Hieronymus (Kirchenvater)


Hieronymus (Kirchenvater)
Hieronymus in Kardinalstracht von Peter Paul Rubens, 1653

Sophronius Eusebius Hieronymus (* 347 in Stridon, Provinz Dalmatia; † 30. September 420 in Betlehem) war Kirchenvater, Heiliger, Gelehrter und Theologe der alten Kirche. Er gehört in der katholischen Kirche zusammen mit Ambrosius von Mailand, Augustinus und Papst Gregor I. zu den vier spätantiken Kirchenlehrern des Abendlandes.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Seine wohlhabenden Eltern schickten Hieronymus in jungen Jahren nach Rom zu dem berühmten Grammatiker Aelius Donatus, damit er Grammatik, Rhetorik und Philosophie studierte. Unter den Mitstudenten war der Christ Pammachius, dem Hieronymus lebenslang verbunden blieb. Während dieser Zeit ließ Hieronymus sich taufen. Nach Aufenthalten in Trier und Aquileja reiste Hieronymus um 373 auf dem Landweg in den Osten des Imperiums, lebte als Eremit in Syrien. Er lernte dann in Antiochia am Orontes Griechisch und Hebräisch, womit Hieronymus unter den Gelehrten seiner Zeit eine Ausnahme darstellt.

Um 379 wurde er in Antiochia zum Priester geweiht. Anschließend studierte er in Konstantinopel unter dem Kirchenlehrer Gregor von Nazianz. Von 382 bis 384 war er Sekretär des Papstes Damasus I. und Seelsorger vornehmer römischer Frauen, unter anderem der Marcella, die ebenfalls heiliggesprochen wurde, und Lea, Fabiola, Paula und deren Tochter, der Jungfrau Eustochium.

Hieronymus galt als ein eifriger Arbeiter und literarisch sehr gebildeter Mann, der auch heidnische Werke las und benutzte. Er galt aber auch als ein sehr temperamentvoller Mann, der seine Theologie und Auslegung äußerst ernst nahm. Einen Meinungsunterschied interpretierte er mitunter als persönliche Beleidigung und reagierte darauf oft mit Polemik. Er pflegte zu sagen: Parce mihi, Domine, quia Dalmata sum (Sei mir gnädig, Herr, weil ich Dalmatiner bin).

Der Überlieferung zufolge soll Hieronymus einem Löwen einen Dorn aus der Pranke gezogen haben. Dieser wurde darauf zahm und ein treu ergebener Gefährte. Zu den Attributen des hl. Hieronymus gehört daher neben der Bibel und dem scharlachroten Kardinalshut oft auch der Löwe.

Auch aufgrund von Kritik an seiner Arbeit reiste er nach dem Tod seines Gönners Damasus nach Betlehem ab, wo er zusammen mit Paula, die ihm mit ihrer Tochter Eustochium gefolgt war, vier Klöster gründete - drei für geweihte Jungfrauen und eines für Mönche, dessen Leitung er übernahm und in dem er bis zu seinem Tod wirkte.

Werke

Die lateinische Übersetzung des Alten Testaments

Albrecht Dürer: Hieronymus im Gehäus, 1514

Hieronymus ist der Verfasser der Vulgata, der lange Zeit maßgeblichen Bibelübersetzung der katholischen Kirche. Er übersetzte in ein Latein, das er behutsam dem Sprechlatein seiner Zeit annäherte. Fürs Neue Testament überarbeitete er die ältere Übersetzung Vetus Latina (früher auch Itala genannt).

Hieronymus beherrschte klassisches und zeitgenössisches Latein sowie Griechisch und berief sich in seinen Schriften auch auf jüdische Gelehrte, die ihm Hebräisch beigebracht hätten. Während bis vor einiger Zeit seine Hebräischkenntnisse als sehr bescheiden eingeschätzt wurden,[1] gesteht ihm die modernere Forschung nun wieder eine höhere Sprachkompetenz zu.[2]

Ab 385 übersetzte Hieronymus in Bethlehem viele Bücher des Alten Testamentes nach der Septuaginta, also aus dem Altgriechischen, nämlich das Buch der Psalmen, das Buch Ijob, die Sprichwörter, das Hohelied, das Buch Kohelet und das (erste und zweite) Buch der Chronik. Ab 393 veröffentlichte Hieronymus eine Übersetzung des gesamten Alten Testamentes, laut eigenen Angaben „nach dem Hebräischen“; aufgrund neuerer Forschungen wird aber auch angenommen, dass auch diese Übersetzung nach der Septuaginta angefertigt wurde, möglicherweise aber einer, die auch die Lesarten anderer griechischer Übersetzungen enthielt.[3]

Hieronymus selbst schrieb über diese Arbeit an Papst Damasius:

„Du zwingst mich, ein neues Werk aus einem alten zu schaffen, gleichsam als Schiedsrichter zu fungieren über Bibelexemplare, nachdem diese [seit langem] in aller Welt verbreitet sind, und, wo sie voneinander abweichen, zu entscheiden, welche mit dem authentischen griechischen Text übereinstimmen. Es ist ein Unterfangen, das ebenso viel liebevolle Hingabe verlangt, wie es gefährlich und vermessen ist; über die anderen zu urteilen und dabei selbst dem Urteil aller zu unterliegen; in die Sprache eines Greises ändernd einzugreifen und eine bereits altersgraue Welt in die Tage ihrer ersten Kindheit zurückzuversetzen. Wird sich auch nur einer finden, sei er gelehrt oder ungelehrt, der mich nicht, sobald er diesen Band [die Überarbeitung der Evangelien] in die Hand nimmt und feststellt, dass das, was er hier liest, nicht in allem den Geschmack dessen trifft, was er einmal in sich aufgenommen hat, lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?
Zwei Überlegungen sind es indes, die mich trösten und dieses Odium auf mich nehmen lassen: zum einen, dass du, der an Rang allen anderen überlegene Bischof, mich dies zu tun heißest; zum anderen, dass, wie auch meine Verleumder bestätigen müssen, in differierenden Lesarten schwerlich die Wahrheit anzutreffen ist. Wenn nämlich auf die lateinischen Texte Verlass sein soll, dann mögen sie bitte sagen: Welchen? Gibt es doch beinahe so viele Textformen, wie es Abschriften gibt. Soll aber die zutreffende Textform aus einem Vergleich mehrerer ermittelt werden, warum dann nicht gleich auf das griechische Original zurückgehen und danach all die Fehler verbessern, ob sie nun auf unzuverlässige Übersetzer zurückgehen, ob es sich bei ihnen um Verschlimmbesserungen wagehalsiger, aber inkompetenter Textkritiker oder aber einfach um Zusätze und Änderungen unaufmerksamer Abschreiber handelt? … Ich spreche nun vom Neuen Testament: … Matthäus, Markus, Lukas, Johannes; sie sind von uns nach dem Vergleich mit griechischen Handschriften – freilich alten! – überarbeitet worden. Um jedoch allzu große Abweichungen von dem lateinischen Wortlaut, wie man ihn aus den Lesungen gewohnt ist, zu vermeiden, haben wir unsere Feder im Zaum gehalten und nur dort verbessert, wo sich Änderungen des Sinns zu ergeben schienen, während wir alles übrige so durchgehen ließen, wie es war.“
(Vorrede zum Neuen Testament; zit. nach A. M. Ritter, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Bd. 1 – Alte Kirche, S. 181 f.; im Original bei J. P. Migne, Patrologiae cursus completus, series Graeca (MPG) 29, Sp. 525 ff.)[4]

Weitere Werke

Hieronymus war ein überaus produktiver Autor. Neben seiner Bibelübersetzung schrieb er Kommentare zu mehreren biblischen Schriften, eine Landeskunde Palästinas, weitere Übersetzungen (Hieronymus ist der Schutzpatron der Übersetzer) und Schriften über theologische Kontroversen sowie Bibelauslegung. Er verfasste auch zahlreiche Briefe, die eine wichtige Quelle für die damaligen Ereignisse darstellen, und einen Schriftstellerkatalog (De viris illustribus).

Hieronymus übersetzte und überarbeitete die Chronik des Eusebius von Caesarea und setzte diese bis 378 fort; als Quellen diente ihm dabei unter anderem Sueton und die sogenannte Enmannsche Kaisergeschichte.[5] Damit stand der lateinischen Christenheit erstmals eine Darstellung der Geschichte „von Abraham“ bis in die Gegenwart zur Verfügung.[6] Nach den Angaben im Vorwort zur Chronik plante er auch ein umfassenderes Geschichtswerk über die Zeit der Kaiser Gratian und Theodosius I., das er aber (wie andere geplante Werke) nicht mehr verfasste.

Titelkirche des heiligen Hieronymus

Albrecht Dürer, Der heilige Hieronymus in der Einöde, 1495

Die Titelkirche San Girolamo dei Croati (Heiliger Hieronymus der Kroaten) als einem Kardinal zugehörige Kirche existiert bereits seit 1566 und wurde von Papst Pius V. geschaffen. Seitdem trugen viele Kardinäle kroatischer Herkunft oder mit kroatischen Verwandtschaftsbeziehungen diesen Titel. In neuerer Zeit trägt stets der Erzbischof von Zagreb (derzeit Kardinal Josip Bozanić) diesen Kardinalstitel.

Siehe auch: Hieronymuskirche

Kunstgeschichte

Der Typus des Heiligen Hieronymus als kontemplativer Mönch fand in der Kunstgeschichte seinen Platz als „Hieronymus im Gehäuse“ u. a. in Gemälden bei

Ausgaben

Die Werke des Hieronymus sind unter anderem im Rahmen der Patrologia Latina, des Corpus Christianorum (Series Latina) sowie des Corpus scriptorum ecclesiasticorum latinorum editiert. Zu Details siehe den Überblick bei Rebenich.[7] Auswahlübersetzungen sind im Rahmen der Reihe Bibliothek der Kirchenväter erschienen.

Literatur

  • Alfons Fürst: Hieronymus. Askese und Wissenschaft in der Spätantike. Herder, Freiburg 2003, ISBN 3-451-27722-0.
  • Georg Grützmacher: Hieronymus, eine biographische Studie zur alten Kirchengeschichte. Leipzig 1901-1908. Neudruck: 3 Bände in einem Band, Scientia, Aalen 1986, ISBN 3-511-04259-3.
  • Stefan Rebenich: Jerome. Routledge, London u.a. 2002.

Weblinks

 Commons: Hieronymus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Primärtexte
 Wikisource: Sophronius Eusebius Hieronymus – Quellen und Volltexte (Latein)
 Wikiquote: Hieronymus – Zitate
Informationen über Hieronymus

Anmerkungen

  1. Pierre Nautin: Artikel Hieronymus, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 15 (1986), S. 304–315, hier S. 309, z. B. Z. 37: Allerdings läßt es sich beweisen, daß er diese Sprache praktisch kaum kannte.
  2. A. Fürst, Aktuelle Tendenzen der Hieronymus-Forschung, in: Adamantius 13 (2007), S. 144–151
  3. Pierre Nautin: Artikel Hieronymus, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 15 (1986), S. 304–315, hier S. 310.
  4. http://www.seam-uni-essen.de/spug/texte/hieronymusauftrag01.htm
  5. Richard W. Burgess: Jerome and the Kaisergeschichte. In: Historia 44 (1995), S. 349-369; problematischer und spekulativer ist Burgess' These einer bis 378 reichenden Redaktion der Kaisergeschichte, siehe: Richard W. Burgess: A Common Source for Jerome, Eutropius, Festus, Ammianus, and the Epitome de Caesaribus between 358 and 378, along with Further Thoughts on the Date and Nature of the Kaisergeschichte. In: Classical Philology 100 (2005), S. 166–192.
  6. Rebenich, Jerome, S. 27.
  7. Rebenich, Jerome, S. 68–70.



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