19. Juligreg. bei Riga an der D√ľna gegen√ľber. Die s√§chsisch-russische Armee war mit 25.000 Mann der etwa 20.000 Schweden z√§hlenden Armee leicht √ľberlegen[21] Dieser Vorteil ging jedoch verloren, da der s√§chsische Oberbefehlshaber Adam Heinrich von Steinau sich durch schwedische Ablenkungsman√∂ver t√§uschen lie√ü und seine Einheiten entlang der D√ľna zersplitterte. So gelang es der schwedischen Infanterie, den rei√üenden Fluss zu √ľberqueren und einen Br√ľckenkopf an dem von den Sachsen gehaltenen Flussufer zu bilden. Die s√§chsische Armee erlitt in der sich anschlie√üenden Schlacht an der D√ľna eine Niederlage, konnte sich aber sammeln und bis auf preu√üisches Territorium geordnet zur√ľckziehen. Die russischen Truppen zogen sich ebenso, von der erneuten Niederlage geschockt, nach Russland zur√ľck. Ganz Kurland stand der schwedischen Armee damit offen. Karl besetzte mit seinen siegreichen Truppen Mitau, die Hauptstadt des Herzogtums Kurland, das unter polnischer Lehnshoheit stand.

Eroberung von Warschau und Krakau

Feldz√ľge Karls XII. von seinem Winterlager in Kurland Anfang 1702 bis zur Aufnahme der Winterlager in Westpreu√üen Ende 1703

Die polnisch-litauische Republik protestierte gegen die Verletzung des polnischen Hoheitsgebietes, durch den Vormarsch der Schweden nach Kurland, denn nicht die Republik (vertreten durch den Sejm) befand sich im Krieg mit Schweden sondern nur der K√∂nig von Polen. Als August der Starke erneut Verhandlungen anbot, empfahlen die Ratgeber Karls XII., mit dem K√∂nig von Polen Frieden zu schlie√üen. Am weitesten ging dabei der Generalgouverneur Livlands Erik von Dahlberg, der aus Protest gegen die Kriegspl√§ne seines K√∂nigs schlie√ülich sogar den R√ľcktritt einreichte. Doch Karl blieb starrsinnig und verlangte vom Sejm die Wahl eines neuen K√∂nigs. Dies lehnte die Mehrheit des polnischen Adels jedoch ab.[22]

Im Januar 1702 verlegte Karl sein Heer von Kurland nach Litauen. Am 23. M√§rz 1702 verlie√üen die Schweden ihr Winterquartier und fielen in Polen ein. Ohne auf die geplanten Verst√§rkungen aus Pommern zu warten, marschierte Karl mit seinem Heer direkt gegen Warschau, das sich am 14. Mai 1702 kampflos ergab. Die polnische Hauptstadt wurde zur Zahlung einer hohen Kontribution gezwungen, bevor Karl seinen Marsch nach Krakau fortsetzte. Die Bef√ľrchtung, dass Schweden in einem denkbaren Friedensvertrag Territorialgewinne in Polen suchen w√ľrde, veranlasste nun auch den polnischen Adel, sich an dem Krieg zu beteiligen.

Kupferstich mit einer Darstellung der Schlacht bei Klissow zwischen Schweden und Sachsen am 19. Juli 1702

Bevor Karl XII. Warschau besetzte, war August II. mit der polnischen Kronarmee, etwa 8.000 Mann stark, nach Krakau gezogen, um sich dort mit der 22.000 Mann starken s√§chsischen Armee zu vereinigen, die in Sachsen neu aufgestellt worden war.[23] Die polnische Kronarmee unter Hieronim Augustyn Lubomirski war schlecht ausger√ľstet, mangelhaft verpflegt und wenig motiviert, f√ľr die Sache des s√§chsischen K√∂nigs zu k√§mpfen. Als sich das 24.000‚Äď30.000 Mann starke polnisch-s√§chsische Heer s√ľdlich von Kielce den nur 12.000 Mann z√§hlenden Schweden entgegenstellte, erleichterte dieser Umstand den Schweden am 8. Julijul./ 19. Juligreg. in der Schlacht bei Klissow einen umfassenden Sieg. Dabei wurden 2000 Sachsen get√∂tet oder verletzt und weitere 700 gerieten in schwedische Gefangenschaft. Die Schweden eroberten 48 Kanonen und hatten selbst 300 Tote und 800 Verletzte zu beklagen.[24] Ferner erbeuteten sie den gesamten Tross sowie Augusts Feldkasse mit 150.000 Reichstalern und sein Silbergeschirr. Die geringe Truppenst√§rke der Schweden erlaubte aber keine Verfolgung der geschlagenen polnisch-s√§chsischen Armee und so konnte August die verbliebenen Einheiten seines Heeres in den √∂stlichen Landesteilen von Polen wieder sammeln. Sein schneller R√ľckzug √ľber Sandomierz nach Thorn erlaubte es Karl, am 31. Juli 1702 Krakau zu besetzen. Schweden kontrollierte nun die Residenzstadt Warschau und die Kr√∂nungsstadt Krakau. √úber die H√§lfte des polnischen Reiches blieb aber weiter in den H√§nden Augusts II.

Krieg in Kurland und Litauen

Neben den Kriegsereignissen in Polen kam es auch zu Kampfhandlungen in Kurland und Litauen um die Vorherrschaft im Baltikum. Zum Schutz Kurlands war nach dem Abmarsch der Hauptarmee unter Karl XII. im Januar 1702 ein schwedisches Korps unter dem Kommando von Karl Magnus Stuart zur√ľckgelassen worden. Aufgrund einer nicht heilenden Wunde √ľberlie√ü dieser die eigentliche Truppenf√ľhrung jedoch Oberst Graf Adam Ludwig Lewenhaupt. In Litauen selbst stand unter dem Kommando der Gener√§le Carl M√∂rner und Magnus Stenbock eine weitere schwedische Abteilung von mehreren Tausend Mann, die im Juni 1702 zu gro√üen Teilen Karl XII. nachfolgte und nur eine kleine Truppe zur√ľcklie√ü.

In Litauen waren sich die Partei des F√ľrsten Sapieha und die des Grafen Grzegorz Antoni Oginski feindlich gegen√ľbergestanden.[25] Die Familie Sapieha und ihre polnischen Anh√§nger unterst√ľtzten die Schweden auf litauischem Gebiet, w√§hrend Graf Oginski auf Seiten Augusts gegen die Schweden k√§mpfte. Als die Sapiehas sich nach dem Abzug der Schweden zeitweilig aus Litauen zur√ľckzogen, nutzte Oginski die Situation und griff von Mai bis Dezember 1702 die schwedischen Truppen in Litauen und Kurland an. Sein Ziel war die Eroberung der Festung Birze als Ausgangsbasis f√ľr weitere Unternehmungen. Bei einem seiner Versuche stellte das Heer Oginskis aus 2500 Russen und 4500 Polen eine 1300 Mann starke schwedische Abteilung, die zur Entsetzung der Festung ausgesandt worden war. Am 19. M√§rz 1703 besiegte die unterlegene schwedische Abteilung das russisch-polnische Heer im Gefecht bei Schagarini. Oginski zog sich daraufhin nach Polen zur√ľck, um sich mit den Truppen Augusts zu vereinigen.

Schwedische Eroberung West- und Zentralpolens

Schlacht von Pultusk 1703

August II. hatte den Schweden nach der Niederlage bei Klissow am 19. Juli 1702 abermals Friedensverhandlungen angeboten. Er wollte den schwedischen Forderungen so weit als m√∂glich entgegenkommen. Nur K√∂nig von Polen w√ľnschte er zu bleiben. Auch der Kardinal-Primas unterbreitete im Namen der Republik Polen Vorschl√§ge f√ľr einen Frieden. Er bot Karl XII. Polnisch Livland, Kurland und eine hohe Kriegsentsch√§digung an. Karl h√§tte lediglich auf die Absetzung des K√∂nigs verzichten m√ľssen, wozu er jedoch nicht bereit war.[26] So ging der Krieg weiter. Nach einer mehrw√∂chigen Verz√∂gerung durch einen Beinbruch Karls setzten die Schweden ihren Vormarsch entlang der Weichsel fort. Ende Herbst 1702 verlegte Karl seine Truppen in die Winterquartiere bei Sandomierz und Kasimierz in der N√§he von Krakau. August II. musste, zur weiteren Kriegsf√ľhrung gezwungen, erneut eine Armee aufbauen, um den schwedischen Vormarsch aufzuhalten. Er hielt in Thorn einen Reichstag ab, auf dem ihm 100.000 Mann zugesagt wurden. Um die Gelder hierf√ľr aufzubringen, reiste er im Dezember nach Dresden.[27]

‚ÄěProspect von der Stadt THORN So Anno 1703 im Majo von Ihro K√∂nigl. Mayten von schweden K√ĖNIG CARL den XII blocquirt‚Äú

In den ersten Monaten des Jahres 1703 ruhte der Krieg. Erst im M√§rz brach Karl XII. mit seinem Heer in Richtung Warschau auf, das er Anfang April erreichte. Anfang April 1703 verlie√ü August II. Dresden, um von Thorn und Marienburg aus einen neuen Feldzug zu beginnen. Er hatte die Zeit genutzt, um ein neues s√§chsisch-litauisches Heer aufzustellen. Als Karl erfuhr, dass die feindliche Armee bei Pultusk lagerte, verlie√ü er Warschau und √ľberschritt mit seiner Kavallerie den Bug. Am 21. April 1703 wurden die Sachsen in der Schlacht bei Pultusk v√∂llig √ľberrumpelt. Der Sieg kostete die Schweden lediglich 12 Mann, w√§hrend die s√§chsisch-litauische Armee neben mehreren Hundert Toten und Verwundeten auch 700 Gefangene zu verschmerzen hatte.[28] Nach der Niederlage bei Pultusk waren die Sachsen zu schwach, um sich der schwedischen Armee im offenen Feld zu stellen. Sie zogen sich in die Festung Thorn zur√ľck. Karl XII. zog daraufhin nordw√§rts, um den letzten Rest der demoralisierten s√§chsischen Armee zu vernichten. Nach monatelanger Belagerung von Thorn nahm er die Stadt im September 1703 ein. Die Schweden erbeuteten 96 Kanonen, 9 M√∂rser, 30 Feldschlangen, 8.000 Musketen und 100.000 Taler. Mehrere Tausend Sachsen gingen in Kriegsgefangenschaft. Die Einnahme von Thorn brachte K√∂nig Karl die vollst√§ndige Kontrolle Polens. Um k√ľnftigen Widerstand der Stadt, die den Schweden ein halbes Jahr getrotzt hatte, auszuschlie√üen, wurden ihre Befestigungsanlagen geschleift.[29] Am 21. November verlie√üen die Schweden Thorn in Richtung Elbing. Das abschreckende Beispiel erzielte die gew√ľnschte Wirkung, und unter dem Eindruck des ihm vorauseilenden Kriegsruhms unterwarfen sich viele weitere St√§dte dem Schwedenk√∂nig, um gegen Zahlung hoher Tribute verschont zu bleiben. Kurz vor Weihnachten lie√ü Karl sein Heer in Westpreu√üen Winterquartiere beziehen, da diese Gegend vom Krieg bisher unber√ľhrt geblieben war.

Die Konföderationen von Warschau und Sandomir

Karl XII. empf√§ngt 1704 StanisŇāaw LeszczyŇĄski (1677‚Äď1766), Kupferstich von Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726‚Äď1801)

Nach den katastrophalen Feldz√ľgen von 1702 und 1703 wurde die milit√§rische Lage Augusts II. aussichtslos, seine finanziellen Mittel waren ersch√∂pft, und seine Machtbasis in Polen begann zu br√∂ckeln. Unter dem Eindruck des wirtschaftlichen Niedergangs des Landes spaltete sich der polnische Adel in unterschiedliche Lager auf. 1704 gr√ľndete sich die schwedenfreundliche Konf√∂deration von Warschau und dr√§ngte auf eine Beendigung des Krieges. Ihr schloss sich Stanislaus LeszczyŇĄski an, der ab 1704 die Friedensverhandlungen mit den Schweden f√ľhrte. Da er das Vertrauen ihres K√∂nigs gewann, sah Karl XII. in Stanislaus bald den geeigneten Kandidaten f√ľr die vorgesehene Neuwahl des polnischen K√∂nigs.

Auch in Sachsen gab es Widerstand gegen die Polenpolitik des Kurf√ľrsten. August f√ľhrte eine Akzisesteuer ein, um seine Kriegskasse zu f√ľllen und die Armee aufr√ľsten zu k√∂nnen. Das brachte die s√§chsischen St√§nde gegen ihn auf. Au√üerdem erregte er den Unmut der Bev√∂lkerung durch aggressive Methoden der Rekrutenwerbung. Durch russische Unterst√ľtzung gelang es ihm jedoch, erneut ein Heer von 23.000 Sachsen, Kosaken und Russen aufzustellen. Litauen, Wolhynien, Rotrussland und Kleinpolen waren dem s√§chsischen K√∂nig weiterhin treu, sodass August sich mit seinem Hof nach Sandomierz zur√ľckziehen konnte. Dort hatten Teile des polnischen Adels eine Konf√∂deration zu seiner Unterst√ľtzung gebildet, die sich gegen die schwedische Besetzung Polens und den von Schweden geforderten neuen K√∂nig wandte. Die Konf√∂deration von Sandomir unter dem Hetman Adam MikoŇāaj Sieniawski weigerte sich, eine Abdankung Augusts und die Thronbesteigung Stanislaus Leszczynskis anzuerkennen. Einen echten Kr√§fteausgleich bedeutete dies aber nicht, denn die Konf√∂deration hatte nur geringe milit√§rische Bedeutung und ihre Truppen konnten allenfalls den Nachschub der Schweden st√∂ren.

Wahl eines neuen schwedentreuen Königs von Polen

Am 12. Juli 1704 wurde gegen den Willen der Mehrheit des polnischen Adels unter dem Schutz der schwedischen Armee Stanislaus I. LeszczyŇĄski zum K√∂nig gew√§hlt.

Ende Mai 1704 brach Karl XII. von seinem Winterquartier nach Warschau auf, um die geplante K√∂nigswahl zu sch√ľtzen. Das Heer bestand aus 17.700 Mann Infanterie und 13.500 Mann Kavallerie.[30] Nach der Ankunft Karls in Warschau wurde unter dem Schutz der schwedischen Armee am 12. Juli 1704 Stanislaus I. LeszczyŇĄski gegen den Willen der Mehrheit des polnischen Adels zum K√∂nig gew√§hlt.

Feldz√ľge Karls XII. von Mai 1704 bis Dezember 1705

Nach der Wahl ging Karl mit einem starken Armeekorps gegen die abtr√ľnnigen Gebiete vor, die dem neuen K√∂nig die Gefolgschaft versagten. August erkannte die Wahl nicht an und wich mit seiner Armee dem vorr√ľckenden Karl aus. Als das schwedische Heer im Juli bis JarosŇāaw vorr√ľckte, nutzte August die Gelegenheit, wieder nach Warschau zu ziehen. Statt ihn zu verfolgen, eroberte Karl in einem Sturmangriff Ende August das schlecht befestigte Lemberg.[31] W√§hrenddessen hatte August Warschau erreicht, wo sich auch der neu gew√§hlte K√∂nig aufhielt. In der Stadt selbst standen 675 Schweden und etwa 6000 Polen, die den schwedentreuen K√∂nig sch√ľtzen sollten. Die meisten polnischen Soldaten desertierten und auch der polnische K√∂nig floh aus der Stadt, so dass allein die Schweden Widerstand leisteten. Am 26. Mai 1704 musste die schwedische Garnison vor August II. kapitulieren. Nach der Einnahme von Warschau zog August nach Gro√üpolen. Das dortige schwache schwedische Kontingent musste sich daraufhin zur√ľckziehen.

Bei Lemberg erhielt Karl die Nachricht von der Einnahme Narvas durch russische Truppen. Einen Zug nach Norden schloss er aber weiterhin aus. Mit zweiw√∂chiger Verz√∂gerung kehrte das schwedische Heer Mitte September nach Warschau zur√ľck, um die Stadt erneut zu erobern. August lie√ü es nicht auf einen Kampf ankommen, sondern floh vor der Ankunft Karls aus seiner Hauptstadt und √ľbertrug General Johann Matthias von der Schulenburg das Kommando √ľber die s√§chsische Armee. Auch dieser wagte keine offene Feldschlacht und zog sich nach Posen zur√ľck, wo ein russisches Kontingent unter dem Kommando von Johann Reinhold von Patkul die Stadt eingeschlossen hatte. Nach der erneuten Eroberung Warschaus lie√ü Karl das s√§chsisch-polnische Heer verfolgen. Dabei wurde eine russische Abteilung von 2000 Mann in einem Gefecht besiegt, 900 Russen fielen.[32] Die restlichen Russen k√§mpften am Folgetag fast bis zum letzten Mann. Trotz des geschickten R√ľckzugs der Sachsen unter Schulenburg holte Karl einen Teil der s√§chsischen Armee kurz vor der schlesischen Grenze ein. In der Schlacht bei Punitz hielten 5000 Sachsen gegen vier anst√ľrmende schwedische Dragonerregimenter stand. Schulenburg gelang es, seine Truppen geordnet √ľber die Oder nach Sachsen zur√ľckzuziehen. Wegen der anstrengenden M√§rsche musste Karl bereits Anfang November sein Winterquartier beziehen. Er w√§hlte hierzu den an Schlesien grenzenden Distrikt Gro√üpolen aus, der vom Krieg bis dahin weitgehend verschont geblieben war.

Entwicklung in Kurland und Litauen

Schlacht bei Jakobstadt

Nach dem Sieg Lewenhaupts im Vorjahr kehrte Jan Kazimierz Sapieha im Fr√ľhjahr 1704 nach Litauen zur√ľck und verst√§rkte dort Lewenhaupts Position. Nach der Wahl LeszczyŇĄskis zum neuen polnischen K√∂nig hatte Lewenhaupt von Karl XII. den Befehl erhalten, die Anspr√ľche der Sapiehas in ihrer Heimat durchzusetzen. Lewenhaupt drang mit seinen Truppen von Kurland aus nach Litauen ein, worauf sich die Anh√§nger Augusts II. unter F√ľhrung von Graf Oginski zur√ľckziehen mussten. Lewenhaupt konnte den litauischen Adel zwar auf die schwedische Seite ziehen und den litauischen Landtag zur Huldigung auf den neuen polnischen K√∂nig bewegen, doch danach musste er wieder nach Mitau zur√ľckkehren, da eine russische Armee herannahte und Kurland bedrohte. Das russische Heer vereinigte sich mit loyalen polnischen Truppen und zog zur Festung Seelburg an der D√ľna, die nur mit einer kleinen Garnison von 300 Schweden besetzt war. Lewenhaupt eilte sofort herbei, um die belagerte Festung zu entsetzen. Die russisch-polnische Armee brach darauf die Belagerung ab, um sich dem herannahenden Gegner entgegenzustellen. Am 26. Juli 1704 trafen die beiden Armeen bei Jakobstadt aufeinander, wo das zahlenm√§√üig weit unterlegene schwedisch-polnische Heer mit 3085 Schweden und 3000 Polen in der Schlacht bei Jakobstadt ein zahlenm√§√üig √ľberlegenes Heer von 3500 Russen und 10.000 Polen besiegte.[33] Die russischen Truppen mussten sich zur√ľckziehen. Von dem Schlachtfeld bei Jakobstadt wandte sich Lewenhaupt zun√§chst gegen die zwischen Riga und Mitau gelegene Festung Birze, die von Truppen Oginskis besetzt worden war. Die Besatzung der Festung, bestehend aus 800 Polen, kapitulierte sofort und erhielt freien Abzug. Lewenhaupt entlie√ü seine Truppen f√ľr den Rest des Jahres in die Winterquartiere, womit auch der Krieg in Litauen und Kurland eine Ruhepause hatte.

Krönung des schwedentreuen Königs in Warschau

In Polen gab es in der ersten H√§lfte des Jahres 1705 keine kriegerischen Ereignisse. Die schwedische Armee unter Karl XII. lagerte unt√§tig in der Stadt Rawitsch, die zugleich Hauptquartier der Schweden in Polen war. Es wurde entschieden, dass der im Vorjahr gew√§hlte Stanislaus LeszczyŇĄski im Juli 1705 zum polnischen K√∂nig gekr√∂nt werden sollte.[34] F√ľr die Schweden war die Sicherung der Thronfolge deshalb so wichtig, weil nur mit ihrem Wunschkandidaten die bereits angelaufenen Friedensverhandlungen mit Polen abgeschlossen werden konnten. Der bisherige K√∂nig August II. war zwar auch zu Friedensverhandlungen bereit, doch mit der Hoffnung auf einen f√ľr ihre Zwecke f√ľgsameren Kandidaten auf dem polnischen Thron verh√§rtete sich die schwedische Position, bis die Schweden in der Entthronung des Wettiners die einzige M√∂glichkeit sahen, einen Frieden in ihrem Sinne zu schlie√üen.

Gefecht bei Rakowitz am 31. Juli 1705

Anders als die Schweden blieb August II. nicht unt√§tig und konnte mit russischer Unterst√ľtzung erneut ein Heer aufstellen, das die Kr√∂nung des schwedischen Gegenk√∂nigs verhindern sollte. Zum Befehlshaber ernannte er auf Vorschlag Johann Patkuls dessen livl√§ndischen Landsmann Otto Arnold Paykull, der mit 6000 Polen und 4000 Sachsen nach Warschau vorr√ľckte. Um die Sicherheit des Thronfolgers zu gew√§hrleisten, hatte Karl XII. den Generalleutnant Carl Nieroth mit 2000 Mann in die Hauptstadt entsandt. Am 31. Juli 1705 trafen beide Heere bei Warschau in der Schlacht von Rakowitz aufeinander, in der die s√§chsisch-polnische Armee von der f√ľnfmal kleineren schwedischen Armee besiegt wurde. Generalleutnant Paykull fiel mitsamt seiner diplomatischen Korrespondenz in die H√§nde der Schweden und wurde als Staatsgefangener nach Stockholm gebracht. Dort beeindruckte er seine Richter mit der Behauptung, er kenne das Geheimnis zur Herstellung von Gold. Doch obwohl er eine Probe seiner alchemistischen Kunst ablegte, hielt Karl XII. die Sache keiner weiteren Untersuchung wert und lie√ü ihn wegen Landesverrats enthaupten.

Als Folge der Schlacht konnte am 4. Oktober 1705 Stanislaus LeszczyŇĄski in Warschau ungehindert zum neuen polnischen K√∂nig gekr√∂nt werden. Er blieb aber milit√§risch und finanziell v√∂llig abh√§ngig von seinen schwedischen Schutzheeren und wurde nach wie vor nicht in allen Landesteilen anerkannt. Lediglich Gro√üpolen, Westpreu√üen, Masowien und Kleinpolen unterstellten sich ihm, w√§hrend Litauen und Wolhynien weiterhin zu August II. und Peter I. hielten. Als direkte Folge der K√∂nigskr√∂nung schloss am 18. November 1705 das K√∂nigreich Polen in der Person LeszczyŇĄskis den Warschauer Frieden mit Schweden. Der bisherige K√∂nig des Landes und Kurf√ľrst von Sachsen, August II., akzeptierte diesen Frieden nicht und erkl√§rte, dass nur zwischen Schweden und Polen kein Krieg mehr herrsche, jedoch nicht zwischen Schweden und dem Kurf√ľrstentum Sachsen.

Der Krieg ging auch in Kurland und Litauen weiter. Peter I. hatte aufgrund der Erfolge Lewenhaupts im Vorjahr seinen Marschall Scheremetjew beauftragt, mit einem 20.000 Mann starken Heer das 7.000 Mann z√§hlende und zersplitterte Heer Lewenhaupts von Riga abzuschneiden. Dazu musste der Vormarsch m√∂glichst lange geheimgehalten werden, um die Konzentration der gegnerischen Kr√§fte zu verhindern. Dies gelang jedoch nicht, so dass Lewenhaupt seine Truppen rechtzeitig zusammenziehen konnte. Am 16. Juli 1705 stellte sich Lewenhaupt mit seinem ganzen Heer in Schlachtordnung gegen die heranr√ľckende russische Armee auf. Nach vier Stunden Kampf siegten die Schweden in der Schlacht bei Gem√§uterhof mit einem Verlust von 1500 Mann, w√§hrend die zahlenm√§√üig √ľberlegene russische Armee 6000 Mann verlor.[35] Der Sieg der Schweden hielt indes nicht lange vor, denn im September entsandte Peter ein weiteres, diesmal 40.000 Mann starkes Heer. Der Zar lie√ü seine Armee diesmal nur nachts marschieren, um die Geheimhaltung der Operation m√∂glichst lange zu wahren. Dennoch erfuhren schwedische Kundschafter von dem neuerlichen russischen Vorsto√ü, so dass der zum Generalleutnant bef√∂rderte Lewenhaupt seine Truppen in und um Riga zusammenziehen konnte. Nachdem Peter I. davon Mitteilung bekommen hatte, richtete er den geplanten Vorsto√ü statt auf Riga auf die kleineren Festungen Mitau und Biskau. Da sich alle schwedischen Truppen um Riga befanden, konnte ganz Kurland von russischen Truppen besetzt werden.

Kampf um die Anerkennung des neuen Königs

Feldzug Karls XII. Ende 1705 bis Ende 1706

Zum ersten Mal seit der Schlacht bei Narwa marschierte Karl XII. mit dem schwedischen Hauptheer in das Baltikum, um den dort bedr√§ngten schwedischen Kr√§ften zu helfen. Ausgangspunkt war Warschau, wo er sich den ganzen Herbst des Jahres 1705 √ľber aufgehalten hatte. Karl beschloss, die noch abtr√ľnnigen Gebiete zum Treueschwur auf den neuen K√∂nig zu zwingen. Ende des Jahres 1705 begann der Vormarsch des Heeres √ľber die Weichsel und den Bug nach Litauen. Im Herbst hatten schwedische Verst√§rkungen aus Finnland die in Riga zusammengezogene Armee Lewenhaupts auf eine St√§rke von 10.000 Mann gebracht. Die russischen Kr√§fte in Kurland f√ľrchteten nun, von den Truppen Lewenhaupts in Riga und dem heranmarschierenden Karl in die Zange genommen zu werden. Nach der Sprengung der Festungswerke in Mitau und Bauske zogen sie sich aus Kurland zun√§chst nach Grodno zur√ľck, so dass Lewenhaupt erneut Kurland besetzen konnte. Nachdem die Russen abgezogen waren, begannen die Litauer mehr und mehr zum neuen schwedentreuen K√∂nig von Polen √ľberzugehen, was die Lasten des Krieges f√ľr sie erheblich verminderte. Auch gelang eine Vers√∂hnung der verfeindeten litauischen Adelsgeschlechter der Sapiehas und der Wienowickis. Da Graf Oginski mit seinen fortgesetzten Kampf auf Seiten Augusts II. nirgends Erfolge erzielte, gewann die schwedische Partei in Litauen nun endg√ľltig die Oberhand.

Am 15. Januar (jul.) √ľberquerte das Heer Karls XII. den Njemen auf dem Weg nach Grodno, wo ein 20.000 Mann starkes russisches Heer unter Feldmarschall Georg Benedikt von Ogilvy stand. Dieses hatte im Dezember 1705 die polnische Grenze √ľberschritten, um sich mit den s√§chsischen Truppen zu vereinigen.[36] Karl war den Russen mit dem Hauptteil seiner Armee von fast 30.000 Mann entgegengezogen, doch zu einer Schlacht kam es nicht, da sich die russischen Truppen auf keine Auseinandersetzung mit dem Schwedenk√∂nig einlassen wollten und sich nach Grodno zur√ľckzogen. Aufgrund der K√§lte war an eine Belagerung nicht zu denken, so lie√ü Karl lediglich einen Blockadering um Grodno errichten, der die Stadt und die russische Armee von der Zufuhr von Versorgungsg√ľtern abschnitt.

Als August II. sah, dass Karl XII. unt√§tig vor Grodno lag, hielt er einen Kriegsrat ab, der beschloss, die Abwesenheit des K√∂nigs zu nutzen, um eine weiter westlich stehende schwedische Abteilung unter dem Kommando von Carl Gustaf Rehnski√∂ld zu vernichten. Dieser war mit √ľber 10.000 Mann von Karl zum Schutze Gro√üpolens und Warschaus zur√ľckgelassen worden. August wollte nach Westen ziehen, sich unterwegs mit allen polnischen Detachements und dann mit dem in Schlesien neu aufgestellten s√§chsischen Heer unter dem Kommando von General Schulenburg vereinigen, um das Korps von Rehnski√∂ld anzugreifen und nach einem Sieg zur√ľck nach Grodno zu marschieren. Am 18. Januar umging August mit 2000 Mann die schwedische Blockade westlich, vereinigte sich mit mehreren polnischen Truppenkontingenten und r√ľckte am 26. Januar zum zweiten Mal in Warschau ein. Dort r√ľckte er nach einer kurzen Pause mit seiner inzwischen auf 14.000‚Äď15.000 Mann angewachsenen Armee weiter vor, um das schwedische Korps anzugreifen. Er befahl zudem General Schulenburg, mit seinen Truppen das in der N√§he liegende russische Hilfskorps von 6000 Mann aufzunehmen und nach Gro√üpolen zu marschieren, um sich mit ihm zu vereinigen. Rehnski√∂ld erhielt Nachricht von dem s√§chsischen Plan und hoffte einer Vernichtung zu entgehen, indem er die Gegner in Kampfhandlungen verwickelte, solange sie noch getrennt waren. Durch Vort√§uschung eines R√ľckzugs lie√ü sich General Schulenburg tats√§chlich zum Angriff auf die zahlenm√§√üig unterlegenen Schweden verleiten. Ohne Verst√§rkung durch die polnische Armee Augusts II. erlitten Schulenbergs s√§chsische Rekruten in der Schlacht bei Fraustadt am 13. Februar 1706 eine vernichtende Niederlage durch die sturmerprobten Schweden.[37] August II. brach nach diesem erneuten R√ľckschlag seinen Vormarsch ab, sandte einen Teil der Truppen nach Grodno zur√ľck und marschierte mit dem Rest nach Krakau. Die Lage in Grodno wurde durch die Niederlage bei Fraustadt f√ľr die russische Armee aussichtslos. Auf Entsatz konnte sie nicht mehr hoffen und die Versorgungsschwierigkeiten hatten sich inzwischen drastisch verschlimmert. Neben der Hungersnot verbreiteten sich unter den Soldaten Krankheiten, die zu hohen Ausf√§llen f√ľhrten. Nachdem die Nachricht von der Niederlage bei Fraustadt in Grodno eingetroffen war, beschloss der russische Kommandeur Olgivy mit den verbliebenen 10.000 kampff√§higen M√§nnern einen Ausbruch nach Kiew. Sie entkamen den schwedischen Verfolgern und konnten sich √ľber die Grenze retten.

Karl XII. war bei der Verfolgung der russischen Armee bis Pinsk marschiert. Von dort brach er nach einer Pause am 21. Mai 1706 auf, um in den S√ľden Polen-Litauens zu ziehen. Die dortigen Gebiete hielten immer noch zu August und lehnten einen Treueschwur auf K√∂nig Stanislaus I. ab. Am 1. Juni r√ľckte Karl in Wolhynien ein. Auch dort hatte man mit milit√§rischem Nachdruck den neuen schwedentreuen K√∂nig anerkannt.[38] W√§hrend der Sommermonate wurde auch gek√§mpft. Mehrere Streifz√ľge der Schweden entlang der russisch-polnischen Grenze gegen russische Stellungen brachten keine entscheidenden Ergebnisse. Aufgrund der Erfahrungen aus den Feldz√ľgen durch Polen, die dem Zweck gedient hatten, die Legitimit√§t des neuen schwedentreuen K√∂nigs durchzusetzen, begann Karl, seine Strategie zu √ľberdenken. Solange das schwedische Heer vor Ort war, leisteten die Bewohner den erzwungenen Treueid. Sobald sich das schwedische Heer aber entfernt hatte, wandten sie sich wieder K√∂nig August zu, der aus seinem R√ľckzugsgebiet in Sachsen immer wieder neue Truppen heranf√ľhrte. Aufgrund der Erfolglosigkeit seiner bisherigen Strategie wollte Karl nun den Krieg durch einen Zug nach Sachsen beenden.

Eroberung Sachsens und Abdankung K√∂nig Augusts II.

Die √úbergabe der Schl√ľssel der Stadt Leipzig an K√∂nig Karl XII. Kupferstich, fr√ľhes 18. Jahrhundert.
In vielen Städten Sachsens wurden schwedische Truppen einquartiert. Anders als während des Dreißigjährigen Krieges soll es zu keinen Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung gekommen sein.

Im Sommer 1706 brach Karl XII. mit seinen Truppen aus dem Osten Polens auf, vereinigte sich mit der Armee Rehnskj√∂lds und r√ľckte am 27. August 1706 √ľber Schlesien in das Kurf√ľrstentum Sachsen ein. Die Schweden eroberten Zug um Zug das Kurf√ľrstentum und erstickten jeden Widerstand. Das Land wurde rigoros ausgebeutet. August verf√ľgte seit der Schlacht bei Fraustadt √ľber keine nennenswerten Truppen mehr, und da auch sein Stammland von den Schweden besetzt war, musste er Karl Friedensverhandlungen anbieten. Die schwedischen Unterh√§ndler Carl Piper und Olof Hermelin und s√§chsische Vertreter unterzeichneten am 24. September 1706 in Altranst√§dt einen Friedensvertrag, der aber erst bei Ratifizierung durch den K√∂nig G√ľltigkeit erlangen konnte.

Offizielles Mittagessen der Teilnehmer nach der Unterzeichnung des Vertrags von Altranstadt am 7. Dezember 1706. (jul.) Kupferstich.

August wollte zwar den Kriegszustand beenden, war jedoch auch durch B√ľndniszusagen an Peter I. gebunden, dem er den sich anbahnenden Frieden mit Schweden verheimlichte. Auf die Kunde vom Vorsto√ü der Schweden nach Sachsen war die russische Armee unter den Gener√§len Boris Petrowitsch Scheremetew und Alexander Danilowitsch Menschikow von der Ukraine bis weit ins westliche Polen vorger√ľckt. Menschikow f√ľhrte ein Vorauskommando vor den Hauptteilen des russischen Heeres und vereinigte sich in Polen mit der verbliebenen s√§chsisch-polnischen Armee unter August II. So musste August unter russischem Druck offiziell den Kampf weiterf√ľhren und schlug eher widerwillig mit der vereinten, 36.000 Mann starken Armee eine letzte Schlacht gegen die Schweden bei Kalisch.[39] In der Schlacht bei Kalisch konnten die vereinten russischen, s√§chsischen und polnischen Truppen numerisch unterlegene schwedische Truppen unter dem von Karl zur Verteidigung Polens zur√ľckgelassenen General Arvid Axel Mardefelt v√∂llig vernichten. Dabei gerieten General Mardefelt und √ľber 100 Offiziere (unter ihnen auch polnische Magnaten) in Gefangenschaft. Dies √§nderte indes nichts an der weiterhin bestehenden schwedischen √úbermacht, so dass August eine Annullierung des Friedensvertrages ablehnte und schnell nach Sachsen zur√ľckkehrte, um einen Ausgleich mit Karl zu suchen. So gab der Kurf√ľrst am 19. Dezember die Ratifizierung des Altranst√§dter Friedensvertrags zwischen Schweden und Sachsen bekannt, mit dem er ‚Äěauf immer‚Äú auf die polnische Krone verzichtete und die Allianz mit Russland l√∂ste. Au√üerdem verpflichtete er sich zur Auslieferung der Kriegsgefangenen und √úberl√§ufer, namentlich des Johann Reinhold von Patkul. August der Starke hatte den Livl√§nder, der ihm zum Krieg geraten hatte, bereits im Dezember 1705 festgesetzt. Nach seiner √úberstellung an die Schweden lie√ü Karl XII. ihn als Landesverr√§ter r√§dern und vierteilen.

F√ľr den schwedenh√∂rigen polnischen K√∂nig Stanislaus LeszczyŇĄski brachte der Vertrag keine Verbesserung seiner Situation. Es gelang ihm nicht, seine innenpolitischen Feinde einzubinden und so blieb er weiterhin vom Schutz durch die schwedischen Truppen abh√§ngig.[40]

Der schwedische Vormarsch nach Sachsen l√∂ste 1706/07 internationale Verwicklungen aus, denn die Besetzung eines Reichsterritoriums war ein eindeutiger Bruch des Reichsrechts, zumal Karl XII. durch seine Besitzungen Schwedisch-Pommern und Bremen-Verden selbst ein Reichsf√ľrst war. √úberdies waren die Schweden ungefragt durch Schlesien marschiert, das habsburgisches Territorium war. Ein weiterer Reichskrieg konnte aufgrund des gleichzeitigen Krieges mit Frankreich aber nicht durchgesetzt werden. Auch dass sich Karl mit den aufst√§ndischen Ungarn verb√ľndete oder in die habsburgische Erblande einmarschierte, und damit eine erneute Konstellation wie im Drei√üigj√§hrigen Krieg eintrat, galt es aus Sicht des Wiener Hofes zu verhindern.[41]

Die Gefahr, dass der Gro√üe Nordische Krieg sich mit den in Mitteleuropa parallel stattfindenden K√§mpfen im Spanischen Erbfolgekrieg vermischte, war zu diesem Zeitpunkt gro√ü. Beide kriegf√ľhrenden Seiten waren daher bem√ľht, den K√∂nig von Schweden als Verb√ľndeten zu gewinnen oder zumindest aus dem Konflikt herauszuhalten. So besuchte im April 1707 der alliierte Kommandeur der Truppen in den Niederlanden, John Churchill, Herzog von Marlborough das schwedische Lager in Sachsen. Er dr√§ngte Karl, sich mit seiner Armee wieder nach Osten zu wenden und nicht weiter in das Reichsterritorium vorzudringen.[39] Auch der habsburgische Kaiser Joseph I. bat Karl, sich mit seinen Truppen aus Deutschland herauszuhalten. Zu diesem Zweck war der Kaiser sogar zur Anerkennung des neuen polnischen K√∂nigs und zu Zugest√§ndnissen an die evangelischen Christen in den schlesischen Erblanden bereit, wie sie schlie√ülich im September 1707 zweiten Vertrag von Altranst√§dt vereinbart wurden, in dem unter anderem die Erlaubnis zum Bau von sogenannten Gnadenkirchen erteilt wurde. Karl hatte kein Interesse, sich in die deutschen Angelegenheiten einzumischen und zog es vor, erneut gegen Russland zu ziehen.[41]

Krieg in den schwedischen Ostseeprovinzen (1701‚Äď1707)

Die schwedischen Besitzungen im Baltikum

Fernab von den K√§mpfen in Polen eroberte Russland nach der Niederlage bei Narwa Schritt f√ľr Schritt die schwedischen Ostseeprovinzen. Da die schwedische Hauptarmee in Polen gebunden war, mussten viel zu geringe schwedische Kr√§fte ein gro√ües Territorium sch√ľtzen. Aufgrund der zahlenm√§√üigen √úberlegenheit der Russen gelang ihnen das immer weniger. Die russischen Streitkr√§fte konnten sich so relativ ungef√§hrdet an die schwedische Kriegstaktik gew√∂hnen und ihre eigenen Kriegsf√§higkeiten ausbauen, mit denen sie Karl dann im Russlandfeldzug eine entscheidende Niederlage beibrachten.

Russische Kriegspläne nach der Schlacht bei Narva

Karl XII. war nach dem Sieg in der Schlacht bei Narva Ende November 1700 mit seiner Hauptarmee nach S√ľden gezogen, um den Kampf gegen August II. zu f√ľhren. Den Oberbefehl √ľber die schwedischen Ostseebesitzungen √ľbertrug er in Finnland Generalmajor Abraham Kronhjort, in Livland Oberst Wolmar Anton von Schlippenbach und in Riga Generalmajor Karl Magnus Stuart. Die schwedischen Kriegsschiffe im Ladogasee und im Peipussee wurden von Admiral Gideon von Numers kommandiert. Die russische Armee war zu dem Zeitpunkt kein ernstzunehmender Gegner mehr. Aufgrund der sich daraus ergebenden Siegesgewissheit lehnte Karl russische Friedensangebote ab. Die taktische √úberlegenheit der Schweden √ľber die Russen hatte sich als un√ľberwindliches Vorurteil auch im Denken Karls verfestigt, der von der geringen Bedeutung der russischen Schlagkraft so √ľberzeugt war, dass er seine Kriegsanstrengungen selbst dann noch auf den polnischen Kriegsschauplatz konzentrierte, als schon ein gro√üer Teil Livlands und Ingermanlands unter russischer Kontrolle war.

Der russische Feldmarschall Boris Petrowitsch Scheremetew trug mit seinen Siegen gegen die Schweden entscheidend zum russischen Erfolg bei.

Durch die Verlagerung der schwedischen Hauptmacht auf den polnischen Kriegsschauplatz erh√∂hten sich jedoch die Chancen Peters I., den Krieg zu einem g√ľnstigeren Verlauf zu f√ľhren und den gew√ľnschten Ostseezugang f√ľr Russland zu erobern. Zar Peter nutzte den Abzug der schwedischen Armee und lie√ü die verbliebenen russischen Kr√§fte nach dem Desaster von Narva ihre Aktivit√§ten in den schwedischen Baltikumprovinzen wieder aufnehmen. Die Kriegsstrategie der Russen setzte auf Ermattung des Gegners. Dies sollte durch Streifz√ľge und stetige Angriffe, verbunden mit Aushungerung der Bev√∂lkerung durch Zerst√∂rung der Ortschaften und Felder, erreicht werden. Gleichzeitig sollten die russischen Soldaten durch den stetigen Kampf an die schwedische Kriegstaktik mit ihren heftigen Attacken in der Schlacht gew√∂hnt werden.

Den Zeitgewinn durch die Abwesenheit der schwedischen Armee nutzte Zar Peter, um unter enormen Anstrengungen seine Armee wieder aufr√ľsten und reorganisieren zu lassen. So berief er ausl√§ndische Experten, die die Truppen ‚Äď ausgestattet mit modernen Waffen ‚Äď in den Methoden der westeurop√§ischen Kriegsf√ľhrung schulen sollten. Um die bei Narva verlorengegangene Artilleriewaffe schnell wieder aufzubauen, lie√ü er Kirchenglocken konfiszieren, um aus ihnen Kanonen gie√üen zu lassen. Auf dem Ladogasee und dem Peipussee lie√ü er Hunderte von Kanonenbooten bauen. Die russische Armee verf√ľgte bereits im Fr√ľhjahr 1701 wieder √ľber 243 Kanonen, 13 Haubitzen und 12 M√∂rser.[42] Durch neue Rekrutierungen verst√§rkt, bestand sie 1705 wieder aus 200.000 Soldaten nach den 34.000 verbliebenen im Jahr 1700.[42]

Um seine Kriegspl√§ne diplomatisch zu unterst√ľtzen, lie√ü der Zar parallel zu den Beistandsbekundungen gegen√ľber August II. auch einen Unterh√§ndler nach Kopenhagen entsenden, um D√§nemark zu einer Invasion auf Schonen zu bewegen. Da der schwedische Reichsrat eine Streitkraft bis an den Sund vorr√ľcken lie√ü, scheiterten die B√ľndnispl√§ne und die D√§nen verschoben ihren Angriff auf sp√§ter.

Die schwedischen Kr√§fte im Baltikum unter Oberst von Schlippenbach waren nur sehr schwach und waren zudem in drei autonome Korps getrennt.[43] Jedes dieser Korps f√ľr sich war zu schwach, um den russischen Kr√§ften mit Erfolg entgegentreten zu k√∂nnen, zumal sie nicht koordiniert gef√ľhrt wurden.[44] Zudem setzten sich diese Truppen nicht aus den Stammregimentern zusammen, sondern aus neugeworbenen Rekruten. Schwedische Verst√§rkungen wurden prim√§r dem polnischen Kriegsschauplatz zugef√ľhrt, so dass ein strategisch wichtiger Punkt nach dem anderen von der russischen Armee erobert werden konnte.

Zerschlagung der Livländischen Armee

Nach dem Abzug ihres Königs mit der Hauptarmee blieben die Schweden dennoch zunächst offensiv, zumindest solange Russland nach der Niederlage von Narwa noch geschwächt war. Um den einzigen verbliebenen russischen Handelshafen im Weißen Meer auszuschalten, unternahmen sieben bis acht schwedische Kriegsschiffe im März 1701 von Göteborg aus einen Vorstoß nach Archangelsk. Das Unternehmen beeinträchtigte englische und holländische Handelsinteressen mit Russland. Beide Nationen meldeten das Auslaufen der schwedischen Expeditionsflotte ihrem russischen Partner. Peter ließ daraufhin die Verteidigungsbereitschaft der Stadt verstärken. Als die schwedische Flotte das Weiße Meer erreichte, liefen zwei Fregatten auf eine Sandbank und mussten gesprengt werden. Der Angriff auf Archangelsk versprach wegen der Vorsichtsmaßnahmen Peters keinen Erfolg, so dass die Flotte nach der Zerstörung von 17 umliegenden Dörfern wieder heimwärts segelte.

Mitte 1701 f√ľhrten zuerst schwedische und dann russische Kr√§fte Streifz√ľge nach Ingermanland und Livland durch und marschierten in das jeweils gegnerische Gebiet, wo sie sich mehrere Scharm√ľtzel lieferten. Die russischen Kr√§fte hatten sich wieder soweit erholt, dass sie zu begrenzten Offensiven in der Lage waren. Von den russischen Hauptquartieren bei Pskow und Nowgorod r√ľckte im September eine etwa 26.000 Mann starke Streitmacht s√ľdlich des Peipussees nach Livland ein. Bei dem anschlie√üenden Feldzug gelang es dem schwedischen General Schlippenbach im September 1701, mit einer nur 2000 Mann starken Abteilung das etwa 7000 Mann z√§hlende russische Hauptheer unter Boris Scheremetjew in zwei Begegnungen bei Rauge und Kasaritz zu schlagen, wobei die Russen 2000 Soldaten verloren. Dessen ungeachtet unternahmen russische Armeeteile aber weiterhin begrenzte Angriffe auf livl√§ndisches Gebiet, denen die zahlenm√§√üig unterlegenen Schweden immer weniger entgegenzusetzen hatten.

Schwedische und russische Schiffe während der Kämpfe auf dem Ladogasee 1702

W√§hrend der zweiten gro√üen Invasion in Livland unter der F√ľhrung von General Boris Scheremetjew besiegten russische Streitkr√§fte am 30. Dezember 1701 in der Schlacht bei Erastfer erstmals eine 2200 bis 3800 Mann starke schwedisch-livl√§ndische Armee unter dem Kommando von Schlippenbach. Die schwedischen Verluste wurden auf etwa 1000 Mann gesch√§tzt.[45] Nachdem die siegreichen Russen die Gegend gepl√ľndert und zerst√∂rt hatten, zogen sie sich wieder zur√ľck, da Scheremetjew einen Angriff Karls XII. bef√ľrchtete, der sich mit einer starken Heeresmacht in Kurland aufhielt. Aus schwedischer Sicht lie√üen die ungleichen Kr√§fteverh√§ltnisse eine erfolgreiche Verteidigung Livlands immer unwahrscheinlicher erscheinen, zumal die bisherige Geringsch√§tzung der Russen nach ihrem j√ľngsten Sieg kaum noch gerechtfertigt schien. Karl lehnte dennoch die R√ľckkehr nach Livland ab und entsandte lediglich einige Erg√§nzungstruppen.

Als Karl im Sommerfeldzug des Jahres 1702 von Warschau nach Krakau marschierte und damit den n√∂rdlichen Kriegsschauplatz entbl√∂√üte, sah Peter erneut die Gelegenheit f√ľr einen Einfall. Von Pskow √ľberschritt ein 30.000 Mann starkes Heer die schwedisch-russische Grenze und erreichte am 16. Juli Erastfer. Dort erzielte die russische Armee am 19. Juli entscheidende Siege gegen die etwa 6000 Mann z√§hlenden Schweden in den Gefechten bei Hummelshof (oder Hummelsdorf), nahe Dorpat und Marienburg in Livland, wobei nach schwedischen Angaben 840 eigene Tote und 1000 Gefangene in der Schlacht selbst und weitere 1000 w√§hrend der anschlie√üenden Verfolgung durch die Russen zu beklagen waren.[46] Die Schlacht bedeutete das Ende der livl√§ndischen Armee und den Ausgangspunkt f√ľr die russische Eroberung Livlands. Da die verbliebenen schwedischen Kr√§fte zu schwach waren, um sich den Russen in einer offenen Feldschlacht entgegenzustellen, fielen Wolmar und Marienburg sowie die l√§ndlichen Gebiete Livlands noch im August in russische Hand. Es folgten ausgedehnte Verw√ľstungen und Zerst√∂rungen Livlands. Nach den Pl√ľnderungen zog sich die russische Armee nach Pskow zur√ľck, ohne das eroberte Gebiet zu besetzen.

Eroberung des Newaumlandes und Ingermanlands

Belagerung der Festung Schl√ľsselburg (N√∂teborg) 11. Oktober 1702.

Da die livl√§ndische Armee faktisch vernichtet war, konnte Peter daran gehen, die territorialen Voraussetzungen f√ľr sein eigentliches Kriegsziel, die Gr√ľndung eines Ostseehafens, zu schaffen. Feldmarschall Boris Scheremetjew f√ľhrte nach dem siegreichen Feldzug die russische Armee nordw√§rts gegen den Ladogasee und das Newaumland, da dort die Ostsee am weitesten an russisches Gebiet heranreichte und f√ľr die Errichtung eines Hafens geeignet erschien. Dieses Gebiet war von den Festungen N√∂teborg und Kexholm der Schweden sowie einer kleinen Kriegsflotte auf dem Ladogasee gesichert, die bisher alle russischen Vorst√∂√üe unterbunden hatte. Um dieser Bedrohung entgegenzutreten, lie√ü Peter I. am s√ľd√∂stlichen Strandabschnitt des Ladogasees in der N√§he von Olonetz eine Schiffswerft errichten, die in der Folgezeit eine kleine russische Kriegsflotte baute. Mit ihr konnten die schwedischen Schiffe bis zur Festung Vyborg zur√ľckgedr√§ngt und weitere Aktionen der Schweden auf dem See verhindert werden. Danach wandten sich die Russen gegen die Festung N√∂teborg auf einer Insel in der Newa an der M√ľndung zum Ladogasee und den Fluss und den See sch√ľtzte. Ende September begann die Belagerung N√∂teborgs durch eine 14.000 Mann starke russische Armee unter F√ľhrung von Feldmarschall Scheremetjew. Die Schweden versuchten von Finnland aus die Festung zu entsetzen, doch eine 400 Mann z√§hlende schwedische Verst√§rkung konnte von den Belagerern zur√ľckgeschlagen werden. Am 11. Oktober 1702 eroberten die Russen die zuletzt nur noch von 250 Mann gehaltene Zitadelle. Durch die Einnahme von N√∂teborg kontrollierte Peter nun den Ladogasee, die Newa, den Finnischen Meerbusen und Ingermanland. Wegen der strategischen Bedeutung der Festung √§nderte der Zar ihren Namen in Schl√ľsselburg.[47]

Flugblatt zur Eroberung von Nöteborg (Schlisselburg) am Newa und Ladogasee durch die Russen, 1702

Der n√§chste Schritt Peters war im M√§rz 1703 die Belagerung von Nyenschantz an der M√ľndung der Newa in den Finnischen Meerbusen. Am 4. Mai gelang die Einnahme der mit 600 Mann besetzten Festung durch die Truppen von Boris Scheremetjew mit Hilfe der neuen russischen Marine. Zwei Tage zuvor hatte Russland seinen ersten Sieg zu Wasser errungen. Acht russischen Booten gelang es, zwei schwedische Fregatten, die mit je 24 Kanonen best√ľckt waren, zu besiegen.[48]

Da die Newa nun vollst√§ndig von russischen Kr√§ften kontrolliert wurde, begann Zar Peter 1703 im sumpfigen Flussdelta mit dem Bau einer befestigten Stadt, die 1711 unter dem Namen Sankt Petersburg neue russische Hauptstadt werden sollte. Gleichzeitig lie√ü der Zar die Flotte vergr√∂√üern, um auch zur See den Schweden √ľberlegen zu sein. Russland verf√ľgte bereits im Fr√ľhjahr 1704 √ľber eine Kriegsflotte von 40 Schiffen in der Ostsee.

Der Rest von Ingermanland einschlie√ülich Jaama und Koporje war nach der Einnahme von Nytenschantz innerhalb weniger Wochen ebenfalls den Russen zugefallen, da die Schweden dort nicht √ľber nennenswerte Truppen oder Festungen verf√ľgten. Im Juli 1703 erfolgte der erste russische Angriff auf Finnland mit der Festung Viborg als Ziel. Diese sollte auf der Seeseite von der Ruderflotte, auf der Landseite von einem Belagerungskorps unter Menschikow angegriffen werden. Unterwegs stellte sich den russischen Kr√§ften bei Sestrorezk ein schwedisch-finnisches Kontingent entgegen, das sich jedoch nach wechselvollen K√§mpfen nach Vyborg zur√ľckziehen musste. Aus Furcht vor einer Landung schwedischer Kr√§fte wurden die Belagerungspl√§ne jedoch aufgegeben und die russischen Kr√§fte zur√ľckbeordert.

Nach der R√ľckkehr des russischen Korps aus Finnland lie√ü es Peter nach Livland und Estland marschieren, um den bedr√§ngten polnischen K√∂nig August II. zu unterst√ľtzen. Anstatt die schwach besetzten Festungen der Schweden zu belagern, begn√ľgten sich die Russen mit der Verheerung des Landes.

Festigung der russischen Position im Baltikum

Kupferstich der Belagerung der Festung Narwa durch russische Truppen

Auch nach den russischen Erfolgen im Newa-Umland war Karl nicht zu einer Verst√§rkung der livl√§ndischen Streitkr√§fte oder zu einem pers√∂nlichen Eingreifen auf diesem Kriegsschauplatz bereit, obwohl er Anfang 1704 im nahegelegenen Westpreu√üen seine Winterquartiere bezogen hatte. So mussten auf seinen Befehl s√§mtliche Aushebungen auf dem schwedischen Kernland nach Polen gef√ľhrt werden und im Juli 1704 entbl√∂√üte der Schwedenk√∂nig Livland noch weiter, als er mit 30.000 Mann nach Warschau zog, um die Wahl seines Favoriten zum polnischen K√∂nig zu sichern.

Die von Peter I. ger√ľstete Flotte, die sich gegen die schwedische Handelsschifffahrt richtete, durfte ebenso nur von wenigen Fregatten bek√§mpft werden. Um die Pl√§ne f√ľr einen neuen Ostseehafen der Russen zu st√∂ren, segelte nach dem Winter eine kleine schwedische Flotte mit einem Linienschiff, f√ľnf Fregatten und f√ľnf Brigantinen zum Finnischen Meerbusen mit dem Auftrag, die russische Flotte zu vernichten und die neue Stadt in den Newa-S√ľmpfen zu zerst√∂ren. Mit 1000 Mann Verst√§rkung aus Viborg sollte ein Angriff an Land und zur See erfolgen. Nach einer zun√§chst erfolgreichen Landung auf der befestigten Insel Kronstadt musste die Unternehmung aufgrund des hartn√§ckigen Widerstands jedoch aufgegeben werden und die Flotte segelte zur√ľck.

Weitere K√§mpfe wurden auf dem Peipussee ausgetragen, dessen Beherrschung eine Voraussetzung f√ľr die Eroberung Livlands war. Hier dominierten zun√§chst noch die Schweden, die √ľber 14 Boote mit 98 Kanonen verf√ľgten. Um dem zu begegnen, bauten die Russen w√§hrend der Wintermonate 1703/04 eine Anzahl von Booten. Anfang Mai 1704 gelang damit die v√∂llige Vernichtung der schwedischen Flotte. Durch die Kontrolle des Sees konnten die russischen Streitkr√§fte f√ľr die weiteren Eroberungsz√ľge nun auch √ľber die Binnengew√§sser versorgt werden.

Bereits im Sommer 1704 wurde eine russische Armee unter dem Kommando von Feldmarschall Georg Benedikt von Ogilvy (1651‚Äď1710), von Ingermanland zur Eroberung von Narva geschickt. Gleichzeitig stie√ü eine weitere Armee gegen Dorpat vor. Ziel dieser Operationen war die Einnahme dieser wichtigen Grenzfestungen, um dadurch das im Vorjahr eroberte Ingermanland mit der geplanten Hauptstadt zu sch√ľtzen und Livland zu erobern. Ein schwedischer Entsatzversuch unter Schlippenbach mit 1800 verbliebenen Soldaten scheiterte unter Verlust der gesamten Streitkraft. Anfang Juni wurde Dorpat eingeschlossen und am 14. Juli 1704 fiel die Stadt in russische Hand. Bereits im April war Narwa von 20.000 Russen unter Anwesenheit Peters I. eingeschlossen worden. Drei Wochen nach Dorpat fiel am 9. August auch diese Festung nach einem heftigen Sturmangriff und schweren K√§mpfen in der Stadt. Bei der Eroberung Narwas wurden 1725 Schweden gefangengenommen.

Erfolglose schwedische Angriffe auf St. Petersburg

Abbildung des Newastroms mit der neugegr√ľndeten Stadt St. Petersburg und den zerst√∂rten Festungen N√∂teborg und Nytenschantz

Nach den Erfolgen der Vorjahre blieb Russland 1705 in der Defensive und konzentrierte sich auf die Sicherung der Eroberungen. Die Schweden hingegen gingen in die Offensive, nachdem sie durch die schnellen Fortschritte beim Bau von St. Petersburg aufgeschreckt worden waren. Dazu wurden 6000 Rekruten zur Verst√§rkung der Streitkr√§fte in die Ostseeprovinzen gesandt. Ein erster Angriff schwedischer Truppen gegen das neubefestigte Kronstadt im Januar 1705 endete im Wesentlichen ergebnislos. Im Fr√ľhling segelte eine Flotte mit 20 Kriegsschiffen von Karlskrona nach Viborg und dann nach Kronstadt. Das Landungsunternehmen scheiterte wie im Vorjahr, wobei die Schweden mehrere hundert Tote beklagten. Ein dritter Landungsversuch auf Kronstadt scheiterte am 15. Juli mit dem Verlust von 600 Schweden. Bis Dezember kreuzte das schwedische Geschwader im Finnischen Meerbusen und unterband den Warenhandel. Es zeigte sich jedoch bereits eine Uneinigkeit der regionalen schwedischen Kommandeure, die zu nicht abgestimmten Alleing√§ngen neigten, die von den Russen ohne gro√üe M√ľhe abgewehrt werden konnten.

Das gerade erst gegr√ľndete St. Petersburg ist in der Ferne nur schemenhaft zu erkennen. Die Darstellung zeigt im Wesentlichen ein Seegefecht zwischen der schwedischen und der russischen Flotte vor der Insel Kotlin (Retusari). Die russischen Schiffe haben sich im Schutz der Festung Kronstadt versammelt (hier Cronschantz bezeichnet), die Schweden greifen von der See kommend an.

1706 fanden nur wenige K√§mpfe in den schwedischen Ostseeprovinzen statt. In der ersten H√§lfte des Jahres waren die russischen Truppen auf dem polnischen Kriegsschauplatz eingesetzt, um den stark bedr√§ngten K√∂nig August II. zu unterst√ľtzen und Karl XII. in Polen zu binden. Im Norden blieb Peter I. daher defensiv. Die schwedischen Kr√§fte waren nicht stark genug f√ľr offensive Unternehmungen. Neben einigen Streifz√ľgen nach Russland wurde ein erneuter Flottenvorsto√ü mit 14 Kriegsschiffen nach St. Petersburg unternommen, der aber wieder ergebnislos blieb. Vyborg, der mehrmals Petersburg angegriffen hatte, wurde ab 11. Oktober 1706 kurzfristig von einer 20.000 Mann starken russischen Armee belagert, die jedoch ebenfalls keinen Erfolg hatte. Dennoch waren 1707 nur noch wenige Hauptorte und Festungen im Baltikum in schwedischer Hand, darunter Riga, Pernau, Arensburg und Reval. Der erwartete Angriff Karls auf Russland f√ľhrte indes zu einer Pause auf diesem Kriegsschauplatz.

Die russischen Siege waren bisher immer durch eine deutliche zahlenm√§√üige √úberlegenheit sichergestellt worden. Die Taktik konzentrierte sich auf die Schwachpunkte des Gegners mit Angriffen auf isolierte schwedische Festungen mit kleinen Garnisonen. Am Anfang vermied es die russische Armee noch, gr√∂√üere Festungen anzugreifen. Die planm√§√üige Anwendung der Taktik der verbrannten Erde war ein Kennzeichen der Kriegsf√ľhrung seitens der Russen. Ihr Ziel war, das Baltikum als schwedische Basis f√ľr weitere Operationen untauglich zu machen. Zahlreiche Einwohner wurden durch die russische Armee verschleppt. Viele von ihnen endeten als Leibeigene auf den G√ľtern hoher russischer Offiziere oder wurden als Sklaven an die Tataren oder die Osmanen verkauft.[49] Durch die erfolgreichen Eins√§tze im Baltikum hatte die russische Armee an Selbstvertrauen gewonnen. Sie bewiesen, dass sich die Zarenarmee in wenigen Jahren effektiv entwickelt hatte.

Die Kriegswende (1708‚Äď1709)

Mit dem Frieden von Altranst√§dt war es Karl XII. nach sechs langen Kriegsjahren gelungen, August II. zum Verzicht auf den polnischen Thron zu bewegen. Der Erfolg wurde jedoch dadurch getr√ľbt, dass sich inzwischen die schwedischen Ostseeprovinzen mehrheitlich in russischem Besitz befanden. √úberdies war 1706 eine russische Armee in Westpolen einmarschiert und hielt es besetzt. W√§hrend seines Marsches nach Sachsen hatte Karl den besorgten westeurop√§ischen Gro√üm√§chten zugesagt, sich mit seiner Armee nicht in den Spanischen Erbfolgekrieg einzumischen, sondern wieder dem Osten zuzuwenden. Zar Peter, der letzte Gegner Karls, sollte deshalb durch einen direkten Feldzug auf seine Hauptstadt Moskau ausgeschaltet werden. Dies entwickelte sich jedoch √§u√üerst ung√ľnstig f√ľr die Schweden, da die russischen Streitkr√§fte konsequent die Taktik der verbrannten Erde anwendeten und so dem schwedischen Heer Versorgungsn√∂te bereiteten. Karl versuchte diesen Schwierigkeiten durch einen Zug in die Ukraine zu begegnen, um Moskau von S√ľden her angreifen zu k√∂nnen. Dabei erlitt er 1709 eine entscheidende Niederlage bei Poltawa, die das Ende der schwedischen Armee in Russland bedeutete. Auf die Nachricht von der Niederlage des bis dahin praktisch unbesiegten Schwedenk√∂nigs traten D√§nemark und Sachsen erneut in den Krieg ein, w√§hrend Karl, vom Mutterland abgeschnitten, nach S√ľden ins Osmanische Reich auswich, wo er die n√§chsten Jahre zwangsweise im Exil verbrachte. Eine direkte Invasion D√§nemarks in S√ľdschweden scheiterte jedoch, wodurch ein schneller Sieg der Alliierten verhindert und der Krieg verl√§ngert wurde.

Der Russlandfeldzug Karls XII.

Darstellung der ber√ľhmten Schlacht zwischen den russischen und schwedischen Heeren nahe Poltawa am 27. Juni 1709

Die Hauptziele Karls nach dem Frieden von Altranst√§dt waren, die besetzten Gebiete in den schwedischen Ostseeprovinzen zu befreien und einen dauerhaften Frieden zu schlie√üen, der die Gro√ümachtstellung Schwedens sicherte. Daher lehnte er im Februar, Juni und August 1707 in Altranst√§dt mehrere Friedensangebote des Zaren ab, weil er sie f√ľr ein T√§uschungsman√∂ver hielt und mit Peter I. nur zu den eigenen Bedingungen Frieden schlie√üen wollte. Tats√§chlich war Russland friedensbereit und h√§tte sich mit Ingermanland zufrieden gegeben. Durch den schwedischen K√∂nig wurde ihm aber die Fortsetzung des Krieges aufgezwungen.[50] Karl XII. hoffte, seine Kriegsziele zu erreichen, ohne die schwedischen Ostseeprovinzen in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Aus diesem Grund wurde ein Vormarsch auf St. Petersburg von vornherein ausgeschlossen. Stattdessen wollte Karl die russische Armee aus Polen herausman√∂vrieren, um weitere Verheerungen des nun mit Schweden verb√ľndeten Landes zu vermeiden. Von der russischen Grenze sollte dann das schwedische Heer direkt gegen Moskau vorr√ľcken, w√§hrend zur gleichen Zeit die verb√ľndeten Osmanen einen Angriff an der russischen S√ľdgrenze vortrugen.[51]

Im September 1707 begann der lange vorbereitete Feldzug gegen Russland. Die schwedische Hauptarmee bestand aus 36.000 erfahrenen und ausgeruhten Soldaten, neu eingekleidet und mit neuen Waffen ausger√ľstet. Die schwedische Kriegskasse war um mehrere Millionen Taler angewachsen. Der Vormarsch sollte auf direktem Weg √ľber Smolensk erfolgen. Auf russischer Seite hoffte man, dass die immer noch in Polen stehende Armee Menschikows den Vormarsch Karls lange genug aufhalten k√∂nnte, bis Zar Peter die Verteidigung entlang der russischen Grenze organisiert hatte. Polen zu halten, war jedoch nicht beabsichtigt.[52] Stattdessen sollte die sich zur√ľckziehende russische Armee Menschikows die Politik der verbrannten Erde anwenden und so der vorsto√üenden schwedischen Armee die Versorgungsgrundlage entziehen. Am 7. September 1707 √ľberschritt diese bei Steinau an der Oder die polnische Grenze. Die Armee Menschikows ging einer Schlacht aus dem Weg und zog sich aus dem westlichen Teil Polens in Richtung Osten hinter die Weichsel zur√ľck. Auf dem R√ľckzug lie√ü Menschikow D√∂rfer entlang des Weges verbrennen, Brunnen vergiften und alle Vorratslager vernichten. Ende Oktober 1707 lie√ü Karl wegen der beginnenden Schlammperiode im Herbst seine Armee √∂stlich von Posen halten, wo neue Rekruten die schwedischen Streitkr√§fte auf eine St√§rke von 44.000 Mann vergr√∂√üerten.[53][52] Nachdem der Frost die Wege wieder passierbar gemacht hatte und die Fl√ľsse zugefroren waren, √ľberquerte das schwedische Heer nach viermonatiger Ruhepause in den letzten Tagen des Jahres 1707 die zugefrorene Weichsel. Menschikow ging auch jetzt einer Konfrontation aus dem Weg und zog sich weiter zur√ľck. Anstatt der von der russischen Armee verw√ľsteten Spur zu folgen, marschierten die Schweden durch das als unpassierbar geltende Masuren, wodurch sie die vorbereiteten Verteidigungslinien der Russen umgingen.[54]

Der direkte Vormarsch auf Moskau scheitert

Schwedischer Schlachtplan von der Schlacht von Golowtschin am 14. Juli 1708

Mitte Januar 1708 lie√ü die schwedische Armee Masuren hinter sich und erreichte am 28. Januar 1708 Grodno. Zar Peter, der sich unweit der Stadt mit Menschikow traf, hielt die St√§rke der russischen Armee f√ľr zu gering, um dort die schwedische Armee aufhalten zu k√∂nnen, und befahl den weiteren R√ľckzug zur litauisch-russischen Grenze.[55] Der schwedische Vormarsch dauerte bis Anfang Februar an, bis das Heer Karls XII. bei der litauischen Stadt Smorgon die Winterlager bezog. W√§hrend dieses Aufenthaltes traf sich Karl mit General Lewenhaupt. Die Auswirkungen der russischen Taktik machten sich bereits durch Versorgungsm√§ngel bemerkbar, die den weiteren Vorsto√ü gef√§hrdeten. So vereinbarten Karl und Lewenhaupt, dass Letzterer mit der 12.000 Mann starken livl√§ndischen Armee und einem Versorgungszug erst Mitte des Jahres zum Hauptheer Karls sto√üen sollte. Die Verpflegungsengp√§sse zwangen das schwedische Heer, Mitte M√§rz nach Radovskoviche nahe Minsk zu ziehen, wo die Versorgungslage weniger prek√§r war. Die Armee blieb dort f√ľr weitere drei Monate, um sich auf den bevorstehenden Feldzug vorzubereiten. Um den polnischen K√∂nig Stanislaus I. LeszczyŇĄski w√§hrend der Abwesenheit Karls zu unterst√ľtzen, wurden 5000 Mann abgestellt und zur√ľckgeschickt, so dass sich die Armee auf 38.000 Mann verringerte.[56] Die schwedische Armee verteilte sich nun zwischen Grodno und Radovskoviche, w√§hrend sich das 50.000 Mann starke russische Heer entlang der Linie Polozk an der D√ľna bis Mogilew am Dnjepr aufgestellt hatte.[56] Neben dem Schutz Moskaus durch Scheremetew suchte das russische Heer auch einer m√∂glichen Bedrohung St. Petersburgs zu begegnen, was zu einer gr√∂√üeren Zergliederung der Kr√§fte f√ľhrte. Einen Vorschlag seines Beraters Carl Piper, den weiteren Vormarsch auf St. Petersburg zu richten und damit die livl√§ndischen Provinzen zu sichern, lehnte Karl ab und entschied sich, den Marsch auf Moskau fortzusetzen. Nach dem Beginn des Sommerfeldzugs am 1. Juni setzte das schwedische Heer am 18. Juni √ľber die Beresina. Die russischen Kr√§fte konnten sich einem Umgehungsversuch der Schweden entziehen und zogen sich hinter die n√§chste Flussbarriere, den Drut zur√ľck. Am 30. Juni erreichte Karl die Vabitch, einen Seitenarm des Druts nahe dem Dorf Halowchyn. Dort befand sich die Hauptverteidigungslinie der russischen Armee, und es kam zum Kampf. In der Schlacht von Golowtschin schlugen die Schweden am 14. Juli 1708 die 39.000 Mann starke russische Armee unter Scheremetew, der seine Truppen jedoch in guter Ordnung zur√ľckziehen konnte. Der Sieg wird als Pyrrhussieg der Schweden eingestuft, da viele der 1000 Verwundeten aufgrund mangelhafter medizinischer Versorgung starben. Die Schlacht selbst war nicht kriegsentscheidend, obwohl die Schweden die nord-s√ľdlichen Flussbarrieren √ľberwinden konnten und der Weg nach Moskau offen war.[57] Am 7. Juli erreichten die Schweden Mogilew am Dnjepr, wo sie in den n√§chsten vier Wochen blieben.

Um die Ankunft General Lewenhaupts mit der Verst√§rkung aus Livland und den dringend ben√∂tigten Versorgungsz√ľgen abzuwarten, lie√ü Karl den Vormarsch der schwedischen Hauptarmee bei Mogilew stoppen.[58] Lewenhaupt war tats√§chlich Ende Juni mit 13.000 Mann Verst√§rkung und 16 Kanonen von Riga aus aufgebrochen, doch verz√∂gerte schlechtes Wetter seinen Vormarsch.[59] Als das schwedische Hauptheer in der ersten Augustwoche den Dnjepr √ľberschritt, war die Armee Lewenhaupts immer noch nicht eingetroffen. Karl marschierte nun nach S√ľdosten, um die Aufmerksamkeit der Russen auf sich zu ziehen und das Versorgungsheer vor einem Angriff zu sch√ľtzen. Am 21. August erreichten die Schweden Chemikow am Fluss Sosch, wo sie eine weitere Woche innehielten. Als Karl am 23. August seinen Vorsto√ü wieder nach Norden richtete, war der Weg nach Smolensk frei, da Peter I. wegen dieses Vorsto√ües seine Position bei Horki verlassen hatte und ihm gefolgt war.

Peter I. musste seine Truppen erneut nach Norden marschieren lassen, um den schwedischen Vormarsch zu blockieren. Als die Schweden Malatitze erreichten, fanden sie eine betr√§chtliche Anzahl russischer Armeekr√§fte vor sich, die den Weg nach Smolensk sperrten. In dem folgenden Gefecht verloren die Russen und mussten mit 700 Toten im Vergleich zu den 300 Toten der Schweden, erneut h√∂here Verluste einstecken. Ein m√∂gliches Gefecht mit der russischen Hauptarmee kam nicht zustande, weil sich die Russen zur√ľckzogen, als Karl Verst√§rkungen heranzog. Das Treffen bei Malatitze war dennoch von Bedeutung, weil die Russen dort endlich ihre gewachsene Moral und ihr K√∂nnen im Kampf unter Beweis stellten. Die Truppen des Zaren hatten inzwischen mindestens das Niveau der Sachsen erreicht, wie ein schwedischer Kommandeur nach dem Gefecht notierte:

‚ÄěDie Schweden m√ľssen den Moskowitern zugestehen, dass sie ihre Lektion gelernt haben, viel besser als sie es in den Schlachten bei Narwa oder Fraustadt getan haben und dass sie hinsichtlich Disziplin und Mut den Sachsen ebenb√ľrtig, wenn nicht sogar √ľberlegen sind‚Äú

‚Äď Jeffereyes[60]

Die schwedische Versorgungsarmee wird vernichtet

Darstellung der Schlacht bei Lesnaja beim Dorf Lesnaja

Peter behielt seine Strategie bei, sich keiner Entscheidungsschlacht zu stellen; seine Armee zog sich in die W√§lder zur√ľck. Am 4. September setzte Karl seinen Vormarsch fort und erreichte Tatarsk und Starishi. Dort musste er sich jedoch seine ausweglose Situation eingestehen, als die Versorgung mit Nahrungsmitteln einen kritischen Punkt erreichte und Sp√§her berichteten, dass vor ihnen nichts als verw√ľstetes Land lag. Die Desertionen stiegen an, und Nachrichten von Lewenhaupts Versorgungskolonne lagen immer noch nicht vor. Schlie√ülich entschied sich der schwedische K√∂nig, den Marsch auf Moskau abzubrechen. Sein Hauptziel war nun, seine Armee am Leben zu erhalten, und so schwenkte er am 15. September nach S√ľden in die noch nicht verw√ľsteten Regionen.

Als Karl Mitte September Tatarsk verlie√ü, war die Versorgungsarmee Lewenhaupts noch 80 Meilen von der schwedischen Hauptarmee entfernt. Peter plante, die L√ľcke zwischen beiden Heeren zu nutzen, und √ľbertrug General Scheremetew das Kommando √ľber die russische Hauptarmee, die der Armee Karls folgen sollte. Zusammen mit seinem engsten Vertrauten Menschikow, den er nach dem Sieg von Kalisch zum Herzog von Ingermanland erhoben hatte, √ľbernahm der Zar selbst das Kommando √ľber zehn Bataillone seiner am meisten erfahrenen Infanterie, zehn Dragonerregimenter und vier Batterien berittener Artillerie, zusammen 11.625 Mann. Lewenhaupts Truppe bestand aus 7500 Mann Infanterie und 5000 Reitern, die einen Versorgungszug mit fast 1000 Wagen begleiteten. Am 18. September erreichte Lewenhaupt den Dnjepr. Der √úbergang √ľber den Fluss zog sich √ľber eine ganze Woche hin, in der sich die Russen den Schweden n√§herten, um schlie√ülich die Verfolgung aufzunehmen. Am 27. September wurden die Schweden beim Dorf Lesnaja eingeholt. In der Schlacht bei Lesnaja verloren sie ihren gesamten Versorgungszug, au√üerdem 607 Reiter, 751 Dragoner und 4449 Mann Infanterie, von denen 3000 Mann gefangengenommen wurden. Lewenhaupt f√ľhrte die verbliebenen Reste zehn Tage sp√§ter zur schwedischen Hauptarmee und so erhielt der K√∂nig am 6. Oktober eine ganz andere Nachricht von seinem Versorgungszug als er gehofft hatte.[61]

Fernab davon konnte zur gleichen Zeit ein weiterer schwedischer Vorsto√ü von russischen Kr√§ften abgeschlagen werden. Eine schwedische Streitkraft von 12.000 Mann sollte Ingermanland von Finnland aus erobern und die neue russische Stadt Sankt Petersburg niederbrennen. Aufgrund der starken Verteidigung der Stadt mussten die Schweden den Plan jedoch aufgeben und unter Verlust von 3000 Mann den R√ľckzug nach Wyborg antreten.

Karl XII. weicht nach S√ľden in die Ukraine aus

Karte der Schlacht bei Poltawa, mit französischem Kommentar; Militärarchiv von Schweden, Stockholm.

Das Ziel Karls XII., von Sewerien entlang der Stra√üe von Kaluga nach Moskau zu marschieren, sobald sich die Versorgungslage des Heeres verbessert h√§tte, war durch das Desaster bei Lesnaja nicht mehr erreichbar. Karl nahm daher Zuflucht zu einer neuen Strategie: Er war bereits seit l√§ngerem in Kontakt mit dem Hetman der ukrainischen Kosaken, Iwan Masepa. Im Dongebiet war im Herbst 1707 der Bulawin-Aufstand der Kosaken und Bauern ausgebrochen, der sich gegen die Zarenherrschaft richtete und von Peter I. rigoros niedergeschlagen wurde. Masepa war beim Zaren in Ungnade gefallen; er betrachtete dies als einen Versto√ü Russlands gegen den Vertrag von Perejaslaw. Seitdem suchte er einen Weg, die Ukraine aus der russischen Umklammerung zu l√∂sen. Dazu versprach er dem Schwedenk√∂nig, dass er ihn mit einer 100.000 Mann starken Armee unterst√ľtzen w√ľrde, wenn die Schweden in die Ukraine vorr√ľckten. Karl XII. marschierte daraufhin gegen den Rat seiner Gener√§le in die Ukraine. Doch die erwartete Verst√§rkung durch die Kosaken blieb aus; die Russen hatten eine Armee unter General Menschikow entsandt, dessen Truppen Masepas Hauptstadt Baturyn besetzten und ohne Federlesen viele seiner Unterst√ľtzer t√∂teten, wobei auch 6000‚Äď7500 Opfer unter der Zivilbev√∂lkerung zu beklagen waren.[62] So konnte Masepa nur einen kleinen Teil der versprochenen M√§nner bereitstellen, zun√§chst 3000, sp√§ter 15.000 Mann.[58] Karl verbrachte den Winter in der Ukraine, immer noch zuversichtlich, seine Ziele im n√§chsten Jahr zu erreichen. Am 23. Dezember stellte sich ein russisches Bataillon bei Weprik am Psel den Schweden entgegen, das den Angreifern bis zum 7. Januar standhalten konnte. Ende Januar 1709 setzte er seinen Marsch in den S√ľden fort. Allerdings wirkte sich der Winter von 1708/09, der schwerste des Jahrhunderts, f√ľr die Schweden verheerend aus.

Die Katastrophe bei Poltawa

Triumphaler Einzug der russischen Armee nach der Schlacht bei Poltawa in Moskau

So waren zu Beginn des Fr√ľhjahrs 1709 weniger als 30.000 Mann mit wenigen Kanonen, knapp die H√§lfte der schwedischen Armee, in Russland einsatzbereit. Besonders die in Deutschland angeworbenen Soldaten hatten die K√§lte nicht verkraftet. Unterst√ľtzt wurden sie von den Verb√§nden der Saporoger Kosaken, die Zar Peter zwangen, seine Kr√§fte aufzuteilen. Trotz der angespannten Versorgungslage entschied sich Karl, die Stadt Poltawa zu belagern, einen Nachschubst√ľtzpunkt mit gro√üen Vorr√§ten an Schie√üpulver und anderen Versorgungsg√ľtern. Er blockierte die Stadt Anfang April 1709 mit 8000 seiner Soldaten, eine schnelle Kapitulation erwartend. Die russische Garnison unter Oberst A. Kelin wurde jedoch von ukrainischen Kosaken und der einheimischen Bev√∂lkerung unterst√ľtzt und hielt 87 Tage stand. Nachdem Zar Peter die Saporoger Kosaken geschlagen hatte, wandte er sich mit seiner insgesamt 60.000 Mann starken Armee nach Poltawa, um die belagerte Stadt zu entsetzen. Sie √ľberquerten den Fluss Worskla und errichteten einige Kilometer n√∂rdlich der Stadt ein befestigtes Lager. Als das russische Kommando von der schwierigen Lage der schwedischen Armee erfuhr, gab der Zar seine ausweichende Politik auf. Karl XII., der am 28. Junigreg. bei einer Aufkl√§rungsaktion verwundet worden war, entschied sich, dem drohenden Angriff durch eine Attacke auf das befestigte Lager zuvorzukommen. Um alle Kr√§fte auf diese Aufgabe zu konzentrieren, forderte Lewenhaupt die Aufgabe der Belagerung, aber der K√∂nig lehnte ab und lie√ü Poltawa weiter belagern. In der eigentlichen Schlacht wurden deshalb lediglich 20.000 Mann unter Feldmarschall Rehnski√∂ld eingesetzt. Da es an Schie√üpulver mangelte, mussten die Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten und √ľberwiegend ungeladenen Musketen in die Schlacht gehen. Nur 4 von 32 Kanonen konnten f√ľr die Attacke eingesetzt werden. So kam es am 8. Juli 1709greg. in der Ukraine zur entscheidenden Schlacht bei Poltawa. Eine √úberraschungsattacke sollte die Russen in Verwirrung und Aufl√∂sung st√ľrzen. Doch nachdem dem schwedischen √úberfall nur sehr begrenzte Erfolge beschieden waren, stellten sich die Russen zur offenen Feldschlacht, in der sie den Schweden dank ihrer √úbermacht eine vernichtende Niederlage zuf√ľgten. Viele schwedische Offiziere, darunter auch Feldmarschall Rehnski√∂ld, gerieten in russische Gefangenschaft.

Darstellung der Situation vor der Kapitulation bei Perewolotschna am 11. Juli 1709 (Russen = rot; Schweden = blau)

Nach der Schlacht sammelte sich das zur√ľckflutende Heer, das nur noch aus etwa 15.000 Mann und 6.000 Kosaken bestand, im Lager bei Puschkariwka.[63] Nach einer Reorganisierung und Auffrischung sollte die Armee auf einer s√ľdlichen R√ľckzugslinie durch osmanisches Gebiet nach Polen zur√ľckgef√ľhrt werden. Noch am Schlachttag marschierten die Soldaten entlang der Worskla nach S√ľden. Am 10. Juli traf das Heer bei Perewolotschna am Zusammenfluss von Worskla und Dnepr ein. Man musste feststellen, dass es dort weder Br√ľcken noch Furten gab und die wenigen vorhandenen Boote nicht ausreichten, um die gesamte schwedische Armee zu evakuieren.[64]

Das schwedische Hauptquartier beschloss nun, dass die Verwundeten sowie eine Eskorte aus Schweden und Kosaken den Dnepr √ľberqueren und auf osmanisches Gebiet ziehen sollten. Das Heer hingegen sollte an der Worskla wieder zur√ľckmarschieren, nach S√ľden zur Krim einschwenken und dort wieder zum K√∂nig sto√üen. In der Nacht zum 30. Junijul./ 11. Juli 1709greg. setzte der K√∂nig mit Iwan Masepa, dessen Gef√§hrten Kost Hordijenko sowie 900 Schweden und 2000 Kosaken √ľber den Fluss. Die Armee, die nun unter dem Befehl von General Lewenhaupt stand, bereitete den Abmarsch f√ľr den folgenden Morgen vor. Um acht Uhr traf jedoch eine russische Einheit von 6000 Dragonern und 3000 Kalm√ľcken unter dem noch auf dem Schlachtfeld von Poltawa zum Feldmarschall bef√∂rderten Menschikow ein. Lewenhaupt nahm sofort Verhandlungen auf und man einigte sich auf eine Kapitulation, obwohl die Schweden den gegen√ľberstehenden russischen Truppen zahlenm√§√üig fast doppelt √ľberlegen waren. Am Morgen des 30. Junijul./ 11. Juligreg. um 11 Uhr kapitulierte das schwedische Heer mit rund 14.000 Soldaten, 34 Gesch√ľtzen und 264 Fahnen. Die verbliebenen Kosaken fl√ľchteten gr√∂√ütenteils zu Pferde, um der Bestrafung als Verr√§ter zu entgehen.[65] Insgesamt gingen nach Poltawa fast 30.000 Schweden in russische Kriegsgefangenschaft, darunter 2300 Offiziere. Nur den Vornehmsten wurde erlaubt, in Moskau zu wohnen, wie General Lewenhaupt und Staatsrat Piper, die ihre Heimat nie wiedersahen.

Die Truppen um König Karl erreichten am 17. Juli den Bug, wo der Pascha von Otschakow die Erlaubnis erteilte, das Osmanische Reich zu betreten. Eine Nachhut von 600 Mann schaffte den Übergang nicht mehr und wurde nördlich des Bug von 6000 russischen Reitern eingeholt und niedergemacht.[66] Damit endete der Russlandfeldzug Karls mit einer katastrophalen Niederlage, die zur entscheidenden Wende des gesamten Krieges wurde.

Erneuerung der Nordischen Allianz

Dreik√∂nigstreffen: Friedrich I. in Preu√üen (Mitte), August II. (der Starke), Kurf√ľrst von Sachsen und zeitweilig K√∂nig von Polen (links), Friedrich IV. von D√§nemark (rechts)
Gemälde von Samuel Theodor Gericke, zu besichtigen im Schloss Caputh

Nach der Niederlage bei Poltawa war das schwedische Kernland weitgehend vom Schutz durch die eigenen Truppen entbl√∂√üt. Zudem befand sich der schwedische K√∂nig Tausende Kilometer von seinem Reich entfernt. Unter diesen f√ľr sie g√ľnstigen Bedingungen erneuerten die einstigen Alliierten die alten B√ľndnisse.[67]

Bereits vor der Schlacht von Poltawa hatte das Kurf√ľrstentum Sachsen am 28. Juni 1709 in Dresden seinen B√ľndnisvertrag mit D√§nemark wieder aufleben lassen. Beim Dreik√∂nigstreffen in Potsdam und Berlin umwarben August der Starke und der d√§nische Monarch Friedrich IV. im Juli 1709 zeitgleich mit der Entscheidung in der Ukraine auch den preu√üischen K√∂nig Friedrich I., der sich jedoch aufgrund der Belastungen im Spanischen Erbfolgekrieg und in Erinnerung an fr√ľhere Neutralit√§tsvereinbarungen mit Schweden nicht dazu durchringen konnte, dem B√ľndnis beizutreten.

Nach Einmarsch der russischen Armee in Polen und Verhandlungen Peters I. mit seinem ehemaligen B√ľndnispartner k√ľndigte der Kurf√ľrst von Sachsen im August den Frieden von Altranst√§dt mit Schweden auf. Am 20. August 1709 marschierten erneut s√§chsische Truppen in Polen ein. Die schwachen schwedischen Truppen unter dem Kommando des Generals Krassau zogen sich mit 9000 Mann nach Stettin und Stralsund in Schwedisch-Pommern zur√ľck. Der von den Schweden inthronisierte polnische K√∂nig Stanislaus I. Leszczynski floh √ľber Stettin und Kristianstad nach Stockholm. Zar Peter I. lie√ü die schwedischen Truppen durch eine russische Abteilung unter dem Kommando von Menschikow bis nach Pommern verfolgen. Die Rolle Polens als kriegsf√ľhrende Macht hatte sich seit Kriegsbeginn immer weiter reduziert. So blieb dem Land in der Folgezeit nur eine untergeordnete Funktion, da es August II. nicht gelungen war, die Macht der Monarchie zu st√§rken. Die Wiedereinsetzung der K√∂nigsw√ľrde f√ľr August konnte auch nur mit russischer Hilfeleistung erfolgen. Dies war ein Symbol f√ľr die zunehmende Fremdbestimmung und Au√üensteuerung der polnischen Republik.[68]

Darstellung der Feldz√ľge nach der Kriegswende infolge der Schlacht bei Poltawa im Juli 1709 bis zum Friedensschluss 1721

Die Kriegshandlungen konzentrieren sich in dieser Phase fast nur noch auf die schwedischen Herrschaftsgebiete. So fanden schwere Kämpfe um die schwedischen Besitzungen in Norddeutschland statt, die 1715 mit der Eroberung durch die Alliierten endeten. Weitere Kämpfe fanden im heutigen Finnland, der Ostsee und Norwegen statt.

Am 7. Oktober 1709 wurde die antischwedische s√§chsisch-russische Allianz im Vertrag von Thorn erneuert. Bei JarosŇāaw folgte am 10. Juni 1710 der d√§nisch-russische Beistandspakt.[69] Nachdem K√∂nig Karl XII. von seinem Exil im Osmanischen Reich aus erneut Friedensverhandlungen ablehnte, vereinbarten D√§nemark und Russland einen Plan zur Bedrohung der schwedische Hauptstadt Stockholm, um so den Gegner zum Frieden zu zwingen. In den Folgejahren kam es jedoch lediglich auf dem Kriegsschauplatz in Norddeutschland zu gemeinsamen alliierten Aktionen, w√§hrend die K√§mpfe in Finnland und in der n√∂rdlichen Ostsee von Russland weitgehend allein bestritten wurden.

Die dänische Invasion in Schonen

Der gemeinsame d√§nisch-russische Angriffsplan sah eine Zangenbewegung auf zwei entgegengesetzten Eroberungsrouten vor. Der d√§nische Vormarsch auf Stockholm sollte durch das s√ľdliche Schweden f√ľhren, w√§hrend Russland nach Eroberung Finnlands und der Alandinseln seinen Angriff von der Seeseite her vorzutragen gedachte. Die s√ľdliche Angriffsroute wurde von den Alliierten als die wichtigere angesehen und prim√§r verfolgt. Im Sp√§therbst 1709 begannen die D√§nen mit den Vorbereitungen zur Invasion Schonens und zogen eine gro√üe Flotte auf dem √Ėresund zusammen. Am 1. Novemberjul./ 12. Novembergreg./ 2. November 1709schwed. landete die Invasionsstreitmacht beim Fischerdorf R√•√•. Die schwedische Seite leistete dort so gut wie keine Gegenwehr. Obwohl die schwedische Armee kurz nach Poltawa mit der Rekrutierung neuer Soldaten begonnen hatte, konnte der schwedische Befehlshaber Magnus Stenbock im Sp√§tsommer 1709 erst ein kampftaugliches schonisches Regiment pr√§sentieren. Da ein Gegenangriff sinnlos erschien, zog man sich nach Sm√•land zur√ľck. Im Dezember kontrollierte D√§nemark fast das gesamte zentrale Schonen mit Ausnahme von Malm√∂ und Landskrona. Ziel der d√§nischen Kriegsplanung war die Eroberung der schwedischen Flottenbasis in Karlskrona. Die d√§nische Armee besiegte im Januar 1710 eine kleinere schwedische Einheit bei Kristianstad.

Kupferstich der Schlacht von Helsingborg

Magnus Stenbock arbeitete unterdessen daran, die schwedische Armee zu verst√§rken. Mehrere neue Regimenter sammelten sich bei V√§xj√∂, wo die unerfahrenen Truppen auf dem Eis eines zugefrorenen Sees Kampftechniken √ľbten. Bis zum 4. Februarjul./ 15. Februargreg./ 5. Februar 1710schwed. war Stenbocks Truppe nach Osby gezogen, wo sich ihr weitere Verb√§nde anschlossen. Die schwedischen Kr√§fte in S√ľdschweden z√§hlten nun 16.000 Mann. Helsingborg galt nach Stenbocks Meinung als Schl√ľssel zu Schonen und so marschierte das Heer s√ľdw√§rts, um die d√§nischen Versorgungslinien abzuschneiden. In der Schlacht von Helsingborg fiel die Entscheidung zugunsten der Schweden. Nach ihrer Niederlage verschanzten sich die Reste der d√§nischen Armee hinter den Schutzw√§llen der Stadt. Da die eigenen Kr√§fte angesichts der befestigten Stellung der D√§nen nicht ausreichten, verzichtete der schwedische Kriegsrat auf einen Sturmangriff, und Magnus Stenbock befahl die Belagerung Helsingborgs. Am 4. M√§rz jul./15. M√§rz greg./5. M√§rz 1710 schwed. waren die d√§nischen Verb√§nde so weit geschw√§cht, dass sie Schonen verlie√üen und sich nach D√§nemark einschifften. Das Unternehmen war damit gescheitert und der origin√§re Kriegsplan nicht mehr zu erf√ľllen. Die d√§nischen Verluste bei dem gescheiterten Invasionsversuch waren niederschmetternd. √úber 7500 Mann waren gefallen, verwundet oder gefangen genommen. Die schwedische Seite hatte etwa 2800 Tote oder Verwundete zu beklagen.

Russische Offensiven im Osten (1710‚Äď1714)

Nach der Kriegswende hatten sich die B√ľndnispartner √ľber die weiteren Angriffe gegen Schweden abgesprochen. Nachdem D√§nemark durch die voreilige Invasion S√ľdschwedens eine schwere Niederlage erlitten hatte, konzentrierte es sich zusammen mit Russland und Sachsen auf die Eroberung der schwedischen Besitzungen in Norddeutschland. Russland griff gleichzeitig auch die letzten Besitzungen in den schwedischen Ostseeprovinzen an. Die Kriegserkl√§rung des Osmanischen Reiches verz√∂gerte zun√§chst weitere Offensivunternehmungen gegen Schweden. Zar Peter I. erlitt zwar eine Niederlage gegen die Osmanen, konnte aber 1713 den Krieg gegen Schweden wieder aufnehmen und bis 1714 ganz Finnland erobern. Das russische Flottenbauprogramm m√ľndete im Gewinn der Seeherrschaft in der Ostsee, wodurch die schwedische K√ľste in den Folgejahren russischen Angriffen schutzlos ausgeliefert war.

Vollständige Eroberung Livlands und Estlands

Belagerung von Riga 1710

W√§hrend Karl XII. beim Sultan √ľber den Kriegseintritt des Osmanischen Reichs verhandelte, vollendete Zar Peter die Eroberung von Livland und Estland. Die Russen eroberten im Juni 1710 Wyborg, am 4. Juli kapitulierte Riga nach l√§ngerer Belagerung durch die Truppen des Feldmarschalls Boris Petrowitsch Scheremetjew und im September ergab sich Reval dem russischen Kommandeur Fjodor Matwejewitsch Apraxin. Damit erhielten die Russen drei hochseet√ľchtige Ostseeh√§fen und ein weites, stark gesichertes Umland von St. Petersburg, das zur neuen Hauptstadt des Russischen Reiches erkl√§rt wurde. Anschlie√üend verlagerte sich die Aufmerksamkeit Russlands aufgrund des Krieges gegen das Osmanische Reich f√ľr einige Zeit nach S√ľden.[70]

Der Krieg gegen die Osmanen

Pruthfeldzug Zar Peters I.

Zar Peters gro√üer Sieg bei Poltawa und seine nachfolgenden Eroberungen im Baltikum wurden insbesondere am Hof des Sultans mit Argwohn verfolgt, wo au√üer Masepa und Karl XII. auch der Krim-Khan Devlet II. Giray auf Gegenma√ünahmen dr√§ngte. Peter schickte seinen Botschafter Peter Tolstoi nach Istanbul und forderte die Auslieferung Karls, die jedoch abgelehnt wurde. Als Zar Peter mit Nachdruck eine Entscheidung der Hohen Pforte √ľber Krieg oder Frieden verlangte, lie√ü Sultan Ahmed III. den Botschafter als Antwort ins Gef√§ngnis werfen. Nachdem Devlet II. Giray im Januar 1711 mit √ľber 80.000 Tataren, unterst√ľtzt von 10.000 pro-schwedischen ukrainischen Kosaken, mehr als 4.000 Polen und 700 Schweden in der Ukraine eingefallen war, erkl√§rte Peter I. am 25. Februar in der Uspenski-Kathedrale im Moskauer Kreml den Krieg gegen das Osmanische Reich. Am 8. M√§rz 1711 erreichte den russischen Monarchen die Kriegserkl√§rung der Osmanen.[71] Damit ergab sich f√ľr Zar Peter eine gef√§hrliche Situation, die den Erfolg bei Poltawa in Frage stellen konnte, da er sich nun in einem Zweifrontenkrieg befand und von seinen Verb√ľndeten kaum wirksame Hilfe erwarten konnte.

Aus diesem Grund suchte Peter I. die Entscheidung in der Offensive und fiel mit seiner Armee √ľber den Dnjestr ins Osmanische Reich ein. Er hoffte auf einen Aufstand der orthodoxen Christen auf dem Balkan, der die osmanischen Truppen daran hindern w√ľrde, die Donau zu √ľberqueren. Dieser Aufstand, der ihm von dem moldawischen F√ľrsten Dimitrie Cantemir in Aussicht gestellt worden war, blieb aber aus. Am 5. Juli 1711 erreichte der durch eine schwere Krankheit geschw√§chte Zar Jassy. Am 17. Juli meldete die Vorhut den Vorsto√ü des osmanischen Gro√üwesirs Baltaji Mehmed Pascha. Die gesamte russische Armee eilte nun zur√ľck zum Pruth und war st√§ndig in R√ľckzugsgefechte verwickelt. Als sich die 38.000 Russen am 19. Juli bei Hu»ôi, einem kleinen Ort am Pruth verschanzten, wurden sie von mehrfach √ľberlegenen osmanischen Truppen eingekesselt. Peter war nun auf Gnade oder Ungnade dem Gro√üwesir ausgeliefert, der jedoch auf die m√∂gliche Aushungerung der Russen verzichtete und stattdessen das Friedensangebot des Zaren annahm, der anscheinend durch Zahlung von 250.000 Rubel nachhalf, um einen ehrenvollen Abzug zu erhalten.[72] Im Frieden vom Pruth trat Russland die 1696 eroberte Festung Asow wieder an das Osmanische Reich ab und verpflichtete sich zum Abzug aus den Gebieten der Kosaken. Karl XII. verblieb weiter im Osmanischen Reich und versuchte im November 1711 und im November 1712 zwei weitere Male erfolglos, den Sultan zum Krieg gegen Russland zu √ľberreden. Die Hohe Pforte hatte aber keine finanziellen Mittel f√ľr weitere kriegerische Unternehmungen zur Verf√ľgung. Der Frieden von Adrianopel vom 24. Juni 1713, vermittelt von den Seem√§chten, kl√§rte die √ľbrigen Differenzen zwischen Russland und dem Osmanischen Reich.

Eroberung Finnlands

Nach der erfolglosen Kampagne am Pruth wandte Zar Peter sich wieder dem Kriegsschauplatz an der Ostsee zu, um den Druck auf Stockholm zu erh√∂hen. Nach √úberwindung einiger logistischer Probleme begann im Fr√ľhling 1713 die lang geplante Invasion Finnlands. Eine russische Flotte mit ‚Äě200 Segeln‚Äú und 16.000 Mann lief von Petersburg aus und landete am 10. Mai bei Helsingfors. Der dortige schwedische Kommandant Georg Henrik Lybecker wartete jedoch das Bombardement der Invasionsstreitmacht nicht ab, sondern verbrannte die Stadt und zog sich, nachdem er auch die finnische Hauptstadt Abo vor den russischen Verfolgern ger√§umt hatte, ins Landesinnere zur√ľck.[73] Bevor Zar Peter, der als Konteradmiral der Unternehmung beiwohnte, im September nach Russland zur√ľckkehrte, √ľbertrug er Fjodor Matwejewitsch Apraxin das Kommando √ľber die Flotte. Bei den Schweden wurde der erfolglose Lybecker im August 1713 durch General Carl Gustaf Armfeldt abgel√∂st. Lybecker hatte eine schlecht ausger√ľstete, hungernde und demoralisierte Armee hinterlassen, in der es vor allem an der Aufkl√§rung haperte, da die Kavallerie f√ľr solche Aufgaben nicht mehr einsatzf√§hig war. Als der russische General Michail Golizyn im Februar 1714 nach √Ėsterbotten marschierte, platzierte Armfeldt seine Streitkr√§fte in einer Defensivposition bei dem Dorf Napo, √∂stlich von Vaasa. Nach dem russischen Sieg am 19. Februar in der Schlacht bei Storkyro wurde die gesamte schwedische Armee in Finnland vernichtet.

Die Seeschlacht bei Hangö am 27. August 1714

Russland gewinnt die Seeherrschaft in der Ostsee

F√ľr die Bedrohung Stockholms war die Seeherrschaft in der n√∂rdlichen Ostsee eine Grundvoraussetzung. Zu Land waren die russischen Streitkr√§fte zwar den schwedischen √ľberlegen. Zu Wasser aber dominierten die Schweden mit ihren gro√üen Linienschiffen, die viele Gesch√ľtze tragen konnten. Die einzige Chance der russischen Flotte f√ľr einen Sieg war eine Schlacht in K√ľstenn√§he. Unter Aufbietung aller Mittel verdoppelte der Zar seine Ostseeflotte und stellte die Schiffe unter das Kommando erfahrener Venezianer und Griechen. Ende Mai 1714 stach Admiral Apraxin von Kronstadt in See mit dem Auftrag, den weiteren Vormarsch in Finnland zu decken und auf √Öland zu landen. Im August 1714 lagen sich die beiden Flotten bei der Hanko-Halbinsel gegen√ľber. Nachdem Peter I. pers√∂nlich weitere Verst√§rkungen aus dem Baltikum heranf√ľhrte, k√§mpften sich die russischen Galeeren w√§hrend einer anhaltenden Flaute durch den schwedischen Gesch√ľtzhagel und enterten die unbeweglichen schwedischen Schiffe. Anschlie√üend landeten die Russen auf den Alandinseln. Damit herrschte die russische Flotte √ľber die n√∂rdliche Ostsee.

Der Seesieg von Hanko erm√∂glichte nicht nur die Einnahme √Ölands sondern sicherte auch die Eroberung S√ľdfinnlands, die mit der Wegnahme der Stadt Nyslott am 9. August abgeschlossen wurde. In den Folgejahren wurde der Hafen als Basis f√ľr Angriffe gegen das schwedische Kernland benutzt. Zum Gouverneur Finnlands wurde F√ľrst Golizyn ernannt. In der finnischen Geschichte ging die Zeit der russischen Besetzung zwischen 1713 und 1721 als Zeit des Gro√üen Unfriedens ein.

Kampf um die schwedischen Besitzungen in Norddeutschland (1711‚Äď1715)

Norddeutscher Kriegsschauplatz zwischen 1711 und 1715
‚Üí Hauptartikel: Pommernfeldzug 1715/1716

W√§hrend Russland 1710 und 1711 die verbliebenen schwedischen Festungen in Livland und Estland erobert hatte und in den Folgejahren auch ganz Finnland unter seine Kontrolle brachte, gestaltete sich die Eroberung der schwedischen Besitzungen in Norddeutschland wesentlich schwieriger. Grund daf√ľr waren die starken Festungsanlagen in Wismar, Stralsund und Stettin. Zudem beherrschten die Schweden die s√ľdliche Ostsee und konnten mehrfach Nachschub und frische Truppen anlanden, um die Belagerungsanstrengungen der Alliierten zu durchkreuzen. Die D√§nen, Russen und Sachsen mussten ihrerseits lange Anmarschwege in Kauf nehmen. Obwohl die Verb√ľndeten an diesem Schauplatz zum ersten und einzigen Mal in koordinierter Abstimmung auftraten, verz√∂gerten Unstimmigkeiten und gegenseitiges Misstrauen ein wirkungsvolleres Vorgehen, so dass sie drei Anl√§ufe ben√∂tigten, um die letzten schwedischen Bastionen in Schwedisch-Pommern zu erobern. Erst der Kriegseintritt Hannovers und Preu√üens 1715 brachte der Koalition endg√ľltig die milit√§rische Oberhand.

Vergebliche Belagerung von Wismar und Stralsund

Nach dem gescheiterten Invasionsversuch in Schonen 1710 verlagerten sich im Folgejahr die Kriegsbem√ľhungen D√§nemarks nach Norddeutschland. Urspr√ľnglich hatte der d√§nische K√∂nig Friedrich IV. einen weiteren Angriff auf Schweden von Seeland aus geplant, doch die Pest auf der Insel vereitelte die Durchf√ľhrung. Daher entschied er sich, seine weiteren Kriegsbem√ľhungen auf die schwedischen Besitzungen in Norddeutschland zu konzentrieren. Die Staaten der Gro√üen Allianz hatten ein starkes Interesse, den Krieg von Deutschland fernzuhalten. So war im Haager Konzert am 31. M√§rz 1710 durch Kaiser Joseph I. von Habsburg in √úbereinstimmung mit Holland und England die Neutralit√§t der schwedischen und d√§nischen Besitzungen in Deutschland festgelegt worden. Da aber Karl XII. gegen diesen Vertrag protestierte, hielten sich auch die D√§nen im Folgenden nicht an die Vereinbarung. Eine d√§nische Armee von 19.000 Mann sammelte sich in Holstein und startete im Juli den Feldzug. Nach erfolgreichem Vormarsch wurde ab dem 17. August 1711 die Festung Wismar von einem d√§nischen Einschlie√üungskorps unter Generalleutnant Sch√∂nfeld blockiert. Die B√ľndnispartner K√∂nig Friedrichs IV., insbesondere August der Starke, konnten diesen jedoch davon √ľberzeugen, alle Bem√ľhungen auf die Eroberung der bedeutenderen Festung Stralsund zu konzentrieren. So nahm die d√§nische Armee ihren Marsch durch Mecklenburg wieder auf und lie√ü lediglich ein schwaches Beobachtungs- und Blockadekorps vor Wismar zur√ľck, das die schwedische Enklave nicht erobern konnte. Am 29. August 1711 drangen erstmals d√§nische Truppen unter dem Kommando ihres K√∂nigs bei Damgarten in Schwedisch-Pommern ein. Die Schweden hatten dort nur 8000 Mann unter Oberst Karl Gustav D√ľker stehen.[74] Zu den D√§nen stie√üen Anfang September 1711 russische Truppen unter Feldmarschall Menschikow und s√§chsische unter General Flemming aus Polen. Sie waren durch die brandenburgische Neumark und die Uckermark gezogen und vereinigten sich vor Stralsund mit dem d√§nischen Heer. Damit gingen die Mitglieder der Nordallianz zum ersten Mal in einer gemeinsamen Operation vor.[75] Die zahlenm√§√üig unterlegenen Schweden beschr√§nkten sich aufgrund der gegnerischen √úbermacht auf die Verteidigung der beiden Festungen Stettin und Stralsund sowie der Insel R√ľgen.

Ab dem 7. September 1711 kam es zur [ersten Belagerung von Stralsund durch die verb√ľndeten Heere, der sich in den Folgejahren weitere anschlossen. Die Besatzung der Schweden bestand aus 9000 Mann unter dem Kommando von Generalmajor Ekeblad. Der Fortgang der Belagerung stockte aber, da es der alliierten Belagerungsarmee an schwerer Artillerie und Nahrungsmitteln f√ľr die rund 30.000 Mann starke Truppe fehlte.[76] Grund daf√ľr waren Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Alliierten. Erst Anfang November erreichten einige Schiffe mit der angeforderten Artillerie das Belagerungsheer, das zu diesem Zeitpunkt bereits hohe Ausf√§lle aufgrund von Krankheiten und Hunger hatte. Die Schweden besa√üen im s√ľdlichen Teil der Ostsee immer noch die Seeherrschaft und konnten so vom gegen√ľberliegenden Flottenst√ľtzpunkt in Karlskrona die belagerte Festung wirksam entsetzen. Am 4. Dezember stach die schwedische Flotte, bestehend aus 24 Linienschiffen und vier Fregatten, mit diesem Auftrag von Karlskrona aus in See. Am 8. Dezember 1711 setzte sie bei Perth auf R√ľgen 6000 Schweden zur Unterst√ľtzung Stralsunds an Land. Friedrich IV. gab die Hoffnung auf eine baldige Eroberung auf und zog sich am 7. Januar 1712 mit den verbliebenen Kr√§ften nach Wismar und Mecklenburg zur√ľck. W√§hrend der siebzehnw√∂chigen Belagerung Stralsunds hatte er mehr als ein Drittel seiner Truppenst√§rke eingeb√ľ√üt.[77] Vor Wismar gelang den D√§nen zwar ein Sieg im Gefecht bei L√ľbow gegen einen gro√üangelegten Ausfall der schwedischen Garnison. Aber nachdem die Festung von der Seeseite weitere 2000 Mann Verst√§rkung aus Schweden erhalten hatte, zogen sich auch dort die D√§nen in die Winterlager nach Mecklenburg zur√ľck.

Eroberung von Bremen-Verden

D√§nemark konzentrierte sich in der Feldzugsaison 1712 auf das schwedische Bremen-Verden, w√§hrend Russland und Sachsen Schwedisch-Pommern angriffen. 1712 marschierte die 12.000 Mann starke d√§nische Armee in das schwedische Herzogtum Verden ein. Dieses weit entfernte schwedische Besitztum war nur sehr schlecht gesch√ľtzt. Im Hauptort Stade verf√ľgte der schwedische Gouverneur Graf Maurtiz Bellingk zwar √ľber 2200 Mann und eine unzuverl√§ssige Landmiliz. Die Stimmung der einheimischen Bev√∂lkerung war aber aufgrund der jahrelangen Rekrutierungen zunehmend schwedenfeindlich, so dass ein Aufstand ausbrach, der nur mit Waffengewalt niedergeschlagen werden konnte. Da der Kurf√ľrst von Hannover dem d√§nischen Heer den Durchmarsch durch sein Land verwehrte, setzten die vorsto√üenden D√§nen ihre Truppen am 31. Juli mit 150 Schiffen bei Brockdorf und Drochtersen √ľber die Elbe. Buxtehude und die Schwingerschanze stellten keine Hindernisse dar, und nachdem s√§chsische Artillerie eingetroffen war, r√ľckte die d√§nische Armee vor Stade. Am 6. September 1712 wurde die Stadt den D√§nen √ľbergeben. Am 1. Oktober fiel auch das Bremerland. Damit war ganz Bremen-Verden von D√§nemark erobert.

Ottersberg und Verden wurden von Kurhannover besetzt, das nicht zulassen wollte, durch den d√§nischen Machtzuwachs erneut vom Meer abgeschnitten zu werden. Deshalb lag es im Interesse Hannovers, seine Anspr√ľche auf das gesamte Gebiet f√ľr sp√§tere Friedensverhandlungen anzumelden. Das hannoversche Herrschergeschlecht der Welfen versuchte, D√§nemark auf diplomatischem Weg zu einem Verzicht auf die Herzogt√ľmer zu bewegen. In den sich anschlie√üenden langwierigen Verhandlungen konnte zun√§chst kein Durchbruch erzielt werden, da D√§nemark auf hohe finanzielle Entsch√§digungen dr√§ngte. Erst als Georg I. Ende 1714 englischer K√∂nig wurde und eine Gro√ümacht mit einer starken Flotte hinter sich hatte, kam Bewegung in die Verhandlungen. Gro√übritannien beteiligte sich zwar nicht direkt am Krieg, leistete den nordischen Alliierten jedoch durch seine Flottenpr√§senz in der Ostsee indirekt Hilfe. Als Preu√üen Hannover in einem B√ľndnisvertrag am 27. April 1715 den Besitz Bremen-Verdens zusicherte, konnte sich D√§nemark dem diplomatischen Druck in der antischwedischen Koalition nicht mehr versagen und trat am 2. Mai 1715 Bremen-Verden gegen eine hannoversche Ausgleichszahlung ab.

Schwedischer Feldzug nach Holstein

Das dänische Altona wird während Stenbocks Kampagne 1713 niedergebrannt.

Russlands Kriegsbem√ľhungen richteten sich im Feldzugsjahr 1712 zun√§chst auf Stettin, mit dessen Eroberung man hoffte, das an der Oderm√ľndung interessierte Preu√üen zum Kriegseintritt gegen Schweden zu bewegen. Hierzu zogen die Russen im Juni 1712 40.000 Mann vor der Stadt zusammen. D√§nemark wollte den Angriff durch √úberstellung seiner Belagerungsartillerie unterst√ľtzen; die eigene konnte von der russischen Armee wegen des weiten Anmarschweges nicht mitgef√ľhrt werden. Aufgrund der Verz√∂gerungen beim Transport der d√§nischen M√∂rser und Kanonen hob Feldmarschall Menschikow aber die Blockade auf und zog weiter gegen Stralsund, f√ľr dessen zweite Belagerung 7.000 Sachsen und 38.000 Russen aufgeboten wurden. In Schweden waren unterdessen neue Anwerbungen get√§tigt worden, um den Krieg auf deutschen bzw. polnischen Boden zu tragen und so die bedr√§ngten Festungen in Schwedisch-Pommern zu entlasten. Am 3. September lief die schwedische Flotte von Karlskrona mit 24 Linienschiffen, drei Fregatten und 130 Transportschiffen mit 10.000 Mann aus. Wenige Tage sp√§ter landete der zum Feldmarschall bef√∂rderte Magnus Stenbock mit dem schwedischen Heer auf R√ľgen. Der Gro√üteil der Transportschiffe wurde jedoch von der d√§nischen Kriegsflotte zerst√∂rt, da die schwedischen Kriegsschiffe von den D√§nen ausman√∂vriert wurden und sie die unbewaffnete Transportflotte schutzlos zur√ľcklie√üen. Durch diesen Verlust war die Versorgung der angelandeten schwedischen Truppen unterbrochen und auch der geplante zweite Transport mit weiteren 6000 Mann, der Artillerie und dem Tross konnte nicht mehr stattfinden. Nachdem die schwedischen Soldaten sich auf R√ľgen etwas erholt hatten, wurden sie nach Stralsund gebracht.

Durch die Landung der schwedischen Truppen musste die Belagerung Stralsunds durch die Alliierten erneut abgebrochen werden. Die Stadt war aber nicht in der Lage, ein so gro√ües Heer l√§ngerfristig zu versorgen. Weil ein R√ľcktransport ebenfalls unm√∂glich war, musste Stenbock den Ausbruch wagen, um die Koalitionsverb√§nde aus Pommern zur√ľckzudr√§ngen und den Krieg nach Mecklenburg und Holstein zu verlagern. Da die s√§chsischen und russischen Truppen w√§hrend der Blockierung Stralsunds Gr√§ben von Greifswald bis nach Tribsees gezogen hatten, war ein Durchbruch der Schweden in Pommern jedoch nicht m√∂glich, und so musste sich Stenbock den Weg durch Mecklenburg bahnen. Am 2. November brach er mit 14.000 Mann Infanterie und Kavallerie auf. Der Ausbruch f√ľhrte √ľber den Pass bei Damgarten √ľber die Recknitz zur pommerschen Grenze. Am 4. November stand die ganze schwedische Armee auf mecklenburgischem Boden. Die dort stehenden d√§nischen und s√§chsischen Truppen zogen sich daraufhin zur√ľck. Am 5. November lie√ü der s√§chsische Kurf√ľrst, der nach Tribsees und S√ľlze vorger√ľckt war, dem d√§nischen K√∂nig Friedrich IV. die Lage erkl√§ren und um eine Vereinigung der Truppen ersuchen. Diese war aber durch den Vormarsch der Schweden unm√∂glich geworden. Die schwedische Armee zog weiter nach Rostock und nahm die Stadt ein, da von dort eine bessere Kommunikation mit Wismar, Stralsund und Schweden m√∂glich war. Die s√§chsischen und russischen Truppen waren den Bewegungen Stenbocks gefolgt und zogen nach G√ľstrow. Bei Unterhandlungen der Kriegsparteien wurde ein 14-t√§giger Waffenstillstand vereinbart, der von den Alliierten dazu genutzt werden sollte, die schwedische Armee einzukreisen und Zeit zu gewinnen, da die D√§nen bei ihrem Vormarsch noch zur√ľcklagen.

Stenbock sah die Notwendigkeit, die Gegner einzeln anzugreifen, bevor sie sich vereinigen konnten. Von der Garnison in Wismar trafen weitere Verst√§rkungen f√ľr die geplante Unternehmung ein. Als Stenbock von dem Nahen der d√§nischen Armee unter Friedrich IV. h√∂rte, beschloss er, zuerst die d√§nische Armee anzugreifen, noch ehe sie sich mit den Sachsen und Russen vereinigen k√∂nnte. Er gab deshalb Befehl, nach Neukloster zu marschieren. Nach dem Feldzug in Bremen-Verden und infolge weiterer Verluste durch Krankheiten und Desertionen bestand die d√§nische Armee nur noch aus 17 Bataillonen Infanterie unter Sollst√§rke, 46 Schwadronen Kavallerie und 17 St√ľck leichter Artillerie, insgesamt etwa 15.000 Mann, davon 6.000 Reiter. Die D√§nen erwarteten s√§chsische Verst√§rkung, die aber erst nach Beginn der Schlacht in einer St√§rke von etwa 3.000 Mann eintraf.

Schwedische Kavallerie in der Schlacht bei Gadebusch
Aufruf von Magnus Stenbock an die Einwohner Schwartaus während dieser dort vom 20. bis 31. Dezember 1712 sein Hauptquartier eingerichtet hatte

In der folgenden Schlacht bei Gadebusch siegte das schwedische Heer am 20. Dezember 1712 gegen die verb√ľndeten D√§nen und Sachsen, die 6.000 Mann verloren und einen fluchtartigen R√ľckzug antraten. Die schwedische Armee hatte in der Schlacht jedoch ebenfalls hohe Verluste erlitten und hatte weiterhin Versorgungsengp√§sse. Die d√§nische Infanterie war zwar zerstreut worden, konnte sich jedoch bald wieder reorganisieren und blieb trotz der hohen Verluste operationsf√§hig. Stenbock entschied sich deshalb, mit seiner angeschlagenen Armee nach Holstein zu marschieren, da dort eine bessere Versorgungslage zu erwarten war und D√§nemark so weiter unter Druck gesetzt werden konnte. Bei dem Vormarsch lie√ü er im Januar 1713 die Stadt Altona als Vergeltung f√ľr den vorherigen d√§nischen Angriff auf Stade niederbrennen.[78] Anschlie√üend zog er weiter in die d√§nischen Herzogt√ľmer Schleswig und Holstein. Durch eine Vereinigung der D√§nen mit den Sachsen und Russen wurde die Lage f√ľr die schwedische Armee in Holstein jedoch unhaltbar. Die russische Armee hatte inzwischen zu den Schweden aufgeschlossen, und der russische Zar Peter I. leitete pers√∂nlich diese Unternehmung. Am 31. Januar 1713 dr√§ngten russische Truppen das schwedische Heer in die zu Holstein-Gottorf geh√∂rende Festung T√∂nning. Dort wurde Magnus Stenbock im Februar 1713 mit 11.000 Mann von einer √úbermacht d√§nischer, russischer und s√§chsischer Truppen eingeschlossen und nach dreimonatiger Belagerung am 16. Mai 1713 zur Kapitulation gezwungen.[79] Der schwedische General verbrachte den Rest seiner Tage in d√§nischer Festungshaft, wo er sich als Miniaturschnitzer besch√§ftigte, dessen unnachahmlich filigrane Arbeiten ein handwerkliches R√§tsel sind.[80]

Eroberung von Stettin

Bremen-Verden, Stettin und das ungesch√ľtzte Land in Schwedisch-Pommern befanden sich Anfang 1713 unter alliierter Kontrolle. Gleichzeitig gingen russische Streitkr√§fte offensiv gegen Finnland vor. Mit dem Verlust der Feldarmee unter Stenbock konnten die verbliebenen Kr√§fte keine √Ąnderung der Situation in Schwedisch-Pommern erwirken. Daf√ľr waren die Kr√§fte des schwedischen Reiches bereits zu sehr beansprucht. Gottorf schien f√ľr Schweden ebenso verloren. Auch Preu√üen, das sich bisher aus dem Konflikt herausgehalten hatte, wartete nur auf einen g√ľnstigen Augenblick zum Kriegseintritt. Um die deutschen Besitzungen f√ľr Schweden zu retten, sollten diplomatische Vereinbarungen getroffen werden, mit denen das Schicksal Stettins in die Hand einer dritten, neutralen Macht gelegt werden sollte. Die Abtretungsverhandlungen Schwedens mit Preu√üen scheiterten aber. Stattdessen f√ľhrte der neue preu√üische K√∂nig Friedrich Wilhelm I. die Verhandlungen √ľber eine Abtretung Stettins mit den Alliierten. Diese marschierten nach dem Ende der Belagerung von T√∂nning ungehindert aus Holstein wieder nach Pommern ein. Zur Vergeltung f√ľr die Zerst√∂rung Altonas wurden Wolgast und Garz in Schutt und Asche gelegt. Im August 1713 begannen russische und s√§chsische Einheiten unter F√ľhrung des F√ľrsten Menschikow einen Angriff auf Stettin, das √ľber eine Garnison mit 4300 Mann verf√ľgte. Die Stadt ergab sich am 19. September 1713, nachdem ein achtst√ľndiges Bombardement der s√§chsischen Belagerungsartillerie gro√üe Teile zerst√∂rt hatte. Wenige Tage nach der √úbergabe einigten sich die Alliierten mit Preu√üen, das als neutrale Besatzungsmacht die Stadt √ľbernehmen sollte und gegen Zahlung von 400.000 Reichstalern zuk√ľnftig behalten durfte. Nach Zahlung dieser Summe marschierten am 6. Oktober 1713 preu√üische Truppen in Stettin ein.[81] Im Juni 1713 begann ein s√§chsisches Heer die dritte Belagerung von Stralsund. Zeitgleich landete ein s√§chsisch-d√§nisches Heer auf R√ľgen, konnte dort aber nicht dauerhaft Boden gewinnen. Aufgrund von Versorgungsengp√§ssen und Abstimmungsschwierigkeiten unter den Alliierten wurde im Oktober auch die Belagerung von Stralsund erneut aufgehoben.

Der Kriegseintritt von Preußen und Hannover

Schwedisch-Pommern war inzwischen bis auf Stralsund und die Enklave Wismar komplett von den verb√ľndeten D√§nen, Russen und Sachsen erobert oder von Preu√üen als neutraler Macht besetzt. Preu√üen hatte seine √ľber zehn Jahre betriebene Ausgleichspolitik zwischen den Gegnern beendet, nachdem Friedrich I. den Frieden von Utrecht zur Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges unterzeichnet hatte. Die Berliner F√ľhrung nahm daher die Chance wahr, mit den freigewordenen Truppen in die Endphase des Nordischen Krieges einzugreifen, um das alte Ziel der Verdr√§ngung Schwedens von der s√ľdlichen Ostseek√ľste zu erreichen.

Nach dem Tod des ersten preu√üischen K√∂nigs im Februar 1713 wurde die neue Politik auch von seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm I. fortgef√ľhrt. Er schloss am 22. Juni 1713 mit D√§nemark einen Vertrag, der eine gemeinsame Besetzung Vorpommerns vorsah und Preu√üen den s√ľdlich der Peene gelegenen Teil in Aussicht stellte. Am 6. Oktober 1713 kamen auch Russland und Preu√üen √ľberein, dass Preu√üen das Gebiet bis zur Peene (mit Usedom und Wollin) zur Verwaltung erhalten sollte. Am 12. Juni 1714 schlossen sie einen Vertrag, der Preu√üen den Erwerb eines Teils Vorpommerns endg√ľltig zusicherte.[82] Dem gleichen Zweck diente auch ein B√ľndnis Preu√üens mit Hannover vom 27. April 1714. Der Kreis der Feinde Karls XII. schloss sich, als Kur-Hannover, das von D√§nemark den Besitz Bremen-Verdens zugesprochen bekam, dem russisch-preu√üischen Abkommen im November 1714 beitrat. Der Kurf√ľrst von Hannover war seit 1714 auch K√∂nig von Gro√übritannien und Irland. Nach der √úbergabe Bremen-Verdens an Hannover erkl√§rte Preu√üen, die schwedische Inbesitznahme Usedoms zum Anlass nehmend, am 1. Mai 1715 Schweden den Krieg. Am 15. Oktober folgte die Kriegserkl√§rung Hannovers an Schweden. Das K√∂nigreich Gro√übritannien blieb von dem Krieg ausgeschlossen, der nur die Stammlande Georgs I. betraf.[83]

Die beiden Seem√§chte England und die Niederlande waren aufgrund des Krieges in gro√üer Sorge um ihren Seehandel in der Ostsee. Nachdem Karl XII. seinen Kaufleuten befohlen hatte, mit allen Feinden den Handel einzustellen, entsandte England im Mai 1715 eine britische Flotte unter dem Kommando von Admiral John Norris in die Ostsee, um die englischen und holl√§ndischen Handelsschiffe zu sch√ľtzen. Die britische Flotte vereinigte sich dort mit holl√§ndischen Kriegsschiffen und zwang dadurch die schwedische Kriegsflotte in Karlskrona zur Unt√§tigkeit. Die englisch-holl√§ndische Flotte griff auch selbst aktiv in das Kriegsgeschehen ein, als sich im Juli 1715 acht englische und holl√§ndische Schiffe der d√§nischen Kriegsflotte bei der Belagerung von Stralsund anschlossen.[83]

Die R√ľckkehr des K√∂nigs

Das schwedische Lager bei Bender, 1711. Nachdem der Sultan Karl XII. und seinen Begleitern Asyl gew√§hrt hatte, wurde s√ľdlich der Stadt Bender ein befestigtes Lager errichtet. Im oberen Bildabschnitt ist der K√∂nig reitend und in Begleitung von Major Axel Sparre dargestellt.

Weder vor Stralsund noch vor Wismar kam es 1714 zu Kampfhandlungen. Die Sachsen hatten sich aus Pommern zur√ľckgezogen und Peter I. war mit der Eroberung Finnlands besch√§ftigt. D√§nemark selbst hatte keine finanziellen Mittel f√ľr einen neuen Feldzug. Auch in dieser f√ľr Schweden √§u√üerst kritischen Lage lehnte Karl XII. mehrere Friedensangebote ab. Nachdem aber keine Aussicht auf einen erneuten Kriegseintritt des Osmanischen Reiches gegen Russland bestand und dieser seit Februar 1713 im Handgemenge von Bender sein Lager von Bender (im heutigen Moldawien) verlassen musste, kehrte Karl im November 1714 in einem f√ľnfzehnt√§gigen Gewaltritt nach Schwedisch-Pommern zur√ľck. Zu der R√ľckkehr bewogen ihn neben der Aufforderung des Sultans auch die politischen Umw√§lzungen in Schweden, die eine ernste Gef√§hrdung seiner Herrschaft zu werden drohten. Von der Stadtbev√∂lkerung in Stralsund umjubelt, war unter Verkennung der Lage sein Ziel, die fr√ľheren Machtverh√§ltnisse in Pommern wiederherzustellen. Unter seiner F√ľhrung wurde dazu der Ausbau der Befestigungsanlagen forciert, an dem bis zu 10.000 Menschen beteiligt waren.[84] Zudem stellte er wieder eine kleine Armee auf, die zwar mangelhaft ausger√ľstet, ihm aber treu ergeben war.

Einnahme der letzten schwedischen Festungen

Schematische Darstellung der Landung und Aufstellung der Alliierten bei Stresow und des Angriffspunktes der darauffolgenden schwedischen Attacke

Im Januar 1715 besetzte Karl XII. zur Sicherung der Stralsunder Festung die S√ľd- und Ostk√ľste R√ľgens. Am 23. Februar nahm er Wolgast ein, das von einem zwanzig Mann starken preu√üischen Posten besetzt war.[85] Am 22. April landeten schwedische Truppen auf der Insel Usedom und √ľberrumpelten eine kleine preu√üische Abteilung.[81] Daraufhin lie√ü Friedrich Wilhelm I. den schwedischen Gesandten ausweisen und gab Anweisung zum Beginn des geplanten Pommernfeldzugs. Preu√üen erkl√§rte am 1. Mai 1715 Schweden den Krieg. Am gleichen Tag bezog das preu√üische Heer bei Stettin ein Feldlager, zu dem vierzehn Tage sp√§ter ein s√§chsisches Korps von 8000 Mann unter dem General Christoph August von Wackerbarth hinzustie√ü. Das Oberkommando des preu√üischen Kontingents √ľbernahm K√∂nig Friedrich Wilhelm I. selbst. Unter ihm f√ľhrte der Feldmarschall F√ľrst Leopold I. von Anhalt-Dessau das Kommando. In der zweiten Junih√§lfte trat die d√§nische Armee den Vormarsch durch Mecklenburg an. Eine d√§nische Abteilung von vier Bataillonen und zw√∂lf Schwadronen unter dem Kommando des Generalleutnants Friedrich von Legardt schloss Wismar ein, den zweiten St√ľtzpunkt der Schweden auf deutschem Boden mit 2500 Mann Besatzung. K√∂nig Friedrich Wilhelm I. verst√§rkte die Belagerungstruppen durch zwei Bataillone und zw√∂lf Schwadronen unter dem Kommando des Generalmajors George Friedrich von der Albe. Das Belagerungskorps z√§hlte nun etwa 8000 Mann. Auf See blockierten d√§nische Schiffe den Zugang zu Wismar.

Am 28. Juni brach die preu√üisch-s√§chsische Armee aus ihrem Lager bei Stettin auf. Ohne auf Widerstand zu treffen, gingen die Preu√üen mittels einer Pontonbr√ľcke bei Loitz, die Sachsen bei Jarmen √ľber die Peene und vereinigten sich Mitte Juli mit den D√§nen vor Stralsund. Die D√§nen hatten unter dem Kommando des Generalfeldmarschalls Carl Rudolf von W√ľrttemberg bei Damgarten die Recknitz √ľberquert und waren ebenfalls auf keine feindliche Gegenwehr gesto√üen.

Schematische Darstellung der Belagerung von Stralsund 1715

Karl XII. hatte zuvor seine noch in Pommern verbliebenen Truppen nach Stralsund zur√ľckgenommen, da er es aufgrund der numerischen und qualitativen √úberlegenheit der alliierten Kr√§fte nicht auf eine Entscheidung in einer Feldschlacht ankommen lassen wollte. Am 12. Juli 1715 vereinigten sich die drei alliierten Heere vor Stralsund und begannen mit der Belagerung. Ein schwedisches Geschwader, das bei Ruden vor der Peenem√ľndung operierte, wurde am 8. August 1715 in der Seeschlacht bei Jasmund von der inzwischen vollst√§ndig eingetroffenen d√§nischen Kriegsflotte geschlagen. Als Folge des Seegefechts war die Kraft der Schweden zur See gebrochen und ihre Flotte musste sich dauerhaft nach Karlskrona zur√ľckziehen. Den Alliierten gelang am 17. November die Eroberung R√ľgens, womit die Lage der belagerten Stadt nahezu aussichtslos wurde. Nach monatelanger Belagerung Stralsunds ergaben sich die eingeschlossenen Schweden am 23. Dezember 1715. K√∂nig Karl konnte im letzten Moment unter gl√ľcklichen Umst√§nden in einem Fischerboot √ľber die Ostsee nach Schweden entkommen. Die Belagerung Wismars, zu der am 2. November noch zwei Bataillone und vier Schwadronen aus Hannover eintrafen, zog sich den Winter √ľber hin und f√ľhrte bei den Belagerungstruppen wegen der strengen K√§lte zu gro√üen Beschwerden. Nach zehnmonatiger Belagerung wurde schlie√ülich am 19. April 1716 Wismar durch preu√üische und hannoversche Truppen eingenommen. Damit fiel auch der letzte schwedische Besitz in Norddeutschland.

Die Endphase des Kriegs (1716‚Äď1721)

Zur√ľck in Schweden f√ľhrte Karl XII. noch weitere Kriegsz√ľge gegen Norwegen. In der Ostsee dominierte inzwischen die russische Marine und f√ľhrte St√∂raktionen gegen die schwedische K√ľste durch. Insgesamt war die Endphase des Krieges jedoch mehr von diplomatischen Verwerfungen der Allianzpartner als von milit√§rischen Aktionen gekennzeichnet. Die an den europ√§ischen H√∂fen sehr bewusst wahrgenommene Verschiebung der Machtverh√§ltnisse durch die russischen Siege √ľber Schweden l√∂sten unter den etablierten europ√§ischen Gro√üm√§chten Bef√ľrchtungen √ľber eine m√∂gliche russische Vorherrschaft im Ostseeraum aus. England zeigte sich hierbei als gr√∂√üter Gegner einer russischen Machtdominanz in Nordeuropa. Da Zar Peter zeitweise gro√üe Truppenkontingente in D√§nemark, Mecklenburg und Polen unterhielt, schlossen sich das Heilige R√∂mische Reich, die Niederlande, Frankreich, Sachsen und D√§nemark der englischen Linie an.

Karl XII. versuchte die Spannungen zwischen seinen Kriegsgegnern zu nutzen und verhandelte mit beiden Seiten √ľber Friedensschl√ľsse. Die Ernsthaftigkeit dieser Vorst√∂√üe wird von Historikern aber bezweifelt. So glaubte Karl bis zuletzt, den Krieg mit milit√§rischen Mitteln zu einem f√ľr Schweden noch g√ľnstigen Ende zu bringen. Erst nach seinem Tod 1719 wandte sich Schweden vollst√§ndig England zu, schloss mit D√§nemark, Preu√üen und Hannover Frieden und hoffte mit Unterst√ľtzung Englands, seine an Russland verlorenen Ostseeprovinzen zur√ľckzugewinnen. Aufgrund der Gefahr eines neuen Krieges mit Spanien waren die M√§chte jedoch nicht bereit, einen offenen Krieg mit Russland zu wagen, so dass Schweden alleingelassen wurde und zu ung√ľnstigen Bedingungen Frieden mit Russland schlie√üen musste.

Europäisierung der Ostseefrage

Weitergehende Bem√ľhungen Zar Peters I., in Norddeutschland Fu√ü zu fassen, best√§rkten das Misstrauen der anderen B√ľndnispartner, woraus sich Verz√∂gerungen und Unstimmigkeiten beim weiteren Vorgehen gegen Schweden ergaben, die den Krieg verl√§ngerten.[86] Georg I., K√∂nig von England und Kurf√ľrst von Hannover, unterst√ľtzte Russland zwar, um mit Bremen-Verden eine Landbr√ľcke nach England zu gewinnen, f√ľrchtete sich aber auch vor einer zu starken Dominanz Russland in der Ostsee und war deshalb zu einer Kurs√§nderung bereit. Akut wurden die englischen Bef√ľrchtungen, als Zar Peter I. am 19. April 1716 einen B√ľndnisvertrag mit dem Herzog Karl Leopold von Mecklenburg schloss, dem er √ľberdies die Hand der Zarennichte Katharina Iwanowna anbot. Russland erhielt dadurch einen St√ľtzpunkt f√ľr seine Armee auf deutschem Boden und gewann Mecklenburg als weiteren Verb√ľndeten gegen Schweden. Im Gegenzug erhielt der Herzog im Konflikt mit der Ritterschaft Hilfe gegen seine Landst√§nde. Im Winter 1716/17 schlugen 40.000 russische Soldaten ihre Quartiere im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin auf. Der Zar spielte fortan auch aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zu Mecklenburg einen wichtigen Part in der Reichspolitik. Das englische Parlament wollte nun ebenso wie Kaiser Karl VI. das weitere russische Vordringen in den Ostseeraum verhindern, weil es f√ľrchtete, dass Russland den Ostseehandel monopolisieren k√∂nnte.[87] Nach Klagen der mecklenburgischen Landst√§nde wegen der fortgesetzten Rechtsbr√ľche ihres Herzogs verh√§ngte Kaiser Karl VI. 1717 einen Reichsexekutionsbeschluss gegen Karl Leopold von Mecklenburg.

Bildung einer antirussischen Allianz

Nachdem Karl XII. von Stralsund nach Schweden zur√ľckgekehrt war, nutzte er die alliierten Unstimmigkeiten bei seinen Bem√ľhungen um Wiederherstellung seines Reiches, indem er seine Kr√§fte gegen D√§nemark-Norwegen konzentrierte. W√§hrend des Winters 1715/16 plante Karl, √ľber die zugefrorene Ostsee von Schonen nach Seeland zu marschieren. Der Winter fiel aber mild aus, sodass dieser Plan nicht umsetzbar war. So entschied er sich, gegen die d√§nische Provinz Norwegen zu ziehen. Er konnte zwar das von seinen Einwohnern verlassene Christiania (das heutige Oslo) im d√§nisch kontrollierten Norwegen erobern und zog dann gegen Fredrikshald, aber nach der Verbrennung seiner Flotte durch die D√§nen musste er im Juli nach Schweden zur√ľckkehren.

Die Invasion Norwegens ermutigte Kopenhagen, erneut in Schweden einzudringen. Der Plan einer gemeinsamen russisch-d√§nischen Invasion wurde bereits seit einiger Zeit diskutiert. Im Februar 1716 pr√§sentierte Peter I. bei seiner zweiten Europareise in Altona einen detaillierten Invasionsplan. Russische Truppen sollten bis Sjaelland transportiert werden. Von dort sollte zusammen mit d√§nischen Truppen in Schweden eingefallen werden, unterst√ľtzt durch eine britische Flotte.

Georg Heinrich von G√∂rtz (rechts) gewann in den letzten Regierungsjahren (1715‚Äď1718) Karls XII. gro√üen Einfluss auf die schwedische Au√üenpolitik. Er bef√ľrwortete einen Ausgleich mit Russland.

Die diplomatischen Verwerfungen, die im Wesentlichen durch die russischen Aktivit√§ten in Mecklenburg verursacht wurden, st√∂rten den Invasionsplan jedoch und sch√ľrten das Misstrauen der Verb√ľndeten gegen den Zaren. An den europ√§ischen H√∂fen wurde vermutet, dass Peter einen Separatfrieden mit Schweden geschlossen hatte und die Invasionspl√§ne lediglich als Maske f√ľr eine Ausweitung der russischen St√ľtzpunkte in Deutschland nutzen wollte.[88] Bei einem Treffen Peters I. und Friedrichs IV. am 28. Mai 1716 in Ham und Horn bei Hamburg wurden die Invasionspl√§ne weiter gegliedert. Im September 1716 wurde eine 30.000 Mann starke Armee auf preu√üischen Schiffen von Warnem√ľnde in Mecklenburg nach Seeland verschifft. Dort stand bereits eine 24.000 Mann starke d√§nische Armee. Die d√§nische Kriegsflotte, bestehend aus 24 Linienschiffen, wurde durch die russische Kriegs- und Galeerenflotte sowie britische und holl√§ndische Flottengeschwader verst√§rkt. Die alliierte Invasionsflotte, bestehend aus 67 Linienschiffen und Fregatten, stand nun bereit f√ľr die Invasion Schonens.[89] Doch dann sagte der Zar, der sich gerade wieder auf Europareise befand, die schon fest geplante Landung √ľberraschend ab, und weckte dadurch erneut das Misstrauen der Verb√ľndeten, die weiter argw√∂hnten, dass sich Peter I. im Reich festsetzen wollte. Nachdem der Versuch des Zaren, bei einem Aufenthalt in Paris ein franz√∂sisch-russisches B√ľndnis zu schmieden, erfolglos blieb, f√ľhrte eine diplomatische Offensive Englands Russland endg√ľltig in die au√üenpolitische Isolation. Um Januar 1717 schloss Georg I. eine Tripelallianz mit Gro√übritannien-Hannover, den Niederlanden und Frankreich. Hannover und D√§nemark zogen sich aus der nordischen Koalition zur√ľck. Im M√§rz 1717 erteilte das englische Parlament die Zustimmung zum Einsatz der Flotte zur Durchsetzung der neuen englischen Au√üenpolitik. Die Tripelallianz wurde im August 1718 mit √Ėsterreich erg√§nzt, das mit dem Osmanischen Reich gerade Frieden geschlossen hatte. Die nun formierte Quadrupelallianz wurde durch den Vertrag von Wien im Januar 1719 erweitert, mit dem sich Sachsen, England-Hannover und √Ėsterreich zusammenschlossen, um Russland aus Polen-Litauen zur√ľckzudr√§ngen, das dort eine 35.000 Mann starke Armee unterhielt.[90]

Beginn russisch-schwedischer Friedensunterhandlungen

W√§hrend sich 1717 diplomatische Umw√§lzungen vollzogen, brachte das Jahr f√ľr alle Kriegsparteien milit√§risch eine Ruhepause. K√∂nig Karl entwickelte trotz aller Niederlagen und der erdr√ľckenden √úbermacht seiner Feinde st√§ndig neue Ideen und Pl√§ne. Georg Heinrich von G√∂rtz, der engste Berater Karls in seinen letzten Jahren, witterte eine Chance, mit den Russen zu einem Separatfrieden zu gelangen, um im Gegenzug freie Hand f√ľr R√ľckeroberungen in Norddeutschland und D√§nemark zu haben.

Auf einem Treffen mit Zar Peter im Lustschloss Het Loo in Holland im August 1717 konnte G√∂rtz wesentliche Vorbehalte des Zaren gegen eine Ann√§herung ausr√§umen und im folgenden Jahr kam es ab Mai 1718 zu Friedensverhandlungen auf den Alandinseln. Verhandlungsf√ľhrer waren bei den Schweden G√∂rtz und Carl Gyllenborg, bei den Russen der Westfale Heinrich Ostermann und der schottische General James Bruce. Der schwedische Plan sah vor, dass Russland alle seine Besitzungen bis auf Finnland behalten, daf√ľr aber Norwegen und Hannover den Schweden zufallen sollten. Ferner sollte eine Landung in Schottland eine R√ľckkehr der Jakobiten auf den dortigen Thron vorbereiten.[91]

Der Tod des Königs

Belagerung von Frederikshald 1718
Kupferstich aus dem Theatrum Europaeum

Die alliierten Unstimmigkeiten lie√üen in Stockholm neue Hoffnung auf einen g√ľnstigen Friedensschluss keimen. Der Beginn des neuen Norwegenfeldzuges sollte dem Zaren wie den Engl√§ndern die scheinbar ungebrochene Kraft Schwedens demonstrieren. W√§hrend Karl selbst mit dem Hauptheer gegen Frederikshald zog, musste General Armfeld mit einer anderen Abteilung n√∂rdlich √ľber die Ki√∂len gegen Trondheim ziehen, um die Verbindung zwischen den Landesteilen abzuschneiden. In Schweden traf der Feldzug allerdings auf allgemeine Missbilligung. Das Land war am Ende seiner Kr√§fte, in Stockholm wurden sogar Verhungerte auf den Stra√üen gefunden.[92] Auch viele Offiziere und Soldaten litten Hunger und der gr√∂√üere Teil des schwedischen Heeres hatte zerrissene Kleider. Als K√∂nig Karl XII. am 11. Dezember 1718 bei der Belagerung von Frederikshald in vorderster Linie einer feindlichen Kugel zum Opfer fiel, war der Nordische Krieg mit einem Schlag so gut wie beendet. Gleich nach dem Tod des K√∂nigs hob sein Schwager Prinz Friedrich von Hessen-Kassel die Belagerung auf und f√ľhrte das Heer nach Schweden zur√ľck.

Der Feldzug nach Trondheim endete ebenfalls in einer Katastrophe. Als Armfeldt auf die Nachricht vom Tod des K√∂nig am 1. Januarjul./ 12. Januar 1719greg. den R√ľckzug nach Schweden befahl, setzte auf dem √Ėyfjell ein so heftiger Schneesturm ein, dass 3700 der 5800 Soldaten erfroren. Der Untergang von Armfeldts Armee ging als Todesmarsch der Karoliner in die Geschichte ein.

Der Leichnam Karls XII. wird √ľberf√ľhrt
G. Cederström Krusenberg, 1884

Mit dem Tod Karls XII. endete die m√§nnliche Linie des Hauses Wasa. Nach ihm bestieg seine Schwester, Ulrika Eleonore, den Thron. Ihre Kr√∂nung war von der Bedingung abh√§ngig gemacht worden, dass sie eine neue Verfassung akzeptierte, die die absolutistische Monarchie aufl√∂ste und die Legislativgewalt dem aus Vertretern der vier St√§nde (Adel, Klerus, B√ľrger und Bauern) bestehenden Reichstag √ľbertrug. Die Exekutivgewalt lag bei einem so genannten Geheimkomitee der ersten drei St√§nde. Auf diese Weise hatte die anti russisch eingestellte Aristokratie wieder die Regierung des Landes in der Hand, eine Machtposition, die sie mehr als 50 Jahre beibehielt. Nach dem Verzicht seiner Frau Ulrika Eleanora, der Schwester Karls XII., erlangte Friedrich von Hessen-Kassel die schwedische Krone, blieb aber in der Folge vom Reichsrat abh√§ngig. Mit einem Schlag √§nderte sich der au√üenpolitische Kurs. Auf Rat von franz√∂sischen und englischen Gesandten wurden die Verhandlungen mit Russland abgebrochen; stattdessen wurden unter Vermittlung Frankreichs die Friedensverhandlungen mit Gro√übritannien-Hannover, Preu√üen und D√§nemark vorangetrieben.[93] Es zeichnete sich nun eine starke europ√§ische Allianz gegen Russland ab, deren Umrisse deutlich wurden, als der Kaiser im Februar 1719 das Kurf√ľrstentum Hannover mit der Ausf√ľhrung der zwei Jahre zuvor verh√§ngten Reichsexekution beauftragte und 12.000 welfische Truppen den Herzog Karl Leopold aus Mecklenburg verjagten.[94]

Frieden mit Hannover-England, Preußen und Dänemark

Abbild der letzten Seite des Präliminarfriedens zu Stockholm zwischen Hannover-Großbritannien und Schweden vom 19. November 1719

Mit Hannover-England schloss Schweden nach langwierigen Verhandlungen als erstes Frieden. Noch 1718 hatte sich der schwedische K√∂nig nur zu einer Abtretung eines kleinen Teils von Bremen-Verden bereit erkl√§rt, nicht jedoch der gesamten Herzogt√ľmer Bremen und Verden. Erst durch seinen Tod Ende 1718 war der Weg f√ľr erfolgversprechende Friedensverhandlungen frei, die im Mai 1719 in Stockholm begannen. Streitpunkte waren die H√∂he der Abl√∂sesumme f√ľr Bremen-Verden, das Ausma√ü der k√ľnftigen Verluste Schwedens in Pommern sowie der Einsatz der englischen Flotte zum Schutz Schwedens gegen einen russischen oder d√§nischen Angriff.

Schweden stand gleichzeitig unter starkem milit√§rischen Druck Russlands. So errang die russische Flotte am 24. Mai 1719 ihren ersten Sieg in der offenen Seeschlacht bei √Ėsel. Um Schweden zur Unterzeichnung des Friedensvertrags zu zwingen, entschied sich Peter I. zu einer Landeoperation im schwedischen Kernland. Gleichzeitige erfolgte im August 1719 eine Landung s√ľdlich und n√∂rdlich von Stockholm. An der Operation waren 20 Linienschiffe, einige hundert Ruderschiffe sowie 26.000 Mann Landungstruppen beteiligt. Im Verlauf der Invasion wurden acht gr√∂√üere St√§dte zerst√∂rt, darunter die damals zweitgr√∂√üte Stadt Norrk√∂ping. Durch Gro√üadmiral Apraxin lie√ü Zar Peter die K√ľste von Westbothnien niederbrennen. 13 St√§dte, 361 D√∂rfer und 441 adlige G√ľter wurden zerst√∂rt.

Die russischen Vorst√∂√üe beschleunigten die Friedensschl√ľsse Schwedens mit seinen √ľbrigen Gegnern. Im November 1719 stellte D√§nemark die Kampfhandlungen mit Schweden ein. Unter Vermittlung des englischen Bevollm√§chtigten John Carteret wurde am 22. November 1719 in einem Pr√§liminarfrieden zu Stockholm der Krieg mit Gro√übritannien beendet. Hannover erhielt gegen eine Zahlung von einer Million Reichstalern die Herzogt√ľmer Bremen-Verden und sagte Schweden indirekt englische Unterst√ľtzung zu. Endg√ľltig anerkannt wurde die Abtretung erst im Hamburger Vergleich des Jahres 1729.

Am 21. Januarjul./ 1. Februar 1720greg. kam es nach langwierigen Verhandlungen zum Frieden von Stockholm zwischen Preu√üen und Schweden. Preu√üen behielt Stettin, die Inseln Usedom und Wollin sowie Vorpommern bis zur Peene f√ľr eine finanzielle Gegenleistung von 2 Millionen Reichstalern.[95] Am 3. Julijul./ 14. Juli 1720greg. beendeten D√§nemark und Schweden den Krieg im Frieden von Frederiksborg nach √ľber acht Monaten Unterhandlungen. D√§nemark gab R√ľgen und Vorpommern n√∂rdlich der Peene sowie die Herrschaft Wismar an Schweden zur√ľck, das daf√ľr 600.000 Taler bezahlte und auf die Zollfreiheit im Sund verzichtete.[96]

Zu diesem Zeitpunkt hatte England eine gro√üe Koalition gegen Russland aufgebaut, die jedoch nicht ausreichte, um die Kriegshandlungen im Norden zu beenden. Preu√üen und Sachsen tendierten dazu, von Gro√übritannien wieder abzur√ľcken, um sich erneut dem Zaren zuzuwenden. Auch der Kaiser in Wien wurde aufgrund der anhaltenden Besetzung Mecklenburgs durch welfische Truppen unruhig.

Frieden mit Russland

Seeschlacht bei Grönham am 7. August 1720

Die Entscheidung Englands, seine in der Ostsee unter dem Kommando von Admiral Norris segelnde Flotte gegen Russland einzusetzen, blieb im Ergebnis hinter den Erwartungen zur√ľck. Die englischen Geschwader konnten den russischen Schiffen nicht bis in den Golf von Finnland folgen. Der englischen Flotte gelang es auch nicht, die russischen Angriffe auf das schwedische Festland zu unterbinden. Am 7. August 1720 wurde ein schwedisches Geschwader in der Seeschlacht bei Gr√∂nham von einem russischen geschlagen, und 1721 wurde Stockholm selbst nur durch die Ankunft einer britischen Flotte vor einem russischen Angriff gerettet.[97] Gro√übritannien erkannte nun, dass es au√üer Stande war, eine wirksame Kriegskoalition gegen Russland zu bilden. Preu√üen hielt einen strikten Neutralit√§tskurs ein und auch die anderen englischen Initiativen an den H√∂fen in Wien und Warschau blieben erfolglos. Daher dr√§ngte nun auch das Vereinigte K√∂nigreich darauf, so schnell wie m√∂glich Friedensverhandlungen mit Russland aufzunehmen. Infolge einer Spekulationskrise war es f√ľr den britischen K√∂nig Georg I. nun auch nicht mehr m√∂glich, die Schweden finanziell zu unterst√ľtzen. Somit blieb dem ohne Unterst√ľtzung dastehenden Schweden nichts anderes √ľbrig, als unter franz√∂sischer Vermittlung in direkte Friedensverhandlungen mit Russland zu einzutreten, die ab dem 28. April 1721 in Nystadt, einem kleinen finnischen St√§dtchen unweit von √Ąbo, begannen.

Die Unterzeichnung des Friedensvertrags von Nystadt am 20. August 1721. Radierung, 1721.

Am 10. September 1721 trat Schweden im Friedensvertrag von Nystad die Gebiete Ingermanland, Livland, Estland, die Inseln √Ėsel und Dag√∂ sowie S√ľdkarelien an Russland ab. Daf√ľr erhielt es Finnland zur√ľck, das Peter I. 1714 erobert hatte. Zudem leistete Russland Schweden Reparationen in H√∂he von 2 Millionen Reichstalern.[97] Schweden erhielt das Recht, in Riga, Reval und Arensburg allj√§hrlich Getreide im Wert von 50.000 Rubel zollfrei aufzukaufen; ausgenommen waren hiervon Jahre der Missernte.

Im Zuge der Friedensverhandlungen am Ende des Krieges bot K√∂nigin Ulrika Eleonora am 7. Januar 1720 auch August dem Starken einen Waffenstillstand an. In diesem Angebot w√§hlte sie absichtlich die Anrede ‚ÄěFriedrich August‚Äú und dr√ľckte damit aus, dass der s√§chsische Kurf√ľrst nach der Wiederwahl 1710 von Schweden nach wie vor nicht als polnischer K√∂nig anerkannt war. Obwohl August II. mit einer Revision des Friedens von Altranst√§dt die Anerkennung seiner polnischen K√∂nigsw√ľrde zu verkn√ľpfen hoffte, kam es jedoch zu keinem Abschluss. An den Friedensschl√ľssen nach dem Ende des Gro√üen Nordischen Krieges war Sachsen-Polen, obwohl aktive Kriegspartei, damit nicht beteiligt. Eine beiderseitige Bekr√§ftigung des faktischen Friedenszustandes zwischen Sachsen und Schweden fand erst im April 1729 statt. Der polnische Sejm hatte zuvor 1726 zu Grodno beschlossen, in Friedensgespr√§che mit Schweden einzutreten und fr√ľhere Friedensabkommen, in erster Linie den Frieden von Oliva, zu best√§tigen. Nach einer ersten Absichtsbekundung 1729 begannen erneut Verhandlungen, in deren Verlauf Schweden im Februar 1730 und Polen im September 1732 Entw√ľrfe vorlegten, die in einer beidseitigen Friedensdeklaration m√ľndeten.

Folgen und Auswirkungen des Krieges

Der Krieg hatte gravierende Auswirkungen auf die Bev√∂lkerungsentwicklung im schwedischen Reich. Auf f√ľnf Frauen kamen zuletzt nur noch drei M√§nner, was dazu f√ľhrte, dass vorwiegend Frauen die landwirtschaftliche Arbeit √ľbernehmen mussten. Finnland hatte die h√∂chsten Verluste erlitten und 16 Prozent seiner Bev√∂lkerung eingeb√ľ√üt. In Schweden betrug der Blutzoll 10 Prozent. Finnland war so schwer getroffen, dass der schwedische Gouverneur f√ľr sechs Jahre darauf verzichtete, Steuern zu erheben.[98]

Gebietsgewinne Russlands

Der Gro√üe Nordische Krieg hatte eine grundlegende Verschiebung im europ√§ischen M√§chteverh√§ltnis zur Folge. Schweden verlor seine Besitzungen im Baltikum und in Deutschland (bis auf Wismar und Vorpommern n√∂rdlich der Peene) und somit seine Stellung als nordische Gro√ümacht. An seine Stelle trat das Zarenreich, das nicht nur zur neuen Vormacht an der Ostsee aufstieg, sondern auch eine entscheidende Rolle bei der Neuordnung Europas gespielt hatte.[99] Der Nordische Krieg hatte dem russischen Volk jedoch das √Ąu√üerste an Leistung abverlangt. Zeitweilig wurden 82 Prozent der Staatseinnahmen f√ľr den Krieg ausgegeben.[100] Allein zwischen 1705 und 1713 gab es zehn Musterungen, die rund 337.000 M√§nner zu den Waffen riefen. Die Dienstbedingungen waren dabei so schlecht, dass w√§hrend des Gro√üen Nordischen Krieges 54.000 russische Soldaten an Krankheiten starben und nur etwa 45.000 t√∂dlich verwundet wurden.[101] Peters neue Hauptstadt Sankt Petersburg entstand an der Ostsee, gesch√ľtzt durch breite K√ľstengebiete, eine Entwicklung, welche die um ihren Ostseehandel besorgte Seemacht Gro√übritannien nicht gerne sah, aber auch nicht verhindern konnte.[102] Mitten im Krieg schuf Peter der Gro√üe so die Grundlagen der russischen Gro√ümacht; zur Unterstreichung des neuen Anspruchs lie√ü er das Russische Zarentum in Russisches Kaiserreich umbenennen und seinen Titel offiziell von Zar in Kaiser (–ė–ľ–Ņ–Ķ—Ä–į—ā–ĺ—Ä, Imperator) √§ndern. Russland war nach der jahrhundertelangen Entfremdung, bedingt durch die Tatarenherrschaft, wieder ein festes Glied des europ√§ischen Staaten- und B√ľndnissystems.[103]

Mit Russlands Aufstieg war gleichzeitig der Abstieg Polens verbunden, das in die Einflusssph√§re des Zarenreichs geriet, ab 1768 de facto zu einem russischen Protektorat herabsank und bis 1795 von seinen Nachbarn vollst√§ndig aufgeteilt wurde.[104] Der Niedergang Schwedens und Sachsen-Polens wiederum befreite Preu√üen von zwei starken potentiellen Gegnern in der Region und fiel mit seinem Aufstieg zur Gro√ümacht zusammen.[105] Nachdem sie im Verlauf des Gro√üen Nordischen Kriegs aus der zweiten in die erste Reihe der europ√§ischen Staaten aufger√ľckt waren, komplettierten Russland und Preu√üen in den folgenden Jahrhunderten neben Frankreich, √Ėsterreich und Gro√übritannien die Pentarchie der europ√§ischen Gro√üm√§chte.[106]

Weblinks

 Commons: Gro√üer Nordischer Krieg ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Literatur

  • Evgeniń≠ Viktorovich Anisimov: The reforms of Peter the Great: progress through coercion in Russia. M.E. Sharpe 1993
  • C.T. Atkinson: A history of Germany, 1715‚Äď1815. New York 1969
  • Alan Axelrod: Little-Known Wars of Great and Lasting Impact. Beverly 2009
  • Robert Nisbet Bain: Scandinavia a Political History of Denmark, Norway and Sweden from 1513 to 1900. Camebridge 2006
  • Rainer Beyrau, Dietrich, Lindner: Handbuch der Geschichte Wei√ürusslands. G√∂ttingen 2001
  • Hans Branig: Geschichte Pommerns Teil II. Von 1648 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. B√∂hlau Verlag, K√∂ln 2000. ISBN 3-412-09796-9
  • Norman Davies: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. M√ľnchen 2000.
  • Heinz Duchhardt: Altes Reich und europ√§ische Staatenwelt, 1648‚Äď1806. Enzyklop√§die deutscher Geschichte, Band 4, M√ľnchen 1990
  • Christopher Duffy : Russia‚Äôs military way to the West. Origins and nature of Russian military power, 1700‚Äď1800. London 1981
  • Peter Englung: The Battle that Shook Europe. Pearson Education Verlag, New York 2003
  • Herbert Ewe: Geschichte der Stadt Stralsund. Weimar 1984
  • Forschungen zur osteurop√§ischen Geschichte. Band 25. Harrassowitz, 2000
  • Stig F√∂rster, Markus P√∂hlmann, Dierk Walter: Kriegsherren der Weltgeschichte: 22 historische Portraits. M√ľnchen 2003
  • Robert I. Frost: The Northern Wars. War, State and Society in Northeastern Europe, 1558‚Äď1721. Harlow (Essex) 2000.
  • Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden. Band 1, Braunschweig 1861
  • Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften. Leipzig 1860
  • Geoffrey Parker: The Cambridge illustrated history of warfare. Cambridge 2005.
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  • Goehrke/Hellmann/Lorenz/Scheibert: Weltgeschichte ‚Äď Russland. Band 31, Weltbild Verlag, Frankfurt am Main 1998,
  • Theodor Griesinger: Das Damen-Regiment an den verschiedenen H√∂fen Europas in den zwei letztvergangenen Jahrhunderten. Band 3, Stuttgart 1869
  • Bruno Hildebrand, Johannes Conrad, Edgar Loening, Ludwig Elster et al.: Jahrb√ľcher f√ľr National√∂konomie und Statistik. Band 3, Jena 1864
  • Curt Jany: Geschichte der Preu√üischen Armee. Vom 15. Jahrhundert bis 1914. Bd. 1, Biblio Verlag, Osnabr√ľck 1967, S. 632‚Äď641.
  • Rossiter Johnson: The Great Events by Famous Historians. 2004
  • Paul Kennedy: The Rise and Fall of the Great Powers. Economic Change and Military Conflict from 1500 to 2000. New York 1987.
  • Konovaltjuk & Lyth, Pavel & Einar (2009) (in Schwedisch). V√§gen till Poltava. Slaget vid Lesnaja 1708. Svenskt Milit√§rhistorisk Biblioteks F√∂rlag. ISBN 978-91-85789-14-6
  • Angus Konstam: Poltava 1709: Russia Comes of Age. Osprey Publishing, 1994
  • Stephen J. Lee: Peter the Great. London 1996
  • J. O. Lindsay: The New Cambridge Modern History: The old regime, 1713-63. Camebridge 1957
  • Dietmar Lucht: Pommern. Geschichte, Kultur und Wissenschaft bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges. Verlag Wissenschaft und Politik, K√∂ln 1996. ISBN 3-8046-8817-9
  • Knut Lundblad: Geschichte Karl des Zw√∂lften K√∂nigs von Schweden. Band 2, 1840
  • Robert K. Massie: Peter der Gro√üe ‚Äď Sein Leben und seine Zeit. Frankfurt/Main 1987,
  • John Joseph Murray: George I, the Baltic and the Whig split of 1717. A study in propaganda. London 1969
  • Stewart P. Oakley: War and peace in the Baltic, 1560-1790. London 1992
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  • Helmut Pemsel: Seeherrschaft. Bd.1, Hamburg 2005
  • Georg Piltz: August der Starke ‚Äď Tr√§ume und Taten eines deutschen F√ľrsten. Berlin 1986
  • Volker Press: Neue deutsche Geschichte: Kriege und Krisen. M√ľnchen 1991
  • Benjamin Richter: Verbrannte Erde. Peter der Gro√üe und Karl XII. Die Trag√∂die des ersten Russlandfeldzuges, MatrixMedia Verlag, G√∂ttingen 2010 ISBN 978-3-932313-37-0
  • Werner Scheck: Geschichte Russlands. Wilhelm Heyne, M√ľnchen 1977, ISBN 3-453-48035-X.
  • Christoph Schmidt: Russische Geschichte 1547‚Äď1917. M√ľnchen 2003
  • Franklin Daniel Scott: Sweden, the nation‚Äôs history. Minneapolis 1978
  • Nikolaus Thon: St. Petersburg um 1800. Ein goldenes Zeitalter des russischen Zarenreichs. Meisterwerke und authentische Zeugnisse der Zeit aus der Staatlichen Eremitage. Leningrad, 1990
  • Hans-Joachim Torke: Einf√ľhrung in die Geschichte Russlands. M√ľnchen 1997
  • William Young: International Politics and Warfare in the Age of Louis XIV and Peter the Great. Lincoln 2004
  • Henry Vallotton: Peter der Gro√üe ‚Äď Russlands Aufstieg zur Gro√ümacht. M√ľnchen 1996
  • Bernhard von Poten: Handw√∂rterbuch der gesamten Milit√§rwissenschaften. Bd. 8, Leipzig 1879
  • Heinz von Zur M√ľhlen: Baltisches historisches Ortslexikon, Bd. 2, K√∂ln 1990
  • Carl Wernicke: Die Geschichte der Welt. B√§nde 2-3, Berlin 1857
  • Klaus Zernack: Das Zeitalter der Nordischen Kriege von 1558 bis 1809 als fr√ľhneuzeitliche Geschichtsepoche. In: Zeitschrift f√ľr historische Forschung 1 (1974) S. 55‚Äď79.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Karte der gottorfschen und k√∂niglichen Anteile in den Herzogt√ľmern Schleswig und Holstein
  2. ‚ÜĎ a b c d e Darstellung nach: Eckardt Opitz: Vielerlei Ursachen, eindeutige Ergebnisse ‚Äď Das Ringen um die Vormacht im Ostseeraum im Gro√üen Nordischen Krieg 1700‚Äď1721. In: Bernd Wegner in Verbindung mit Ernst Willi Hansen, Kerstin Rehwinkel und Matthias Reiss (Hrsg.): Wie Kriege entstehen. Zum historischen Hintergrund von Staatenkonflikten. Paderborn 2000, S. 89‚Äď107, hier: S. 90‚Äď94.
  3. ‚ÜĎ Eckardt Opitz: Vielerlei Ursachen, eindeutige Ergebnisse ‚Äď Das Ringen um die Vormacht im Ostseeraum im Gro√üen Nordischen Krieg 1700‚Äď1721, S. 94f.
  4. ‚ÜĎ Georg Piltz: August der Starke ‚Äď Tr√§ume und Taten eines deutschen F√ľrsten, Verlag Neues Leben, Berlin (Ost) 1986, S. 80.
  5. ‚ÜĎ Werner Scheck: Geschichte Russlands, M√ľnchen 1977, S. 188.
  6. ‚ÜĎ Robert K. Massie: Peter der Gro√üe ‚Äď Sein Leben und seine Zeit, Frankfurt/Main 1987, S. 268.
  7. ‚ÜĎ Heinz von Zur M√ľhlen: Baltisches historisches Ortslexikon, Band 2, K√∂ln 1990, S. 132.
  8. ‚ÜĎ Knut Lundblad, Georg Friedrich Jenssen-Tusch: Geschichte Karl des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, Hamburg 1835, S. 41‚Äď55.
  9. ‚ÜĎ Georg Piltz: August der Starke ‚Äď Tr√§ume und Taten eines deutschen F√ľrsten, Berlin 1986, S. 92f.
  10. ‚ÜĎ Knut Lundblad, Georg Friedrich Jenssen-Tusch: Geschichte Karl des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, Hamburg 1835, S. 58‚Äď61.
  11. ‚ÜĎ a b Robert K. Massie: Peter der Gro√üe ‚Äď Sein Leben und seine Zeit, Frankfurt/Main 1987, S. 286.
  12. ‚ÜĎ Helmut Pemsel: Seeherrschaft, Bd.1, Hamburg 2005, S. 274.
  13. ‚ÜĎ Helmut Pemsel: Seeherrschaft, Band 1, Hamburg 2005, S. 266.
  14. ‚ÜĎ Robert K. Massie: Peter der Gro√üe ‚Äď Sein Leben und seine Zeit, Frankfurt/Main 1987, S. 286‚Äď288.
  15. ‚ÜĎ Zit. nach: Georg Piltz: August der Starke ‚Äď Tr√§ume und Taten eines deutschen F√ľrsten, Berlin 1986, S. 92f.
  16. ‚ÜĎ Henry Vallotton: Peter der Gro√üe ‚Äď Russlands Aufstieg zur Gro√ümacht, M√ľnchen 1996, S. 165.
  17. ‚ÜĎ Robert K. Massie: Peter der Gro√üe ‚Äď Sein Leben und seine Zeit, Frankfurt/Main 1987, S. 288f.
  18. ‚ÜĎ Im Einzelnen zum Narva-Feldzug: Robert K. Massie: Peter der Gro√üe ‚Äď Sein Leben und seine Zeit, Frankfurt/Main 1987, S. 290‚Äď301.
  19. ‚ÜĎ Theodor Griesinger: Das Damen-Regiment an den verschiedenen H√∂fen Europas in den zwei letztvergangenen Jahrhunderten, Band 3, Stuttgart 1869, S. 572.
  20. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl‚Äôs des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, S. 117.
  21. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl‚Äôs des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, S. 118.
  22. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl‚Äôs des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, S. 121.
  23. ‚ÜĎ Theodor Griesinger: Das Damen-Regiment an den verschiedenen H√∂fen Europas in den zwei letztvergangenen Jahrhunderten, Band 3, Stuttgart 1869, S. 603.
  24. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften, Leipzig 1860, S. 87.
  25. ‚ÜĎ Jan Kazimierz Sapieha der J√ľngere f√ľhrte seit 1700 den Herzogtitel, aber sein Verwandter Jan Kazimierz Sapieha der √Ąltere wurde von Karl XII. wegen seiner milit√§rischen Qualit√§ten noch h√∂her gesch√§tzt und 1708 zum Gro√ühetman von Litauen ernannt.
  26. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften, Leipzig 1860, S. 89.
  27. ‚ÜĎ Theodor Griesinger: Das Damen-Regiment an den verschiedenen H√∂fen Europas in den zwei letztvergangenen Jahrhunderten, Band 3, Stuttgart 1869, S. 604.
  28. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften, Leipzig 1860, S. 94.
  29. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften, Leipzig 1860, S. 101.
  30. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften, Leipzig 1860, S. 103.
  31. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, Braunschweig 1861, S. 214
  32. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, Braunschweig 1861, S. 218.
  33. ‚ÜĎ Kuvaja, Christer (2008) (in Swedish). Karolinska krigare 1660‚Äď1721. Helsingfors: Schildts F√∂rlags AB. p. 164. ISBN 978-951-50-1823-6.
  34. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl des Zw√∂lften, K√∂nigs von Schweden, Band 1, S. 244.
  35. ‚ÜĎ Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zw√∂lften, S. 179
  36. ‚ÜĎ Alan Axelrod: Little-Known Wars of Great and Lasting Impact, 2009, S. 137.
  37. ‚ÜĎ Stig F√∂rster, Markus P√∂hlmann, Dierk Walter: Kriegsherren der Weltgeschichte: 22 historische Portraits. M√ľnchen 2003, S. 139.
  38. ‚ÜĎ Dietrich Beyrau, Rainer Lindner: Handbuch der Geschichte Wei√ürusslands, G√∂ttingen 2001, S. 112.
  39. ‚ÜĎ a b Young, William: International Politics and Warfare in the Age of Louis XIV and Peter the Great, Lincoln 2004, S. 454
  40. ‚ÜĎ William Young: International Politics and Warfare in the Age of Louis XIV and Peter the Great, S. 454.
  41. ‚ÜĎ a b Volker Press: Neue deutsche Geschichte: Kriege und Krisen, M√ľnchen 1991, S. 465.
  42. ‚ÜĎ a b Christopher Duffy:Russia‚Äôs military way to the West. Origins and nature of Russian military power, 1700‚Äď1800, London 1981 S. 17.
  43. ‚ÜĎ Sie bestanden im Jahr 1701 aus etwa 3100 Mann Feldtruppen, einer 2000 Mann starken Garnison in Dorpat, 150 Mann in Marienburg, sechs kleineren Kriegsschiffen mit 300 Mann sowie Landmiliz. Zahlen nach Angaben von W. A. v. Schlippenbach
  44. ‚ÜĎ Peter Englund: The battle that shook Europe. Poltava and the birth of the Russian Empire, London 2003, S. 39.
  45. ‚ÜĎ William Young: International Politics and Warfare in the Age of Louis XIV and Peter the Great, Lincoln 2004, S. 452.
  46. ‚ÜĎ Nach dem offiziellen russischen Bericht von der Schlacht sollen 5000 Schweden get√∂tet worden sein, bei eigenen Verlusten von 400 Mann, Rossiter Johnson: The Great Events by Famous Historians, S. 324.
  47. ‚ÜĎ Forschungen zur osteurop√§ischen Geschichte, Band 25, Harrassowitz, 2000, S. 397
  48. ‚ÜĎ Nikolaus Thon: St. Petersburg um 1800. Ein goldenes Zeitalter des russischen Zarenreichs. Meisterwerke und authentische Zeugnisse der Zeit aus der Staatlichen Eremitage, Leningrad, 1990, S. 3.
  49. ‚ÜĎ Peter Englund:The Battle that Shook Europe, Pearson Education Verlag, S. 40.
  50. ‚ÜĎ Hans-Joachim Torke: Einf√ľhrung in die Geschichte Russlands, M√ľnchen 1997, S. 111.
  51. ‚ÜĎ Angus Konstam: Poltava 1709: Russia Comes of Age, S. 29.
  52. ‚ÜĎ a b Angus Konstam: Poltava 1709: Russia Comes of Age, S. 30.
  53. ‚ÜĎ Bengt Liljegren|Liljegren, Bengt ‚Äď Karl XII: En biografi, Historiska media, 2000, Sidan 151.
  54. ‚ÜĎ Angus Konstam: Poltava 1709: Russia Comes of Age, S. 32.
  55. ‚ÜĎ Angus Konstam: Poltava 1709: Russia Comes of Age, S. 33.
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