Hermann Göring

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Hermann Göring
Hermann Göring wĂ€hrend des NĂŒrnberger Kriegsverbrecherprozesses
Hermann Göring kurz nach seiner Festnahme am 9. Mai 1945 vor einer texanischen Flagge. Orden und Ehrenzeichen hatte man ihm fĂŒr diese Aufnahme zurĂŒckgegeben.

Hermann Wilhelm Göring (* 12. Januar 1893 in Rosenheim; † 15. Oktober 1946 in NĂŒrnberg) war ein fĂŒhrender nationalsozialistischer Politiker und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Göring war maßgeblich an der Ausschaltung und Verfolgung der Opposition beteiligt. Er war fĂŒr die GrĂŒndung der Gestapo sowie die Einrichtung der ersten Konzentrationslager nach 1933 verantwortlich. Ab Oktober 1936 betrieb er als Beauftragter fĂŒr den Vierjahresplan die AufrĂŒstung Deutschlands und bereitete so den Krieg vor. Am 31. Juli 1941 beauftragte er Reinhard Heydrich mit der Organisation der sogenannten Endlösung der Judenfrage.

Göring gehörte zu den 24 im NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen MilitĂ€rgerichtshof angeklagten Personen und wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Der Vollstreckung des Urteils entzog er sich durch Suizid.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie und Herkunft

Hermann Göring wurde als Sohn von Ernst Heinrich Göring und Franziska Göring (geb. Tiefenbrunn) in Rosenheim geboren. Die Familie war in Rosenheim nicht ansĂ€ssig, der Geburtsort kam durch einen Besuchsaufenthalt der Mutter zustande. Vater Ernst Heinrich war promovierter Jurist und von Bismarck zum ersten Reichskommissar fĂŒr Deutsch-SĂŒdwestafrika (heute Namibia) (1885 bis 1888) bestimmt worden.

Hermann Göring hatte vier Geschwister, einen Ă€lteren Bruder Karl Ernst Göring (* 3. August 1885; † 4. Oktober 1932), zwei Schwestern (Olga Therese Sophie und Paula Elisabeth Rosa), die in Österreich mit Juristen verheiratet waren und einen jĂŒngeren Bruder, Albert Göring, der die nationalsozialistische Ideologie ablehnte.

Kindheit und Jugend

Hermann Göring 1907
Hermann Göring um 1917 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid.

Seine Mutter gab ihn die ersten drei Jahre zu Pflege bei der Familie Graf in Rosenheim, wĂ€hrend sie mit ihrem Mann im Ausland war. Ab 1901 lebte Göring zusammen mit seinen Eltern und seinen vier Geschwistern auf den LĂ€ndereien seines Patenonkels Hermann von Epenstein, eines Arztes jĂŒdischer Herkunft, mit dem sich Görings Vater in Afrika angefreundet hatte. Epenstein stellte der Familie Göring die Burg Veldenstein (ca. 30 Kilometer nordöstlich von NĂŒrnberg) als Wohnsitz zur VerfĂŒgung. Hin und wieder besuchte der junge Hermann Göring die Familie Epenstein auf seinem Schloss Mauterndorf (ca. 90 Kilometer sĂŒdlich von Salzburg), die er spĂ€ter „die Burg seiner Jugend“ nannte.

Seine Mutter pflegte offen ein VerhÀltnis mit Epenstein. Bei Besuchen wohnte sie bei ihm, wÀhrend der Vater abseits untergebracht wurde.[1]

Hermann Göring besuchte von 1898 bis 1903 die Volksschule FĂŒrth und mit mĂ€ĂŸigem Erfolg die Gymnasien in FĂŒrth und Ansbach. Von 1903 bis 1905 lebte er in Ansbach in einem Internat. In „seinen Kinderspielen ging es stĂ€ndig um Krieg“.[2]

Mit zwölf Jahren schickte ihn sein Vater, der 1913 starb, in das Kadettenhaus in Karlsruhe. 1909 wechselte Hermann Göring an die Hauptkadettenanstalt (Oberstufe) in Lichterfelde bei Berlin.

Erster Weltkrieg

Am 10. Januar 1914 wurde er ZugfĂŒhrer beim 4. Badischen Infanterie-Regiment Nr. 112 „Prinz Wilhelm“ in MĂŒlhausen, seit dem 20. Januar 1914 im Range eines Leutnants. Im Ersten Weltkrieg nahm er an den ersten Gefechten im Elsass teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Wegen seines Gelenkrheumatismus wurde er am 23. September 1914 in ein Krankenhaus in Metz, anschließend in Freiburg im Breisgau eingeliefert, wo er von seinem Freund und Regimentskameraden Bruno Loerzer, einem Kampfflieger, ĂŒberzeugt wurde, der Fliegertruppe beizutreten. Göring verließ ohne Genehmigung das Krankenhaus, wurde am 16. Oktober zur Ausbildung als Beobachter zur Fliegerersatzabteilung 3 in Darmstadt abkommandiert und am 28. Oktober zur Feldfliegerabteilung 25 versetzt.

Er diente kurz darauf als Beobachter in einer Fliegertruppe. Am 25. MÀrz 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse. Im Juni bis September 1915 bekam er in Freiburg offiziell eine Pilotenausbildung u.a. von Ludwig Weber. Er wurde im September zur 5. Armee abkommandiert. Am 16. November 1915 errang er seinen ersten Luftsieg. Anfangs eskortierte er BomberverbÀnde, spÀter wurde er Jagdflieger.

Video von Hermann Göring im Cockpit

14. MÀrz 1916 schoss er den ersten feindlichen Bomber ab. Nach einer Bruchlandung am 28. September 1916 verbrachte Göring die Zeit vom 2. November 1916 bis zum Februar 1917 in verschiedenen Lazaretten.

Am 17. Mai 1917 wurde ihm die FĂŒhrung der Jagdstaffel 27 ĂŒbertragen. Er stieg am 18. August 1917 zum Oberleutnant auf, und am 2. Juni 1918, nach seinem 19. Abschuss, wurde ihm der Orden Pour le MĂ©rite verliehen.

Als der Kommandeur des Jagdgeschwaders Nr. 1, Hauptmann Wilhelm Reinhard, im Juli 1918 bei einem Testflug tödlich verunglĂŒckte, wurde Göring am 6. Juli 1918 Kommandeur dieses als Richthofens „Fliegender Zirkus“ bekannten Geschwaders. In seiner neuen Position errang er schließlich seinen 22. und letzten Luftsieg.

Zeit der Weimarer Republik

Nach dem Waffenstillstand 1918 verlegte er sein Geschwader noch nach Deutschland zurĂŒck. Bei einer öffentlichen Versammlung in Berlin fiel er durch heftige Kritik an Kriegsminister Walther Reinhardt wegen dessen Eintretens fĂŒr die Republik auf. Er ging als MilitĂ€rberater nach DĂ€nemark und spĂ€ter nach Schweden. Dort fĂŒhrte er die Maschinen von Anthony Fokker vor. Am 2. August 1919 erwarb er eine schwedische Fluglizenz und ĂŒbernahm AuftrĂ€ge fĂŒr die Svenska Lufttrafik AB.

Am 13. Februar 1920 reichte er von Stockholm aus seinen Abschied bei der Reichswehr ein, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages keine LuftstreitkrĂ€fte besitzen durfte. Dabei beantragte er seine nachtrĂ€gliche Beförderung zum Hauptmann und verzichtete auf etwaige VersorgungsansprĂŒche. Im Juni 1920 wurde seinem Antrag stattgegeben.

Am 20. Februar 1920 beförderte er Eric von Rosen auf dessen Gut Rockelstad und lernte dort seine erste Frau, die verheiratete Carin Freifrau von Kantzow geb. Freiin von Fock, kennen. Sie verließ ihren Mann und lebte mit Göring an verschiedenen Orten in Schweden und ab 1921 in Hochkreuth bei Bayrischzell. Am 13. Dezember willigte Carins Ehemann Nils von Kantzow in die Scheidung ein. Am 25. Januar 1923 heiratete er die um vier Jahre Ă€ltere Carin in Stockholm. Am 3. Februar 1923 wurde die Trauung am neuen Wohnort der Görings in MĂŒnchen-Obermenzing wiederholt.

Göring immatrikulierte sich 1921 an der UniversitĂ€t MĂŒnchen, um Geschichte, Volkswirtschaft und Staatswissenschaften zu studieren. Vermutlich besuchte er mehrere Veranstaltungen der NSDAP, bevor er am 12. Oktober 1922 erstmals Adolf Hitler um eine Unterredung bat. Dieser ernannte ihn im Dezember 1922 zum FĂŒhrer der SA.

In dieser Funktion nahm Göring am 9. November 1923 am Hitlerputsch teil, der von einer Einheit der bayerischen Landespolizei beendet wurde. Göring wurde durch einen Schuss in den Oberschenkel verletzt und von Mitputschisten in den Hof des Hauses Residenzstraße 25 getragen. Der jĂŒdische EigentĂŒmer des Anwesens, Robert Ballin, nahm den stark blutenden Göring bei sich auf. Ballin und seine Frau wurden dafĂŒr durch Göring nach dem Novemberpogrom aus dem KZ befreit.[3]

Göring gelang die Flucht nach Österreich. Wegen der Schmerzen erhielt er in einem Innsbrucker Krankenhaus Morphin – der Beginn von Görings Morphinismus, der bis zu seiner Gefangennahme durch die US-StreitkrĂ€fte 1945 andauerte. Als in MĂŒnchen der Hitler-Prozess stattfand, hielt Göring sich nach wie vor in Österreich auf. Ende April 1924 wurde er zum Verlassen Österreichs aufgefordert. Er ging nach Italien und befand sich als BevollmĂ€chtigter Hitlers in Venedig und Rom, wĂ€hrend seine Frau nach Deutschland zurĂŒckgekehrt war.

Im FrĂŒhjahr 1925 zog er mit Carin in eine Wohnung in Stockholm und verfiel hier erstmals der Drogensucht. Im August 1925 wurde er in eine Klinik eingewiesen, und nach einer Entziehungskur erlitt er im Oktober einen RĂŒckfall, weshalb er in die Nervenheilanstalt LĂ„ngbro eingeliefert wurde. Schon nach wenigen Wochen konnte er die Klinik als geheilt wieder verlassen und erhielt zudem eine Ă€rztliche Bescheinigung, dass er wĂ€hrend der Behandlung nie Anzeichen einer Geisteskrankheit gezeigt habe.

Die Generalamnestie des neuen ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg 1926 erlaubte ihm die RĂŒckkehr nach Deutschland. Er nahm im selben Jahr am NSDAP-Parteitag in Weimar teil, wo sich herausstellte, dass man ihn aus der Liste der Parteimitglieder gestrichen hatte. Göring kehrte nach Schweden zurĂŒck, wo er wegen Morphiummissbrauch erneut in die Klinik von LĂ„ngbro eingeliefert wurde. Nach nur 19 Tagen Aufenthalt konnte er die Klinik am 26. September 1927 wieder verlassen.

Er kehrte Ende 1927 endgĂŒltig nach Deutschland zurĂŒck und trat erneut in die NSDAP und SA ein. Göring knĂŒpfte Kontakte zu alten Fliegerkameraden wie Bruno Loerzer, Ernst Udet und Paul Körner. Der zu Geld gekommene Loerzer stellte ihn dem Vorstandsmitglied der Lufthansa Erhard Milch vor und fĂŒhrte ihn in die besseren Kreise ein. Mit Carin wohnte er nun in Berlin-Schöneberg und zog nach den Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 in den Reichstag ein. SpĂ€ter wurde er von Hitler zum SA-GruppenfĂŒhrer ernannt.

Göring 1932

Bei seinen Besuchen in Berlin war Hitler ein hĂ€ufiger Gast bei den Görings. Nach den Reichstagswahlen vom 14. September 1930, die der NSDAP betrĂ€chtliche Stimmengewinne brachten, ernannte ihn Hitler, der weiter in MĂŒnchen blieb, formell zu seinem „politischen Beauftragten in der Reichshauptstadt“. Göring versuchte, die nationalsozialistische Bewegung in der besseren Gesellschaft hoffĂ€hig zu machen. So veranstaltete er 1931 in seiner Wohnung ein Treffen zwischen Fritz Thyssen, Hjalmar Schacht und Adolf Hitler. Nach diesem Treffen verteilte Thyssen einige Spenden an nationalsozialistische Zeitungen. Vor allem aber unterstĂŒtzte er seinen Freund Hermann Göring, um ihm einen adĂ€quaten Lebens- und Wohnstil zu ermöglichen. [4]

Carin Göring starb 1931 an Tuberkulose. SpĂ€ter nannte er in Andenken an sie sein pompöses Anwesen in der Schorfheide bei Groß Schönebeck „Carinhall“.

1935 heiratete er die Schauspielerin Emmy Sonnemann (Adolf Hitler war bei dieser Hochzeit Trauzeuge), mit ihr hatte er eine Tochter, Edda Göring, die am 2. Juni 1938 geboren wurde.

ReichstagsprÀsident 1932

ReichstagsprÀsident Hermann Göring (rechts oben) ignoriert in der Sitzung vom 12. September 1932 Reichskanzler Franz von Papen

Nachdem in der Reichstagswahl Juli 1932 die NSDAP erstmals zur stÀrksten Partei geworden war, wurde nach parlamentarischem Brauch Göring als Vertreter der stÀrksten Fraktion in der ersten Sitzung des Reichstags am 30. August 1932 zum ReichstagsprÀsidenten[5] gewÀhlt. Damit hatte die NSDAP zunÀchst das dritthöchste Amt in der Weimarer Republik besetzt.

In der Reichstagssitzung vom 12. September 1932 erreichte Göring durch einen Verfahrenstrick, dass trotz einer bereits erlassenen VerfĂŒgung des ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg zur Auflösung des Reichstags noch ĂŒber ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett Papen abgestimmt werden konnte: Vor Beginn der Abstimmung, als von Papen die wenige Minuten zuvor erlassene und von ihm gegengezeichnete AuflösungsverfĂŒgung Hindenburgs bekanntgeben wollte, ĂŒbersah Göring absichtlich den sich stehend zu Wort meldenden Reichskanzler (dem er zu diesem Zeitpunkt nach der GeschĂ€ftsordnung des Reichstags sofort das Wort hĂ€tte erteilen mĂŒssen), und erklĂ€rte die Abstimmung fĂŒr eröffnet. Anschließend verwies er auf die GeschĂ€ftsordnung, wonach wĂ€hrend einer Abstimmung keinerlei Wortmeldungen mehr zulĂ€ssig seien. Mit 513 zu 42 Stimmen sprach der Reichstag dem Kabinett Papen daraufhin das Misstrauen aus. Erst jetzt nahm Göring die AuflösungsverfĂŒgung zu Kenntnis, tat sie aber mit der Bemerkung ab, sie sei von MĂ€nnern gegengezeichnet, denen der Reichstag gerade das Misstrauen ausgesprochen habe.[6] Da Papen allerdings die Mappe mit der AuflösungsverfĂŒgung noch vor dem Ende der Abstimmung auf Görings Pult gelegt hatte, waren der Reichstag dennoch rechtskrĂ€ftig aufgelöst und das Misstrauensvotum formal ungĂŒltig[7]; das fĂŒr Papen blamable Ergebnis der Abstimmung aber war öffentlich.

Bei den daraufhin fĂŒr den 4. November 1932 ausgeschriebenen Neuwahlen zum Reichstag musste die NSDAP zwar Stimmenverluste hinnehmen, blieb aber stĂ€rkste Fraktion, so dass Göring erneut zum ReichstagsprĂ€sidenten gewĂ€hlt wurde. In den folgenden Monaten hatte er entscheidenden Anteil an der Zerschlagung der Weimarer Republik.

Zeit des Nationalsozialismus

Auftritt Hermann Görings (mit dem RĂŒcken zum Betrachter stehend, die FĂ€uste in die Taille gedrĂŒckt) beim Reichstagsbrandprozess; Fotografie von Robert Sennecke
Richtfest des Reichsluftfahrtministeriums mit Ernst Sagebiel, Hermann Göring und Erhard Milch
Hermann Göring mit Adolf Hitler, 1939

Am 30. Januar 1933 ernannte ReichsprĂ€sident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser holte Göring und Wilhelm Frick als einzige nationalsozialistische Minister in sein Kabinett. Göring wurde Reichsminister ohne GeschĂ€ftsbereich, Reichskommissar fĂŒr das preußische Innenministerium und Reichskommissar fĂŒr Luftfahrt. Als kommissarischer Innenminister war er Dienstherr der gesamten preußischen Polizei. Damit spielte er bei der MachtĂŒbernahme und dem Aufbau des nationalsozialistischen Regimes eine entscheidende Rolle, da man sich nur mittels der Kontrolle ĂŒber die Ordnungsorgane der politischen Gegner entledigen konnte. Den ihm vorgesetzten kommissarischen MinisterprĂ€sidenten Franz von Papen ĂŒberging er. Nach dem RĂŒcktritt von Papens in dieser Funktion wurde Göring am 10. April 1933 zum MinisterprĂ€sidenten von Preußen ernannt.

Auf seine Initiative hin wurden die ersten, zunĂ€chst noch gefĂ€ngnisĂ€hnlichen Konzentrationslager gebaut (teilweise als „wilde KZs“ bezeichnet), in die Oppositionelle durch Polizei und SA verschleppt wurden. Die GrĂŒndung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), aus der spĂ€ter das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) hervorging, wurde von Göring veranlasst. Der erste Chef der Gestapo, Rudolf Diels, war mit Göring familiĂ€r verbunden. Beim Röhm-Putsch im Juni 1934 ĂŒbernahm die Gestapo eine SchlĂŒsselrolle bei der von Göring veranlassten Ermordung von Ernst Röhm und etwa 150 bis 200 weiterer Personen.[8]

Göring entwickelte sich in der Zeit des Nationalsozialismus – zumindest in den Augen der Öffentlichkeit – nach Hitler zum zweiten Mann im nationalsozialistischen Staat. 1934 wurde er per Gesetz zum Nachfolger Hitlers im Falle dessen Todes bestimmt. Görings PopularitĂ€t (vor dem Bombenkrieg) zeigt sich etwa daran, dass er – anders als Hitler – zur stehenden Hauptfigur zahlreicher und nicht nur regimekritischer Witze wurde.

1933 wurde er Reichskommissar fĂŒr die Luftfahrt, kurz darauf Reichsminister der Luftfahrt. Am 30. August 1933 wurde Göring zum General der Infanterie befördert, was ein Überspringen von fĂŒnf RĂ€ngen bedeutete, da er als Hauptmann aus der Reichswehr ausgetreten war. Dies sollte ihm in militĂ€rischen Kreisen eine gewisse AutoritĂ€t beim Aufbau der Luftwaffe verschaffen. Im Mai 1935 wurde ihm unter gleichzeitiger Umernennung zum General der Flieger der Oberbefehl ĂŒber die neu gegrĂŒndete Luftwaffe ĂŒbertragen. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1936 wurde er zum Generaloberst befördert.

1934 wurde Göring Reichsforstmeister, ReichsjĂ€germeister und Oberster Beauftragter fĂŒr den Naturschutz. In dieser Funktion setzte er das im Wesentlichen noch geltende Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 durch.

Ausfahrt von Göring mit dem polnischen Außenminister JĂłzef Beck, Juli 1935
Göring beauftragte im Juli 1941 Reinhard Heydrich mit einem Gesamtentwurf bezĂŒglich der Kosten, Organisation und DurchfĂŒhrung der „Endlösung der Judenfrage“ (letzte Zeile in diesem Schreiben)

Am 18. Oktober 1936 wurde Göring zum Leiter des Vierjahresplans ernannt. Damit war er faktisch Wirtschaftsdiktator in Deutschland. Den Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht verdrÀngte er schnell. Sein Auftrag war es, die deutsche Wirtschaft kriegsbereit zu machen. Letztlich scheiterte er an dieser Aufgabe. Sein Nachfolger in dieser Funktion wurde 1942 Albert Speer.

WĂ€hrend der Blomberg-Fritsch-Krise Anfang 1938 hoffte Göring, Werner von Blombergs Nachfolger als Oberbefehlshaber der Wehrmacht werden zu können. Auf Vorschlag Blombergs entschloss sich Hitler jedoch dazu, selbst den Oberbefehl ĂŒber die Wehrmacht zu ĂŒbernehmen. Göring wurde am 4. Februar 1938 zum Generalfeldmarschall befördert. Nach Blombergs RĂŒcktritt war Göring bis 1939 der einzige TrĂ€ger dieses Dienstgrades und wurde somit zum ranghöchsten Offizier der Wehrmacht.

Am 12. November 1938, im Anschluss an die auch als „Kristallnacht“ bekannten Novemberpogrome, berief Göring eine Sitzung im Reichsluftfahrtministerium ein, um Maßnahmen zu beschließen, die reichsdeutschen Juden zu enteignen und zur Auswanderung zu zwingen. So schlug er vor, den deutschen Juden eine Geldbuße von einer Milliarde Reichsmark aufzuerlegen. Des Weiteren forderte er, eine Uniform fĂŒr die Juden einzufĂŒhren, um sie fĂŒr die Öffentlichkeit zu kennzeichnen. Am 1. September 1941 wurde dieses, durch Tragen des Judensterns, im Rahmen der NĂŒrnberger Gesetze im Deutschen Reich umgesetzt. Die Ausschreitungen, bei denen zahlreiche Synagogen abgebrannt und GeschĂ€fts- und Wohnungseinrichtungen jĂŒdischer BĂŒrger zerstört worden waren, kommentierte er mit den Worten[9]

„Mir wĂ€re lieber gewesen, ihr hĂ€ttet 200 Juden erschlagen und hĂ€ttet nicht solche Werte vernichtet.“

Seine Beteiligung an der Vorbereitung und DurchfĂŒhrung des Holocaust ist durch einen Befehl vom 31. Juli 1941 belegt, dessen Echtheit er auch in den NĂŒrnberger Prozessen bestĂ€tigte.[10] In diesem beauftragt er Reinhard Heydrich, alle notwendigen Vorbereitungen zur „Endlösung der Judenfrage“ zu treffen und einen „Gesamtentwurf“ hierfĂŒr zu erarbeiten. In den NĂŒrnberger Prozessen stritt er allerdings jede Verantwortung und Kenntnis ĂŒber den Holocaust ab. Nach der Sichtung eines Films ĂŒber ein Konzentrationslager Ă€ußerte er, dass er die genauen ZustĂ€nde in den Lagern nicht gekannt habe, die Darstellungen im Film aber fĂŒr ĂŒbertrieben halte.

Hermann Göring war als Sammler von Kunstwerken ebenso berĂŒhmt wie berĂŒchtigt. Seine Leidenschaft fĂŒr schöne Bilder und andere GegenstĂ€nde machte ihn zum bedeutenden KunstrĂ€uber. Der zweite Mann im Â»Dritten Reich« hĂ€ufte so viele Objekte zusammen, wie kaum ein anderer FunktionĂ€r. Seine Sammlung bestand aus rund 1800 GemĂ€lden[11]. Zu diesen kamen noch zahlreiche Wandteppiche, Skulpturen und andere kunsthandwerkliche Objekte. Göring war beim Aufbau seiner Sammlung Ă€ußerst rĂŒcksichtslos. Er arbeitete mit dem als KunstrĂ€uber bekannten Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) zusammen. Er setzte auch eine eigene Organisation, die Â»Devisenschutzkommandos« ein, die in seinem Auftrag in den besetzen Gebieten Kunst beschlagnahmten. Seiner Bau- und Sammelleidenschaft kam eine ihm 1943 von Hitler gewĂ€hrte Dotation in Höhe von 6 Millionen Reichsmark sehr zustatten. [12]

Hitlers KriegsplĂ€nen stand Göring skeptisch gegenĂŒber, da er deren Erfolgsmöglichkeiten bezweifelte. Hingegen Ă€ußerte er auf einer Besprechung mit Luftfahrtindustriellen in Carinhall am 8. Juli 1938:

„Wir mĂŒssen uns ganz klar darauf einstellen. Ich glaube, so wie die Lage ist, ist es zu 10, zu 15% so, daß sich irgendwie die Sache verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig noch in kleineren Aktionen lösen kann. Aber zu 80, 85, 90% bin ich ĂŒberzeugt, daß es doch einmal einen grĂ¶ĂŸeren Kladderadatsch geben wird und daß wir dann einmal den großen Kampf machen mĂŒssen, den ich nicht scheue. Es kommt nur darauf an, daß nicht wieder schlapp gemacht wird. [...] Dann ist Deutschland die erste Macht der Welt, dann gehört Deutschland der Markt der Welt, dann kommt die Stunde, wo Deutschland reich ist. Aber man muß was riskieren, man muß was einsetzen.“[13]

1938, in der Tschechienkrise, arrangierte er hinter dem RĂŒcken des Außenministers Ribbentrop gemeinsam mit Mussolini die MĂŒnchner Konferenz. Im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wurde Göring außenpolitisch kaltgestellt, um nicht noch einmal Hitlers PlĂ€ne zu stören. Im Juli 1940 wurde Göring vom Generalfeldmarschall zum Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches befördert, ein eigens fĂŒr ihn geschaffener Dienstgrad. Ein Jahr spĂ€ter ĂŒbertrug ihm Hitler per Erlass vom 29. Juni 1941 die FĂŒhrernachfolge mit allen Vollmachten fĂŒr den Fall, dass er, Hitler, "seiner HandlungsfĂ€higkeit beraubt" sei.[14] In diese Zeit fĂ€llt auch seine Freundschaft zu seinem Amtskollegen Italo Balbo.

Görings Villa auf Sylt

Bis zum Frankreichfeldzug im Mai und Juni 1940 wurde Göring als Held der Luftwaffe gefeiert. Wegen seiner katastrophalen Luftkriegsstrategie gegen England (siehe Luftschlacht um England) fiel er mehr und mehr in Ungnade. Er war auch mitverantwortlich fĂŒr das Debakel von Stalingrad, weil er Hitler wider besseres Wissen zusagte, die eingekesselte Armee aus der Luft versorgen zu können. In seiner Funktion als Beauftragter fĂŒr den Vierjahresplan organisierte er die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete. Dass dem von ihm mitverantworteten Hungerplan Millionen von Menschen zum Opfer fallen wĂŒrden, bezeichnete er als notwendig und erwĂŒnscht. So sagte er am 25. November dem italienischen Außenminister Graf Graf Ciano:

„In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland verhungern. Vielleicht ist es gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden mĂŒssen.“[15]

Im NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher bestĂ€tigte er, sich in einer Anordnung gegenĂŒber den Reichskommissaren fĂŒr die besetzten Gebiete im August 1942 unter anderem wie folgt geĂ€ußert zu haben:

„FrĂŒher schien mir die Sache doch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig einfacher zu sein. Da nannte man das plĂŒndern. Das stand dem Betreffenden zu, das wegzunehmen, was man eroberte. Nun, die Formen sind humaner geworden. Ich gedenke trotzdem zu plĂŒndern, und zwar ausgiebig.“[16]

Hermann Göring auf der Jagd

Seit 1942 ließ sich Göring bei den Lagebesprechungen hĂ€ufig vertreten. Er reiste viel umher und widmete sich seiner Sammel- und Jagdleidenschaft, wĂ€hrend er an der Entwicklung des Krieges nur noch wenig Anteil nahm.

Ende Januar 1943 hielt er anlÀsslich der Niederlage von Stalingrad eine leidenschaftliche Rede um Parallelen zur historischen Schlacht an den Thermopylen zu ziehen.

Am 20. April 1945 verließ Göring nach dem offiziellen Geburtstagsempfang fĂŒr Adolf Hitler Berlin in Richtung Berchtesgaden. Er verabschiedete sich von Hitler mit der BegrĂŒndung, dass in SĂŒddeutschland wichtige Aufgaben auf ihn warteten.[17]

Am 23. April 1945 telegrafierte Göring aus Berchtesgaden an Hitler, er (der Reichsmarschall) betrachte sich fĂŒr den Fall, dass Hitler weiterhin in Berlin ausharre und bis 22 Uhr keine anderslautende Mitteilung einginge, gemĂ€ĂŸ der im Juni 1941 per Erlass getroffenen Regelung ab sofort als Nachfolger des FĂŒhrers mit allen Vollmachten. Hitler interpretierte dies als versuchten Staatsstreich und unterzeichnete einen von Martin Bormann aufgesetzten Funkspruch, wonach der Reichsmarschall seiner Ämter enthoben und sofort wegen Hochverrats zu verhaften sei.[18] Göring wurde daraufhin auf dem Obersalzberg von der dortigen SS-Kommandantur festgesetzt. In seinem politischen Testament vom 29. April 1945 stieß Hitler ihn aus der NSDAP aus und entzog ihm alle aus dem Erlass von 1941 resultierenden Rechte.[19]

Gefangennahme, Prozess und Tod

Acht der Angeklagten in NĂŒrnberg. Vorne v. l. n. r.: Göring, Heß, von Ribbentrop, Keitel; dahinter: Dönitz, Raeder, von Schirach, Sauckel

Nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 wurde Göring aus der Haft entlassen. Auf seine Frage, wohin er nun wolle, antwortete er: „Auf die Burg meiner Jugend.“ Er begab sich am 7. Mai 1945 auf die Fahrt zur Burg Mauterndorf (Österreich), und da es unsicher war, ob es den sowjetischen StreitkrĂ€ften nicht doch noch gelingen wĂŒrde, ins Murtal, also bis in den Salzburger Lungau vorzustoßen, entschied er sich, nach Schloss Fischhorn im Salzburger Pinzgau zu fliehen und sich in die HĂ€nde der 7. US-Armee zu begeben.

Am 21. Mai 1945 wurde Göring in Begleitung seiner Frau Emmy und seiner Tochter Edda in das geheime US-Lager Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf gebracht, in dem zwischen Mai und September 1945 ein Großteil der bis dahin gefangenen NS-FunktionĂ€re und hochrangige MilitĂ€rs festgehalten und verhört wurden. Ab November 1945 war er dann als ranghöchster Nationalsozialist in NĂŒrnberg angeklagt. Nach seinem Morphinentzug wirkte er auf viele Protagonisten der NĂŒrnberger Prozesse lebendiger und schlagfertiger als in all den Jahren des Dritten Reiches zuvor.

Er wurde in allen vier Anklagepunkten (Verschwörung gegen den Weltfrieden; Planung, Entfesselung und DurchfĂŒhrung eines Angriffskrieges; Verbrechen gegen das Kriegsrecht; Verbrechen gegen die Menschlichkeit) schuldig gesprochen und zum Tod durch ErhĂ€ngen verurteilt. Göring stellte beim Gericht den Antrag, erschossen zu werden, was aber abgelehnt wurde. Der Vollstreckung des Urteils entzog er sich dann am 15. Oktober 1946, in der Nacht vor dem Hinrichtungstermin, durch Selbsttötung mit einer Zyankali-Giftkapsel.

Woher Göring das Gift hatte, wurde bald Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Erich von dem Bach-Zelewski, ein ehemaliger ObergruppenfĂŒhrer der Waffen-SS, behauptete in Untersuchungshaft, es sei von ihm. Er habe schon vor Beginn des Prozesses den Kontakt zum ehemaligen Reichsmarschall gesucht und ihm im Korridor das Gift in einem StĂŒck Seife zukommen lassen. Diese Behauptung belegte Bach-Zelewski damit, dass er den Amerikanern 1951 eine weitere Ampulle lieferte, deren Glas aus derselben Herstellungsserie stammte wie die Splitter, die in Görings Mundhöhle gefunden worden waren.[20] Nach einer anderen Version soll Jack G. Wheelis, ein Leutnant der US Army, mit dem sich Göring angefreundet hatte, ihm das Gift zugesteckt haben.[21] Anfang 2005 meldete sich schließlich der ehemalige Wachsoldat Herbert Lee Stivers, der bei den NĂŒrnbergern Prozessen seinen Dienst getan hatte, und behauptete, dass er damals von einer Frau („Mona“) und einem Mann gebeten worden sei, Göring Notizen und eine in einem FĂŒllfederhalter versteckte Kapsel zuzustecken. Die MĂ€nner hĂ€tten ihm gesagt, dass Göring ein sehr kranker Mann sei und Medizin benötige. Herbert Lee Stivers sei seit dem Bekanntwerden von Görings Suizid davon ĂŒberzeugt, dass es sich bei der „Medizin“ um das Zyankali fĂŒr den Selbstmord gehandelt habe; aus Furcht vor Strafverfolgung aber habe er bis dahin geschwiegen.[22]

Göring selbst legte die Planung seiner Selbsttötung in einem Abschiedsbrief an den GefĂ€ngniskommandanten dar. Danach hatte er von Anfang an drei Zyankalikapseln bei sich. Eine versteckte er so, dass sie gefunden werden konnte, eine weitere so grĂŒndlich, dass sie nicht gefunden wurde; wĂ€hrend des NĂŒrnberger Prozesses hatte Göring diese Kapsel bei sich im Stiefel. Die dritte Kapsel befand sich in einer Dose mit Hautcreme in Görings GepĂ€ck, auf die Göring durch den amerikanischen Offizier Jack Wheelis Zugriff hatte.

Görings Leichnam wurde eingeÀschert und die Asche in einen Seitenarm der Isar gestreut.

Ämtervielfalt

Göring bekleidete unzĂ€hlige Posten, die er sich alle hoch bezahlen ließ. Seine wichtigsten Ämter waren:

  • politischer Beauftragter des FĂŒhrers in der Reichshauptstadt (1932–33)
  • Preußischer Minister des Innern (1933–34)
  • Preußischer MinisterprĂ€sident (1933–45)
  • stellvertretender Reichsstatthalter von Preußen (1933–45)
  • PrĂ€sident des Preußischen Staatsrates (1933–45)
  • PrĂ€sident des Reichstags (1932–45)
  • Reichsminister ohne GeschĂ€ftsbereich (1933)
  • Reichsforstmeister (1934–45)
  • ReichsjĂ€germeister (1934–45)
  • Mitglied des Geheimen Kabinettsrats (1938–45)
  • Vorsitzender des Ministerrats fĂŒr Reichsverteidigung (1939–45)
  • designierter Nachfolger des FĂŒhrers (1933–45)
  • PrĂ€sident des Reichsforschungsrats (1943–45)
  • Reichskommissar fĂŒr die Luftfahrt (1933)
  • Reichsluftfahrtminister (1933–45)
  • PrĂ€sident des Reichsluftschutzverbandes (1933)
  • Oberbefehlshaber der Luftwaffe (1935–45)
  • Reichskommissar fĂŒr Rohstoffe und Devisen (1936)
  • Beauftragter fĂŒr den Vierjahresplan (1936–45)
  • Vorsitzender des Zentralen Planungsamts (1943–45)
  • Hauptleiter der Reichswerke Hermann Göring (1937–45)

Sonstiges

  • Im Volksmund wurde Göring wegen seiner auffĂ€lligen, oft aus Uniform und vielen Orden bestehenden Garderobe „Goldfasan“ oder „Lametta-Heini“ genannt.
  • Er war fĂŒr sein Streben nach Auszeichnungen, seine Sammelleidenschaft und seine Vorliebe fĂŒr Prunk bekannt, so ließ er GemĂ€lde, die ihm gefielen, konfiszieren. Trotz der angespannten Lage der deutschen StreitkrĂ€fte in der Sowjetunion feierte Göring seinen 50. Geburtstag 1943 mit enormem Aufwand und forderte vom Finanzminister weitere zwei Millionen Reichsmark zur VergrĂ¶ĂŸerung von „Carinhall“. Hitler kannte und duldete diese Forderungen.
  • Er eignete sich 1938 durch „arisierenden Kauf“ die Fromms-Gummiwerke an und wurde dadurch Monopolist in der Herstellung von Kondomen, insbesondere durch Belieferung der Wehrmacht.
  • Wie Hitler und Himmler unterstanden auch Hermann Göring bewaffnete „Elite-Einheiten“: Die SA-Standarte „Feldherrnhalle“, deren „Ehren-StandartenfĂŒhrer“ er wurde, und das Polizeiregiment „General Göring“, das spĂ€ter in die Luftwaffe ĂŒberfĂŒhrt und wĂ€hrend des Krieges zum Fallschirm-Panzerkorps „Hermann Göring“ ausgebaut wurde.
  • Besonders bekannt wurde er in seiner Eigenschaft als Reichsforst- und -jĂ€germeister. In der Schorfheide bei Berlin und in der Rominter Heide in Ostpreußen hielt er große Jagden ab. Er errichtete zu diesem Zwecke in der Schorfheide das Jagdschloss Carinhall, benannt nach seiner ersten Frau. Der ehemalige Leiter der Forstverwaltung Rominten, Oberforstmeister Walter Frevert, berichtete in seinen BĂŒchern ĂŒber einen Jagdneid Görings, wenn einer seiner GĂ€ste einen zu starken Hirsch geschossen hatte.
  • Teile von Görings Weinsammlung sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der moldawischen Kellerei Cricova gelagert.[23]
  • Wie in einem Propagandafilm des NS-Regimes zu sehen ist, hielt sich Hermann Göring einen zahmen Löwen.
  • Bei dem IQ-Test im NĂŒrnberger Prozess wurde bei Göring ein IQ von 138 festgestellt.[24]
  • 2002 wurde von der Bundesagentur fĂŒr Arbeit und dem Land Brandenburg die Instandsetzung eines steinernen Wegweisers fĂŒr das frĂŒhere Anwesen Görings „Carinhall“ bei Klein Dölln in der Schorfheide finanziell gefördert, wie die Landesregierung bestĂ€tigte.[25]
  • 1974 ließ der Freistaat Bayern den Nachlass Görings versteigern.[26] Dieser Vorgang wurde von den ostdeutschen Dokumentarfilmern Walter Heynowski und Gerhard Scheumann in ihrem Kurzfilm „Meiers Nachlaß“ problematisiert.[27]

Verfilmungen

  • Jörg MĂŒllner (Buch und Regie): Göring – Eine Karriere. D, ZDF, Dreiteilige Dokumentation, Untertitel und Erstsendung: „Der Komplize“ (14.), „Der zweite Mann“ (21.), „Nazi Nummer eins“ (28. MĂ€rz 2006)
  • Michael Kloft: Görings letzte Schlacht. Das Tribunal von NĂŒrnberg. Zweiteilige TV-Dokumentation. D, 2 x 45 min.

Literatur

  • Joachim C. Fest: Hermann Göring. Der zweite Mann. In ders.: Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitĂ€ren Herrschaft. 11. Auflage, Piper: MĂŒnchen und ZĂŒrich 1993, ISBN 3-492-11842-9, S. 103-119.
  • Heinrich Fraenkel/Roger Manvell: Hermann Göring. Verlag fĂŒr Literatur und Zeitgeschehen, Hannover, 1964.
  • Andreas Gautschi: Der ReichsjĂ€germeister. Fakten und Legenden um Hermann Göring. 3. Auflage. Nimrod, Hanstedt 2000, ISBN 3-927848-20-4.
  • Guido Knopp: Göring, Eine Karriere. ISBN 3-570-00891-6.
  • Richard Overy: Hermann Göring. Machtgier und Eitelkeit. MĂŒnchen 1986.
  • Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. (wesentliche Teile des Artikels paraphrasieren diesen Text)
  • Dieter Wunderlich: Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie. Pustet, Regensburg 2002, ISBN 3-7917-1787-1.
  • Alfred Kube: Pour le mĂ©rite und Hakenkreuz. Hermann Göring im Dritten Reich. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 1987, ISBN 3-486-53122-0.
  • Hanns Christian Löhr: Der Eiserne Sammler, Die Kollektion Herrmann Göring. Kunst und Korruption im "Dritten Reich", Gebr. Mann Verlag: Berlin 2009, ISBN 978-3-7861-2601-0.
  • Volker Knopf, Stefan Martens: Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall. Ch. Links Verlag, Berlin, 1999, ISBN 3-86153-176-3.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Hermann Göring â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. ↑ Arno Gruen: Der Fremde in uns, dtv, MĂŒnchen 2002, S. 164.
  2. ↑ Arno Gruen: Der Fremde in uns, dtv, MĂŒnchen 2002, S. 168.
  3. ↑ Ben Barkow; Raphael Gross; Michael Lenarz, Hrsg., Novemberpogrom 1938 : Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, London , Frankfurt 2008, S. 482.
  4. ↑ GĂŒnter Brakelman, Zwischen Mitschuld und Widerstand : Fritz Thyssen und der Nationalsozialismus. Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0344-9, S 31.
  5. ↑ Sitzungsprotokoll des Reichstags vom 30. August 1932
  6. ↑ Zum Gang der Ereignisse vgl.Sitzungsprotokoll des Reichstags vom 12. September 1932; dazu z.B. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806-1933, Bonn 2002, S. 511-522.
  7. ↑ Christoph Gusy: Die Weimarer Reichsverfassung. TĂŒbingen 1997, S. 133.
  8. ↑ s. Peter Longerich: Die braunen Bataillone. Geschichte der SA. Beck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-49482-X. S. 219
  9. ↑ Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Novemberpogrom 1938 (Teil 1). Stand: 7. Januar 2007.
  10. ↑ Topographie des Terrors: Internationales MilitĂ€r Tribunal – Vernehmung Hermann Görings durch Robert H. Jackson. Stand: 7. Januar 2007
  11. ↑ Nancy H. Yeide: Beyond the Dreams of Avarice. The Hermann Goering Collection, Dallas 2009
  12. ↑ Gerd R. UeberschĂ€r, Winfried Vogel: Dienen und Verdienen. Hitlers Geschenke an seine Eliten. Frankfurt 1999, ISBN 3-10-086002-0
  13. ↑ Wolfgang Michalka: Deutsche Geschichte 1939-1945. Frankfurt am Main 1999, S. 116.
  14. ↑ Vgl. Joachim C. Fest: Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek 2004, hier S. 101.
  15. ↑ Les Archives SecrĂštes du Comte Ciano 1936-1942, Paris 1948, S. 478; zit. nach: Götz Aly und Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen PlĂ€ne fĂŒr eine neue europĂ€ische Ordnung. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1993, S. 365.
  16. ↑ BR online, College-Radio: [1], [2] (PDF-Datei).
  17. ↑ Rochus Misch: Der letzte Zeuge, ZĂŒrich und MĂŒnchen 2008 (3. Auflage), S. 195f.
  18. ↑ Vgl. Joachim C. Fest: Der Untergang. Hitler und das Ende des Dritten Reiches. Rowohlt, Reinbek 2004, hier S. 101-103.
  19. ↑ NS-Archiv – Dokumente zum Nationalsozialismus: Adolf Hitler: Politisches Testament 1945. S. 7, Stand: 7. Januar 2007.
  20. ↑ Joe Heydecker und Johannes Leeb, Der NĂŒrnberger Prozeß. Bilanz der Tausend Jahre, Köln und Berlin 1958 S. 486f.
  21. ↑ Telford Taylor, The Anatomy of the Nuremberg Trials, New York 1992.
  22. ↑ US-Gefreiter: Ich ĂŒbergab Göring die Zyankali-Pille, SĂŒddeutsche Zeitung, 8. Februar 2005
    Man says he was duped into helping Nazi commit suicide, USA Today, 7. Februar 2005.
  23. ↑ Spiegel Online, 2006
  24. ↑ Gustave M. Gilbert: NĂŒrnberger Tagebuch, Fischer Taschenbuch Verlag, 1962, ISBN 3-436-02477-5
  25. ↑ MĂ€rkische Oderzeitung: IrrtĂŒmlich Gedenkstein fĂŒr frĂŒheres Anwesen Görings gefördert. 12. November 2006, Stand: 7. Januar 2007
  26. ↑ Galerie dÂŽHistoire – AndrĂ© Huesken
  27. ↑ MEIERS NACHLASS. D: Heynowski [DD, 1975]

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