Herzogtum Preu├čen

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Herzogtum Preu├čen
Das Herzogtum Preu├čen 1576: Herzogtum und k├Âniglich polnisches Preu├čen farblich nicht unterschieden (Fl├Ąchenfarbe f├╝r das Herzogtum ist Nachbearbeitung), Pommerellen nicht zu Preu├čen gerechnet.
Wappenadler des Herzogtums Preu├čen 1525-1633, hier auf einer Fahne

Das Herzogtum Preu├čen war ein im Zuge der Reformation 1525 gegr├╝ndetes Herzogtum im ├Âstlichen Teil des im Zweiten Frieden von Thorn 1466 aufgeteilten Deutschordenslandes. Es wurde im 17. Jahrhundert auch Brandenburgisches Preu├čen genannt.

Inhaltsverzeichnis

Gr├╝ndung

Der nach dem Dreizehnj├Ąhrigen Krieg (1454ÔÇô1466) ├╝briggebliebene Teil des Deutschordensstaates wurde mit dem Zweiten Frieden von Thorn 1466 ein Lehen der polnischen Krone. Letzter Hochmeister des Deutschen Ordens in Preu├čen war der 1511 auch wegen seiner engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den polnischen Herrschern gew├Ąhlte Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach.[1]

Statue Albrechts I. in der Marienburg

Um wie vorherige Hochmeister dem polnischen K├Ânig den Lehnseid verweigern zu k├Ânnen, h├Ątte Albrecht die Unterst├╝tzung des deutschen Kaisers ben├Âtigt. Kaiser Maximilian I. jedoch schloss im Jahre 1515 auf dem Wiener F├╝rstentag Verteidigungs- und Heiratsb├╝ndnisse mit den Jagiellonen und erkl├Ąrte, dass er den Deutschen Orden in Preu├čen nicht l├Ąnger unterst├╝tzen werde.

Nach vierj├Ąhrigem erfolglosen Krieg ging Albrecht auf Distanz zum Reich: Er schloss Frieden mit Polen, f├╝hrte 1525 die Reformation ein und wandelte den Ordensstaat in das weltliche Herzogtum Preu├čen um.[2] Die erbliche Herzogsw├╝rde lie├č er sich unter Anerkennung der polnischen Lehenshoheit von seinem Onkel, dem polnischen K├Ânig Sigismund I., best├Ątigen. Zu den Lehensverpflichtungen Albrechts gegen├╝ber dem polnischen K├Ânig geh├Ârte auch die Ausdehnung der im K├Âniglichen Preu├čen begonnenen M├╝nzreform auf das Herzogliche Preu├čen. In den anschlie├čenden W├Ąhrungsverhandlungen, an denen als Vertreter des K├Âniglichen Preu├čen Nikolaus Kopernikus teilnahm, setzte sich schlie├člich ├╝berwiegend der Unterh├Ąndler Polens durch. Ergebnis war ein einheitliches W├Ąhrungsgebiet, das beide Preu├čen, Polen und Litauen umfasste.

Das Heilige R├Âmische Reich erkannte die S├Ąkularisierung nicht an: Der Deutsche Orden setzte als neuen Deutschmeister Walther von Cronberg ein, der in Preu├čen tats├Ąchlich jedoch keinerlei Regierungsgewalt aus├╝ben konnte und seinen Sitz nicht in K├Ânigsberg, sondern in Mergentheim nahm. Seit 1526 hatte das Amt des Hochmeisters im Reich den gleichen Rang wie das eines F├╝rstbistums. 1527 erhielt Cronberg vom Kaiser die Berechtigung, sich ÔÇ×Administrator des HochmeistertumsÔÇť zu nennen. Auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1530 wurde Cronberg ÔÇô formal und ohne jede praktische Auswirkung ÔÇô mit den Regalien des Deutschen Ordens und dem Lande Preu├čen belehnt. 1532/34 wurde Herzog Albrecht unter Bann gesetzt, der ihm freilich als protestantischem Herrscher au├čerhalb des Reiches nichts ausmachen konnte. Noch der Sohn Kaisers Maximilians II. trug bis 1618 den Titel ÔÇ×Administrator Preu├čensÔÇť; danach nannte man das Amt ÔÇ×Hoch- und DeutschmeisterÔÇť.

1544 gr├╝ndete Herzog Albrecht die Universit├Ąt in K├Ânigsberg. Die kulturellen Leistungen in seiner Amtszeit waren die Prutenischen Tafeln (ein aktualisierter astronomischer Atlas) und die Erstellung preu├čischer Landkarten sowie eine M├╝nzreform unter der Leitung von Nikolaus Kopernikus. In diese Zeit fielen auch die Aufnahme evangelischer Fl├╝chtlinge und besonders die erstmaligen ├ťbersetzungen religi├Âser Schriften in die verschiedenen Sprachen seiner Untertanen. Nach dem Tode Herzog Albrechts im Jahre 1568 erstrebte Kurf├╝rst Joachim II. Hektor von Brandenburg, Sohn von Albrechts Cousin Joachim I. Nestor, als Miterbe des Herzogtums Preu├čen anerkannt zu werden. Da das Herzogtum Preu├čen ja ein polnisches Lehen war, galt es beim polnischen K├Ânig Sigismund II. August unter dem damals ├╝blichen finanziellen Aufwand die Mitbelehnung zu erreichen. Dies gelang, 1569 belehnte der K├Ânig, zugleich Schwager Joachims II., ihn und die Berliner Hohenzollern als erbberechtigt im Herzogtum Preu├čen.

Im Herzogtum war dem verstorbenen Herzog Albrecht dessen f├╝nfzehnj├Ąhriger Sohn Albrecht II. Friedrich gefolgt; dessen Geisteskrankheit bedingte, dass das Land seit 1577 an seiner Stelle von den brandenburgische Kurf├╝rsten aus der Berliner Linie der Hohenzollern verwaltet wurde. 1618 endete die preu├čische Linie der Hohenzollern, als Albrecht II. starb.

Herzogliche Regierung

Nach der Verfassung des Herzogstaates f├╝hrten vier Oberr├Ąte die Regierung: Oberburggraf, Obermarschall, Landhofmeister und Kanzler. Sie bildeten die sog. Oberratsstube, die bis 1804 als Etatsministerium bestand. Danach wurden die W├╝rden zu Titeln, die an hervorragende Beamte verliehen wurden. Der Titel ÔÇ×KanzlerÔÇť ging 1808 auf den Pr├Ąsidenten des Oberlandesgerichts K├Ânigsberg ├╝ber. Der Oberburggraf wohnte im K├Ânigsberger Schloss. Die Obermarschallei war auf dem Burgkirchenplatz, die Kanzlei in der Junkergasse, die Landhofmeisterei in der Landhofmeisterstra├če von K├Ânigsberg.[3]

Brandenburg-Preu├čen

Johann Sigismund heiratete am 30. Oktober 1594 Anna, die Tochter Albrecht Friedrichs. Der Vater Johann Sigismunds, der brandenburgische Kurf├╝rst Joachim Friedrich, hatte seit 1605 (Georg Friedrich ├╝bte 1577-1603 dieses Amt aus) f├╝r Herzog Albrecht Friedrich die Regentschaft auch ├╝ber das Herzogtum Preu├čen ├╝bernommen, nachdem der geisteskranke Albert Friedrich regierungsunf├Ąhig geworden war. 1608 erbte Johann Sigismund die Regierungsgesch├Ąfte von seinem Vater und wurde 1618 auch formell Herzog von Preu├čen. Brandenburg und Preu├čen wurden so 1618 zu einer Personalunion, wobei der brandenburgische Kurf├╝rst in seiner Funktion als Herzog von Preu├čen nominell dem polnischen K├Ânig zur Vasallentreue verpflichtet war. Geschichtswissenschaftlich gilt f├╝r den Abschnitt von 1618 bis 1701 der Begriff Brandenburg-Preu├čen. Zwischen 1618 und 1701 wird das Herzogtum Preu├čen oft als F├╝rstentum bezeichnet (so in Kirchenb├╝chern vor 1700). Die 1466 durch den Deutschen Orden verlorene Souver├Ąnit├Ąt ├╝ber das Gebiet des Herzogtums Preu├čen an das K├Ânigreich Polen ging im Vertrag von Wehlau 1657 an die Person des Herzogs von Preu├čen ├╝ber.

Herz├Âge von Preu├čen

In K├Ânigsberg residierten
1525ÔÇô1568 Albrecht von Brandenburg-Ansbach
1568ÔÇô1573 Albrecht Friedrich
Zeitweise in K├Ânigsberg residierten
1577ÔÇô1603 Markgraf Georg Friedrich, Administrator
1603ÔÇô1608 Kurf├╝rst Joachim Friedrich, Regent
1608ÔÇô1619 Kurf├╝rst Johann Sigismund, Co-Regent
1619ÔÇô1640 Kurf├╝rst Georg Wilhelm[4]
1640ÔÇô1688 Friedrich Wilhelm, der Gro├če Kurf├╝rst
1680ÔÇô1701 Kurf├╝rst Friedrich III.

K├Ânigreich Preu├čen

Ôćĺ Hauptartikel: K├Ânigreich Preu├čen

Am 18. Januar 1701 kr├Ânte sich Friedrich III. Kurf├╝rst von Brandenburg mit Genehmigung des r├Âmisch-deutschen Kaisers Leopold I. als Friedrich I. in K├Ânigsberg zum ÔÇ×K├Ânig in Preu├čenÔÇť. Damit war die Standesgleichheit mit dem Kurf├╝rsten von Sachsen (in Personalunion K├Ânig von Polen-Litauen) und dem Kurf├╝rsten von Hannover (Anwartschaft auf den Thron Englands) erreicht.

Als nach der ersten Teilung Polens 1772 westliche Teile Preu├čens (Preu├čen K├Âniglichen Anteils) Friedrich II. huldigten, ordnete der K├Ânig am 31. Januar 1773 an, die Neuerwerbungen als Westpreu├čen und das bisherige Herzogtum Preu├čen als Ostpreu├čen zu bezeichnen.

Die beiden Provinzen wurden ab 1824 in Personalunion, ab 1829 in Realunion zur Provinz Preu├čen vereinigt, 1878 aber wieder getrennt. Der Vertrag von Versailles trennte dann 1919 den Gro├čteil von Westpreu├čen als Polnischen Korridor endg├╝ltig ab. 1947 wurde Preu├čen von den Alliierten aufgel├Âst, nachdem die deutsche Bev├Âlkerung aus den Ostgebieten jenseits der Oder vertrieben worden war.

Literatur

  • Hartmut Boockmann: Ostpreu├čen und Westpreu├čen. (= Deutsche Geschichte im Osten Europas). Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-212-4
  • Richard Dethlefsen: Das sch├Âne Ostpreu├čen. Piper, M├╝nchen 1916 (Digitalisat)
  • Yorck Deutschler: Die Aestii ÔÇô Bezeichnung f├╝r die heutigen Esten Estlands oder die untergegangenen Pruzzen Ostpreu├čens, in: Y. Deutschler, ÔÇ×Die Singende RevolutionÔÇť ÔÇô Chronik der Estnischen Freiheitsbewegung (1987ÔÇô1991), S. 196ÔÇô198, Ingelheim, M├Ąrz 1998/Juni 2000, ISBN 3-88758-077-X
  • Andreas Ehrhard (Fotos), Bernhard Pollmann (Text): Ostpreu├čen. Bruckmann, M├╝nchen 2004, ISBN 3-7654-3877-4 (L├Ąnderportrait, aktuelle Bilder aus dem ehemaligen Ostpreu├čen)
  • Walter Frevert: Rominten. BLV, Bonn u. a. 1957 (1. Teil der so genannten ÔÇ×Ostpreu├čen-TrilogieÔÇť)
  • August Karl von Holsche: Geographie und Statistik von West-, S├╝d- und Neu-Ostpreu├čen. Nebst einer kurzen Geschichte des K├Ânigreichs Polen bis zu dessen Zertheilung. 2 B├Ąnde. Berlin 1800 und 1804 (Digitalisat)
  • Andreas Kossert: Ostpreu├čen. Geschichte und Mythos. Siedler, M├╝nchen 2005, ISBN 3-88680-808-4
  • Hans Kramer: Elchwald. Der Elchwald als Quell und Hort ostpreu├čischer Jagd. 2. Auflage. Jagd- und Kulturverlag, Sulzberg im Allg├Ąu 1985, ISBN 3-925456-00-7 (3. Teil der so genannten ÔÇ×Ostpreu├čen-TrilogieÔÇť)
  • Karl Templin: Unsere masurische Heimat. Zum einhundertj├Ąhrigen Bestehen des Kreises Sensburg 1818ÔÇô1918. Selbstverlag des Kreises Sensburg, 2. Auflage 1926. Aufgrund der umfassenden Darstellung ist dies Werk auch f├╝r weitere ostpreu├čische Gebiete aufschlussreich.

Einzelnachweise

  1. ÔćĹ Maike Sach: Hochmeister und Grossf├╝rst: Die Beziehungen Zwischen dem Deutschen Orden in Preussen und dem Moskauer Staat um die Wende zur Neuzeit, Dissertation Universit├Ąt Kiel, 2002 Franz Steiner Verlag, ISBN 3-515-08047-3, S. 171; bei Google Books
  2. ÔćĹ Janusz Ma┼é┼éek: Die St├Ąnderepr├Ąsentation im Deutschordensstaat (1466ÔÇô1525) und im Herzogtum Preu├čen (1525ÔÇô1566/68). In: Hartmut Boockmann: Die Anf├Ąnge der st├Ąndischen Vertretungen in Preu├čen und seinen Nachbarl├Ąndern. Verlag Oldenbourg, M├╝nchen 1992, ISBN 3-486-55840-4, S. 101ÔÇô115, hier: S. 101.
  3. ÔćĹ H. M. M├╝hlpfordt: K├Ânigsberg von A bis Z ÔÇô ein Stadtlexikon. Leer 1972
  4. ÔćĹ Als einziger Herzog wurde Georg Wilhelm in K├Ânigsberg begraben

Weblinks


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Synonyme:

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