HomosexualitÀt

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HomosexualitÀt
Schwules Paar
Lesbisches Paar
Hochzeit von Mathieu Chantelois und Marcelo Gomez in Toronto, eine der ersten gleichgeschlechtlichen Ehen in Kanada.

HomosexualitĂ€t ist ein Wort, das je nach Verwendung sowohl gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten, erotisches und romantisches Begehren gegenĂŒber Personen des eigenen Geschlechts als auch darauf aufbauende IdentitĂ€ten bezeichnen kann – etwa sich selbst als lesbisch oder schwul zu definieren. Homosexuelles Verhalten, homosexuelles Begehren und homosexuelle IdentitĂ€t fallen demografisch nicht zwingend zusammen und mĂŒssen deshalb in der Forschung genau unterschieden werden. In der Umgangssprache werden diese Aspekte jedoch hĂ€ufig vermischt oder miteinander gleichgesetzt.

Sexuelle Handlungen zwischen MĂ€nnern und zwischen Frauen wurden in verschiedenen Epochen und Kulturen ganz unterschiedlich behandelt: teils befĂŒrwortet und toleriert, teils untersagt und verfolgt. Eine besondere Rolle spielen dabei die drei monotheistischen Weltreligionen, deren Schriftgelehrte den sexuellen Verkehr zwischen MĂ€nnern auf der Basis von Bibel, Tora und Koran in der Regel als „SĂŒnde“ betrachteten, auch wenn liberale Strömungen mit dieser exegetischen Tradition heute zunehmend brechen.

Gleichgeschlechtliche Liebe und Lust sind in allen Gesellschaften und historischen Epochen durch entsprechende Quellen nachweisbar. Dagegen gilt die Entstehung homosexueller IdentitĂ€ten heute als das Resultat von Entwicklungen der modernen Gesellschaft, die ungefĂ€hr im 18. Jahrhundert unserer Zeitrechnung einsetzten, wie StĂ€dtewachstum, BĂŒrokratisierung und die kapitalistische Versachlichung sozialer Beziehungen.[1] Parallel zur Herausbildung heterosexistischer Normen in der Mehrheitsgesellschaft entstanden nach und nach in fast allen europĂ€ischen Metropolen abgegrenzte „schwule“ Subkulturen, deren Angehörige schon bald zum Gegenstand polizeilicher Überwachung, staatlicher Verfolgung, krimineller Erpressung und teilweise auch gewaltsamer Übergriffe wurden.

Der Begriff HomosexualitĂ€t wurde 1869 durch den österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny geprĂ€gt. Zuvor hatte Karl Heinrich Ulrichs (* 1825) die Begriffe Uranismus (bzw. Urning fĂŒr Homosexueller) verwendet und bekannt gemacht. Ulrichs forderte 1867 erstmals öffentlich - auf dem deutschen Juristentag in MĂŒnchen vor 500 Mitgliedern - die Straflosigkeit homosexueller Handlungen. Es gab tumultartige Szenen, in denen seine Rede unterging.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts prĂ€gten Autoren aus dem Umfeld der modernen Sexualwissenschaft unsere heutigen Begriffe fĂŒr „Homo-“ und „HeterosexualitĂ€t“, fĂŒr die es, genau wie fĂŒr den Begriff SexualitĂ€t selbst, in keiner Sprache bis dahin eine vergleichbare Entsprechung gab. Das internationale Vokabular zu diesem Thema stammt daher fast ĂŒberall aus Wortneuschöpfungen und LehnĂŒbersetzungen des letzten und vorletzten Jahrhunderts.

Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die damit verbundene Einteilung von Menschen in Homo- und Heterosexuelle den vielfĂ€ltigen Schattierungen menschlichen Begehrens nicht wirklich gerecht wird, hat man seit 1900 mit der Residualkategorie der BisexualitĂ€t aufzufangen versucht. Jedoch ist dieses Konzept seinerseits zur Basis einer selbst gewĂ€hlten IdentitĂ€t geworden und produziert daher neue begriffliche Unklarheiten, wie etwa die Existenz von Menschen, die sich in Umfragen weder als homo- noch bisexuell einstufen, sich aber trotzdem vom eigenen Geschlecht in unterschiedlichem Grade erotisch angezogen fĂŒhlen.

Mit der Konstruktion homosexuellen Begehrens als Abweichung von einer unterstellten heterosexuellen Norm war von Anfang an auch der Versuch einer Ă€tiologischen ErklĂ€rung verknĂŒpft. Nach 150 Jahren Forschung gibt es unter Sexualwissenschaftlern immer noch keinen Konsens, welche Faktoren fĂŒr die Ausbildung sexueller PrĂ€ferenzen ursĂ€chlich sind. Neben konkurrierenden genetischen, endokrinologischen und psychoanalytischen Modellen setzt sich heute zunehmend eine Deutung durch, die homosexuellem Verhalten auf der Basis seines verbreiteten Vorkommens in der höheren Fauna eine mögliche evolutionĂ€re Funktion fĂŒr den Abbau von Aggression und die soziale Integration komplexer Wirbeltiergesellschaften beimisst.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

→ Übersicht: Bezeichnungen fĂŒr HomosexualitĂ€ten

Etymologie und Verwendung

Erste Nennung des Wortes homosexual (in einem Brief des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Karl Maria Kertbeny)

Der Begriff „HomosexualitĂ€t“ ist eine hybride Wortneubildung aus dem Jahre 1868, geprĂ€gt vom Schriftsteller Karl Maria Kertbeny aus Griech. ᜁΌό homo „gleich“ und lat. sexus „Geschlecht“. Gleichzeitig prĂ€gte er als Antonym den Begriff „HeterosexualitĂ€t“. Richard von Krafft-Ebing sorgte ab 1886 mit seinem Werk Psychopathia sexualis fĂŒr eine große Verbreitung.[2]

Hintergrund fĂŒr diese und andere Wortbildungen war, dass es in der Neuzeit bis Mitte des 19. Jahrhunderts keinen ĂŒberlieferten Begriff fĂŒr gleichgeschlechtliches Empfinden gab. Vier Jahre vor Kertbeny fĂŒhrte Karl Heinrich Ulrichs 1864 die Begriffe „Uranismus“, „Urning“ (mĂ€nnlich) und „Urninde“ (weiblich) ein. Zwei Jahre nach Kertbeny und noch vor dem Erscheinen der Psychopathia sexualis prĂ€gte Carl Westphal 1870 den Begriff der „contrĂ€ren Sexualempfindung“. Alle drei Begriffe wurden je nach Vorliebe verwendet. Magnus Hirschfeld berichtet 1914, dass sich der Begriff „HomosexualitĂ€t“ durchgesetzt hat.[3]

Als problematisch empfand Hirschfeld dabei, dass unter dem Eindruck der Endung -sexuell das Wort vielfach nicht im Sinne gleichgeschlechtlicher Artung erfasst und gebraucht wird, sondern im Sinne einer sexuellen Handlung. TatsĂ€chlich handelt es sich hierbei um eine bis heute bestehende Polysemie (Mehrdeutigkeit). So wies Ernest Bornemann 1990 auf öffentliche Umfragen hin, nach denen die Mehrzahl der Deutschen den Begriff so versteht, dass HomosexualitĂ€t weniger eine Orientierung als vielmehr den „Geschlechtsverkehr unter MĂ€nnern“ bezeichnet.[4]

Karl Maria Kertbeny prÀgte 1868 den Begriff HomosexualitÀt

Der Umstand, dass homo im Lateinischen „Mann“ (aber auch „Mensch“) und nicht, wie im Griechischen, „gleich“ bedeutet, fĂŒhrt in Verbindung mit der Tatsache, dass der zweite Teil des Wortes aus dem Lateinischen stammt, hĂ€ufig zu einer irrtĂŒmlichen Verengung der Wortbedeutung auf „mĂ€nnliche HomosexualitĂ€t“. Dies hat bisweilen skurrile Wendungen zur Folge, wie etwa die redundante Formulierung „Homosexuelle und Lesben“.

Die Verengung auf mann-mĂ€nnliche SexualitĂ€t trifft vor allem auf das Substantiv „Homosexueller“ zu, dessen weibliches GegenstĂŒck „Homosexuelle“ kaum im Gebrauch ist. Homosexuelle Frauen werden stattdessen als Lesben (nach der griechischen Insel Lesbos, Heimat der Frauen liebenden Dichterin Sappho) oder, veraltet, als Lesbierinnen bezeichnet. Analog existiert fĂŒr homosexuelle MĂ€nner auch das Wort Schwuler (von schwĂŒl â€“ „drĂŒckend heiß“, in dieser Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert, „schwĂŒl“ als Parallelbildung zu „kĂŒhl“, oder von „SchwulitĂ€t“ â€“ „Schwierigkeit, BedrĂ€ngnis, peinliche Lage“).

UrsprĂŒnglich abwertend oder nur im Rahmen der eigenen Subkultur verwendet, wurde die Bezeichnung „schwul“ in den 70er Jahren von der Homosexuellenbewegung als Kampfbegriff eingesetzt und dadurch so weit gesellschaftsfĂ€hig gemacht, dass der Begriff heute sogar im Sprachgebrauch der Gesetzgebung auftaucht. Durch seinen trotzigen Gebrauch als Selbstbezeichnung sollte der abwertende Charakter des Wortes zurĂŒckgedrĂ€ngt und den Homosexuellenfeinden enteignet werden. Dies ist jedoch nur zum Teil gelungen. In der Jugendsprache findet das Wort „schwul“ nach wie vor (oder sogar verstĂ€rkt) als Schimpfwort Verwendung und wird dort hĂ€ufig auch als Synonym fĂŒr „langweilig“, „weichlich“ beziehungsweise „enervierend“ benutzt. Außerdem kann alternativ auf Schimpfwörter wie „Tunte“ oder „Schwuchtel“ zurĂŒckgegriffen werden, den viele Homosexuelle beleidigend finden.

Um das MissverstĂ€ndnis zu vermeiden, „HomosexualitĂ€t“ bezöge sich begrifflich nur auf MĂ€nner, wurde seit 1900 als Alternative die deutsche Übersetzung Gleichgeschlechtlichkeit ins Spiel gebracht, und zwar vor allem als Adjektiv (gleichgeschlechtlich), weniger als Substantiv oder gar als Personenbezeichnung (Gleichgeschlechtlicher).[2] Der Begriff verhindert eine Verwechslung mit dem Begriff Mann und setzt den semantischen Fokus von der SexualitĂ€t weg auf das Geschlecht. Auch in GesetzesentwĂŒrfen und Gesetzen wird er neuerdings wegen der juristischen Klarheit bevorzugt. HĂ€ufigen Gebrauch findet er darĂŒber hinaus bei der Beschreibung anderer Kulturen, da das Wort homosexuell gedanklich mit vielen sozialen Eigenheiten und IdentitĂ€tsbeschreibungen der westlichen industrialisierten Welt verknĂŒpft ist.

Sprachlich ĂŒberholt ist der Begriff „Homosexualismus“, der ebenfalls von Kertbeny eingefĂŒhrt, aber seit jeher nur vereinzelt verwendet wurde. In neuerer Zeit wird „Homosexualismus“ in meist abwertender Weise von wertkonservativen, oft glĂ€ubigen Menschen gebraucht. Zum Teil wird es dabei als bloßes Synonym fĂŒr HomosexualitĂ€t benutzt, zum Teil aber auch, um die Überzeugung auszudrĂŒcken, dass ĂŒber Straffreiheit und körperliche Unversehrtheit hinausgehende Forderungen eine "Ideologie" darstellten, die den eigenen Anschauungen widerspricht.

Englischsprachige Begriffe

Im englischsprachigen Raum hat die Lesben- und Schwulenbewegung dagegen das Wort gay (im nachtrĂ€glichen RĂŒckgriff auf seine ursprĂŒngliche Bedeutung Â»fröhlich« und Â»bunt«, die zwischenzeitlich vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein allerdings von der Bedeutung Â»ausschweifend, unmoralisch« verdrĂ€ngt worden war[5]) als Selbstbezeichnung durchgesetzt, um sich von dem abwertenden Ausdruck queer (»seltsam, komisch«) zu distanzieren. Zunehmend wird aber das Wort queer als Selbstbezeichnung benutzt, weil gay oft als auf MĂ€nner allein bezogen verstanden wird, also nicht geschlechtergerecht ist.

UrsprĂŒnglich eine geschlechtsneutrale Bezeichnung, hat sich der Begriff â€“ Ă€hnlich wie das deutsche Wort schwul â€“ in den 1970er Jahren auf MĂ€nner verengt, wĂ€hrend sich gleichgeschlechtlich liebende Frauen im Zuge des lesbisch-feministischen Separatismus zunehmend als lesbians und dykes bezeichneten. Der Begriff gay hat sich auch in anderen Sprachen wie dem Französischen (gai) eingebĂŒrgert und findet als Lehnwort auch in Deutschland neuerdings wieder zunehmend Verwendung.

Anfang der 1990er Jahre kam es innerhalb radikalerer politischer Kreise zu einer Wiederaneignung des Wortes queer als Überbegriff fĂŒr Lesben und Schwule, was dann meist Transgender mit einschließt. Dieser Begriff hat die Wörter gay und lesbian jedoch nicht verdrĂ€ngt, sondern nur partiell ersetzen können. Durch Queer-Theorie erfuhr er eine Ă€hnliche Internationalisierung wie vorher der Begriff gay.

Chichi man oder Battyman sind stark abwertende Begriffe, die aus dem Jamaika-Kreolischen kommen und fĂŒr die Battyman-Tunes namensgebend sind.

Chinesischsprachige Begriffe

Junge MÀnner im erotischen Spiel auf einer Handrolle aus Peking des spÀten 19. Jahrhunderts

→ Hauptartikel: HomosexualitĂ€t in China

In der Volksrepublik China hat die Sexualmedizin zunĂ€chst die Begriffe tongxing'ai („Homoerotik“) und tongxinglian („HomosexualitĂ€t“) durchsetzen können. Es handelte sich um LehnĂŒbersetzungen aus dem Japanischen, wo das entsprechende Wort douseiai kurz zuvor in Anlehnung an das Deutsche geprĂ€gt worden war. Traditionelle AusdrĂŒcke wie fentao („den Pfirsich teilen“) und duanxiu („den Ärmel abschneiden“), die anekdotisch auf Geschichten gleichgeschlechtlicher Liebe unter den chinesischen Kaisern anspielten, gingen in der Sprache urbaner Regionen verloren. Als Verben hatten sie eine Beziehung oder einen Akt, aber keine Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet.

In den 1990er Jahren ersetzten homosexuelle Aktivisten tongxinglian ausgehend von Hongkong und Taiwan zunehmend durch den Terminus tongzhi („Genosse“, „Kamerad“). Nicht nur, weil das Wort die Silbe tong („gleich“) enthielt, sondern auch, weil es als Anspielung auf ein bekanntes Zitat von Sun Yat-sen verstanden werden konnte: „Die Revolution hat noch nicht gesiegt, Genossen, lasst uns zusammen kĂ€mpfen“. Tongzhi ist bis heute zugleich die offizielle Anredeform innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas, was zu einer Reihe von Konflikten beim Import der neuen Bedeutung auf das Festland fĂŒhrte.

In Taiwan hat sich wĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte der 1990er Jahre in intellektuellen Kreisen unterdessen auch der Terminus ku'er als lautmalerische Anlehnung an das englische queer verbreiten können. Genau wie in den USA stellt er aber lediglich eine ErgĂ€nzung zum dominierenden Begriff â€“ in diesem Fall tongzhi â€“ dar.

Fehlende Begriffe und andere Konzepte

Die wenigsten Kulturen hielten einen Begriff wie den der HomosexualitĂ€t fĂŒr notwendig
(Persische Miniatur, Riza-i Abbasi, Two Lovers, Iran 1630)

Da es sich bei der Idee, gleichgeschlechtliche Liebe und SexualitĂ€t seien an einen bestimmten Personentypus gekoppelt oder auf diesen beschrĂ€nkt, um eine moderne, westlich geprĂ€gte Vorstellung handelt, fehlen in fast allen Sprachen indigene AusdrĂŒcke fĂŒr homosexuelle Personen. Dies war frĂŒher auch im Westen so. John Henry Mackay veröffentlichte unter seinem Pseudonym Sagitta bereits 1906 die BĂŒcher der „namenlosen Liebe“. Im ersten Band erklĂ€rt Mackay, dass es fĂŒr diese Liebe immer noch keinen adĂ€quaten Namen gibt, so dass er sie die „Namenlose“ nennen muss. Er legt dar, dass diese Liebe weder eine Angelegenheit der Kirche (Begriffe wie Sodomie, Unkeuschheit) noch des Staates noch der Medizin (HomosexualitĂ€t) sei, sondern allein der Natur, und deshalb auch nur den Gesetzen der Natur unterstehe.

Auch heute noch gibt es beispielsweise im Arabischen keinen feststehenden Begriff fĂŒr Lesben und Schwule. Der religiöse Begriff luti (â€Ù„ÙˆŰ·ÙŠâ€Ž, DMG lĆ«áč­Ä«, abgeleitet von der biblischen Figur Lots) entspricht etwa dem christlichen Terminus Sodomit und bezeichnet jemanden, der die vom Islam verbotene Handlung des Analverkehrs praktiziert. Er wird jedoch nicht im westlichen Sinn als Name fĂŒr eine identitĂ€r fixierte Minderheit gebraucht. In Ägypten werden Beteiligte der in den 1990er Jahren entstandenen Homosexuellenszene von den Medien stattdessen als schaddh (‏ۮۧ۰‎ / ơāᾏᾏ, wörtlich „anormal“, „unregelmĂ€ĂŸig“ oder „unnatĂŒrlich“; auch schaddh dschinsiyyan / ‏ۮۧ۰ ŰŹÙ†ŰłÙŠÙ‹Ű§â€Ž / ơāᾏᾏ ǧinsÄ«yan /‚sexuell abnorm‘) bezeichnet und diffamiert. Es gibt jedoch auch wertfreie Begriffe, die sich vom arabischen Wort mithl / â€Ù…Ű«Ù„â€Ž / miáčŻl /‚gleich‘) ableiten â€“ mithli / ‏مŰȘلي‎ / miáčŻlÄ« fĂŒr Schwule und mithliyya / â€Ù…Ű«Ù„ÙŠŰ©â€Ž / miáčŻlÄ«ya fĂŒr Lesben â€“, wobei â€Ù…Ű«Ù„ÙŠŰ©â€Ž auch „HomosexualitĂ€t“ an sich bedeutet.

In Ungarn setzt sich zurzeit das Schimpfwort buzi als Selbstbenennung von Angehörigen der schwulen Szene durch, obwohl es an sich gar keine Bedeutung hat. Es wird ĂŒberall dort gebraucht, wo man seinem Ärger darĂŒber Luft machen möchte, dass etwas schiefgelaufen ist. Aufgrund seiner spielerischen Konnotationen wird es analog zum englischen Begriff queer verwandt.

In Simbabwe benutzt die 1990 gegrĂŒndete Organisation GALZ (Gays and Lesbians of Zimbabwe) englische Termini, da die Differenz zwischen einem afrikanischen Konzept gleichgeschlechtlicher Beziehungen und einer westlichen IdentitĂ€t als Lesbe oder Schwuler von den damaligen GrĂŒndern, die mehrheitlich weiß und wenig politisiert waren, nicht verstanden wurde und die einzige Alternative in der Landessprache Shona der beleidigende Ausdruck ngochani gewesen wĂ€re. Der Name blieb jedoch auch spĂ€ter erhalten, da internationale Menschenrechte auf der Basis einer sexuellen IdentitĂ€t leichter einzuklagen schienen.

In der afroamerikanischen Bevölkerung der USA hat sich wĂ€hrend der 1990er Jahre in Abgrenzung von einer weißen Gay-IdentitĂ€t der Begriff Down-Low oder DL herausgebildet. Er leitet sich von der Wendung to be on the down low („es nicht an die große Glocke hĂ€ngen“) ab. Um auch gleichgeschlechtlich liebende MĂ€nner ohne schwule IdentitĂ€t durch HIV-PrĂ€ventionskampagnen zu erreichen, benutzen Aids-Organisationen mittlerweile den neutralen Terminus „Men who have Sex with Men“ (MSM). Diese kultur- und kontextsensitive Strategie hat sich mittlerweile auch auf internationalen Konferenzen durchgesetzt.

Zitat

„TatsĂ€chlich wirft die Bekanntschaft mit der Literatur der Antike ein Ă€ußerst verblĂŒffendes Problem fĂŒr den Geisteswissenschaftler auf, das den meisten Personen, die unvertraut mit den Klassikern sind, nicht in den Sinn kĂ€me: ob die Dichotomie, die durch die Termini Â»homosexuell« und Â»heterosexuell« unterstellt wird, ĂŒberhaupt mit irgendeiner RealitĂ€t korrespondiert. [
] Das Bewusstsein ĂŒber GrĂŒnde der Unterscheidung folgt auf das Verlangen zu unterscheiden. Die Frage, wer Â»schwarz«, Â»farbig« oder Â»Mulatte« ist, beunruhigt nur Gesellschaften, die von rassistischen Vorurteilen beeintrĂ€chtigt sind [
]. In der antiken Welt kĂŒmmerten sich so wenige Menschen darum, ihre Zeitgenossen auf der Basis des Geschlechts zu kategorisieren, zu dem sie sich erotisch hingezogen fĂŒhlten, dass keine Dichotomie gebrĂ€uchlich war, um diese Unterscheidung auszudrĂŒcken.“

– John Boswell[6]

Verhalten, Orientierung und IdentitÀt

Demografische HĂ€ufigkeit

Die SchlÀferinnen (GemÀlde von Gustave Courbet, 1866)

SchĂ€tzungen ĂŒber die HĂ€ufigkeit von HomosexualitĂ€t variieren betrĂ€chtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands zusĂ€tzlich verkompliziert. DarĂŒber hinaus ist anzunehmen, dass Umfragen durch die soziale Stigmatisierung der HomosexualitĂ€t und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfĂ€lscht sind. So schĂ€tzten sich etwa in einer reprĂ€sentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2000 nur 1,3 bzw. 0,6 Prozent der in Deutschland lebenden Befragten als schwul bzw. lesbisch sowie 2,8 bzw. 2,5 Prozent als bisexuell ein. Gleichzeitig gaben aber 9,4 Prozent der MĂ€nner und 19,5 Prozent der Frauen an, sich vom eigenen Geschlecht erotisch angezogen zu fĂŒhlen.[7] Bei einer im Jahr 2003 in Australien durchgefĂŒhrten Umfrage bezeichneten sich 1,6 Prozent der MĂ€nner als homosexuell und 0,9 Prozent als bisexuell; 0,8 bzw. 1,4 Prozent der befragten Frauen gaben an, lesbisch bzw. bisexuell zu sein.[8] In Kanada stuften sich bei einer 2003 durchgefĂŒhrten Umfrage unter MĂ€nnern und Frauen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren 1,0 Prozent als homosexuell und 0,7 Prozent als bisexuell ein.[9] In Großbritannien ergab eine Umfrage des Office for National Statistics aus dem Jahr 2010, dass sich 1,5 Prozent aller befragten Personen als schwul, lesbisch oder bisexuell bezeichneten.[10] Laut einer reprĂ€sentativen Untersuchung des Center for Disease Control and Prevention (CDC) vom MĂ€rz 2011 bezeichnen sich 1,7 Prozent der amerikanischen MĂ€nner zwischen 15 und 44 Jahren als homosexuell.[11]

Was das tatsĂ€chliche Sexualverhalten angeht, kam der Kinsey-Report 1948 zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent der mĂ€nnlichen US-Bevölkerung nach Beginn der PubertĂ€t "zumindest einige physische homosexuelle Erlebnisse bis zum Orgasmus" haben und weitere 13 Prozent "erotisch auf andere MĂ€nner" reagieren, "ohne tatsĂ€chliche homosexuelle Kontakte" zu unterhalten.[12] Zusammengerechnet seien daher nur 50 Prozent der mĂ€nnlichen erwachsenen Bevölkerung ausschließlich heterosexuell, und gar nur vier Prozent ausnahmslos - und ĂŒber ihr gesamtes Leben hinweg - homosexuell.[13]

Schon bei Kinsey war der Anteil von HomosexualitĂ€t an der "Gesamt-Triebbefriedung" nichts Festes, sondern hing in hohem Maße von der jeweiligen Klassenzugehörigkeit ab. So pflegten Angehörige der unteren Schichten in dieser Zeit wesentlich mehr homosexuelle Kontakte als das BĂŒrgertum und die Eliten.[14]

JĂŒngere Studien zeigen darĂŒber hinaus, wie sehr diese Zahlen dem historischen Wandel unterliegen können. So gaben in einer Studie zur JugendsexualitĂ€t, die 1970 vom Hamburger Institut fĂŒr Sexualforschung durchgefĂŒhrt wurde, 18 Prozent der befragten 16- und 17-jĂ€hrigen Jungen an, gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben. Zwanzig Jahre spĂ€ter waren es nur noch zwei Prozent - ohne dass sich der Anteil von Jungen mit heterosexuellen Kontakten dadurch signifikant erhöht hĂ€tte.[15]

Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch erklĂ€rt diesen Einbruch gleichgeschlechtlicher Jugenderfahrungen u.a. mit der wachsenden öffentlichen Thematisierung von "HomosexualitĂ€t" und der damit verbundenen BefĂŒrchtung der Jungen, aufgrund solcher Handlungen "womöglich als 'Schwuler' angesehen zu werden".[16] Allerdings verharrte der Anteil der MĂ€dchen mit homosexuellen Kontakten im selben Zeitraum konstant bei sechs Prozent.[17]

Ähnlich stellte auch die "Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung" (BzgA) in ihrer reprĂ€sentativen Wiederholungsbefragung zwischen 1980 und 1996 eine Halbierung des Anteils 14- bis 17-jĂ€hriger Jungen fest, die zugaben, "enge körperliche Erlebnisse" mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben (von zehn auf fĂŒnf Prozent), wĂ€hrend sich umgekehrt der Anteil der MĂ€dchen, die von solchen Erlebnissen berichteten, zwischen 2001 und 2005 von acht auf 13 Prozent erhöhte.[18]

Die tatsĂ€chliche HĂ€ufigkeit von homosexuellen Erfahrungen hĂ€ngt also zu einem großen Teil von gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab und kann nicht ĂŒberzeitlich und fĂŒr alle sozialen Schichten einheitlich bestimmt werden.

Coming-out

→ Hauptartikel: Coming-out

Bei vielen Menschen, die sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fĂŒhlen, kommt es im Laufe ihres Lebens zum sogenannten Coming-out. Mittlerweile wird dieser Prozess in zwei Phasen beschrieben: Im ersten Schritt steht das „Sich-bewusst-Werden“ oder „Sich-Selbst-Eingestehen“ im Vordergrund, also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung, dass man fĂŒr die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Sie wird auch als inneres Coming-out bezeichnet. Die zweite Phase bezeichnet das „Sich-ErklĂ€ren“, also den Schritt nach außen, das Coming-out bei Familie, Freunden und/oder Kollegen. Bei manchen geschieht dieser Prozess schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder mehr Jahren ĂŒber ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten haben ihr Coming-out mittlerweile im Schulalter, also etwa zum Zeitpunkt der PubertĂ€t. In diesem Alter trauen sich viele nicht, Hilfe von anderen zu erbitten, besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Selbst die eigenen Eltern werden manchmal nicht darĂŒber informiert. Das Coming-out kann manchmal in eine Lebenskrise fĂŒhren, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten oder realisierter Selbsttötung steigern kann. Beratungsstellen in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten und Info-Seiten im Internet versuchen diesen Menschen zu helfen, ihre HomosexualitĂ€t anzunehmen. TatsĂ€chlich ist die Selbsttötungsrate bei pubertierenden Homosexuellen deutlich höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.

Situative HomosexualitÀt

Unter dem soziologischen Begriff situationsbezogene HomosexualitĂ€t (engl. Situational Homosexuality),[19] die in der Psychiatrie noch als PseudohomosexualitĂ€t[20] bezeichnet wird, versteht man gleichgeschlechtliche Handlungen von Personen, welche nach standardmĂ€ĂŸiger Definition keine homosexuelle, ja nicht einmal eine bisexuelle Orientierung haben, also heterosexuelle Sexualkontakte bevorzugen. Grundgedanke ist, dass die AktivitĂ€t nie passiert wĂ€re, wenn sich die Menschen nicht in einer ungewöhnlichen Situation befunden hĂ€tten. Solche MĂ€nner werden auch der Gruppe der heterosexuellen MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben (englisch: Straight Men Who Have Sex with Men, SMSM) zugerechnet.[21]

Situationsbedingte HomosexualitĂ€t kommt vor allem in Umgebungen vor, in denen ĂŒber lĂ€ngere Zeit nur Personen des gleichen Geschlechts leben. Als typische Orte gelten Haftanstalten, Erziehungsanstalten, Schiffe auf See, U-Boote, Bohrinseln, Kasernen, Klöster und Konvente, Internate, Sportteams auf Tournee und abgelegene Arbeitslager etwa bei Minen oder Großbauprojekten. Vor allem dort wird sie auch als Not-HomosexualitĂ€t, KnasthomosexualitĂ€t und wĂ€hrend des Nationalsozialismus als LagerhomosexualitĂ€t bezeichnet. In der Wissenschaft spricht man manchmal auch von bisexuellem Sexualverhalten, homosexuellen Ersatzhandlungen oder experimenteller HomosexualitĂ€t. Unter situativer HomosexualitĂ€t fĂ€llt auch oft mannmĂ€nnliche Prostitution; diese ist Standardbeispiel in der Psychiatrie fĂŒr PseudohomosexualitĂ€t. Jugendliche gleichgeschlechtliche Handlungen werden nur in getrenntgeschlechtlichen Umgebungen dazugezĂ€hlt, in der Psychiatrie werden sie als EntwicklungshomosexualitĂ€t bezeichnet. Einige Aspekte in dieser sonst eigenen Betrachtung von Jugendlichen sind aber der situativen HomosexualitĂ€t sehr Ă€hnlich.[22]

Reverend Louis Dwight berichtete 1826 ĂŒber die VerhĂ€ltnisse in amerikanischen GefĂ€ngnissen. Dies ist der frĂŒheste Bericht ĂŒber amerikanische Strafanstalten. Josiah Flynt beschrieb 1899 situationsbezogenen Sex bei den amerikanischen Hobos, mit denen er reiste. Hans Otto Henel beschrieb 1926 in Eros im Stacheldraht die Situation im Ersten Weltkrieg, was Karl PlĂ€ttner zu seinem 1929 erschienenen Werk Eros im Zuchthaus inspirierte. Viele erotische Fantasien und Geschichten spielen in Settings mit situativer HomosexualitĂ€t.

Nachdem viele Gesellschaften homosexuelle IdentitĂ€t und offen homosexuelles Leben ablehnen, ist es oft schwer herauszufinden, was hinter einer individuellen heterosexuellen IdentitĂ€t steckt. Manchmal kann auch sozialer Druck und internalisierte Homophobie zu einer solchen IdentitĂ€t fĂŒhren. Möglicherweise wĂŒrden sich mehr Menschen als bisexuell identifizieren, wenn es sowohl von der heterosexuellen wie auch der homosexuellen Gesellschaft stĂ€rker akzeptiert wĂŒrde. Das Konzept der situativen HomosexualitĂ€t wirft Fragen auf, inwiefern aktives Sexualverhalten interne WĂŒnsche ausdrĂŒckt und durch externe UmstĂ€nde beeinflusst wird.[19] Sexuelle Orientierung ist ein sehr komplexes System mit unendlich vielen Zwischenstufen zwischen zwei Extremen oder auf zwei getrennten Skalen und genauer betrachtet sogar gleichzeitig auf mehreren emotionalen Ebenen. Die Entbehrung gegengeschlechtlicher Sexualkontakte wird von unterschiedlichen Personen verschieden bewĂ€ltigt. Schon im spĂ€ten 19. Jahrhundert realisierte man, dass manche Individuen niemals gleichgeschlechtliche AktivitĂ€t zeigen, egal wie lange und wie intensiv sie heterosexuellen Kontakt entbehren. Ebenso zeigen auch viele homosexuelle Menschen keine heterosexuelle AktivitĂ€t, auch wenn HomosexualitĂ€t repressiv behandelt wird und praktisch nicht durchfĂŒhrbar ist. GrundsĂ€tzlich geht man davon aus, dass durch nicht der sexuellen Orientierung entsprechende Handlungen dieselbe nicht beeinflusst wird. Dazu nicht im Widerspruch zeigen kulturĂŒbergreifende Vergleiche, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten in Situationen gegengeschlechtlicher Entbehrungen öfter vorkommt, vor allem bei MĂ€nnern in ihrer sexuellen Hauptzeit.[23]

In vielen Kulturen ist situationsbezogene Gleichgeschlechtlichkeit toleriert, obwohl dies zu offen gleichgeschlechtliches Leben nach „westlichem“ IdentitĂ€tsmodell nicht ist. Manche sozialen Analysten gehen davon aus, dass situative HomosexualitĂ€t verwendet wird, um Homophobie und Biphobie zu bekrĂ€ftigen, indem jenen, die homosexuelle Sexualkontakte in gleichgeschlechtlichen Umgebungen haben, erlaubt wird, sich weiter als heterosexuell zu definieren. Oft wird in solchen Umgebungen zwischen „echten Homosexuellen“ und jenen, die heterosexuell bleiben, unterschieden. Erstere sind sozial stigmatisiert, wĂ€hrend ihr Partner es nicht ist. Durch diese Unterscheidung wird Homophobie bestĂ€rkt, obwohl gleichgeschlechtliche AktivitĂ€t toleriert wird. Auch wenn sie oft stillschweigend erwartet wird und zu einem gewissen Grad toleriert wird, wird trotzdem erwartet, dass sie versteckt bleibt. Wird sie öffentlich sichtbar, so wird sie bestraft, selbst wenn jeder davon gewusst hat. Der „echte Homosexuelle“ wird dabei oft hĂ€rter bestraft als sein mutmaßlich heterosexueller Partner, welcher vorgeblich nur aus der Situation heraus handelt.[19] Oft wird die Unterscheidung auch dadurch getroffen, wer beim Sex „aktiver/mĂ€nnlicher“ und wer „passiver/weiblicher“ Partner ist. Diese Anzeichen zeigten sich beispielsweise auch in SĂŒdeuropa und vor allem im Orient (Nordafrika bis Pakistan) mit streng getrenntgeschlechtlicher Gesellschaft, wohin viele EuropĂ€er vor der hier schon herrschenden starken Ablehnung „flĂŒchteten“ und welcher hierzulande teilweise einen schlechten Ruf hatte. Erst in den 1960ern Ă€nderte sich dort die Haltung, manchmal existieren aber noch alte Traditionen weiter oder flammen wieder auf.[24]

Vor allem in GefĂ€ngnissen, aber auch in Erziehungsanstalten, ist sexuelle Befriedigung nur ein Teilaspekt, die AusĂŒbung von Macht, Erhalt der eigenen MĂ€nnlichkeit durch den psychisch heterosexuell und oft nicht einmal als homosexuelle Handlung angesehenen Verkehr – solange man der Aktive bleibt oder unter Gewaltanwendung gezwungen wird – und der Status in der geschlossenen Gesellschaft ist ein Hauptaspekt. Auch ethnische Konflikte spielen dabei eine Rolle. WĂŒnsche des passiven Partners zĂ€hlen meist nicht und ihm wird die MĂ€nnlichkeit genommen. Untergeordnet spielt auch die generelle menschliche Sehnsucht nach Zuneigung und Bindung eine Rolle. Paarbeziehungen von einem BeschĂŒtzer und einem BeschĂŒtzten basieren auf einer sehr starken Anpassung an das heterosexuelle Modell, das die Gefangenen von der Straße mitbringen; sexueller Stellungswechsel ist selten, und wenn er vorkommt, wird er immer sehr geheim gehalten. Ein weiterer Faktor ist Prostitution als interne WĂ€hrung sowie als Ausbeutung der Untergeordneten. Mehr als in der Außenwelt muss man eine Dreiteilung machen zwischen freiwilligem Sexualverhalten, gewalttĂ€tigen Vergewaltigungen und sexuellen Handlungen „um des Überlebens willen“. Ein großes Druckmittel sind dabei durchgefĂŒhrte oder angedrohte Gruppenvergewaltigungen. Das PhĂ€nomen ist generell sehr wenig wissenschaftlich erforscht, in Hinblick auf das System und nicht aus antihomosexueller Sichtweise, am meisten noch in den USA. Das Durchschnittsalter in den US-amerikanischen Haftanstalten betrĂ€gt etwa 28 Jahre, wobei fast drei Viertel der Gefangenen unter 35 Jahre alt sind und damit im sexuell aktivsten und körperlich aggressivsten Alter sind. Sie stammen ĂŒberwiegend aus den Unterschichten und der Arbeiterklasse und sind zu einem großen Teil Schwarze. Jede sexuelle AktivitĂ€t seitens der Gefangenen ist in allen GefĂ€ngnissen verboten und wird bei konkretem Anlass wirklich – oft auch gegenĂŒber Vergewaltigungsopfern – durch Disziplinierungsmaßnahmen (bis hin zu Isolationshaft, Verlust von Hafterleichterungen und Ablehnung von Entlassung auf BewĂ€hrung) geahndet, im Gegensatz zu den nicht so konsequent durchgesetzten frĂŒher bestehenden „Sodomiegesetzen“ der Bundesstaaten. Was nicht offensichtlich ist, wird wegen der erhofften friedensstiftenden Wirkung in der Institution oft geduldet und nicht nĂ€her betrachtet. Als Beispiel fĂŒr eine GrĂ¶ĂŸenordnung sei eine Untersuchung aus dem Jahre 1982 genannt, wo 65 % aller in einer Stichprobe befragten Gefangenen angaben, in diesem GefĂ€ngnis sexuell aktiv gewesen zu sein. Von den sich selbst als heterosexuell Beschreibenden berichteten 55 % von sexuellen AktivitĂ€ten, wobei sich die Zahl der sexuell aktiven Heterosexuellen auf 35 % der Weißen, 81 % der Schwarzen und 55 % der Hispanics verteilen. Verheiratete Heterosexuelle, die eheliche Besuche erhalten konnten, beteiligten sich hĂ€ufiger, nicht weniger, am Sex mit anderen Gefangenen. Es bestehen Unterschiede zwischen Strafanstalten, Haftanstalten, PolizeigefĂ€ngnissen und JugendgefĂ€ngnissen. Der Hauptgrund fĂŒr die Begrenzung der Rate liegt am Mangel an passiven Partnern. Jene, die sich nicht am Sex beteiligen, beteiligen sich dennoch oft am System, indem verbale Bemerkungen gemacht werden und versucht wird, andere in die passive Rolle zu drĂ€ngen. Im Gegensatz zu sexuellen Phantasien einiger urteilen die Homosexuellen, dass der Sex draußen wesentlich besser sei.[25]

Abgrenzung zu Transgender

→ Hauptartikel: Transgender

Geht es bei HomosexualitÀt um das Geschlecht des bevorzugten Partners, so geht es bei Transgender, wozu auch TranssexualitÀt gehört, um das Empfinden der eigenen GeschlechtsidentitÀt, die unabhÀngig von der sexuellen Orientierung ist. Beide sind aber Teile der mehrschichtigen sexuellen IdentitÀt.

Beziehungen zu Personen gleichen IdentitĂ€tsgeschlechts werden dabei als homosexuell empfunden, solche zu Personen eines anderen IdentitĂ€tsgeschlechts als heterosexuell, wobei die Quote der homo- oder bisexuell empfindenden Transgender weit höher liegt als die von Nicht-Transgendern; je nach SchĂ€tzung sind dies mindestens ein Drittel. In Ă€lterer Fachliteratur findet sich noch der Gebrauch von Homo- bzw. HeterosexualitĂ€t relativ zum ursprĂŒnglich zugewiesenen Geschlecht, also wĂŒrde beispielsweise eine mit einem Mann verheiratete Transfrau als homosexuell beschrieben, kontrĂ€r zu ihrem Empfinden, ein schwuler Transmann als heterosexuell. In der neueren Literatur nimmt diese Verwendung kontinuierlich ab, in hauptsĂ€chlich sozialwissenschaftlich geprĂ€gten Texten ist er nicht mehr zu finden.

Aufgrund der ursprĂŒnglichen, als abwertend empfundenen Verwendung und aufgrund der Schwierigkeiten, gleich und verschieden genau zu definieren, bevorzugen viele Transgender anstelle von homo- und heterosexuell schwul, lesbisch, queer etc. als Selbstbezeichnungen. Selten werden die, fĂŒr den Begehrenden geschlechtsneutralen, Begriffe GynĂ€kophilie und Androphilie verwendet.

Dass HomosexualitĂ€t oft mit Transgender, TranssexualitĂ€t und manchmal auch IntersexualitĂ€t in Verbindung gebracht wird, hat mehrere GrĂŒnde:

  • FrĂŒher bestand keine genaue Abgrenzung zwischen HomosexualitĂ€t – Transvestitismus – Travestie – TranssexualitĂ€t. Hirschfeld verwendete selten, aber in fĂŒr das breite Publikum verfasste BroschĂŒren und BĂŒcher, den Begriff vom Dritten Geschlecht und sprach allgemein von sexuellen Zwischenstufen. SpĂ€ter trennte er jedoch den Transvestitismus ab und dachte schon an eine Abtrennung der TranssexualitĂ€t, was durch den Krieg erst in den 1950ern in den USA weitergedacht wurde. Die Idee vom Dritten Geschlecht hat sich, wenn nicht in der Wissenschaft, so doch sozial bis mindestens in die 1970er Jahre gehalten. Heute werden als queer beide Gruppen, beziehungsweise alle Menschen, die dem heteronormativen Muster nicht entsprechen, verstanden.
  • In verschiedenen individuellen Biographien von Transgendern und Intersexuellen finden sich immer wieder verschieden lange Zeitabschnitte, in denen vermutet wird, homosexuell oder Transvestit zu sein, bis dies wieder verworfen wird und sich die wahre Ursache herauskristallisiert. So beispielsweise bei dem als Pseudohermaphrodit geborenen SkirennlĂ€ufer Erik Schinegger, der glaubte, lesbisch zu sein; Chaz Bono, der sich 1990 als lesbisch und 2008 als transsexuell outete; und Christian Schenk.
  • Teile der lesbisch-schwulen Subkultur waren oft der einzige Ort, an dem Transgender in ihrem empfundenen Geschlecht sozial akzeptiert wurden. Ebenso konnten dort Transvestititen verkehren und mit der kĂŒnstlerischen Travestie gibt es ebenfalls ein enges VerhĂ€ltnis.
  • In Mitteleuropa schon selten, aber bei Zuwanderern aus dem islamischen Kulturkreis und aus den ehemaligen OstblocklĂ€ndern noch öfter zu beobachten ist die Ichdystone Sexualorientierung, welche von der TranssexualitĂ€t abzugrenzen ist. Durch gesellschaftlich vorgegebene Skripte („man kann nicht dasselbe Geschlecht lieben“) können Menschen dazu gebracht werden, sich dem anderen Geschlecht zugehörig zu fĂŒhlen. Heute ist hierbei vor allem der Iran herausstechend, in dem homosexuelle Handlungen von MĂ€nnern mit dem Tode bestraft werden, TranssexualitĂ€t aber als durch Operation behandelbare Krankheit gilt.

Recht

Rechtlicher Status

→ Hauptartikel: Gesetze zur HomosexualitĂ€t

HomosexualitÀt legal
  • ï»żGleichgeschlechtliche Ehen
  • ï»ż(Offizielle) gleichgeschlechtliche Partnerschaften
  • ï»żAnerkennung auslĂ€ndischer gleichgeschlechtlicher Ehen
  • ï»żKeine (offiziellen) gleichgeschlechtlichen Partnerschaften
  • HomosexualitĂ€t illegal
  • ï»żKleinere Strafen
  • ï»żHöhere Strafen
  • ï»żLebenslĂ€ngliche Haft
  • ï»żTodesstrafe

In rund 75 von 195 Staaten auf der Welt werden Homosexuelle auch heute noch strafrechtlich verfolgt, so etwa in Nigeria, Jamaika, Simbabwe, Angola, Nepal und in den meisten islamischen Staaten, wobei fĂŒnf dieser LĂ€nder – Jemen, Iran, Saudi-Arabien, Mauretanien und Sudan – zwischenmĂ€nnlichen Analverkehr (liwāáč­) mit dem Tode bedrohen.

Aber auch im Osten Europas, zum Beispiel in Serbien, Albanien und sogar in manchen der neuen EU-LĂ€nder ist die Lage der Menschenrechte derzeit bedenklich: So werden in Polen, RumĂ€nien und Lettland Demonstrationen fĂŒr Toleranz gegenĂŒber Schwulen und Lesben von offiziellen Stellen verboten oder teilweise mit massiver Gewalt konfrontiert, die von den Kirchen und rechtsradikalen Nationalisten geschĂŒrt wird.[26] In Polen sind in letzter Zeit Forderungen einiger fĂŒhrender Politiker laut geworden, Homosexuelle in Lager zu stecken bzw. aus Polen zu eliminieren. Im Jahr 2007 wurde ĂŒber ein Gesetz beraten, das selbst die ErwĂ€hnung von HomosexualitĂ€t fĂŒr Lehrer unter Strafe stellen soll. So wird auch verboten, aufzuklĂ€ren, wie sich homosexuelle MĂ€nner vor Aids schĂŒtzen können. Lehrer, die dagegen verstoßen, können aus dem Schuldienst entlassen werden.[27] In der UNO versuchen der Vatikan und die islamischen Staaten gemeinsam, allein nur die Diskussion ĂŒber die Menschenrechtslage fĂŒr Schwule und Lesben zu verhindern. FĂŒr gewisses Aufsehen sorgte die Verhinderung bzw. Störung schwul-lesbischer Demonstrationen, Prides und PetitionsĂŒbergaben in Warschau und in Moskau durch die Polizei in den Jahren 2005, 2006 und 2007, wobei auch der parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Bundestagsabgeordnete von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Volker Beck kurzfristig verhaftet wurde.

UnabhĂ€ngig von der Diskriminierung durch benannte gesellschaftliche Gruppen oder fehlenden Schutz durch staatlichen Eingriff, sind Schwule und Lesben auch hĂ€ufig homophoben Angriffen ausgesetzt, die durch Menschen mit Angst vor der eigenen, latent vorhandenen HomosexualitĂ€t ausgeĂŒbt werden. So zeigen wissenschaftliche Untersuchungen mit nach eigenem Bekunden heterosexuellen MĂ€nnern, dass jene, die sich homophob Ă€ußerten, deutlich stĂ€rker auf gleichgeschlechtliche sexuelle Reize reagierten als solche, die sich nicht homophob geĂ€ußert hatten. Andere Untersuchungen legen nahe, dass MĂ€nner, die bezĂŒglich dessen, was sie fĂŒr typisch mĂ€nnliche Eigenschaften halten, dahingehend verunsichert werden, dass sie möglicherweise selbst nicht diesem Bild entsprechen, dies durch ausgeprĂ€gten Machismus und Aggression gegen Homosexuelle ĂŒberkompensieren wollen.

→ Siehe Hauptartikel Homophobie: Abschnitt Angst vor eigenen lesbischen bzw. schwulen ZĂŒgen und Abschnitt Wissenschaftliche Untersuchungen

Anerkennung von Partnerschaften

Status von gleichgeschlechtlichen Paaren in Europa

██ Gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt

██ Eingetragene Lebenspartnerschaft anerkannt

██ Nicht eingetragene eheĂ€hnliche Gemeinschaften anerkannt

██ Steht zur politischen Diskussion

██ Nicht anerkannt oder unbekannt

→ Hauptartikel: Gesetze zur HomosexualitĂ€t, Gleichgeschlechtliche Ehe, Eingetragene Partnerschaft

Die weitgehende rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen mit Heterosexuellen wird in der Lesben- und Schwulenbewegung ĂŒberwiegend begrĂŒĂŸt, auch wenn es immer noch umstritten ist, ob man sich damit gesellschaftlich und beziehungsdynamisch den klassischen Normen der „bĂŒrgerlichen Ehe“ annĂ€hern möchte, bei denen einige noch meinen, Überbleibsel einer patriarchalen Gesellschaftsordnung zu finden, mit einer strengen Aufteilung von Geschlechtsrollen, die fĂŒr eine gleichgeschlechtliche Beziehung nicht anwendbar wĂ€ren.

Gesetzliche Regelungen fĂŒr gleichgeschlechtliche Partnerschaften gibt es bereits in einer Reihe von LĂ€ndern. Mehrere LĂ€nder haben die Ehe fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare geöffnet: Niederlande (2001), Belgien (2003), Spanien (2005), Kanada (2005), SĂŒdafrika (2006), Norwegen (2009), Schweden (2009), Portugal (2010), Island (2010) und Argentinien (2010). In den US-Bundesstaaten Massachusetts, Connecticut, New Hampshire, Vermont, Iowa und Washington, D.C. (s. Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in den Vereinigten Staaten) wurde die Ehe fĂŒr Homosexuelle ebenfalls geöffnet. In DĂ€nemark, Finnland, Luxemburg und Slowenien ist die Ehe-Öffnung fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare in der Diskussion.

In vielen weiteren LĂ€ndern existieren registrierte Partnerschaften, die teilweise dieselben Rechtswirkungen wie die Ehe haben, teilweise jedoch auch geringere Rechte, wie z. B. die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland und der PACS (Pacte civil de solidaritĂ©) in Frankreich. Den PACS können auch verschiedengeschlechtliche, nichteheliche Paare eingehen.

In Deutschland gibt es seit dem 1. August 2001 das Rechtsinstitut der Lebenspartnerschaft. Nach ihrer Verabschiedung durch den Bundestag meldeten einige Politiker Zweifel daran an; die unionsregierten LĂ€nder Bayern, Sachsen und ThĂŒringen bemĂŒhten sich sogar um eine völlige Aufhebung des Gesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses stellte jedoch klar, dass einer vollstĂ€ndigen Gleichstellung mit der Ehe nichts im Wege stĂŒnde, da die Lebenspartnerschaft mit der Ehe schon allein deshalb nicht konkurriere, weil sie einen anderen Personenkreis betreffe.

Die Lebenspartnerschaft entspricht – was das BĂŒrgerliche Gesetzbuch betrifft – weitestgehend der Ehe. Lediglich die gemeinschaftliche Adoption von Kindern ist nicht möglich. Lebenspartner können aber das leibliche Kind ihres Partners adoptieren (sogenannte Stiefkindadoption). Auf diese Weise können zwei Frauen oder zwei MĂ€nner rechtlich gemeinschaftliche Eltern von Kindern werden. Auch in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sind Lebenspartner mit Ehegatten gleichgestellt. Sie leben â€“ wie Ehegatten â€“ im GĂŒterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nichts anderes vereinbaren. Gleichbehandlung erfolgt nach der Trennung auch beim Unterhaltsrecht. Es gelten Befangenheitsvorschriften und Zeugnisverweigerungsrechte wie bei Eheleuten auch. Zudem ist ein Verlöbnis fĂŒr Lebenspartner entsprechend dem Verlöbnis fĂŒr Ehegatten rechtswirksam.

Im Steuerrecht (Einkommensteuer) und im Beamtenrecht (Familienzuschlag, Hinterbliebenenpension usw., sofern es sich um Bundesbeamten oder die Landesbeamten einiger BundeslĂ€nder handelt) werden Lebenspartner dagegen noch wie Fremde behandelt. Hier ist die Gleichstellung bisher am Widerstand der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und der unionsregierten LĂ€nder im Bundesrat gescheitert. Die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr das Beamtenrecht ist inzwischen durch die Föderalismusreform auf den Bund fĂŒr seine Beamten und auf die BundeslĂ€nder fĂŒr die Landesbeamten ĂŒbergegangen. Als erstes Bundesland hat Bremen seine verpartnerten Beamten und Richter mit seinen verheirateten Beamten und Richtern gleichgestellt; danach folgten Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein haben auch entsprechende Reformen angekĂŒndigt. Im Zuge der Erbschaftssteuerreform wurde im Januar 2011 die eingetragenen Lebenspartnerschaften der Ehe gleichgestellt. Eine Angleichung bei der Einkommensteuer, im Rahmen des Ehegattensplittings ist bisher noch nicht erfolgt; die Rechtslage ist nicht geklĂ€rt. Klagen in Niedersachsen gegen diese Ungleichbehandlung wurden jeweils von 2. und 10 Senat des NiedersĂ€chsischen Finanzgerichts unterschiedlich entschieden und liegen nun, nach Revision, zur letztinstanzlichen Entscheidung beim Bundesfinanzgericht.[28] BezĂŒglich der Beamtenversorgung hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Beamten in eingetragenen Partnerschaften kein Verheiratetenzuschlag zusteht.[29] Die dagegen gerichtete Verfassungsbeschwerde wurde vom Bundesverfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen.[30] Dagegen hat das Bundesarbeitsgericht einem Angestellten im öffentlichen Dienst, der eine eingetragene Lebenspartnerschaft begrĂŒndet hatte, den Ortzuschlag fĂŒr Verheiratete in analoger Anwendung der entsprechenden tarifvertraglichen Regelung zuerkannt.[31]

Radikalere Teile der Lesben- und Schwulenbewegung lehnen die Lebenspartnerschaft â€“ als Ehe light verpönt â€“ und die damit verbundene notwendige Sondergesetzgebung fĂŒr Homosexuelle ab. Stattdessen fordern sie die Abschaffung der Ehe und plĂ€dieren fĂŒr sogenannte „Wahlverwandtschaften“ auf Zeit.

In der Schweiz wurde zuerst im Kanton Genf am 1. Mai 2001 eine PACS eingefĂŒhrt, welche die Eintragung von homosexuellen wie auch heterosexuellen Partnerschaften ermöglichte. Am 22. September 2002 wurde im Kanton ZĂŒrich eine eingetragene Partnerschaft vom Stimmvolk mit 62,7 % Ja-Anteil genehmigt. Diese Regelung ging um einiges weiter als die Genfer Lösung und stellte eingetragene Lebenspartnerschaften Ehepaaren gleich, soweit dies in der Kompetenz des Kantons lag. Nach Genf und ZĂŒrich fĂŒhrte der Kanton Neuenburg die registrierte Partnerschaft fĂŒr unverheiratete Paare ein. Das Kantonsparlament hat am 27. Januar 2004 zugestimmt.

Am 5. Juni 2005 hat das gesamte Schweizer Stimmvolk ĂŒber das Partnerschaftsgesetz (PartG) zur eingetragenen Partnerschaft abgestimmt. Es ist das erste nationale Referendum ĂŒber diese Frage weltweit. Es haben 58 % der teilnehmenden Stimmberechtigten zugestimmt. Mehrheiten gab es vor allem im Mittelland vom Kanton St. Gallen bis zum Kanton Genf. Es gab dort eine ziemlich homogene Verteilung der Ja-Anteile. Nicht nur StĂ€dte haben zugestimmt, sondern auch lĂ€ndlichere Gebiete. Ablehnend waren vor allem lĂ€ndlich-bĂ€uerliche, katholische Kantone. Zugestimmt haben insgesamt 16,5 von 23 Kantonen. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz schafft eine Gleichstellung mit der Ehe in Steuerfragen, Sozialleistungen, Erbrecht, Besuchsrecht, Zeugnisverweigerungsrecht etc. Es unterbindet aber ausdrĂŒcklich den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin und die Adoption. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz hat Auswirkungen auf den Zivilstand. Der Zivilstand ist nicht mehr „ledig“, sondern „in eingetragener Partnerschaft“. Das Gesetz trat am 1. Januar 2007 in Kraft.

Schwules Elternpaar mit Kind

In Österreich trat â€“ nachdem im Herbst 2007 eine Perspektivengruppe der Koalitionspartei ÖVP und ein Teil des Parteivorstandes entschieden haben, dass es ein Rechtsinstitut geben soll â€“ am 1. Januar 2010 das Eingetragene Partnerschaft-Gesetz in Kraft. Nach einem Meinungsaustausch mit dem Juristen Helmut Graupner waren viele sogar fĂŒr eine Öffnung der Ehe, was auch einer der VorschlĂ€ge an den Parteivorstand war. Laut Bundesparteiobmann und Vizekanzler Wilhelm Molterer diente die Schweiz als Vorbild.

Ein Gegenpol zu den Bestrebungen zur Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe findet sich in den Vertretern der Lebensformenpolitik.

Das Aufwachsen von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und die sich damit stellenden rechtlichen Fragen werden neuerdings unter dem Begriff „Regenbogenfamilie“ diskutiert.

Diskriminierung in der Kirche

Mit der Verabschiedung der europĂ€ischen Richtlinien zur Antidiskriminierung im Arbeitsrecht sind KĂŒndigungen und sonstige diskriminierende Maßnahmen aufgrund Bekanntwerdens der homosexuellen IdentitĂ€t von Mitarbeitern in der Privatwirtschaft sowie von Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst in den Mitgliedstaaten der EU unzulĂ€ssig.

Dies steht im Konflikt zur Position des Vatikans, der gelebte HomosexualitĂ€t meist als nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar ansieht. 2005 hat der Heilige Stuhl eine Instruktion veröffentlicht, in der Personen mit „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“ und "UnterstĂŒtzer einer homosexuellen Kultur", als nicht geeignete Kandidaten fĂŒr WeihĂ€mter, wie Priester oder Diakon, angesehen werden. Personen mit weniger "tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen [die] Ausdruck eines vorĂŒbergehenden Problems wie etwa einer nicht abgeschlossenen Adoleszenz" wĂ€ren, sollten "mindestens drei Jahre vor der Diakonenweihe" ausgeschlossen sein. [32] Angestellte der katholischen Kirche, welche eine Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz eingehen, werden, vergleichbar zu geschiedenen Kollegen, die erneut heiraten, meist wegen Unvereinbarkeit mit dem Glauben entlassen. So wurde im Jahr 2010 einer weiblichen Reinigungskraft eines katholischen Kindergartens des Bistums Essen gekĂŒndigt, weil sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer Frau eingegangen war.[33] In einzelnen kirchennahen katholischen Organisationen kann auch bereits ein Chatprofil bei einem Internetportal fĂŒr Homosexuelle zu einer fristlosen Entlassung fĂŒhren, wenn es der Organisationsleitung zugetragen wird[34] (siehe Kirchen als Tendenzbetrieb). Eine solche KĂŒndigung hatte aber vor dem Arbeitsgericht Frankfurt keinen Bestand.[35]

DemgegenĂŒber sind BeschĂ€ftigte, auch Pastoren, in den evangelischen Landeskirchen der EKD von einer arbeitsrechtlichen KĂŒndigung oder Disziplinarmaßnahme nicht bedroht, wenn sie mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin eine standesamtliche Lebenspartnerschaft eingehen oder ihre homosexuelle IdentitĂ€t in sonstiger Weise bekannt wird.[36] In einigen Landeskirchen der EKD sind sie sogar besoldungsrechtlich zur Ehe gleichgestellt, was auch in der altkatholischen Kirche der Fall ist.

(Siehe auch: HomosexualitÀt und Christentum sowie HomosexualitÀt und katholische Kirche)

Gleichstellung im MilitÀr

Insgesamt hat die Bundeswehr – nicht zuletzt durch den zunehmenden Anteil von Soldatinnen – ihr Bewusstsein fĂŒr SexualitĂ€t weiterentwickeln mĂŒssen. Dies begann erst spĂ€t Ende 2000 durch die Änderung der "FĂŒhrungshilfe fĂŒr Vorgesetzte", Bd.2.,A,III,7. Allerdings wird hier schon verlangt, dass militĂ€rische Vorgesetzte im Blick auf sexuelle Minderheiten ("Toleranz gegenĂŒber anderen nicht strafbewehrten sexuellen Orientierungen"[37] also einschließlich transsexueller Soldaten/innen) aktiv "jeder Diskriminierung energisch entgegentreten"[38] mĂŒssen.

Auch mit dem im Rechtsrang höher stehenden Sexualerlass "Umgang mit SexualitĂ€t in der Bundeswehr" zur Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/3, Anlage B 173 ist eine Diskriminierung verboten worden. Mit der letzten Änderung im Juli 2004 ist nach jahrzehntelanger Ächtung homosexueller Vorgesetzter, die unter Billigung höchstrichterlicher Rechtsprechung mit Versetzungen und sogar Entlassungen rechnen mussten – wie etwa bei der Kießling-AffĂ€re – ein liberalerer Umgang mit der SexualitĂ€t gewĂ€hlt worden: "Die IntimsphĂ€re von Soldatinnen und Soldaten ist als Teil ihres Persönlichkeitsrechts einer Einflussnahme durch den Dienstherren grundsĂ€tzlich entzogen."[39] "Daher sind außerdienstlich sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Partnerschaften und BetĂ€tigungen unter Soldatinnen und Soldaten disziplinarrechtlich regelmĂ€ĂŸig ohne Belang."[40]

Ein weiterer Fortschritt wurde durch das Soldatinnen- und Soldaten-Gleichbehandlungsgesetz im Jahr 2006 erreicht, in dem "Benachteiligungen aus GrĂŒnden ... der sexuellen IdentitĂ€t"[41] verboten sind, aber zusĂ€tzlich von diesem Maßstab der Nichtdiskriminierung auch der berufliche Erfolg abhĂ€ngt, nĂ€mlich bei "BegrĂŒndung, Ausgestaltung und Beendigung eines DienstverhĂ€ltnisses und .. beruflichen Aufstieg".[42] Die EinfĂŒgung der "sexuellen IdentitĂ€t" in dieses Gesetz wurde in der Großen Koalition kontrovers diskutiert: CDU/CSU lehnte es zunĂ€chst ab, gab dann aber im Rahmen eines Kompromisspaketes dem Wunsch der SPD nach.

KĂŒnftig sind grundsĂ€tzlich alle Beziehungsformen in den Privatbereich verwiesen. Homosexuelle Beziehungen können außer Dienst auch innerhalb militĂ€rischer Anlagen gepflegt werden, auch spielt der Dienstgrad der Beziehungspartner keine Rolle mehr. Soldatinnen und Soldaten in eingetragener Lebenspartnerschaft haben eine eigene Personenstandsbezeichnung ("ELP") und sind berechtigt, Trennungsgeld zu erhalten.

Einer der Vertreter der Belange homosexueller Menschen in der Bundeswehr ist der Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr.[43]

Geschichte

Historische Anthropologie

Unter dem Vorwurf der Sodomie wurden die Templer auf dem Scheiterhaufen verbrannt (Manuskript-Illustration, ca. 1350)

Eine jĂŒngere Generation von lesbisch-schwulen Soziologen, Philosophen und Historikern wie Mary McIntosh (The Homosexual Role, 1968), Michel Foucault (La VolontĂ© de savoir, 1976), Alan Bray (Homosexuality in Renaissance England, 1982) oder gegenwĂ€rtig insbesondere David Halperin (How to do the History of Homosexuality, 2002) betrachtet HomosexualitĂ€t nicht mehr als eine ĂŒberzeitliche Essenz, sondern als eine Erfindung der europĂ€ischen Neuzeit. Damit ist nicht gemeint, dass Frauen und MĂ€nner an anderen Orten und zu anderen Zeiten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt hĂ€tten. Vielmehr beziehen die genannten Autoren die Position, dass unsere heutige Auffassung von HomosexualitĂ€t als „Seinsweise“, die eine Minderheit von einer Mehrheit unterscheidet, eine verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig junge Konstruktion sei.

Das sodomitische Laster

Das theologische Modell der Sodomie, das dem modernen Begriff der HomosexualitĂ€t vorausging, steht zu diesem in einem deutlichen Gegensatz. Sodomie â€“ als „widernatĂŒrlicher“ (Platon) Verkehr zwischen MĂ€nnern, aber auch zwischen einem Mann und einer Frau â€“ wurde als ein allgemeinmenschliches Laster angesehen und nicht einer bestimmten Kategorie von Personen zugeordnet. Foucault spitzte diesen Unterschied zu, indem er in einer berĂŒhmt gewordenen Sentenz behauptete: „Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies.“ (siehe auch Sodomiterverfolgung).

Neben dem Diskurs der Sodomie, der sich im Mittelalter vor allem auf den Akt des Analverkehrs bezog, gab es jedoch auch Begriffe, die eine positive Sichtweise ausdrĂŒckten, wie etwa den der Freundschaft.

Freundschaft als Lebensweise

„Freundschaft“ konnte fast zu allen Zeiten auch eine romantische Beziehung zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts bezeichnen. KĂŒssen, Umarmen und HĂ€ndchenhalten, das gemeinsame Schlafen in einem Bett (daher der altertĂŒmliche Begriff des „Bettgenossen“) ebenso wie leidenschaftliche Liebesbekundungen und TreueschwĂŒre wurden unter MĂ€nnern bis weit in die frĂŒhe Neuzeit und oft sogar noch am Beginn des 20. Jahrhunderts als völlig normal wahrgenommen. Unter Frauen ist das â€“ seit Ende des 19. Jahrhunderts allerdings mit immer grĂ¶ĂŸeren EinschrĂ€nkungen â€“ teilweise auch heute noch der Fall. Die Semantiken (Bedeutungsinhalte) von Freundschaft und Liebe waren deshalb kaum voneinander zu unterscheiden. Das griechische Wort philos (Ï†ÎŻÎ»ÎżÏ‚) etwa kann sowohl ‚Freund‘ als auch ‚Geliebter‘ bedeuten.

Im Christentum wurden solche Beziehungen nur selten mit der „monströsen“ Figur des Sodomiten in Verbindung gebracht, und wenn, dann meist im Rahmen einer politischen Intrige (wie im Fall von Eduard II. oder dem mittelalterlichen Templerorden).

Geschworene BrĂŒder

Die christliche Mystik lud, beeinflusst vom islamischen Sufismus, die Liebe zwischen Freunden sogar mit einer religiösen Bedeutung auf. Ebenso adaptierte das Christentum den sowohl im Gilgamesch-Epos wie in der jĂŒdischen Bibel, aber auch im Satyricon fĂŒr eine Liebesbeziehung zwischen zwei MĂ€nnern verwendeten Begriff des „Bruders“ (Schwurbruderschaft). Zu deren Vereinigung hatte die orthodoxe Kirche den Ritus des „BrĂŒdermachens“ (Adelphopoiesis) ausgearbeitet, der den beiden Freunden fĂŒr ihre Liebe, die bis in den Tod anhalten sollte, zahlreiche Heiligenpaare als Vorbilder nannte. Dies schloss die parallele Eheschließung mit einer Frau jedoch nicht aus. Im lateinischen Westen, wo bis weit in die Neuzeit weder Eheleute noch geschworene BrĂŒder (fratres iurati) der Segnung eines Priesters bedurften, sind zumindest eine Reihe von GrabmĂ€lern erhalten, in denen MĂ€nner- und spĂ€ter auch Frauenpaare miteinander bestattet wurden. Die Gravuren enthalten oft Symbole unsterblicher Liebe wie beispielsweise die Darstellung eines Kusses oder die Inschrift „Im Leben vereint, im Tode nicht getrennt“.[44]

Die Erfindung des Homosexuellen

Von der Institution der geschworenen Bruderschaft (siehe oben) ist heute nur noch der Begriff des warmen Bruders als Synonym fĂŒr einen „Schwulen“ ĂŒbrig geblieben. In diesem Begriffswandel offenbart sich der geschichtliche Bruch, der durch das moderne Konzept der HomosexualitĂ€t verursacht wurde: Gesten der Zuneigung, die frĂŒher einfach als Zeichen einer Freundschaft verstanden worden wĂ€ren, identifiziert man heute als „homosexuell“ und stellt sie damit als Abweichung von der gesellschaftlichen Norm unter Verdacht. Die Konsequenz ist ein vor allem unter mĂ€nnlichen Jugendlichen belegbarer drastischer RĂŒckgang gleichgeschlechtlicher Sexualerfahrungen von 18 auf zwei Prozent allein zwischen 1970 und 1990. Diese Entwicklung geht mit wachsender Homophobie einher, weil viele junge Menschen aus Angst, womöglich als „Schwuler“ beziehungsweise als „Lesbe“ zu gelten, sich von allem Homosexuellen demonstrativ (und teilweise sogar gewaltsam) abgrenzen. Unter jungen MĂ€nnern ist diese Tendenz zur Abgrenzung im Allgemeinen nochmals deutlich stĂ€rker ausgeprĂ€gt als unter jungen Frauen. Es ist diese tĂ€tige Abwehr, durch die sich das stigmatisierende Etikett der HomosexualitĂ€t wie von selbst reproduziert.

Globalisierung einer Denkform

Die binĂ€re Kategorisierung von Personen als hetero und homo beziehungsweise „normal“ und „andersartig“ ist mittlerweile fast weltweit zu einer scheinbar unumstĂ¶ĂŸlichen RealitĂ€t geworden. Dieser Prozess, der sich in manchen Metropolen Europas wie London, Paris und Amsterdam bereits um 1700 ereignet hat, erreichte Regionen wie China dagegen erst Anfang beziehungsweise Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige postkoloniale Autoren wie der Hongkonger Soziologieprofessor Zhou Huashan kritisieren die Homophobie in ihren LĂ€ndern daher als eine Folge des europĂ€ischen Imperialismus.

Strafrechtliche Verfolgung

John Atherton und John Childe, 1640 in Dublin wegen „Sodomie“ gehĂ€ngt.

Bis zum Hochmittelalter galt der Analverkehr im christlichen Bereich als SĂŒnde, aber noch nicht als Verbrechen; folglich drohte maximal eine Kirchenbuße und ein zeitweiliger Ausschluss von der Eucharistie, aber noch keine weltlichen Maßnahmen. Vom 13. Jahrhundert bis zur AufklĂ€rung wurde Analverkehr zwischen MĂ€nnern dann in fast ganz Europa unter der Bezeichnung „Sodomie“ durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht, hier wird noch von der Sodomiterverfolgung gesprochen. Zu grĂ¶ĂŸeren Verfolgungen und jeweils Hunderten von Hinrichtungen kam es wĂ€hrend des SpĂ€tmittelalters in Norditalien und Spanien sowie wĂ€hrend des gesamten 18. Jahrhunderts auch in England, Frankreich und den Niederlanden.

Die Ideen der Französischen Revolution fĂŒhrten in zahlreichen Staaten, die sich am französischen Code pĂ©nal orientierten, um 1800 herum zur Abschaffung aller Gesetze gegen die „widernatĂŒrliche Unzucht“ (so etwa in den Niederlanden, im Rheinland und in Bayern). Preußen wandelte 1794 mit der EinfĂŒhrung des Allgemeinen Landrechts die Todesstrafe in eine Zuchthausstrafe um. 1871 wurde der preußische Paragraph in das Reichsstrafgesetzbuch des Deutschen Reichs aufgenommen und als § 175 in der folgenden Zeit immer hĂ€ufiger angewandt.

Großen Einfluss hatte zu dieser Zeit der deutsch-österreichische Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing (siehe hier). Seine durch KriminalfĂ€lle und in der Psychiatrie gewonnenen Forschungen stellten Homosexuelle als erblich belastete Perverse dar, die fĂŒr ihre angeborene „Umkehrung“ des Sexualtriebes nicht verantwortlich seien und deshalb nicht in die HĂ€nde eines Strafrichters, sondern in die von NervenĂ€rzten gehörten. Diesen erschloss er damit ein neues „Patientengut“ fĂŒr Zwangsbehandlung und Forschungsexperimente.

In seinem Buch Psychopathia Sexualis (1886, das Buch wurde zu einem Standardwerk) definierte er die HomosexualitĂ€t als angeborene neuropsychopathische Störung, also als eine erbliche Nervenkrankheit.[45] Diese Diagnose erlaubte es ihm, sich fĂŒr eine vollstĂ€ndige Straffreiheit der HomosexualitĂ€t auszusprechen, da Homosexuelle fĂŒr ihre „Missbildung“ nicht selbst verantwortlich seien und die HomosexualitĂ€t nicht ansteckend sei. Allerdings wurde HomosexualitĂ€t dadurch erst pathologisiert und homosexuelle Menschen fĂŒr unzurechnungsfĂ€hig erklĂ€rt. Obwohl Krafft-Ebing zu seiner Zeit als maßgebliche Instanz auf dem Gebiet der Gerichtsmedizin galt, blieb diese Theorie fĂŒr die Straflosigkeit folgenlos, da vor allem kirchlich-konservative Kreise auf die moralische Ächtung der Homosexuellen nicht verzichten wollten.


Bis zur Reform des § 175 im Jahr 1969 arbeitete die Polizei dabei mit Spitzeln in der schwulen Subkultur und geheimen Rosa Listen, auf denen zahlreiche Namen von homosexuellen MĂ€nnern verzeichnet waren. Da HomosexualitĂ€t verfolgt und bis in die 1970er Jahre als psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, konnten Homosexuelle auch auf unbestimmte Zeit freiheitsentziehend in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Ein Beispiel ist die „Behandlung“ des britischen Mathematikers Alan Turing im Jahr 1952.

Die SchĂ€tzungen hinsichtlich der Zahl der schwulen MĂ€nner, die wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten, variieren erheblich. Die wohl verlĂ€sslichsten Zahlen stammen bis heute von RĂŒdiger Lautmann, der eine Zahl von 10.000 bis 15.000 in Konzentrationslager verschleppte homosexuelle MĂ€nner schĂ€tzte, von denen etwa 53 % ums Leben kamen. Der Grund fĂŒr z.T. erheblich darĂŒber hinausgehende SchĂ€tzungen liegt u. a. darin, dass nicht ermittelbar ist, wie viele aus anderen GrĂŒnden ermordete Menschen homosexuell waren: Juden, Sinti und Roma usw. Obwohl es in Deutschland, im Gegensatz zu Österreich, kein Gesetz gegen die lesbische Liebe gab, verhaftete die Gestapo auch dort eine unbekannte Zahl von Frauen wegen ihrer HomosexualitĂ€t oder unter anderem Vorwand. WĂ€hrend jener Zeit verurteilte Schwule wurden in Deutschland am 17. Mai 2002 durch den Bundestag symbolisch rehabilitiert.

In der Bundesrepublik Deutschland bestand der § 175 bis 1969 in der von den Nazis verschĂ€rften Fassung weiter, was vom Bundesverfassungsgericht 1957 als rechtmĂ€ĂŸig anerkannt wurde. Erst 1994 fiel er im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR weg.

Im Mai 2008 wurde in Berlin das Denkmal fĂŒr die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen eingeweiht.

In Österreich existierte der § 209 ÖStGB mit Ă€hnlichem Wortlaut wie der § 175 StGB in Deutschland bis ins Jahr 2002, als er vom österreichischen Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde,[46] und trat am 14. August 2002 außer Kraft.[47] Dennoch wurde Österreich im Anschluss mehrfach vom EGMR, der ebenfalls ausdrĂŒcklich die Menschenrechtswidrigkeit des § 209 feststellte, verurteilt,[48] da man es unterlassen hatte, menschenrechtswidrig Verurteilte zu rehabilitieren.

Homosexuelle Emanzipation

Die Regenbogenfahne, seit 1978 ein internationales schwul-lesbisches Symbol

→ Hauptartikel: Lesben- und Schwulenbewegung

Erste Forderungen nach der urnischen Ehe wurden von Karl Heinrich Ulrichs 1867 auf dem deutschen Juristentag in MĂŒnchen vor 500 Mitgliedern erhoben. Auch wenn sein Vortrag mit Spott und Ablehnung aufgenommen wurde, beginnt an diesem Tag die Geschichte der Homosexuellen-Emanzipation.

Der Beginn der organisierten homosexuellen Emanzipationsbewegung wird im Allgemeinen mit der GrĂŒndung des Wissenschaftlich-humanitĂ€ren Komitees (WhK) durch den Berliner Arzt Magnus Hirschfeld im Jahr 1897 angesetzt. Es handelte sich dabei jedoch um eine Honoratiorenvereinigung, die nur ca. 500 Mitglieder umfasste und nach außen hin nicht als homosexuelle Bewegung in Erscheinung trat. Stattdessen warb sie ausschließlich mit wissenschaftlichen Argumenten fĂŒr eine Streichung des § 175.

ZahlenmĂ€ĂŸig weit bedeutsamer waren die nach 1919 gegrĂŒndeten FreundschaftsbĂŒnde. Ihr Schwerpunkt lag in der Planung von Geselligkeitsveranstaltungen, umfasste jedoch auch politische und publizistische AktivitĂ€ten sowie die GewĂ€hrleistung von Rechtsschutz fĂŒr jene Mitglieder, die vom § 175 betroffen waren. Als Dachgruppen konkurrierten der im August 1920 gegrĂŒndete Deutsche Freundschafts-Verband (DFB) und der im Mai 1922 entstandene Bund fĂŒr Menschenrechte (BfM). Letzterer erwies sich in seiner GrĂ¶ĂŸenentwicklung als das bei weitem erfolgreichere Modell. Bereits 1924 zĂ€hlte er ĂŒber 12.000 Mitglieder; 1929, gegen Ende der Weimarer Republik, waren es sogar mehr als 48.000. AuslĂ€ndische angegliederte Gruppen soll es laut Angaben des Vereins in der Schweiz, in Österreich, in der Tschechoslowakei, in New York City, Argentinien und Brasilien gegeben haben. Allerdings ist ĂŒber die meisten dieser Gruppen kaum etwas bekannt. Eine Ausnahme bildet eine Schweizer Gruppe um Karl Meier mit ihrer Zeitschrift Der Kreis, die als einzige in Europa nicht durch die Nazis zerschlagen werden konnte. Dadurch wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg Vorbild fĂŒr viele neu entstehende Gruppen.

Ein neuer Schwerpunkt der Homosexuellenbewegung bildete sich in den Vereinigten Staaten. Im FrĂŒhjahr 1951 grĂŒndete Harry Hay, Mitglied der CPUSA, zusammen mit Bob Hull, Chuck Rowland, Dale Jennings und Rudi Gernreich die Mattachine Society. 1955 entstand unter FĂŒhrung von Del Martin und Phyllis Lyon die Lesbenorganisation Daughters of Bilitis. Beide Gruppen bezeichneten sich als homophil, um sich der Reduzierung von HomosexualitĂ€t auf den Akt des Beischlafs zu entziehen. Unter dem Druck der McCarthy-Ära entpolitisierten sich diese Organisationen und wurden zu Debattierclubs, die in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung traten. Erst Mitte der 1960er Jahre fand mit Dick Leitsch (New York) und Frank Kameny (Washington) eine Neuorientierung an den Protestformen der schwarzen BĂŒrgerrechtsbewegung statt.

Am 28. Juni 1969 kam es anlĂ€sslich einer Polizeirazzia in der New Yorker Schwulenbar Stonewall zu einem Aufstand in der Christopher Street, der drei Tage andauerte. Dieses Ereignis fĂŒhrte zu einer Radikalisierung zahlreicher Lesben und Schwuler. In Anlehnung an linke Bewegungen der damaligen Zeit grĂŒndeten sich gemischte Gruppen wie die Gay Liberation Front und die Gay Activists Alliance.

Am 1. Mai 1970 machte schließlich die Gruppe Radicalesbians auf sich aufmerksam, indem sie in New York den Zweiten Jahreskongress zur Vereinigung der Frauen mit einem geplanten Happening unterbrach. Das dort verteilte Manifest der frauenidentifizierten Frau begrĂŒndete das sich fĂŒr die Frauenbewegung als einflussreich erweisende Konzept des politischen Lesbianismus: Lesbischsein wurde nicht als eine sexuelle Orientierung, sondern als die einzig mögliche Strategie des Widerstands gegen patriarchale Bevormundung und UnterdrĂŒckung aufgefasst.

SĂ€mtliche dieser politischen Strategien und Konzepte wurden in den 1970er Jahren nach Europa getragen.

In der Bundesrepublik Deutschland grĂŒndeten sich nach der Liberalisierung des § 175 im Jahre 1969 und nach der Fernsehausstrahlung des Filmes Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt die ersten Schwulengruppen. Die offene und provozierende filmische Darstellung von Schwulen durch den Regisseur Rosa von Praunheim, der sich hierzu eines politischen Textes des Soziologen und Sexualforschers Martin Dannecker bediente, stieß in der Öffentlichkeit, aber auch bei konservativen und angepassten Homosexuellen auf Ablehnung.

Ähnlich wie in den USA trennten sich Lesben in der Bundesrepublik schon sehr frĂŒh von den mĂ€nnlich dominierten Schwulengruppen und engagierten sich stattdessen in der Frauenbewegung, wo gleichgeschlechtliche Liebe oft nicht nur anerkannt, sondern sogar prĂ€feriert wurde.

In den 1980er und 1990er Jahren kam es zu einer breiten AusfĂ€cherung, aber auch zu einer fortschreitenden Entpolitisierung der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Gleichzeitig fand eine WiederannĂ€herung von Lesben und Schwulen statt. Seit etwa Mitte der 1980er Jahre veranstalten sie gemeinsam in fast sĂ€mtlichen europĂ€ischen und amerikanischen Metropolen alljĂ€hrliche Demonstrationen zur Erinnerung an den Stonewall-Aufstand. In den 1990er Jahren wurden daraus gewaltige UmzĂŒge, die unter der Bezeichnung Christopher Street Day bzw. Gay Pride Parade in den Tagen zwischen Juni und Juli weltweit mehrere Millionen Menschen auf die Straße ziehen. Jedoch verbinden die Teilnehmer mit ihrer Anwesenheit nur noch selten eine konkrete politische Aussage. Entsprechende GegenentwĂŒrfe zur Repolitisierung des CSD in Deutschland sind der Transgeniale CSD in Berlin-Kreuzberg und die Queerrr Street Days in Hamburg.

Eine neue Erscheinung bildet der Wunsch nach territorialer Abgrenzung von der Hetero-Welt, der hĂ€ufig als Gay Nationalism bezeichnet wird. So wurde von einer Gruppe australischer Aktivisten am 14. Juni 2004 eine winzige Koralleninsel namens Cato besetzt und das Gay & Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands ausgerufen. Der neue Staat stellte sich ziemlich rasch als eine Mikronation unter vielen heraus, denn weder der Imperator Dale Parker Anderson noch sonst jemand war bereit, sich auf Cato niederzulassen. Die Unstimmigkeiten innerhalb der FĂŒhrungsriege fĂŒhrten zur Zersplitterung der Bewegung in mehrere Gruppen.

Gesundheit

AIDS

Kondome und LecktĂŒcher schĂŒtzen

→ Hauptartikel: AIDS

Zur Emanzipation der Schwulen trug â€“ neben der Öffentlichkeitsarbeit â€“ auch die sogenannte AIDS-Epidemie zu Beginn der 1980er Jahre in erheblichem Maße bei. Dies klingt zunĂ€chst widersprĂŒchlich, da sich AIDS in den westlichen LĂ€ndern, vermutlich aufgrund der höheren PromiskuitĂ€t und der hohen Ansteckungsgefahr insbesondere bei Analverkehr, zunĂ€chst stark in schwulen Kreisen verbreitete.

Durch die von den AIDS-Hilfen und der deutschen Bundesregierung angestoßenen AufklĂ€rungskampagnen rĂŒckte das Tabuthema HomosexualitĂ€t aber stĂ€rker ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Dadurch wurde nicht nur AufklĂ€rung ĂŒber das HI-Virus und das dadurch ausgelöste Krankheitsbild AIDS erreicht, sondern auch fĂŒr sicherere Sexualpraktiken (Safer Sex) als Vorsichtsmaßnahme geworben. Dabei konnten viele Fehlmeinungen und Vorurteile im gesellschaftlichen Bewusstsein ĂŒber Schwule und Lesben korrigiert werden. Es lĂ€sst sich eine stetig steigende Toleranz in der Bevölkerung gegenĂŒber HomosexualitĂ€t feststellen. Die moralischen Gesellschaftswerte haben sich verschoben, auch wenn manche Menschen HomosexualitĂ€t verurteilen oder homosexuelle Menschen abwerten.

Viele Menschen bringen schwule SexualitĂ€t automatisch mit AIDS in Verbindung. Schwule sind jedoch nach herrschender medizinischer Ansicht nur dann dieser besonderen Risikogruppe zuzurechnen, wenn sie hĂ€ufig ungeschĂŒtzten Analverkehr bzw. Verkehr mit wechselnden Sexualpartnern haben, da die Verletzungs- bzw. Infektionsgefahr bei analer Penetration drastisch höher ist als bei vaginaler Penetration und PromiskuitĂ€t allgemein dem Risikoverhalten fĂŒr sexuell ĂŒbertragbare Krankheiten zuzurechnen ist.

Bisher (Stand: 08/2011) ist es deutschen und österreichischen[49] MÀnnern, die homosexuelle Kontakte mit anderen MÀnnern haben, untersagt, Blut oder Organe zu spenden, da diese generalisiert der "HIV-Risikogruppe" zugeordnet werden, ungeachtet dessen, dass sich jeder gesunde Mensch, unabhÀngig von seiner sexuellen Orientierung mit dem HI-Virus infizieren kann.[50][51]

Psychologie

Die psychiatrische Pathologisierung der HomosexualitĂ€t begann Mitte des 19. Jahrhunderts. HomosexualitĂ€t wurde in der Regel als Symptom einer inneren Verkehrung des Geschlechtsempfindens („kontrĂ€re Sexualempfindung“, „Inversion“) aufgefasst. Eine besondere und zugleich ambivalente Rolle spielte dabei - seit ca. 1900 - die Psychoanalyse.

Sigmund Freud bezeichnete HomosexualitĂ€t „als Abweichung der sexuellen Funktionen, hervorgerufen durch eine gewisse Stockung der sexuellen Entwicklung“[52]. Als psychischen „Normalfall“ sah Freud die BisexualitĂ€t an; auch die HeterosexualitĂ€t beruhe „auf einer EinschrĂ€nkung der Objektwahl“.[53] Mehrfach bezog er öffentlich Stellung gegen Kriminalisierung und Pathologisierung der HomosexualitĂ€t. 1903 betonte er in der Zeitschrift Die Zeit, dass „Homosexuelle nicht als Kranke behandelt werden sollen“. 1905 stellte er fest: „Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuch, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen abzutrennen.“[54] 1921 widerspricht er Ernest Jones, der einen homosexuellen Arzt nicht zur analytischen Ausbildung zulassen wollte.[55] 1930 unterzeichnete er einen Appell an den Nationalrat zur Abschaffung der Strafbarkeit. Und 1935 schrieb er in einem Brief an eine Mutter, dass auch Homosexuelle – durch eine Analyse – zu „Harmonie, Seelenfrieden und volle[r] LeistungsfĂ€higkeit“[52] gelangen können.

Seine Ansichten zum Thema resĂŒmiert er in dem Aufsatz „Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher HomosexualitĂ€t“ aus dem Jahr 1920. Darin wendet er sich gegen die Vorstellung, „vollentwickelte“ HomosexualitĂ€t − mit dem Ziel der Wiederherstellung der „vollen bisexuellen Funktion“ − psychoanalytisch behandeln zu können. Dies sei „nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte“ - die Heilung von „vollentwickelter“ HeterosexualitĂ€t -, „nur daß man dies letztere aus gut praktischen GrĂŒnden niemals versucht“.[56] Entsprechende Therapieanstrengungen scheiterten zudem sehr hĂ€ufig daran, dass homosexuelle Patienten nicht aus Unzufriedenheit mit ihrer Situation, sondern auf Ă€ußeren gesellschaftlichen Druck hin eine Therapie begĂ€nnen:

„In der Regel vermag der Homosexuelle sein Lustobjekt nicht aufzugeben; es gelingt nicht, ihn zu ĂŒberzeugen, daß er die Lust, auf die er hier verzichtet, im Falle der Umwandlung am anderen Objekt wiederfinden wĂŒrde. Wenn er sich ĂŒberhaupt in Behandlung begibt, so haben ihn zumeist Ă€ußere Motive dazu gedrĂ€ngt, die sozialen Nachteile und Gefahren seiner Objektwahl, und solche Komponenten des Selbsterhaltungstriebes erweisen sich als zu schwach im Kampfe gegen die Sexualstrebungen. Man kann dann bald seinen geheimen Plan aufdecken, sich durch den eklatanten Mißerfolg dieses Versuches die Beruhigung zu schaffen, daß er das Möglichste gegen seine Sonderartung getan habe und sich ihr nun mit gutem Gewissen ĂŒberlassen könne.“

– Sigmund Freud. 1920[57]

Dennoch wurde HomosexualitĂ€t erst 1973 von der American Psychiatric Association (APA) aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen â€“ nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse von Evelyn Hooker. Zuvor galt HomosexualitĂ€t als psychische Störung. Allerdings existierte von da an im DSM-II die „sexuelle Orientierungsstörung“, spĂ€ter im DSM-III „ich-dystone HomosexualitĂ€t“ genannt, mit der ein Zustand anhaltenden Leidens an der eigenen HomosexualitĂ€t diagnostiziert werden konnte. Im neuen, aktuellen DSM-IV-TR befindet sich eine Diagnosekategorie „nicht nĂ€her bezeichnete sexuelle Störung“, die auch ein „andauerndes und ausgeprĂ€gtes Leiden an der sexuellen Orientierung“ (302.9) beinhaltet. Die Streichung erfolgte 1973 gegen den Widerstand der American Psychoanalytic Association (APsaA), die dadurch erheblich an RenommĂ©e und Einfluss verlor, dann nach einem Generationswechsel neue Position bezog und sich 1991 entschuldigte:

„Die American Psychoanalytic Association lehnt jede öffentliche oder private Diskriminierung gleichgeschlechtlich orientierter Frauen und MĂ€nner ab und bedauert sie. Es ist die Position der American Psychoanalytic Association, dass die mit uns verbundenen Ausbildungsinstitute ihre Kandidaten aufgrund ihres Interesses fĂŒr die Psychoanalyse aussuchen, wegen ihres Talents, ihrer Vorbildung, ihrer IntegritĂ€t, ihrer Bereitschaft zu Selbstanalyse und Ausbildung, und nicht aufgrund sexueller Orientierung.“

– American Psychoanalytic Association, Declaration on Homosexuality, adopted 1991, amended May 1992: Übersetzt von Christian Michelides, Fettdruck aus dem Original ĂŒbernommen

Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die HomosexualitĂ€t erst mit der 1992 veröffentlichten ICD-10 entfernt. DafĂŒr wurde dort das Störungsbild der ich-dystonen Sexualorientierung (F66.1) im Bereich der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgenommen. In der ICD-8 wurde HomosexualitĂ€t bereits 1968 als umstrittenes Krankheitsbild dargestellt.

In Psychoanalyse und Psychotherapie gibt es nach wie vor kontroverse Meinungen. AnhĂ€nger der Gay Affirmative Psychotherapy, die die internationale Mehrheitsmeinung vertreten, versuchen, den Umgang mit HomosexualitĂ€t möglichst in das Menschsein zu integrieren. Im deutschen Sprachraum Ă€ußerten sich 2000 zwei Standardwerke klar und deutlich: Im Mertens/Waldvogel konstatierte Udo Rauchfleisch, dass Diskriminierung und Pathologisierung wissenschaftlich nicht vereinbar seien.[58] Im Stumm/Pritz verlangte Wolfgang Till von der Psychotherapie „eine nichtpathologisierende, vorurteilsfreie Haltung zur HomosexualitĂ€t“.[59] Johannes Cremerius nannte (schon 1992) die Pathologisierung der HomosexualitĂ€t und die Weigerung, Homosexuelle zur analytischen Ausbildung zuzulassen, als einen der wesentlichen GrĂŒnde fĂŒr die Krise der Psychoanalyse.[60]

Dazu entgegengesetzt gibt es eine immer kleiner werdende Minderheit von Medizinern bzw. Psychoanalytikern, die HomosexualitĂ€t im Gegensatz zum DSM-IV und zur ICD-10 als „krankhafte und behandlungsbedĂŒrftige Störung“ sehen (Charles Socarides[61] und Joseph Nicolosi). Der Psychotherapeut Douglas Haldeman, der ehemalige Vorsitzende der American Psychological Association, ist der Meinung, Lesben und Schwule hĂ€tten zwar ein Recht auf VerĂ€nderung ihrer sexuellen Orientierung, sofern sie mit ihren sexuellen Orientierungen unzufrieden seien. Bisher ist jedoch keine funktionierende „Therapie“ bekannt, mit der langfristig die sexuelle Orientierung verĂ€ndert werden konnte. Die sogenannte reparative Therapie bezeichnet Haldeman als „Pseudowissenschaft“. Die sexuellen Neigungen als solche bestimmen noch nicht die psychologische IdentitĂ€t eines Menschen, da dazu wesentlich die freie Stellungnahme gehört.[62] Im Sommer 2008 erklĂ€rte die deutsche Bundesregierung im Bundestag, dass die reparative Therapie in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt werde. Die deutsche Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass HomosexualitĂ€t einer Therapie bedarf, noch dass HomosexualitĂ€t einer Therapie zugĂ€nglich ist.[63] Auch Haldeman ist der Meinung, die sogenannte „reparative Therapie“ passe nicht in die moderne „mental health profession“ hinein, und sei „seit Jahren diskreditiert.“[64]

Ursachen der Ausbildung der sexuellen Orientierung

Die naturwissenschaftliche Betrachtung der sexuellen Orientierung konzentriert sich, wegen der heteronormativen Eingrenzung des Blickwinkels, auf die Ursachen der Entstehung von HomosexualitÀt.

Unter biologischen, evolutionÀren oder psychologischen Aspekten werden deshalb folgende Themen diskutiert:

  • Können besondere Faktoren ausgemacht werden, die zu HomosexualitĂ€t beim Menschen fĂŒhren?
  • Ist die HomosexualitĂ€t bei allen homosexuellen Menschen oder nur bei einem Teil durch angeborene Faktoren bedingt?
  • Ist die HomosexualitĂ€t bei allen homosexuellen Menschen oder nur bei einem Teil durch erworbene Faktoren bedingt?
  • Ist HomosexualitĂ€t als Gesamterscheinung oder lediglich bei einzelnen Homosexuellen oder gar nicht als abnorm oder krankhaft einzustufen? Ersteres wĂŒrde implementieren, dass eine Heilung â€“ sofern möglich â€“ sinnvoll wĂ€re.
  • Kann HomosexualitĂ€t auch das Ergebnis einer "freien Willensentscheidung" sein?

Welche Faktoren beim Einzelnen zur Ausbildung einer bestimmten sexuellen Orientierung fĂŒhren, ist ungeklĂ€rt.

GrundsÀtzlich können bei der Entstehung der sexuellen Orientierung zwei Hauptthesen unterschieden werden:

  • Die sexuelle Orientierung ist schon vor der Geburt festgelegt.
  • Die sexuelle Orientierung wird erst durch gewisse Identifikationsprozesse in der frĂŒhen Kindheit oder auch besondere AblĂ€ufe in der PubertĂ€tsphase ausgeprĂ€gt.

Außerdem werden Theorien vertreten, die eine Kombination dieser beiden Thesen darstellen.

Der wissenschaftliche Streit ĂŒber die Ursachen ist sehr alt. Solange jedes homosexuelle Verhalten strafbar war, waren die Argumentationen in diesem Streit oft von dem Bestreben geleitet, entweder die „Unausweichlichkeit“ homosexuellen Verhaltens zu belegen und damit die Forderung nach dessen Straflosigkeit zu begrĂŒnden oder aber es als freie Entscheidung fĂŒr „moralischen Verfall“ zu kennzeichnen, dem mit Bestrafung entgegengewirkt werden mĂŒsse. Auch heutige Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die von einer angeborenen sexuellen Orientierung ausgehen eine tolerantere Haltung gegenĂŒber Homosexuellen haben, als jene die es als persönliche Entscheidung sehen.[65]

In der Lesben- und Schwulenbewegung wird jede Forschung zu den Ursachen kritisch gesehen. Die Erfahrung der letzten 150 Jahre zeigt, dass Wissenschaftler, Mediziner, Psychologen und andere sich fĂŒr die Ursachen der Entwicklung sexueller Orientierungen, primĂ€r der homosexuellen Orientierung, interessiert haben. Als Teil dieser Studien haben viele versucht Homosexuelle zu erkennen, sowie sie zu „heilen“, wobei das Ergebnis nicht zwingend HeterosexualitĂ€t sein musste. Auch biologische Forschung wurde schon gegen Homosexuelle eingesetzt. Dies kann vor allem bei Menschen die HomosexualitĂ€t als unnatĂŒrlich, abnormal oder krankhaft beziehungsweise als Symptom einer Krankheit ansehen, Begehrlichkeiten wecken. Selbst Menschen, denen Schwule und Lesben sympathisch sind, und aktiv unterstĂŒtzende Eltern homosexueller Kindern wollen meist heterosexuelle Kinder, und sei es nur aus Angst vor den potentiell negativen Folgen von Heterosexismus und Homophobie in der Gesellschaft. Zu beachten ist auch, dass Untersuchungsergebnisse nicht in der westlichen Welt verbleiben, sondern global verfĂŒgbar sind. An einer UniversitĂ€t in Singapur, wo damals gleichgeschlechtliche Akte mit bis zu lebenslanger Haft bestraft werden konnten, fragten die Psychiater ob ein pre-symtomatischer Test ohne der Möglichkeit einer Behandlung angeboten werden sollte. WĂ€hrend zu Zeiten Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) eine angeborene biologische Ursache als gegeben hingenommen werden musste, wĂ€re heutzutage sogar ein "homosexuelles Gen" potentiell per PrĂ€nataldiagnostik erkennbar und man könnte darauf mit selektiver Abtreibung oder Gentherapie reagieren.[66][67][68][69] BefĂŒrworter eines Recht der Eltern auf Selektion sind beispielsweise Aaron S. Greenberg und J. Michael Bailey.[70][71] Kulturell wurde das Thema im 1993 uraufgefĂŒhrten StĂŒck The Twilight of the Golds / Der letzte Gold von Jonathan Tolins behandelt, welches 1997 mit alternativem Ende verfilmt wurde.

Eine fundierte Zusammenfassung und Kritik der aktuelleren AnsÀtze und Untersuchungen zur mÀnnlichen HomosexualitÀt lieferte etwa Robert Allen Brookey 2002 mit seinem Band Reinventing the Male Homosexual. The Power and Rhetorics of the Gay Gene.

In einer statistischen Studie aus Schweden von 2008 mit Daten eineiiger Zwillinge, von denen mindestens einer irgendwann einen gleichgeschlechtlichen Sexualpartner hatte (7% aller Zwillinge), zeigte sich, dass komplexe Faktoren das Geschlecht des gewĂ€hlten Partners beeinflussen. Pauschal errechneten sie einen anteiligen Einfluss von 0-17% fĂŒr das gemeinsame Umfeld, 18-39% fĂŒr (gemeinsame) genetische Faktoren und 61-66% fĂŒr individuelle LebensumstĂ€nde, die schon wĂ€hrend der Schwangerschaft beginnen und durchaus biologische Faktoren beinhalten können sowie als weitere Faktoren beispielsweise physische und psychische Traumata, Peergroups und sexuelle Erfahrungen enthalten. Aufgesplittet nach Geschlechtern ist bei MĂ€nnern der genetische Anteil stĂ€rker (35% zu 18%) und das gemeinsame Umfeld hat so gut wie keine Auswirkung auf das Sexualverhalten (bei Frauen 16%).[72][73]

Abgesehen von den bisher angeschnittenen Ursachen kann es bei der der Behandlung verschiedener Krankheiten mit Dopaminagonisten bei bestimmten Personen zu Nebenwirkungen wie HypersexualitÀt und kompulsiven homosexuellen Verhalten kommen. Dabei ist keine homosexuelle Orientierung gegeben und nach Absetzen des Medikaments verschwinden die Symptome.

Genetik

In der Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchte der Zwillingsforscher Franz Josef Kallmann menschliche Familien und insbesondere Zwillinge.[74] Bei einer Stichprobe von 40 eineiigen und 45 zweieiigen mĂ€nnlichen Zwillingspaaren, von denen mindestens ein Bruder sich selbst als schwul bezeichnete, fand er heraus, dass bei 100 % der eineiigen Zwillinge der andere Bruder auch schwul war und dass bei den zweieiigen Zwillingen diese in diesem Punkt der allgemeinen mĂ€nnlichen Bevölkerung glichen. Andere wie Willhart S. Schlegel fanden Ă€hnliche genetische Komponenten der sexuellen Orientierung, diese Arbeiten wurden jedoch in den 1960er Jahren abgelehnt, weil sie nicht dem damals herrschenden Zeitgeist entsprachen, der homosexuelle Handlungen mit Gesetzen verfolgte, die mit einer erblichen Veranlagung schwer vereinbar gewesen wĂ€ren (vgl. auch[75]).

1993 entdeckte der amerikanische Forscher Dean Hamer einen Bereich auf dem X-Chromosom, den er mit HomosexualitĂ€t in Verbindung brachte.[76] Es handelt sich dabei um einen sogenannten genetischen Marker, der bei einem bestimmten Typ von HomosexualitĂ€t etwas wahrscheinlicher vorkam als bei anderen. Die Annahme bestĂ€tigte sich zunĂ€chst, weil eineiige ZwillingsbrĂŒder, die diesen Chromosomenabschnitt trugen, beide schwul waren.

Eine Nachuntersuchung des Jahres 1999 an 46 anderen eineiigen ZwillingsbrĂŒderpaaren relativierte allerdings diese Ergebnisse, weil nur bei rund der HĂ€lfte der diesmal untersuchten Zwillingspaare in beiden FĂ€llen HomosexualitĂ€t festgestellt wurde. Als Ergebnis bleibt jedoch, dass eineiige Zwillinge eine signifikant höhere Übereinstimmung in der sexuellen Orientierung haben als Menschen mit unterschiedlichem Erbgut.

Bei all diesen Untersuchungen ist jedoch zu beachten, dass eine vorhandene homosexuelle Neigung nicht immer sicher objektiv festgestellt werden kann. Probanden können dazu neigen, eine vorhandene homosexuelle Orientierung aus Scham zu verschweigen. Es kann außerdem sein, dass sie noch nicht ihr inneres Coming-out hatten und sich ihrer tatsĂ€chlichen sexuellen Orientierung noch gar nicht bewusst sind. Das fĂŒhrt dazu, dass die Zahl der homosexuellen Probanden in entsprechenden Studien regelmĂ€ĂŸig geringer erscheint, als sie tatsĂ€chlich ist, und so die Ergebnisse von Studien erheblich verfĂ€lscht werden. Dazu kommt, dass die Stichproben in allen diesen Studien nur sehr klein waren.

Es scheint so zu sein, dass es wahrscheinlich kein einzelnes HomosexualitĂ€ts-Gen gibt. Andererseits kann als gesichert angenommen werden, dass eine genetische Veranlagung zur bzw. EmpfĂ€nglichkeit fĂŒr HomosexualitĂ€t existiert. Wie groß der Einfluss der Gene tatsĂ€chlich ist, ist zwar noch unbekannt, es kann jedoch ausgeschlossen werden, dass die Gene keine Rolle spielen. Denkbar sind unter anderem eine Kombination von verschiedenen Erbfaktoren, eine Kombination von Erbfaktoren und hormoneller PrĂ€gung wĂ€hrend der Schwangerschaft oder auch eine Kombination genetischer und sozialer Faktoren.

Endokrinologie

Eine Theorie, die auf Forschungsarbeiten des deutschen Endokrinologen und Sexualwissenschaftlers GĂŒnter Dörner zurĂŒckgeht, besagt, dass Stresshormone in der Schwangerschaft fĂŒr HomosexualitĂ€t verantwortlich sind. Bei mĂ€nnlichen Föten verhindern sie, dass deren Gehirn, das zunĂ€chst keine Unterschiede zu einem weiblichen hat, durch bestimmte Hormone ein mĂ€nnliches Geschlecht bekommt. Diese das Gehirn modifizierenden Hormone „vermĂ€nnlichen“ das Gehirn des mĂ€nnlichen Babys normalerweise in der Schwangerschaft in drei Phasen, von denen jede durch Stress gestört werden kann. Zur lesbischen Anlage findet sich eine analoge Aussage, nĂ€mlich, dass diese das Produkt von sehr „entspannten“ MĂŒttern sind, deren VermĂ€nnlichungshormone mangels Stress seltener ausgeblieben sind.

Allerdings wenden Kritiker dieser und Ă€hnlicher Theorien ein, dass es sich bei der Annahme, dass schwule MĂ€nner irgendwie „weiblicher“ sein mĂŒssten als heterosexuelle, oder lesbische Frauen „mĂ€nnlicher“, lediglich um ein heteronormatives Postulat handelt, welches keinesfalls bewiesen ist. Es erklĂ€rt ebenfalls nicht, warum schwule MĂ€nner einen anderen „verweiblichten“ Mann gegenĂŒber einer „vermĂ€nnlichten“ Frau als Partner bevorzugen sollten (siehe auch Straight acting).

In einer Veröffentlichung der schwedischen Forscher Ivanka Savic und Per Lindström vom Karolinska-Institut in Stockholm in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ wird von Unterschieden in der Gehirnstruktur von homosexuellen und heterosexuellen Menschen berichtet.[77] Darin wird beschrieben, dass die Gehirne von homosexuellen Frauen und heterosexuellen MĂ€nnern eine Ă€hnliche Asymmetrie aufweisen, da die rechte HirnhĂ€lfte ein wenig grĂ¶ĂŸer ist als die linke. Bei homosexuellen MĂ€nnern und heterosexuellen Frauen fanden sich keine solchen GrĂ¶ĂŸenunterschiede.

Weiterhin wird von unterschiedlich stark ausgeprĂ€gten Nervenzellverbindungen in der Amygdala, einem Teil des limbischen Systems, berichtet. Hier zeigten sich die gleichen ZusammenhĂ€nge wie bei den unterschiedlichen GehirngrĂ¶ĂŸen: In den Gehirnen von homosexuellen Frauen und heterosexuellen MĂ€nnern waren die Amygdala-Verbindungen in der rechten HirnhĂ€lfte stĂ€rker ausgeprĂ€gt als in der linken. Bei homosexuellen MĂ€nnern und heterosexuellen Frauen waren die Amygdala-Verbindungen in der linken HirnhĂ€lfte ausgeprĂ€gter. Diese lassen sich, so die Forscher, bereits bei Babys unmittelbar nach der Geburt nachweisen.

Genetische Unterschiede, so die Forscher, seien wahrscheinlich nicht fĂŒr diese Unterschiede verantwortlich, ebenso wenig Wahrnehmung und erlerntes Verhalten. Welche Mechanismen fĂŒr die unterschiedliche Entwicklung verantwortlich sind und, ob diese prĂ€natal oder erst nach unmittelbar nach der Geburt eine Rolle spielen, ist nicht bekannt.[78]

1996 veröffentlichten Anthony Bogaert und Ray Blanchard von der Brock University in Kanada eine Untersuchung, wonach statistisch gesehen jĂŒngere BrĂŒder eher homosexuell werden als Ă€ltere BrĂŒder.[79] Nach ihren Daten steigt die Wahrscheinlichkeit der HomosexualitĂ€t bei jedem weiteren mĂ€nnlichen Nachkommen um ein Drittel. In einer Nachfolgeuntersuchung konnte Bogaert zudem belegen, dass dieser Effekt nicht nachtrĂ€glich durch familiĂ€re VerhĂ€ltnisse (zum Beispiel Adoption) beeinflusst wird, sondern ein rein biologischer Effekt ist. Bogaert vermutet, dass beim Tragen des ersten mĂ€nnlichen Kindes gewisse unbekannte biochemische Prozesse bei der Mutter ausgelöst werden, die sich bei jedem weiteren mĂ€nnlichen Nachkommen verstĂ€rken und zu diesem Effekt fĂŒhren.

Evolutionstheorie

Unter der Annahme, HomosexualitĂ€t sei genetisch disponiert oder die Ausbildung sei genetisch mit beeinflussst, wird die Frage nach dem evolutionĂ€ren Nutzen gestellt, da Eigenschaften, welche die Fortpflanzung einer Art verringern, als schĂ€dlich eingestuft werden. Da die als wahrscheinlich anzusehende HĂ€ufigkeit von HomosexualitĂ€t als nicht vernachlĂ€ssigbare GrĂ¶ĂŸe angesehen werden kann, wird in der Wissenschaft die Frage erörtert, ob HomosexualitĂ€t oder homosexuelles Verhalten, gerade auch in sozial lebenden Arten, einen evolutionĂ€ren Vorteil haben könnte, oder aber die offensichtlichen Nachteile bezĂŒglich der Vermehrungsraten durch andere Vorteile oder Verhaltensweise kompensiert werden könnten.

Verschiedene Thesen werden erörtert, die jedoch bisher nicht ausreichend belegt oder bewiesen werden konnten:

  • Der Verzicht auf eigene Kinder könnte durch Verwandtenselektion der Sippe dienen, da sie dafĂŒr sorgt, dass sich eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Menschen um die Nachkommen kĂŒmmern kann. Dies könnte bewirken, dass der Verzicht auf eigene Kinder auch der Mitversorgung der genetisch nahe verwandten Neffen und Nichten dient, und somit auch den eigenen Genen den Fortbestand erleichtert (siehe auch „Das egoistische Gen“). Diese Theorie erklĂ€rt allerdings nicht den evolutionstheoretischen Nutzen der HomosexualitĂ€t, da asexuelles Verhalten oder Veranlagung den gleichen Effekt hĂ€tten. [80]
  • Weibliche Verwandte homosexueller MĂ€nner scheinen fruchtbarer zu sein. Eine Studie der UniversitĂ€t Padua kam zu dem Ergebnis das weibliche Verwandte mĂŒtterlicherseits mehr Nachkommen haben als der Durchschnitt. Unter der Voraussetzung, dass Gene, welche auch zur die Ausbildung der HomosexualitĂ€t beitragen, mĂŒtterlicherseits vererbt werden und auch fĂŒr die höhere Fruchtbarkeit verantwortlich sind, könnte dies den Nachteil kompensieren oder sogar ĂŒberkompensieren. [81] [82]


Homosexuelles Verhalten bei Tieren

Australische TrauerschwÀne

Homosexuelles Verhalten kommt auch bei Tieren vor[83] und kann im Tierreich „als nahezu universelles PhĂ€nomen“ bezeichnet werden.[84] Bei ca. 1.500 Tierarten wurde gleichgeschlechtliches Verhalten festgestellt, wobei ca. ein Drittel dieser FĂ€lle gut dokumentiert ist.[85] Homosexuelles Verhalten lĂ€sst sich beispielsweise bei den Bonobos beobachten, die ĂŒber eine fĂŒr Menschenaffen ungewöhnliche matriarchale Organisationsstruktur verfĂŒgen. DarĂŒber hinaus kann man Bonobos belegbar als grundsĂ€tzlich bisexuelle Tierart betrachten. Mehr als fĂŒr mĂ€nnliche HomosexualitĂ€t sind Bonobos vor allem fĂŒr ihren Lesbianismus bekannt.

Einige TrauerschwÀne Australiens bilden sexuell aktive mÀnnliche Paare, die entweder Nester stehlen oder zeitweilige Dreierbeziehungen mit Weibchen eingehen, um in den Besitz von Eiern zu gelangen. Sobald die Eier gelegt sind, wird das Weibchen vertrieben. Der von homosexuellen Paaren aufgezogene Nachwuchs erreicht das Erwachsenenalter dabei hÀufiger als derjenige von gemischtgeschlechtlichen Paaren.

Im Zoo von Bremerhaven leben momentan drei homosexuelle Paare von Pinguinen, die auch nach dem Import mehrerer schwedischer Pinguinweibchen ihre Beziehung fortsetzen.[86] Die AnkĂŒndigung des Versuchs erregte vor allem durch die unsensible Wortwahl weltweites Aufsehen und Proteste.[87] Inzwischen zieht eines der Paare auch ein KĂŒken groß.[88]

Unter vielen Delfinarten gibt es zahlreiche Formen homosexuellen Verhaltens. Diese Verhaltensweisen treten unter anderem aus GrĂŒnden der Festigung von Beziehungen in einer Delfinschule sowie beim Dominanzkampf zwischen MĂ€nnchen auf, zeigen sich also in verschiedenen sozialen Situationen.

Die Fachzeitschrift Nature berichtete im Oktober 2006 von der ersten wissenschaftlichen Ausstellung ĂŒber HomosexualitĂ€t bei Tieren im Osloer Naturhistorischen Museum. Dort ist z. B. von zwei mĂ€nnlichen Walen (SĂŒdkaper) mit erigierten Penissen „bei Sexspielen“ („engaged in sexual games“)[89] und von zwei mĂ€nnlichen Giraffen beim erfolgreichen Versuch einer analen Penetration mit Ejakulation zu lesen. In einer Feldstudie unter mĂ€nnlichen Giraffen wurde sogar beobachtet, dass HomosexualitĂ€t "94 percent of all observed sexual activity"[90] ausmachte (der Anteil liegt nie unter 30 %); ein Wert, der bei keiner anderen Art beobachtet wurde und trotzdem keineswegs zum Aussterben der Giraffen fĂŒhrt.

Service, Hilfe und Lobbying fĂŒr homosexuelle Menschen

International
  • ILGA â€“ International Lesbian and Gay Association
Deutschland

Siehe auch HomosexualitÀt in Deutschland#Vereine und Organisationen

  • Lesben- und Schwulenverband in Deutschland â€“ grĂ¶ĂŸte BĂŒrgerrechts-, Selbsthilfe- und Wohlfahrtsorganisation fĂŒr Lesben und Schwule in Deutschland
  • Lambda â€“ schwullesbischer Jugendverband Deutschlands
  • BEFAH â€“ Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen
  • Maneo â€“ schwules Überfalltelefon und Opferhilfe Berlin


Österreich
  • HOSI â€“ Die Homosexuellen Initiativen Österreichs â€“ Wien, Linz, Salzburg, Tirol, Vorarlberg
  • Rosalila PantherInnen Graz [2]/Steiermark
  • identity queer â€“ LesBiSchwule Gruppe an den Wiener UniversitĂ€ten
  • Wiener Antidiskriminierungsstelle â€“ Informationen der Stadt Wien fĂŒr Lesben, Schwule und TransGenderpersonen
  • Rechtskomitee Lambda â€“ Lobbygruppe zur Verbesserung der rechtlichen Situation
  • Courage-Beratung â€“ PartnerInnen-, Familien- und Sexualberatung (Wien)
  • HoMed â€“ Homosexuelle im Gesundheitswesen
  • Rosa Lila Villa â€“ Lesben- und Schwulenhaus Wien
  • Jugendgruppe aqueerium [3]/Steiermark
  • Jugendprojekt Liebeist. [4]/Steiermark
Schweiz
  • Pink Cross â€“ Nationaler Dachverband der homosexuellen MĂ€nner in der Schweiz
  • LOS â€“ Lesbenorganisation Schweiz
  • ediagonal â€“ Nationaler Dachverband lesbischwuler Jugendorganisationen

Siehe auch: HomosexualitÀt in der Schweiz, Geschichte der HomosexualitÀt in der Schweiz

Luxemburg
  • Rosa Letzebuerg
  • Cigale: Centre d’Information GAy et LEsbien
Beratungsstellen

Es gibt in sehr vielen StĂ€dten Rosa Telefone, um betroffene Menschen und Angehörige zu beraten. Die Beratung erfolgt anonym. Die meisten haben bundeseinheitlich die Nummer 19446. In einigen StĂ€dten gibt es auch sogenannte Überfalltelefone fĂŒr Opfer antihomosexueller Gewalt. Die meisten haben bundeseinheitlich die Nummer 19228.

Des Weiteren gibt es hĂ€ufig Coming-out-Gruppen, auch speziell fĂŒr Jugendliche.

Eine große Bedeutung hat mittlerweile die Onlineberatung. Sie wird von verschiedenen TrĂ€gern angeboten.

Beratungsstellen, die entgegen der herrschenden Meinung an eine VerĂ€nderlichkeit der sexuellen Orientierung glauben, sind eher selten. Sie gehören meist der sogenannten Ex-Gay-Bewegung an, die von christlichen Fundamentalisten in den Vereinigten Staaten als Teil eines „Kulturkampfs“ gegen die „Ausbreitung der HomosexualitĂ€t“ gegrĂŒndet wurde, inzwischen aber auch in Deutschland durch die Laienseelsorgeorganisation Wuestenstrom vertreten ist. Aufgrund ihres „Potentials, Schaden zuzufĂŒgen“ (American Psychological Association) warnen viele grĂ¶ĂŸere psychologische und medizinische FachverbĂ€nde vor einer Teilnahme an solchen Programmen. Einige Teilnehmer berichten von VerĂ€nderung ihrer SexualitĂ€t, doch diese Äußerungen sind Ă€ußerst kritisch zu sehen. Jeremy Marks, 14 Jahre lang einer der WortfĂŒhrer der christlichen Ex-Gay-Bewegung in Großbritannien, hat seine Ansichten ĂŒber die „Heilbarkeit“ von HomosexualitĂ€t revidiert. Marks hat geĂ€ußert, dass er niemals in der Lage gewesen sei, seine sexuelle Orientierung oder die Orientierung anderer Menschen zu verĂ€ndern. „Keiner der Menschen, die ich betreut habe, hat seine sexuelle Orientierung geĂ€ndert, egal wie viel MĂŒhe und Gebete er auch investiert hat“. Der ehrliche Weg bringe einen grĂ¶ĂŸeren Nutzen. â€“ Selbst der wohl bekannteste Vertreter der VerĂ€nderungstheorie in Deutschland, Markus Hoffmann, Leiter der Laienseelsorgeorganisation WĂŒstenstrom, rĂ€umt ein, dass er auch nach lĂ€ngeren und erheblichen VerĂ€nderungsbemĂŒhungen immer noch homoerotische GefĂŒhle hat. â€“ GĂŒnter Baum, der VorgĂ€nger von Markus Hoffmann als Leiter bei WĂŒstenstrom, sagt heute: „In all den Jahren bei WĂŒstenstrom hat sich an meinen schwulen GefĂŒhlen nichts geĂ€ndert. Ich habe mir wirklich viel MĂŒhe gegeben“. Die Therapien seien wie eine Haartönung: „Man kann sich so viel Blond ins Haar schmieren wie man will â€“ die eigentliche Haarfarbe kommt immer wieder durch“.

In wissenschaftlicher Hinsicht berufen sich viele dieser Gruppen auf die Studie von Robert L. Spitzer.[91]

Finanzielle Hilfe fĂŒr Gruppen und Initiativen

Literatur

HomosexualitÀt und Gesellschaft
  • B. R. Burg (Hrsg.): Gay Warriors: A Documentary History from the Ancient World to the Present. New York 2002, ISBN 0-8147-9886-1.
  • Martin Dannecker, Reimut Reiche: Der gewöhnliche Homosexuelle: eine soziologische Untersuchung ĂŒber mĂ€nnliche Homosexuelle in der Bundesrepublik. Frankfurt a. M. 1974, ISBN 3-10-014801-0.
  • Axel KrĂ€mer: Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde. Querverlag 2005, ISBN 3-89656-115-4.
  • Stephen O. Murray: Homosexualities. Chicago/London 2000, ISBN 0-226-55195-4. (Sozioethnologischer Überblick ĂŒber verschiedene Kulturen)
  • Norbert Zillich: Homosexuelle MĂ€nner im Arbeitsleben. Campus-Verlag, Frankfurt a. M. 1988, ISBN 3-593-33992-7.
  • Thomas Grossmann: Eine Liebe wie jede andere. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1981, 980-ISBN 3-499-18451-6
  • Bettina v. Kleist: Mein Mann liebt einen Mann. Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewĂ€ltigen. Fallbeispiele. Ch. Links Verlag, Berlin 2003
HomosexualitÀt und Wirtschaft
EuropÀische Ethnologie
  • Alan Bray: Homosexuality in Renaissance England. New York 1982, ISBN 0-231-10289-5.
  • Andrew Calimach: Lovers' Legends. The Gay Greek Myths. Haiduk Press, New Rochelle 2002, ISBN 0-9714686-0-5.
  • Kenneth J. Dover: HomosexualitĂ€t in der griechischen Antike., Übersetzt von Susan Worcester. C. H. Beck Verlag, MĂŒnchen 1983, ISBN 3-406-07374-3 (erstmals engl.: 1978)
  • Lillian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. New York 1998, ISBN 0-688-13330-4.
  • Michel Foucault: Der Wille zum Wissen: SexualitĂ€t und Wahrheit. Band 1. Frankfurt a. M. 1993, ISBN 3-518-28316-2. Frz. Orig. La VolontĂ© de savoir, 1976
  • John C. Hawley (Hrsg.): Post-colonial, Queer: Theoretical Intersections. Albany (NY) 2001, ISBN 0-7914-5092-9.
  • Jonathan Ned Katz: Love Stories: Sex between Men before Homosexuality. Chicago/London 2001, ISBN 0-226-42615-7.
  • Mary McIntosh: The Homosexual Role. In: Steven Seidman (Hrsg.): Queer Theory/Sociology. Cambridge (Mass) / Oxford 1996, ISBN 1-55786-740-2.
  • Michael Rocke: Forbidden Friendships: Homosexuality and Male Culture in Renaissance Florence. New York / Oxford 1996, ISBN 0-19-512292-5.
Geschichte und HomosexualitÀt
  • Robert Aldrich (Hrsg.): Gleich und anders. Eine globale Geschichte der HomosexualitĂ€t. Murmann-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 978-3-938017-81-4.
  • John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality: Gay People in Western Europe from the Beginning of the Christian Era to the Fourteenth Century. University of Chicago Press, 2005, ISBN 0-226-06711-4 (engl.)
  • Lutz van Dijk: Homosexuelle: Zwischen Todesstrafe und Emanzipation. MĂŒnchen 2001, ISBN 3-570-14612-X.
  • Lillian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. Harper Paperbacks, Neuausgabe 1998, ISBN 0-688-13330-4. (engl.)
  • Bernd-Ulrich Hergemöller, EinfĂŒhrung in die Historiographie der HomosexualitĂ€ten. edition diskord, TĂŒbingen 1999, ISBN 3-89295-678-2.
  • Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich. Verlag F. Schöningh, Paderborn 1990, ISBN 3-506-77482-4.
  • Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormierung der islamischen Welt. MĂ€nnerschwarm Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-939542-34-6, Rezension
  • Friedrich Koch: Sexuelle Denunziation. Die SexualitĂ€t in der politischen Auseinandersetzung. 2.Aufl., Hamburg 1995. ISBN 3434462295
  • Martin LĂŒcke: MĂ€nnlichkeit in Unordnung. HomosexualitĂ€t und mĂ€nnliche Prostitution in Kaiserreich und Weimarer Republik (= Geschichte und Geschlechter; Bd. 58), Campus. Frankfurt/M. 2008, ISBN 978-3-593-38751-2 (Rezension)
  • Jan-Henrik Peters: Verfolgt und Vergessen: Homosexuelle in Mecklenburg und Vorpommern im Dritten Reich. Herausgegeben von Falk Koop im Auftrag des Landesverbandes der Lesben und Schwulen Mecklenburg-Vorpommern „Gaymeinsam e. V.“ Ingo Koch Verlag, Rostock 2004, ISBN 3-937179-95-X.
  • Andreas Pretzel und Gabriele Roßbach: Wegen der zu erwartenden hohen Strafe. Homosexuellenverfolgung in Berlin 1933–1945. Herausgegeben vom Kulturring in Berlin e. V., Verlag rosa Winkel, Berlin 2000, ISBN 3-86149-095-1.
  • Christoph Schlatter: "MerkwĂŒrdigerweise bekam ich Neigung zu Burschen". Selbstbilder und Fremdbilder homosexueller MĂ€nner in Schaffhausen 1867 bis 1970. ZĂŒrich 2002, ISBN 3-0340-0524-5
  • Schwules Museum (Hrsg.), Akademie der KĂŒnste (Hrsg.): Goodbye to Berlin? 100 Jahre Schwulenbewegung; eine Ausstellung des Schwulen Museums und der Akademie der KĂŒnste, 17. Mai bis 17. August 1997. Berlin 1997, ISBN 3-86149-062-5.
  • Hans-Georg StĂŒmke: Homosexuelle in Deutschland: eine politische Geschichte. MĂŒnchen 1989, ISBN 3-406-33130-0.
  • Joachim S. Hohmann: Der unheimlische Sexus: Homosexuelle Belletristik in Deutschland von 1900 bis heute. Foerster-Verlag, Berlin 1982, ISBN 3-922257-42-9.
  • Wolfgang Harthauser (Pseudonym fĂŒr Reimar Lenz): Der Massenmord an Homosexuellen im Dritten Reich. In:[92] Dr. Willhart S. Schlegel: Das große Tabu. Zeugnisse und Dokumente zum Problem der HomosexualitĂ€t. RĂŒtten und Loening Verlag, 1967
HomosexualitÀt und Psychologie
  • Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher HomosexualitĂ€t. 1920. In: Sigmund Freud: Studienausgabe. Band VII. Frankfurt a. M. 2000, ISBN 3-10-822727-0.
  • Richard A. Isay: Schwul sein. Die psychologische Entwicklung des Homosexuellen. Piper, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-492-11683-3 (Original 1989: Being homosexual. Gay men and their development. Farrar, Straus, and Giroux, New York)
  • Udo Rauchfleisch: Schwule, Lesben, Bisexuelle. Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-01425-2.
  • Kurt Wiesendanger: Schwule und Lesben in Psychotherapie, Seelsorge und Beratung, Vandenhoeck & Ruprecht, 2000, ISBN 3-525-45878-9
  • Charlotte Wolff: Love Between Women. Duckworth, London 1971 ISBN 0-7156-0579-8 (Deutscher Titel: Psychologie der Lesbischen Liebe. Eine empirische Studie der weiblichen HomosexualitĂ€t. Aus dem Englischen von Christel Buschmann. Rowohlt, Reinbek 1973 ISBN 3-499-68040-8).
HomosexualitÀt und Biologie
  • Bruce Bagemihl: Biologoical Exuberance. Animal Homosexuality and Natural Diversity, New York 2000, ISBN 0-312-25377-X
  • Robert Alan Brookey: Reinventing the Male Homosexual. The Rhetoric and Power of the Gay Gene. Bloomington 2002, ISBN 0-253-21512-9
  • Simon LeVay: Queer Science: The Use and Abuse of Research into Homosexuality. Cambridge (MA) / London 1997, ISBN 0-262-62119-3.
  • Florian Mildenberger: 
 in der Richtung der HomosexualitĂ€t verdorben: Psychiater, Kriminalpsychologen und Gerichtsmediziner ĂŒber mĂ€nnliche HomosexualitĂ€t 1850–1970. Hamburg 2002, ISBN 3-935596-15-4.
  • Vernon A. Rosario (Hrsg.): Science and Homosexualities. London 1997, ISBN 0-415-91502-3.
  • Newsletter der AG Wissenschaft zur HomosexualitĂ€t
HomosexualitÀt und BDSM
  • Samois: What Color is Your Handkerchief: A Lesbian S/M Sexuality Reader. SAMOIS, Berkeley 1979
  • Samois: Coming to Power. Writings and Graphics on Lesbian S/M. 3. Auflage. Alyson Publications, Boston 1987, ISBN 0-932870-28-7.
  • Larry Townsend: The Leatherman’s Handbook: Silver Jubilee Edition. Erweiterte Neuauflage. L. T. Publications, 2000, ISBN 1-881684-19-9.
  • Gayle Rubin: Sites, Settlements, and Urban Sex: Archaeology And The Study of Gay Leathermen in San Francisco 1955–1995. In: Robert Schmidt, Barbara Voss (Hrsg.): Archaeologies of Sexuality. London/Routledge, 2000, ISBN 0-415-22365-2.
  • Pat Califia: Speaking Sex to Power: The Politics of Queer Sex. Essays. Cleis Press, 2001, ISBN 1-57344-132-5.
  • Gayle Rubin: Studying Sexual Subcultures: the Ethnography of Gay Communities in Urban North America. In: Ellen Lewin, William Leap (Hrsg.): Out in Theory: The Emergence of Lesbian and Gay Anthropology. University of Illinois Press, Urbana 2002, ISBN 0-252-07076-3.
  • Gayle Rubin: Samois. In: Marc Stein (Hrsg.): Encyclopedia of Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender History in America. Charles Scribner’s Sons, 2003 PDF-Download
  • Gayle Rubin: Leather Times. Samois, 2004. Online unter leatherarchives.org

Siehe auch

 Portal:Homo- und BisexualitĂ€t – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Homo- und BisexualitĂ€t

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: HomosexualitĂ€t â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: HomosexualitĂ€t â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Historisches zur HomosexualitĂ€t â€“ Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. David Greenberg, The Construction of Homosexuality, Part II. The Construction of Modern Homosexuality (Chicago: University of Chicago Press, 1988), 301-454.
  2. ↑ a b Jody Daniel Skinner: Bezeichnungen fĂŒr das Homosexuelle im Deutschen – Band II, Ein Wörterbuch, Die Blaue Eule, Essen 1999, ISBN 3-89206-903-4; Dissertation an der UniversitĂ€t Koblenz-Landau 1998
  3. ↑ Magnus Hischfeld: Die HomosexualitĂ€t des Mannes und des Weibes. Verlag Louis Marcus, Berlin 1914, S. 10
  4. ↑ Ernest Bornemann: Ullstein EnzyklopĂ€die der SexualitĂ€t. Frankfurt am Main / Berlin 1990
  5. ↑ Siehe Oxford English Dictionary und Oxford Dictionary of English Etymology (ed. by C.T. Onions), je s.v.
  6. ↑ John Boswell. Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality. Chicago; London 1980. S. 58 f.
  7. ↑ Vgl. TNS Emnid, Presseunterlagen Eurogay-Studie „Schwules Leben in Deutschland“ (Hamburg 2001).
  8. ↑ Sex in Australia: sexual identity, sexual attraction and sexual experience among a representative sample of adults. NCBI Resources, 2003, abgerufen am 12. April 2011.
  9. ↑ Canadian Community Health Survey. Statistics Canada, 15. Juni 2004, abgerufen am 12. April 2011.
  10. ↑ Sarah Cassidy: Just 1.5 per cent of Britons are gay, says pioneering survey. The Independent, 24. September 2010, abgerufen am 12. April 2011.
  11. ↑ Anjani Chandra et al.: Sexual Behavior, Sexual Attraction, and Sexual Identity in the United States: Data from the 2006-2008 National Survey of Family Growth. US Department of Health and Human Services, MĂ€rz 2011, abgerufen am 15. MĂ€rz 2011.
  12. ↑ Alfred C. Kinsey, Das sexuelle Verhalten des Mannes (Berlin: S. Fischer, 1964), 600 f.
  13. ↑ Ebd., 605.
  14. ↑ Ebd., 327.
  15. ↑ Gunter Schmidt (Hrsg.), JugendsexualitĂ€t: Sozialer Wandel, Gruppenunterschiede, Konfliktfelder (Stuttgart: Enke, 1993), 35.
  16. ↑ Volkmar Sigusch, "JugendsexualitĂ€t - VerĂ€nderungen in den letzten Jahrzehnten", in: Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 20 (15. Mai 1998), Seite A-1240. http://www.bvvp.de/artikel/jugendsex.html
  17. ↑ Schmidt (Hrsg.), "JugendsexualitĂ€t", 35.
  18. ↑ Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (Hrsg.), JugendsexualitĂ€t: ReprĂ€sentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-JĂ€hrigen und ihren Eltern: Ergebnisse einer ReprĂ€sentativbefragung aus 2005 (Köln 2006), 84.
  19. ↑ a b c Tina Gianoulis: Situational Homosexuality, 3. MĂ€rz 2004 in: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture
  20. ↑ Brigitte Vetter: Psychiatrie: Ein systematisches Lehrbuch, Schattauer Verlag, 2007, ISBN 3-7945-2566-3
  21. ↑ Joe Kort: Straight Men who have Sex with Men (SMSM), 24. April 2008, in: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture
  22. ↑ 6.2.2 Das Sexualverhalten Jugendlicher in: Erwin J. Haeberle: Die SexualitĂ€t des Menschen – Handbuch und Atlas – 2., erweiterte Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, 1985
  23. ↑ „Situational Homosexuality“ in: Wayne R. Dynes (Hrsg.): The Encyclopedia of Homosexuality (Garland Reference Library of Social Science), Taylor & Francis, MĂ€rz 1990, ISBN 0-8240-6544-1
  24. ↑ Globalizing Homophobia, gigi.x-berg.de, erstveröffentlicht in Phase 2 Nr. 10, Dezember 2003
  25. ↑ Stephen Donaldson: A Million Jockers, Punks, and Queens, Stop Prisoner Rape: Sex among American Male Prisoners and its Implications for Concepts of Sexual Orientation, Stop Prisoner Rape, 4. Februar 1993; Jockers, Punks, Queens – Sex unter den mĂ€nnlichen us-amerikanischen Gefangenen und die Konsequenzen fĂŒr Theorien ĂŒber sexuelle Orientierung, deutsche Übersetzung bei archivtiger.de
  26. ↑ MilitĂ€r und Polizei bei rumĂ€nischem Gay Pride (Rik Nr. 274, Jg. 24, Juli 2008, S. 23)
  27. ↑ Tagesschau: Polen will „homosexuelle Agitation“ verbieten (nicht mehr online verfĂŒgbar). 14. MĂ€rz 2007
  28. ↑ finanzgericht.niedersachsen.de: Uneinigkeit beim NiedersĂ€chsischen Finanzgericht ĂŒber ZulĂ€ssigkeit der Zusammenveranlagung bei EinkommensteuererklĂ€rung
  29. ↑ Urteil vom 26. Januar 2006, 2 C 43.04
  30. ↑ Beschluss vom 20. September 2007, 2 BvR 855/06
  31. ↑ Urteil vom 29. April 2004, 6 AZR 101/03
  32. ↑ Instruktion ĂŒber Kriterien zur BerufungsklĂ€rung von Personen mit homosexuellen Tendenzen. Abgerufen am 31. Oktober 2010.
  33. ↑ [1] Bistum Essen schweigt zu kritischen FĂ€llen: Lesbisch Putzen als Verstoß gegen den Arbeitsvertrag
  34. ↑ presseportal.de: Völklinger Kreis e. V.: Trotz Antidiskriminierungs-Gesetz: Kolpingwerk entlĂ€sst Mitarbeiter, weil er homosexuell ist. 28. November 2006
  35. ↑ Kolpingwerk stellt schwulen Mitarbeiter wieder ein
  36. ↑ ekd.de: Theologische, staatskirchenrechtliche und dienstrechtliche Aspekte zum kirchlichen Umgang mit den rechtlichen Folgen der Eintragung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz. September 2002
  37. ↑ Kapitel 2 (f) "Toleranz"
  38. ↑ Kapitel 3c "Durchsetzen", 2.Absatz
  39. ↑ Kapitel I
  40. ↑ Kapitel III, 1., 1.Absatz
  41. ↑ SoldGG §1 (1)
  42. ↑ SoldGG §2 (1) 1.
  43. ↑ AHsAB e.V. Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr
  44. ↑ Vgl. Alan Bray, The Friend (Chicago: University of Chicago Press, 2006) sowie John Boswell, Same-Sex Unions in Premodern Europe (New York: Villard Books, 1994).
  45. ↑ archive.org: digitalisiertes Buch
  46. ↑ § 209 in Österreich: VfGH 21. Juni 2002, G 6/02
  47. ↑ Art. I Z. 19b, IX StRÄG 2002, BGBl I 134/2002
  48. ↑ Menschenrechtsgerichtshof verurteilt Österreich
  49. ↑ roteskreuz.at: Wer darf Blutspenden?
  50. ↑ dkms.de: Voraussetzungen fĂŒr die Organspende
  51. ↑ BundesĂ€rztekammer.de: BundesĂ€rztekammer, ErlĂ€uterungen zum Blutspende-Ausschluss von MĂ€nnern, die Sexualverkehr mit MĂ€nnern haben (MSM)
  52. ↑ a b Sigmund Freud Briefe 1873–1939, London 1960
  53. ↑ Sigmund Freud, "Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher HomosexualitĂ€t", in: Sigmund Freud, Studienausgabe Band VII: Zwang, Paranoia und Perversion (Frankfurt a. M.: Fischer TB, 2000); (hier online, S. 4).
  54. ↑ Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. 1905
  55. ↑ Reinhard Kreische: HomosexualitĂ€t: Angst vor Fremdem. In: PP43, MĂ€rz 2005, 120
  56. ↑ Sigmund Freud, "Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher HomosexualitĂ€t", in: Sigmund Freud, Studienausgabe Band VII: Zwang, Paranoia und Perversion (Frankfurt a. M.: Fischer TB, 2000), 261. Vgl. http://www.psychanalyse.lu/articles/FreudWeiblicheHomosexualitaet.pdf
  57. ↑ Ebd.
  58. ↑ Mertens/Waldvogel, Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe, 2000
  59. ↑ Stumm/Pritz, Wörterbuch der Psychotherapie, Wien, New York 2000, 278
  60. ↑ Johannes Cremerius: Die Zukunft der Psychoanalyse, in: Kuster: Entfernte Wahrheit. Von der Endlichkeit der Psychoanalyse. TĂŒbingen 1992, hier zitiert nach August Ruhs
  61. ↑ Socarides, Charles: Bedeutung und Inhalt von Abweichungen im Sexualverhalten. In: Psychologie des 20. Jahrhunderts, Band II. Kindler, MĂŒnchen 1976 (S. 707–737).
  62. ↑ Haldeman, D.: The Pseudo-science of Sexual Orientation Conversion Therapy in: Angles, 4 (1), 1–4. Washington, DC: Institute for Gay and Lesbian Strategic Studies. (Online bei Archive.org)
  63. ↑ Deutscher Bundestag: Antihomosexuelle Seminare und pseudowissenschaftliche Therapieangebote religiöser Fundamentalisten
  64. ↑ http://findarticles.com/p/articles/mi_hb3491/is_/ai_n29218783
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  92. ↑ http://d-nb.info/456820981 Im Archiv der Deutschen Nationalbibliothek
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