Hans von Seeckt


Hans von Seeckt
Hans von Seeckt (links) und Reichswehrminister Otto Geßler, 1925
Seeckt bei einem Manöver der Reichswehr in Thüringen (1925)
Grab auf dem Invalidenfriedhof

Johannes Friedrich Leopold von Seeckt (* 22. April 1866 in Schleswig; † 27. Dezember 1936 in Berlin) war ein deutscher Generaloberst. Seeckt war General im Ersten Weltkrieg, 1920 bis 1926 Chef der Heeresleitung der Reichswehr und von 1930 bis 1932 Mitglied des Reichstages. In den Jahren 1933 bis 1935 hielt er sich mehrere Male in der Republik China als Militärberater von General Chiang Kai-shek auf.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Nach dem Abitur trat Seeckt 1885 in das preußische Heer ein und durchlief eine steile militärische Karriere. Im Ersten Weltkrieg leitete er als Generalstabsoffizier der 11. Armee Einsätze an der Ostfront und auf dem Balkan und wurde schließlich zum Generalmajor ernannt. Dort diente er als Chef des Generalstabes im Heereskommando Mackensen. Er galt – gemeinsam mit seinem Oberbefehlshaber August von Mackensen – als Architekt des strategisch wichtigen Sieges von Gorlice-Tarnów.

Nach dem Krieg war Seeckt zeitweilig Chef des Generalstabs des AOK Nord im Grenzschutz Ost und ab April 1919 Leiter der militärischen Sachverständigenkommission bei der deutschen Friedensdelegation zum Vertrag von Versailles. Am 1. Oktober 1919 wurde er erster Chef des neugebildeten Truppenamtes (eine Tarnbezeichnung für den im Friedensvertrag von Versailles verbotenen Generalstab). Während des Kapp-Putsches 1920 riet Seeckt davon ab, die Reichswehr zur Niederschlagung des gegen die demokratische Weimarer Republik gerichteten Putsches einzusetzen („Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“ / „Truppe schießt nicht auf Truppe“). Dennoch wurde er nach dem Scheitern des Putschversuchs und dem Rücktritt Walther Reinhardts zu dessen Nachfolger als Chef der Heeresleitung ernannt.

Angesichts der chaotischen politischen Verhältnisse der Weimarer Republik entwickelte Seeckt das Konzept einer Überparteilichkeit der Reichswehr. Damit war er entscheidend verantwortlich für die Ausbildung der Funktion der Reichswehr als Staat im Staate. Die damalige Stellung der Reichswehr kann gut durch ein Gespräch zwischen Reichspräsident Friedrich Ebert und Seeckt dargestellt werden. Auf die Frage Eberts, wo die Reichswehr stehe, antwortete Seeckt: „Die Reichswehr steht hinter mir“ und auf die Frage, ob die Reichswehr zuverlässig sei: „Ob sie zuverlässig ist, weiß ich nicht, aber mir gehorcht sie“. Außenpolitisch befürwortete Seeckt eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, da er mit einem baldigen neuen Krieg gegen Frankreich und Polen rechnete.

Am 11. März 1923 begegnete er erstmals Adolf Hitler in München. Später sagte er: „Im Ziel waren wir uns einig; nur in den Wegen dorthin unterschieden wir uns“.

Vom 8. November 1923 bis 28. Februar 1924 war Seeckt Inhaber der Exekutivgewalt zur Sicherung des Reiches gegen innere Unruhen und für die Niederschlagung des Hitler-Ludendorff-Putsches verantwortlich. Er wurde von Friedrich Ebert hierzu ernannt und nutzte seine Amtsgewalt, um nach der Niederschlagung des Putschversuches, am 23. November die NSDAP, die KPD und die Deutschvölkische Freiheitspartei zu verbieten.[1] Auch wenn er sich deutlich gegen den Nationalsozialismus positionierte, nahm er der Republik gegenüber eine ambivalente Stellung ein. Er äußerte dabei deutliche Sympathie für konservative Republikgegner von rechts. Seeckt plante, beim Ende der Amtszeit Eberts selbst für das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren und ließ dazu von seinen Mitarbeitern, darunter Kurt von Schleicher, Vorbereitungen treffen. Eberts vorzeitiger Tod verhinderte diesen Plan jedoch, da so die Vorbereitungszeit nach Schleichers Ansicht nicht ausreichte.

Ein detailliertes Aufrüstungskonzept für die Reichswehr bis zu einer Truppenstärke, die der zu Beginn des Ersten Weltkrieges entsprach, der sogenannte „Große Plan“ von 1925, wurde in Seeckts Auftrag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ausgearbeitet.[2] [3] 1926 wurde er vom Reichskanzler Wilhelm Marx entlassen. Anlass war die von ihm genehmigte Teilnahme des Prinzen Wilhelm von Preußen – des ältesten Sohns des Hohenzollern-Kronprinzen – an Reichswehrübungen.

Um Seeckt, Walter Simons und Wilhelm Solf gründete sich der Kulturzirkel SeSiSo-Club, der in regelmäßigen Abständen kulturelle Veranstaltungen für das liberale Bildungsbürgertum im Berliner Hotel Kaiserhof veranstaltete. Die ehemaligen Angehörigen des SeSiSo-Clubs bildeten zu weiten Teilen den Solf-Kreis, eine Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus.[4]

Darüber hinaus war Hans von Seeckt Mitglied der Deutschen Gesellschaft 1914, die sich unter dem Vorsitz von Solf das Zusammenbringen von Angehörigen unterschiedlicher politischer Richtungen und den kulturellen und politischen Austausch im Geiste der Aufklärung und des Humanismus zur Aufgabe gemacht hatte.[5] Bekannt ist auch der von ihm initiierte „Hufnagelerlass“ (RH 1/85) zur zunehmenden Bürokratisierung des Geschäftsganges der Heeresleitung vom 5. Dezember 1925.

1930 zog Seeckt für die Deutsche Volkspartei (DVP) im Wahlkreis 10 (Magdeburg) in den Reichstag ein, dem er bis 1932 angehörte (siehe auch Liste der Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik). In den Jahren 1933 bis 1935 hielt er sich mehrere Male in der Republik China als Militärberater von General Chiang Kai-shek auf.

Von Seeckt wurde auf dem Invalidenfriedhof in Berlin beigesetzt.

Auszeichnungen

Quellen

  • Karl Dietrich Bracher (Hrsg.): Das Krisenjahr 1923. Militär und Innenpolitik 1922–1924. Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bearbeitet von Heinz Hürten, Düsseldorf 1980, ISBN 3-7700-5110-6
  • Karl Dietrich Bracher, Erich Matthias, Hans Meier-Welcker (Hrsg.): Die Anfänge der Ära Seeckt. Militär und Innenpolitik 1920–1922. Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. bearbeitet von Heinz Hürten, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7700-5107-6
  • Friedrich von Rabenau: Seeckt. Aus meinem Leben 1866–1918, unter Beteiligung von Hans von Seeckt, Leipzig 1941
  • Friedrich von Rabenau: Seeckt. Aus seinem Leben 1918–1936, unter Verwendung des schriftlichen Nachlasses im Auftrage von Frau Dorothee von Seeckt, Leipzig 1940

Literatur

  • James S. Corum: The Roots of Blitzkrieg. Hans von Seeckt and the German Military Reform. 3. Auflage, Lawrence (Kansas) 1992, ISBN 0-7006-0541-X
  • Claus Guske: Das Politische Denken des Generals von Seeckt. Ein Beitrag zur Diskussion des Verhältnisses Seeckt – Reichswehr – Republik. Lübeck und Hamburg 1971
  • Hans Meier-Welcker: Seeckt. Frankfurt am Main (u. a.) 1967
  • Sir John Wheeler-Bennett:[7] The Nemesis of Power: German Army in Politics, 1918–1945. Palgrave Macmillan Publishing Company, New York 2005
    • John W. Wheeler-Bennett: Die Nemesis der Macht, Die Deutsche Armee in der Politik 1918–1945. Droste, Düsseldorf 1954

Weblinks

 Commons: Hans von Seeckt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hans-Werner Klausen: Der „deutsche Oktober“ fand nicht statt. In: Berliner Umschau. 5. Januar 2004
  2. Karl-Heinz Janßen: Der große Plan. In: Die Zeit. 11/1997
  3. Carl Dirks, Karl-Heinz Janßen: Der Krieg der Generäle. Hitler als Werkzeug der Wehrmacht. Berlin 1999
  4. Martha Schad: Frauen gegen Hitler – Schicksale im Nationalsozialismus. S. 170
  5. Eberhard von Vietsch: Wilhelm Solf – Botschafter zwischen den Zeiten.
  6. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y Rangliste des Deutschen Reichsheeres, Mittler & Sohn, Berlin 1930, S. 37
  7. John W. Wheeler-Bennett in der englischsprachigen Wikipedia

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