Hubertus Lehner

Hubertus Karl Rudolph Lehner (* 17. April 1907 in Griesel, Kreis Crossen an der Oder; † 22. Oktober 2006 in Heidgraben) war ein deutscher Maler, Schüler Otto Muellers und bedeutender Vertreter der „Breslauer Schule“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Lehner wurde im elterlichen Forsthaus geboren, seine Vorfahren waren Generationen lang Bauern und Forstleute. Schon früh begann er – auch angeregt durch den (naiv) malenden Vater – zu zeichnen und zu malen.

Nach dem Abitur 1925 in Schwiebus hörte Lehner zunächst ein Semester in Wien Philosophie und Kunstgeschichte. Anschließend studierte er sechs Semester 1926 bis 1929 an der Staatlichen Akademie für Kunst und Gewerbe Breslau (heute: Wrocław/Polen). Diese Akademie war neben dem Bauhaus die wichtigste Kunstakademie Deutschlands dieser Zeit. Dort waren durch ganz unterschiedliche Lehrer viele Stile und Kunstrichtungen vertreten. So konnte Lehner sich mit so berühmten gegensätzlichen Lehrern wie Alexander Kanoldt, einem Hauptvertreter der „Neuen Sachlichkeit“) und Otto Mueller, Mitglied der bekannten Künstlergemeinschaft Die Brücke, auseinandersetzen. Lehner half dort auch beim Druck von Muellers berühmter „Zigeunermappe“.

1930 war Lehner für zwei Semester an der Kunst- und Werkschule in Düsseldorf eingeschrieben, wo die Studierenden von Meistern verschiedener Berufe unterrichtet wurden. Diese Studienphase beschloss er mit seinem Werklehrerexamen. 1931 verbrachte er sein Prüfungssemester in Berlin, wo er unter anderem von Georg Tappert und Erich Heckel unterrichtet wurde. In Berlin legte Lehner sein Kunsterzieherexamen für alle Fachgebiete mit Auszeichnung ab. Für ein halbes Jahr war Lehner anschließend Assessor in Schwiebus. 1933 wurde er Assessor an der Staatlichen Oberschule für Knaben und Mädchen in Jastrow, Kreis Deutsch Krone, später Herderschule, genannt. Hier, in der Pommerschen Provinz, konnte er unbehelligt von den Nationalsozialisten künstlerisch und pädagogisch tätig sein. Der Schule war ein Internat für auswärtige Schüler angegliedert, und Lehner wurde mit der Heimleitung betraut. Neben dem Kunst- und Werkunterricht leitete er eine Segelflugzeugbau-Arbeitsgemeinschaft mit Schülern.

Im März 1939 heiratete er seine ehemalige Schülerin Gisela Felde, geboren in Betkenhammer im damaligen Kreis Deutsch Krone. Sie bezogen einen kleinen Bauernhof an der Küddow in Michlerstal in Tarnowke/Kreis Flatow gegenüber von Betkenhammer, wo beide landwirtschaftlich tätig waren. Dort wurden seine drei ältesten Kinder geboren. Lehner unterrichtete neben der Bewirtschaftung seines Hofes Kunst, Werken, Sport und Turnen an der Schule in Jastrow. Diese Lebensphase wurde durch den Kriegsdienst abgebrochen.

1946 wurde Lehner aus der Gefangenschaft entlassen und traf mit seiner inzwischen geflüchteten Familie in Lorsch zusammen. Dort wurde 1947 sein viertes Kind geboren. Eine Vielzahl von Auftragsarbeiten entstand, häufig in gemeinsamer künstlerischer Produktion der Eheleute, zum Beispiel Industriedesign, Keramiken, Kunstgewerbliches usw.

Ab 1952 unterrichtete Lehner wieder als Kunsterzieher und Sportlehrer, diesmal am Ludwig-Meyn-Gymnasium in Uetersen, Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein. Hier entstand eines seiner bekanntesten Bilder, „Der Harlekin oder des Königs Schatten“, für das ihm ein Schüler im Kostüm einer Schulaufführung Modell saß. 1954 zog auch seine Familie nach Norden und 1956 wurde sein fünftes Kind geboren. Bis 1974 unterrichtete Lehner an der Uetersener Ludwig-Meyn-Schule viele Schülergenerationen. Nun folgten die Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (häufig gemeinsam mit seinerebenfalls malenden Ehefrau) zeitweise dicht aufeinander und sein Heidgrabener Atelier wurde Treffpunkt für Kunstgespräche mit Gästen, darunter viele ehemalige Schüler. Mit dem Berliner Künstler-Ehepaar Alice Brasse-Forstmann und Otto Adolf Brasse verband beide Lehners eine lebenslange künstlerische Freundschaft. Zahlreiche Reisen führten ihn ins Ausland, besonders nach Dänemark, Tunesien und die Insel Lanzarote, aber auch Tirol, Frankreich und Spanien.

1998 starb seine Ehefrau Gisela. Ab 2002 war Lehner gezwungen, wegen der zunehmenden Verschlechterung seiner Sehkraft die Malerei aufzugeben. Am 22. Oktober 2006 starb er in seinem Atelier in Heidgraben.

Werk

Nach Experimenten mit Lithographie, Linoldruck und Ölmalerei waren Lehners bevorzugte Techniken der späteren Jahre Aquarell- und Kaseinmalerei, Mischtechniken sowie Graphik. Nach einer sehr schweren Erkrankung Anfang der 90er Jahre setzte er malerisch noch einmal vollkommen neu an und gestaltete großformatige Bilder von eindrucksvoller Tiefe und Leuchtkraft.

Zwei seiner Entwürfe sind Metallskulpturen Kunst am Bau an der Schwimmhalle in Uetersen und in einer Schule in Tornesch.

Viele seiner Werke sind gekennzeichnet durch einen klaren, reduzierten Pinselstrich und ausdrucksvolle Farbigkeit. Bevorzugte Themen sind Porträts, Landschaften und Tiere, insbesondere Kühe und Pferde, deutlich geprägt durch die Erinnerungen an seine verlorene Heimat.

Auszeichnungen

  • 1997: Deutsch-Kroner-Kulturpreis [1]

Literatur

  • Annette Brown: Hubertus Lehner. Malerei und Grafik. Bilder aus einem langen Leben (1907–2006). Verlag der Kunst, Husum 2007, ISBN 978-3-86530-087-4
  • Annette Brown: Begegnungen mit einem norddeutschen Expressionisten. 2007
  • Künstlergilde Kreis Pinneberg 1986
  • Künstler des Kreises Pinneberg. Band III, 1984, hrsg. vom Kunstkreis Schenefeld
  • Hubertus Lehner: Geschichten aus dem Grieseltal: Bilder aus einer Oberförsterei jenseits der Oder, alle in einem Band, mit zahlreichen Grafiken des Autors und vielen privaten Fotos. Edition Greengables, 2008
  • Hubertus Lehner: Wie ich sehe und zeichne, handschriftliches Faksimile. Edition Greengables
  • Hubertus Lehner: Sehen - Schreiben- Zeichnen, der kurze Versuch einer Deutung. Als Beilage viele Zeichnungen von mir selbst, handschriftliches Faksimile. Edition Green Gables, 1999
  • Annette Brown: Gisela Lehner, Malerei und Grafik. Ein Leben zwischen Kinderland und Surrealismus (1919–1998). Verlag der Kunst, Husum 2009. ISBN 978-3-86530-121-5
  • Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2009.
  • Heimatstadt-Heimatkreis Deutsch Krone, hrsg. von Dr. Hans-Georg Schmeling, Bad Essen 1996

Quellen

Uetersener Nachrichten (2007) "Gewisse Dinge in der Kunst lehrbar - ein Gespräch mit dem Maler und Kunsterzieher H.Lehner, Uetersener Nachrichten 7. März 1970

  • Kulturaufschwung in Uetersen, Uetersener Nachrichten 15. März 1977
  • Malendes Ehepaar stellt beim Tageblatt aus, Wedeler Zeitung 29. Oktober 1977
  • Hubertus Lehner - Maler, Philosoph, Literat, Uetersener Nachrichten 8. April 1987
  • Vernissage im Nibelungensaal...Bilder und Zeichnungen von Gisela und Hubertus Lehner, Lorscher Zeitung im Juli 1988
  • Eindrucksvolle Retrospektive eines reichen Künstllerlebens. Große Einzelausstellung des Malers Hubertus Lehner in der Museumsscheune, Uetersener Nachrichten 4. Februar 1992
  • 85jähriger expressionistischer Maler diskutierte in der Büsumer Galerie "Manjana" mit Betrachtern seiner Bilder..., Dithmarscher Landeszeitung 19. August 1992
  • 85 Jahre alt. Hubertus Lehner -Maler, Philosoph, Literat, Deutsch Kroner und Schneidemühler Heimatbrief vom April 1992
  • Ein Altmeister zeigt neue Arbeiten, Rissener Rundschau 13. April 1994
  • Fernsehfilm der Deutschen Welle, bei Lehner zu Hause in Heidgraben gedreht, gesendet im Sommer 1996
  • NDR-Rundfunkinterview mit Lehner, vermutlich gesendet 1996
  • "Meine Malerei ist eine Huldigung an Pommern"-Deutsch Kroner Kulturpreis in Bad Essen übergeben, Deutsch Kroner Heimatbrief 20. Mai 1997
  • Oft hat er seine Bilder verschenkt, Pinneberger Zeitung 8. April 2006
  • Jubilar geehrt. 99. Geburtstag von Hubertus Lehner, Uetersener Nachrichten 18. April 2006
  • Abschied von Hubertus Lehner (99), Pinneberger Zeitung 26. Oktober 2006

Einzelnachweise

  1. Heimatkreis Deutsch Krone Kurzbeschreibung des Deutsch-Kroner-Kulturpreises, siehe: Die Stiftung Deutsch Krone, Abgerufen am 16. März 2009.

Weblinks


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