Hermann I. (Thüringen)


Hermann I. (Thüringen)
Hermann I. von Thüringen und seine zweite Gattin Sophia von Wittelsbach, Darstellung in einer Handschrift um 1210

Hermann I. (* um 1155; † 25. April 1217 in Gotha) aus der Familie der Ludowinger war Pfalzgraf von Sachsen und Landgraf von Thüringen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hermann war der jüngere Sohn Ludwigs II. von Thüringen. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder, dem späteren Ludwig III., wurde er unter anderem am Hof Ludwigs VII. von Frankreich erzogen. 1181 erhielt Hermann von Ludwig III. die Pfalzgrafschaft Sachsen. Nachdem Ludwig 1190 beim Dritten Kreuzzug verstorben war, erbte Hermann auch die Landgrafschaft.

1197 beteiligte sich Hermann am Kreuzzug Kaiser Heinrichs VI., der nach dem überraschenden Tod Heinrichs vorzeitig abgebrochen wurde.

Nachdem die alten Protagonisten der Auseinandersetzungen zwischen den Staufern und den Welfen, Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe, 1190 und 1195 gestorben waren, verlagerte sich der Kampf auf ihre Söhne Philipp von Schwaben und Otto IV. Beide beanspruchten nach dem Tod Heinrichs VI. 1197 die deutsche Königskrone. Landgraf Hermann wechselte dabei in nur zwölf Jahren siebenmal die Seiten. Er bemühte sich, durch diese Wechsel sein Herrschaftsgebiet zu vergrößern und geschlossener zu gestalten. Dem gleichen Ziel diente die von ihm fortgesetzte Heiratspolitik der Thüringer: Er war der Cousin des Königs Ottokar von Böhmen, seinen Sohn Ludwig verheiratete Hermann mit der ungarischen Prinzessin Elisabeth. 1211 entschied er sich, Barbarossas Enkel Friedrich II. bei seiner Bewerbung um die deutsche Königskrone zu unterstützen.

Durch seine zeitweise Erziehung in Paris war er mit zeitgenössischer französischer Literatur bekannt, deren deutsche Neubearbeitung er förderte. Am Landgrafenhof entstanden unter anderem Heinrichs von Veldeke Eneasroman, Wolframs von Eschenbach Willehalm, ggf. Teile des Parzival und Herborts von Fritzlar Liet von Troye. Die Wartburg wurde unter seiner Herrschaft endgültig zum Hauptsitz der Ludowinger. 1206 soll dort der Sängerkrieg stattgefunden haben, an dem so bedeutende Minnesänger wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach teilnahmen.

Am 25. April 1217 starb Hermann I. in Gotha. Er wurde im Eisenacher Katharinenkloster beigesetzt. Nachfolger wurde sein Sohn Ludwig IV.

Ehen und Nachkommen

Hermann heiratete 1182 in erster Ehe Sophia von Sommerschenburg († 1189/90), die Witwe des Grafen Heinrich I. von Wettin, mit der er zwei Töchter hatte:

  • Jutta (* 1182; † 1235)
∞ 1197 Markgraf Dietrich von Meißen (* 1162; † 1221, genannt der Bedrängte)
∞ 1223 Graf Poppo XIII. von Henneberg (* 1185/90; † 1245)
  • Hedwig[1] († 1247)
∞ um 1211 Graf Albrecht von Orlamünde, Graf von Holstein

1196 heiratete er Sophia (* 1170; † 1238), Tochter Herzog Ottos I. von Bayern. Der Ehe entstammen weitere sechs Kinder:

  • Irmgard (* 1196; † 1244)
∞ 1211 Fürst Heinrich I. von Anhalt
  • Hermann (* vor 1200; † 1216)
  • Ludwig IV. (* 1200; † 1227), 1217–1227 Landgraf in Thüringen
∞ 1221 Elisabeth (1207–1231, 1235 heiliggespr.), Tochter König Andreas′ II. von Ungarn
  • Heinrich Raspe (1204–1247), 1227–1247 Landgraf von Thüringen, 1246/47 römisch-deutscher Gegenkönig
  • Agnes (* 1205; † vor 1247)
∞ 1225 Heinrich von Babenberg, genannt der Grausame oder der Gottlose (* 1208; † 1228)
∞ 1229 Herzog Albrecht I. von Sachsen (* um 1175; † 1261)

Literatur

  • Peter Neumeister: Hermann I., Landgraf von Thüringen (1190–1217). In: Eberhard Holtz/ Wolfgang Huschner (Hrsg.): Deutsche Fürsten des Mittelalters. Edition Leipzig, Leipzig 1995, S. 276–291, ISBN 3361004373
  • Helga Wäß: Figurengrabplatten der Landgrafen von Thüringen. Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Ein Beitrag zu mittelalterlichen Grabmonumenten, Epitaphen und Kuriosa in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nord-Hessen, Ost-Westfalen und Südniedersachsen. Band 2: Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. Berlin (Tenea Verlag) 2006, Band 2, S. 532 ff. mit Abb. ISBN 3-86504-159-0
  • Hans Eberhardt: Hermann I., Landgraf von Thüringen. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 642 f.
  • Eduard WinkelmannHermann, Landgraf von Thüringen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 155–157.

Einzelnachweise

  1. Hedwig von Thüringen bei genealogie-mittelalter.de

Weblinks

 Commons: Hermann I of Thuringia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig III. Pfalzgraf von Sachsen
1181–1217
Ludwig IV.
Landgraf von Thüringen
1190–1217

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