Heliopolis

Heliopolis in Hieroglyphen
O28 W24
O49

Iunu
Jwnw
Iunu
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Der heilige Baum von Heliopolis mit Thot und Seschat

Heliopolis (altägyptisch Iunu; griechisch Sonnenstadt; alttestamentlich On) war bereits seit dem frühen Alten Reich eine altägyptische Stadt nordöstlich des heutigen Kairo, in welcher der bedeutende Atum- und Re-Harachte-Tempel sowie das Haus des Benu stand. Als „Herr von Heliopolis“ wurde der Schöpfungsgott Hu verehrt.

Aus dem Pyramidentext 477 geht hervor, dass im Fürstenhaus von Heliopolis gemäß dem Osirismythos jene mythologische Gerichtsverhandlung stattfand, in der Seth des Mordes an Osiris angeklagt und von den göttlichen Richtern für schuldig befunden wurde. Heliopolis ist heute ein Ruinenfeld und eine archäologische Ausgrabungsstätte.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Altägyptische Geschichte

Nach der ägyptischen Mythologie sind hier die Götter entstanden. Der Sonnengott Re ist archäologisch in Heliopolis nicht vor der 6. Dynastie bezeugt. Die Fragmente der „Djoser-Kapelle" belegen zwar einen älteren Tempel, jedoch handelt es sich um die Reste eines kleinen Schreins oder Kästchens zwecks Verehrung einer Kultstatuette des Djoser.[1] Der dazugehörige Text bezieht sich ebenfalls nicht auf Re, sondern stellt die Götterrede einer Göttergemeinschaft dar; wahrscheinlich der Neunheit von Heliopolis als verantwortliche Götter für die Verleihung von königlichen Sedfesten.[2]

Aus der 6. Dynastie stammt das Fragment eines Obelisken, der von König Teti II. errichtet wurde. Aus der 1. Zwischenzeit stammen einige Grabanlagen und aus dem Mittleren Reich der erste noch heute stehende Obelisk (von Sesostris I.). Zahlreiche Reste datieren in das Neue Reich, wozu auch einige Teile von Tempelanlagen und Grabanlagen wichtiger Personen gehören. Besonders viele und reich ausgestattete Grabanlagen stammen aus der Spätzeit.

Mit seinem theologischen Konzept der Neunheit von Heliopolis gehörte der Ort bis in die Spätzeit zu den religiösen Zentren des ägyptischen Reiches, häufig in Konkurrenz zum oberägyptischen Theben (oberägyptisches Iunu).

Im Christentum

In der Spätantike war die Stadt ein frühchristliches Bistum, aus dem das Titularbistum Heliopolis in Augustamnica der römisch-katholischen Kirche wurde. Es gehörte der Kirchenprovinz Leontopolis an.

Archäologie

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Heliopolis (Ägypten)
Heliopolis
Heliopolis

Heliopolis ist derzeit ein Forschungsschwerpunkt des DAI. Das Team aus ägyptischen und deutschen Archäologen um Dietrich Raue der Abteilung Kairo hat 2006 in den Ruinen des Sonnentempels zahlreiche Inschrift- und Relieffragmente der Amarnazeit (ca. 1350 v. Chr.) entdeckt. Damit ist erwiesen, dass der alte Sonnentempel aus dem Alten Reich (ca. 2650 v. Chr.) noch in der Amarna-Periode in Funktion war.

Ramses II. ließ den Tempel sogar bedeutend ausbauen, benutzte dazu das vorhandene Baumaterial für seine Zwecke und ließ u.a. den Sanktuarbau und zahlreiche Götterstatuen errichten. Seit Alexander dem Großen bemühten sich die griechischen Herrscher von Alexandria aus den ihnen fremden Kult zu unterstützen, jedoch verlor die Stadt an Bedeutung. Unter Cleopatra begann dann der Abtransport von Obelisken und Sphinxen in großem Stil. Augustus ließ einen Obelisken aus Heliopolis holen und stellte ihn auf dem Marsfeld auf. In frühchristlicher Zeit wurden die Steine für die Stadtbefestigung von Kairo zweckentfremdet.

Moderne

Heliopolis ist auch der Name eines Stadtteils von Kairo. Der einheimische Ausdruck ist Ain Shams (arabisch ‏عين شمس‎ ʿAin Schams "Brunnen der Sonne") oder, mehrere Vorstädte zusammenfassend, Miṣr al-dschadīda / ‏مصر الجديدة‎ /‚Neues Ägypten“ bzw. „Neu-Kairo‘, ägyptisch-arabisch Maṣr el-gedīda.

Relief der Schlacht von Heliopolis an der Statue des Generals Jean-Baptiste Kléber auf dem Kléberplatz in Straßburg

Heliopolis wurde durch die Heliopolis Oasis Company des belgischen Industriellen Baron Édouard Louis Joseph Empain ab 1905 in der Wüste nordöstlich des alten Kairo errichtet. Typisch für die Bauten in Heliopolis ist eine eklektizistisch-historistische Formensprache, die hauptsächlich auf maurische, arabische und europäische Elemente zurückgreift und in der Architekturgeschichte auch als „neomaurisch“ bezeichnet wird. Heliopolis ist Standort der Ain-Schams-Universität.

Literatur

  • Hans Bonnet: On. In: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6, S. 543-545.
  • Abenteuer Archäologie. Kulturen, Menschen, Monumente. 2, 88, Spektrum der Wissenschaft Verl.-Ges., Heidelberg 2006, ISSN 1612-9954
  • D. Raue: Heliopolis und das Haus des Re. Eine Prosopographie und ein Toponym im Neuen Reich. In: Abhandlungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo (ADAIK) 16, Berlin 1999
  • William Flinders Petrie & Ernest J. Mackay: Heliopolis, Kafr Ammar and Shurafa. London 1915 unter Heidelberger historische Bestände – digital

Weblinks

 Commons: Heliopolis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Horst Beinlich: 5. Ägyptologische Tempeltagung: Würzburg, 23. - 26. September 1999. Harrassowitz, Wiesbaden 2002, ISBN 3-447-04544-2, S. 152.
  2. Jochem Kahl, Nicole Kloth, Ursula Zimmermann: Die Inschriften der 3. Dynastie: Eine Bestandsaufnahme. Harrassowitz, Wiesbaden 1996, ISBN 3-447-03733-4, S. 116–119.

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