Hans Otto Theater

Hans Otto Theater

Hans Otto Theater ist der Name des Theaters der Landeshauptstadt Potsdam. Seit September 2006 spielt das Ensemble im neuen Theater auf der Schiffbauergasse am Ufer des Tiefen Sees/Havel. Die historische Reithalle A auf dem Gelände der Schiffbauergasse ist die zweite Spielstätte des Hans Otto Theaters, das darüber hinaus auch regelmäßig Vorstellungen im Schlosstheater im Neuen Palais zeigt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Schauspieler Hans Otto,
portraitiert von Peter Kern
Das alte Hans Otto Theater in der Zimmerstraße

Ein Dem Vergnügen der Einwohner gewidmetes Schauspielhaus wurde 1795 unter König Friedrich Wilhelm II. am Potsdamer Stadtkanal eröffnet. Das im Volksmund „Kanaloper“ genannte Haus bot Platz für 700 Gäste. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Theater durch Kampfhandlungen um Potsdam in Brand geschossen und schwer beschädigt. Die Ruine wurde 1966 abgetragen.

1946 wurde das Brandenburgische Landestheater gegründet und fand seine Spielstätte zunächst im Schlosstheater im Neuen Palais. Die Eröffnung wurde mit Iphigenie auf Tauris von Johann Wolfgang Goethe begangen. Ein neuer provisorischer Spielort wurde am 16. Oktober 1949 mit Goethes Faust I in der ehemaligen Gaststätte Gesellschaftshaus und Konzertgarten „Zum alten Fritz“ in der Zimmerstraße eröffnet. 1952 erhielt das Theater den Namen „Hans Otto Theater“ nach dem Schauspieler Hans Otto, der 1933 als Kommunist und Gewerkschafter von den Nazis ermordet wurde.

Ein 1968 beschlossener Wiederaufbau des Potsdamer Stadtzentrums samt Stadthalle und Theater – die Eröffnung war für 1974 geplant – verzögerte sich. 1985 wurde erneut ein Theaterbau geplant; die Eröffnung des von Günter Franke, einem der Architekten des Berliner Fernsehturms, geplanten Hauses war für 1993 zur 1000-Jahr-Feier Potsdams vorgesehen. Noch vor dem Mauerfall fand 1989 die Grundsteinlegung statt. Der bereits fertiggestellte Rohbau wurde allerdings 1991 abgerissen. Die altgediente Spielstätte in der Zimmerstraße wurde etwa zeitgleich wegen baulicher Mängel geschlossen. Ersatzspielstätten fanden sich einstweilen in der Schiffbauergasse und in der Heinrich-Mann-Allee. Am Alten Markt wurde ein provisorisches Theaterhaus errichtet, das zunächst für fünf Jahre als zentraler Spielort dienen sollte und vom Potsdamer Publikum alsbald den Spitznamen „Blechbüchse“ erhielt.

Die „Blechbüchse“
Spielstätte des Hans Otto Theaters von 1992 bis 2006

An der Schiffbauergasse wurde 1998 eine Spielstätte für Kinder- und Jugendtheater eingerichtet. 1999 folgte die Entscheidung, das lang erwartete neue Theater der Landeshauptstadt Potsdam auf dem neu zu erschließenden Kultur- und Gewerbeareal Schiffbauergasse (an der Berliner Straße) zu errichten. Im April 2003 wurde der erste Spatenstich gesetzt; im Oktober 2003 erfolgte die Grundsteinlegung. Für die Bauzeit stellte der Intendant des Hans Otto Theaters, Uwe Eric Laufenberg (2004–2009), seine ersten beiden Spielzeiten unter das Motto „unterwegs“ und lockte die Zuschauer an exotische Spielorte, wie zum Beispiel in die Orangerie im Park Sanssouci, in den Pavillon auf der Freundschaftsinsel oder die Französische Kirche. Auch in der „Blechbüchse“ wurde weiterhin gespielt – sie sollte bis zu ihrer endgültigen Schließung im Juni 2006 vierzehn Jahre lang die Heimstatt des Hans Otto Theaters gewesen sein.

Am Wochenende vom 22. bis 24. September 2006, zwei Jahre nach dem Richtfest im September 2004, wurde der Neubau des Hans Otto Theaters, das Neue Theater, feierlich eröffnet.

Neubau

Der Neubau des Hans Otto Theaters auf dem Kultur- und Gewerbestandort Schiffbauergasse wurde 2003 begonnen und 2006 abgeschlossen. Bauherrin des 26,5 Mio. Euro teuren Projekts waren die Landeshauptstadt Potsdam und die Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg. Der Dokumentarfilm von Klaus Wunder „Theater ohne Ende zum glücklichen Ende – Theaterbau in Potsdam“ zeigt das wechselvolle Ringen um ein neues Theater von 1988 bis 2006.

Architektur

Hans Otto Theater

Der Architekt und Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm entwarf ein fünfgeschossiges Theatergebäude mit schalenförmigen, auskragenden Dächern. Beton, Glas und Stahl sind die vorherrschenden Materialien. Ein denkmalgeschützter Gasometer wurde in den Baukörper integriert. Auf der Seite des Tiefen Sees grenzt eine ebenfalls denkmalgeschützte frühere Zichorienmühle an den Theaterbau an; sie beherbergt heute ein Restaurant.

Oberes Foyer und Bühnensaal haben Glasfensterfronten, die den Blick über die Havel zum Schlosspark Babelsberg freigeben. Für die abendlichen Theatervorstellungen kann der Saal vollständig abgedunkelt werden. Der Saal bietet Platz für maximal 480 Zuschauer. Unter den Zuschauerreihen sind 50 Hubpodien angeordnet, mit denen das Auditorium flexibel abgesenkt und angehoben werden kann. Die Hinterbühne lässt sich zum gerundeten Innenraum des Gasometers öffnen. Ein Orchestergraben ertüchtigt die Bühne auch für Musiktheatervorstellungen.

Die konkrete Ausgestaltung des Entwurfs und die Bauausführung erfolgten durch Paul Böhm, den Sohn Gottfried Böhms. Das neue Hans Otto Theater wurde am 22. September 2006 offiziell eröffnet.[1] Im Rahmen eines Festakts wurde unter Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler und des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung des neuen Theaterstandorts für die Stadt Potsdam gewürdigt und auf die erhoffte Signalwirkung für die Neuen Bundesländer hingewiesen. Die Eröffnung fand in ganz Deutschland ein breites Medienecho. Am Wochenende vom 22. bis zum 24. September standen fünf Premieren auf dem Spielplan, darunter zwei Uraufführungen, eine deutschsprachige Erstaufführung sowie Lessings Nathan der Weise.

Repertoire und Ensemble

Intendanz

Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Tobias Wellemeyer Intendant des Hans Otto Theaters. Der ausgebildete Theaterwissenschaftler und Regisseur war von 1989 bis 2001 Hausregisseur am Staatsschauspiel Dresden, Gastinszenierungen führten ihn nach Bonn und Mainz. Von 2001 bis 2004 war er Intendant der Freien Kammerspiele Magdeburg, bis er 2004 als Generalintendant in die Gesamtverantwortung für ein neu zu schaffendes Theater Magdeburg berufen wurde, das aus der Fusion der Freien Kammerspiele Magdeburg und des damaligen Theaters der Landeshauptstadt Magdeburg hervorging. Bis 2009 führte er die Geschicke des Magdeburger Dreispartenhauses mit den Spielstätten Oper Magdeburg und Schauspiel Magdeburg und realisierte zahlreiche Inszenierungen im Schauspiel und im Musiktheater als Regisseur. 2009 wurde er mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. Tobias Wellemeyer ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste Bensheim.

Repertoire

Das Repertoire des Hans Otto Theaters umfasst Schauspiel und Kinder- und Jugendtheater. Als Koproduzent beteiligt sich das Hans Otto Theater an der jährlichen Neuinszenierung einer Opernaufführung im Rahmen der Potsdamer Winteroper. Innerhalb des Theater- und Konzertverbundes des Landes Brandenburg zeigt das Hans Otto Theater seine Aufführungen in den Städten Frankfurt/Oder (Kleist-Forum) und Brandenburg an der Havel (Theater Brandenburg). Vom Staatstheater Cottbus kommen Musiktheaterinszenierungen zu Gastspielen in das Hans Otto Theater.

Schauspiel

Das Schauspiel-Ensemble des Hans Otto Theaters besteht gegenwärtig aus 25 festengagierten Schauspielerinnen und Schauspielern. Als Regisseure zu Gast sind oder waren seit 2009 (in alphabetischer Reihenfolge) Clemens Bechtel, Stephan Beer, Ingo Berk, Philippe Besson, Matthias Brenner, Aurelina Bücher, Barbara Bürk, Bruno Cathomas, Markus Dietz, Andreas Dresen, Marita Erxleben, Yvonne Groneberg, Sascha Hawemann, Jens Heuwinkel, Jutta Hoffmann, Katharina Holler, Julia Hölscher, Peter Kube, Kerstin Kusch, Lukas Langhoff, Marc Lunghuß, Nina Mattenklotz, Isabel Osthues, Stefan Otteni, Nico Rabenald, Andreas Rehschuh, Alexander Riemenschneider, Niklas Ritter, Wulf Twiehaus, Sebastian Wirnitzer.

Auszeichnungen

  • 2008: Friedrich-Luft-Preis für die Uraufführungsproduktion Staats-Sicherheiten unter der Regie von Clemens Bechtel

Weblinks

 Commons: Hans Otto Theater – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Theater: Dem strengen Kasten wachsen kühne Flügel, Theatereröffnung in Potsdam, gesehen auf www.zeit.de am 13. September 2010
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