Guerilla

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Guerilla

Guerilla (√§ltere Form: Guerrilla) steht w√∂rtlich f√ľr einen ‚ÄěKleinkrieg‚Äú.[1] Gemeint ist eine besondere Art der Kriegsf√ľhrung, die auch als Guerillakrieg[2] bezeichnet wird. Der Begriff Guerilla steht dabei auch f√ľr milit√§rische, beziehungsweise paramilit√§rische Einheiten, die einen Guerillakrieg f√ľhren. Insbesondere im Plural, als Guerillas, sind Guerilla-K√§mpfer angesprochen, f√ľr die im Deutschen auch die Synonyme ‚ÄěFreisch√§rler‚Äú und ‚ÄěPartisanen‚Äú existieren.[3] Guerillero steht in diesem Zusammenhang f√ľr einen Untergrundk√§mpfer in Lateinamerika.[3] Der verdeckte Einsatz milit√§rischer Teileinheiten hinter feindlichen Linien wird als Jagdkampf bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Etymologie

Das Wort Guerilla wurde Anfang des 19. Jahrhunderts √ľber das franz√∂sische gu√©rilla aus dem spanischen guerrilla, einem Diminutivum (Verkleinerungsform) des spanischen guerra (‚ÄěKrieg‚Äú) entlehnt.[3] Das spanische guerra geht, wie das franz√∂sische guerre, auf das germanische *werra (‚ÄěStreit‚Äú) zur√ľck, mit dem auch das althochdeutsche w√ęrra (‚ÄěVerwirrung‚Äú, ‚ÄěStreit‚Äú), das mittelniederl√§ndische warre und das neuenglische war verwandt sind.[4][3]

Historischer Hintergrund war der Spanische Unabh√§ngigkeitskrieg von 1807 bis 1814 gegen die franz√∂sische Fremdherrschaft unter Napoleon. Als Ausgangspunkt f√ľr den sp√§teren Gebrauch des Wortes wird das spanische partida de guerrilla genannt, das ungef√§hr ‚ÄěSp√§htrupp‚Äú bedeutet.[1]

Bedeutung erlangten die Begriffe Guerilla und Guerillakrieg insbesondere im 20. Jahrhundert, als Bezeichnung sozialer und nationaler Befreiungs- und Unabhängigkeitskriege in unterentwickelten Ländern.[2]

Begriffsgleichheit zu Partisan

Hauptartikel: Partisan

Das Wort ‚ÄěPartisan‚Äú stammt aus dem Italienischen, w√§hrend Guerrillero spanischen Ursprungs ist. Milit√§risch gesehen handelt es sich um Synonyme. Die in Europa gegen die faschistische Besatzung k√§mpfenden irregul√§ren Einheiten werden gew√∂hnlich als Partisanen bezeichnet, w√§hrend die Befreiungsk√§mpfer der antikolonialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg in der Regel Guerilleros genannt werden.

Bedeutung und Geschichte

Das Wort ‚ÄěGuerilla‚Äú bezeichnet

  • eine milit√§rische Taktik: kleine, selbstst√§ndig operierende Kampfeinheiten, welche die taktischen Zielsetzungen der Armeef√ľhrung, meist im Hinterland des Gegners, unterst√ľtzen und dabei au√üerhalb ihrer Kampfeins√§tze nicht als Soldaten erkennbar sind. Zur Guerillataktik geh√∂ren "nadelstichartige" milit√§rische Operationen, die den Gegner nicht vernichten, sondern zerm√ľrben sollen.
  • den Guerillakampf als eine spezielle Form politisch motivierter, revolution√§rer oder antikolonialer Kriege. Beim Guerillakampf handelt es sich um eine "Waffe der Schwachen" gegen einen milit√§risch, vor allem milit√§rtechnologisch √ľberlegenen Gegner. Voraussetzung f√ľr einen Guerillakampf ist die fehlende Hoffnung der Bev√∂lkerung, ihre politischen und sozialen Forderungen mit politischen und rechtlichen Mitteln erreichen zu k√∂nnen, wie dies in einer Diktatur oder einem von einer fremden Macht besetzten bzw. dominierten Land der Fall ist. Entscheidend f√ľr den Erfolg der Guerilla ist der gleichzeitige, dem milit√§rischen Kampf gleichwertige politische Kampf. In einer offenen Feldschlacht m√ľsste die Guerillatruppe notwendig unterliegen, weil ihr die Ausr√ľstung einer konventionellen Armee fehlt und ihre K√§mpfer meist √ľber keine ausreichende milit√§rische Ausbildung verf√ľgen.

Ein entscheidendes Kennzeichen der Guerilla ist ihre hohe Mobilit√§t und Flexibilit√§t, oft kombiniert mit dem Fehlen der Identifizierbarkeit als 'rechtm√§√üiger Kombattant'. Guerilla-Einheiten sind in st√§ndiger Bewegung, um dem milit√§risch √ľberlegenen Gegner auszuweichen. Ihr Erfolg ist davon abh√§ngig, ob es ihr gelingt, die Entscheidung dar√ľber zu behalten, an welchem Ort, zu welcher Zeit und unter welchen Bedingungen die milit√§rische Konfrontation mit dem Gegner stattfindet. Die klassische Landguerillatruppe operiert meist aus den Bergen heraus, welche optimales R√ľckzugsgebiet bilden. Sie ist auf die Unterst√ľtzung der Landbev√∂lkerung angewiesen, die sie mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgt.

Konfliktformen

Guerillakrieg

Guerillakrieg bezeichnet eine Kampfform irregul√§rer einheimischer Truppen gegen eine feindliche Armee beziehungsweise Besatzungsmacht oder aber ‚Äď im Zusammenhang mit einem B√ľrgerkrieg ‚Äď gegen die eigene Regierung.[2]Als typische Merkmale gelten in der Politikwissenschaft:[2]

  • Die Einheit von Guerillas und Teilen der Zivilbev√∂lkerung. Die Bev√∂lkerung billigt den Guerillakrieg, unterst√ľtzt diesen, oder nimmt aktiv daran teil.
  • Eine enge Verbindung von politischer und milit√§rischer Zielsetzung.
  • Die Beschaffung von Waffen vor allem aus den Best√§nden des milit√§rischen Gegners.
  • Die Basis und Hauptst√ľtzpunkte bilden meist l√§ndliche Gebiete. St√§dte werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium des Guerillakrieges in Kampfhandlungen einbezogen.
  • Traditionelle Kampfformen regul√§rer Streitkr√§fte bleiben weitgehend unwirksam. Daher k√∂nnen Guerillas auch einem zahlenm√§√üig und waffentechnisch √ľberlegenen Feind gewachsen sein.

Der Guerillakrieg gilt als Kampfform von Befreiungsbewegungen. Als erfolgreiche Beispiele werden in der Politikwissenschaft genannt:[2]

Guerillataktik

Eine der m√∂glichen Taktiken des Guerillakrieges besteht darin mit gezielten Aktionen den Konfrontationspartner gezielt zu treffen und sich sofort darauf zur√ľckzuziehen. Im angloamerikanischen Sprachraum ist dies als "Hit and Run"-Taktik bekannt. Als bedeutende Theoretiker des Guerillakrieges und seiner Taktik gelten[2]

Ihren Überlegungen und Theorien liegen meist die jeweiligen Erfahrungen während des Guerillakrieges in ihren Heimatländern zugrunde. So bei Mao und Giap der Gedanke des Volkskrieges. Von Mao stammt das Bild des Volkes als Wasser, in dem die Guerilla wie ein Fisch schwimmen, die Feinde dagegen ertrinken sollten. Von Che Guevara stammt die Fokus-Theorie, nach der bewaffnete Guerillas einen quasi Brandherd bilden sollten, von dem aus die Revolution in die Bevölkerung hineingetragen werde. Clausewitz analysierte den Spanischen Unabhängigkeitskrieg, Lawrence war am Arabischen Aufstand während des Ersten Weltkrieges beteiligt.

Unter dem Begriff der Stadtguerilla versuchte in der Bundesrepublik der 1960er und 1970er-Jahre die linksextremistische Gruppe RAF an Terminologie und Taktik s√ľdamerikanischer Befreiungsbewegungen anzukn√ľpfen.

Milit√§rische Auseinandersetzungen unter Parteien, die politisch, strategisch und waffentechnisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind, werden heute auch als asymmetrische Kriegsf√ľhrung bezeichnet.

Typische Eskalationsstadien

Guerilla-Kriege durchlaufen in der Regel folgende Phasen:

  • Der Guerillakampf beginnt als Aufstandsbewegung, also ohne oder mit nur schwacher eigener Bewaffnung. Die Waffenbeschaffung erfolgt durch √úberf√§lle auf gegnerische Milit√§reinheiten oder -einrichtungen. Die K√§mpfer sind keine Soldaten und verf√ľgen h√§ufig nicht einmal √ľber eine milit√§rische Ausbildung. Sie sind Teil der Zivilbev√∂lkerung und werden auf Grund ihrer politischen Ziele durch diese unterst√ľtzt. In dieser Phase k√∂nnen Guerilla-Einheiten keine strategischen Erfolge erringen, also etwa strategisch wichtige Gebiete dauerhaft besetzen, sondern m√ľssen sich stets wieder zur√ľckziehen.
    • Ohne die Unterst√ľtzung der Bev√∂lkerung ist die Guerilla zum Scheitern verurteilt. Das unterscheidet die Guerilla vom Terrorismus, der auch ohne Unterst√ľtzung der Bev√∂lkerung auskommt.
    • Bei regionalen, dann aber nur station√§ren Erfolgen ist die Transformation zu einem Warlord-System m√∂glich.
  • Die offensive Phase des Guerillakampfes ist dadurch gekennzeichnet, dass die Mobilit√§t des Gegners eingeschr√§nkt ist. Die Regierungs- oder Besatzungstruppen verf√ľgen nur noch √ľber strategisch wichtige befestigte St√ľtzpunkte und k√∂nnen sich au√üerhalb dieser nur noch eingeschr√§nkt bewegen. In dieser Phase √ľbernimmt die Guerilla-Bewegung die Initiative und organisiert sich in gr√∂√üeren Kampfeinheiten mit fester Struktur.
  • Zur Erreichung strategischer Ziele m√ľssen die Guerilla-Einheiten die Form einer zentral gelenkten Armee annehmen. Sie treten damit aus der taktischen, defensiven Phase in eine strategisch offensive Phase ein. Es entsteht eine Revolutionsarmee.

Beispiele von Guerillakämpfen

  • Eine lange Zeit war der erfolgreiche Kampf der Geusen als niederl√§ndische Freiheitsk√§mpfer gegen die spanische Herrschaft im Achtzigj√§hrigen Krieg (1568-1648) eine Guerilla.
  • Der 30-j√§hrige Unabh√§ngigkeitskampf der kubanischen Mambises gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868-1898 war in seinen milit√§rischen Phasen Guerillakrieg und endete mit der Besetzung Kubas durch die USA.
  • Der dreij√§hrige kubanische Revolutionskrieg gegen den Diktator Fulgencio Batista 1956-1959 endete mit der Flucht des Diktators und f√ľhrte zu einer kubanischen Revolutionsregierung.
  • Die Huks k√§mpften auf den Philippinen zun√§chst gegen die japanische Besatzung und nach dem zweiten Weltkrieg bis 1954 f√ľr radikale Agrarreformen.
  • Der achtj√§hrige algerische Unabh√§ngigkeitskrieg der FLN gegen die franz√∂sische Kolonialherrschaft 1954-1962 endete mit der Gr√ľndung der Demokratischen Volksrepublik Algerien.
  • Der Krieg der ViŠĽát Minh gegen japanische Besatzung, franz√∂sische Kolonialmacht und sp√§ter gegen US-amerikanische Besatzungstruppen 1941-1975 endete mit der Errichtung eines sozialistischen Staates.
  • Der Befreiungskampf der FRENTE POLISARIO gegen die spanische Kolonialmacht sowie anschlie√üend gegen die marokkanischen Besatzungstruppen (Seit 1991 Waffenstillstand unter UNO-Vermittlung).
  • Der Guerillakampf der Gruppe um Che Guevara in Bolivien scheiterte 1967 an der fehlenden Unterst√ľtzung durch die Bev√∂lkerung.
  • Der Kampf des maoistischen Sendero Luminoso kostete in Peru fast 70.000 Menschen das Leben.
  • Der Kampf der FMLN (El Salvador) und der Guerillagruppen in Guatemala enden mit Friedensabkommen.
  • Der Guerillakampf der Gruppe LTTE um Tamil Eelam, dauerte von 1986 bis 2009.
  • Der Guerillakrieg der nepalesischen Maoisten begann 1996 und ist seit 2006 vorerst eingestellt.
  • In Indien gibt es seit den 1960er Jahren Guerillaaktionen der maoistisch orientierten Naxaliten. Sie agieren zumeist im l√§ndlichen Raum, mittlerweile nurmehr mit sporadischen Anschl√§gen. √Ąhnliche Guerillataktiken verfolgt die f√ľr ein eigenst√§ndiges Assam eintretende Separatistenorganisation United Liberation Front of Asom.
  • Der Befreiungskampf um Angola.
  • Der Befreiungskampf der SWAPO gegen die s√ľdafrikanische Fremdherrschaft in Namibia f√ľhrte 1989/90 in die Unabh√§ngigkeit. Namibia wird seitdem von der SWAPO regiert.
  • Die kurdische Guerilla-Bewegung, auch bekannt als PKK, k√§mpft gegen die t√ľrkische Armee.
  • Der Kampf der Irish Republican Army (IRA) im Irischen Unabh√§ngigkeitskrieg (1919‚Äď1921) gegen die britische Vorherrschaft in Irland.
  • Der Kampf der Anti-Vertrags-IRA im Irischen B√ľrgerkrieg (1922/23) gegen den Anglo-Irischen Vertrag und die Truppen des neuen s√ľdirischen Freistaates Irland
  • Der Kampf der Provisional Irish Republican Army (IRA) und anderer irisch-republikanischer Gruppen im Nordirlandkonflikt (1969-1998) f√ľr die Losl√∂sung Nordirlands vom Vereinigten K√∂nigreich und die Wiedervereinigung Irlands zu einer unabh√§ngigen Republik.
  • Die Ushtria √álirimtare e Kosov√ęs, auch U√áK genannt, gegen Einheiten der jugoslawischen Volksarmee und serbische Polizeieinheiten im Jahre 1996-1999.
  • Die libanesische Organisation Hisbollah f√ľhrte, wie z.B. im Libanonkrieg 2006, dem Guerilla-Krieg nahestehende, paramilit√§rische Kampfhandlungen aus.
  • Die √§lteste, noch heute aktive Guerilla-Bewegung ist die FARC in Kolumbien.
  • Der Kampf der EZLN f√ľr die Rechte der indigenen Bev√∂lkerung in Mexiko, seit 1994.
  • Der Zweite Burenkrieg in S√ľdafrika, der niederl√§ndisch-st√§mmigen Buren gegen die Engl√§nder, den die Buren zwar verloren, dennoch konnten sie den Briten das dreifache der eigenen Verluste zuf√ľgen und so einen (f√ľr sie) g√ľnstigen Frieden erzwingen.

Kleine Kriege

Carl von Clausewitz aber auch schon vor ihm andere definierten den Kleinen Krieg als den Einsatz leichter Truppen in den Flanken und im R√ľcken des Gegners - so wurden die Husaren nicht nur zur Aufkl√§rung sondern auch zur St√∂rung des feindlichen Nachschubs eingesetzt. Bei der Infanterie wurden die Kroaten und die J√§ger zum zerstreuten Gefecht eingesetzt. Insbesondere den aus Randv√∂lkern der europ√§ischen Grossreiche gebildeten Verb√§nde wie den Kroaten oder Bosniaken kam dieser ihnen vertraute Kleinkrieg als Gefechtsf√ľhrung entgegen. Diese hatten insbesondere im Kampf gegen die T√ľrken Erfahrungen gesammelt. Von der t√ľrkischen Armee wurden die AkńĪncńĪ als leichte Truppe hinter den feindlichen Linie eingesetzt.

Im amerikanischen Unabh√§ngigkeitskrieg (1776-1783) entwickelte sich die Kampfesweise des kleinen Krieges erstmals nicht nur als Widerstandsoperationen kleiner bewaffneter Milizen gegen √ľberlegene konventionelle Heere, sondern als umfassende strategische Antwort einer kriegf√ľhrenden Partei. Die taktisch in offener Formation k√§mpfenden britischen Truppen wurden in einen zerm√ľrbenden Abnutzungskrieg verwickelt, den sie schlie√ülich verloren. Seitdem hat sich die Kleinkriegf√ľhrung als asymmetrische Antwort auf die St√§rke konventioneller Streitkr√§fte etabliert.

Als erste kriegerische Auseinandersetzung mit Guerilla-Charakter und mit diesem Namen gilt der spanische Unabh√§ngigkeitskrieg gegen die franz√∂sischen Besatzungstruppen 1807 bis 1814, der sich zum Volkskrieg ausweitete. Die regul√§ren spanisch-englischen Truppen entschieden zwar den Krieg, irregul√§re Freisch√§rler oder Guerrilleros trugen jedoch erheblich zur Niederlage der Franzosen bei. Dies lag vor allem an der guten Organisation des Widerstands und der f√ľr einen Kleinkrieg g√ľnstigen Topographie der Berglandschaften, die gute Unterschlupfm√∂glichkeiten boten. Im offenen Gel√§nde konnte sich die Guerillatruppe gegen konventionelle Truppen dagegen nicht behaupten.

Konventionelle Truppen waren damals in erster Linie auf intensive Gefechte und Schlachten im ‚Äěgro√üen Krieg‚Äú ausgerichtet (Linientaktik). Sie √ľbernahmen sp√§ter allerdings die Kampfesweise der Guerilla, die sich durch √úberf√§lle, Hinterhalte und Angriffe auf die Versorgungslinien im R√ľcken des eigentlichen Kriegsgeschehens auszeichnete. So wurde der Guerillakampf zu einer taktischen Variante, f√ľr die auch auf Einheiten mit speziell ausgebildeten Soldaten (meist so genannte J√§ger) zur√ľckgegriffen wurde, weil diese flexibler und mobiler waren als die konventionellen Linientruppen. Charakteristisch f√ľr den kleinen Krieg waren milit√§rische Auseinandersetzungen, bei denen zahlenm√§√üig kleine Abteilungen Operationen zur Schw√§chung des Gegners unternahmen, ohne jedoch eine Entscheidung herbeif√ľhren zu k√∂nnen. Sie konnte neben gro√üen Operationen des Hauptheeres gef√ľhrt werden. Typische Beispiele sind der Einsatz der Freikorps der Koalitionstruppen 1813 und der Franc-tireurs 1870. Eine wichtige Rolle spielte auch der R√ľckhalt der Bev√∂lkerung f√ľr den Widerstandskrieg irregul√§rer Truppen und Banden, wie sich etwa im Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer zeigte.

In Spanien hat das Wort ‚ÄěGuerrilla‚Äú aufgrund seiner Verbindung mit dem Kampf gegen die franz√∂sische Besatzungsmacht eine durchgehend positive Konnotation von Befreiung, √§hnlich wie in Deutschland die ‚ÄěBefreiungskriege‚Äú oder der Begriff ‚ÄěVolkskrieg‚Äú, wie er in den fr√ľhen Denkschriften von Gneisenau beschrieben ist.

Auch der polnische Aufstand 1863 und der Burenkrieg 1901 wurden mit der Guerilla-Taktik gef√ľhrt.

Als Analytiker der Guerilla sind Carl von Clausewitz, T. E. Lawrence, Mao Zedong, Carl Schmitt und Ernesto Che Guevara hervorgetreten.

Anti-Guerilla-Kriegf√ľhrung

Abbrennen eines Viet Cong Basis Camps durch US-Truppen, My Tho, Vietnam

Der Guerillakampf stellt eine konventionelle Armee vor Probleme, die es bei zwischenstaatlichen Kriegen nicht gibt:

  • Der Gegner ist nicht eindeutig zu identifizieren. Jede Person, etwa in einem besetzten Land, kann st√§ndig oder zeitweise zur Guerilla geh√∂ren, diese milit√§risch, logistisch oder politisch unterst√ľtzen. Das gilt f√ľr M√§nner wie Frauen, auch f√ľr Kinder, Jugendliche und alte Menschen.
  • Es gibt keine Front, welche die Anh√§nger und Gegner des herrschenden Regimes voneinander trennt. So wird meist von Regionen gesprochen, die von der Regierung oder von der Guerillabewegung ‚Äěkontrolliert‚Äú werden. Ein Gebiet kann aber auch nachts von der Guerillabewegung und am Tag von der Regierung kontrolliert werden. Der Begriff der Kontrolle ist dabei sehr unbestimmt. So kann es vorkommen, dass derselbe Gesch√§ftsmann sowohl an die Regierung als auch an die Guerillabewegung Steuern zahlt.

Durch den Einsatz von Kontraguerilla-Einheiten versucht die regul√§re Armee sich der flexiblen Kriegf√ľhrung der Guerilla anzupassen (Vietnam). (Nicht zu verwechseln mit der konterrevolution√§ren Guerilla, die von einer fremden Macht eingesetzt wird, um mit Mitteln der Guerilla-Taktik eine bestehende revolution√§re Regierung anzugreifen ‚Äď siehe Contra (Organisation)).

Die konventionelle Armee ist durch das Kriegsrecht dazu verpflichtet, humanit√§re Mindeststandards zu beachten und muss daher immer versuchen, Zivilbev√∂lkerung und Guerillabewegung voneinander zu trennen. Das kann etwa durch Aufrufe an die Bev√∂lkerung geschehen, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Gebiet zu verlassen. Alle nach diesem Zeitpunkt in diesem Gebiet befindlichen Personen werden dann als Guerilleros bezeichnet. Die Bev√∂lkerung, die dieses Gebiet verl√§sst, muss untergebracht und versorgt werden, wozu sich das Milit√§r meist weder personell, logistisch oder materiell in der Lage sieht. Die so entstandenen campos de reconcentraci√≥n (Kubanischer Unabh√§ngigkeitskrieg) oder concentration camps (Burenkrieg) sollten die K√§mpfer von der √ľbrigen Bev√∂lkerung trennen und damit der konventionellen Armee ein klar umgrenztes Feindesland f√ľr den Angriff definieren. Die in den Lagern herrschende Not (Hunger, Krankheiten) f√ľhrt jedoch in der Regel zur politischen St√§rkung der Guerillabewegung. Eine freiwillige Aussiedlung von Zivilisten aus den von der Guerillabewegung kontrollierten Gebieten wird dadurch unwahrscheinlich.

Die Guerillabewegung setzt ihrerseits die Zivilbev√∂lkerung gezielt unter Druck, sofern diese nicht freiwillig kooperiert. Dies geschieht durch gezielten Terror (Erschie√üungen, Folter und Vergewaltigungen), erzwungene Geld-, Nahrungs- und Materialabgaben und durch Zwangsrekrutierungen. Dadurch ist die Zivilbev√∂lkerung oft in der Situation, von beiden Seiten verd√§chtigt zu werden, die jeweils andere zu unterst√ľtzen. Die FNL im Vietnamkrieg operierte zum Beispiel h√§ufig auf diese Weise. Da die Trennung und Evakuierung der Zivilbev√∂lkerung aus den genannten Gr√ľnden oft nicht m√∂glich war, f√ľhrte das zur unvermeidlichen und unterschiedslosen Bombardierung von Guerillagebieten durch die regul√§re Armee, der alle in dem Gebiet befindlichen Personen zum Opfer fielen. Der Zivilbev√∂lkerung bleibt in einer solchen Situation oft gar keine Wahl mehr neutral zu bleiben und entscheidet sich dann aus Not heraus f√ľr die eine oder andere Seite. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass die Regierungsvertreter oft selbst korrupt sind und die Kommandeure und Soldaten ihrer offiziellen Streitkr√§fte pers√∂nliche (kriminelle) Ziele verfolgen. Dies f√ľhrt meist dazu, dass die Zivilbev√∂lkerung sich auf die Seite der Guerillabewegung schl√§gt.

Erfolgreichere Anti-Guerilla-Strategien versuchen, die Guerillabewegung politisch zu isolieren. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:

  • F√ľr einzelne Bev√∂lkerungsgruppen wird eine verbesserte wirtschaftliche Lage erreicht (z. B. Unterst√ľtzung der Rauschgiftproduktion und -vermarktung in Kolumbien oder Afghanistan).
  • Es wird eine der Guerilla √§hnliche Kontraguerilla geschaffen, die im Namen der Guerilla Taten begeht, die der Guerilla angelastet werden und sie in den Augen der Bev√∂lkerung diskreditiert (Vietnam, Kuba).
  • Da die Guerilla-Einheiten, besonders in ihrer Entstehungsphase, meist dezentralisiert k√§mpfen, entstehen h√§ufig k√§mpfende Einheiten, die nicht die politischen Ziele der Bev√∂lkerung teilen, sondern pers√∂nliche Bereicherung oder Macht gewinnen wollen (Caudillismo). Diese k√∂nnen von dem herrschenden Regime oder einer fremden Macht leicht f√ľr ihre Ziele eingesetzt werden. Zahlreiche Aufst√§nde in Lateinamerika und Afrika nahmen diesen Weg und f√ľhrten √ľber eine Volksbewegung zu einer Bereicherungsdiktatur, die schlie√ülich mit dem urspr√ľnglichen milit√§rischen Gegner zusammenarbeitet und die Revolution durch einen Austausch von Herrschaftseliten ersetzt.

Ein Anti-Guerillakampf ist mit milit√§rischen Mitteln nur schwer zu gewinnen, weil es aufgrund der fehlenden Unterscheidbarkeit der Guerillak√§mpfer von der √ľbrigen Bev√∂lkerung nicht m√∂glich ist, die jedenfalls in den fr√ľhen Phasen eines Konfliktes √ľberlegene milit√§rische Macht einzusetzen, ohne gleichzeitig Unschuldige zu treffen. Weiter kann sich die Guerillabewegung immer wieder aus der Bev√∂lkerung verst√§rken, solange sie deren Unterst√ľtzung genie√üt bzw. √ľber ausreichende Mittel zur Zwangsrekrutierung verf√ľgt.

Die meisten Guerillak√§mpfe wurden daher nur politisch gel√∂st, das hei√üt durch teilweises oder v√∂lliges Nachgeben gegen√ľber den Zielen der Guerillabewegung.

Rechtliche Bewertung

Unter dem Vorwand, dass man die Guerilla nach Guerillaart bek√§mpfen m√ľsse, bestand die Antwort angegriffener konventioneller Streitkr√§fte immer wieder darin, selbst mit einem eigenen Kampfverhalten zu reagieren, das nicht mehr den Normen regul√§rer Kriegf√ľhrung entsprach. Nicht nur die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist daf√ľr ein Beispiel, auch in der j√ľngeren Geschichte gingen sogar demokratische Staaten angesichts massiver Guerillaangriffe auf die eigenen Truppen dazu √ľber, die Zivilbev√∂lkerung in den entsprechenden L√§ndern zu sch√§digen. Im Algerienkrieg griff die franz√∂sische Regierung zur routinem√§√üigen Folter von Inhaftierten und summarischen Exekutionen (sogenannte Franz√∂sische Doktrin), im Vietnamkrieg geh√∂rte die Entwaldung ganzer Landstriche durch Chemikalien, die Zerst√∂rung von Ernten, Politische S√§uberungen und vereinzelte Massaker zu den Ma√ünahmen der US-Streitkr√§fte und der s√ľdvietnamesischen Armee. Dar√ľber hinaus initiierte die CIA das sogenannte Phoenix-Programm, die gezielte T√∂tung kommunistischer Kader des Vietcong.

Die Kampfesweise der Guerilla wird mit Blick auf die Genfer Konventionen und die Haager Landkriegsordnung als unkonventionelle Kriegf√ľhrung bezeichnet. Diese internationalen Vertr√§ge regeln die rechtliche Basis zwischenstaatlicher bewaffneter Konflikte. Die Guerilla entspricht in ihrer Entstehungsphase eher dem Begriff der lev√©e en masse, wie er in der Haager Landkriegsordnung definiert ist (daher auch "Volkskrieg"). Erst wenn die Guerilla den letzten Schritt zur Befreiungsarmee vollzogen hat, entsprechen ihre K√§mpfer als Teil einer milit√§rischen Befehlsstruktur den Kombattanten der Haager Landkriegsordnung. Solange ihr aber die Ausrichtung auf eine Staatsregierung fehlt, gelten Guerilla-K√§mpfer als Nichtkombattanten und werden meist als kriminelle Aufst√§ndische behandelt.

Dazu geh√∂rt die Einrichtung tats√§chlicher oder scheinbarer politisch-demokratischer Strukturen (Asamblea de Gua√≠maro im kubanischen Unabh√§ngigkeitskrieg oder das Parlament der pal√§stinensischen PLO) sowie von politischen Auslandsvertretungen in unterst√ľtzenden Staaten oder in internationalen Organisationen wie der UNO. Die Einf√ľhrung von klaren Befehlsstrukturen, einer hierarchisch-milit√§rischen Ordnung mit den dazugeh√∂rigen R√§ngen soll besonders in der letzten Phase, in der Entwicklung zur Revolutionsarmee, die Gleichwertigkeit der Guerilla gegen√ľber der konventionellen gegnerischen Armee herausstellen. Erst wenn der Gegner sich gezwungen sieht, mit der Guerilla offiziell zu verhandeln, ist die Anerkennung als kriegf√ľhrende Partei hergestellt, die sogenannte ‚ÄěBelligerenz‚Äú. Die politische Anerkennung durch Staaten von internationaler Bedeutung oder die Anerkennung als Verhandlungspartner durch den Gegner bildet die Grundlage f√ľr die Erreichung der politischen Ziele der Guerilla (siehe die Diskussion um die Anerkennung der pal√§stinensischen PLO). Erst als kriegf√ľhrende Partei k√∂nnen Guerilla-K√§mpfer nach einer Gefangennahme den Kriegsgefangenenstatus geltend machen.

Siehe auch

Literatur

  • Fritz Ren√© Allemann: Macht und Ohnmacht der Guerilla. Piper, M√ľnchen 1974, ISBN 3-492-02006-2.
  • Ian F. W. Beckett: Encyclopedia of Guerilla Warfare. Checkmark Books, New York 2001, ISBN 0-8160-4601-8.
  • Brigadier C. Aubrey Dixon/Otto Heilbrunn: Partisanen. Frankfurt a. M. 1956 (Originalausgabe Communist Guerilla Warfare, London 1954).
  • Richard Gott: Guerrilla Movements in Latin America. Seagull, Calcutta [u.a.] 2008, ISBN 1-905422-59-8.
  • Otto Heilbrunn: Die Partisanen in der modernen Kriegf√ľhrung, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag f√ľr Wehrwesen) 1963 (Originalausgabe Partisan Warfare, London 1962).
  • Friedrich A. von der Heydte: Der moderne Kleinkrieg als wehrpolitisches und milit√§risches Ph√§nomen. Neuauflage, B√∂ttinger, Wiesbaden 1986, ISBN 3-925725-03-2.
  • Robert F. Lamberg: Die Guerilla in Lateinamerika. Theorie und Praxis eines revolution√§ren Modells. Deutscher-Taschenbuch Verl., M√ľnchen 1972, ISBN 3-423-04116-1.
  • Herfried M√ľnkler: Der Partisan. Theorie, Strategie, Gestalt. VS Verlag f√ľr Sozialwissenschaften, Opladen 1990, ISBN 3-531-12192-8.
  • Abdul Haris Nasution: Der Guerillakrieg. Grundlagen der Guerillakriegf√ľhrung aus der Sicht des indonesischen Verteidigungssystems in Vergangenheit und Zukunft, K√∂ln (Br√ľckenbauer-Verlag) 1961 (Originalausgabe Fundamentals of Guerilla warfare and the Indonesian defence system past and future, Jakarta, Information Service of the Indonesian Armed Forces, 1953).
  • Carl Schmitt: Theorie des Partisanen. Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen. 6. Aufl., Duncker & Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-08439-X.

Weblinks

 Commons: Guerrilla warfare ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b Kluge Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002
  2. ‚ÜĎ a b c d e f Helga Jung-Paarmann: Guerillakrieg in Lexikon der Politik, M√ľnchen, 2003
  3. ‚ÜĎ a b c d Duden ¬ęEtymologie¬Ľ ‚Äď Herkunftsw√∂rterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989
  4. ‚ÜĎ Diccionario de la lengua espa√Īola: guerra

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  • Guerilla ‚ÄĒ Sm Kleinkrieg erw. exot. ass. (19. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus span. guerilla f., einem Diminutivum zu span. guerra f. Krieg , aus anfrk. * werra Streit . Ausgangspunkt f√ľr den sp√§teren Gebrauch ist span. partida de guerilla, das ungef√§hr… ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

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