Heinrich Heine

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Heinrich Heine
Heinrich Heine (GemÀlde von Moritz Daniel Oppenheim, 1831)
Heinrich Heines Unterschrift

Christian Johann Heinrich Heine (* 13. Dezember 1797 als Harry Heine in DĂŒsseldorf, Herzogtum Berg; † 17. Februar 1856 in Paris) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts.

Heine gilt als „letzter Dichter der Romantik“ und zugleich als deren Überwinder. Er machte die Alltagssprache lyrikfĂ€hig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so hĂ€ufig ĂŒbersetzt und vertont. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefĂŒrchtet. Wegen seiner jĂŒdischen Herkunft und seiner politischen Einstellung wurde er immer wieder angefeindet und ausgegrenzt. Diese Außenseiterrolle prĂ€gte sein Leben, sein Werk und dessen wechselvolle Rezeptionsgeschichte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Lehrjahre

Betty Heine
Den Einzug Napoleons in DĂŒsseldorf im Jahr 1811 schilderte Heine spĂ€ter in Ideen. Das Buch Le Grand.

„Die Stadt DĂŒsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt, und zufĂ€llig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe. Ich bin dort geboren und es ist mir, als mĂŒsste ich gleich nach Hause gehn. Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin 
“

– Heinrich Heine 1827 in Ideen. Das Buch Le Grand.[1]

WĂ€hrend es wegen Heines Geburtsort nie Zweifel gab, herrscht ĂŒber sein genaues Geburtsdatum bis heute Unklarheit. Alle zeitgenössischen Akten, die darĂŒber Auskunft geben könnten, sind im Laufe der letzten 200 Jahre verloren gegangen. Heine selbst bezeichnete sich scherzhaft als „ersten Mann des Jahrhunderts“, da er in der Neujahrsnacht 1800 geboren sei. Gelegentlich gab er auch 1799 als Geburtsjahr an. In der Heine-Forschung gilt heute der 13. Dezember 1797 als wahrscheinlichstes Geburtsdatum. Infolge der Französischen Revolution fielen seine Kindheit und Jugend in eine Zeit großer VerĂ€nderungen.

Die Familie Heine ist seit dem 17. Jahrhundert in BĂŒckeburg nachgewiesen. Harry Heine – so sein Geburtsname – war das Ă€lteste von vier Kindern des TuchhĂ€ndlers Samson Heine (* 19. August 1764 in Hannover; † 2. Dezember 1829 in Hamburg) und seiner Frau Betty (eigentlich Peira), geborene van Geldern (* 27. November 1770 in DĂŒsseldorf; † 3. September 1859 in Hamburg). Seine Geschwister waren

  • Charlotte (* 18. Oktober 1800 in DĂŒsseldorf; † 18. Oktober 1899 in Hamburg)[2],
  • Gustav (* ca. 1803[3] in DĂŒsseldorf; † 15. November 1886 in Wien), der spĂ€tere Baron Heine-Geldern und Herausgeber des Wiener Fremden-Blatts sowie
  • Maximilian (* ca. 1804[4]; † 1879), spĂ€ter Arzt in Sankt Petersburg.

Sie alle wuchsen in einem vom Geist der Haskala – der jĂŒdischen AufklĂ€rung – geprĂ€gten Elternhaus auf, das weitgehend assimiliert war.

Ab 1803 besuchte Harry Heine die israelitische Privatschule von Hein Hertz Rintelsohn. Als die kurfĂŒrstlich bayerische Regierung, der das Herzogtum Berg und dessen Hauptstadt DĂŒsseldorf unterstand, 1804 auch jĂŒdischen Kindern den Besuch christlicher Schulen erlaubte, wechselte er auf die stĂ€dtische Grundschule und 1807 in die Vorbereitungsklasse des DĂŒsseldorfer Lyzeums, des heutigen Görres-Gymnasiums, das im Sinne der SpĂ€taufklĂ€rung wirkte. Das Lyzeum selbst besuchte er seit 1810, verließ es aber ohne Abgangszeugnis 1814 wieder, da er sich, der Familientradition folgend, an einer Handelsschule auf einen kaufmĂ€nnischen Beruf vorbereiten sollte.

1811 erlebte der 13-jĂ€hrige Heine den Einzug Napoleons in DĂŒsseldorf. Bayern hatte das Herzogtum Berg 1806 an Frankreich abgetreten, sodass Heine Anspruch auf die französische StaatsbĂŒrgerschaft hĂ€tte erheben können. Entgegen spĂ€terer Behauptungen Heinrich von Treitschkes hat er dies aber nie getan.[5] Als Großherzogtum Berg wurde seine Heimat von 1806 bis 1815 von Verwandten Napoleons regiert und stand als Gliedstaat des Rheinbunds unter starkem französischem Einfluss. Heine verehrte den Kaiser der Franzosen zeitlebens wegen der EinfĂŒhrung des Code civil, der Juden und Nicht-Juden gesetzlich gleichstellte.

Salomon Heine (1767–1844); bis zu seinem Tod unterstĂŒtzte der vermögende Onkel Heines seinen Neffen.

In den Jahren 1815 und 1816 arbeitete Heine als VolontĂ€r zunĂ€chst bei dem Frankfurter Bankier Rindskopff. Damals lernte er in der Frankfurter Judengasse das bedrĂŒckende und ihm bis dahin fremde Ghettodasein der Juden kennen. Heine und sein Vater besuchten damals auch die Frankfurter Freimaurerloge Zur aufgehenden Morgenröte. Unter den Freimaurern erfuhren sie die gesellschaftliche Anerkennung, die ihnen als Juden oft verwehrt blieb. Viele Jahre spĂ€ter, 1844, wurde Heine Mitglied der Loge Les Trinosophes in Paris.[6]

1816 wechselte er ins Bankhaus seines wohlhabenden Onkels Salomon Heine in Hamburg. Salomon, der im Gegensatz zu seinem Bruder Samson geschĂ€ftlich höchst erfolgreich und mehrfacher MillionĂ€r war, nahm sich des Neffen an. Bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1844 unterstĂŒtzte er ihn finanziell, obwohl er wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr dessen literarische Interessen hatte. Überliefert ist Salomons Ausspruch: „HĂ€tt’ er gelernt was Rechtes, mĂŒsst er nicht schreiben BĂŒcher.“[7] Schon wĂ€hrend seiner Schulzeit auf dem Lyzeum hatte Harry Heine erste lyrische Versuche unternommen. Seit 1815 schrieb er regelmĂ€ĂŸig, und in der Zeitschrift Hamburgs WĂ€chter wurden 1817 erstmals Gedichte von ihm veröffentlicht.

Amalie Heine, Heinrichs Cousine und erste große Liebe

Da Heine weder Neigung noch Talent fĂŒr GeldgeschĂ€fte mitbrachte, richtete sein Onkel ihm schließlich ein TuchgeschĂ€ft ein. Aber „Harry Heine & Comp.“ musste bereits 1819 Konkurs anmelden. Der Inhaber hatte sich schon damals lieber der Dichtkunst gewidmet. Dem Familienfrieden abtrĂ€glich war auch Harrys unglĂŒckliche Liebe zu seiner Cousine Amalie. Die unerwiderte Zuneigung verarbeitete er spĂ€ter in den romantischen Liebesgedichten im Buch der Lieder. Die bedrĂŒckende AtmosphĂ€re im Haus des Onkels, in dem er sich zunehmend unwillkommen fĂŒhlte, beschrieb er in dem Gedicht Affrontenburg.

Studium in Bonn, Göttingen und Berlin

Wahrscheinlich haben die Zwistigkeiten in der Familie Salomon Heine schließlich davon ĂŒberzeugt, dem DrĂ€ngen des Neffen nachzugeben und ihm ein Studium fernab von Hamburg zu ermöglichen. 1819 nahm Heine das Studium der Rechts- und Kameralwissenschaft auf, obwohl ihn beide FĂ€cher wenig interessierten. ZunĂ€chst schrieb er sich in die UniversitĂ€t Bonn ein, wo er aber nur eine einzige juristische Vorlesung belegte.

August Wilhelm Schlegel, der Heine die Romantik nahe brachte.

Dagegen hörte er im Wintersemester 1819/20 die Vorlesung zur Geschichte der deutschen Sprache und Poesie von August Wilhelm Schlegel. Der MitbegrĂŒnder der Romantik ĂŒbte einen starken literarischen Einfluss auf den jungen Heine aus, was diesen aber nicht daran hinderte, sich in spĂ€teren Werken spöttisch ĂŒber Schlegel zu Ă€ußern. Das Gleiche widerfuhr einem weiteren seiner Bonner Lehrer, Ernst Moritz Arndt, dessen nationalistische Ansichten Heine in spĂ€teren Gedichten und Prosatexten mehrfach aufs Korn nahm. In seiner Bonner Zeit ĂŒbersetzt Heine Werke des romantischen englischen Dichters Lord Byron ins Deutsche.

Im Wintersemester 1820 ging er an die UniversitĂ€t Göttingen, die er aber schon wenige Monate spĂ€ter wegen einer DuellaffĂ€re wieder verlassen musste: Heine hatte aufgrund der gesellschaftlichen ZurĂŒcksetzung, der Juden im damaligen Deutschland ausgesetzt waren, seine Herkunft möglichst zu verbergen gesucht. Als er von einem Kommilitonen wegen seines Judentums beleidigt wurde, forderte er diesen zum Duell. Die UniversitĂ€t relegierte ihn und seinen Duellgegner daher im Februar 1821 fĂŒr ein Semester. Im selben Monat wurde Heine wegen eines Verstoßes gegen das „Keuschheitsgebot“ aus der Burschenschaft ausgeschlossen. In Bonn war er 1819 der studentischen „Allgemeinheit“ beigetreten. In Göttingen wurde er 1821 Mitglied des Corps Guestphalia.[8][9]

Über Göttingen Ă€ußerte er sich wenige Jahre spĂ€ter in der „Harzreise“ voller Sarkasmus und Ironie:

„Im Allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingetheilt in Studenten, Professoren, Philister und Vieh; welche vier StĂ€nde doch nichts weniger als streng geschieden sind. Der Viehstand ist der bedeutendste. Die Namen aller Studenten und aller ordentlichen und unordentlichen Professoren hier herzuzĂ€hlen, wĂ€re zu weitlĂ€uftig; auch sind mir in diesem Augenblick nicht alle Studentennamen im GedĂ€chtnisse, und unter den Professoren sind manche, die noch gar keinen Namen haben. Die Zahl der göttinger Philister muß sehr groß seyn, wie Sand, oder besser gesagt, wie Koth am Meer; wahrlich, wenn ich sie des Morgens, mit ihren schmutzigen Gesichtern und weißen Rechnungen, vor den Pforten des akademischen Gerichtes aufgepflanzt sah, so mochte ich kaum begreifen, wie Gott nur so viel Lumpenpack erschaffen konnte.“

– Reisebilder[10]

Heine wechselte zur Berliner UniversitĂ€t, wo er von 1821 bis 1823 studierte und u. a. Vorlesungen bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel hörte. Bald fand er Kontakt zu den literarischen Zirkeln der Stadt und war regelmĂ€ĂŸiger Gast im Salon Elise von Hohenhausens sowie im sogenannten Zweiten Salon Rahel Varnhagens. Rahel und ihr Mann Karl August Varnhagen von Ense blieben Heine freundschaftlich verbunden und förderten seine Karriere, indem sie seine frĂŒhen Werke positiv besprachen und ihm weitere Kontakte vermittelten, beispielsweise zu Varnhagens Schwester Rosa Maria Assing, deren Salon in Hamburg er frequentierte. Varnhagen von Ense stand bis zu Heines Tod in einem regen Briefwechsel mit ihm.

WĂ€hrend seiner Berliner Zeit debĂŒtierte Heine als Buch-Autor. Anfang 1822 erschienen in der Maurerschen Buchhandlung seine Gedichte, 1823 im Verlag DĂŒmmler die Tragödien, nebst einem lyrischen Intermezzo. Seinen Tragödien Almansor und William Ratcliff hatte Heine zunĂ€chst einen hohen Stellenwert zugemessen, sie blieben jedoch erfolglos. Die UrauffĂŒhrung des Almansor musste 1823 in Braunschweig wegen Publikumsprotesten abgebrochen werden, der Ratcliff kam zu seinen Lebzeiten ĂŒberhaupt nicht auf eine BĂŒhne.

In den Jahren von 1822 bis 1824 befasste sich Heine zum ersten Mal intensiv mit dem Judentum: Er war in Berlin aktives Mitglied im Verein fĂŒr Cultur und Wissenschaft der Juden, verkehrte u. a. mit Leopold Zunz, einem der BegrĂŒnder der Wissenschaft des Judentums und nahm 1824 die Arbeit an dem Fragment gebliebenen Roman Der Rabbi von Bacherach auf. Auf einer Reise nach Posen, die er 1822 von Berlin aus unternahm, begegnete er erstmals dem chassidischen Judentum, das ihn zwar faszinierte, mit dem er sich jedoch nicht identifizieren konnte. Im FrĂŒhjahr 1823, zwei Jahre vor seinem Übertritt zum Christentum, schrieb er in einem Brief an seinen Freund Immanuel Wohlwill: „Auch ich habe nicht die Kraft einen Bart zu tragen, und mir Judemauschel nachrufen zu lassen, und zu fasten etc.“[11] Die Auseinandersetzung mit jĂŒdischen Motiven trat zwar in der Zeit nach der Taufe in den Hintergrund, hat ihn jedoch ein Leben lang beschĂ€ftigt. Erneuten Ausdruck fand es vor allem in seinem SpĂ€twerk, etwa in den HebrĂ€ischen Melodien, dem Dritten Buch des Romanzero.

Promotion, Taufe und Platen-AffÀre

Im Jahr 1824 kehrte Heine nach Göttingen zurĂŒck. Im Mai des folgenden Jahres legte er sein Examen ab und wurde im Juli 1825 zum Doktor der Rechte promoviert. Seine PlĂ€ne, sich in Hamburg als Anwalt niederzulassen, scheiterten aber noch Ende desselben Jahres.

Um seine Anstellungschancen als Jurist zu erhöhen, hatte Heine sich unmittelbar nach dem bestandenen Examen, im Juni 1825, in Heiligenstadt protestantisch taufen lassen und den Vornamen Christian Johann Heinrich angenommen. Von da an nannte er sich Heinrich Heine. Er versuchte, die Taufe zunĂ€chst geheim zu halten: So erfolgte sie nicht in der Kirche, sondern in der Wohnung des Pfarrers mit dem Taufpaten als einzigem Zeugen. Religiös damals völlig indifferent, betrachtete er den Taufschein ohnehin nur als Entre Billet zur EuropĂ€ischen Kultur.[12] Doch er musste feststellen, dass viele TrĂ€ger dieser Kultur auch einen getauften Juden wie ihn nicht als ihresgleichen akzeptierten. Heine war jedoch nicht bereit, ZurĂŒcksetzungen und KrĂ€nkungen unwidersprochen hinzunehmen.

August Graf von Platen, mit dem Heine in einen heftigen Streit geriet.

Dies zeigte sich besonders deutlich in der so genannten Platen-AffĂ€re: Aus einem literarischen Streit mit dem Dichter August Graf von Platen entwickelte sich eine persönliche Auseinandersetzung, in deren Folge Heine auch wegen seiner jĂŒdischen Herkunft angegriffen wurde. So bezeichnete Platen ihn in einem 1829 veröffentlichten Lustspiel[13] als „Petrark des LauberhĂŒttenfestes“ und „des sterblichen Geschlechts der Menschen AllerunverschĂ€mtester“. Er warf ihm „Synagogenstolz“ vor und schrieb: „
 doch möcht' ich nicht sein Liebchen sein; Denn seine KĂŒsse sondern ab Knoblauchsgeruch.“

Heine wertete diese und andere Äußerungen als Teil einer Kampagne, die seine Bewerbung um eine Professur an der MĂŒnchener UniversitĂ€t hintertreiben sollte.

„Als mich die Pfaffen in MĂŒnchen zuerst angriffen, und mir den Juden aufs Tapet brachten, lachte ich – ich hielts fĂŒr bloße Dummheit. Als ich aber System roch, als ich sah wie das lĂ€cherliche Spukbild almĂ€hlig ein bedrohliches Vampier wurde, als ich die Absicht der Platenschen Satyre durchschaute, [
] da gĂŒrtete ich meine Lende, und schlug so scharf als möglich, so schnell als möglich.“

– Brief an Varnhagen von Ense[14]

Der Schlag erfolgte in literarischer Form im dritten Teil der Reisebilder: In Die BĂ€der von Lucca kritisierte Heine Platens Dichtung als steril und fĂŒhrt dies auf die HomosexualitĂ€t des Grafen zurĂŒck, die er damit publik machte. Er bezeichnete ihn als warmen Freund[15] und schrieb, der Graf sei mehr ein Mann von Steiß als ein Mann von Kopf.[16]

Der Streit schadete schließlich beiden Kontrahenten erheblich. Platen, der sich gesellschaftlich unmöglich gemacht sah, blieb im freiwilligen Exil in Italien. Heine wiederum fand wenig VerstĂ€ndnis und kaum öffentliche UnterstĂŒtzung fĂŒr sein Vorgehen. Ohne Anlass und UmstĂ€nde der AffĂ€re zu erwĂ€hnen, warfen Kritiker ihm wegen seiner Äußerungen bis in die jĂŒngste Vergangenheit immer wieder „Charakterlosigkeit“ vor. Andere, wie der zeitgenössische Literaturkritiker Karl Herloßsohn, gestanden Heine dagegen zu, er habe Platen lediglich mit gleicher MĂŒnze heimgezahlt.

König Ludwig I. von Bayern wurde zur Zielscheibe zahlreicher spöttischer Verse von Heine.

Heine machte die judenfeindlichen Angriffe Platens und anderer dafĂŒr verantwortlich, dass König Ludwig I. von Bayern ihm die schon sicher geglaubte Professur nicht verlieh. DafĂŒr bedachte er spĂ€ter auch den Monarchen mit einer ganzen Reihe spöttischer Verse, etwa in LobgesĂ€nge auf König Ludwig:

„Das ist Herr Ludwig von Bayerland.
Desgleichen gibt es wenig;
Das Volk der Bavaren verehrt in ihm
Den angestammelten König.“

– Neue Gedichte[17]

Die erhofften Folgen der Taufe waren ausgeblieben, und Heine hat seinen Übertritt zum Christentum spĂ€ter mehrfach ausdrĂŒcklich bedauert.

„Ich bereue sehr daß ich mich getauft hab; ich seh noch gar nicht ein, daß es mir seitdem besser gegangen sey, im Gegentheil, ich habe seitdem nichts als UnglĂŒck.“

– Brief an Moses Moser am 9. Januar 1826[18]

Fast alle Biografien betonen die Bedeutung der jĂŒdischen Herkunft fĂŒr Heines Leben und Dichtung. Insbesondere der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vertritt die Ansicht, Heines Emigration nach Paris sei weniger politisch als vielmehr durch seine Ausgrenzung aus der deutschen Gesellschaft motiviert gewesen. In Frankreich habe Heine als Deutscher und damit als AuslĂ€nder gegolten, in Deutschland dagegen immer als Jude und damit als Ausgestoßener.[19]

Mit der Platen-AffĂ€re war Heines letzter Versuch gescheitert, als Jurist eine Anstellung in einem der deutschen Staaten zu erhalten. Er entschloss sich daher, fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse eher ungewöhnlich, seinen Lebensunterhalt als freischaffender Schriftsteller zu verdienen.

Erste literarische Erfolge

Seine ersten Gedichte (Ein Traum, gar seltsam, Mit Rosen, Zypressen) veröffentlichte Heine bereits 1816, in seiner Hamburger Zeit, unter dem Pseudonym Sy. Freudhold Riesenharf (ein Anagramm von Harry Heine, Dusseldorff) in der Zeitschrift Hamburgs WĂ€chter. Als H. Heine publizierte er im Dezember 1821 in Berlin seinen ersten Lyrikband Gedichte. 1823 folgte Tragödien, nebst einem Lyrischen Intermezzo. In der 1821 entstandenen Tragödie Almansor befasst sich Heine erstmals ausfĂŒhrlich mit der islamischen Kultur des maurischen Andalusien, die er in zahlreichen Gedichten immer wieder gefeiert und deren Untergang er betrauert hat. Im Almansor findet sich seine frĂŒhe politische Aussage:

Das war ein Vorspiel nur, dort wo man BĂŒcher
verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.[20]

1824 erschien die Sammlung Dreiunddreißig Gedichte, darunter Heines in Deutschland heute bekanntestes Werk: Die Loreley. Im selben Jahr besuchte er wĂ€hrend einer Harzreise den von ihm hoch verehrten Johann Wolfgang von Goethe in Weimar. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er ihm seinen ersten Gedichtband mit einer Widmung zugesandt. Der Besuch verlief fĂŒr Heine aber eher enttĂ€uschend, da er sich â€“ ganz im Gegensatz zu seinem Naturell â€“ befangen und linkisch zeigte und Goethe ihm nur höflich-distanziert begegnete.

Buch der Lieder, Titelblatt der Erstausgabe 1827
Heines Verleger Julius Campe
Heinrich Heine (1829)

Im Jahr 1826 veröffentlichte Heine den Reisebericht Harzreise, der sein erster großer Publikumserfolg wurde. Im selben Jahr begann seine GeschĂ€ftsbeziehung zu dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Julius Campe sollte bis zu Heines Tod sein Verleger bleiben. Er brachte im Oktober 1827 den Lyrikband Buch der Lieder heraus, der Heines Ruhm begrĂŒndete und bis heute populĂ€r ist. Der romantische, oft volksliedhafte Ton dieser und spĂ€terer Gedichte, die unter anderem Robert Schumann in seinem Werk Dichterliebe vertont hat, traf den Nerv nicht nur seiner Zeit.

Aber Heine ĂŒberwand den romantischen Ton bald, indem er ihn ironisch[21] unterlief und die Stilmittel des romantischen Gedichts auch fĂŒr Verse politischen Inhalts nutzte. Er selbst nannte sich einen „entlaufenen Romantiker“. Hier ein Beispiel fĂŒr die ironische Brechung, in dem er sich ĂŒber sentimental-romantische Naturergriffenheit lustig macht:[22]

Das FrÀulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang.
Es rĂŒhrte sie so sehre
der Sonnenuntergang.

Mein FrÀulein! Sein sie munter,
Das ist ein altes StĂŒck;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurĂŒck.

Heine selbst erlebte das Meer zum ersten Mal in den Jahren 1827 und 1828 auf Reisen nach England und Italien. Seine EindrĂŒcke schilderte er in weiteren Reisebildern, die er zwischen 1826 und 1831 veröffentlichte. Dazu gehören der Zyklus Nordsee sowie die Werke Die BĂ€der von Lucca und Ideen. Das Buch Le Grand, letzteres ein Bekenntnis zu Napoleon und den Errungenschaften der Französischen Revolution. Heines Napoleon-Verehrung war gleichwohl nicht ungeteilt, in den Reisebildern heißt es: „[
] meine Huldigung gilt nicht den Handlungen, sondern nur dem Genius des Mannes. Unbedingt liebe ich ihn nur bis zum achtzehnten Brumaire – da verrieth er die Freyheit.“[23] Er erwies sich als witziger und sarkastischer Kommentator, wenn er wĂ€hrend seiner Italienreise nach Genua beispielsweise schreibt: „Ja, mich dĂŒnkt zuweilen, der Teufel, der Adel und die Jesuiten existiren nur so lange, als man an sie glaubt.“[24] Ein Zitat aus dem selben Werk zeigt, wie boshaft Heines Humor sein konnte: „Die Tyroler sind schön, heiter, ehrlich, brav, und von unergrĂŒndlicher GeistesbeschrĂ€nktheit. Sie sind eine gesunde Menschenrace, vielleicht weil sie zu dumm sind, um krank seyn zu können.“[25]

Auch die Zensur, der alle seine Veröffentlichungen in Deutschland unterworfen waren, verstand Heine satirisch zu unterlaufen, wie 1827 im Buch Le Grand mit dem folgenden, vorgeblich zensierten Text:[26]

Die deutschen Censoren ——  â€”—  â€”—  â€”—
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——  â€”—  â€”—  â€”—  â€”—   Dummköpfe  â€”—  â€”—
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Erfahrungen mit der Zensur machte Heine ab November 1827, als er Redakteur der Neuen allgemeinen politische Annalen in MĂŒnchen wurde. Etwa seit dieser Zeit wurde Heine allmĂ€hlich als großes literarisches Talent wahrgenommen. Seit Anfang der 1830er-Jahre verbreitete sich sein Ruhm in Deutschland und Europa.

Pariser Jahre

EugĂšne Delacroix' GemĂ€lde Die Freiheit fĂŒhrt das Volk von 1830 feierte den Geist der Julirevolution

WĂ€hrend eines Erholungsaufenthalts auf Helgoland im Sommer 1830 erfuhr Heinrich Heine vom Beginn der Julirevolution, die er in seinen Briefen aus Helgoland – erst 1840 als zweites Buch seiner Börne-Denkschrift veröffentlicht – bejubelte. Am 10. August 1830 schrieb er:

„Ich bin der Sohn der Revoluzion und greife wieder zu den gefeyten Waffen, worĂŒber meine Mutter ihren Zaubersegen ausgesprochen 
 Blumen! Blumen! Ich will mein Haupt bekrĂ€nzen zum Todeskampf. Und auch die Leyer, reicht mir die Leyer, damit ich ein Schlachtlied singe 
 Worte gleich flammenden Sternen, die aus der Höhe herabschießen und die PalĂ€ste verbrennen und die HĂŒtten erleuchten 
“

– Ludwig Börne. Eine Denkschrift[27]

Wegen seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet – vor allem in Preußen – und der Zensur in Deutschland ĂŒberdrĂŒssig, siedelte er 1831 nach Paris ĂŒber. Hier begann seine zweite Lebens- und Schaffensphase. Zeit seines Lebens sollte Heine sich nach Deutschland sehnen, wie sein Gedicht In der Fremde belegt:[28]

Ich hatte einst ein schönes Vaterland.
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.

Das kĂŒĂŸte mich auf deutsch und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum Wie gut es klang)
das Wort: „Ich liebe dich!“
Es war ein Traum.

Er sollte dieses Vaterland nur noch zweimal wiedersehen, blieb aber im stĂ€ndigen Kontakt mit den VerhĂ€ltnissen dort. So war Heine seit 1832 als Pariser Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung tĂ€tig, die von Johann Friedrich Cotta, dem bedeutendsten Verleger der Weimarer Klassik, gegrĂŒndet worden war und zu dieser Zeit die meistgelesene deutschsprachige Tageszeitung war.

Johann Friedrich von Cotta

FĂŒr sie verfasste er eine Artikelserie[29], die noch im gleichen Jahr unter dem Titel Französische ZustĂ€nde in Buchform erscheinen sollte. Die Artikel wurden als politische Sensation empfunden. Cottas Blatt druckte die Berichte zwar anonym, aber allen politisch Interessierten war klar, wer sie verfasst hatte. So begeistert die Leserschaft, so empört war die Obrigkeit ĂŒber die Artikel und drĂ€ngte auf Zensur. Als Folge der Pariser Julirevolution von 1830 hatte sich nĂ€mlich auch in Deutschland die nationalliberale, demokratische Opposition formiert, die immer lauter nach Verfassungen in den LĂ€ndern des Deutschen Bundes verlangte. Der österreichische Staatskanzler Metternich ließ bei Cotta intervenieren, sodass die Allgemeine Zeitung die Artikelserie einstellte und das von Heine gelieferte Kapitel IX nicht mehr veröffentlichte.

Sein Hamburger Verleger Julius Campe brachte aber noch im Dezember 1832 die gesammelten Artikel der Französischen ZustĂ€nde als Buch heraus, nachdem er das Manuskript – gegen Heines Willen – der Zensurbehörde vorgelegt hatte. Die Obrigkeit reagierte mit Verboten, Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen und Verhören. Vor allem Heines Vorrede zur deutschen Buchausgabe erregte ihren Unwillen. Campe druckte sie daraufhin nicht ab, eine Entscheidung, die sein VerhĂ€ltnis zu Heine stark belastete und diesen veranlasste, in Paris eine unzensierte Separatausgabe der Vorrede herauszugeben. Auch Campe brachte daraufhin einen Sonderdruck, den er aber wieder einstampfen musste.

In der Folge wurden Heines Werke – auch alle zukĂŒnftigen – zunĂ€chst 1833 in Preußen und 1835 auf Beschluss des Frankfurter Bundestages in allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes verboten. Das gleiche Schicksal traf die Dichter des Jungen Deutschland. Im Beschluss des Bundestages hieß es, die Mitglieder dieser Gruppe zielten darauf ab, „in belletristischen, fĂŒr alle Classen von Lesern zugĂ€nglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste Weise anzugreifen, die bestehenden socialen VerhĂ€ltnisse herabzuwĂŒrdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstören“.[30]

Mit Französische ZustĂ€nde begrĂŒndete Heine nach Ansicht vieler Historiker und Literaturwissenschaftler den modernen politischen Journalismus. Mit der Artikelserie beginnt Heines Geschichtsschreibung der Gegenwart, eine neue gestalterische Form, in der Journalisten und Schriftsteller ihre Zeit darstellen. Ihr Stil ist bis heute prĂ€gend fĂŒr das deutsche Feuilleton. Daher gilt sie als Meilenstein der deutschen Literatur- und Pressegeschichte. Zudem nahm Heine von nun an die Rolle eines geistigen Vermittlers zwischen Deutschland und Frankreich ein und stellte seine Position auch erstmals in einem gesamteuropĂ€ischen Rahmen dar. 2010 veröffentlichte der Verlag Hoffmann und Campe eine Faksimile-Edition der Handschrift „Französische ZustĂ€nde“, deren Original bis dahin als verschollen galt.

Nach dem Verbot seiner Werke in Deutschland wurde Paris endgĂŒltig zu Heines Exil. In diesen Jahren zeigten sich erste Symptome der Krankheit – LĂ€hmungserscheinungen, Kopfschmerzattacken und SehschwĂ€chen –, die ihn am Ende seines Lebens acht Jahre ans Bett fesseln sollte. ZunĂ€chst aber genoss er das Leben in der Weltstadt. Er trat in Kontakt zu den dort lebenden GrĂ¶ĂŸen des europĂ€ischen Kulturlebens, wie Hector Berlioz, Ludwig Börne, FrĂ©dĂ©ric Chopin, George Sand, Alexandre Dumas und Alexander von Humboldt. Eine Zeit lang suchte er auch die NĂ€he zu utopischen Sozialisten wie Prosper Enfantin, einem SchĂŒler Saint-Simons. Heines Hoffnung, in dessen quasireligiöser Bewegung ein neues Evangelium, ein drittes Testament[31] zu finden, hatte zu seinem Entschluss beigetragen, nach Paris ĂŒberzusiedeln. Nach anfĂ€nglicher Faszination wandte er sich bald von den Saint-Simonisten ab, auch deshalb, weil sie von ihm verlangten, sein KĂŒnstlertum in ihren Dienst zu stellen. 1835, nachdem das Scheitern der Bewegung offenkundig geworden war, schrieb Heine:

„Wir [die Pantheisten] wollen keine SanskĂŒlotten seyn, keine frugale BĂŒrger, keine wohlfeile PrĂ€sidenten: wir stiften eine Demokrazie gleichherrlicher, gleichheiliger, gleichbeseligter Götter.[
] Die Saint-Simonisten haben etwas der Art begriffen und gewollt. Aber sie standen auf ungĂŒnstigem Boden, und der umgebende Materialismus hat sie niedergedrĂŒckt, wenigstens fĂŒr einige Zeit. In Deutschland hat man sie besser gewĂŒrdigt.“

– Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland[32]

Paris inspirierte Heine zu einer wahren Flut von Essays, politischen Artikeln, Polemiken, Denkschriften, Gedichten und Prosawerken. Indem er versuchte, den Deutschen Frankreich und den Franzosen Deutschland nĂ€her zu bringen, gelangen ihm Analysen von nahezu prophetischer QualitĂ€t, zum Beispiel im Schlusswort von Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. Heine schrieb diesen Text 1834 an die Adresse der Franzosen, 99 Jahre vor der Machtergreifung jener, die auch seine BĂŒcher verbrennen sollten:

Heinrich Heine (1837)

„Das Christenthum – und das ist sein schönstes Verdienst – hat jene brutale germanische Kampflust einigermaßen besĂ€nftigt, konnte sie jedoch nicht zerstören, und wenn einst der zĂ€hmende Talisman, das Kreuz, zerbricht, dann rasselt wieder empor die Wildheit der alten KĂ€mpfer, die unsinnige Berserkerwuth [
] Der Gedanke geht der That voraus, wie der Blitz dem Donner. Der deutsche Donner ist freylich auch ein Deutscher und ist nicht sehr gelenkig und kommt etwas langsam herangerollt; aber kommen wird er, und wenn Ihr es einst krachen hört, wie es noch niemals in der Weltgeschichte gekracht hat, so wißt: der deutsche Donner hat endlich sein Ziel erreicht. Bey diesem GerĂ€usche werden die Adler aus der Luft todt niederfallen, und die Löwen in der fernsten WĂŒste Afrikas werden die SchwĂ€nze einkneifen und sich in ihre königlichen Höhlen verkriechen. Es wird ein StĂŒck aufgefĂŒhrt werden in Deutschland, wogegen die französische Revoluzion nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte.“

– aus: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland[33]

FrĂŒher als die meisten seiner Zeitgenossen erkannte Heine den zerstörerischen Zug im deutschen Nationalismus, der sich – anders als der französische – zusehends von den Ideen der Demokratie und der VolkssouverĂ€nitĂ€t entfernte. Der Dichter spĂŒrte in ihm vielmehr einen untergrĂŒndigen Hass auf alles Fremde, wie er in dem Gedicht Diesseits und jenseits des Rheins schrieb (Anhang zum Romanzero[34]):

Aber wir verstehen uns bass,
Wir Germanen auf den Hass.
Aus GemĂŒtes Tiefen quillt er,
Deutscher Hass! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte fĂŒllt er
Schier das Heidelberger Faß.

Die Kontroverse mit Ludwig Börne

Weitere wichtige Werke jener Jahre waren Die romantische Schule (1836), das Romanfragment Der Rabbi von Bacherach (1840) und die Denkschrift Über Ludwig Börne (1840).

Ludwig Börne (um 1835)

In ihr reagierte Heine auf die Briefe aus Paris seines frĂŒheren Freundes, in denen ihm vorgeworfen wurde, die Ziele der Revolution verraten zu haben. Ähnlich wie im Streit mit Platen spielten auch in der Auseinandersetzung mit Ludwig Börne, der zu seiner Zeit bekannter war als Heine, persönliche AnimositĂ€ten eine Rolle. Die eigentlichen Ursachen waren aber grundsĂ€tzlicher Natur und berĂŒhrten das SelbstverstĂ€ndnis des Dichters und des KĂŒnstlers im Allgemeinen.

WĂ€hrend seines gesamten Schaffens war Heine um ein ĂŒberparteiliches KĂŒnstlertum bemĂŒht. Er verstand sich als freier, unabhĂ€ngiger Dichter und Journalist und sah sich Zeit seines Lebens keiner politischen Strömung verpflichtet. Von dem radikal-republikanischen Publizisten Ludwig Börne grenzte er sich zunĂ€chst noch auf eine Weise ab, die Börne als wohlwollend empfinden konnte: „Ich bin eine gewöhnliche Guillotine, und Börne ist eine Dampfguillotine.“[35] Wenn es aber um Kunst und Dichtung ging, rĂ€umte Heine der QualitĂ€t eines Werks immer einen höheren Rang ein als der Intention oder der Gesinnung des Autors.

Börne erschien diese Haltung opportunistisch. Er warf Heine mehrfach Gesinnungsmangel vor und forderte, ein Dichter habe im Freiheitskampf klare Position zu beziehen. Mit dem Streit darĂŒber, ob und wieweit ein Schriftsteller parteilich sein dĂŒrfe, nahmen Heine und Börne spĂ€tere Auseinandersetzungen ĂŒber politische Moral in der Literatur vorweg, wie sie im 20. Jahrhundert zwischen Heinrich und Thomas Mann, Gottfried Benn und Bertolt Brecht, Georg LukĂĄcs und Theodor W. Adorno, Jean-Paul Sartre und Claude Simon ausgetragen werden sollten. Daher hĂ€lt Hans Magnus Enzensberger den Streit zwischen Heine und Börne fĂŒr die „folgenreichste Kontroverse der deutschen Literaturgeschichte“.[36]

Dass die Denkschrift erst 1840, drei Jahre nach Börnes Tod unter dem missverstĂ€ndlichen, von Heine nicht autorisierten Titel Heinrich Heine ĂŒber Ludwig Börne erschien und zudem Spötteleien ĂŒber Börnes DreiecksverhĂ€ltnis mit seiner Freundin Jeanette Wohl und deren Ehemann, dem Frankfurter Kaufmann Salomon Strauß, enthielt, wurde Heine selbst von ansonsten wohlwollenden Lesern ĂŒbel genommen. Strauß, der sich durch die Veröffentlichung bloßgestellt fĂŒhlte, behauptete spĂ€ter, er habe den Dichter wegen seiner Äußerungen öffentlich geohrfeigt. Daraufhin forderte Heine ihn zu einem Pistolenduell auf, bei dem er leicht an der HĂŒfte verletzt wurde, wĂ€hrend Strauß unversehrt blieb.

Ehe, Deutschlandreisen und Erbschaftsstreit

Heines Ehefrau Mathilde (Augustine Crescence Mirat)

Noch vor dem Duell heiratete Heine 1841 in der Kirche St-Sulpice die ehemalige SchuhverkĂ€uferin Augustine Crescence Mirat, die er Mathilde nannte und die er im Fall seines Todes versorgt wissen wollte. Die Hochzeit fand auf ihren Wunsch nach katholischem Ritus statt. Seine jĂŒdische Herkunft hat Heine ihr zeitlebens verschwiegen.[37]

Bereits 1833 hatte er die damals 18-JĂ€hrige kennengelernt und wahrscheinlich seit Oktober 1834 mit ihr zusammengelebt. Seit 1830 hatte Mathilde als sogenannte Grisette in Paris gelebt, das heißt: als alleinstehende, berufstĂ€tige, junge Frau, die nach den MaßstĂ€ben der Zeit nicht als „ehrbar“ galt.[38] Sie war attraktiv, hatte große dunkle Augen, dunkelbraunes Haar, ein volles Gesicht und eine viel bewunderten Figur. Charakteristisch war ihre hohe „GrasmĂŒckenstimme“, die auf viele einen infantilen Eindruck machte, auf Heine aber wohl faszinierend wirkte. Er scheint sich spontan in Mathilde verliebt zu haben.[39]Viele seiner Freunde dagegen, unter ihnen Marx und Engels, lehnten seine Verbindung mit der einfachen und lebenslustigen Frau ab. Heine aber scheint sie auch deshalb geliebt zu haben, weil sie ihm ein Kontrastprogramm zu seiner intellektuellen Umgebung bot. Zu Beginn ihrer Beziehung hatte er versucht, der Bildung seiner vom Lande stammenden Freundin ein wenig aufzuhelfen. Auf sein Betreiben lernte sie lesen und schreiben, und er finanzierte mehrere Aufenthalte in Bildungsanstalten fĂŒr junge Frauen.

Ihr gemeinsames Leben verlief mitunter turbulent: Heftigen EhekrĂ€chen, oft ausgelöst durch Mathildes freigiebigen Umgang mit Geld, folgte die Versöhnung meist auf den Fuß. Neben liebevollen Schilderungen seiner Frau finden sich bei Heine auch boshafte Verse, wie die aus dem Gedicht Celimene:[40]

Deine NĂŒcken, deine TĂŒcken,
Hab ich freylich still ertragen
Andre Leut' an meinem Platze
HÀtten lÀngst dich todt geschlagen.

Heine schĂ€tzte sie, obwohl – oder gerade weil – Mathilde kein Deutsch sprach und deshalb auch keine wirkliche Vorstellung von seiner Bedeutung als Dichter besaß. Überliefert ist ihr Ausspruch: „Mein Mann machte dauernd Gedichte; aber ich glaube nicht, daß dies besonders viel wert war, denn er war nie damit zufrieden.“[41] Gerade diese Unkenntnis deutete Heine als Zeichen dafĂŒr, dass Mathilde ihn als Menschen und nicht als prominenten Dichter liebte.

1843 schrieb Heine sein Gedicht Nachtgedanken mit dem oft zitierten Eingangsvers[42]

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen ThrĂ€nen fließen.

Es endet mit den Zeilen:

Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heit’res Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lÀchelt fort die deutschen Sorgen.

Heine zur Zeit seiner Deutschlandreisen (1843/44)

Die „deutschen Sorgen“ Heines betrafen nicht nur die politischen ZustĂ€nde jenseits des Rheins, sondern auch seine mittlerweile verwitwete, allein lebende Mutter. Nicht zuletzt um sie wiederzusehen und ihr seine Frau vorzustellen, unternahm er 1843 (Deutschland. Ein WintermĂ€rchen) und 1844 seine zwei letzten Reisen nach Deutschland. In Hamburg traf er seinen Verleger Campe und zum letzten Mal seinen Onkel und langjĂ€hrigen Förderer Salomon Heine. Als Salomon noch im Dezember 1844 starb, brach zwischen seinem Sohn Carl und seinem Neffen Heinrich Heine ein mehr als zwei Jahre andauernder Erbschaftsstreit aus.[43] Carl stellte nach dem Tod seines Vaters die Zahlung einer Jahresrente ein, die Salomon Heine 1838 seinem Neffen bewilligt, deren Fortzahlung er aber nicht testamentarisch verfĂŒgt hatte. Heinrich Heine, der sich von seinem Cousin gedemĂŒtigt fĂŒhlte, setzte im weiteren Verlauf des Streits auch publizistische Mittel ein und ĂŒbte öffentlich Druck auf Carl aus. Dieser stimmte im Februar 1847 schließlich einer Weiterzahlung der Rente zu, unter der Bedingung, dass Heinrich Heine nichts mehr ohne seine Zustimmung ĂŒber die Familie veröffentlichen durfte.

Der Streit entsprang der steten Sorge Heines um seine eigene finanzielle Absicherung und um die seiner Frau. Dabei war er nicht nur ein kĂŒnstlerisch, sondern auch ökonomisch sehr erfolgreicher Schriftsteller: Er verdiente in seiner besten Pariser Zeit bis zu 34.700 Francs jĂ€hrlich, was einer aktuellen Kaufkraft (2007) von weit ĂŒber 200.000 Euro entsprochen hĂ€tte. Ein Teil dieses Einkommens verdankte er einer Apanage des französischen Staates, die nach der Februarrevolution 1848 jedoch gestrichen wurde. Heine empfand seine finanzielle Lage dennoch immer als unsicher und stellte sie öffentlich meist schlechter dar als sie in Wirklichkeit war. In den spĂ€ten Jahren ging es ihm vor allem darum, seine Frau materiell abzusichern.

Mathilde erwies sich allerdings nach Heines Tod selbst als Ă€ußerst geschĂ€ftstĂŒchtig und verhandelte mit Campe sehr erfolgreich ĂŒber die weitere Verwertung der Werke ihres Mannes. Sie ĂŒberlebte ihn um mehr als ein Vierteljahrhundert und starb im Jahr 1883. Die Ehe blieb kinderlos.

Heine und der Sozialismus

„Deutschland. Ein WintermĂ€hrchen.“ Einband (Interimsbroschur) der ersten Separatausgabe 1844.

Mitte der 1840er-Jahre entstanden Heines große Versepen Atta Troll und – angeregt durch seine Deutschlandreise von 1843 – Deutschland. Ein WintermĂ€rchen. Darin kommentierte er Ă€ußerst bissig die staatlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse in Deutschland. So schildert er in den Eingangsversen eine Szene gleich nach dem GrenzĂŒbertritt, in der ein MĂ€dchen „mit wahrem GefĂŒhle und falscher Stimme“ eine fromme Weise zur Harfe singt:[44]

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen LĂŒmmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glĂŒcklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige HĂ€nde erwarben.

Karl Marx

In diesen Versen klingen Ideen von Karl Marx an, den er, wie auch den spĂ€teren BegrĂŒnder der deutschen Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle, in jenen Jahren kennengelernt hatte. SpĂ€ter arbeitete Heine an Marx’ Zeitschriften VorwĂ€rts! und Deutsch-Französische JahrbĂŒcher mit. Seine „neuen und besseren Lieder“ veröffentlichte er 1844 in der Lyriksammlung Neue Gedichte, in der auch das „WintermĂ€rchen“ zuerst erschien.

Schon seit Beginn der 1840er Jahre hatte sich Heines Ton zusehends radikalisiert. Er gehörte zu den ersten deutschen Dichtern, die die Folgen der einsetzenden Industriellen Revolution zur Kenntnis nahmen und das Elend der neu entstandenen Arbeiterklasse in ihren Werken aufgriffen. Beispielhaft dafĂŒr ist sein Gedicht Die schlesischen Weber vom Juni 1844. Es war von dem Weberaufstand inspiriert, der im selben Monat in den schlesischen Ortschaften Peterswaldau und Langenbielau begann.

Titelblatt des VorwĂ€rts! mit Heines „Weberlied“, 1844

Die schlesischen Weber[45]
Im dĂŒstern Auge keine ThrĂ€ne,
sie sitzen am Webstuhl und fletschen die ZĂ€hne;
Deutschland, wir weben dein Leichentuch.
Wir weben hinein den dreyfachen Fluch –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In WinterkÀlte und Hungersnöthen;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geĂ€fft und gefoppt und genarrt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen lĂ€ĂŸt –
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume frĂŒh geknickt,
Und FĂ€ulniß und Moder den Wurm erquickt –
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht –
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreyfachen Fluch,
Wir weben, wir weben!

Das auch als Weberlied bekannt gewordene Gedicht erschien am 10. Juni 1844 unter dem Titel Die armen Weber in der von Karl Marx herausgegebenen Zeitung VorwĂ€rts! und wurde in einer Auflage von 50.000 StĂŒck als Flugblatt in den Aufstandsgebieten verteilt. Der preußische Innenminister Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg bezeichnete das Werk in einem Bericht an König Friedrich Wilhelm IV. als „eine in aufrĂŒhrerischem Ton gehaltene und mit verbrecherischen Äußerungen angefĂŒllte Ansprache an die Armen im Volke“. Das Königlich Preußische Kammergericht ordnete ein Verbot des Gedichts an. Ein Rezitator, der es dennoch gewagt hatte, es öffentlich vorzutragen, wurde 1846 in Preußen zu einer GefĂ€ngnisstrafe verurteilt. Friedrich Engels, der Heine im August 1844 in Paris kennenlernte, ĂŒbersetzte das Weberlied ins Englische und publizierte es im Dezember desselben Jahres in der Zeitung „The New Moral World“.

Heine pflegte seit Beginn seiner Pariser Zeit Kontakte zu Vertretern des Saint-Simonismus, einer frĂŒhen sozialistischen Strömung. Trotz dieser Kontakte und der freundschaftlichen Beziehungen zu Marx und Engels, hatte er jedoch stets ein ambivalentes VerhĂ€ltnis zur marxistischen Philosophie. Heine erkannte die Not der entstehenden Arbeiterklasse und unterstĂŒtzte ihre Anliegen. Zugleich fĂŒrchtete er, dass der Materialismus und die RadikalitĂ€t der kommunistischen Idee vieles von dem vernichten wĂŒrde, was er an der europĂ€ischen Kultur liebte und bewunderte. Im Vorwort zur französischen Ausgabe von „Lutetia“ schrieb Heine im Jahr vor seinem Tod:

„Dieses GestĂ€ndniß, daß den Com<m>unisten die Zukunft gehört, machte ich im Tone der grĂ¶ĂŸten Angst und Besorgniß, und ach! diese Tonart war keineswegs eine Maske! In der That, nur mit Grauen und Schrecken denke ich an die Zeit wo jene dunklen Iconoklasten zur Herrschaft gelangen werden: mit ihren rohen FĂ€usten zerschlagen sie als dann alle Marmorbilder meiner geliebten Kunstwelt, sie zertrĂŒm<m>ern alle jene phantastischen Schnu<r>pfeifereyen die dem Poeten so lieb waren; sie hakken mir meine LorbeerwĂ€lder um und pflanzen darauf Kartoffel<n> [
] und ach! mein Buch der Lieder wird der KrautkrĂ€mer zu DĂŒten verwenden um Kaffe oder Schnupftabak darin zu schĂŒtten fĂŒr die alten Weiber der Zukunft – Ach! das sehe ich alles voraus und eine unsĂ€gliche BetrĂŒbniß ergreift mich wenn ich an den Untergang denke womit meine Gedichte und die ganze alte Weltordnu<n>g von dem Communismus bedroht ist – Und dennoch ich gestehe es freymĂŒthig, ĂŒbt derselbe auf mein GemĂŒth einen Zauber, dessen ich mich nicht erwehren kann, in meiner Brust sprechen zwey Stimmen zu seinen Gunsten, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen [
]. Denn die erste dieser Stimmen ist die der Logik. [
] und kann ich der PrĂ€misse nicht widersprechen: Â»daß alle Menschen das Recht haben zu essen«, so muß ich mich auch allen Folgerungen fĂŒgen [
]. Die zweite der beiden zwingenden Stimmen von welchen ich rede, ist noch gewaltiger als die erste, denn sie ist die des Hasses, des Hasses den ich jenem gemeinsamen Feinde widme, der den bestimmtesten Gegensatz zu dem Communismus bildet und der sich dem zĂŒrnenden Riesen, schon bey seinem ersten Auftreten entgegenstellen wird – ich rede von der Parthey der sogenannten Vertreter der NazionalitĂ€t in Deutschland, von jenen falschen Patrioten deren Vaterlandsliebe nur in einem blödsinnigen Widerwillen gegen das Ausland und die Nachbarvölker besteht und die namentlich gegen Frankreich tĂ€glich ihre Galle ausgießen.“

– Heines Entwurf zur PrĂ©face fĂŒr die französische Ausgabe der Lutezia (1855)[46]

Die gescheiterte Revolution

Zu Beginn der Februarrevolution wurde Heine Zeuge von BarrikadenkÀmpfen.

Der liberal-konstitutionellen Bewegung nahestehend, verfolgte Heine die revolutionĂ€ren Ereignisse des Jahres 1848 in Europa mit gemischten GefĂŒhlen. Mit den politischen VerhĂ€ltnissen, wie sie die Julirevolution von 1830 in Frankreich geschaffen hatte, war er weitgehend einverstanden. Er hatte daher auch kein Problem damit, eine Rente des französischen Staates zu akzeptieren. Insofern sah er die Pariser Februarrevolution und ihre Auswirkungen mit wachsender Skepsis. In einem Brief an Julius Campe vom 9. Juli 1848 nannte er die „Zeitereignisse“ beispielsweise „Universalanarchie, Weltkuddelmuddel, sichtbar gewordener Gotteswahnsinn“.[47]

In Deutschland dagegen musste ein demokratisch verfasster Nationalstaat ĂŒberhaupt erst geschaffen werden. Dieses Ziel, das Heine guthieß, verfolgten zunĂ€chst auch die Liberalen wĂ€hrend der MĂ€rzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes. Da die Verfechter einer republikanisch-demokratischen Staatsform aber sowohl in den neu besetzten Kammerparlamenten als auch in der Frankfurter Nationalversammlung in der Minderheit blieben, wandte sich Heine bald auch von der Entwicklung in Deutschland enttĂ€uscht ab. Im Versuch des ersten gesamtdeutschen Parlaments, eine Monarchie unter einem erblichen Kaisertum zu schaffen, sah er nur politisch untaugliche, romantische TrĂ€umereien von einer Wiederbelebung des 1806 untergegangenen Heiligen Römischen Reichs.

Schwarz-rot-goldene Fahnen wÀhrend der MÀrzrevolution in Berlin

In dem Gedicht Michel nach dem MĂ€rz[48] schrieb er:

Doch als die schwarz-roth-goldne Fahn,
Der alt germanische Plunder,
Aufs Neu' erschien, da schwand mein Wahn
Und die sĂŒĂŸen MĂ€hrchenwunder.

Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freyheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.

Schon sah ich den Arndt, den Vater Jahn
Die Helden aus anderen Zeiten
Aus ihren GrÀbern wieder nah'n
Und fĂŒr den Kaiser streiten.

Die Burschenschaftler allesammt
Aus meinen JĂŒnglingsjahren,
Die fĂŒr den Kaiser sich entflammt,
Wenn sie betrunken waren.

Ich sah das sĂŒndenergraute Geschlecht
Der Diplomaten und Pfaffen,
Die alten Knappen vom römischen Recht,
Am Einheitstempel schaffen – (
)

Die Farben Schwarz-Rot-Gold waren in Heines Augen also ein rĂŒckwĂ€rtsgewandtes Symbol, die Farben der deutschen Burschenschafter, denen er „Teutomanie“ und „Phrasenpatriotismus“ vorwarf.[49] Kritikern dieser Haltung hatte er bereits 1844 im Vorwort zu „Deutschland. Ein WintermĂ€rchen“ geantwortet: „Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut fĂŒr sie hingeben. Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebensosehr wie ihr.“ Die erste Phase der Revolution scheiterte, als Preußens König Friedrich Wilhelm IV. im FrĂŒhjahr 1849 die Annahme der erblichen KaiserwĂŒrde ablehnte, die ihm die Mehrheit der Nationalversammlung angetragen hatte. Als Reaktion darauf entstand in West- und SĂŒdwestdeutschland eine neue demokratische Aufstandsbewegung, die die FĂŒrsten zur Annahme der Paulskirchenverfassung zwingen wollte. Aber schon im Sommer und Herbst wurde diese zweite Welle der Revolution vor allem durch preußische Truppen niedergeschlagen. Resigniert kommentierte Heine die VorgĂ€nge in seinem Gedicht Im Oktober 1849:[50]

Gelegt hat sich der starke Wind
und wieder stille wird’s daheime.
Germania, das große Kind
erfreut sich wieder seiner WeihnachtsbÀume.
(
)
GemĂŒtlich ruhen Wald und Fluß,
Von sanftem Mondlicht ĂŒbergossen;
Nur manchmal knallt’s – Ist das ein Schuß? –
Es ist vielleicht ein Freund, den man erschossen.

Matratzengruft

Im Februar 1848, als die Revolution in Paris ausbrach, erlitt Heine einen Zusammenbruch. Fast vollstĂ€ndig gelĂ€hmt, sollte er die acht Jahre bis zu seinem Tod bettlĂ€gerig in der von ihm so bezeichneten „Matratzengruft“ verbringen. Sein Nervenleiden hatte sich seit 1845 in mehreren SchĂŒben dramatisch verschlechtert. 1846 war er sogar vorzeitig fĂŒr tot erklĂ€rt worden. Aufenthalte in Kurorten, etwa 1846 in BarĂšges in den PyrenĂ€en oder 1847 auf dem Lande bei Montmorency, brachten keine merkliche Linderung mehr. Dazu kamen die Belastungen des jahrelangen Erbschaftsstreits mit seinem Hamburger Cousin Carl Heine, der erst Anfang 1847 beigelegt wurde. Heines Gesundheitszustand war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend zerrĂŒttet.

Friedrich Engels berichtete im Januar 1848, also noch vor dem endgĂŒltigen Zusammenbruch: „Heine ist am Kaputtgehen. Vor 14 Tagen war ich bei ihm, da lag er im Bett und hatte einen Nervenanfall gehabt. Gestern war er auf, aber höchst elend. Er kann keine drei Schritt mehr gehen, er schleicht, an den Mauern sich stĂŒtzend, von Fauteuil bis ans Bett und vice versa. Dazu LĂ€rm in seinem Hause, der ihn verrĂŒckt macht.“[51]

Der kranke Heinrich Heine (Bleistiftzeichnung von Gleyre, 1851)

Heine selbst schien ĂŒberzeugt, an Syphilis erkrankt zu sein, und manches spricht auch heute noch fĂŒr einen zumindest syphilitischen Charakter seines Leidens.[52] Zahlreiche Biographen ĂŒbernahmen zunĂ€chst diese Diagnose, die neuerdings jedoch verstĂ€rkt in Frage gestellt wird. Eine eingehende Untersuchung aller zeitgenössischen Dokumente zu Heines Krankengeschichte ordnet die wichtigsten Symptome eher einer komplexen tuberkulösen Erkrankung zu,[53] wĂ€hrend eine Untersuchung von Haaren des Dichters im Jahr 1997 eine chronische Bleivergiftung nahelegt.[54] Eine weitere Vermutung geht dahin, dass er an amyotropher Lateralsklerose oder multipler Sklerose gelitten habe.[55]

Heines geistige Schaffenskraft ließ in den qualvollen Jahren des Krankenlagers nicht nach. Da er kaum noch selbst schreiben konnte, diktierte er seine Verse und Schriften meist einem SekretĂ€r oder ĂŒberließ diesem seine eigenhĂ€ndigen EntwĂŒrfe zur Reinschrift. Das Korrekturlesen von Druckvorlagen, das er bis zuletzt nicht aus der Hand gab, war fĂŒr den nahezu erblindeten Heine eine zusĂ€tzliche Belastung. Trotz dieser schwierigen Bedingungen veröffentlichte er noch eine Reihe wesentlicher Werke, darunter 1851 den Gedichtband Romanzero sowie Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem und 1854 drei BĂ€nde Vermischte Schriften, die unter anderem sein politisches VermĂ€chtnis Lutetia und die Gedichte. 1853 und 1854 enthielten.

In dem Gedicht Enfant Perdu aus dem Romanzero zog er folgende Bilanz seines politischen Lebens:[56]

Verlor'ner Posten in dem Freyheitskriege,
Hielt ich seit dreyzig Jahren treulich aus.
Ich kĂ€mpfte ohne Hoffnung, daß ich siege.
Ich wußte, nie komm' ich gesund nach Haus.
[
]
Doch fall' ich unbesiegt, und meine Waffen
Sind nicht gebrochen –. Nur mein Herze brach.

In den Jahren vor seinem Tod gelangte Heine zu einer milderen Beurteilung der Religion. In seinem Testament von 1851 bekannte er sich zum Glauben an einen persönlichen Gott, ohne sich aber einer der christlichen Kirchen oder dem Judentum wieder anzunĂ€hern.[57] In seinem Testament heißt es:

„Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konfession angehöre, wĂŒnsche ich nicht, daß die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem BegrĂ€bnisse eingeladen werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschaft, um mein LeichenbegĂ€ngnis zu feiern. Dieser Wunsch entspringt aus keiner freigeistigen Anwandlung. Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolze entsagt und bin zu religiösen Ideen und GefĂŒhlen zurĂŒckgekehrt; ich sterbe im Glauben an einen einzigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt [
]“

– aus Heines Testament

Elise Krinitz, die „Mouche“
Heines GrabbĂŒste auf dem Friedhof Montmartre in Paris

Im Dezember 1851 stellte er noch einmal fest:

„AusdrĂŒcklich widersprechen muß ich jedoch dem GerĂŒchte, als hĂ€tten mich meine RĂŒckschritte bis zur Schwelle irgendeiner Kirche oder gar in ihren Schooß gefĂŒhrt. (
) Ich habe nichts abgeschworen, nicht einmal meine alten Heidengötter, von denen ich mich zwar abgewendet, aber scheidend in Liebe und Freundschaft.“

– Nachwort zum Romanzero[58]

Trotz seines Leidens kamen Heine Humor und Leidenschaft nicht abhanden. Die letzten Monate seines Lebens erleichterten ihm die Besuche seiner Verehrerin Elise Krinitz, die er – nach der Fliege (frz. mouche) in ihrem Briefsiegel[59] – zĂ€rtlich „Mouche“ nannte. Die 31-JĂ€hrige, die, in Deutschland geboren, als Adoptivkind nach Paris kam, sich dort „von Klavierstunden und deutschem Sprachunterricht ernĂ€hrte“[60] und spĂ€ter unter dem Pseudonym Camille bzw. Camilla Selden selbst Schriftstellerin wurde, machte er zu seiner „angebeteten Lotosblume“ und „holdseligen Bisamkatze“. Auch Elise Krinitz liebte den todkranken, fast blinden Mann aufrichtig, war er doch einst der „Lieblingsdichter ihrer jungen Jahre“ gewesen. Wegen Heines HinfĂ€lligkeit konnte sich diese Leidenschaft jedoch nur auf rein geistiger Ebene entfalten. Er kommentierte dies selbstironisch in den Versen[61]

Worte! Worte! keine Thaten!
niemals Fleisch, geliebte Puppe.
Immer Geist und keinen Braten,
Keine Knödel in der Suppe

Heines Grab in Paris

Dass er sogar ĂŒber den Tod noch scherzen konnte – und sich seines Rangs in der deutschen Literatur vollauf bewusst war – zeigt sein Gedicht Der Scheidende:[62]

Erstorben ist in meiner Brust
Jedwede weltlich eitle Lust,
Schier ist mir auch erstorben drin
Der Haß des Schlechten, sogar der Sinn
FĂŒr eigne wie fĂŒr fremde Not –
Und in mir lebt nur noch der Tod!

Der Vorhang fĂ€llt, das StĂŒck ist aus,
Und gÀhnend wandelt jetzt nach Haus
Mein liebes deutsches Publikum,
Die guten Leutchen sind nicht dumm,
Das speist jetzt ganz vergnĂŒgt zu Nacht,
Und trinkt sein Schöppchen, singt und lacht –
Er hatte recht, der edle Heros,
Der weiland sprach im Buch Homeros':
Der kleinste lebendige Philister
Zu Stukkert am Neckar, viel glĂŒcklicher ist er
Als ich, der Pelide, der tote Held,
Der SchattenfĂŒrst in der Unterwelt.

Am 17. Februar 1856 starb Heinrich Heine. Drei Tage spĂ€ter wurde er auf dem Friedhof Montmartre beerdigt. Nach seinem ausdrĂŒcklichen Willen fand Mathilde, die er zu seiner Universalerbin erklĂ€rt hatte, nach ihrem Tod 27 Jahre spĂ€ter ihre letzte Ruhe in der selben GrabstĂ€tte. Das im Jahre 1901 erstellte Grabmal ziert eine von dem dĂ€nischen Bildhauer Louis Hasselriis stammende MarmorbĂŒste Heines und sein Gedicht Wo?.[63]

Wo wird einst des WandermĂŒden
Letzte RuhestÀtte seyn?
Unter Palmen in dem SĂŒden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer WĂŒste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der KĂŒste
Eines Meeres in dem Sand.

Immerhin mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier,
Und als Todtenlampen schweben
Nachts die Sterne ĂŒber mir.

Bedeutung und Nachleben

1899 enthĂŒlltes Heinrich-Heine-Denkmal in der Bronx mit der Darstellung der Loreley; es sollte ursprĂŒnglich in DĂŒsseldorf aufgestellt werden.

Aufgrund seiner EigenstĂ€ndigkeit sowie seiner formalen und inhaltlichen Breite lĂ€sst sich Heines Werk keiner eindeutigen literarischen Strömung zuordnen. Heine geht aus der Romantik hervor, ĂŒberwindet aber bald deren Ton und Thematik – auch in der Lyrik. Sein Biograf Joseph A. Kruse sieht in seinem Werk Elemente der AufklĂ€rung, der Weimarer Klassik, des Realismus und des Symbolismus.

Vor allem war er ein politisch kritischer Autor des VormĂ€rz. Mit den Autoren des Jungen Deutschland, denen er bisweilen zugerechnet wird, verbindet ihn das Streben nach politischer VerĂ€nderung hin zu mehr Demokratie in ganz Europa, speziell in Deutschland. Dass er sich die Verwirklichung der Demokratie auch in einer konstitutionellen Monarchie wie der des BĂŒrgerkönigs Louis-Philippe vorstellen konnte, brachte ihm Kritik von Seiten ĂŒberzeugter Republikaner ein. Heines Distanzierung von der „Tendenzliteratur“, die er mit „gereimten Zeitungsartikeln“[64] verglich, erfolgte hingegen wohl weniger aus politischen als aus Ă€sthetischen Motiven. Persönlich stand Heine Karl Marx und Friedrich Engels nahe, ohne jedoch deren politische Philosophie bis ins Letzte zu teilen.[65]

Heine polarisierte schon seine Zeitgenossen, nicht zuletzt, weil er selbst polarisierende Urteile nicht scheute. Er griff tatsĂ€chliche oder vermeintliche Gegner ebenso hart an, wie er selbst angegriffen wurde, und schreckte vor keiner Polemik zurĂŒck. Nach seinem Tod nahm die SchĂ€rfe der Auseinandersetzungen um ihn eher noch zu – und hielt mehr als ein Jahrhundert an.

Denkmalsstreit

Georg Kolbes Heine-Denkmal in Frankfurt am Main von 1913 war das erste, das in Deutschland öffentlich aufgestellt wurde, und ist das einzige, das die Nazi-Zeit ĂŒberdauert hat.
Aufsteigender JĂŒngling von Georg Kolbe, 1931, Ehrenhof (DĂŒsseldorf)
DĂŒsseldorfer Heine-Denkmal von Bert Gerresheim – nach den Worten des KĂŒnstlers eine „Vexierlandschaft“

Symptomatisch dafĂŒr war der Streit um ein wĂŒrdiges Heine-Denkmal in Deutschland, der Kurt Tucholsky 1929 zu der Äußerung veranlasste: „Die Zahl der deutschen KriegerdenkmĂ€ler zur Zahl der deutschen Heine-DenkmĂ€ler verhĂ€lt sich hierzulande wie die Macht zum Geist.“

Seit 1887 gab es BemĂŒhungen, dem Dichter zur Feier seines bevorstehenden 100. Geburtstags ein Denkmal in seiner Geburtsstadt DĂŒsseldorf zu setzen. Die öffentliche Wahrnehmung Heines wurde damals jedoch zunehmend durch nationalistisch und antisemitisch argumentierende Literaturwissenschaftler geprĂ€gt. So denunzierte Adolf Bartels die DĂŒsseldorfer DenkmalsplĂ€ne nachtrĂ€glich in seinem 1906 veröffentlichten, berĂŒhmt-berĂŒchtigten Aufsatz „Heinrich Heine. Auch ein Denkmal“ als „Kotau vor dem Judentum“ und Heine selbst als „Decadence-Juden“. Angesichts Ă€hnlicher Anfeindungen hatte der DĂŒsseldorfer Stadtrat bereits 1893 seine Zustimmung zur Aufstellung des Denkmals zurĂŒckgezogen, das der Bildhauer Ernst Herter geschaffen hatte. Die Darstellung der Loreley wurde schließlich von Deutsch-Amerikanern fĂŒr den New Yorker Stadtteil Bronx erworben. Sie steht heute in der NĂ€he des Yankee-Stadions und ist als „Lorelei Fountain“ bekannt. In DĂŒsseldorf brachte man spĂ€ter eine Gedenkplakette an Heines Geburtshaus an, die allerdings 1940 abmontiert und fĂŒr Kriegszwecke eingeschmolzen wurde.

Als Heine-Verehrerin hatte Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn die DĂŒsseldorfer Initiative unterstĂŒtzt und beabsichtigte, auch der Stadt Hamburg ein Heine-Denkmal zu stiften. Zu diesem Zweck erwarb sie eine sitzende Marmorstatue, die der DĂ€ne Louis Hasselriis – von dem auch Heines GrabbĂŒste stammt – 1873 geschaffen hatte. Da die Stadt das Geschenk ablehnte, ließ die Kaiserin die Statue 1892 im Park ihres Schlosses Achilleion auf der Insel Korfu aufstellen. Sie wurde jedoch schon 1909 auf Veranlassung des deutschen Kaisers Wilhelm II., der das Schloss mittlerweile erworben hatte, wieder entfernt. Der Kaiser, der Heine als „Schmutzfinken im deutschen Dichterwald“ bezeichnete, ĂŒberließ die Statue dem Hamburger Verleger Heinrich Julius Campe, dem Sohn Julius Campes. Dieser bot sie dem Hamburger Senat ein zweites Mal als Geschenk an. Dessen Annahme wurde aber erneut und mit dem Hinweis auf Heines angeblich „vaterlandsfeindliche Haltung“ abgelehnt. Auch in diesem Fall hatte es wieder eine öffentlichen Debatte gegeben, an der sich Adolf Bartels mit antisemitischer Polemik beteiligte. Das Denkmal wurde schließlich auf dem PrivatgelĂ€nde des Hoffmann und Campe Verlags an der Mönckebergstraße errichtet und erst 1927 in Altona öffentlich aufgestellt. Um es vor der Zerstörung durch die Nazis zu schĂŒtzen, ließ die Tochter Campes es 1934 abbauen und 1939 zu ihrem Wohnort, der sĂŒdfranzösischen Hafenstadt Toulon, verschiffen. WĂ€hrend der deutschen Besatzung Frankreichs versteckt, fand das weitgereiste Denkmal 1956 seinen endgĂŒltigen Platz im botanischen Garten Toulons.

Ein öffentliches Heine-Denkmal erhielt Hamburg erst 1926, als im Winterhuder Stadtpark eine Statue enthĂŒllt wurde, die der Bildhauer Hugo Lederer 1911 angefertigt hatte. Dieses Denkmal wurde von den Nazis bereits 1933 wieder beseitigt und im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Seit 1982 steht auf dem Rathausmarkt eine neue Heine-Statue des Bildhauers Waldemar Otto.[66]

Das erste Heine-Denkmal, das in Deutschland öffentlich errichtet werden konnte, war eine 1913 von Georg Kolbe fĂŒr die Stadt Frankfurt am Main geschaffene allegorische Skulptur. WĂ€hrend der Nazi-Zeit wurde sie im Keller des StĂ€del-Museums unter dem unverfĂ€nglichen Namen „FrĂŒhlingslied“ versteckt. So ĂŒberstand sie als einziges deutsches Heine-Denkmal den Krieg und steht heute wieder in den Frankfurter Wallanlagen. Heines Geburtsstadt DĂŒsseldorf setzte dem Dichter erst 1981 ein Denkmal, fast 100 Jahre nach den ersten BemĂŒhungen darum.

Dessen Schöpfer, der Bildhauer Bert Gerresheim, gestaltete auch die MarmorbĂŒste Heinrich Heines, die am 28. Juli 2010 in der von König Ludwig I. von Bayern gestifteten Walhalla aufgestellt wurde. Der DĂŒsseldorfer Freundeskreis Heinrich Heine hatte sich zehn Jahre lang dafĂŒr eingesetzt. 2006 stimmte die bayerische Staatsregierung der Aufnahme Heines in die „Ruhmeshalle“ zu, die er selbst einst als marmorne SchĂ€delstĂ€tte verspottet hatte.

Kontroverse Rezeption bis in die Nachkriegszeit

Im „Dritten Reich“ waren Heinrich Heines Werke verboten und wurden zusammen mit denen zeitgenössischer Dichter 1933 Opfer der BĂŒcherverbrennung. FĂŒr die nach dem Krieg von Theodor W. Adorno verbreitete Behauptung des Germanisten Walter Arthur Berendsohn, Heines Loreley-Lied sei in LesebĂŒchern der Nazi-Zeit mit der Angabe „Dichter: unbekannt“ erschienen, fehlt allerdings bis heute jeder Beleg.

Selbst nach 1945 war die Aufnahme Heinrich Heines und seines Werkes in Deutschland noch lange Zeit ambivalent und Gegenstand vielfĂ€ltiger Auseinandersetzungen, zu denen nicht zuletzt die deutsche Teilung beitrug. WĂ€hrend in der Bundesrepublik Deutschland der Adenauerzeit Heine eher zurĂŒckhaltend und allenfalls als romantischer Lyriker rezipiert wurde, hatte die DDR ihn relativ schnell im Rahmen ihres „Erbe“-Konzeptes fĂŒr sich beansprucht und bemĂŒhte sich um die Popularisierung seines Werkes, wobei vor allem Deutschland. Ein WintermĂ€rchen und sein Kontakt mit Karl Marx im Mittelpunkt des Interesses standen. Der erste internationale wissenschaftliche Heine-Kongress wurde im Gedenkjahr 1956 in Weimar veranstaltet, im selben Jahr erschien erstmals die fĂŒnfbĂ€ndige Werkausgabe in der Bibliothek Deutscher Klassiker im Aufbau-Verlag. Der DDR-Germanist Hans Kaufmann legte 1967 die bis dahin bedeutendste Heine-Monografie der Nachkriegszeit vor.

1956 wurde in DĂŒsseldorf anlĂ€sslich von Heines 100. Todestag zwar die Heinrich-Heine-Gesellschaft gegrĂŒndet. Doch erst in den 1960er-Jahren nahm auch in der Bundesrepublik das Interesse an Heine spĂŒrbar zu. Als Zentrum der westdeutschen Heine-Forschung etablierte sich allmĂ€hlich seine Geburtsstadt DĂŒsseldorf. Aus dem Heine-Archiv entwickelte sich schrittweise das Heinrich-Heine-Institut mit Archiv, Bibliothek und Museum. Seit 1962 erscheint regelmĂ€ĂŸig das Heine-Jahrbuch, das zum internationalen Forum der Heine-Forschung avancierte. DarĂŒber hinaus verleiht die Stadt DĂŒsseldorf seit 1972 den Heinrich-Heine-Preis. Dennoch hielt der Streit um Heine an. Die geplante Benennung der DĂŒsseldorfer UniversitĂ€t nach dem bedeutendsten Dichter, den die Stadt hervorgebracht hat, verursachte eine fast 20 Jahre wĂ€hrende Auseinandersetzung. Erst seit 1989 heißt die Hochschule offiziell Heinrich-Heine-UniversitĂ€t.

Das Heine-Bild heute

Gedenkstein auf dem Brocken

Abgesehen von diesen offiziellen Ehren erfuhr der politische Schriftsteller Heinrich Heine – forciert durch die Studentenbewegung von 1968 – ein zunehmendes Interesse bei Nachwuchswissenschaftlern und politisch engagierten Lesern. Dass die Bundesrepublik in Sachen Heine-Rezeption mit der DDR gleichgezogen hatte, brachte die Veranstaltung zweier konkurrierender Heine-Kongresse im JubilĂ€umsjahr 1972 sinnfĂ€llig zum Ausdruck. Ein weiteres Resultat der deutsch-deutschen Konkurrenz waren die nahezu gleichzeitigen Erscheinungstermine der ersten BĂ€nde zweier groß angelegter historisch-kritischer Werkausgaben: der DĂŒsseldorfer Heine-Ausgabe und der Heine-SĂ€kularausgabe in Weimar.

In den 1980er-Jahren nahm die ideologisch geprĂ€gte Auseinandersetzung um Heine spĂŒrbar ab und wich einer gewissen „Normalisierung“. Die Fachwissenschaft wandte sich bisher vernachlĂ€ssigten Schwerpunkten zu, beispielsweise dem spĂ€ten Heine. Sein Werk fand zunehmend Aufnahme in die Lehr- und LektĂŒreplĂ€ne von Schulen und UniversitĂ€ten, was auch zu einer deutlichen Zunahme didaktisch orientierter Heine-Literatur fĂŒhrte. Ihren vorlĂ€ufigen Höhepunkt fand die Heine-Renaissance mit zahlreichen Veranstaltungen anlĂ€sslich seines 200. Geburtstages im Jahr 1997.

Ungeachtet weltanschaulicher Auseinandersetzungen und fachwissenschaftlicher Paradigmenwechsel erfreut sich besonders Heines Lyrik ungebrochener PopularitĂ€t, lassen sich doch seine romantischen, oft volksliedartigen Gedichte – allen voran das Buch der Lieder – erfolgreich mit der Musik verbinden (siehe unten). Im Theater hingegen ist Heine mit eigenen StĂŒcken wenig prĂ€sent. Dagegen machte Tankred Dorst im Heine-Jahr 1997 den Dichter selbst zum Gegenstand eines StĂŒckes: „Harrys Kopf“.

Zahlreiche Schriftsteller des 19. und 20. Jahrhunderts griffen Heines Werke auf, darunter die großen ErzĂ€hler Theodor Fontane und Thomas Mann. Wie Heine wagten Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky die Gratwanderung zwischen Poesie und Politik. In der Tradition des Dichters stehen auch die Heine-PreistrĂ€ger Wolf Biermann und Robert Gernhardt. Biermann etwa widmete seinem Vorbild 1979 das Lied „Auf dem Friedhof am Montmartre“. Darin heißt es in typisch heinescher Diktion:

Unter weißem Marmor frieren
Im Exil seine Gebeine
Mit ihm liegt da Frau Mathilde
Und so friert er nicht alleine.

Auch Gernhardt parodierte in seinem Gedichtband „Klappaltar“ von 1997 Heines eigenen Stil und sein Loreley-Gedicht, um auf die Ablehnung hinzuweisen, die das Werk des Dichters in deutschen Schulen bis ins 20. Jahrhundert erfahren hat. Nach dem Eingangsvers „Ich weiß nicht, was soll das bedeuten“ nennt er die Vorurteile, die seine Generation, beeinflusst von Karl Kraus, seit „UrschĂŒlerzeiten“ gegen Heine gehegt hatte. Er schließt:

Der Heine scheint’s nicht zu bringen,
Hat sich da der SchĂŒler gesagt.
Das hat mit seinem Singen
Der Studienrat Kraus gemacht.

Heines Prosa-Stil prĂ€gt den Journalismus, insbesondere das Feuilleton, bis in die Gegenwart. Viele von ihm geprĂ€gte Begriffe gingen auch in die deutsche Alltagssprache ein, so das Wort „Fiasko“, das er dem Französischen entnahm, oder die Metapher „Vorschusslorbeeren“, die er in dem gegen Graf Platen gerichteten Gedicht Plateniden verwendet.

Die Rezeption Heines in Deutschland und Frankreich kennt Höhen und Tiefen, aber auch in Israel ist der Dichter bis heute umstritten, wenn auch aus anderen GrĂŒnden: So kam es in Tel Aviv zu einer Debatte zwischen sĂ€kularen und orthodoxen Juden um die Benennung einer Straße nach Heine. WĂ€hrend die einen in ihm eine der bedeutendsten Gestalten des Judentums sehen, verurteilen die anderen seine Konversion zum Christentum als unverzeihlich. Schließlich wurde eine Straße in einem abgelegenen Industriegebiet nach ihm benannt, statt, wie von den Verfechtern der Ehrung vorgeschlagen, eine Straße in der NĂ€he der UniversitĂ€t. Das Tel Aviver Magazin Ha'ir spottete damals ĂŒber die „Exilierung der Heine-Straße“, in der sich das Leben des Dichters symbolisch widerspiegele. Mittlerweile wurden weitere Straßen in Jerusalem und Haifa nach Heine benannt, und eine Heine-Gesellschaft ist auch in Israel aktiv.

Wesentlich geradliniger verlief die Aufnahme von Heines Werk in der ĂŒbrigen Welt. Heine war einer der ersten deutschen Autoren, dessen Werke in allen Weltsprachen zu lesen waren. So erklĂ€rt sich der Einfluss, den er auf andere Nationalliteraturen hatte. Auf besonders große Anerkennung trifft Heine außer in Frankreich auch in England, Osteuropa und Asien.

Heine und die Musik

Heinrich Heine spielte selbst kein Musikinstrument und war auch in musiktheoretischen Fragen ein Laie. Da es nach seinem kĂŒnstlerischen VerstĂ€ndnis aber keine strikten Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen gab, kommentierte er als Journalist – etwa in der Augsburger Allgemeinen Zeitung – immer wieder auch musikalische AuffĂŒhrungen und Werke seiner Zeit, darunter auch solche von internationalen GrĂ¶ĂŸen wie Giacomo Meyerbeer, Franz Liszt, Robert Schumann oder Richard Wagner.

Auch in seine Lyrik floss sein Interesse fĂŒr die Musik ein, etwa in das spöttische Gedicht „Zur Teleologie“:

Ohren gab uns Gott die beiden,
Um von Mozart, Gluck und Hayden
MeisterstĂŒcke anzuhören –
GĂ€b es nur Tonkunst-Kolik
Und HĂ€morrhoidal-Musik
Von dem großen Meyerbeer,
Schon ein Ohr hinlÀnglich wÀr!

Trotz seiner fehlenden theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Musik legten viele zeitgenössische Komponisten und Interpreten Wert auf seine Meinung, wahrscheinlich weil sie ihm als Lyriker eine gewisse Kompetenz in musikalischen Fragen zugestanden. Dennoch wĂ€re es nicht korrekt, Heine als Musikkritiker zu bezeichnen. Er war sich seiner begrenzten FĂ€higkeiten auf diesem Gebiet bewusst und schrieb stets als Feuilletonist, der sich der Thematik eines StĂŒcks subjektiv und intuitiv nĂ€herte.

Von grĂ¶ĂŸerer Bedeutung als Heines Äußerungen ĂŒber die Musik ist die musikalische Bearbeitung vieler seiner Werke durch Komponisten. Dies geschah erstmals im Jahr 1825 mit seinem Gedicht „Gekommen ist der Maie“, das Carl Friedrich Curschmann zu einem Lied verarbeitete.

In seinem Werk „Heine in der Musik. Bibliographie der Heine-Vertonungen“[67] listet GĂŒnter Metzner alle vertonten Werke des Dichters in chronologischer Reihenfolge auf. FĂŒr das Jahr 1840 verzeichnet er 14 Musiker, die 71 StĂŒcke zu Werken von Heine komponierten. Vier Jahre spĂ€ter waren es bereits mehr als 50 Komponisten und 159 Werke. Der Grund fĂŒr diesen rapiden Anstieg dĂŒrfte die Veröffentlichung des Lyrikbandes „Neue Gedichte“ bei Campe gewesen sein. Ihren Höhepunkt erreichte die Zahl der Heine-Vertonungen fast 30 Jahre nach dem Tod des Dichters, im Jahr 1884 – mit insgesamt 1093 StĂŒcken von 538 Musikern und Komponisten. Nie zuvor und nie wieder danach wurden mehr Werke eines einzigen Dichters in einem Jahr zur Grundlage musikalischer Kompositionen. Insgesamt zĂ€hlt Metzners Bibliografie 6.833 Heine-Vertonungen, darunter Werke von Franz Schubert, Robert und Clara Schumann, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt, Richard Wagner, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Alexander Borodin, Wendelin Weißheimer, Alma Mahler-Werfel und Charles Ives. Unter anderem gehören Schumanns Liederkreis (Op. 24) und Dichterliebe (Op. 48) sowie Franz Schuberts Schwanengesang (D 957) zum regelmĂ€ĂŸigen Repertoire von KonzerthĂ€usern auf der ganzen Welt. Die populĂ€rste Heine-Vertonung in Deutschland dĂŒrfte Friedrich Silchers Lied „Die Lorelei“ sein.

Wie Schumann so vertonte auch Richard Wagner, der mit Heine in Paris freundschaftlich verkehrte, das Napoleon verherrlichende Gedicht „Die Grenadiere“, allerdings in französischer Übersetzung. Eine ErzĂ€hlung in Heines „Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski“ inspirierte Wagner zu seiner Oper „Der Fliegende HollĂ€nder“.

Heines Bedeutung fĂŒr das musikalische Schaffen hielt bis zum Ersten Weltkrieg an. Danach ließ der zunehmende Antisemitismus den „Heine-Boom“ weitgehend abflauen, bis er in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland ganz zum Erliegen kam. Heute greifen Musiker und Komponisten Heines Werk erneut auf, darunter auch Opernkomponisten wie zuletzt GĂŒnter Bialas, dessen Oper „Aus der Matratzengruft“ 1992 uraufgefĂŒhrt wurde.

1972 veröffentlichte die Schlager- und ChansonsĂ€ngerin Katja Ebstein eine LP mit Liedern von Heinrich Heine. DafĂŒr musste sie sich damals herbe Kritik von konservativer Seite gefallen lassen.

Zitate ĂŒber Heine

„Heine sagt sehr bissige Sachen, und seine Witze treffen ins Schwarze. Man hĂ€lt ihn fĂŒr von Grund auf böse, aber nichts ist falscher; sein Herz ist so gut wie seine Zunge schlecht ist. Er ist zĂ€rtlich, aufmerksam, aufopfernd, in der Liebe romantisch, ja schwach, und eine Frau kann ihn unbegrenzt beherrschen.“

– George Sand[68]

„Den höchsten Begriff vom Lyriker hat mir Heinrich Heine gegeben. Ich suche umsonst in allen Reichen der Jahrtausende nach einer gleich sĂŒĂŸen und leidenschaftlichen Musik. Er besaß eine göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag (
). – Und wie er das Deutsche handhabt! Man wird einmal sagen, dass Heine und ich bei weitem die ersten Artisten der deutschen Sprache gewesen sind.“

– Friedrich Nietzsche[69]

„Heine ist von den meisten anderen Dichtern verschieden, weil er alle Scheinheiligkeit verachtet, er zeigt sich stets als der, welcher er ist, mit allen menschlichen Eigenschaften und allen menschlichen Fehlern.“

– Kaiserin Elisabeth von Österreich[70]

„Wenn man einem deutschen Autor nachsagt, er mĂŒsse bei den Franzosen in die Schule gegangen sein, so ist es erst dann das höchste Lob, wenn es nicht wahr ist. Denn es will besagen: er verdankt der deutschen Sprache, was die französische jedem gibt. Hier ist man noch sprachschöpferisch, wenn man dort schon mit den Kindern spielt, die hereingeschneit kamen, man weiß nicht wie. Aber seit Heinrich Heine den Trick importiert hat, ist es eine pure Fleißaufgabe, wenn deutsche Feuilletonisten nach Paris gehen, um sich Talent zu holen. (
) Esprit und Grazie, die gewiß dazu gehört haben, auf den Trick zu kommen und ihn zu handhaben, gibt er selbsttĂ€tig weiter. Mit leichter Hand hat Heine das Tor dieser furchtbaren Entwicklung aufgestoßen, und der Zauberer, der der Unbegabung zum Talent verhalf, steht gewiß nicht allzu hoch ĂŒber der Entwicklung. (
) Ihren besten Vorteil dankt sie jenem Heinrich Heine, der der deutschen Sprache so sehr das Mieder gelockert hat, daß heute alle Kommis an ihren BrĂŒsten fingern können.“

– Karl Kraus[71]

„Er ist der unsterbliche Vater der modernen deutschen Prosa, ob sie nun die Schönheit der Landschaft und des Lebens widerstrahlt oder die KĂŒmmerlichkeit des deutschen SpießbĂŒrgertums verhöhnt. Von ihm aus gehen jene deutschen politischen Dichter, die von Frank Wedekind bis Bertolt Brecht, von Erich MĂŒhsam bis Erich Weinert allen Leidenden, GequĂ€lten, Verfolgten und Rebellen das BĂŒrgerrecht in der Weltliteratur erworben haben.“

– Arnold Zweig[72]

„Die Zahl der deutschen KriegerdenkmĂ€ler zur Zahl der deutschen Heine-DenkmĂ€ler verhĂ€lt sich hierzulande wie die Macht zum Geist“

– Kurt Tucholsky.[73]

„Heine ist der amĂŒsanteste deutsche Klassiker. Er hat alle VorzĂŒge eines genialen Journalisten, alle grimmigen Tugenden eines Humoristen. Er ist ein großer Lyriker. Mit dem ganzen MĂ€rchenglanz und Traumleben der Romantik blieb er der witzigste Realist der deutschen Literatur.“

– Hermann Kesten[72]

„Es fehlt in Heines Heimat an der Zivilcourage eines offenen Bekenntnisses zu dem SĂ€nger eines neuen Liedes, eines besseren Liedes, um so mehr als dieser die unverzeihliche SĂŒnde begangen hat, als Sohn jĂŒdischer Eltern das Licht der Welt zu erblicken.“

– Der New Yorker Aufbau vom 9. August 1968[74]

„Der Wohlklang, der Scharfsinn und der Stil – und damit ist schon charakterisiert, was Heines bahnbrechendes Werk von beinahe allen seinen VorgĂ€ngern und beinahe allen seinen Nachfolgern unterscheidet. Bahnbrechend? Ist das nicht ein gar zu großes Wort? Nein, ich nehme es nicht zurĂŒck, ich werde es auch nicht abmildern [
]. Ihm ist geglĂŒckt, was Europa den Deutschen kaum mehr zutraute: ein StĂŒck Weltliteratur in deutscher Sprache.“

– Marcel Reich-Ranicki[75]

Werke

Originalausgaben

Heinrich Heine: Der Doktor Faustus. Originalbroschur des Erstdruckes
Um 1900 von Ignatius Taschner illustriertes Gedicht Das goldene Kalb

Nach Erscheinungsjahr in Buchform

  • 1823: Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo (darin William Ratcliff, Almansor und Lyrisches Intermezzo)
  • 1824: Dreiunddreißig Gedichte
  • 1826: Reisebilder. Erster Teil (darin Die Harzreise, Die Heimkehr, Die Nordsee. Erste Abteilung sowie verschiedene Gedichte)
  • 1827: Buch der Lieder sowie Reisebilder. Zweiter Teil (darin Die Nordsee. Zweite und dritte Abteilung, Ideen. Das Buch Le Grand und Briefe aus Berlin)
  • 1830: Reisebilder. Dritter Teil (darin Die Reise von MĂŒnchen nach Genua und Die BĂ€der von Lucca)
  • 1831: Einleitung zu Kahldorf ĂŒber den Adel sowie Reisebilder. Vierter Teil (darin Die Stadt Lucca und Englische Fragmente)
  • 1832: Französische ZustĂ€nde
  • 1834: Der Salon. Erster Teil (darin Französische Maler, Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski sowie verschiedene Gedichte)
  • 1835: Der Salon. Zweiter Teil (darin Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland und der Gedichtzyklus Neuer FrĂŒhling)
  • 1836: Der Salon. Dritter Teil
  • 1836: Die romantische Schule
  • 1837[76]: Über den Denunzianten. Eine Vorrede zum dritten Teil des Salons., Einleitung zu Don Quixote sowie Der Salon. Dritter Teil (darin Florentinische NĂ€chte und Elementargeister)
  • 1838: Der Schwabenspiegel
  • 1839: Shakespeares MĂ€dchen und Frauen sowie Schriftstellernöten
  • 1840: Ludwig Börne. Eine Denkschrift sowie Der Salon. Vierter Teil (darin Der Rabbi von Bacherach, Über die französische BĂŒhne und verschiedene Gedichte)
  • 1844: Neue Gedichte Heine, H. (1844) (darin Deutschland. Ein WintermĂ€rchen)
  • 1847: Atta Troll – Ein Sommernachtstraum
  • 1851: Romanzero und Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem
  • 1854: Vermischte Schriften, 3 BĂ€nde
    (darin GestÀndnisse, Die Götter im Exil, Die Göttin Diana, Ludwig Marcus, Gedichte 1853 und 1854, Lutetia. Erster Teil und Lutetia. Zweiter Teil)
  • 1857 (postum): Tragödien
  • 1869 (postum): Letzte Gedichte und Gedanken
  • 1884 (postum): Memoiren
  • 1892 (postum): Heinrich Heines Familienleben. 122 Familienbriefe des Dichters und 4 Bilder. (Digitale Rekonstruktion: UB Bielefeld)

Gesamtausgaben

Einband der Gesamtausgabe von 1867
  • Erste Gesamtausgabe. Heinrich Heine's SĂ€mmtliche Werke, 18 BĂ€nde Hoffmann & Campe, Hamburg, 1867–1873
  • Nationale Forschungs- und GedenkstĂ€tten der klassischen deutschen Literatur in Weimar / Centre National de la Recherche Scientifique in Paris (Hrsg.): Heinrich-Heine-SĂ€kularausgabe. Werke, Briefwechsel, Lebenszeugnisse, 53 BĂ€nde, Akademie Verlag, Berlin 1970 ff.
  • Manfred Windfuhr (Hrsg.): Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke. 16 BĂ€nde. Hoffmann und Campe, Hamburg 1973–97.
  • Klaus Briegleb (Hrsg.): SĂ€mtliche Schriften. Sechs BĂ€nde, Hanser, MĂŒnchen 1968–76, ISBN 978-3-446-10726-7
  • SĂ€mtliche Werke in 4 BĂ€nden. Artemis & Winkler, DĂŒsseldorf 2001, ISBN 978-3-538-05498-1.

Neuere Ausgaben (Auswahl)

Heinrich Heine auf deutschen Briefmarken

Literatur

EinfĂŒhrungen und Gesamtdarstellungen

Tagungs- und SammelbÀnde

  • Wolfgang Kuttenkeuler (Hrsg.): Heinrich Heine. Artistik und Engagement. Stuttgart: Metzler 1977, ISBN 3-476-00347-7.
  • Joseph A. Kruse u. a. (Hrsg.): Ich Narr des GlĂŒcks. Heinrich Heine 1797–1856. Bilder einer Ausstellung. Metzler, Stuttgart Weimar 1997, ISBN 3-476-01525-4.
  • Joseph A. Kruse u. a. (Hrsg.): AufklĂ€rung und Skepsis. Internationaler Heine-Kongreß 1997 zum 200. Geburtstag. Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01621-8.
  • Christian Liedtke (Hrsg.): Heinrich Heine. Neue Wege der Forschung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, ISBN 978-3-534-14466-2.
  • Jeffrey L. Sammons: Heinrich Heine. Alternative Perspectives 1985–2005. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2006, ISBN 3-8260-3212-8.

Zur Biografie

Zu Werk und Rezeption

  • Albrecht Betz: Ästhetik und Politik. Heinrich Heines Prosa. Hanser, MĂŒnchen 1971.
    • Heinrich Heines Prosa. Ästhetik und Politik I. Rimbaud, Aachen 1999, ISBN 3-89086-833-9.
    • Der Charme des Ruhestörers. Ästhetik und Politik II. Rimbaud, Aachen 1997, ISBN 3-89086-820-7.
  • Ralf G. Bogner (Hrsg.): Heinrich Heines Höllenfahrt. Nachrufe auf einen streitbaren Schriftsteller. Dokumente 1846–1858. Palatina (Bibliotheca Funebris 1), Heidelberg 1997, ISBN 978-3-932608-02-5.
  • JĂŒrgen Brummack (Hrsg.): Heinrich Heine. Epoche – Werk – Wirkung. Beck, MĂŒnchen 1980, ISBN 3-406-07946-6.
  • Eberhard Galley, Alfred Estermann (Hrsg.): Heinrich Heines Werk im Urteil seiner Zeitgenossen (FortgefĂŒhrt von Sikander Singh und Christoph auf der Horst). 13 BĂ€nde, Hoffmann und Campe, Hamburg (ab Band 7 Stuttgart, Metzler) 1981—2006.
  • Dietmar Goltschnigg, Hartmut Steinecke: Heine und die Nachwelt. Geschichte seiner Wirkung in den deutschsprachigen LĂ€ndern. Schmidt, Berlin 2006, ISBN 978-3-503-07989-6 (Bd. 1), ISBN 978-3-503-07992-6 (Bd. 2).
  • Walter Hinck: Die Wunde Deutschland. Heinrich Heines Dichtung im Widerstreit von Nationalidee, Judentum und Antisemitismus. Insel, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-458-16117-1.
  • Hans Kaufmann: Heinrich Heine. Geistige Entwicklung und kĂŒnstlerisches Werk. Aufbau, Berlin 1967.
  • Leo Kreutzer: TrĂ€umen, Tanzen, Trommeln. Heinrich Heines Zukunft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-28929-2.
  • Helmut Landwehr: Der SchlĂŒssel zu Heines Romanzero. Kovac, Hamburg 2000, ISBN 3-8300-0316-1.
  • GĂŒnter Metzner: Heine in der Musik. Bibliographie der Heine-Vertonungen. 12 Bde., Schneider, Tutzing 1989–1994.
  • GĂŒnter Oesterle: Integration und Konflikt. Die Prosa Heinrich Heines im Kontext oppositioneller Literatur der Restaurationsepoche. Metzler, Stuttgart 1972, ISBN 3-476-00254-3.
  • T. J. Reed/Alexander Stillmark (Hrsg.): Heine und die Weltliteratur. Oxford 2000.
  • Marcel Reich-Ranicki: Der Fall Heine. DVA, Stuttgart 1997, sowie dtv, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-423-12774-0.
  • Marc Rölli, Tim Trzaskalik (Hrsg.): Heinrich Heine und die Philosophie. Turia + Kant, Wien 2007, ISBN 978-3-85132-475-4.
  • JĂŒrgen Voigt: O Deutschland, meine ferne Liebe 
 Der junge Heinrich Heine zwischen Nationalromantik und Judentum. Pahl-Rugenstein, Bonn 1993, ISBN 3-89144-174-6.

Filme

Vertonungen (Auszug)

Weblinks

 Wikiquote: Heinrich Heine â€“ Zitate
 Wikisource: Heinrich Heine â€“ Quellen und Volltexte
 Commons: Heinrich Heine â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Über Heine

Einzelnachweise

Texte von Heinrich Heine werden – sofern nicht anders angegeben – nach der DĂŒsseldorfer Heine-Ausgabe (DHA) fĂŒr die Werke und nach der Heine-SĂ€kularausgabe (HSA) fĂŒr die Briefe zitiert.

Über das Heinrich-Heine-Portal (siehe Weblinks) stehen die Texte beider Ausgaben inzwischen digitalisiert (mit Suchfunktion) zur VerfĂŒgung.

  1. ↑ Reisebilder. Zweiter Teil: Ideen. Das Buch Le Grand, zit. nach: DHA, Bd. 6, S. 182.
  2. ↑ J. Loewenberg: Heines Lottchen. Erinnerungen an Charlotte Embden-Heine. In: Jugend, Jg. 4 (1899), H. 50, S. 818/820
  3. ↑ Hauschild, Werner: Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst, S. 35.
  4. ↑ Hauschild, Werner: Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst, S. 35.
  5. ↑ Dietmar Goltschnigg, Hartmut Steinecke: Heine und die Nachwelt. Geschichte seiner Wirkung in den deutschsprachigen LĂ€ndern. Band 2. Schmidt, Berlin 2006, ISBN 978-3-503-07992-6, S. 620.
  6. ↑ Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer-Lexikon, 2000, S. 387.
  7. ↑ Zit. nach Ernst Pawel: Der Dichter stirbt. Heines letzte Jahre in Paris, Berlin 1997, S. 7
  8. ↑ Kösener Korps-Listen 1910, 69, S. 141.
  9. ↑ Corpsstudent Heine
  10. ↑ Aus: Reisebilder. Erster Teil: Die Harzreise“ (1826), zit. nach: DHA, Bd. 6, S. 84.
  11. ↑ Brief vom 7. April 1823, zit. nach: HSA, Bd. 20, S. 72.
  12. ↑ Aus: Prosanotizen, zit. nach: DHA, Bd. 10, S. 313.
  13. ↑ Auszug aus Der romantische Ödipus.
  14. ↑ In einem Brief an Varnhagen von Ense, zit. nach HSA 20, S. 385.
  15. ↑ Aus: Reisebilder. Dritter Teil: Italien. Die BĂ€der von Lucca, zit. nach: DHA, Bd. 7/1, S. 134.
  16. ↑ Aus: Reisebilder. Dritter Teil: Italien. Die BĂ€der von Lucca, zit. nach: DHA, Bd. 7/1, S. 141.
  17. ↑ Aus: Anhang zu Neue Gedichte, zit. nach: DHA, Bd. 2, S. 142.
  18. ↑ Zit. nach HSA, Bd. 20, S. 234.
  19. ↑ Marcel Reich-Ranicki: Der Fall Heine, Stuttgart 1997, S. 103
  20. ↑ Aus: Almansor (1823), Vers 243, zit. nach: DHA, Bd. 5, S. 16.
  21. ↑ Heines Ironisierung der Romantik ist nicht zu verwechseln mit der sogenannten romantischen Ironie, die Friedrich Schlegel vertrat.
  22. ↑ Aus: Neue Gedichte, zit. nach: DHA, Bd. 2, S. 15 f.
  23. ↑ Aus: Reisebilder. Dritter Teil: Reise von MĂŒnchen nach Genua, zit. nach: DHA, Bd. 7/1, S. 68.
  24. ↑ Zu Heines Sarkasmus vgl.: Burkhard Meyer-Sickendiek: Was ist literarischer Sarkasmus? Ein Beitrag zur deutsch-jĂŒdischen Moderne. Fink Verlag, Paderborn/MĂŒnchen 2009, S. 193–257.
  25. ↑ Aus: Reisebilder. Dritter Teil: Italien, Reise von MĂŒnchen nach Genua, zit. nach: DHA, Bd. 7/1, S. 31 u. 34.
  26. ↑ Aus: Reisebilder. Zweiter Teil: Ideen. Das Buch Le Grand. Kapitel XII, zit. nach DHA, Bd. 6, S. 201 – wobei der Zeilenumbruch hier jedoch der Typographie des Erstdrucks angepasst wurde.
  27. ↑ Zit. nach DHA, Bd. 11, S. 50.
  28. ↑ Aus: Neue Gedichte, zit. nach DHA, Bd. 2, S. 73.
  29. ↑ Siehe Volkmar Hansen: Heinrich Heines politische Journalistik in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“, Katalog zur Ausstellung: Heines Artikel in der „Allgemeinen Zeitung“, Stadt Augsburg 1994.
  30. ↑ Aus: Verbot der Schriften des Jungen Deutschland. Bundesbeschluß vom 10. Dezember 1835, zit. nach: verfassungen.de
  31. ↑ Zit. nach Jörg Aufenanger: Heinrich Heine in Paris, dtv, MĂŒnchen 2005, S. 20.
  32. ↑ Heine gibt sich in dem Zitat als Pantheist in der Nachfolge Baruch Spinozas zu erkennen. Zit. nach: DHA, Bd. 8/1, S. 61.
  33. ↑ Zit. nach DHA, Bd. 8/1, S. 118 f.
  34. ↑ Diesseits und jenseits des Rheins, zit. nach: DHA, Bd. 3/1, S. 276
  35. ↑ Zit. nach Willi Jaspers: Ludwig Börne. Keinem Vaterland geboren, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2003, S. 18
  36. ↑ Zit. nach Willi Jaspers: Ludwig Börne. Keinem Vaterland geboren, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2003, S. 277
  37. ↑ siehe Pawel: Der Dichter stirbt, S. 79–81.
  38. ↑ Edda Ziegler: Heinrich Heine. Der Dichter und die Frauen. DĂŒsseldorf und ZĂŒrich 2005. S. 57
  39. ↑ Edda Ziegler: Heinrich Heine. Der Dichter und die Frauen. ZĂŒrich und DĂŒsseldorf 2005. S. 57–58.
  40. ↑ Zit. nach DHA, Bd. 3/1,S. 360.
  41. ↑ Zit. nach Hauschild, Werner: Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst, S. 314.
  42. ↑ Aus: Neue Gedichte, zit. nach Heine: Werke, Bd. II, S. 129 f.
  43. ↑ Siehe hierzu u. a. Ludwig Rosenthal: Heinrich Heines Erbschaftsstreit. HintergrĂŒnde, Verlauf, Folgen. Grundmann, Bonn 1982.
  44. ↑ Aus: Deutschland. Ein WintermĂ€rchen, DHA, Bd. 4, S. 92.
  45. ↑ DHA, Bd. 2, S. 150
  46. ↑ DHA, Bd. 13/1, S. 294 f.
  47. ↑ Zit. nach HSA, Bd. 22, S. 287
  48. ↑ Aus dem Anhang zum Romanzero, zit. nach: DHA, Bd. 3/1, S. 240.
  49. ↑ Siehe HSA, Bd. 12, S. 36.
  50. ↑ Aus: Romanzero, zit. nach: DHA, Bd. 3/1, S. 117.
  51. ↑ Brief an Karl Marx vom 14. Jan. 1848, zit. nach Michael Werner (Hrsg.): Begegnungen mit Heine. Berichte der Zeitgenossen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1973. Bd. 2 (1847–1856), S. 99
  52. ↑ Der Neurologe Roland Schiffter spricht von einer „Neurosyphilis in Form der chronischen Meningitis“: Das Leiden des Heinrich Heine. In: Fortschritte der Neurologie. Psychiatrie 73 (2005), S. 30–43.
  53. ↑ Henner Montanus: Der kranke Heine, Metzler, Stuttgart 1995, ISBN 3-476-01282-4
  54. ↑ Siehe hierzu H. Kijewski/W. Huckenbeck/U. Reus: Krankheit und Tod des Dichters Heinrich Heine aus der Sicht neuer spurenkundlicher Untersuchungen an Haaren. In: Rechtsmedizin 10 (2000), S. 207–211 und 13 (2003), S. 131–136. Vgl. aber Chr. auf der Horst/A. Labisch: Heinrich Heine, der Verdacht einer Bleivergiftung und Heines Opium-Abusus. In: Heine-Jahrbuch 38 (1999), S. 105–131.
  55. ↑ So z. B. Susanne Tölke, Ich befinde mich hundeschlecht, Bayerischer Rundfunk (PDF); Heine und sein Leben mit der Multiplen Sklerose – AuszĂŒge aus der Reihe: BerĂŒhmtheiten mit MS, auf: jandoerffel.de, abgerufen am 1. Juni 2011.
  56. ↑ Aus: Romanzero, zit. nach: DHA, Bd. 3/1, S. 121 f.
  57. ↑ In evangelistischer christlicher Literatur wird Heine manchmal folgendes Gedicht zugeschrieben: „Zerschlagen ist die alte Leier, am Felsen, welcher Christus heißt [
].“ Peter Walter ging dem Ursprung dieses Gedichtes nach und konnte es bis 1973 zurĂŒckverfolgen – auch dort ohne Quellenangabe. Dieses Gedicht ist in der Heine-Forschung unbekannt und passt auch zu Heines Denken der SpĂ€tzeit nicht (so Walter in: factum 1987, Sept. und Okt.)
  58. ↑ Zit. nach: DHA, Bd. 3/1, S. 180 f.
  59. ↑ Ludwig Marcuse, Heinrich Heine in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt, Hamburg 1960, S. 157.
  60. ↑ Ludwig Marcuse, a. a. O., S. 158.
  61. ↑ Aus dem lyrischen Nachlass, zit. nach: DHA, Bd. 3/1, S. 396.
  62. ↑ Aus: Nachgelesene Gedichte, zit. nach: DHA, Bd. 3, S. 1505.
  63. ↑ Aus dem Anhang zu: Neue Gedichte, zit. nach: DHA, Bd. 2, S. 197
  64. ↑ Lutezia, Kap. LV vom 20. MĂ€rz 1843, zit. nach: DHA, Bd. 14/1, S. 48.
  65. ↑ Vgl. Marcel Reich-Ranicki: Der Fall Heine, dtv, MĂŒnchen 2000, S. 34 ff.
  66. ↑ Siehe Herman Hipp: Freie und Hansestadt Hamburg – Geschichte, Kultur und Stadtbaukunst an Elbe und Alster. Köln 1989, S. 129 f.
  67. ↑ GĂŒnter Metzner: Heine in der Musik. Bibliographie der Heine-Vertonungen. 12 Bde. Schneider, Tutzing 1989–1994
  68. ↑ Zit. nach Christian Liedtke, Heinrich Heine, Rowohlt Monographie, Reinbek 2006, S. 190.
  69. ↑ Friedrich Nietzsche: Ecce homo (um 1888), Insel Taschenbuch 290, Frankfurt am Main, 9. Auflage 1997, Kapitel Warum ich so klug bin, 4. Abschnitt, S. 62.
  70. ↑ Aus ihrem Tagebuch, zit. nach Joseph A. Kruse: Heinrich Heine. Leben und Werk in Daten und Bildern, Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1983, S. 11.
  71. ↑ Aus: Heine und die Folgen, zuerst erschienen im Dezember 1910 im Verlag Albert Langen, MĂŒnchen; Text online
  72. ↑ a b Zit. nach Christian Liedtke, Heinrich Heine, Rowohlt Monographie, Reinbek 2006, S. 191.
  73. ↑ In: Die WeltbĂŒhne, Nr. 28 vom 9. Juli 1929, S. 58.
  74. ↑ Zitiert nach Otto Schönfeldt (Hrsg.): Und alle lieben Heinrich Heine, Pahl-Rugenstein, Köln 1972, S. 46
  75. ↑ Aus: Der Fall Heine, dtv, MĂŒnchen 2000, S. 13.
  76. ↑ Gerhard Höhn. Heine Handbuch. Zeit, Person, Werk. S. 309
  77. ↑ Hans Hielscher: „Lyrik und Jazz: Der Groove von Heinrich Heine“, Spiegel Online, 13. September 2006, mit drei Aufnahme-Ausschnitten
    Heinrich Heine. Lyrik und Jazz, Nordfriesland Online Magazine, 2006
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