Hangelar

Hangelar ist ein Stadtbezirk der Stadt Sankt Augustin im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis, zwischen dem Zentrum Sankt Augustins und Bonn gelegen. Hangelars Hauptstraße ist die Kölnstraße, von dieser zweigen sich alle anderen wichtigen Straßen ab. Der Flugplatz Hangelar gehört zu den ältesten Flugplätzen Deutschlands, in beiden Weltkriegen wurde er als Militärflugplatz benutzt. Hinter dem Flugplatz liegt das Naturschutzgebiet Hangelarer Heide.

Hangelar ist vor allem bekannt als Hauptstandort der Bundespolizei und der Anti-Terror-Sondereinheit GSG 9 der Bundespolizei, der dort aufgrund der Nähe zum ehemaligen Regierungssitz eingerichtet wurde. Der Ortsteil verfügt außerdem über den größten Segelflugplatz der Region.

Hangelar liegt an der Siegburger Bahn der Bonner Stadtbahn und wird werktags im Zehnminutentakt von der Stadtbahnlinie 66 von Bonn und Siegburg aus angefahren (drei Haltestellen in Hangelar).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Name Hangelar taucht erstmals 1314[1] in einer Schwarzrheindorfer Urkunde auf, als ein Johannes de Hangelare zusammen mit anderen Schwarzrheindorfer Bewohnern mit den Schiffern zu Bonn und Beuel die freie Rheinfahrt aushandelte. 1327 wurde er mit seinem Sohn Winrich de Hangelar als Grundbesitzer in diesem Raum benannt. 1555 war Hangelar Honschaft in den vereinigten Kirchspielen Menden und Niederpleis im bergischen Amt Blankenberg.[2] Um die Mitte des 17. Jahrhunderts führte die bergische Grundsteuerliste 296 Morgen Land in Hangelar auf. 1685 bestritt die Abtei Siegburg der Äbtissin von Vilich das Jagdrecht vor allem in Hangelar. Diese berief sich nun auf ein Weistum (eine Art dörfliche Rechtssatzung), das bewies, dass sie tatsächlich das Jagd- und Fischereirecht in Hangelar besaß. Dieses Weistum überliefert einige Flurnamen wie z.B. Schleuterbach, Wolfsbach oder den Kratenpohl, sagt aber letztlich nicht viel über Hangelar zu dieser Zeit aus.

So gibt es denn eine Karte, die vor 1689 gezeichnet wurde und die eine Darstellung von Hangelar bietet: An der Landstraße Bonn–Siegburg (der jetzigen Kölnstraße) liegen sichtbar 13 oder 14 Häuser, hinter denen sich Obstgärten befinden. Das vorletzte Gebäude scheint größer zu sein, so dass es sich hier um einen größeren Hof handeln muss. Eine Kapelle ist nicht verzeichnet. Hangelar lag genau zwischen Siegburg und Bonn, zwischen den Gabelungen Siegburg-Mülldorf/Niederpleis und Bonn/Meindorf/Vilich-Müldorf/Kohlkaul und damit verkehrsgeographisch an wichtiger Stelle.

Hangelar gehörte weltlich zum bergischen Amt Blankenberg, Gericht Geistingen, Kirchspiel Niederpleis, kirchlich zur alten Mutterpfarre Vilich im Dekanat Siegburg. Seit dem 18. Jahrhundert ist für Hangelar eine Gemeinde als Selbstverwaltungskörperschaft bezeugt. Sie wird im bergischen Territorium meistens Honschaft genannt.

Da die Äbtissin von Vilich ihren Zehnt einzog und der Landesherr ebenfalls, kam es hier bald zu Streitigkeiten, da die „Bemessungsgrundlagen“ etwas verworren waren. Dies war der Anlass für eine regelrechte Flurbereinigung, die 1787 stattfand.

Als der preußische König 1820 den Siegkreis bildete, setze sich die Bürgermeisterei Menden aus acht Gemeinden zusammen, darunter auch die Gemeinde Hangelar. Das einstige Straßendorf entwickelte sich zu einem Haufendorf. 1844 wurde die alte Landstraße von Bonn nach Siegburg zu einer befestigten Chaussee ausgebaut. Bald schon trug die günstigere Verkehrsanbindung Hangelars zur ersten Ansiedlung von Industrieunternehmen bei. 1891 wurde Hangelar durch die Bröltalbahn an das überregionale Eisenbahnnetz angebunden. 1911 fuhr erstmals die Straßenbahn Bonn–Siegburg. Hierdurch wurde eine noch bequemere Verbindung mit den Städten Bonn und Siegburg geschaffen.

Angebaut wurde in Hangelar Korn (Roggen), Gerste, Weizen, Hafer, Buchweizen, Rübsamen, Wicken, Bohnen und Flachs. Der Roggenanbau überwog deutlich. Erst im 20. Jahrhundert verschob sich das Verhältnis: Neben Roggen traten Hafer, Kartoffeln und Futterrüben.

Im 19. Jahrhundert setzte eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung ein. Zu der üblichen Landwirtschaft kamen nun erste industrielle Unternehmen hinzu. Erfolgreich war etwa eine Ziegel- und Tonwarenfabrik, deren repräsentatives, mit Terracotta-Adlern verziertes Hauptgebäude in den 1970er Jahren zugunsten eines Parkes abgerissen wurde. 1898 wurde die erste eigene Pfarrkirche St. Anna geweiht. Der neugotische, für die kleine Dorfgemeinde ungewöhnlich prächtige Bau wurde 1972 abgerissen. Wenige Ausstattungsstücke der alten Kirche wurden geborgen und in den Neubau integriert. Zu den kunsthistorischen Kostbarkeiten der St. Anna-Kirche gehören eine spätgotische Anna-Selbdritt-Gruppe aus Italien mit ihrem neugotischen Gehäuse, ein neugotischer Taufstein mit Messinghaube, ein neugotischer Kruzifixus, der mit Figuren geschmückte Mittelteil des ehemaligen Hochaltares, ein neugotisches, von einem Bürger gestiftetes Reliquiar (Reliquien St. Anna und Joachim), ein mächtiges, ehemals neben der Kirche aufgestelltes, nun im östlichen Eingangsbereich angebrachtes Holzkreuz mit der Reliefdarstellung der Leidenswerkzeuge Christi sowie Teile der wertvollen expressionistischen Verglasung. Erhalten blieb das zeitgleich mit der St. Anna-Kirche errichtete neugotische Eingangsportal des Friedhofes. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in der Hangelarer Heide ein Exerzierplatz angelegt, auf dem Paraden und militärische Übungen preußischer Truppen abgehalten wurden.

Erste Flugversuche auf der Hangelarer Heide gab es 1909, was oft als Geburt des Flugplatzes Hangelar gedeutet wird. Fritz Pullig hatte in der Exerzierhalle seines Bonner Infanterieregiments ein Gleitflugzeug konstruiert und es mit einem Pferdefuhrwerk auf die Hangelarer Heide geschafft. Am 17. Juli 1909 stieg er mit diesem Aeroplan für ca. 40 Sekunden in die Luft. Zwei Jahre später veranstaltete der damals gerade 18-jährige Bruno Werntgen mit einem Schaufliegen den ersten Hangelarer Flugtag. 1912 führte der den auf dem Hangelarer Exerzierplatz paradierenden Generalen seinen Flugapparat vor. Die Militärs erkannten die Bedeutung des Flugwesens und unterstützten zusammen mit der Gemeinde Hangelar Werntgens Gründung der ersten Fliegerschule Hangelar zur Ausbildung militärischer und ziviler Flugschüler.

Während des ersten Weltkriegs diente der Flugplatz allein militärischen Zwecken. Das Verbot der Besatzungsmächte nach Kriegsende, Flugzeuge (mit Motoren) zu konstruieren, umgingen seit 1920 die deutschen Pioniere mit der Entwicklung des Segelflugzeuges.

Der bedeutendste Tag in der Geschichte des Sportflugplatzes Hangelar war der Osterdienstag 1930: Etwa 120.000 Menschen waren Zeuge der Landung des Luftschiffs Graf Zeppelin.

1935 beschlagnahmte das Nationalsozialistische Fliegerkorps den gesamten Besitz der Bonner Flieger einschließlich ihrer Flugzeuge. Das bedeutete auch das Ende des zivilen Flugsports in Hangelar bis 1951. Der im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörte Flugplatz wurde vom Aero-Club Siegburg wieder aufgebaut. In den Jahren darauf entstanden die Luftfahrerschule Hangelar und die Flugplatzgesellschaft Hangelar. Der Flugplatz Hangelar zählt nicht nur zu den ältesten Flugplätzen der Bundesrepublik, sondern sogar der Welt.

Am 1. August 1969 wurde Hangelar ein Teil der neugegründeten Gemeinde und heutigen Stadt Sankt Augustin.[3]

Mit der Hauptstadtfunktion Bonns beschleunigte sich die Entwicklung Hangelars immens. Der südlich der Bundesstraße 56 seit den späten 1950er Jahren angelegte Ortsteil Niederberg (nach der Anlage der südöstlichen Erweiterungen in den 1970er Jahren als „Alter Niederberg“ bezeichnet) spiegelte in seiner Bewohnerschaft diese Entwicklung wider – hier wohnten (und wohnen teilweise noch) Kaufleute, zahlreiche Diplomaten, Ministerialbeamte und andere Funktionsträger staatlicher oder staatsverwandter Institutionen. Zu den wenigen älteren Relikten im Bereich des „Alten Niederbergs“, westlich der Konrad-Adenauer-Straße in Richtung Birlinghoven gelegen, gehört die Anlage eines Denkmals für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Halbkreisförmig von einer alleeartigen Baumstellung hinterfangen, steht die monumentale Figur eines idealisiert-mittelalterlich gestalteten Kriegers („Siegfried“ oder auch „Roland“ genannt) auf einem altarförmigen Unterbau mit martialischer Inschrift.

Die seit Oktober 1987 völlig umgestaltete und seitdem verkehrsberuhigte Kölnstraße lädt heute viele Hangelarer zum Einkaufsbummel ein. Der Flugplatz wird von Geschäftsleuten wie Politikern gleichermaßen benutzt. Außerdem beheimatet Hangelar seit 1951 den Bundesgrenzschutz (heute „Bundespolizei“). In dem am Ortsrand nach Bonn liegenden Bundespolizeistandort arbeiten heute 1.600 Bedienstete. Somit ist Hangelar auch nach Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin der größte Standort der Bundespolizei in der Bundesrepublik Deutschland.

Auf der Hangelarer Heide sollte ursprünglich die Abschlussmesse des Weltjugendtages 2005 stattfinden. Aufgrund starker Proteste, einer erfolgreichen Klage von Umweltschützern (BUND) sowie der kostenintensiven Kampfmittelbeseitigung (Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg) auf dem Gelände wurde die Messe jedoch auf das Marienfeld in Kerpen, ca. 35 km westlich von Köln, verlegt.

Einwohnerentwicklung[4]

Jahr Einwohner
1816 276
1843 388
1871 576
1905 1.049
1961 5.567
2001 9.548

Vereinsleben

  • 1. Pool-Billard-Club Sankt Augustin e. V.
  • aeroclub bonn-hangelar e.V.
  • Ehrengarde Sankt Augustin-Hangelar von 1988 e. V.
  • Fliegergemeinschaft Hangelar e. V.
  • Gemischter Chor Eintracht 1859 Hangelar e. V.
  • Junggesellenverein
  • Kranken- und Familienpflegeverein Sankt Augustin e.V.
  • Rassegeflügel- und Taubenzuchtverein Sankt Augustin-Hangelar und Umgebung e. V.
  • Schützenbruderschaft Sankt Sebastianus Hangelar
  • Skatfreunde Sankt Augustin
  • Tennisclub Rot-Weiss
  • Turnverein Hangelar 1962 e. V.
  • Verein für Rasensport Hangelar

Sonstiges

Literatur

  • Manfred van Rey: Hangelar – Geschichte nicht nur eines Dorfes. In: Punkt : Informationen, Meinungen aus der Gemeinde Sankt Augustin. (ZDB-ID 638937-5).
  • Stadtarchiv Sankt Augustin
  • Hangelar – ein Flugplatz mit Geschichte. In: Flugplatzgesellschaft Hangelar (Hrsg.): Gut gelandet in Bonn/Hangelar – was nun?.
  • Hans Luhmer: Von der Bürgermeisterei Menden zur Gemeinde Sankt Augustin. In: Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 20, herausgegeben vom Stadtarchiv Sankt Augustin, 1994, ISSN 0936-3483

Einzelnachweise

  1. Karl Lennartz: Von der Gemeinde zur Stadt. In: Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 46, herausgegeben vom Stadtarchiv Sankt Augustin, Siegburg 2008, ISBN 978-3-938535-44-8, ISSN 0936-3483
  2. Der Rhein-Sieg-Kreis. Herausgeber: Oberkreisdirektor Paul Kieras. Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0289-3, S. 262.
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
  4. Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 17/ Siegburg 1980, S. 138-139.

Weblinks

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