Herzogtum Berg

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Herzogtum Berg
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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Herzogtum Berg
Wappen
_ursprĂŒngliches Wappen der Grafschaft Berg Wappen der Grafschaft und des Herzogtum Berg unter dem Haus Limburg-Arlon
Karte
Allgemeiner historischer Handatlas - Herzogtum Berg im 15. Jahrhundert.png
Herzogtum Berg im 15. Jahrhundert
Alternativnamen Bergen
Entstanden aus Ruhrgau, Keldachgau, Deutzgau und Auelgau
Herrschaftsform Grafschaft,
ab 1380 Herzogtum
Herrscher/Regierung Graf/Herzog
Heutige Region/en DE-NW
Reichskreis niederrheinisch-westfÀlisch
HauptstÀdte/Residenzen Altenberg,
ab 1133 Burg a.d. Wupper,
ab 14. Jh DĂŒsseldorf
Dynastien Berg-Altena, Limburg-Arlon, JĂŒlich-Heimbach
Konfession/Religionen römisch-katholisch
Sprache/n Deutsch
Aufgegangen in JĂŒlich-Berg (1423)
17. Jahrhundert

Das Herzogtum Berg (lateinisch Ducatus Montensis) war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im östlichen Rheinland. Es zĂ€hlte zum niederrheinisch-westfĂ€lischen Reichskreis und war landstĂ€ndisch verfasst. Es bestand vom 11. Jahrhundert (bis 1380 als Grafschaft) bis 1806 als Herzogtum Berg, danach noch wenige Jahre in stark verĂ€nderter Form als Großherzogtum. Berg war lange mit dem Herzogtum JĂŒlich und wechselweise mit verschiedenen anderen Territorien in Personalunion vereint. Herrschaftssitz war zunĂ€chst Altenberg, ab 1133 dann Schloss Burg und ab dem spĂ€ten 14. Jahrhundert DĂŒsseldorf.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

S. Sanson 1696
S. Sanson 1696

Das Herzogtum Berg umfasste um 1800 ein Areal von 2.975 kmÂČ mit 262.000 Einwohnern und lag auf der rechten Rheinseite zwischen dem Vest Recklinghausen, dem Reichsstift Essen, der Reichsabtei Werden, der Grafschaft Mark, der Reichsherrschaft Homburg, der Grafschaft Gimborn, dem Herzogtum Westfalen, dem KurfĂŒrstentum Köln, dem FĂŒrstentum Moers und dem Herzogtum Kleve.

Seine Grenze verlief im Westen entlang des Rheins, mit Ausnahme der Kurkölnischen Orte Deutz, Poll, Vingst und Kalk, den Gebieten um die Burg Drachenfels und die Wolkenburg sowie zweier kleinerer Teile rechts und links der SiegmĂŒndung bei Beuel (Kloster Villich). Im Norden endete das Territorium etwa auf Höhe der Ruhr mit Ausnahme der klevischen Stadt Duisburg, im SĂŒden verlief es vom Rhein sĂŒdlich von Bad Honnef entlang der heutigen Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz in ostnordöstlicher Richtung (sĂŒdlich der Sieg). Die Ostgrenze ergab sich durch den geographisch relativ offenen Übergang zur Grafschaft Mark, in Höhe von Waldbröl, etwa auf der Linie Schwelm–WipperfĂŒrth– Gummersbach.

Heute decken die Regierungsbezirke DĂŒsseldorf und Köln, soweit sie rechts des Rheins und sĂŒdlich der Ruhr liegen, in etwa das historische Territorium des Herzogtums.

Dieses gesamte Gebiet der Mittelgebirgsregion Bergisches Land, bestehend aus dem Niederbergischen und dem Oberbergischen Land, wobei hier die Wupper als geographische Grenze herangezogen wird, sowie den StÀdten Wuppertal, Solingen, Remscheid, Wermelskirchen, Leverkusen, Bergisch Gladbach, Rösrath, Bensberg, Overath, Siegburg und eine Vielzahl bergischer Gemeinden verdanken ihren Namen einer fast 1000-jÀhrigen Zugehörigkeit zum Herzogtum Berg.

Heute wird der Begriff Bergisches Land vornehmlich geographisch fĂŒr die höher gelegenen (= „bergigen“) Regionen des ehemaligen Herzogtums verwendet, da er oft fĂ€lschlich als das „Land der Berge“ verstanden wird. Als Bezeichnung des historischen Gebietes, das vor 900 Jahren seinen Ausgang von der Burg Berge an der DhĂŒnn nahm, wird dieser Landesbegriff kaum noch benutzt.

Geschichte

Vorgeschichte

Das Rheintal war beim ersten Erscheinen der Römer von Ubiern, spĂ€ter von Tenkterern und Sugambrern bewohnt, wĂ€hrend die höher gelegenen Teile des Landes nahezu unbewohnt waren. Noch wĂ€hrend der Römerzeit am Rhein schlossen sich die im Rheinland angesiedelten StĂ€mme zu den ripuarischen Franken zusammen. In dieser Zeit war das Gebiet Grenzland zu den Sachsen. Die bis dahin stark bewaldeten Hochlagen des Landes wurden erst nach den Sachsenkriegen Karls des Großen vom Rhein und von der Ruhr kommend besiedelt. Das Christentum fand im nördlichen Bergischen Land zuerst um 700 Eingang durch Suitbert, einen SchĂŒler Bedas, der auf einer Rheininsel bei DĂŒsseldorf das Stift Kaiserswerth grĂŒndete. Die weitere Christianisierung ging im sĂŒdlichen Teil des Landes von Kölner und Bonner Stiften aus und dauerte im Bergland noch bis ins 10. Jahrhundert. Nach frĂ€nkischer Gaueinteilung bestand das Bergische Land im Altsiedelland an Rhein und Ruhr aus dem Ruhrgau, auch Duisburggau genannt, Keldachgau, Deutzgau und dem Auelgau.

Entstehung der Grafschaft Berg

Hatte Kaiser Otto der Große (936–973) ein festgefĂŒgtes Reich mit einer straffen Reichsverwaltung gegrĂŒndet, in der die Bischöfe das hohe Beamtentum stellten und Herzöge und Grafen belehnte Vasallen waren, so trat unter den salischen Kaisern (1024–1125) allmĂ€hlich ein Wandel ein, bis unter Heinrich IV. (1056–1106) das Zeitalter der Territorial-FĂŒrstentĂŒmer begann, was zur VerdrĂ€ngung der Gaugrafen fĂŒhrte. Die Abseitsstellung des Bergischen Landes, bedingt durch die gebirgige Bodengestaltung, die immer die Bildung kleinerer Territorien begĂŒnstigte, ließ aus dem zunĂ€chst kleinen Allod aus dem Königsgut oder Reichsgut an der DhĂŒnn, aus den auch durch Erbschaft hinzuerworbenen Besitzungen zwischen Rhein und Westfalen, aus den Vogteien von Essen, Werden, Gerresheim, durch den Besitz der Deutzer Vogtei, die Forsthoheit ĂŒber den Königsforst, die Vogtei Siegburg mit dem Auelgau und dem Waldbezirk Miselohe etwa seit der Mitte des 11. Jahrhunderts die Grafschaft Berg entstehen.

Unter den anarchischen ZustĂ€nden in der Mitte des 11. Jahrhunderts, als sich der Besitz emporstrebender Adliger durch Erbe, Eroberung sowie durch Kauf und Pfandschaften ĂŒber alte gegebene Grenzen hinweg ausdehnte, lösten sich mit dem Abstieg der Gaugrafen auch die Grenzen der alten Gauaufteilung auf. Auch die Pfalzgrafen der Ezzonen versuchten jetzt, sich vom Königsdienst zu lösen und eigene Macht zu entfalten. Dies scheiterte am Widerstand des Kölner Erzstuhls. Im Jahre 1060 unterlag Pfalzgraf Heinrich dem Kölner Erzbischof Anno II. in einer Fehde. Dadurch Ă€nderten sich die Besitz- und PfandschaftsverhĂ€ltnisse im Raum zwischen SĂŒlz und Wupper. Allode und Gerechtsame gingen den Pfalzgrafen rechtsrheinisch und am nördlichen Niederrhein verloren. Anno konnte seine Interessen um die Neuvergabe der rechtsrheinischen Königslehen mit Hilfe seiner Vormundschaft ĂŒber den unmĂŒndigen König Heinrich IV. durchsetzen.

Gerade in diesem Gebiet, durch das die Straßen nach Westfalen zu Besitzungen verschiedener Kölner Kirchen fĂŒhrten, darunter die fĂŒr den Landtransport wichtigen Straßen zwischen Köln und Dortmund, brauchte Anno einen treuen und zuverlĂ€ssigen GewĂ€hrsmann als Nachfolger des Ezzonen. Nach Urkundenlage war in diesem Raum ein Adelsgeschlecht ansĂ€ssig, das zwischen Erft und Rhein ĂŒber einigen allodialen Besitz verfĂŒgte und dort verschiedene Gerechtsame wahrnahm, jedoch keinen Stammsitz oder Burg besaß. Die neu zu vergebenden Königslehen lagen nicht nur dem erzbischöflichen Besitz, sondern auch dem meist verstreut liegenden Besitz des noch am linken Rheinufer sesshaften Grafengeschlechtes gegenĂŒber. Diese Familie war durch Verwandtschaft mit angesehenen linksrheinischen Grafengeschlechtern verbunden, die in der Gunst des Kölner Erzstuhls standen. Der aus diesem Hause stammende Adolf sah eher auf der rechten Seite des Rheines Möglichkeiten zum Aufstieg. So befand sich seine erste Burg, Burg Berge bei Altenberg, inmitten seines dortigen Lehngutes. In dieser Befestigungsanlage liegen die AnfĂ€nge der Grafen von Berg.

Die ersten Grafen von Berg

Die Vorfahren der Grafen von Berg wurden erstmals um 1003 erwĂ€hnt. Sie besaßen zu dieser Zeit das erbliche Vogteiamt ĂŒber die Benediktinerabtei Deutz (erstmals nachweisbar ab 1311) und die Abtei Werden, sowie die Burgherrschaft ĂŒber die Burg Altena an der Lenne im SĂŒderland. Bereits 1056 wird ein Adolf als Vogt des Stiftes Gerresheim urkundlich erwĂ€hnt.

Die Vögte hatten Aufsichts- und Schutzpflichten fĂŒr die großen GĂŒter und Besitzungen und die Rechtsgewalt fĂŒr die kirchlichen Grundherrschaften, da geistliche oder kirchliche Einrichtungen keine eigene Gerichtsbarkeit besaßen.

In einem Zeitraum von etwa fĂŒnf Jahrzehnten hatten die Herren von Berge (Altenberg) soviel an BesitztĂŒmern und Ämtern erworben, dass sie zu einem mĂ€chtigen Geschlecht im Deutzgau geworden waren. Der Aufstieg der Herren von Berg, mit begĂŒnstigt durch die geschwĂ€chte Reichsgewalt, ging so schnell vor sich, dass es zunĂ€chst nur dem Herrn von HĂŒckeswagen und dem erst spĂ€ter auftretenden Herrn von Hardenberg gelang, sich in ihrem selbstĂ€ndigen Besitz ihrer GerichtsstĂ€tte zu halten. Die Grafen von Berg waren das einzige landesherrliche Geschlecht zwischen Sieg und Ruhr, zwischen den Grafen von Sayn und denen von Kleve. Sie erschienen schon lange in der Umgebung der Kaiser und Kölner Erzbischöfe, bevor Graf Adolf I. im Jahr 1101 urkundlich als Graf von Berg genannt wurde.

Bis um 1400 sind fĂŒr die Berger in Gymnich noch alte Besitzrechte, in Rommerskirchen Zehntrechte im Raum der Erft nachgewiesen. Alte verwandtschaftliche Beziehungen bestanden zum Haus Saffenburg, zu den Grafen von Nörvenich und vermutlich auch zu den Grafen von Hochstaden-Wickrath.

Überlieferung – Geschichtliche Grundlagen der Entstehung

Karte Ducatus Montanianum (1715) von Erich Phillip Ploennies

Bei den „offiziellen“ ZĂ€hlungen der Grafen und Herzöge von Berg kommt es immer wieder zu Verwirrungen. Einerseits wurde der Stammbaum der Berger je nach Urkundenlage durch ErgĂ€nzungen oder neue Auslegungen in den letzten Jahrzehnten immer wieder verĂ€ndert und ergĂ€nzt, andere Heimatforscher zweifeln die Ergebnisse wieder an. DarĂŒber hinaus gibt es die unterschiedlichsten Namensnennungen, da durch die damalige ĂŒbliche Verheiratung der Adeligen, mit planmĂ€ĂŸiger VergrĂ¶ĂŸerung der Gebiete und Grafschaften, gleich mehrere Grafschaften im Namen der Grafen erscheinen konnten. Je nach Art, Ort und ZustĂ€ndigkeit des Grafen erschien in frĂŒheren Jahrhunderten oft nur der fĂŒr die Beurkundung erforderliche Titel. Selbst ausgewiesene Experten der Geschichte des Bergischen Landes und Kenner der umliegenden historischen Territorien haben Schwierigkeiten, eine einheitliche Linie zu finden.

Der Ă€lteste Hinweis auf die Familiengeschichte der Berger stammt aus einer von Levold von Northof ĂŒbermittelten mittelalterlichen Oralchronik (also einer mĂŒndlich ĂŒberlieferten Familiengeschichte). In seiner „Chronica comitum de Marka“ (1358 vollendet) wird nach EinschĂ€tzung der ĂŒberwiegenden Mehrheit der Historiker ein relativ glaubhaftes Bild der Familiengeschichte gezeichnet, da er seine Studienzeit unter anderem mit dem Grafensohn Adolf VI. von Berg verbrachte. Kern seiner Überlieferung ist die Aussage, dass die MĂ€rker und Berger bis zur Teilung des Landes 1160 eine gemeinsame Familiengeschichte hatten.

Verwandtschaftliche Beziehungen, die Gunst des Erzbistums Köln und auch Heirat im Sinne der Landespolitik verhalfen den ersten bergischen Grafen, ihre Herrschaft ungestört zu entfalten und auszudehnen, wobei die persönlichen FĂ€higkeiten der Grafen auch bei „Hofe“ fĂŒr hohe Anerkennung und Teilnahme an Entscheidungen sorgten.

Bis zum Jahre 1225 unterstanden bereits weite Teile des spĂ€teren Bergischen Landes der Herrschaft der Berger. Sie beruhte auf verschiedenen Grundlagen: der Herrschaft ĂŒber Grund-, Lehns-, Pfandbesitz, den Rodungen der Bevölkerung, auf Kirchenvogteien, der Grafengerichtsbarkeit, der Stadtherrschaft, Forstgerechtigkeiten und Regalien.

So hat die geopolitische Lage des Bergischen Landes im aufkommenden Zeitalter der Territorial-FĂŒrstentĂŒmer es ermöglicht, dass sich aus den Herren von Berg ein Geschlecht entwickelte, das durch glĂŒckliche Anpassung an die schwankenden MachtverhĂ€ltnisse im Reich und damit durch glĂ€nzende politische Überlegenheit der Grafen in die Lage versetzt wurde, den Besitz so zu erweitern, dass das Territorium Berg immer mĂ€chtiger wurde, bis es in die Reihe der Großen gelangte.

Die Grafen von Berg

Haus Berg (1068–1225)

Adolf I. von Berg

1068 nannte sich ein Adolf, der dritte Deutzer Vogt dieses Namens, zuerst mit dem Zusatz „vom Berge“ (latinisiert: „de Monte“); Um 1080 wurden in seinem oder seines Nachfolgers Namen SilbermĂŒnzen geprĂ€gt mit der Aufschrift „ADOLPHUS COMES DE MONTE“. Ein 1093 urkundlicher „Adolphus puer“ legt die Vermutung nahe, dass das Werdener Vogtamt ebenfalls bereits im Hause Berg erblich war; aber erst im Jahr 1101 fĂŒhrte ein Adolf von Berg in einer Urkunde des Kaisers Heinrich IV. den Grafentitel. Von diesem Zeitpunkt an wurde er Graf Adolf I. von Berg genannt, mit ihm begann die Reihenfolge der ZĂ€hlung, da die VorgĂ€nger mit Namen Adolf noch nicht als Grafen von Berg nachgewiesen wurden. Adolf I. starb im Jahr 1106. Durch seine Ehefrau Adelheid von Lauffen, deren Vater Heinrich aus dem Lobdengau am unteren Neckar stammte und dessen Bruder, Erzbischof Bruno von Trier, vielleicht Pate von Adolfs Sohn Bruno war, des spĂ€teren Propstes von Koblenz und als Bruno II. Erzbischof von Köln, dĂŒrfte Adolf I. zu weiterem allodialem Besitz gekommen sein und damit seine Gerechtsame erheblich vergrĂ¶ĂŸert haben, da Adelheid von Lauffen das Erbe ihrer Mutter Ida von Werl in die Ehe mit ihm einbrachte. Zu diesem Besitz gehörte nicht die Burg Hövel in Bockum-Hövel, da fĂŒr diese zu 1080 und 1121 jeweils ein Adolf von Hövel urkundlich genannt ist, der von Paul Leidinger jeweils mit einem Adolf von Berg identifiziert worden ist. Hövel ist also schon vor Adolfs Werler Heirat mit Adelheid als Bergisch nachweisbar.

Adolf II. von Berg

Nachfolger von Adolf I. wurde sein Sohn Adolf II. von Berg. Geboren zwischen 1095 und 1100, regierte er von 1115 bis 1160. SpĂ€testens 1120 ehelichte er eine Arnsbergerin aus dem Hause Werl mit Namen Adelheid; dadurch kamen die Berger zu weiteren westfĂ€lischen Besitzungen, vornehmlich zwischen Emscher und Ruhr, im Raum Bochum und bei Unna, Kamen und Hamm, Telgte und Warendorf; der Umfang der Besitzungen ist nicht mehr genau feststellbar, umschlossen aber auch die Vogteirechte fĂŒr die Abtei Werden im Raum LĂŒdinghausen. SpĂ€testens durch diese Heirat entstand Verwandtschaft zu den Cappenbergern, wobei Adolf II. von Berg ca. 1122 Vogt des PrĂ€monstratenserstiftes Cappenberg wurde und damit nochmals erheblichen Machtzuwachs erhielt; etwa um diese Zeit erscheinen die Berger auch als Klostervögte von Siegburg.

Adolf II. erbaute die neue Burg Neuenberg – Novus Mons – an der Wupper, die heute als Schloss Burg bekannt ist, auf einer VorgĂ€ngerbefestigung aus dem 10. Jahrhundert. Die alte Stammburg Berge in Odenthal-Altenberg bzw. Vetus Mons – wurde um 1133 aufgegeben. Die Liegenschaften rund um die Stammburg Berge wurden den Zisterziensern ĂŒbergeben, die dort ab dem 25. August 1133 die Abtei Altenberg mit einer ersten Klosterkirche errichteten. Das sehr große Gotteshaus, errichtet ab der Mitte des 13. Jahrhunderts, wird heute Altenberger Dom genannt. Der Einfluss und wohl auch die monetĂ€re LeistungsfĂ€higkeit des Grafen Adolf II. von Berg im Rheinisch-WestfĂ€lischen Raum waren daran erkennbar, dass sowohl sein Bruder Bruno als auch sein Sohn Friedrich Erzbischof von Köln wurden.

Seine zweite Ehe mit einer Nichte des Kölner Erzbischofs Friedrich brachte Adolf das Vogteirecht ĂŒber die Abtei Siegburg ein, das erstmals 1138/39 bezeugt ist.

Wenngleich mittlerweile der Schwerpunkt bergischer Macht in Westfalen lag, versĂ€umte es Adolf II. nicht, seine Herrschaft zwischen Wupper und Sieg auszudehnen. Da dieses Gebiet sich fast ausschließlich im Besitz der Kölner Klöster und Stifte befand, konnte Adolf dieses Ziel hauptsĂ€chlich durch Übernahme von Kirchenvogteien erreichen.

Engelbert I. von Berg

1160 wurde der bergische Herrschaftsbereich unter Adolfs Söhnen Everhard und Engelbert aufgeteilt. WĂ€hrend Everhard als der Ältere die westfĂ€lischen Besitzungen mit den Burgen Altena und Hövel und die Vogteien Werden, Essen und Cappenberg erhielt, verblieb Engelbert I. von Berg das rheinfrĂ€nkische Erbe. Engelbert fĂŒhrte den Namen Berg weiter. Everhard begrĂŒndete die Altenaer Linie; seine Nachfahren nannten sich spĂ€ter Grafen von der Mark.

Infolge der Erbteilung konnte Engelbert sich ganz dem zwischen Rhein, Ruhr, Wupper und Sieg gelegenen Gebiet zuwenden. Dabei waren ihm die seit langem bestehende Gunst und einvernehmliche Beziehungen der Kölner Erzbischöfe, seinen Verwandten, von Nutzen: Erzbischof Friedrich II. war sein Bruder; mit Philipp von Heinsberg hatte er die gemeinsame Großmutter Adelheid von Lauffen. Der erst nach Engelberts Tod 1189 zum Erzbischof von Köln geweihte Bruno III. von Berg war sein Halbbruder, Adolf von Altena war der Sohn seines Bruder Eberhard von Altena, also sein Neffe. Engelbert war verheiratet mit Margarethe von Geldern.

Mittelpunkt seines Herrschaftsbereichs wurde das bereits von Adolf II., vermutlich im Hinblick auf die bevorstehende Erbteilung, erbaute Schloss Burg an der Wupper. Bei Engelbert lĂ€sst sich der Besitz der Burg Bensberg nachweisen und damit grĂ¶ĂŸere grundherrliche Besitzungen im Raum Bensberg, (Hebborn, Paffrath und Herkenrath). Die Grundherrschaft Sulsen-Immekeppel der Grafen Liedberg-Meer mit den abhĂ€ngigen Höfen Refrath, LĂŒckerath, Moitzfeld und Frankenforst erhielt Engelbert I. vom Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg ĂŒbertragen. 1174 kam die Burg Neu-Windeck als (Unter-)Lehen von Heinrich Raspe hinzu.

Gerhard Mercator: Karte von Berg (Köln 1585) – Ausschnitt mit dem sĂŒdlichen Teil der Grafschaft Berg zur Zeit Engelberts I., zu der die Gebiete an Wupper, DhĂŒnn, Agger, SĂŒlz und Sieg mit den grĂ€flichen Burgen Burg an der Wupper, Neuenberg, Steinbach und Bensberg gehörten.

Bis zu den siebziger Jahren des 12. Jahrhunderts gelang es Engelbert als Vogt des Kölner Severinsstiftes, den Herrschaftsbereich an Agger und SĂŒlz ĂŒber die Siegburger Vogtei weiter auszudehnen. Dabei diente die Burg Neuenberg bei Lindlar als Zentrum des oberbergischen Landesausbaus (spĂ€ter wurde sie Grenzfeste zur Herrschaft Gimborn).

Die Besitzungen des Severinsstifts östlich von Bensberg, bei Hohkeppel und im Raum Lindlar dĂŒrften schon vorher der bergischen Vogtei fĂŒr das Stift St. Severin unterstanden haben.

Die an der Sieg erworbenen Allode – etwa bei Eitorf – wie auch die erworbenen Vogteien ĂŒber Bonner Stifte, vor allem ĂŒber St. Cassius (Auelgau), verschafften den Bergern die Ausdehnung der Herrschaft sĂŒdlich der Sieg, die 1172 durch die Erbschaft der halben Herrschaft Saffenberg noch erweitert wurde.

Nach dem Verlust der Werdener Vogtei und der damit verbundenen Vorherrschaft im östlichen Teil des Niederbergischen an seinen Bruder Everhard suchte Engelbert im Westen des Niederbergischen Einfluss zu gewinnen. Wichtiger war der Erwerb der Vogtei Kaiserswerth, wo Engelbert die Hardenberger, die noch 1145 bis 1158 genannt wurden, ablöste. Erst Engelbert I. und seine Nachfolger erwarben Grundbesitz im Niederbergischen. 1176 um Hilden und Haan sowie 1186 um DĂŒsseldorf. Wahrscheinlich 1189, vermutlich im Zusammenhang mit dem 3. Kreuzzug Friedrichs I. Barbarossa, verpfĂ€ndete Arnold von Teveren (Tyvern) seinen gesamten rechtsrheinischen Besitz zu Holthausen, DĂŒsseldorf, Buscherhof, Eickenberg bei Millrath, Monheim, Himmelgeist, am Rheinufer nahe Holthausen und an der Anger fĂŒr 100 Mark an Engelbert von Berg – das Pfand wurde nie eingelöst. In der Folgezeit konnten die stark und mĂ€chtig gewordenen Grafen von Berg in diesem Gebiet weitere Besitzungen von einigen Herren und Edelfreien (u. a. den Herren von Bottlenberg, Erkrath und Eller), die in finanzielle Notlage geraten waren, ĂŒbernehmen. Bei dieser Gebietsausdehnung schuf vermutlich bereits Engelbert I. die ersten Gerichte und Ämter zur Verwaltung seines Landes.

Adolf III. von Berg

Die nicht eingelösten PfandgĂŒter des Edelherrn von Teveren fielen an Engelberts Sohn und Nachfolger Adolf III. Sie sind die Ă€ltesten Besitzungen des Hauses Berg nördlich der Wupper. Weiteren Machtzuwachs brachte der Erwerb der Vogtei ĂŒber das Stift Gerresheim. Adolf III. war im Besitz von Höfen von Merheim, MĂŒlheim, an beiden Rheinufern zwischen Rheindorf und ZĂŒndorf, Buchheim, Lind und Uckendorf. HĂŒckeswagen verzichtete erst 1260 auf alle AnsprĂŒche aus den von Engelbert I. eingeleiteten VerpfĂ€ndungen; sie sind vermutlich unter Adolf III. bereits als Allode oder Lehen an Berg ĂŒbergegangen. Seine Landespolitik zielte auf Sicherung und Entfaltung des Erreichten.

Engelbert II. von Berg, Engelbert I. Erzbischof von Köln und Graf von Berg

Als Adolf III. 1218 auf dem Kreuzzug von Damiette in Ägypten ohne einen Sohn als Erben starb, machte das Haus Limburg, in das Adolfs Tochter Irmgard eingeheiratet hatte, seinen Erbanspruch auf den gesamten bergischen Besitz geltend. Adolfs jĂŒngerer Bruder, der Kölner Erzbischof Engelbert I., befĂŒrchtete, dass die Limburger, mit denen bereits Adolf III. Streitigkeiten hatte, nicht so treu wie bisher das Haus Berg zum Erzbischof halten wĂŒrde. Deshalb wies er die limburgischen AnsprĂŒche mit Waffengewalt zurĂŒck und ĂŒbernahm selbst als Engelbert II. die Herrschaft ĂŒber die Grafschaft Berg.

Mit seiner Ermordung 1225 endete das bergische Grafengeschlecht in dieser Abstammungslinie, da die mĂ€nnliche Linie der bergischen Grafen mit dem Tode Engelbert II. erlosch. Berg gelangte an das Haus Limburg, das damit seine ErbansprĂŒche schließlich durchsetzen konnte.

Haus Limburg (1225–1313)

Die Grafschaft Berg fiel nun als Erbe ĂŒber Irmgard von Berg an Heinrich von Limburg, Schwiegersohn des bergischen Grafen Adolf III., und danach an seinen Sohn Adolf IV. von Berg (reg. 1246–1259), der die engen Bindungen zum Erzbistum Köln dadurch weiter festigte, dass er die Schwester des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden heiratete. Adolf IV. war der Ă€ltere der Söhne von Heinrich und hĂ€tte als erstgeborener AnsprĂŒche auf Limburg gehabt, erbte aber Berg, der jĂŒngere Bruder Walram erhielt das Herzogtum Limburg.

Sein Sohn Adolf V. (1259–1296) nahm in der Schlacht von Worringen den Erzbischof von Köln, Siegfried von Westerburg,[1] gefangen und erklĂ€rte im selben Jahr (1288) DĂŒsseldorf zur Stadt. Mit dem Sieg in der Schlacht von Worringen war die vom Erzbistum Köln stĂ€ndig ausgehende ExistenzgefĂ€hrdung des Herzogtums Berg endgĂŒltig gebannt.

Ihm folgte sein Bruder Wilhelm I. (1296–1308). Da in Berg noch keine Erbfolge festgelegt war – nur die AnsprĂŒche aus den mĂ€nnlichen Linien hatten den Vorrang des Erbes – verzichtete der Ă€ltere Bruder Wilhelms auf das Erbe. Beide waren Pröpste in Köln. Wilhelm I. wurde von seinen GelĂŒbden befreit und heiratete Irmgard von Kleve, die Ehe blieb kinderlos.

Danach ging das Erbe an Adolf VI. (1308–1348), der ein Neffe Wilhelms I. und ein Sohn des verstorbenen Heinrich von Berg Herr von Windeck war. Durch sehr viel Geschick in den Fragen der Reichspolitik konnte sich Adolf VI. einige Rechte sichern, die ihm durch Ludwig dem Bayern verliehen wurden.

Sowohl bei der Königswahl und 1327 im Italienkreuzzug und der Krönung Ludwigs zum Kaiser war er im Gefolge Ludwigs zu sehen. Adolf verstarb nach vierzigjÀhriger Regentschaft. Er war kinderlos geblieben; damit erlosch die Linie Limburg-Berg.

Haus JĂŒlich (1380–1521)

Die LĂ€nder JĂŒlich, Berg, Kleve, Mark und Ravensberg

Berg fiel nun an den Schwiegersohn von Adolfs Schwester GrĂ€fin Margarete von Ravensberg-Berg, den Grafen Gerhard von JĂŒlich Berg, Sohn des Herzogs Wilhelm von JĂŒlich. Gerhard, der bereits 1346 durch seine VermĂ€hlung in den Besitz der Grafschaft Ravensberg gekommen war, regierte Berg ab 1348. Gerhard konnte sein Territorium zwischen Wupper und Ruhr durch den Kauf der Herrschaft Hardenberg mit den Orten Neviges und Langenberg erweitern. Gerhard hinterließ nach seinem frĂŒhen Tod bei einem Turnier in Schleiden im Jahre 1360 einen unmĂŒndigen Sohn und zwei Töchter. Graf Wilhelm II. regierte unter der Aufsicht seiner Mutter Margarete von Ravensberg-Berg. Wilhelm erwarb die Burg und Amt Blankenberg, er wurde 1377 von Kaiser Karl IV. zu seinem geheimen Rat und Hausgenossen ernannt. Die freundliche Verbindung hielt auch an, als Karls Sohn Wenzel die Nachfolge als Kaiser antrat.

Die Herzöge von JĂŒlich-Berg

Wilhelm II. Graf von Berg und Ravensberg erhielt am 24. Mai 1380 auf dem Reichstag zu Aachen von König Wenzel die HerzogswĂŒrde, die Grafschaft Berg wurde zum Herzogtum erhoben. Noch im selben Jahr gab der Herzog die Burg an der Wupper als Residenz auf, neuer Regierungssitz wurde DĂŒsseldorf. Mit der Wahl DĂŒsseldorfs als Hauptstadt des Herzogtums und mit dem Bau einer neuen Residenz am Handelsweg Rhein wollte Wilhelm II. seine neue, erhöhte Stellung im Reich stĂ€rker zum Ausdruck bringen. Zudem wurde Wilhelms Tochter Beatrix von Berg (1360–1395) im Jahre 1385 durch Heirat KurfĂŒrstin von der Pfalz.

Sein Sohn Herzog Adolf VII. bekam nach dem Tode des Herzogs Rainald von JĂŒlich und Geldern 1423 JĂŒlich und das Geldern bestĂ€tigt. Da Adolf VII., er starb 1437, seinen Sohn aus erster Ehe ĂŒberlebt hatte und die zweite Ehe kinderlos blieb, fiel die Nachfolge auf den Sohn seines Bruders Wilhelm, Gerhard II..

Seit 1461 werden Kleve und Mark gemeinsam verwaltet. 1510 heiratet der Klevische Thronerbe die Tochter des letzten Herzog von JĂŒlich-Berg, was 1521 zur Vereinigung von Kleve-Mark mit JĂŒlich-Berg-Ravensberg fĂŒhrt. Berg blieb von da an bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Herzogtum JĂŒlich vereinigt.

Im Jahr 1484 kamen das Amt und die Burg Löwenburg im Siebengebirge durch die Heirat Wilhelm III. von Berg und der Erbin der Herrschaft Löwenburg, Elisabeth von Nassau, an das Herzogtum Berg. 1500 wurde das Herzogtum Teil des Niederrheinisch-WestfÀlischen Reichskreises.

Vereinigte HerzogtĂŒmer JĂŒlich-Kleve-Berg

Karte der Vereinigten HerzogtĂŒmer um 1540. Die Gesamtherrschaft in ihrer grĂ¶ĂŸten Ausdehnung, einschließlich der Vogtei Essen, dem Kondominat Lippe und dem 1543 an den Kaiser verlorenen Herzogtum Geldern mit der Grafschaft Zutphen, jedoch ohne die Vogtei Werden.

Nach dem Erlöschen des jĂŒlich-bergischen Hauses (1521) folgten die Herrscher des Herzogtums Kleve und der Grafschaft Mark aus dem Adelsgeschlecht der von der Mark, einer der beiden westfĂ€lischen Seitenlinien der alten Grafen von Berg. Sie vereinigten die HerzogtĂŒmer JĂŒlich, Kleve, Berg, zeitweilig auch Geldern und die Grafschaften Mark und Ravenberg sowie die Herrschaften Ravenstein und Lippstadt als Vereinigte HerzogtĂŒmer JĂŒlich-Kleve-Berg in einer Hand. Aus diesem Haus regierten drei Herzöge, der erste war Johann der Friedfertige von 1511 in JĂŒlich, Berg und Ravensberg und ab 1521 auch im vĂ€terlichen Erbe dem Herzogtum Kleve, der Grafschaft Mark und dem Kondominat Lippstadt. Johann war schon im Kindesalter auf Schloss Burg mit der Erbtochter des Hauses JĂŒlich verlobt worden. Ihm folgte Wilhelm der Reiche 1539 nach. Er erließ am 31. Oktober 1583 den herzöglichen Befehl, der den gregorianischen Kalender im Herzogtum einfĂŒhrt. Er war zwischen 1538 und 1543 auch Herzog von Geldern, das er im Krieg jedoch an den Kaiser verlor, dem er sich unterwerfen und dessen Verwandte er ehelichen musste. Der Ă€lteste Sohn des Herzogs Karl Friedrich starb auf einer Bildungsreise durch Europa 1575 in Rom. Dort weilte er als Ehrengast des Papstes bei den Weihnachtsfeierlichkeiten des Heiligen Jahres 1574. Er wurde in Santa Maria dell’Anima gegenĂŒber von Papst Hadrian VI. bestattet. Nach dem Tode Karl Friedrichs kam 1592 Johann Wilhelm der GutmĂŒtige als dritter und letzter Herrscher dieses alten Bergisch-MĂ€rkischen Hauses auf den Thron. Johann-Wilhelm war von 1574 bis 1585 fĂŒr elf Jahre FĂŒrstbischof von MĂŒnster und resigierte seine KirchenĂ€mter, nachdem feststand, dass sein Vater keine weiteren Erben mehr zeugen wĂŒrde. Er heiratete zwei Mal, erst 1584 Jakobe von Baden, die 1597 wĂ€hrend seiner geistigen Umnachtung ermordet wurde, und spĂ€ter Antonie von Lothringen. Trotz aller Versuche, das Aussterben des Hauses zu vermeiden, blieben beide Ehen kinderlos, auch uneheliche Kinder sind nicht bekannt.

Nach Aussterben des mĂ€nnlichen Herzogstammes von der Mark 1609 kam es zum JĂŒlich-Klevischen Erbfolgestreit, der damit endete, dass die Nachfolge in JĂŒlich und Berg dem wittelsbachischen Haus Pfalz-Neuburg zufiel.[2]

Nach der Erbteilung von 1614

Unter Wolfgang Wilhelm wurde das Herzogtum Berg administrativ (etwa 1640er-Jahre) in 37 Steuerbezirke aufgeteilt (19 Ämter, 8 Freiheiten, 10 StĂ€dte: DĂŒsseldorf, Lennep, WipperfĂŒrth, Ratingen, Rade vorm Wald, Solingen, Gerresheim, Blankenberg, Siegburg, Elberfeld).

Von 1652 bis 1690 war Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg Herzog. Sein Sohn und Nachfolger Johann Wilhelm II. (1679–1716), KurfĂŒrst von der Pfalz (1690–1716), ist bis heute in seiner Residenzstadt DĂŒsseldorf und im Bergischen Land als „Jan Wellem“ in Erinnerung geblieben. Den Verlust des Heidelberger Schlosses ersetzte das Schloss Schwetzingen als Sommerresidenz.

Ab 1708 entstand durch Erich Philipp Ploennies die bergische Landesaufnahme des Territoriums Berg, der die wirtschaftlichen Gegebenheiten in seiner Topographia Ducatus Montani (Topographie des Herzogtums Berg, 1715) beschrieb.

Karl III. Philipp von der Pfalz (1661–1742) ĂŒbernahm nach dem Tode seines Ă€lteren Bruders die Regierung. Er baute seit 1720 Mannheim als Residenz aus und errichtete das Mannheimer Schloss.

1742 kam das Land an den KurfĂŒrsten Karl Theodor aus der Sulzbacher Linie und nach dessen Tod 1799 an den Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-ZweibrĂŒcken, den spĂ€teren König von Bayern. Dieser ĂŒberließ das Herzogtum Berg am 30. November 1803 seinem Schwager Herzog Wilhelm als Apanage, behielt aber die SouverĂ€nitĂ€t. Herzog Wilhelm residierte als Statthalter in DĂŒsseldorf.

Das napoleonische Großherzogtum Kleve und Berg (1806–1813)

Lage des Großherzogtums Berg im heutigen Deutschland
→ Hauptartikel: Großherzogtum Berg

Am 15. MĂ€rz 1806 trat König Maximilian I. Joseph von Bayern sein Herzogtum Berg an Napoleon ab. Kurbayern hatte sich 1805 im Vertrag von Schönbrunn im Tausch gegen das FĂŒrstentum Ansbach dazu verpflichtet. Napoleon ĂŒbereignete noch am selben Tag die HerzogtĂŒmer Berg und Kleve an seinen Schwager Joachim Murat, der dadurch auch ein deutscher ReichsfĂŒrst wurde. Das Territorium des von Preußen abgetretenen Herzogtums Kleve wurde nur in seinen rechtsrheinischen Teilen mit dem Herzogtum Berg verbunden; die linksrheinischen Teile hatte Frankreich bereits annektiert. Murat nahm sein Land am 19. MĂ€rz 1806 in Köln zunĂ€chst als Herzog von Kleve (Cleve) und Berg förmlich in Besitz und ließ sich acht Tage spĂ€ter von den LandstĂ€nden huldigen. SpĂ€ter wurde das Gebiet noch territorial erweitert. Neben dem Königreich Westphalen sollte das Großherzogtum Berg ein Musterstaat und Vorbild fĂŒr die anderen Rheinbundstaaten werden. Es kam zu Reformen insbesondere in der Verwaltung, dem Rechtswesen sowie zu wirtschaftlichen Reformen und zu Agrarreformen. Durch die Zollpolitik Napoleons kam es zu massiven wirtschaftlichen Problemen. Unmut lösten auch die Einberufungen zum MilitĂ€r aus. Dies entlud sich 1813 zu einem grĂ¶ĂŸeren Aufstand.

Bald nach der Völkerschlacht bei Leipzig löste sich das Großherzogtum faktisch auf. Von 1813 bis 1815 wurde fĂŒr das rechtlich allerdings noch bestehende Großherzogtum das Generalgouvernement Berg als interimistische Verwaltung eingerichtet. Die meisten Landesteile fielen zusammen mit dem Großherzogtum durch Artikel XXIV der Hauptakte des Wiener Kongresses schließlich Preußen zu. Es bildete daraus mit den anderen preußischen Besitzungen auf dem linken und rechten Rheinufer die Provinz JĂŒlich-Kleve-Berg mit Verwaltungssitz Köln.

Der Titel eines Großherzogs von Kleve und Berg ging somit auf den preußischen König und das Haus Hohenzollern ĂŒber.

Wappen

Wappen bis 1225

Das historische Wappen der Grafen von Berg waren die schwarzen Wechselzinnenbalken. Erst seit 1210 ist im Reitersiegel Adolfs III. das Wappen der ersten Grafen von Berg (in Silber zwei schwarze Wechselzinnenbalken) bezeugt (z. B. noch in den Wappen des Rheinisch-Bergischen Kreises und der Stadt Hilden sowie der Stadt Leverkusen enthalten). Die ehemalige Stadt Opladen fĂŒhrte bis zum Zusammenschluss mit der Stadt Leverkusen (31. Dezember 1974) ebenfalls diesen Wechselzinnenbalken in ihrem Wappen. Der Wechselzinnenbalken rĂŒhrt von den BrĂŒdern Gerhard und Giso von Upladhin her, die im frĂŒhen 13. Jahrhundert Gutsherrren in Opladen waren und Burgmannen der Grafen von Berg deren Ă€lteres Wappenzeichen fĂŒhrten. Engelbert II. von Berg hat als Erzbischof Engelbert I. von Köln dieses erste bergische Wappen dem erzbischöflichen Wappenschild (schwarzes Kreuz) als Schildhalter aufgelegt.

Aus diesem Wappen ist auch eine Wappengruppe ehemals bergischer Ministerialenfamilien hervorgegangen, zu der u. a. die heutigen Freiherren von Bottlenberg (in Silber ein schwarzer Wechselzinnenbalken), die Grafen von Nesselrode (in Rot ein silberner Wechselzinnenbalken) und die FĂŒrsten von Quadt (in Rot zwei silberne Wechselzinnenbalken) gehören.

Wappen ab 1225

Das Wappen des Bergischen Landes zeigt, entsprechend den bergischen Farben, auf weißem Grund den roten – auf das Haus Limburg (s. o.) zurĂŒckgehenden – doppelschwĂ€nzigen Bergischen Löwen mit Krallen, Zunge und einer Krone in blau. Noch heute fĂŒhren den Bergischen Löwen einige StĂ€dte und Kreise in ihrem Wappen

Entstehung des Wappens mit dem Bergischen Löwen:

Heinrich von Limburg, der durch seine Heirat mit der bergischen Erbtochter Irmgard in den Besitz der Grafschaft Berg gelangte, behielt den roten, doppelgeschwĂ€nzten und gekrönten Limburgischen Löwen auf goldenem Grund bei, wĂ€hrend sein Ă€ltester Sohn und Nachfolger Graf Adolf IV. von Berg (1246–1259) den gleichen Wappenschild fĂŒhrte, vermehrt durch einen fĂŒnflĂ€tzigen Turnierkragen an der erhobenen Balkenstelle, der heute noch im Wappen der Stadt WipperfĂŒrth enthalten ist.

Den Turnierkragen haben die nachfolgenden bergischen Grafen dann bis 1308 beibehalten. Graf Adolf VI. von Berg war der erste bergische Landesherr, der das bekannte bergische Wappen der spĂ€teren Zeit, hergeleitet von seinem Vater Heinrich, Herr zu Windeck, ohne Turnierkragen fĂŒhrte: den roten, blaubewehrten, blaugekrönten und doppeltgeschwĂ€nzten stehenden Löwen.

Auch der â€șBergische Löweâ€č ist heute noch in vielen Kreis- und Gemeindewappen zu finden, hier eine Auswahl:

Ämterverfassung: Ämter und Freiheiten – Rechts- und Verwaltungswesen, bergischer Adel

Altbergisches Verwaltungswesen – Entstehung und Verfassung der bergischen Ämter

Fast regelmĂ€ĂŸig findet man in Urkunden sowohl des bergischen wie auch anderer niederrheinischer Territorien die Ämter des Mittelalters zu einer Burg in Beziehung gesetzt, welche den Mittelpunkt der Verwaltung fĂŒr das betreffende Amt bildet oder doch ursprĂŒnglich gebildet hat. FĂŒr Berg lĂ€sst sich dieser Zusammenhang zwischen Burg und Amt dadurch nachweisen, dass fĂŒr sĂ€mtliche Ämter des Herzogtums, mit einer einzigen Ausnahme (Amt Miselohe), eine Burg oder zumindest ein befestigter Platz, der wohl ursprĂŒnglich eine Burg war, als Mittelpunkt nachweisbar ist. Die Ämter bildeten sich im Anschluss an die jeweilige Burg als Mittelpunkt in der Art, dass anfangs kleine Burgbezirke allmĂ€hlich zum Amt erweitert wurden. Im Charakter der Burg als Mittelpunkt eines Bezirkes von landesfĂŒrstlichen GĂŒtern, Lehen und grundherrschaftlichen Rechten dĂŒrfte der eigentliche Anlass der Erweiterung der BĂŒrgerverwaltung zur Amtsverwaltung zu suchen sein.

Tabelle Herzogtum Berg. Familien, Bestialien, Morgenzahl.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts bildeten sich die Amtsbezirke. Sie dienten der strafferen Verwaltung und gingen hervor aus dem seit dem 13. Jahrhundert einsetzenden Bestreben der LandesfĂŒrsten, die zerstreut liegenden Territorien zu vereinigen und die volle Landeshoheit zu erlangen.

Die Ämter waren in ihrer spĂ€teren vollen Ausbildung die der Zentralverwaltung unmittelbar unterstehenden Bezirke, in denen die örtliche Finanz- und Polizeiverwaltung sowie die Wahrung der öffentlichen Sicherheit ganz, die Gerichtsverfassung wenigstens zum Teil zusammenlief.

Drei Beamte waren fĂŒr die Verwaltung der Ämter zustĂ€ndig, der Schultheiß oder Richter, der Kellner oder Rentmeister und der diesen beiden ĂŒbergeordnete Amtmann.

Der höchste Beamte im Amt war der Amtmann, der von adeliger Abstammung war, vom Landesherrn persönlich ernannt wurde und seinen Amtssitz in einer Burg hatte, die meist im Besitz des Landesherrn war. Amtssitz konnte auch das Schloss des Amtmanns sein. Er hatte im Wesentlichen drei Befugnisse, eine administrativ-finanzielle, eine militĂ€risch-polizeiliche und eine ursprĂŒnglich beschrĂ€nkte, allmĂ€hlich aber an Umfang und Bedeutung zunehmende gerichtliche – er war verantwortlich fĂŒr Recht und Ordnung innerhalb der Grenzen des Amtes. Dem Amtmann nachgeordnet war der Schultheiß als Vorsteher der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit, der auch bei den Gerichtsverhandlungen den Vorsitz fĂŒhrte. Der dritthöchste Beamte war der (auch Kellner genannte) Rentmeister, der fĂŒr die Erhebung der Steuer, die Verwaltung der HofgĂŒter und die GerichtsgebĂŒhren und Strafgelder zustĂ€ndig war.

Die VerkĂŒndigung und DurchfĂŒhrung der Amtserlasse in den einzelnen Kirchspielen besorgten immer die Scheffen. Das Gericht gab den Erlassen Nachdruck.

Altbergisches Gerichtswesen – Hauptgericht, Landgericht, Hofgericht, Botenamt, Sendgericht

Grundlage der Gerichtsbarkeit im frĂŒhen Mittelalter war das Römische Recht. Urkunden und Gerichtsurteile wurden bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts in lateinischer Sprache ausgefertigt. Eine der ersten Urkunden in deutscher Sprache war von 1262.[3] WĂ€hrend in anderen deutschen Gebieten bereits Anfang des 13. Jahrhunderts das Römische Recht von einer neuen deutschen Gerichtsbarkeit abgelöst wurde, war dies im Bereich Berg erst etwas spĂ€ter der Fall. Diese Besonderheit wurde vom deutschen Gegenkönig Wilhelm in einer Urkunde, 1248 in Kaiserswerth ausgestellt, bestĂ€tigt.[3] Ab Mitte des 13. Jahrhunderts bildete sich auch im Bergischen Land eine neue Art der Gerichtsbarkeit aus. SpĂ€testens seit dem 12. Jahrhundert war das Grafengericht in Kreuzberg (bei Kaiserswerth im Amt Angermund) fĂŒr alle Belange zustĂ€ndig; nun aber wurden Schöffengerichte eingerichtet, die fĂŒr alle Straftaten außer todeswĂŒrdigen Verbrechen wie Diebstahl, Totschlag und SchĂ€ndung zustĂ€ndig waren. Diese wurden zunĂ€chst weiterhin in Kreuzberg verhandelt. Überliefert ist das Rechts- oder Ritterbuch, in dem das Bergische Gerichtswesen im 14. Jahrhundert beschrieben wird.[4]

Hauptgericht – Obergericht

Die bergische Gerichtsbarkeit basierte auf einer Hierarchie von Konsultationsgerichten. Wenn ein niederes Gericht in einer Rechtsfrage keine Einigkeit erzielen konnte, wurde das zustĂ€ndige Konsultationsgericht angerufen. Dieses gab eine Empfehlung ab, an die das niedere Gericht bei seiner anschließenden Entscheidung allerdings nicht gebunden war. Den Landgerichten waren die Hauptgerichte in diesem Sinne ĂŒbergeordnet, indem die zweifelhaften RechtsfĂ€lle den Hauptgerichten zur Konsultation vorgelegt wurden. Den Schöffen des Obergerichts stand der Schultheiß vor. Diese RechtsfĂ€lle wurden nach Entscheidung des Obergerichts durch die Landgerichte nur noch verkĂŒndet. Die Appellation geschah fĂŒr alle Gerichte an den Herzog in DĂŒsseldorf.

Hauptland- und Rittergericht Opladen

Oberstes Konsultationsgericht war das in der neueren Literatur so genannte Hauptland- und Rittergericht in Opladen; in historischen Urkunden wurde es auch als Rittergericht, Hochgericht und Oberstes Hauptgericht bezeichnet.[5] Bis 1559 hatte dieses Gericht seinen Sitz im zentral gelegenen Opladen, danach als jĂŒlich-bergischer Hofrat in DĂŒsseldorf. Daneben war das Rittergericht auch das Gericht fĂŒr den bergischen Adel und Versammlungsort des Ritter- und Landtags, in dem die bergischen LandstĂ€nde ihre Selbstverwaltung organisierten.[4] Als Gegenleistung fĂŒr ihre Vorrechte war die Ritterschaft beim Aufgebot durch den Landesherrn zum Dienst mit Pferd und Harnisch verpflichtet.

Das Hauptgericht Porz erhielt bis 1559 seine Rechtsbelehrung am Rittergericht Opladen, dem ebenfalls der Schultheiß von Porz vorstand.

Neben dem Wildfang (Jagd- und Fischereirecht) sowie ausgedehnter Zoll- und Steuerfreiheit besaßen diese freiritterlichen LehnstrĂ€ger also auch einen besonderen Gerichtsstand.

Landgericht

In den Kirchspielen (Gemeinden) befanden sich die Landgerichte; sie waren zustĂ€ndig fĂŒr die Rechtsprechung der Honschaften, wobei jede Honschaft einen Scheffen (Schöffen) stellte. ZustĂ€ndig waren die Landgerichte fĂŒr alle RechtsfĂ€lle der „Hoheit, Gewalt, Schuld und Schulden“, also KriminalfĂ€lle oder strittige ErbfĂ€lle. Sie konnten auch Todesurteile fĂ€llen, die aber zumeist an das Hauptgericht abgegeben wurden.

Die Verhandlungen vor den Landgerichten vollzogen sich seit dem Jahre 1565 nach der neuen jĂŒlich-bergischen Rechts-, Lehen-, Gerichtschreiber-, BrĂŒchten-, Polizey- und Reformations-Ordnung. Richter, Scheffen, Gerichtsschreiber und Bote waren vereidigt. Den Angeklagten wurde ein juristischer Beistand zugestanden.

Hofgericht

Die Hofgerichte waren zustĂ€ndig fĂŒr bĂŒrgerliche Rechtsangelegenheiten, insbesondere ErbfĂ€lle im Todesfall, wobei im Bergischen Land das Recht der Realteilung GĂŒltigkeit hatte, VerĂ€ußerungen von Besitz durch Verkauf, Schenkung, Teilung, Tausch, VerpfĂ€ndung oder auch Belastung; sie hatten also die Aufgabe der heutigen Amtsgerichte. Die Hofgerichte reichen in die Zeit der ersten Landnahme und die GrĂŒndung der königlichen Fronhöfe zurĂŒck. Sie umfassten ursprĂŒnglich den Lehnsverband eines Fronhofes und hatten die Aufgabe, dessen Recht zu sichern.

Botenamt

Die den Ämtern unterstellten Landgerichte waren in BotenĂ€mter unterteilt, die mit dem jeweiligen Kirchspiel ĂŒbereinstimmten. Jedes Botenamt unterhielt einen Boten oder Schatzboten. Diese galten nicht als Staatsbeamte und erhielten aus dem herzoglichen Schatz keine Zuwendung, mussten einer ehrbaren Familie angehören und wurden fĂŒr ihr Amt vereidigt. Den Boten war jedoch eine gewisse Summe seitens der Untertanen zugesichert, die mit dem „Schatz“ eingetrieben werden musste. Der Schatzbote zog die Steuer, die Geldstrafen und die GebĂŒhren ein und lieferte diese an die „Kellnerei“ ab.

Sendgericht

Das Sendgericht, auch Send genannt, war ein neben dem weltlichen Gericht bestehendes geistliches Gericht, dessen Ursprung in die ersten christlichen Jahrhunderte zurĂŒckreicht. Sowohl fĂŒr Wiehl (Reichsherrschaft Homburg) als auch fĂŒr das bergische Kirchspiel Much ist bisher ein Sendgericht nachweisbar. Die Herzöge von Berg schĂŒtzten das Sendgericht und bestanden auf seiner regelmĂ€ĂŸigen Abhaltung. SpĂ€ter wurde die kirchliche Gerichtsbarkeit immer mehr durch die weltliche Macht eingeschrĂ€nkt und verlor dadurch allmĂ€hlich ihre Befugnisse. Anfangs prĂ€sidierte der Bischof bei den jĂ€hrlichen Visitationen dem Sendgericht, im 12. Jahrhundert der Archidiakon oder als Vertreter der Dechant. Ab dem 13. Jahrhundert war es ĂŒblich, dass der Pfarrer selbst das Sendgericht abhielt, ab dem 17. Jahrhundert werden auch Sendschöffen in der Landpfarrei ChristianitĂ€t Siegburg genannt. Das Sendgericht war in erster Linie ein RĂŒge- und Sittengericht und verfolgte Vergehen, die auch Gegenstand eines geistlichen Prozesses sein konnten: u. a. Ketzerei, Ehebruch, Unkeuschheit, Wucher, Zank und dergleichen. Das Gericht konnte materielle Strafen sowie Körper- und GefĂ€ngnisstrafen verhĂ€ngen.

Altbergisches Steuerwesen – Zehntrecht – MĂŒnzrecht – Bergrecht – Zoll

Zoll

Zölle können in der Grafschaft Berg schon fĂŒr das 13. Jahrhundert nachgewiesen werden. Graf Wilhelm II. (1360–1408) erklĂ€rt in einer Urkunde aus dem Jahre 1386, es gebe „zwenn zollen, in und durch dat lant van dem Berghe“, also nur den Einfuhr- und den Durchgangszoll, der das Doppelte des Einfuhrzolls betrug. SpĂ€ter wurde auch der Ausfuhrzoll verordnet. ZunĂ€chst war das Herzogtum an allen Grenzen von Zollstationen umgeben, jedoch gab es, obwohl JĂŒlich und Berg dem gleichen Herzog unterstanden, weder MĂŒnz- noch Zolleinheit. Im Jahre 1398 erwarb sich Herzog Wilhelm von Berg von König Wenzel die Erlaubnis, zwei neue Landzölle – einen zu Lennep, den anderen zu WipperfĂŒrth – einzurichten. Wie aus der Erkundigung von 1555 bekannt, hatte Lennep einen Beizoll in Wermelskirchen. Im selben Jahr fĂŒhrt die Stadt Köln Beschwerde beim Herzog wegen des neuen Zoll zu Wermelskirchen.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war das Herzogtum Berg auch im Innern von Zollstellen durchsetzt, da Fuhrleute, Viehtreiber, Reiter und Bauern verstanden hatten, die vorgeschrieben Straßen zu den ZollhĂ€user zu umgehen und die Waren ĂŒber Neben- und Schleichwege zu schmuggeln.

In frĂŒherer Zeit sind die erhobenen Landzölle vorwiegend fĂŒr die Erhaltung und Anlage, die Ausweitung und die Sicherheit der Wege, BrĂŒcken und Stege verwendet worden. Um 1500 betrug der vom Herzog festgelegte Zoll fĂŒr ein Pferd 8 Albus, ebenfalls fĂŒr eine Karrenladung, fĂŒr eine Wagenladung war der doppelte Betrag zu entrichten.

Steuern und Abgaben

Die Einnahmen der LandesfĂŒrsten bestanden aus „Zöllen“, „Zehnten“, „KĂŒrmut“, „Schatz“, „Zins“ und anderen „GefĂ€llen“. Diese Einnahmen reichten jedoch nicht zur Begleichung aller Landesausgaben aus.

Dadurch sahen sich die Landesherren zu „Beden“ (Bitten) gezwungen, Gelder die fĂŒr verschiedene Verwaltungsausgaben vom Land bewilligt werden mussten. Diese besondere Steuer, in frĂŒheren Jahren eine freiwillige Abgabe, wurde gewöhnlich im Herbst nach der Ernte erhoben.

Die Steuern waren in Ă€lterer Zeit fĂŒr außerordentliche Kriegsausgaben bestimmt; in spĂ€teren Jahrhunderten wurden sie fĂŒr die gewöhnliche Landesverteidigung sowie fĂŒr die Erhaltung der Sicherheit und des allgemeinen „Ruhestandes“ (Ordnung) verwendet.

Frei von Abgaben und Steuern waren die KirchengĂŒter, die LehensgĂŒter der Lehensleute sowie die GĂŒter der Ritterschaft und des Adels. Freiheiten konnten teilweise oder ganz befreit sein. Die eigentlichen Rittersitze (Bergische Rittersitze) waren frei von Steuern, auch wenn sie vom Ritter nicht bewohnt waren. Nur die als Lehen gegebenen adeligen freien GĂŒter waren ĂŒber die PĂ€chter steuerpflichtig. Der Geistlichkeit und der Ritterschaft war es daher nicht erlaubt, „SchatzgĂŒter“ anderer BĂŒrger zu erwerben, um fĂŒr das Land Steuernachteile zu vermeiden.

Die Steuern wurden vom Landesherrn den versammelten StÀnden vorgeschlagen und durch Stimmenmehrheit genehmigt.

Steuern:

  • Die Ă€lteste ist wohl die Kommunikantensteuer, spĂ€ter Personalsteuer genannt (Personensteuer). Arme waren von der Steuer befreit.
  • Die Rentensteuer oder Vermögenssteuer: Jeder, der Pfandschaft hatte, musste den zehnten Pfennig, spĂ€ter den vierten Pfennig abgeben.
  • Die Grundsteuer: Diese wurde von LĂ€ndereien und HĂ€usern entrichtet.
  • Die Viehsteuer (Pferd 1 Rtlr., Ochse 40 StĂŒber, Kuh 30 StĂŒber usw.)
  • Die Gewinn- und Gewerbesteuer: Diese Steuer wurde von den Besitzlosen, den „Halfen, PĂ€chtern“ und Lehnsleuten entrichtet und richtete sich nach der GrĂ¶ĂŸe der bewirtschafteten FlĂ€che. Selbst die SchĂ€fer, Arbeiter, Dienstboten hatten von ihrem Einkommen Steuern zu zahlen.
  • Die Verbrauchssteuer: Sie war eine indirekte Steuer und konnte dadurch eine bedrĂŒckende Höhe erreichen. Wein, Bier, Essig, Heringe, Salz, auch Tran, Pfeifen, Spielkarten, Öl, Butter usw. wurde besteuert.
  • Die Kriegssteuer: Diese wurde in der Regel nur auf GrundstĂŒcke entrichtet und kam im Bergischen Land erst im DreißigjĂ€hrigen Krieg auf, um ein stehendes Heer zu schaffen.

Zehnt – Zehntrecht

Eine altbergische Art der Besteuerung war der Zehnte. Er bestand darin, dass von allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Zehnte Teil abgegeben werden musste. Der große Zehnt wurde vom Getreide und Großvieh gegeben; der kleine Zehnt wurde fĂŒr GemĂŒse, KrautgewĂ€chse und Obst sowie fĂŒr geschlachtete landwirtschaftliche Kleintiere entrichtet.

EmpfĂ€nger des Zehnten waren meist Adelige und Kirchen. Als Gegenleistung mussten sie die Pfarrkirche baulich unterhalten, „Zielhvieh“ (Zuchtvieh) halten, Karre, Pflug, Egge und Malze bereiten, eine Kies- und Lehmgrube hergeben – dies alles zur freien Benutzung derer, die den Zehnten zahlten.

Bergregal – Bergrecht im Herzogtum Berg – jĂŒlich-bergische Bergordnung

SpĂ€testens im 13. Jahrhundert begannen die Grafen von Berg damit, einzelne Gruben, wie z. B. die Silbergrube auf dem ehemaligen Reichshof Eckenhagen, in ihren Besitz zu bringen. Kaiser Karl IV. (1347–1378) legte 1356 die Hoheitsrechte der LandesfĂŒrsten fest: Berg- und Salzregal, Zölle, MĂŒnzrecht u. a. Damit gehörte das Recht, die SchĂ€tze des Bodens zu heben, zu den Regalien des Landesherrn. In den bergischen Ämtern Steinbach, Porz mit Bensberg und Windeck gelangte der Bergbau um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert zu grĂ¶ĂŸerer Bedeutung, die aber mit dem DreißigjĂ€hrigen Krieg fast völlig zum erliegen kamen.

Die Suche nach BodenschĂ€tzen ist bis Anfang des 19. Jahrhundert mehr von Privatleuten, weniger vom Staat erfolgt. Anlass zum SchĂŒrfen waren alte, bereits vor Jahrhunderten betriebene Stollen, die Beratung mit Leuten, denen die geologischen BodenverhĂ€ltnisse bekannt waren, oder man versuchte, sich auf sein GlĂŒck zu verlassen. Der Antrag auf Verleihung der Mutung wurde beim Bergmeister als dem Vertreter des Landesherrn und dem bergischen Berggericht eingebracht, der dem Muter dann den Mutschein ausstellte. In den nĂ€chsten zwei Wochen musste der Muter den „Gang entblĂ¶ĂŸen“ und vom Bergmeister besichtigen lassen. Meist war der Schein auf ein halbes Jahr ausgestellt, fĂŒr diese Zeit erhielt der Landesherr das Quatembergeld: fĂŒr jede Fundgrube und Maß 10 Albus, fĂŒr jede (Maschine)Puch- und WaschstĂ€tte 20 Albus. Auf Antrag konnte die Mutzeit verlĂ€ngert werden. Wurde die Grube vom Muter aufgegeben oder kam dieser den berggesetzlichen Verpflichtungen nicht nach, so stand die Grube wieder zur freien VerfĂŒgung des Landesherrn.

Der Mutung folgte auf Antrag die Belehnung nach Zustimmung und PrĂŒfung des Berggerichts, nach vorheriger Besichtigung der betreffenden Grube und Abfassung eines Berichts einer Kommission der Berggeschworenen. Wurden keine EinwĂ€nde erhoben, so wurde der Besitzer oder die Gewerkschaft nach Abmessung des Bezirks mit einer Fundgrube und einer bestimmten Anzahl von Maß belehnt, der damit in das Gewerkenbuch als LehnstrĂ€ger des Bergwerks eingetragen wurde.

Die Verpflichtung des LehnstrĂ€gers dem Landesherrn gegenĂŒber bestand in der Abgabe des Zehnten und der Quatember- oder Fristgelder. In den ersten drei Jahren, falls die Grube ohne Gewinn blieb, genoss der LehnstrĂ€ger Zehntfreiheit. Die Höhe des Quatembergeldes fĂŒr jede Fundgrube und jede Maß betrug 20 Albus und musste vierteljĂ€hrlich entrichtet werden.

MĂŒnzrecht – bergische MĂŒnzen

Das ursprĂŒnglich ausschließlich königliche MĂŒnzrecht im Heiligen Römischen Reich weitete sich seit etwa 1062 auf geistliche und kurze Zeit spĂ€ter auf weltliche FĂŒrsten aus. Adolf I. wird es unter Ausnutzung der politischen Situation dem Kölner Nachbarn gleich getan und sich das MĂŒnzrecht angeeignet haben; möglich aber auch, dass er als Vogt von Werden und Siegburg das diesen Klöstern verliehene MĂŒnzrecht nutzte. Die Kölner haben die Ausgabe bergischen Geldes begrĂŒĂŸt, denn Adolf I. hat einen Pfennig schlagen lassen, der bis auf die Umschrift eine Nachbildung des Kölner Geldes darstellt, dafĂŒr aber vollhaltiger ausgeprĂ€gt, also wertvoller als das kölnische Geld war. Die MĂŒnze war aus Silber und wog etwa 1,4 gr.

Adolf II. hat einen 1,6 gr. schweren Pfennig schlagen lassen, der eine Nachbildung des Pfennigs des Kölner Erzbischofs Bruno II., seines Bruders, war und vielleicht vom gleichen Stempelschneider stammt. Auch Engelbert I. hat solche Kölner Pfennige nachgebildet, wĂ€hrend von seinem Sohn Adolf III. keine MĂŒnzen bekannt sind.

Engelbert II. hat als Erzbischof von Köln MĂŒnzen schlagen lassen, als Graf von Berg sind von ihm keine bekannt geworden, ebenfalls sind keine MĂŒnzen von Heinrich von Limburg bekannt.

In die Zeit Engelberts II. – 26. April 1220 – fĂ€llt die große Privilegienvergabe Kaiser Friedrichs II., genannt "Constitutio cum principiis ecclesiasticis", durch die die geistlichen Landesherren u.a. das MĂŒnzregal erhielten. 1232 erhielten auch die weltlichen Landesherren im "Statutum in favorem principum" das MĂŒnzrecht.

Adolf IV. schlug wieder Pfennige, die den Kölner GeprĂ€gen nachgebildet waren. Zwischen den Kölner BĂŒrgern und dem Erzbischof kam es 1258 wegen der Bergischen MĂŒnzen zum Streit. Die MĂŒnzen Adolfs IV. waren auf der RĂŒckseite mit dem Namen des Erzbischofs Konrad von Hochstaden versehen. Die MĂŒnzstĂ€tte befand sich in „Wielberg“ (Wildberg). Dort lagen bergische Silbergruben, andere MĂŒnzstĂ€tten lagen in den NachbarlĂ€ndern. Die Kölner BĂŒrger verlangten nicht nur ein Verbot, sondern auch eine Zerstörung der MĂŒnzstĂ€tten, da unter den MĂŒnzen Sorten mit geringerer QualitĂ€t vorhanden waren. ZunĂ€chst verglich sich der Erzbischof mit den Kölner BĂŒrgern im "Großen Schied". Als im folgenden Jahr die Beschwerden nicht aufhörten, setzte er den gesamten Rat mit Ausnahme des Schöffen Bruno Crantz ab.

Graf Adolf V. erhĂ€lt von König Rudolf in einer Urkunde vom 26. MĂ€rz 1275 das Recht, die von altersher in „Welabergh“ (Wildberg) betriebene MĂŒnzstĂ€tte dauernd nach „Wippilvordia“ (WipperfĂŒrth) zu verlegen, womit durch diese Urkunde das MĂŒnzrecht fĂŒr die bergischen Grafen bestĂ€tigt wurde.

Adolf lĂ€sst in WipperfĂŒrth Pfennige und Vierlinge (Viertelpfennig) schlagen, die die Umschrift „Comes de Monte“ oder „ADOLFUS COMES“ zeigen. Auf der RĂŒckseite erscheint der Name der MĂŒnzstĂ€tte „WIPPERVORDE CIVITAS“ oder „MONETA WIPPERVERDE“ und sind keine Nachahmungen mehr.

Von seinem Nachfolger Wilhelm I. sind keine MĂŒnzen bekannt; er wird aber das neue MĂŒnzrecht durch PrĂ€gungen erhalten haben. Adolf VI. lĂ€sst eine MĂŒnze von 2 1/2 Pfennigen prĂ€gen, sie trĂ€gt die Aufschrift „WIPPERWRDENS DENARI“. Eine weitere MĂŒnze, eine „Turnose“, nach 1326 geprĂ€gt, trĂ€gt die Umschrift „TURONUS CIVIS, TERRA DE MONTE, TURONIS DE MONTE, ADOLPUS COMES“. Im Jahr 1326 erhielt Adolf von König Ludwig dem Bayern das sog. Große Turnosenprivileg.

Graf Wilhelm II.: Turnose oder Weißpfennig. MĂŒnzprĂ€geanstalt: MĂŒlheim am Rhein.

Die MĂŒnzstĂ€tte in WipperfĂŒrth wird um 1350 eingestellt worden sein. Das letzte StĂŒck scheint ein Doppelschilling Gerhards I. gewesen zu sein, das mit Moneta (MĂŒnzstĂ€tte) WipperfĂŒrth bezeichnet ist. In Köln-MĂŒlheim war bereits eine neue MĂŒnzstĂ€tte entstanden. Margarete von Ravensberg-Berg (1360–1361) prĂ€gte Sterlinge in Ratingen und bediente sich erstmals der deutschen Sprache in der Umschrift „VROWE VAN DEN BERG“.

Graf Wilhelm II. prĂ€gte in Ratingen, MĂŒlheim Rhein, Lennep und Gerresheim „Sterlinge“, „Witte“, „Denare“, „Turnosen“, „Weißpfennige“ und „Heller“. Ein „Gulden“ wahrscheinlich in MĂŒlheim am Rhein geprĂ€gt zeigt einen jĂŒlich-bergischen Schild mit der Schrift „WILHELM COMES DE MONTERA“ als Graf von Berg und Ravensberg. Weitere spĂ€tere bergische PrĂ€gungen sind „Weißpfennige“, „Gulden“, „Heller“, „Bauschen“, „LĂŒbische“, „Albus“ und „Schillinge“.

Nach 1437 wird von Gerhard II. eine SilbermĂŒnze von 1 Heller, Durchmesser 14 Millimeter mit einem Gewicht von 0,2 gr. geschlagen. Der Ă€ußere Ring ist nicht flach, er ist als Hohlring gewölbt, vermutlich auf Leder geschlagen und sehr griffig. Die Mitte zeigt den gevierten Schild mit den Löwen von JĂŒlich (eigtl. schwarz auf gold) und Berg (rot auf silber) und in der Mitte die Ravensberger Sparren.

Ab 1513 werden „Guldengroschen“ als SilbermĂŒnzen mit einem Durchmesser von 43–44 Millimetern und einem Gewicht von 30 gr. geprĂ€gt, diese MĂŒnze wird ab 1530 als Thaler bezeichnet, der erste Thaler im Bergischen wird um 1540 geschlagen. 1636 lĂ€sst Wolfgang Wilhelm den ersten bergischen Dukaten prĂ€gen, die Gulden werden in dieser Zeit zu „SilberstĂŒcken“. Danach erscheinen MĂŒnzen auch als Bruchteile, 1712 erscheint 1/16 Gulden = 1/24 Thaler und 1/8 Gulden = 1/12 Thaler. 1718 wird eine SilbermĂŒnze von 24 „Kreuzern“ = 32 „FettmĂ€nnchen“ geprĂ€gt und 1719 eine SilbermĂŒnze von 20 „Kreuzern“ = „26 FettmĂ€nnchen“. Im Jahre 1732 kommt der „Karolin“ auf und 1736 der „StĂŒber“. Der „Konventionsthaler“ wird im Bergischen Land zum ersten Mal 1765 geprĂ€gt. 1802 schlĂ€gt Maximilian Joseph den ersten „Reichsthaler“.

Ämter

Lage der Ämter im Herzogtum Berg

Das Herzogtum war verwaltungsrechtlich in Ämter sowie mehrere Unterherrschaften, StĂ€dte und Schlösser eingeteilt. Durch VergrĂ¶ĂŸerung und VerĂ€nderung der Landesherrschaft verĂ€nderte sich die Anzahl der Ämter. So weist ein im Besitz des Kreises Mettmann befindliches Dokument [6] fĂŒr das Jahr 1363 acht Ämter aus. Noch in Hebelisten aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhundert sind diese acht Ämter als die acht HauptĂ€mter des Bergischen Landes allein berĂŒcksichtigt. Dies waren die Ämter Steinbach, Angermund, Mettmann, Solingen, Monheim, Miselohe, Bornefeld und Porz-Bensberg.

Eine 1715 von Erich Philipp Ploennies erstellte Kartierung lĂ€sst 16 Ämter erkennen. 1789 schließlich bestand das Herzogtum aus den Ämtern Angermund, Beyenburg, Blankenberg, Bornefeld-HĂŒckeswagen, Elberfeld, Herrschaft Broich, Herrschaft Hardenberg, Löwenburg, Amt (Unteramt) LĂŒlsdorf, Mettmann, Miselohe, Monheim, Porz, Solingen, Steinbach und Windeck.

StÀdte und Freiheiten

Der Name Freiheit ist schon im 14. Jahrhundert gebrÀuchlich; er wurde niemals einem offenen Ort verliehen. Wesensmerkmale sind Befestigung und Abgabenfreiheit.

StĂ€dte wurden entweder aus besonderer Gunst oder Freundschaft vom Landesherrn mit Sonderrechten ausgestattet, verbunden mit der Befreiung von Abgaben. DarĂŒber wurde vom Landesherrn eine Urkunde ausgestellt, in der die Privilegien genau bestimmt waren und damit bestĂ€tigt wurden. Hiermit konnten fĂŒr die BĂŒrger auch Pflichten verbunden sein, die der Landesherr urkundlich festlegte. Dadurch entstand fĂŒr viele bergische StĂ€dte gleichzeitig der Name Freiheit, der heute noch in vielen Straßennamen vorkommt.

Als Beispiel fĂŒr den rechtlichen Begriff Freiheit seien hier die Sonderrechte der Freiheit MĂŒlheim aufgefĂŒhrt. Graf Adolf VI. gewĂ€hrte 1322 MĂŒlheim am Rhein die Freiheit von allen Abgaben sowie von allen Diensten, außerdem das Recht, einen Schöffen an das Obergericht zu stellen. Auch erhielt MĂŒlheim das Recht, ein eigenes Gericht zu unterhalten, wo man ĂŒber GĂŒter, Marktsachen, Brot, Wein, VertrĂ€ge, Testamente, Wechsel des Grundeigentums verhandelte. Der Graf verlieh der Freiheit MĂŒlheim die Bevorzugung und Freiheit, dass niemand deren GĂŒter und Personen antasten durfte (ImmunitĂ€t).

„
 Ferner gestatten wir und lassen der Stadt Molenheym unsere besondere Gunst darin angedeihen, daß weder wir noch einer unserer Beamten und Dienstleute der BĂŒrgerschaft Pferde, Wagen oder Karren zu irgend einer Fahrt oder zu unserem Gebrauche nehmen oder nehmen lassen soll, es sei denn, daß wir solches auf unsere Bitte bewilligt erhalten 
“

Diese Freiheiten konnten auf Bitte der BĂŒrger vom Landesherrn erneuert, bestĂ€tigt oder auf andere Rechte erweitert werden. MĂŒlheim erhielt zwischen 1322 und 1730 zwölfmal eine fĂŒrstliche BestĂ€tigung seiner Sonderrechte, 1652 das Marktrecht fĂŒr drei MĂ€rkte, 1714 Handelsrechte fĂŒr Gewerbetreibende. Somit trugen die Sonderrechte (Freiheiten) zum Wohle der BĂŒrger, zur VergrĂ¶ĂŸerung und StĂ€rkung der StĂ€dte und damit letztlich auch zum Vorteil der Landesherrschaft bei.

StĂ€dte nahmen in der Grafschaft Berg bzw. im spĂ€teren Herzogtum eine Sonderstellung ein. DĂŒsseldorf, Lennep, Ratingen und WipperfĂŒrth waren im bergischen Landtag vertreten und galten als HauptstĂ€dte, Radevormwald, Solingen, Gerresheim, und Blankenberg als UnterstĂ€dte. Zu den letzteren sind wahrscheinlich noch Elberfeld und Siegburg zu rechnen. Die Freiheiten MĂŒlheim am Rhein, Wesseling, Solingen-GrĂ€frath und Mettmann standen im Rang als Hauptfreiheiten. Burg HĂŒckeswagen, Angermund und Monheim galten als Unterfreiheiten.

Zum Herzogtum Berg gehörten neben den Ämtern die „amtsfreien“ StĂ€dte und Freiheiten Barmen, Beyenburg, Blankenberg, Burg an der Wupper, DĂŒsseldorf, Elberfeld, Gerresheim, GrĂ€frath, HĂŒckeswagen, Lennep, Amt Mettmann, Monheim, MĂŒlheim am Rhein, MĂŒlheim an der Ruhr, Radevormwald, Ratingen, Siegburg, Solingen, Wesseling und WipperfĂŒrth.

Stadtrechtsverleihungen durch die Bergischen Grafen und Herzöge bis 1806

StÀdte mit Stadtrechtsverleihung vor dem Erwerb durch Berg

Adel – bergischer Adel

In den Territorialherrschaften nahm der Adel eine Sonderstellung ein. Dem geographischen Raum selbst entstammend, zĂ€hlten seine Angehörigen anfĂ€nglich zum Dienstadel und standen in LehnsabhĂ€ngigkeit vom Landesherrn oder auch von anderen FĂŒrsten. Sie spielten bald in der höheren Verwaltung der Territorien eine wichtige Rolle, genossen Abgabenfreiheit, ein eigenes Gericht und waren in LandstĂ€nden vertreten. Als Wohnsitze hatte der Bergische Adel meist befestigte Rittersitze die in vielen Teilen des Landes noch nachzuweisen sind, oder auch als Adelssitz bezeichnet werden.

Liste der Herrscher von Berg

sog. Herzogenchor im Altenberger Dom mit GrÀbern des Hauses Berg

Grafen

Haus Berg:
Haus Limburg
Haus JĂŒlich-Heimbach

Herzöge

Haus JĂŒlich-Heimbach
Haus Mark
Haus Wittelsbach (Linie Pfalz-Neuburg)
Haus Wittelsbach (Linie Pfalz-Sulzbach)
  • Karl Theodor (1742–1799), auch KurfĂŒrst von der Pfalz und Herzog von Pfalz-Neuburg, seit 1777 auch KurfĂŒrst von Bayern
Haus Wittelsbach (Linie Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler)
  • Maximilian Josef (1799–1806), auch KurfĂŒrst von Bayern Letzter regierender Herzog von Berg.

Siehe auch

Literatur

  • Wege-Ordnung fĂŒr das Herzogthum Berg. DĂŒsseldorf 1805. Digitalisierte Ausgabe der UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek DĂŒsseldorf
  • DĂ©cret impĂ©rial sur la circonscription territoriale du Grand-DuchĂ© de Berg : avec le tableau des dĂ©partements, districts, cantons et communes dont il se compose. DĂ€nzer & Leers, DĂŒsseldorf 1809 (Digitalisat der ULB DĂŒsseldorf)
  • Sammlung der Regierungs-Verhandlungen fĂŒr das Großherzogthum Berg. DĂŒsseldorf, 1806. Digitalisierte Ausgabe
  • Sammlung der Verordnungen und Regulative fĂŒr die Fabrikengerichte im Herzogthume Berg. Lucas, Elberfeld 1841. Digitalisierte Ausgabe
  • Sammlung der Gesetze, Verordnungen und Bekanntmachungen, welche in dem vormaligen Großherzogthum Berg und in dem jetzigen Reg.-Bezirk DĂŒsseldorf ĂŒber das Elementar-Schulwesen ergangen sind: vom Jahr 1810 bis z. Schluß d. J. 1840. 2. Auf. Lucas, Elberfeld 1841. Digitalisierte Ausgabe
  • Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. 1883 (Digitalisierte Ausgabe)
  • Georg von Below: Die landstĂ€ndische Verfassung in JĂŒlich und Berg, Bd.e 1–3 DĂŒsseldorf 1885–1891 (Reprint Aaalen 1965).
  • Johann Bendel: Die Stadt MĂŒlheim am Rhein, MĂŒlheim am Rhein 1913. Faksimiledruck 1972 Scriba Verlag.
  • N. J. Breidenbach: Das Gericht in Wermelskirchen, HĂŒckeswagen und Remscheid von 1639 bis 1812, Wermelskirchen 2005, ISBN 3-9802801-5-2.
  • N. J. Breidenbach: Als König Wenzel den Zoll gewĂ€hrte. Schon 1398: Eine Landwehr mit Schanze in Niederwermelskirchen. In: Rhein.-Berg. Kalender, Bergisch-Gladbach 1987.
  • Helmuth Croon: StĂ€nde und Steuern in JĂŒlich-Berg im 17. und vornehmlich im 18. Jahrhundert, Bonn 1929 (Rheinisches Archiv 43).
  • K. Erdmann: Der jĂŒlich-bergische Hofrat bis zum Tode Jaohann Wilhelms (1716), DĂŒsseldorfer Jahrbuch 41(1939), S. 1–121.
  • H. Fahrmbacher: Vorgeschichte und AnfĂ€nge der kurpfĂ€lzischen Armee in JĂŒlich-Berg 1609–1685, Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 42(1909), S. 35–94.
  • Bastian Fleermann: Marginalisierung und Emanzipation. JĂŒdische Alltagskultur im Herzogtum Berg 1779–1847, Bergische Forschungen, Bd. 30, Neustadt/Aisch 2007.
  • Stefan Geppert / Axel Kolodziej: Romerike Berge – Zeitschrift fĂŒr das Bergische Land, 56. Jg., H. 3/2006: Sonderausgabe anlĂ€sslich der Ausstellung Napoleon im Bergischen Land. 1. September bis 22. Oktober, Bergisches Museum Schloss Burg. ISSN 0485-4306
  • Rudolf Göcke: Das Großherzogthum Berg unter Joachim Murat, Napoleon I. und Louis Napoleon 1806–1813. Ein Beitrag zur Geschichte der französischen Fremdherrschaft auf dem rechten Rheinufer; meist nach den Acten des DĂŒsseldorfer Staats-Archivs, Köln 1877.
  • H. Goldschmidt: Geistlicher Besitz und geistliche Steuer in den bergischen Ämtern Misenlohe, Mettmann, Angermund und Landesberg, Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 45(1912), S. 156–171.
  • H. Goldschmidt: Die LandstĂ€nde von JĂŒlich-Berg und die landesherrliche Gewalt 1609–1610, Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 34(1912), S. 175–226.
  • H. Goldschmidt: Kriegsleiden am Niederrhein im Jahre 1610, Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 45(1912), S. 143–155.
  • Franz Gruss: Geschichte des Bergischen Landes, Leverkusen 1974, ISBN 3-930478-00-5
  • Hans Martin Klinkenberg: Das politische Geschick des Bergischen Landes von der Erhebung zum Herzogtum bis zur Eingliederung in den preußischen Staat, Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 80(1963), S. 33–45.
  • Axel Kolodziej: Herzog Wilhelm I. von Berg, 1380–1408, Neustadt/Aisch 2005, ISBN 3-87707-639-4
  • Hansjörg Laute: Die Herren von Berg – Auf den Spuren der Geschichte des Bergischen Landes (1101–1806), Solingen 1988, ISBN 3-9801918-0-X
  • V. Loewe: Eine politisch-ökonomische Beschreibung des Herzogtums Berg aus dem Jahr 1740, BeitrĂ€ge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des DĂŒsseldorfer Geschichtsvereins 15(1900), S. 165–181.
  • Rolf-Achim Mostert: Wirich von Daun Graf zu Falkenstein (1542–1598) – ein Reichsgraf und bergischer Landstand im SpannungsgefĂŒge von Machtpolitik und Konfession, Diss. DĂŒsseldorf: Heinrich-Heine-UniversitĂ€t, 1997.
  • Rolf-Achim Mostert: Der jĂŒlich-klevische Regiments- und Erbfolgestreit – ein Vorspiel zum DreißigjĂ€hrigen Krieg. In: Stefan Ehrenpreis (Hrsg.): Der DreißigjĂ€hrige Krieg im Herzogtum Berg und seinen Nachbarregionen, Neustadt/Aisch 2002, S. 26–64.
  • Das alte Kirchspiel Much von Prof. K. Oberdörfer, Rheinland Verlag 1923.
  • Erich Philipp Ploennies: Topographia Ducatus Montani (1715), zweibĂ€ndig bestehend aus Buch, ISBN 3-87707-073-6 und Kartenwerk, ISBN 3-87707-074-4
  • Overath Geschichte der Gemeinde Prof. Theodor Rutt 1980
  • Charles Schmidt: Das Großherzogtum Berg, 1806–1813. Eine Studie zur französischen Vorherrschaft in Deutschland unter Napoleon I., Neustadt/Aisch 1999, ISBN 3-87707-535-5
  • Bernhard Schönneshöfer: Die Geschichte des Bergischen Landes, Elberfeld 1908
  • Bettina Severin-Barboutie: Französische Herrschaftspolitik und Modernisierung – Verwaltungs- und Verfassungsreformen im Großherzogtum Berg (1806–1813). 2008, ISBN 978-3-486-58294-9
  • Ulrike Tornow: Die Verwaltung der jĂŒlich-bergischen Landsteuern wĂ€hrend der Regierungszeit des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm (1609–1653), Bonn 1974.
  • Heimatbuch Hohkeppel, 1958, Jux/KĂŒlheim/Opladen.
  • Kultur und Geschichte im Bergischen Land Ruth Schmidt-de Bruyn. Bachem Verlag 1985.
  • Bergische Forschungen Band XVI. Die Entstehung der Landesherrschaft der Grafen von Berg bis zum Jahre 1225 von Thomas R. Kraus.
  • Rheinische StĂ€dtesiegel Toni Diederich. Rheinischer Verein fĂŒr Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Jahrbuch Neusser Druckerei und Verlag Neuss. 1984/85.
  • Gerold Schmidt: Der historische Beitrag des Rheinlandes zur Entstehung Nordrhein-Westfalens. Zum 50jĂ€hrigen Bestehen des Landes Nordrhein-Westfalens. In: Rheinische Heimatpflege, 33.Jahrgang 1996, S. 268–273.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Zur Machtkonstellation vor der Schlacht bei Worringen siehe: Irmgard Hantsche: Atlas zur Geschichte des Niederrheins. Kartographie von Harald KrĂ€he. Bottrop / Essen: Verlag Peter Pomp, 1999 (Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie, Bd. 4), S. 32f
  2. ↑ Rolf-Achim Mostert: Der jĂŒlich-klevische Regiments- und Erbfolgestreit – ein Vorspiel zum DreißigjĂ€hrigen Krieg? In: Stefan Ehrenpreis (Hrsg.): Der DreißigjĂ€hrige Krieg im Herzogtum Berg und in seinen Nachbarregionen. Neustadt an der Aisch: Verlagsdruckerei Schmidt, 2002, S. 26–64 (Bergische Forschungen. Quellen und Forschungen zur bergischen Geschichte, Kunst und Literatur. Bd. 28)
  3. ↑ a b Digitalisierte Ausgabe der ULB DĂŒsseldorfS. 79.
  4. ↑ a b Rolf MĂŒller: Upladhin – Opladen – Stadtchronik, Selbstverlag der Stadt Opladen, 1974, S. 121 ff
  5. ↑ Michael Gutbier, Das Hauptland- und Rittergericht zu Opladen – Untersuchungen zur Rechtsgeschichte der Grafschaft Berg im spĂ€teren Mittelalter, Leverkusen: Leweke, 1995
  6. ↑ http://www.mettmann.de/stadtportrait/stadtgeschichte/geschichte.php

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