Homosexuelle

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Homosexuelle
Schwule Zweisamkeit
Lesbische Romantik

HomosexualitĂ€t (bzw. Homophilie) ist eine sexuelle Orientierung, bei der Liebe, Romantik und sexuelles Begehren ausschließlich oder vorwiegend fĂŒr Personen des eigenen Geschlechts empfunden werden. Homosexuelle Frauen werden auch Lesben und homosexuelle MĂ€nner auch Schwule genannt. Das Adjektiv homosexuell wird auch auf sexuelle Handlungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts angewendet, die nicht schwul oder lesbisch sind.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff HomosexualitÀt

Karl-Maria Kertbeny prÀgte 1868 den Begriff HomosexualitÀt

→ Übersicht: Bezeichnungen fĂŒr HomosexualitĂ€ten

Der Begriff „HomosexualitĂ€t“ ist eine hybride Wortneubildung aus dem Jahre 1868, geprĂ€gt vom Schriftsteller Karl Maria Kertbeny aus Griech. ᜁΌόÎčÎżÏ‚ homoios „gleich, gleichartig“ und lat. sexus „das mĂ€nnliche und das weibliche Geschlecht“. Gleichzeitig prĂ€gte er als Antonym den Begriff „HeterosexualitĂ€t“. Richard von Krafft-Ebing sorgte ab 1886 mit seinem Werk Psychopathia sexualis fĂŒr eine große Verbreitung.[1] Die spĂ€ter entstandene deutsche Übersetzung lautet Gleichgeschlechtlichkeit.

Hintergrund fĂŒr diese und andere Wortbildungen war, dass es in der Neuzeit bis Mitte des 19. Jahrhunderts keinen ĂŒberlieferten wertneutralen Begriff fĂŒr gleichgeschlechtliches Empfinden gab. Vier Jahre vor Kertbeny fĂŒhrte Karl Heinrich Ulrichs 1864 die Begriffe „Uranismus“, „Urning“ (mĂ€nnlich) und „Urninde“ (weiblich) ein. Zwei Jahre nach Kertbeny und noch vor dem Erscheinen der Psychopathia sexualis prĂ€gte Carl Westphal 1870 den Begriff der „contrĂ€ren Sexualempfindung“. Alle drei Begriffe wurden je nach Vorliebe verwendet. Magnus Hirschfeld berichtet 1914, dass sich der Begriff „HomosexualitĂ€t“ durchgesetzt hat.[2]

Erste Nennung des Wortes homosexual (in einem Brief des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Karl Maria Kertbeny)

Gleichzeitig merkte Hirschfeld aber zwei große Nachteile durch die Polysemie des Begriffs an, die bis heute bestehen.

  1. Wenn der Begriff homo im Bereich des Menschen verwendet wird, geschieht dies meist in der lateinischen Form, und dort bedeutet er „Mann“ oder „Mensch“ und nicht „gleich“. Weil der zweite Teil des Wortes ebenfalls aus dem Lateinischen stammt, wird diese Verwechslung gefördert. Somit wird homo sehr oft mit „Mann“ gleichgesetzt, und HomosexualitĂ€t somit zur rein „mĂ€nnlichen HomosexualitĂ€t“. Dadurch kommt es, vor allem durch Personen, die sich nur gelegentlich mit dem Thema beschĂ€ftigen, des Öfteren zu skurrilen, teilweise redundanten Formulierungen wie „Homosexuelle und Lesben“. Im Jahre 1990 weist das Wörterbuch Richtige Wortwahl auf zwei verschiedene Verwendungen hin: „HomosexualitĂ€t wird in der medizinischen Fachsprache auf MĂ€nner und Frauen bezogen, in der Alltagssprache dagegen nur auf MĂ€nner.“[3] Besonders trifft dies auf das Substantiv „Homosexueller“ zu. In der 17. Auflage des Duden (1976–1981) fĂŒgt die Redaktion der ErklĂ€rung von HomosexualitĂ€t die Bemerkung „bes. von Mann zu Mann“ hinzu, in der darauffolgenden Ausgabe (1993–1995) wurde dieser Hinweis entfernt. Möglicherweise Ă€ndert sich der Begriff ganz langsam allgemein zu seiner etymologischen Bedeutung.
  2. Noch verhÀngnisvoller fand Hirschfeld den Umstand, dass unter dem Eindruck der Endung -sexuell das Wort vielfach nicht im Sinne gleichgeschlechtlicher Artung oder Orientierung erfasst und gebraucht wird, sondern im Sinne einer sexuellen Handlung. Bleibtreu-Ehrenberg weist 1981 darauf hin, dass selbst der Gutwillige keinen wertneutraleren Begriff kennt, dieser aber das homosexuelle Einzelindividuum stark auf einen Teilaspekt, die SexualitÀt, reduziert und dadurch einengt.[4]

Ernest Borneman weist 1990 auf öffentliche Umfragen hin, bei denen die Mehrzahl der Deutschen glaubt, dass HomosexualitĂ€t „Geschlechtsverkehr unter MĂ€nnern“ bedeutet.[5]

In der Anfangszeit der Bewegung und der Sexualwissenschaft gab es noch diverse andere neu geprĂ€gte Begriffe. Im Jahre 1910 wird der Eindruck geĂ€ußert, den vielen „Fremdwörtern fĂŒr Gleichgeschlechtlichkeit“[6] hilflos ausgeliefert zu sein. Seitdem wurde die seit der Jahrhundertwende existierende deutsche Übersetzung Gleichgeschlechtlichkeit vor der Machtergreifung 1933 vermehrt verwendet, und zwar vor allem als Adjektiv gleichgeschlechtlich, weniger als Substantiv oder gar als Personenbezeichnung Gleichgeschlechtlicher.[1] Der Begriff verhindert eine Verwechslung mit dem Begriff Mann und setzt den semantischen Fokus von der SexualitĂ€t weg auf das Geschlecht. Auch in GesetzesentwĂŒrfen und Gesetzen wurde er wegen der juristischen Klarheit und als Nicht-Fremdwort verwendet.

In neuerer Zeit ist er vor allem dort beliebt, wo es thematisch gleichzeitig um Frauen und MĂ€nner geht (etwa „gleichgeschlechtliche Lebensweisen“), keine langen Satzkonstruktionen mit den weiteren geschlechtsspezifischen deutschsprachigen Begriffen und keine daraus gebildeten Kofferwörter angemessen erscheinen, man trotzdem den angesprochenen Problemen aus dem Weg gehen und einen deutschsprachigen Begriff verwenden will. Er wird selten verwendet, wenn es nur um Schwule oder Lesben geht oder explizit auf das Vorhandensein oder Inkludieren beider Gruppen hingewiesen werden soll. Auch bei der Beschreibung anderer, meist nicht direkt mit unseren vergleichbaren Kulturen, fĂŒr die hĂ€ufig Begriffe fehlen, wird es gerne verwendet, da das Wort homosexuell gedanklich mit vielen kulturellen Eigenheiten und IdentitĂ€tsbeschreibungen der westlichen industrialisierten Welt verknĂŒpft wird.

Weitere deutschsprachige Begriffe

Weibliche HomosexualitÀt

Homosexuelle Frauen werden im deutschsprachigen Raum auch als lesbisch (nach der griechischen Insel Lesbos, Heimat der Frauen liebenden Dichterin Sappho) bezeichnet. Variationen von diesem Begriff existieren auch in anderen Sprachen (z. B. Englisch lesbian) wie auch in der deutschen Sprache (das veraltete Lesbierin).

Bei maskuliner PrĂ€gung von Frauen sind es unter anderem die Begriffe kesser Vater (mittlerweile veraltet, heute eher Butch), Kampflesbe und Amazone, die alternativ angewandt werden, fĂŒr explizit feminin auftretende Lesben findet sich der Begriff Femme (vom französischen Wort fĂŒr Frau). Diese stereotypen Bezeichnungen werden aber mittlerweile von vielen homosexuellen Frauen abgelehnt, weil oft auch das Wechselspiel („switch“) aus Femme und Butch in der Partnerschaft gelebt wird und weder eine PrĂ€ferenz fĂŒr ein maskulines noch fĂŒr ein weibliches Verhalten vorhanden ist.

MÀnnliche HomosexualitÀt

Fellatio unter MĂ€nnern. Es ist nach Streicheln, KĂŒssen und gegenseitiger Masturbation die hĂ€ufigste Sexualpraktik zwischen MĂ€nnern, vor analer Penetration mit dem Finger und Analverkehr.[7]

Homosexuelle MĂ€nner werden im deutschsprachigen Raum auch als schwul (von schwĂŒl – „drĂŒckend heiß“, in dieser Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert, „schwĂŒl“ als Parallelbildung zu „kĂŒhl“, oder von „SchwulitĂ€t“ – „Schwierigkeit, BedrĂ€ngnis, peinliche Lage“) bezeichnet. UrsprĂŒnglich abwertend gebraucht, wurde die Bezeichnung „schwul“ spĂ€ter im Rahmen der Emanzipationsbewegung von der Schwulenszene selbst – auch als politischer Kampfbegriff – ĂŒbernommen, und damit die abwertende Bedeutung so weit zurĂŒckgedrĂ€ngt, dass der Begriff heute sogar im Sprachgebrauch der Gesetzgebung auftaucht.

In der Jugendsprache findet sich das Wort „schwul“ dagegen immer noch beziehungsweise wieder als Schimpfwort, das als Synonym fĂŒr „langweilig“, „weichlich“ beziehungsweise „enervierend“ benutzt wird. Weitere Begriffe fĂŒr homosexuelle MĂ€nner, wie zum Beispiel „Hinterlader“, basieren bei der Betrachtung der mĂ€nnlichen HomosexualitĂ€t lediglich auf Sexualpraktiken, ohne BerĂŒcksichtigung der kulturellen und psychologischen Aspekte. Ein anderer Kreis von Begriffen bezieht sich auf das mitunter vorkommende feminine Verhalten bei MĂ€nnern, zum Beispiel „Tunten“ und „Schwuchteln“ (siehe auch Straight acting).

Englischsprachige Begriffe

Im englischsprachigen Raum hat die Lesben- und Schwulenbewegung dagegen das Wort gay (vormals in der Bedeutung von fröhlich und bunt) als Selbstbezeichnung durchgesetzt, um sich von dem abwertenden Ausdruck queer (»seltsam, komisch«) zu distanzieren. Zunehmend wird aber das Wort queer als Selbstbezeichnung benutzt, weil gay oft als auf MÀnner allein bezogen verstanden wird, also nicht geschlechtergerecht ist.

UrsprĂŒnglich eine geschlechtsneutrale Bezeichnung, hat sich der Begriff – Ă€hnlich wie das deutsche Wort schwul – in den 1970er Jahren auf MĂ€nner verengt, wĂ€hrend sich gleichgeschlechtlich liebende Frauen im Zuge des lesbisch-feministischen Separatismus zunehmend als lesbians und dykes bezeichneten. Der Begriff gay hat sich auch in anderen Sprachen wie dem Französischen (gai) eingebĂŒrgert und findet als Lehnwort auch in Deutschland neuerdings wieder zunehmend Verwendung.

Anfang der 1990er Jahre kam es innerhalb radikalerer politischer Kreise zu einer Wiederaneignung des Wortes queer als Überbegriff fĂŒr Lesben und Schwule, was dann meist Transgender mit einschließt. Dieser Begriff hat die Wörter gay und lesbian jedoch nicht verdrĂ€ngt, sondern nur partiell ersetzen können. Durch Queer Theory erfuhr er eine Ă€hnliche Internationalisierung wie vorher der Begriff gay.

Chichi man oder Battyman sind stark abwertende Begriffe, die aus dem Jamaika-Kreolischen kommen und fĂŒr die Battyman-Tunes namensgebend sind.

Chinesischsprachige Begriffe/HomosexualitÀt in China

Junge MÀnner im erotischen Spiel auf einer Handrolle aus Peking des spÀten 19. Jahrhunderts

→ Hauptartikel: HomosexualitĂ€t in China

In der Volksrepublik China hat die Sexualmedizin zunĂ€chst die Begriffe tongxing'ai („Homoerotik“) und tongxinglian („HomosexualitĂ€t“) durchsetzen können. Es handelte sich um LehnĂŒbersetzungen aus dem Japanischen, wo das entsprechende Wort douseiai kurz zuvor in Anlehnung an das Deutsche geprĂ€gt worden war. Traditionelle AusdrĂŒcke wie fentao („den Pfirsich teilen“) und duanxiu („den Ärmel abschneiden“), die anekdotisch auf Geschichten gleichgeschlechtlicher Liebe unter den chinesischen Kaisern anspielten, gingen in der Sprache urbaner Regionen verloren. Als Verben hatten sie eine Beziehung oder einen Akt, aber keine Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet.

In den 1990er Jahren ersetzten homosexuelle Aktivisten tongxinglian ausgehend von Hongkong und Taiwan zunehmend durch den Terminus tongzhi („Genosse“, „Kamerad“). Nicht nur, weil das Wort die Silbe tong („gleich“) enthielt, sondern auch, weil es als Anspielung auf ein bekanntes Zitat von Sun Yat-sen verstanden werden konnte: „Die Revolution hat noch nicht gesiegt, Genossen, lasst uns zusammen kĂ€mpfen“. Tongzhi ist bis heute zugleich die offizielle Anredeform innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas, was zu einer Reihe von Konflikten beim Import der neuen Bedeutung auf das Festland fĂŒhrte.

In Taiwan hat sich wĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte der 1990er Jahre in intellektuellen Kreisen unterdessen auch der Terminus ku'er als lautmalerische Anlehnung an das englische queer verbreiten können. Genau wie in den USA stellt er aber lediglich eine ErgĂ€nzung zum dominierenden Begriff – in diesem Fall tongzhi – dar.

Fehlende Begriffe und andere Konzepte

Die wenigsten Kulturen hielten einen Begriff wie den der HomosexualitĂ€t fĂŒr notwendig
(Persische Miniatur, Riza-i Abbasi, Two Lovers, Iran 1630)

Da es sich bei der Idee, gleichgeschlechtliche Liebe und SexualitĂ€t seien an einen bestimmten Personentypus gekoppelt oder auf diesen beschrĂ€nkt, um eine moderne, westlich geprĂ€gte Vorstellung handelt, fehlen in fast allen Sprachen indigene AusdrĂŒcke fĂŒr homosexuelle Personen. Dies war frĂŒher auch im Westen so. John Henry Mackay veröffentlichte unter seinem Pseudonym Sagitta bereits 1906 die BĂŒcher der „namenlosen Liebe“. Im ersten Band erklĂ€rt Mackay, dass es fĂŒr diese Liebe immer noch keinen adĂ€quaten Namen gibt, so dass er sie die „Namenlose“ nennen muss. Er legt dar, dass diese Liebe weder eine Angelegenheit der Kirche (Begriffe wie Sodomie, Unkeuschheit) noch des Staates noch der Medizin (HomosexualitĂ€t) sei, sondern allein der Natur, und deshalb auch nur den Gesetzen der Natur unterstehe.

Auch heute noch gibt es beispielsweise im Arabischen keinen feststehenden Begriff fĂŒr Lesben und Schwule. Der religiöse Begriff luti (Ù„ÙˆŰ·ÙŠ, abgeleitet von der biblischen Figur Lots) entspricht etwa dem christlichen Terminus Sodomit und bezeichnet jemanden, der die vom Islam verbotene Handlung des Analverkehrs praktiziert. Er wird jedoch nicht im westlichen Sinn als Name fĂŒr eine identitĂ€r fixierte Minderheit gebraucht. In Ägypten werden Beteiligte der in den 1990er Jahren entstandenen Homosexuellenszene von den Medien stattdessen als shadh (ێۧ۰, wörtlich „anormal“, „unregelmĂ€ĂŸig“ oder „unnatĂŒrlich“; auch shadh dschinsiyan ێۧ۰ ŰŹÙ†ŰłÙŠŰ§, „sexuell abnorm“) bezeichnet und diffamiert. Es gibt jedoch auch wertfreie Begriffe, die sich vom arabischen Wort mithl Ù…Ű«Ù„ („gleich“) ableiten – mithli مŰȘلي fĂŒr Schwule und mithliya Ù…Ű«Ù„ÙŠŰ© fĂŒr Lesben –, wobei Ù…Ű«Ù„ÙŠŰ© auch „HomosexualitĂ€t“ an sich bedeutet.

In Ungarn setzt sich zurzeit das Fluchwort buzi als Selbstbenennung von Angehörigen der schwulen Szene durch, obwohl es an sich gar keine Bedeutung hat. Es wird ĂŒberall dort gebraucht, wo man seinem Ärger darĂŒber Luft machen möchte, dass etwas schiefgelaufen ist. Aufgrund seiner spielerischen Konnotationen wird es analog zum englischen Begriff queer verwandt.

In Simbabwe benutzt die 1990 gegrĂŒndete Organisation GALZ (Gays and Lesbians of Zimbabwe) englische Termini, da die Differenz zwischen einem afrikanischen Konzept gleichgeschlechtlicher Beziehungen und einer westlichen IdentitĂ€t als Lesbe oder Schwuler von den damaligen GrĂŒndern, die mehrheitlich weiß und wenig politisiert waren, nicht verstanden wurde und die einzige Alternative in der Landessprache Shona der beleidigende Ausdruck ngochani gewesen wĂ€re. Der Name blieb jedoch auch spĂ€ter erhalten, da internationale Menschenrechte auf der Basis einer sexuellen IdentitĂ€t leichter einzuklagen schienen.

In der afroamerikanischen Bevölkerung der USA hat sich wĂ€hrend der 1990er Jahre in Abgrenzung von einer weißen Gay-IdentitĂ€t der Begriff Down-Low oder DL herausgebildet. Er leitet sich von der Wendung to be on the down low („es nicht an die große Glocke hĂ€ngen“) ab. Um auch gleichgeschlechtlich liebende MĂ€nner ohne schwule IdentitĂ€t durch HIV-PrĂ€ventionskampagnen zu erreichen, benutzen Aids-Organisationen mittlerweile den neutralen Terminus „Men who have Sex with Men“ (MSM). Diese kultur- und kontextsensitive Strategie hat sich mittlerweile auch auf internationalen Konferenzen durchgesetzt.

Zitat

„TatsĂ€chlich wirft die Bekanntschaft mit der Literatur der Antike ein Ă€ußerst verblĂŒffendes Problem fĂŒr den Geisteswissenschaftler auf, das den meisten Personen, die unvertraut mit den Klassikern sind, nicht in den Sinn kĂ€me: ob die Dichotomie, die durch die Termini »homosexuell« und »heterosexuell« unterstellt wird, ĂŒberhaupt mit irgendeiner RealitĂ€t korrespondiert. [
] Das Bewusstsein ĂŒber GrĂŒnde der Unterscheidung folgt auf das Verlangen zu unterscheiden. Die Frage, wer »schwarz«, »farbig« oder »Mulatte« ist, beunruhigt nur Gesellschaften, die von rassistischen Vorurteilen beeintrĂ€chtigt sind [
]. In der antiken Welt kĂŒmmerten sich so wenige Menschen darum, ihre Zeitgenossen auf der Basis des Geschlechts zu kategorisieren, zu dem sie sich erotisch hingezogen fĂŒhlten, dass keine Dichotomie gebrĂ€uchlich war, um diese Unterscheidung auszudrĂŒcken.“

– John Boswell[8]

HomosexualitÀt und Gesellschaft

HÀufigkeit von HomosexualitÀt

SchĂ€tzungen ĂŒber die HĂ€ufigkeit von HomosexualitĂ€t variieren betrĂ€chtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands kompliziert. Im Allgemeinen identifizieren Bevölkerungsumfragen zwischen einem und zehn Prozent der Bevölkerung als lesbisch oder schwul. Allerdings ist anzunehmen, dass Umfragen durch die soziale Stigmatisierung der HomosexualitĂ€t und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfĂ€lscht sind. Der Kinsey-Report stufte 1948 zwischen 90 und 95 Prozent der Bevölkerung als „bis zu einem gewissen Grad bisexuell“ ein. Die tatsĂ€chliche HĂ€ufigkeit von homosexuellem Verhalten hĂ€ngt aber in hohem Maß von gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab. So gab in einer Studie zur JugendsexualitĂ€t, die 1970 vom Hamburger Institut fĂŒr Sexualforschung durchgefĂŒhrt wurde, beinahe jeder fĂŒnfte der befragten 16- und 17-jĂ€hrigen Jungen an, gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben. Zwanzig Jahre spĂ€ter waren es dagegen nur noch zwei Prozent. Dass solche Studien jedoch nur geringen Aussagewert haben, zeigt eine reprĂ€sentative BRAVO-Umfrage aus Heft 14/97, die ergeben hat, dass 25 Prozent aller Jungen zwischen 14 und 17 gleichgeschlechtliche Erfahrungen gemacht haben. Zwei Prozent gaben an, sie seien schwul, 68 Prozent hĂ€tten nichts gegen Schwule.

Wie bei allen Umfragen bezĂŒglich des Themas Sex ist die Aussagekraft solcher Statistiken kritisch zu betrachten, da die Befragten bei intimen Themen dazu tendieren, die Unwahrheit zu sagen.

Schattierungen zwischen homo und hetero

Freud sah HomosexualitÀt genau wie HeterosexualitÀt als Folge einer EinschrÀnkung der Objektwahl
(Nishikawa Sukenobu, Japanischer Druck, Anfang 18. Jahrhundert)
Schwule Erotik

WĂ€hrend in Teilen der europĂ€ischen Kultur HomosexualitĂ€t erst in den letzten Jahrzehnten ihre Position als Tabuthema verloren hat und zugleich in manchen LĂ€ndern dieses Tabu noch immer sehr stark ist, ist die Frage nach Hetero- beziehungsweise HomosexualitĂ€t in anderen Kulturen fast unbekannt. Dort wird weniger streng zwischen homo und hetero unterschieden, was der Charakteristik der menschlichen SexualitĂ€t eher gerecht werden dĂŒrfte als eine schroffe Polarisierung. Die heute unstrittige Tatsache, dass es verschiedene Grade zwischen Homo- und HeterosexualitĂ€t gibt, hat man Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Begriff der BisexualitĂ€t zu fassen versucht. Viele Sexologen vertreten die Ansicht, dass fast jeder Mensch bisexuelle Anteile besitzt, die manchmal mehr, manchmal weniger stark ausgeprĂ€gt sind. Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von der „angeborenen BisexualitĂ€t“ des Menschen, wĂ€hrend er die ausschließliche Fixierung auf ein Geschlecht als Folge einer EinschrĂ€nkung der Objektwahl betrachtete. Entsprechend habe die Psychoanalyse aufdecken können, dass alle sogenannten Normalen neben ihrer manifesten HeterosexualitĂ€t ein sehr erhebliches Ausmaß von latenter oder unbewusster HomosexualitĂ€t erkennen ließen.

Coming-out

→ Hauptartikel: Coming-out

Bei vielen Menschen, die sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fĂŒhlen, kommt es im Laufe ihres Lebens zum sogenannten Coming-out. Mittlerweile wird dieser Prozess in zwei Phasen beschrieben: Im ersten Schritt steht das „Sich-bewusst-Werden“ oder „Sich-Selbst-Eingestehen“ im Vordergrund, also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung, dass man fĂŒr die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Sie wird auch als inneres Coming-out bezeichnet. Die zweite Phase bezeichnet das „Sich-ErklĂ€ren“, also den Schritt nach außen, das Coming-out bei Familie, Freunden und/oder Kollegen. Bei manchen geschieht dieser Prozess schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder mehr Jahren ĂŒber ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten haben ihr Coming-out mittlerweile im Schulalter, also etwa zum Zeitpunkt der PubertĂ€t. In diesem Alter trauen sich viele nicht, Hilfe von anderen zu erbitten, besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Selbst die eigenen Eltern werden manchmal nicht darĂŒber informiert. Das Coming-out kann manchmal in eine Lebenskrise fĂŒhren, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten oder realisierter Selbsttötung steigern kann. Beratungsstellen in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten und Info-Seiten im Internet versuchen diesen Menschen zu helfen, ihre HomosexualitĂ€t anzunehmen. TatsĂ€chlich ist die Selbsttötungsrate bei pubertierenden Homosexuellen deutlich höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.

Rechtliche Anerkennung von Partnerschaften, Ehe

Status von gleichgeschlechtlichen Paaren in Europa 2009

██ Gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt

██ Eingetragene Lebenspartnerschaft anerkannt

██ Nicht eingetragene eheĂ€hnliche Gemeinschaften anerkannt

██ Steht zur politischen Diskussion

██ Nicht anerkannt oder unbekannt

██ Gleichgeschlechtliche Ehe verboten

→ Hauptartikel: Gesetze zur HomosexualitĂ€t, Gleichgeschlechtliche Ehe, Eingetragene Partnerschaft

Die weitgehende rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen mit Heterosexuellen wird in der Lesben- und Schwulenbewegung ĂŒberwiegend begrĂŒĂŸt, auch wenn es immer noch umstritten ist, ob man sich damit gesellschaftlich und beziehungsdynamisch den klassischen Normen der „bĂŒrgerlichen Ehe“ annĂ€hern möchte, bei denen einige noch meinen, Überbleibsel einer patriarchalen Gesellschaftsordnung zu finden, mit einer strengen Aufteilung von Geschlechtsrollen, die fĂŒr eine gleichgeschlechtliche Beziehung nicht anwendbar wĂ€ren.

Gesetzliche Regelungen fĂŒr eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft gibt es bereits in einer Reihe von LĂ€ndern: In Belgien, den Niederlanden, Spanien, Kanada sowie den US-Bundesstaaten Massachusetts, Connecticut und Kalifornien wurde die Ehe fĂŒr Homosexuelle ganz geöffnet. In Skandinavien ist fĂŒr Lesben und Schwule diese Öffnung in der Diskussion; es existieren bereits jetzt verschiedene Formen der „registrierten Partnerschaften“, die in der Regel dieselben Rechtswirkungen wie die Ehe haben. Sie werden mit RĂŒcksicht auf die Konservativen nur anders genannt. In anderen europĂ€ischen LĂ€ndern haben eingetragene Partnerschaften geringere Rechte, wie z. B. der PACS (Pacte civil de solidaritĂ©) in Frankreich. Den PACS können auch verschiedengeschlechtliche nichteheliche Paare eingehen.

In Deutschland gibt es seit dem 1. August 2001 das Rechtsinstitut der Lebenspartnerschaft. Nach ihrer Verabschiedung durch den Bundestag meldeten einige Politiker Zweifel daran an; die unionsregierten LĂ€nder Bayern, Sachsen und ThĂŒringen bemĂŒhten sich sogar um eine völlige Aufhebung des Gesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses stellte jedoch klar, dass einer vollstĂ€ndigen Gleichstellung mit der Ehe nichts im Wege stĂŒnde, da die Lebenspartnerschaft mit der Ehe schon allein deshalb nicht konkurriere, weil sie einen anderen Personenkreis betreffe.

Die Lebenspartnerschaft entspricht – was das BĂŒrgerliche Gesetzbuch betrifft – weitestgehend der Ehe. Lediglich die gemeinschaftliche Adoption von Kindern ist nicht möglich. Lebenspartner können aber das leibliche Kind ihres Partner adoptieren (sogenannte Stiefkindadoption). Auf diese Weise können zwei Frauen oder zwei MĂ€nner rechtlich gemeinschaftliche Eltern von Kindern werden. Auch in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sind Lebenspartner mit Ehegatten gleichgestellt. Sie leben – wie Ehegatten – im GĂŒterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nichts anderes vereinbaren. Gleichbehandlung erfolgt nach der Trennung auch beim Unterhaltsrecht. Es gelten Befangenheitsvorschriften und Zeugnisverweigerungsrechte wie bei Eheleuten auch. Zudem ist ein Verlöbnis fĂŒr Lebenspartner entsprechend dem Verlöbnis fĂŒr Ehegatten rechtswirksam.

Im Steuerrecht (Einkommensteuer, Erbschaftsteuer bzgl. der SteuersĂ€tze, usw.) und im Beamtenrecht (Familienzuschlag, Hinterbliebenenpension, etc., sofern es sich um Bundesbeamten oder die Beamten der meisten LĂ€nder handelt) werden Lebenspartner dagegen noch wie Fremde behandelt. Hier ist die Gleichstellung bisher am Widerstand der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag sowie Rheinland-Pfalz und der unionsregierten LĂ€nder im Bundesrat gescheitert. Die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr das Beamtenrecht ist inzwischen durch die Föderalismusreform auf den Bund fĂŒr seine Beamten und auf die BundeslĂ€nder fĂŒr die Landesbeamten ĂŒbergegangen. Als erstes Bundesland hat Bremen seine verpartnerten Beamten und Richter mit seinen verheirateten Beamten und Richtern gleichgestellt, danach folgten Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben auch entsprechende Reformen angekĂŒndigt. Im Zuge der Erbschaftssteuerreform erhalten Lebenspartner denselben allgemeinen Freibetrag wie Ehegatten erhalten (500.000 €). Sie bleiben aber in der ungĂŒnstigen Steuerklasse III mit SteuersĂ€tzen von 17 bis 50 Prozent. FĂŒr Ehegatten belaufen sich die SteuersĂ€tze der Steuerklasse I auf 7 bis 30 Prozent. Eine Angleichung bei der Einkommensteuer ist nicht in Sicht.

BezĂŒglich der Beamtenversorgung hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Beamten in eingetragenen Partnerschaften kein Verheiratetenzuschlag zusteht.[9] Die dagegen gerichtete Verfassungsbeschwerde wurde vom Bundesverfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen.[10] Dagegen hat das Bundesarbeitsgericht einem Angestellten im öffentlichen Dienst, der eine eingetragene Lebenspartnerschaft begrĂŒndet hatte, den Ortzuschlag fĂŒr Verheiratete in analoger Anwendung der entsprechenden tarifvertraglichen Regelung zuerkannt.[11]

Radikalere Teile der Lesben- und Schwulenbewegung lehnen die Lebenspartnerschaft – als Ehe light verpönt – und die damit verbundene notwendige Sondergesetzgebung fĂŒr Homosexuelle ab. Stattdessen fordern sie die Abschaffung der Ehe und plĂ€dieren fĂŒr sogenannte „Wahlverwandtschaften“ auf Zeit.

Rechtlicher Status der HomosexualitÀt in der Welt:
GrĂŒn–Blau = legal
Gelb–Rot = illegal.

In der Schweiz wurde zuerst im Kanton Genf am 1. Mai 2001 eine PaCS eingefĂŒhrt, welches die Eintragung von homosexuellen wie auch heterosexuellen Partnerschaften ermöglichte. Am 22. September 2002 wurde in ZĂŒrich eine eingetragene Partnerschaft vom Stimmvolk mit 62,7 % Ja-Anteil genehmigt. Diese Regelung ging um einiges weiter als die Genfer Lösung und stellte eingetragene Lebenspartnerschaften Ehepaaren gleich, soweit dies in der Kompetenz des Kantons lag. Nach Genf und ZĂŒrich fĂŒhrte auch der Kanton Neuenburg die registrierte Partnerschaft fĂŒr unverheiratete Paare ein. Das Kantonsparlament hat am 27. Januar 2004 zugestimmt.

Am 5. Juni 2005 hat das gesamte Schweizer Stimmvolk ĂŒber das Partnerschaftsgesetz (PartG) zur eingetragenen Partnerschaft abgestimmt. Es ist das erste nationale Referendum ĂŒber diese Frage weltweit. Es haben 58 % der Stimmberechtigten zugestimmt. Mehrheiten gab es vor allem im Mittelland von St.Gallen bis Genf. Es war dort eine ziemlich homogene Verteilung der Ja-Anteile. Nicht nur StĂ€dte haben zugestimmt, sondern auch lĂ€ndlichere Gebiete. Ablehnend waren vor allem lĂ€ndlich-bĂ€uerliche, katholische Kantone. Zugestimmt haben insgesamt 16,5 von 23 Kantonen. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz schafft eine Gleichstellung mit der Ehe in Steuerfragen, Sozialleistungen, Erbrecht, Besuchsrecht, Zeugnisverweigerungsrecht, etc. Es unterbindet aber ausdrĂŒcklich den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin und die Adoption. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz hat Auswirkungen auf den Zivilstand. Der Zivilstand ist nicht mehr „ledig“, sondern „in eingetragener Partnerschaft“. Das Gesetz trat am 1. Januar 2007 in Kraft.

In Österreich wird gerade intensiv an EntwĂŒrfen gearbeitet, nachdem im Herbst 2007 eine Perspektivengruppe der Koalitionspartei ÖVP und ein Teil des Parteivorstandes entschieden haben, dass es ein Rechtsinstitut geben soll. Nach einem Meinungsaustausch mit dem Juristen Helmut Graupner waren viele sogar fĂŒr eine Öffnung der Ehe, was auch einer der VorschlĂ€ge an den Parteivorstand war. Laut Bundesparteiobmann und Vizekanzler Wilhelm Molterer soll die Schweiz als Vorbild dienen. Klubobmann und ehemaliger Bundeskanzler Wolfgang SchĂŒssel wĂŒrde sich den Status quo mit einer Beglaubigung wĂŒnschen, wird sich aber in der weiteren Debatte zurĂŒckhalten. SPÖ und GrĂŒne gehen so weit, wie sie die ÖVP lĂ€sst, eine Öffnung der Ehe wĂ€re fĂŒr sie das Optimum. Die rechten Parteien BZÖ und FPÖ sind prinzipiell gegen ein Rechtsinstitut.

Ein Gegenpol zu den Bestrebungen zur Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe findet sich in den Vertretern der Lebensformenpolitik.

Regenbogenfamilien

Homosexuelle Partner können miteinander keine Nachkommen zeugen. Dennoch wachsen Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf. Die Wissenschaft diskutiert dieses PhÀnomen zunehmend unter dem Begriff Regenbogenfamilien.

HomosexualitÀt und Beruf

Ein besonderes Problem ergibt sich fĂŒr Homosexuelle, die zum Beispiel öffentlich angestellt sind (Lehrer, BewĂ€hrungshelfer), in der Jugendarbeit tĂ€tig sind (Erzieher, Heimleiter, Betreuer) oder einer BeschĂ€ftigung im christlich-religiösen Leben nachgehen (Pfarrer, Priester). Homosexuelle Lehrerinnen und Lehrer und Jugendleiterinnen und Jugendleiter werden wegen unterstellter Beeinflussung der Kinder in einigen FĂ€llen mit erheblichem Druck abgelehnt. Politiker, die offen zu ihrer HomosexualitĂ€t stehen, konnten sich erst in jĂŒngerer Zeit profilieren. Bekannte Beispiele dafĂŒr sind der Regierende BĂŒrgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), dessen Outing in die Sprachkultur einging: Ich bin schwul, und das ist auch gut so, der BĂŒrgermeister von Hamburg Ole von Beust (CDU) und der Bundesvorsitzende der FDP Guido Westerwelle. Schwule oder lesbische leitende Angestellte (auch Manager) werden manchmal als kompromittierbar (erpressbar) angesehen. Dass sie daher oft in (Schein-)EheverhĂ€ltnissen leben, wird zwar immer wieder in der Literatur erwĂ€hnt, ist aber schwer nachweisbar. Die Entwicklung innerhalb der Wirtschaft geht dagegen eher in die Richtung, dass Unternehmen gezielt Homosexuelle als Mitarbeiter fördern und unterstĂŒtzen, um auch in der Belegschaft die Gesellschaft widerzuspiegeln (Diversity Management). Mit der Verabschiedung der europĂ€ischen Richtlinien zur Antidiskriminierung im Arbeitsrecht sind KĂŒndigungen und sonstige diskriminierenden Maßnahmen aufgrund Bekanntwerdens der homosexuellen IdentitĂ€t von Mitarbeitern in der Privatwirtschaft sowie von Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst in den Mitgliedstaaten der EU unzulĂ€ssig.

Homosexuelle BeschÀftigte in den Kirchen

Katholische Geistliche mit homosexueller Veranlagung werden zunehmend wahrgenommen, wobei gelebte HomosexualitĂ€t, wie bei allen kirchlichen Angestellten, jedoch meist als nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar angesehen wird. 2005 hat die katholische Kirche eine Instruktion veröffentlicht, in der Personen mit „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“ und UnterstĂŒtzer einer homosexuellen Kultur als nicht geeignete Kandidaten fĂŒr ein Weiheamt (Priester, Diakon) angesehen werden. Personen mit leichten homosexuellen Tendenzen (zum Beispiel „KnasthomosexualitĂ€t“, Teenagererlebnisse) mĂŒssen diese mindestens drei Jahre vor der Diakonweihe ĂŒberwunden haben. Angestellte der katholischen Kirche, welche eine Lebenspartnerschaft eingehen, werden, vergleichbar zu geschiedenen Kollegen, die erneut heiraten, meist wegen Unvereinbarkeit mit dem Glauben entlassen. In einzelnen kirchennahen katholischen Organisationen kann auch bereits ein Chatprofil bei einem Internetportal fĂŒr Homosexuelle zu einer fristlosen Entlassung fĂŒhren, wenn es der Organisationsleitung zugetragen wird[12] (siehe Kirchen als Tendenzbetrieb). Eine solche KĂŒndigung hatte aber vor dem Arbeitsgericht Frankfurt keinen Bestand.[13]

DemgegenĂŒber sind BeschĂ€ftigte (auch Pastoren) in den evangelischen Landeskirchen der EKD von einer arbeitsrechtlichen KĂŒndigung oder Disziplinarmaßnahme nicht bedroht, wenn sie mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin eine standesamtliche Lebenspartnerschaft eingehen oder ihre homosexuelle IdentitĂ€t in sonstiger Weise bekannt wird.[14] In einigen Landeskirchen der EKD sind sie sogar besoldungsrechtlich zur Ehe gleichgestellt, was auch in der altkatholischen Kirche der Fall ist.

Bundeswehr

In der Bundeswehr stoßen Homosexuelle noch immer auf ZurĂŒckhaltung. Insgesamt hat – nicht zuletzt durch den zunehmenden Anteil von Soldatinnen – die Bundeswehr ihr Bewusstsein fĂŒr SexualitĂ€t weiterentwickeln mĂŒssen. Mit dem „Sexualerlass“ zur Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/3 ist eine Diskriminierung verboten worden. Mit der letzten Änderung im Juli 2004 ist nach jahrzehntelanger Ächtung homosexueller Vorgesetzter, die unter Billigung höchstrichterlicher Rechtsprechung mit Versetzungen und sogar Entlassungen rechnen mussten, ein liberalerer Umgang mit der SexualitĂ€t gewĂ€hlt worden. Mittlerweile setzt sich fĂŒr die Belange homosexueller Menschen in der Bundeswehr auch der Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr (AHsAB e. V.) ein.

KĂŒnftig sind grundsĂ€tzlich alle Beziehungsformen in den Privatbereich verwiesen. Homosexuelle Beziehungen können außer Dienst auch innerhalb militĂ€rischer Anlagen gepflegt werden, auch spielt der Dienstgrad der Beziehungspartner keine Rolle mehr.

Profifußball

Siehe auch: „Homophobie im Profifußball“ im Artikel Homophobie

Folgt man Statistiken zum Vorkommen von HomosexualitĂ€t in der mĂ€nnlichen Bevölkerung, mĂŒssten in den Bundesligen mehrere schwule Spieler spielen.[15] Die Fußballzeitschrift Rund ging im Rahmen einer Themenwoche sogar davon aus, dass mindestens drei schwule Teams in den Bundesligen spielen mĂŒssten.[16] WĂ€hrend mehrere Spielerinnen der Fußball-Bundesliga der Frauen offen homosexuell leben, ist kein entsprechender Fall eines mĂ€nnlichen Spielers bekannt. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten und journalistische Berichte[17] haben dieses PhĂ€nomen seit der letzten Jahrhundertwende umfassend beschrieben und auf die homophobe Sondersituation des deutschen Fußballs gerade auch gegenĂŒber anderen primĂ€r „mĂ€nnlich geprĂ€gten“ Spitzensportarten hingewiesen. Der einzige Profi-Fußballer, der sich zu seiner HomosexualitĂ€t bekannte, war Justin Fashanu, Spieler in der englischen Premier League. Der sich in der Folge ergebende immense öffentliche Druck ĂŒberforderte ihn jedoch. 1998, acht Jahre nach seinem Coming-out, erhĂ€ngte er sich. Nach seiner sportlichen Karriere outete sich im November 2007 der deutsche Profi-Fußballer Marcus Urban. [18]

Situative HomosexualitÀt

Unter dem soziologischen Begriff situationsbezogene HomosexualitĂ€t (engl. Situational Homosexuality),[19] die in der Psychiatrie noch als PseudohomosexualitĂ€t[20] bezeichnet wird, versteht man gleichgeschlechtliche Handlungen von Personen, welche nach standardmĂ€ĂŸiger Definition keine homosexuelle, ja nicht einmal eine bisexuelle Orientierung haben, also heterosexuelle Sexualkontakte bevorzugen. Grundgedanke ist, dass die AktivitĂ€t nie passiert wĂ€re, wenn sich die Menschen nicht in einer ungewöhnlichen Situation befunden hĂ€tten. MĂ€nnner werden auch der Gruppe der heterosexuellen MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben (englisch: Straight Men Who Have Sex with Men, SMSM) zugerechnet.[21]

Situationsbedingte HomosexualitĂ€t kommt vor allem in Umgebungen vor, in denen ĂŒber lĂ€ngere Zeit nur Personen des gleichen Geschlechts leben. Als typische Orte gelten Haftanstalten, Erziehungsanstalten, Schiffe auf See, U-Boote, Bohrinseln, Kasernen, Klöster und Konvente, Internate, Sportteams auf Tournee und abgelegene Arbeitslager etwa bei Minen oder Großbauprojekten. Vor allem dort wird sie auch als Not-HomosexualitĂ€t, KnasthomosexualitĂ€t und wĂ€hrend des Nationalsozialismus als LagerhomosexualitĂ€t bezeichnet. In der Wissenschaft spricht man manchmal auch von bisexuellem Sexualverhalten, homosexuellen Ersatzhandlungen oder experimenteller HomosexualitĂ€t. Unter situativer HomosexualitĂ€t fĂ€llt auch oft mannmĂ€nnliche Prostitution und diese ist Standardbeispiel in der Psychiatrie fĂŒr PseudohomosexualitĂ€t. Jugendliche gleichgeschlechtliche Handlungen werden nur in getrenntgeschlechtlichen Umgebungen dazugezĂ€hlt, in der Psychiatrie werden sie als EntwicklungshomosexualitĂ€t bezeichnet. Einige Aspekte in dieser sonst eigenen Betrachtung von Jugendlichen sind aber der situativen HomosexualitĂ€t sehr Ă€hnlich.[22]

Reverend Louis Dwight berichtete 1826 ĂŒber die VerhĂ€ltnisse in amerikanischen GefĂ€ngnissen. Dies ist der frĂŒheste Bericht ĂŒber amerikanische Strafanstalten. Josiah Flynt beschrieb 1899 situationsbezogenen Sex bei den amerikanischen Hobos, mit denen er reiste. Hans Otto Henel beschrieb 1926 in Eros im Stacheldraht die Situation im ersten Weltkrieg, was Karl PlĂ€ttner zu seinem 1929 erschienen Werk Eros im Zuchthaus inspirierte. Viele erotische Phantasien und Geschichten spielen in Settings mit situativer HomosexualitĂ€t.

Nachdem viele Gesellschaften homosexuelle IdentitĂ€t und offen homosexuelles Leben ablehnen, ist es oft schwer herauszufinden was hinter einer individuellen heterosexuellen IdentitĂ€t steckt. Manchmal kann auch sozialer Druck und internalisierte Homophobie zu einer solchen IdentitĂ€t fĂŒhren. Möglicherweise wĂŒrden sich mehr Menschen als bisexuell identifizieren, wenn es sowohl von der heterosexuellen und wie auch der homosexuellen Gesellschaft mehr akzeptiert werden wĂŒrde. Das Konzept der situativen HomosexualitĂ€t wirft Fragen auf inwiefern letztendlich aktives Sexualverhalten interne WĂŒnsche ausdrĂŒckt und durch externe UmstĂ€nde beeinflusst wird.[19] Sexuelle Orientierung ist ein sehr komplexes System mit unendlich vielen Zwischenstufen zwischen zwei Extremen oder auf zwei getrennten Skalen und genauer betrachtet sogar gleichzeitig auf mehreren emotionalen Ebenen. Die Entbehrung gegengeschlechtlicher Sexualkontakte wird von unterschiedlichen Personen verschieden bewĂ€ltigt. Schon im spĂ€ten 19. Jh. realisierte man, dass manche Individuen niemals gleichgeschlechtliche AktivitĂ€t zeigen, egal wie lange und wie intensiv sie heterosexuellen Kontakt entbehren. Ebenso zeigen auch viele homosexuelle Menschen keine heterosexuelle AktivitĂ€t, auch wenn HomosexualitĂ€t repressiv behandelt wird und praktisch nicht durchfĂŒhrbar ist. GrundsĂ€tzlich geht man davon aus, dass durch nicht der sexuellen Orientierung entsprechende Handlungen dieselbe nicht beeinflusst wird. Dazu nicht im Widerspruch zeigen kulturĂŒbergreifende Vergleiche, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten in Situationen gegengeschlechtlicher Entbehrungen öfter vorkommt, vor allem bei MĂ€nnern in ihrer sexuellen Hauptzeit.[23]

In vielen Kulturen ist situationsbezogene Gleichgeschlechtlichkeit toleriert, obwohl dies zu offen gleichgeschlechtliches Leben oder gleichgeschlechtliches Leben nach „westlichem“ IdentitĂ€tsmodell nicht ist. Manche sozialen Analysten gehen davon aus, dass situative HomosexualitĂ€t verwendet wird um Homophobie und Biphobie zu bekrĂ€ftigen, indem jenen, die homosexuelle Sexualkontakte in gleichgeschlechtlichen Umgebungen haben, erlaubt wird sich weiter als heterosexuell zu definieren. Oft wird in solchen Umgebungen zwischen „echten Homosexuellen“ und jenen die heterosexuell bleiben unterschieden. Erstere sind sozial stigmatisiert, wĂ€hrend ihr Partner es nicht ist. Durch diese Unterscheidung wird Homophobie bestĂ€rkt, obwohl gleichgeschlechtliche AktivitĂ€t toleriert wird. Auch wenn sie oft stillschweigend erwartet wird und zu einem gewissen Grad toleriert wird, wird trotzdem erwartet, dass sie versteckt bleibt. Wird sie öffentlich sichtbar, so wird sie bestraft, selbst wenn jeder davon gewusst hat. Der „echte Homosexuelle“ wird dabei oft hĂ€rter bestraft als sein mutmaßlich heterosexueller Partner, welcher vorgeblich nur aus der Situation heraus handelt.[19] Oft wird die Unterscheidung auch dadurch getroffen, wer beim Sex „aktiver/mĂ€nnlicher“ und wer „passiver/weiblicher“ Partner ist. Diese Anzeichen zeigten ich beispielsweise auch in SĂŒdeuropa und vor allem im Orient (Nordafrika bis Pakistan) mit streng getrenntgeschlechtlicher Gesellschaft, wohin viele EuropĂ€er vor der hier schon herrschenden starken Ablehnung „flĂŒchteten“ und welcher hierzulande teilweise einen schlechten Ruf hatte. Erst in den 1960ern Ă€nderte sich dort die Haltung, manchmal existieren aber noch alte Traditionen weiter oder flammen wieder auf.[24]

Vor allem in GefĂ€ngnissen, aber auch in Erziehungsanstalten, ist sexuelle Befriedigung nur ein Teilaspekt, die AusĂŒbung von Macht, Erhalt der eigenen MĂ€nnlichkeit durch den psychisch heterosexuell und oft nicht einmal als homosexuelle Handlung angesehenen Verkehr – solange man der Aktive bleibt oder unter Gewaltanwendung gezwungen wird – und der Status in der geschlossenen Gesellschaft ist ein Hauptaspekt. Auch ethnische Konflikte spielen dabei eine Rolle. WĂŒnsche des passiven Partners zĂ€hlen meist nicht und ihm wird die MĂ€nnlichkeit genommen. Untergeordnet spielt auch die generelle menschliche Sehnsucht nach Zuneigung und Bindung eine Rolle. Paarbeziehungen von einem BeschĂŒtzer und einem BeschĂŒtzten basieren auf einer sehr starken Anpassung an das heterosexuelle Modell, das die Gefangenen von der Straße mitbringen; sexueller Stellungswechsel ist selten, und wenn er vorkommt, wird er immer sehr geheim gehalten. Ein weiterer Faktor ist Prostitution als interne WĂ€hrung sowie als Ausbeutung der Untergeordneten. Mehr als in der Außenwelt muss man eine Dreiteilung machen zwischen freiwilligem Sexualverhalten, gewalttĂ€tigen Vergewaltigungen und sexuellen Handlungen „um des Überlebens willen“. Ein großes Druckmittel sind dabei durchgefĂŒhrte oder angedrohte Gruppenvergewaltigungen. Das PhĂ€nomen ist generell sehr wenig wissenschaftlich erforscht, in Hinblick auf das System und nicht aus antihomosexueller Sichtweise, am meisten noch in den USA. Das Durchschnittsalter in den US-amerikanischen Haftanstalten betrĂ€gt etwa 28 Jahre, wobei fast drei Viertel der Gefangenen unter 35 Jahre alt sind und damit im sexuell aktivsten und körperlich aggressivsten Alter sind. Sie stammen ĂŒberwiegend aus den Unterschichten und der Arbeiterklasse und sind zu einem großen Teil Schwarze. Jede sexuelle AktivitĂ€t seitens der Gefangenen ist in allen GefĂ€ngnissen verboten und wird bei konkretem Anlass wirklich – oft auch gegenĂŒber Vergewaltigungsopfern – durch Disziplinierungmaßnahmen (bis hin zu Isolationshaft, Verlust von Hafterleichterungen und Ablehnung von Entlassung auf BewĂ€hrung) geahndet, im Gegensatz zu den nicht so konsequent durchgesetzten frĂŒher bestehenden „Sodomiegesetzen“ der Bundesstaaten. Was nicht offensichtlich ist, wird wegen der erhofften friedensstiftenden Wirkung in der Institution oft geduldet und nicht nĂ€her betrachtet. Als Beispiel fĂŒr eine GrĂ¶ĂŸenordnung sei eine Untersuchung aus dem Jahre 1982 genannt, wo 65% aller in einer Stichprobe befragten Gefangenen angaben in diesem GefĂ€ngnis sexuell aktiv gewesen zu sein. Von den sich selbst als heterosexuell beschreibenden berichteten 55% von sexuellen AktivitĂ€ten, wobei sich die Zahl der sexuell aktiven Heterosexuellen auf 35% der Weißen, 81% der Schwarzen und 55% der Hispanics verteilen. Verheiratete Heterosexuelle, die eheliche Besuche erhalten konnten, beteiligten sich hĂ€ufiger, nicht weniger, am Sex mit anderen Gefangenen. Es bestehen Unterschiede zwischen Strafanstalten, Haftanstalten, PolizeigefĂ€ngnissen und JugendgefĂ€ngnissen. Der Hauptgrund fĂŒr die Begrenzung der Rate liegt am Mangel an passiven Partnern. Jene, die sich nicht am Sex beteiligen, beteiligen sich dennoch oft am System indem verbale Bemerkungen gemacht werden und versucht wird andere in die passive Rolle zu drĂ€ngen. Im Gegensatz zu sexuellen Phantasien einiger urteilen die Homosexuellen, dass der Sex draußen wesentlich besser sei.[25]

Ethische Bewertungen der HomosexualitÀt

Die ethische Bewertung von HomosexualitĂ€t fĂŒhrt zu unterschiedlichen und sogar zu kontrĂ€ren Ergebnissen der Stellungnahme, je nachdem, welche anthropologischen Voraussetzungen und Deutungen der HomosexualitĂ€t zugrunde gelegt werden. Auch ist die ethische Bewertung nicht selten von einer bestimmten religiösen Sichtweise abhĂ€ngig oder mit ihr verbunden (siehe dazu den eigenen Artikel HomosexualitĂ€t und Religion).

Dort, wo man die homosexuelle Orientierung der Person entweder als natĂŒrliche Gegebenheit oder als Ergebnis einer positiv zu wertenden freien Entscheidung ansieht, wird auch das dieser Orientierung entsprechende homosexuelle Verhalten als sittlich gut angesehen, wenn dabei die allgemein akzeptierten Grundpostulate mitmenschlichen Zusammenlebens geachtet werden.

Es gibt Standpunkte, wonach die homosexuelle Neigung als solche bereits als Unordnung oder anthropologischer „Defekt“ gesehen wird. Auf dieser Ansicht aufbauende ethische Bewertung wird zwar noch nicht diese Neigung selbst als sittlich negativ qualifizieren mĂŒssen (soweit und insofern hier das Moment der Freiheit fehlt). Es existiert jedoch die Ansicht, dass das freie und damit verantwortliche homosexuelle Verhalten (unter der Voraussetzung, dass man annimmt, dass bei vorhandener Neigung das Verhalten wirklich frei wĂ€hlbar ist) verurteilt werden könne. Bewertet man homosexuelle Handlungen als sittlich negativ, so sind in diesem Fall verschiedene Abstufungen der Reaktion auf homosexuelle Akte möglich: Von der noch möglichen Toleranz als sittlich negativ angesehener homosexueller Verhaltensweisen bis hin zur Forderung ihrer absoluten Unterlassung und gesellschaftlichen Ächtung oder gar bis zur Forderung nach rechtlicher Verfolgung (im Extremfall bis hin zur Tötung) ergibt sich eine große Bandbreite.

EuropÀische Ethnologie

Unter dem Vorwurf der Sodomie wurden die Templer auf dem Scheiterhaufen verbrannt (Manuskript-Illustration, ca. 1350)

Eine jĂŒngere Generation von lesbisch-schwulen Soziologen, Philosophen und Historikern wie Mary McIntosh (The Homosexual Role, 1968), Michel Foucault (La VolontĂ© de savoir, 1976), Alan Bray (Homosexuality in Renaissance England, 1982) oder gegenwĂ€rtig insbesondere David Halperin (How to do the History of Homosexuality, 2002) betrachtet HomosexualitĂ€t nicht mehr als eine ĂŒberzeitliche Essenz, sondern als eine Erfindung der europĂ€ischen Neuzeit. Damit ist nicht gemeint, dass Frauen und MĂ€nner an anderen Orten und zu anderen Zeiten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt hĂ€tten. Vielmehr beziehen die genannten Autoren die Position, dass unsere heutige Auffassung von HomosexualitĂ€t als „Seinsweise“, die eine Minderheit von einer Mehrheit unterscheidet, eine verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig junge Konstruktion sei.

Die sodomitische SĂŒnde

Das theologische Modell der Sodomie, das dem modernen Begriff der HomosexualitĂ€t vorausging, steht zu diesem in einem deutlichen Gegensatz. Sodomie – als „widernatĂŒrlicher“ (Platon) Verkehr zwischen MĂ€nnern, aber auch zwischen einem Mann und einer Frau – wurde als ein allgemeinmenschliches Laster angesehen und nicht einer bestimmten Kategorie von Personen zugeordnet. Foucault spitzte diesen Unterschied zu, indem er in einer berĂŒhmt gewordenen Sentenz behauptete: „Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies.“ (siehe auch Sodomiterverfolgung).

Neben dem Diskurs der Sodomie, der sich im Mittelalter vor allem auf den Akt des Analverkehrs bezog, gab es jedoch auch Begriffe, die eine positive Sichtweise ausdrĂŒckten, wie etwa den der Freundschaft.

Freundschaft als Lebensweise

„Freundschaft“ konnte fast zu allen Zeiten auch eine romantische Beziehung zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts bezeichnen. KĂŒssen, Umarmen und HĂ€ndchenhalten, das gemeinsame Schlafen in einem Bett (daher der altertĂŒmliche Begriff des „Bettgenossen“) ebenso wie leidenschaftliche Liebesbekundungen und TreueschwĂŒre wurden unter MĂ€nnern bis weit in die frĂŒhe Neuzeit und oft sogar noch am Beginn des 20. Jahrhunderts als völlig normal wahrgenommen. Unter Frauen ist das – seit Ende des 19. Jahrhunderts allerdings mit immer grĂ¶ĂŸeren EinschrĂ€nkungen – teilweise auch heute noch der Fall. Die Semantiken (Bedeutungsinhalte) von Freundschaft und Liebe waren deshalb kaum voneinander zu unterscheiden. Das griechische Wort philos etwa kann sowohl „Freund“ als auch „Geliebter“ bedeuten.

Im Christentum wurden solche Beziehungen nur selten mit der „monströsen“ Figur des Sodomiten in Verbindung gebracht, und wenn, dann meist im Rahmen einer politischen Intrige (wie im Fall von Eduard II. oder dem mittelalterlichen Templerorden).

Die Erfindung des Homosexuellen

Von der Institution der geschworenen Bruderschaft (siehe oben) ist heute nur noch der Begriff des warmen Bruders als Synonym fĂŒr einen „Schwulen“ ĂŒbrig geblieben. In diesem Begriffswandel offenbart sich der geschichtliche Bruch, der durch das moderne Konzept der HomosexualitĂ€t verursacht wurde: Gesten der Zuneigung, die frĂŒher einfach als Zeichen einer Freundschaft verstanden worden wĂ€ren, identifiziert man heute als „homosexuell“ und stellt sie damit als Abweichung von der gesellschaftlichen Norm unter Verdacht. Die Konsequenz ist ein vor allem unter mĂ€nnlichen Jugendlichen belegbarer drastischer RĂŒckgang gleichgeschlechtlicher Sexualerfahrungen von 18 auf zwei Prozent allein zwischen 1970 und 1990. Diese Entwicklung geht mit wachsender Homophobie einher, weil viele junge Menschen aus Angst, womöglich als „Schwuler“ beziehungsweise als „Lesbe“ zu gelten, sich von allem Homosexuellen demonstrativ (und teilweise sogar gewaltsam) abgrenzen. Unter jungen MĂ€nnern ist diese Tendenz zur Abgrenzung im Allgemeinen nochmals deutlich stĂ€rker ausgeprĂ€gt als unter jungen Frauen. Es ist diese tĂ€tige Abwehr, durch die sich das stigmatisierende Etikett der HomosexualitĂ€t wie von selbst reproduziert.

Globalisierung einer Denkform

Die binĂ€re Kategorisierung von Personen als hetero und homo beziehungsweise „normal“ und „andersartig“ ist mittlerweile fast weltweit zu einer scheinbar unumstĂ¶ĂŸlichen RealitĂ€t geworden. Dieser Prozess, der sich in manchen Metropolen Europas wie London, Paris und Amsterdam bereits um 1700 ereignet hat, erreichte Regionen wie China dagegen erst Anfang beziehungsweise Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige postkoloniale Autoren wie der Hongkonger Soziologieprofessor Zhou Huashan kritisieren die Homophobie in ihren LĂ€ndern daher als eine Folge des europĂ€ischen Imperialismus.

Geschichte und HomosexualitÀt: Soziale Bewegung und Emanzipation

Schwulenverfolgung

John Atherton und John Childe, 1640 in Dublin wegen „Sodomie“ gehenkt.

→ Hauptartikel: Gesetze gegen HomosexualitĂ€t

Bis zum Hochmittelalter galt der Analverkehr im christlichen Bereich als SĂŒnde, aber noch nicht als Verbrechen; folglich drohte maximal eine Kirchenbuße und ein zeitweiliger Ausschluss von der Eucharistie, aber noch keine weltlichen Maßnahmen. Vom 13. Jahrhundert bis zur AufklĂ€rung wurde Analverkehr zwischen MĂ€nnern dann in fast ganz Europa unter der Bezeichnung „Sodomie“ durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht, hier wird noch von der Sodomiterverfolgung gesprochen. Zu grĂ¶ĂŸeren Verfolgungen und jeweils Hunderten von Hinrichtungen kam es wĂ€hrend des SpĂ€tmittelalters in Norditalien und Spanien sowie wĂ€hrend des gesamten 18. Jahrhunderts auch in England, Frankreich und den Niederlanden.

Die Ideen der Französischen Revolution fĂŒhrten in zahlreichen Staaten, die sich am französischen Code NapolĂ©on orientierten, um 1800 herum zur Abschaffung aller Gesetze gegen die „widernatĂŒrliche Unzucht“ (so etwa in den Niederlanden, im Rheinland und in Bayern). Preußen wandelte 1794 mit der EinfĂŒhrung des Allgemeinen Landrechts die Todesstrafe in eine Zuchthausstrafe um. 1871 wurde der preußische Paragraph in das Strafgesetzbuch des Deutschen Reichs aufgenommen und als § 175 in der folgenden Zeit immer hĂ€ufiger angewandt.

Bis zur Reform des § 175 im Jahr 1969 arbeitete die Polizei dabei mit Spitzeln in der schwulen Subkultur und geheimen Rosa Listen, auf denen zahlreiche Namen von homosexuellen MĂ€nnern verzeichnet waren. Da HomosexualitĂ€t verfolgt und bis in die 1970er Jahre als psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, konnten Homosexuelle auch auf unbestimmte Zeit freiheitsentziehend in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Ein Beispiel ist die „Behandlung“ des britischen Mathematikers Alan Turing im Jahr 1952.

WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurden etwa 10.000 bis 15.000 Schwule in Konzentrationslager verschleppt, in denen sie den Rosa Winkel tragen mussten (siehe Homosexuelle wĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus). Nur etwa 40-50 Prozent von ihnen ĂŒberlebten. Obwohl es in Deutschland, im Gegensatz zu Österreich, kein Gesetz gegen die lesbische Liebe gab, verhaftete die Gestapo auch dort eine unbekannte Zahl von Frauen wegen ihrer HomosexualitĂ€t oder unter anderem Vorwand. WĂ€hrend jener Zeit verurteilte Schwule wurden in Deutschland am 17. Mai 2002 durch den Bundestag symbolisch rehabilitiert.

In der Bundesrepublik Deutschland bestand der § 175 bis 1969 in der von den Nazis verschĂ€rften Fassung weiter, was vom Bundesverfassungsgericht 1957 als rechtmĂ€ĂŸig anerkannt wurde. Erst 1994 fiel er im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR weg.

Im Mai 2008 wurde in Berlin das Denkmal fĂŒr die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen eingeweiht.

In Österreich existierte der § 209 ÖStGB mit Ă€hnlichem Wortlaut wie der § 175 StGB in Deutschland bis ins Jahr 2002, als er vom österreichischen Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde[26] und trat am 14. August 2002 außer Kraft.[27] Dennoch wurde Österreich im Anschluss mehrfach vom EGMR, der ebenfalls ausdrĂŒcklich die Menschenrechtswidrigkeit des § 209 feststellte, verurteilt[28], da man es unterlassen hatte, menschenrechtswidrig Verurteilte zu rehabilitieren.

In rund 75 von 195 Staaten auf der Welt werden Homosexuelle auch heute noch strafrechtlich verfolgt, so etwa in Indien, Nigeria, Jamaika, Simbabwe, Angola, Nepal und in den meisten islamischen Staaten, wobei fĂŒnf dieser LĂ€nder - Jemen, Iran, Saudi-Arabien, Mauretanien und Sudan - Homosexuelle mit dem Tode bestrafen.

Aber auch im Osten Europas, zum Beispiel in Serbien, Albanien und sogar in manchen der neuen EU-LĂ€nder ist die Lage der Menschenrechte derzeit bedenklich: So werden in Polen und Lettland Demonstrationen fĂŒr Toleranz gegenĂŒber Schwulen und Lesben von offiziellen Stellen verboten oder teilweise mit massiver Gewalt konfrontiert, die von den Kirchen und rechtsradikalen Nationalisten geschĂŒrt wird. In Polen sind in letzter Zeit Forderungen einiger fĂŒhrender Politiker laut geworden, Homosexuelle in Lager zu stecken bzw. aus Polen zu eliminieren. Im Jahr 2007 wurde ĂŒber ein Gesetz beraten, das selbst die ErwĂ€hnung von HomosexualitĂ€t fĂŒr Lehrer unter Strafe stellen soll. So wird auch verboten, aufzuklĂ€ren, wie sich homosexuelle MĂ€nner vor Aids schĂŒtzen können. Lehrer, die dagegen verstoßen, können aus dem Schuldienst entlassen werden.[29] In der UNO versuchen der Vatikan und die islamischen Staaten gemeinsam, allein nur die Diskussion ĂŒber die Menschenrechtslage fĂŒr Schwule und Lesben zu verhindern. FĂŒr gewisses Aufsehen sorgte die Verhinderung bzw. Störung schwul-lesbischer Demos, Prides und PetitionsĂŒbergaben in Warschau und in Moskau durch die Polizei in den Jahren 2005, 2006 und 2007, wobei auch der parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Bundestagsabgeordnete von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Volker Beck kurzfristig verhaftet wurde.

In der Geschichte und in der Gegenwart waren auch Homosexuelle selbst oft große Feinde und Verfolger anderer Homosexueller. So ist bekannt, dass es oft latent Homosexuelle sind, die aus Angst vor dem Bekanntwerden der eigenen Neigung alle anderen, vor allem sich offen bekennende Homosexuelle, bekĂ€mpften und bekĂ€mpfen.

Emanzipationsbewegungen

Die Regenbogenfahne, seit 1978 ein internationales schwul-lesbisches Symbol

→ Hauptartikel: Lesben- und Schwulenbewegung

Erste Forderungen nach der urnischen Ehe wurden von Karl Heinrich Ulrichs 1867 auf dem deutschen Juristentag in MĂŒnchen vor 500 Mitgliedern erhoben. Auch wenn sein Vortrag mit Spott und Ablehnung aufgenommen wurde, beginnt an diesem Tag die Geschichte der Homosexuellen-Emanzipation.

Der Beginn der organisierten homosexuellen Emanzipationsbewegung wird im Allgemeinen mit der GrĂŒndung des Wissenschaftlich-humanitĂ€ren Komitees (WhK) durch den Berliner Arzt Magnus Hirschfeld im Jahr 1897 angesetzt. Es handelte sich dabei jedoch um eine Honoratiorenvereinigung, die nur ca. 500 Mitglieder umfasste und nach außen hin nicht als homosexuelle Bewegung in Erscheinung trat. Stattdessen warb sie ausschließlich mit wissenschaftlichen Argumenten fĂŒr eine Streichung des § 175.

ZahlenmĂ€ĂŸig weit bedeutsamer waren die nach 1919 gegrĂŒndeten FreundschaftsbĂŒnde. Ihr Schwerpunkt lag in der Planung von Geselligkeitsveranstaltungen, umfasste jedoch auch politische und publizistische AktivitĂ€ten sowie die GewĂ€hrleistung von Rechtsschutz fĂŒr jene Mitglieder, die vom § 175 betroffen waren. Als Dachgruppen konkurrierten der im August 1920 gegrĂŒndete Deutsche Freundschafts-Verband (DFB) und der im Mai 1922 entstandene Bund fĂŒr Menschenrechte (BfM). Letzterer erwies sich in seiner GrĂ¶ĂŸenentwicklung als das bei weitem erfolgreichere Modell. Bereits 1924 zĂ€hlte er ĂŒber 12.000 Mitglieder; 1929, gegen Ende der Weimarer Republik, waren es sogar mehr als 48.000. AuslĂ€ndische angegliederte Gruppen soll es laut Angaben des Vereins in der Schweiz, in Österreich, in der Tschechoslowakei, in New York City, Argentinien und Brasilien gegeben haben. Allerdings ist ĂŒber die meisten dieser Gruppen kaum etwas bekannt. Eine Ausnahme bildet eine Schweizer Gruppe um Karl Meier mit ihrer Zeitschrift Der Kreis, die als einzige in Europa nicht durch die Nazis zerschlagen werden konnte. Dadurch wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg Vorbild fĂŒr viele neu entstehende Gruppen.

Ein neuer Schwerpunkt der Homosexuellenbewegung bildete sich in den Vereinigten Staaten. Im FrĂŒhjahr 1951 grĂŒndete Harry Hay, Mitglied der CPUSA, zusammen mit Bob Hull, Chuck Rowland, Dale Jennings und Rudi Gernreich die Mattachine Society. 1955 entstand unter FĂŒhrung von Del Martin und Phyllis Lyon die Lesbenorganisation Daughters of Bilitis. Beide Gruppen bezeichneten sich als homophil, um sich der Reduzierung von HomosexualitĂ€t auf den Akt des Beischlafs zu entziehen. Unter dem Druck der McCarthy-Ära entpolitisierten sich diese Organisationen und wurden zu Debattierclubs, die in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung traten. Erst Mitte der 1960er Jahre fand mit Dick Leitsch (New York) und Frank Kameny (Washington) eine Neuorientierung an den Protestformen der schwarzen BĂŒrgerrechtsbewegung statt.

Am 28. Juni 1969 kam es anlĂ€sslich einer Polizeirazzia in der New Yorker Schwulenbar Stonewall zu einem Aufstand in der Christopher Street, der drei Tage andauerte. Dieses Ereignis fĂŒhrte zu einer Radikalisierung zahlreicher Lesben und Schwuler. In Anlehnung an linke Bewegungen der damaligen Zeit grĂŒndeten sich gemischte Gruppen wie die Gay Liberation Front und die Gay Activists Alliance.

Am 1. Mai 1970 machte schließlich die Gruppe Radicalesbians auf sich aufmerksam, indem sie in New York den Zweiten Jahreskongress zur Vereinigung der Frauen mit einem geplanten Happening unterbrach. Das dort verteilte Manifest der frauenidentifizierten Frau begrĂŒndete das sich fĂŒr die Frauenbewegung als einflussreich erweisende Konzept des politischen Lesbianismus: Lesbischsein wurde nicht als eine sexuelle Orientierung, sondern als die einzig mögliche Strategie des Widerstands gegen patriarchale Bevormundung und UnterdrĂŒckung aufgefasst.

SĂ€mtliche dieser politischen Strategien und Konzepte wurden in den 1970er Jahren nach Europa getragen.

In der Bundesrepublik Deutschland grĂŒndeten sich nach der Liberalisierung des § 175 im Jahre 1969 und nach der Fernsehausstrahlung des Filmes Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt die ersten Schwulengruppen. Die offene und provozierende filmische Darstellung von Schwulen durch den Regisseur Rosa von Praunheim, der sich hierzu eines politischen Textes des Soziologen und Sexualforschers Martin Dannecker bediente, stieß in der Öffentlichkeit, aber auch bei konservativen und angepassten Homosexuellen auf Ablehnung.

Ähnlich wie in den USA trennten sich Lesben in der Bundesrepublik schon sehr frĂŒh von den mĂ€nnlich dominierten Schwulengruppen und engagierten sich stattdessen in der Frauenbewegung, wo gleichgeschlechtliche Liebe oft nicht nur anerkannt, sondern sogar prĂ€feriert wurde.

In den 1980er und 1990er Jahren kam es zu einer breiten AusfĂ€cherung, aber auch zu einer fortschreitenden Entpolitisierung der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Gleichzeitig fand eine WiederannĂ€herung von Lesben und Schwulen statt. Seit etwa Mitte der 1980er Jahre veranstalten sie gemeinsam in fast sĂ€mtlichen europĂ€ischen und amerikanischen Metropolen alljĂ€hrliche Demonstrationen zur Erinnerung an den Stonewall-Aufstand. In den 1990er Jahren wurden daraus gewaltige UmzĂŒge, die unter der Bezeichnung Christopher Street Day bzw. Gay Pride Parade in den Tagen zwischen Juni und Juli weltweit mehrere Millionen Menschen auf die Straße ziehen. Jedoch verbinden die Teilnehmer mit ihrer Anwesenheit nur noch selten eine konkrete politische Aussage. Entsprechende GegenentwĂŒrfe zur Repolitisierung des CSD in Deutschland sind der Transgeniale CSD in Berlin-Kreuzberg und die Queerrr Street Days in Hamburg.

Eine neue Erscheinung bildet der Wunsch nach territorialer Abgrenzung von der Hetero-Welt, der hĂ€ufig als Gay Nationalism bezeichnet wird. So wurde von einer Gruppe australischer Aktivisten am 14. Juni 2004 eine winzige Koralleninsel namens Cato besetzt und das Gay & Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands ausgerufen. Der neue Staat stellte sich ziemlich rasch als eine Mikronation unter vielen heraus, denn weder der Imperator Dale Parker Anderson noch sonst jemand war bereit, sich auf Cato niederzulassen. Die Unstimmigkeiten innerhalb der FĂŒhrungsriege fĂŒhrten zur Zersplitterung der Bewegung in mehrere Gruppen.

BDSM

Die Leather-Pride-Flagge, ein Symbol fĂŒr die Lederszene.

→ Hauptartikel: BDSM

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich aus der US-amerikanischen Motorradfahrer-Subkultur die mĂ€nnliche homosexuelle Lederszene, auf die sich weite Teile des heutigen BDSM-Gedankenguts zurĂŒckfĂŒhren lassen.[30]

In seinem 1972 veröffentlichten Buch Leatherman's Handbook fasste Larry Townsend diese Ideen zusammen, die man spĂ€ter als „Old Guard“-Lederbewegung bezeichnen sollte. Der in diesem Werk beschriebene Verhaltenskodex basierte auf strengen Formvorschriften und festgeschriebenen Rollen in Bezug auf das Verhalten der Beteiligten (beispielsweise kein Switchen) und hatte noch keinen echten Bezug zu Lesben und Heterosexuellen. Die sogenannte New-Guard-Lederbewegung entstand in den 1990er Jahren als Reaktion auf die der Old Guard-Lederbewegung zugrunde liegenden BeschrĂ€nkungen. Diese neue Ausrichtung begrĂŒĂŸte das Switchen und begann, einerseits geistige Aspekte in ihr Spiel zu integrieren und andererseits zunehmend die strikte Rollenauffassung und Ablehnung von Heterosexuellen und (lesbischen) Frauen durch die alte Bewegung aufzugeben. Im Sommer 1979 entstand mit Samois erstmals eine feministische Lesben-Gruppe, die sich in den 1980er Jahren politisch fĂŒr die Rechte von lesbischen Sadomasochistinnen engagierte. Ihr 1981 veröffentlichtes Buch Coming to Power fĂŒhrte schließlich auch in der lesbischen Gemeinschaft zu einer erhöhten Akzeptanz bzw. zu mehr VerstĂ€ndnis gegenĂŒber der BDSM-Thematik. Die Gruppe nahm gegen den Widerstand der Organisatoren gemeinsam mit der BDSM-Gruppe Janus an der Veranstaltung Gay Freedom Day Parade teil und trug dabei erstmals T-Shirts mit der Aufschrift „The Leather Menace“. Dies gilt als erstes offenes Auftreten einer sadomasochistischen Lesben-Gruppe auf einer öffentlichen Veranstaltung. Die offene Teilnahme der Gruppe bei dieser Veranstaltung machte erstmals Differenzen zu Teilen der nicht sadomasochistischen Lesben deutlich, die BDSM als problematisch und Grundlage von Frauenhass wie Gewaltpornographie ansehen.

In Folge kam es zu massiven Streitigkeiten in der lesbischen Subkultur. Die resultierenden ideologischen Kontroversen wĂ€hrten jahrzehntelang und legten die Grundlage fĂŒr eine bis heute andauernde Auseinandersetzung, die im angelsĂ€chsischen Raum unter der Bezeichnung Feminist Sex Wars bekannt ist. Hierbei kam es zu teilweise Ă€ußerst aggressiv ausgetragenen Konflikten mit verschiedenen feministischen Organisationen wie Women Against Violence in Pornography and Media (WAVPM) und Women Against Pornography. Prominente Vertreterinnen der sich hieraus ergebenden theoretischen Diskussion sind zum Beispiel Pat Califia und Gayle Rubin auf der einen und Andrea Dworkin und Catharine MacKinnon auf der anderen Seite. Die AktivitĂ€ten der BDSM-BefĂŒrworterinnen fĂŒhrten zur Entwicklung des Sexpositiven Feminismus. Der Diskurs ĂŒber die LegitimitĂ€t weiblichen Sadomasochismus hĂ€lt bis heute an. Im deutschsprachigen Raum nahm die Diskussion um die PorNO-Kampagne die wichtigsten Argumente und Forderungen der antipornografischen Seite auf, eine vergleichbar intensive Diskussion unter Feministinnen blieb jedoch weitestgehend aus, da die Thesen der Debatte ĂŒberwiegend nur in kritischen Teilaspekten eine Rolle spielten.

HomosexualitÀt, Psychologie und Medizin

Psychologie, Psychotherapie

Die psychiatrische Pathologisierung der HomosexualitĂ€t begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie wurde als Symptom einer inneren Verkehrung des Geschlechtsempfindens („kontrĂ€re Sexualempfindung“, „Inversion“) aufgefasst. 1869 publizierte der Berliner Nervenarzt Carl Westphal den ersten wissenschaftlichen Aufsatz zu diesem Thema, in welchem er auch den Terminus „contrĂ€re Sexualempfindung“ einfĂŒhrte.

Sigmund Freud bezeichnete HomosexualitĂ€t zwar „als Abweichung der sexuellen Funktionen, hervorgerufen durch eine gewisse Stockung der sexuellen Entwicklung“[31], bezog aber andererseits mehrfach und öffentlich Stellung gegen Kriminalisierung und Pathologisierung. 1903 betonte er in der Zeitschrift Die Zeit, dass „Homosexuelle nicht als Kranke behandelt werden sollen.“ 1905 stellte er fest: „Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuch, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen abzutrennen.“[32] 1921 widerspricht er Ernest Jones, der einen homosexuellen Arzt nicht zur analytischen Ausbildung zulassen wollte.[33] 1930 unterschreibt er einen Appell an den Nationalrat zur Abschaffung der Strafbarkeit. Und 1935 schrieb er in einem Brief an eine Mutter, dass auch Homosexuelle – durch eine Analyse – zu „Harmonie, Seelenfrieden und volle[r] LeistungsfĂ€higkeit“[34] gelangen können.

HomosexualitĂ€t wurde 1974 von der American Psychiatric Association (APA) gemĂ€ĂŸ einem Beschluss aus dem Jahr zuvor aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen – nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse von Evelyn Hooker. Zuvor galt HomosexualitĂ€t als psychische Störung. Allerdings existierte von da an im DSM-II die „sexuelle Orientierungsstörung“, spĂ€ter im DSM-III „ich-dystone HomosexualitĂ€t“ genannt, mit der ein Zustand anhaltenden Leidens an der eigenen HomosexualitĂ€t diagnostiziert werden konnte. Im neuen, aktuellen DSM-IV-TR befindet sich eine Diagnosekategorie „nicht nĂ€her bezeichnete sexuelle Störung“, die auch ein „andauerndes und ausgeprĂ€gtes Leiden an der sexuellen Orientierung“ (302.9) beinhaltet. Die Streichung erfolgte 1974 gegen den Widerstand der American Psychoanalytic Association (APsaA), die dadurch erheblich an RenommĂ©e und Einfluss verlor, dann nach einem Generationswechsel neue Position bezog und sich 1991 entschuldigte:

„Die American Psychoanalytic Association lehnt jede öffentliche oder private Diskriminierung gleichgeschlechtlich orientierter Frauen und MĂ€nner ab und bedauert sie. Es ist die Position der American Psychoanalytic Association, daß die mit uns verbundenen Ausbildungsinstitute ihre Kandidaten aufgrund ihres Interesses fĂŒr die Psychonalyse aussuchen, wegen ihres Talents, ihrer Vorbildung, ihrer IntegritĂ€t, ihrer Bereitschaft zu Selbstanalyse und Ausbildung, und nicht aufgrund sexueller Orientierung.“

– American Psychoanalytic Association, Declaration on Homosexuality, adopted 1991, amended May 1992: Übersetzt von Christian Michelides, Fettdruck aus dem Original ĂŒbernommen

„Die Annahme, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerwahl bereits ein Symptom darstellt, dass HomosexualitĂ€t an sich ein Individuum psychisch krank macht, ist eine Unterstellung.“

– Fritz Morgenthaler

Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die HomosexualitĂ€t erst 1992 mit der Publikation der ICD-10 entfernt. DafĂŒr wurde dort das Störungsbild der ich-dystonen Sexualorientierung (F66.1) im Bereich der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgenommen. In der ICD-8 wurde HomosexualitĂ€t bereits 1968 als umstrittenes Krankheitsbild dargestellt.

In Psychoanalyse und Psychotherapie gibt es nach wie vor kontroverse Meinungen. AnhĂ€nger der Gay Affirmative Psychotherapy, die die internationale Mehrheitsmeinung vertreten, versuchen, den Umgang mit HomosexualitĂ€t möglichst in das Menschsein zu integrieren. Im deutschen Sprachraum Ă€ußerten sich 2000 zwei Standardwerke klar und deutlich: Im Mertens/Waldvogel konstatierte Udo Rauchfleisch, dass Diskriminierung und Pathologisierung wissenschaftlich nicht vereinbar seien.[35] Im Stumm/Pritz verlangte Wolfgang Till von der Psychotherapie „eine nichtpathologisierende, vorurteilsfreie Haltung zur HomosexualitĂ€t“.[36] Johannes Cremerius nannte (schon 1992) die Pathologisierung der HomosexualitĂ€t und die Weigerung, Homosexuelle zur analytischen Ausbildung zuzulassen, als einen der wesentlichen GrĂŒnden fĂŒr die Krise der Psychoanalyse.[37]

Dazu entgegengesetzt gibt es eine immer kleiner werdende Minderheit von Medizinern bzw. Psychoanalytikern, die HomosexualitĂ€t im Gegensatz zum DSM-IV und zur ICD-10 als „krankhafte und behandlungsbedĂŒrftige Störung“ sehen (Charles Socarides[38] und Joseph Nicolosi).

Der Psychotherapeut Douglas Haldeman, der ehemalige Vorsitzende der American Psychological Association, ist der Meinung, Lesben und Schwule hĂ€tten zwar ein Recht auf VerĂ€nderung ihrer sexuellen Orientierung, sofern sie mit ihren sexuellen Orientierungen unzufrieden seien. Bisher ist jedoch keine funktionierende „Therapie“ bekannt, mit der langfristig die sexuelle Orientierung verĂ€ndert werden konnte. Die sogenannte reparative Therapie bezeichnet Haldeman als „Pseudowissenschaft“. Die sexuellen Neigungen als solche bestimmen noch nicht die psychologische IdentitĂ€t eines Menschen, da dazu wesentlich die freie Stellungnahme gehört.[39] Im Sommer 2008 erklĂ€rte die deutsche Bundesregierung im Bundestag, dass die reparative Therapie in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt werde. Die deutsche Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass HomosexualitĂ€t einer Therapie bedarf, noch dass HomosexualitĂ€t einer Therapie zugĂ€nglich ist. [40] Auch Haldeman ist der Meinung, die sogenannte „reparative Therapie“ passe nicht in die moderne „mental health profession“ hinein, und sei „seit Jahren diskreditiert.“[41]

AIDS

Kondome und LecktĂŒcher schĂŒtzen

→ Hauptartikel: AIDS

Zur Emanzipation der Schwulen trug – neben der Öffentlichkeitsarbeit – auch die sogenannte AIDS-Epidemie zu Beginn der 1980er Jahre in erheblichem Maße bei. Dies klingt zunĂ€chst widersprĂŒchlich, da sich AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) in den westlichen LĂ€ndern, vermutlich aufgrund der höheren PromiskuitĂ€t und der hohen Ansteckungsgefahr insbesondere bei Analverkehr, zunĂ€chst stark in schwulen Kreisen verbreitete.

Durch die von den AIDS-Hilfen und der deutschen Bundesregierung angestoßenen AufklĂ€rungskampagnen rĂŒckte das Tabu-Thema HomosexualitĂ€t aber stĂ€rker ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Dadurch wurde nicht nur AufklĂ€rung ĂŒber das HI-Virus und das dadurch ausgelöste Krankheitsbild AIDS erreicht, sondern auch fĂŒr sicherere Sexualpraktiken (Safer Sex) als Vorsichtsmaßnahme geworben. Dabei konnten viele Fehlmeinungen und Vorurteile im gesellschaftlichen Bewusstsein ĂŒber Schwule und Lesben korrigiert werden. Es lĂ€sst sich eine stetig steigende Toleranz in der Bevölkerung gegenĂŒber HomosexualitĂ€t feststellen. Die moralischen Gesellschaftswerte haben sich verschoben, auch wenn manche Menschen HomosexualitĂ€t verurteilen oder homosexuelle Menschen abwerten.

Viele Menschen bringen schwule SexualitĂ€t automatisch mit AIDS in Verbindung. Schwule sind jedoch nach herrschender medizinischer Ansicht nur dann dieser besonderen Risikogruppe zuzurechnen, wenn sie hĂ€ufig ungeschĂŒtzten Analverkehr bzw. Verkehr mit wechselnden Sexualpartnern haben, da die Verletzungs- bzw. Infektionsgefahr bei analer Penetration drastisch höher ist als bei vaginaler Penetration und PromiskuitĂ€t allgemein dem Risikoverhalten fĂŒr sexuell ĂŒbertragbare Krankheiten zuzurechnen ist.

Blutspenden

In Deutschland sind ausnahmslos alle schwulen oder bisexuellen MĂ€nner dauerhaft ausgeschlossen, Blut und andere Blutprodukte wie Knochenmark und Blutplasma zu spenden, egal wie ihr persönliches Risikoverhalten ist. Hingegen hĂ€ngt die Erlaubnis zur Blutspende bei heterosexuellen Personen sowie lesbischen und bisexuellen Frauen vom individuellen Sexual- und Risikoverhalten und nicht pauschal von ihrer sexuellen Orientierung ab. Durch die Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen – welche fĂŒr alle Blutspendedienste bindend sind – sind alle Personen dauerhaft ausgeschlossen, „deren Sexualverhalten oder LebensumstĂ€nde ein gegenĂŒber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko fĂŒr durch Blut ĂŒbertragbare schwere Infektionskrankheiten (HBV, HCV oder HIV) bergen.“ Als erlĂ€uternde Beispiele sind HĂ€ftlinge, Prostituierte beiderlei Geschlechts und allgemein „homo- und bisexuelle MĂ€nner“ ohne nĂ€here Spezifikation angefĂŒhrt.[42] Die BundesĂ€rztekammer, die gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut und dem Paul-Ehrlich-Institut fĂŒr die Erarbeitung dieser Richtlinien zustĂ€ndig ist, begrĂŒndet das mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko schwerer Infektionskrankheiten. TatsĂ€chlich fĂ€llt, verglichen mit anderen Bevölkerungsgruppen, eine signifikant hohe Zahl von HIV-Neuinfektionen auf homosexuelle MĂ€nner.[43] Dieser Unterschied wird unter anderem auf den hĂ€ufigeren Wechsel von Sexualpartnern unter schwulen MĂ€nnern und ein höheres Infektionsrisiko beim Analverkehr gegenĂŒber dem vaginalen Geschlechtsverkehr zurĂŒckgefĂŒhrt.[44] Kritiker verlangen jedoch, Risikoverhalten nicht pauschal an homosexueller Orientierung festzumachen, sondern alle Blutspender nach ihrem Risikoverhalten zu befragen. Im Moment wĂŒrden auch homosexuelle MĂ€nner ausgeschlossen, die kein solches Risikoverhalten aufweisen, und heterosexuelle Menschen zugelassen, die beispielsweise aufgrund hĂ€ufigen Analverkehrs ein erhöhtes Risiko aufweisen. Um also Transfusionen sowohl möglichst sicher zu machen als auch die EngpĂ€sse bei Blut-[45] und Knochenmarkspenden zu bekĂ€mpfen, mĂŒssten die Richtlinien ĂŒberarbeitet werden, so die Kritiker.[46]

Auch in Österreich gibt es in der Blutspendeverordnung einen dem obigen Zitat gleichwertigen Satz.[47] Je nach Organisation steht bei den Fragebögen die ErklĂ€rung „dauerndes Risikoverhalten wie gleichgeschlechtlicher Verkehr“[48] oder „jemals [
] als Mann Sex mit einem Mann [
] Betrifft auch Partner von Personen mit den angefĂŒhrten Risiken.“[49] Nach dieser Formulierung sind auf Lebenszeit alle MĂ€nner ausgeschlossen, die irgendwann in ihrem Leben einen mĂ€nnlichen Sexualkontakt hatten, gleich welcher Art (oral, anal, manuell), egal ob geschĂŒtzt oder ungeschĂŒtzt, egal mit wie vielen Partnern. Heterosexuelle werden jedoch nur ausgeschlossen, wenn sie ungeschĂŒtzten Verkehr hatten, und auch in diesem Fall nur, wenn sie das mit wechselnden Partnern tun.[50] Am 21. Juni 2007 hat Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Fragebogen ĂŒberarbeiten soll[50]. Über Ergebnisse ist noch nichts bekannt.

In der Schweiz sind „MĂ€nner, die seit 1977 mit einem oder mehreren MĂ€nnern sexuellen Kontakt hatten“ ausgeschlossen.[51] In Großbritannien sind ebenfalls alle MĂ€nner, die jemals mit anderen MĂ€nnern Sex hatten, auf Lebenszeit ausgeschlossen.[52] Eine britische Studie stellt fest, dass Blutspenden kein Menschenrecht ist, Abweisungskriterien aber auf klarer Evidenz von Risikoverhalten beruhen mĂŒssen und keinen Menschen nur aufgrund seiner sexuellen Neigung oder seiner Herkunft ausschließen sollen.[53]

In anderen LĂ€ndern, in denen Ă€hnliche Verbote bestanden, wurden diese teilweise abgeschafft, so zum Beispiel 2001 in Italien[54] und 2003 in Spanien[45]. In SĂŒdafrika sind seit Ende 2006 alle ausgeschlossen, die im letzten halben Jahr Oral- oder Analverkehr hatten, gleich welcher sexuellen Orientierung.[55]

Wissenschaft und HomosexualitÀt

Bei der wissenschaftlichen Betrachtung der HomosexualitÀt (beispielsweise unter biologischen, evolutionÀren oder psychologischen Aspekten) ging es hÀufig immer um einen Àhnlichen Fragenkomplex:

  • Können besondere Faktoren ausgemacht werden, die zu HomosexualitĂ€t beim Menschen fĂŒhren?
  • Ist die HomosexualitĂ€t bei allen homosexuellen Menschen oder nur bei einem Teil durch angeborene Faktoren bedingt?
  • Ist die HomosexualitĂ€t bei allen homosexuellen Menschen oder nur bei einem Teil durch erworbene Faktoren bedingt?
  • Ist HomosexualitĂ€t als Gesamterscheinung oder lediglich bei einzelnen Homosexuellen oder gar nicht als abnorm oder krankhaft einzustufen? Ersteres wĂŒrde implementieren, dass eine Heilung – sofern möglich – sinnvoll wĂ€re.
  • Kann HomosexualitĂ€t auch das Ergebnis einer freien Willensentscheidung sein?

Welche Faktoren beim Einzelnen zu HomosexualitĂ€t fĂŒhren, lĂ€sst sich nicht sicher sagen; es werden zwar immer wieder angeblich körperliche oder psychische Faktoren entdeckt, diese ließen sich jedoch bisher in keinem Fall empirisch bestĂ€tigen.

Zum einen wird behauptet, dass die sexuelle Orientierung schon vor der Geburt angelegt ist. Eine andere Behauptung ist, dass sich HomosexualitĂ€t erst durch gewisse Identifikationsprozesse in der frĂŒhen Kindheit oder auch besondere AblĂ€ufe in der PubertĂ€tsphase oder auch spĂ€ter ausprĂ€gen wĂŒrde. Außerdem werden Mischtheorien vertreten, die besagen, dass eine Kombination von beidem vorlĂ€ge.

Der wissenschaftliche Streit ĂŒber die Ursachen ist sehr alt. Solange jedes homosexuelle Verhalten strafbar war, waren die Argumentationen in diesem Streit oft von dem Bestreben geleitet, entweder die „Unausweichlichkeit“ homosexuellen Verhaltens zu belegen und damit die Forderung nach dessen Straflosigkeit zu begrĂŒnden oder aber es als freie Entscheidung fĂŒr „moralischen Verfall“ zu kennzeichnen, dem mit Bestrafung entgegengewirkt werden mĂŒsse.

In der Lesben- und Schwulenbewegung wird die Forschung zu den Ursachen der HomosexualitĂ€t oft kritisch gesehen, weil befĂŒrchtet wird, dass die Erforschung der Ursachen dem Zweck dienen könne, als schwul beziehungsweise lesbisch vermutete Föten abzutreiben oder ggf. gentechnische Korrekturen vorzunehmen.

Eine fundierte Zusammenfassung und Kritik der aktuelleren AnsÀtze und Untersuchungen zur mÀnnlichen HomosexualitÀt lieferte etwa Robert Allen Brookey 2002 mit seinem Band Reinventing the Male Homosexual. The Power and Rhetorics of the Gay Gene.

In einer Studie aus Schweden von 2008 an eineiigen Zwillingen konnte gezeigt werdent, dass die Faktoren, die die sexuelle Orientierung steuern, sehr komplex sind.[56]

HomosexualitĂ€t und Biologie – Homosexuelles Verhalten bei Tieren

Australische TrauerschwÀne

Homosexuelles Verhalten kommt auch bei Tieren vor.[57] Bei ca. 1.500 Tierarten wurde gleichgeschlechtliches Verhalten festgestellt, wobei ca. ein Drittel dieser FĂ€lle gut dokumentiert ist.[58] Homosexuelles Verhalten lĂ€sst sich beispielsweise bei den Bonobos beobachten, die ĂŒber eine fĂŒr Menschenaffen ungewöhnliche matriarchale Organisationsstruktur verfĂŒgen. DarĂŒber hinaus kann man Bonobos belegbar als grundsĂ€tzlich bisexuelle Tierart betrachten. Mehr als fĂŒr mĂ€nnliche HomosexualitĂ€t sind Bonobos vor allem fĂŒr ihren Lesbianismus bekannt.

Einige TrauerschwÀne Australiens bilden sexuell aktive mÀnnliche Paare, die entweder Nester stehlen oder zeitweilige Dreierbeziehungen mit Weibchen eingehen, um in den Besitz von Eiern zu gelangen. Sobald die Eier gelegt sind, wird das Weibchen vertrieben. Der von homosexuellen Paaren aufgezogene Nachwuchs erreicht das Erwachsenenalter dabei hÀufiger als derjenige von gemischtgeschlechtlichen Paaren.

Im Zoo von Bremerhaven leben momentan drei homosexuelle Paare von Pinguinen, die auch nach dem Import mehrerer schwedischer Pinguindamen ihre Beziehung fortsetzen.[59] Die AnkĂŒndigung des Versuchs erregte vor allem durch die unsensible Wortwahl weltweites Aufsehen und Proteste.[60]

Unter vielen Delfinarten gibt es zahlreiche Formen homosexuellen Verhaltens. Diese Verhaltensweisen treten unter anderem aus GrĂŒnden der Festigung von Beziehungen in einer Delfinschule sowie beim Dominanzkampf zwischen MĂ€nnchen auf, zeigen sich also in verschiedenen sozialen Situationen.

Die Fachzeitschrift Nature dokumentierte im Oktober 2006[61] zwei mĂ€nnliche Giraffen beim erfolgreichen Versuch einer analen Penetration und zwei mĂ€nnliche Wale (SĂŒdkaper) mit erigierten Penissen „bei Sexspielen“ („engaged in sexual games“).

Genetische Diskussion

In der Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchte der Zwillingsforscher Franz Josef Kallmann menschliche Familien und insbesondere Zwillinge.[62] Bei einer Stichprobe von 40 eineiigen und 45 zweieiigen mÀnnlichen Zwillingspaaren, von denen mindestens ein Bruder sich selbst als schwul bezeichnete, fand er heraus, dass bei 100 % der eineiigen Zwillinge der andere Bruder auch schwul war und dass bei den zweieiigen Zwillingen diese in diesem Punkt der allgemeinen mÀnnlichen Bevölkerung glichen. Andere wie Willhart S. Schlegel fanden Àhnliche genetische Komponenten der sexuellen Orientierung, diese Arbeiten wurden jedoch in den 1960er Jahren abgelehnt, weil sie nicht dem damals herrschenden Zeitgeist entsprachen, der homosexuelle Handlungen mit Gesetzen verfolgte, die mit einer erblichen Veranlagung schwer vereinbar gewesen wÀren (vgl. auch[63]).

1993 entdeckte der amerikanische Forscher Dean Hamer einen Bereich auf dem X-Chromosom, den er mit HomosexualitĂ€t in Verbindung brachte.[64] Es handelt sich dabei um einen sogenannten genetischen Marker, der bei einem bestimmten Typ von HomosexualitĂ€t etwas wahrscheinlicher vorkam als bei anderen. Die Annahme bestĂ€tigte sich zunĂ€chst, weil eineiige ZwillingsbrĂŒder, die diesen Chromosomenabschnitt trugen, beide schwul waren.

Eine Nachuntersuchung des Jahres 1999 an 46 anderen eineiigen ZwillingsbrĂŒderpaaren relativierte allerdings diese Ergebnisse, weil nur bei rund der HĂ€lfte der diesmal untersuchten Zwillingspaare in beiden FĂ€llen HomosexualitĂ€t festgestellt wurde. Als Ergebnis bleibt jedoch, dass eineiige Zwillinge eine signifikant höhere Übereinstimmung in der sexuellen Orientierung haben als Menschen mit unterschiedlichem Erbgut.

Bei all diesen Untersuchungen ist jedoch zu beachten, dass durch die immer noch starke soziale Ächtung der HomosexualitĂ€t eine vorhandene homosexuelle Neigung nicht sicher objektiv festgestellt werden kann. Probanden können dazu neigen, eine vorhandene homosexuelle Orientierung aus Scham zu verschweigen. Es kann außerdem sein, dass sie noch nicht ihr inneres Coming-out hatten und sich ihrer tatsĂ€chlichen sexuellen Orientierung noch gar nicht bewusst sind. Das fĂŒhrt dazu, dass die Zahl der homosexuellen Probanden in entsprechenden Studien regelmĂ€ĂŸig geringer erscheint, als sie tatsĂ€chlich ist, und so die Ergebnisse von Studien erheblich verfĂ€lscht werden. Dazu kommt, dass die Stichproben in allen diesen Studien nur sehr klein waren.

Es scheint so zu sein, dass es wahrscheinlich kein einzelnes HomosexualitĂ€ts-Gen gibt. Andererseits kann als gesichert angenommen werden, dass eine genetische Veranlagung zur bzw. EmpfĂ€nglichkeit fĂŒr HomosexualitĂ€t existiert. Wie groß der Einfluss der Gene tatsĂ€chlich ist, ist zwar noch unbekannt, es kann jedoch ausgeschlossen werden, dass die Gene keine Rolle spielen. Denkbar sind unter anderem eine Kombination von verschiedenen Erbfaktoren, eine Kombination von Erbfaktoren und hormoneller PrĂ€gung wĂ€hrend der Schwangerschaft oder auch eine Kombination genetischer und sozialer Faktoren.

Andere Theorien

Eine Theorie, die auf Forschungsarbeiten des deutschen Endokrinologen und Sexualwissenschaftlers GĂŒnter Dörner zurĂŒckgeht, besagt, dass Stresshormone in der Schwangerschaft fĂŒr HomosexualitĂ€t verantwortlich sind. Bei mĂ€nnlichen Föten verhindern sie, dass deren Gehirn, das zunĂ€chst keine Unterschiede zu einem weiblichen hat, durch bestimmte Hormone ein mĂ€nnliches Geschlecht bekommt. Diese das Gehirn modifizierenden Hormone „vermĂ€nnlichen“ das Gehirn des mĂ€nnlichen Babys normalerweise in der Schwangerschaft in drei Phasen, von denen jede durch Stress gestört werden kann. Zur lesbischen Anlage findet sich eine analoge Aussage, nĂ€mlich, dass diese das Produkt von sehr „entspannten“ MĂŒttern sind, deren VermĂ€nnlichungshormone nicht durch Stress ausgeblieben sind.

Allerdings wenden Kritiker dieser und Ă€hnlicher Theorien ein, dass es sich bei der Annahme, dass schwule MĂ€nner irgendwie „weiblicher“ sein mĂŒssten als heterosexuelle, oder lesbische Frauen „mĂ€nnlicher“, lediglich um ein heteronormatives Postulat handelt, welches keinesfalls bewiesen ist. Es erklĂ€rt ebenfalls nicht, warum schwule MĂ€nner einen anderen „verweiblichten“ Mann ĂŒber eine „vermĂ€nnlichte“ Frau als Partner bevorzugen sollten (siehe auch Straight acting).

In einer Veröffentlichung der schwedischen Forscher Ivanka Savic und Per Lindström vom Karolinska-Institut in Stockholm in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ wird von Unterschieden in der Gehirnstruktur von homosexuellen und heterosexuellen Menschen berichtet.[65] Darin wird beschrieben, dass die Gehirne von homosexuellen Frauen und heterosexuellen MĂ€nnern eine Ă€hnliche Asymmetrie aufweisen, da die rechte HirnhĂ€lfte ein wenig grĂ¶ĂŸer ist als die linke. Bei homosexuellen MĂ€nnern und heterosexuellen Frauen fanden sich keine solchen GrĂ¶ĂŸenunterschiede.

Weiterhin wird von unterschiedlich stark ausgeprĂ€gten Nervenzellverbindungen in der Amygdala, einem Teil des limbischen Systems, berichtet. Hier zeigten sich die gleichen ZusammenhĂ€nge wie bei den unterschiedlichen GehirngrĂ¶ĂŸen: In den Gehirnen von homosexuellen Frauen und heterosexuellen MĂ€nnern waren die Amygdala-Verbindungen in der rechten HirnhĂ€lfte stĂ€rker ausgeprĂ€gt als in der linken. Bei homosexuellen MĂ€nnern und heterosexuellen Frauen waren die Amygdala-Verbindungen in der linken HirnhĂ€lfte ausgeprĂ€gter.

Genetische Unterschiede, so die Forscher, seien wahrscheinlich nicht fĂŒr diese Unterschiede verantwortlich, ebenso wenig Wahrnehmung und erlerntes Verhalten. Es gebe Hinweise darauf, dass diese Unterschiede bereits bei Babys oder gar Feten bestĂŒnden.[66]

1996 veröffentlichten Anthony Bogaert und Ray Blanchard von der Brock University in Kanada eine Untersuchung, wonach statistisch gesehen jĂŒngere BrĂŒder eher homosexuell werden als Ă€ltere BrĂŒder.[67] Nach ihren Daten steigt die Wahrscheinlichkeit der HomosexualitĂ€t bei jedem weiteren mĂ€nnlichen Nachkommen um ein Drittel. In einer Nachfolgeuntersuchung konnte Bogaert zudem belegen, dass dieser Effekt nicht nachtrĂ€glich durch familiĂ€re VerhĂ€ltnisse (zum Beispiel Adoption) beeinflusst wird, sondern ein rein biologischer Effekt ist. Bogaert vermutet, dass beim Tragen des ersten mĂ€nnlichen Kindes gewisse unbekannte biochemische Prozesse bei der Mutter getriggert werden, die sich bei jedem weiteren mĂ€nnlichen Nachkommen verstĂ€rken und zu diesem Effekt fĂŒhren.

Evolutionstheoretischer und sozialer Nutzen der HomosexualitÀt

In der Wissenschaft gibt es inzwischen Vorstellungen, dass HomosexualitĂ€t der Gesamtfitness der Sippe dient, also auch im Sinn der Evolutionstheorie einen Nutzen hat, da sie dafĂŒr sorgt, dass sich eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Menschen um ein neugeborenes Kind kĂŒmmern kann. BerĂŒcksichtigt wird hierbei, dass homosexuell Veranlagte trotz biologischer Möglichkeit durchschnittlich weniger eigene Kinder zeugen als Heterosexuelle, dadurch jedoch ihre genetisch nah verwandten Neffen und Nichten mitversorgen können. Damit hĂ€tten letztlich auch ihre Gene eine Chance auf Fortbestand (siehe auch das Buch „Das egoistische Gen“). Bei dieser Theorie ist allerdings zu beachten, dass es sich hierbei um die umstrittene Gruppenselektion handelt.

Wissenschaftler der UniversitĂ€t Padua konnten darĂŒber hinaus in einer Studie[68] zeigen, dass dieselbe genetische Veranlagung, die bei mĂ€nnlichen Homosexuellen fĂŒr deren sexuelle Orientierung verantwortlich ist, gleichzeitig auch deren weibliche Verwandte mĂŒtterlicherseits fruchtbarer macht. Der dadurch bei weiblichen Verwandten entstehende evolutionĂ€re Vorteil könnte so die DurchsetzungsfĂ€higkeit der genetischen Veranlagung fĂŒr HomosexualitĂ€t erhöhen.[69]

Zweifelhaft bleibt jedoch, ob sich HomosexualitĂ€t angesichts moderner reproduktionssmedizinischer Selbstkreationsleistungen ĂŒberhaupt noch einem evolutionstheoretischen Rechtfertigungszwang unterwerfen muss. Dieser Zweifel wird auch schon dadurch bestĂ€rkt, dass eine biologistische Zweck- und Sinnrationalisierung von SexualitĂ€t sich zudem stets dem Verdacht aussetzen muss, als Projektionsfolie menschlicher Denk- und Wertungssysteme zu fungieren.[70]

Ein anderer Zugang zur SexualitĂ€tsthematik ist daher die Frage, warum es ĂŒberhaupt die Norm der HeterosexualitĂ€t gibt und alles andere als Abweichung gesehen wird. In bestimmten Gender Studies wird analysiert, dass Heterosexismus und HeteronormativitĂ€t Grundpfeiler unserer Gesellschaft sind und die HomosexualitĂ€t eine soziokulturelle Konstruktion darstellt.

Abgrenzung zu Transgender

→ Hauptartikel: Transgender

Geht es bei HomosexualitÀt um das Gechlecht des bevorzugten Partners, so geht es bei Transgender, wozu auch TranssexualitÀt gehört, um das Empfinden der eigenen GeschlechtsidentitÀt, die unabhÀngig von der sexuellen Orientierung ist. Beide sind aber Teile der mehrschichtigen sexuellen IdentitÀt.

Beziehungen zu Personen gleichen IdentitĂ€tsgeschlechts werden dabei als homosexuell empfunden, solche zu Personen eines anderen IdentitĂ€tsgeschlechts als heterosexuell, wobei die Quote der homo- oder bisexuell empfindenden Transgender weit höher liegt als die von Nicht-Transgendern; je nach SchĂ€tzung sind dies mindestens ein Drittel. In Ă€lterer Fachliteratur findet sich noch der Gebrauch von Homo- bzw. HeterosexualitĂ€t relativ zum ursprĂŒnglich zugewiesenen Geschlecht, also wĂŒrde beispielsweise eine mit einem Mann verheiratete Transfrau als homosexuell beschrieben, kontrĂ€r zu ihrem Empfinden, ein schwuler Transmann als heterosexuell. In der neueren Literatur nimmt diese Verwendung kontinuierlich ab, in hauptsĂ€chlich sozialwissenschaftlich geprĂ€gten Texten ist er nicht mehr zu finden.

Aufgrund der ursprĂŒnglichen, als abwertend empfundenen Verwendung und aufgrund der Schwierigkeiten, gleich und verschieden genau zu definieren, bevorzugen viele Transgender anstelle von homo- und heterosexuell schwul, lesbisch, queer etc. als Selbstbezeichnungen. Selten werden die, fĂŒr den Begehrenden geschlechtsneutralen, Begriffe GynĂ€kophilie und Androphilie verwendet.

Dass HomosexualitĂ€t oft mit Transgender, TranssexualitĂ€t und manchmal auch IntersexualitĂ€t in Verbindung gebracht wird hat mehrere GrĂŒnde:

  • FrĂŒher bestand keine genaue Abgrenzung zwischen HomosexualitĂ€t – Transvestitismus – Travestie – TranssexualitĂ€t. Hirschfeld verwendete selten, aber in fĂŒr das breite Puplikum verfasste BroschĂŒren und BĂŒcher, den Begriff vom Dritten Geschlecht und sprach allgemein von sexuellen Zwischenstufen. SpĂ€ter trennte er jedoch den Transvestitismus ab und dachte schon an eine Abtrennung der TranssexualitĂ€t, was durch den Krieg erst in den 1950ern in den USA weitergedacht wurde. Die Idee vom Dritten Geschlecht hat sich, wenn nicht in der Wissenschaft, so doch sozial bis mindestens in die 1970er Jahre gehalten. Heute werden als queer beide Gruppen, beziehungsweise alle Menschen, die gegen heteronormative Regeln verstoßen, verstanden.
  • In verschiedenen individuellen Biographien von Transgendern und Intersexuellen finden sich immer wieder verschieden lange Zeitabschnitte, in denen vermutet wird homosexuell oder Transvestit zu sein, bis dies wieder verworfen wird und sich die wahre Ursache herauskristalisiert. So beispielsweise bei dem als Pseuhohermaphrodit geborenen SkirennlĂ€ufer Erik Schinegger, der glaubte lesbisch zu sein.
  • Teile der lesbisch-schwulen Subkultur waren oft der einzige Ort, an dem Transgender in ihrem empfundenen Geschlecht sozial akzeptiert wurden. Ebenso konnten dort Transvestititen verkehren und mit der kĂŒnstlerischen Travestie gibt es ebenfalls ein enges VerhĂ€ltnis.
  • In Mitteleuropa schon selten, aber bei Zuwanderern aus dem islamischen Kulturkreis und aus den ehemaligen OstblocklĂ€ndern noch öfter zu beobachten ist die Ichdystone Sexualorientierung, welche von der TransexualitĂ€t abzugrenzen ist. Durch gesellschaftlich vorgegebene Skripte („man kann nicht dasselbe Geschlecht lieben“) können Menschen dazu gebracht werden sich dem anderen Geschlecht zugehörig zu fĂŒhlen. Heute ist hierbei vor allem der Iran herausstechend, wo HomosexualitĂ€t mit dem Tode bestraft wird, TranssexualitĂ€t aber als durch Operation behandelbare Krankheit gilt.

Service, Hilfe und Lobbying fĂŒr homosexuelle Menschen

International

  • ILGA – International Lesbian and Gay Association

Deutschland

Siehe auch HomosexualitÀt in Deutschland#Vereine und Organisationen

  • Lesben- und Schwulenverband in Deutschland – grĂ¶ĂŸte BĂŒrgerrechts-, Selbsthilfe- und Wohlfahrtsorganisation fĂŒr Lesben und Schwule in Deutschland
  • Lambda – schwullesbischer Jugendverband Deutschlands
  • FRIENDS! e. V – Beratung rund um das Thema per Telefon, Mail, SMS und persönlich
  • BEFAH – Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen.
  • Maneo – schwules Überfalltelefon und Opferhilfe Berlin

Österreich

  • HOSI – Die Homosexuellen Initiativen Österreichs – Wien, Linz, Salzburg, Tirol, Vorarlberg
  • Rosalila PantherInnen Graz [1]/Steiermark
  • identity queer – LesBiSchwule Gruppe an den Wiener UniversitĂ€ten
  • Wiener Antidiskriminierungsstelle – Informationen der Stadt Wien fĂŒr Lesben, Schwule und TransGenderpersonen
  • Rechtskomitee Lambda – Lobbygruppe zur Verbesserung der rechtlichen Situation
  • Courage-Beratung – PartnerInnen-, Familien- und Sexualberatung (Wien)
  • HoMed – Homosexuelle im Gesundheitswesen
  • Rosa Lila Villa – Lesben- und Schwulenhaus Wien
  • Jugendgruppe aqueerium [2]/Steiermark
  • Jugendprojekt Liebeist. [3]/Steiermark

Schweiz

  • Pinkcross – Nationaler Dachverband der homosexuellen MĂ€nner in der Schweiz
  • LOS – Lesbenorganisation Schweiz
  • ediagonal – Nationaler Dachverband lesbischwuler Jugendorganisationen

Siehe auch: HomosexualitÀt in der Schweiz

Luxemburg

  • Rosa Letzebuerg
  • Cigale: Centre d’Information GAy et LEsbien

Beratungsstellen

Es gibt in sehr vielen StĂ€dten Rosa Telefone, um betroffene Menschen und Angehörige zu beraten. Die Beratung erfolgt anonym. Die meisten haben bundeseinheitlich die Nummer 19446. In einigen StĂ€dten gibt es auch sogenannte Überfalltelefone fĂŒr Opfer antihomosexueller Gewalt. Die meisten haben bundeseinheitlich die Nummer 19228.

Des Weiteren gibt es hĂ€ufig Coming-out-Gruppen, auch speziell fĂŒr Jugendliche.

Eine große Bedeutung hat mittlerweile die Onlineberatung. Sie wird von verschiedenen TrĂ€gern angeboten.

Beratungsstellen, die entgegen der herrschenden Meinung an eine VerĂ€nderlichkeit der sexuellen Orientierung glauben, sind eher selten. Sie gehören meist der sogenannten Ex-Gay-Bewegung an, die von christlichen Fundamentalisten in den Vereinigten Staaten als Teil eines „Kulturkampfs“ gegen die „Ausbreitung der HomosexualitĂ€t“ gegrĂŒndet wurde, inzwischen aber auch in Deutschland durch die Laienseelsorgeorganisation WĂŒstenstrom vertreten ist. Aufgrund ihres „Potentials, Schaden zuzufĂŒgen“ (American Psychological Association) warnen viele grĂ¶ĂŸere psychologische und medizinische FachverbĂ€nde vor einer Teilnahme an solchen Programmen. Einige Teilnehmer berichten von VerĂ€nderung ihrer SexualitĂ€t, doch diese Äußerungen sind Ă€ußerst kritisch zu sehen. Jeremy Marks, 14 Jahre lang einer der WortfĂŒhrer der christlichen Ex-Gay-Bewegung in Großbritannien, hat seine Ansichten ĂŒber die „Heilbarkeit“ von HomosexualitĂ€t revidiert. Marks hat geĂ€ußert, dass er niemals in der Lage gewesen sei, seine sexuelle Orientierung oder die Orientierung anderer Menschen zu verĂ€ndern. „Keiner der Menschen, die ich betreut habe, hat seine sexuelle Orientierung geĂ€ndert, egal wie viel MĂŒhe und Gebete er auch investiert hat“. Der ehrliche Weg bringe einen grĂ¶ĂŸeren Nutzen. – Selbst der wohl bekannteste Vertreter der VerĂ€nderungstheorie in Deutschland, Markus Hoffmann, Leiter der Laienseelsorgeorganisation WĂŒstenstrom, rĂ€umt ein, dass er auch nach lĂ€ngeren und erheblichen VerĂ€nderungsbemĂŒhungen immer noch homoerotische GefĂŒhle hat. – GĂŒnter Baum, der VorgĂ€nger von Markus Hoffmann als Leiter bei WĂŒstenstrom, sagt heute: „In all den Jahren bei WĂŒstenstrom hat sich an meinen schwulen GefĂŒhlen nichts geĂ€ndert. Ich habe mir wirklich viel MĂŒhe gegeben“. Die Therapien seien wie eine Haartönung: „Man kann sich so viel Blond ins Haar schmieren wie man will – die eigentliche Haarfarbe kommt immer wieder durch“.

In wissenschaftlicher Hinsicht berufen sich viele dieser Gruppen auf die Studie von Robert L. Spitzer.[71]

Finanzielle Hilfe fĂŒr Gruppen und Initiativen

Literatur

HomosexualitÀt und Gesellschaft

  • B. R. Burg (Hrsg.): Gay Warriors: A Documentary History from the Ancient World to the Present. New York 2002, ISBN 0-8147-9886-1.
  • Martin Dannecker, Reimut Reiche: Der gewöhnliche Homosexuelle: eine soziologische Untersuchung ĂŒber mĂ€nnliche Homosexuelle in der Bundesrepublik. Frankfurt a. M. 1974, ISBN 3-10-014801-0.
  • Axel KrĂ€mer: Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde. Querverlag 2005, ISBN 3-89656-115-4.
  • Stephen O. Murray: Homosexualities. Chicago/London 2000, ISBN 0-226-55195-4. (Sozioethnologischer Überblick ĂŒber verschiedene Kulturen)
  • Norbert Zillich: Homosexuelle MĂ€nner im Arbeitsleben. Campus-Verlag, Frankfurt a. M. 1988, ISBN 3-593-33992-7.
  • Thomas Grossmann: Eine Liebe wie jede andere. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1981, 980-ISBN 3-499-18451-6
  • Bettina v. Kleist: Mein Mann liebt einen Mann. Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewĂ€ltigen. Fallbeispiele. Ch. Links Verlag, Berlin 2003

HomosexualitÀt und Wirtschaft

EuropÀische Ethnologie

  • Alan Bray: Homosexuality in Renaissance England. New York 1982, ISBN 0-231-10289-5.
  • Andrew Calimach: Lovers' Legends. The Gay Greek Myths. Haiduk Press, New Rochelle 2002, ISBN 0-9714686-0-5.
  • Kenneth J. Dover: HomosexualitĂ€t in der griechischen Antike., Übersetzt von Susan Worcester. C. H. Beck Verlag, MĂŒnchen 1983, ISBN 3-406-07374-3 (erstmals engl.: 1978)
  • Lillian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. New York 1998, ISBN 0-688-13330-4.
  • Michel Foucault: Der Wille zum Wissen: SexualitĂ€t und Wahrheit. Band 1. Frankfurt a. M. 1993, ISBN 3-518-28316-2. Frz. Orig. La VolontĂ© de savoir, 1976
  • John C. Hawley (Hrsg.): Post-colonial, Queer: Theoretical Intersections. Albany (NY) 2001, ISBN 0-7914-5092-9.
  • Jonathan Ned Katz: Love Stories: Sex between Men before Homosexuality. Chicago/London 2001, ISBN 0-226-42615-7.
  • Mary McIntosh: The Homosexual Role. In: Steven Seidman (Hrsg.): Queer Theory/Sociology. Cambridge (Mass) / Oxford 1996, ISBN 1-55786-740-2.
  • Michael Rocke: Forbidden Friendships: Homosexuality and Male Culture in Renaissance Florence. New York / Oxford 1996, ISBN 0-19-512292-5.

Geschichte und HomosexualitÀt

  • Robert Aldrich (Hrsg.): Gleich und anders. Eine globale Geschichte der HomosexualitĂ€t. Murmann-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 978-3-938017-81-4.
  • John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality: Gay People in Western Europe from the Beginning of the Christian Era to the Fourteenth Century. University of Chicago Press, 2005, ISBN 0-226-06711-4 (engl.)
  • Lutz van Dijk: Homosexuelle: Zwischen Todesstrafe und Emanzipation. MĂŒnchen 2001, ISBN 3-570-14612-X.
  • Lillian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. Harper Paperbacks, Neuausgabe 1998, ISBN 0-688-13330-4. (engl.)
  • Bernd-Ulrich Hergemöller, EinfĂŒhrung in die Historiographie der HomosexualitĂ€ten. edition diskord, TĂŒbingen 1999, ISBN 3-89295-678-2.
  • Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich. Verlag F. Schöningh, Paderborn 1990, ISBN 3-506-77482-4.
  • Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormierung der islamischen Welt. MĂ€nnerschwarm Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-939542-34-6, Rezension
  • Jan-Henrik Peters: Verfolgt und Vergessen: Homosexuelle in Mecklenburg und Vorpommern im Dritten Reich. Herausgegeben von Falk Koop im Auftrag des Landesverbandes der Lesben und Schwulen Mecklenburg-Vorpommern „Gaymeinsam e. V.“ Ingo Koch Verlag, Rostock 2004, ISBN 3-937179-95-X.
  • Andreas Pretzel und Gabriele Roßbach: Wegen der zu erwartenden hohen Strafe. Homosexuellenverfolgung in Berlin 1933–1945. Herausgegeben vom Kulturring in Berlin e. V., Verlag rosa Winkel, Berlin 2000, ISBN 3-86149-095-1.
  • Schwules Museum (Hrsg.), Akademie der KĂŒnste (Hrsg.): Goodbye to Berlin? 100 Jahre Schwulenbewegung; eine Ausstellung des Schwulen Museums und der Akademie der KĂŒnste, 17. Mai bis 17. August 1997. Berlin 1997, ISBN 3-86149-062-5.
  • Hans-Georg StĂŒmke: Homosexuelle in Deutschland: eine politische Geschichte. MĂŒnchen 1989, ISBN 3-406-33130-0.
  • Joachim S. Hohmann: Der unheimlische Sexus: Homosexuelle Belletristik in Deutschland von 1900 bis heute. Foerster-Verlag, Berlin 1982, ISBN 3-922257-42-9.
  • Wolfgang Harthauser (Pseudonym fĂŒr Reimar Lenz): Der Massenmord an Homosexuellen im Dritten Reich. In:[72] Dr. Willhart S. Schlegel: Das große Tabu. Zeugnisse und Dokumente zum Problem der HomosexualitĂ€t. RĂŒtten und Loening Verlag, 1967

HomosexualitÀt und Psychologie

  • Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher HomosexualitĂ€t. 1920. In: Sigmund Freud: Studienausgabe. Band VII. Frankfurt a. M. 2000, ISBN 3-10-822727-0.
  • Richard A. Isay: Schwul sein. Die psychologische Entwicklung des Homosexuellen. Piper, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-492-11683-3 (Original 1989: Being homosexual. Gay men and their development. Farrar, Straus, and Giroux, New York)
  • Udo Rauchfleisch: Schwule, Lesben, Bisexuelle. Lebensweisen, Vorurteile, Einsichten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-01425-2.

HomosexualitÀt und Biologie

  • Robert Alan Brookey: Reinventing the Male Homosexual. The Rhetoric and Power of the Gay Gene. Bloomington 2002, ISBN 0-253-21512-9.
  • Simon LeVay: Queer Science: The Use and Abuse of Research into Homosexuality. Cambridge (MA) / London 1997, ISBN 0-262-62119-3.
  • Florian Mildenberger: 
 in der Richtung der HomosexualitĂ€t verdorben: Psychiater, Kriminalpsychologen und Gerichtsmediziner ĂŒber mĂ€nnliche HomosexualitĂ€t 1850–1970. Hamburg 2002, ISBN 3-935596-15-4.
  • Vernon A. Rosario (Hrsg.): Science and Homosexualities. London 1997, ISBN 0-415-91502-3.
  • Newsletter der AG Wissenschaft zur HomosexualitĂ€t

HomosexualitÀt und BDSM

  • Samois: What Color is Your Handkerchief: A Lesbian S/M Sexuality Reader. SAMOIS, Berkeley 1979
  • Samois: Coming to Power. Writings and Graphics on Lesbian S/M. 3. Auflage. Alyson Publications, Boston 1987, ISBN 0-932870-28-7.
  • Larry Townsend: The Leatherman's Handbook: Silver Jubilee Edition. Erweiterte Neuaflage. L. T. Publications, 2000, ISBN 1-881684-19-9.
  • Gayle Rubin: Sites, Settlements, and Urban Sex: Archaeology And The Study of Gay Leathermen in San Francisco 1955–1995. In: Robert Schmidt, Barbara Voss (Hrsg.): Archaeologies of Sexuality. London/Routledge, 2000, ISBN 0-415-22365-2.
  • Pat Califia: Speaking Sex to Power: The Politics of Queer Sex. Essays. Cleis Press, 2001, ISBN 1-57344-132-5.
  • Gayle Rubin: Studying Sexual Subcultures: the Ethnography of Gay Communities in Urban North America. In: Ellen Lewin, William Leap (Hrsg.): Out in Theory: The Emergence of Lesbian and Gay Anthropology. University of Illinois Press, Urbana 2002, ISBN 0-252-07076-3.
  • Gayle Rubin: Samois. In: Marc Stein (Hrsg.): Encyclopedia of Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender History in America. Charles Scribner’s Sons, 2003 PDF-Download
  • Gayle Rubin: Leather Times. Samois, 2004. Online unter leatherarchives.org

Siehe auch

Portal
 Portal: Homo- und BisexualitĂ€t – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Homo- und BisexualitĂ€t

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Jody Daniel Skinner: Bezeichnungen fĂŒr das Homosexuelle im Deutschen – Band II, Ein Wörterbuch, Die Blaue Eule, Essen 1999, ISBN 3-89206-903-4; Dissertation an der UniversitĂ€t Koblenz-Landau 1998
  2. ↑ Magnus Hischfeld: Die HomosexualitĂ€t des Mannes und des Weibes. Verlag Louis Marcus, Berlin 1914, S. 10
  3. ↑ Wolfgang MĂŒller (Hrsg.): Richtige Wortwahl. Ein vergleichendes Wörterbuch sinnverwandter AusdrĂŒcke, Mannheim/Wien/ZĂŒrich 1977, 1990
  4. ↑ Gisela Beibtreu-Ehrenberg: HomosexualitĂ€t. Die Geschichte eines Vorurteils. Frankfurt am Main 1981
  5. ↑ Ernest Bornemann: Ullstein EnzyklopĂ€die der SexualitĂ€t. Frankfurt am Main / Berlin 1990
  6. ↑ Jahrbuch fĂŒr sexuelle Zwischenstufen. Band XXIII, S. 19
  7. ↑ Paul Van de Ven, Pamela Rodden, June Crawford, Susan Kippax: A comparative demographic and sexual profile of older homosexually active men. In: Journal of Sex Research. Herbst 1997, Seite 9 bei findarticles.com
  8. ↑ John Boswell. Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality. Chicago; London 1980. S. 58 f.
  9. ↑ Urteil vom 26. Januar 2006, 2 C 43.04
  10. ↑ Beschluss vom 20. September 2007, 2 BvR 855/06
  11. ↑ Urteil vom 29. April 2004, 6 AZR 101/03
  12. ↑ presseportal.de: Völklinger Kreis e. V.: Trotz Antidiskriminierungs-Gesetz: Kolpingwerk entlĂ€sst Mitarbeiter, weil er homosexuell ist. 28. November 2006
  13. ↑ Kolpingwerk stellt schwulen Mitarbeiter wieder ein
  14. ↑ ekd.de: Theologische, staatskirchenrechtliche und dienstrechtliche Aspekte zum kirchlichen Umgang mit den rechtlichen Folgen der Eintragung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz. September 2002
  15. ↑ Vgl. Gerd Dembowski: Von Schwabenschwuchteln und nackten Schalkern. Schwulenfeindlichkeit im Fußballmilieu. In: Gerd Dembowski, JĂŒrgen Scheidle (Hrsg.): Tatort Stadion. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus im Fußball. Köln 2002, S. 140–146.
    Oliver LĂŒck, Rainer SchĂ€fer: Warten auf das Coming-out. HomosexualitĂ€t im Fußball. In: RUND. 1/2004, S. 51–56.
  16. ↑ Oliver LĂŒck, Rainer SchĂ€fer: Einer muss den Anfang machen. In: RUND. 17. Dezember 2006; online unter Rund – Das Fußballmagazin.
  17. ↑ Zum Beispiel: HomosexualitĂ€t im Fussball. Das Talent, das sich verstecken musste. Auf: spiegel.de, 21. Oktober 2008.
  18. ↑ Queer:Der erste schwule Fußballer bricht das Schweigen
  19. ↑ a b c Tina Gianoulis: Situational Homosexuality, 3. MĂ€rz 2004 in: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture
  20. ↑ Brigitte Vetter: Psychiatrie: Ein systematisches Lehrbuch, Schattauer Verlag, 2007, ISBN 3-7945-2566-3
  21. ↑ Joe Kort: Straight Men Who Have Sex with Men (SMSM), 24. April 2008, in: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture
  22. ↑ 6.2.2 Das Sexualverhalten Jugendlicher in: Erwin J. Haeberle: Die SexualitĂ€t des Menschen - Handbuch und Atlas - 2., erweiterte Auflage, Walter de Gruyter, Berlin, 1985
  23. ↑ „Situational Homosexuality“ in: Wayne R. Dynes (Hrsg.): The Encyclopedia of Homosexuality (Garland Reference Library of Social Science), Taylor & Francis, MĂ€rz 1990, ISBN 0-8240-6544-1
  24. ↑ Globalizing Homophobia, gigi.x-berg.de, erstveröffentlicht in Phase 2 Nr. 10, Dezember 2003
  25. ↑ Stephen Donaldson: A Million Jockers, Punks, and Queens, Stop Prisoner Rape: Sex among American Male Prisoners and its Implications for Concepts of Sexual Orientation, Stop Prisoner Rape, 4. Februar 1993; Jockers, Punks, Queens - Sex unter den mĂ€nnlichen us-amerikanischen Gefangenen und die Konsequenzen fĂŒr Theorien ĂŒber sexuelle Orientierung, deutsche Übersetzung bei archivtiger.de
  26. ↑ § 209 in Österreich: VfGH 21. Juni 2002, G 6/02
  27. ↑ Art. I Z. 19b, IX StRÄG 2002, BGBl I 134/2002
  28. ↑ Menschenrechtsgerichtshof verurteilt Österreich
  29. ↑ Tagesschau: Polen will „homosexuelle Agitation“ verbieten. 14. MĂ€rz 2007
  30. ↑ Vgl. hierzu die ausfĂŒhrliche Darstellung von Robert Bienvenu: The Development of Sadomasochism as a Cultural Style in the Twentieth-Century United States. 2003. Online als PDF unter Sadomasochism as a Cultural Style
  31. ↑ Sigmund Freud Briefe 1873–1939, London 1960
  32. ↑ Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. 1905
  33. ↑ Reinhard Kreische: HomosexualitĂ€t: Angst vor Fremdem. In: PP43, MĂ€rz 2005, 120
  34. ↑ Sigmund Freud Briefe 1873–1939, London 1960
  35. ↑ Mertens/Waldvogel, Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe, 2000
  36. ↑ Stumm/Pritz, Wörterbuch der Psychotherapie, Wien, New York 2000, 278
  37. ↑ Johannes Cremerius: Die Zukunft der Psychoanalyse, in: Kuster: Entfernte Wahrheit. Von der Endlichkeit der Psychoanalyse. TĂŒbingen 1992, hier zitiert nach August Ruhs
  38. ↑ Socarides, Charles: Bedeutung und Inhalt von Abweichungen im Sexualverhalten. In: Psychologie des 20. Jahrhunderts, Band II. Kindler, MĂŒnchen 1976 (S. 707–737).
  39. ↑ Haldeman, D.: The Pseudo-science of Sexual Orientation Conversion Therapy. Angles, 4 (1), 1–4. Washington, DC: Institute for Gay and Lesbian Strategic Studies.
  40. ↑ Deutscher Bundestag: Antihomosexuelle Seminare und pseudowissenschaftliche Therapieangebote religiöser Fundamentalisten
  41. ↑ http://findarticles.com/p/articles/mi_hb3491/is_/ai_n29218783
  42. ↑ BundesĂ€rztekammer: Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (HĂ€motherapie) gemĂ€ĂŸ §§ 12 und 18 des Transfusionsgesetzes (Novelle 2005), Kapitel 2: Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen - 2.2 Ausschluss von der Blutspende, Stand: 5. November 2005, Letzte Änderung: 11. Januar 2007, Abruf: 29. Januar 2008
  43. ↑ Epidemiologisches Bulletin / Sonderausgabe B / 5. Oktober 2007, Robert-Koch-Institut. Anmerkung: Homosexuelle MĂ€nner sind hier unter der Bezeichnung „MSM“ (MĂ€nner die Sex mit MĂ€nnern haben) eingeordnet.
  44. ↑ Epidemiologisches Bulletin - Nr. 47 v. 23. November 2007, Robert-Koch-Institut
  45. ↑ a b Christiane Fux: Aids-Angst - Schwule dĂŒrfen kein Blut spenden, Focus online, 7. August 2006
  46. ↑ Website des Vereins „Schwules Blut“
  47. ↑ Mangel an Blut: Regelung aus den 80er Jahren hindert Schwule am Blutspenden, rainbow.at, 3. August 2006
  48. ↑ Das Rote Kreuz und die Diskriminierung homosexueller MĂ€nner, no-racism.net, 7. August 2006
  49. ↑ Österreich: Rotes Kreuz und Rosa Blut, redout.kpoe.at, 19. Februar 2007
  50. ↑ a b Rechtskomitee Lambda: Blutspendediskriminierung - RKL dankt Kdolsky, Jus Amandi 2/2007
  51. ↑ Blutspendedienst SRK Zusammenfassung und Verweis auf das Frageformular, SRK, 11/08
  52. ↑ Forschung aktuell - Blutspende: Menschenrechte und Verantwortung (August 2007), roteskreuz.at
  53. ↑ I. M. Franklin: Is there a right to donate blood? Patient rights; donor responsibilities, Transfusion Medicine 17 (3), 161–168, doi:10.1111/j.1365-3148.2007.00754.x; Verwendung
  54. ↑ Dennis Scheck - „Rian“: PrĂ€dikat „GIFTIG!“ – Schwule und Blutspende, schwulst.de, 28. September 2006
  55. ↑ Anal oder oral: Schwuler und Hetero-Sex gleichwertig bezĂŒglich Risiko bei der Blutspende, rainbow.at, 3. Oktober 2006
  56. ↑ Zeit:So nah am anderen Ufer
  57. ↑ Alte Mythen, neue Rollen: 'HomosexualitĂ€t: War „Flipper“ schwul?'. In: GEO WISSEN Nr. 09/00 – Mann & Frau.. GEO. Abgerufen am 17. Mai 2007.
  58. ↑ Susanna Bloß: HomosexualitĂ€t im Tierreich, Geo, gesehen am 21. MĂ€rz 2007
  59. ↑ LNI: Und ewig lockt der Mann: Pinguine bleiben schwul, welt.de, 9. Februar 2006
  60. ↑ Wolfgang Heumer: Schwule Pinguine erregen weltweit die GemĂŒter, welt.de, 12. Februar 2005
  61. ↑ Nature, Band 443 vom 26. Oktober 2006, S. 895; im Text erwĂ€hnt wurde, dass bei Giraffen auch Ejakulationen nach analer Penetration erwiesen seien.
  62. ↑ Kallmann, F. j. (1952 a): Twin and sibship study of overt male homosexuality. In: Amer. j. Human Genet. 4, S. 136–146
  63. ↑ BVerfGE 6, 389 – Homosexuelle
  64. ↑ Quarks & Co. – Ein Gen fĂŒr HomosexualitĂ€t?
  65. ↑ I. Savic, P. Lindström: PET and MRI show differences in cerebral asymmetry and functional connectivity between homo- and heterosexual subjects. In: Proc Natl Acad Sci USA. 2008, PMID 18559854; doi:10.1073/pnas.0801566105
  66. ↑ Gehirne von Schwulen und Frauen Ă€hneln sich; Online-Ausgabe des Spiegels vom 17. Juni 2008
  67. ↑ R. Blanchard, A. F. Bogaert: Homosexuality in men and number of older brothers. In: Am J Psychiatry. Band 153 (1), 1996, S. 27–31. PMID 8540587
  68. ↑ http://www.journals.royalsoc.ac.uk/content/rdd98tj9a5bk1xla/fulltext.pdf „Evidence for maternally inherited factors favouring male homosexuality and promoting female fecundity“ (pdf, engl.), Camperio-Ciani, Corna, Capiluppi, in: Royal Society Publishing, 18. Oktober 2004, Band 271, Nummer 1554/November 07, 2004, S. 2217–2221
  69. ↑ „Wie sich HomosexualitĂ€t in der Evolution durchsetzen konnte“, www.wissenschaft.de, 13. Oktober 2004
  70. ↑ Schelsky: Systemfunktionaler, anthropologischer und personfunktionaler Ansatz. In: Abhandlungen und VortrĂ€ge zur Soziologie von Recht, Institution und Planung. 1980, S. 115
    BrÀunig: Anthropologie des Rechts. S. 23 ff.
    Markl:
    Biologie und menschliches Verhalten. In: Der Beitrag der Biologie zu Fragen von Recht und Ethik. 1983, S. 71 ff.
    Rottleuthner:
    Die Bedeutung biologischer Determinanten. In: ARSP BH. Band 22, S. 112 ff., 115, insbes. S. 65 ff.
    FlÀmig:
    Die genetische Manipulation des Menschen. 1985, S. 3 ff.
  71. ↑ Robert L. Spitzer: Can Some Gay Men and Lesbians Change Their Sexual Orientation? 200 Participants Reporting a Change from Homosexual to Heterosexual Orientation. Presentation at the American Psychiatric Association Annual Convention. New Orleans, 9. Mai 2001. SpĂ€ter veröffentlicht in: Archives of Sexual Behavior. Band 32(5), S. 403–417, Oktober 2003.
  72. ↑ http://d-nb.info/456820981 Im Archiv der Deutschen National Bibliothek


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   Deutsch Wörterbuch

  • Homosexuelle — HomosexualitĂ© Sexologie et sexualitĂ© SexualitĂ© SexualitĂ© humaine Amour Libido 
   WikipĂ©dia en Français

  • Homosexuelle — Lesbierin; (bildungsspr.): Homoerotikerin, Homophile; (ugs., auch Eigenbez.): Lesbe. * * * Homosexuelle: I.Homosexuelle,der:〈zumeigenenGeschlechthinneigenderMannâŒȘUranist·Urning·derInvertierte·derHomophile·Gayboy·Gay·derSchwule♩umg:warmerBruder/Onk… 
   Das Wörterbuch der Synonyme

  • homosexuelle — ● homosexuel, homosexuelle adjectif Relatif Ă  l homosexualitĂ©. ● homosexuel, homosexuelle adjectif et nom Se dit de quelqu un que son dĂ©sir sexuel porte vers des personnes de mĂȘme sexe. ● homosexuel, homosexuelle (synonymes) adjectif et nom Se… 
   EncyclopĂ©die Universelle

  • Homosexuelle — kesser Vater (derb); Lesbe; Lesbierin * * * Ho|mo|se|xu|eÌŁl|le(r) 〈f. 30 (m. 29)âŒȘ homosexuell veranlagter Mensch * * * Ho|mo|se|xu|eÌŁl|le, die/eine Homosexuelle; der/einer Homosexuellen, die Homosexuellen/zwei Homosexuelle: homosexuell veranlagte 
   Universal-Lexikon

  • Homosexuelle — der Homosexuelle, n (Mittelstufe) jmd., der ausschließlich fĂŒr Personen des eigenen Geschlechts sexuelles Begehren empfindet Synonym: Homo (ugs.) Beispiel: Das ist ein Lokal nur fĂŒr Homosexuelle 
   Extremes Deutsch

  • Homosexuelle — HoÌČ·mo·se·xu·el·le, Ho·mo·se·xu·eÌŁl·le der; n, n; ein Mann, der homosexuell ist || NB: ein Homosexueller; der Homosexuelle; den, dem, des Homosexuellen 
   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Homosexuelle — Ho|mo|se|xu|el|le [auch ho:...] der u. die; n, n: homosexuelle mĂ€nnliche bzw. weibliche Person 
   Das große Fremdwörterbuch

  • Homosexuelle — Ho|mo|se|xu|eÌŁl|le(r) 〈f. ↑DT:2 (m. ↑DT:1)âŒȘ jmd., der homosexuell veranlagt ist 
   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Homosexuelle — Ho|mo|se|xu|eÌŁl|le, der und die; n, n 
   Die deutsche Rechtschreibung


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