Großmacht

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Als Großmacht bezeichnet man einen Staat, der einen wesentlichen geopolitischen Einfluss hat.

Der Begriff kam im fr√ľhen 19. Jahrhundert auf,[1] als die Hegemonie Frankreichs am Ende der napoleonischen Herrschaft durch die Pentarchie abgel√∂st wurde, eine beschr√§nkte Kooperation der Siegerm√§chte Russland, √Ėsterreich, Gro√übritannien und Preu√üen mit dem besiegten Frankreich, die die sich auf dem Wiener Kongress herausbildete. Zun√§chst wurden nur diese f√ľnf M√§chte so bezeichnet.

Der Begriff ist nicht genau definiert, wird aber seit dieser Zeit auch zur Charakterisierung fr√ľherer und sp√§terer Machtkonstellationen angewandt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Begriffsabgrenzung

Im Deutschen werden zur Kennzeichnung einer Großmachtstellung hauptsächlich Wörter auf -macht verwendet, unter anderem Großmacht, Weltmacht und Supermacht, wobei der erste Wortteil grob die Größe der Interessensphäre sowie den beigemessenen staatlichen Einfluss beschreibt.

Die Bezeichnungen Gro√ümacht und Weltmacht sind an die Stelle des √§lteren Begriffs Reich getreten, wie zum Beispiel beim R√∂mischen Reich. Der Begriff Supermacht bezieht sich ausschlie√ülich auf die bipolare Weltordnung mit den zwei √ľberragenden Konkurrenten Vereinigte Staaten und Sowjetunion, bzw. nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf die Vereinigten Staaten allein.

Kriterien

Ma√ügeblich f√ľr die geopolitische Beurteilung eines Landes wird die Frage sein, welchen Einfluss es auf andere L√§nder durch politische, √∂konomische oder milit√§rische Ma√ünahmen oder auch nur durch deren Androhung zu nehmen in der Lage ist. Indirekt spielt dar√ľber hinaus auch eine Rolle, welchen Einfluss das Land auf andere L√§nder √ľber Faktoren nimmt, die meist nur indirekt oder im Bedarfsfall von der herrschenden Klasse des Landes beeinflusst werden, zum Beispiel seine wirtschaftliche St√§rke, Migrationsstr√∂me oder der ‚ÄěExport‚Äú weltanschaulicher Ideen. Eine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition existiert jedoch nicht, so dass es im Einzelfall umstritten sein kann, ob ein Staat als Gro√ümacht gelten kann.[3] H√§ufig angef√ľhrt wird, dass eine defensive Gro√ümacht allein gegen jeden anderen Staat milit√§risch bestehen kann. Eine offensive Gro√ümacht hingegen muss in der Lage sein, weltweit milit√§risch Einfluss zu √ľben.[3]

Anwendung des Begriffs

Die Geschichte der Menschheit war schon immer gepr√§gt durch die Bildung lokaler und regionaler M√§chte, die in gegenseitiger Konkurrenz standen und sich gegenseitig bek√§mpften. Immer wieder entstanden dabei Situationen, in denen die einzelnen L√§nder aufgrund eines ungef√§hren Kr√§ftegleichgewichtes nicht in der Lage waren, andere L√§nder zu besiegen und dauerhaft besetzt zu halten. Daher konnte es zu einem Gleichgewicht zwischen ann√§hernd gleichwertigen Parteien kommen, f√ľr die der Begriff Weltreich weniger passend ist als der Gro√ümachtbegriff.

Mächte mit Großmachtstellung im Laufe der Geschichte

Eine Gro√ümachtstellung nahmen zu ihrer Zeit ein das alte √Ągypten, Babylon, das Assyrische Reich, das Reich der Hethiter, das Alt- bzw. Neupersische Reich, Karthago, Athen, Sparta, Makedonien/Alexanderreich, das Seleukidenreich, das R√∂mische Reich und das Kaiserreich China.

Die Gro√üm√§chte des Fr√ľhmittelalters waren das zum Byzantinischen Reich gewandelte R√∂mische Reich, das Frankenreich, das islamische Kalifat und weiterhin China. Im Hochmittelalter entstanden aus dem Frankenreich das Heilige R√∂mische Reich und Frankreich. Das Osmanische Reich verdr√§ngte das Byzantinische Reich als Gro√ümacht. F√ľr die Zeit ihrer Bl√ľte hatten die beiden oberitalienischen Stadtrepubliken Genua und Venedig eine Vormachtstellung im Mittelmeerraum, √Ągypten erlangte in der Zeit der Ayyubiden und der Mamluken eine Gro√ümachtstellung, die Mongolenreiche f√ľr kurze Zeit sogar eine Hegemonie in Mittel- und Ostasien. Auf dem amerikanischen Doppelkontinent etablierten sich im 15. Jahrhundert die Reiche der Inka und Azteken.

In der fr√ľhen Neuzeit hatten auf Grund ihrer Kolonien auch Spanien und Portugal weltweiten Einfluss, sp√§ter gewannen die Niederlande, Russland, Schweden, Polen-Litauen, √Ėsterreich, Frankreich, England und nach dem Siebenj√§hrigen Krieg auch Preu√üen eine Gro√ümachtstellung. Mit dem Verlust einiger ihrer Kolonien bzw. Gebiete im 18. und 19. Jahrhundert verloren die iberischen L√§nder und die Niederlande jedoch diesen Status wieder, Schweden wurde im Gro√üen Nordischen Krieg durch die neue Gro√ümacht Russland zur√ľckgedr√§ngt. Polen-Litauen verschwand nach den drei Teilungen Polens von der Landkarte. Auf dem indischen Subkontinent etablierte sich seit dem 16. Jahrhundert das Mogulreich als Regionalmacht.

Seit Ende des Siebenj√§hrigen Krieges bestimmte die europ√§ische Pentarchie der zur Zeit des Wiener Kongresses erstmals w√∂rtlich so genannten f√ľnf Gro√üm√§chte[4] Gro√übritannien, √Ėsterreich, Preu√üen, Russland und das Frankreich die europ√§ische Ordnung. Das ehemals so m√§chtige Osmanische Reich galt nur noch als Regionalmacht (‚ÄěKranker Mann am Bosporus‚Äú). Mit der Gr√ľndung des Deutschen Bundes trat nach zeitgen√∂ssischem Urteil Deutschland wieder als ‚ÄěGesamtmacht in die Reihe der M√§chte‚Äú,[5] die als Hauptm√§chte[6], als grandes puissances oder als europ√§ische M√§chte von den Staaten zweiter Ordnung abgehoben wurden.[7] In der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts stieg Italien in den Kreis der Gro√üm√§chte auf, √Ėsterreich wandelte sich zu √Ėsterreich-Ungarn und Preu√üen ging im Deutschen Kaiserreich auf. Au√üerhalb Europas gewannen die USA nach dem Sezessionskrieg und Japan nach dem Russisch-Japanischen Krieg eine Gro√ümachtstellung.

Vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges galten das Deutsche Reich, Frankreich, Gro√übritannien, Italien, Japan, die Sowjetunion und die USA als Gro√üm√§chte. Die Siegerm√§chte behielten nach Kriegsende diesen Status. Der Besitz von Atomwaffen wurde ein sehr wichtiges Gro√ümachtkriterium neben dem Status als St√§ndiges Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Diesen hatten nach 1945 die USA, die Sowjetunion, Gro√übritannien, Frankreich und China[8] inne und bildeten insofern nominal die neue ‚ÄěWelt-Pentarchie‚Äú. Seit dem Kalten Krieg waren die USA und die Sowjetunion die dominierenden Gro√üm√§chte, weshalb man sie auch als Superm√§chte bezeichnete. Bisweilen wird Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion auch heute noch als Supermacht angesehen, in erster Linie deshalb, weil das Land bis heute neben den USA das gr√∂√üte Nuklearwaffenarsenal besitzt.

Heutige Situation

Allein der Besitz von Atomwaffen ist kein Kriterium f√ľr eine Gro√ümacht (vgl. z.B. Israel). Dagegen verleiht ein st√§ndiger Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wegen des Vetorechtes einen bevorrechtigten Status. Daher darf man den Reformplan der G4-Staaten Japan, Indien, Brasilien und Deutschland, der f√ľr sie einen st√§ndigen Sitz vorsieht, als Anspruch auf eine Gro√ümachtstellung verstehen.[9]

√Ąhnliche Begriffe

Hypermacht ist eine 1999 entstandene Begriffsschöpfung des damaligen französischen Außenministers Hubert Védrine, um die aktuelle dominierende Stellung der USA in der Politik, Wirtschaft, Kultur, in den Massenmedien und beim Militär zu kritisieren.

Siehe auch

Literatur

  • Karl-Georg Faber: ‚ÄěVon den ‚ÄöGro√üen M√§chten‚Äė zu den ‚ÄöWeltm√§chten‚Äė‚Äú. Abschnitt 5 des Lemmas ‚ÄěMacht, Gewalt‚Äú in Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd. 3 Stuttgart 1982. S. 930‚Äď935.
  • Paul Kennedy: ‚ÄěAufstieg und Fall der gro√üen M√§chte'', 1987, ISBN 3-596-14968-1
  • Henry A. Kissinger: Das Gleichgewicht der Gro√üm√§chte. Metternich, Castlereagh und die Neuordnung Europas 1812-1822. 2. Aufl., Z√ľrich 1990
  • Egmont Zechlin: Bismarck und die Grundlegung der Deutschen Grossmacht. Stuttgart 1930
  • O. Redlich: √Ėsterreichs Aufstieg zur Gro√ümacht. 4. Aufl. 1962

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ W√§hrend Adelungs Grammatisch-kritisches W√∂rterbuch der hochdeutschen Mundart in der Auflage von 1811 das Stichwort Gro√ümacht noch nicht anf√ľhrt, sondern nur gro√üm√§chtig und Gro√üm√§chtigkeit, schreibt Joseph G√∂rres (im Rheinischen Merkur vom 23. September 1815) in den Bemerkungen √ľber die gegenseitigen Verh√§ltnisse Frankreichs und der Verb√ľndeten "Aus Frankreichs Ansicht ist Preu√üen eine nagelneue, aber noch nicht nagelfeste Gro√ümacht." Das ist "eine Formulierung, in der das Wort Gro√ümacht eindeutig nicht mehr gro√üe Macht, sondern einen m√§chtigen Staat bezeichnet". (Walter B√∂hme: Zur Entwicklung des Begriffs Gro√ümacht, September 2011. Dort findet sich auch ein Hinweis auf Adelungs Lexikon.
  2. ‚ÜĎ Ein fr√ľher Beleg ist in der Brockhaus Enzyklop√§die von 1823 unter dem Stichwort Congre√ü, auf den Friedenskongress von M√ľnster und Osnabr√ľck von 1648 bezogen, zu finden: "Das eben thronlos gewordene England nahm keinen Theil daran, und Spanien erschien darauf eigentlich nicht mehr als entscheidende Gro√ümacht neben √Ėstreich, Frankreich und Schweden." (Allgemeine Encyklop√§die der Wissenschaften und K√ľnste herausgegeben von Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber u.a. Teil 22, Brockhaus Verlag 1832 S.105)
  3. ‚ÜĎ a b Frank Schimmelfennig: Internationale Politik. (= Grundkurs Politikwissenschaft, Band 3107) UTB, Paderborn 2008 ISBN 978-3-506-76581-9, S. 74.
  4. ‚ÜĎ vgl. Anmerkung 1
  5. ‚ÜĎ Art. 2 der Wiener Schlussakte von 1820.
  6. ‚ÜĎ Arnold Hermann Ludwig Heeren: Der Deutsche Bund in seinen Verh√§ltnissen zu dem Europ√§ischen Staatensystem bei der Er√∂ffnung des Bundestages dargestellt. 1817. S. 430.
  7. ‚ÜĎ Faber S. 931.
  8. ‚ÜĎ Ab 1971 trat die Volksrepublik China an die Stelle Taiwans (vgl.Resolution 2758 der UN-Generalversammlung)
  9. ‚ÜĎ Der ehemalige deutsche Au√üenminister Fischer, der selbst den Reformplan vertreten hat, h√§lt den Anspruch f√ľr Deutschland, aber auch f√ľr die gegenw√§rtigen st√§ndigen Sicherheitsratsmitglieder Frankreich und Gro√übritannien f√ľr √ľberzogen: "Und so wird der Rest der Welt eines Tages den Europ√§ern wohl klarmachen m√ľssen, dass das 19. Jahrhundert und auch die erste H√§lfte des 20. Jahrhunderts l√§ngst Geschichte sind und die globale Machtverteilung der Gegenwart nicht mehr, wie in der Vergangenheit, von europ√§ischen Mittelm√§chten bestimmt werden kann." (Joschka Fischer: I'm not convinced - Der Irakkrieg und die rot-gr√ľnen Jahre. Kiepenheuer & Witsch, 2010. ISBN 3462040812, S.299). Daher vertritt er die Position, dass von den europ√§ischen Staaten au√üer Russland nur der Europ√§ischen Union ein st√§ndiger Sitz im Sicherheitsrat zukommen sollte.

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