Holzminden

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Holzminden
Holzminden
Deutschlandkarte, Position der Stadt Holzminden hervorgehoben
51.8277777777789.450555555555689
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Holzminden
Höhe: 89 m ü. NN
Fläche: 88,24 km²
Einwohner:

20.073 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 227 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37603
Vorwahlen: 05531, Neuhaus i. S.: 05536
Kfz-Kennzeichen: HOL (seit 1. Juli 1956)
Gemeindeschlüssel: 03 2 55 023
Adresse der
Stadtverwaltung:
Neue Straße 12
37603 Holzminden
Webpräsenz: www.holzminden.de
Bürgermeister: Jürgen Daul (parteiunabhängig)
Lage der Stadt Holzminden im Landkreis Holzminden
Hessen Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Hildesheim Landkreis Northeim Arholzen Bevern (Landkreis Holzminden) Bevern (Landkreis Holzminden) Bodenwerder Boffzen Boffzen Derental Derental Derental Derental Boffzen (gemeindefrei) Brevörde Deensen Deensen Deensen Grünenplan (gemeindefrei) Grünenplan (gemeindefrei) Grünenplan (gemeindefrei) Delligsen Dielmissen Eimen Eimen (gemeindefrei) Eschershausen Eschershausen (gemeindefrei) Eschershausen (gemeindefrei) Fürstenberg (Weser) Golmbach Halle (Weserbergland) Hehlen Hehlen Heinade Heinade Heinade Heinsen Heyen Holenberg Holzen (bei Eschershausen) Holzminden Holzminden Holzminden (gemeindefrei) Kirchbrak Lauenförde Lenne (Niedersachsen) Lüerdissen Merxhausen (gemeindefrei) Negenborn Ottenstein (Niedersachsen) Pegestorf Polle Stadtoldendorf Vahlbruch Wangelnstedt Wenzen (gemeindefrei)Karte
Über dieses Bild

Holzminden ist die Kreisstadt des Landkreises Holzminden in Niedersachsen (Deutschland).

Die an der Weser gelegene Stadt, die seit 2003 offiziell als „Stadt der Düfte und Aromen“ beworben wird, gehört zur Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Altstadt und Weserkai
Blick vom Feldberg bei Stahle auf Holzminden
Stilisierte Stadtmauer am Anfang der Oberen Straße
Reichspräsidentenhaus
Die Fürstenberger Straße (L550)

Holzminden liegt im oberen Weserbergland am Nordwestrand des Mittelgebirges Solling im Oberen Wesertal. Etwas weiter nördlich befindet sich der Vogler und jenseits von diesem der Ith. Bis zur niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover sind auf Bundesstraßen etwa 80 km zurückzulegen.

Die Stadt, die sich an der östlichen Uferseite der Oberweser befindet, wird in Südost-Nordwest-Richtung von der Holzminde durchflossen, in die im Stadtgebiet die von Osten kommende Dürre Holzminde einmündet; in diese wiederum mündet im östlichen Stadtteil Pipping der von Osten kommende Hasselbach ein. Direkt nach dem Durchfließen des Stadtgebiets mündet die Holzminde am westlichen Stadtrand in die von Süden kommende Weser, die in einigen Holzmindener Durchflussbereichen die Grenze zum westlich gelegenen Bundesland Nordrhein-Westfalen bildet.

Unmittelbar angrenzende bzw. nahe gelegene nordrhein-westfälische Ortschaften sind Lüchtringen, Stahle und Höxter. An der westlichen Uferseite der Weser liegt etwas weiter südlich und flussaufwärts von Holzminden das Kloster Corvey.

Nachbargemeinden

Beginnend im Norden im Uhrzeigersinn grenzen an die Stadt Holzminden die Samtgemeinde Bevern mit dem Flecken Bevern und die gemeindefreien Gebiete Holzminden und Merxhausen (Landkreis Holzminden), das gemeindefreie Gebiet Solling (Landkreis Northeim), die Samtgemeinde Boffzen mit der Gemeinde Derental und das gemeindefreie Gebiet Boffzen (wiederum Landkreis Holzminden), sowie schließlich im Westen der zu Nordrhein-Westfalen gehörige Kreis Höxter mit seiner Kreisstadt Höxter.

Stadtgliederung

Überblick

Die Stadt Holzminden besteht neben der Kernstadt und dem Ortsteil Allersheim aus den früheren Gemeinden Neuhaus im Solling und Silberborn. Diese Stadtteile kamen im Zuge der Gebietsreform 1973 hinzu. Sie liegen östlich der Kernstadt im Solling und bilden je eine Ortschaft mit Ortsrat.[2] Auch die frühere Gemeinde Mühlenberg, die ebenfalls im Solling liegt, ist ein Holzminder Stadtteil und bildet eine Ortschaft mit Ortsvorsteherin oder Ortsvorsteher.[3] Durch die im Vergleich zu anderen Städten geringe Zahl an Ortsteilen resultiert die Gesamtbevölkerung nur zu etwa 10 % aus eingemeindeten Ortschaften.

Stadtteile

Die wesentlichen Holzminder Stadtteile haben diese Flächen:[4]

  • Holzminden Kernstadt: 2.726,99 ha
  • Neuhaus im Solling: 5.150,84 ha
    Fohlenplacken gehört mit eigenem Ortsschild zu Neuhaus im Solling
  • Silberborn: 926,70 ha
    Torfhaus gehört mit eigenem Ortsschild zu Silberborn
  • Mühlenberg: 20,02 ha

Geschichte

Einwohnerentwicklung

Einwohner
1687 1.100
1749 2.121
1781 2.583
1802 2.452
1830 3.272
1855 6.887
1865 4.788
1871 5.932
1890 8.898
1900 9.857
1910 11.474,
davon 1.225
in Altendorf
1925 12.192
1930 12.377
1933 12.905
1939 13.796
1945 20.666
1950 22.151
1955 24.702
1970 24.393
1980 22.218
1990 21.477
2000 21.495
2005 20.789
2009 20.210

Frühgeschichte bis 18. Jahrhundert

Erstmals erwähnt wurde Holzminden 832 in mehreren Corveyer Schenkungsregistern und Urkunden unter dem Namen Holtesmeni, Holtesmini, Holtesmynne. Der Name bedeutet nicht wie von Grimm erwähnt „Waldgeschmeide“, sondern entstammt nach Angaben von Professor Edward Schröder in seinem Werk Deutsche Namenkunde (1938, Göttingen) von einer alten germanischen Bezeichnung für einen Bach: menni = Bach. Hierbei wird aber nicht der Ort der heutigen Kreisstadt, sondern ursprünglich das 1922 eingemeindete Altendorf (1275 antiqua villa), eine Siedlung an der großen, vom Niederrhein durch Westfalen nach dem Osten (Braunschweig bzw. Leipzig) führenden Straße, die die Weser überschritt, bezeichnet.

Neben der Siedlung Altendorf entstand vermutlich zwischen 1197 und 1202 als Markt- und Zollstädte der Grafen von Everstein die nova plantatio (neue Gründung), deren planmäßige Anlage im Grundriss noch deutlich erkennbar ist.

1245 erhielt Holtesminne (Holzminden) die Bestätigung ihres wichtigen Stadtrechtes durch Otto von Everstein; seit 1240 ist dieser auch im Besitz der Burg an der Weser. 1394 wird zwischen Corvey und Everstein ein Borchfrede to Holtesmynne geschlossen.

Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Burg aufgegeben, deren Ruinen wurden erst 1860 endgültig abgebrochen. In ihrem Schutz schritt Holzminden allerdings nicht, wie es für die Mehrzahl der Städte zutrifft, zu einer mit Türmen bewehrten Ummauerung fort, sondern begnügte sich mit der Beibehaltung der anfänglichen einfachen Hafenbefestigung (Wall und Palisade).

In den erbitterten Auseinandersetzungen mit den seit der staatsrechtlichen Anerkennung ihres Landesfürstentums 1235 machtvoll gegen die Weserlinie vordringenden Welfen und deren Parteigängern, den Edelherren von Homburg, den Eversteiner Grafen 1408 entfremdet, blieb die Stadt seit dem frühen 16. Jahrhundert im ausschließlichen Besitze der Wolfenbüttler Linien des braunschweigisch-lüneburgischen Hauses.

In einem Mandat an den Abt zu Corvey vom 18. April 1540 wird das Stettlin Holzmin von Kaiser Karl V. in Schutz genommen.

1565 wird im westlichen Teil des noch heute bestehenden Marktes ein spitzgiebeliges Rathaus errichtet, das das Stadtgericht, die Kämmerei, einen Hochzeits- und Gildensaal und einen Ratskeller beherbergte. Es bestand zahlreiche Kriegswirren und Altstadtbrände und musste erst 1821 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

In der Folgezeit unternommene Versuche, ihre wirtschaftliche Stellung gegenüber dem benachbarten Höxter (Corvey) zu stärken (unter anderem erster Holzbrückenbau 1619, die durch Eisgang 1620 zerstört wurde), erstickte der Dreißigjährige Krieg. Holzminden wurde 1640 von kaiserlichen Truppen zerstört und niedergebrannt und erholte sich davon nur langsam. Maßgeblich an dem Aufbau der Stadt beteiligt, waren auch Handwerker aus Kroatien.

In lebhafte Bewegung kam Holzminden erst wieder seit Mitte des 18. Jahrhunderts infolge zielbewusster baulicher und wirtschaftlicher Förderung, unter anderem Gründung eines Eisenwerkes 1745 durch den 1742–1763 amtierenden Oberbürgermeister Johann Georg von Langen (1699–1776) und durch die Verbindung der Klosterschule von Amelungsborn mit der Stadtschule, siehe: Campe-Gymnasium.

In geistiger Hinsicht setzte sich jene fort mit der Wirksamkeit des als rationalistischem Theologen und Mathematiker bedeutenden Stadtpfarrers und Titularabtes von Amelungsborn von 1775 bis 1779 Johann Friedrich Ludwig Häseler sowie 1831 mit der Gründung der ersten deutschen und bis heute ältesten Baugewerkschule durch den Kreisbaumeister Friedrich Ludwig Haarmann. Die Hochschule heißt seit 2000 Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen.

Im April 1754 wird ein „Herzogliches Leyhaus“ (Leihhaus) in der Stadt gegründet, aus der 1765 die Braunschweigischen Staatsbank entsteht, die 1970 wiederum zur NORD/LB fusionierte.

Postgeschichte

Poststempel von Holzminden (Schnallenstempel)


Nach Henri Bade hat eine Kaiserliche Thurn und Taxissche Post schon vor 1700 bestanden. Die braunschweigische Landespost bestand in Holzminden auch schon vor 1743, denn schon vor der Fahrpost von Braunschweig nach Holzminden im Jahre 1743 gab es eine Route des reitenden Postboten von Braunschweig über Gandersheim, Holzminden weiter nach Paderborn.

Zur Entwicklung des Postwesens in Holzminden siehe: Postroute Braunschweig-Holzminden.

19. Jahrhundert

Die alte Weserbrücke war bis 2002 Bestandteil der Bundesstraße 64

Von 1811 bis Januar 1814 wird die Stadt von den Franzosen unter Napoleon Bonaparte besetzt und dem Königreich Westphalen angegliedert. Ab 1814 kommt Holzminden zum Herzogtum Braunschweig.

1817 befuhr erstmals ein Lastdampfschiff mit Namen „Die Weser“ den gleichnamigen Fluss. 1821 muss das baufällige Rathaus auf dem Marktplatz abgerissen werden.

Am 1. Januar 1833 wurde die Stadt Sitz der Verwaltung des Kreises Holzminden des Herzogtum Braunschweig mit den Ämtern Holzminden, Stadtoldendorf, Ottenstein und Thedinghausen.

In der Literatur ist Holzminden bekannt durch Wilhelm Raabe (1831–1910), der hier Kindheitsjahre (bis 1845) verlebte und dessen Erzählungen teilweise hier spielen.

Ab 1840 produzierte am Pipping an einer ehemaligen Steinschleifmühle die Holzwarenfabrik Fritz Ulrich GmbH bis in die 1960er Jahre.

Am 10. Oktober 1843 wurde der Personenschiffsverkehr auf der Weser aufgenommen. Das Schiff „Hermann“ fuhr erstmals von Hameln nach Hannoversch Münden. Besonders der Senator Friedrich-Wilhelm Meyer aus Hameln entwickelte den zunehmenden Reiseverkehr mit der Gründung der Oberweser-Dampfschiffahrtgesellschaft (OWD) mit den späteren kohlebefeuerten Raddampfern „Kaiser Wilhelm“, „Kronprinz Wilhelm“, „Fürst Bismarck“ und „Graf Moltke“. 2002 musste die OWD, die von den Anrainer-Kommunen mitgetragen wurde, Insolvenz anmelden.

Am 19. Oktober 1845 erfolgt die Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Neuen Straße, das nach dem Bau der Schule in der Karlstraße 1876/77 zum Rathaus der Stadt umgebaut wurde.

Vom 15. Januar bis zum 20. Mai 1849 war Wilhelm Erdmann Florian von Thielau Abgeordneter für Holzminden in der Frankfurter Nationalversammlung. 1849 gründet sich die heute noch bestehende Verein MTV 49 Holzminden e. V.

1865 erhielt die Stadt, die zu der Zeit 4.788 Einwohner besaß, einen Bahnanschluss an der Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen. Durch die Verbindung der Braunschweigischen Südbahn (Herzoglich Braunschweigische Staatseisenbahn) mit der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft entstand eine wichtige Fernverbindung in das rheinisch-westfälische Industriegebiet und ab 1868 über Magdeburg nach Berlin. Die einst zweigleisige Hauptstrecke verlor durch die Verlagerung der Verkehrsströme mehr in Nord-Süd-Richtung als Folge der deutschen Teilung nach 1945 an Bedeutung. Sie wurde in Abschnitten auf eingleisigen Betrieb zurückgebaut. 1871 beträgt die Einwohnerzahl 5.932 Bürger.

1874 wurde die Geruchs- und Geschmackstoff-Firma Haarmann & Reimer gegründet, in welcher das künstliche Vanillinaroma erfunden wurde. Dazu kam 1919 in derselben Branche das Dragoco-Werk. Im Jahr 2002 fusionierten die beiden Firmen zu dem Unternehmen Symrise. Noch heute gilt Holzminden als Zentrum der deutschen Riechstoff-Industrie.

Im Oktober 1876 wird die Bahnstrecke Holzminden–Scherfede eröffnet, die für den Personenverkehr bis 1984 in Betrieb blieb und 2006 auch den Güterverkehr einstellte.

1878 bis 1890 ist Holzminden Sitz eines braunschweigischen Landgerichts. 1878 erfolgt auch die Gründung der Richard Henne KG, einer Spezialfabrik für Asphalt- und Teermaschinen und 1879 gründet der Tischlermeister Heinrich Koschel am Hafendamm 3 eine Möbelfabrik. In den 1950er Jahren von seinem Sohn unter dem Namen Möbelfabrik Richard Koschel & Co. KG mit dem Markennamen „RiKO“ weitergeführt. Später kam ein Möbeleinrichtungshaus an der Allersheimer Straße hinzu. 1881 gründet der Architekt und ehemalige Lehrer der Baugewerkschule in Holzminden, Bernhard Liebold eine Zement- und Betonwarenfabrik auf der Wilhelmshütte in Holzminden. Ihm gehörte seit 1873 die Vorwohler Zementbaugesellschaft B. Liebold & Co. in Vorwohle (heute zur Gemeinde Eimen), die erste Fabrik in Niedersachsen die Portlandzement herstellte. Das Unternehmen fusionierte später mit dem Unternehmen Habermann & Guckes in Kiel und führte bis 1940 den Namen Habermann-Guckes-Liebold AG, danach Habermann & Guckes AG. Das heute noch bestehende Betonwerk Müller-Altvatter leitet sich noch als Nachfolgeunternehmen aus dem ehemaligen Traditionsunternehmen ab.

Im Juli 1884 wurde mit dem Bau einer Weserbrücke auf der Reichsstraße 64 zwischen Holzminden und Stahle begonnen, deren Kosten auf 287.500 Mark veranschlagt waren. Am 30. September 1885 wurde die Weserbrücke dann durch den Bürgermeister Schrader dem Verkehr übergeben und der Betrieb der Fähre eingestellt. Im gleichen Jahr wird die Holzwarenfabrik Fritz Ulrich am Pipping gegründet. 1895 gründet Carl Reese eine Blechwarenfabrik für Dauerkonserven in der Allersheimer Straße. 1897 wird das Speditionsunternehmen Carl Balke, 1899 das Kaufhaus Kösel und 1900 die Spedition Wilhelm Grote gegründet. 1894 gründet sich der Turnverein Deutsche Eiche Holzminden von 1894 e. V. und drei Jahre später der Männerturnverein MTV Altendorf e. V.

20. Jahrhundert

Holzminden als Teil des Herzogtums Braunschweig (1914)
Holzminden als Teil des Freistaates Braunschweig (ohne Exklave Thedinghausen) 1918–1945

1900 werden am Sylbecker Berg die Glashüttenwerke Holzminden gegründet, die Hohlglasprodukte auf mechanischem Wege herstellt und die Wasser und Licht Installationsgroßhandlung eG. Außerdem existierte seit Ende es 19. Jahrhundert noch das Unternehmen I. Kornberg OHG, des Eigentümers Israel Kornberg, der einen Altwaren- und Metallhandel betrieb und 1928 auch die Tochtergesellschaft J. Kornberg jun. für das Kunststeinwerk gründete. Die I. Kornberg OHG erzielte 1930 einen Umsatz von 240.000 Reichsmark. 1901 erfolgt die Gründung Raiffeisenbank Holzminden eG in Altendorf (ab 1922 zu Holzminden), die 2003 mit der Volksbank Weserbergland eG fusionierte.

1904 wird die Hafenbahn angelegt, die eine Verbindung vom Weserkai zur Bahnlinie Altenbeken-Kreiensen herstellt und anfangs dem Umschlag einer Zuckerfabrik diente, später dem Getreidesilo. 1906 folgt in der Sparenbergstraße die Gründung der Firma Heyne & Penke durch Benno Heyne und Heinrich Penke. Die Firma begann anfangs mit der Herstellung imprägnierter Papiere aus Öl und Paraffin. 1910 leben 11.474 Einwohner in der Stadt. Im April 1913 wird mit dem VfB Holzminden der erste Fußballverein gegründet. 1917 übernimmt die Maschinenbau Aktiengesellschaft (MAG) Balcke ein Dampfsägewerk in Holzminden.[5]

Im Ersten Weltkrieg befand sich außerhalb der Stadt am Landübungsplatz ein Kriegsgefangenenlager für bis zu 10.000 Personen unter dem Kommandanten Karl Niemeyer und unter Kontrolle des Infanterie Regiments 174. Schon ab 1914 wurden Gefangene aus feindlichen Ländern (unter anderem Osbert Crawford) dort interniert, ebenso wie unerwünschte Deutsche. Die Lebensverhältnisse waren erträglich, obwohl die Gefangenen an Isolation, Mangel und leichten Strafen litten. Die Disziplin und die Strafen waren sehr strikt. Übliche Strafe: „der Mast“. Der Mann wurde zwei Stunden lang am Mast festgebunden, ohne zu essen zu bekommen. Diese ersten Geiseln wurden 1917 in ihre Länder zurückgeschickt. Anders verlief die zweite Deportation von 1.000 Gefangenen im Juli 1918. Die Frauen, welche ebenfalls nach Holzminden kamen, waren schrecklichen, verschlechterten Bedingungen ausgesetzt: Hygienemangel, unendliches Stehen im Regen beim Appell und Versorgungsmangel.[6]

Im Juli 1918 kommt es in dem Kriegsgefangenenlager zum größten Ausbruchsversuch des Ersten Weltkriegs. 75 britische und australische Offiziere (unter anderem Captain Stanley Purves und Private Dick Cash) nahmen daran teil. Nachdem aber 29 Gefangenen der Ausbruch durch einen Tunnel gelang, wurde die weitere Fortführung von dem Wachpersonal bemerkt und unterbunden. 10 Offizieren gelingt es später, die Niederlande zu erreichen.[7][8] Der englische Offizier Hugh George Durnford, der an dem Tunnelausbruch beteiligt war, schrieb hierzu 1920 das bekannte Buch „The Tunnelers of Holzminden“.

1919 erfolgt die Gründung der Notbohm Bau GmbH, die 2002 in Konkurs ging.

1922 wird die unmittelbar angrenzende Ortschaft Altendorf als Ortsteil der Stadt Holzminden eingemeindet. Die Gemeinde Altendorf versuchte dies durch eine Klage gegen den Freistaat Braunschweig und die Stadt Holzminden wegen Verfassungswidrigkeit des Gesetzes vom 10. Mai 1921 vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich im Januar 1922 zu verhindern, unterlag aber im Rechtsstreit.

1925 wird in der Fürstenberger Straße das Holzpflaster- und Sägewerk Ernst Otto Becker gegründet, dem früher auch ein Baustoff- und Kohlenhandel angegliedert war. Firmeninhaber Ernst Otto Becker war 1932 zugleich Stadtverordneter für die NSDAP.

Am 1. Oktober 1927 gründet Otto Sasse die gleichnamige GmbH zur Produktion von Sperrholz. Im gleichen Jahr erfolgt die Gründung der Buch- und Offsetdruckerei Koch. 1928 gründen Peter Bachmann und Otto Becher die Weser-Spannholzwerke GmbH mit einem Werk in Holzminden und eines in Eschershausen. 1950 beschäftigte das Unternehmen an beiden Standorten 560 Mitarbeiter. Seit 1928 existiert der Tennisclub Holzminden von 1928 e. V.

1931 erfolgt die Firmengründung der Erich Pannecke Maschinenbau-Dreherei GmbH.

Am 1. Dezember 1932 erfolgt die Gründung des Vorschußvereins Holzminden eGmbH, der am 20. März 1939 zur Volksbank Holzminden eGmbH umbenannt wurde und ab 1970 nach weiteren Expansionen den Namen Volksbank Weserbergland annahm.

Durch eine Anfang der 1930er Jahre gegründete Bürgerinitiative entstand eine Stiftung, mit dem Zweck, ein Krankenhaus im evangelischen Geiste zu führen. Das Evangelische Krankenhaus Holzminden wurde daraufhin am 19. März 1933 eröffnet und löste das Städtische Krankenhaus am Hafendamm ab. Die heutige Evangelische Krankenhaus gGmbH gehört seit 2002 zur Pro-Diako-Holding.

1933 wird von den Nationalsozialisten ein Thingplatz im Stadtpark errichtet, der heute als Grill- und Spielplatz genutzt wird.

1934 erfolgt die Gründung der Otto Künnecke Metallbau GmbH, später auch die Otto Künnecke Maschinenbau- und Anlagentechnik GmbH, der Firmengründer wird später zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

1936 wird der für „volkswirtschaftlich wichtige“ dritte große chemische Betrieb in Holzminden durch staatliche Subventionen aufgebaut. Die Holzverzuckerungsgesellschaft mbH mit übergroßen Perkolatoren und Destillationsanlagen wurde auf dem Gelände der ehemaligen Bärtlingschen Essigfabrik 1938 in Betrieb genommen. Aus Sägemehl der zahlreichen holzverarbeitenden Industrien der Stadt wurde unter Zusatz verdünnter Schwefelsäure nach dem Scholle-Verfahren Zucker und aus diesem nach Vergärung und Destillation Alkohole verschiedener Sorten von bis zu 400.000 Litern monatlich hergestellt. 1950 beschäftigte das Unternehmen 230 Mitarbeiter.

In der Reichspogromnacht 1938 wurde auch die 1838 erbaute Synagoge nahe dem Katzensprung zerstört und 1968 abgebrochen. Eine Tafel im Städtischen Torhaus erinnert seit dem 9. November 1999 daran.

Weserkai und der Getreidespeicher, das höchste Bauwerk der Stadt und zugleich Sendemast für den Mobilfunk

Am Weserkai wurde von 1939 bis 1941 das kriegswichtige Getreidesilo (Reichsnährstandsilo) in Form eines getarnten 14stöckigen Hochhauses (55 m hoch) erbaut. Bewirtschaftet wird das bis heute größte Bauwerk der Stadt von der Rudolph Leopold Rieke GmbH & Co, heute RLR Logistik als modernes Getreidespeicher mit 45 Silozellen.

Am 22. Juni 1941 stürzt zwischen der Allersheimer Straße und Allersheim ein Militärflugzeug vom Typ Bücker Bü 131 ab. Der Pilot Gefreiter Dieter Reinhard von der Flugzeugschule in Berlin-Gatow kommt dabei ums Leben.[9]

Am 1. März 1943 verhaftet die Kriminalpolizei acht Sinti in Holzminden, die dann in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht wurden.[10]

Im Zweiten Weltkrieg bombardieren und zerstören britische Kampfflugzeuge am 17. Mai 1943 die Edertalsperre und die Möhnetalsperre, dabei fließen über 172.000.000 Kubikmeter Wasser in das Wesertal ab. Die Innenstadt von Holzminden und die Getreidefelder um die Stadt herum werden dabei überflutet.

Im Sommer 1943 verlegt das Unternehmen Stiebel Eltron die Produktion vom zerstörten Berlin nach Holzminden. Die Fertigung von Rüstungsgütern wurde mit Mitarbeitern des Stammpersonals aus Berlin, neuen Mitarbeitern aus Holzminden und Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter (überwiegend aus Italien), ab 1. April 1944 am Lüchtringer Weg fortgeführt.

Im August 1943 stürzt nahe dem Stadtpark ein Militärflugzeug vom Typ Heinkel He 111 ab. Dabei kommt die Besatzung ums Leben. Es kommt zu weiteren Abstürzen von deutschen (zwei Messerschmitt Bf 109 am 10. Oktober 1943) und alliierten Flugzeugen nahe Holzminden unter anderem durch zunehmende Luftkämpfe mit alliierten Flugzeugen.

Im Februar 1944 wird ein US-amerikanisches Jagdflugzeug vom Typ P-38 Lightning durch einen Wehrmachtsoldaten am Standortübungsplatz abgeschossen und stürzt nahe der Einbecker Straße ab. Der US-Pilot verstirbt an der Absturzstelle.

Am 31. März 1945 erfolgt ein alliierter Angriff auf das Bahngelände, dabei verfehlen die Bomben ihr Ziel und zerstören zwei Wohnhäuser. Sieben Personen darunter fünf Kinder werden getötet.

Am Osterdienstag, 3. April 1945 kamen fast 200 Menschen bei Bombenangriffen der 9. Air Force Bomber Command (XXIX TAC) der United States Army Air Forces (mit rund 230 Bombern der Typen B-26, A-20 und A-26) auf den Bahnanlagen ums Leben. Die Flugzeuge starteten vom Flugplatz Clastres und Denain/ Prouvy in Frankreich zum Angriff auf die Stadt. Die Weserbrücke wurde von deutschen Truppen gesprengt, und die Bauschule brannte nach der Explosion von Munition vollständig aus. Das 331. US-Infanterieregiment der 83. US-Infanteriedivision nahm am 9. April 1945 von Bevern kommend die Kreisstadt ein. Im Zweiten Weltkrieg starben über 305 Soldaten mit Geburtsort Holzminden.

Auf den Friedhöfen in Neuhaus im Solling (Friedhof Mädchenberg) und in Mühlenberg wurden zwischen 1942 und 1945 ausländische Zwangsarbeiter begraben, die in den Zivilarbeiterlagern der Stadtverwaltung, der Reichsbahn und im Lager in der Liebigstraße in Holzminden untergebracht waren. Auf dem städtischen Friedhof in der Allersheimer Straße befinden sich 182 Einzelgräber und ein Sammelgrab mit 24 Kriegsgefangenen aus Russland, Polen und Ungarn. Zwei Gedenksteine erinnern an die hohe Zahl der ausländischen Toten.

Am 15. Mai 1945 wird das US-amerikanische Flugabwehrbataillon 556th Antiaircraft Artillery Automatic Weapons Battalion (Mobile) mit Hauptquartier in Holzminden stationiert. Es setzt je eine Batterie in Holzminden, Neuhaus im Solling, Deensen und Meinbrexen ein und wird am 2. Juni 1945 nach Antwerpen verlegt.[11]

Nach Kriegsende wurden hier bis zu 10.000 Ostvertriebene, vor allem aus der schlesischen Gemeinde Rębiszów (deutsch: Rabishau) bei Mirsk, einquartiert und integrierten sich nach und nach in die alteingesessene Bevölkerung. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam Holzminden zur britischen Besatzungszone mit einer Militärregierung in Hildesheim. Neben der Einquartierung von britischen Soldaten wurden bis Frühjahr 1948 auch rund 270 norwegische Soldaten der 471. Brigade in Holzminden als Besatzungsmacht stationiert.

1946 wird das vierte chemische Unternehmen der Stadt, die kleinere Bohnsack & Goseberg GmbH (BOGO) in der Sollingstraße gegründet und stellte Aromenkonzentrate, Likör- und Feinkostessenzen und Öle her. Im gleichen Jahr entstand auch die Möbelfabrik Hermann Fischer in der Rumohrtalstraße. 1948 errichtet das 1880 in Leipzig gegründete Unternehmen A. Brockmann KG eine selbständige Niederlassung in Holzminden zur Herstellung von Futterkalk („Zwergmarke“).

1947 erfolgt die Gründung des GSV (Gymnastik-Sport-Verein) Holzminden, der ursprünglich den Namen Gymnasialsportverein erhielt. 1948 gründet sich der noch heute bestehende Verein SV Wasserfreunde Holzminden e. V.. 1948 erfolgt auch die Gründung des Unternehmens Druckguß Eberhard Schlicht GmbH & Co. KG und wird zu einem Zulieferer der Automobilindustrie.

1949 verlegt die Britische Rheinarmee (BAOR) die in Holzminden aufgestellte 1st Division Engineers (unter anderem mit dem 21 Field Engineer Regiment) von 1950 bis 1952 nach Nienburg.

1949 flüchten die Kaufhausinhaber Waltraut und Werner Schwager aus Eisenach nach Holzminden und eröffnen im Oktober in der Oberen Straße 3 das Textilhaus SCHWAGER GmbH. Am 18. April 1959 folgt die Eröffnung des neuen „Kaufhaus am Markt“. Nach dem Abriss eines Gebäudes in der Neuen Straße, das ein Schauburg-Kino beherbergte, erfolgte 1968 der Neubau des Kaufhauskomplexes, welches 1974 nochmals erweitert wurde. Heute wird das Unternehmen mit rund 170 Mitarbeitern von Ralf-Hartmut Schwager geleitet.

1950 erfolgt die Gründung der Hamann Speditionsgesellschaft mbH & Co. KG, 1952 der Druckerei Erwin Simon und 1953 des Karosseriefachbetriebes Rüger GmbH. 1954 zieht die Bernd Laabs Möbelfabrik aus Gollnow in Westpommern nach Holzminden unter anderem bekannt durch die ehemalige Traditionsmarke WILAGO.

1960 erfolgt die Gründung der Hans-Georg Beyer Maschinenbau- und Antriebstechnik im Lüchtringer Weg und die Florida Chemie Wilhelm Wnuck GmbH unter anderem als Zulieferer der Bundeswehr (Dekontaminationsmittel, Trinkwasserkonserven), heute Gregor Chemie GmbH. Ein Jahr später gründet Kurt Schön am Schlehenbusch die SKM Elektronik KG für elektronische Baugruppen und gedruckte Schaltungen, die in den 1980er Jahren nach Spittal an der Drau in Österreich umzog.

1965 gab es auf der Weser noch einen regen Güterverkehr. Lastkähne, unter anderem der Bremen-Mindener Schiffahrts-AG (BREMSAG) und der Westfälischen Transport-AG (WTAG) (heute: Rhenus AG & Co. KG), sowie die Privatschiffervereinigung Oberweser transportierten zahlreiche Güter weserabwärts.

Die Reste der 1938 in der Reichspogromnacht zerstörten Synagoge der Jüdischen Gemeinde Holzminden in der Oberbachstraße wurden 1968 abgerissen. An ihrer Stelle wurde teilweise das neue Kaufhaus Schwager errichtet. Ein Sandsteinkapitell, Pfeilerreste von 1837 und eine Gedenktafel sind im Katzensprung, der Tordurchfahrt des ehemaligen städtischen Museums zu finden.

1969 wird das Ackerbürgerhaus Düsterdieck-Kumlehn (Vierständerhaus), erbaut 1677 in der Mittleren Straße, abgebaut und befindet sich seit 1987 aufgebaut im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold.

Seit 1971 ist die Stadt Sitz der Kreisvolkshochschule (KVHS). Im selben Jahr findet unter großem Sicherheitsaufwand der 5. Parteitag der rechtsextremen Nationaldemokratische Partei Deutschlands in Holzminden statt.

1971 wurde zudem die „Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen“ in Holzminden und die „Königliche Baugewerkschule Hildesheim“ (gegr. 1900) zur „Fachhochschule Hildesheim/Holzminden“ fusioniert.

Im Oktober 1971 erfolgt nach einem Gebietsänderungsvertrag zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Eingliederung des vormals auf Holzmindener Seite gelegenen Otterbach-Gebietes zur Gemeinde Lüchtringen im Tausch gegen Gebiete am Stahler Ufer, dadurch werden 112 Einwohner Neubürger von Lüchtringen und der Stadt Höxter. Im Juli 1973 gründet Karlheinz Schrader das Beratungslabor Schrader (Institute Dr. Schrader)und die Creachem GmbH.

Als überregionale Serviceeinrichtung gründet sich 1976 die Aktion Tonband-Zeitung für Blinde e. V. in Holzminden, als eine der größten Dienstleistungszentralen zur Vervielfältigung und den Versand von Hörzeitungen für viele Regionen Deutschlands.

1977 kommt es zum Ausbau des Gewerbegebietes Bülte und es siedelt sich ein Real-Kauf Warenhaus (Anfang 2008 Übernahme durch Kaufland) und ein Praktiker-Baumarkt an. Später folgten weitere metallverarbeitende Unternehmen (Otto Künnecke, Just Metallbau), Autohäuser und Elektronikmärkte (Expert, ab 2008 auch Media-Markt).

1978 wird die Frachtschifffahrt auf der Weser endgültig eingestellt.

1985 nimmt das Albert-Schweitzer-Therapeutikum, eine Fachklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, seinen Betrieb auf. 1986 erfolgt außerdem die Gründung der Spedition H. Eilers Co. KG.

Am 1. Januar 1997 liegt die Einwohnerzahl der Stadt bei 22.020 Bürgern (= 26,4 % aller Einwohner des Landkreises Holzminden).

21. Jahrhundert

Im Juli 2004 war Holzminden Ausrichter des Landesfestes Tag der Niedersachsen.

2006 lag der Schuldenstand der Stadt mit 20.766 Einwohnern bei 2.087 Euro je Einwohner, insgesamt 43,34 Millionen Euro.

Im Februar 2008 berichtete das Jugendamt und Sozialamt der Stadt von steigender Kinderarmut. Rund 7.000 Bürger erhalten demnach Hartz IV-Leistungen und werden von der Arbeitsgemeinschaft zur Arbeitsvermittlung (AzA) betreut. Darunter sind 2.000 Kinder unter 15 Jahren mit einer Hartz-IV-Regelleistung. 26,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen (bis 18 Jahre) in der Stadt Holzminden leben in Familien, die Arbeitslosengeld II erhalten.[12]

Am 2. März 2008 kam es zum erneuten Bürgerentscheid für den Erhalt der kommunalen Stadtwerke im Bereich Gas- und Wasserversorgung in Holzminden, der von verschiedenen Parteien und Organisatoren unterstützt wurde, allerdings entgegen den Parteien der Ratsfraktionen mit Ausnahme Der Grünen. Beim ersten Bürgerbegehren am 18. September 2005 – zeitgleich mit den Bundestagswahlen – stimmten 87,2 Prozent der Bürger der Stadt für den Erhalt der Stadtwerke in kommunaler Hand, bei einer Wahlbeteiligung von 58,2 Prozent.[13] Überregionale Beachtung fand der Massenaustritt der Holzmindener Jusos aus dem Ortsverein der SPD bzw. der Partei selbst. Die SPD-Ratsfraktion und der SPD-Ortsverein hatten, entgegen ihres Wahlprogramms [14] und trotz des deutlichen Ergebnisses des ersten Bürgerentscheids eine (Teil-)Privatisierung der Holzmindener Stadtwerke befürwortet und dafür öffentlich geworben. Unter den austretenden Jusos befanden sich unter anderem der gesamte Unterbezirksvorstand der Jusos sowie ein SPD-Ratsherr und viele langjährige Mitglieder.[15][16] Das Bürgerbegehren scheiterte indes ganz knapp, da mit 4003 JA-Stimmen nur 176 Stimmen bzw. 1,05 Prozent der Wahlberechtigten fehlten. 529 Bürger stimmten dagegen. Von den abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 27,3 Prozent sprachen sich damit 88,3 Prozent für den Erhalt der Stadtwerke Holzminden in kommunaler Hand aus.

Im November 2008 gab das niedersächsische Justizministerium bekannt, die offene Vollzugsabteilung des Gefängnisses am Amtsgericht in Holzminden, die zur Justizvollzugsanstalt Rosdorf gehört, zu schließen. Hier gibt es derzeit 40 Plätze und neun Bedienstete.

Politik

Stadtrat

Der Rat der Stadt Holzminden setzt sich aus 34 Ratsfrauen und Ratsherren, sowie dem hauptamtlichen Bürgermeister zusammen.

Stadtratswahl 2011
in Prozent
 %
40
30
20
10
0
37,8%
35,5%
16,4%
5,9%
4,4%
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,8%
-4,7%
+9,4%
-2,2%
-1,7%
2011 2006 2001
Partei Sitze  % Sitze  % Sitze  %
SPD 13 37,84 13 38,6 14 40,0
CDU 12 35,49 14 40,2 15 40,4
GRÜNE 6 16,41 2 7,0 1 5,0
FDP 2 5,88 3 8,1 1 5,3
UWG 1 4,38 2 6,1 3 8,5
Sonstige - 0,00 0,0 0,1
Gesamt 34 100 34 100 34 100

Bürgermeister

Bei der letzten Kommunalwahl am 10. September 2006 und durch die Stichwahl am 24. September 2006 wurde der parteiunabhängige Jürgen Daul (zuvor CDU-Mitglied) zum neuen Bürgermeister gewählt. Im ersten Wahlgang erhielt Daul 40,1 % der gültigen Stimmen und im 2. Wahlgang setzte er sich bei einer Wahlbeteiligung von 41,2 % gegen den CDU-Kandidaten Erich Werner mit 77,0 % der Stimmen durch. Daul löste 2006 Wolfgang Bönig (SPD) ab.

Ehemalige Bürgermeister
  • 1742–1763 Oberbürgermeister Johann Georg von Langen
  • (1819) Georg Christian Kahle
  • (1864) Friedrich Theodor Wolff
  • 1878–1899 Hermann Schrader
  • 1900–1919 Paul Johann August von Otto (1868–1939)
  • 1933–1945 Albert Jeep
  • 1956–1963 Bruno Brandes (CDU)
  • 1973–1981 Paul Kretschmer (SPD)
  • 1981 Jakob Köbberling
  • (1993) Josef Bernert
  • 1993-1996 Wolfgang Bellmer (CDU)
  • 1996–1999 Uwe Schünemann (CDU)
  • 2000–2006 Wolfgang Bönig (SPD)
Ehemalige Stadtdirektoren
  • 1948–1972 Paul Kretschmer (SPD)
  • 1972–1975 Christean Wagner (CDU)
  • (1981)–1993 Michael Berinskat
  • bis 1999 Heinrich von Bargen

Wappen, Flagge, Dienstsiegel

Das Stadtwappen befindet sich auch oben links im Wappen der Burschenschaft Holzminda

Das Wappen der Stadt zeigt auf blauem Grund drei aus Quadern gefügte, von roten Spitzdächern mit goldenen Spitzen gekrönte Türme. Die beiden schlanken, seitlichen Türme mit je einem Rundbogenfenster überragen den mittleren, der zwei Fenster aufweist. Im Vordergrund erhebt sich ein Palisadenzaun. Die Flügel des in der Mitte befindlichen Rundbogentores sind weit nach außen geöffnet. In der blauen Türöffnung schreitet ein weißer, gold gekrönter und rot gezüngelter Löwe aufrecht nach rechts.[17] Das Wappen entstand aus der Darstellung des ältesten Stadtsiegels der Stadt von 1535, das bereits ein geöffnetes Stadttor, das von zwei seitlichen Türmen flankiert wird, darstellt.

Die Farben der Flagge sind weiß-blau.[18] Vor 1905 waren die Stadtfarben rot-weiß.[19]

Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift „Stadt Holzminden“.[20]

Städtepartnerschaften

  • Als französische Partnerstadt ist im Internet häufig Cherbourg-Octeville in der Normandie zu finden. Diese Information ist allerdings falsch.
  • Britische Partnerstadt ist Leven in Schottland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Historische Hafen- und Werftanlage in Holzminden
Historische Hafen- und Werftanlage plus die Jugendherberge in Holzminden
  • Das 1609 von dem Amtmann Nicolaus Theßmar aus Kolberg erbaute Haus am unteren Ende der Grabenstraße 43, heute als Tilly-Haus bezeichnet. Im Sommer 1625 soll in dem Haus der Feldherr Johann t’Serclaes von Tilly während des Dreißigjährigen Krieges und nach der Schlacht bei Lutter am Barenberge verweilt haben.
  • Die Luther-Kirche (ehemals Marien-Kirche)
  • Der Jüdische Friedhof an der Allersheimer Straße gilt als Kulturdenkmal. Auf ihm befinden sich heute 90 Grabsteine für jüdische Verstorbene aus Holzminden und Umgebung. Bestattungen fanden auf dem Friedhof von 1824 bis 1933 statt.
  • Fachhochschule Hildesheim-Holzminden (HAWK) (ehemalige Baugewerkschule) am Haarmannplatz, errichtet 1900–1902, zuvor stand von 1745 bis 1840 an der Stelle ein Eisenwerk
  • Historische Hafen- und Werftanlage in Holzminden, erbaut 1837
  • Wilhelm-Raabe-Brunnen von 1927 mit der Figur des Klaus Eckenbrecher aus dem Heimatbuch „Heiliger Born“ des Dichters und dessen Wohnhaus im Goldenen Winkel
  • Reichspräsidentenhaus von 1929 mit dem 1961 errichteten Glockenspiel mit dem „Meisterumzug“ der Absolventen der Fachhochschule
  • Städtisches Torhaus von 1922
  • Haus Kirchstraße 4
  • Severinsche Haus von 1683 (Halbmondstraße Nr. 9)
  • Haus des Handwerks
  • Einer der ältesten Marktplätze Norddeutschlands mit einem Brunnen von 1891
  • Duftender Stadtrundgang. An 15 Duftstelen in der Innenstadt mit spezifischen Düften werden interessante Informationen zum jeweiligen Standort wie auch über den jeweiligen Duft vermittelt
  • Museumsschiff „Stör“ an der Weserbrücke (geschlossen)
  • Bleichegraben (1834 errichtete Wäschebleiche)
  • Kaiser-Wilhelm-Turm

Sonstige Veranstaltungsorte

  • Stadthalle Holzminden (bis zu 1.100 Plätze), seit September 2008 unter Leitung der Stadtmarketing Holzminden GmbH
  • Zweijährlich zu Pfingsten findet das Internationale Straßentheaterfestival Holzminden statt
  • Hafenfest (in den 1980er Jahren sehr beliebt, wurde erstmals 2008 wieder veranstaltet). 2008 erfolgte gleichzeitig ein Drei-Länderwettkampf der Feuerwerker als offizielle Vorentscheidung für die Weltmeisterschaft der Feuerwerker 2009 (EUFIAS Wettkampfregeln)
  • Jährliches Kinderfest im Kauffmannsgarten
  • Seit 1976 das Kükenfest im Frühjahr jeden Jahres in der Fußgängerzone und am Markt. Ausrichter Werbekreis Holzminden

Infrastruktur und Wirtschaft

Verkehr

Straßenverkehr

Holzminden liegt an den Bundesstraßen 64, 83 und 497, sowie am Europaradwanderweg R1 und am Weserradweg.

Schienenverkehr

Der Bahnhof Holzminden liegt an der Bahnstrecke Altenbeken–Kreiensen (–Goslar). Der westliche Abschnitt (KBS 403) wird im Stundentakt von der RB 84 „Egge-Bahn“ PaderbornAltenbekenOttbergen–Holzminden bedient. Durchgeführt wird der Betrieb von der NordWestBahn. Die Strecke nach Kreiensen und weiter bis Goslar (KBS 355) wird von RB-Zügen der DB Regio bedient. Eingesetzt werden im Schienenpersonennahverkehr von der NordWestBahn Bombardier-Talent-Triebwagen der DB-Baureihe 643 und von DB Regio Diesel-Triebwagen des Typs Coradia LINT 41 (DB-Baureihe 648).

Das Bahnbetriebswerk Holzminden (Kurzform Bw Holzminden) war ein Bahnbetriebswerk der Deutschen Bundesbahn (DB) und wurde 1978 aufgelöst.

Der Bahnhof, der noch über große, aber weitgehend stillgelegte Betriebsanlagen verfügt, ist heute gewissermaßen ein Grenzbahnhof zweier Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde, deren Züge dort jeweils enden. Im Dezember 2007 wurden im Bahnhof neue Lichtsignale, sogenannte Ks-Signale aufgestellt, welche seit Oktober 2008 die alten, mechanisch bedienten Formsignale nebst den Stellwerken vor Ort ersetzen. Die Weichen- und Signaltechnik wird seitdem von einem elektronischen Stellwerk in Göttingen aus fernbedient.

Von 1876 bis 2006 gab es noch die Bahnstrecke Holzminden–Scherfede, die für den Personenverkehr bis 1984 betrieben wurde und seit 2006 nicht mehr befahrbar ist.

Von 1904 bis 2008 gab es innerhalb der Stadt noch die als Hafenbahn bezeichnete Güterverkehrsstrecke, die eine Verbindung vom Weserkai zur Bahnlinie Altenbeken-Kreiensen herstellte und anfangs dem Umschlag einer Zuckerfabrik diente, später dem Getreidesilo. In der Verlängerung der Hafenbahn bestand auch eine kurze Strecke bis zum Lüchtringer Weg kurz vor der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Ein Bahnanschluss für das Unternehmen Symrise wurde im Sommer 2008 ebenfalls abgebaut.

ÖPNV

Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr im Kreis Holzminden gilt der Tarif des Verkehrsverbunds Süd-Niedersachsen (VSN), der hier an den Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter angrenzt. Die Regionalbus Braunschweig setzt hier den Südniedersachsenbus auf verschiedenen Strecken ein:

  • Linie 509: Stadtverkehr Holzminden
  • Linie 510: Holzminden-Uslar
  • Linie 520: Holzminden-Polle-Bodenwerder-Hameln
  • Linie 521: Holzminden-Polle-Bad Pyrmont
  • Linie 528: Holzminden-Rühle-Bodenwerder
  • Linie 530: Holzminden-Bevern-Stadtoldendorf-Eschershausen-Grünenplan
  • Linie 531: Holzminden-Golmbach-Stadtoldendorf
  • Linie 540: Holzminden-Stadtoldendorf-Einbeck
  • Linie 551: Holzminden-Neuhaus-Silberborn-Holzminden und
  • Linie 554: Holzminden-Fürstenberg-Beverungen

In der Kernstadt gibt es einen Stadtbusverkehr, der einen Nordring (Linie 501) und Südring (Linie 502) von insgesamt 40 Haltestellen im festen Ein-Stunden-Takt anfährt.

Schifffahrt

Holzminden liegt an der Weser, die als Bundeswasserstraße ausgewiesen ist. Während die Lastschifffahrt auf der Oberweser bis 1978 fast völlig zum Erliegen gekommen ist, spielt die Personenschifffahrt noch eine Rolle für den Tourismus. Holzminden wird ab 2009 auch wieder von der 'Flotte Weser' im Linienbetrieb angefahren.

Luftfahrt

Der Flugplatz Höxter-Holzminden liegt etwa 4,5 km Luftlinie südwestlich von Holzminden und ist mit dem Auto über Höxter-Brenkhausen (etwa 15 km) zu erreichen.

Wirtschaft

Symrise AG, Duftstoffproduktionsgebäude im Werk Weser

Während einst überwiegend die bodenständige Verarbeitung von Holz und Sollingsandstein eine beträchtliche Rolle in der Stadt spielte, sind es heute verschiedenartige Industrien und ein internationales Zentrum der Riech- und Geschmackstoffindustrie.

Den Grundstein für diesen Industriezweig legte 1874 Dr. Wilhelm Haarmann, dem gemeinsam mit Prof. Ferdinand Tiemann die Synthese von Vanillin – dem typgebenden Geschmackstoff der Vanilleschote – aus dem Rindensaft von Fichten gelang.

Er war auch der Gründer der Firma Haarmann & Reimer, die zusammen mit der auch in Holzminden ansässigen Firma Dragoco hier allein mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigte. 2003 fusionierten beide Firmen zu einem Unternehmen: symrise, das von dem schwedischen Finanzinvestor EQT kontrolliert und 2006 an die Börse gebracht wurde. Symrise steht mit an der Weltspitze der Duft- und Geschmackstoffherstellung, mit weltweit etwa 5.000 Mitarbeitern (etwa 2.000 in Deutschland).

Primärpackmittel (Rollrand-, Gewinde- und Injektionsflaschen) aus Röhrenglas stellt das 1924/1949 gegründete Unternehmen Müller + Müller-Joh. GmbH + Co. KG her. Der Kundenkreis besteht überwiegend aus international tätigen Pharmaunternehmen.

Ein weiterer weltweit bekannter Konzern hat Stammsitz und Hauptwerk ebenfalls in Holzminden, der Hersteller von Elektro-, Warmwasser- und Heizgeräten Stiebel Eltron mit weltweit etwa 3.000 Mitarbeitern, davon etwa 1.200 in Holzminden.

O-I glasspack GmbH & Co. KG, Glashüttenwerk, 2007

Verpackungsglas für die Spirituosen- und Nahrungsmittelindustrie erzeugen die O-I glasspack Glashüttenwerke Holzminden mit etwa 500 Mitarbeitern. Besonderer Wert wird hierbei auf den hohen Einsatz von Altglas gelegt, um Energie und Rohstoffe optimal zu nutzen.

1906 gründeten in Holzminden Benno Heyne und Heinrich Penke die Firma Heyne & Penke mit dem Zweck der Herstellung imprägnierter Papiere. Alles fing mit der Veredelung von Papieren an, die für die Lebensmittelindustrie und im besonderen für die Süßwarenindustrie bestimmt waren. Heute kann Heyne & Penke eine breite Produktpalette vorweisen. Neben Papier werden auch weitere Rohstoffe wie Kunststofffolien, Aluminium und Zellglas verarbeitet.

Im Ortsteil Allersheim ist die gleichnamige 1854 gegründete Brauerei Allersheim ansässig.

1982 erfolgt die Gründung des Instituts für angewandte Hautphysiologie, Institut Dr. Karlheinz Schrader, der seit 1973 gegründeten Firmengruppe Karlheinz Schrader, zu der auch die Creachem GmbH gehört.

Die Sparkassen-Funktion im Ort wird seit dem 1. Januar 2008 von der Braunschweigischen Landessparkasse wahrgenommen, die zur NORD/LB gehört. Die Marktführerschaft der NORD/LB im Gebiet des früheren Herzogtum Braunschweig, zu dem auch Holzminden lange gehörte, ist geschichtlich bedingt und lässt sich bis in das Jahr 1754 zurückverfolgen. Außerdem existieren Filialen der Commerzbank AG, der Deutschen Bank AG und der 1932 gegründeten Volksbank Weserbergland eG, die später mit der im Ortsteil Altendorf beheimateten und 1901 gegründeten Raiffeisenbank Holzminden eG fusionierte.

Die Industrie- und Gewerbestruktur Holzmindens wird darüber hinaus von weiteren zum Teil international bekannten Firmen der Elektroindustrie, Elektronik, Glasverarbeitungsindustrie, des Maschinenbaues und der Druckindustrie zusammen mit einer großen Anzahl leistungsstarker mittelständischer Handwerks-, Dienstleistungs- und Einzelhandelsbetriebe entscheidend mitbestimmt.

Militär

Bereits 1770 wurde Holzminden zur Garnisonsstadt. 1909 sollten im Deutschen Kaiserreich 28 Garnisonen neu errichtet werden. 1.350 Städte bewarben sich bei der Reichsregierung in Berlin um Garnisonsstadt zu werden. Am 1. Oktober 1913 wurde Holzminden auf Betreiben der damaligen Stadtverwaltung und mit Hilfe des jüdischen Kommerzienrates Albert Katzenstein Garnisonsstadt des 3. Bataillons „Die Katzensteiner“ des 4. Hannoverschen Infanterie-Regiments Nr. 164 aus Hameln mit 641 Soldaten. Das Regiment gehörte zur kaiserlichen 20. Division. 1914 erfolgte die Ablösung des Bataillons durch das Infanterie Regiment 174 und der Bau von Kasernengebäuden. Während des Ersten Weltkrieges wurde ein Kriegsgefangenenlager für alliierte Soldaten eingerichtet.[21] Im Juli 1918 kommt es in dem Kriegsgefangenenlager zum größten Ausbruchsversuch des Ersten Weltkriegs. In den 1920er Jahren waren in den Kasernengebäuden zunächst eine Polizeischule, ein Mädchen-Lyzeum und ein Finanzamt untergebracht.

Am 1. Oktober 1934 verlegte das in Minden aufgestellte Pionierbataillon der 19. Infanteriedivision unter Führung von Major Hans von Donat (1891-1992) nach Holzminden. Am 15. Oktober 1935 erfolgte die Bezeichnung Pionierbataillon 19 und übernahm 1937 die Tradition des 2. Elsässischen Pionierbataillon 19 aus Straßburg. Bis 1936 wurden die heutigen Kasernen am Grimmenstein und an der Bodenstraße fertiggestellt und erhielten den Namen Generalmajor-Unverzagt-Kaserne, der im elsässischen Pionierbataillon diente. Zudem wurde ein Land- und Wasserübungsplatz an der Weser errichtet. 1938 erfolgte die Übernahme der Villa Haarmann an den Teichen und wurde zum Offiziersheim umgebaut. 1938 wurde das Pionierbataillon mit 830 Soldaten an den Westwall verlegt und nahm 1939 am Polenfeldzug teil. Im August 1939 wurde das Pionier-Ersatz-Bataillon 4 in Holzminden aufgestellt. Das Bataillon tauschte am 1. September 1940 seine Kennnummer mit dem Pionier-Ersatz-Bataillon 19 in Magdeburg. Während des Zweiten Weltkrieges waren in Holzminden auch Kriegsgefangenenlager für britische Offiziere eingerichtet worden.

Von 1945 bis 1949 dienten die Kasernen den Besatzungstruppen aus Großbritannien und Norwegen. 1949 wurde hier die Bautechnische Bundesgrenzschutzabteilung B Mitte aufgestellt. Nach der Gründung der Bundeswehr im Juli 1956 bildete die Bautechnische Abteilung des BGS und Teile des BGS aus Hangelar weitgehend das Pionierbataillon 2 der 2. Grenadierdivision mit Sitz des Stabes in Kassel. Am 17. Oktober 1956 hatte das Bataillon eine Stärke von 600 Soldaten. Im Oktober 1957 erfolgte eine Umbenennung in Pionierbataillon 7, das zur 7. Panzergrenadierdivision in Unna gehörte. Zum 1. April 1960 wurde das Bataillon der 1. Panzergrenadierdivision (später 1. Panzerdivision) in Hannover unterstellt und in Pionierbataillon 1 umbenannt. Aus der 4. Kompanie wurde zuerst die Panzerponierkompanie 210 und danach die Panzerpionierkompanie 10 gebildet.

Am 19. August 1964 erhielt die bisherige Pionierkaserne den neuen Namen „Medem-Kaserne“ nach Gerhard von Medem, zuvor „Generalmajor-Unverzagt-Kaserne“ genannt.

Seit dem 1. April 2002 ist das Panzerpionierbataillon 1 mit rund 700 Soldaten in der Stadt stationiert. Im Oktober 2002 erfolgte die Unterstellung des Bataillons der 7. Panzerdivision, anschließend dem Heeres-Truppenkommando in Minden und nun heute wieder der 1. Panzerdivision in Hannover. Im August 2003 wurde die seit 1959 bestehende Panzerpionierkompanie 10 aufgelöst. Im September 2008 wurden die Pionierbataillone 150 und 160 aufgelöst und das Pionierbataillon 902 in Dienst gestellt. Die Einheiten unterstehen dem Pionierregiment 100 in Minden.

Medien

Das 1777 gegründete Unternehmen Druck-Verlagshaus Hüpke & Sohn Weserland-Verlag GmbH, kontrolliert durch die Hüpke & Sohn Verwaltungs-GmbH & Co. KG in Holzminden ist Herausgeber der Tageszeitung „Täglicher Anzeiger Holzminden (TAH)“ (Auflage: 10.589 Exemplare), zu der auch die Anzeigenblätter „Schaufenster“ und „Weserbote am Samstag (WAS)“ gehören. Der Medienkonzern Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG (VGM) in Hannover ist mit 30 Prozent beteiligt.

Öffentliche Einrichtungen

Das Evangelische Krankenhaus Holzminden mit einer Kapazität von rund 200 Betten liegt nahe der Innenstadt im Forster Weg 34 und gehört zu 51 % der ProDiako gGmbH und zu 49 % der Stiftung Evangelisches Krankenhaus Holzminden und ist zugleich Mitgesellschafter der proDiako-Holding mit Sitz in Hannover. Am Krankenhaus befinden sich neben der Rettungswache (RW) des Landkreises Holzminden auch die Zentrale Notfallpraxis (ZNP) für den hausärztlichen Notfalldienst und drei Medizinische Versorgungszentren (MVZ) für Chirurgie, Gynäkologie und Radiologie.

Bildung

Fachhochschule
Das Herzogliche Gymnasium in Holzminden - um 1897
  • Die Baugewerkschule wurde 1831/1832 von Kreisbaumeister Friedrich Ludwig Haarmann gegründet und ist somit die älteste Bauschule Deutschlands. Die Hochschule heißt seit 2000 Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Sie bietet die Studiengänge Architektur, Bauingenieurwesen, Immobilienwirtschaft, Internationales Bauen, Materialwissenschaft und ab 2003/2004 auch einen Teil der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit. Seit 2003 führt die Fachhochschule den Namenszusatz HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
  • Das Campe-Gymnasium gibt es seit 1760
  • Das Landschulheim am Solling, auch LSH oder Internat am Solling genannt, ist ein staatlich anerkanntes Gymnasium mit integriertem Internat und wurde am 11. November 1909 ins Leben gerufen
  • Die Berufsbildende Georg-von-Langen-Schule, an der man mehrere Schulrichtungen (zum Beispiel: Berufseinstiegsklasse, Berufsvorbereitungsjahr, Berufsfachschulen, Fachgymnasium) verfolgen kann [22]
  • Realschule, Dr-Heinrich-Jasper-Schule
  • Förderschule, Schule an der Weser
  • Astrid-Lindgren-Grundschule
  • Grundschule Karlstraße
  • Katholische Grundschule Karlstraße
  • Grundschule Neuhaus
  • Kreisvolkshochschule (KVHS) seit 1971
  • Musikschule Holzminden e. V. seit 1977

Kirchen und religiöse Gemeinschaften

  • Evangelisch Freikirchliche Gemeinde (EFG) (Baptisten)
  • Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Luther (St.Marien)
  • Evangelisch-lutherische St.-Michaelis-Kirchengemeinde
  • Evangelisch-lutherische St.-Pauli-Kirchengemeinde (Altendorf)
  • Evangelisch-lutherische St.-Thomas-Kirchengemeinde, seit 1968
  • Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Neuhaus im Solling und Silberborn
  • Evangelischer Standortpfarrer Medem-Kaserne (Militärpfarrer)
  • Römisch-Katholische St.-Josefs-Kirchengemeinde
  • Römisch-Katholische St.-Benedikt-Kirchengemeinde Neuhaus im Solling und Silberborn
  • Neuapostolische Kirchengemeinde (NAK)
  • Zeugen Jehovas

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Albert Katzenstein; jüdischer Kommerzienrat und Mitgründer der Garnison in Holzminden, Ehrenbürgerschaft 1933 aberkannt
  • Ludwig Dauber (1798–1885); Schuldirektor in Holzminden
  • Leopold Scherman († 1970); Baumeister und Stadtbaurat der Stadt Holzminden
  • Rudolf Jahns (1896–1983); Künstler und Maler
  • Carl Wilhelm Gerberding (1894–1984); Unternehmer und Gründer der Dragoco[23]
  • Paul Kretschmer (1910–1999); langjähriger Stadtdirektor und Bürgermeister, wirkte entscheidend beim Wiederaufbau und der Integration der zahlreichen Ostvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg mit
  • Wilhelm Karl Prinz von Preußen (1922–2007), Protektor des Johanniterordens und der letzte Enkel Wilhelms II. Ehrenbürgerschaft wurde 2002 verliehen.
  • Otto Künnecke (1930–2008), Unternehmer und Kreishandwerksmeister, Ehrenbürgerschaft wurde 2005 vergeben.

Söhne und Töchter der Stadt

(als allgemein bekannt zuzuordnende Personen, die in Holzminden geboren wurden)

Persönlichkeiten Holzmindens

  • Johann Georg von Langen (1699–1776), deutscher Forst- und Oberjägermeister, Initiator der Holzwirtschaft und des Eisenwerkes in Holzminden
  • Wilhelm Raabe (1831–1910), deutscher Erzähler und einer der wichtigsten Vertreter des poetischen Realismus
  • Georg Stölting (1836–1901) war ein deutscher Schul- und Seminardirektor in Wolfenbüttel und Rektor in der Bürgerschule von Calvörde
  • Richard Calwer (1868–1927) deutscher Publizist und Redakteur (Braunschweiger Volksfreund, Münchener Post) und sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter für Holzminden von 1898 bis 1907 [26]
  • Karl August Poth (1895-1960), Politiker (SPD), Landtagsabgeordneter, Landrat im Kreis Holzminden und Stadtverordneter
  • Rudolf Jahns (1896–1983), deutscher Maler/Grafiker des Konstruktivismus
  • Artur Stegner (1907–1986), Diplom-Chemiker und Unternehmer aus Kattowitz, Mitglied mehrerer Parteien (NSDAP, FDP, GB/BHE), ab 1946 Mitglied im Stadtrat von Holzminden und im Kreistag, ab 1949 Landesvorsitzender der FDP in Niedersachsen, später Vorsitzender des Landesausschusses des BHE in Nordrhein-Westfalen.
  • Oskar Dolhart (1907–1982), Künstler, Werbegrafiker und Buchillustrator [27]
  • Bruno Brandes (1910–1985), Rechtsanwalt und Politiker (CDU), ab 1953 Notar, 1956 Bürgermeister der Stadt Holzminden und Kreistagsmitglied des Landkreises Holzminden, 1963–1985 Mitglied des Landtags Niedersachsen, 1965 bis 1970 sowie von 1976 bis 1982 Fraktionsvorsitzender der CDU im Niedersächsischen Landtag
  • Karl Cohnen (*1938), Illustrator und Graphiker
  • Willi Waike (* 1938), Kommunalbeamter, Politiker (SPD), Kreistagsabgeordneter und niedersächsischer Finanzminister 1996–1998
  • Jonatan Briel (1942–1988), Filmregisseur und Drehbuchautor; gründete 1962 das „Jugendfilmstudio Holzminden“
  • Paul-Rüdiger Schmidt (* 1942), pensionierter Pastor und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande
  • Uwe Schünemann (* 1964), Industriekaufmann und Politiker (CDU), niedersächsischer Innenminister und 1996–1999 Bürgermeister der Stadt Holzminden
  • Theodor Stiebel (1894-1960), Ingenieur, Erfinder, Konstrukteur und Gründer des Unternehmens Stiebel Eltron
  • Klaus Kieckbusch (*1931), Pädagoge und Autor, der zahlreiche Bücher und Beiträge zur Regionalgeschichte Holzmindens verfasst hat
  • Detlef Creydt, Pädagoge und Autor, der zahlreiche Bücher und Beiträge zur Regionalgeschichte Holzmindens verfasst hat

Literatur

  • Paul Kretschmer: Die Weser-Solling-Stadt Holzminden- wie sie wurde, was sie ist. 1981
  • Ulrich Scholz, Axel Triestram: Holzminden-Ansichtssache. STS-Verlag, 1996
  • Birgit Czyppull, Jürgen Block, Matthias Seeliger: Holzminden – Ein Porträt in Bildern und Texten (Gebundene Ausgabe), Jörg Mitzkat-Verlag, ISBN 3-931656-52-7, Dezember 2002
  • K. Kickenbusch: Von Juden und Christen in Holzminden 1557 - 1945. Ein Geschichts- und Gedenkbuch.

Einzelnachweise

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung § 5
  3. Hauptsatzung § 6
  4. holzminden.de Bürger-Service Zahlen&Fakten
  5. History » 1910s
  6. Katalog Le Nord en guerre S. 34–37
  7. Stolen Years
  8. Worcestershire Regiment(29th/36th of Foot) Web site
  9. Kreisarchiv Holzminden B203/304
  10. Hildesheim im Nationalsozialismus – Aspekte der Stadtgeschichte – LernWerkstatt Geschichte
  11. http://www.antiaircraft.org/556.htm
  12. http://www.tah.de/lokales/lokal_reportagen/319233.html
  13. http://www.buergerbegehren-holzminden.de
  14. http://www.spd-holzminden.de/content/25588.php?a=3&b=2
  15. http://www.taz.de/regional/nord/nord-aktuell/artikel/?dig=2008%2F02%2F29%2Fa0006&src=UA&cHash=88
  16. http://www.jusos-holzminden.de/
  17. Hauptsatzung § 2, Abs. 1
  18. Hauptsatzung § 2, Abs. 2
  19. Klemens Stadler: Deutsche Wappen. Bundesrepublik Deutschland, Band 5: Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Bremen 1970, S. 50.
  20. Hauptsatzung § 2, Abs. 3
  21. http://holzminden-camp.com/
  22. Homepage der BBS Holzminden, abgerufen am 26. Juli 2010
  23. http://www.tah.de/lokales/lokal_reportagen/318830.html
  24. http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9E07E0D81639F933A05752C0A960958260
  25. http://query.nytimes.com/gst/fullpage.html?res=9A07E7DF1031F936A2575AC0A96E958260
  26. [SMOLNY…] CALWER Richard (1868–1927)
  27. http://www.tah.de/lokales/lokal_reportagen/316429.html

Weblinks

 Commons: Holzminden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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