Herbert Kriedemann


Herbert Kriedemann

Herbert Kriedemann (* 1. März 1903 in Berlin; † 20. Januar 1977 in Bad Nauheim) war ein deutscher Politiker der SPD.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Schulbesuch absolvierte Kriedemann eine Landwirtschaftslehre und war danach als landwirtschaftlicher Beamter tätig. Später studierte er in Berlin Agrarwissenschaften und Nationalökonomie. Nach dem Studium war er hauptamtlich in der sozialdemokratischen Bildungsarbeit tätig. Von 1933 bis 1945 arbeitete er illegal weiter in der Arbeiterbewegung, zunächst in Deutschland und ab 1934 im Exil. Über die Tschechoslowakei und Estland kam er 1936 in die Niederlande, wo er nach dem deutschen Einmarsch 1940 wegen Hochverrats zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, die jedoch auf Antrag von Staatsanwaltschaft und Gestapo zur Bewährung ausgesetzt wurde. Seinen Unterhalt bestritt er nach der Haftentlassung durch Tätigkeiten in der Landwirtschaft. Nach Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück.

Bereits im Jahr 1946 wurde Kriedemann von Seiten der KPD und später der SED vorgeworfen, er habe während des Nationalsozialismus mit der Gestapo zusammengearbeitet und dadurch Gegnern des nationalsozialistischen Regimes geschadet. 1949 wurden diese Behauptungen zum Gegenstand eines Prozesses wegen persönlicher Beleidigung. Der Beklagte wurde jedoch freigesprochen. Inzwischen gilt Kriedemanns Tätigkeit für die Gestapo, wo er laut Geschäftsverteilungsplan vom 22. Januar 1934 im Dezernat III B 2 „SPD, SAP, Reichsbanner, Gewerkschaften, Sonderaufträge“ unter dem Decknamen „S 9“ geführt wurde, als gesichert. [1]

Politik

Kriedemann trat bereits 1925 der SPD bei. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg Mitarbeiter im Büro des SPD-Neugründers Schumacher und ab 1946 des SPD-Parteivorstandes, wo er Referent für Agrar- und Wirtschaftspolitik war. Der Experte für Agrarpolitik war Mitglied des ersten niedersächsischen Landtags, sowie von 1946 bis 1948 Mitglied des Zonenbeirates und 1947 bis 1949 des Wirtschaftsrats der Bizone.

Dem Deutschen Bundestag gehörte Kriedemann seit dessen erster Wahl 1949 bis 1972 an. Ursprünglich im Wahlkreis Hameln – Springe in Niedersachsen direkt und später in Nordrhein-Westfalen über die Landesliste gewählt, vertrat er seit 1969 den Wahlkreis Herne - Castrop-Rauxel im Parlament. 1949 bis 1961 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 1949 auch des Ausschusses für die Frage des Sitzes der Bundesorgane (Hauptstadtausschuss). Von März bis November 1950 leitete er den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Überprüfung der Einfuhren in das vereinigte Wirtschaftsgebiet und in das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, 1956/57 den Parlamentarischen Untersuchungsausschuß zur Prüfung von Vorgängen in der Einfuhr- und Vorratsstelle für Fette.

Vom 29. November 1961 bis zum 14. Februar 1973 war Kriedemann zugleich auch Mitglied des Europaparlaments.

Veröffentlichungen

  • Für eine neue Agrarpolitik, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Jahrgang 1963, Seiten 641 - 650.
  • Soll die EWG an der Agrarpolitik scheitern?, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, Jahrgang 1968, Seiten 521 - 530.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Richard Wiegang: "Wer hat uns verraten ..." die Sozialdemokratie in der Novemberrevolution. S. 214. Siehe auch Bruno Sattler

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