Hadrian (Kaiser)

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Hadrian (Kaiser)

Publius Aelius Hadrianus, Titulatur als Kaiser Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus (* 24. Januar 76 in Italica in der NĂ€he des heutigen Sevilla oder in Rom; † 10. Juli 138 in Baiae) war der vierzehnte römische Kaiser von 117 bis 138.

Hadrian neigte der stoischen Philosophie zu und gilt als dritter der „FĂŒnf guten Kaiser“. In Zusammenhang mit seiner philosophischen Ausrichtung ist auch seine WertschĂ€tzung der griechischen Kultur (Philhellenismus) zu sehen. Er war mit seinem VorgĂ€nger Trajan verschwĂ€gert, unter dem er hohe Ämter bekleidete (ob er von Trajan adoptiert und damit zum Nachfolger bestimmt wurde, ist umstritten). Im Gegensatz zu seinem VorgĂ€nger fĂŒhrte Hadrian keine grĂ¶ĂŸeren Offensivkriege, schlug aber einen jĂŒdischen Aufstand in einem mehrjĂ€hrigen Krieg nieder. Des Weiteren veranlasste er in grĂ¶ĂŸerem Umfang Befestigungen der Reichsgrenzen, unter anderem durch den nach ihm benannten Hadrianswall.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ausbildung und Aufstieg

Laut einer in der spĂ€tantiken Historia Augusta zitierten Angabe aus Hadrians Autobiographie[1] stammte seine Familie aus Hadria (oder Hatria, jetzt Atri) im Picenum in Italien. Auf den Namen dieser Stadt, die auch namengebend fĂŒr das adriatische Meer, die sogenannte Adria, war, geht der Zuname (cognomen) des Kaisers zurĂŒck. Die Familie war schon in republikanischer Zeit nach Italica in Spanien ausgewandert. Es ist allerdings aufgrund unterschiedlicher Quellenaussagen unklar, ob er dort oder in Rom als Sohn wohlhabender Siedler geboren wurde. Sein Vater starb, als er zehn Jahre alt war.

Hadrian vervollstĂ€ndigte in Rom fĂŒnf Jahre lang seine Ausbildung, wodurch sein Interesse fĂŒr das Griechentum erwachte und sich seine Überzeugung bildete, dass das, was gesagt werden kann, am besten auf griechisch gesagt wird. Er studierte Philosophie und Mathematik und interessierte sich ernsthaft fĂŒr Musik, Poesie, Malerei und Bildhauerei, die er auch selbst ausĂŒbte. Zudem wurde er im Schwimmen, Reiten und Jagen ausgebildet. Selbst spĂ€ter als Kaiser marschierte er oft zu Fuß in voller RĂŒstung mit seinen Truppen.

Nach Ende seiner Ausbildung verbrachte Hadrian zwei Jahre in Spanien, kehrte aber nach Rom zurĂŒck und war im Jahr 94 decemvir stlitibus iudicandis, bevor er in die Armee ging. Im Jahr 95 diente er als tribunus militum in der Legio II Adiutrix in Pannonien, 96 in der Legio V Macedonica in Moesia Inferior und im Jahr 97 in der Legio XXII Primigenia in Germania superior. Dann setzte er seinen cursus honorum (Ämterlaufbahn) als QuĂ€stor (101), Volkstribun (105) und PrĂ€tor (106) fort, bevor er 108 das Konsulat erlangte.[2]

Hadrian war mit Vibia Sabina, einer Großnichte des Kaisers Trajan, verheiratet, vermutlich aber bisexuell. Er hatte keine anerkannt leiblichen Kinder, es wurde jedoch behauptet, dass er der leibliche Vater von Aelius Caesar, seinem designierten Nachfolger, gewesen sei. Unzweifelhaft war seine Beziehung zu Antinoos, einem jungen Bithynier, den Hadrian im Knabenalter in Kleinasien kennengelernt hatte. Antinoos gehörte einige Zeit zum Hofstaat des Kaisers und begleitete ihn auf seinen Reisen, bis er unter nie geklĂ€rten UmstĂ€nden im Nil ertrank. Hadrian war ĂŒber seinen Tod tief betroffen und grĂŒndete an der Stelle des Ertrinkens die Stadt Antinoupolis. Er beauftragte seine KĂŒnstler, zahlreiche Statuen, BĂŒsten und Reliefs nach dem Abbild des Antinoos anzufertigen, und veranlasste sogar dessen Vergöttlichung.

Der Prinzipat Hadrians

Herrschaftsantritt

MĂŒnze Hadrians
Hadriantempel in Ephesos

Hadrian war der Nachfolger Trajans, des ersten Adoptivkaisers. Trajan war nach seinem Adoptivvater Nerva als erster Provinziale Kaiser geworden. Auch Hadrian soll von seinem VorgĂ€nger durch Adoption zum Nachfolger designiert worden sein. Seine Adoption unter gleichzeitiger Annahme des Caesar-Titels wurde aber schon von Zeitgenossen bezweifelt, da Trajan sie erst auf dem Totenbett vorgenommen haben soll; dort waren nur die Kaiserin Plotina und der PrĂ€torianerprĂ€fekt Attianus anwesend, die beide entschiedene BefĂŒrworter dieser Nachfolgeregelung waren. Der einzige unabhĂ€ngige Zeuge, der Kammerdiener Trajans, starb unter merkwĂŒrdigen UmstĂ€nden drei Tage spĂ€ter. Ob die Adoption tatsĂ€chlich stattgefunden hat oder – wie der Geschichtsschreiber Cassius Dio behauptet – nur vorgetĂ€uscht wurde, ist noch heute in der Forschung strittig. Jedenfalls konnte sich Hadrian schnell durchsetzen. Er war als Statthalter Syriens Befehlshaber des damals stĂ€rksten Heeres, das ihn durch Akklamation zum Kaiser ausrief und damit vollendete Tatsachen schuf. Er wahrte jedoch die traditionellen Formen und bat in einem Brief den Senat um VerstĂ€ndnis fĂŒr die UmstĂ€nde seiner Erhebung. Plotina, die bei der MachtĂŒbernahme Hadrians eine SchlĂŒsselrolle gespielt hatte, arrangierte auch seine Ehe mit Vibia Sabina, einer Enkelin von Trajans Schwester Marciana.

VerhÀltnis zum Senat

Seine Beziehung zum Senat stellte er alsbald mit der so genannten Verschwörung der vier Konsulare Avidius Nigrinus, Cornelius Palma, Publilius Celsus und Lusius Quietus auf die Probe. Die AffĂ€re wurde nie ganz aufgeklĂ€rt, beeintrĂ€chtigte aber das VerhĂ€ltnis des Kaisers zum Senat nachhaltig; so verweigerte ihm der Senat nach seinem Tod sogar die Vergöttlichung, und nur auf DrĂ€ngen seines Nachfolgers Antoninus Pius wurde sie dennoch beschlossen. Sicher ist, dass vier Senatoren, mĂ€chtige HeerfĂŒhrer Trajans, wegen angeblicher Verschwörung gegen den Kaiser in dessen Abwesenheit zum Tod verurteilt und hingerichtet wurden. Wahrscheinlich ist, dass der PrĂ€torianerprĂ€fekt Attianus, der kurz nach der AffĂ€re entlassen wurde, seine HĂ€nde im Spiel hatte. UngeklĂ€rt bleibt die Rolle Hadrians, der bei seiner Ankunft in Rom am 9. Juli 118 vor dem Senat seine Mitwirkung verneinte. Mit der Hinrichtung war ein von Trajan garantiertes Privileg der Senatoren verletzt worden.

Hadrian drĂ€ngte außerdem den Einfluss des Senats zurĂŒck und baute stattdessen den Beamtenapparat weiter aus. FĂŒr zahlreiche Ämter verwendete Hadrian Ritter anstelle von Freigelassenen, eine Entwicklung, die schon unter seinen VorgĂ€ngern begonnen hatte. Das bedeutet, dass diese Ämter ihren Charakter als HausĂ€mter, den sie bisher mehr oder weniger bewahrt hatten, allmĂ€hlich verloren und sich zu StaatsĂ€mtern entwickelten. Aber auch die stĂ€ndig wachsende Bedeutung der Ritter wird durch die Entwicklung deutlich.

Durch eine Verkettung von Adoptionen bestimmte Hadrian die römischen Kaiser fĂŒr das nĂ€chste halbe Jahrhundert nach seinem Tod. So war eigentlich Aelius Verus als Nachfolger Hadrians vorgesehen, doch starb er noch vor dem Kaiser. Hadrian adoptierte daraufhin am 25. Februar 138 Antoninus Pius mit der Auflage, dass dieser wiederum Marcus Annius Verus, den spĂ€teren Kaiser Mark Aurel, und Lucius Verus, den Sohn des Aelius, adoptierte.

Reisen und Befestigung der Reichsgrenzen

Der Hadrianswall in der NĂ€he von Greenhead

Hadrians Zeit als Herrscher war geprĂ€gt durch eine rege ReisetĂ€tigkeit, die ihn durch große Teile des Imperiums fĂŒhrte und jahrelang von der Hauptstadt Rom fernhielt. Wie in Rom, so ließ er auch in den Provinzen viele Bauwerke errichten. Seine Regierung war durch eher seltene militĂ€rische Auseinandersetzungen gekennzeichnet. So gab er die mesopotamischen Eroberungen Trajans wieder auf, da er glaubte, die Gebiete nicht langfristig gegen die Parther verteidigen zu können. Stattdessen sicherte er seinen Machtbereich durch den Bau von Befestigungen. Zu nennen sind insbesondere der Hadrianswall zwischen Solway Firth und Tyne in Britannien, aber auch die Grenzen an Rhein und Donau, die mit Festungen, Forts, Außenposten und WachtĂŒrmen versehen wurden. Um Moral und KampffĂ€higkeit des MilitĂ€rs zu erhalten, entwickelte Hadrian strenge Drillroutinen und inspizierte die Truppen hĂ€ufig persönlich.

Hadrian und JudÀa

Der 70 n. Chr. zerstörte jĂŒdische Tempel im Modell

Den Juden zunĂ€chst wohlwollend gegenĂŒberstehend, versprach Hadrian ihnen den Wiederaufbau des nach der großen jĂŒdischen Revolte und Zerstörung 70 n. Chr. immer noch in TrĂŒmmern liegenden Jerusalems. Die Juden fĂŒhlten sich jedoch hintergangen, als sie erkannten, dass er es als eine heidnische Metropole wiederaufbauen wollte und einen neu errichteten Tempel auf den Ruinen des zweiten salomonischen Tempels dem Jupiter weihte. Als Hadrian die von ihm als VerstĂŒmmelung betrachtete rituelle Beschneidung der Knaben verbot, wurde die Stimmung immer angespannter, und es begann 132 der drei Jahre dauernde Bar-Kochba-Aufstand. Anders als beim Aufstand im Jahre 70 waren die Juden diesmal unter der FĂŒhrung eines fĂ€higen Befehlshabers vereinigt. Die römischen Verluste waren so erheblich, dass Hadrian die ansonsten obligate Formulierung „Ich und meine Armee sind wohlauf“ im Bericht an den römischen Senat wegließ.

Hadrians fĂ€higstem General, Sextus Iulius Severus, wurde das Oberkommando der römischen Truppen anvertraut, und auch Hadrian selbst nahm an der expeditio Iudaica wenigstens zeitweise teil. Nach der brutalen Niederschlagung der Revolte im Jahr 135 und der VerwĂŒstung JudĂ€as – nach Berichten des Cassius Dio wurden 580.000 Juden getötet, 50 befestigte StĂ€dte geschleift und 985 Dörfer zerstört – wurden mehrere Sanktionen gegen die Juden ergriffen. Die Tora und der jĂŒdische Kalender wurden verboten, ebenso ließ man jĂŒdische Gelehrte hinrichten und den Juden heilige Schriftrollen auf dem Tempelberg verbrennen. Am frĂŒheren Tempelheiligtum errichtete man Statuen von Jupiter und vom Kaiser selbst. Der Provinz wurde der neue Name Syria Palaestina gegeben. Letzteres mag als Bestrafung gedacht gewesen sein, tatsĂ€chlich aber dĂŒrften die Juden nach dem Aufstand auch nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung gestellt haben.

Hadrian grĂŒndete Jerusalem unter dem Namen Aelia Capitolina neu und verbot Juden den Zutritt. SpĂ€ter durften sie einmal jĂ€hrlich am 9. Av die Stadt betreten, um Niederlage, Tempelzerstörung und Vertreibung zu betrauern. Die Juden blieben danach in der Diaspora verstreut und ohne eigenes Staatswesen bis 1948.

Rechtsverwaltung

Hadrian ist der erste römische Kaiser, dessen Gesetzgebung einigermaßen bezeugt ist. So stammt das Ă€lteste zitierte Reskript (Schreiben eines Kaisers zu einem Rechtsproblem) im Codex Iustinianus von Hadrian. Hadrian beauftragte den Juristen Publius Salvius Iulianus, das frĂŒher jĂ€hrlich neu verkĂŒndete Edikt des PrĂ€tors zu redigieren und als edictum perpetuum zu veröffentlichen. Die genaue Entstehungszeit ist nicht festzumachen, es wird jedoch das Jahr 128 n. Chr. angenommen. Wenn das Edikt auch keine eigentliche Kodifikation bedeutete, hatte es doch großen Einfluss: Der Jurist Ulpian verfasste ĂŒber 80 BĂŒcher Kommentare dazu, die dann Eingang in Justinians Digesten fanden. Dies trug auch dazu bei, dass der Kaiser immer mehr als Quelle des Rechts angesehen wurde: „Iulianus [
] vertrat in seinen eigenen Schriften, dass was immer man als unvollkommen bemerkte, durch kaiserlichen Entscheid ergĂ€nzt werden solle.“ (Justinian, Konstitution Tanta 18). Die AutoritĂ€t des Kaisers war auch in rechtlichen Dingen ĂŒber jeden Zweifel erhaben. Hadrians BemĂŒhen um eine wirksame Rechtsverwaltung zeigt sich auch in der Errichtung von vier Gerichtsbezirken in Italien, die Richtern mit konsularischem Rang unterstanden (so war der spĂ€tere Kaiser Antoninus Pius auch einer dieser Richter). Die Maßnahme galt den Senatoren aber als Abwertung ihres Ranges, so dass sie sein Nachfolger wieder aufgeben musste.

Tod und Nachfolge

Nach der RĂŒckkehr von der letzten großen Reise stellte sich fĂŒr Hadrian, der zunehmend unter Krankheiten litt, die Nachfolgefrage. Aus der Ehe mit Sabina hatte Hadrian keine Kinder. Im Sommer 136 adoptierte er Lucius Ceionius Commodus. Der Grund fĂŒr diese Entscheidung ist unbekannt und ĂŒberraschend, zumal Commodus unter Tuberkulose litt. Hadrian ĂŒbertrug ihm die tribunicia potestas und das imperium proconsulare fĂŒr Ober- und Niederpannonien. Doch starb der ErwĂ€hlte am 1. Januar 138, woraufhin Hadrian Titus Aurelius Fulvius Boionius Arrius Antoninus, einen respektierten und sehr wohlhabenden Senator, adoptierte. Auf Hadrians Wunsch musste dieser mit Commodus’ gleichnamigem Sohn und Marcus Annius Verus (den spĂ€teren Kaisern Lucius Verus und Mark Aurel) zwei weitere Kandidaten adoptieren. Mit dieser Maßnahme war die Herrschaft ĂŒber zwei Generationen gesichert. Hadrian starb am 10. Juli 138 nach einer langen Krankheit in Baiae. Seine Asche wurde spĂ€ter in seinem Mausoleum jenseits des Tiber beigesetzt.

Kunst und Kultur

BautÀtigkeit

Garten der Villa Hadrians in Tibur (heute Tivoli)
Engelsburg

Vor allem förderte Hadrian die KĂŒnste. So vollendete er auch das Olympieion, den gewaltigen Tempel des olympischen Zeus in Athen. Seine Villa in Tibur (Tivoli) war das grĂ¶ĂŸte römische Beispiel eines alexandrinischen Gartens, der eine heilige Landschaft und Erinnerung an die von ihm bereisten Gegenden gestaltete. Das GelĂ€nde ist zum großen Teil zerstört, da der Kardinal d’Este viel von Hadrians Marmor zum Bau seiner eigenen Villa d’Este fortschaffen ließ. Trotzdem ist die so genannte Villa Adriana Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und vor allem aufgrund der eklektischen Zusammenstellung unterschiedlichster Baustile (römisch, griechisch, Ă€gyptisch) einzigartig.

Das in Rom unter Agrippa errichtete Pantheon erhielt unter Hadrian seine heutige Gestalt. Der Konstantinsbogen in Rom soll einen hadrianischen Kern oder VorgĂ€nger gehabt haben, was die Herkunft der hadrianischen, aber spĂ€ter ĂŒberarbeiteten Reliefs (sogenannte Jagd-Tondi) erklĂ€ren wĂŒrde. Der nach seinem Tod zu seinen Ehren erbaute Hadrianstempel, das so genannte Hadrianeum, ist heute Sitz der römischen Börse.

Begraben wurde Hadrian in seinem Mausoleum, das nach Umbauten und Errichtung eines Verbindungsganges zum Vatikan, des Passetto, unter dem Namen Engelsburg bekannt ist. Es diente den PĂ€psten bei den in frĂŒherer Zeit regelmĂ€ĂŸigen EinfĂ€llen fremder MĂ€chte, zum Beispiel dem Sacco di Roma 1527, als Schutzburg. Vor seinem Tod grĂŒndete Hadrian das AthenĂ€um in Rom, eine höhere Lehranstalt.

Begeisterung fĂŒr Griechenland und die griechische Philosophie

Hadrian war humanistisch und zutiefst hellenophil eingestellt. Im Jahre 111/112 n. Chr. war er zum Beispiel als einziger Römer seiner Zeit Archon in Athen. Bei einem Griechenlandbesuch 125 versuchte er, eine Art Provinzparlament zu grĂŒnden, um alle halbautonomen frĂŒheren Stadtstaaten in Griechenland und Kleinasien zu vereinen. Dieses Panhellenion genannte Parlament funktionierte allerdings trotz seiner Versuche, die Griechen zur Zusammenarbeit zu bewegen, nicht. Dennoch waren die Griechen dem Kaiser als ihrem Patronus ĂŒberaus dankbar, wie sich die große Zahl der Ehrenstatuen zeigt, die sich von Hadrian nachweisen lassen: So gab es allein in Athen mehrere hundert PortrĂ€ts des Kaisers in Marmor oder Bronze. In Milet erhielt er auf Beschluss des Rats jĂ€hrlich eine neue, sodass dort am Ende seiner Regierungszeit 22 Statuen oder BĂŒsten Hadrians standen. Der ArchĂ€ologe Götz Lahusen schĂ€tzt, dass es in der Antike 15.000 bis 30.000 Bildnisse von ihm gab, heute sind etwa 250 davon bekannt.[3]

Auch an der griechischen Philosophie war er sehr interessiert. Er schĂ€tzte unter anderem den stoischen Philosophen Epiktet und den Sophisten Favorinus von Arelate, die beide wĂ€hrend seiner Regierungszeit zu hohem Ansehen gelangten. Allgemein hielt man Hadrian aber fĂŒr einen Epikureer. Wie die Historia Augusta schreibt, zeigte sich seine Vorliebe fĂŒr das Griechentum und insbesondere die Philosophie auch in seinem Äußeren: Er ließ sich nĂ€mlich einen Bart stehen, angeblich um Narben im Gesicht zu verdecken, vermutlich jedoch eher aus Bewunderung fĂŒr die traditionell bĂ€rtigen griechischen Philosophen. Die Angehörigen der römischen Oberschicht, die sich seit Jahrhunderten immer rasiert hatten, folgten seinem Beispiel und auch sein Nachfolger Antoninus Pius, sonst eher altrömischen Traditionen zugetan, folgte dieser neuen Mode.[4]

Hadrian als Dichter

Laut der Historia Augusta soll Hadrian wenige Tage vor seinem Tode folgendes Gedicht geschrieben haben:[5]

animula vagula blandula,
hospes comesque corporis
quo nunc abibis? in loca
pallidula rigida nubila –
nec ut soles dabis iocos.
P. Aelius Hadrianus Imp.
Kleine Seele, schweifende, zÀrtliche,
Gast und GefÀhrtin des Leibs,
Die du nun entschwinden wirst dahin,
Wo es bleich ist, starr und bloß,
Und nicht wie gewohnt mehr scherzen wirst 


Quellenproblematik

Die einzige auf Hadrian bezogene und ĂŒberlieferte literarische Quelle, die zu seinen Lebzeiten verfasst wurde, war seine Autobiographie, von der aber nur ein an Antoninus Pius gerichteter Brief als Auftakt erhalten ist, in dem Hadrian sein nahes Ende anspricht und dem Nachfolger dessen FĂŒrsorge dankt. Birley nennt die anderen ĂŒberlieferten Originalzeugnisse Hadrians, die „meist fragmentarisch auf Stein oder Papyrus erhaltenen“ Reden, Briefe und Reskripte sowie die auf Latein oder Griechisch ĂŒberlieferten Gedichte „eine beachtliche Materialsammlung“.[6] Von eigener Bedeutung sind auch die aus Hadrians Prinzipat erhaltenen MĂŒnzen.

Die aus dem 3. Jahrhundert stammende Römische Geschichte von Cassius Dio ist in dem Hadrian betreffenden 69. Buch nur in Fragmenten und Exzerpten aus byzantinischer Zeit ĂŒberliefert. Ebenfalls im 3. Jahrhundert verfasste Marius Maximus eine Sammlung von Kaiserbiographien (und zwar im Anschluss die an diejenige Suetons, der mit Domitian geendet hatte), unter denen auch Hadrian vertreten war. Das Werk ist nicht erhalten und nur bruchstĂŒckhaft indirekt erschließbar. In mehreren spĂ€tantiken Breviarien (so in den Caesares des Aurelius Victor) finden sich Hadrian betreffend nur knappe Informationen.

Zentrale und zugleich höchst umstrittene Quelle fĂŒr Leben und Herrschaft Hadrians ist die vita Hadriani aus der Historia Augusta (HA). Denn in diese wahrscheinlich erst Ende des 4. Jahrhunderts entstandene Zusammenstellung von Kaiserbiographien sind einerseits heute verlorene literarische Quellen wie das Werk des Marius Maximus eingeflossen; andererseits wurden durch den spĂ€tantiken Verfasser Darstellungselemente eingebracht, fĂŒr die ein RĂŒckhalt an seriösen Quellen nicht erkennbar ist, sondern die vornehmlich dem GestaltungsbedĂŒrfnis des Verfassers selbst zuzurechnen sind. Theodor Mommsen erschien die HA als glaubwĂŒrdige Quelle so zweifelhaft, dass er in ihr „eine der elendesten Sudeleien“ sah, „die wir aus dem Altertum haben“.[7]

Der aus diesem Eindruck abgeleiteten Forderung Mommsens nach akribischer PrĂŒfung und Kommentierung jeder einzelnen Aussage durch umfassenden Vergleich sowohl innerhalb der HA-Viten als auch mit dem verfĂŒgbaren Quellenmaterial außerhalb der HA[8] ist Jörg FĂŒndling in seinem auf die vita Hadriani gerichteten zweibĂ€ndigen Kommentar zur Historia Augusta nachgekommen. In der Biographie Hadrians, die in der Forschung zu den relativ zuverlĂ€ssigsten HA-Viten gezĂ€hlt wird, hat FĂŒndling mindestens ein Viertel des Gesamtumfangs als unzuverlĂ€ssig ausgewiesen, darunter 18,6 Prozent als „mit hoher Sicherheit fiktiv“ und weitere 11,2 Prozent, die in ihrem Quellenwert als sehr zweifelhaft anzusehen sind.[9] Mit diesem Ergebnis tritt FĂŒndling einer neueren Tendenz entgegen, die Vielzahl der in der HA-Forschung kontrovers vertretenen Positionen mit dem „Überspringen sĂ€mtlicher Quellenprobleme“ zu beantworten, „als wĂ€ren diese irrelevant fĂŒr den Inhalt, weil sowieso unlösbar“.[10]

Vieldeutige Rezeption

Hadrians Vielseitigkeit und sein teils widersprĂŒchliches Erscheinungsbild bestimmen auch das Spektrum der ĂŒber ihn gefĂ€llten Urteile. Im zeitgenössischen Umfeld ist auffĂ€llig, dass Mark Aurel weder in jenem ersten Buch seiner Selbstbetrachtungen, in dem er seinen wichtigen Lehrern und Förderern umfĂ€nglich dankt, noch an anderer Stelle in dieser Gedankensammlung Hadrian ĂŒberhaupt erwĂ€hnt, dem er doch durch das vorgegebene Adoptionsgesamtarrangement den eigenen Aufstieg zur Herrschaft verdankte.[11]

Cassius Dio bescheinigte Hadrian eine insgesamt menschenfreundliche HerrschaftsausĂŒbung und ein umgĂ€ngliches Naturell, aber auch einen unstillbaren Ehrgeiz, der sich auf die verschiedensten Bereiche erstreckte. Unter seinen EifersĂŒchteleien hĂ€tten viele Fachspezialisten diverser Richtungen zu leiden gehabt. Den noch zu Trajans Zeiten ihn als Laien zurechtweisenden Architekten Apollodoros habe er, als er dann Kaiser war, erst in die Verbannung geschickt und spĂ€ter umbringen lassen. Als charakteristische Eigenschaften Hadrians nennt Cassius Dio u. a. Übergenauigkeit und zudringliche Neugier einerseits, Umsicht, GroßzĂŒgigkeit und vielfĂ€ltige Geschicklichkeit andererseits (69, 2-5). Wegen der Mordtaten zu Beginn und am Ende seiner Regierungszeit habe ihn das Volk nach dem Tode gehasst, trotz seines trefflichen Waltens in den Zeiten dazwischen (69, 23).

FĂŒr Jörg FĂŒndling erschweren die vielseitigen Interessen Hadrians nebst den ihm eigenen WidersprĂŒchen eine Urteilsbildung ĂŒber die Persönlichkeit – sowohl fĂŒr den Autor der Historia Augusta als auch fĂŒr die Nachwelt. Die angetroffene „FĂŒlle intellektueller AnsprĂŒche und brennenden Ehrgeizes“ wirke einschĂŒchternd. Dagegen fĂŒhre die BeschĂ€ftigung mit Fehlern und Absonderlichkeiten des sich einem leichtem Zugriff Entziehenden zu einer Entlastung fĂŒr den Betrachter und auf ein menschliches Maß zurĂŒck. Letztlich sei die Darstellung des HA-Verfassers Ausdruck seiner Dankbarkeit fĂŒr die Reize exzentrischer Persönlichkeiten. „Und da Hadrian obendrein zur BlĂŒtezeit Roms gehört und den Senat mit mehr Achtung behandelt als jeder zeitgenössische Kaiser, kann er so schlecht nicht gewesen sein. Mehr Klarheit wird dem Leser nicht gegönnt.“[12]

In einer der jĂŒngsten Hadrian-Darstellungen kommt auch Birley zu dem Ergebnis, die komplizierte Persönlichkeit Hadrians und dessen BeweggrĂŒnde entzögen sich dem Betrachter. Hinsichtlich Hadrians Griechenland-Engagements erwĂ€gt er, dass der Kaiser den Part eines wiedergeborenen Perikles ĂŒbernommen und versucht habe, „die Welt des 5. Jhs. v. Chr. erneut aufleben zu lassen.“ Birley schließt: „Was immer Hadrian sonst noch zustande brachte, seine rastlosen Reisen machten ihn zweifellos zum meistgesehenen Kaiser, den das Römische Reich jemals hatte.“[13]

Eine bekannte literarische Darstellung Hadrians in fiktiver Ichform bietet der erstmals 1951 von Marguerite Yourcenar veröffentlichte Roman Ich zĂ€hmte die Wölfin. Die Erinnerungen des Kaisers Hadrian. Yourcenar legte darin nach langjĂ€hriger eigener Auseinandersetzung mit den verfĂŒgbaren Quellen gleichsam die verloren gegangene Autobiographie Hadrians als Roman vor. Thorsten Opper merkt an, dieses Buch habe wie kein anderes die allgemeine Wahrnehmung Hadrians beeinflusst, sei in die akademische Debatte eingeflossen und wurde so „zu einem integralen Bestandteil von Hadrians moderner Rezeptionsgeschichte.“[14]

Einen Überblick ĂŒber die neuere Deutungsgeschichte zu Hadrian seit dem Erscheinen der ersten großen Hadrian-Monographie von Ferdinand Gregorovius 1851 gibt Susanne Mortensen. Als fĂŒr die Rezeptionsgeschichte besonders wichtig werden von ihr Ernst Kornemann mit seinem negativen Urteil zu Hadrians Außenpolitik sowie Wilhelm Weber hervorgehoben, der in einer umfassenden Auseinandersetzung mit Hadrians Wirken zu einem insgesamt ausgewogeneren Urteil gelangt sei (dann aber unter dem Einfluss der NS-Blut und Rassenlehre auch zu „Überzeichnungen und Fehldeutungen“ gelangt).[15]

FĂŒr die Hadrian-Rezeption nach dem Zweiten Weltkrieg konstatiert Mortensen eine „verstĂ€rkte Spezialisierung auf lokal oder thematisch eng begrenzte Fragestellungen und eine Ă€ußerst nĂŒchterne Darstellungsweise“ unter weitgehendem Verzicht auf persönliche Werturteile.“[16] Waghalsige Hypothesen und psychologisierende Konstrukte erstreckten sich neuerdings vor allem auf Themen, die bei lĂŒckenhafter oder widersprĂŒchlicher Quellenlage eine Rekonstruktion historischer Wirklichkeit unmöglich machten.[17] FĂŒr die seriöse Forschung resĂŒmiert Mortensen mit Blick vornehmlich auf die Bereiche Außenpolitik, MilitĂ€rwesen, Förderung des Hellenentums und ReisetĂ€tigkeit: „Infolge des neu gewĂ€hlten breiteren Blickwinkels erscheint Hadrian oftmals als ein Herrscher, der fĂŒr die Probleme seiner Zeit sensibel war und angemessen auf MißstĂ€nde und Notwendigkeiten reagierte.“[18]

Literatur

  • Anthony R. Birley: Hadrian. The restless emperor. Routledge, London u.a. 1998 [Nachdruck], ISBN 0-415-16544-X (maßgebliches Werk).
    • Anthony R. Birley: Hadrian. Der rastlose Kaiser. Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3656-X (basierend auf der englischsprachigen Ausgabe, allerdings stark gekĂŒrzt und teils umgearbeitet. Rezension).
  • Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit. Von Augustus bis Diokletian. Beck, MĂŒnchen 1995 und neuere Auflagen (Standardwerk zur Geschichte der römischen Kaiserzeit. Zu Hadrian: S. 314–332).
  • Anthony Everitt: Hadrian and the Triumph of Rome. Random House, New York 2009, ISBN 978-1-4000-6662-9.
  • Jörg FĂŒndling: Kommentar zur Vita Hadriani der Historia Augusta. 2 BĂ€nde, Habelt, Bonn 2006, ISBN 978-3-7749-3390-3 (= Antiquitas. Reihe 4: BeitrĂ€ge zur Historia-Augusta-Forschung. Serie 3: Kommentare; Bd. 4.1, 4.2. Rezension)
  • Heiner Knell: Des Kaisers neue Bauten. Hadrians Architektur in Rom, Athen und Tivoli. Zabern, Mainz 2008, ISBN 978-3-8053-3772-4 (Rezension).
  • Susanne Mortensen: Hadrian. Eine Deutungsgeschichte. Habelt, Bonn 2004, ISBN 3-7749-3229-8 (umfangreiche Zusammenstellung der Forschungsmeinungen zu Hadrian).
  • Thorsten Opper: Hadrian: Machtmensch und MĂ€zen. Darmstadt 2009, ISBN 978-3-8062-2291-3. (englische Originalausgabe: Hadrian: Empire and conflict. London 2008)
  • Michael Zahrnt: Hadrian. In: Manfred Clauss (Hrsg.): Die römischen Kaiser. 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian. 3. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-47288-5, S. 124–137.

Weblinks

 Commons: Hadrian â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Historia Augusta, Hadrianus 1,1. Obwohl die Historia Augusta als sehr problematisch gilt, wobei die frĂŒhen Viten durchaus wertvolle Informationen beinhalten, wird in der modernen Forschung weitgehend akzeptiert, dass Hadrian eine Autobiographie verfasst hat.
  2. ↑ Edward Togo Salmon: History of the Roman World from 30 B.C. to A.D. 138, Routledge, 1968 und Nachdrucke, ISBN 0-415-04504-5, S. 290.
  3. ↑ Götz Lahusen, Römische Bildnisse. Auftraggeber – Funktionen – Standorte, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, S. 194f.
  4. ↑ Paul Zanker, Die Maske des Sokrates: Das Bild des Intellektuellen in der antiken Kunst, C.H.Beck, MĂŒnchen 1995, S. 206–221
  5. ↑ Historia Augusta, Hadrianus 25. Vgl. auch Jens Holzhausen: Hadrians nous und seine animula. In: Rheinisches Museum fĂŒr Philologie 143, 2000, S. 96–109.
  6. ↑ Birley 2006, S. 5.
  7. ↑ Theodor Mommsen: Die Scriptores historiae Augustae. In: Hermes. Band 25, 1890, S. 229 (online).
  8. ↑ Theodor Mommsen: Die Scriptores historiae Augustae. In: Hermes. Band 25, 1890, S. 281.
  9. ↑ FĂŒndling 2006, Bd. 4.1, S. 85.
  10. ↑ FĂŒndling 2006, Bd. 4.1, S. 7.
  11. ↑ Birley 2006, S. 112.
  12. ↑ FĂŒndling 2006, Bd. 4.1, S. 208.
  13. ↑ Birley 2006, S. 113.
  14. ↑ Opper 2009, S. 29.
  15. ↑ Mortensen 2004, S. 11–13.
  16. ↑ Mortensen 2004, S. 15.
  17. ↑ Mortensen 2004, S. 350.
  18. ↑ Mortensen 2004, S. 352.


VorgÀnger Amt Nachfolger
Trajan Römischer Kaiser
117–138
Antoninus Pius

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