Havel

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Havel
Havel
Flussl√§ufe der Havel (dunkelblau) und des Rhin (blaugr√ľn)

Flussl√§ufe der Havel (dunkelblau) und des Rhin (blaugr√ľn)Vorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt

Daten
Gew√§sserkennzahl DE: 58
Lage Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt
Flusssystem Elbe
Abfluss √ľber Elbe ‚Üí Nordsee
Flussgebietseinheit Elbe
Quelle Bei Ankershagen (MV)
53¬į 28‚Ä≤ 4‚Ä≥ N, 12¬į 56‚Ä≤ 8‚Ä≥ O53.46777777777812.93555555555662.6
Quellh√∂he 62,6 m √ľ. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
M√ľndung Bei Werben (Elbe) (LSA) in die Elbe
52.87527777777812.00444444444422

52¬į 52‚Ä≤ 31‚Ä≥ N, 12¬į 0‚Ä≤ 16‚Ä≥ O52.87527777777812.00444444444422
M√ľndungsh√∂he 22 m √ľ. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
H√∂henunterschied 40,6 m
L√§nge 334 km[1]
(inkl. Spree 560 km)
Einzugsgebiet 23.858 km¬≤[1]
Abflussmenge
am Pegel Havelberg[2]
NNQ: 7,24 m¬≥/s
MNQ: 14 m¬≥/s
MQ: 88,8 m¬≥/s
MHQ: 188 m¬≥/s
HHQ: 276 m¬≥/s
Rechte Nebenfl√ľsse Rhin, Dosse
Linke Nebenfl√ľsse Woblitz, Briese, Tegeler Flie√ü, Spree, Nuthe, Plane, Buckau
Großstädte Berlin, Potsdam
Mittelstädte Oranienburg, Hohen Neuendorf, Hennigsdorf, Werder, Brandenburg, Rathenow
Kleinst√§dte Wesenberg, F√ľrstenberg, Zehdenick, Ketzin, Pritzerbe, Premnitz, Havelberg, Werben
Schiffbar 285 km; bis zum Useriner See
Havelbucht am ‚ÄěSteilen‚Äú bei Deetz

Havelbucht am ‚ÄěSteilen‚Äú bei Deetz

Die Havel ['haňźf…ôl] ist ein Flie√ügew√§sser im Nordosten Deutschlands und mit 334 Kilometern L√§nge der l√§ngste rechtsseitige Nebenfluss der Elbe. Die direkte Entfernung zwischen Quelle und M√ľndung betr√§gt allerdings nur 69 Kilometer. Die Havel entspringt in Mecklenburg-Vorpommern, durchflie√üt Brandenburg und Berlin und m√ľndet in Sachsen-Anhalt in die Elbe. Sie flie√üt zun√§chst durch zahlreiche kleine Seen in s√ľdlicher, dann in westlicher und schlie√ülich in nordwestlicher Richtung. Dabei betr√§gt der H√∂henunterschied lediglich 40,6 Meter. Mit durchschnittlich 108 m¬≥ pro Sekunde (108 m¬≥/s) hat die Havel nach Moldau (150 m¬≥/s) und Saale (115 m¬≥/s) die drittgr√∂√üte Wassermenge unter den Nebenfl√ľssen der Elbe. 285 Flusskilometer verlaufen in Brandenburg. Der gr√∂√üte Teil des Flusslaufs ist schiffbar. Fast im gesamten Verlauf regulieren Wehre und Schleusen die Wassertiefe und Wasserf√ľhrung. Trotz des Ausbaus zur Wasserstra√üe hat die Havel dank der zahlreichen nat√ľrlichen Seen, durch die sie flie√üt, ein beachtliches Speicherverm√∂gen und h√§lt ihren Wasserstand auch bei l√§ngeren Trockenperioden. Gef√§hrlich hohe Wasserst√§nde sind selten und werden meist im Havelunterlauf von Elbhochwasser ausgel√∂st. Etliche Seitenkan√§le verk√ľrzen den Wasserweg f√ľr die Binnenschifffahrt.

Gr√∂√üter Nebenfluss der Havel ist die Spree, die an ihrer M√ľndung mehr als doppelt so viel Wasser wie die Havel selbst f√ľhrt (38 m¬≥/s gegen√ľber 15 m¬≥/s) und diese zudem auch in der L√§nge √ľbertrifft (380 km).

2004 wurde die Havel von den Naturfreunden Deutschlands und dem Deutschen Anglerverband zur Flusslandschaft des Jahres gek√ľrt.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name der Havel (sorbisch: Habola) soll noch aus der vorslawischen, germanischen Besiedlungsphase stammen und somit der √§ltesten Schicht von Territorialbezeichnungen auf dem Gebiet der ehemaligen Mark Brandenburg zugeh√∂ren, abgeleitet vom germanischen Habula. Er ist mit Hafen und Haff etymologisch verwandt. Der Wortstamm Haf bezeichnet eine Bucht, Ausbuchtung. Auch irdene, bauchige Keramik wurde im deutschen Sprachraum zu fr√ľheren Zeiten oft als ‚ÄěHafen‚Äú bezeichnet. Dieser Interpretation zufolge deckt sich die Namensgebung mit der Gestalt der Havel als buchtenreichem Fluss.

Flusslauf

Obere Havel

Havelquelle bei Ankershagen
Heutige Havelquelle, mit Blick durch den Wald zum Ankershagener M√ľhlensee

Die Havel entspringt in der Mecklenburgischen Seenplatte. Als Quellgebiet gilt heute das Diekenbruch bei Ankershagen im Nordosten des M√ľritz-Nationalparks. Der historische Quellsee der Havel ist allerdings der Bornsee. Nur wenige Meter n√∂rdlich befindet sich ihr historisches Quellseengebiet um den heute in die Ostsee entw√§ssernden M√ľhlensee. Die Quellseen der Havel liegen s√ľd√∂stlich direkt neben der Wasserscheide von Nord- und Ostsee. Die Havel flie√üt deshalb letztendlich in die Nordsee, alle Fl√ľsse, die weiter nord√∂stlich entspringen, flie√üen in die Ostsee.[3]

Die ersten von der Havel durchflossenen Seen sind der Dambecker- und der R√∂thsee. Hier ist die Havel noch ein graben√§hnliches Flie√ü. Ab dem K√§belicksee bei Kratzeburg hat sie bereits eine Breite von drei bis vier Metern und ist ein beliebtes Paddelgew√§sser. Zwischen dem folgenden Granziner- und dem Pagelsee ist die Havel ein in eine schmale Rinne gezw√§ngter Wildwasserbach, genannt Schwanenhavel. Das Befahren des Bachlaufes ist in diesem Abschnitt nicht gestattet. F√ľr den Landtransport der Boote steht eine Lorenverbindung zur Verf√ľgung. Dem Pagelsee folgen der Zotzensee, der J√§thensee und der Useriner See. Der Flusslauf der Havel zwischen diesen Seen ist bereits teilweise kanalartig ausgebaut. Ab dem Useriner See, 12 km von ihrer Quelle entfernt, ist die Havel ein schiffbarer Fluss von bis zu 10 m Breite und darf mit motorbetriebenen Booten befahren werden. Am Gro√üen Labussee befindet sich die erste Schleuse der Havel, die Schleuse Zwenzow. Es folgt die Quassower Havel und der Woblitzsee bei Wesenberg. √úber den in den Woblitzsee von Norden einm√ľndenden Kammerkanal und den Zierker See ist die Havel mit Neustrelitz, der ehemaligen Landeshauptstadt von Mecklenburg-Strelitz, verbunden. Vom Woblitzsee an ist die Havel, einschlie√ülich des Kammerkanals, mit mehreren Staustufen als Obere Havel-Wasserstra√üe ausgebaut. In Mecklenburg streift sie noch den Drewensee und den Wangnitzsee und flie√üt durch den Kleinen und Gro√üen Priepertsee sowie den Ellbogensee und den Ziernsee. Bereits im Land Brandenburg streift sie den Menowsee und durchflie√üt den R√∂blinsee und Baalensee.

Am Ostrand der Stadt F√ľrstenberg streift die Havel den Schwedtsee und erreicht hinter F√ľrstenberg den Stolpsee bei der Klosterruine Himmelpfort. 15 km s√ľdlich davon, n√∂rdlich von Zehdenick, wurde in ihrer Niederung fr√ľher viel Ton abgebaut (jetzt touristischer Ziegeleipark). Zum Transport von Brennmaterial und Ziegeln wurde ab Zehdenick s√ľdw√§rts nach Liebenwalde 1880-1882 der Vo√ükanal gebaut, neben dem die alte Havel unter dem Namen ‚ÄěSchnelle Havel‚Äú als stark m√§andrierendes und nicht schiffbares Fl√ľsschen erhalten geblieben ist. So flie√üt der Hauptanteil des Havelwassers ab Zehdenick durch den Vo√ükanal und Malzer Kanal und speist seit 1914 die Scheitelhaltung des Oder-Havel-Kanals; √ľber die Kanalstufe Lehnitz flie√üt das Havelwasser s√ľdlich Oranienburg wieder dem Havelbett zu. Unmittelbar s√ľdlich von Liebenwalde zweigt der Kanal "Langer Tr√∂del", ein Abschnitt des Finowkanals, eines Vorg√§ngerbaues des Oder-Havel-Kanals, vom Vo√ükanal nach Osten in Richtung Oder ab. Der Malzer Kanal, die Verl√§ngerung des Vo√ükanals nach S√ľden, trifft s√ľdlich von Liebenwalde auf den Oder-Havel-Kanal. Der Malzer Kanal ist hier das n√∂rdliche Restst√ľck eines Kanals von Malz her, damals als Verbindung zum "Langen Tr√∂del"; der Malzer Kanal ist zum gr√∂√üeren Teil 1914 in den Oder-Havel-Kanal aufgegangen.

Die Schnelle Havel, die nicht schiffbare alte Havel, bei Schweitzerh√ľtte n√∂rdlich von Oranienburg-Friedrichsthal

Die Schnelle Havel flie√üt nach Verlassen des Eberswalder Urstromtales parallel zum Oder-Havel-Kanal bis zur Einm√ľndung des s√ľdlichen Restst√ľcks des Malzer Kanals am Nordrand von Friedrichsthal. Von hier bis zur ehemaligen Schleuse Sachsenhausen wird sie als Friedrichsthaler Havel bezeichnet, anschlie√üend als Oranienburger Havel bis Hohen Neuendorf, dann als Spandauer Havel bis zur Spreem√ľndung. Hinter Hennigsdorf, am Nieder Neuendorfer See, zweigt von der Havel der Havelkanal nach Westen ab, 1951/52 von der DDR zur Umschiffung West-Berlins angelegt; er m√ľndet zusammen mit dem Sacrow-Paretzer Kanal bei Paretz wieder in die Havel ein.

Mittlere Havel

Havel am ‚ÄöGro√üen Fenster‚Äė in Berlin

Von der Nordwestecke Berlins durch Potsdam und bis unterhalb der Stadt Brandenburg flie√üt die Havel durch eine lange Kette teilweise recht gro√üer Seen. Weitere Seen haben hier durch kleinere oder k√ľnstliche Gew√§sser Verbindung zum Fluss. Bei Potsdam sind die Seen an vielen Stellen von bewaldeten Mor√§nenh√ľgeln umgeben. Bei Brandenburg liegen sie √ľberwiegend in einer flachen Niederung, in der es nur inselhaft Mor√§nenh√ľgel gibt. Zwischen Hennigsdorf und Spandau sind das der Niederneuendorfer, Tegeler und Spandauer See. Gegen√ľber der Insel Gro√üer Wall zweigt der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in s√ľd√∂stlicher Richtung ab. Unterhalb der Schleuse Spandau gegen√ľber der Spandauer Altstadt m√ľndet die Spree in die Havel. Von hier an bildet die Havel bis zu ihrer M√ľndung in die Elbe zusammen mit einigen Kan√§len die Untere Havel-Wasserstra√üe. Kurz nach der M√ľndung der Spree passiert die Havel die Tiefwerder Wiesen, das letzte nat√ľrliche Berliner √úberschwemmungs- und Hechtlaichgebiet. Dann kommen der Gro√üe Wannsee mit der Pfaueninsel, der Jungfernsee, aus dem nach Westen der Sacrow-Paretzer Kanal abzweigt. Zwischen Wannsee und Tiefem See gibt es noch eine kleine Seenkette √∂stlich des Glienicker Forstes. Durch deren bekanntestes Glied, den Griebnitzsee, geht der Teltowkanal, der im S√ľdosten Berlins Verbindung zur Dahme und √ľber den Britzer Verbindungskanal zur Spree hat.

Die ‚ÄěNeue Fahrt‚Äú in Potsdam an der Freundschaftsinsel

Ab dem Jungfernsee bis zum G√∂ttinsee wird ein etwa 29 Kilometer langer Flussabschnitt Potsdamer Havel genannt.

Am G√∂ttinsee m√ľnden in die Havel ein: der Havelkanal und der Sacrow-Paretzer Kanal, durch den der gr√∂√üte Teil der Frachtschifffahrt den gro√üen Potsdamer Havelbogen abk√ľrzt. Dann flie√üt die Havel westw√§rts. Dabei ver√§stelt sie sich sowohl zwischen Ketzin und dem Trebelsee als auch in Brandenburg, dessen Dom auf einer Insel steht. Gut ein Kilometer vor der Vorstadtschleuse Brandenburg zweigt der Brandenburger Stadtkanal als Zufahrt zur Stadtschleuse in s√ľdwestlicher Richtung ab und m√ľndet nach 4,1 Kilometer in die Brandenburger Niederhavel ein. Der Brandenburger Stadtkanal ist auch der Zulauf zu den innerst√§dtischen Regulierungsbauwerken der Staustufe Brandenburg. Nach rechts zweigen von ihm ab: die Stimmingsarche mit Wehr zum Kleinen Beetzsee und mit dem Nebenarm Krakauer Havel, es folgen die drei ehemaligen M√ľhlenarme Altst√§dtischer Streng, Domstreng und Neust√§dtischer Streng (auch N√§thewinde) mit Durchl√§ssen zur Brandenburger Niederhavel. Kurz unterhalb der Vorstadtschleuse m√ľndet von Norden her der Beetzsee ein; an gleicher Stelle zweigt nach Westen der Silokanal ab und flie√üt nach S√ľdwesten die hier als Brandenburger Niederhavel bezeichnete Havel weiter und m√ľndet nach etwa 7 Kilometern in den Breitlingsee. Zwischen Brandenburg und seinem Ortsteil Plaue an der Havel durchflie√üt die Havel den Plauer See (Brandenburg), der zusammen mit dem Quenz-, dem Breitling- und dem M√∂serschen See einen einzigen gro√üen buchten- und inselreichen See ergibt. Vom Plauer See zweigt der Elbe-Havel-Kanal ab, der durch den Gro√üen Wendsee in Richtung Magdeburg verl√§uft.

Untere Havel

Havelberg: Stadtgraben (Havelarm) und Dom

Vom Plauer See flie√üt die Havel in mal mehr n√∂rdlicher, mal mehr westlicher Richtung am Pritzerber See und an den St√§dten Premnitz und Rathenow entlang in Richtung Havelberg. Bis zur Grenze Sachsen-Anhalts geh√∂rt hier der Flusslauf zum Naturpark Westhavelland, dem gr√∂√üten Naturpark im Land Brandenburg, der sich vom Beetzsee √ľber den Rhin erstreckt, im S√ľden mehr von sandigen H√ľgeln (‚ÄöL√§ndchen‚Äė), im Norden mehr von feuchten Niederungen (‚ÄöLuchen‚Äė) gepr√§gt.

N√∂rdlich von Rathenow liegen knapp √∂stlich des Flusses Hohennauener See und G√ľlper See, beide mit Verbindung zur Havel. Der Verlauf der Landesgrenze deutet hier an, wie gewunden der Flusslauf einst war. Nach der Einm√ľndung von Rhin und Dosse erreicht die Havel in Sachsen-Anhalt die Stadt Havelberg, die am Rand der Elbaue liegt.

Da die Untere Havel ein geringeres Gef√§lle hat als die Elbe, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts der Gnevsdorfer Vorfluter angelegt. Dieser Kanal erm√∂glicht es, das Wasser der Havel erst zehn Kilometer flussabw√§rts der nat√ľrlichen M√ľndung in die Elbe zu leiten. Dadurch liegt jetzt bei Havelberg der mittlere Wasserspiegel der Havel unter demjenigen der Elbe. Ein Schleusenkanal erm√∂glicht der Schifffahrt, diesen H√∂henunterschied zu √ľberwinden. Bei bedrohlichen Elbhochwassern wiederum k√∂nnen ausgedehnte Bereiche der Havelniederung als Polder zum Hochwasserschutz f√ľr die Elbe geflutet werden.

Binnen-Feuchtgebiet

Die gesch√ľtzte Untere Havelniederung bildet zusammen mit den angrenzenden Luchlandschaften Rhinluch, Havell√§ndisches Luch, Dossebruch und J√§glitzniederung das gr√∂√üte zusammenh√§ngende Binnen-Feuchtgebiet des westlichen Mitteleuropas.

Basierend auf dieser Naturn√§he wurde 2005 damit begonnen, die Renaturierung der Havel in die Wege zu leiten. Akteure sind das Bundesamt f√ľr Naturschutz (BfN), die L√§nder Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie der Naturschutzbund (NABU). Innerhalb der n√§chsten Jahrzehnte soll das Gew√§sser die urspr√ľngliche Gestalt (weitl√§ufige Auen, kurvigerer Flussverlauf, weitgehender Verzicht auf Uferbefestigungen) wiedererhalten. Profitieren werden seltene Vogelarten, aber auch Fischotter, Biber und Flussneunaugen.

Geschichte

Sacrower Kirche am Jungfernsee 1990. Im Hintergrund noch der alte DDR-Grenzzaun
Werder: Inselstadt mit Heilig-Geist-Kirche und Bockwindm√ľhle

Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung Brandenburgs sind eng mit der Havel verkn√ľpft. Zur Zeit der slawischen Besiedlung bildeten Havel und Nuthe die Grenze zwischen den Hevellern, die in der Zauche und im Havelland siedelten, und den Sprewanen auf √∂stlicher Seite. Wo Fernhandelswege die Havel kreuzten, hatten die Slawen Burgen und solide Holzbr√ľcken, in Plaue (heute Ortsteil von Brandenburg), Brandenburg (Dominsel), Potsdam (die Lange Br√ľcke) und Spandau (Funde am Burgwall).

Der deutschen Besiedlung des Havellandes gingen mehr als zwei Jahrhunderte kriegerischer Auseinandersetzungen voraus: 928/929 eroberte der deutsche K√∂nig Heinrich I. Brennabor und besiegte die Heveller. Sein Sohn Otto I. der Gro√üe (r√∂m. Kaiser ab 962) gr√ľndete 937 die Nordmark. Mit dem Gro√üen Slawenaufstand von 983 wurde das Land √∂stlich der Elbe zun√§chst wieder unabh√§ngig. Der Askanier Albrecht der B√§r begann 1134 mit der erneuten Eroberung, ab 1157 als Markgraf. Nach seinem Sieg √ľber die Heveller in Spandau 1157 begann die Einwanderung von Deutschen in die Mark Brandenburg. An der Havelbucht J√ľrgenlanke erinnert das Schildhorn-Denkmal an die Schildhornsage und den Sieg Albrechts.

Mit der mittelalterlichen Kolonisation nahm die Bedeutung der Havel als Transportweg zu, da die Region zunehmend Masseng√ľter wie Getreide und Holz exportierte. In dieser Bl√ľtezeit von Handel und Gewerbe entstand aber ein Nutzungskonflikt zwischen Transport und Energiegewinnung. F√ľr den Betrieb von M√ľhlen wurden in Spandau, Brandenburg und Rathenow Staud√§mme angelegt, welche die Schifffahrt mittels Umflutkan√§len und einfachen Schleusen passieren musste.[4] Der M√ľhlenstau in Brandenburg hob den Wasserspiegel flussaufw√§rts bis nach Spandau. M√∂glicherweise verwandelten diese M√ľhlenstaus √§lteres, slawisches Kulturland wieder in Feuchtbiotope. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Region war lange Zeit die Fischerei.

Der Drei√üigj√§hrige Krieg reduzierte die Einwohnerzahl von St√§dten wie Potsdam und Rathenow auf einen Bruchteil ihrer urspr√ľnglichen Bev√∂lkerung.

Vom 18. Jahrhundert bis in die DDR-Zeit wurden systematisch Feuchtgebiete trockengelegt. Mit dem Aufstieg Brandenburg-Preu√üens zur f√ľhrenden Macht in Deutschland und der preu√üischen K√∂nige zu deutschen Kaisern wurde das Havelland zur Hauptstadtregion. Die Sommerresidenz Potsdam wurde zum ‚Äöpreu√üischen Versailles‚Äė, umgeben von Schlossparks, Musterg√ľtern und herrschaftlichen Jagden. Sogar in kleinen D√∂rfern traten neben die einfachen Bauernkaten stuckverzierte Wohnh√§user und die eine oder andere ‚Äöbyzantinische‚Äė Dorfkirche (beispielsweise die Heilandskirche am Port von Sacrow). Der Bedarf der Hauptstadt lie√ü die Gegend um Werder und Ketzin zum Obstbaugebiet werden. Und n√∂rdlich von Zehdenick an der oberen und bei Deetz, Ketzin und Glindow der mittleren Havel entstanden gro√üe Tongruben und Ziegeleien.

Schifffahrt

Als Bundeswasserstra√üe ist die Havel einbezogen in die Obere Havel-Wasserstra√üe[5] vom Useriner See (Schleuse Zwenzow) bis Zehdenick. Von Zehdenick bis Oranienburg flie√üt Havelwasser durch die k√ľnstlichen Gew√§sserbetten der Oberen Havel-Wasserstra√üe, Vo√ükanal und Malzer Kanal, und weiter durch den Oder-Havel-Kanal bis wieder zum nat√ľrlichen Gew√§sserbett der Havel s√ľdlich Oranienburg. Von dort bis zur Spreem√ľndung bilden der untere Teil der ausgebauten Oranienburger Havel und ab Hohen Neuendorf die Spandauer Havel bis zur Spreem√ľndung Teilstrecken der Havel-Oder-Wasserstra√üe[5]. Zur nicht mehr durchgehend befahrbaren Alten Havel-Oder-Wasserstra√üe geh√∂ren die Friedrichsthaler Havel und der obere Teil der Oranienburger Havel. Von der Spreem√ľndung bis zur M√ľndung der Havel in die Elbe bildet die Havel die Untere Havel-Wasserstra√üe[5], einschlie√ülich Sacrow-Paretzer Kanal und Silokanal.

Geplanter Ausbau der Unteren Havel-Wasserstraße

Am ‚ÄöDeetzer Durchstich‚Äė

Das ‚ÄěVerkehrsprojekte Deutsche Einheit Nr. 17‚Äú sah auf der Strecke Wolfsburg-Magdeburg-Berlin den Ausbau von 280 km Wasserweg vor. Die gesamte betroffene Strecke sollte auf 4 m Tiefe und je nach Uferprofil auf 42‚Äď55 m (in Kurven bis zu 72 m) Wasserspiegelbreite ausgebaggert werden. Damit sollte erm√∂glicht werden, dass hier Schubverb√§nde von 180 m L√§nge, 11,40 m Breite und 2,80 m Abladetiefe, entsprechend Binnenwasserstra√üenklassifizierung Vb, fahren k√∂nnen. Die Havel w√ľrde von diesen Ausbauma√ünahmen in ihrem mittleren Bereich von der Einm√ľndung des Havelkanals und des Sacrow-Paretzer Kanals bei Paretz bis zum Silokanal in Brandenburg an der Havel betroffen sein. Gegenw√§rtig sind entsprechend der Binnenschifffahrtsstra√üen-Ordnung, Kapitel 22 Untere Havel-Wasserstra√üe und Havelkanal, f√ľr den Bereich von km 20,00 bis km 66,70 (ab der Spreem√ľndung) Gr√∂√üen der Fahrzeuge und Verb√§nde (Schubverb√§nde und gekuppelte Fahrzeuge) von 125 m L√§nge und 9 m Breite bzw. 156 m L√§nge und 8,25 m Breite zugelassen.

Die Havel wurde f√ľr 2004/2005 als dritter Fluss zu Deutschlands Flusslandschaft des Jahres gew√§hlt. Die Preisverleihung sollte unter anderem auch als Protest gegen den geplanten Havelausbau verstanden werden, der die Flusslandschaft erheblich besch√§digen w√ľrde. Seit 1992 setzt sich ein Aktionsb√ľndnis gegen den Havelausbau aus √ľber 30 Organisationen f√ľr den Erhalt der nat√ľrlichen Vielfalt und Sch√∂nheit des Flusses ein.

Nebenwasserl√§ufe und Kanalanschl√ľsse

Wentowkanal
M√ľndung des D√∂llnflie√ües in den Vo√ükanal
Die Potsdamer Havel im Winter (Tiefer See)
Nuthe-M√ľndung, Potsdam gegen√ľber der Freundschaftsinsel
Ansicht von Geltow, Blick √ľber die Potsdamer Havel von der Bundesstra√üe 1 kurz vor der Baumgartenbr√ľcke
Wehr Gnevsdorf am Gnevsdorfer Vorfluter

Von der Quelle flussabwärts:

Orte

Von der Quelle flussabwärts:

Die Schleusen der Havel ab Oranienburg

Ort Name der Schleuse Wasserstraßen-kilometer Daten Verkehrsfreigabe/Baujahr Bild Anrufkanal
Oranienburg
OT Lehnitz
Schleuse Lehnitz I Oder-Havel-Kanal
HOW 28,60
L 85 m / B 10 m / Fallh√∂he 5,65 m 1909/1910  
nicht in Betrieb
Unterhaupt Schleuse Lehnitz I mit Stemmtor
Schleuse Lehnitz II HOW 28,60 L 125 m / B 11,92 m / Fallh√∂he 5,65 m 1940 Lehnitzschleuse II von Westen gesehen UKW 18
Berlin Schleuse Spandau Spandauer Havel
HOW 0,58
L 115 m / B 12,5 m / Fallh√∂he 2,4 m 15. Juli 2002 Schleuse Spandau Unterwasser UKW 23
Brandenburg an der Havel Vorstadtschleuse Brandenburg (Doppelschleuse) UHW 55,55 Nordkammer L 170 m / B 12 m / Fallh√∂he 1,2 m 1883
Ersatz 30. Oktober 1970
Die Nordkammer der Vorstadtschleuse Brandenburg, talwärts gesehen, Unterhaupt mit Stemmtor UKW 20
S√ľdkammer L 210 m /B 17,5 m / Torweite 9,9 m / Fallh√∂he 1,2 m 30. Juni 1909 Die S√ľdkammer der Vorstadtschleuse Brandenburg talw√§rts gesehen UKW 20
Stadtschleuse Brandenburg Brandenburger Stadtkanal 57,94 L 22,10 m / B 5,15 m / Fallh√∂he 1,2 m 1548 erste Schleuse
1926 Umbau
1996 Neubau
Die Sportbootschleuse von 1996
Bahnitz Schleuse Bahnitz UHW 81,95 L 215 m / B 23 m / Torweite 10 m / Fallh√∂he 1,3 m 1910 Die Schleuse Bahnitz talw√§rts gesehen UKW 04
Rathenow Hauptschleuse Rathenow UHW 103,30 L 220 m / B 15 m / Torweite 9,6 m / Fallh√∂he 1,00 m 13. April 1901 Unterhaupt der Schleppzugschleuse Rathenow UKW 03
Stadtschleuse Rathenow Rathenower Stadtkanal 104,55 L 71,5  / B 8,4 m / Fallh√∂he 1,00 m 1559 erste Schleuse
1884
Erneuerung 1988
Die alte Stadtschleuse in Rathenow
Gr√ľtz Schleuse Gr√ľtz UHW 116,98 L 215 m / B 23 m / Torweite 10 m / Fallh√∂he 0,6 m 1911 Die Schleuse talw√§rts gesehen UKW 02
Garz Schleuse Garz UHW 129,02 L 215 m / B 23 m / Torweite 10 m / Fallh√∂he 0,9 bis 1,4 m 1912 Einfahrt in die Schleuse zu Tal UKW 01
Havelberg Schleuse Havelberg UHW 147,09 L 225 m / B 20 m / Torweite 12 m / max. Fallh√∂he 5,35 m 4. Mai 1936 UKW 21
  • Die Schleusen der Unteren Havel zwischen Bahnitz und Garz werden fernbedient von der Schleusenbetriebszentrale Rathenow und sind auch √ľber Telefon[7][8] zu erreichen.

Bilder

Siehe auch

Literatur

  • H.-J. Uhlemann, Berlin und die M√§rkischen Wasserstra√üen, DSV-Verlag Hamburg 1994
  • Schriften des Vereins f√ľr europ√§ische Binnenschifffahrt und Wasserstra√üen e.V. div. Jahrg√§nge. WESKA (Westeurop√§ischer Schifffahrts- und Hafenkalender), Binnenschifffahrts-Verlag GmbH Duisburg-Ruhrort, (keine ISBN)
  • Folke Stender: Redaktion Sportschifffahrtskarten Binnen 1 Nautische Ver√∂ffentlichung Verlagsgesellschaft ISBN 3-926376-10-4.
  • Autorenkollektiv: W. Ciesla, H. Czesienski, W. Schlomm, K. Senzel, D. Weidner, Schiffahrtskarten der Binnenwasserstra√üen der Deutschen Demokratischen Republik 1:10.000, Band 3 Herausgeber: Wasserstra√üenaufsichtsamt der DDR, Berlin 1988 (keine ISBN)

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b Gewaessersteckbrief-Elbe, Plan Hochwasservorsorge Dresden, 2010 Auf: dresden.de (PDF-Datei)
  2. ‚ÜĎ Bewirtschaftungsm√∂glichkeiten im Einzugsgebiet der Havel Axel Bronstert und Sibylle Itzerott, Potsdam 2006 (PDF-Datei)
  3. ‚ÜĎ Die Havelquelle. Private Website
  4. ‚ÜĎ Winfried Schich: Die Havel als Wasserstra√üe im Mittelalter (PDF)
  5. ‚ÜĎ a b c Verzeichnis E, Lfd. Nr. 39, 21, 60 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  6. ‚ÜĎ Reichsverkehrsblatt A 1936 S. 31
  7. ‚ÜĎ Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg: Au√üenbezirk Rathenow
  8. ‚ÜĎ ELWIS: Untere Havel-Wasserstra√üe (UHW)

Weblinks

 Commons: Havel ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Schnelle Havel ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Havelf√§hren ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Havel ‚ÄĒ (izg. h√†vel), V√°clav (1936) DEFINICIJA ńćeŇ°ki dramski pisac i vodeńái ńćeŇ°ki disident 1970 ih i 1980 ih, u zatvoru 1979 1983; srediŇ°nja lińćnost tzv. barŇ°unaste revolucije 1989; od prosinca iste godine karizmatski predsjednik ńĆeŇ°ke Republike ‚Ķ   Hrvatski jezińćni portal

  • Havel ‚ÄĒ Havel, Nebenflu√ü der Elbe, entspringt in Mecklenburg Strelitz, 1 Meile nordwestlich von Neustrelitz aus den gro√üen Bodensee, wird bei F√ľrstenberg schiffbar f√ľr gro√üe K√§hne, macht eine Strecke lang die Grenze zwischen Mecklenburg u. Brandenburg,… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Havel ‚ÄĒ Havel, rechter Nebenflu√ü der Elbe, entspringt auf dem mecklenburgischen Landr√ľcken aus dem Dambecker See in 68 m Meeresh√∂he, flie√üt in s√ľdlicher Hauptrichtung durch mehrere Seen, tritt bei F√ľrstenberg auf die brandenburgische Grenze, geht in dem… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Havel ‚ÄĒ Havel, schiffbarer r. Nebenflu√ü der Elbe, entspringt nordwestl. von Neustrelitz aus dem Dambecker See, wird an der Useriner M√ľhle auf 347 km schiffbar, bildet viele Seen von Spandau bis unterhalb Plaue, die Havelseen [Karte: Deutsches Reich I, 3] ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Havel ‚ÄĒ Havel, schiffbarer Nebenflu√ü der Elbe, entspringt aus dem mecklenburg. strelitz. Bodensee und m√ľndet nach langem Umwege (43 Ml.) bei Werben in die Elbe; der Finowkanal verbindet die H. mit der Oder, der Haupt und Plauensche Kanal verk√ľrzen die… ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Havel ‚ÄĒ m Czech form of GAWEŇĀ (SEE GaweŇā). Pet forms: H√°va, Havelek, Havl√≠k ‚Ķ   First names dictionary

  • Havel ‚ÄĒ [h√§‚Ä≤f…ôl] river in NE Germany, flowing southwest into the Elbe: c. 215 mi (346 km) ‚Ķ   English World dictionary


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