Holland-Fahrrad

Ein typisches Damen-Hollandrad

Als Hollandrad (oder Holland-Fahrrad) bezeichnet man Fahrräder niederländischer Bauart, die sich insbesondere durch eine aufrechte Sitzposition des Fahrers auszeichnen und in dem Ruf stehen, besonders robust und qualitativ hochwertig zu sein.

Inhaltsverzeichnis

Typisierung

Hollandräder sind eine stabile und komfortable Fahrradgattung, die sich auch jenseits der Niederlande großer Beliebtheit erfreut, in Deutschland insbesondere in den Städten des Nordwestens und auf den friesischen Inseln. Die Welt am Sonntag schrieb 2008 in einem Artikel zum Thema Fahrrad über das Hollandrad: „Zu Unrecht hatte es jahrelang den Ruf eines Oma-Fahrrades, und das bloß, weil es behäbiger daherkommt und seinen Fahrer aufrecht durch die Welt rollen lässt. Im Grunde ist das Hollandrad ein Fortbewegungsmittel für Menschen, die ihrer Umgebung offen und neugierig begegnen. Mit Haltung.“ [1]

Geschichte

Ein holländisches Transportfahrradrad

An Anfang der Geschichte des Fahrrads in den Niederlanden steht der Import von Rädern aus den großen europäischen Ländern wie Frankreich, England und Deutschland, die mit ihren Entwicklungen den Weg des Fahrrades vorgaben. Eine eigene niederländische Fahrradproduktion beginnt erst 1869 mit der Werkstatt von Hernricus Burgers aus Deventer, in den 1880er Jahren entstehen dann jedoch in schneller Folge weitere Hersteller. Die produzierten Räder lehnten sich dabei eng an das englische Vorbild an – das ursprüngliche Hollandrad war somit zunächst eine Kopie des englischen Fahrrades.

Das Prädikat Nederlandsch Fabrikaat kam erst in 1920er Jahren auf, nachdem sich Anfang des 20. Jahrhunderts in der Fahrradform spezifisch niederländische Merkmale herauszubilden begannen. Kennzeichnend war dabei eine eher konservative Einstellung der niederländischen Hersteller, die weniger auf Innovationen, als auf Qualität und Langlebigkeit setzten. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die niederländische Geographie mit ihren ebenen Landschaft und das engmaschige, gut ausgebaute Straßennetz. Wichtig war darüber hinaus die große Akzeptanz des Fahrrades in der niederländischen Gesellschaft als alltägliches Transportmittel, und zwar nicht nur für Personen in Form von Stadträdern (Niederländisch Stadsfiets oder Omafiets) – Vorläufer der heutigen City Bikes –, sondern auch für Waren in Form von Transporträdern (Niederländisch Bakfiets).

Besonderheiten

Das „klassische“ Hollandrad mit seinem Anspruch an Stabilität, Wartungsarmut und hohen Komfort weist einige technische Besonderheiten auf, die sich bis heute erhalten haben:

  • Der Rahmen des Damenrads hat die Form des sogenannten Hollandbogens (umgangssprachlich auch „Oma-Rahmen“ genannt), der sich durch ein gerades Unterrohr und ein einfach gebogenes, hochgezogenes Oberrohr auszeichnet. Das Herrenrad verwendet den typischen Diamantrahmen.
  • Damen- und Herrenrad gemein ist der relativ flache Lenkkopfwinkel von zirka 65°, der einen hervorragenden Geradeauslauf bewirkt. Der Lenker selbst ist dabei relativ nah am Körper, wodurch sich eine nur gering geneigte, bequeme Sitzhaltung ergibt, die die Arme und Hände entlastet. Hinzu kommt meist ein stark gefederter Ledersattel.
  • In den Niederlanden kommen überwiegend Trommelbremsen an Vorder- und Hinterradnabe zum Einsatz, die teilweise per Stange statt per Seilzug bedient werden. Für den Export nach Deutschland bestimmte Hollandräder werden von den Herstellern jedoch meistens mit Rücktrittbremse ausgestattet.
  • Der Dynamo dient bei vielen Hollandrädern nur der Stromversorgung des Scheinwerfers, während das Rücklicht mit Batterien betrieben wird. Diese Variante ist in den letzten Jahren zunehmen auch bei Modellen zu finden, die in Deutschland verkauft werden, wobei zu beachten ist, dass dies nicht den Vorschriften der StVZO entspricht, nach denen sowohl der Scheinwerfer als auch die Schlussleuchte durch einen Dynamo mit Strom versorgt werden müssen.
  • Eine weitere Besonderheit der Hollandräder ist der Gepäckträger. Während andere Fahrräder häufig einen metallischen Bügel besitzen, werden bei Hollandrädern typischerweise drei Gummibänder verwendet, die von der Radnabe des Hinterrades über den Gepäckträger gespannt sind.
  • Für die Wartungsarmut der Hollandräder bedeutend ist zudem der geschlossene Kettenschutz, der traditionellerweise aus Moleskin hergestellt wird. Seit einigen Jahren werden neben dem klassischen Moleskin-Kettenschutz auch solche aus ABS-Kunststoff verbaut, die man ohne grossen Aufwand oder Werkzeugeinsatz demontieren kann.

Die besondere Haltbarkeit der Hollandräder schlägt sich insgesamt auch im Wiederverkauf nieder. Ein gut gepflegtes, gebrauchtes Marken-Hollandrad verliert auch nach Jahren nur wenig von seinem Wert.

Hollandrad-Hersteller

Marktführer und mit Abstand größter niederländischer Fahrradhersteller ist die Firma Gazelle aus Dieren, gefolgt von Batavus. Weitere bekannte Hersteller sind Sparta und Union.

Einzelnachweise

  1. Das Glück liegt auf der Strasse: 3. Hollandrad. In: Welt am Sonntag vom 06.07.2008, S. 71

Weblinks


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