Harz (Mittelgebirge)

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Harz (Mittelgebirge)

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Harz
Topografie des Harzes

Topografie des Harzes

H√∂chster Gipfel Brocken (1.141 m √ľ. NN)
Lage Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Th√ľringen
Teil der Mittelgebirgsschwelle
Koordinaten 51¬į 45‚Ä≤ N, 10¬į 38‚Ä≤ O51.7510.6333333333331141Koordinaten: 51¬į 45‚Ä≤ N, 10¬į 38‚Ä≤ O
Typ Mittelgebirge
Gestein Tonschiefer, Grauwacke, Granit
Alter des Gesteins älteste Gesteine ca. 500 Millionen Jahre
Fl√§che 2.226 km¬≤

Der Harz, bis ins Mittelalter Hart (‚ÄöBergwald‚Äė) genannt, ist ein Mittelgebirge in Deutschland. Er stellt das h√∂chste Gebirge Norddeutschlands dar und liegt am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Th√ľringen. Anteil am Harz haben im Westen die Landkreise Goslar und Osterode am Harz, im Norden und Osten die Landkreise Harz und Mansfeld-S√ľdharz und im S√ľden der Landkreis Nordhausen. Der Brocken ist mit 1.141,1 m √ľ. NN der h√∂chste Berg des Harzes.

Gro√üe Teile des Harzes sind Naturpark. Der im Harz gelegene Nationalpark Harz wurde 2006 als erster l√§nder√ľbergreifender Nationalpark Deutschlands aus den beiden bestehenden Nationalparks Harz (Niedersachsen) und Hochharz (Sachsen-Anhalt) gebildet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Ausdehnung und Lage

Satellitenbild Harz

Das Gebirge ist 110 Kilometer lang und 30‚Äď40 Kilometer breit, bedeckt eine Fl√§che von 2.226 km¬≤ und reicht von Seesen (im Westen) bis zur Lutherstadt Eisleben (im Osten). Es gliedert sich in den bis zu 800 Meter hohen Oberharz im Nordwesten, in dem nur das Brocken-Massiv 1.100 Meter √ľbersteigt, und den niedrigeren Unterharz im Osten mit H√∂hen bis zu 400 Meter, dessen Hochfl√§chen auch landwirtschaftlich nutzbar sind. Die Landkreise im Oberharz sind Goslar und Osterode (beide Niedersachsen), w√§hrend der Unterharz auf dem Gebiet der Landkreise Harz und Mansfeld-S√ľdharz (beide Sachsen-Anhalt) liegt.

Die Trennlinie zwischen Ober- und Unterharz verl√§uft ungef√§hr entlang einer Linie von Wernigerode nach Bad Lauterberg, die grob die Einzugsgebiete der Weser (Oberharz) und Elbe (Unterharz) trennt. Nur an dem S√ľdostrand des Oberharzes, der auch Hochharz genannt wird (Landkreise Goslar, Osterode und Harz), √ľbersteigt das Gebirge im Brockenmassiv die H√∂hengrenze von 1.000 m √ľ. NN. Sein h√∂chster Gipfel ist der Brocken (1.141 Meter), seine Nebengipfel sind im S√ľdosten die Heinrichsh√∂he (1.044 Meter) und s√ľdwestlich der K√∂nigsberg (1.023 Meter). Weitere markante Erhebungen im Harz sind der Acker-Bruchberg-H√∂henzug (927 Meter), die Achtermannsh√∂he (925 Meter) und der Wurmberg (971 Meter) bei Braunlage. Ganz im Osten schlie√üt sich die √Ėstliche Harzabdachung an (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt), die besonders durch das Selketal gepr√§gt ist. Der S√ľdharz liegt teilweise im th√ľringischen Landkreis Nordhausen.

Gewässer

Stausee der Talsperre Wendefurth

Die Fl√ľsse des Harzes haben aufgrund der Geographie und des Klimas stark schwankende Wasserf√ľhrungen und k√∂nnen bei den hohen Niederschl√§gen gro√üe Wassermengen f√ľhren. Der lukrative Silberbergbau im Oberharz f√ľhrte dort insbesondere zwischen dem 16. bis zum 19. Jahrhundert zu umfangreichen Ver√§nderungen der Fl√ľsse im Quellgebiet von Innerste, Oker, Oder und S√∂se: Das Oberharzer Wasserregal mit 143 kleinen Talsperren, die zu einem gro√üen Teil noch heute in Betrieb sind, pr√§gt nicht nur die Gew√§sser, sondern die gesamte Landschaft im Westharz. Zu den Oberharzer Teichen geh√∂ren die √§ltesten noch in Betrieb befindlichen Talsperren Deutschlands. Diese Teiche und Gr√§ben sind seit 1977 unter Denkmalschutz und wurden 2010 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

Auch im Unterharz finden sich viele Spuren montaner Wasserwirtschaft. Neben wasserf√ľhrenden Gr√§ben und Teichen existieren auch l√§ngst aufgegebene Gr√§ben und trockene Teiche. Die erhaltenen Teile davon wurden 1991 als Fl√§chendenkmal Unterharzer Teich- und Grabensystem unter Schutz gestellt und dienen heute zum Teil als Trinkwasserreservoir. Teile der Anlagen k√∂nnen bis ins Jahr 1610 zur√ľckdatiert werden.

Im 20. Jahrhundert wurde ein System von 16 Talsperren im Harz errichtet, das zw√∂lf Harzfl√ľsse anstaut. Bis heute dienen die Talsperren √ľberwiegend der Trinkwassergewinnung, der Stromerzeugung, dem Hochwasserschutz sowie der Niedrigwasseraufh√∂hung. Mit der S√∂setalsperre, die von 1928 bis 1931 erbaut wurde, begann der moderne Talsperrenbau im Harz.

Die gr√∂√üten Fl√ľsse des Harzes sind im Norden die Innerste, die Oker, die Bode; im Osten die Wipper; sowie im S√ľden die Oder. Die Innerste m√ľndet in die Leine und hat als Zufl√ľsse die Nette und die Grane. In die Oker m√ľnden die Fl√ľsse Radau, Ecker und Ilse. In die Bode m√ľnden die Holtemme, in die wiederum der Zillierbach m√ľndet, die Hassel und die Selke. Die Wipper wird von der Eine gespeist. In die Rhume m√ľnden die S√∂se und die Oder, in die die Sieber m√ľndet. In die Helme m√ľnden die Zorge, die Wieda und die Uffe.

Erhebungen

‚Üí Hauptartikel: Liste von Bergen im Harz
‚Üí Hauptartikel: Harzklippen

Klima

Klimatisch hebt sich ein Gebirge durch geringere Temperaturen und gr√∂√üere Niederschl√§ge von den Randlandschaften ab. Regelm√§√üige Niederschl√§ge w√§hrend des ganzen Jahres pr√§gen den Mittelgebirgscharakter des Harzes. Regenreichen atlantischen Westwinden frei ausgesetzt, fallen auf der Luv-Seite bis zu 1.600 mm Regen im Jahr (Westharz, Oberharz, Hochharz), hingegen fallen, gebirgstypisch, auf der Lee-Seite durchschnittlich nur 600 mm Niederschlag im Jahr (Ostharz, Unterharz, √Ėstliche Harzabdachung).

Mit einer durchschnittlichen Erw√§rmung von √ľber 1 Grad in den vergangenen 100 Jahren auf dem Brocken und den entsprechenden Folgen f√ľr die √Ėkosysteme wie die Borkenk√§ferentwicklungen l√§sst sich der globale Klimawandel auch im Harz feststellen.

Verkehrserschließung

Eisenbahnen

Brockenbahn auf dem Bahnhof Brocken

Der Harz wird heute nur noch durch die Harzer Schmalspurbahnen erschlossen, die Wernigerode, Nordhausen, Quedlinburg und den Brocken miteinander verbinden. Bis zur Grenzschlie√üung schloss sich daran das Netz der S√ľdharz-Eisenbahn-Gesellschaft nach Braunlage an.

Eine Reihe von Stichstrecken f√ľhrte und f√ľhrt zum Teil noch in den Harz, derzeit mit regelm√§√üigem Personenverkehr die Bahnstrecke Halberstadt‚ÄďBlankenburg, die Bahnstrecke Magdeburg‚ÄďThale, die Bahnstrecke Klostermansfeld‚ÄďWippra und zwischen Berga-Kelbra und Stolberg. Alle in Niedersachsen liegenden Stichbahnen (Innerstetalbahn, Odertalbahn) sind aufgegeben worden. Die R√ľbelandbahn dient derzeit nur dem G√ľterverkehr, der Betrieb als Museumseisenbahn ist geplant.

Rund um den Harz bilden (vom Norden im Uhrzeigersinn) die Bahnstrecke Heudeber-Danstedt‚ÄďBad Harzburg/Vienenburg, die Bahnstrecke Halberstadt‚ÄďVienenburg, die Bahnstrecke Halle‚ÄďHalberstadt, die Berlin-Blankenheimer Eisenbahn, die Halle-Kasseler Eisenbahn, die S√ľdharzstrecke, die Bahnstrecke Herzberg‚ÄďSeesen, die Bahnstrecke Goslar‚ÄďSeesen und die Bahnstrecke Vienenburg‚ÄďGoslar einen Ring.

Neben den Regionalz√ľgen auf diesen Strecken ist der Harz im Jahresfahrplan 2011 mit zwei Fernverkehrslinien direkt erreichbar:

  • Harz-Berlin-Express: ein Fernverkehrszug der Veolia Verkehr, der freitags, samstags und sonntags auf der Strecke Berlin‚ÄďPotsdam‚ÄďMagdeburg‚ÄďHalberstadt (Zugteilung)‚ÄďQuedlinburg‚ÄďThale bzw. ‚ÄďWernigerode‚ÄďVienenburg verkehrt

Straßen

Harzhochstra√üe B 4/B 242, H√∂he Braunlage

Der Harz wird im Westen von der Bundesautobahn 7 und im S√ľden von der Bundesautobahn 38 gestreift. Entlang des S√ľdwestharzrandes verl√§uft eine vierspurige Schnellstra√üe (B 243) √ľber Osterode bis Bad Lauterberg. Ferner besteht eine gut ausgebaute Bundesstra√üe (B 6, B 4) von Goslar nach Braunlage. Besonders das n√∂rdliche Harzvorland profitiert durch die neugebaute B 6n. Sowohl die B 4, als auch die B 6n sind gro√üenteils autobahn√§hnlich ausgebaut. Die B 4 √ľberquert den Harz von Bad Harzburg auf der Nord-S√ľd-Achse √ľber Torfhaus und Braunlage bis nach Ilfeld am S√ľdharzrand. Auch der √ľbrige Harz ist mit Bundesstra√üen gut erschlossen. Von Bedeutung sind besonders die Harzhochstra√üe (B 242), die den gesamten Harz in West-Ost-Richtung (von Seesen bis Mansfeld) quert, sowie die B 241, die von Goslar im Norden einmal √ľber den Oberharz (Clausthal-Zellerfeld) bis nach Osterode im S√ľden f√ľhrt.

Geologie und Bodenkunde

Entstehung

Geologische √úbersichtskarte
Gabbro-Steinbruch bei Bad Harzburg

Der Harz gilt als das geologisch vielf√§ltigste der deutschen Mittelgebirge, wobei basenarme Gesteine bei weitem √ľberwiegen. Die h√§ufigsten, an der Oberfl√§che anstehenden Gesteine sind Tonschiefer, geschieferte Grauwacken und der in zwei Plutonen anstehende Granit. Die im Harz weit verbreitete Gie√üen-Harz-Decke des Rheno-Herzynikums besteht zu gro√üen Teilen aus Flysch. Bekannt und wirtschaftlich bedeutend sind die Kalksteinvorkommen um Elbingerode und der Gabbro von Bad Harzburg. Die Landschaften des Harzes sind durch steile Bergketten, Blockhalden, vergleichsweise flache Hochebenen mit vielen Hochmooren und langgestreckte, schmale Kerbt√§ler charakterisiert, von denen das Bodetal, das Oker- und Selketal die bekanntesten sind. Ein repr√§sentativer Querschnitt aller Harzer Gesteine wird auf der Jordansh√∂he bei Sankt Andreasberg nahe dem Parkplatz gezeigt.

Die Entstehung und Auffaltung des Harzes begann w√§hrend einer markanten Phase des Pal√§ozoikums im Rahmen der plattentektonisch verursachten variszischen Gebirgsbildung im Karbon vor 350 bis 250 Millionen Jahren. In dieser Zeit der Erdgeschichte entstanden in Westeuropa zahlreiche Hochgebirge, unter anderem Fichtel- und Rheinisches Schiefergebirge. Sie wurden jedoch durch ihre Hochlage (bis zu 4 km) stark erodiert und sp√§ter von mesozoischen Gesteinen √ľberdeckt. Von der Unterkreide bis hinein in die Oberkreide wurde der Harz durch tektonische Einwirkung als Ganzes angehoben und vor allem im Terti√§r wurden die j√ľngeren √ľberlagernden Schichten erodiert und die Gebirgsk√∂rper als Mittelgebirge sichtbar. Die bedeutendste Aufw√§rtsbewegung war dabei die subherzyne Phase (83 mya), bei der der Nordrand steil aufgerichtet wurde. Es bildete sich eine St√∂rungszone, die Harznordrandverwerfung.

Der Harz ist ein (Pult-)Schollengebirge, das nach Westen und Nordosten verh√§ltnism√§√üig steil abf√§llt und sich nach S√ľden allm√§hlich abflacht. Es wird von zahlreichen tiefen T√§lern durchschnitten. N√∂rdlich des Gebirges liegen kreidezeitlichen Schichten der subhercynen Mulde im ausgedehnten Harzvorland; s√ľdlich des Gebirges lagern permische Sedimente flach auf den nach S√ľdwesten einfallenden pal√§oz√§nen Sedimenten.

Aufgrund der Harzrandverwerfung und der senkrecht oder teilweise sogar √ľberkippten geologischen Schichten ist in dem nur relativ wenige Quadratkilometern umfassenden Gebiet eine teilweise h√§ufig wechselnde geologische Beschaffenheit zu beobachten. In Folge dieser Tatsache bezeichnet man Teile des Nordwestharzes auch als ‚ÄěKlassische Quadratmeile der Geologie‚Äú.

Natur

Bode

Flora

Die Vegetationszonierung des Harzes umfasst sechs Höhenstufen:

  • Subalpine Stufe: Brockengipfel oberhalb 1.000 m √ľ. NN
  • Hochmontane Stufe: h√∂chste Lagen mit Ausnahme des noch h√∂her gelegenen Brockengipfels von 850 bis 1.000 m √ľ. NN
  • Obermontane Stufe: h√∂here Lagen von 750 bis 850 m √ľ. NN
  • Montane Stufe: mittlere Lagen von 525 bis 750 m √ľ. NN
  • Submontane Stufe: untere Lagen von 300 bis 525 m √ľ. NN
  • Kolline Stufe: Lagen des Harzrandes bis 250 bis 300 m √ľ. NN

Wälder

Bodetal mit Laubwald
Buchenwälder

Vom Harzrand bis 700 m √ľ. NN dominieren Buchenw√§lder, insbesondere die Hainsimsen-Buchenw√§lder (Luzulo-Fagetum) der schwach n√§hrstoffversorgten Standorte mit Rotbuche (Fagus sylvatica) h√§ufig als alleiniger Baumart. In tieferen, trockenen Lagen kommen Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) hinzu. Auf feuchteren Standorten tritt Bergahorn (Acer pseudoplatanus) auf. In den lichtreichen Zerfalls- und Verj√ľngungsphasen spielen auch lichtbed√ľrftige Pioniere wie Eberesche (Sorbus aucuparia), H√§nge-Birke (Betula pendula) und Sal-Weide (Salix caprea) eine Rolle. Der Perlgras-Buchenwald ist an den wenigen n√§hrstoff- und basenreicheren Standorten √ľber Diabas und Gneis zu finden und weist eine arten- und bl√ľtenreichere Krautschicht auf. Auch hier dominiert die Rotbuche, beigemischt Bergahorn, Gew√∂hnliche Esche (Fraxinus excelsior), Hainbuche (Carpinus betulus) und Bergulme (Ulmus glabra). Durch das zunehmende Kontinentalklima am √∂stlichen Harzrand wird dort die Rotbuche zugunsten von Traubeneichen-Mischw√§ldern verdr√§ngt.

Buchen-Fichtenmischwälder

In den mittleren Lagen zwischen 700 und 800 m √ľ. NN w√ľrde man unter nat√ľrlichen Bedingungen von Fichte (Picea abies) und Rotbuche dominierte Mischw√§lder antreffen. Diese sind jedoch bewirtschaftungsbedingt seit langem bis auf Reste Fichtenbest√§nden gewichen. Weiterhin tritt in diesen W√§ldern der Bergahorn auf.

Fichtenwald im Harz
Bodenvegetation in einem Douglasien-Fichtenbestand im unteren Westharz
Fichtenwälder

In den h√∂chsten Lagen von etwa 800 m bis zur Waldgrenze bei 1.000 m √ľ. NN gedeihen Fichtenw√§lder, in denen auch Laubgeh√∂lze wie Ebereschen, H√§nge- und Moorbirke (Betula pendula und Betula pubescens) sowie Weiden (Salix spec.) zu finden sind. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist die Ursache f√ľr eine reiche Moos- und Flechtenflora. Trotz der Naturn√§he findet man nur noch wenige heimische, genetisch angepasste (autochthone) Fichten. Wollreitgras-Fichten-W√§lder (Calamagrostio villosae-Piceetum) dominieren. Auf frischen, aber keineswegs nassen und nur m√§√üig gesteinsreichen B√∂den gedeiht eine gut entwickelte Bodenvegetation, die in ihrem Erscheinungsbild vor allem durch Gr√§ser wie Wolliges Reitgras (Calamagrostis villosa) und Draht-Schmiele (Avenella flexuosa) gepr√§gt ist. Die B√∂den in den Hochlagen sind wie auch im √ľberwiegenden Teil des gesamten Harzes vergleichsweise n√§hrstoff- und basenarm, so dass nur wenige krautige Pflanzen wie das Harzer Labkraut (Galium saxatile) vorkommen. Daf√ľr sind es eher Farne, Moose, Flechten und Pilze, die neben der Fichte die Eigenart dieser W√§lder bestimmen. Im Bereich verwitterungsresistenter Gesteine in der hochmontanen und montanen Stufe kommen h√§ufig Felsen und Blockhalden vor ‚Äď Extremstandorte der Vegetation. Aufgrund des Mangels an Erdmaterial gedeihen auf ihnen nur schwachw√ľchsige, sehr licht stehende Block-Fichtenw√§lder. Sie zeichnen sich durch einen besonders hohen Strukturreichtum aus und lassen mehr Raum f√ľr lichtliebende Arten wie H√§nge-Birke, Eberesche, Bergahorn, Weiden und Zwergstr√§ucher wie die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus). Auch Moose und Farne sind hier h√§ufig. Als Besonderheit ist die Karpatenbirke (Betula carpatica) zu nennen. In der Umgebung der Hochmoore auf Sumpf- und Moorb√∂den finden sich die Moor-Fichtenw√§lder. Auf diesen Standorten k√∂nnen Fichtenw√§lder ausnahmsweise auch in tieferen Lagen die nat√ľrliche Waldgesellschaft bilden. Diese durch besondere N√§sse gepr√§gten Moorw√§lder weisen bereits einen hohen Anteil an Torfmoosen (Sphagnum spec.) auf. Die Bodenvegetation kann aber auch durch ein reiches Vorkommen von Zwergstr√§uchern wie Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) gepr√§gt sein. Ebenso sind umfangreiche Best√§nde des Blauen Pfeifengrases (Molinia caerulea) f√ľr diese Waldgesellschaft typisch. Charakteristische Pilzarten der nat√ľrlichen Fichtenw√§lder sind der D√ľnne Feuerschwamm (Phellinus viticola) und der Olivgelbe Holzritterling (Tricholomopsis decora).

Sonderformen

Nur kleinfl√§chig treten Schlucht-, Au- und Quellw√§lder auf. Die Rotbuche tritt hier zugunsten anspruchsvollerer Laubbaumarten wie Bergahorn, Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Berg-Ulme oder Gew√∂hnliche Esche zur√ľck. Die Krautschicht √§hnelt der von besser n√§hrstoffversorgten Buchenw√§ldern. Auff√§llige Vertreter der hier beheimateten Pflanzengesellschaften sind Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), Mondviole (Lunaria rediviva), Dorniger Schildfarn (Polystichum aculeatum) und Buchenfarn (Phegopteris connectilis).

Hochmoore

Die Harzer Moore z√§hlen zu den besterhaltenen Mitteleuropas. Ihre Entstehung geht zur√ľck bis auf das Ende der letzten Eiszeit vor √ľber 10.000 Jahren. Wesentlichen Anteil an der Vegetation der Hochmoore haben die Torfmoose. Die feuchteren Bereiche (Schlenken) und die h√∂herliegenden trockeneren Bulten werden von unterschiedlichen Arten besiedelt. In Schlenken findet sich das Spie√ü-Torfmoos (Sphagnum cuspidatum), auf den Bulten Magellans Torfmoos (Sphagnum magellanicum). Die Torfmoospolster werden von den Zwergstr√§uchern Heidelbeere, Preiselbeere und weiteren Zwergstr√§uchern durchwachsen. Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) ist ein Eiszeitrelikt. Weitere Eiszeitrelikte sind Zwerg-Birke (Betula nana) oder Wenigbl√ľtige Segge (Carex pauciflora). Von Mai bis Juni bl√ľht die Gew√∂hnliche Moosbeere (Vaccinium oxicoccus). An den schwarzen Fr√ľchten ist die Schwarze Kr√§henbeere (Empetrum nigrum) zu erkennen. Auf den trockeneren Bulten ist die Besenheide (Calluna vulgaris) zu finden. Vereinzelt tritt die Glockenheide (Erica tetralix) auf. Typische Gr√§ser sind das Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum), bekannt durch die leuchtend wei√üen Fruchtst√§nde und die Rasige Haarsimse (Scirpus cespitosus), die im Herbst rostrot ist. Die faszinierendste Moorpflanze ist der Rundbl√§ttrige Sonnentau (Drosera rotundifolia). Am trockeneren Moorrand ist die Moor- oder Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) zu finden.

Fauna

Harzer Rotes H√∂henvieh ‚Äď einst hier heimisch
Luchs ‚Äď im Harz wieder ausgewildert

In den Harzer Buchenw√§ldern findet eine Vielzahl von Tieren Lebensraum. √úber 5.000 Tierarten, die meisten davon Insekten, sind auf den Buchenwald angewiesen. Darunter befinden sich viele Arten, die im Boden und in der Streuschicht f√ľr die Zersetzung und Einarbeitung des Laubes sorgen, wie zum Beispiel Springschw√§nze, Hornmilben, Asseln, Fadenw√ľrmer, Tausendf√ľ√üer, Regenw√ľrmer und Schnecken. Charakteristische Brutv√∂gel der altholzreichen Buchenw√§lder sind Schwarzspecht (Dryocopus martius) und Hohltaube (Columba oenas). Zeichen f√ľr die Naturn√§he der Buchenw√§lder im Harz ist auch die R√ľckkehr des Schwarzstorchs (Ciconia nigra). Dieser scheue und st√∂ranf√§llige Bewohner reich strukturierter Laub- und Mischw√§lder war durch Beeintr√§chtigungen seines Lebensraums (fehlende Altb√§ume, Mangel an naturnahen B√§chen) in Mitteleuropa sehr selten geworden. Durch Lebensraumverbesserungen infolge der Renaturierung von Flie√ügew√§ssern sowie der F√∂rderung von st√∂rungsarmen Ruhezonen hat sich der Schwarzstorchbestand heute erholt. Eine typische S√§ugetierart dieser Laubw√§lder ist die Europ√§ische Wildkatze (Felis silvestris silvestris), die √ľber eine stabile Population im Harz verf√ľgt. Sie bevorzugt die strukturreicheren Waldgebiete, die ein reiches Nahrungsangebot aufweisen.

Auch die Tierwelt der Buchen-Fichtenmischw√§lder ist vielf√§ltig. Besonders Arten, die auf strukturreiche W√§lder angewiesen sind, kann man hier antreffen. So ist der Bergmischwald der nat√ľrliche Lebensraum des Auerhuhns (Tetrao urogallus). Lebensraum findet hier auch der Raufu√ükauz (Aegolius funereus). Er br√ľtet fast ausschlie√ülich in Schwarzspechth√∂hlen in alten Buchen und braucht den im Vergleich zum Fichtenwald lichteren Buchenwald mit seiner h√∂heren Kleins√§ugerdichte f√ľr seine Nahrungssuche. Zur Deckung bevorzugt er jedoch die dunkleren Fichten.

Ein gro√üer Teil der in den nat√ľrlichen Fichtenw√§ldern lebenden Tierarten ist an die besonderen Lebensbedingungen in den Harzhochlagen angepasst. F√ľr die Vogelwelt gelten Haubenmeise (Lophophanes cristatus), Winter- und Sommergoldh√§hnchen (Regulus regulus und Regulus ignicapillus), Erlenzeisig (Carduelis spinus), Waldbauml√§ufer (Certhia familiaris), Tannenmeise (Periparus ater) und Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra) als typische Bewohner. Besonders hervorgehoben werden soll hier noch der vom Aussterben bedrohte Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), der die submontane bis subalpine Stufe mit struktur- und nadelbaumreichen W√§ldern sowie eingestreuten Freifl√§chen bewohnt. Als Brutbaum wird die Fichte bevorzugt, als Nahrungsgebiete dienen lichte Waldbest√§nde oder Moorbereiche. √Ąhnlich wie f√ľr den Schwarzstorch gilt auch f√ľr den vor langer Zeit aus dem Harz verschwundenen Sperlingskauz, dass er Ende der 1980er Jahre ganz von selbst zur√ľckgekehrt ist, als sich sein angestammter Lebensraum wieder zu mehr Naturn√§he entwickelt hatte, so dass f√ľr ihn au√üer gen√ľgender Nahrung (Insekten, Kleins√§uger, Kleinv√∂gel) auch stehendes Totholz (Fichten mit Spechth√∂hlen) vorhanden waren.

Neben vielen Vogelarten gibt es in den verschiedenen Fichtenwäldern auch eine Reihe von Großschmetterlingen, die außerhalb des Harzes stark gefährdet sind oder gar nicht vorkommen. Beispielhaft seien hier zwei Arten genannt. In alten, lichten Wollreitgras-Fichtenwäldern, zum Teil in Verbindung mit Blockhalden oder Moor-Fichtenwäldern, tritt der Braungraue Bergwald-Steinspanner (Elophos vittaria) auf. In heidelbeerreichen Moor-Fichtenwäldern dagegen eher der Bläuliche Heidelbeer-Blattspanner (Entephria caesiata).

Nur wenige Tierarten konnten sich an die extremen Bedingungen in Hochmooren anpassen. Beispiele daf√ľr sind die Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris), die im Harz ihr einziges Vorkommen in Niedersachsen hat und in Deutschland stark gef√§hrdet ist, und die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica).

Felsen und Blockhalden sind wesentlicher Bestandteil des Lebensraumes von Wanderfalke (Falco peregrinus) und Ringdrossel (Turdus torquatus). Der Wanderfalke ist vom Aussterben bedroht. Er braucht steile, aus der Landschaft herausragende, wenig bewachsene Felsen. Nachdem seine Population im Harz erloschen war, gibt es nun wieder Brutpaare im Harz. Entscheidend dazu beigetragen haben umfangreiche Ma√ünahmen zur F√∂rderung von Ruher√§umen in angestammten Brutgebieten dieser scheuen Vogelart. Bereits 1980 siedelte sich im Ostharz ein Brutpaar aus einem Auswilderungsprojekt an. Die Ringdrossel bevorzugt halboffene Blockhalden und locker bewaldete √úbergangsbereiche zwischen baumfreien Hochmooren und Wald. Im Harz liegt eines ihrer wenigen isolierten Brutvorkommen Mitteleuropas. Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich auf Nordwesteuropa einschlie√ülich gro√üer Teile Englands und Schottlands sowie auf die Hochgebirge S√ľd- und Osteuropas.

Die Flie√ügew√§sser mit ihrem ausgepr√§gten Bergbachcharakter spielen eine bedeutende Rolle im gesamten Harz. Im Vergleich zu anderen naturr√§umlichen Regionen in Niedersachsen sind sie noch sehr naturnah und zeichnen sich durch hohe Strukturvielfalt und sauberes Wasser aus. Aufgrund der zumindest zeitweise hohen Flie√ügeschwindigkeit der Harzb√§che k√∂nnen Bl√ľtenpflanzen in den Gew√§ssern nur sehr selten Fu√ü fassen. Auch die Tiere der Harzer Flie√ügew√§sser m√ľssen sich an die hohen Flie√ügeschwindigkeiten anpassen. Nur wenige Arten, zum Beispiel Fische, schwimmen aktiv gegen die Str√∂mung an. H√§ufigste Arten sind Bachforelle (Salmon trutta fario) und Groppe (Cottus gobio). Weit vielf√§ltiger ist dagegen das Artenspektrum des L√ľckensystems unter der Gew√§ssersohle. Neben sich hier entwickelnden Insekten- und Fischlarven findet man Einzeller, Strudelw√ľrmer und Wassermilben. Andere Tierarten haften an Steinen fest, K√∂cherfliegenlarven und Schnecken, oder k√∂nnen durch extrem abgeflachte K√∂rperform die verringerte Str√∂mungsgeschwindigkeit am Grund des Gew√§ssers oder an Steinen ausnutzen, Steinfliegenlarven. In str√∂mungsberuhigten Bereichen hinter Steinen oder in Moospolstern findet man au√üerdem Wasserk√§fer und Flohkrebse.

An den Flie√ügew√§ssern des Harzes kann man vereinzelt die Gro√ülibelle Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) sowie die Blaufl√ľgel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo), eine Kleinlibelleart, antreffen.

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus), die √ľberall an den Harzgew√§ssern zu finden ist, kommt fast ausschlie√ülich im Bergland vor. Ihr Lebensraum sind schnell flie√üende, klare und mit Ufergeh√∂lzen bestandene Gebirgsb√§che. Sie kann tauchen und unter Wasser auf dem Grund entlang laufen. Zur Nahrungssuche dreht sie dort Steine um. Auch die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) nutzt die reichen Nahrungsvorr√§te der Bergb√§che.

Seit 2000 werden vom Nationalpark Harz erfolgreich Eurasische Luchse ausgewildert, die sich mittlerweile gut in die √Ėkologie einpassen.[1] Durch gezielte Schutzma√ünahmen der vergangenen Jahre konnte ein R√ľckgang der Fledermausbest√§nde im Harz gestoppt werden. Von den jagdbaren S√§ugetieren sind Rothirsch, Reh, Wildschwein und Europ√§ischer Mufflon zu nennen.

Geschichte

Ur- und Fr√ľhgeschichte

Vor 700.000 bis 350.000 Jahren jagte der Homo erectus in und um den Harz bei Bilzingsleben (Th√ľringen), Hildesheim und Sch√∂ningen (Niedersachsen). Der Neandertaler erschien vor rund 250.000 Jahren in der Region und jagte Auerochsen, Wisente, Braun- und H√∂hlenb√§r, Mammuts, Nash√∂rner, Pferde, Rentiere und Waldelefanten. Nachgewiesen wurden die Werkzeuge der Neandertaler in der Einhornh√∂hle im S√ľdharz (100.000 Jahre vor heute) und in den R√ľbel√§nder H√∂hlen. Funde von Birkenpech bei Aschersleben am Nordharzrand wiesen die Verwendung dieses vorgeschichtlichen Klebstoffs durch Neandertaler vor 50.000 Jahren nach. Die Pal√§olithische Revolution brachte vor 40.000 Jahren den Homo sapiens aus Afrika nach Europa und auch in die Harzregion; er verdr√§ngte den Neandertaler und wurde sp√§ter auch hier sesshaft.

Viele Funde im Harz, wie beispielsweise die Bronzekeule von Thale, die bei der Ro√ütrappe gefunden wurde, k√∂nnten auf eine fr√ľhe kultische Nutzung des Harzes hinweisen.[2] Bei √úhrde wurden steinzeitliche Siedlungsspuren entdeckt.[3]

Arch√§ologische Untersuchungen belegen auch einen fr√ľhen Bergbau im Harz, der sich sicher bis in des 3. Jahrhundert n. Chr. datieren l√§sst,[4] aber wohl deutlich √§lter ist und schon in der Bronzezeit begann.

Mittelalter

Harz 1852

Der Harzgau selbst wird zuerst in einer Urkunde des Kaisers Ludwig des Frommen aus dem Jahre 814, in der hochdeutschen Form Hartingowe, genannt. Nach den Jahrb√ľchern von Fulda zum Jahre 852 wurde der Harzgau von den Haruden bewohnt und nach ihnen der Harudengau (Harudorum pagus) genannt. Harud, woraus Hard, Hart, Harz wurde, bedeutet Wald, Waldgebirge, und die Haruden sind die An- oder Bewohner des Harud.

J√ľngeren Ursprungs sind die Siedlungen mit der Namensgebung ‚Äďrode, die erst seit der Mitte des 9. Jahrhunderts im Harzgau nachweisbar sind. Woher die Gr√ľnder dieser Orte kamen, ist unbekannt.

Karl der Gro√üe erkl√§rte den Harz zum Reichsbannwald. Der Sachsenspiegel, das √§lteste deutsche Rechtsbuch, um 1220/30 wohl auf der Burg Falkenstein im Selketal verfasst, schrieb den Reichsbann sp√§ter fest: Wer durch den Harzwald ritt, der hatte Bogen und Armbrust zu entspannen und die Hunde anzuleinen ‚Äď nur gekr√∂nte H√§upter durften hier jagen. Eike von Repkows Sachsenspiegel, nach dem √ľber Jahrhunderte deutsches Recht gesprochen wurde, bezeichnet den Harz als St√§tte, wo den wilden Tieren Schutz in des K√∂nigs Bannforsten gew√§hrt wird; zu den drei beschriebenen Bannforsten im Lande der Sachsen hatte nicht mehr jedermann freien Zutritt.

F√ľr ewig hielt dieser Bann allerdings nicht. Bergbau, H√ľttenindustrie, Wasserwirtschaft, zunehmende Besiedlung, Rodungen, Vieheintrieb, Landwirtschaft und sp√§ter der Fremdenverkehr untergruben den kaiserlichen Schutz.

Bereits 1224 erwarben die 1129 in Walkenried eingezogenen Mönche umfangreichen Waldbesitz im Westharz, um das ihnen 1157 von Friedrich Barbarossa zugesprochene Viertel der Rammelsberger Erzausbeute wirtschaftlich zu sichern. Man kann daher bereits zu dieser Zeit von einer Holzverknappung ausgehen. Vom 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts waren große Teile des Harzes wirtschaftlich vom Zisterzienserkloster Walkenried geprägt. Neben Ackerbau und Fischzucht wurde von dort aus auch der Silberbergbau im Oberharz und in Goslar gesteuert.

Mitte des 14. Jahrhunderts wurden infolge der Mittelalterlichen Pest die Siedlungen im Harz weitgehend entvölkert. Eine organisierte Wiederbesiedlung der Bergbauorte im Oberharz erfolgte erst wieder Anfang/Mitte des 16. Jahrhunderts.

1412/1413 tobte der Fleglerkrieg in S√ľdharz, Teile der Grafschaft Hohnstein wurden verw√ľstet.

Neuzeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

1588 ver√∂ffentlichte der Nordh√§user Arzt Johannes Thal mit der Silva hercynia die erste Regionalflora der Welt und beschrieb die floristischen Besonderheiten des Harzes. 1593 starb der letzte Nachkomme der Hohnsteiner, Graf Ernst von Hohnstein. Der Herzog Heinrich Julius von Braunschweig zog die Grafschaft Hohnstein als erloschenes Lehen ein und verlehnte sie an das F√ľrstentum Braunschweig-Wolfenb√ľttel, dessen Herzog er selbst war.

Im Drei√üigj√§hrigen Krieg (1618‚Äď1648) verw√ľsteten und entv√∂lkerten schwedische S√∂ldner gro√üe Teile des Harzes. Die Harzsch√ľtzen leisteten 1624-1627 erbitterten Widerstand. 1668 erlie√ü Rudolf August, Herzog zu Braunschweig und L√ľneburg, eine erste Schutzverordnung f√ľr die Baumannsh√∂hle. Es hei√üt in dem herzoglichen Erlass unter anderem, dass diese H√∂hle jederzeit von allen verst√§ndigen Leuten f√ľr ein sonderbares Wunderwerk der Natur gehalten worden sei. In demselben d√ľrfe nichts verdorben oder vernichtet werden, auch d√ľrfe kein fremdes loses Gesindel unangemeldet hineingelassen werden. Ein ans√§ssiger Bergmann wurde mit der Aufsicht √ľber das Naturdenkmal betraut. Bis zum Erlass dieser Schutzverordnung hatte es nur Waldschutzverordnungen gegeben, die aus rein praktischen Erw√§gungen heraus von den F√ľrsten verk√ľndet worden waren. Die H√∂hlenverordnung von 1668 ber√ľcksichtigte erstmals ethisch-√§sthetische Gesichtspunkte; 1668 war das Geburtsjahr des klassischen, konservierenden Naturschutzes im Harz. Ausgel√∂st worden war die Verordnung durch vorhergehende, schwere Zerst√∂rungen des H√∂hleninventars durch Rowdies.

1705 wurde der letzte Harzer Bär am Brocken erlegt.

Der st√§ndig zunehmende Holzbedarf der Gruben und H√ľtten f√ľhrte zur √úbernutzung der W√§lder und ab 1700 zur regelrechten Waldzerst√∂rung. Allein 30.000 Meilerpl√§tze soll es im Harz gegeben haben. 1707 verbot eine Verordnung des Grafen Ernst zu Stolberg den Brockenf√ľhrern, Fremde oder Einheimische ohne besondere Erlaubnis auf den Brocken zu f√ľhren; das Feuermachen wurde untersagt. Erste Waldschutzbem√ľhungen im Harz rankten sich von Anfang an um den Brocken und begannen mit einem weitsichtigen Akt des Naturschutzes vor √ľber 275 Jahren: 1718 erlie√ü der Graf Christian Ernst aus dem Hause Stolberg die weitsichtige Verf√ľgung, in der strenge Ahndung f√ľr jedes Zerst√∂ren und Verschandeln des Waldes am Brocken angedroht wurde. Graf Christian Ernst errichtete 1736 auch das ‚ÄěWolkenh√§uschen‚Äú auf dem Brocken.

Johann Wolfgang von Goethe besuchte als junger Mann mehrmals den Harz und hatte dort wesentliche biografische Erlebnisse. Dazu geh√∂ren seine Wanderungen auf den Brocken, sowie der Besuch des Bergwerkes im Rammelsberg. Sp√§ter flossen seine Beobachtungen der Gesteine am Brocken in seine geologischen Forschungen ein. Mit dem ersten Besuch des Harzes wurde bei ihm ein starkes Interesse an den Naturwissenschaften geweckt (siehe Goethe: Wahrheit und Dichtung). 1777 bestieg Goethe, von Torfhaus kommend, den Brocken. Zu dieser Zeit gab es auf dem Brocken noch keinen Massentourismus; f√ľr das Jahr 1779 sind nur 421 Wanderer belegt. Goethe beschrieb seine Gef√ľhle auf dem Gipfel sp√§ter wie folgt: So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen Gipfel hinabsehe, wird es dem Menschen zumute, der nur den √§ltesten, ersten, tiefsten Gef√ľhlen der Wahrheit seine Seele √∂ffnen will.

Am 23. März 1798 wurde der letzte Wolf des Harzes bei der Plessenburg erlegt. Das gräfliche Logierhaus auf der Heinrichshöhe war zu klein geworden und litt unter Überbelegung; 1799 brannte es ab. 1800 wurde daher ein neues Gasthaus auf dem Brocken errichtet.

Um 1800 waren weite Teile des Harzes entwaldet. Die in der Folge des Bergbaus entstandenen, wenig widerstandsf√§higen Fichtenmonokulturen des Oberharzes wurden durch Borkenk√§ferkalamit√§ten und ein orkanartiges Unwetter im November 1800 gro√üenteils zu Boden gelegt. Diese gr√∂√üte bekannt gewordene K√§ferkalamit√§t im Harz wurde die ‚ÄěGro√üe Wurmtrocknis‚Äú genannt ‚Äď sie vernichtete 30.000 ha Fichtenwald und dauerte etwa 20 Jahre an. Die Wiederaufforstung geschah gr√∂√ütenteils mit Fichte. St√§ndige Borkenk√§ferprobleme und Sturmkatastrophen waren die negativen Begleiterscheinungen der Fichtenwirtschaft des Harzer Bergbaus.

1818 erlegte der reitende Förster Spellerberg aus Lautenthal am Teufelsberge den vorerst letzten Eurasischen Luchs (Lynx lynx) des Harzes.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mit der zunehmenden Umgestaltung der Naturlandschaft durch den wirtschaftenden Menschen, und nach der Ausrottung der gro√üen S√§ugetiere Braunb√§r, Wolf und Luchs, wurde man sich der Gef√§hrdung der Natur bewusster. 1852 stellte der Landrat von Quedlinburg die Teufelsmauer bei Thale ‚Äěals einen Gegenstand der Volkssage und eine als seltene Naturmerkw√ľrdigkeit ber√ľhmte Felsgruppe‚Äú unter Schutz, da die Bewohner der benachbarten Gemeinden die Felsen als Steinbruch benutzten. Diese Schutzanordnung blieb allen Widerspr√ľchen der benachbarten Gemeinden zum Trotz bestehen. Ein hochwertiges Naturdenkmal blieb so vor der Zerst√∂rung bewahrt. Hierbei wurden von der Beh√∂rde ausdr√ľcklich romantische Motive f√ľr die Sicherstellung geltend gemacht.

1890 legte Professor Dr. Albert Peter den Brockengarten an. Es handelte sich damals um den ersten Alpenpflanzengarten auf deutschem Boden; der Brockengarten war in seiner wissenschaftlichen Konzeption und Aufgabenstellung die erste Einrichtung dieser Art weltweit. 1899 erfolgte die Inbetriebnahme der Brockenbahn, gegen die es schon damals starke Bedenken der Natursch√ľtzer gab. So wollte der Botaniker Bley Z√ľge auf den Brocken verhindern, da die Brockenflora bedroht war.

1907 stie√ü Hermann L√∂ns angesichts des anlaufenden Massentourismus auf dem Brocken seinen bekannten Sto√üseufzer ‚ÄěMehr Schutz f√ľr den Brocken‚Äú aus. 1912 forderte L√∂ns in der Brosch√ľre Der Harzer Heimatspark,[5] ohne ihn so zu nennen, die Einrichtung eines Harzer Nationalparks. Der Harz spielte eine besondere Rolle im Leben des bekannten Heimatdichters, Naturforschers und Heimatfreundes, sicherlich nicht zuletzt wegen seiner zweiten, aus Barbis im S√ľdharz stammenden Frau Lisa Hausmann.

Um 1920 starb die Harzer Auerhuhnpopulation aus. 1926 schrieb der Werniger√∂der Rektor W. Voigt im bekannten ‚ÄěBrockenbuch‚Äú: In Amerika ist es l√§ngst eine Sache des Volkes geworden, der heimischen urw√ľchsigen Natur in Nationalparks eine geheiligte Zufluchtst√§tte zu schaffen. Nord- und S√ľddeutschland haben ihren Heide- und Alpenpark. M√∂ge es nun auch in Mitteldeutschland den gemeinsamen Bem√ľhungen der F√ľrstlichen Verwaltung und der Landj√§gerei, des Werniger√∂der Naturschutzvereins und einzelner Brockenfreunde gelingen, durch liebevolle Pflege und Aufkl√§rung in weitesten Kreisen, auch den Brocken zu einem kleinen, aber einzigartigen Naturschutzgebiet des deutschen Volkes zu machen und als solches zu erhalten.

In den 1930er Jahren wurden die Nationalparkplanungen in Deutschland wieder konkret; es existierten belegbare Pl√§ne f√ľr die Nationalparke L√ľneburger Heide, Bayerisch-B√∂hmischer Wald, Hohe Tauern, H√∂llengebirge, Neusiedler See und Kurische Nehrung. Der Zweite Weltkrieg verhinderte den Fortgang dieser Nationalparkpl√§ne, doch es kam 1937 noch zur Ausweisung des ‚ÄěNaturschutzgebietes Oberharz‚Äú.

In der NS-Zeit wurde der Harz zu einem wichtigen Standort der R√ľstungsindustrie. Zahlreiche kriegswichtige Betriebe waren hier angesiedelt, die mit dem n√§herr√ľckenden Ende des Zweiten Weltkriegs immer mehr Zwangsarbeiter besch√§ftigen. Der Harz war daher in dieser Zeit Standort von mehreren hundert Zwangsarbeiterlagern und KZs. Bekannt wurde das KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen im S√ľdharz.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs machte die sogenannte ‚ÄěHarzfestung‚Äú von sich reden. Am 8. April 1945 erkl√§rte das Oberkommando der Wehrmacht den Harz zur ‚ÄěFestung‚Äú[6] und rief zur Verteidigung Mitteldeutschlands vor den West-Alliierten aus. Das Hauptquartier lag bei Blankenburg. Zu den mobilisierten Einheiten geh√∂rten Teile der 11. Armee, Einheiten der Waffen-SS und der Volkssturm. W√§hrend die 9. US-Armee n√∂rdlich des Harzes Richtung Elbe zog und St√§dte wie Halberstadt bereits am 14. April besetzte, traf die 1. US-Armee, als sie von Nordhausen (S√ľdharz) weiter nach Norden vorsto√üen wollte, besonders in den Bergen um den Bereich der St√§dte Ilfeld und Ellrich auf Widerstand. Erst am 7. Mai 1945 kapitulierten die letzten Verb√§nde der 11. Armee und der Waffen-SS in den Bergen des Harzes. Einige versprengte Soldaten k√§mpften noch bis weit in den Mai gegen die Amerikaner. Objektiv betrachtet war der Harz jedoch zu Ende des Zweiten Weltkrieges keine milit√§risch ernstzunehmende Festung. Die West-Alliierten umgingen den Harz relativ m√ľhelos auf ihrem Weg in Richtung Elbe.

Ehemalige innerdeutsche Grenze

Im Zuge der Verhandlungen auf der Potsdamer Konferenz und der Neuordnung Deutschlands wurden die beiden √∂stlichen Drittel des Harzes und der Brocken im Juli 1945 von russischen Truppen besetzt. Durch das westliche Drittel des Harzes verlief von 1949 bis 1990 die Innerdeutsche Grenze. Das Brockenplateau und weitere grenznahe Harz-Gipfel waren ein gro√ües milit√§risches Sperrgebiet, in das erstmals am 3. Dezember 1989 demonstrierende Wanderer kamen. Der Tourismus zum Brocken ist seitdem sehr intensiv geworden ‚Äď 1 Million Menschen besuchen j√§hrlich die Brockenkuppe. Das ehemalige Sperrgebiet weist heute zahlreiche schutzw√ľrdige Lebensr√§ume auf, so dass es als Gr√ľnes Band entwickelt wird.

Wirtschaft

Die Rektoratsvilla auf dem Wernigeröder Hochschulcampus
Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld

Historischer Bergbau

Der Bergbau im Harz begann vor 3000 Jahren in der Bronzezeit. Dem Oberharzer Bergbau und dem H√ľttenwesen verdanken die sieben Oberharzer Bergst√§dte (Clausthal, Zellerfeld, Bad Grund, Sankt Andreasberg, Lautenthal, Altenau und Wildemann) und rund 30 weitere Ortschaften im Harzinnern und am Harzrand ihre Bl√ľte. Auch die ehemalige Reichsstadt Goslar, deren Glanz von den Erzsch√§tzen des Rammelsberges abhing, f√∂rderte √ľber mehrere Jahrhunderte silberhaltige Bleierze. Der Bergbau bestimmte ma√ügeblich das Harzer Wirtschaftsleben und sein Landschaftsbild. Die Bergleute schufen das ber√ľhmte technische System der Oberharzer Wasserwirtschaft, das Oberharzer Wasserregal, von dem noch 70 km Wassergr√§ben und 68 Stauteiche (mit 8 Millionen Kubikmeter Inhalt) genutzt werden. Ohne deren Energieleistung h√§tte der Silberbergbau niemals seine hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangen k√∂nnen.

Im √∂stlichen Harzvorland (Mansfelder Land und Sangerh√§user Mulde) wurde bis 1990 Kupferschieferbergbau betrieben. Dessen Anf√§nge wurden zwar erst urkundlich um 1199 erw√§hnt, begannen aber wohl nach neuesten Forschungen auch schon in der Bronzezeit. Er z√§hlte in seiner Bl√ľtezeit, Ende des 15. Jahrhunderts, zu den bedeutendsten Europas. Weiterhin befindet sich in Ilfeld das ehemalige Bergwerk Rabensteiner Stollen, das einzige Steinkohlebergwerk im Harz. Im nordth√ľringer Revier gab es zahlreiche Kalibergwerke, in der N√§he von R√∂blingen wurden durch einen Montanbetrieb geologische Wachse abgebaut.

Das letzte Bergwerk im Harz ‚Äď die Grube ‚ÄěWolkenh√ľgel‚Äú bei Bad Lauterberg ‚Äď stellte im Juni 2007 die F√∂rderung wegen Unwirtschaftlichkeit ein. Zuletzt arbeiteten dort 14, von vormals 1000 Mitarbeitern, die mit modernster Technik den Schwerspat zu Tage f√∂rderten. Mit der Stilllegung dieser Anlage fand der schon im Mittelalter, und seit dem 16. Jahrhundert ununterbrochen, betriebene Bergbau auf Silber, Blei und Zink sein Ende. Davon zeugen die Kulturdenkmale und die negativen Folgewirkungen des Bergbaus f√ľr die Umwelt wie die Schwermetallbelastungen der √Ėkosysteme.[7]

Gegenwärtige Wirtschaft

Der in vergangenen Jahrhunderten im Harz bl√ľhende Bergbau ‚Äď besonders nach Silber, Eisen, Kupfer, Blei und Zink ‚Äď ist stark zur√ľckgegangen. Geblieben sind jedoch die zum Teil stark schwermetallhaltigen R√ľckst√§nde in den B√∂den des Oberharzes, welche heute ein gro√ües Umweltrisiko darstellen.

Bedeutend ist auch heute noch die Kupferverarbeitung im Gebiet von Mansfeld. Letzte Schwerpunkte des Bergbaus waren der Rammelsberg bei Goslar (stillgelegt 1988) und die Grube Hilfe Gottes bei Bad Grund (stillgelegt 1992). In Bad Lauterberg wurde bis Juli 2007 auf der Grube Wolkenh√ľgel als letztem Bergwerk des gesamten Harzes Schwerspat gewonnen, der heute in erster Linie in der Farbherstellung und dem Schallschutz Verwendung findet. Dar√ľber hinaus werden in zahlreichen Steinbr√ľchen Massenrohstoffe abgebaut, Diabas, Dolomit, Gabbro, Gips und Grauwacke. Kalkstein wird bei Bad Grund und rund um Elbingerode in den drei gro√üen Tagebauen (Werk R√ľbeland, Werk Kaltes Tal und Werk Hornberg) abgebaut. Ein wichtiger Arbeitgeber im Oberharz ist die TU Clausthal. Neben den klassischen F√§chern Aufbereitung, Bergbau, Geologie und Metallurgie werden hier viele ingenieur- und naturwissenschaftliche F√§cher sowie Betriebswirtschaftslehre unterrichtet und beforscht.

Auf Grund der W√§lder des Harzes spielt die Forstwirtschaft eine wirtschaftliche Rolle sowie die dazugeh√∂rende verarbeitende Industrie. Wuchsen noch im ersten Jahrtausend nach Christus in den H√∂henlagen ‚Äď f√ľr einen nat√ľrlichen Bergwald typisch ‚Äď √ľberwiegend Harth√∂lzer (in erster Linie Rotbuchen; man ging damals ‚Äěin die Harten‚Äú = Harz) so sind heute in den bewirtschafteten Fl√§chen meistens Monokulturen von Fichten anzutreffen. Wesentliche Ursachen dieser Entwicklung lagen in der Bergbaugeschichte der Harzregion mit ihrem hohen Holzbedarf und den damit einhergehenden √úbernutzungen und Devastierungen der Waldbest√§nde. Dazu kamen klimatische Ver√§nderungen in der sogenannten ‚ÄěKleinen Eiszeit‚Äú. Die Wiederaufforstung mit der relativ einfach anzubauenden und anspruchslosen Fichte seit Mitte des 18. Jahrhunderts geht wesentlich auf die Anregung des Oberforst- und J√§germeisters Johann Georg von Langen zur√ľck, hat aber auch zu den heutigen Borkenk√§ferproblemen gef√ľhrt - eine typische Folge von Monokulturen, verst√§rkt durch den Klimawandel.

Wissenschaft

Die heutige Technische Universit√§t Clausthal (TUC) ist national wie international eine renommierte technische Universit√§t. Sie ist ein Zentrum naturwissenschaftlicher und ingenieurtechnischer Ausbildung und Forschung mit den Schwerpunkten Energie und Rohstoffe. Die Urspr√ľnge der 1775 gegr√ľndeten TUC liegen im Bergbau, namentlich in der Clausthaler Berg- und H√ľttenschule.

Die Hochschule Harz verf√ľgt √ľber zwei Standorte. In Wernigerode befinden sich die Fachbereiche Automatisierung und Informatik sowie Wirtschaftswissenschaften, in Halberstadt der Fachbereich Verwaltungswissenschaften. Momentan verzeichnet die junge Hochschule 3.300 angehende Akademiker. Das Profil der Hochschule Harz ist gepr√§gt durch innovative, international ausgerichtete Lehrinhalte und Kooperationen mit Partnerhochschulen weltweit.

In Nordhausen befindet sich die Fachhochschule Nordhausen.

Tourismus

Der Fremdenverkehr stellt im Harz einen bedeutsamen Erwerbszweig dar. Es gibt viele Kurorte und nahezu jeder Ort im Harz und Harzvorland ist touristisch gepr√§gt. Bekannte Ziele sind der Nationalpark Harz mit Brocken und die historischen St√§dte am Harzrand. √úbernachtungsst√§rkste Stadt des Harzes ist Wernigerode; danach folgt Braunlage. Konzepte wie die Westernstadt Pullman City Harz oder die Rockopern auf dem Brocken sollen vor allem ausw√§rtige Touristen ansprechend unterhalten. Zust√§ndig f√ľr die touristische Vermarktung des gesamten Harzes ist der Harzer Tourismusverband (HTV), die meisten Kommunen betreiben zus√§tzlich √∂rtliche Kurbetriebsgesellschaften.

Wintersport

Blick auf den Oberharz

Auch wenn der Wintersport im Harz nicht die Bedeutung anderer Mittelgebirge, wie Th√ľringer Wald, Erzgebirge, Schwarzwald oder gar der Alpen erreicht, gibt es gen√ľgend Wintersportm√∂glichkeiten. Zu nennen sind hier vor allem die Orte Altenau mit Ortsteil Torfhaus, Benneckenstein, Braunlage (mit Ortsteil Hohegei√ü), Goslar-Hahnenklee, Hasselfelde, Sankt Andreasberg (mit den Ortsteilen Sonnenberg und Oderbr√ľck) und Schierke. Dabei ist wegen der H√∂henlagen und der L√§nge der Strecken der nordische Skisport vorherrschend. Internationale Wintersport-Wettbewerbe finden auf der Wurmbergschanze bei Braunlage und der Biathlonanlage am Sonnenberg statt.

Erw√§hnenswert sind die zahlreichen Loipen im Harz. Ihre Qualit√§t und Ausstattung werden von den Grundeigent√ľmern, insbesondere dem in Teilen immer noch relativ schneesicheren Nationalpark Harz, und auch einzelnen Kommunen und F√∂rdervereinen gew√§hrleistet. Bekannt wurde der F√∂rderverein Loipenverbund Harz e. V.. Er wurde 1996 auf Initiative des Nationalparks Harz von Harzer Wintersportgemeinden, den Seilbahn- und Liftbetrieben sowie Hotels und Verkehrsunternehmen gegr√ľndet. Der Verein verfolgt das Ziel, den Skitourismus im Harz zu f√∂rdern und die Belange des Naturschutzes zu ber√ľcksichtigen.

Den Bergrettungsdienst in den Loipen, auf den Rodelhängen, Wanderwegen und Alpin-Skipisten, sowie im unwegsamen Gelände gewährleistet die Bergwacht Harz.

Sport im Sommer

Oker mit Wildwasser, am rechten Ufer ein Wanderweg
Landesstra√üe L 504 ‚ÄěSteile Wand‚Äú zwischen Altenau und Torfhaus

Im Sommer wird im Harz vor allem gewandert. Seit einigen Jahren wird auch Nordic Walking vermehrt betrieben.

Auf mehreren Talsperren im Harz wird vielf√§ltiger Wassersport betrieben. Auf einigen im Harz entspringenden Fl√ľssen sind Kanufahren und verwandte Sportarten im Wildwasser m√∂glich. Auf der Oker unterhalb der Okertalsperre finden auch nationale und internationale Kanu- und Kajak-Wettk√§mpfe statt. Das Wildwasser entsteht dort durch zeitweise erh√∂hte Wasserabgabe aus der Okertalsperre und ist somit weitgehend witterungsunabh√§ngig.

Einige Berge bieten eine gute Basis f√ľr die Fliegerei (Segel-, Drachenfliegen), namentlich vom Rammelsberg bei Goslar aus. Der Harz bietet verschiedene Klettergebiete, wie das Okertal mit seinen Klippen, wobei dort die Adlerklippen besonders stark frequentiert sind. Der Harz hat sich in den vergangenen Jahren zu einem sehr guten Mountainbike-Revier entwickelt mit 62 ausgeschilderten Mountainbike-Strecken und vier Bikeparks mit Liftbetrieb in Braunlage, Hahnenklee, Schulenberg und Thale. Die Bikeparks verf√ľgen √ľber Freeride-, Downhill- und Fourcrossstrecken. Sowohl die ausgeschilderten Strecken als auch die Bikeparks sind f√ľr jeden Leistungs- und Konditionsbereich passend.

Die Straßen des Harzes werden trotz teilweise hoher Kfz-Belastung von Renn- und Tourenradfahrern befahren, da es im gesamten Norden Deutschlands kein Revier mit vergleichbar langen und zum Teil sehr steilen Anstiegen gibt. Zudem bestehen zahlreiche Bahnanbindungen mit Fahrradmitnahme an den Harzrand.

Auch im Sommer sichert die Bergwacht Harz die Rettung von verunfallten Personen aus unwegsamem Gelände.

Wanderkonzepte und Klettergebiete

Die Bergwelt des Harzes wurde schon in fr√ľheren Zeiten f√ľr ausgedehnte Wanderungen genutzt (von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Hans Christian Andersen). Ein umfangreiches Wanderwegenetz wird heute insbesondere durch den Harzklub e. V. unterhalten. Dar√ľber hinaus gibt es Fernwanderwege (Harzer Hexenstieg, Kaiserweg, Karstwanderweg, Selketalstieg, Via Romea) und als √ľberregionales Projekt die Harzer Wandernadel mit 222 Stempelstellen; letztere wird seit 2006 als Wanderabzeichen verliehen.

Einstige Klettergebiete an der Roßtrappe

Neben dem Okertal und der Roßtrappe bei Thale sind auch die Hohneklippen (Höllenklippe und Feuerstein bei Schierke) das Ziel von Kletterern.

Mundarten des Harzes

Auf dem Gebiet des Harzes werden vorwiegend ostf√§lische und th√ľringische Mundarten gesprochen.

Eine Besonderheit des Oberharzes ist, oder war, die Oberharzer Mundart. Im Gegensatz zu den nieders√§chsischen, ostf√§lischen und th√ľringischen Mundarten des Umlandes, handelt es sich hier um eine erzgebirgische Mundart, die auf die Ansiedlung von Bergleuten im 16. Jahrhundert zur√ľckgeht.

Die Oberharzer Mundart beschränkt sich auf wenige Orte. Die bekanntesten sind Altenau, Sankt Andreasberg, Clausthal-Zellerfeld, Lautenthal und Hahnenklee. Heute hört man im Oberharz die Mundart im täglichen Leben nur mehr wenig. Hauptsächlich Angehörige der älteren Generationen beherrschen sie noch, so dass zur Aufrechterhaltung in den Lokalzeitungen gelegentlich Artikel in Oberharzer Mundart abgedruckt werden.

Zur Verdeutlichung folgt der Refrain eines St. Andreasberger Heimatliedes:

Eb de Sunne scheint, ebs stewert, schtarmt, ebs schneit,
bei Tag un Nacht ohmds oder frieh
wie hämisch klingst de doch
du ewerharzer Sproch
O Annerschbarrich wie bist de schien.

Ausflugsziele (Auswahl)

Bergwerke und Höhlen

Bergbaumuseum Rammelsberg

In den Gips-, Dolomit- und Kalksteinschichten des Harzes haben geomorphologische Prozesse zur Entstehung von H√∂hlen gef√ľhrt. Solche Tropfsteinh√∂hlen sind die Baumannsh√∂hle, die Einhornh√∂hle, die Hermannsh√∂hle, die Iberger Tropfsteinh√∂hle und am S√ľdrand des Harzes die Heimkehle.

Da die √§lteren Formationen viele Bodensch√§tze enthalten, wurden sie schon fr√ľh durch Bergbau ergr√ľndet. Die Bergwerke sind oft zu Schaubergwerken umgestaltet. So war die Grube Samson lange Zeit das tiefste Bergwerk der Welt. Andere Schaubergwerke sind ‚ÄěB√ľchenberg‚Äú, ‚ÄěDrei Kronen & Ehrt‚Äú, Schaubergwerk R√∂hrigschacht, das Schaubergwerk ‚ÄěLange Wand‚Äú in Ilfeld und das Schaubergwerk ‚ÄěRabensteiner Stollen‚Äú in Netzkater.

Andere sind in Bergbaumuseen umgewandelt, wie das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld, das Bergbaumuseum Lautenthal mit Grubenbahn oder das Bergbaumuseum Rammelsberg bei Goslar, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Grube Roter Bär in St. Andreasberg diente bis ins 20. Jahrhundert auch als Lehrbergwerk und ist heute, originalgetreu erhalten, ebenfalls Besucherbergwerk.

Städte und Gemeinden im und am Harz

Städte im Harzvorland

Carlshausturm auf der Carlshaush√∂he (626 m √ľ. NN)

Im sachsen-anhaltischen Harzvorland finden sich St√§dte wie (in alphabetischer Reihenfolge): Aschersleben, Derenburg, Eisleben, Halberstadt, Hettstedt, Oschersleben, Osterwieck, Quedlinburg, Sangerhausen und Sta√üfurt. Die St√§dte Bad Gandersheim, Bockenem, Duderstadt, Einbeck, G√∂ttingen, Hildesheim, Northeim, Salzgitter, Vienenburg und Wolfenb√ľttel liegen im nieders√§chsischen Harzvorland. Im th√ľringischen Harzvorland befinden sich Bleicherode, Heringen/Helme, Nordhausen und Sondershausen.

Klöster und Kirchen

Im n√∂rdlichen Randgebiet des Harzes befinden sich die mittelalterlichen Kl√∂ster Dr√ľbeck, Ilsenburg und Michaelstein, am S√ľdrand liegt das Kloster Walkenried. In Hahnenklee steht die 1908 geweihte, h√∂lzerne Gustav-Adolf-Stabkirche.

T√ľrme, Schl√∂sser und Burgen

Im Harz gibt es an verschiedenen Punkten aufgrund der erh√∂hten Lage Funk- und Aussichtst√ľrme, wie die Carlshaush√∂he bei Trautenstein, der Aussichtsturm auf dem Gro√üen Knollen und das Josephskreuz. In fr√ľheren Zeiten wurden erh√∂hte Kamm- und Spornlagen zur Anlage von Burgen genutzt, und so finden sich im Harz die Burgruine Anhalt, die Burg Falkenstein, auf der Eike von Repkow wahrscheinlich den Sachsenspiegel verfasste, die Burgruine Harzburg, die Burg Hohnstein bei Neustadt/Harz, die Ruine K√∂nigsburg, die Burg Lauenburg bei Stecklenberg, die Plessenburg, die Burgruine Scharzfels und die Burg Stecklenburg. Neben diesen Wehranlagen wurden aber auch Schl√∂sser errichtet, wie Schloss Herzberg, Schloss Blankenburg, Schloss Stolberg und Schloss Wernigerode.

Weiteres

Im Miniaturenpark Kleiner Harz in Wernigerode sind auf einer Fläche von 1,5 ha detailgetreue Nachbildungen bedeutender Bauwerke und Attraktionen der Harzregion ausgestellt.

Bekannte Maler

Caspar David Friedrich: Einsamer Baum (Harzlandschaft bei Morgenbeleuchtung) von 1822

Unter den vielen Malern, die den Harz abgebildet haben, waren Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Georg Heinrich Crola, Ernst Helbig, Hermann Hendrich, Edmund Kolbe, Wilhelm Pramme, Adolf Rettelbusch, Wilhelm Ripe, Hermann Bodenstedt, Walther Hans Reinboth und Rudolf Nickel. Zeichnungen fertigte u.a. Lionel Feininger besonders bei seinen Urlaubsaufenthalten in Braunlage.

Literatur

Wissenschaftliche Darstellungen

  • Georg Henning Behrens: Hercynia Curiosa oder Curi√∂ser Hartz-Wald. Nordhausen 1703.
  • Fritz Dahlgr√ľn: Harz und Harzvorland, Die geologische Literatur unter Einschlu√ü der Nachbarwissenschaften 1912-1957. Clausthal-Zellerfeld 1959.
  • Friedrich G√ľnther: Der Harz. Bielefeld 1901 (= Land und Leute. Monographien zur Erdkunde, Bd. 9).
  • Kurt Mohr: Geologie und Minerallagerst√§tten des Harzes. 2. Auflage, Stuttgart 1993.
  • Kurt Mohr: Harz: westlicher Teil. 5. erg√§nzte Auflage, Berlin 1998 (= Sammlung geologischer F√ľhrer 58) ISBN 3-443-15071-3.
  • Harz-Forschungen.
  • Harz-Zeitschrift, hg. vom Harzverein f√ľr Geschichte und Altertumskunde e. V., Bd. 1/1948 ff., Gesamtinhaltsverzeichnisse: 1‚Äď35 (Bd. 40, Sanders), 36‚Äď50/51 (Bd. 54/55, Feicke) und 52/53-60 (Bd. 61, Feicke); Forts. der Zeitschrift des Harzvereins f√ľr Geschichte und Altertumskunde, Bd. 1/1868 ‚Äď Bd. 74/75/1942, Gesamtinhaltsverzeichnisse: 1‚Äď50 (M√∂llenberg 1918), 51‚Äď70 (Grosse 1938) u. 71‚Äď75 (Sanders 1980).

Dichterische Darstellungen

Karten

  • Geologisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Nieders. Landesamt f√ľr Bodenforschung (Hrsg.): Geologische Karte Harz. Mit Erl√§uterungen auf der R√ľckseite. 1. Auflage. Geolog. Landesamt, Halle/Saale 1998, ISBN 3-929951-20-7 (Ma√üstab 1:100.000).
  • Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen, Landesamt f√ľr Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Harz: offizielle Wanderkarte des Harzklubs e.V.. Offizielle Wanderkarte des Harzklubs e.V.. 3. Auflage. LGN, LVermGeo, Hannover, Magdeburg 2009, ISBN 978-3-89435-669-9 (Ma√üstab 1:50.000).

Filmdokumentationen

  • Bilderbuch Deutschland: Der westliche Harz. Dokumentarfilm von J√∂rg R√∂ttger. Deutschland 1998. 45 Minuten
  • ‚ÄěEin √ľberirdisches Vergn√ľgen!‚Äú Goethes Harzreisen. Dokumentarfilm von Rainer Hoffmann, Deutschland 1999. 45 Minuten
  • Der Harz - Dunkler Wald und lichte H√∂hen. Dokumentarfilm, 45 Min., NDR, Deutschland 2005, von Uwe Anders[8]
  • Im Reich der Schwarzst√∂rche. Das Biosph√§renreservat S√ľdharz. Dokumentarfilm von Peter und Stefan Simank. Produktion: Simank-Filmproduktion, Deutschland 2008. 30 Minuten

Siehe auch

Panoramen

Berg-Panorama, von links: Rehberg, Achtermannshöhe, Brocken, Wurmberg, aufgenommen vom St. Andreasberger Höhenweg.
Berg-Panorama, von links: Rehberg, Achtermannshöhe, Brocken, Wurmberg, aufgenommen vom St. Andreasberger Höhenweg.
Der Wurmberg, Brocken, und Hohnekamm aus Richtung Osten vom B√ľchenberg aufgenommen
Der Wurmberg, Brocken, und Hohnekamm aus Richtung Osten vom B√ľchenberg aufgenommen
Torfhausmoor
Torfhausmoor

Weblinks

 Commons: Harz ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Harz ‚Äď Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Das Luchsprojekt Harz. Abgerufen am 22. M√§rz 2009.
  2. ‚ÜĎ Vgl. Urte Dally: Heilige Waffen im Harz ‚Äď die Keule von Thale und der Zinken von Welbsleben. In: Harald Meller (Hrsg.): Der geschmiedete Himmel. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1907-9, S. 108f.
  3. ‚ÜĎ Haus aus der Steinzeit im Harz entdeckt. NDR 1 Niedersachsen, 25. Juli 2010, abgerufen am 9. Juli 2011.
  4. ‚ÜĎ Lothar Klappauf: Zur Arch√§ologie des Harzes. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Hameln Dezember 1992, ISSN 0720-9835.
  5. ‚ÜĎ Verlag E. Appelhans u. Co., Braunschweig 1912
  6. ‚ÜĎ Manfred Bornemann: Schicksalstage im Harz, das Geschehen im April 1945, 10. Auflage, Clausthal-Zellerfeld, 1994, S. 26
  7. ‚ÜĎ Friedhart Knolle: Bergbauinduzierte Schwermetallkontaminationen und Bodenplanung in der Harzregion online
  8. ‚ÜĎ Expeditionen ins Tierreich

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