Habilitation

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Habilitation

Die Habilitation ist die höchstrangige HochschulprĂŒfung in Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und einigen osteuropĂ€ischen LĂ€ndern, mit der im Rahmen eines akademischen PrĂŒfungsverfahrens die LehrbefĂ€higung (facultas docendi) in einem wissenschaftlichen Fach festgestellt wird. Die Anerkennung der LehrbefĂ€higung bildet die Voraussetzung fĂŒr die zusĂ€tzliche Erteilung der Lehrerlaubnis oder Lehrbefugnis (venia legendi), die im Unterschied zur LehrbefĂ€higung an die Einhaltung regelmĂ€ĂŸiger Lehrverpflichtungen gebunden ist. Mit der Habilitation soll geprĂŒft werden, ob der Wissenschaftler sein Fach in voller Breite in Forschung und Lehre vertreten kann. Die Habilitation ist kein akademischer Grad.

In den LĂ€ndern, in denen es sie gibt, ist die Habilitation ein weder notwendiger noch hinreichender, aber oft entscheidender, Schritt um auf eine Professur berufen zu werden. Bereits seit vielen Jahren reichen „gleichwertige wissenschaftliche Leistungen“, wenigstens de iure. In Deutschland ist mit der EinfĂŒhrung der Juniorprofessur und der Reform der Professorenbesoldung von C auf W die Habilitation im Unterschied zu frĂŒher nicht mehr die einzige Qualifikation fĂŒr den Beruf des Hochschullehrers. Im Gegensatz zu Habilitanden gehören Juniorprofessoren bereits zur Gruppe der Hochschullehrer, wenn auch auf Zeit. Hinsichtlich der praktischen Bedeutung der Habilitation gibt es große Unterschiede zwischen den FĂ€chern.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Wortgebrauch

Das Wort "Habilitation" stammt von mittellateinisch habilitatio, dieses ist seinerseits abegeleitet von habilis ("geschickt, geeignet, fÀhig") bzw. dem Verb habilitare ("geschickt machen, geeignet machen, befÀhigen").

In der spĂ€tmittelalterlichen Theologie wird darunter besonders die habilitatio ad gratiam, das habilitare se ad gratiam verstanden, nĂ€mlich die nach Maßgabe der eigenen KrĂ€fte und Möglichkeiten vom Menschen aktiv zu vollziehende Abkehr von der SĂŒnde und Hinwendung zum Guten als Vorbereitung fĂŒr das göttliche Geschenk der Gnade.[1] Im rechtssprachlichen Gebrauch bezeichnen habilitatio und habilitare den Rechtsakt, durch den einer Person von einer kirchlichen oder weltlichen AutoritĂ€t mit einer entsprechenden Urkunde die FĂ€higkeit zur AusĂŒbung bestimmter Rechte verliehen wird, so bei der Wiedereinsetzung in frĂŒhere Rechte in Verbindung mit einer Absolution (absolutio et habilitatio, auch rehabilitatio),[2] oder als Dispens bei AusrĂ€umung von Rechtshindernissen in der Erbfolge (habilitatio ad successionem)[3] oder fĂŒr die Wahl in ein Amt (siehe WĂ€hlbarkeitsbreve).

Im mittelalterlichen Schul- und UniversitĂ€tswesen erscheint die Begrifflichkeit selten und ohne besonders festegelegte Bedeutung, so zum Beispiel in BeschlĂŒssen der Generalkapitel der Dominikaner im 15. Jahrhundert, wo habilitare neben promovere oder exponere fĂŒr die an ein vorheriges Studium der Logik und Naturphilosophie gebundene Zulassung von OrdensschĂŒlern zum Studium der Theologie verwendet wird.[4] Im UniversitĂ€tswesen der FrĂŒhen Neuzeit tritt die Begrifflichkeit hĂ€ufiger auf, aber ebenfalls noch ohne eindeutig festgelegte Bedeutung. So bezeichnete habilitatio zuweilen eine Disputation, die nach Erlangung des Magistergrads zusĂ€tzlich zu erbringen war, um sich auf eine Stelle in der FakultĂ€t bewerben zu können,[5] oder um beim Verlassen der UniversitĂ€t nicht das Recht auf die Erlangung eines Sitzes in der FakultĂ€t zu verlieren.[6] Nach einer ErklĂ€rung von Zedlers Universallexikon wurde sich habilitieren auch in einem allgemeineren Sinn fĂŒr das Erlangen eines akademischen Grades verwendet.[7]

In der heutigen Bedeutung haben sich Habilitation und (sich) habilitieren nach dem Vorbild der Begriffsverwendung in den Statuten der Berliner UniversitÀt von 1816 erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts etabliert.

Im Deutschen wurde das Verb habilitieren herkömmlich nach dem Vorbild des Lateinischen entweder reflexiv (er habilitiert sich) oder transitiv mit Akkusativ-Objekt (die FakultĂ€t habilitiert ihn, er wird habilitiert) gebraucht.[8] In jĂŒngerer Zeit[9] ist auch intransitiver Gebrauch hinzugekommen (er habilitiert, er hat habilitiert), der oft noch als fehlerhaft empfunden wird,[10] aber mittlerweile auch Eingang in den Duden [11] und in Wahrigs Handbuch fĂŒr "Fehlerfreies und gutes Deutsch" gefunden hat.[10]

Voraussetzungen

Die Habilitation wird erst nach eingehender Beurteilung des Habilitanden durch eine ad personam gebildete Habilitationskommission erteilt. Sie ist die höchste akademische PrĂŒfung, in der herausragende Leistungen in wissenschaftlicher Forschung und universitĂ€rer Lehre nachzuweisen sind. Voraussetzungen sind in der Regel:

  • die vorherige Promotion, mit der die FĂ€higkeit zum eigenstĂ€ndigen Forschen bescheinigt wurde,
  • das Vorlegen einer Habilitationsschrift,
  • das Vorlegen sonstiger Veröffentlichungen, die das wissenschaftliche Können des Kandidaten nachweisen und
  • Erfahrung in der wissenschaftlichen Lehre. Wenn diese noch fehlt, wie beispielsweise bei hochschulexternen Forschern aus der Industrie, wird sie anhand einer Reihe von Probevorlesungen festgestellt.

ZunĂ€chst sind aber formale Voraussetzungen zu prĂŒfen, zu denen u. a. die persönliche Unbescholtenheit gehört.

Habilitationsschrift

Die Habilitationsschrift muss in Deutschland im Gegensatz zur Dissertation in der Regel nicht auf regulĂ€re Weise (d. h. meist in einem Verlag oder in der Publikationsreihe eines Hochschulinstituts) publiziert werden, aber mehrere formale und inhaltliche Erfordernisse erfĂŒllen. Die wesentlichen Aspekte sind gesetzlich geregelt, wozu de facto noch spezielle Usancen des jeweiligen Fachgebietes kommen.

An Stelle der Habilitationsschrift können meist auch eine Anzahl von Fachpublikationen mit dem einer Habilitationsschrift entsprechenden wissenschaftlichen Gewicht angenommen werden (kumulative Habilitation).

Durch die Habilitation soll der Bewerber seine besondere BefĂ€higung zu selbststĂ€ndiger wissenschaftlicher Forschung und Lehre in der ganzen Breite seines Faches nachweisen. Mit der Habilitation wird der Nachweis der LehrbefĂ€higung (facultas docendi) erbracht; dies ist die Voraussetzung fĂŒr die Erteilung der venia legendi. Die Habilitation oder gleichwertige wissenschaftliche Leistungen sind eine in Deutschland ĂŒbliche Voraussetzung fĂŒr die Berufung als UniversitĂ€tsprofessor. Das erfolgreiche Absolvieren einer Juniorprofessur ist dem seit einiger Zeit de iure gleichgestellt.

Stellensituation der Habilitanden

WĂ€hrend des Habilitationsverfahrens ist der Habilitand oft als (angestellter) wissenschaftlicher Mitarbeiter oder (verbeamteter) akademischer Rat auf Zeit an der UniversitĂ€t beschĂ€ftigt, an der das Verfahren lĂ€uft. FrĂŒher war der Habilitand dort meistens als wissenschaftlicher Assistent bzw. Hochschulassistent auf Zeit beamtet. Zwingende Voraussetzung fĂŒr die Habilitation ist dies jedoch nicht: Gelegentlich habilitieren auch Mitarbeiter an nichtuniversitĂ€ren Forschungseinrichtungen, an anderen UniversitĂ€ten, insbesondere im Ausland, in der Industrie oder im Lehrberuf an Gymnasien (externe Habilitation). Ein Drittel der Juniorprofessoren habilitiert zusĂ€tzlich. Manche Habilitanden finanzieren sich ĂŒber Stipendien oder die Mitarbeit an Drittmittelprojekten. Bei drittmittelfinanzierten Stellen ist eine Verbeamtung nicht möglich, so dass die dienstliche Stellung zwingend die eines wissenschaftlichen Mitarbeiters oder eines Stipendiaten sein muss.

Wegen der mit der EinfĂŒhrung der Juniorprofessur im Jahr 2002 einhergegangenen Abschaffung der Besoldungsordnung C 1 fĂŒr Hochschulassistenten war zunĂ€chst keine Beamtung auf Zeit fĂŒr Habilitanden mehr möglich. Somit hatte sich nach der Reform die AttraktivitĂ€t von Habilitationsstellen merklich verschlechtert, da die Netto-Bezahlung nunmehr immer, trotz der höheren Funktion, deutlich unter der z.B. eines beamteten Schullehrers (Besoldungsordnung A 13) lag. Manche Fachbereiche behalfen sich mit als Juniorprofessuren getarnten Habilitationsstellen. Alle BundeslĂ€nder außer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben innerhalb von wenigen Jahren mit einer Anpassung ihrer Landeshochschulgesetze reagiert und Akademische RĂ€te auf Zeit (A 13) eingefĂŒhrt. Allerdings bleibt es dort wie vor der Reform den UniversitĂ€ten ĂŒberlassen, ob sie ihren Habilitanden ein BeamtenverhĂ€ltnis auf Zeit oder ein befristetes AngestelltenverhĂ€ltnis anbieten, was unterschiedlich gehandhabt wird.

Geschichtliches

Im Mittelalter begann die LehrtÀtigkeit zunÀchst formlos nach Erlangung der akademischen Grade des Lizentiaten und des Magisters innerhalb der ArtistenfakultÀt oder des Doktors in den höheren FakultÀten.

In der akademischen Historie ist die Habilitation eine Einrichtung der spĂ€ten Neuzeit. In Zeiten der mittelalterlichen UniversitĂ€ten und der ersten deutschen UniversitĂ€ten des 18. Jahrhunderts war die Habilitation weitgehend unbekannt. Die Promotion hatte hier den Stellenwert der höchsten akademischen Ausbildung; die so genannte disputatio war die Regel.

In der Zeit von Luther beispielsweise, als die Theologie noch die bestimmende Disziplin an den UniversitĂ€ten war, verteidigte man seine Doktorthesen mit der Disputation und wurde dann Doctor theologiae. Seine Thesen hĂ€ngte man in den „benachbarten“ UniversitĂ€tsstĂ€dten aus. Dieses „schwarze Brett“ war die Einladung zu den Disputationen. Wer kommen wollte, kam hinzu, wobei immer einer besonders geladen war, um mit dem Kandidaten kritisch zu disputieren. Diese Disputationen wurden auch meistens veröffentlicht, jedoch nicht vom Kandidaten, sondern vom PrĂŒfer. Interessant daran ist, dass wohl die Reformationsgeschichte nicht denkbar wĂ€re, wenn Luther nicht stĂ€ndig zu irgendwelchen Disputationen geladen worden wĂ€re, bei denen er seine Lehre zu prĂ€zisieren lernte. Allerdings lud man auch selbst zu Disputationen ein, wenn man bereits Doktor war.

Erst mit der Zeit entwickelte sich an den deutschen UniversitĂ€ten aus den disputationes die Habilitation. Die Bezeichnung Habilitation kann aus dem neulateinischen „BefĂ€higungsnachweis“, aufbauend aus dem mittellateinischen habilitare („geschickt machen“, „befĂ€higen“), abgeleitet werden. Vom Hochmittelalter bis zur Reformation hatte ein Doktor noch das Recht, an allen abendlĂ€ndischen UniversitĂ€ten zu lehren; dieses Recht wurde das ius ubique docendi genannt. Mit EinfĂŒhrung der Habilitation kam die Notwendigkeit hinzu, durch diese zunĂ€chst die venia legendi zu erwerben.

Erforderlich war die Habilitation, da Niveau und Umfang der meisten Dissertationen den gesteigerten AnsprĂŒchen im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert nicht zu genĂŒgen schienen; die erste substantielle Forschungsleistung war damals oft die Habilitationsschrift. In vielen, zumal geisteswissenschaftlichen FĂ€chern erfolgt die Promotion heute aber weitaus spĂ€ter als damals – statt mit Anfang 20 eher zehn Jahre spĂ€ter –, und Dissertationen in diesen Disziplinen können sich oft durchaus mit Habilitationsschriften messen und wichtige ForschungsbeitrĂ€ge darstellen. Dies ist einer der GrĂŒnde, weshalb die Notwendigkeit des „zweiten Buches“ in einigen FĂ€chern mittlerweile verstĂ€rkt bestritten wird.

An UniversitĂ€ten und gleichgestellten Hochschulen war die Habilitation in Deutschland bis Ende des 20. Jahrhunderts in den meisten FĂ€chern (außer Ingenieurwissenschaften und kĂŒnstlerischen FĂ€chern) Regelvoraussetzung fĂŒr die Berufung zur Professur, wobei „gleichwertige wissenschaftliche Leistungen“ de iure ebenso als Qualifikation anerkannt waren. Mit der in Anlehnung an angelsĂ€chsische Bildungssysteme seit 2002 in Deutschland geschaffenen Juniorprofessur ist die Möglichkeit, ohne Habilitation zum Professor an einer UniversitĂ€t berufen zu werden, erweitert worden. Dieser Qualifikationsweg konkurriert mit der Habilitation, so dass diese kĂŒnftig an Bedeutung verlieren könnte. Faktisch spielt sie heute in vielen FĂ€chern nach wie vor eine wichtige Rolle, weshalb nicht wenige Juniorprofessoren dort auch eine Habilitation anstreben, in anderen dagegen kaum noch.

Habilitationsverfahren

Das Recht, Habilitationsverfahren durchzufĂŒhren, liegt bei den FakultĂ€ten oder Fachbereichen einer UniversitĂ€t oder gleichrangigen Hochschule. Die Bedingungen fĂŒr die Habilitation, in Österreich bundeseinheitlich geregelt, sind in Deutschland im Rahmen der Landesgesetze in der Habilitationsordnung einer jeden Hochschule festgelegt und umfassen als Vorbedingung die Promotion, sodann die Habilitationsschrift (opus magnum, lat. 'großes Werk') oder mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen herausragender QualitĂ€t (kumulative Habilitation). Weiterhin sind ĂŒblich eine mĂŒndliche PrĂŒfung mit einem Fachvortrag vor der FakultĂ€t, anschließender eingehender wissenschaftlicher Aussprache in Form eines Kolloquiums, auch als Disputation bezeichnet, sowie einer öffentlichen Vorlesung. Die pĂ€dagogisch-didaktische Eignung wird meist durch eine studiengangbezogene Lehrveranstaltung nachgewiesen. Die Habilitationsordnung kann weiterhin regeln, dass mit der facultas docendi (LehrbefĂ€higung) nicht automatisch auch die venia legendi (Lehrbefugnis und Bezeichnung Privatdozent) erteilt wird. Letztere ist dann im Anschluss an das Habilitationsverfahren bei der FakultĂ€t zu beantragen.

Der Doktorgrad kann in den meisten deutschen BundeslĂ€ndern nach erfolgreicher Habilitation um den Zusatz habil. (habilitata/habilitatus) erweitert werden. In der DDR wurde mit der Promotion B der Zusatz sc. fĂŒr scientiae verliehen. Der so Habilitierte erhĂ€lt dann (in der Regel auf Antrag) zugleich mit der venia legendi den Titel eines Privatdozenten (PD), sofern er als Lehrbeauftragter einer UniversitĂ€t tĂ€tig ist (in Deutschland frĂŒher auch als Hochschuldozent bezeichnet). Die damit verbundene Lehrbefugnis kann bei NichtausĂŒbung der LehrtĂ€tigkeit erlöschen, bei pflichtwidrigem Verhalten entzogen werden und bei AuslandstĂ€tigkeit ruhen. In diesem Fall verliert der Habilitierte die Bezeichnung „Privatdozent“ und ist nur noch „Dr. habil.“; Habilitation und Lehrbefugnis begrĂŒnden jedoch kein DienstverhĂ€ltnis und keine Anwartschaft auf BegrĂŒndung eines DienstverhĂ€ltnisses. Zur Gruppe der Hochschullehrer gehört man erst nach der Berufung zum Professor oder Juniorprofessor. In der Regel darf man aber nach abgeschlossener Habilitation seinerseits Doktoranden und Habilitanden betreuen und begutachten.

Habilitationsgesuch

Der Bewerber reicht einen schriftlichen Antrag auf Zulassung zur Habilitation unter Angabe des Faches oder Fachgebietes, fĂŒr welches er die LehrbefĂ€higung erlangen will, (Habilitationsgesuch) beim Dekan der zustĂ€ndigen FakultĂ€t der gewĂ€hlten UniversitĂ€t ein. Dem Habilitationsgesuch sind ĂŒblicherweise beizufĂŒgen:

  1. die Habilitationsschrift oder gleichwertige wissenschaftliche Veröffentlichungen in jeweils fĂŒnf Exemplaren,
  2. die ErklĂ€rung, dass die Habilitationsschrift und andere vorgelegte wissenschaftliche Arbeiten vom Bewerber selbst und ohne andere als die darin angegebenen Hilfsmittel angefertigt sowie die wörtlich oder inhaltlich ĂŒbernommenen Stellen als solche gekennzeichnet wurden, bei gemeinschaftlichen Arbeiten die Angabe, worauf sich die Mitarbeit des Bewerbers erstreckt,
  3. ein Verzeichnis der wissenschaftlichen Veröffentlichungen des Bewerbers, nach Möglichkeit unter BeifĂŒgung von Sonderdrucken. Forschungsergebnisse, die in noch nicht veröffentlichter Form vorliegen, können ergĂ€nzend in Manuskriptform eingereicht werden.
  4. ein Lebenslauf, der ĂŒber den persönlichen und beruflichen Werdegang Auskunft gibt,
  5. geeignete Nachweise ĂŒber die Voraussetzungen (Doktorgrad und wissenschaftliche TĂ€tigkeit), insbesondere das Doktordiplom, die Dissertation und eine Darstellung der bisherigen wissenschaftlichen LehrtĂ€tigkeit,
  6. eine ErklĂ€rung ĂŒber etwaige frĂŒhere Habilitationsgesuche an anderen Hochschulen und ĂŒber deren Ergebnisse,
  7. drei ThemenvorschlĂ€ge fĂŒr den wissenschaftlichen Vortrag sowie drei ThemenvorschlĂ€ge fĂŒr die Probevorlesung; die ThemenvorschlĂ€ge können bis zur Entscheidung ĂŒber die Annahme der Habilitationsschrift vom Bewerber abgeĂ€ndert werden,
  8. eine ErklĂ€rung, dass ein an die zustĂ€ndige FakultĂ€t zu ĂŒbersendendes FĂŒhrungszeugnis nach § 30 Abs. 5 Bundeszentralregistergesetz bei der zustĂ€ndigen Meldebehörde beantragt wurde.

Dem Habilitationsgesuch kann ein Vorschlag ĂŒber drei mögliche Gutachter beigefĂŒgt werden. Der Vorschlag begrĂŒndet keinen Anspruch auf BerĂŒcksichtigung. Unterlagen sind in schriftlicher Form einzureichen und mĂŒssen vom Bewerber unterschriftlich autorisiert oder amtlich beglaubigt sein.

Umhabilitation

Wer habilitiert oder durch eine gleichwertige Qualifikation (Österreich: gleichzuhaltende Qualifikation) an einer UniversitĂ€t zum Privatdozenten bzw. Hochschuldozenten ernannt worden ist, kann in der Regel auch an einer anderen UniversitĂ€t zum Privatdozenten ernannt werden, wobei die dortige venia legendi auf der Basis eines verkĂŒrzten Verfahrens (Umhabilitation) erworben wird. Die Qualifikation als habilitierter Doktor an sich bleibt erhalten, auch wenn man die bisherige UniversitĂ€t verlĂ€sst. Lediglich die Zulassung zur Lehre an einer anderen UniversitĂ€t muss neu erworben werden. Ähnliches gilt fĂŒr die „Erweiterung der Habilitation“ auf ein angrenzendes Fachgebiet. In diesem Fall genĂŒgt in der Regel die Vorlage einschlĂ€giger Publikationen und ein Probevortrag, um die LehrbefĂ€higung auch auf dem neuen Fachgebiet nachzuweisen. Auch dieser Vorgang wird oft als „Umhabilitation“ bezeichnet.

Habilitation in anderen Staaten

Die Habilitation (akademische Qualifikation der Hochschullehrer als Dozent) ist neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in anderen Staaten Europas vorgesehen, insbesondere in mittel- und osteuropĂ€ischen LĂ€ndern wie Polen, Slowakei, Ungarn, Ukraine und Russland, aber auch in Finnland („Dosentti“). In vielen LĂ€ndern ist sie nur eine Zusatzqualifikation, z. B. in DĂ€nemark.

In Frankreich hat sich die „Habilitation à diriger des recherches“ inzwischen wieder fest als zentrale Qualifikation zur Zulassung zur Professur etabliert.

In vielen europĂ€ischen und den meisten außereuropĂ€ischen LĂ€ndern war das Habilitationsverfahren nie vorgesehen (z. B. in Großbritannien und den USA) oder wurde abgeschafft (z. B. die libera docenza in Italien). Im internationalen Bereich wird auf umfangreiche Veröffentlichungen, die so genannte Publikationsliste, zu wissenschaftlichen Sachverhalten und Forschungsergebnissen, bevorzugt in international angesehenen Fachzeitschriften, Wert gelegt. Diese Publikationsliste (englisch publication list) wird hĂ€ufig unterteilt in Articles oder Papers, Reviews, Book Chapters und Books.

Kritik

Viele Hochschulpolitiker und -funktionĂ€re bewerten das traditionelle Habilitationsverfahren als nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ. Die Qualifikation zur selbststĂ€ndigen Forschung werde bereits mit der Dissertation erbracht. Der Aspekt der Lehre werde bei der Habilitation zwar formell mit einbezogen, habe aber in der RealitĂ€t im VerhĂ€ltnis zur Habilitationsschrift eine Ă€ußerst untergeordnete Bedeutung fĂŒr das PrĂŒfungsverfahren. Besonders problematisch sei der immense Zeitaufwand, der dazu fĂŒhrt, dass die Habilitierten erst in einem fortgeschrittenen Alter in das eigentliche Berufsleben treten, was sowohl privat-familiĂ€re wie ökonomische Konsequenzen hat, die Absolventen aber auch im Vergleich zum Ausland schlechter stellt. Viele Privatdozenten stehen schließlich wirtschaftlich vor dem Nichts, wenn sie keine Professur bekommen, weil fĂŒr eine Anstellung außerhalb der UniversitĂ€t die Habilitation kaum honoriert wird und zu viele Jahre seit der Promotion vergangen sind. Von prominenten Wissenschaftlern wurde daher die ersatzlose Abschaffung der Habilitation gefordert, was schließlich 2002 in Zusammenhang mit der EinfĂŒhrung der Juniorprofessur realisiert wurde. Diese Abschaffung wurde allerdings 2004 durch eine Klage von drei BundeslĂ€ndern wieder aufgehoben. Der PrĂ€sident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Ernst-Ludwig Winnacker bezeichnete die Habilitation 2006 als „obsolet“, ein „Karrierehindernis“ und „letztlich ein Herrschaftsinstrument altgedienter Professoren ĂŒber den Nachwuchs“.[12][13] Trotzdem ist man in vielen (vornehmlich geisteswissenschaftlichen) Fachbereichen vom Sinn der Habilitation weiterhin ĂŒberzeugt.[14] Auch die meisten Hochschulleitungen gehen davon aus, dass die Habilitation in bestimmten FĂ€chern das entscheidende Qualifikationsmerkmal bleiben wird.[15]

Akademische Lehre

Die Lehrberechtigung – venia legendi (aus dem lateinischen Erlaubnis zu lesen [d. h. zu lehren]) – wird fĂŒr ein bestimmtes Fach verliehen. Voraussetzung fĂŒr die Lehrberechtigung ist die LehrbefĂ€higung – die facultas docendi –, die nach bisherigem Recht durch die Habilitation verliehen wird. Die Unterscheidung von LehrbefĂ€higung und Lehrerlaubnis ist zum Beispiel in Bayern durch das Hochschullehrergesetz geregelt oder durch die lĂ€nderspezifischen Gesetzgebungen.

Statistisches

In Deutschland stieg die Zahl der Habilitationen zwischen 1985 und 2003 stetig an. Im Jahr 1999 wurden 1926 Habilitationen abgeschlossen, die meisten davon in der FĂ€chergruppe Humanmedizin (32 %), gefolgt von Mathematik und Naturwissenschaften (29 %). Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter bei Abschluss der Habilitation. 1999 lag es mit 39,8 Jahren 1,8 Jahre ĂŒber dem von 1980.[16]

Nach Angabe des Statistischen Bundesamts am 18. Juni 2007 wurden im Jahr 2006 1.993 Wissenschaftler an deutschen Hochschulen habilitiert. Dies sind in etwa so viele wie 2005 (2.001 Habilitationsverfahren). Der bisherige Höchststand wurde 2003 mit 2.302 Verfahren erreicht. Wie in den Jahren zuvor gab es die meisten Habilitationen 2006 in der Humanmedizin. 45 % entfielen auf diese FĂ€chergruppe. Es folgen die Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Mathematik, Naturwissenschaften mit jeweils 19 % sowie die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 10 %. Der Frauenanteil bei den Habilitationen lag 2006 bei 22 % und damit um einen Prozentpunkt unter dem Wert des Vorjahres. 2009 gab es 1820 Habilitationen (Vorjahr: 1800) bei einer Frauenquote von 24 % (Vorjahr: 23 %).

Siehe auch

Literatur

  • Elisabeth Boedeker, Maria Meyer-Plath (Hrsg.): 50 Jahre Habilitation von Frauen in Deutschland. Eine Dokumentation ĂŒber den Zeitraum von 1920–1970. Schwartz, Göttingen 1974, ISBN 3-509-00743-3. (= Schriften des Hochschulverbandes, 27).
  • RĂŒdiger vom Bruch: Qualifikation und Spezialisierung: Zur Geschichte der Habilitation. In: Forschung und Lehre. 2, 2000, S. 69–70.
  • Alexander Busch: Die Geschichte des Privatdozenten – Eine soziologische Studie zur großbetrieblichen Entwicklung der deutschen UniversitĂ€ten. Enke, Stuttgart 1959. Nachdruck Arno, New York 1977, ISBN 0-405-10036-1.
  • Steffani Engler: „In Einsamkeit und Freiheit?“ Zur Konstruktion der wissenschaftlichen Persönlichkeit auf dem Weg zur Professur. UVK, Konstanz 2001, ISBN 3-89669-809-5.
  • Jochen Fröhlich: Die Habilitation in Frankreich. UniversitĂ€t Karlsruhe: Froehlich_HDR_2005.pdf
  • Hiltrud HĂ€ntzschel: Zur Geschichte der Habilitation von Frauen in Deutschland. In: Hiltrud HĂ€ntzschel, Hadumod Bußmann (Hrsg.): „Bedrohlich gescheit“: ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern. Beck, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-406-41857-0, S. 84–104.
  • Wolfgang Kalischer (Hrsg.): Habilitationswesen: Entwicklung seit 1960. Habilitationsstatistik 1976–1977. Dokumentationsabteilung der Westdeutschen Rektorenkonferenz. Bonn-Bad Godesberg 1979. (= Dokumente zur Hochschulreform, 35).
  • Wolfgang Kalischer (Hrsg.): Habilitationsstatistik: 1978–1979. Dokumentationsabteilung der Westdeutschen Rektorenkonferenz. Bonn-Bad Godesberg 1980. (= Dokumente zur Hochschulreform, 39).
  • Ernst Schubert: Die Geschichte der Habilitation. In: Henning Kössler (Hrsg.): 250 Jahre Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg. UniversitĂ€tsbibliothek, Erlangen 1993, ISBN 3-922135-91-9, S. 115–151. (= Erlanger Forschungen, Sonderreihe 4).
  • Hermann Horstkotte: Akademische Doktorspiele – Professor Dr. h.c. Volkswagen. Spiegel Online, 15. November 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Pseudo-Bonaventura (Hugo Ripelin von Straßburg), Compendium theologiae veritatis lib. V, cap. XII, in: A. C. Peltier (Hrsg.), S. Bonaventruae Opera omnia, Band 8, Paris 1846, S. 175
  2. ↑ Z.B. Quintiliano Mandosi, Signaturae gratiae praxis, Rom: Apud Antonium Bladum Impressorem Cameralem, 1559, S. 82f. ("Absolutiones, & Rehabilitationes")
  3. ↑ Z.B. Pietro Antonio de Petra, De iure quaesito non tollendo per principem tractatus, Frankfurt am Main: Ex officina typogaphica Matthaei Beckeri, 1600, S. 597 ("de habilitatione foemine, ad successionem feudi in praeiudicium agnatorum")
  4. ↑ B. M. Reichert (Hrsg.), Acta Capitulorum Generalium Ordinis Praedicatorum, Band 2, Rom 1899 (= Monumenta Ordinis Fratrum Praedicatorum Historica, 4), S. 153
  5. ↑ Friedrich Gottlob Leonhardi, Geschichte und Beschreibung der Kreis- und Handelsstadt Leipzig nebst der umliegenden Gegend, Leipzig: bey Johann Gottlob Beygang, 1799, p.568f.
  6. ↑ Ewald Horn, Die Disputationen und Promotionen an den Deutschen UniversitĂ€ten vornehmlich seit dem 17. Jahrhundert, Leipzig: Otto Harrasowitz, 1893 (= Beihefte zum Centralblatt fĂŒr Bibliothekswesen, Bd. 4, Heft 11, S. 1-126), S. 17 mit einem Beleg von 1678 fĂŒr die Forderung einer solchen Disputation "quae habilitatio dicitur"
  7. ↑ "Habilitiren heist sich geschickt, bequem machen. Besonders wird es gesagt, wenn einer Licentiat oder Doktor wird, er habilitire sich" (Band 12, Halle/Leipzig 1735, Sp. 52); vgl. auch Ulrich Goebel / Oskar Reichmann (Hrsg.), FrĂŒhneuhochdeutsches Wörterbuch, Band 7, Lieferung 2, Walter de Gruyter, Berlin [u.a.] 2004, Sp. 826
  8. ↑ Duden Fremdwörterbuch, 3. völlig neu bearb. und erw. Aufl., Dudenverlag, Mannheim [u.a.] 1974, S. 278
  9. ↑ Als frĂŒher Beleg Alexander Görner, Die Hauptlehren der Nationalökonomie, Lutzeyer, Bad Oeynhausen 1942, S. 159
  10. ↑ a b JĂŒrgen Dittmann u.a., Fehlerfreies und gutes Deutsch: das zuverlĂ€ssige Nachschlagewerk zur KlĂ€rung sprachlicher ZweifelsfĂ€lle, Lexikoninstitut Bertelsmann / Wissen-Media-Verlag, GĂŒtersloh 2003 (= Wahrig, 5), S. 524, spricht ablehnend von einer "verbreiteten Ansicht"
  11. ↑ Duden Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 10 BĂ€nden. 3. Auflage, Dudenverlag; Mannheim, Leipzig, Wien, ZĂŒrich 1999.
  12. ↑ Jagd auf junge Talente, Interview von Andreas Sentker und Martin Spiewak mit Ernst-Ludwig Winnacker, Die Zeit, Nr. 1 vom 28. Dezember 2006, S. 32, abgerufen 18. Mai 2009
  13. ↑ Winnacker beklagt „TrĂ€gheit“ des deutschen Wissenschaftssystems, Handelsblatt, Meldung vom 27. Dezember 2006, abgerufen am 19. Mai 2009
  14. ↑ Habilitation fĂŒr Mediziner – ist sie wirklich veraltet?, Pressemeldung vom 15. Juni 1999 der UniversitĂ€t WĂŒrzburg, abgerufen am 19. Mai 2009; pro & contra Habilitation, Forschungsmagazin „Ruperto Carola“, Ausgabe 3/1999.
  15. ↑ Federkeil/Buch, FĂŒnf Jahre Juniorprofessur – Zweite CHE-Befragung zum Stand der EinfĂŒhrung, S. 29f.
  16. ↑ http://www.wissenschaftsrat.de/presse/pm_0702.htm

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   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile LittrĂ©

  • Habilitation — Erwerb der Lehrberechtigung an einer Hochschule. Erforderlich sind außer der ⇡ Promotion zum Doktor eine weitere wissenschaftliche Arbeit (Habilitationsschrift), ein Probevortrag innerhalb der FakultĂ€t und u.U. eine öffentliche Antrittsvorlesung 
   Lexikon der Economics

  • Habilitation — habilitieren, â€čsichâ€ș »die Lehrberechtigung an Hochschulen erwerben«: Das Verb wurde im 17. Jh. aus mlat. habilitare »geschickt, fĂ€hig machen« entlehnt, das zu lat. habilis »leicht zu handhaben, geschickt, geeignet, fĂ€hig« gehört. Stammwort ist… 
   Das Herkunftswörterbuch


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