Hubert Schumacher

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Hubert Schumacher
Hubert Schumacher

Hubert Schumacher (* 27. Dezember 1896 in Luxemburg; † 6. Mai 1961 ebenda) war ein luxemburgischer Architekt, Urbanist und Maler.

Als Staatsarchitekt-Direktor war er Leiter des Wiederaufbaus sämtlicher im Zweiten Weltkrieg zerstörten öffentlichen und sakralen Gebäude des Großherzogtums Luxemburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hubert Schumacher kam am 27. Dezember 1896 in Luxemburg als Sohn einer Familie von Gesch√§ftsleuten zur Welt. Nach seinen Sekundarstudien an der √Čcole Industrielle et Commerciale √† Luxembourg studierte er Kunst und Architektur, zuerst in M√ľnchen, sp√§ter an der √Čcole des Beaux-Arts in Paris. Dort erlangte er in 1926 den Titel Architecte dipl√īm√© par le Gouvernement fran√ßais (D.P.L.G.). 1926 kehrte er in seine Heimatstadt Luxemburg zur√ľck und er√∂ffnete nach einer kurzen Praktikumzeit beim Architekten Nouveau sein eigenes Architekturb√ľro, wechselte aber 1939 als Beamter in die staatliche Bauverwaltung.

Hubert Schumacher und seine Frau Jeanne Feldes (1906‚Äď1952) hatten f√ľnf Kinder: Marguerite, Suzette, Pierre, F√©lix und Paul.

Hubert Schumacher starb am 6. Mai 1961 in Luxemburg, kurz nach seiner Pensionierung.

Sakrale und profane Bauten 1926 bis 1939

Die T√ľrme der Kathedrale

Zwischen 1926 und 1939 √ľbernahm er die Projektierung sowie die Ausf√ľhrung von landesweit wichtigen Bauvorhaben. Hervorzuheben ist der Ausbau der Cath√©drale Notre Dame zwischen 1935 und 1938, die noch heute die Silhouette der Festungsstadt Luxemburg mitbestimmt. Der Erweiterungsbau, der sich an die beiden Chorjoche von 1613 bis 1621 anschlie√üt, pr√§gt sowohl durch seine Weitr√§umigkeit, als auch durch die architektonische Einheit die aktuelle Gestalt der alten Ordenskirche im Erscheinungsbild der Stadt. Hervorzuheben ist in dem Zusammenhang, dass die Neugestaltung der Au√üenarchitektur der im gotischem Stil erbauten Kathedrale eine Herausforderung darstellte, insofern als es galt, die Kirche mit den umliegenden Geb√§uden, wie dem Atheneumsgeb√§ude aus dem 17. Jahrhundert, der Nationalbibliothek, dem alten Refugium St. Maximin (1751) (jetzt Au√üenministerium), sowie den umliegenden √§lteren Wohnh√§user, harmonisch zu verbinden. Beratend in Sachen sakraler Architektur stand ihm damals der sp√§tere Bischof von Luxemburg, L√©on Lommel zur Seite. Leider musste aufgrund der neuen Konventionen des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1965, der Chor aus liturgischen Gr√ľnden umgestaltet werden. Dies hatte zur Folge, dass nur vier Jahre nach seinem Tode, die von ihm entwickelte Konzeption einer harmonischen Verbindung von Kirchenschiff und Chor teilweise verloren ging.

Schumacher errichtete das Karmeliterkloster (Couvent des Carm√©lites D√©chauss√©es, genannt Carmel) in Cents/Neudorf, mehrere Wohnh√§user auf der Place Aldringen, u.a. die Maison des singes (Haus der Affen), bei dem es ihm in Zusammenarbeit mit seinem Freund Auguste Tremont gelungen ist, Skulptur und Architektur geschickt zu verbinden. Er baute eine Kinderkrippe f√ľr die Stadt Luxemburg (Cr√™che au Plateau d'Altm√ľnster ), die von der Brauereifamilie Mousel in Auftrag gegeben worden war und errichtete die luxemburgischen Ausstellungshallen aus Anlass der ‚ÄěExposition de la Foire Internationale √† Li√®ge‚Äú (internationale Ausstellung in L√ľttich) im Jahre 1931. Am 10. M√§rz 1936 wurde die erste zentrale Entbindungsklinik in Luxemburg, die Maternit√© Grande-Duchesse Charlotte, von der nach ihr benannten Gro√üherzogin Charlotte (Luxemburg) eingeweiht.

Es folgte die vom Jesuitenorden in Auftrag gegebene Kapelle Christ-Roi, Pfarrkirche des damals neu entstandenen Villenviertels Belair (heute Avenue Gaston Diderich). Die Grundsteinlegung fand am 6. Oktober 1931 statt und die Konsekrierung erfolgte durch den Bischof von Luxemburg Pierre Nommesch am 16. August 1932. Die Planung erfolgte in Rezeption der vom Hans Herkommer entwickelten zeittypisch, expressionistischen Formensprache. Das nach Bauhaus-Vorstellungen entworfene Kirchengeb√§ude wurde erstmals f√ľr ein Gotteshaus in Luxemburg in der vom Unternehmer Giorgetti ausgef√ľhrten Stahlbetontechnik erbaut. √Ąhnlich wie bei der st√§dtischen Kathedrale wurde die Kapelle ebenfalls nach den liturgischen Vorgaben des Vaticanum ver√§ndert und 1994 umgestaltet, jedoch nicht im Sinne der von Schumacher vorgegebenen schlichten Formen des Bauhausstils.

Nach dem Bau der Kapelle entstand allm√§hlich das Wohnviertel Belair, vorwiegend bestehend aus Einfamilienh√§user, die bis auf wenige Ausnahmen die Handschrift Schumachers tragen. Er selbst hat in unmittelbarer N√§he zur Kapelle f√ľr sich und seine Familie ein Wohnhaus errichtet. Unter den zahlreichen Einfamilienh√§user rund um das Stadtzentrum (Belair und Limpertsberg), denen Schumacher seinen vom Bauhaus gepr√§gten Stil verlieh, befindet sich im Viertel Limpertsberg die sogenannte " Villa Kutter" welche als Atelier und zugleich Wohnhaus f√ľr den luxemburgischen K√ľnstler Joseph Kutter gebaut wurde.

Architekturwettbewerbe

Hubert Schumacher hat an zahlreichen Architekturwettbewerben teilgenommen, so z.B.

  • Bauvorhaben eines B√∂rsengeb√§udes in Luxemburg, erster Preis beim: Concours International pour la Construction d'une Bourse √† Luxembourg;
  • Entwurf zur Errichtung eines neuen Atheneums, erster Preis beim Premier Concours National pour la Construction d'un nouvel Ath√©n√©e, Parc Pescatore (der Bau wurde nicht realisiert);
  • Preistr√§ger beim Wettbewerb Concours pour la construction de maisons ouvri√®res de l'Arbed. (Arbeiterwohnh√§user der Eisenh√ľttenindustrie);
  • Preistr√§ger beim Wettbewerb zum Bau eines Ratshauses f√ľr die Stadt D√ľdelingen Concours National pour la Construction d'un H√ītel de Ville a Dudelange;

Laufbahn im staatlichen Dienst

Aufgrund seiner vielseitigen beruflichen Erfahrungen wurde er im Rahmen eines staatlich ausgeschriebenen Verwaltungswettbewerbes f√ľr die Laufbahn des Staatsbeamten in den Staatsdienst aufgenommen. Im Juni 1939 wurde er unter mehreren Mitbewerbern auserw√§hlt, um kurz danach den Posten des Staatsarchitekten-Adjunkt zu bekleiden. Der Zweite Weltkrieg welcher am 10. Mai 1940 in Luxemburg ausbrach, brachte es mit sich, dass s√§mtliche Verwaltungsaktivit√§ten von der deutschen Besatzungsmacht √ľbernommen wurden, und Hubert Schumacher in die vom deutschen Okkupanten ins Leben gerufene Verwaltung der h√∂heren Kommunalverbandsangelegenheiten versetzt wurde.

Unmittelbar nach der Befreiung Luxemburgs am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945, l√∂ste Hubert Schumacher den fr√ľheren Direktor der Bauverwaltung (Paul Wigreux) ab und ihm wurde der Titel des Architecte de l‚Äô√Čtat-Directeur des B√Ętiments Publics verliehen und er war fortan Leiter der von ihm zwischenzeitlich neu strukturierten und reorganisierten gro√üen Bauverwaltung, der Administration des B√Ętiments Publics.

Seine Werke von 1945 bis 1961

In seiner Eigenschaft als Direktor der Bauverwaltung entfaltete Hubert Schumacher sein eigentliches Talent und seine gro√üe Tatkraft, indem er unverz√ľglich die Leitung des Wiederaufbaus der unz√§hligen durch den Zweiten Weltkrieg, vorwiegend durch die Rundstedtoffensive im Norden des Landes, hervorgerufenen Ruinen durch Bombeneinschl√§ge an √∂ffentlichen und kirchlichen Geb√§uden, √ľbernahm.

Dank seiner Aufopferungsgabe, seines Strebens und seines au√üergew√∂hnlichen Tatendrangs war es m√∂glich, in Luxemburg die Baustellen des Wiederaufbaus im Lande nach dem Kriege zu Beginn der 50er Jahre allm√§hlich einem Ende zuzuf√ľhren, um somit nahezu in den Zustand der Normalit√§t √ľbergehen zu k√∂nnen. Es gibt kaum ein √∂ffentliches oder kirchliches Geb√§ude in Luxemburg, wo nach dem Kriege Hubert Schumacher nicht in irgendeiner Form bei deren Restaurierung bzw. Wiederaufbau mitgewirkt hat.

Hervorzuheben ist zun√§chst, dass unter seiner Leitung, gemeinsam mit dem Architekten Michel Heintz, der Wiederaufbau der durch deutsche Soldaten am 26. Dezember 1944 gesprengte, architektonisch besonders bedeutsame Basilika des St.Willibrord, Wahrzeichen der Abteistadt Echternach, in Angriff genommen werden konnte. Das komplett zerst√∂rte Kirchengeb√§ude wurde nach den historisch erhaltenen Pl√§nen von 1031 dem romanischem Stil getreu wiederaufgebaut. Die neuerrichtete Basilika konnte am 20. September 1953 konsekriert werden. Sp√§ter nahm Hubert Schumacher die Renovierungsarbeiten der fr√ľher zur Benediktinerabtei geh√∂rigen Geb√§ude in Angriff, welche vorwiegend einer Schulinfrastruktur zugef√ľhrt wurden, wie Gymnasium, Sch√ľlerinternat sowie verschiedene Prim√§rschulen. Der restaurierte Kreuzgang der ehemaligen Abtei sowie die Salle des Glaces (Spiegelsaal) sind noch heute einer der wesentlichen Bestandteile der Sehensw√ľrdigkeiten von Echternach.

Als Neubauten welche unter seiner Leitung ausgef√ľhrt wurden, geh√∂ren u.A.:

  • das Verwaltungsgeb√§ude und H√§userkomplex zwischen der rue Notre-Dame, der rue Aldringen, und der rue Phillippe II (Geb√§ude welches heute u.a. das Unterrichtsministerium beherbergt),
  • das Verwaltungsgeb√§ude des Staatsrates im Herzen der Altstadt,
  • das Geb√§ude der Universit√§t f√ľr vergleichendes Recht in Luxemburg (in unmittelbarer N√§he des gro√üherzoglichen Palastes)
  • u.s.w.

Die Restaurierung des alten B√ľrgerhauses ‚ÄěMaison de Cassal" (rue Large) aus dem Ende des 16.Jahrhunderts (heute vom Service des M√©dias belegt), ist ebenfalls das Werk von Schumacher.

Vorsitz öffentlicher Kommissionen

Neben seiner bereits v√∂llig ausgef√ľllten T√§tigkeit als Staatsarchitekt wurde Hubert Schumacher zum Pr√§sidenten folgender vom Staat einberufenen Kommissionen ernannt:

  • Commission des Sites et Monuments (Kommission f√ľr den Denkmalschutz),
  • Surveillance pour la Restauration des √Čdifices Religieux (√úberwachungskommission f√ľr den Kirchenwiederaufbau),
  • Commission des Loyers (Mietkommission).

Im Dienste des großherzoglichen Hofes

Hubert Schumacher wurde 1947 wegen seiner Verdienste um den Wiederaufbau nach dem Kriege und wegen seiner besonderen F√§higkeiten im Gebiet der Architektur und der Kunstgeschichte, von der Gro√üherzogin Charlotte offiziell zum Hofarchitekten mit dem Titel ‚ÄěArchitecte de la Cour Grand-Ducale‚Äú ernannt. In dieser Eigenschaft war er f√ľr die Instandhaltung und Renovierung s√§mtlicher gro√üherzoglicher Schl√∂sser und Geb√§ude zust√§ndig und fungierte als pers√∂nlicher Berater der Gro√üherzogin in Sachen Kunst und Architektur.

Auszeichnungen

Aufgrund seiner umfangreichen Verdienste, wurde Hubert Schumacher mehrfach mit in- und ausländischen Auszeichnungen beehrt so z.B.

Literatur

  • Gilbert Trausch: Les 400 ans de l‚ÄôAth√©n√©e de Luxembourg (PDF-Datei; 877 kB)
  • Paul Spang: Luxemburgs Staatsarchitekten. Nationalbibliothek Luxemburgensia LV 106/1986.
  • P. Spang, R. Staud: Sankt Willibrordusbasilika Echternach. Schnell Kunstf√ľhrer 800.
  • Jean Petit: Chapelle du Christ Roi. In: L'architecture moderniste √† Luxembourg. Les ann√©es 30. Mus√©e d'histoire de la Ville de Luxembourg, 1997, ISBN 2-919878-02-6, S. 42‚Äď45.
  • Alain Linster: Villa Kutter. In: L'architecture moderniste √† Luxembourg. Les ann√©es 30. S. 60‚Äď63.
  • Pierre Schumacher: Maisons jumel√©es Cerf et Pauly. In: L'architecture moderniste √† Luxembourg. Les ann√©es 30. S. 66‚Äď69.
  • Antoine Prum: Maternit√© Grande-Duchesse Charlotte. In: L'architecture moderniste √† Luxembourg. Les ann√©es 30. S. 36‚Äď41.

Weblinks

 Commons: Hubert Schumacher ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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