Großherzogtum Baden

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Großherzogtum Baden
Großherzogtum Baden
Wappen Flagge
Stammwappen Badens Flagge von Baden
Lage im Deutschen Reich
Lage des Großherzogtums Baden im Deutschen Kaiserreich
 
Landeshauptstadt Karlsruhe
Regierungsform konstitutionelle Monarchie
Staatsoberhaupt Großherzog (bis 1918)
Dynastie Haus Baden
Bestehen 1806‚Äď1918
Fläche 15.070 km²
Einwohner 1.507.179 (1875)
2.142.833 (1910)
Bevölkerungsdichte 153 Einwohner/km²
Entstanden aus Kurf√ľrstentum Baden
Aufgegangen in Republik Baden
Hymne Textversionen zur Melodie der englischen Königs­hymne (ab ca. 1844)
Stimmen im Bundesrat 3 Stimmen
Kfz-Kennzeichen IV B
Karte
Baden 1806‚Äď1945

Das Gro√üherzogtum Baden war von 1806 bis 1871 ein souver√§ner Staat, der bis 1813 Mitglied des Rheinbunds und von 1815 bis 1866 des Deutschen Bundes war. Seit 1871 war es nur noch teilautonomer Bundesstaat innerhalb des Deutschen Kaiserreiches. Die Entstehung des Gro√üherzogtums aus der Markgrafschaft Baden w√§hrend der Koalitionskriege ging mit gro√üen Gebietszuw√§chsen f√ľr Baden einher. Das Land war anfangs eine absolute Monarchie, seit 1818 eine konstitutionelle, ehe 1918 aus dem Gro√üherzogtum im Zuge der in Baden unblutig verlaufenden Novemberrevolution eine demokratische Republik entstand.

Baden galt im 19. Jahrhundert als Hochburg des Liberalismus,[1] seine Abgeordnetenkammer als eigentliche Schule des liberalen Geistes im Vorm√§rz und als ‚ÄěZugpferd der Moderne‚Äú.[2] Bis zur Gr√ľndung des Deutschen Reichs 1871 war Baden im politischen Leben des Deutschen Bundes bedeutender, als es damals seiner machtpolitischen Stellung entsprach.[3] Die Badische Revolution von 1848/49 richtete sich, wie die √ľbrigen revolution√§ren Erhebungen in diesem Zeitraum, gegen die herrschenden M√§chte der Restaurations√§ra. Der im Rahmen der Reichsverfassungskampagne Mitte 1849 stattgefundene letzte der drei badischen Aufst√§nde wurde nach der Intervention von Bundestruppen unter preu√üischem Kommando niedergeworfen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Blick √ľber den mittleren Schwarzwald

Das ehemalige Gro√üherzogtum Baden grenzte im S√ľden an den Bodensee und die Schweiz, im Westen an Frankreich, im Nordwesten an die Bayerische Pfalz, im Norden an das Gro√üherzogtum Hessen, im Nordosten an das K√∂nigreich Bayern, im Osten an das K√∂nigreich W√ľrttemberg und im S√ľdosten bis 1850 an das F√ľrstentum Hohenzollern-Sigmaringen, das ab 1850 mit dem benachbarten Hohenzollern-Hechingen zusammen unter dem Namen Hohenzollernsche Lande zum K√∂nigreich Preu√üen geh√∂rte. Nahe den Grenzen zu W√ľrttemberg, Hessen, Hohenzollern und der Schweiz gab es verschiedene Exklaven, Enklaven und weitere territoriale Besonderheiten.

Das Staatsgebiet des ehemaligen Gro√üherzogtums Baden hatte eine Fl√§che von 15.070 km¬≤ und erstreckte sich entlang der meist um die 15 km breiten √∂stlichen H√§lfte der fruchtbaren Oberrheinischen Tiefebene, das in Rheinn√§he von etwa 260 m √ľ. NN im S√ľden auf etwa 90 m √ľ. NN im Norden abf√§llt. Zwischen dem Rhein und der Dreisam ragt inmitten der Oberrheinischen Tiefebene der Kaiserstuhl (557 m √ľ. NN) empor, ein unabh√§ngiges Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs. Die √∂stliche Begrenzung Badens verlief auf den H√∂henz√ľgen des Schwarzwalds, durch den Kraichgau und √∂stlich des Odenwalds durchs Bauland. Der gr√∂√üere Teil der historischen Fl√§che Badens ist somit durch eine abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft gepr√§gt. Vom Bodensee im S√ľden bis zur Enz im Norden hatte das Gro√üherzogtum Anteil am Schwarzwald, den das Tal der Kinzig in zwei H√§lften mit unterschiedlicher H√∂henlage teilt. S√ľdlich der Kinzig betr√§gt die mittlere H√∂he 945 m √ľ. NN mit dem Feldberg (1.493 m √ľ. NN) als h√∂chstem Gipfel des ganzen Landes. Im Mittleren Schwarzwald liegt das Quellgebiet der Donau. Die Nordh√§lfte des Schwarzwalds hat eine mittlere H√∂he von 640 m √ľ. NN mit der Hornisgrinde (1.163 m √ľ. NN) als h√∂chstem Berg. Zu den zahlreichen Seen des Schwarzwalds geh√∂ren unter anderem der Mummelsee, der Titisee, der Schluchsee und der Eichener See. N√∂rdlich des Schwarzwaldes hatte Baden Anteil an der H√ľgellandschaft des Kraichgaus und am Kleinen Odenwald, n√∂rdlich des Neckars dann am Odenwald, der bei einer mittleren H√∂henlage von 440 m √ľ. NN im Katzenbuckel bis auf 626 m √ľ. NN aufragt, sowie am Bauland und am Tauberland, wo das Gro√üherzogtum ganz im Norden am linken Mainufer endete.[4]

W√§hrend die Oberrheinische Tiefebene sehr milde Temperaturen zeigt, kann es auf den H√∂hen des Schwarzwalds sehr kalt werden. Die gemittelte Jahrestemperatur am Oberrhein betr√§gt 10 ¬įC, die des h√∂her gelegenen Mittelgebirges etwa 6 ¬įC, wobei der Juli der w√§rmste und der Januar der k√§lteste Monat des Jahres ist.

Bis zur Kreisreform in Baden-W√ľrttemberg am 1. Januar 1973 war der ehemalige Territorialbestand Badens in die zwei Regierungsbezirke Nordbaden und S√ľdbaden aufgeteilt, an den Au√üengrenzen der zu ihnen geh√∂renden Kreise waren die ehemaligen Grenzen Badens an W√ľrttemberg und Hohenzollern noch abzulesen, durch die Reform wurden sie dann verwischt. Die alten Grenzen Badens sind genau erhalten im Gebietsumfang der Evangelische Landeskirche in Baden und weithin auch in dem des Erzbistums Freiburg, das jedoch au√üer dem alten Baden auch noch die Hohenzollernschen Lande umfasst.

Entstehungsgeschichte

Territoriale Neugliederung am Oberrhein

Großherzog Karl Friedrich konnte innerhalb der Jahre 1803 bis 1810 das Staatsgebiet der alten Markgrafschaft Baden und die Zahl seiner Untertanen um mehr als das Vierfache vergrößern
Der Staatsmann Sigismund von Reitzenstein gilt als der eigentliche Begr√ľnder des Gro√üherzogtums Baden

Das Gro√üherzogtum Baden kam in den gro√üen historischen Umw√§lzungen in Folge der Franz√∂sischen Revolution und der ihr folgenden Koalitionskriege zuwege, vor allem dank der vorausschauenden Diplomatie des badischen Gesandeten Sigismund von Reitzenstein in Paris, der eine feste Bindung Badens an die junge Franz√∂sische Republik bef√ľrwortete. Zu Beginn des 19. Jahrhundert entstand so innerhalb eines Jahrzehnts aus einem territorialen Flickenteppich entlang des Oberrheins ein geschlossenes Staatsgebiet, das sich von Konstanz im S√ľden entlang dem rechten Rheinufer und durch den Odenwald bis nach Wertheim im Norden erstreckte.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts umfasste die Markgrafschaft Baden, die 1771 aus der Vereinigung der evangelischen Linie Baden-Durlach und der ausgestorbenen katholischen Linie Baden-Baden hervorgegangen war, ein Gebiet von 65 Quadratmeilen (etwa 3600 Quadratkilometer) mit rund 250.000 Einwohnern. Auf linksrheinischer Seite verlor die Markgrafschaft Baden im Jahre 1796 mit dem Pariser Friedensvertrag 13,5 Quadratmeilen (743 Quadratkilometern) mit 34.626 Bewohnern an Frankreich. Daf√ľr wurde sie 1803 mit dem in Regensburg verk√ľndeten Reichsdeputationshauptschluss rechtsrheinisch kompensiert mit 61,8 Quadratmeilen (3400 Quadratkilometern) an neuem Territorium und mit 253.396 an neuen Bewohnern.

Die Entwicklung des badischen Territoriums zwischen 1801 und 1819

Damit begann das territoriale Wachstum auf Kosten kleinerer rechtsrheinischer Territorien. Annektierte weltliche Territorien wurden dazu mediatisiert, geistliche Territorien s√§kularisiert. Die √ľbernommenen Territorialherrschaften waren meist reichsunmittelbare St√§nde.

An weltlichen Territorien erwarb Baden dabei vor allem rechtsrheinische Teile der Kurpfalz mit den Haupt- und Residenzstädten Heidelberg und Mannheim. Auch die Herrschaft Lahr, Teile der Landgrafschaft Hanau-Lichtenberg (das sogenannte Hanauerland), das Reichstal Harmersbach sowie die Reichsstädte Offenburg, Zell am Harmersbach, Gengenbach, Überlingen, Pfullendorf, Wimpfen und Biberach kamen zu Baden. Die beiden letzteren Städte gehörten jedoch nur kurze Zeit zum Land.

An vormals geistlichen Territorien konnte Baden das Hochstift Konstanz als Ganzes sowie Teile der Hochstifte Basel, Stra√üburg und Speyer mit dem Ritterstift Odenheim vereinnahmen. Dazu kamen noch die Reichsstifte Petershausen und Gengenbach sowie der gr√∂√üte Teil des Reichsstifts Salmannsweiler, die Pr√§laturen Schwarzach, Frauenalb, Allerheiligen, Lichtental, Ettenheimm√ľnster, Reichenau und √Ėhningen. Am 25. Februar 1803[5] erhob der Kaiser die Markgrafschaft Baden au√üerdem zum Kurf√ľrstentum Baden.

Durch den Vertrag von Br√ľnn (10.‚Äď12. Dezember 1805), der im Frieden von Pre√üburg bekr√§ftigt wurde, kamen Teile des vorder√∂sterreichischen Breisgaus mit der Stadt Freiburg an Baden, ebenso die Herrschaft Heitersheim, die Landvogtei Ortenau, die Stadt Konstanz und noch einige andere Landst√ľcke am Bodensee sowie ritterschaftliche Territorien, wohingegen Kehl an Frankreich abzutreten war. Dies bedeutete in Summe einen erneuten Zugewinn von 44,4 Quadratmeilen (2443 Quadratkilometern) mit 164.000 Einwohnern.

Von der Erhebung zum Großherzogtum bis zum Thronwechsel 1811

Am 12. Juli 1806 trat Kurf√ľrst Karl Friedrich dem von Kaiser Napoleon I. dominierten Rheinbund bei und nahm den Titel eines Gro√üherzogs und das Pr√§dikat K√∂nigliche Hoheit an.[5] Mit dem Beitritt zum Rheinbund erwarb Baden unter anderem auch die Landeshoheit √ľber die F√ľrstent√ľmer F√ľrstenberg und Leiningen, die Grafschaft Wertheim links des Mains mit der Residenzstadt Wertheim, die Landgrafschaft Klettgau, die Grafschaft Tengen sowie die Besitzungen des F√ľrsten von Salm-Reifferscheid-Krautheim n√∂rdlich der Jagst. Insgesamt waren dies nochmals 91,7 Quadratmeilen (rund 5000 Quadratkilometer) mit 270.000 Einwohnern.

Am 2. Oktober 1810 schlossen das K√∂nigreich W√ľrttemberg und das Gro√üherzogtum Baden einen Grenzvertrag. Damit war der Erwerb der zun√§chst an W√ľrttemberg gefallenen Teile des Breisgaus verbunden. Dies brachte Baden zum letzten Mal einige Erweiterungen, unter anderem w√ľrttembergische Gebiete im mittleren Schwarzwald (Hornberg, Schiltach, Gutach) und die ehemalige Landgrafschaft Nellenburg, mit der die letzte L√ľcke im badischen Staatsgebiet zwischen den Stammlanden und den Besitzungen am Bodensee geschlossen werden konnte. Im Gegenzug musste Baden die √Ąmter Amorbach, Miltenberg und Heubach an das Gro√üherzogtum Hessen abtreten.

Als Großherzog Karl Friedrich 1811 starb, hatte das Großherzogtum Baden eine Fläche von 249 Quadratmeilen (rund 15.000 Quadratkilometer) mit etwa einer Million Einwohnern. Somit waren also die Fläche und die Bevölkerungszahl Badens innerhalb von sieben Jahren um etwa einen Faktor vier angewachsen.

Gro√üherzog Karl galt als schwacher Herrscher, beendete jedoch 1813 noch rechtzeitig genug das B√ľndnis mit Napoleon, um den Fortbestand des Gro√üherzogtums zu sichern

Wie auch die anderen Rheinbundstaaten musste Baden hohe Beitr√§ge f√ľr die Finanzierung der Koalitionskriege aufbringen. Noch schwerer wog die Verpflichtung zur Stellung von Hilfstruppen. Im vierten Koalitionskrieg, der mit dem Frieden von Tilsit endete, belagerten badische Truppen unter gro√üen eigenen Verlusten die St√§dte Danzig und Stralsund. Am 2. Mai 1808 brach in Madrid ein Aufstand gegen die Herrschaft Napoleons in Spanien aus, zu dessen Niederwerfung auch Baden ein Infanterieregiment stellen musste, welches am 24. August 1808 in Richtung Spanien abmarschierte. 1810 f√ľhrte die Regierung ein Badisches Landrecht nach dem Vorbild des franz√∂sischem Code civil ein, bei dessen Abfassung der Staatsrat Johann Nicolaus Friedrich Brauer entscheidenden Anteil hatte. Ebenso gab es nun zivile Standes√§mter und die Zivilehe.

Vom Ende der Koalitionskriege bis zur Verfassung von 1818

Nach dem Tod des alten Gro√üherzogs Karl Friedrichs folgte 1811 dessen Enkel, Gro√üherzog Karl, auf den Thron. Im Krieg Napoleons gegen Russland 1812 stellte Baden √ľber 6000 Mann, von denen nur wenige zur√ľckkehrten (‚Üí siehe auch: Badener im Russlandfeldzug 1812). In den Befreiungskriegen l√∂sten die F√ľrsten den Rheinbund auf. Baden z√∂gerte l√§nger als Bayern und W√ľrttemberg mit dem Ausstieg aus dem franz√∂sischen B√ľndnis, da es wegen der Grenzlage zu Frankreich besonders gef√§hrdet erschien, falls Napoleon das Kriegsgl√ľck nach der verlorenen V√∂lkerschlacht doch noch h√§tte wenden k√∂nnen. Au√üerdem f√ľhlte sich Gro√üherzog Karl durch verwandtschaftliche R√ľcksichten gehindert, wegen seiner Ehe mit Napoleons Adoptivtochter Stephanie. Erst Mitte November 1813 beschloss der badische Staatsrat nach einer dramatischen Sitzung den nun dringend notwendigen B√ľndniswechsel. Es war insbesondere Sigismund von Reitzenstein, der Gro√üherzog Karl davon √ľberzeugte, dass Baden andernfalls mit Napoleon untergehen werde, denn eine franz√∂sische Kapitulation war nun abzusehen und der Zeitpunkt g√ľnstig, den Alliierten unter F√ľhrung √Ėsterreichs, Preu√üens und Russlands als neuer B√ľndnispartner noch willkommen zu sein.

Während des Wiener Kongresses in den Jahren 1814 und 1815 einigten sich die Staatsmänner Europas auf eine Neuordnung des europäischen Staatensystems. Die Souveränität und territoriale Ausdehnung des Großherzogtums Baden blieben zunächst unter Vorbehalt unangetastet. Baden trat am 26. Juli 1815[5] dem Deutschen Bund bei, der das 1806 untergegangene Heilige Römische Reich Deutscher Nation ersetzen sollte.

Die Teilnehmer des Aachener Kongresses erkannten 1818 die Thronfolgeberechtigung der S√∂hne des verstorbenen Gro√üherzogs Karl Friedrich aus zweiter ‚Äď unebenb√ľrtiger ‚Äď Ehe mit Luise Karoline Geyer von Geyersberg an, der sp√§teren Reichsgr√§fin von Hochberg. Nachdem n√§mlich die S√∂hne aus erster Ehe allesamt keinen weiteren Thronerben gezeugt hatten, hielt man dies f√ľr notwendig, um die Weiterexistenz des Gro√üherzogtums zu sichern. Die so geregelte Thronfolge, die dann 1830 eintrat, war jedoch in den drei√üiger Jahren √ľberschattet vom Fall des Kaspar Hauser, der am 26. Mai 1828 in N√ľrnberg auftauchte. Zeitgen√∂ssische Ger√ľchte stilisierten Hauser zum angeblich als S√§ugling entf√ľhrten badischen Erbprinzen des verstorbenen Gro√üherzogs Karl.

Badische Verfassung von 1818

Schon im Jahre 1808 k√ľndigte die Regierung an, dass Baden eine Landesvertretung erhalten werde. Jedoch erst 1814 begannen auf Initiative des Freiherrn Karl Wilhelm Marschall von Bieberstein konkrete Schritte zur Bildung einer Kommission, die sich mit der Ausarbeitung der Verfassung befasste. Der Inhalt stammte ganz wesentlich aus der Feder des liberalen Politikers Karl Friedrich Nebenius. Mit der Verfassung vom 22. August 1818[5] wurde Baden zur konstitutionellen Monarchie. Gro√üherzog Karl unterzeichnet die von Karl Friedrich Nebenius ausgearbeitete Verfassung, die einen Landtag vorsah, die Badische St√§ndeversammlung mit zwei Kammern. Dieses Parlament sollte dem Zusammenwachsen der Bev√∂lkerung des Gro√üherzogtums Baden dienen, da das Land auf sehr unterschiedliche kulturelle und landsmannschaftliche Traditionen zur√ľckblickte. Mit der neuen Verfassung, die damals die freiheitlichste im Deutschen Bund war, hoffte man, Eintracht und ein gemeinsames Staatsbewusstsein aller Badener zu bef√∂rdern.

Die Wahlordnung f√ľr die Zweite Kammer wurde am 23. Dezember 1818 bekannt gemacht, sie beruhte auf indirekter Wahl. Wahlberechtigte durften nicht der Ersten Kammer angeh√∂ren oder dort wahlberechtigt sein. Kandidaten mussten mindestens 25 Jahre alt sein. Es waren nur M√§nner zugelassen, die zudem in ihrer Gemeinde das B√ľrgerrecht besitzen oder ein √∂ffentliches Amt bekleiden mussten. Damit waren 1819 lediglich 17 Prozent der Bev√∂lkerung w√§hlbar.[6] Die von den Wahlberechtigten gew√§hlten 2500 Wahlm√§nner bestimmten schlie√ülich die 63 Abgeordneten. Die badische zweite Kammer war als einzige unter den L√§ndern des Deutschen Bunds v√∂llig frei von st√§ndischen Elementen.

Staatsaufbau und Verwaltung

Grundz√ľge der Verfassungsordnung

Die am 22. August 1818 vom Großherzog unterzeichnete Verfassung umfasste 83 Paragraphen.[7]

Der erste Abschnitt mit sechs Paragraphen regelte die Staats- und Regierungsform des Landes. Es galt gem√§√ü ¬ß 5 das monarchische Prinzip. Der Gro√üherzog vereinigte in seiner Person als Souver√§n alle Rechte der Staatsgewalt. Gem√§√ü der Paragraphen 1 und 2 war das Gro√üherzogtum ein Bestandteil des deutschen Bundes und ordnete sich den Beschl√ľssen der Bundesversammlung unter.

Der zweite Abschnitt mit 19 Paragraphen beschrieb die Grundrechte der B√ľrger des Landes, darunter die Wahrung von Freiheit und Eigentum, die Gleichheit vor dem Gesetz, eine Rechtsprechung durch unabh√§ngige Gerichte und die Pressefreiheit im Rahmen der Vorgaben des Deutschen Bundes.

Der dritte Abschnitt bestimmte den Aufbau und die Funktionsweise der aus zwei Kammern bestehenden badischen St√§ndeversammlung (Landtag). In der Ersten Kammer schrieb die Verfassung die √ľberkommenen Prinzipien einer st√§ndisch organisierten Gesellschaftsordnung fest. Mitglieder waren die vollj√§hrigen Prinzen des Hauses Baden, die Chefs der standesherrlichen Familien, der Erzbischof von Freiburg, ein evangelischer Pr√§lat, acht aus dem Kreis der Grundherren gew√§hlte Vertreter sowie bis zu acht vom Gro√üherzog ernannte Mitglieder.[8]

Die Zweite Kammer bestand aus 63 Abgeordneten, die sich alle acht Jahre zur Wahl stellten. Alle zwei Jahre fanden Teilwahlen statt, bei denen etwa ein Vierter der Mandate betroffen war. Das passive Wahlrecht galt f√ľr M√§nner ab dem vollendeten 30. Lebensjahr, die ein Steuerkapital von mehr als 10.000 Gulden besa√üen oder √ľber eine j√§hrliche Besoldung von mindestens 1500 Gulden verf√ľgten und einer der drei christlichen Konfessionen angeh√∂rten. Somit waren in Baden lediglich etwa 6500 M√§nner in die Kammer w√§hlbar. Die Haushaltsperiode umfasste zwei Jahre, so dass sp√§testens nach Ablauf dieser Frist der Landtag einberufen werden musste. Die Abgeordneten besa√üen ein freies Mandat und genossen Immunit√§t. Nur mit zwei Dritteln aller Anwesenden jeder der beiden Kammern konnte eine Verfassungs√§nderung beschlossen werden.[9]

Grundz√ľge der Landesverwaltung

Die Regierung und somit die oberste Verwaltung des Landes lag seit 1803 beim Geheimen Rat unter Vorsitz des Kurf√ľrsten und seit 1806 des Gro√üherzogs. Der Geheime Rat umfasste zun√§chst drei Departements.[10] Die Departements waren 1807 in Abteilungen f√ľr Justiz, Finanzen, Polizei und allgemeine Staatsangelegenheiten aufgeteilt worden.[11] Die sp√§teren Ministerien lie√üen sich hier schon ansatzweise erkennen. Ein Jahr sp√§ter l√∂ste Emmerich Joseph von Dalberg das Geheimratskollegium auf und ersetze es am 5. Juli 1808 durch die Ministerien f√ľr √Ąu√üeres, Inneres, Finanzen, Justiz und Krieg.[11] Ein Kabinettsminister sollte f√ľr die Verbindung der Ministerien mit dem Gro√üherzog zust√§ndig sein. Mit seinem Edikt vom 26. November 1809 legte Sigismund von Reitzenstein die endg√ľltige badische Verwaltungsorganisation fest.[11] Die f√ľnf Minister traten nun als Ministerialkonferenz direkt unter dem Vorsitz des Gro√üherzogs zusammen. Die Rolle eines Kabinettsministers gab es nun zumindest offiziell nicht. Erst am 15. Juli 1817 entstand eine als Staatsministerium bezeichnete oberste Landesbeh√∂rde,[11][12] die alle Minister einschloss und Regierungsbeschl√ľsse fassen konnte. So konnte das Staatsministerium in Zeiten politischer Zur√ľckhaltung des Gro√üherzogs selbst die Regierung f√ľhren.

Die Einteilung der Ministerien blieb nicht immer konstant. Im Laufe der Zeit gab es im Großherzogtum Baden folgende Departements bzw. Fachministerien:[13]

  • Ministerium des √Ąu√üeren und des Gro√üherzoglichen Hauses 1807‚Äď1871 und 1893‚Äď1918
  • Polizeiministerium bzw. seit 1808 Innenministerium 1807‚Äď1918 (und nach dem Ende der Monarchie weiter bis 1945)
  • Finanzministerium 1807‚Äď1918 (und nach dem Ende der Monarchie weiter bis 1945)
  • Justizministerium 1807‚Äď1918 (und nach dem Ende der Monarchie weiter bis 1934)
  • Kriegsministerium 1807‚Äď1872
  • Handelsministerium 1861‚Äď1881

Verwaltungsgliederung

‚Üí Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Badens

Das ehemalige Amtshaus in Eppingen ist heute Sitz des Polizeireviers

Der Aufgabe, die vielen territorialen Neuerwerbungen Anfang des 19. Jahrhunderts in das badische Staatswesen zu integrieren, widmete sich mit viel Engagement der Staatsrat Johann Nicolaus Friedrich Brauer. Unter seiner Federf√ľhrung erschienen seit 1803 dreizehn Organisationsedikte und seit 1807 so genannte Konstitutionserlasse. Baden war in drei Provinzen mit je einem Hofratskollegium und den darunter befindlichen √Ąmtern eingeteilt.[12] Die in den Jahren 1807 und 1808 vorgenommenen Verwaltungsreformen hatten aber ihr Ziel, die heterogen organisierten Gebiete des Gro√üherzogtums anzugleichen und eine zeitgem√§√üe Verwaltung zu errichten, nicht vollst√§ndig erreicht. Am 26. November 1809 leitete deshalb der Staats- und Kabinettsminister Reitzenstein erneut eine Regierungs- und Verwaltungsreform ein. Dieses als gro√üherzogliches Edikt entworfene Organisationsreskript schuf die Grundlage f√ľr eine landesweit einheitliche Verwaltungsorganisation. Reitzenstein teilte das Staatsgebiet nach dem Vorbild der franz√∂sischen Departements in neun Kreise auf, wobei er historisch gewachsene Zusammenh√§nge bewusst ignorierte. Es sollten lediglich die Einwohnerzahl und die Wirtschaftskraft ma√ügeblich sein. Der Gro√üherzog stattete den jeweiligen Kreisdirektor mit einer gro√üen Machtbefugnis aus, √§hnlich dem eines franz√∂sischen Pr√§fekten. Zahlreiche Ver√§nderungen seit 1810 f√ľhrten zu 1830 nur noch sechs Kreisen sowie 55 landesherrlichen und 22 standesherrlichen √Ąmtern. Am 1. Mai 1832 wurden die verbliebenen Kreisdirektorien aufgehoben. An ihre Stelle traten vier Kreisregierungen.[14] Im Jahre 1849 gaben die Standesherren ihre Hoheitsrechte auf, was eine neuerliche Ver√§nderung bei der Einteilung der √Ąmter nach sich zog.[15] 1857 trennte sich die Verwaltung und Rechtspflege der unterer Instanz voneinander.[16] Zehn Bezirks√§mter verschwanden im Zuge dessen von der Landkarte.[17] Mit dem Gesetz, die Organisation der innern Verwaltung betreffend vom 5. Oktober 1863,[18] wirksam zum 1. Oktober 1864,[19] wurden die bisherigen vier Kreise aufgel√∂st und die Bezirks√§mter direkt dem Innenministerium unterstellt, wobei die Zahl der √Ąmter auf 59,[20] ab 1872 auf 52 (seit 1898 wieder 53) vermindert wurde. Gleichzeitig entstanden elf Kreise mit Selbstverwaltungsk√∂rperschaften ohne staatliche Funktion. Als Aufsichtsbeh√∂rde √ľber den Kreisen und √Ąmtern dienten vier Landeskommiss√§re.

Grundz√ľge der Kommunalverwaltung

Der Landtagsabgeordnete Eduard Moll stand von 1870 bis 1891 als Erster B√ľrgermeister und sp√§ter Oberb√ľrgermeister an der Spitze der Verwaltung Mannheims und pr√§gte die dynamische Entwicklung der Stadt nachhaltig

An der untersten Stufe der Verwaltung standen die Ortsvorsteher der Gemeinden. Das Wahlrecht durch die Bezirksamtleute beschränkte sich auf ein Vorschlagsrecht.[11]

In Baden gab es trotz des Organisationsedikts von 1809 in den tradierten Rechtsverh√§ltnissen deutliche Unterschiede von Ort zu Ort. Dies √§u√üerte sich etwa im Begriff des B√ľrgerrechts. Das sechste badische Konstitutionsedikt von 1808 nahm eine grobe Einteilung in Ortsb√ľrger, Schutzb√ľrger und Hintersassen vor, was in Wirklichkeit von Gemeinde zu Gemeinde anders ausgestaltet wurde, je nach vorherrschender Tradition. So gab es in dem Schwarzwaldort Triberg im Jahre 1820 insgesamt 116 Gemeindeb√ľrger, wobei sich nur 36 als B√ľrger im engeren Sinne verstanden und 80 als sogenannte ‚Äěb√ľrgerliche Gehausen‚Äú. Weitere Bewohner der Gemeinde wie Frauen, Kinder und das Gesinde konnten generell nicht das B√ľrgerrecht besitzen. Das B√ľrgerrecht fand erst 1832 mit dem B√ľrgerrechtsgesetz eine erste Vereinheitlichung.[21]

Wilhelm Florentin Lauter war von 1870 bis 1892 Oberb√ľrgermeister der Residenzstadt Karlsruhe

Am 23. August 1821 kam das Provisorische Gesetz √ľber die B√ľrgeraussch√ľsse heraus.[22] Nun musste in jedem Ort ein B√ľrgerausschuss mit gleicher Anzahl von Mitgliedern wie der Gemeinderat gebildet werden.[22] Ohne Genehmigung des B√ľrgerausschusses durfte der Gemeinderat praktisch keine Beschl√ľsse mehr treffen, die das Verm√∂gen und die Einnahmen der Gemeinden und ihre Verwendung betrafen.[22] Willk√ľr und Eigenm√§chtigkeit der Ortsvorst√§nde sollte so beschr√§nkt werden.[22] In St√§dten mit mehr als 300 B√ľrgern hatte der Ausschuss au√üerdem eine beratende Stimme bei der orts- und schutzb√ľrgerlichen Aufnahme von Ortsfremden. Die Wahl in den Ausschuss erfolgte f√ľr sechs Jahre.[22]

Die in den 1820er Jahren mehrfach gescheiterte neue konstitutionelle Gemeindeordnung geh√∂rte zu den zun√§chst liegengebliebenen Aufgaben der anstehenden Gesetzgebung.[23] Eine freisinnige Gemeindeordnung sollte das badische Volk f√ľr m√ľndig befinden. Es sollte √§u√üere und innere Gemeindefreiheit geben, also eine Unabh√§ngigkeit der Gemeinde von staatlicher Willk√ľr sowie einer inneren Demokratie durch die Beseitigung alter Oligarchien.[23] Die Gemeindegesetze konnten zu Beginn der √Ąra Winter vom Landtag 1831 erfolgreich verabschiedet werden.[23] Gem√§√ü ¬ß 11 der Gemeindeordnung hatte die badische Regierung ein Best√§tigungsrecht bei B√ľrgermeisterwahlen.[24] F√ľr die Regierung waren B√ľrgermeister nicht nur Repr√§sentanten der B√ľrgerschaft sondern auch untere Staatsbeamte.[24] Damit aus Baden nicht eine ‚ÄěKonf√∂deration kleiner Republiken‚Äú entstehe, sollte ¬ß11 das Best√§tigungsrecht der Regierung sichern.[24] Nach drei Wahlen jedoch musste die Regierung einen Gew√§hlten letztlich best√§tigen.[24] 1874 trat eine neue badische St√§dteordnung in Kraft.[25]

Grundz√ľge der Rechtspflege

Am 1. Januar 1810 ersetzte das neue Zivilrecht unter der Bezeichnung Code Napol√©on mit Zus√§tzen und Handelsrecht als Landrecht f√ľr das Gro√üherzogtum Baden den bis dahin bestehenden Flickenteppich aus baden-badischem Landrecht von 1588, baden-durlachischem Landrecht von 1654, kurpf√§lzischem Landrecht von 1610, Mainzer Landrecht von 1755, W√ľrzburger Landgerichtsordnung von 1618, verschiedenen Statuten der Reichsritterschaft oder Stadtrechten der vormaligen Reichsst√§dte, Erbordnungen und sonstige Rechtsvorschriften.[26] Dieses badische Zivilrecht von 1810 bestand bis zum Jahre 1900, als es dann durch das am 1. Januar 1900 in Kraft getretene B√ľrgerliche Gesetzbuch ersetzt wurde. Mit der Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit endeten im Fr√ľhjahr 1813 auch letzte Reste der direkten Adelsherrschaft in den Gemeinden.[11] Von den Liberalen der Zweiten Kammer kam seit den zwanziger Jahren die Forderung, dass die Rechtspflege von der staatlichen Verwaltung auch auf unterster Ebene getrennt werden sollte. Es dauerte jedoch bis zum Jahre 1857, ehe in Baden selbstst√§ndige Amtsgerichte errichtet wurden.[13]

Im Zuge der Revolution von 1848 kam es gem√§√ü den Forderungen der Freiheitsbewegung zur Einf√ľhrung von Geschworenengerichten mit Hinzuziehung von zw√∂lf Geschworenen nach englischem Vorbild.

Hinsichtlich der Strafgerichtsbarkeit galt noch lange die Constitutio Criminalis Carolina aus dem Jahre 1532, wenngleich schon vor Errichtung des Gro√üherzogtums unter dem aufgekl√§rten Markgrafen und sp√§teren Gro√üherzog Karl Friedrich von Baden 1767 die Folter abgeschafft worden war. 1851 trat endlich das bereits 1845 verk√ľndete Strafgesetzbuch f√ľr das Grossherzogtum Baden mit 714 Paragraphen in Kraft.[27]

Weitere Reformen kamen durch das Polizeistrafgesetz von 1863[13] und die Justizreform von 1864,[13] mit der die Beteiligung der Laien in definierte Schöffen- und Schwurgerichte festgelegt wurde. Ein Gesetz von 1863 regelte erstmals in Deutschland die Verwaltungsgerichtsbarkeit.[13] Die höchste Instanz der Rechtspflege war das Oberlandesgericht Karlsruhe. Daneben gab es sieben Landgerichte. Diese befanden sich in Freiburg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Mosbach, Offenburg und Waldshut.

Grundz√ľge des Heerwesens

Trompeter des urspr√ľnglichen 2. Dragoner-Regiments um 1830

Im Jahre 1806 bestand die badische Armee aus 14 Bataillonen Infanterie, zehn Schwadronen Kavallerie und drei Batterien Artillerie.[28] F√ľr den Dritten Koalitionskrieg Frankreichs gegen √Ėsterreich und Russland im Jahre 1805 musste Baden ein Hilfskorps von 3000 Mann stellen, welches jedoch in den Schlachten bei Ulm und Austerlitz nicht zum Einsatz kam, weil Napoleon jeweils einen schnellen Sieg errang. Im Vierten Koalitionskrieg Frankreichs gegen Preu√üen wurden 6000 badische Soldaten eingesetzt. Das Kontingent bestand aus vier Infanterie-Regimentern, einem Dragoner-Regiment, zwei Husaren-Schwadronen und zwei Batterien Artillerie zu Fu√ü. Auch bei diesem Feldzug fanden die Entscheidungsschlachten von Jena und Auerstedt ohne badische Beteiligung statt. Der Haupteinsatz des Kontingents vollzog sich bei der Belagarung der schwedischen Festung Stralsund sowie der Stadt Danzig. Zur Niederwerfung der spanischen Guerilla von 1808 bis 1813 stellte Baden ein Regiment unter Oberst von Porbeck, welches aus 1733 Mann bestand, von denen nur etwa 500 nach dem Ersten Pariser Frieden von 1814 wieder nach Hause zur√ľckkehrten.[29] Im F√ľnften Koalitionskrieg 1809 gegen √Ėsterreich zogen 6850 badische Soldaten als Brigade unter Generalleutnant von Harrant mit. Sie waren in drei Linien-Infanterie-Regimenter, ein J√§ger-Bataillon, ein Dragoner-Regiment sowie eine Batterie zu Fu√ü und eine halbe Batterie zu Pferde mit 12 Gesch√ľtzen eingeteilt und geh√∂rten zum IV. Armeekorps unter Marschall Andr√© Mass√©na. Dabei drangen sie unter verlustreichen K√§mpfen entlang der Donau bis nach Ungarn vor.

F√ľr den Russlandfeldzug im Jahre 1812 steuerte Baden etwa 6700 Mann bei, von denen mehr als 6000 fielen. Beim √úbergang der Reste der Grande Arm√©e √ľber die Beresina am 28. November 1812 konnten die badischen Husaren den R√ľckzug von 40.000 Mann decken, wurden dabei aber selbst v√∂llig aufgerieben. Die Reste der badischen Brigade sicherten als Nachhut den weiteren R√ľckmarsch der Grande Arm√©e und trafen am 8. Dezember 1812 in einer verbliebenen Truppenst√§rke von noch etwa 400 Mann in Wilna ein. Zu deren Verst√§rkung kam ein aus Karlsruhe entsandtes Kontingent von 1200 Mann Ersatztruppen. Nach der Vereinigung mit den Russlandr√ľckkehrern verteidigten sie die Oderfestung Glogau gegen Angriffe der russischen und preu√üischen Armee.[30]

Im Jahre 1813 stellte Baden f√ľr Napoleon erneut ein Korps mit 6990 Mann ins Feld.[31] Damit beteiligten sich die Badener auf franz√∂sischer Seite an der V√∂lkerschlacht bei Leipzig. Nach dem Frontwechsel verk√ľndete der Gro√üherzog die allgemeine Wehrpflicht und konnte f√ľr den Krieg gegen Frankreich im Jahre 1814 16.000 Mann aufbieten.[32]

F√ľr den Verteidigungsfall des Deutschen Bundes hatte Baden ein Gesamtkontingent von 10.000 Mann[33] f√ľr das Bundesheer zu stellen. Dieses bestand aus 7751 Mann Infanterie, 1429 Mann Kavallerie und 820 Mann Artillerie sowie Pioniere mit 20 Gesch√ľtzen. Das Kontingent bildete die 2. Division des VIII. Bundesarmeekorps.[33] Baden verf√ľgte √ľber Festungsanlagen in Konstanz und Rastatt.

Badens militärische Gesamtstärke umfasste 8.586 Mann Infanterie, 1884 Mann Kavallerie und 670 Mann Artillerie.[33] sowie eine Pionier- und Handwerkerkompanie. Von diesen waren aber nur 5150 Mann im ständigen Dienst.

Die Infanterie bestand aus vier Regimentern, einem Bataillon leichte Infanterie und einem Bataillon Leibgrenadiergarde. Die beiden selbstständigen Bataillone bildeten seit 1832 das neue Leibinfanterieregiment. Die Kavallerie setzte sich aus drei Dragonerregimentern zusammen. Die Artellerie besaß eine reitende Batterie und drei Batterien zu Fuß.[33] Nach der Niederwerfung der Revolution von 1849 durch die Truppen des Deutschen Bundes löste Großherzog Leopold alle Armeeteile auf, die an der Meuterei im Mai beteiligt waren. Dies betraf alle Einheiten abgesehen von einem Infanterie-Bataillon, welches zu der Zeit im Verband der Nordarmee in Schleswig-Holstein diente sowie eine Schwadron Dragoner, die während der Revolution in der Festung Landau lag. Mehrere Dutzend der Aufständischen wurden hingerichtet, hunderte in langjährigen Arrest genommen und viele entlassen.

Nach 1850 stellte der Großherzog die Armee neu auf, nachdem er einige Offiziere und Mannschaften der aufgelösten Einheiten zur Umerziehung nach Preußen geschickt hatte.

Nach der Reichseinigung 1871 wechselte die badische Armee unter der Bezeichnung XIV. Armeekorps in den Verantwortungsbereich des preußisch dominierten und geprägten Kontingentsheeres.

Nationale Symbole

Wappen des Großherzogtums

‚Üí Hauptartikel: Wappen Badens

Im Jahre 1807 erlie√ü der Gro√üherzog das Wappen, welches 1830 vereinfacht wurde und statt zuletzt 30 Wappenfelder nur noch das badische Stammwappen mit dem Schr√§gbalken zeigte. Zwei zur√ľcksehende gekr√∂nte silberne Greifen hielten das mit einer K√∂nigskrone bedeckte Stammwappen. Dahinter befand sich ein von der gleichen Krone bedeckter Purpurmantel mit Hermelinf√ľtterung. Unterhalb des Wappens befanden sich die Orden des Hauses Baden.

Währung

Bis zur Gr√ľndung des Deutschen Reichs war der s√ľddeutsche Silbergulden zu 60 Kreuzern und seit 1838 parallel der Taler des Deutschen Zollvereins offizielles Zahlungsmittel. Nach der Gr√ľndung des Deutschen Reichs wurde durch das Deutsche M√ľnzgesetz vom 9. Juli 1873 und durch die kaiserliche Verordnung vom 22. September 1875 die Mark zu 100 Pfennigen mit Wirkung vom 1. Januar 1876 als gesetzliches Zahlungsmittel eingef√ľhrt.

Bevölkerungsentwicklung

Schwarzwaldhaus eines Kleinbauern um 1900

Im Jahre 1815 lebten in Baden rund eine Million Einwohner, deren Zahl bis 1910 auf rund 2,14 Millionen anwuchs.[34] Dies entspricht einer Zunahme von 113 %, welche deutlich unter dem Durchschnitt des Deutschen Reichs lag.[34] Auf dem Reichsgebiet in den Grenzen von 1914 gab es im gleichen Zeitraum eine Zunahme um 162 %.[34] Im Nachbarland W√ľrttemberg betrug das Bev√∂lkerungswachstum hingegen nur 73 %.[34] Wie W√ľrttemberg hatte Baden w√§hrend des gesamten 19. Jahrhunderts erhebliche Entwicklungsaufgaben zu l√∂sen. Mehr als drei Viertel der Bev√∂lkerung wohnten auch nach 1850 in kleinen Landgemeinden.[35] Die Menschen litten vielfach unter Armut und Mangel als Folge der kleinb√§uerlichen und kleingewerblichen Struktur der Wirtschaft, die in den Hungerjahren 1816/17 und 1846/47 zu besonders dr√ľckender sozialer Not f√ľhrte. Zahlreiche in der Landwirtschaft besch√§ftigte Personen hatten ihre Arbeit in der Krise seit 1846 verloren. Fast ein Drittel der Bev√∂lkerung war um die Jahrhundertmitte wohnsitzlos und geh√∂rte zu den so genannten ‚ÄěLandstreichern‚Äú und ‚ÄěVaganten‚Äú.[36] Die Armut trieb die Leute h√§ufig in die Kriminalit√§t, was sich insbesondere durch Holzdiebstahl, Weidevergehen und Wilderei bemerkbar machte.[37] F√ľr viele war die Binnenwanderung aus Baden in ein anderes Land des Deutschen Bundes oder die Auswanderung wie etwa nach Russland oder Amerika der einzig m√∂glich scheinende Ausweg. In den Jahren von 1816 bis 1845 wanderten sch√§tzungsweise rund 50.000 Badener aus.[38][39] Der badische Staat f√∂rderte von 1850 bis 1855 die Auswanderung finanziell mit 1,6 Millionen Gulden,[40] so dass etwa ein Viertel der erfassten USA-Auswanderer staatliche Unterst√ľtzung zur Ausreise erhielten. Von 1845 bis 1854 verlie√üen etwa 134.000 Menschen das Gro√üherzogtum Baden.[40] Umgekehrt war Baden in der ersten H√§lfte des 19. Jahrhundert noch kein attraktives Einwanderungsland.

Die Auswanderungssituation änderte sich erst allmählich mit dem Anbruch des Industriezeitalters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In den nun rasch wachsenden Städten bildeten sich Arbeitersiedlungen, in denen jedoch zunehmende Wohnungsnot entstand. Vielfach mussten sich kinderreiche Arbeiterfamilien eine kleine Wohnung mit nur einem Raum teilen. Dort herrschten dann teilweise schwer zu beschreibende hygienische Zustände. Der Jahresbericht der Badischen Fabrikinspektion aus dem Jahre 1895 erwähnt anhand eines Beispiels aus dem Arbeiterdorf Sandhofen bei Mannheim den zerlumpten und verwahrlosten Eindruck, den die Menschen dort hinterließen.[41] Das Wohnungselend ging mit der Ausbreitung von Krankheiten, besonders der Tuberkulose, einher.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsentwicklung Badens im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert:[42]

Jahr Einwohner
1810 974.000 Einwohner
1815 993.414 Einwohner
1816 1.005.899 Einwohner
1834 1.230.791 Einwohner
1849 1.326.774 Einwohner
1855 1.315.000 Einwohner
1864 1.432.456 Einwohner
Jahr Einwohner
1867 1.434.970 Einwohner
1875 1.507.000 Einwohner
1885 1.601.255 Einwohner
1890 1.657.867 Einwohner
1900 1.867.944 Einwohner
1910 2.142.833 Einwohner
1919 2.210.000 Einwohner

Die Zahl der Lebendgeborenen bezogen auf 1000 Einwohner sank zur Jahrhundertmitte merklich, was auf die Hungersn√∂te, die Revolution und die Auswanderungswelle von 1845 bis 1857 zuzuf√ľhren ist. Von 1840 bis 1849 gab es pro Jahr durchschnittlich 39 Lebendgeborene bezogen auf 1000 Einwohner, von 1850 bis 1859 waren es etwa 35 pro Jahr und von 1860 bis 1869 wieder rund 38 pro Jahr. Von 1870 bis 1879 erreichte die Zahl ihren H√∂hepunkt von rund 40 Lebendgeborenen pro Jahr je 1000 Einwohner und sank danach wieder auf ein Niveau von etwa 34 Lebendgeborene je 1000 Einwohner und Jahr.[43] Seit 1850 sank der Anteil der unehelich Geborenen von √ľber 16 % auf unter 8 % im Jahre 1909. Der Grund daf√ľr kann in der Einf√ľhrung der Zivilehe im Jahre 1869 gesehen werden. Das Gro√üherzogtum Baden hatte dies als eines der Ergebnisse des Kulturkampfes mit der katholischen Kirche erzielt und war damit ein Vorreiter der am 6. Februar 1875 im ganzen Deutschen Reich eingef√ľhrten Zivilehe.

Wirtschaftliche Entwicklung bis 1850

Ausgangssituation nach der Gr√ľndung des Gro√üherzogtums

Als das Gro√üherzogtum Baden die Kriegswirren der Napoleonischen Zeit im Jahre 1815 √ľberstanden hatte, begann f√ľr das Land die friedliche Fortsetzung des stetigen Wegs in die Moderne. Dabei erwiesen sich die Handlungstr√§ger in Baden als meist sehr entschlussfreudige Reformer. Die ersten Jahrzehnte des neuen Staates waren jedoch noch mit erheblichen Entwicklungsproblemen belastet. Noch standen die Bewohner des neuen Landes unter dem Eindruck der von vielerlei Traditionen gepr√§gten St√§ndegesellschaft des untergegangenen Heiligen R√∂mischen Reichs und hatten die Auswirkungen der Umgestaltung durch die Politik Napoleons kaum verkraftet. Noch √ľbte eine kleine Gruppe von Standesherren des alten Adels mancherorts einen m√§chtigen Einfluss aus. √úber die vergangenen Jahrhunderte waren die Territorien am Oberrhein immer wieder zu einem Opfer der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den Habsburgern geworden. Furchtbares Kriegsleid mit Pl√ľnderungen und Brandschatzungen wiederholten sich seit dem Drei√üigj√§hrigen Krieg in unregelm√§√üigen Abst√§nden.

Die Schifffahrt am Oberrhein war in vorindustrieller Zeit langsam und mit vielerlei M√ľhen und Gefahren verbunden, wenngleich der Fluss auch vor seiner Regulierung ein f√ľr die Anrainer wichtiger Transportweg war. Stromabw√§rts wurden die wenig man√∂vrierf√§higen Holzschiffe am Oberrhein meist gerudert und nur bei g√ľnstigem Wind konnten Segel gesetzt werden, stromaufw√§rts hingegen von Schiffsziehern oder mit Hilfe von Pferden von Land aus bewegt. Dieses so genannte Treideln war eine harte und gef√§hrliche Arbeit. F√ľr die Landschaft entlang des Rheins bestand zudem st√§ndige Hochwassergefahr.

Obwohl das Elsass seit dem 17. Jahrhundert politisch zum K√∂nigreich Frankreich geh√∂rte, blieb seine alemannische Eigenart und seine wirtschaftliche Verbundenheit mit den Territorien rechts des Rheins noch w√§hrend des gesamten 18. Jahrhunderts praktisch unber√ľhrt. Durch die Ereignisse in Folge der Franz√∂sischen Revolution wurde das Elsass nun allerdings in das franz√∂sische Wirtschaftsgebiet mit einbezogen, die Durchsetzung der franz√∂sischen Sprache und Kultur forciert und die Zollgrenze vom Vogesenkamm an den Rhein verlegt.[44] Somit litt Baden seit Anfang des 19. Jahrhunderts unter seiner neu entstandenen wirtschaftlichen Randlage.

Agrarstaat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

In den Jahrzehnten bis zur Revolution von 1848/49 änderte sich die Gesamtstruktur der Wirtschaft noch wenig. Nur etwa ein Viertel der Bevölkerung lebte in den Städten, der Rest auf dem Lande zumeist als Kleinbauern oder Handwerker.[35] Die größten Städte Badens waren 1850 Karlsruhe (23.000 Einwohner), Mannheim (22.100 Einwohner), Freiburg (15.300 Einwohner), Heidelberg (13.500 Einwohner) und Pforzheim (8000 Einwohner).[45] Als Garnisonsstadt wichtig war zudem Rastatt, als Kur- und Badeort Baden-Baden, welches damals wie das Land nur Baden hieß, sowie die am Beginn ihrer Entwicklung stehenden Industriestandorte Bruchsal, Ettlingen, Offenburg und Lahr.

Das Markgr√§flerland als badisches Weinanbaugebiet entwickelte schon Markgraf Karl Friedrich weiter zur Erzeugung von Qualit√§tsweinen. Noch zu seinen Lebzeiten wurde der Weinbau ausgedehnt auf Weinberge am Bodensee, im Kraichgau und im Taubergrund.[46] Einen wichtigen Beitrag zur Kultur des Weinanbaus in Baden leistete Ferdinand √Ėchsle mit der Erfindung der Weinwaage.

Uhrmacherwerkstatt in einem Schwarzwaldhaus, nach einem Aquarell von L. Sigwarth

Ein landestypisches Erzeugnis war von jeher die Schwarzwalduhr, welche von den Uhrmachern in Kleinwerkst√§tten im eigenen Haus angefertigt wurde. F√ľr die Herstellung der Einzelteile spezialisierten sich Zulieferer. Auf diese Weise entstanden zwischen 1800 und 1850 im Hochschwarzwald durch Handwerker 15 Millionen Uhren.[47] Als die handwerkliche Erzeugung der Uhren Mitte des Jahrhunderts zunehmend in die Krise geriet, wurde 1850 in Furtwangen die Gro√üherzoglich Badische Uhrmacherschule er√∂ffnet. Die Papierherstellung erfolgte in Baden traditionell durch Papierm√ľller, die in Kleinunternehmen von 6 bis zu 20 Personen arbeiteten.

In den durch Baden erworbenen Reichsst√§dten spielten die Z√ľnfte noch eine gewichtige Rolle. Erst im Jahre 1862 kam in Baden das Ende des Zunftwesens und damit die allgemeine Gewerbefreiheit.[47] Neben den Z√ľnften gab es von jeher so genannte St√∂r-Handwerker wie etwa die Scherenschleifer, die keiner Zunft angeh√∂rten. Diese versorgten vor allem die l√§ndliche Bev√∂lkerung mit unentbehrlichen Waren und Dienstleistungen. F√ľr den Austausch von G√ľtern wichtig blieben durchs ganze 19. Jahrhundert hindurch die vielerorts abgehaltenen Jahres- und Wochenm√§rkte. In Karlsruhe fand seit 1805 ein gro√üer Jahrmarkt unter der Bezeichnung Messe statt.[48]

In Konkurrenz zu den im Niedergang befindlichen Z√ľnften gelang einigen Handwerksbetrieben die Entwicklung zur Fabrik. Im Jahre 1829 fanden sich im Gro√üherzogtum Baden an gr√∂√üeren Industrieanlagen sechs Baumwollspinnereien, 13 Baumwollwebereien, drei Tuchmanufakturen, eine Stoffdruckerei, zehn Papierfabriken und elf chemische Fabriken.[49]

1843 gab es allerdings erst rund 10.000 Fabrikarbeiter in ganz Baden.[50] Die meisten Gewerbebetriebe gehörten zum Mittelstand und beschäftigten mit Inhabern und Hilfspersonal rund 150.000 Personen im ganzen Land.[50] Im Gewerbe und in der Industrie spielte Kinderarbeit eine Rolle.

Karlsruhe um das Jahr 1900

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Karlsruhe das f√ľr die b√ľrgerliche Gesellschaft des Biedermeierzeitalters so wichtige Verlagswesen.[51] Wichtige Verleger in Karlsruhe waren David Marx, August Klose, Ludwig Frommel, Wilhelm Creuzbauer und Adolph Bielefeld.

Als sich 1836 die technisch fortschrittliche Schweizer Baumwollindustrie gezwungen sah, f√ľr ihre Einfuhr in den nunmehr im deutschen Zollverbund befindlichen badischen Markt Z√∂lle zu bezahlen, entschlossen sich die Schweizer Fabrikanten und Finanziers, neue Textilfabriken in Baden zu errichten, um damit den gesamten deutschen Markt f√ľr sich zu erschlie√üen. So errichtete zum Beispiel Wilhelm Geigy ab 1835 eine Spinnerei und Weberei in Steinen. F√ľr die Erzeugung der Energie spielte noch nicht Dampf- sondern Wasserkraft die entscheidende Rolle. 1844 gab es in Baden bereits 93 Baumwollfabriken mit einer Gesamtzahl der Besch√§ftigten von 6929.[52]

Nach Plänen von Johann Gottfried Tulla wurde von 1817 bis 1874 der Oberrhein begradigt und auf Initiative von Max Honsell weiter reguliert. Der Rhein wurde dadurch zur europäischen Großwasserstraße. Im Jahre 1827 fuhr das erste Dampfschiff auf dem Rhein.

In der Wiener Punktation im Mai 1820 vereinbarten die s√ľddeutschen Staaten die Aufnahme von Verhandlungen f√ľr eine Zollunion. Da die Zollunion jedoch 1823 an den unterschiedlichen handelspolitischen Vorstellungen der beteiligten Staaten scheiterte, dauerte es noch bis 1836, ehe Baden dem 1834 gegr√ľndeten Deutschen Zollverein beitreten konnte. In der Zeit vor 1836 beteiligte sich Baden somit nicht am Prozess der wirtschaftlichen Integration Deutschlands und pflegte stattdessen als Transitland seine Handelsbeziehungen zu Frankreich und der Schweiz.

Die erste Strecke der Badischen Staatseisenbahnen auf der Hauptlinie Mannheim ‚Äď Basel wurde von 1840 bis 1855 erbaut und in Betrieb genommen. Durch die starke Verbesserung der Transportm√∂glichkeiten entstanden nun in den Orten mit Bahnanschluss zunehmend feste Kolonialwaren- und Gemischtwarenl√§den.

Als Anfang des Jahres 1848 die Bankhäuser Haber und Kusel in Karlsruhe zusammenbrachen, brachte dies neben vielen Privatanlegern auch die drei größten badischen Industriebetriebe in schwere Bedrängnis: die Zuckerfabrik in Waghäusel, die Spinnerei und Weberei in Ettlingen und die Maschinenbau-Gesellschaft in Karlsruhe. Der Landtag folgte am 29. Januar 1848[5] gegen den Widerstand Friedrich Heckers einem Regierungsantrag zur Übernahme der Zinsgarantien, um die Arbeitsplätze der drei vom Konkurs bedrohten Unternehmen zu sichern.

Politische Entwicklung von 1818 bis 1848

Beginn der √Ąra Berstett

Gro√üherzog Ludwig bestieg 1818 den badischen Thron und versuchte als Gegner der unter seinem Vorg√§nger verabschiedeten Verfassung w√§hrend seiner zw√∂lf Jahre dauernden Herrschaft die Rechte des Landtags auszuhebeln, indem er diesen nur selten einberief oder Beamte, die gleichzeitig Mitglieder des Landtags waren, in der Aus√ľbung ihres Mandats behinderte

Am 8. Dezember 1818[5] folgte der konservative Gro√üherzog Ludwig seinem verstorbenen Neffen Karl auf den badischen Thron nach. Er stand der Verfassung von 1818 und dem Landtag von vorn herein ablehnend gegen√ľber und umgab sich mit konservativen Ministern aus der Regierung Berstett.

Nach den Bestimmungen des Beamtengesetzes von 1819 konnten nur noch Akademiker Beamte in unk√ľndbarer Stellung werden; es privilegierte diese also vor unerw√ľnschter Konkurrenz aus tieferen sozialen Schichten. Nach dem Disziplinarrecht wurden Bef√§higung und Staatstreue durch Bef√∂rderung, Gehaltserh√∂hung und weitere Karrierem√∂glichkeiten belohnt. Es entstand eine neue Leistungselite, die materiell und sozial abgesichert war und sich staatstreu verhielt.[53]

Die erste Wahl zur Zweiten Kammer der Badischen St√§ndeversammlung fand im Februar 1819[5] statt. Viele der gew√§hlten Abgeordneten standen dem Liberalismus nahe. Nicht ganz die H√§lfte der Mandatstr√§ger geh√∂rte der h√∂heren Beamtenschaft an. Hinzu kamen eine gr√∂√üere Gruppe von Gewerbetreibenden und einige B√ľrgermeister.

Zwischen der Wahl und dem ersten Zusammentreten des badischen Landtags ereignete sich auf dem Territorium des Gro√üherzogtums ein Attentat mit einschneidenden Konsequenzen f√ľr liberal eingestellte Kreise. Der Student Karl Sand ermordete am 23. M√§rz 1819[5] den russischen Staatsrat und konservativ gesinnten B√ľhnenautor August von Kotzebue. Nach dem Mord ergingen die Karlsbader Beschl√ľsse vom 31. August 1819, mit denen der √∂sterreichische Staatskanzler Metternich die Verfolgung der b√ľrgerlich-liberalen Opposition (‚ÄěDemagogenverfolgungen‚Äú) in den Staaten des Deutschen Bundes einleitete. Die Bundesstaaten schr√§nkten nun unter der Oberaufsicht der neu errichteten Mainzer Zentraluntersuchungskommission die Pressefreiheit drastisch ein.

Erster Badischer Landtag 1819

Am 22. April 1819[5] trat die Zweite Kammer des badischen Landtags zum ersten Mal zusammen. Die feierliche Er√∂ffnungszeremonie fand auf Einladung Gro√üherzog Ludwigs im Karlsruher Schloss statt. Die Abgeordneten diskutierten in den folgenden Monaten unter F√ľhrung von Ludwig August Friedrich Freiherr von Liebenstein, Johann Georg Duttlinger und Mathias F√∂hrenbach √ľber Forderungen der liberalen Fraktion. Zum Forderungskatalog geh√∂rte die Einf√ľhrung von Geschworenengerichten, die Trennung von Justiz und Verwaltung, die Pressefreiheit, die Einf√ľhrung der Ministerverantwortlichkeit, die Beseitigung der grundherrlichen Rechte des Adels und die Freigabe des innerdeutschen Handels. Damit umrissen die liberalen Parlamentarier bereits Probleme, die die Debatten der kommenden Jahrzehnte bestimmten. Die weitgehende Ablehnung des Forderungskatalogs durch die konservative Regierung Berstett dr√§ngte den Liberalismus in die Opposition. Unter den sich oppositionell verhaltenden Abgeordneten waren auch einige Beamte. Dies beunruhigte die badische Regierung und deshalb suchte sie beim Deutschen Bund um Unterst√ľtzung nach. Am 28. Juni 1819[5] verschob der Gro√üherzog weitere Sitzungen des Landtags auf einen sp√§teren Zeitpunkt.

Der Frankfurter Territorialrezess vom 10. Juli 1819 sicherte die territoriale Unversehrtheit Badens gegen bayerische Anspr√ľche auf die rechtsrheinische Pfalz sowie den Erwerb des vom badischen Staatsgebiet umschlossenen √úberbleibsels des F√ľrstentums von der Leyen um die ehemalige Grafschaft Hohengeroldseck.

Mit der Wiener Schlussakte scheiterte ein Versuch der badischen Regierung, ein generelles Verbot von Repr√§sentativverfassungen durchzusetzen. Damit w√§re die Revision der bestehenden Verfassung von 1818 m√∂glich geworden, doch garantierte die Schlussakte auf Druck von Bayern und W√ľrttemberg die bereits bestehenden Verfassungen der Staaten des Deutschen Bundes.

Am 26. Juni 1820[5] wurde die zweite Sitzungsperiode des Landtages er√∂ffnet. Sie wurde √ľberschattet von Versetzungen, Urlaubsverweigerungen und sogar Verhaftungen missliebiger Abgeordneter. Die Regierung Berstett musste jedoch bald einlenken, da der Deutsche Bund ihre Politik nicht ausreichend unterst√ľtzte. Die Zweite Kammer kam der badischen Regierung nun etwas entgegen und vermied k√ľnftig eine Fundamentalopposition.

Landtag von 1822

Die Sitzungen des neugew√§hlten zweiten Landtags schienen ab dem 26. M√§rz 1822[5] zun√§chst recht konfliktfrei zu verlaufen. Der missliebige Freiherr Ludwig von Liebenstein war auf den Kreisdirektorenposten in Durlach versetzt worden. Solche und weitere √§hnliche Schikanen gingen meist vom Bundestagsabgesandten Friedrich Karl Freiherr von Blittersdorff aus. In der zweiten Sitzungsperiode ab November 1822 kam es jedoch zu Konflikten der Regierung mit der Zweiten Kammer. Ab dem Januar 1823[5] lief eine lautstarke Auseinandersetzung um das Milit√§rbudget, was die Bildung von Fraktionen beg√ľnstigte. Die Opposition, die sich um ihre zentrale Figur Johann Adam von Itzstein gruppierte, verst√§rkte ihren Zusammenhalt. Diese Entwicklung bewog Gro√üherzog Ludwig, den Landtag am 31. Januar 1823[5] zu schlie√üen und allen verabschiedeten Gesetzen die Zustimmung zu versagen. Beamte, die gegen das Milit√§rbudget gestimmt hatten, mussten damit rechnen, von der Regierung entweder entlassen, pensioniert oder strafversetzt zu werden.

Verfassungsk√§mpfe in der zweiten H√§lfte der √Ąra Berstett

Im Dezember 1824[5] l√∂ste der Gro√üherzog beide Kammern des Landtages auf. Bei den anschlie√üenden Neuwahlen brachte die Regierung die neue Zweite Kammer durch massive Wahlbeeinflussung auf Linie. Ihr geh√∂rten nun nur noch drei oppositionelle Abgeordnete an - Johann Georg Duttlinger, Mathias F√§hrenbach und Albert Ludwig Grimm. Der Landtag nahm schlie√ülich ohne weitere Diskussion ein Konskriptionsgesetz an, mit dem die Einberufung zur Armee geregelt und die Dienstzeit auf einheitlich sechs Jahre festgelegt wurde. Die liberale Opposition sprach wegen der Willf√§hrigkeit der Kammer in dieser Frage dann auch von einem Scheinkonstitutionalismus. Von Februar bis Juni 1825[5] tagte der dritte Landtag ohne nennenswerte H√∂hepunkte. Der neugew√§hlte Landtag stimmte dem Budget zu und bewilligte Verfassungs√§nderungen, bei denen zwar die alle sechs Jahre stattfindende kompletten Landtagserneuerung beibehalten wurde, die alle zwei Jahre durchgef√ľhrten Teilwahlen jedoch abgeschafft wurden und man die Budgetperiode auf drei Jahre erh√∂hte. Da nach neuer Verfassungslage der Abstand zwischen den Tagungen der Zweiten Kammer von maximal zwei auf nun drei Jahre gestreckt werden konnte, weil erst nach dieser Zeitspanne ihre Zustimmung zu einem neuen Budget notwendig wurde, willigte der Landtag also in den von der Regierung betriebenen eigenen Machtverlust ein. Auch in der vierten Tagungsperiode von Februar bis Mai 1828[5] konnte die Regierung Berstett auf eine ergebene Mehrheit im Landtag bauen. Die Politik blieb nach dem Empfinden der Opposition weiter ohne Visionen und eine dringend notwendige Gemeinde- und Agrarreform kam nicht voran.[54]

Trotz aller Auseinandersetzungen mit den Landständen hatte die Regierungszeit Großherzog Ludwigs auch positive Aspekte. Seine Regierung verbesserte die Landesverwaltung, sanierte die nach den Kriegswirren desolaten Staatsfinanzen durch konsequentes Sparen und förderte tatkräftig die aufkeimende Industrie.

Als Gro√üherzog Ludwig am 30. M√§rz 1830[5] verstarb, gab es keinen m√§nnlichen Erben aus der ersten Ehe des Gro√üherzogs Karl Friedrich von Baden mit der Markgr√§fin Karoline Luise mehr. Gem√§√ü der auf dem Aachener Kongress 1818 befassten Beschl√ľsse kam nun Leopold, der √§lteste Sohn aus der urspr√ľnglich f√ľr unebenb√ľrtig erachteten zweiten Ehe des Gro√üherzogs Karl Friedrich mit Reichsgr√§fin Luise Karoline von Hochberg, zum Zuge und folgte auf dem badischen Thron nach. Ob dem Herrscherwechsel auch ein politischer Richtungswechsel folgen w√ľrde, blieb zun√§chst unklar. Die Regierung mit den konservativen Ministern Berstett und Berckheim regierte einstweilen weiter. Erst unter dem Eindruck der Pariser Julirevolution von 1830 kam die liberale Bewegung verst√§rkt zu Wort.

Liberalismus und Pressefreiheit

Großherzog Leopold auf einem Gemälde aus dem Jahre 1853

Vor der Wahl von 1830[5] wies auf Betreiben von Ludwig Georg Winter ein Regierungs-Rundschreiben die Kreisdirektoren an, die anstehenden Landtagswahlen in keinerlei Weise zu beeinflussen. Im Vorfeld dieser Wahlen kam es zu einer starken Politisierung. Nach dem Willen der Opposition sollte die Verfassungs√§nderung von 1825 r√ľckg√§ngig gemacht werden und die Wiederwahl der Abgeordneten von 1819 bis 1823 erreicht werden. Bei der Landtagswahl am 18. November 1830[5] errangen dann neben zehn Anh√§ngern der Regierung 21 entschiedene Liberale ein Mandat f√ľr die Zweite Kammer, unter ihnen Karl von Rotteck, Karl Theodor Welcker, Johann Adam von Itzstein und Johann Georg Duttlinger. Weitere zw√∂lf Mandate fielen an gem√§√üigte Liberale, darunter Karl Mittermaier, und 20 an Unentschiedene, die auch zum Teil dem Liberalismus zuneigten. Die zweite Kammer der Badischen St√§ndeversammlung war nun bis 1848 ein deutlich vernehmbares Sprachrohr des Badischen Liberalismus und der deutschen Einigungsbewegung.

Am 29. Dezember 1830 wurde die neue Regierung Winter gebildet. Der neue Innenminister Ludwig Georg Winter, nunmehr f√ľhrender Kopf im Kabinett, stand vor der schwierigen Aufgabe, zwischen der starken liberalen Tendenz in der √∂ffentlichen Meinung und der restaurativen Grundstimmung im Deutschen Bund einen Kompromiss zu finden. Am 17. M√§rz 1831[5] er√∂ffnete der Gro√üherzog den neuen badischen Landtag zu einer neun Monate dauernden Sitzungsperiode. Die Verfassungs√§nderungen von 1825 wurden aufgehoben. Die zweij√§hrigen Teilwahlen konnten wieder stattfinden, die zur Ausbildung einer politischen √Ėffentlichkeit beitrugen. Am 15. Oktober 1831[5] trat Karl Theodor Welcker an das Rednerpult der Zweiten Kammer und trug eine Motion √ľber die organische Entwicklung des Deutschen Bundes vor. Er forderte Verfassungen f√ľr alle Bundesstaaten und ein gesamtdeutsches Parlament. Die badische Regierung hatte versucht, diese Rede zu verhindern. Die Minister sahen durch Welckers Forderungen die Vorrechte der deutschen F√ľrsten bedroht; demonstrativ verlie√üen die Minister den Plenarsaal, als Welcker das Wort ergriff.

Unter dem Einfluss des Innenministers Winter wurde die Gemeindeordnung modernisiert. Der Landtag verabschiedete ein neues Pressegesetz und eine neue Zivilprozessordnung. Im Oktober 1831 lehnte die Zweite Kammer den Beitritt zum S√ľddeutschen Zollverein ab und forderte stattdessen Verhandlungen √ľber einen gesamtdeutschen Zoll- und Handelsverein. Die badische Regierung machte sich die zollpolitischen Forderungen der Kammer zu eigen und erkl√§rte sich im Mai 1832 in Berlin f√ľr einen gesamtdeutschen Zoll- und Handelsverein. Die Regierung aus Karlsruhe wurde jedoch zu keinen weiteren Gespr√§chen in dieser Sache eingeladen.

Nach der Aufhebung der Pressezensur am 1. M√§rz 1832[5] erschien in Freiburg erstmals die von Rotteck und Welcker gegr√ľndete Tageszeitung Der Freisinnige. Daneben wurden in der s√ľdbadischen Universit√§tsstadt noch drei weitere Oppositionsbl√§tter vertrieben, so dass Freiburg sich zu einem Zentrum des badischen Liberalismus entwickelte. Nach den Ereignissen um das Hambacher Fest vom 27. bis zum 30. Mai 1832 n√∂tigten √Ėsterreich und Preu√üen die badische Regierung im Juli 1832, das liberale Pressegesetz zur√ľckzuziehen.

Reitzensteins Reaktivierung

Karl von Rotteck (1775‚Äď1840)
Carl Theodor Welcker (1790‚Äď1869)

Nach den beiden ersten Jahren der Regierung Winter war der Versuch gescheitert, in Baden entgegen den Grunds√§tzen des Deutschen Bundes liberal zu regieren. Mit der Reaktivierung Sigismund von Reitzensteins als Staatsminister wollte der Gro√üherzog im Mai 1832 ganz im Sinne des F√ľrsten Metternich den liberalen, demokratischen und nationalen Bestrebungen Einhalt gebieten. Diese Wende in der Regierungspolitik f√ľhrte im ganzen Land zu Protesten. Besonders laute kamen aus den Reihen der Studenten Freiburgs. Die Regierung schloss die Universit√§t daraufhin f√ľr einige Zeit und versetzte die Freiburger Professoren Karl von Rotteck und Karl Theodor Welcker im Oktober 1832 in den Ruhestand.

Vor den Erg√§nzungswahlen zur Zweiten Kammer im M√§rz 1833 sorgte die Regierung nun wieder durch eine Anweisung an die Beh√∂rden f√ľr die Wahl solcher Abgeordneter, die zu Zugest√§ndnissen an die Regierungspolitik bereit sein w√ľrden. Gegen den heftigen Widerstand der Ersten Kammer kam das Gesetz zur Abl√∂sung des Zehnten im Herbst 1833 zustande. Weitere Gesetze verf√ľgten die als Bauernemanzipation bezeichnete Aufhebung der verbliebenen Feudalrechte. Auf der Wiener Konferenz von 1834 nahm Staatsminister Sigismund Freiherr von Reitzenstein als Vertreter Badens teil. Er setzte sich in der Folge f√ľr die dort beschlossene Versch√§rfung der politischen Repression ein, was die politische Willens√§u√üerung breiterer Bev√∂lkerungsschichten auch in Baden einschr√§nkte. Die beiden zwangspensionierten Professoren Karl von Rotteck und Karl Theodor Welcker brachten 1834 den ersten Band des Staatslexikons heraus. Es erschien in seiner ersten Ausgabe in 15 B√§nden von 1834 bis 1843 und √ľbte einen gro√üen Einfluss auf das liberale B√ľrgertum in Deutschland aus.

Bereits im Herbst 1833 ver√∂ffentlichte Karl Friedrich Nebenius eine Denkschrift, in der er f√ľr einen Beitritt Badens zum Zollverein eintrat. Nach heftigen Debatten nahm die Zweite Kammer den von der Regierung ausgehandelten Vertrag √ľber den Beitritt zum Deutschen Zollverein Anfang Juli 1835 mit 40 zu 22 Stimmen an. Die Opposition unter der F√ľhrung der Abgeordneten Rotteck und Welcker lehnte den Beitritt zwar vehement ab, f√ľr den badischen Staat und seine aufstrebende Industrie erwies sich der am 1. Januar 1836 vollzogene Beitritt zur Zollunion aber langfristig als sehr vorteilhaft.

Zum Jahresende 1835 trat der bisherige Au√üenminister Johann von T√ľrckheim zur√ľck. Nun sorgte Sigismund von Reitzenstein durch die Berufung des konservativen badischen Bundestagsgesandten Friedrich Karl Freiherr von Blittersdorff in dieses Amt f√ľr eine deutliche Verschiebung der Gewichte innerhalb der Regierung ‚Äď im Kabinett √ľberwogen nun die konservativen Minister. Der eher liberal eingestellte Innenminister Ludwig Georg Winter war mit seiner Gesinnung nun im Kabinett isoliert.

Zeitgenössische Darstellung einer Sitzung der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung im Jahr 1845
Joseph Fickler (1808‚Äď1865)

Seit Juli 1836 erschienen in Konstanz die radikaldemokratischen Seebl√§tter, redigiert von Joseph Fickler. Am 25. April 1837[5] brachte Joseph von Bu√ü im Landtag die soziale Frage zur Sprache. Seine ber√ľhmt gewordene ‚ÄěFabrikrede‚Äú[55] gilt als die erste sozialpolitische Rede vor einem deutschen Parlament. Obwohl Bu√ü die in Gang befindliche Industrialisierung insgesamt bef√ľrwortete, sah er die Nachteile f√ľr die Arbeiter und verlangte Hilfsma√ünahmen von Seiten des Staates. Die in der Rede genannten Vorschl√§ge hatten vision√§ren Charakter. Sie reichten von Arbeitszeitbeschr√§nkungen √ľber Unfallschutz bis hin zu Bildungsma√ünahmen und staatlicher Hilfe bei Existenzgr√ľndungen. Au√üerdem sollten die Landwirtschaft und das Handwerk zu Lasten der Industrie gef√∂rdert werden und ein eigenes Arbeitsministerium errichtet werden. Der Vorsto√ü hatte jedoch keine konkreten Ma√ünahmen zur Folge.

Die Regierung beantragte den Bau einer Eisenbahnstrecke von Mannheim √ľber Heidelberg, Bruchsal, Karlsruhe, Rastatt, Offenburg und Freiburg bis Basel sowie einer Stichbahn zur Stadt Baden und einer Zweigstrecke nach Stra√üburg. Die Regierung und die Erste Kammer machten sich zun√§chst f√ľr eine Privateisenbahn stark, die liberale Opposition im Landtag trat jedoch von Anfang an f√ľr eine Eisenbahn in staatlicher Hand ein. Karl Friedrich Nebenius errang daf√ľr schlie√ülich eine Mehrheit in der Ersten Kammer eines au√üerordentlichen Landtages im M√§rz 1838. Er leitete dann vom 26. April 1838 bis 5. Oktober 1839 das Innenministerium in der nach ihm benannten Regierung Nebenius. Der Landtag ratifizierte die Vertr√§ge mit dem Gro√üherzogtum Hessen-Darmstadt und der Freien Stadt Frankfurt √ľber einen Anschluss nach Norden. Im September 1838 begann der Bau der Badischen Eisenbahn. Bei den Wahlen zum Landtag im Laufe des Februars und M√§rz 1839 errang die liberale Opposition einen Wahlsieg, womit auch die Bev√∂lkerung ihre Zustimmung zur Staatseisenbahn zum Ausdruck brachte.

Repressionspolitik in der √Ąra Blittersdorf

Mit dem R√ľcktritt Karl Friedrich Nebenius als Innenminister Anfang Oktober 1839 konnte nun der konservative Minister Friedrich Landolin Karl von Blittersdorf unangefochten das neue Kabinett als ‚ÄěRegierung Blittersdorf‚Äú f√ľhren. Die durch die Rheinkrise 1840 ausgel√∂ste nationalpatriotische Erregung interpretierte Blittersdorf als konservative Wende der √∂ffentlichen Meinung und er lie√ü sich davon zu harten Ma√ünahmen gegen den Liberalismus verleiten. Eine von M√§rz bis Mai 1840 in der Zweiten Kammer des Landtags debattierte Strafrechtsreform scheiterte, weil die Erste Kammer die Zustimmung verschleppte. Mit Blick auf die Durchsetzung des Rechts auf Pressefreiheit forderte am 19. Juni 1840[5] brachte Karl Theodor Welcker, den Einfluss des Deutschen Bundes auf die Mitgliedsstaaten einzuschr√§nken. Nach den Erg√§nzungswahlen zum Landtag im April 1841 setzte Blittersdorff durch, dass zwei in die Zweite Kammer gew√§hlten Richtern der f√ľr die Aus√ľbung ihres Mandats n√∂tige Urlaub verweigert wurde, was einen ernsten Konflikt mit der Opposition im Landtag ausl√∂ste. Die √∂ffentliche Meinung unterst√ľtzte im Urlaubsstreit immer st√§rker die Opposition. Am 4. August 1841[5] vertagte der Gro√üherzog die Kammer und warf ihr einen Tag sp√§ter in einem Manifest vor, durch die Widersetzlichkeit in der Urlaubsfrage die notwendige Gesetzgebungsarbeit behindert zu haben. Auf Antrag von Johann Adam von Itzstein stellte die Zweite Kammer am 18. Februar 1842[5] fest, dass das Manifest des Gro√üherzogs vom 5. August 1841 nicht verfassungskonform sei, weil es nicht vom Landtag ratifiziert worden war. Am darauffolgenden Tag l√∂ste Gro√üherzog Leopold die Kammer auf.

Bei den Neuwahlen zur Zweiten Kammer im April und Mai 1842 trachtete die Regierung wieder durch Wahlbeeinflussung, sich eine konservative Mehrheit im Landtag zu verschaffen. Der Wahlkampf richtete sich erstmals und in einer bisher nicht gekannten Form der Politisierung direkt an das Wahlvolk. Die liberalen Opposition strebte an, Blittersdorff aus dem Ministeramt zu entfernen; Der Wahlausgang kam der Opposition entgegen; zwar verfehlte sie die absolute Mehrheit knapp. aber die Partei der Regierungsanh√§nger war schw√§cher als sie. Von den 63 Mandaten errangen die Liberalen 31, die radikalen 22 darunter und die gem√§√üigt oppositionellen 9; die konservative ministerielle Partei brachte es hingegen nur auf 27 Mandate. 5 Abgeordnete waren unentschieden.[56] Blittersdorff spielte die Bedeutung des Wahlergebnisses herunter und wollte die Kammer nur das Budget beraten lassen und ihre Zustimmung zu den geplanten Ma√ünahmen im Eisenbahnbau erwirken. Zum traditionellen Diner zur Er√∂ffnung des Landtags lud der Gro√üherzog dieses Mal allein regierungstreue Abgeordnete ein; bei fr√ľheren derartigen Anl√§ssen hatte er immer alle eingeladen. W√§hrend der Etatberatungen ging die Opposition die Regierung heftig an und brachte viele andere politische Fragen auf. Am 19. August 1842[5] sprach die Zweite Kammer mit 34 zu 24 Stimmen der Regierung das Misstrauen aus, genehmigte aber nach langen Debatten im September 1842 das Budget, so dass der Landtag regul√§r zum Abschluss kam.[57] Nach seiner Schlie√üung ging der politische Streit in der Presse weiter. Vor allem die radikalen Seebl√§tter in Konstanz, die liberale Oberrheinische Zeitung in Freiburg und die Mannheimer Zeitung unterst√ľtzten die Opposition. Diese unterlief die Zensur, indem sie landespolitische Artikel in Zeitungen ver√∂ffentlichte, die au√üerhalb Badens erschienen, jedoch ohne Einschr√§nkung in Baden verkauft werden durften. Anl√§sslich der Feiern zum 25. Jubil√§um der badischen Verfassung am 22. August 1843[5] brachte die liberale Bewegung sogar fast 100.000 Teilnehmer auf die Beine. Angesichts dieser starken Teilnahme der Bev√∂lkerung und weil er glaubte, nicht gen√ľgend Unterst√ľtzung aus √Ėsterreich zu erhalten, reichte Blittersdorff Ende Oktober 1843 seinen R√ľcktritt als Minister ein, zumal nun auch Kabinettsmitglieder sich gegen den konservativen Kurs der Regierungspolitik aussprachen.

Letzte Jahre im Vormärz

Die letzten Jahre des Vorm√§rz waren in Baden politisch entspannter als die √Ąra Blittersdorf zuvor. Die neue Regierung Boeckh trat wesentlich moderater auf, sie berief den Landtag im November 1843 zu umfangreichen Beratungen ein, dadurch konnte im Februar 1845 die Strafrechtsreform zum Abschluss gebracht werden. Am 6. M√§rz 1845[5] wurde eine neue Gerichtsverfassung eingef√ľhrt, die auch auf unterer Ebene die Rechtspflege von der Verwaltung trennte. Das neue Strafgesetzbuch und die neue Strafprozessordnung traten in Kraft.[58] Die praktische Umsetzung dieser Justizreformen zog sich jedoch wegen der revolution√§ren Ereignisse von 1848/49 noch bis in die f√ľnfziger Jahre hin.

Nachdem der evangelische Pfarrer und Abgeordnete Carl Zittel am 8. Februar 1846[5] im Landtag eine Motion zur Gleichstellung des sogenannten Deutschkatholizismus mit den anderen christlichen Konfessionen eingebracht hatte, kam es, von ihm unbeabsichtigt, zu politischen Massenprotesten der römisch-katholischen Mehrheit, die die liberaldemokratischen und freisinnig orientierten Deutschkatholiken nicht auf eine Stufe mit sich gestellt sehen wollte. Etwa 50.000 Badener aus zahlreichen römisch-katholischen Gemeinden versammelten sich, um gegen Zittels Ideen zu protestieren. Auf diesen ungewohnten politischen Druck von Seiten katholischer Kreise reagierte die Regierung mit dem vermeintlich bewährten Instrument der Landtagsauflösung.[59]

Friedrich Daniel Bassermann (1811‚Äď1855), einer der Wortf√ľhrer der gem√§√üigten Liberalen
Flugblatt vom September 1847 mit den ‚ÄěForderungen des Volkes‚Äú, den bei der Offenburger Versammlung formulierten Zielen der Radikaldemokraten

Bei der Landtagswahl im Mai 1846 errangen die Liberalen einen √ľberw√§ltigenden Sieg, die Zahl ihrer Mandate wuchs auf 36.[59] Selbst der vorige Au√üenminister Blittersdorff, inzwischen wieder Gesandter beim Bundestag in Frankfurt, vertrat deshalb die Ansicht, dass man liberale Abgeordnete in die Regierungsverantwortung einbinden sollte, um der Proteststimmung die Spitze zu brechen. Wiederholte Missernten in den Vorjahren und im Jahre 1846 selbst brachten eine Inflation, die eine allgemeine Wirtschaftskrise ausl√∂ste. Zum Jahreswechsel 1846/47 erlebte das Land deshalb einen bedr√ľckenden Hungerwinter, Auftakt zu einem ganzen Jahrzehnt der Krise, das Scharen von Landeskindern zu Bettlern machte und zur Auswanderung trieb. In dieser allgemeinen Krise trat der Abgeordnete Friedrich Hecker Mitte Oktober 1846 demonstrativ zu den Radikalen √ľber, mit der Begr√ľndung, dass die Liberalen die Regierung Nebenius viel zu sehr schonten. Mit Josef Fickler und Gustav Struve f√ľhrte nun Hecker die radikale Opposition.[60] Um einen Bruch zwischen den liberalen und radikalen Abgeordneten der Opposition im Landtag abzuwenden, luden die Abgeordneten Karl Theodor Welcker, Friedrich Daniel Bassermann und Karl Mathy zu einer Versammlung nach Durlach ein,[60] auf der die Differenzen zwischen den oppositionellen Str√∂mungen beigelegt werden sollten. Jedoch erschienen weder Hecker noch Struve; der Bruch zwischen Liberalen und Radikalen war also Ende November 1846 vollzogen. Die gem√§√üigten Liberalen beschlossen daraufhin in Durlach am 29. November 1846 die Gr√ľndung der Deutschen Zeitung, die ein Organ des aufgekl√§rten b√ľrgerlichen Liberalismus f√ľr ganz Deutschland sein sollte und ab dem Juli 1847 erschien.[60] Mit der Bildung der Regierung Bekk Ende Dezember 1846 glaubten die gem√§√üigten Liberalen bereits am Ziel ihrer politischen W√ľnsche zu sein, obwohl die Regierung auch weiterhin dem Liberalismus keine gr√∂√üeren Zugest√§ndnisse machen wollte.

Am 12. September 1847[5] versammelten sich mehrere hundert Anh√§nger der badischen Radikalen in Offenburg (Offenburger Versammlung). Im dortigen Gasthaus Zum Salmen legte Friedrich Hecker in seinen 13 Forderungss√§tzen des deutschen Volkes eine Grundsatzschrift vor, die die Schaffung einer demokratischen und sozialen Republik auf Basis der Selbstbestimmung des Volkes verlangte.[61] Bei der Heppenheimer Tagung am 10. Oktober 1847 kam die H√§lfte der 18 Teilnehmer, allesamt f√ľhrende s√ľd- und westdeutsche liberale Politiker, aus Baden. Sie forderten dort die Schaffung eines deutschen Nationalstaats und die Gew√§hrung von B√ľrgerrechten.

Vor den Ergänzungswahlen zum Landtag im Oktober 1847 gingen Liberale und Radikale getrennt in den Wahlkampf. Die Radikaldemokraten konnten bei den Wahlmännern nur wenige Stimmen erringen, so dass die liberale Mitte im Landtag stärker wurde.[61]

Badische Revolution

‚Üí Hauptartikel: Badische Revolution

Die Revolution k√ľndigt sich an

Friedrich Hecker (1811‚Äď1881)

Die Geschichte der badischen Revolution, die letztlich scheiterte, vollzog sich in drei Etappen: Im April 1848 unternahmen radikalrepublikanische Revolution√§re unter der F√ľhrung Friedrich Heckers und Gustav Struves einen Aufstand gegen die liberale Regierung des Gro√üherzogs. Im September 1848 versuchte Gustav Struve mit seinen Anh√§ngern erneut einen Putsch; die dabei in L√∂rrach ausgerufene deutschen Republik blieb jedoch eine Episode. Dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung folgte schlie√ülich im Mai und Juni 1849 der gro√üe badische Aufstand, an dem sich auch die Landesarmee beteiligte und der den Gro√üherzog zur Flucht ins Ausland n√∂tigte. Die sich dabei formierende Badische Revolutionsregierung konnte die Macht im Land jedoch nicht lange halten, denn die preu√üische Armee unter F√ľhrung des sogenannten Kart√§tschenprinzen warf die Revolution rasch nieder.

Schon zu Beginn des Jahres 1848 erhoben sich im badischen Landtag Stimmen, die eine deutliche √Ąnderung der Zust√§nde im Lande forderten. Am 12. Februar 1848[5] forderte Friedrich Daniel Bassermann in einer Motion die Umwandlung des Deutschen Bundes in einen Nationalstaat mit einer bundesstaatlichen Verfassung. Am 23. Februar 1848[5] debattierte der Landtag √ľber die Pressezensur, deren Abschaffung dabei Karl Theodor Welcker verlangte. Als Reaktion auf die Februarrevolution in Frankreich stellte die Mannheimer Volksversammlung vom 27. Februar 1848[5] einen Katalog von Forderungen auf, darunter die Verantwortlichkeit der Minister gegen√ľber dem Landtag, die Vereidigung der Armee auf die Verfassung, die Abschaffung noch bestehender feudaler Vorrechte, die Errichtung von Geschworenengerichten und die Aufhebung der Ausnahmegesetze. Am 29. Februar 1848[5] stellte die Regierung die Erf√ľllung zentraler Forderungen der Opposition in Aussicht; sie versprach im Landtag die Einf√ľhrung von Schwurgerichten und die Abschaffung der Pressezensur. Au√üerdem sollte die Bewaffnung der B√ľrger die Gefahr eines f√ľr m√∂glich gehaltenen Kriegs mit einer sich wieder expansiv geb√§rdenden franz√∂sischen Republik eind√§mmen.[62]

Am 1. M√§rz 1848[5] fand in Karlsruhe eine Massendemonstration statt; die Demonstranten zogen vor das St√§ndehaus und Friedrich Hecker trug ihre Forderungen in der Zweiten Kammer vor; sie entsprachen weitgehend dem Programm der Radikaldemokraten. Die Kammermehrheit machte sich die Forderungen schlie√ülich zu eigen und die Regierung sagte deren Erf√ľllung zu. Zuerst setzte Johann Baptist Bekk das Pressegesetz von 1831 und damit die Pressefreiheit wieder in Geltung. Am 9. M√§rz bestallte der Gro√üherzog eine neue sogenannte M√§rzregierung, das liberale Kabinett Hoffmann. Karl Theodor Welcker l√∂ste beim Bundestag in Frankfurt den reaktion√§ren Gesandten Blittersdorff ab. Was das liberale B√ľrgertum in anderen deutschen L√§ndern wie etwa Preu√üen oder √Ėsterreich im Rahmen der M√§rzrevolution noch vergeblich forderte, eine liberal zusammengesetzte Regierung auf Basis einer Landeskonstitution, war im Gro√üherzogtum Baden also bereits im M√§rz 1848 verwirklicht. Dies gen√ľgte jedoch den badischen Radikaldemokraten nicht.

Ihre am 19. M√§rz 1848[5] einberufene Volksversammlung in Offenburg, an der sich 20.000 Badener beteiligten, stellte nun Forderungen auf, die weit √ľber die liberale Reformgesetzgebung hinausgingen. Verlangt wurde zum Beispiel eine Neugestaltung der beiden Kammern des Landtages. In jeder Gemeinde wurden Vaterl√§ndische Vereine in Aussicht gestellt, auf deren Grundlage eine straffe Zentralorganisation entstehen sollte.[63]

Am 31. M√§rz 1848[5] gelang es den F√ľhrern der badischen Radikalen Friedrich Hecker und Gustav Struve nicht, sich im Frankfurter Vorparlament mit ihrem Aktionsprogramm durchzusetzen und sie verfehlten den Einzug in den Ausschuss, der die Bildung der deutschen Nationalversammlung √ľberwachen sollte. Am 10. April 1848 trat das badische Gesetz zur Aufhebung der feudalen Rechte der Standesherren in Kraft.

Der Heckerzug im April 1848 und seine Folgen

Einzug einer Freisch√§rlerkolonne unter Gustav Struve in L√∂rrach am 20. April 1848 auf dem Weg zur Unterst√ľtzung des Heckerzugs beim Gefecht von Kandern[64]. (√Ėlgem√§lde von Friedrich Kaiser[65])
Zeitgenössische Lithographie des Gefechts bei Kandern aus der Perspektive der Revolutionäre am 20. April 1848, bei der der Heckeraufstand niedergeschlagen wurde

Nachdem Josef Fickler am 2. April auf einer Volksversammlung die Abschaffung der Monarchie gefordert hatte, wurde er am 8. April 1848[5] auf der Durchreise im Karlsruher Hauptbahnhof verhaftet. Dies veranlasste Armand Goegg, die 400 demokratischen Volksvereine zu Protestaktionen zusammenzuf√ľhren. Als weitere Folge kam es zu dem von Friedrich Hecker und Gustav Struve vom 13. bis 20. April 1848[5] durchgef√ľhrten ersten badischen Aufstand. Hecker und Struve begaben sich nach Konstanz und riefen die Republik aus. Die wehrf√§higen M√§nner des Seekreises sollten sich zu einem bewaffneten Zug durchs Oberland formieren. Statt der erwarteten 40.000 M√§nner nahmen aber nur 3000 bis 4000 am Aufstand teil. Die badische Armee konnte mit Unterst√ľtzung von Bundestruppen sofort 30.000 Mann[66] ins Feld f√ľhren und schlug den so genannten Heckerzug in Gefechten bei Kandern, bei Steinen und bei G√ľnterstal blutig nieder. Die zur Unterst√ľtzung Heckers vom sozialistischen Dichter Georg Herwegh angef√ľhrte aus dem franz√∂sischen Exil heranr√ľckende Deutsche Demokratische Legion wurde am 27. April 1848 in Dossenbach bei Schopfheim aufgerieben. Die Armee nahm das ebenfalls von den Aufst√§ndischen besetzte Freiburg sowie Mannheim ein und unterstellte es wieder der Regierung in Karlsruhe. Die radikalen Anf√ľhrer flohen ins benachbarte Ausland, nach Frankreich oder in die Schweiz. Die Regierung verbot die oppositionellen demokratischen Volksvereine, darunter auch alle Gesangs- und Turnvereine und √ľbte eine scharfe Zensur aus. Die Missst√§nde im sozialen Bereich hatten den Unmut weiter Bev√∂lkerungskreise befl√ľgelt. Deshalb beachteten viele Badener die Verbote kaum.

Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung im April und Mai 1848 gewannen √ľberwiegend linke Gruppierungen die 19 badischen Mandate, weil viele gem√§√üigt liberale und konservative W√§hler der Abstimmung fernblieben.[67] Am 18. Mai 1848 fand die Er√∂ffnung der Nationalversammlung in Frankfurt statt.

Erneute Erhebung unter Gustav Struve

Gustav Struve (1805‚Äď1870)

Den Anlass f√ľr den zweiten badischen Putschversuch bot die in Frankfurt tagende Nationalversammlung. Diese hatte eine √úbergangsregierung in Form der Provisorischen Zentralgewalt eingesetzt. Die √úbergangsregierung billigte einen Waffenstillstand Preu√üens mit D√§nemark nach bewaffneten Auseinandersetzungen um die nationale Zugeh√∂rigkeit Schleswigs. Die radikale Linke protestierte dagegen und organisierte gewaltsame Unruhen in Frankfurt. Diese Nachrichten aus Frankfurt befl√ľgelten die Gedanken der badischen Revolution√§re im Exil.

Vom 21. bis zum 23. September 1848 kam es deshalb zum zweiten badischen Aufstand. Gustav Struve trat am 21. Juni von der Schweiz √ľber die Grenze nach Baden und rief in L√∂rrach die Deutsche Republik aus (vgl. Geschichte L√∂rrachs#Zweite Badische Revolution). Mit einer kleinen Gruppe von Anh√§ngern zog er Richtung Norden. Am dritten Tag stellte ihn die Badische Armee bei Staufen und schlug den Aufstand nieder. Dabei geriet Struve in Gefangenschaft.

Zwischen dem zweiten und dem dritten Aufstand

Mitte Oktober 1848 beriet der badische Landtag in aufgeheizter Atmosph√§re Fragen der Sozialpolitik. Die badische Regierung wollte jedoch keine Entscheidungen zulassen, die sp√§ter h√§tten ge√§ndert werden m√ľssen, sobald die erwartete Reichsverfassung aus der Frankfurter Paulskirche gekommen w√§re. Dennoch setzte der badische Landtag die Abschaffung der Todesstrafe, die Einrichtung von Schwurgerichten und die Gleichbehandlung der Religionsgemeinschaften durch. Damit erhielten die m√§nnlichen Juden die allgemeinen b√ľrgerlichen Rechte auf Landesebene, nicht aber auf kommunaler Ebene! Trotzdem war dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zur j√ľdischen Emanzipation. Knapp ein Drittel der badischen Abgeordneten unter F√ľhrung von Christian Kapp sprach der derzeitigen Zweiten Kammer die Existenzberechtigung ab und forderte die Wahl einer badischen Nationalversammlung.[68]

Als die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt Ende Dezember 1848 im Rahmen der Grundrechte das Recht der Vereinsfreiheit garantierte, musste die badische Regierung den demokratischen Volksvereinen freie Hand lassen. Unter dem Vorsitz des Anwalts Lorenz Brentano bildete sich ein Landesverband, dessen eigentliche F√ľhrungsfigur jedoch der zweite Vorsitzende Amand Goegg wurde. Der Verband bestand aus rund 400 Ortsgruppen mit etwa 35.000 Mitgliedern.[68] Als Gegenbewegung zu den demokratischen Volksvereinen entstand auf Seiten der gem√§√üigten Liberalen im Februar 1849 der Landesverband der ‚Äěvaterl√§ndischen Vereine‚Äú. Dieser in Durlach gegr√ľndete Verband fand jedoch kaum Zustimmung und brachte es auf lediglich 4000 Mitglieder in 35 Ortsvereinen.[68]

Am 11. Januar 1849 sprach sich die Zweite Kammer des badischen Landtags f√ľr die Kleindeutsche L√∂sung mit dem preu√üischen K√∂nig an der Spitze einer erblichen Monarchie aus. Am 17. Februar 1849[5] fasste die Kammer den Beschluss, der Regierung einen Gesetzentwurf f√ľr eine neue Wahlordnung vorzulegen. Mit dem Hinweis auf die neuen Grundrechte gem√§√ü der Paulskirchenverfassung sollten alle Standesvorrechte aufgehoben werden, so dass auch die Mitglieder der Ersten Kammer gew√§hlt und nicht mehr ernannt werden durften. Mitte April 1849 beriet der badische Landtag den Gesetzentwurf f√ľr die neue Wahlordnung. Die Erste Kammer sollte demnach im Dreiklassenwahlrecht mit Drittelung des Steuerkapitals bestellt werden. Es sollte also zuk√ľnftig nicht mehr der Stand sondern das Verm√∂gen privilegiert werden. F√ľr die auf 55 Mandate zu verkleinernde Zweite Kammer sollte das Reichswahlgesetz Anwendung finden. Die Zweite Kammer stimmte dem Entwurf nach einigen √Ąnderungen zu. Die Abstimmung der Ersten Kammer fand nicht mehr statt, ehe es zum Ausbruch der Mai-Revolution kam.

Der 28. M√§rz 1849[5] markierte ein wichtiges Datum, denn an diesem Tag verabschiedete die Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt nach langen Auseinandersetzungen die Deutsche Reichsverfassung. Am 11. April 1849[5] verk√ľndete die badische Regierung, dass Gro√üherzog Leopold die Reichsverfassung anerkenne. Weitere 28 deutsche Landesregierungen folgten diesem Beispiel.[69] Die gro√üe badische Mai-Revolution von 1849 hatte ihre eigentliche Ursache in der am 28. April 1849 erfolgten Ablehnung der deutschen Kaiserkrone durch den K√∂nig von Preu√üen. K√∂nig Friedrich Wilhelm IV. wollte diesen Titel nicht annehmen, da er auf einer demokratischen Entscheidung gew√§hlter Abgeordneter der Nationalversammlung beruhte (vgl. Kaiserdeputation). Dieses Widersprach seinen Vorstellungen vom Gottesgnadentum. Die Nationalversammlung in Frankfurt forderte nun das Volk in den deutschen L√§ndern auf, die gesamtdeutsche Verfassung dennoch zur Geltung zu bringen. Die darauf hin einsetzende Volksbewegung f√ľr die beschlossene Reichsverfassung, die sogenannte Reichsverfassungskampagne, f√ľhrte an mehreren Kristallisationskeimen - insbesondere aber in Baden ‚Äď zur Mairevolution.

Mairevolution 1849

Lorenz Brentano (1813‚Äď1891)

Am 12. Mai 1849[5] kam es in der Bundesfestung Rastatt zu einer Milit√§rmeuterei. Desolate milit√§rische Zust√§nde hatten zu einer lange aufgestauten Unzufriedenheit in der Armee gef√ľhrt, die sich nun in einem offenen Aufruhr entlud, nachdem der revolution√§re Gedanke auf die Truppe √ľbergesprungen war. Die badischen Radikalen beriefen am 13. Mai 1849[5] eine Landesversammlung der Volksvereine nach Offenburg, an der etwa 40.000 Menschen teilnahmen, darunter auch viele Soldaten.[70] Eine Delegation der Volksvereine legte dem Innenminister Johann Baptist Bekk drei Forderungen vor: es sollte die gro√üherzogliche Regierung Hoffmann zur√ľcktreten, die Revolution√§re des Jahres 1848 Amnestie erhalten und eine verfassunggebende Landesversammlung gew√§hlt werden. Daf√ľr zeigte Bekk jedoch kein Verst√§ndnis und beharrte auf der Einhaltung der bestehenden Verfassung und Gesetzm√§√üigkeit. Der in Offenburg gew√§hlte Landesausschuss unter der F√ľhrung Lorenz Brentanos lie√ü nun folgende Beschl√ľsse verabschieden: Die Bildung einer revolution√§ren Regierung Brentano, die Einberufung einer konstituierenden Landesversammlung sowie die Zusammenlegung von Volkswehr und Armee. Der Landesausschuss sollte dauerhaft in Rastatt tagen. Nachdem am selben Tag auch das Milit√§r in der Karlsruher Garnison meuterte und es in der Residenzstadt zu Unruhen kam, ergriff Gro√üherzog Leopold die Flucht √ľber das Elsass ins Rheinland. Einen Tag sp√§ter, am 14. Mai 1849,[5] trat der Landtag zu seiner letzten Sitzung zusammen. Eine offizielle Schlie√üung fand jedoch nicht statt. Nach 182 Tagessitzungen lag die Macht nun allein beim Landesausschuss der Volksvereine.

Am 3. Juni 1849[5] stimmten die wahlberechtigten M√§nner Badens nach der Wahlordnung der deutschen Nationalversammlung √ľber die Zusammensetzung einer konstituierenden Landesversammlung ab. Die Wahl verlief bei geringer Beteiligung weitgehend st√∂rungsfrei. Die Abgeordneten geh√∂rten dem Mittelstand an und waren im Schnitt 39 Jahre alt. Nachdem der geflohene Gro√üherzog Leopold auf preu√üischen Druck am 6. Juni 1849 die neue konservative Exilregierung Kl√ľber ernannt hatte und Beitrittsverhandlungen zu dem Dreik√∂nigsb√ľndnis zwischen Preu√üen, Sachsen und Hannover aufgenommen hatte, sagte die preu√üische Regierung zu, der Bitte des Gro√üherzogs nach Beistand nachzukommen und gegen die badische Revolution milit√§risch vorzugehen.

Franz Seraph Stirnbrand (1788‚Äď1882): Gefecht in Gernsbach am 29. Juni 1849
Kapitulation der revolution√§ren Besatzung von Rastatt gegen√ľber den Truppen des Deutschen Bundes am 23. Juli 1849[71]

Am 10. Juni 1849[5] wurde die konstituierende Landesversammlung in Rastatt feierlich er√∂ffnet. Bis zum 30. Juni fanden 14 √∂ffentliche und zwei geheime Sitzungen statt. Die Delegierten behandelten √ľberwiegend aktuelle Themen des Zeitgeschehens. Es sch√§lten sich zwei Fraktionen heraus: die gem√§√üigte Linke wollte die Monarchie vorl√§ufig erhalten, wohingegen die entschiedene Linke f√ľr die Republik eintrat. Am 13. Juni 1849[5] best√§tigte die Landesversammlung Lorenz Brentano als Vorsitzenden der Revolutionsregierung. Der Rechtsanwalt und Vorsitzende des Landesausschusses der Volksvereine wurde an die Spitze des Dreierkollegiums gew√§hlt, welches die Regierungsgesch√§fte des Landes f√ľhrte. Ab dem 14. Juni 1849[5] musste die Badische Volksarmee gegen die Armee der F√ľrsten des Deutschen Bundes zum Kampf antreten. An der Neckarlinie f√ľhrten die badischen Truppen unter dem Befehl des polnischen Offiziers Ludwik MierosŇāawski einen aussichtslosen Kampf gegen die feindliche √úbermacht. Diese stand unter dem Befehl des preu√üischen Thronfolgers Prinz Wilhelm. Am 21. Juni 1849[5] erlitten die badischen Revolution√§re im Gefecht bei Wagh√§usel eine entscheidende Niederlage. Der Gegner zwang sie zum R√ľckzug hinter die Murglinie. Auch diese mussten sie am 29. Juni aufgeben und sich in den S√ľden des Landes zur√ľckziehen. Von dort fl√ľchteten die Reste der Revolutionsarmee am 11. Juli 1849 in die Schweiz. Am 23. Juli 1849 kapitulierten die letzten verbliebenen Aufst√§ndischen in der eingeschlossenen Festung Rastatt.[5] Damit endete die badische Mairevolution. Ganz Baden war nun von preu√üischen Truppen besetzt. Die Regierung des Gro√üherzogs arbeitete bereits seit Anfang Juli wieder in Karlsruhe. Am 18. August 1849 kehrte auch Gro√üherzog Leopold aus dem Exil zur√ľck.[5] Die staatsrechtliche Kontinuit√§t wurde durch die traditionelle Schlie√üung des Landtags im November 1849 wieder hergestellt.

Politische Entwicklung von 1849 bis 1900

√Ąra der Reaktion

Baden blieb in der Reaktions√§ra einstweilen unter der Kontrolle des preu√üischen Milit√§rs. Somit war Badens Souver√§nit√§t nach 1849 stark eingeschr√§nkt durch die Abh√§ngigkeit von der Politik Preu√üens. Die preu√üische Unionspolitik, an deren Anfang das sogenannte Dreik√∂nigsb√ľndnis stand, rief die Gefahr eines Kriegs zwischen Preu√üen und √Ėsterreich hervor. Im Falle einer preu√üischen Niederlage drohte Baden die Zerst√ľckelung unter den s√ľddeutschen Nachbarl√§ndern Bayern und W√ľrttemberg, welche auf Seiten √Ėsterreichs standen. Mit der Olm√ľtzer Punktation war diese Gefahr schlie√ülich gebannt. Die Stationierung der preu√üischen Besatzungstruppen verschlang jedoch gro√üe Summen an Steuergeldern, wenngleich in der Krise Anfang November 1850 ein Gro√üteil der preu√üischen Truppen aus Baden abgezogen wurde, um gegen √Ėsterreich in Stellung zu gehen. Das Kriegsrecht blieb in Baden noch bis zum 1. September 1852 bestehen.

Bei den Erg√§nzungswahlen zum Landtag im Jahre 1850 konnten die Liberalen ihre Mehrheit in der Zweiten Kammer zwar erhalten, zeigten sich aber bereit zu Kompromissen mit der Regierung. Im Oktober 1850 ernannte Gro√üherzog Leopold als Nachfolger des zur√ľckgetretenen Au√üenministers Friedrich Adolf Kl√ľber den reaktion√§ren Diplomaten Ludwig Freiherr R√ľdt von Collenberg zum Staatsminister des gro√üherzoglichen Hauses und der ausw√§rtigen Angelegenheiten und somit de facto zum Vorsitzenden der Regierung R√ľdt. R√ľdt galt im Gegensatz zu dem aus Preu√üen stammenden Kl√ľber als eher √Ėsterreich nahe stehend. Auf der am 23. Dezember 1850 in Dresden er√∂ffneten Ministerkonferenz zur Neugestaltung des Deutschen Bundes gelang es R√ľdt, das nach der Revolution in Baden zerst√∂rte Vertrauen in die Zuverl√§ssigkeit seines Landes wieder herzustellen. Die Landtagswahlen im Oktober 1851 f√ľhrten zu einer konservativen Mehrheit, so dass die Regierung k√ľnftig R√ľckendeckung aus der Zweiten Kammer erwarten durfte. So blieb dies auch in den drei darauf folgenden Landtagen bis 1858.

Mit dem Tod Gro√üherzog Leopolds am 24. April 1852 begann die √ľber ein halbes Jahrhundert andauernde Regierungszeit von Friedrich I. Von 1852 bis 1856 war Friedrich zun√§chst Regent f√ľr seinen √§lteren Bruder Ludwig II., der zwar formal den Titel eines Gro√üherzogs f√ľhrte, jedoch wegen einer Geisteserkrankung von Anfang an regierungsunf√§hig war. Am 5. September 1856 nahm der badische Regent offiziell den Titel eines Gro√üherzogs an, da inzwischen klar war, dass sein √§lterer Bruder nicht mehr gesund werden w√ľrde. Gro√üherzog Friedrich heiratete am 20. September 1856 die preu√üische Prinzessin Luise und wurde damit zum Schwiegersohn des sp√§teren ersten Deutschen Kaisers. Diese Ehe erkl√§rt die enge Bindung Badens an Preu√üen f√ľr die zweite H√§lfte des 19. Jahrhunderts.

Beginn des Konflikts mit der katholischen Kirche

Der noch junge Großherzog Friedrich von Baden auf einem Gemälde aus dem Jahre 1857

Obwohl ann√§hernd zwei Drittel der Bev√∂lkerung Badens Katholiken waren, dominierte in der politischen F√ľhrung des Landes der Protestantismus. Sowohl der Gro√üherzog als auch die Mehrheit der Minister und h√∂heren Beamten waren evangelisch. √úber den katholischen Oberkirchenrat in Karlsruhe √ľbte der badische Staat einen m√§chtigen Einfluss auf die Kirche aus. Dieses Staatskirchensystem wurde insbesondere von liberalen Kreisen bef√ľrwortet, nicht jedoch von der Kirche selbst. Dies war der N√§hrboden f√ľr einen Konflikt des badischen Staates mit der katholischen Kirche, der als Badischer Kulturkampf in die Geschichte einging. Der Erzbischof von Freiburg, Hermann von Vicari, wollte Anfang der f√ľnfziger Jahre des 19. Jahrhunderts f√ľr seine Kirche eine gr√∂√üere Unabh√§ngigkeit von der staatlichen Bevormundung erwirken. Es gab heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbistum und dem Oberkirchenrat, die in der Belegung badischer Beamter mit dem gro√üen Kirchenbann gipfelten. Deshalb wurde Vicari im Mai 1854 unter Hausarrest gestellt, ehe ein im Sommer 1854 geschlossenes Interim zwischen Baden und der Kurie den Streit vorl√§ufig beendete und der Kirche bereits sehr entgegenkam.

Die beiden leitenden Minister des Kabinetts Stengel-Meysenbug arbeiteten in der Frage des Konflikts mit dem Erzbistum Freiburg auf eine endg√ľltige Konvention mit Rom hin, in der die Rechte der Kirche noch einmal ausgeweitet werden sollten. Nachdem der Vertrag im Juni 1859 von den Bevollm√§chtigten beider Seiten vorl√§ufig unterzeichnet war, regte sich Widerstand bei den Liberalen. Nach einem entfachten Sturm der Entr√ľstung siegten diese bei den Erneuerungswahlen zum Landtag im September 1859 und organisierten Ende November 1859 eine Protestversammlung gegen eine starke autonome katholische Kirche und somit gegen die geplante Kirchenkonvention. Bei einer Abstimmung in der Zweiten Kammer am 30. M√§rz 1860[5] lehnten die Abgeordneten mit 46 gegen 15 Stimmen die Konvention als verfassungswidrig ab. Daraufhin entlie√ü Gro√üherzog Friedrich die beiden konservativen Minister Franz von Stengel und Wilhelm Rivalier von Meysenbug und bildete das Kabinett Stabel, an dessen Spitze die beiden liberalen Wortf√ľhrer Anton Stabel und August Lamey traten.

Nachdem der Sardische Krieg mit einer √∂sterreichischen Niederlage geendet hatte, f√ľrchteten die s√ľddeutschen Staaten eine m√∂gliche Fortsetzung des Kriegs zwischen √Ėsterreich und Frankreich auf ihren Territorien. Der preu√üische Prinzregent Wilhelm lud deshalb die europ√§ischen F√ľrsten vom 16. bis 18. Juni 1860 zu einem gesellschaftlichen Gro√üereignis nach Baden in Baden. Auch der franz√∂sische Kaiser Napoleon III. kam zum Kongress der F√ľrsten nach Baden-Baden und versicherte, dass diese Gefahr nicht bestehe.

Politik der neuen √Ąra

Von 1860 bis 1866 vollzog sich in Baden die Politik der ‚Äěneuen √Ąra‚Äú. In seiner Osterproklamation vom 7. April 1860[5] k√ľndigte Gro√üherzog Friedrich ein Reformprogramm an, dessen Ziel die Erf√ľllung wesentlicher Forderungen des Liberalismus sein sollte sowie die L√∂sung der nationalen Frage, auch unter Preisgabe der badischen Souver√§nit√§t. Die Kirchen wollte der Gro√üherzog weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle sehen. Noch im gleichen Jahr regelten f√ľnf neue Gesetze das Verh√§ltnis von Staat und Kirche. Ein neu errichtetes Handelsministerium unter der Leitung von Gideon Weizel arbeitete ein Gewerbegesetz aus. Der geistige Vater des Programms der neuen √Ąra war ein Studienfreund des Gro√üherzogs, der liberale Abgeordnete Franz von Roggenbach, welcher im Mai 1861 das Au√üenministerium √ľbernahm.

Am 14. Juli 1861 ersch√ľtterte das Attentat des Studenten Oskar Becker die √Ėffentlichkeit. Er gab in der Stadt Baden zwei Sch√ľsse auf den K√∂nig von Preu√üen ab. Dieser trug aber nur eine leichte Verletzung davon.

Im Rahmen der neuen √Ąra vollzog die badische Regierung 1864 eine Verwaltungsreform, so dass es statt der vier Kreisregierungen nun 59 direkt dem Innenministerium unterstellte Bezirks√§mter gab, die zu Kreisen und insgesamt vier Landeskommissariaten zusammengefasst wurden. Weitere Reformen brachten eine neue vorbildliche Gerichtsverfassung, die Einrichtung eines Verwaltungsgerichtshofs, ein Gleichberechtigungsgesetz f√ľr die j√ľdische Bev√∂lkerung sowie die Aufhebung des Zunftzwangs.

√Ėsterreich ergriff in der Frage des Kulturkampfs entschieden Partei f√ľr die Position des Erzbistums Freiburg, so dass Au√üenminister Roggenbach eine enge Anlehnung Badens an Preu√üen betrieb. Bei den Landtagswahlen im August 1861 errangen die Liberalen einen gro√üen Sieg und konnten ihre Mehrheit auf drei Viertel aller Sitze ausdehnen. Zwei Jahre sp√§ter konnten die Liberalen ihre Mandatszahl nochmals auf nun 50 Sitze in der Zweiten Kammer erh√∂hen. Im Augst 1862 trat an die Stelle der bisherigen konfessionellen Schulbeh√∂rden f√ľr die Volksschulen und simultanen Beh√∂rden f√ľr die h√∂heren Schulen ein neu errichteter simultaner Oberschulrat unter der Leitung von Karl Knies. Der Oberschulrat arbeitete an einer Vorlage zur Reform des badischen Volksschulwesens. Mit dem Schulaufsichtsgesetz vom 29. Juli 1864 ersetzte die Regierung die geistlichen Ortsinspektionen durch weltliche Schulr√§te. Die katholische Kirche wollte jedoch am bisherigen Zustand konfessioneller Inspektionen festhalten. Der Kulturkampf ging somit als badischer Schulstreit weiter.

Beim Frankfurter F√ľrstentag im August 1863 ergriff Gro√üherzog Friedrich Partei f√ľr die L√∂sung der deutschen Frage unter preu√üischer F√ľhrung. Damit waren weitergehende Pl√§ne √Ėsterreichs f√ľr eine Reform des Deutschen Bundes zum Scheitern verurteilt. 1865 trat Au√üenminister Roggenbach vor dem Hintergrund der Schleswig-Holstein-Krise zur√ľck. Sein Nachfolger Ludwig von Edelsheim f√ľhrte Baden mit 13 Staaten des Deutschen Bundes an der Seite √Ėsterreichs gegen Preu√üen in den Deutschen Krieg, obwohl Gro√üherzog Friedrich Badens Neutralit√§t bevorzugt h√§tte. Den Oberbefehl √ľber die badische Division im VIII. Bundeskorps √ľbernahm Prinz Wilhelm, der j√ľngere Bruder des Gro√üherzogs. Als sich am 24. Juli 1866 auf dem Territorium Badens in den Gefechten bei Tauberbischofsheim Truppen der preu√üischen und w√ľrttembergischen Armee gegen√ľberstanden, hielt Prinz Wilhelm die badischen Truppen aus den K√§mpfen heraus, weshalb ihm eine Mitschuld am Misserfolg des Feldzugs vorgeworfen wurde. Da jedoch mit der Schlacht bei K√∂niggr√§tz am 3. Juli 1866 der Krieg f√ľr Preu√üen bereits entschieden war, erscheinen die danach ausgetragenen Gefechte und Opfer des VIII. Bundeskorps als wenig sinnvoll. Im Angesicht der Niederlage entlie√ü der Gro√üherzog das f√ľr den Kriegseintritt verantwortliche Ministerium und bildete das neue Kabinett Mathy, womit die neue √Ąra und damit eine betonte Abh√§ngigkeit der Regierung von der Parlamentsmehrheit zu Ende ging und eine R√ľckkehr zur konstitutionellen Regierungsweise vollzogen wurde. Am 29. Juli erhielt die badische Armee den Befehl, in die Kasernen zur√ľckzukehren.

Baden als formal völlig souveräner Staat

Am 31. Juli 1866 erkl√§rte Baden den Austritt aus dem Deutschen Bund. Nach au√üen galt Baden nun neben den drei s√ľddeutschen Nachbarstaaten Bayern, W√ľrttemberg und Hessen-Darmstadt als g√§nzlich unabh√§ngiges V√∂lkerrechtssubjekt. Das souver√§ne Gro√üherzogtum Baden schloss am 17. August 1866 Frieden mit dem K√∂nigreich Preu√üen und vereinbarte zus√§tzlich ein geheim gehaltenes Schutz- und Trutzb√ľndnis. Das badische Heer glich sich der preu√üischen Armee an. Mit der Bildung des Kabinetts Jolly am 12. Februar 1868 stieg der preu√üische General Gustav Friedrich von Beyer, der seit 1866 als Milit√§rbevollm√§chtigter Preu√üens in Karlsruhe diente, zum badischen Kriegsminister auf. Die Gr√ľndung des Norddeutschen Bundes erforderte eine Neuorganisation des Deutschen Zollvereins. Der badische Landtag best√§tigte die Neufassung des Zollvertrags am 8. Juli 1867. Die enge Anlehnung an Preu√üen war offenkundig und erfreute sich auch breiter Zustimmung in der badischen Bev√∂lkerung. Die liberale Partei im Landtag reflektierte diese Stimmung und stand deshalb dem Nationalliberalismus nahe. Gegen einen Anschluss Badens an ein von Preu√üen gef√ľhrtes Deutschland waren einige linksliberale Politiker, sowie die 1869 gegr√ľndete Badische Volkspartei, die aus der katholischen Opposition hervorging. Die badischen Katholiken waren weniger an einer kleindeutschen L√∂sung und eher an einer gro√üdeutschen f√∂deralen L√∂sung unter Einschluss des katholischen √Ėsterreich interessiert. Bei den Wahlen zum Zollparlament im Februar 1868, die anders als die Landtagswahlen nach allgemeinem und gleichem Stimmrecht vorgenommen wurden, erreichten die Nationalliberalen acht Mandate, die Katholiken f√ľnf und die Konservativen ein Mandat.[72] Bei den Erg√§nzungswahlen zum Landtag 1869 gewann die Volkspartei jedoch lediglich vier Mandate,[73] so dass die Nationalliberalen wegen der √∂ffentlich protokollierten Stimmabgabe und der indirekten Wahl durch Wahlm√§nner ihre √ľberw√§ltigende Mehrheit halten konnten. V√∂llig √ľberraschend f√ľr die badische Regierung und √Ėffentlichkeit kam der Ausbruch des Deutsch-Franz√∂sischen Kriegs. Baden verk√ľndete am 15. Juli 1870 die Mobilmachung und beteiligte sich seit dem 21. Juli 1870 am Krieg. Nach anf√§nglicher Sorge, dass Baden wegen der langen Grenze mit Frankreich zum Schlachtfeld h√§tte werden k√∂nnen, zerstreuten sich diese Bef√ľrchtungen mit den Siegesmeldungen der Preu√üischen Armee und ihrer Verb√ľndeten.

Von der Reichsgr√ľndung bis zur Jahrhundertwende

Proklamation des Königs von Preußen zum Deutschen Kaiser
Gemälde von Anton von Werner

Am 18. Januar 1871 proklamierten die deutschen F√ľrsten im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles den preu√üischen K√∂nig zum Deutschen Kaiser. Gro√üherzog Friedrich I. von Baden rief dort das erste ‚ÄěHoch lebe Kaiser Wilhelm‚Äú auf seinen Schwiegervater aus und umging damit geschickt die umstrittene offizielle Titulierung ‚ÄěDeutscher Kaiser‚Äú, die der Kanzler Otto von Bismarck durchgesetzt hatte, nachdem die Bundesf√ľrsten den Titel ‚ÄěKaiser von Deutschland‚Äú abgelehnt hatten. Das Gro√üherzogtum Baden verlor 1871 mit dem Beitritt zum neu gegr√ľndeten Deutschen Kaiserreich seine uneingeschr√§nkte Souver√§nit√§t. Auf Sonderrechte, die die Nachbarl√§nder Bayern und W√ľrttemberg durchzusetzen vermochten, verzichtete Baden. Das badische Au√üenministerium mit den diplomatischen Vertretungen im Ausland lie√ü der Gro√üherzog schlie√üen. Auch ein eigenes Kriegsministerium geh√∂rte nun der Vergangenheit an. Die bisherige badische Armee wechselte unter der Bezeichnung XIV. Armeekorps in den Verantwortungsbereich des preu√üisch gepr√§gten kaiserlichen Heeres. Auch das badische Post- und Telegraphenwesen ging dem Land als selbst verwaltete Institution verloren. Innenpolitisch √§nderte sich in Baden wenig. Das Kabinett von 1868 blieb noch bis 1877 bestehen, gefolgt vom Kabinett Turban und 1893 vom Kabinett Nokk. Die Regierungen bis zur Jahrhundertwende konnten sich auf die nationalliberal gepr√§gte Mehrheit in der Zweiten Kammer des Landtags verlassen, wenngleich diese mit den Jahren zunehmend br√∂ckelte.

Der 1860 begonnene Kulturkampf zwischen dem badischen Staat und der katholischen Kirche hatte seinen Höhepunkt in den Jahren von 1864 bis 1876 und ebbte erst nach der Verabschiedung des Simultanschulgesetzes im Jahre 1876 allmählich ab. Das Simultanschulgesetz bestimmte die Abschaffung der konfessionell gebundenen Volksschulen, an deren Stelle nun Simultanschulen traten. 1880 verzichtete die badische Regierung auf das Kulturexamen, so dass ein wesentlicher Konfliktherd zwischen Staat und Kirche beseitigt war.

Gro√üherzog Friedrich, der sich von seinem ehemaligen Au√üenminister Roggenbach beraten lie√ü, war gegen√ľber der Innenpolitik des Reichskanzlers Bismarck (Preu√üischer Kulturkampf, Sozialistengesetze) kritisch eingestellt. Jedoch machte Baden im Bundesrat in Berlin kaum seinen Einfluss geltend, da die eigene Stimmenzahl und somit das politische Gewicht in diesem Gremium als zu gering erachtet wurde.

Politische Parteien im Großherzogtum Baden

Friedrich Kiefer (1830‚Äď1895)

‚Üí siehe: Badische St√§ndeversammlung f√ľr eine √úbersicht der Sitzverteilung in der Zweiten Kammer 1871 bis 1918

Nennenswerte Ansätze zur Bildung politischer Parteien gab es in Baden wie auch in den anderen deutschen Ländern erst nach dem Jahre 1860. Bis dahin unterschied man im Wesentlichen die beiden Grundströmungen einer konservativen oder liberalen Gesinnung. Eine konservative Gesinnung war mit der Regierungspolitik des bestehenden Obrigkeitsstaates in der Regel konform, eine liberale Gesinnung ging mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten oppositionellen Haltung einher.

Der in Baden von jeher stark verankerte Liberalismus blieb lange Zeit unorganisiert. Politische Konturen gewann er lediglich in Form der liberalen Fraktion, welche die liberal gesinnten Mitglieder der Zweiten Kammer bildeten. Diese Landtagsabgeordneten rekrutierten sich, wie auch ihre konservativen Pendants, nur aus einem Kreis von Honoratioren, welche m√§nnlich, sehr finanzkr√§ftig und bis 1861 christlicher Konfession waren. Diesen Anforderungen gen√ľgte nur etwa ein halbes Prozent der badischen Bev√∂lkerung. Auch das aktive Wahlrecht war nur M√§nnern vorbehalten, die das Ortsb√ľrgerrecht an ihrem Wohnort besa√üen. Erst im Jahre 1870 erhielten alle M√§nner √ľber 25 Jahren, also auch Arbeiter, Knechte und Dienstboten, das Wahlrecht. Damit wurden ganz neue W√§hlerschichten erschlossen, die sich von den Honoratioren im Landtag nicht mehr unbedingt vertreten f√ľhlten. Da jedoch das aktive Wahlrecht erst seit 1870 geheim war und die Abgeordneten bis 1904 durch Wahlm√§nner und nicht direkt gew√§hlt wurden, war die Zusammensetzung der Zweiten Kammer w√§hrend des ganzen 19. Jahrhunderts nicht konform mit dem tats√§chlichen politischen Willen des Volkes.

Nationalliberale

Die Entwicklung der Liberalen vom Club des Besitz- und Bildungsb√ľrgertums zur politischen Partei kam in den sechziger Jahren allm√§hlich in Gang. Bei einer Volksversammlung in Offenburg beschlossen 700 Anwesende am 26. Juli 1862, k√ľnftig in regelm√§√üigen Abst√§nden zu Versammlungen auf Landesebene kommen zu wollen. Als st√§ndige Kommission f√ľr die anfallenden T√§tigkeiten zwischen den Versammlungen w√§hlten sie 30 Personen, welche wiederum einen Ausschuss einzusetzen hatten. 1865 drohte eine Spaltung des badischen Liberalismus, als sich unter F√ľhrung von Friedrich Kiefer eine Landtagsfraktion linker Liberaler unter der Bezeichnung Fortschrittspartei bildete, deren knapp zwei Dutzend Mitglieder einen sch√§rferen Kulturkampf gegen die katholische Kirche forderten. Der Krieg von 1866 lenkte die Aufmerksamkeit jedoch zun√§chst in eine andere Richtung. Die nationale Frage verdr√§ngte nun die kulturk√§mpferischen Themen und Anfang November 1868 traf sich Friedrich Kiefer mit einigen Liberalen, darunter den drei Landtagsabgeordneten August Lamey, Karl Eckhard und Johann Bluntschli, um in Offenburg Gespr√§che zur Intensivierung der Parteiarbeit zu f√ľhren. Als Reaktion auf die Gr√ľndung der Katholischen Volkspartei am 9. Mai trafen sich wenig sp√§ter die Liberalen am 23. Mai 1869 erneut in Offenburg, um die lose Parteistruktur nun deutlich zu straffen und als Nationalliberale Partei den Weg Badens in ein von Preu√üen gef√ľhrtes Deutsches Reich zu begleiten. Dank des indirekten Wahlrechts gelang es den Nationalliberalen bis 1881 und dann wieder von 1885 bis 1891 und ein letztes Mal von 1895 bis 1897 die absolute Mehrheit der Sitze in der Zweiten Kammer zu behaupten. Bis zur Umsetzung der Wahlrechtsreform 1905 blieben sie stets die st√§rkste Fraktion, weshalb sie sich so lange wie m√∂glich gegen das direkte Wahlrecht f√ľr den Landtag gestr√§ubt hatten.

Katholische Volkspartei und Zentrum

Franz Xaver Lender (1830‚Äď1913)

Zur Unterst√ľtzung ihrer Kirche im Kulturkampf formierten sich 1862 katholische Abgeordnete im badischen Landtag in der sogenannten Kasinobewegung, welche sich jedoch alsbald mit einem Verbot konfrontiert sah. Eine Versammlung einiger tausend Katholiken in Bruchsal f√ľhrte am 9. Mai 1869 zur Gr√ľndung der Katholischen Volkspartei. Die Katholiken f√ľhlten sich im Gro√üherzogtum als wirtschaftlich und sozial benachteiligte Bev√∂lkerungsgruppe, welche zwar zwei Drittel der Gesamtbev√∂lkerung stellte, jedoch haupts√§chlich auf dem Land in strukturschwachen Gebieten lebte und ihre Interessen bisher kaum angemessen zum Ausdruck bringen konnte. Wegen des indirekten Wahlrechts und interner Streitigkeiten brauchte die katholische Volkspartei, die sich auf Reichsebene dem Zentrum anschloss, Jahrzehnte, ehe sie ab 1905 als st√§rkste Fraktion in der Zweiten Kammer auftreten konnte. Die √ľberragende Figur in diesem langen politischen Wachstumsprozess war der Partei- und Fraktionsvorsitzende Franz Xaver Lender. Bis zum Ende der Monarchie gewann die Partei keinen bestimmenden Einfluss auf die Regierungspolitik.

Sozialdemokratie

Als in Baden die Gro√üst√§dte wuchsen, nahm vor allem in Mannheim, Pforzheim und Karlsruhe die Schicht der Fabrikarbeiter zu. Bereits im Jahre 1849 entstand in Konstanz ein Arbeiterbildungsverein. Erste Ans√§tze einer Gewerkschaftsbewegung zeigten sich in der Gr√ľndung eines Mannheimer Vereins der Drucker im Jahre 1863, der sich Typographia nannte. Ihm folgte drei Jahre sp√§ter ein √§hnlicher Zusammenschluss der Tabakarbeiter. Die Vertretung der Zigarrenarbeiter trat 1868 in Mannheim dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) bei, der sich als erster sozialdemokratischer Ortsverein in Baden gebildet hatte. In Pforzheim entstand im August 1869 der Gewerkverein der Deutschen Gold- und Silberarbeiter.[74] Im selben Jahr entstand in Pforzheim ein Ortsverein der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). 1875 gingen ADAV und SDAP in der Sozialistischen Arbeiterpartei auf. Das durch Bismarck initiierte ‚ÄěGesetz gegen die gemeingef√§hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie‚Äú hemmte auch in Baden die Entwicklung der Sozialdemokraten, wenn auch die Regierung in den Jahren von 1881 bis 1887 weniger streng gegen diese vorging. Als das Gesetz 1890 aufgehoben wurde, setzte eine Gr√ľndungswelle sozialdemokratischer Vereine ein. Rasch entwickelte sich die neu gegr√ľndete SPD zu einer starken politischen Kraft auch in Baden. Bei der Reichstagswahl 1890 gewann August Dreesbach als erstes SPD-Mitglied ein Mandat im Reichstag. Im Oktober 1891 zogen mit August Dreesbach und Philipp August R√ľdt erstmals zwei Sozialdemokraten ‚ąí beide aus dem Mannheimer Wahlkreis ‚Äď als Abgeordnete in die Zweite Kammer des Badischen Landtags ein. Die SPD konnte auf ein vitales Netzwerk von Gewerkschaften, Arbeitervereinen und Genossenschaften z√§hlen und bezog ihre Kraft aus dem spezifischen Milieu der sozial benachteiligten Arbeiterschaft. Der sogenannte Klassenfeind, welcher Politik und Gesellschaft dominierte, bek√§mpfte die Sozialdemokratie und ihre Anh√§nger als ‚ÄěReichsfeinde‚Äú, die es auszugrenzen galt.

Linksliberale

Der Linksliberalismus hatte sich in Baden nach der Niederwerfung der Revolution von 1849 nie mehr v√∂llig erholt. Die Nachfolger von Friedrich Hecker und Gustav Struve waren in Baden weit weniger popul√§r als im benachbarten W√ľrttemberg, wo die alten Revolution√§re von 1848 die Demokratische Volkspartei zu einer bestimmenden politischen Kraft formten. Der badische Liberalismus war durch den starken Einfluss Preu√üens auf die badische Politik nach 1850 √ľberwiegend nationalliberal gepr√§gt. W√§hrend sich die Nationalliberalen der Gunst ihres Gro√üherzogs stets erfreuen konnten, blieben die gro√üdeutsch denkenden Demokraten eine weniger bedeutende Kleinpartei. Die haupts√§chlich in Mannheim erfolgreich agierenden Demokraten, die den Anschluss an ein von Preu√üen gef√ľhrtes Reich ablehnten, schlossen sich der Deutschen Volkspartei an, welche die w√ľrttembergischen Demokraten mit einigen Gleichgesinnten anderer deutscher L√§nder 1866 gegr√ľndet hatten. Eine weitere linksliberale Komponente in Baden ergab sich durch den von Bismarck 1878 erzwungenen Rechtsruck der Nationalliberalen, der eine Folge der Schutzzollpolitik und der Sozialistengesetze war. Einige wenige insbesondere in S√ľdbaden beheimatete linksliberale Politiker spalteten sich deshalb vom Nationalliberalismus ab und fanden Aufnahme in der Freisinnigen Partei.

Konservative

Nach der Reichseinigung v√∂llig bedeutungslos waren die Konservativen. Erst 1879 schafften sie wieder den Einzug in die Zweite Kammer des Landtags, blieben aber stets eine unbedeutende Splittergruppe. Der f√ľhrende Politiker dieser Fraktion war Emil von Stockhorn.

Religion

→ siehe auch: Konfessionszugehörigkeit in Baden im 19. Jahrhundert

Evangelische Kirche

‚Üí Hauptartikel: Evangelische Landeskirche in Baden

Kirchenfenster in der Stadtkirche Wiesloch mit Martin Luther (l.) und Johannes Calvin (r.) zur Erinnerung an die Badische Union von 1821.
Die evangelische Stadtkirche Karlsruhe kann als die Hauptkirche der badischen Landeskirche angesehen werden

Obwohl nur rund ein Drittel der Bev√∂lkerung Badens protestantisch war, genossen die Angeh√∂rigen der Evangelischen Landeskirche einen Vorrang vor der katholischen Mehrheit, weil der ebenfalls evangelische Gro√üherzog ihr Oberhaupt als Summus episcopus war. Da mit der Gebietserweiterung der evangelisch-lutherisch dominierten Markgrafschaft Baden durch die rechtsrheinische Kurpfalz auch reformierte Protestanten dazukamen, gab es Bestrebungen zur Bildung einer Unierten Kirche. Die Union der lutherischen und reformierten Kirche zur Vereinigten Evangelisch-protestantischen Kirche im Gro√üherzogtum Baden trat dann am 28. Oktober 1821[5] in Kraft. Es bereite einige Schwierigkeiten, zu einem gemeinsamen Katechismus zu finden, welcher dann im Juli 1830 vorl√§ufig und 1834 letztendlich g√ľltig wurde. Ebenfalls im Jahre 1830 kam die gemeinsame Agende und das gemeinsame Gesangbuch in Gebrauch.[75] Wegen des 1834 eingef√ľhrten Unionskatechismus, der die beiden fr√ľheren Bekenntnisse stark vermischte, trennte sich 1850 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden von der unierten Landeskirche, um wieder zur√ľck auf den reinen Pfad der Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche zu gelangen. Erst 1856 erfolgte ein Duldungserlass des Gro√üherzogtums Baden f√ľr diesen freikirchlichen Sonderweg.

Eine dominierende Stellung in der Landeskirche nach der badischen Revolution nahm der Heidelberger Professor Carl Christian Ullmann ein, der seit 1853 Pr√§lat und seit 1856 auch Direktor des Oberkirchenrats wurde und somit die geistliche und die weltliche Leitungsfunktion der badischen Landeskirche in seiner Person vereinigte. Als Ullmann 1858 eine neue Agende einf√ľhren wollte, erhoben sich Proteste insbesondere in den ehedem reformierten Gegenden der Kurpfalz. Der Gro√üherzog r√§umte, um die Gem√ľter zu beruhigen, den Gemeinden gro√üen Spielraum bei der Auslegung der Gottesdienstordnung ein. Per Gesetz kam es im Herbst 1860 zu einer Neuordnung der Evangelischen Landeskirche. Die Stellung der Kirchengemeinden verbesserte sich nun zusehends. Auf allen hierarchischen Ebenen waren nun Vertretungen durch die Gemeindemitglieder zu bilden. Die Kirchengemeindeversammlung hatte das Recht zur Wahl des Pfarrers. Alle f√ľnf Jahre tagte nun eine Generalsynode.[76] Das Verh√§ltnis zwischen Oberkirchenrat und Generalsynode blieb weitgehend frei von Spannungen.[77] 1869 wurde in den pf√§lzischen Gebieten eine alternative Ordnung zur seit 1858 bestehenden Agende f√ľr zul√§ssig befunden. Das 1830 eingef√ľhrte Gesangbuch gab seither immer wieder Anlass zu Diskussionen, die schlie√ülich 1882 durch eine neue nun allseits akzeptierte Ausgabe beendet werden konnten. Am Beginn des 20. Jahrhunderts verlor die Landeskirche an Boden, was darauf zur√ľckzuf√ľhren sein mochte, dass es nicht gelang, in den neuen Wohngebieten der Gro√üst√§dte eine hinreichend gute seelsorgerische Grundversorgung zu gew√§hrleisten.[78]

Katholizismus

‚Üí Hauptartikel: Erzbistum Freiburg

Die S√§kularisation und die territoriale Neuordnung nach dem Reichsdeputationshauptschluss bedeutete f√ľr die katholische Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen erheblichen Verlust an G√ľtern und politischem Einfluss. Mit der S√§kularisation einher ging vor allem das gewaltsame Ende der alten Kl√∂ster. Dies bedeutete neben der Aufhebung der Konvente in ihrer religi√∂sen Funktion die Enteignung der √ľberkommenen grund-, leib- und landesherrlichen Rechte sowie der Geb√§ude mit allem Inventar an den Nachfolgestaat Baden. Das an den badischen Staat gefallene Klosterinventar umfasste viele kunsthistorisch wertvolle sakrale Gegenst√§nde, B√ľcher der reich ausgestatteten Klosterbibliotheken und die in Jahrhunderten gesammelten und aufbewahrten Archivalien. Durch die S√§kularisation fand anderseits r√ľckblickend eine Befreiung der Kirche von einem Reichtum statt, der sie √ľber Jahrhunderte vom Wesen des christlichen M√∂nchtums abgelenkt hatte. Die Pracht der Gottesdienste und der Klang der Glocken √ľbert√∂nten die Stimmen, welche auf die soziale Schieflage aufmerksam machten, die vielerorts zwischen der Macht der F√ľrst√§bte und der sie umgebenden M√∂nche als ‚Äěgn√§dige Herren‚Äú einerseits und der notleidenden Bev√∂lkerung, den Untertanen, anderseits herrschte.

Das Freiburger M√ľnster ist seit 1827 die Kathedrale des Erzbischofs von Freiburg

Die durch Napoleons Politik neu entstanden Landesgrenzen deckten sich nicht mehr mit den tradierten Di√∂zesangebieten der alten Reichskirche. Nach dem Wiener Kongress glich Rom die deutschen Kirchenprovinzen und Bist√ľmer an die neu entstandenen Verh√§ltnisse an. Papst Pius VII. hob am 16. August 1821[5] das Jahrhunderte alte Bistum Konstanz auf und errichtete stattdessen die Erzdi√∂zese Freiburg innerhalb der neuen Oberrheinischen Kirchenprovinz. Erster Erzbischof von Freiburg und Metropolit der Kirchenprovinz wurde wegen Differenzen zwischen der badischen Regierung und der Kurie mit einigen Jahren Versp√§tung erst 1827 Bernhard Boll. Der Sitz des Erzbischofs in dem im s√ľdlichen und √ľberwiegend katholischen Landesteil gelegenen Freiburg zeichnete sich mit Bedacht durch seine r√§umliche Ferne von der evangelisch dominierten Landeshauptstadt Karlsruhe aus.

Der badische Staat √ľbte gem√§√ü einer am 30. Januar 1830 erlassenen Verordnung ein landesherrliches Schutz- und Aufsichtsrecht √ľber die Kirche aus.[79] Dem Erzbischof blieb nur das Recht der kirchlichen Einsetzung der vom Staat ernannten Pfarrer. Kirchensynoden durfte der Bischof nur mit staatlicher Genehmigung und im Beisein staatlicher Kommissare abhalten. Die Stellung der katholischen Kirche, der zwei Drittel der Einwohner Badens angeh√∂rten, war somit sehr eingeengt. Als Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Boll gelang es der Regierung in Karlsruhe, den Wunschkandidaten des Domkapitels, Hermann von Vicari, zu verhindern und den ihr genehmen Kandidaten Ignaz Anton Demeter durchzusetzen. Somit wollte der Staat seine Rechte aus√ľben und die kirchlichen Rechte beschneiden. 1842 konnte der Kandidat Vicari jedoch nicht noch einmal verhindert werden und war nun 26 Jahre lang der neue Leiter des Erzbistums. Im Gegensatz zu seinen Vorg√§ngern stellte sich Vicari dem Konflikt der Kirche mit dem Staat im √∂ffentlich ausgetragenen Schlagabtausch.

Im badischen Katholizismus gab es w√§hrend der ersten H√§lfte des 19. Jahrhunderts noch eine betr√§chtliche Divergenz der Meinungen und viele aufgekl√§rte Katholiken. Der nun von Erzbischof Vicari forcierte Konflikt mit dem Staat brachte den Klerus und die Gl√§ubigen wieder enger zusammen.[80] Die Grund√ľberzeugung von Erzbischof Vicari beruhte auf dem Gedanken, dass die Kirche keiner weltlichen Macht au√üer der des Papstes untergeordnet sein d√ľrfe.[81] Am 3. Januar 1845[5] schr√§nkte der Freiburger Erzbischof Mischehen zwischen Katholiken und Protestanten ein. Alle katholischen Priester wurden verpflichtet, Mischehen nur dann einzusegnen, wenn die katholische Erziehung der Kinder zugesichert wurde. Das badische Innenministerium erkl√§rte diese Anordnung f√ľr nichtig, sah aber von weitergehenden Ma√ünahmen ab.[81] Beim Tod des Gro√üherzogs Leopold 1852 erwartete der Staat von der katholischen Kirche die Feier von Exequien. Dies lehnte der Erzbischof jedoch ab mit der Begr√ľndung, dass die Feier von Exequien nur einem katholischen Gro√üherzog zugestanden h√§tten, f√ľr einen evangelischen Gro√üherzog aber lediglich ein gew√∂hnlicher Trauergottesdienst in Frage komme. Die badische Regierung gab schlie√ülich in diesem Konflikt nach.[82] Anfang M√§rz 1853 erkl√§rte Erzbischof Vicari, dass er trotz des Anspruchs der Regierung auf das Staatskirchensystem nicht mehr l√§nger bereit w√§re, ein Best√§tigungsrecht bei Stellenbesetzungen zu akzeptieren. Au√üerdem k√ľndigte er an, die Ausbildung der Geistlichen in eigenen Einrichtungen vorzunehmen und keine staatlichen Pr√ľfer mehr zuzulassen. Zudem bestand Vicari auf der freien Entfaltung religi√∂ser Orden.[82] Damit war der Badische Kulturkampf er√∂ffnet, der sich in mehreren Phasen und heftigen Auseinandersetzungen mit dem Liberalismus fortsetzen sollte. Der H√∂hepunkt des Kampfes vollzog sich von 1864 bis 1876 und ebbte dann allm√§hlich ab.

Der Erzbischof Christian Roos initiierte die Gr√ľndung der Caritas, welche sein Bischofskaplan Lorenz Werthmann 1897 in K√∂ln durchf√ľhrte. Anfang des 20. Jahrhunderts gingen neue kulturk√§mpferische Angriffe von protestantischen Pfarrern und Gelehrten aus. Besonders hervorgetreten ist dabei der Karlsruher Historiker Arthur Heinrich B√∂htlingk mit seinen Schriften Abwehr und Anklage. Ein offenes Schreiben an Sne. Exz. Erzbischof Dr. N√∂rber zu Freiburg im Breisgau (2., vermehrte, Auflage, Frankfurt am Main 1903) und Das deutsche Volk unterm r√∂mischen Joche (Frankfurt am Main 1907).

Judentum

‚Üí Hauptartikel: Oberrat der Israeliten Badens

Innenansicht der Synagoge in Sulzburg

Durch die Gebietsvergr√∂√üerungen am Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs auch die Zahl der badischen Juden von 2265 im Jahr 1802 bis 1808 auf 14.200.[83] Bedeutende j√ľdische Gemeinden befanden sich neben l√§ndlichen Schwerpunkten in den vormals kurpf√§lzischen St√§dten Heidelberg und Mannheim. Das Badische Judenedikt vom 13. Januar 1809 regelte deren b√ľrger- und kirchenrechtlichen Verh√§ltnisse. Es brachte noch nicht die volle Gleichberechtigung, war aber ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung. Wegen der jahrhundertealten Berufsverbote fristeten viele badische Juden ihr Dasein als Noth√§ndler, als Makler, Hausierer, Tr√∂del- und Leihh√§ndler und waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgesprochen arm. Zu dieser Bev√∂lkerungsschicht z√§hlten anfangs etwa 27 % aller Juden in Baden.[84] In der ersten H√§lfte des 19. Jahrhunderts erfolgte ein allm√§hliches Hineinwachsen der Juden in die b√ľrgerliche Gesellschaft.

Am 4. Mai 1827 entstanden durch Verordnung die 15 badischen Bezirksrabbinate, denen die j√ľdischen Gemeinden unterstellt wurden. Die 1822 in Sulzburg entstandene Synagoge erinnert noch heute an das wachsende Selbstbewusstsein der j√ľdischen Gemeinden in Baden. Eine politische Emanzipation der Juden kam indessen nicht voran, weil die Mehrheit der christlichen Bev√∂lkerung dies ablehnte. Erst im Jahre 1849 erfolgte die Emanzipation in staatsb√ľrgerlicher Hinsicht, so dass von da an Juden in den Landtag w√§hlbar waren. Dieses passive Wahlrecht war bis dahin nicht gegeben, da gem√§√ü der Verfassung von 1818 Abgeordnete einer der drei christlichen Konfessionen angeh√∂ren mussten. Jedoch erst im Jahre 1861 gelang dem Rechtsanwalt Rudolf Kusel als erstem Juden der Einzug in die Zweite Kammer der badischen Landst√§nde. Im Kommunalrecht gab es aber weiterhin Benachteiligungen. Das am 4. Oktober 1862 erlassene Gesetz zur b√ľrgerlichen Gleichstellung der Israeliten brachte dann die volle Emanzipation auf allen Ebenen. In diesem Jahr lebten in Baden 24.099 Juden.[85] Gem√§√ü dem Emanzipationsgesetz hatten die Juden volle Niederlassungsfreiheit und konnten auch Beamte und Lehrer werden. Mit Leopold Hirsch Guggenheim hatte die Gemeinde Gailingen am Hochrhein, die auf eine lange j√ľdische Tradition zur√ľckblicken konnte, von 1870 bis 1884 einen j√ľdischen B√ľrgermeister. Bemerkenswert ist zudem, dass mit der Ernennung des Finanzministers Moritz Ellst√§tter 1868 erstmals ein Angeh√∂riger des mosaischen Glaubens in ein Ministeramt eintrat und dies f√ľr 25 Jahre aus√ľbte. Mit der seit 1862 bestehenden Freiz√ľgigkeit kamen die Juden verst√§rkt von den l√§ndlichen Randgemeinden wie etwa aus Eppingen in die gr√∂√üeren St√§dte. Dort gingen sie h√§ufig kaufm√§nnischen Berufen nach. Der Zuzug der meist orthodoxen Juden vom Land in die von reformorientierten Juden dominierten Gemeinden der St√§dte war nicht frei von Spannungen. In Karlsruhe f√ľhrte dies zur Bildung einer neo-orthodoxen Austrittsgemeinde. Davon abgesehen war das Verh√§ltnis der beiden Richtungen des Judentums in Baden frei von gr√∂√üeren St√∂rungen.

Die steigende Anzahl der Mitglieder und deren wachsender Wohlstand erm√∂glichten den Bau repr√§sentativer Synagogen. Davon zeugten viele zumeist w√§hrend der Novemberpogrome 1938 zerst√∂rte Beispiele. Zu nennen sind hier die 1851 bis 1855 erbaute Hauptsynagoge in Mannheim, die 1850/51 erbauten Synagogen in Kippenheim und M√ľllheim, die 1861 errichtete Synagoge in Ihringen, die 1869/70 erbaute Synagoge in Freiburg, die 1872 bis 1875 durch Josef Durm erstellte Synagoge in Karlsruhe, die 1877/78 von Karl Hermann Behaghel errichtete Synagoge in Heidelberg, die 1880/81 erbaute Synagoge in Bruchsal, die 1882/83 erstellte Synagoge in Konstanz, die 1889 vollendete Synagoge in Ettlingen sowie die 1893 durch Ludwig Levy erbaute Synagoge in Pforzheim.

Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhundert erlebte der bereits f√ľr √ľberwunden geglaubte Antisemitismus auch in Baden einen neuen Auftrieb. Der Oberrat der Israeliten Badens sah sich gezwungen, in diesen Jahren h√§ufiger gegen antisemitische Hetze einzuschreiten. 1890 war die j√ľdische Bev√∂lkerung in Baden auf 27.000 Personen angewachsen, was einem Anteil von 1,6 % der badischen Gesamtbev√∂lkerung entsprach.[86] Bei den Synodalwahlen im Februar 1894 siegten die liberalen √ľber die orthodoxen Juden.

Kultur

Schwarzwälderin um das Jahr 1900

Dialekte

‚Üí Hauptartikel: Badische Dialekte

Bei den badischen Dialekten bzw. beim ‚ÄěBadischen‚Äú handelt es sich nicht um eine eigene, linguistisch in sich koh√§rente Dialektgruppe. Der Begriff des ‚ÄěBadischen‚Äú leitet sich vom Territorium des zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden Gro√üherzogtums Baden ab. Das ‚ÄěBadische‚Äú umfasst die Dialektgruppen Kurpf√§lzisch, S√ľdfr√§nkisch, Ostfr√§nkisch, Niederalemannisch, Hochalemannisch und Schw√§bisch.

Brauchtum und Vereine

Am 22. September 1881 fand in Karlsruhe ein historischer Festzug statt, an dem sich mehrere tausend Protagonisten beteiligten. Der Umzug fand aus Anlass der silbernen Hochzeit des Gro√üherzogpaares und der Eheschlie√üung von deren beider Tochter Viktoria mit dem schwedischen Kronprinzen Gustav statt. √úber 100.000 Schaulustige s√§umten die Stra√üen entlang des Umzugs. Von den sieben Abteilungen des historischen Festzugs stie√ü insbesondere die Abteilung VI auf reges Interesse beim Publikum. Die etwa 800 Teilnehmer in dieser Abteilung gliederten sich in drei Gruppen, die auf Festwagen ein gr√ľnes, ein silbernes und ein goldenes Hochzeitspaar in ihrer Mitte f√ľhrten. Das besondere waren dabei die Trachten, die die Leute in der Abteilung VI zur Schau trugen. Damit sollte die kulturelle Vielfalt Badens gezeigt werden. Im Alltag allerdings spielten Trachten zu dieser Zeit schon keine gro√üe Rolle mehr und wurden nur noch in wenigen Gegenden getragen. Deshalb war der Organisator der Abteilung VI, der Maler Johann Baptist Tuttin√©, dazu gezwungen, nicht mehr vorhandene Trachten nach historischen Originalen nachschneidern zu lassen. So gab es eine R√ľckbesinnung auf die verlorenen Traditionen und erst danach wurde Gutacher Bollenhuttracht, auch gef√∂rdert durch die Gutacher Malerkolonie, zum Markenzeichen f√ľr den Schwarzwald.

Als √ľberkommene allabendliche Freizeitbesch√§ftigung geh√∂rte der Besuch eines nahe gelegenen Wirtshauses auch in Baden f√ľr viele M√§nner zum Standardritual. Neben dem Genuss von Badischem Wein oder Bier wurde Karten gespielt oder mitunter durchreisende Schausteller bewundert. Auch wenn es galt, eine Taufe oder Hochzeit zu feiern oder einen Leichenschmaus abzuhalten, waren die Schankwirte am Ort gefragt.[48]

1859 gr√ľndete sich der Badische Frauenverein.[87] Der Verein war b√ľrgerlich-konservativ und setzte sich f√ľr die Teilnahme von Frauen am √∂ffentlichen Leben ein, jedoch nicht verbunden mit der Forderung nach voller Gleichberechtigung oder gar dem Wahlrecht.[88] Der Frauenverein vertrat vielmehr ein Bild ‚Äěf√ľrsorglicher Weiblichkeit‚Äú und widmete sich karitativen und sozialen Aufgaben. 1866 schloss sich der Frauenverein dem Badischen Roten Kreuz an.[89]

1864 fand in Freiburg die Gr√ľndung des badischen Schwarzwaldvereins statt. Es war der erste deutsche Gebirgsverein. Zur besonderen Attraktionen des Fremdenverkehrs im Gro√üherzogtum entwickelte sich seit den 1890er-Jahren der Skisport in der Gegend um Bernau, Triberg, Todtnau und den Feldberg. 1862 entstand in Karlsruhe in Anwesenheit von Repr√§sentanten aus 42 badischen Gesangvereinen der Badische S√§ngerbund. Der Karlsruher M√§nnergesangsverein Liederhalle Karlsruhe entwickelte sich wie viele andere M√§nnergesangsvereine in der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts zu einer nationalistischen bzw. ‚Äěvaterl√§ndischen‚Äú Bewegung. Aber nicht nur in b√ľrgerlichen Kreisen sondern auch in der Arbeiterschaft waren Gesangsvereine sehr beliebt. Die Arbeiters√§nger bildeten die gr√∂√üte Gruppe innerhalb der Arbeiterkulturbewegung, die der Sozialdemokratie nahe stand. 1914 geh√∂rten etwa 13.000 S√§ngerinnen und S√§nger den 108 badischen Arbeitergesangsvereinen an.[90]

1909 schlossen sich der 1904 gegr√ľndete Badische Verein f√ľr Volkskunde und der 1902 gegr√ľndete Verein f√ľr l√§ndliche Wohlfahrtspflege zum neuen Landesverein Badische Heimat zusammen.

Badenweiler, um 1900

Als mond√§ne Orte der Begegnung f√ľr Europas Elite aus Adel, Industriellen, Politikern, K√ľnstlern und Wissenschaftlern galt die Stadt Baden in Baden mit der dortigen Spielbank, die jedoch wegen der von der Reichsregierung verf√ľgten Schlie√üung aller deutschen Spielbanken 1872 ihren Betrieb einstellen musste. Ein Anziehungspunkt f√ľr die feine Gesellschaft waren auch die seit 1858 auf der Pferderennbahn in Iffezheim durchgef√ľhrten Galopprennen. Ebenfalls beliebt war der Badeort Badenweiler.

Schulwesen

Die Grundz√ľge des nach Konfessionen getrennten Volksschulwesens in der Markgrafschaft Baden lie√üen sich auch auf die Anfang des 19. Jahrhunderts neu erworbenen Gebiete √ľbertragen. Die allgemeine Schulpflicht f√ľr Jungen galt vom 6. bis zum 14. Lebensjahr, f√ľr M√§dchen nur bis zum 13. Lebensjahr.[91] Auf der Ebene der h√∂heren Schulen kam es zun√§chst zu keiner Vereinheitlichung, so dass je nach Landstrich Lateinschulen, P√§dagogien, Gymnasien oder Lyzeen anzutreffen waren.[92]

Am Anfang der drei√üiger Jahre kam es zur Neuordnung des Schulsystems. Der Besuch eines Lyzeums war seither zwingende Voraussetzung f√ľr ein Studium an der Universit√§t.

W√§hrend des Kulturkampfes zwischen dem badischen Staat und der katholischen Kirche f√ľhrte die Regierung im Laufe der Jahre 1868 bis 1876 die Simultanschule ein.

1893 wurde mit dem Lessing-Gymnasium das erste deutsche M√§dchengymnasium in Karlsruhe gegr√ľndet. Sehr bedeutende Sch√ľlerinnen waren zum Beispiel Magdalena Meub und Rahel Straus.

Hochschulen

Die alte Markgrafschaft Baden hatte keine eigene Universit√§t und erlangte durch die Gebietserweiterungen Anfang des 19. Jahrhunderts die Universit√§ten von Heidelberg und Freiburg. Die von der Kurpfalz √ľbernommene Universit√§t Heidelberg war in einem desolaten Zustand und musste deshalb komplett reorganisiert werden. Sie erhielt eine protestantisch-norddeutsche Ausrichtung und bezog ihre Studenten zum √ľberwiegenden Teil aus dem nichtbadischen Ausland. Die Zahl der Lehrst√ľhle bewegte sich zu Anfang des 19. Jahrhunderts um 25 bis 30, die Zahl der Studenten stieg von anfangs 400 auf 800 im Jahre 1830.[93]

Die Universit√§t Freiburg bewahrte ihre s√ľddeutsch-katholische Eigenart und verf√ľgte zun√§chst √ľber 24 Lehrst√ľhle. Die Zahl der Studenten kletterte im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts von 200 auf bis zu 600. Die meisten von ihnen stammten aus Baden, so dass Freiburg den Charakter einer Landesuniversit√§t annahm, im Gegensatz zum weltoffenen Heidelberg.[93]

Am 7. Oktober 1825[5] wurde in Karlsruhe die Polytechnische Schule gegr√ľndet. Sie verstand sich als Erg√§nzung der beiden Landesuniversit√§ten in Heidelberg und Freiburg und war die erste technische Schule ihrer Art in Deutschland. Ihre Bedeutung und Leistungsf√§higkeit wuchs mit der Reorganisation durch Karl Friedrich Nebenius im Jahre 1832 und der Integration von Johann Gottfried Tullas Ingenieurschule und Friedrich Weinbrenners Bauschule. Von 1841 bis zu seinem Tod 1863 war Ferdinand Redtenbacher Professor f√ľr Mechanik und Maschinenlehre am Karlsruher Polytechnikum. Einer seiner Studenten war der Autopionier Carl Benz. Im Jahre 1865 erlangte das Polytechnikum die Rechte einer Technischen Hochschule. 1885 wurde die Umbenennung der Polytechnischen Schule in Technische Hochschule Karlsruhe vollzogen.[94] 1886 gelang Heinrich Hertz an der TH Karlsruhe der experimentelle Nachweis elektromagnetischer Wellen.

1854 erfolgte die Gr√ľndung der Gro√üherzoglich Badischen Kunstschule Karlsruhe, welche 1892 zur Akademie aufstieg.

Das Jahr 1900 brachte die gesetzlich Einf√ľhrung des Frauenstudiums. Nachdem Frauen an der Philosophischen Fakult√§t der Universit√§t Heidelberg seit 1895 widerruflich studieren konnten, wurde ihnen in Baden als erstem deutschen Land per Erlass vom 28. Februar 1900 der volle Zugang zum Universit√§tsstudium erm√∂glicht. Die Wurzeln der Universit√§t Mannheim reichen zur√ľck auf die 1907 auf Initiative des Mannheimer B√ľrgertums gegr√ľndete st√§dtische Handelshochschule.

Belletristische Literatur

Denkmal des Dichters Johann Peter Hebel von Wilhelm Gerstel im Hebelpark in Lörrach

Die Belletristik in Baden war geprägt von Namen wie Johann Peter Hebel, Alban Stolz, Joseph von Auffenberg, Joseph Victor von Scheffel und Heinrich Hansjakob. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wirkten Emil Strauß, Emil Gött, Alfred Mombert und Hermann Burte.

Als Lyriker bekannt wurden Emanuel von Bodman und Wilhelm Weigand. Ebenfalls einen Bezug zu Baden hatte der s√ľddeutsche Schriftsteller Alexander von Bernus. Zu seiner Zeit sehr bekannt war auch Rudolph Stratz. Als weitere Schriftsteller und Heimatdichter von eher regionaler Bedeutung lassen sich Emil Frommel und Adolf Schmitthenner nennen.

Musik und Schauspiel

Mit der Badischen Staatskapelle besa√üen die Markgrafen von Baden-Durlach seit 1662 eine Hofkapelle, die 1808 unter der Bezeichnung Gro√üherzoglich Badische Hofkapelle dem 1808 neu gegr√ľndeten Gro√üherzoglichen Hoftheater angegliedert wurde. Neben dem Hoftheater in Karlsruhe gab es aus kurpf√§lzischer Zeit das Nationaltheater Mannheim, welches am 16. April 1839 vom badischen Staat an die Stadt Mannheim √ľberging. Die Mannheimer B√ľhne erfuhr in den folgenden Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung dank des Kapellmeisters Vinzenz Lachner. Das am 28. Februar 1847 w√§hrend einer Vorstellung am Gro√üherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe ausgebrochene Feuer zerst√∂rte das Geb√§ude vollst√§ndig und kostete 63 Besucher in den oberen billigen R√§ngen das Leben. Der von Hofarchitekt Heinrich H√ľbsch errichtete Nachfolgebau wurde 1853 fertiggestellt und unter Theaterleiter Eduard Devrient er√∂ffnet. Devrients Nachfolger als Generalintendant am Hoftheater war von 1875 bis 1889 Gustav zu Putlitz. 1864 wurde Hermann Levi Hofkapellmeister in Karlsruhe. 1875 √ľbernahm Felix Otto Dessoff die Kapelle, dem 1880 Felix Mottl folgte, der bis 1904 Hofkapellmeister in Karlsruhe blieb.

Zeitungen

Im sp√§ten 18. Jahrhundert kam es in der Markgrafschaft Baden zum Aufschwung des Buchhandels und zur Gr√ľndung von Lesegesellschaften, die insbesondere vom Bildungsb√ľrgertum der St√§dte Karlsruhe, Baden, Rastatt und Pforzheim getragen wurden.

Zeitungen konnten gem√§√ü der Anfang des 19. Jahrhunderts in Baden geltenden Zensurordnung weitgehend ungehindert erscheinen. Ende 1810 mussten jedoch auf Gehei√ü aus Frankreich alle politischen Zeitungen verboten werden. Lediglich die 1757 gegr√ľndete Karlsruher Zeitung durfte als Gro√üherzoglich Badische Staatszeitung unter Aufsicht des Au√üenministeriums weiter erscheinen. 1817 nahm diese Zeitung zwar wieder den alten Namen an, blieb aber weiterhin staatlich kontrolliert. Deshalb waren √ľberregionale deutsche Zeitungen wie etwa der kurzlebige Rheinische Merkur oder die Allgemeine Zeitung sehr bedeutend. Ab 1833 erschien in Karlsruhe die Zeitung Badischer Merkur.[51]

Im Vorm√§rz entwickelten sich in der badischen Presselandschaft neben unpolitischen Zeitungen auch einige sehr politische Bl√§tter wie etwa die Konstanzer Seebl√§tter oder die 1847 in Heidelberg gegr√ľndete und 1848 nach Frankfurt verlegte Deutsche Zeitung, welche w√§hrend der Revolution aufbl√ľhten und in der Reaktionszeit nach 1849 deutliche R√ľckschl√§ge erlitten. Erst in der Zeit der neuen √Ąra ab 1860 und der Pressefreiheit kam es wieder zu einer raschen Politisierung der Presse. Noch waren die Gesamtauflagen bis 1870 gering, aber in den folgenden Jahren stieg die Zahl der Zeitungen auf 186 bei einer Gesamtauflage von 600.000 Exemplaren.[86]

Im Jahre 1870 gab es in Baden 57 Zeitungen.[86] Davon waren acht parteilos, wohingegen der Rest eine parteipolitische Orientierung vorgab. 38 Zeitungen verstanden sich als liberale Bl√§tter.[86] Als wichtige nationalliberale Zeitung mit hohem Anspruch erschien die 1849 gegr√ľndete Badische Landeszeitung in einer Auflage von bereits 6000 Exemplaren in den sechziger Jahren. Weitere liberale Zeitungen waren seit 1849 die Breisgauer Zeitung aus Freiburg, seit 1858 die Heidelberger Zeitung und ab 1867 das Mannheimer Tageblatt.[95]

Zwei Bl√§tter in Baden geh√∂rten 1870 der demokratisch-freisinnigen Richtung an.[86] Als f√ľhrendes Blatt galt der Mannheimer Anzeiger, welcher 1866 in Neue Badische Landeszeitung umbenannt wurde.[95]

Sechs Zeitungen standen 1870 im Umfeld der Katholischen Volkspartei.[86] Im Jahre 1859 erwarb die katholische Presse den Karlsruher Anzeiger, der seit 1863 als Badischer Beobachter erschien.[95] Der Badischer Beobachter hatte 1913 eine Auflage von 13.000 St√ľck und verstand sich als Meinungsf√ľhrer des badischen Katholizismus.[95]

Drei Zeitungen im Gro√üherzogtum Baden waren 1870 konservativ.[86] Seit 1867 erschien f√ľr einige Jahre die konservative Warte in Lahr, seit 1876 mit Unterbrechungen bis 1907 in Karlsruhe die Badische Landpost.[95]

F√ľr die Sozialdemokratie gab es seit 1881 den Volksfreund, dessen Vorl√§ufer der 1879 in Kehl gegr√ľndete Rhein-Bote war.[95] W√§hrend der Zeit der Sozialistengesetze konnte der Volksfreund nicht regul√§r erscheinen, entfaltete aber nach 1890 wieder seine Wirkung und war ab 1904 das offizielle Organ der SPD mit Sitz in Karlsruhe.[95] Als weitere Sozialdemokratische Bl√§tter traten seit 1890 die in Mannheim erschienene Volksstimme und die seit 1911 herausgebrachte Freiburger Volkswacht in Erscheinung.

Als Pressezentren fungierten die St√§dte Karlsruhe und Mannheim, aber wegen der langgestreckten Nord-S√ľd-Achse entlang des Rheins entwickelte sich in Baden daneben eine gro√üe regionale Vielfalt an Zeitungen. Weitere Beispiele daf√ľr sind die Badische Presse, das Durlacher Wochenblatt, die Freiburger Zeitung, das Heidelberger Journal, die Konstanzer Zeitung, das Lahrer Wochenblatt, das Mannheimer Journal, der Oberl√§nder Bote, der Weinheimer Anzeiger sowie das Wochenblatt f√ľr die Bezirke Schwetzingen und Philippsburg.

Nichtbadische Zeitungen fanden ebenfalls eine gro√üe Leserschaft. Darunter befand sich die freikonservative Stra√üburger Post, der Schw√§bische Merkur und der Schwarzw√§lder Bote. In S√ľdbaden spielte die linksliberale National-Zeitung aus Basel eine Rolle. Im badischen Kulturkampf bedeutend war auch die ausw√§rtige Zeitung Germania.

Architektur und bildende K√ľnste

Wichtige badische Architekten des Vorm√§rz waren der herausragende Stadtplaner und Baumeister Friedrich Weinbrenner sowie dessen Sch√ľler Heinrich H√ľbsch und Friedrich Eisenlohr. Um die Jahrhundertmitte ragte Karl Joseph Berckm√ľller hervor. In der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts gab es Josef Durm und Friedrich Ratzel als Vertreter der Neorenaissance, Carl Sch√§fer als Vertreter der Neogotik sowie Hermann Billing und August St√ľrzenacker als Wegbereiter der Jugendstils. Den Mannheimer Rosengarten errichtete der Berliner Architekt Bruno Schmitz.

Einer der √§ltesten deutschen Kunstvereine ist der 1818 in Karlsruhe unter der urspr√ľnglichen Bezeichnung Kunst- und Industrie-Verein f√ľr das Gro√üherzogthum Baden gegr√ľndete Badische Kunstverein. F√ľr die √Ėffentlichkeit zug√§ngliche Kunstsammlungen gab es in Form der 1846 fertiggestellten Gro√üherzoglichen Gem√§ldegalerie in Karlsruhe und seit 1907 in der Kunsthalle Mannheim. 1909 er√∂ffnete die Kunsthalle Baden-Baden.

Als bedeutende badische Maler der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu nennen sind Carl Rottmann, Carl Ludwig Frommel, Ernst Fries, Franz Xaver Winterhalter und Marie Ellenrieder.

Nach der badischen Revolutionszeit gingen wichtige kulturelle Impulse von der 1854 gegr√ľndeten Gro√üherzoglich Badischen Kunstschule aus, deren erster Direktor Johann Wilhelm Schirmer die Landschaftsmalerei pr√§gte. Ebenfalls f√ľr dieses Genre bekannt war der Leiter der Karlsruher Gem√§ldegalerie, Carl Friedrich Lessing. Weitere ber√ľhmte Lehrer an der Kunstschule in Karlsruhe waren Gustav Sch√∂nleber, Leopold von Kalckreuth, Hans Thoma, Ludwig Dill und Wilhelm Tr√ľbner. Zu den Sch√ľlern der Kunstakademie z√§hlten der Landschaftsmaler Alexander Koester, der Impressionist Friedrich Kallmorgen sowie die beiden Expressionisten Albert Haueisen und Karl Hofer. Als plastische K√ľnstler von Rang zu nennen sind Karl Albiker und Wilhelm Gerstel.

Wirtschaftliche Entwicklung bis 1918

Badische T√ľftler

Holzdraisine (hier von ca. 1820), die Urform des heutigen Fahrrads und das erste Fortbewegungsmittel auf Grundlage des Zweiradprinzips
Benz Patent-Motorwagen Nr. 3, mit dem Bertha Benz 1888 von Mannheim nach Pforzheim fuhr

Das in Baden gut entwickelte Schul- und Hochschulwesen f√ľhrte dazu, dass das Land w√§hrend des gesamten 19. Jahrhunderts viele wegweisende Erfindungen hervorbrachte, die oft von T√ľftlern in heimischen Werkst√§tten entwickelt wurden. Diese Erfindungen entfalteten teilweise erst im 20. Jahrhundert ihre volle wirtschaftliche Wirkung und d√ľrfen daher f√ľr das 19. Jahrhundert in erster Linie als wichtige wissenschafts- und technikgeschichtliche Ereignisse verstanden werden. Zu nennen sind hier in erster Linie die Namen von den drei badischen Pionieren der Mobilit√§t: Karl-Friedrich von Drais erfand das erste Fahrrad, Emil Ke√üler war der badische Vorreiter des Lokomotivbaus und Carl Benz baute das erste Automobil. 1886 erhielt Benz sein Kraftwagenpatent und 1888 ging die Pionierfahrt seiner Frau Berta in die Automobilgeschichte ein. Weitere wichtige Impulse gingen zum Beispiel von den Erfindern und Fabrikanten Lorenz Bob, Johann Weck, Georg van Eyck, Albert Nestler, Friedrich August Haselwander und Heinrich Lanz aus. F√ľr die Erzeugung von Musikautomaten im Schwarzwald waren die Entwicklungen von Ignaz Blasius Bruder und Michael Welte, dem Inhaber der Firma M. Welte & S√∂hne, wegweisend.

Weg ins Industriezeitalter

Um die Jahrhundertmitte begann der Weg Badens ins Industriezeitalter. Als f√ľr Baden wichtige Wirtschaftsbereiche erwiesen sich die traditionelle Textilerzeugung in S√ľdbaden, die Metallverarbeitung und der Maschinenbau mit Schwerpunkten in Mannheim, Karlsruhe und Gaggenau, die Herstellung von Schmuck, Uhren und Silberwaren in Pforzheim sowie die Lebensmittelindustrie in Singen, wo der aus Z√ľrich kommende Julius Maggi eine f√ľr den deutschen Markt bedeutende Konservenfabrik errichtet hatte. Daneben spielte in den l√§ndlichen Regionen des Schwarzwalds und des Odenwalds Heimarbeit weiterhin eine bedeutende soziologische Rolle. Zum Teil kamen von daher die typischen Souvenirs, die der aufkommende Schwarzwaldtourismus begehrte. Von den im 18. Jahrhundert im Schwarzwald entstandenen Glash√ľtten gab es 1867 in Baden noch sechs H√ľtten mit 250 Besch√§ftigten,[96] da die Glasbl√§ser bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts noch von den g√ľnstigen Holzpreisen profitierten. Auf die Dauer konnten sie sich jedoch gegen die Konkurrenz kapitalstarker Gro√übetriebe nicht behaupten.

In der Landwirtschaft wichtig war neben dem Anbau von Getreide, R√ľbenzucker, Zichorie, Hopfen und Weintrauben der Tabak. Von 1850 bis 1861 stieg die Zahl der Zigarrenfabriken von 28 auf 172 an.[97]

Wegen des steigenden Fleischkonsums in den Gro√üst√§dten kam der Zucht von Schweinen und Rindern eine stetig steigende Bedeutung zu. Der Pferdebestand wuchs dagegen im betrachteten Zeitraum kaum und war sp√§ter leicht r√ľckl√§ufig, da Pferde als Zugtiere zunehmend durch Maschinen ersetzt werden konnten. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Viehbest√§nde im Gro√üherzogtum Baden.[98]

Jahr Pferde Rinder Schweine
1816 71.000 414.300  ?
1855 68.600 582.400 245.400
1867 74.821 607.825 339.568
1900 71.692 651.754 497.923
1913 69.323 684.508 581.024

Die Annexion von Elsass-Lothringen f√ľr das neu errichtete Reich verschaffte dem Gro√üherzogtum ein bisher ungekanntes Ma√ü an Sicherheit, da eine direkte Bedrohung des badischen Territoriums durch einen jederzeit f√ľr m√∂glich gehaltenen Angriff Frankreichs nun abgewendet war. Baden war 1871 zu einem deutschen Binnenland mutiert und profitierte vom wirtschaftlichen Aufschwung der so genannten Gr√ľnderzeit, wenngleich die kurze Phase des Booms nach dem Krieg mit dem Gr√ľnderkrach zun√§chst einen geh√∂rigen D√§mpfer erfuhr.

Die Zahlen der Beschäftigten nach den Gewerbezählungen in Baden waren 1875 und 1907 folgende:[99]

Branche Zahl der Beschäftigten 1875 Zahl der Beschäftigten 1907
Steine und Erden 8.798 22.591
Metallverarbeitung 19.898 51.194
Maschinenbau 14.680 44.055
Textilindustrie 27.686 37.495
Holz- und Schnitzindustrie 20.764 32.505
Papier und Lederindustrie 7.962 20.457
Nahrungs- und Genussmittelindustrie 33.463 71.845
Bekleidung und Reinigung 39.455 47.292
Baugewerbe 21.608 65.672
Handel 21.149 59.310
Verkehr 3.243 11.300
Gastwirtschaft und Beherbergung 11.434 33.611
Summe 238.409 522.946

Mit der Hochindustrialisierung traten als weitere Industriezweige noch die Elektrotechnik und die Gro√üchemie hinzu. Als Industriezentrum ersten Ranges entwickelte sich Mannheim. Die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Neckar war die Drehscheibe der Produktion und des Handels f√ľr ganz S√ľdwestdeutschland.

Im Jahre 1905 gab es die folgenden wichtigen Industriezweige in Mannheim:[100]

Branche Zahl der Beschäftigten Zahl der Betriebe
Maschinen ‚Äď und Apparatebau, Metallverarbeitung 11.951 138
Gummi- und Lederindustrie 2.677 8
Nahrungs- und Genussmittelindustrie 2.645 173
Textil- und Bekleidungsgewerbe 2.431 181
Chemische Industrie 1.709 15
Holzindustrie 1.676 48

Von der wirtschaftlichen Kraft Mannheims profitierte auch das gegen√ľberliegende Rheinufer. Obwohl Ludwigshafen zur bayerischen Pfalz geh√∂rte, siedelte sich dort die Badische Anilin- & Soda-Fabrik an. In Heidelberg spielte die Herstellung von Zement eine zunehmende Rolle.

Meilensteine des Fortschritts im Eisenbahnbau waren die schrittweise Fertigstellung der Badischen Hauptbahn von Mannheim √ľber Heidelberg (1840), Karlsruhe (1843), Freiburg (1845) und Basel (1855) nach Konstanz (1863), 1873 die Fertigstellung der Schwarzwaldbahn, und 1887 die Inbetriebnahme der H√∂llentalbahn, womit die Erschlie√üung des Hochschwarzwalds m√∂glich wurde. 1912 war die Betriebsl√§nge der badischen Eisenbahn auf 1.784 km angewachsen.[101] Die Menge an bef√∂rderten G√ľtern auf der Schiene betrug im selben Jahr 21,55 Millionen Tonnen.[101]

Meilensteine der Elektrifizierung in Baden waren 1884 der Beginn der Stromerzeugung an den Triberger Wasserfällen, die Eröffnung der Rheinkraftwerke Rheinfelden (1898) und Laufenburg (1914) und 1898 der Beginn der flächendeckenden Elektrifizierung Mannheims mit dem Aufbau eines Stromnetzes.

Die fortschreitende Industrialisierung f√ľhrte dazu, dass im Jahre 1907 nur noch ein Drittel der Bewohner Badens mit der Landwirtschaft verbunden waren.[102]

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Berufsgliederung der Bev√∂lkerung Badens im sp√§ten 19. und fr√ľhen 20. Jahrhundert:[101]

Jahr[103] Landwirtschaft[104] Industrie[105] Dienstleistung[106] Sonstige[107]
1882 49,1 % 31,6 % 9,0 % 10,3 %
1895 42,4 % 34,8 % 9,9 % 12,9 %
1907 32,7 % 40,3 % 12,8 % 14,2 %

Politische Entwicklung von 1900 bis 1918

Am Beginn des 20. Jahrhunderts

Großherzogin Luise und Großherzog Friedrich I. von Baden auf einem Bildnis von Hanns Fechner aus dem Jahre 1902

Im Jahre 1904 √§nderten sich die Wahlmodalit√§ten zum Landtag grundlegend. An die Stelle der bisherigen 63 Sitze der Zweiten Kammer trat nun eine Zahl von 73 Mandaten. Die W√§hler durften ihre Abgeordneten seither in direkter und geheimer Wahl bestimmen. Nach den Landtagswalen 1905 war das Zentrum mit 28 Mandanten noch vor den Nationalliberalen mit 23 Abgeordneten die st√§rkste Fraktion. Von den weiteren im Landtag vertretenen Parteien verf√ľgte die SPD √ľber 12 Mandate, die linksliberale Deutsche Volkspartei √ľber 5 Mandate, die Konservativen √ľber drei Mandate sowie die Freisinnige Volkspartei und der Bund der Landwirte √ľber je ein Mandat. Um den politischen Einfluss des Zentrums einzud√§mmen, gingen die drei liberalen Parteien eine wahltaktische Absprache mit der SPD ein, die unter der Bezeichnung Gro√üblock im ganzen Reich f√ľr Aussehen sorgte. Die SPD galt zu jener Zeit als eine Partei, die die bestehende Staatsform ablehnte. In Baden schreckten die sozialdemokratischen Abgeordneten vor einer Unterst√ľtzung der Regierungspolitik nicht mehr zur√ľck und ernteten damit schwere Kritik von der SPD-F√ľhrung aus Berlin. F√ľr den eigensinnigen badischen Weg standen Sozialdemokraten wie Wilhelm Kolb oder Ludwig Frank Pate. Im Jahre 1906 wurde Gro√üherzog Friedrich achtzig Jahre alt. Gleichzeitig j√§hrte sich seine Regierungszeit als Gro√üherzog sowie seine Hochzeit zum f√ľnfzigsten Mal. Die Doppelfeier des Geburtstages und der Goldenen Hochzeit feierte das gro√üherzogliche Paar mit gro√üer Pracht. Bereits im folgenden Jahr verstarb der allseits beliebte Landesvater und es folgte ihm sein gleichnamiger Sohn Friedrich II. auf dem Thron nach. Am Trauerzug seines Vaters nahmen sogar Abgeordnete der SPD teil.

Als bei den Landtagswahlen 1909 das Zentrum mit 26 Mandaten etwas zur√ľckfiel, konnte die SPD ihre Position im Landtag auf Platz zwei verbessern. Mit 20 Mandaten lag sie noch vor den Nationalliberalen, die es diesmal auf nur 17 Mandate gebracht hatten. Die restlichen zehn Mandate verteilten sich auf Abgeordnete kleinerer Parteien. Die Fortsetzung der Gro√üblockpolitik war nun f√ľr die Nationalliberalen unumg√§nglich, und Innenminister Bodman √§u√üerte sich am 13. Juli 1910 dahingehend, dass er die SPD als ‚Äěeine gro√üartige Emanzipationsbewegung des vierten Standes‚Äú bezeichnete. Daf√ľr galt er dann in der b√ľrgerlichen Presse insbesondere au√üerhalb Badens als ‚Äěroter Minister‚Äú.

Baden während des Ersten Weltkriegs

Als in der internationalen politischen Julikrise des Jahres 1914 die milit√§rischen Kreise in Berlin den Ausbruch des Ersten Weltkriegs forcierten, konnten sie der deutschen Bev√∂lkerung den Eindruck vermitteln, dass der Waffengang dem Reich von seinen Feinden aufgezwungen worden w√§re. Dies l√∂ste eine unglaubliche Begeisterung am Dienst f√ľrs Vaterland aus. Noch konnte sich offenbar niemand vorstellen, welche Gr√§uel ein Krieg mit den modernen Waffen des 20. Jahrhunderts mit sich bringt. Auch die Bewohner Badens lie√üen sich von der allgemeinen Kriegsbegeisterung mitrei√üen. Der Reichstagsabgeordnete Ludwig Frank (SPD) meldete sich freiwillig zur Armee und fiel bereits Anfang September in Lothringen.

Mit der Revolution im November 1918 endete die Funktion des Schlosses in Karlsruhe als großherzogliche Residenz

Zu Kriegsbeginn k√§mpften die badischen Truppen im Elsass. Bei der burgundischen Pforte verlief die Front sogar auf reichsdeutschem Gebiet und der Gefechtsl√§rm war am Oberrhein gut zu h√∂ren. Die St√§dte zwischen L√∂rrach und Offenburg wurden zu ersten Opfern von Angriffen aus der Luft, und selbst Karlsruhe und Mannheim waren nicht mehr sicher. Der folgenschwerste Luftangriff des Ersten Weltkriegs ereignete sich am 22. Juni 1916 in Karlsruhe. Franz√∂sische Flugzeuge bombardierten ein Zirkuszelt, als gerade die Nachmittagsvorstellung lief. Dabei starben 85 Kinder und 35 Erwachsene, haupts√§chlich Frauen. Der Luftkrieg √ľber Baden forderte 218 zivile Todesopfer. Im Ersten Weltkrieg starben √ľber 62.000 badische Soldaten, fast 6 % der m√§nnlichen Bev√∂lkerung gem√§√ü dem Stand des Jahres 1910.[108] Die Zahl der Verwundeten betrug mehr als das Doppelte. Diese Opferzahlen und die zunehmenden Einschr√§nkungen bei der Versorgung der Bev√∂lkerung mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln, Medikamenten und sonstigen G√ľtern des t√§glichen Bedarfs f√ľhrten ab 1917 zu ersten Streiks in den Industriezentren. Der neue Ministerpr√§sident Bodman w√§re in dieser Lage bereit gewesen, politische Zugest√§ndnisse zu machen, wurde jedoch vom Gro√üherzog zur√ľckgehalten. Im August 1918 konnte das Land noch sein 100-j√§hriges Verfassungsjubil√§um begehen.

Novemberrevolution in Baden

Als der Krieg sein viertes Jahr bereits um einige Monate √ľberschritten hatte, eskalierte die Stimmung in Norddeutschland bei den Kieler Matrosen und schlug in offene Meuterei um, als sie zur Seeschlacht gegen die britische Flotte auslaufen sollten. Von dort breitete sich der Ungehorsam wie ein Fl√§chenbrand im ganzen Reich aus. Die in Baden unblutig verlaufende Novemberrevolution f√ľhrte zur Flucht des Gro√üherzogs aus seiner Residenzstadt Karlsruhe. Er zog sich mit seiner Frau Hilda nach Badenweiler zur√ľck. Die Regierung Bodman, die letzte des Gro√üherzogs, machte der neuen Badischen Volksregierung, einem Allparteienkabinett, platz. Am 22. November 1918 dankte der Gro√üherzog offiziell ab und f√ľhrte seitdem als Chef des Hauses Baden den Namen Markgraf von Baden. Diese Abdankung erfolgte auch im Namen seines erbberechtigten Vetters Prinz Max von Baden, welcher am 9. November als Reichskanzer eigenm√§chtig die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. verk√ľndet hatte.

Literatur

  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, ISBN 3-88190-273-2.
  • Frank Engehausen: Kleine Geschichte des Gro√üherzogtums Baden. DRW-Verlag Weinbrenner, Leinfelden-Echterdingen 2005, ISBN 3-7650-8328-3.
  • Hans Fenske: Allgemeine Geschichte S√ľdwestdeutschlands im 19. Jahrhundert. In: Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-w√ľrttembergischen Geschichte. Band 3: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Im Auftrag der Kommission f√ľr geschichtliche Landeskunde in Baden-W√ľrttemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91467-6, S. 1‚Äď23.
  • Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. In: Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-w√ľrttembergischen Geschichte. Band 3: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Im Auftrag der Kommission f√ľr geschichtliche Landeskunde in Baden-W√ľrttemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91467-6, S. 79‚Äď132.
  • Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. In: Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-w√ľrttembergischen Geschichte. Band 3: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Im Auftrag der Kommission f√ľr geschichtliche Landeskunde in Baden-W√ľrttemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91467-6, S. 133‚Äď234.
  • Hans-Joachim Harder: Milit√§rgeschichtliches Handbuch Baden-W√ľrttemberg Hrsg. vom Milit√§rgeschichtlichen Forschungsamt. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1987, ISBN 3-17-009856-X
  • Wolfgang von Hippel: Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1800 bis 1918. In: Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-w√ľrttembergischen Geschichte. Band 3: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Im Auftrag der Kommission f√ľr geschichtliche Landeskunde in Baden-W√ľrttemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91467-6, S. 79‚Äď132.
  • Heinrich Hau√ü, Adolf Schmid: Badisches Kalendarium von Tag zu Tag ‚Äď von Jahr zu Jahr, Personen und Ereignisse. G. Braun, Karlsruhe 2006, ISBN 3-7650-8326-7.
  • Karl Moersch, Peter H√∂lzle: Kontrapunkt Baden-W√ľrttemberg. Zur Vorgeschichte und Geschichte des S√ľdweststaates, DRW Verlag Leinfelden Echterdingen, ISBN 3-87181-478-4, 2002
  • Uwe A. Oster: Die Gro√üherz√∂ge von Baden 1806-1918. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2084-5.
  • Hansmartin Schwarzmaier: Geschichte Badens in Bildern 1100‚Äď1918. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17-012088-3.
  • Hans-Peter Ullmann: Baden 1800 bis 1830. In: Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-w√ľrttembergischen Geschichte. Band 3: Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Monarchien. Im Auftrag der Kommission f√ľr geschichtliche Landeskunde in Baden-W√ľrttemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-91467-6, S. 477‚Äď766.

Weblinks

 Commons: Baden ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Baden ‚Äď Quellen und Volltexte

Anmerkungen und Belege

  1. ‚ÜĎ Wolfgang von Hippel: Revolution im deutschen S√ľdwesten. Das Gro√üherzogtum Baden 1848/49 (= Schriften zur politischen Landeskunde Baden-W√ľrttembergs; Bd. 26), Verlag Kohlhammer: Stuttgart 1998 ISBN 3-17-014039-6, S. 29
  2. ‚ÜĎ Hartwig Brandt: Der lange Weg in die demokratische Moderne. S. 71
  3. ‚ÜĎ Rainer Wirtz: Widersetzlichkeiten, Excesse, Crawalle, Tumulte und Skandale. Soziale Bewegung und gewalthafter sozialer Protest in Baden 1815-1848. Frankfurt 1981, S. 11
  4. ‚ÜĎ H√∂hen nach Topographischer Karte 1:25.000 und 1:50.000 f√ľr Baden-W√ľrttemberg.
  5. ‚ÜĎ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh Soweit sich im Handbuch der Baden-W√ľrttembergischen Geschichte die chronologischen Angaben auf Monat und Jahr beschr√§nken, folgen die tagesgenauen Datumsangaben hier der Chronik auf der CD-ROM F√ľr Freiheit und Demokratie. Badische Parlamentsgeschichte 1818‚Äď1933, Stadtarchiv Karlsruhe 1997, ISBN 3-9805956-0-9
  6. ‚ÜĎ Manfred H√∂rner: Die Wahlen zur badischen zweiten Kammer im Vorm√§rz (1819‚Äď1847), Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1987, S. 131
  7. ‚ÜĎ Weblink zum Verfassungstext
  8. ‚ÜĎ Hans-Peter Ullmann: Baden 1800 bis 1830. S. 62
  9. ‚ÜĎ Hans Fenske: Die badische Verfassung vom 22. August 1818. In: Paul-Ludwig Weinacht (Hrsg.) Baden. 200 Jahre Gro√üherzogtum. Vom F√ľrstenstaat zur Demokratie. Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau 2008, ISBN 978-3-7930-5035-3. S. 85‚Äď87
  10. ‚ÜĎ Hans Fenske: Allgemeine Geschichte S√ľdwestdeutschlands im 19. Jahrhundert. S. 3
  11. ‚ÜĎ a b c d e f Bernd Wunder: Die Entstehung des modernen Staates in Baden und W√ľrttemberg. In: Baden und W√ľrttemberg im Zeitalter Napoleons. Stuttgart 1987, Band 2, S. 107
  12. ‚ÜĎ a b Hans Fenske: Allgemeine Geschichte S√ľdwestdeutschlands im 19. Jahrhundert. S. 4
  13. ‚ÜĎ a b c d e Willi A. Boelcke: Sozialgeschichte Baden-W√ľrttembergs 1800-1989. Kohlhammer, Stuttgart, 1989, S. 27
  14. ‚ÜĎ Gro√üherzoglich Badisches Staats- und Regierungs-Blatt 1832, S. 133
  15. ‚ÜĎ Gro√üherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1849, S. 442
  16. ‚ÜĎ Verordnung, wirksam zum 1. September 1857, Gro√üherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1857, S. 318
  17. ‚ÜĎ Gro√üherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1857, S. 357
  18. ‚ÜĎ Gro√üherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1863, S. 399
  19. ‚ÜĎ Vollzugsverordnung siehe Gro√üherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1864, S. 333
  20. ‚ÜĎ Durch Verordnung, siehe Gro√üherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1864, S. 299, wurden zum 1. Oktober 1864 mehrere Bezirks√§mter aufgehoben bzw. in einem Fall wieder hergestellt.
  21. ‚ÜĎ Paul Nolte: Gemeindeb√ľrgertum und Liberalismus in Baden 1800 ‚Äď 1850. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1994, ISBN 3-525-35765-6, S. 44
  22. ‚ÜĎ a b c d e Paul Nolte: Gemeindeb√ľrgertum und Liberalismus in Baden 1800 ‚Äď 1850. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1994, ISBN 3-525-35765-6, S. 66
  23. ‚ÜĎ a b c Paul Nolte: Gemeindeb√ľrgertum und Liberalismus in Baden 1800 ‚Äď 1850. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1994, ISBN 3-525-35765-6, S. 85
  24. ‚ÜĎ a b c d Paul Nolte: Gemeindeb√ľrgertum und Liberalismus in Baden 1800 ‚Äď 1850. Vandenhoeck & Ruprecht, G√∂ttingen 1994, ISBN 3-525-35765-6, S. 88
  25. ‚ÜĎ Friedrich Walter: Eduard Moll in: Badische Biographien. Heidelberg 1906
  26. ‚ÜĎ Reiner Haehling von Lanzenauer: Das Badische Landrecht und das badische Rechtswesen im 19. Jahrhundert In: Paul-Ludwig Weinacht (Hrsg.) Baden. 200 Jahre Gro√üherzogtum. Vom F√ľrstenstaat zur Demokratie. Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau 2008, ISBN 978-3-7930-5035-3. S. 117‚Äď118
  27. ‚ÜĎ Reiner Haehling von Lanzenauer: Das Badische Landrecht und das badische Rechtswesen im 19. Jahrhundert In: Paul-Ludwig Weinacht (Hrsg.) Baden. 200 Jahre Gro√üherzogtum. Vom F√ľrstenstaat zur Demokratie. Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau 2008, ISBN 978-3-7930-5035-3. S. 128
  28. ‚ÜĎ Hans-Joachim Harder: Milit√§rgeschichtliches Handbuch Baden-W√ľrttemberg, S. 84
  29. ‚ÜĎ Hans-Joachim Harder: Milit√§rgeschichtliches Handbuch Baden-W√ľrttemberg, S. 85
  30. ‚ÜĎ Hans-Joachim Harder: Milit√§rgeschichtliches Handbuch Baden-W√ľrttemberg, S. 89
  31. ‚ÜĎ Hans-Joachim Harder: Milit√§rgeschichtliches Handbuch Baden-W√ľrttemberg, S. 90
  32. ‚ÜĎ Hans-Joachim Harder: Milit√§rgeschichtliches Handbuch Baden-W√ľrttemberg, S. 91
  33. ‚ÜĎ a b c d Heinrich Ambros Eckert, Dietrich Monten: Das deutsche Bundesheer. Nach dem Uniformwerk aus den Jahren 1835 bis 1843. Bearbeitung von Georg Ortenburg. Harenberg, Dortmund 1990, ISBN 3-611-00132-5, S. 441
  34. ‚ÜĎ a b c d Hans Fenske: Allgemeine Geschichte S√ľdwestdeutschlands im 19. Jahrhundert. S. 20
  35. ‚ÜĎ a b Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 28
  36. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 56
  37. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Sozialgeschichte Baden-W√ľrttembergs 1800-1989. Kohlhammer, Stuttgart, 1989, S. 155
  38. ‚ÜĎ Wolfgang von Hippel: Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1800 bis 1918. S. 508
  39. ‚ÜĎ Die Zahl der badischen Auswanderer f√ľr die Jahre von 1816 bis 1845 ergibt sich als Differenz zweier Angaben in der Literatur. Wolfgang von Hippel nennt in seiner Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1800 bis 1918 auf Seite 508 f√ľr den Zeitraum von 1816 bis 1855 eine Zahl von sch√§tzungsweise 180.000 bis 190.000 Menschen, die aus Baden auswanderten. Willi A. Boelcke gibt in seiner Sozialgeschichte Baden-W√ľrttembergs 1800-1989 f√ľr die Jahre von 1850 bis 1854 etwa 134.000 badische Auswanderer an. Da es sich bei Hippels Zahl um eine grobe Sch√§tzung handelt, ergibt sich als Differenz f√ľr den Zeitraum 1816 bis 1845 ein Wert zwischen 46.000 und 56.000 Auswanderern.
  40. ‚ÜĎ a b Willi A. Boelcke: Sozialgeschichte Baden-W√ľrttembergs 1800-1989. Kohlhammer, Stuttgart, 1989, S. 154
  41. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 109
  42. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Sozialgeschichte Baden-W√ľrttembergs 1800-1989. Kohlhammer, Stuttgart, 1989, S. 16, 177
  43. ‚ÜĎ Peter Eichfuss: Statistische Mitteilungen aus dem K√∂nigreich W√ľrttemberg und dem Gro√üherzogtum Baden ‚Äď Stetig sinkende Geburtenziffern. Statistisches Monatsheft Baden-W√ľrttemberg 10/2004. S. 54‚Äď55
  44. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 64
  45. ‚ÜĎ Wolfgang von Hippel: Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1800 bis 1918. S. 505
  46. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 54
  47. ‚ÜĎ a b Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 31
  48. ‚ÜĎ a b Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 23
  49. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Wirtschaftsgeschichte Baden-W√ľrttembergs von den R√∂mern bis heute. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0423-3, S. 185
  50. ‚ÜĎ a b Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 29
  51. ‚ÜĎ a b Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 37
  52. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Wirtschaftsgeschichte Baden-W√ľrttembergs von den R√∂mern bis heute. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0423-3, S. 185
  53. ‚ÜĎ Bernd Wunder: Die Entstehung des modernen Staates in Baden und W√ľrttemberg. In: Baden und W√ľrttemberg im Zeitalter Napoleons. Stuttgart 1987, Band 2, S. 112
  54. ‚ÜĎ Hans-Peter Ullmann: Baden 1800 bis 1830. S. 77
  55. ‚ÜĎ Redetext siehe erzbistum-freiburg.de
  56. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 93
  57. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 94
  58. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 95
  59. ‚ÜĎ a b Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 96
  60. ‚ÜĎ a b c Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 98
  61. ‚ÜĎ a b Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 99
  62. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 108
  63. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 109
  64. ‚ÜĎ Gustav Struve: Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden 1848/ 1849; Freiburg, 1980, S. 67f., Zitat: ‚ÄěUm so schnell als m√∂glich die Verbindung mit der Heckerschen Schar herzustellen, zog die Wei√ühaar-Struve`sche Colonne, etwa 700 Mann stark, am folgenden Morgen, Gr√ľndonnerstag, den 20. April, nach L√∂rrach. Daselbst sollte Rast gehalten werden.‚Äú
  65. ‚ÜĎ Willy Real: Die Revolution in Baden 1848/49 (Stuttgart, 1983), Abb.3 (zw. S. 64 u. 65)
  66. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 110
  67. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 114
  68. ‚ÜĎ a b c Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 112
  69. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 115
  70. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 116
  71. ‚ÜĎ Lithografie aus dem Bilderbogen ‚ÄěEntwaffnung der Insurgentenbesatzung von Rastatt‚Äú. Badisches Landesmuseum in Karlsruhe, Inventarnummer 80/409-347; ver√∂ffentlicht in Uwe A. Oster: Die Gro√üherz√∂ge von Baden 1806-1918. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2084-5. Seite 149
  72. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 160
  73. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 167
  74. ‚ÜĎ Digitale Bibliothek der Friedrich Ebert Stiftung
  75. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 103
  76. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 140
  77. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 211
  78. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 212
  79. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 100
  80. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 210
  81. ‚ÜĎ a b Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 102
  82. ‚ÜĎ a b Hans Fenske: Baden 1830 bis 1860. S. 130
  83. ‚ÜĎ J√ľdisches Leben in Baden 1809 bis 2009. 200 Jahre Oberrat der Israeliten Badens. Hrsg. vom Oberrat der Israeliten Badens, Jan Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0827-8
  84. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Sozialgeschichte Baden-W√ľrttembergs 1800-1989. Kohlhammer, Stuttgart, 1989, S. 103
  85. ‚ÜĎ Geschichte der Juden Badens, Darstellung des OIRG Baden
  86. ‚ÜĎ a b c d e f g Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 212
  87. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 92
  88. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 93
  89. ‚ÜĎ Geschichte des Badischen Frauenvereins
  90. ‚ÜĎ Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden 1789‚Äď1918. F√ľhrer durch die landes- und kulturgeschichtliche Abteilung. Info-Verlag, Karlsruhe 2001, S. 85
  91. ‚ÜĎ Hans-Peter Ullmann: Baden 1800 bis 1830. S. 55
  92. ‚ÜĎ Hans-Peter Ullmann: Baden 1800 bis 1830. S. 56
  93. ‚ÜĎ a b Hans-Peter Ullmann: Baden 1800 bis 1830. S. 57
  94. ‚ÜĎ Geschichte des Universit√§tsbereichs im KIT (vormals: Universit√§t Karlsruhe), abgerufen am 20. M√§rz 2011
  95. ‚ÜĎ a b c d e f g Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 217
  96. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Wirtschaftsgeschichte Baden-W√ľrttembergs von den R√∂mern bis heute. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0423-3, S. 231
  97. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Wirtschaftsgeschichte Baden-W√ľrttembergs von den R√∂mern bis heute. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0423-3, S. 220
  98. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Wirtschaftsgeschichte Baden-W√ľrttembergs von den R√∂mern bis heute. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0423-3, S. 172, 226
  99. ‚ÜĎ Willi A. Boelcke: Wirtschaftsgeschichte Baden-W√ľrttembergs von den R√∂mern bis heute. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0423-3, S. 237
  100. ‚ÜĎ Ausstellungskatalog. Landesmuseum f√ľr Technik und Arbeit in Mannheim. Mannheim 2001, ISBN 3-9804930-6-7. S. 185
  101. ‚ÜĎ a b c Statistisches Jahrbuch f√ľr das Gro√üherzogtum Baden 1914‚Äď1915
  102. ‚ÜĎ Hans Fenske: Allgemeine Geschichte S√ľdwestdeutschlands im 19. Jahrhundert. S. 22
  103. ‚ÜĎ Bei den Jahren handelt es sich um Erhebungsjahre f√ľr die gewerbliche Betriebsstatistik.
  104. ‚ÜĎ Zur Tabellenspalte Landwirtschaft z√§hlen auch G√§rtnerei, Viehzucht, Forstwirtschaft und Fischerei.
  105. ‚ÜĎ Die Tabellenspalte Industrie versteht sich einschlie√ülich des Baugewerbes und der in Baden relativ unbedeutenden Montanindustrie.
  106. ‚ÜĎ Zur Dienstleistung geh√∂ren der Handel, der Verkehr sowie das Gast- und Schankgewerbe.
  107. ‚ÜĎ Bei den Sonstigen sind alle im h√§uslichen Dienst t√§tigen und Tagel√∂hner gez√§hlt, aber auch die Angeh√∂rigen des Milit√§rs, die Hof- und Staatsbediensteten, alle √∂ffentlichen Beamte sowie die im Dienst der Kirchen stehenden Personen.
  108. ‚ÜĎ Hans Fenske: Baden 1860 bis 1918. S. 228

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