Helena Rubinstein


Helena Rubinstein
Helena Rubinstein um 1930

Helena Rubinstein (* 25. Dezember 1870 in Krakau, Polen, als Chaja Rubinstein; † 1. April 1965 in New York) war eine US-amerikanische Kosmetikunternehmerin, Pionierin der Kosmetikentwicklung und Mäzenin polnischer Herkunft.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Helena Rubinstein war die älteste von acht Töchtern des jüdischen Lebensmittelkaufmanns Horaz Rubinstein und seiner Frau Augusta. Mit 18 Jahren begann sie ein Medizinstudium in Krakau und Zürich, das sie jedoch abbrach. Sie wanderte nach Queensland in Australien aus und arbeitete dort zunächst als Kindermädchen bei ihrem Onkel, bis sie 1902 ihren ersten Schönheitssalon in Melbourne eröffnete.

Sie vertrieb aus Polen importierte Cremes, die hauptsächlich aus einer Mixtur von Kräutern, Mandelöl und Rinderfett bestanden. Sie hatte damit großen Erfolg, zumal in Australien zu dieser Zeit Kosmetika wenig verbreitet und sie selbst mit ihrer zarten weißen Haut ihr bester Werbeträger war. Um eigene Produkte entwickeln zu können, verließ sie Australien wieder und übergab ihr Geschäft zwei ihrer Schwestern.

In Paris begann sie 1905 ein Studium bei einem der bekanntesten Hautärzte jener Zeit, dem Dermatologen Dr. Berthelot, und befasste sich mit Ernährungswissenschaft und Gesichtschirurgie. 1907 heiratete Rubinstein den ebenfalls polnischstämmigen Journalisten Edward William Titus (1870–1952). Aus der Ehe gingen hervor: 1909 der Sohn Roy Valentine und 1912 ein weiterer Sohn namens Horace Gustav. Noch während ihrer ersten Schwangerschaft gründete sie 1908 in London einen zweiten und dann als zweifache Mutter 1912 in Paris einen dritten Schönheitssalon.

Geburtshaus Helena Rubinsteins in Krakau

Emigration in die USA

1914 verließ die Familie während des Ersten Weltkriegs Europa und emigrierte in die USA. Nur ein Jahr später eröffnete sie dort ihre vierte Filiale mit importierten Pflegeprodukten. Bis 1920 entwickelte sie dann ihre erste eigene Kosmetiklinie, und fortan trugen die von ihr vertriebenen Produkte den Namen Helena Rubinstein. Dieser Markenname besteht auch heute noch, über 80 Jahre nach Firmengründung.

1928 verkaufte sie zwei Drittel der „Rubinstein Inc.“ für 7,3 Millionen US-Dollar an das Bankhaus Lehman Brothers. Als die Weltwirtschaftskrise ihren tiefsten Punkt erreichte und das Bankhaus 1929 bankrott ging, erwarb sie den ganzen Komplex für nur 1,5 Millionen US-Dollar zurück. Äußerst vermögend kehrte sie nach Paris zurück und widmete sich dort ihrer Kunstleidenschaft. In ihrem Salon verkehrten namhafte Maler wie z.B. Matisse, Modigliani, Chagall oder Schriftsteller wie Faulkner und Hemingway.

Das Gebäude Quai de la Béthune 24, das Helena Rubinstein 1934 an der Stelle eines Stadtpalais' aus dem 17. Jahrhundert errichten ließ

1937 wurde ihre erste Ehe geschieden und im Jahr darauf heiratete sie den fast 30 Jahre jüngeren georgischen Prinzen Artchil Gourielli-Techkonia (1897–1955). Zu dieser Zeit begann auch ihr Konkurrenzkampf mit der Kosmetikunternehmerin Elizabeth Arden, der ihr Leben lang andauern sollte.

Nach der deutschen Besetzung Frankreichs (1940–1944) während des Zweiten Weltkriegs erhielt der nationalsozialistische Bildhauer Arno Breker - vermutlich mit Hilfe seines Freundes Albert Speer - das inzwischen „arisierte“ Luxusappartement Helena Rubinsteins auf der Île Saint-Louis (Quai de Béthune 24) zu seiner Verfügung.[1]

1953 eröffnete Helena Rubinstein unweit von New York eine der größten Fabriken, die jemals von einer Frau geschaffen worden waren. Bald besaß sie weitere Fabriken in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Israel, Australien, Japan, Kanada und Südamerika.

Der Ablauf der Produktion im Kosmetikimperium der als äußerst sparsam bekannten Rubinstein war gut durchrationalisiert. Der gesamte Bedarf an Creme, Lotion und Duftwasser für Frankreich, Skandinavien und die Beneluxländer wurde bereits 1964 von nur vier Arbeitskräften hergestellt. Die Produktion von Puder für diesen riesigen Verbrauchermarkt war vollautomatisiert und wurde von nur einer Bedienungskraft gesteuert. Als innovative Unternehmerin beschritt sie auch bei der Vermarktung neue Wege. So entwarfen bekannte Designer und Künstler ihre aufwendigen Verpackungen. Verschiedene Schriftsteller texteten für sie Werbeanzeigen, Prospekte und das hauseigene Magazin. Innenarchitekten staffierten ihre Schönheitssalons aus, die sich den Besucherinnen als wahre Tempel der Kunst präsentierten.

Bis zu ihrem Tod umfasste ihr Unternehmen 100 Niederlassungen in 14 Ländern mit etwa 30.000 Beschäftigten. Sie verfügte über ein Privatvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar.

Am 1. April 1965 starb Helena Rubinstein im Alter von 94 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus. Bis kurz vor ihrem Tod hatte sie ihr Unternehmen noch selbst geleitet. Sie hinterließ ihren 121 Erben das von ihr aufgebaute Kosmetikimperium sowie Häuser, Schmuck und Gemälde. Den größten Teil vererbte sie der Gesundheitsfürsorge, weil sie es bedauerte, nicht Ärztin geworden zu sein, und es ihr nicht gelungen war, Kosmetik zur Medizin fortzuentwickeln. Die Luxusmarke Helena Rubinstein gehört seit 1988 zum L’Oréal-Konzern, Paris.

Mäzenatentum

Rubinstein galt als Förderin der Künste und der Wissenschaften. Sie gab Gemälde in Auftrag, wurde selbst von ca. 50 Malern porträtiert, sammelte Kunst jeglicher Art und organisierte Ausstellungen für unbekannte Maler. Sie stiftete Reisestipendien an Künstler und einen Kunstpreis in Frankreich, richtete einen Fonds zur Unterstützung von Kunststudenten ein und ließ in Tel Aviv ein Museum für Moderne Kunst, den Helena-Rubinstein-Pavillon, erbauen. An der Universität von Massachusetts richtete sie einen Lehrstuhl für Chemie ein und gründete 1953 die Helena Rubinstein-Foundation, die bis heute Wissenschaftlerinnen fördert und seit 1998 mit Unterstützung der UNESCO alljährlich den mit je 20.000 US-Dollar dotierten Helena-Rubinstein-Preis an vier Forscherinnen vergibt.

Film

Der Puderkrieg, Dokumentarfilm, USA 2007 (Das Drehbuch entstand nach dem Buch War Paint: Miss Elizabeth Arden & Madame Helena Rubinstein von Lindy Woodhead.)

Einzelnachweise

  1. Jonathan Petropoulos: The Faustian Bargain – the art world in Nazi Germany. Oxford University Press US, 2000. ISBN 0195129644 Seite 233

Literatur

Weblinks



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