Heer

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Heer
√Ėsterreichische Gardekompanie

Das Heer ist die alle Landstreitkr√§fte umfassende Teilstreitkraft eines Staates. Die Aufgaben des Heeres sind in erster Linie das Aufkl√§ren und Bek√§mpfen feindlicher Truppen. Zur Erf√ľllung seiner Aufgaben stehen ihm k√§mpfende und unterst√ľtzende Einheiten zur Verf√ľgung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliches

Bereits in den antiken Heeren kam es zu einer Unterteilung in Truppengattungen, insbesondere in leichte und schwere Infanterie sowie Kavallerie. In den griechischen und r√∂mischen Heeren war die Aufgabe der wehrf√§higen M√§nner im Heer von ihren Besitzverh√§ltnissen abh√§ngig, da die Soldaten zun√§chst selbst f√ľr ihre Ausr√ľstung aufkommen mussten. Die schwer gepanzerten griechischen Hopliten, die in einer dichten Phalanx k√§mpften, rekrutierten sich aus der Oberschicht. Zu Zeiten der R√∂mischen Republik ging der Staat dazu √ľber, f√ľr die Ausr√ľstung des gro√üen r√∂mischen Heeres aufzukommen. Als Folge davon entstand eine gewaltige Kriegsindustrie. Seit der Sp√§tzeit der Republik bestand das stehende r√∂mische Heer aus Freiwilligen. Durch die Reform des r√∂mischen Heeres durch Marius (u.a. bedingt durch die Einf√§lle der Kimbern und Teutonen) wurde der Grundstein f√ľr das schlagkr√§ftige r√∂mische Heer der Kaiserzeit gelegt, durch das erst die gigantische Expansion des R√∂mischen Imperiums bewerkstelligt werden konnte. Die Truppenst√§rke zur Zeit der gr√∂√üten Ausdehnung des r√∂mischen Reiches wird auf ca. 400.000 (in der Sp√§tantike wohl etwas st√§rker) gesch√§tzt. In der Kaiserzeit wurde eine letzte gro√üe Reform des Heeres eingeleitet. Lange Zeit bestand jede Legion des R√∂mischen Heeres stets aus den 3 Truppenteilen (Manipel) Triarii, Principes und Hastati. In der Sp√§tantike kam es zur Trennung des Heeres in ein Bewegungs- (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei); die Legionen wurden zudem verkleinert, daf√ľr aber deren Anzahl erh√∂ht.

Nach dem Untergang des Westr√∂mischen Reiches, der unter anderem durch die V√∂lkerwanderung herbeigef√ľhrt wurde, gab es √ľber Tausend Jahre lang keine stehenden Heere in Europa, au√üer im Ostr√∂mischen bzw. Byzantinischen Reich.

Die Heeresaufgebote des Mittelalters bestanden aus freien Bauern, aus Rittern und sonstigen Adeligen und deren Gefolgsleuten und aus st√§dtischen Aufgeboten von M√§nnern mit B√ľrgerrecht. Heere wurden im europ√§ischen Mittelalter nur dann aufgeboten, wenn ein Kriegszug geplant war oder eine feindliche Invasion abgewehrt werden musste. Begr√ľndet wurde die Verpflichtung zum Heeresdienst durch die feudalen Abh√§ngigkeiten.

Neuzeit

Im Sp√§tmittelalter machten S√∂ldner den gr√∂√üten Teil des Heeres aus, da sich die F√ľrsten und K√∂nige auf diese Weise aus der Abh√§ngigkeit von ihren Vasallen l√∂sen wollten. Organisiert wurden sie von Condottieri, den ersten Kriegsunternehmern. Auf deutschem Gebiet entwickelte sich nach italienischen Vorbildern das S√∂ldnertum in Form der Landsknechte. Die S√∂ldnerheere waren eine Folge der immer wichtiger gewordenen Geldwirtschaft, welche die feudale Begr√ľndung zur Teilnahme an einem Kriegszug durch finanzielle Motive ersetzte. Da die S√∂ldner oftmals undiszipliniert waren und sich nicht an einen bestimmten Staat gebunden f√ľhlten, wurden sie schnell in gro√üen Teilen Europas zur Landplage. Ausgebliebene Soldzahlungen konnten zu schweren Pl√ľnderungen und Ausschreitungen f√ľhren, zudem lie√üen sich viele S√∂ldner abwerben, wenn man ihnen einen h√∂heren Sold versprach.

Der √úbergang zu disziplinierten, stehenden Heeren wurde zu Beginn der Fr√ľhen Neuzeit eingeleitet. Die Infanterie k√§mpfte seit dem 15. Jahrhundert in dichten Formationen, was eine hohe Disziplin erforderte. Um von den S√∂ldneraufgeboten unabh√§ngig zu sein, gingen die meisten europ√§ischen Herrscher nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg im sp√§ten 17. Jahrhundert dazu √ľber, stehende Heere aufzustellen. Die damit verbundenen Disziplinierungsma√ünahmen erm√∂glichten es, die Heere trotz immer gr√∂√üer werdender Feuerkraft in geschlossener Schlachtreihe vorgehen zu lassen. Erst im 19. Jahrhundert ging man aufgrund der rapiden Weiterentwicklung von Feuerwaffen dazu √ľber, die Heere im Gefecht aufzulockern.

19. Jahrhundert

Nach Einf√ľhrung einer allgemeinen Wehrpflicht im Zuge der Franz√∂sischen Revolution wurden w√§hrend der Napoleonischen Kriege die bislang st√§rksten Heere der Geschichte aufgestellt. In dieser Phase wirkte sich das franz√∂sische Beispiel zwar modernisierend auf andere europ√§ische Staaten wie Preu√üen aus. Nach 1815 stagnierten die Heeresst√§rken und R√ľstungen dann in einer l√§ngeren Friedensperiode wieder bzw. waren meist stark r√ľckl√§ufig. Erst ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, das ganz im Zeichen der Industrialisierung und Innovation stand, stellten viele Staaten, darunter fast alle Gro√üm√§chte, Armeen mit Wehrpflichtsystem auf. Als Vorbild diente nun das preu√üisch-deutsche Heer, das im Krieg von 1870/71 international beeindruckt hatte - sogar f√ľr das ferne Japan. Als Richtwert f√ľr die St√§rke einer Armee wurde seit jener Zeit ein Anteil von ca. 1 % der Gesamtbev√∂lkerung √ľblich. Auch etablierten sich damals st√§ndige Generalst√§be zur F√ľhrung der Armeen. Eine wachsende B√ľrokratie, moderne Nachrichtenmittel wie die Telegraphie, dann das Telefon, vor allem aber die Eisenbahn leisteten ihren Beitrag zu der Entwicklung. In der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts gelangen besonders bei der Konstruktion und Wirkung von Feuerwaffen sprunghafte Verbesserungen. Daf√ľr stehen z.B. das Z√ľndnadel- und Chassepotgewehr, die Einf√ľhrung des rauchschwachen Pulvers, von Brisanzgranaten und ersten Maschinengewehren. In unmittelbarem Zusammenhang damit steht das Aufkommen von Uniformen in gedeckten bzw. Tarnfarben; die jahrhundertelang √ľblichen farbenpr√§chtigen Milit√§rtrachten wurden bald nur noch bei Milit√§rparaden oder f√ľr andere traditionelle Zwecke wie etwa den Wachdienst von Gardetruppen in Monarchien verwendet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts deklassierte der technologisch-milit√§rische Fortschritt im Westen traditionelle Machtfaktoren wie das Osmanische Reich, China oder auch Spanien und Portugal nachhaltig. Am Ende des Jahrhunderts standen Europa und die USA im Zeichen des Imperialismus und Kolonialismus auf dem H√∂hepunkt ihrer Machtentfaltung; eventueller Widerstand in den abh√§ngigen Gebieten konnte meist in kurzer Zeit unter Einsatz haushoch √ľberlegener Mittel und brutaler Gewalt von Kolonialtruppen niedergeschlagen werden. Einzelne M√§chte rekrutierten auch Verb√§nde aus Einwohnern ihrer kolonialen Besitzungen zur Verst√§rkung der Armee im Mutterland.

20. Jahrhundert

Bis in die erste H√§lfte des 20. Jahrhunderts boten die Gro√üm√§chte im Kriegsfall Millionenheere auf. Das deutsche Heer z.B. umfasste im Ersten Weltkrieg bis zu sieben Millionen Soldaten, insgesamt dienten 1914/18 √ľber 13 Millionen Mann in den deutschen Streitkr√§ften. Die bereits sehr bedeutende Industrie der Hauptm√§chte konnte enorme Mengen von R√ľstungsg√ľtern und Munition produzieren. Allgemein kennzeichnend f√ľr den ersten Weltkrieg war eine weitgehend statische Kriegf√ľhrung sowie die √ľberragende Bedeutung der Artillerie. Neue Kampfmittel kamen auf, so etwa die Chemische Waffe. Erstmals waren Landstreitkr√§fte auch aus der Luft bedroht. Nach vielen Jahrhunderten Heeresgeschichte war die alte Truppengattung Kavallerie infolge der waffentechnischen Neuerungen praktisch obsolet geworden, von Nebenkriegsschaupl√§tzen abgesehen. Andererseits bildeten sich in mehreren L√§ndern erste Ans√§tze einer neuen Truppengattung heraus - der Panzertruppe. Eine Entwicklung hin zu einem Totalen Krieg war zu beobachten. Nach Millionen z√§hlende Kriegsverluste an Toten, Verwundeten und Verst√ľmmelten - betroffen waren zu nahezu 100 % Heeressoldaten - entstanden in kurzer Zeit. Rund hundert Jahre nach den Napoleonischen Kriegen war der Erste Weltkrieg wieder ein Ereignis, das sich auf die Demographie einiger L√§nder verformend auswirkte, und zwar noch weit sch√§rfer. Am schwersten gezeichnet war Frankreich, das mit ca. 1,3 Millionen Gefallenen mehr als 3 % seiner Bev√∂lkerung verloren hatte.

Im Zweiten Weltkrieg intensivierte sich diese Entwicklung noch. Die Rote Armee wurde die personalst√§rkste milit√§rische Organisation der Geschichte und z√§hlte 1945 √ľber 11 Millionen Angeh√∂rige. Eine inzwischen voll entwickelte Massenproduktion von Kriegsbedarf aller Art hatte die Millionenheere mit einer bislang unvorstellbaren Menge unterschiedlichsten Materials versorgen k√∂nnen. Auf diesem Gebiet sollten sich die USA, seit Jahrzehnten gr√∂√üte Wirtschaftsmacht der Welt, eine unerreichte Spitzenposition erobern. Sie r√ľsteten nicht nur die eigene Armee in kurzer Zeit aus, sondern st√ľtzten auch noch andere, von Nazideutschland und dessen Verb√ľndeten schwer bedr√§ngte M√§chte, vor allem Gro√übritannien und die Sowjetunion. Die Verwendung von Kraftfahrzeugen und Panzern in den Heeren erreichte einen ersten H√∂hepunkt. Kampfunterst√ľtzungstruppen, Logistik und Nachschub umfassten in den am st√§rksten technisierten und fortgeschrittensten Armeen bald den gr√∂√üten Teil des Personalbestands. Seit den 1930er Jahren hatte sich aus Anf√§ngen in der Sowjetunion und in Deutschland die neue Truppengattung der Luftlandetruppen bzw. Fallschirmj√§ger entwickelt. St√§rker ins Blickfeld r√ľckte ab dieser Zeit auch die Marineinfanterie, funktionell ebenfalls Teil der Landstreitkr√§fte. Vollends hatten sich nun die Luftstreitkr√§fte zu einem absolut unverzichtbaren und entscheidenden Kriegsmittel - der zweitwichtigsten Teilstreitkraft - entwickelt. Diesen technischen Neuerungen vor allem war zuzuschreiben, dass im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg der Zweite Weltkrieg √ľber weite Strecken als Bewegungskrieg gef√ľhrt wurde. Alle bisher geltenden Ma√üst√§be √ľbertrafen erneut die Kriegsverluste an Menschenleben. Das bislang gr√∂√üte Blutbad der Geschichte fand zwischen 1941 und 1945 an der deutsch-sowjetischen Ostfront statt. Allein die Zahl der Milit√§rtoten √ľberschritt an dieser Front die Zehn-Millionen-Grenze. Der Unterschied zwischen Kombattanten und der sogenannten Zivilbev√∂lkerung schwand weiter, bei einer gesch√§tzten Gesamtzahl von mehr als 50 Millionen Toten waren die √úberg√§nge zwischen milit√§rischer Auseinandersetzung einerseits, Massakern, und V√∂lkermord (Holocaust) andererseits in riesigen Abschnitten der Kampffronten in Europa und Asien flie√üend. Bev√∂lkerungsverschiebungen, die weitere Millionen betrafen, kamen hinzu. Doch sollten nach der Zeitenwende, die der erste Einsatz einer Atombombe bereits im Sommer 1945 mit sich brachte, noch weit schrecklichere Szenarien in den Bereich des M√∂glichen r√ľcken.

War f√ľr die bisherigen Geschichte eine meist sehr ausgepr√§gte Trennung der traditionellen Teilstreitkr√§fte an Land und zur See √ľblich - Heer und Marine f√ľhrten bisweilen geradezu "eigene Kriege" - leitete der Zweite Weltkrieg den √úbergang zu einem System der "Gesamtstreitkr√§fte" ein. Besonders ausschlaggebend hierf√ľr waren innovative F√ľhrungs- und Organisationsmethoden, die im angloamerikanischen Bereich entwickelt wurden. Revolutioniert wurde die Amphibische Kriegf√ľhrung bis hin zum √úbergang zu einer triphibischen Kriegf√ľhrung durch √§u√üerst komplexe Operationen in engster Zusammenarbeit von Land-, Luft- und Seestreitkr√§ften, beispielhaft stand daf√ľr der gesamte Pazifikkrieg der USA und die Invasion 1944 in der Normandie.

Nach der Zeitenwende 1945

Zwar stellten in der Zeit des Kalten Krieges beide Milit√§rbl√∂cke, die NATO und der Warschauer Pakt, sp√§testens ab 1950 erneut nach Millionen z√§hlende Landstreitkr√§fte auf. Als Katalysator der neuen, bis dato gr√∂√üten Aufr√ľstungswelle aller Zeiten wirkte insbesondere der Koreakrieg. Augenf√§llige Neuerungen der Zeit nach 1945 waren zun√§chst die Vollmotorisierung der meisten Heere, dann ein enormer Ausbau der gepanzerten Teile in allen Truppengattungen - auch zur Optimierung des Schutzes vor Massenvernichtungswaffen - und die st√§ndig zunehmende Bedeutung der Raketenwaffen. Einige L√§nder, darunter beide deutsche Staaten, f√ľhrten aufgrund einer als bedrohlich empfundenen internationalen Lage wiederum die Wehrpflicht ein. Die √Ąra des Massenaufgebots von Infanterie, Artillerie, Panzern usw. nach dem Muster des Ersten und Zweiten Weltkrieges war aber sp√§testens seit Einf√ľhrung der Atomwaffen unweigerlich an ihr Ende gekommen, eine Erkenntnis, die sich seit Anfang der 1950er Jahre durchsetzte. Kennzeichnend f√ľr die internationale Entwicklung war nicht l√§nger der nunmehr dysfunktional gewordene personalintensive Heeresaufbau. Wegen der enormen Vernichtungskraft neuzeitlicher Waffensysteme verlor er seinen Zweck, zudem waren bereits durch die beiden bisherigen Weltkriege viele L√§nder nachhaltig demographisch gesch√§digt. Selbst ein theoretisch denkbarer, "nur konventionell" und v√∂lkerrechtlich "sauber" gef√ľhrter Krieg drohte die Kriegf√ľhrung bzw. Landesverteidigung in eine Art gegenseitige demographische Selbstzerst√∂rung zu verwandeln. Ein nie dagewesener Kapitalaufwand auf materiell-technischem Gebiet, bedingt und gekennzeichnet durch einen ungeheuren Innovationsschub auf allen Gebieten nach 1945 - in der Sowjetunion wurde hierf√ľr der Begriff "Revolution im Milit√§rwesen" gepr√§gt - lie√ü die Bedeutung der konventionellen Heeresr√ľstung gegen√ľber den anderen Teilstreitkr√§ften, besonders der Luftwaffe, teilweise auch Marine, namentlich aber der Atomstreitkr√§fte - sogar f√ľhlbar absinken. Dennoch behaupteten die herk√∂mmlichen Streitkr√§fte weiterhin den L√∂wenanteil der R√ľstungsaufwendungen. Leitbild wurde die Verhinderung jedenfalls gro√üer Kriege durch glaubhafte Abschreckung. K√§me es zum Krieg, so die Idealvorstellung in beiden Bl√∂cken, w√§re er schnellstens siegreich oder wenigstens einigerma√üen vorteilhaft zu beenden: ein Atomkrieg, stellte sich bald heraus, w√§re auf jeden Fall besser zu vermeiden, schien er doch wegen seiner unvorstellbaren Begleitumst√§nde nach vorherrschender Meinung allenfalls in der Theorie "f√ľhr-" bzw. "gewinnbar".

Abgesehen davon kam seit 1945 besonders in einer Reihe von konventionell gef√ľhrten Kriegen im Rahmen der Dekolonisation bzw. in Stellvertreterkriegen eine achtstellige Zahl von Menschen ums Leben, zum gr√∂√üeren Teil Nichtkombattanten, wie es schon in Kolonialkriegen bis zum 20. Jahrhundert und stellenweise im Zweiten Weltkrieg der Fall gewesen war. Diese "Nebenkriegsschaupl√§tze" dienten den f√ľhrenden Industriem√§chten gleichzeitig als Testfeld f√ľr die laufend verbesserten, neuen Waffensysteme der Land- und Luftstreitkr√§fte. Eine immer gr√∂√üere Rolle spielte die schnelle Luftbeweglichkeit von Truppen. Ab den 1950er Jahren trug die massenhafte Einf√ľhrung von Hubschraubern ihren Teil dazu bei. Hierf√ľr stehen beispielhaft der Algerienkrieg Frankreichs und der Vietnamkrieg der USA. Es verschwand die Konfrontation traditioneller Massenheere und Wehrpflichtarmeen in der Realit√§t fast aus dem Blickfeld, andererseits nahm die Bedeutung der sp√§ter sogenannten Asymmetrischen Kriegsf√ľhrung, gest√ľtzt auch auf den Einsatz von Spezialtruppen, immer mehr zu. Besonders franz√∂sische "Vordenker" entwickelten Ideen √ľber eine neuartige Kriegf√ľhrung (z.B. gegen Befreiungsbewegungen oder Separatisten) im Grenzbereich zwischen Milit√§r, Geheimdienst und politischer Propaganda. All dies im Zeichen einer immer riesiger werdenden Kluft zwischen den h√∂chstger√ľsteten Gro√ü- und Superm√§chten und einer Vielzahl vergleichsweise schlecht bewaffneter milit√§rischer "Habenichtse" namentlich in der sogenannten Dritten Welt.

Als Ende der 1950er Jahre in breitem Ma√üstab taktische Atomwaffen eingef√ľhrt wurden, sch√§tzte man die Bedeutung der Landstreitkr√§fte, z.B. im Rahmen von westlichen Flexible Response-Vorstellungen, wieder h√∂her ein. Im allgemeinen erreichte der personelle Ausbau der Landstreitkr√§fte Ende der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre einen H√∂chststand. Nach einer Entspannungsphase von ca. 1972 bis 1979 folgte bis Mitte der 1980er Jahre eine nochmalige Zuspitzung des Kalten Krieges. Anlass gab die Nuklearr√ľstung und der Ende der 1980er Jahre endg√ľltig mi√ülungene Krieg der Sowjetarmee in Afghanistan. Die Tendenz der sinkenden Bedeutung personalintensiver R√ľstung und der immer gr√∂√üeren Schwerpunktsetzung auf technische Kriegsmittel wurde aber nicht mehr gebrochen, zumal sich die Dritte Industrielle Revolution in dieser Zeit allm√§hlich voll auszuwirken begann. Allenfalls in der Sowjetarmee und dem Warschauer Pakt hielt sich bis zum Ende des Kalten Krieges am ehesten ein noch an den Zweiten Weltkrieg erinnerndes Kriegsbild: auf einer relativ breiten personellen und materiellen Basis - ob die im Westen st√§ndig propagierte starke "konventionelle √úberlegenheit" des Ostens in den Jahrzehnten nach 1955 tats√§chlich noch bestand, ist zumindest umstritten - sollten Vorst√∂√üe massiver Panzerverb√§nde mit starker Artillerie weitr√§umige Offensiven erm√∂glichen und damit eine rasche Zerschlagung des Gegners sicherstellen, etwa nach dem Vorbild der Mandschurischen Operation vom August 1945 (in gewissem Sinn H√∂he- und Endpunkt der "sowjetischen Kriegskunst"). Ein gewisser "Weltkrieg-II-Traditionalismus" kam dabei auch in einer √úberalterung der sowjetischen Armeef√ľhrung ab den 1970er Jahren zum Ausdruck. Der Westen stellte dem neben seiner im Grunde unumstrittenen technologischen √úberlegenheit (z.B. im Bereich Panzer und Panzerabwehr, Elektronik usw.) ebenfalls offensive Konzeptionen entgegen, f√ľr die etwa der Begriff der Vorneverteidigung steht. In den 1980er Jahren galt konkret der US-Plan der AirLand Battle.

Als realer, jahrelanger Stellungskrieg zwischen Wehrpflicht-Heeren entsprach der Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988 nochmals einem aus der Geschichte bekannten Muster. Nicht zuletzt durch sehr umfangreiche Kriegsmateriallieferungen diverser Hauptmächte in West und Ost befeuert, war in dieser Auseinandersetzung am Ende bis zu 1 Million Tote zu beklagen. Weitere Kriege dieser Art innerhalb der "Dritten Welt", etwa in Ostafrika nach dem Ende des Kalten Krieges, fanden kaum noch Beachtung.

Nach dem Ende des Kalten Krieges, das nach (strittiger) Ansicht evtl. dadurch herbeigef√ľhrt wurde, dass der Ostblock beim Wettr√ľsten nicht mehr mithalten konnte und kollabierte, kam es in den 1990er Jahren international zu einer starken personellen und auch materiellen Abr√ľstung der Heere. Was sich allerdings aufgrund der weiterlaufenden technischen Perfektionierung der Waffensysteme und aus anderen Gr√ľnden fiskalisch nicht bemerkbar machte. R√ľstungsausgaben und -export nahmen weltweit auch nach dem Ende der Systemauseinandersetzung stark zu. Ob m√∂glicherweise ein sogenannter Milit√§risch-Industrieller Komplex besteht, der, vielleicht seit l√§ngerem losgel√∂st von jeglicher Zweckrationalit√§t- abgesehen vielleicht von Profitinteressen einzelner Gruppen - gleichsam als Perpetuum mobile funktioniert, ist umstritten.

Zur Zeit ihres unblutigen "Sieges" √ľber den Ostblock lieferte eine im Kern aus NATO-Staaten bestehende internationale Milit√§rkoalition im Krieg gegen den Irak 1990/91 eine eindrucksvolle Machtdemonstration gegen einen zwar personell und materiell starken, aber dennoch unterklassigen Gegner ab. Pr√§zisionsgelenkte Munition war ebenso charakterisch wie eine enorme Propaganda-Offensive, konzertiert in enger Zusammenarbeit von Milit√§r und Medien. Im Zuge einer weiter fortgeschrittenen Vernetzung aller Teilstreitkr√§fte spielten die Heeresoperationen fast eine Nebenrolle. Geschichtlich neuartig angesichts des Umfangs der beteiligten Kr√§fte waren besonders die Verluste. Die Siegerkoalition hatte einige hundert Tote zu beklagen (oft gar nicht durch Einwirkung des Gegners, sondern durch Friktionen im eigenen Operationsablauf verursacht). Der Verlierer dagegen erlitt Verluste in einer nicht bekannten mehrfachen H√∂he von jedenfalls einigen zehntausend Toten. Beinahe nach dem selben Muster liefen der Kosovokrieg 1999 und der Dritte Golfkrieg 2003 ab.

Mit der √Ąnderung der Kriegsf√ľhrungsstrategien (z. B. in Deutschland mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien in der Fassung von 2003) geht die Tendenz einher kleinere, hochpr√§sente und schnell verlegbare Heeresstrukturen zu schaffen damit weltweite Eins√§tze und abgestufte milit√§rische Reaktion leichter m√∂glich werden. Seit Ende des Kalten Krieges haben viele europ√§ische Staaten die Wehrpflicht abgeschafft oder ausgesetzt (die Vereinigten Staaten hatten dies bereits nach Ende des Vietnamkrieges getan), was zu kleineren Heeren f√ľhrte.

Liste der Heeresstreitkräfte

Aktuell stehende Heere

Historische Landstreitkräfte

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Heer ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

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