Halbtonplatte

Die Autotypie (dtsch. etwa Selbstschrift), im Deutschen auch Netzätzung genannt, ist ein um 1880 von Georg Meisenbach in München entwickeltes fotomechanisches Reproduktionsverfahren zur Herstellung von Klischees nach Halbtonvorlagen für den Buchdruck (Hochdruck).

Die Zerlegung des Bildes in einzelne Rasterpunkte erfolgt durch einen Kreuzlinienraster, der über das Foto der zu reproduzierenden Abbildung gelegt und zusammen mit ihr auf eine mit einer lichtempfindlichen Schicht versehenen Metallplatte (im allgemeinen eine 2 mm starke Zinkplatte) kopiert wird. Die später erhabenen (= druckenden) Teile sind durch die durch die Belichtung gehärtete, nun säurefeste Schicht geschützt. So werden im Salzsäure-Bad nur die nicht druckenden Teile tiefer geätzt – die "abgedeckten", höher stehenden druckenden Bildteile werden später während des Drucks bei jeder Umdrehung des Druckzylinders der Buchdruckpresse mit der Farbwalze eingefärbt, bevor dann das Papier zwischen "Zylinder" und "Druckform" durchgeführt wird. Die Größe der Rasterpunkte schwankt einerseits je nach hellen oder dunklen Bildpartien, im Technischen aber auch je nach "Rasterweite" (das ist die Anzahl von Rasterpunkten, die auf einen Zentimeter gehen). In der Regel verwendet man für den Druck auf raue Papiere (Zeitungs-/Naturpapiere) einen groben Raster (etwa 36 bis 48 Linien per cm), bei Feinpapieren (Kunstdruck-/Bilderdruckpapiere) einen feinen Raster (etwa 60 lpm). Es gibt auch Autotypien aus Kunststoff, die im Auswaschverfahren hergestellt werden.

Das Verfahren eignet sich besonders zur Reproduktion von Architekturen und figürlichen Darstellungen jeder Art, da es Halbtöne wiederzugeben vermag. Weniger arbeitsintensiv ist es wesentlich billiger als der Holzstich, vermag denselben vielfach zu ersetzen und arbeitet außerordentlich rasch. Durch die Verdrängung des Hochdrucks durch den Offsetdruck werden Autotypien nur noch selten gebraucht.

Die Autotypie wurde am 9. Mai 1882 als deutsches Reichspatent Nummer 22244 anerkannt.[1] Dies geht auf eine Veranlassung durch die Autotype Company in München zurück. Als Erfinder ist Georg Meisenbach anzusehen, der in den Jahren 1881 und 1882 sein entwickeltes Verfahren verbesserte.

Die erste Autotypie in der Tagespresse erschien in den USA am 4. März 1880 im New York Daily Graphic (andere Quellen nennen den 21. Januar 1897 und die New York Tribune). In Deutschland erschien das erste gerasterte Foto 1883 in der Illustrirten Zeitung, die in Leipzig erschien.

Siehe auch: Kohledruck, Heliogravure, Photogravure, Fotogravüre, Lichtdruck, Offsetdruck, Fotografie, Hochdruck, Druck (Reproduktionstechnik)

Einzelnachweise

  1. Lexikon der Reprotechnik, 2. Auflage, Seite 436

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