GĂŒnter Grass

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GĂŒnter Grass
GĂŒnter Grass, 2004

GĂŒnter Grass (* 16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig) ist ein deutscher Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker mit kaschubischen Vorfahren. Grass war Mitglied der Gruppe 47 und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Im Jahr 1999 erhielt er den Nobelpreis fĂŒr Literatur.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Herkunft und Familie

GĂŒnter Grass (damals „Graß“ geschrieben) wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig als Sohn eines protestantischen LebensmittelhĂ€ndlers und einer Katholikin kaschubischer Abstammung geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Danzig in einfachen VerhĂ€ltnissen. Die Eltern betrieben ein KolonialwarengeschĂ€ft im Danziger Stadtteil Langfuhr (heute: Wrzeszcz). Die kleine Zweizimmerwohnung hatte kein eigenes Bad. GĂŒnter Grass und seine Schwester Waltraut hatten kein eigenes Zimmer.

Durch seine katholische Mutter geprĂ€gt, wurde GĂŒnter Grass Messdiener. SpĂ€ter geriet er unter den Einfluss der NS-Ideologie, obwohl er nach eigenen Angaben von der Hitlerjugend nicht begeistert war.[1]

Kindheit und Jugend

Ein Teil von GĂŒnter Grass’ Kriegsgefangenenakte

Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich mit 15 Jahren – nach eigenen Angaben, um aus der familiĂ€ren Enge zu entkommen â€“ freiwillig zur Wehrmacht.[2][3] Nach dem Einsatz als Luftwaffenhelfer und der Ableistung des Arbeitsdienstes wurde er am 10. November 1944, im Alter von 17 Jahren, zur 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ der Waffen-SS einberufen.[4]

Nach einer Verwundung am 20. April 1945 wurde Grass am 8. Mai 1945 bei Marienbad gefangengenommen und war bis zum 24. April 1946 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Es ist umstritten, ob er als Gefangener in Bad Aibling mit Joseph Ratzinger zusammengetroffen ist.[5][6][7][8] Grass gab sich bei seiner Gefangennahme den Amerikanern gegenĂŒber als Angehöriger der Waffen-SS zu erkennen.

FrĂŒher hieß es in den veröffentlichten Biografien des Schriftstellers stets, er sei 1944 Flakhelfer geworden und danach als Soldat einberufen worden. Erst durch die Veröffentlichung seines autobiografischen Werkes Beim HĂ€uten der Zwiebel im Jahre 2006 wurde allgemein bekannt, dass Grass zur Waffen-SS eingezogen worden war.[9]

Ausbildung und Beziehungen

In den Jahren 1947/1948 absolvierte er eine Lehre bei einem Steinmetz in DĂŒsseldorf. Danach studierte er von 1948 bis 1952 an der Kunstakademie DĂŒsseldorf Grafik und Bildhauerei. Seinen Lebensunterhalt verdiente er zusammen mit dem spĂ€ter bekannten Maler Herbert Zangs als TĂŒrsteher im Lokal Csikos auf der Andreasstraße in der DĂŒsseldorfer Altstadt. SpĂ€ter verewigte er Herbert Zangs, der wie Grass im Krieg Soldat war, als eigenwilligen Maler Lankes in der Blechtrommel. Das Studium setzte er von 1953 bis 1956 an der Hochschule fĂŒr Bildende KĂŒnste in Berlin als SchĂŒler des Bildhauers Karl Hartung fort. Danach lebte er bis 1959 in Paris. 1960 zog er erneut nach Berlin-Friedenau, wo er bis 1972 wohnte. Von 1972 bis 1987 lebte er in Wewelsfleth in Schleswig-Holstein.

1954 heiratete Grass die Schweizer Ballettstudentin Anna Schwarz, aus der Ehe gehen vier Kinder hervor. Die Zeit von Anfang 1956 bis Anfang 1960 verbrachte er mit Anna Schwarz in Paris, wo auch das Manuskript fĂŒr Die Blechtrommel entstand. 1957 wurden dort die Zwillinge Franz und Raoul geboren. 1961, nach der RĂŒckkehr nach Berlin, folgte die Tochter Laura, 1965 wurde der Sohn Bruno geboren. 1972 trennen sich GĂŒnter Grass und Anna Schwarz. Helene, geboren 1974, ist die gemeinsame Tochter mit der Architektin und Malerin Veronika Schröter, mit der Grass in den 1970er-Jahren eine mehrjĂ€hrige Beziehung hatte. 1979 wird Nele KrĂŒger, Grass’ Tochter mit Ingrid KrĂŒger geboren. Im selben Jahr heiratete er in zweiter Ehe die Organistin Ute Grunert, die selbst zwei Söhne in die Ehe mitbrachte. In dem autobiographischen Roman Die Box lĂ€sst Grass nicht nur seine sechs leiblichen Kinder, sondern auch die Söhne von Ute Grunert als „seine acht Kinder“ auftreten.[10][11]

Von August 1986 bis Januar 1987 lebte GĂŒnter Grass zusammen mit Ute Grunert in Indien, meist in Kalkutta.

Schaffenszeit und politische AktivitÀten

In den Jahren 1956/57 begann Grass neben ersten Ausstellungen von Plastiken und Graphiken in Stuttgart und Berlin schriftstellerisch tĂ€tig zu werden. Im Jahr 1956 debĂŒtierte er als Lyriker, sowie 1957 als Dramatiker und Librettist von Balletten[12]. Bis 1958 entstanden vor allem Kurzprosa, Gedichte und TheaterstĂŒcke, die Grass dem poetischen oder absurden Theater zuordnet. Im Jahr 1959 erschien Grass’ erster Roman Die Blechtrommel, mit dem er den Durchbruch schaffte, sodass er international wahrgenommen und gefeiert wurde.

In der Wohnung von Grass’ Nachbarn und Freund Uwe Johnson in Berlin-Friedenau, der sich zu jener Zeit in New York aufhielt, nistete sich 1967 die Kommune I ein, die von dort aus das „Pudding-Attentat“ auf US-VizeprĂ€sident Hubert H. Humphrey plante. Das Attentat scheiterte zwar, fĂŒhrte aber immerhin zu einem beachtlichen Medienspektakel. Auf Bitte Johnsons, der zu der Zeit nicht in Deutschland weilte, ließ GĂŒnter Grass die Wohnung von der Polizei rĂ€umen.

Grass im GesprÀch mit Bundeskanzler Willy Brandt, 1970

Grass unterstĂŒtzte oft die SPD in den WahlkĂ€mpfen und wurde 1982 deren Mitglied.

1965 veröffentlichte er das Taschenbuch "dich singe ich demokratie - loblied auf willy"[13]; Willy Brandt hatte er 1961 kennengelernt. Dann rief er mit anderen das "Wahlkontor deutscher Schriftsteller" ins Leben.[14] Er war enttĂ€uscht, als Willy Brandt ihn nach seinem Wahlsieg nicht mit einer Aufgabe betraute.[15] Mit seinen Ansichten eckte er unter anderem innerhalb der SPD oftmals an. So sprach er sich im Februar 1990 gegen die Wiedervereinigung und fĂŒr eine Konföderation der beiden deutschen Staaten aus, um dem Osten die Möglichkeit zu geben, „sich wirtschaftlich und demokratisch [zu] festigen“.[16]) 1992 kĂŒndigte Grass aus Protest gegen den Asylkompromiss[17] seine SPD-Mitgliedschaft wieder auf. Gleichwohl war er auch danach politisch tĂ€tig und setzte sich fĂŒr die Ideen der Sozialdemokraten ein: 2005 unterstĂŒtzte er die schleswig-holsteinische MinisterprĂ€sidentin Heide Simonis in ihrem Wahlkampf und warb fĂŒr die WiedereinfĂŒhrung einer Vermögenssteuer fĂŒr Besserverdienende.

Als MitgrĂŒnder des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS), heute in ver.di, gehörte Grass zu den Kritikern der Verbandspolitik, die seiner Meinung nach unter Vorsitz von Bernt Engelmann gegen osteuropĂ€ische Diktaturen oft allzu duldsam war. Auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Hamburg (24. bis 26. September 1987) ließ er sich in den Bundesvorstand wĂ€hlen, trat aber auf dem Kongress in Stuttgart 1988 mit dem gesamten Vorstand zurĂŒck, weil eine Diskussion ĂŒber Alternativen zum Beitritt des Verbandes in die IG Medien – Grass hatte eine eigene Autorengewerkschaft unter dem Dach des DGB vorgeschlagen â€“ ausblieb. Mit ihm verließen die VS-Bundesvorsitzende Anna Jonas, der Beisitzer Karlhans Frank und rund 50 weitere Autorinnen und Autoren den Verband.[18][19]

Eine Zusammenarbeit mit dem Jazzmusiker GĂŒnter Sommer ab 1985 brachte mehrere TontrĂ€ger hervor, auf denen der Schriftsteller zu Perkussionsmusik von Sommer aus seinen Werken liest.

Tadeusz RĂłĆŒewicz und Grass, 2006

GĂŒnter Grass ist offizieller UnterstĂŒtzer der Aktion 1:1. des LSVD, die sich fĂŒr gleiche Rechte und Pflichten bei einer Lebenspartnerschaft einsetzt.[20]

1997 grĂŒndete Grass die Otto-Pankok-Stiftung zu Ehren seines ehemaligen Lehrers und als Engagement zu Gunsten der Sinti und Roma.

Grass war 1996 Mitunterzeichner der Frankfurter ErklĂ€rung zur Rechtschreibreform. Auch in neueren Werken verwendet Grass weiterhin die traditionelle Rechtschreibung. 1999 erhielt GĂŒnter Grass im Alter von 72 Jahren den Nobelpreis fĂŒr Literatur fĂŒr sein Lebenswerk. 2005 grĂŒndete er den Autorenzirkel LĂŒbeck 05.

Im FrĂŒhjahr 2010 wurde die Stasi-Akte von Grass im Berliner Christoph Links Verlag unter dem Titel GĂŒnter Grass im Visier. Die Stasi-Akte publiziert (Herausgeber Kai SchlĂŒter). Die Dokumentation wird ergĂ€nzt mit Kommentaren von Grass und Zeitzeugen. Seit 1961 wurde der Schriftsteller von der Stasi ĂŒberwacht, nachdem er sich fĂŒr den DDR-Schriftsteller Uwe Johnson eingesetzt und den Bau der Berliner Mauer in einem offenen Brief verurteilt hatte.[21][22]

Grass engagiert sich weiterhin gegen Atomkraft, z. B. bei einer Lesung vor dem Kernkraftwerk KrĂŒmmel im April 2011.[23]

GĂŒnter Grass lebt heute in der NĂ€he von LĂŒbeck. In LĂŒbeck befindet sich das GĂŒnter-Grass-Haus mit dem ĂŒberwiegenden Teil seiner literarischen und kĂŒnstlerischen Originalwerke.

Werk und Wirken

Schreiben gegen das Vergessen

Als Intention der Werke Grass’ ist das „Schreiben gegen das Vergessen“ auszumachen. Seine Werke thematisieren Nationalsozialismus bzw. handeln vor dessen Hintergrund. Auch die Werke Grass’, die in der Nachkriegszeit handeln (beispielsweise Im Krebsgang, 2002), behandeln die Thematik des Vergessens und die der Schuld. Laut BegrĂŒndungsschrift des Komitees fĂŒr seinen Nobelpreis wurde er dafĂŒr geehrt, dass er „in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat.“[24]

Über seine Werke

In einer sehr bildlichen Sprache ist der 1959 erschienene Roman Die Blechtrommel geschrieben, der spĂ€ter von Volker Schlöndorff verfilmt wurde. Er handelt von dem infantilen Sonderling Oskar Matzerath, der von seiner „Kinderperspektive“ aus die Erwachsenenwelt beschreibt und dank seiner Blechtrommel auch ĂŒber Ereignisse, an denen er nicht unmittelbar beteiligt war, wie zum Beispiel die Geburt seiner Mutter, berichten kann. FĂŒr den Roman erhielt er, nach Lesung aus dem noch unveröffentlichten Manuskript, 1958 den Preis der Gruppe 47, deren Mitglied er seit 1957 war. 1960 wollte die Jury des Bremer Literaturpreises Grass fĂŒr die Blechtrommel prĂ€mieren, was aber vom Bremer Senat verhindert wurde. In diesem und dem folgenden Jahr wurde der Preis nicht verliehen.

Mit der Blechtrommel, in der er erstmals historisch reale Ereignisse mit seiner surreal-grotesken Bildersprache konfrontiert, hatte Grass seinen Stil gefunden. Als einer der ersten deutschsprachigen Schriftsteller stellte er sich den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und entschied sich bewusst fĂŒr die gegenstĂ€ndliche Beschreibung des historischen Kontexts. Auch die Kaschubei fand in diesem Werk Aufnahme in die Weltliteratur.

Sein ebenfalls im Danzig des Zweiten Weltkrieges spielendes zweites Buch Katz und Maus, in dem er die Geschichte des Jungen Joachim Mahlke erzĂ€hlt, wurde dagegen zunĂ€chst Anlass eines Skandals. HauptsĂ€chlich wegen einer „Onanierszene“ beantragte der Hessische Minister fĂŒr Arbeit, Volkswohlfahrt und Gesundheitswesen 1961 bei der BundesprĂŒfstelle, die Novelle wegen unsittlichen Inhalts zu indizieren. Auf Protest der Öffentlichkeit und anderer Schriftsteller wurde der Antrag allerdings wieder zurĂŒckgezogen. Zwei Jahre spĂ€ter erschien Hundejahre, das letzte Werk der Danziger Trilogie.

Mit Die Plebejer proben den Aufstand erschien 1966 ein weiteres Drama von Grass, das sein bekanntestes TheaterstĂŒck wurde. Es thematisiert den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und die Rolle der marxistischen Intellektuellen. Die Hauptfigur des „Chefs“ ist mit zahlreichen ZĂŒgen von Bertolt Brecht ausgestattet. Gegen eine Deutung, die das Drama auf ein Anti-Brecht-StĂŒck reduziert, hat sich Grass jedoch stets verwahrt. 1968 veröffentlichte Grass das Buch Briefe ĂŒber die Grenze, ein Dialog zwischen dem tschechischen Schriftsteller Pavel Kohout und Grass zum Thema „Prager FrĂŒhling“.

1969 erschien Grass’ Roman Örtlich betĂ€ubt. Hierin verteilte der Autor seine eigene (anarchistische und sozialdemokratische) politische Einstellung auf verschiedene Personen, im Mittelpunkt ein Zahnarzt, die sich mit aktuellen Problemen auseinandersetzen. Es war das erste Mal, dass Grass ĂŒber ein aktuelles Thema schrieb (Studentenbewegung), andere BĂŒcher hatten immer einen starken Vergangenheitsbezug. In den USA wurde das Buch euphorisch aufgenommen, wĂ€hrend sich in Deutschland die Kritiker eher zurĂŒckhielten. Nach dem Erscheinen der ErzĂ€hlung Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), welche den Bundestagswahlkampf 1969 beschreibt, zog Grass sich vorĂŒbergehend aus dem politischen Leben zurĂŒck.

1977 wurde Grass’ Roman Der Butt veröffentlicht, der seinen internationalen Ruf als Epiker unterstreicht. Zwei Jahre spĂ€ter brachte Grass das nĂ€chste Buch heraus, die ErzĂ€hlung Das Treffen in Telgte. Einige Poeten der Barockzeit treffen sich dort im Jahr 1647 wĂ€hrend der Verhandlungen zum WestfĂ€lischen Frieden. Das Treffen verlĂ€uft weitgehend nach den Gepflogenheiten der 300 Jahre spĂ€ter von Hans Werner Richter ins Leben gerufenen Gruppe 47. Die ErzĂ€hlung ist Richter gewidmet. Der erste Satz von Der Butt („Ilsebill salzte nach.“) wurde 2007 von einer Prominenten-Jury zum schönsten ersten Satz der deutschsprachigen Literatur gewĂ€hlt.

Eine Asienreise inspirierte Grass 1980 zu Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus, einem weiteren erzĂ€hlenden Werk, welches unter anderem damalige politische Ereignisse behandelt. Acht Jahre spĂ€ter folgte das Prosawerk Die RĂ€ttin, das 1997 verfilmt wurde und ein apokalyptisches Feature ĂŒber den Selbstmord der Menschheit zeichnet. 1992 erschien die ErzĂ€hlung Unkenrufe, die Grass’ BemĂŒhen um die Versöhnung der Deutschen mit sich und den östlichen Nachbarn zeigt.

Sein bisher letzter, dritter Roman, Ein weites Feld, erschien 1995. Er spielt in Berlin zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung und ist ein Panorama deutscher Geschichte von der Revolution von 1848 bis zur Gegenwart. Eine bis heute nicht nachlassende Langzeitwirkung entfaltete der Roman durch den zum geflĂŒgelten Wort gewordenen Satz ĂŒber die DDR: „Wir lebten in einer kommoden Diktatur“. FĂŒr dieses heftig umstrittene, politisch orientierte Buch erhielt Grass den Hans-Fallada-Preis. Der Protagonist des Romans, Fonty, ist an das Alter Ego von Theodor Fontane angelehnt und schlĂ€gt so den Bogen vom 19. Jahrhundert bis heute. Das Buch wurde in der Öffentlichkeit stark diskutiert, was unter anderem dazu fĂŒhrte, dass bereits nach acht Wochen die fĂŒnfte Auflage in Druck ging.

2002 erschien die Novelle Im Krebsgang, die den Untergang des mit FlĂŒchtlingen besetzten Schiffs Wilhelm Gustloff am Ende des Zweiten Weltkrieges behandelt. Ein Jahr spĂ€ter erschien Letzte TĂ€nze, eine Sammlung vorwiegend erotisch geprĂ€gter Gedichte und Zeichnungen.

Beim HĂ€uten der Zwiebel, ein autobiografisch geprĂ€gtes Buch ohne explizite Gattungsbezeichnung, erschien 2006. Darin schreibt Grass erstmals darĂŒber, dass er als 17-JĂ€hriger Mitglied der Waffen-SS war. Dieser Umstand wurde der Öffentlichkeit jedoch schon kurz vor Erscheinen des Buches durch ein Interview bekannt, das Grass der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab.[25][2]

Lyrische Werke

Neben seinen oft erfolgreichen Romanen schrieb Grass auch einige wenig populĂ€re GedichtbĂ€nde, die er mit eigenen Bildern und Zeichnungen ergĂ€nzte. SpĂ€ter erklĂ€rte er, am meisten liege ihm die Lyrik, von der er eigentlich komme. Sie erschien ihm als die Form des Schreibens, die am klarsten und deutlichsten sei und mit der er sich selber am besten in Frage stellen und ausmessen könne. Seine literarische Karriere begann im FrĂŒhjahr 1955, als er Gedichte an einen Lyrikwettbewerb des SĂŒddeutschen Rundfunks schickte und dort auf Anhieb den dritten Preis gewann. Von der Preisverleihung zurĂŒckgekehrt, fand er ein Telegramm von Hans Werner Richter vor, mit dem er zur Tagung der Gruppe 47 in Berlin eingeladen wurde. Seine Lesung weckte das Interesse Walter Höllerers. In der Folge veröffentlichte der Luchterhand-Verlag 1956 sein erstes Buch.[26]

Die VorzĂŒge der WindhĂŒhner verkaufte sich in den ersten Jahren zwar nur 700 mal, doch beurteilten Kritiker das Buch recht positiv als einen „Weg zur realistischen Darstellung des Alltags“.

Im 1960 erschienenen Gleisdreieck geht er auf die damals gerade erschienene Blechtrommel ein. Neben große und dĂŒstere Kohlezeichnungen gesellen sich 55 Gedichte, die sehr stark die Wirklichkeit einbeziehen oder GegenstĂ€nde beschreiben. Er erzĂ€hlt von Berlin und vermengt teilweise unsinnige Passus mit Bösartigkeit und Sadismus.

Im nĂ€chsten Lyrikband, Ausgefragt von 1967, geht Grass besonders auf zwei Dinge ein: Biographisches und Politisches. Er dichtet ĂŒber persönliche Erfahrungen und verarbeitet den 1965er Wahlkampf, in dem er fĂŒr die SPD und Willy Brandt eintrat.

Neben einigen weniger eminenten Werken (zum Beispiel Liebe geprĂŒft) und einigen SammelbĂ€nden, erschien 1983 Ach Butt, dein MĂ€rchen geht böse aus. In diesem Werk wurden ĂŒberwiegend die Gedichte aus den Romanen Der Butt und Die RĂ€ttin zusammengetragen. Inhaltlich beschreiben sie zum Teil detailliert Nahrungsmittel oder den Kot (als menschliches Endprodukt).

Grass’ Gedichte sind realistisch geprĂ€gt, aber oft mit typisch scharfer Ironie gewĂŒrzt, wie auch sein kĂŒrzestes Gedicht GlĂŒck:

Ein leerer Autobus
stĂŒrzt durch die ausgesternte Nacht.
Vielleicht singt sein Chauffeur
und ist glĂŒcklich dabei.

Grass als Moralist und politisch aktiver Intellektueller

Auch außerhalb seiner Schriften war Grass politisch aktiv und kommentierte hĂ€ufig das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen. Der anarchistisch anmutende Grass nutzte seine PopularitĂ€t als Schriftsteller von Weltrang, um fĂŒr die SPD zu werben. Er selber wurde besonders beeinflusst von Kurt Schumachers Reden von 1947 bis 1950. Sein politischer Standpunkt ist irgendwo links von der Mitte. Er begrĂŒĂŸte die rot/grĂŒne Regierung unter Kanzler Schröder. Nach eigener Aussage war er schon immer politisch, was man auch in der Danziger Trilogie erkennen kann.

Im 1961er-Wahlkampf unterstĂŒtzte er Willy Brandt (SPD), indem er seine Reden redigierte. Beim nĂ€chsten Wahlkampf (1965) redete Grass zum Thema „Es steht zur Wahl“ in 50 StĂ€dten. Seine politischen Ziele waren in viele kleine Forderungen untergliedert (zum Beispiel Abschaffung der 5%-Klausel). Nachdem die CDU ein weiteres Mal die Mehrheit bekam, wurde der Autor Grass immer mehr zum Politiker.

Im Dezember 1966 Ă€ußerte er sich kritisch zur Wahl von Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler: „Wie sollen wir der gefolterten und ermordeten WiderstandskĂ€mpfer, wie sollen wir der Toten von Auschwitz und Treblinka gedenken, wenn Sie, der MitlĂ€ufer von damals, es wagten, heute hier die Richtlinien der Politik zu bestimmen?“[27] Grass verarbeitete seine Kritik spĂ€ter in Örtlich betĂ€ubt.

Im Bundestagswahlkampf des Jahres 1969 reiste er 31.000 Kilometer durch Deutschland und hielt an verschiedenen Orten insgesamt 94 Reden zugunsten des im selben Jahr zum Bundeskanzler gewĂ€hlten SPD-Politikers Brandt.[3] Im Buch Tagebuch einer Schnecke berichtete Grass biografisch von WahlkĂ€mpfen und Politik. Als Brandt wegen seiner SpionageaffĂ€re zurĂŒcktreten musste, Ă€ußerte sich Grass enttĂ€uscht und zornig ĂŒber seinen politischen Lehrer. Grass wurde erst 1982 Mitglied der SPD, verließ sie aber wegen der Asylpolitik nach zehn Jahren wieder.

Im Jahr 1985 machte Grass seine Ablehnung gegen den Besuch eines Bitburger Soldatenfriedhofs durch den damaligen Bundeskanzler Kohl (CDU) und den amerikanischen PrĂ€sidenten Ronald Reagan deutlich. Er warf Helmut Kohl „Geschichtsklitterung“ vor und wendete sich gegen das Ausstellen von „Unschuldszeugnissen“. Seiner Meinung nach „spricht Unwissenheit [
] nicht frei. Sie ist selbst verschuldet, zumal die besagte Mehrheit wohl wusste, dass es Konzentrationslager gab [
] Kein selbstgefĂ€lliger Freispruch hebt dieses Wissen auf. Alle wussten, konnten wissen, hĂ€tten wissen mĂŒssen.“[28] Auf dem Soldatenfriedhof liegen deutsche und amerikanische Soldaten, aber auch 49 MĂ€nner der Waffen-SS begraben. 32 der dokumentierten Waffen-SS-Gefallenen waren unter 25 Jahre alt.[28] (Siehe zu Grass’ persönlichem Dilemma das folgende Kapitel).

Grass Ă€ußerte sich im Jahr 2006 zur Reaktion von Muslimen auf Mohammed-Karikaturen dĂ€nischer und französischer Zeitungen mit den Worten „Woher nimmt der Westen diese Arroganz, vorzugeben, was gemacht werden muss und was nicht?“[29] und wurde daraufhin kritisiert.

In der Monopolisierung des Zeitungsmarktes sieht Grass einen „tagtĂ€glich am Kiosk“ vollzogenen Verfassungsbruch, da die den Zeitungsmarkt beherrschenden Konzerne eine Meinungsvielfalt nicht mehr zuließen.[30]

Im April 2010 forderte Grass bei einer Rede in Tarabya eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern durch die Republik TĂŒrkei und vertrat die Auffassung, es sei „von höchster Stelle der TĂŒrkei eine Entschuldigung bei den Armeniern fĂ€llig.“ In tĂŒrkischen Medien wie der Tageszeitung HĂŒrriyet wurde die Stellungnahme positiv kommentiert. HĂŒrriyet kommentierte, Grass habe seine Erfahrungen darĂŒber offenbart, wie „die Menschheit in Frieden leben könne.“[31]

Grass und die Stasi

2010 veröffentlichte Kai SchlĂŒter eine Dokumentation mit dem Titel "GĂŒnter Grass im Visier. Die Stasi-Akte". Die Dokumentation enthĂ€lt auch Kommentare von GĂŒnter Grass und von Zeitzeugen. SchlĂŒter bereitet darin Grass' Stasi-Akte auf. Die Stasi begann diese Akte kurz nach dem Mauerbau im August 1961. Sie ließ Grass bis Herbst 1989 nicht mehr aus den Augen, sammelte Material ĂŒber ihn und die Gruppe 47 und ĂŒberwachte ihn bei seinen Besuchen in der DDR.[32] Grass wĂ€re im August 1961 beinahe von der Stasi festgenommen worden.[33]

Zugehörigkeit zur Waffen-SS

Mit dem Bekenntnis zu seiner Vergangenheit in der Waffen-SS im August 2006 begann eine umfangreiche Debatte um Grass’ Rolle als moralische Instanz im Nachkriegsdeutschland. Grass selbst vermutete, er habe die Waffen-SS in seiner Jugend „als Eliteeinheit“ gesehen, „die doppelte Rune am Uniformkragen“ sei ihm „nicht anstĂ¶ĂŸig“ gewesen.[34] Er war nach eigenen Angaben wĂ€hrend seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS an keinen Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkrieges beteiligt, er habe darĂŒber hinaus keinen Schuss abgegeben.[35]

Bereits 20 Jahre vor seiner öffentlichen Äußerung diesbezĂŒglich soll Grass mehreren Schriftstellerkollegen seine Zeit bei der Waffen-SS zur Kenntnis gegeben haben, darunter dem 1944 geborenen österreichischen Lyriker, Autor und Regisseur Robert Schindel und dem gleichaltrigen Theaterautor Peter Turrini.[36]

In Reaktion auf die Aussagen Grass’ bezĂŒglich seiner Vergangenheit gab es zahlreiche, sowohl kritische als auch milde, Kommentare: Charlotte Knobloch (PrĂ€sidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland) sah das Bekenntnis von Grass als PR-Maßnahme an und sagte: „Die Tatsache, dass dieses spĂ€te GestĂ€ndnis so kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Buches kommt, legt [
] die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine PR-Maßnahme zur Vermarktung des Werkes handelt.“[37] Der Journalist und Hitler-Biograf Joachim Fest Ă€ußerte sein UnverstĂ€ndnis, „wie sich jemand 60 Jahre lang stĂ€ndig zum schlechten Gewissen der Nation erheben kann, gerade in Nazi-Fragen – und dann erst bekennt, dass er selbst tief verstrickt war“.[38] Klaus Staeck (PrĂ€sident der Akademie der KĂŒnste in Berlin) vertrat hingegen den Standpunkt, dass „das kĂŒnstlerische Werk und auch seine politische und moralische IntegritĂ€t auch nach seinem Bekenntnis außer Zweifel“ stĂ€nden.[3] Es finden sich auch Hinweise, dass einige Polemiken gegen Grass sich auf eine angebliche GrassĂ€ußerung stĂŒtzen, die in Wirklichkeit eine abwertende Interpretation seitens des Publizisten Hannes Stein sei.[39]

Weiterhin gab es auch Forderungen nach der Aberkennung oder RĂŒckgabe von verliehenen Auszeichnungen. So forderte der polnische Politiker Lech WaƂęsa zunĂ€chst, Grass solle die EhrenbĂŒrgerschaft der Stadt Danzig ablegen.[40] Die CDU-Politiker Wolfgang Börnsen und Philipp Mißfelder forderten ihn zur RĂŒckgabe seines Nobelpreises auf.[41][42] Nach einem Reue bekennenden Schreiben an die Stadt Danzig und dem Anerkennen der Reue durch Lech WaƂęsa verebbte die Diskussion. WaƂęsa nahm seine Kritik wieder zurĂŒck.[43] Nach einer Umfrage vom August 2006 unter den Einwohnern der Stadt Danzig sprachen sich zwei Drittel der Bevölkerung dagegen aus, Grass die EhrenbĂŒrgerschaft abzuerkennen. Der Danziger BĂŒrgermeister PaweƂ Adamowicz Ă€ußerte, dass das spĂ€te Bekenntnis von Grass nichts an der QualitĂ€t seiner Literatur und seinen Verdiensten fĂŒr die deutsch-polnische Aussöhnung Ă€ndere.[44] Auch das Nobelpreiskomitee schloss eine Aberkennung des Nobelpreises aus.[45]

Max A. Höfer, Co-GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, zitierte im FrĂŒhjahr 2007 die Neue ZĂŒrcher Zeitung, der „penetrante moralische Rigorismus“ von Grass sei eine „Ersatzhandlung“, „deren Polemiken vielleicht nie ausschließlich und allein auf die Sache zielten, die sich vielmehr aus dem Glutkern von verschwiegener Scham und Schuld speiste“, und hoffte, von Grass werde „sich wohl niemand mehr die Leviten lesen lassen“.[46]

Im November 2007 ließ Grass durch seinen Anwalt eine Unterlassungsklage gegen die Verlagsgruppe Random House, zu der der Goldmann Verlag gehört, einlegen. Mit dieser Klage ging Grass dagegen vor, dass in einer aktualisierten, bei Goldmann erschienenen Fassung der Grass-Biografie von Michael JĂŒrgs die Behauptung aufgestellt wurde, Grass habe sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet.[47] Zu einer Gerichtsverhandlung kam es nicht, Grass und Random House einigten sich jedoch auf einen Vergleich, wonach sich JĂŒrgs verpflichtete, den strittigen Passus in einer Neuauflage dahingehend zu Ă€ndern, dass Grass in seiner Autobiographie geschrieben habe, als SiebzehnjĂ€hriger zur Waffen-SS-Division „Frundsberg“ eingezogen worden zu sein.[48] Dies entsprach auch der Darstellung von Robert Schindel, wonach Grass — nachdem er sich freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet hatte und dort nicht genommen worden war — zur Waffen-SS rekrutiert wurde.[36]

VerhÀltnis zum Springer-Konzern

Um die seit 1967 bestehende Gegnerschaft zwischen der Gruppe 47 und der Axel Springer AG beizulegen, unternahm deren Vorstandschef Mathias Döpfner 2006 einen Vorstoß bei Grass. Dieser hielt sich weiterhin an den von der Gruppe im Oktober 1967 beschlossenen Boykott von Springer-Zeitungen. Die Schriftsteller befĂŒrchteten eine „EinschrĂ€nkung und Verletzung der Meinungsfreiheit“ und eine „GefĂ€hrdung der Grundlagen der parlamentarischen Demokratie in Deutschland“ durch die Marktmacht des Konzerns.

Grass hatte nach Jahrzehnten zu verstehen gegeben, von dem Boykott abrĂŒcken zu wollen, wenn sich der Konzern fĂŒr die verletzende Art entschuldige, mit der die Zeitungen des Konzerns das Werk von Heinrich Böll begleitet hĂ€tten. Grass erklĂ€rte sich bereit, Döpfner in seinem Haus in Behlendorf bei LĂŒbeck zu empfangen. Das Treffen fand am 27. MĂ€rz 2006 statt. Über den Inhalt des GesprĂ€chs gab es keine Auskunft, doch kam es Ende April 2006 zu einem weiteren GesprĂ€ch, das Grass und Döpfner wiederum in Behlendorf fĂŒhrten. AuszĂŒge des StreitgesprĂ€chs, das der Publizist Manfred Bissinger moderierte, wurden im Juni 2006 im Spiegel (25/2006) abgedruckt. Zwar blieb Grass bei seiner grundsĂ€tzlichen Kritik am Springer-Verlag, doch sei seine Ablehnung nichts FestgefĂŒgtes. Er wĂŒnsche sich, dass Döpfner „ein grĂ¶ĂŸeres Differenzieren“ im Verlag durchsetze. Döpfner erklĂ€rte sich bereit, „im Hinblick auf 1968 fĂŒr den Axel Springer Verlag eine selbstkritische Revision zu fĂŒhren“.[49]

Das GesprÀch wurde im August/September 2006 im Steidl-Verlag unter dem Titel Die Springer-Kontroverse als Taschenbuch herausgegeben.

Rezeption

GĂŒnter Grass’ Werk wird als bedeutsamer Teil des literarischen Kanons betrachtet. Die Romane, nicht nur Die Blechtrommel, sind weltweit bekannt. An seinen „pikaresken“ Schreibstil knĂŒpften unter anderem solche Autoren wie John Irving und Salman Rushdie an. Letzterer setzte sich insbesondere auch mit Grass’ Verarbeitung des Heimatverlustes auseinander, was sich zum Beispiel in Rushdies Roman Mitternachtskinder zeigt, der deutlichen Bezug auf die Blechtrommel nimmt – etwa in der Verarbeitung der Geburtsszene, die wiederum auf einer Verfremdung der Goetheschen Darstellung seiner Geburt in Dichtung und Wahrheit beruht.

Seine öffentliche Wirkung zeigt sich auf der Cicero-Liste der fĂŒhrenden 500 Intellektuellen im deutschsprachigen Raum, auf der er 2007 hinter Benedikt XVI. und Martin Walser auf dem dritten Platz rangierte.[50]

Auszeichnungen

GĂŒnter Grass
Frankfurter Buchmesse 2007

Er erhielt im Jahr 1999 den Nobelpreis fĂŒr Literatur, weil er – so die BegrĂŒndung der Jury â€“ „in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“ ("[he is the author] whose frolicsome black fables portray the forgotten face of history"). DarĂŒber hinaus hat Grass noch etliche Auszeichnungen erhalten, von denen im Folgenden einige genannt werden.

1965 wurde Grass der Georg-BĂŒchner-Preis verliehen, „fĂŒr sein Werk in Lyrik und Prosa, worin er kĂŒhn, weitausgreifend und kritisch das Leben unserer Zeit darstellt und gestaltet.“ 1967 wurde er mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet, 1968 mit dem Fontane-Preis. 1969 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis. 1994 verlieh ihm die Bayerische Akademie der Schönen KĂŒnste ihren Großen Literaturpreis. 1995 wurde Grass mit der Hermann-Kesten-Medaille ausgezeichnet, im Jahr darauf mit dem Thomas-Mann-Preis der Stadt LĂŒbeck und dem Samuel-Bogumil-Linde-Preis. 1999 ehrte ihn Spanien mit dem Prinz-von-Asturien-Preis fĂŒr Geisteswissenschaften und Literatur. Seit 2005 ist er Ehrendoktor der Freien UniversitĂ€t Berlin.
2006 wurde ihm der Internationale BrĂŒckepreis verliehen, dessen Annahme er jedoch ablehnt, weil CDU-Kommunalpolitiker die Entscheidung der unabhĂ€ngigen deutsch-polnischen Jury infrage stellten.
Grass ist seit 1993 EhrenbĂŒrger seiner Geburtsstadt Danzig und Ehrendoktor der dortigen UniversitĂ€t. 2007 erhĂ€lt er den Ernst-Toller-Preis.

Die 1960 vorgesehene Ehrung mit dem Bremer Literaturpreis scheiterte am Widerspruch des Bremer Senats, im selben Jahr erhielt er jedoch den Deutschen Kritikerpreis.

Zu Ehren von GĂŒnter Grass wurde der Asteroid Grass nach dem Literaten benannt.

2009 wurde in seiner Geburtsstadt Danzig ein GĂŒnter-Grass-Museum eröffnet.

Werke

ErzÀhlendes Werk

GĂŒnter Grass’ Unterschrift

Dramen

  • Die bösen Köche. Ein Drama. (1956)
  • Hochwasser. Ein StĂŒck in zwei Akten (1957)
  • Onkel, Onkel. Ein Spiel in vier Akten. (1958)
  • Noch zehn Minuten bis Buffalo. Ein Spiel in einem Akt. (1958)
  • Die Plebejer proben den Aufstand. Ein deutsches Trauerspiel. (1966)

Lyrik

  • Die VorzĂŒge der WindhĂŒhner (1956)
  • Gleisdreieck (1960)
  • Ausgefragt (1967)
  • Gesammelte Gedichte (1971)
  • Letzte TĂ€nze (2003)
  • Lyrische Beute (2004)
  • Dummer August (2007)

Grafik, Skulpturen, Plastiken

Der Butt, Plastik von GĂŒnter Grass
  • Der Butt, Plastik im Hafen von Sonderburg, DĂ€nemark
  • Zeichnungen und Schreiben. Das bildnerische Werk des Schriftstellers GĂŒnter Grass. Band I: Zeichnungen und Texte 1954-1977. Hrsg. von Anselm Dreher. Darmstadt/Neuwied 1982
  • Zeichnungen und Schreiben II. Radierungen und Texte 1972-1982. Hrsg. von Anselm Dreher. Darmstadt/Neuwied 1984
  • In Kupfer, auf Stein. Die Radierungen und Lithographien 1972-1986. Göttingen 1986
  • Graphik und Plastik. Bearbeitet von Werner Timm. Regensburg 1987 (Ausstellungskatalog)
  • Hundert Zeichnungen 1955-1987. Ausstellungskatalog der Kunsthalle Kiel. Hrsg. von Jens Christian Jensen. Kiel 1987

Sonstiges

  • (mit Pavel Kohout) Briefe ĂŒber die Grenze. Versuch eines Ost-West-Dialogs. (1968)
  • Über das SelbstverstĂ€ndliche. Reden – AufsĂ€tze – Offene Briefe – Kommentare. (1968)
  • Die Vogelscheuchen. Ballettlibretto (UA 1970)
  • Der BĂŒrger und seine Stimme. Reden AufsĂ€tze Kommentare. (1974)
  • Denkzettel. Politische Reden und AufsĂ€tze 1965–1976. (1978)
  • Widerstand lernen. Politische Gegenreden 1980–1983. (1984)
  • Zunge zeigen. Ein Tagebuch in Zeichnungen. (1988)
  • Rede vom Verlust. Über den Niedergang der politischen Kultur im geeinten Deutschland. (1992)
  • Ein SchnĂ€ppchen namens DDR. Letzte Reden vorm Glockengeleut. (1993)
  • Rede ĂŒber den Standort (1997)
  • Zeit, sich einzumischen. Die Kontroverse um GĂŒnter Grass und die Laudatio auf Yasar Kemal in der Paulskirche (1998)
  • Vom Abenteuer der AufklĂ€rung. WerkstattgesprĂ€che mit Harro Zimmermann. (1999)
  • GĂŒnter Grass – Helen Wolff. Briefe 1959–1994. (2003)
  • Hans Christian Andersens MĂ€rchen – gesehen von GĂŒnter Grass (2005)
  • Uwe Johnson – Anna Grass – GĂŒnter Grass. Der Briefwechsel 1961–1984. (2007)

HörbĂŒcher

Verfilmungen

Siehe auch

Literatur

Leben und Werk
Biografische Aspekte
  • Margarethe Amelung: FĂŒnf Grass’sche Jahreszeiten. Von dem MĂ€dchen, das immer so leicht errötete, Herausgeber: Manfred E. Berger. LangenMĂŒller, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-7844-3123-9. (Erinnerungsband ĂŒber fĂŒnf Jahreszeiten als Haustochter in der Familie Grass)
  • Kai SchlĂŒter: GĂŒnter Grass im Visier – Die Stasi-Akte. Verlag Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-567-6.
  • Kai SchlĂŒter: GĂŒnter Grass auf Tour fĂŒr Willy Brandt. Die legendĂ€re Wahlkampfreise 1969. Ch. Links Verlag, Berlin 2011. ISBN 978-3-86153-647-5.
  • Anselm Weyer: GĂŒnter Grass und die Musik. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-631-55593-4.
Zu einzelnen Werken
  • Martin Köbel (Hrsg.): Ein Buch, ein Bekenntnis. Die Debatte um GĂŒnter Grass’ „Beim HĂ€uten der Zwiebel“. Steidl, Göttingen 2007, ISBN 978-3-86521-427-0
  • Ulrike Prokop: Trauma und Erinnerung in GĂŒnter Grass’ Im Krebsgang. In: Freiburger literaturpsychologische GesprĂ€che, Band 23, Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2004
Werkaspekte
Kultur- und Literaturbetrieb und Medien
Sonstiges

Dokumentarfilme

  • GĂŒnter Grass und Pierre Bourdieu im GesprĂ€ch. Dokumentation, 59 Min., Regie: Dieter Franck, Erstausstrahlung: 5. Dezember 1999, GesprĂ€chsausschnitt (Archivversion vom 16. MĂ€rz 2008) von Radio Bremen bei web.archive.org
  • GĂŒnter Grass: LĂŒbecker Werkstattbericht. Sechs Vorlesungen an der Medizinischen UniversitĂ€t LĂŒbeck. Steidl, Göttingen 1998, ISBN 3-88243-618-2 (3 Video-Cassetten)
  • In Abrahams Schoss - GĂŒnter Grass bereist den Jemen. Dokumentarfilm von Tim Lienhard (Regie, Buch und Produktion) im Auftrag von GoetheInstitutInterNationes, 2002
  • Am 19. April 2007 erschien der Dokumentarfilm Der Unbequeme von Nadja Frenz und Sigrun Matthiesen in den Kinos.
  • GĂŒnter Grass – Die Blechtrommel-Story. Dokumentarfilm, Deutschland, 45 Min., 2007, ein Film von Wilfried Hauke, Produktion: NDR, Inhaltsangabe von 3sat
  • Göttingen feiert GĂŒnter Grass – Der NobelpreistrĂ€ger wird 80. Eine Geburtstagsrevue aus der Lokhalle Göttingen, Produktion: NDR, Erstsendung: 21. Oktober 2007, Inhaltsangabe vom NDR

Weblinks

 Commons: GĂŒnter Grass â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Biografisches
Linksammlung

Einzelnachweise

  1. ↑ Wer ist GĂŒnter Grass? In: Tagesspiegel, 13. August 2006
  2. ↑ a b GĂŒnter Grass im Interview: „Warum ich nach sechzig Jahren mein Schweigen breche“. In: FAZ, 11. August 2006
  3. ↑ a b c Der Fall GĂŒnter Grass. In: Stern, Nr. 34/2006
  4. ↑ SPIEGEL exklusiv: Grass rĂ€umte als Kriegsgefangener Waffen-SS-Mitgliedschaft ein. In: Spiegel Online, 15. August 2006
  5. ↑ Kölner Stadt-Anzeiger: Grass: Mit Ratzinger zusammen als Kriegsgefangener
  6. ↑ stern.de: WĂŒrfelte Grass mit dem Papst im Erdloch?
  7. ↑ open book: Ratzinger and Grass
  8. ↑ kathweb: Georg Ratzinger: Mein Bruder hat Grass 1945 nicht getroffen
  9. ↑ GĂŒnter Grass war Mitglied der Waffen-SS. In: Die Welt, 11. August 2006
  10. ↑ Was GĂŒnter Grass seinen Kindern zumutet. In: Die Welt
  11. ↑ die-luebecker-museen.de
  12. ↑ Anselm Weyer: Der Tanz des GĂŒnter Grass. Vogelscheuchen, Motten, fĂŒnf Köche und eine Gans: Der große Literat hatte eine SchwĂ€che fĂŒrs Ballett. Tanz - die europĂ€ische Zeitschrift fĂŒr Ballett, Tanz und Performance (Mai 2010), S. 50ff.
  13. ↑ hermann luchterhand verlag, ASIN: B0029XVUFA
  14. ↑ Roehler, Klaus und Rainer Nitsche (Hrsg.): Das Wahlkontor deutscher Schriftsteller in Berlin 1965. Versuch einer Parteinahme. Politisch-literarische Revue mit BeitrĂ€gen von Friedrich Christian Delius, GĂŒnter Grass, Peter HĂ€rtling, GĂŒnter Herburger, Klaus Roehler, Karl Schiller, Peter Schneider, GĂŒnter Struve und Klaus Wagenbach. Berlin, Transit, 1990. ISBN 3887470613 (EAN: 978-3887470616)
  15. ↑ Abschied von einer moralischen Instanz Von Jan Fleischhauer, 2011
  16. ↑ Kurze Rede eines vaterlandslosen Gesellen. In: Die Zeit, Nr. 7/1990
  17. ↑ "Unke an Schnecke". In: Der Spiegel 1/1993
  18. ↑ Auszug des Löwen. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1988 (Der Verband deutscher Schriftsteller steht ohne handlungsfĂ€hige FĂŒhrung da. Prominente treten aus, die FlĂŒgel sind verzankt – ist der Verband am Ende?, online).
  19. ↑ Renate Chotjewitz, Carsten Gansel (Hrsg.): Verfeindete EinzelgĂ€nger. Schriftsteller streiten ĂŒber Politik und Moral. Aufbau Verlag, Berlin 1977, ISBN 3-7466-8023-9 sowie die Darstellung des VS-Landesverbands Bayern Wer wir sind: Zur Geschichte des VS.
  20. ↑ Aktion 1:1: Testimonials – Statements der UnterstĂŒtzer der Aktion 1:1
  21. ↑ linksverlag.de
  22. ↑ focus.de
  23. ↑ Protestlesung in KrĂŒmmel. GĂŒnter Grass poltert gegen Lobbyisten. In: Spiegel Online, 10. April 2011
  24. ↑ Pressemitteilung der Schwedischen Akademie: Der Nobelpreis in Literatur 1999: GĂŒnter Grass. 30. September 1999
  25. ↑ GĂŒnter Grass enthĂŒllt: „Ich war Mitglied der Waffen-SS“. In: FAZ, 11. August 2006
  26. ↑ Heinz Ludwig Arnold: Die Gruppe 47. Rowohlt, Reinbek 2004, ISBN 3-499-50667-X, S. 7–8.
  27. ↑ Der Fall Grass und seine VorlĂ€ufer. In: Handelsblatt, 16. August 2006
  28. ↑ a b Bitburg 1985: Wie GĂŒnter Grass es sah. In: Hamburger Abendblatt, 16. August 2006
  29. ↑ Karikaturenstreit: Grass kritisiert Karikaturen als gezielte Provokation. In: FAZ, 9. Februar 2006
  30. ↑ Interview mit der Kieler Rundschau - KR vom 27. Nov. 1980, Seite 15
  31. ↑ Mord an Armeniern: Grass und die TĂŒrken Zeit Online, 16. April 2010. Abgerufen am 11. November 2011
  32. ↑ www.mauerfall-berlin.de
  33. ↑ Mitteldeutsche Zeitung 5. Oktober 2011
  34. ↑ Im Wortlaut: GĂŒnter Grass ĂŒber seine Zeit bei der Waffen-SS. In: FAZ, 16. August 2006
  35. ↑ WĂ€hrend seiner Dienstzeit keinen Schuss abgefeuert: Grass, der Waffen-SS-Mann. In: Rheinische Post, 14. August 2006
  36. ↑ a b Interview mit Robert Schindel: „Es ist ein Armutszeugnis, wie Grass behandelt wird“. In: Spiegel Online, 15. August 2006
  37. ↑ Netzeitung: Zentralrat der Juden wirft Grass PR-Aktion vor. 15. August 2006
  38. ↑ Reaktionen auf GĂŒnter Grass’ SS-Beichte – „Das Beste wĂ€re, wenn er von selbst darauf verzichten wĂŒrde“. In: SĂŒddeutsche Zeitung, 14. August 2006
  39. ↑ Klaus Priesucha: Halali auf einen NobelpreistrĂ€ger. Eine selbstbewusste Nation blĂ€st zur Jagd.
  40. ↑ SS-Vergangenheit: Walesa macht Grass EhrenbĂŒrgerwĂŒrde streitig. In: Spiegel Online, 13. August 2006
  41. ↑ Grass’ SS-Beichte – CDU-Politiker fordert RĂŒckgabe des Nobelpreises. In: SĂŒddeutsche Zeitung, 14. August 2006
  42. ↑ Junge Union: Zu spĂ€tes EingestĂ€ndnis von GĂŒnter Grass ist beschĂ€mend. 14. August 2006
  43. ↑ Debatte: Walesa: „Habe keinen Konflikt mehr mit Herrn Grass“. In: FAZ, 22. August 2006
  44. ↑ SWR 2: Ein blasses Streiflicht von Grass im scharfen Schatten des Krantors. 16. Oktober 2007, Sendung von Ursula Escherig; Manuskript (RTF; 69,8 kB)
  45. ↑ Grass’ Literatur-Nobelpreis: „Die Vergabe ist endgĂŒltig“. In: FAZ, 15. August 2006
  46. ↑ Aufstieg der Optimisten. In: Cicero, April 2007
  47. ↑ Streit um Biografie: GĂŒnter Grass klagt gegen SS-Vorwurf. In: Spiegel Online, 23. November 2007
  48. ↑ Spiegel Online: Klage wegen SS-Vorwurf: Grass und JĂŒrgs einigen sich auf Vergleich. In: Spiegel Online, 11. Februar 2008
  49. ↑ Wir Deutschen sind unberechenbar. In: Der Spiegel. Nr. 25, 2006 (online).
  50. ↑ Die Liste der 500. In: Cicero, Mai 2007

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