Hubschrauber

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Hubschrauber
Typischer Marinehubschrauber, der Sikorsky S-61 Sea King
Eurocopter AS350BA der Fleet Air Arm der Royal Australian Navy

Ein Hubschrauber ist ein vertikal startendes und landendes Luftfahrzeug, das mittels Motorkraft einen oder mehrere Rotoren f√ľr Auftrieb und Vortrieb benutzt. Diese arbeiten als sich drehende Tragfl√§chen oder Fl√ľgel, weshalb Hubschrauber zu den Drehfl√ľglern z√§hlen.

Nicht zu den Hubschraubern gez√§hlt werden dagegen Mischformen aus Flugzeug und Drehfl√ľgler, wie Hybridflugzeuge oder nicht vertikal startende Luftfahrzeuge wie Tragschrauber oder Kipprotorflugzeuge.

Das vor allem in der Schweiz √ľbliche Synonym Helikopter, kurz auch Heli, ist ein zusammengesetzter Begriff aus griech. h√©lix, Genitiv h√©likos ‚ÄěWindung, Spirale‚Äú und pter√≥n ‚ÄěFl√ľgel‚Äú.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Starrer Rotorkopf einer Bo 105

Die rotierenden Rotorbl√§tter erzeugen durch die anstr√∂mende Luft einen dynamischen Auftrieb. Wie bei den starren Tragfl√§chen eines Flugzeugs ist dieser abh√§ngig von ihrem Profil, dem Anstellwinkel und der Anstr√∂mgeschwindigkeit der Luft. Beim schwebenden Hubschrauber entspricht die Anstr√∂mgeschwindigkeit der Umlaufgeschwindigkeit. Wenn ein Hubschrauber sich vorw√§rts bewegt, √§ndert sich die Anstr√∂mgeschwindigkeit, da sich Umlauf- und Fluggeschwindigkeit des nach vorne bewegten Blattes addieren. Beim zur√ľcklaufenden Blatt subtrahieren sie sich, siehe auch Skizze unter Flugleistungen.

Durch die Aerodynamik der Rotorbl√§tter entstehen beim Flug asymmetrische Kr√§fte auf die jeweils nach vorne und nach hinten bewegten Bl√§tter, die bei √§lteren Modellen durch Schlag- und Schwenkgelenke an der Befestigung, dem Rotorkopf, aufgefangen werden mussten. Neuere Konstruktionen kommen ohne diese Gelenke aus. Rotorkopf und -bl√§tter bestehen bei diesen neueren Modellen aus Materialien, welche die in Gr√∂√üe und Richtung sich st√§ndig √§ndernden dynamischen Kr√§fte bew√§ltigen k√∂nnen, ohne dass die Bauteile hierdurch Schaden nehmen. Ein solcher gelenkloser Rotorkopf wurde erstmals bei der Bo 105 durch Bl√§tter aus GFK und einen massiven Rotorkopf aus Titan realisiert. Beim EC 135 wurde dieser zum lagerlosen Rotorkopf weiter entwickelt, der sich bei den meisten Modellen durchgesetzt hat.

√Ąnderung der Flugrichtung

Die zyklische Blattverstellung dient der Steuerung der zweidimensionalen Horizontalbewegung des Hubschraubers durch Neigung der Hauptrotorebene, das hei√üt zum Einleiten oder Beenden von Vorw√§rts-, R√ľckw√§rts- oder Seitw√§rtsflug. Hierbei werden die Einstellwinkel der Bl√§tter w√§hrend des Umlaufs des Rotors (zyklisch) ver√§ndert. Zum Vorw√§rtsflug werden sie so ge√§ndert, dass sich die Rotorebene nach vorne neigt, der Auftrieb erh√§lt dadurch eine nach vorne gerichtete Komponente, also eine den Hubschrauber nach vorne treibende Kraft oder Schub. Die zyklische oder rotationsperiodische Blattverstellung ist f√ľr jeden Hubschrauber mit feststehendem Rotor f√ľr den Schwebeflug unerl√§sslich.

Mit der kollektiven Blattverstellung oder Pitch ver√§ndert der Pilot den Anstellwinkel aller Rotorbl√§tter gleichm√§√üig, was zum Steigen oder Sinken des Hubschraubers f√ľhrt. Einfache Konstruktionen, etwa bei verschiedenen Elektroantrieben im Modellbau, ersetzen diese Steuerung durch eine Drehzahl√§nderung. Nachteilig ist dabei die l√§ngere Reaktionszeit durch die Massentr√§gheit des Hauptrotors.

Die Ansteuerung der Rotorbl√§tter erfolgt meist durch eine Taumelscheibe, deren unterer, feststehender Teil vom Piloten mit Hilfe des ‚Äěkollektiven‚Äú Verstellhebels nach oben oder unten verschoben wird. Mit dem ‚Äězyklischen‚Äú Steuerkn√ľppel kann dieser wiederum in jede Richtung geneigt werden. Der obere, sich mit dem Rotor drehende Teil der Taumelscheibe √ľbertr√§gt √ľber Sto√üstangen und Hebel an den Blattwurzeln den gew√ľnschten Einstellwinkel auf die Rotorbl√§tter.

Rotorvarianten und Giermomentausgleich

Ummantelter Heckrotor oder Fenestron an einem EC 120
Koaxialhubschrauber KA-27 der russischen Marine.

Man unterscheidet Einrotorsysteme, Doppelrotoren und vier Rotoren (Quadrocopter). Mit Ausnahme des Blattspitzenantriebs werden die Rotoren dabei stets durch einen Motor im Rumpf angetrieben. Dadurch entsteht an der Rotorachse ein Gegen-Drehmoment (Giermoment), das bei einem einzelnen Rotor eine gegenl√§ufige Drehung des Rumpfes erzeugen w√ľrde. Um dieses zu kompensieren, werden verschiedene Konstruktionen benutzt:

  • Erzeugung eines seitlichen Gegenschubs durch einen Heckrotor, auch gekapselt als Mantelpropeller beim Fenestron, oder durch Schubd√ľsen beim NOTAR-System.
  • Zwei gegenl√§ufige Hauptrotoren, deren Giermomente sich ausgleichen ‚Äď durch Anordnung √ľbereinander auf derselben Achse (Koaxialrotor), hintereinander (Tandem-Konfiguration) oder nebeneinander (transversal). Eine weitere Variante sind die ineinander greifenden Rotoren mit nahe zusammen liegenden, zueinander schr√§g gestellten Drehachsen beim Flettner-Doppelrotor. Beim Sikorsky X2 erm√∂glicht diese Bauweise auch h√∂here Geschwindigkeiten ‚Äď in Kombination mit einem Schubpropeller, der erstmals 1946 beim Fairey Gyrodyne genutzt worden war.
  • Der Quadrocopter verwendet vier Rotoren in einer Ebene und erlaubt allein durch Verstellung von Pitch oder Drehzahl eine Steuerung um alle drei Achsen. Auf Basis dieser Technologie werden auch Muster mit 6, 8 und 12 Rotoren eingesetzt.
  • Nur selten (Cierva W.11), in der Planung (Mi-32) oder im Modellbau (Tribelle, Tricopter) traten Dreifach-Rotoren auf, bei denen das Drehmoment durch leichtes Kippen der Rotorhochachsen oder auch durch Schwenkbarkeit einer der Rotoren ausgeglichen wird.

Ein System mit zwei Rotoren ist zwar technisch die effizientere Konstruktion, da alle Rotoren zum Auf- und Vortrieb genutzt werden; w√§hrend der Heckrotor im Schwebebetrieb etwa 15% der Gesamtleistung kostet. In der Praxis hat sich aber weitgehend das Einrotorsystem mit einem Heckrotor durchgesetzt. √Ėkonomisch schlagen hier die niedrigeren Bau- und Wartungskosten bei nur je einem Rotorkopf und Getriebe ins Gewicht, da diese die beiden aufw√§ndigsten und empfindlichsten Baugruppen eines Hubschraubers sind.

K-Max mit gegenläufigem Flettner-Doppelrotor

Heckrotoren gibt es in Ausf√ľhrungen mit zwei bis f√ľnf Bl√§ttern. Um den L√§rm zu verringern, werden teils vierbl√§ttrige Rotoren in X-Form eingesetzt. Eine besonders leise Variante ist der Fenestron, ein ummantelter Propeller im Heckausleger mit bis zu 18 Bl√§ttern.

Meist wird der Heckrotor aus dem Hauptgetriebe √ľber Wellen und Umlenkgetriebe angetrieben, so dass seine Drehzahl stets proportional zu der des Hauptrotors ist. Der Schub zur Steuerung um die Gierachse wird dann vom Piloten mit den Pedalen √ľber den Einstellwinkel der Heckrotorbl√§tter geregelt, analog der kollektiven Verstellung des Hauptrotors.

Während des Reiseflugs wird bei vielen Konstruktionen der Heckrotor dadurch entlastet, dass ein Seitenleitwerk das Giermoment weitgehend kompensiert. Dies ist meist durch Endscheiben an der horizontalen Dämpfungsfläche realisiert, die zur Rumpflängsachse schräg gestellt sind; bei einer einzelnen Seitenflosse in der Regel zusätzlich durch ein asymmetrisches Profil.

Autorotation

Sollte der Antrieb ausfallen, k√∂nnen Hubschrauber trotzdem noch landen. Dazu muss der Pilot in einen steilen Sinkflug √ľbergehen, wobei der freilaufende Rotor durch die nun in umgekehrter Richtung, von unten nach oben, str√∂mende Luft in Drehung gehalten wird ‚Äď eine Autorotation wie beim Tragschrauber. Ein Giermomentausgleich ist dabei nicht notwendig; eine solche Landung ist daher auch beim Ausfall des Heckrotors m√∂glich, zum Beispiel bei Bruch der Antriebswelle, des Winkelgetriebes oder des ganzen Heckauslegers. Kurz vor dem Aufsetzen wird nun der kollektive Einstellwinkel vergr√∂√üert und damit der Auftrieb erh√∂ht, um m√∂glichst weich aufzusetzen. Der Verlust der Steuerung um die Hochachse und die Notwendigkeit, den richtigen Moment genau zu treffen, da die kinetische Energie des Rotors nur f√ľr einen Versuch ausreicht, macht dieses Man√∂ver jedoch stets riskant.

Steuerung

Cockpit eines Eurocopter AS 332 L1 Super Puma der Bundespolizei

Ein Hubschrauber ist ein nicht eigenstabiles Luftfahrzeug ‚Äď er hat vor allem im Schwebeflug und langsamen Flug stets die Tendenz, seine Fluglage zu verlassen und in die eine oder andere Richtung zu schieben, sich zu neigen oder zu drehen. Dies ist u. a. darin begr√ľndet, dass der Neutralpunkt √ľber dem Rumpf und damit √ľber dem Schwerpunkt liegt. Der Pilot muss diese Bewegungen durch kontinuierliche, entgegen wirkende Steuereingaben abfangen. Bei einer Fluggeschwindigkeit oberhalb von ca. 100 km/h verh√§lt sich ein Hubschrauber √§hnlich wie ein Tragfl√§chenflugzeug und ist entsprechend einfach zu steuern.

Anders als im Starrfl√ľgel-Flugzeug sitzt der Pilot eines Hubschraubers in der Regel auf der rechten Seite. Zur Steuerung ben√∂tigt er beide H√§nde und F√ľ√üe: Mit der linken Hand kontrolliert er √ľber einen Hebel die kollektive Blattverstellung (engl. Pitch) und damit den Auftrieb. Um beim Aufstieg den Abfall der Rotordrehzahl zu verhindern, wird auch die Motorleistung und damit das erzeugte Drehmoment erh√∂ht, entweder manuell, mit einem Drehgriff an diesem Hebel, oder automatisch. Mit der rechten Hand kontrolliert der Pilot √ľber den Steuerkn√ľppel die zyklische Blattverstellung, das hei√üt die Neigung der Taumelscheibe und damit die Bewegung um L√§ngs- und Querachse.

Am Boden finden sich zwei Pedale, mit denen der Heckrotor und damit die Bewegung um die Gierachse gesteuert wird, also die Rechts-Links-Drehung.

Flugleistungen

Geschwindigkeits√ľberlagerung am vor- und r√ľcklaufenden Blatt

Hubschrauber erreichen prinzipiell nicht die Flugleistungen von Starrfl√ľgelflugzeugen:

Die H√∂chstgeschwindigkeit liegt meist zwischen 200 und 300 km/h, einige Kampfhubschrauber erreichen √ľber 360 km/h. Der Geschwindigkeits-Rekord liegt bei 463 km/h und wurde am 15. September 2010 mit einer Sikorsky X2 erzielt.

Die H√∂chstgeschwindigkeit wird dabei durch die Aerodynamik der Rotorbl√§tter begrenzt: Das jeweils nach vorne laufende Blatt hat gegen√ľber der von vorn anstr√∂menden Luft eine h√∂here Geschwindigkeit als das nach hinten laufende. N√§hert sich nun das vorlaufende Blatt im Au√üenbereich der Schallgeschwindigkeit, kommt es dort zu Effekten wie Abfall des Auftriebs, starke Erh√∂hung des Widerstands und gro√üe Blattbeanspruchung durch Torsionsmomente. Dies √§u√üert sich zum Beispiel in starken Schwingungen und erschwert so dem Piloten die Kontrolle √ľber den Hubschrauber.

H√§ufig wird die Geschwindigkeit eines Hubschraubers jedoch durch das r√ľcklaufende Rotorblatt begrenzt: Hier f√ľhrt die Kombination aus hohem Anstellwinkel (zyklische Verstellung, s. o.) und geringer Str√∂mungsgeschwindigkeit zum Str√∂mungsabriss und damit zum Auftriebsverlust. Viele Hubschrauber kippen daher beim Erreichen der kritischen Geschwindigkeit zuerst auf die Seite, auf der sich die Rotorbl√§tter nach hinten bewegen, bevor die nach vorne bewegten Bl√§tter in den √úberschallbereich gelangen.

Auch die Gipfelhöhe ist begrenzt und liegt typisch etwa bei 5.000 Metern, wobei einzelne Modelle bis zu 9.000 Meter erreichen. Der Höhenrekord von 13.716 m (45.000 ft) wurde im Mai 2005 von Didier Delsalle mit einem darauf optimierten Eurocopter AS 350 aufgestellt.

Der Kraftstoffverbrauch eines Hubschraubers liegt bei gleicher Zuladung auf die Flugstrecke bezogen meist deutlich √ľber dem eines Tragfl√§chen-Flugzeugs.

Der Vorteil eines Hubschraubers aber liegt in der F√§higkeit, in der Luft stehen zu bleiben (Schwebeflug, auch Hover genannt), r√ľckw√§rts oder seitw√§rts zu fliegen, sowie sich im langsamen Flug um die Hochachse (Gierachse) zu drehen. Weiterhin kann er senkrecht starten und landen (VTOL) und ben√∂tigt daher keine Start- und Landebahn. Steht kein regul√§rer Hubschrauberlandeplatz zur Verf√ľgung, reicht dazu bereits ein ebener und hindernisfreier Platz von ausreichendem Durchmesser.

Entwicklungsgeschichte

Fr√ľher Entwurf von Leonardo da Vinci

Eine Auswahl von Meilensteinen bei der Entwicklung des Hubschraubers:

Schon Leonardo da Vinci hatte Ende des 15. Jahrhunderts Skizzen eines Hubschraubers angefertigt, aber erst im 20. Jahrhundert gelang die technische Umsetzung dieser Idee. Pioniere der Hubschrauberentwicklung waren u. a. Jakob Degen, √Čtienne Oehmichen, Ra√ļl Pateras Pescara, Juan de la Cierva, Louis Charles Breguet, Henrich Focke und Igor Sikorski:

Am 13. November 1907 hob Paul Cornu mit seinem 260 kg schweren fliegenden Fahrrad f√ľr zwanzig Sekunden senkrecht vom Boden ab ‚Äď dem vermutlich ersten freien, bemannten Vertikalflug. Er benutzte Tandemrotoren, die von einem 24 PS starken V8-Motor angetrieben wurden.

Ab 1910 löste Boris Nikolajewitsch Jurjew einige theoretisch-konstruktive Grundprobleme der Stabilität und des Antriebs und entwickelte die Taumelscheibe.

Oehmichen N¬į2 1922
Pescara No.3 im April 1924
Fw 61 V2

Am 11. November 1922 brachte √Čtienne Oehmichen erstmals seine Oehmichen No. 2 in die Luft, den wohl ersten zuverl√§ssig fliegenden, manntragenden Senkrechtstarter. Auf ihn geht der Heckrotor zur Stabilisierung des ganzen Flugger√§ts zur√ľck.

Bei der Entwicklung seines Autogiro gelangen Juan de la Cierva 1923 wesentliche L√∂sungen zur Stabilisierung des Rotors eines Drehfl√ľglers, so z. B. die Schlaggelenke.

Am 18. April 1924 schlug der von Ra√ļl Pateras Pescara entwickelte Pescara No.3 den vier Tage vorher von Oehmichen aufgestellten Weltrekord f√ľr Rotorflugzeuge um das Doppelte und setzte dabei erstmals zyklische Blattverstellung ein, um den Hauptrotor zum Vortrieb zu nutzen.

Koaxialhubschrauber Gyroplane-Laboratoire von 1935
Igor Sikorski in seinem VS-300 von 1941

In den fr√ľhen 1930er Jahren bauten Louis Charles Breguet und Ren√© Dorand mit dem Gyroplane-Laboratoire den ersten, l√§ngere Zeit stabil fliegenden Hubschrauber. Er hatte Koaxialrotoren und hielt ab Juni 1935 alle internationalen Rekorde f√ľr Hubschrauber.

Die Focke-Wulf Fw 61, die zwei seitlich angeordnete Rotoren benutzte, konnte beim Jungfernflug im Juni 1936 eine Reihe von bisherigen Weltrekorden bei Hubschraubern brechen. Sie war zudem der erste Hubschrauber, mit dem eine Autorotationslandung durchgef√ľhrt wurde.

Der erste in Serie gebaute Hubschrauber, ebenfalls mit zwei seitlich angeordneten Rotoren, war 1941 die deutsche Focke-Achgelis Fa 223. Es folgten 1943 die Flettner Fl 282, ebenfalls mit Doppelrotor, und 1944 die Sikorsky R-4 ‚ÄěHoverfly‚Äú in den USA, die wie ihr Vorg√§nger Sikorsky VS-300 einen Einzelrotor zusammen mit einem Heckrotor verwendete.

1955 r√ľstete die franz√∂sische Firma Sud Aviation ihren Hubschrauber Alouette II mit einer 250 kW-Turbom√©ca Artouste-Wellenturbine aus und baute damit den ersten Hubschrauber mit Gasturbinenantrieb, der heute von allen kommerziellen Herstellern verwendet wird, mit der einzigen Ausnahme der Robinson Helicopter.

Die mit bis heute 16.000 Exemplaren meistgebaute Hubschrauberfamilie, die Bell 204 ‚Äď milit√§risch Bell UH-1 genannt ‚Äď startete am 22. Oktober 1956 zu ihrem Jungfernflug.

Die deutsche B√∂lkow Bo 105 wurde 1967 als erster Hubschrauber mit einem gelenklosen Rotorkopf zusammen mit GFK-Rotorbl√§ttern, die erstmals bei der Kamow Ka-26 zum Einsatz gekommen waren, ausger√ľstet. Der Eurocopter EC 135 als aktueller Nachfolger benutzt diese Bauweise in weiterentwickelter Form.

Mil Mi-12, größter Hubschrauber der Welt, mit zwei Rotoren

1968 startete mit der sowjetischen Mil Mi-12 der gr√∂√üte jemals gebaute Hubschrauber. Er verf√ľgt √ľber nebeneinander angeordnete Rotoren, ein Startgewicht von 105 t, bei einer Nutzlast von 40 t und 196 Passagierpl√§tze. Nach drei Prototypen, die eine Reihe von Rekorden erzielten, wurde die Produktion eingestellt.

1977 fand der Jungfernflug des größten in Serie gebauten Helikopters statt, der Mil Mi-26, die bis heute produziert und eingesetzt wird.

Ab 1983 entstand mit der RAH-66 Comanche ein Kampfhubschrauber mit Tarnkappentechnik, dessen Fertigung jedoch kurz vor Erreichen der Einsatzreife 2004 gestoppt wurde.

Eurocopter X3, Paris Air Show 2011

1984 flog erstmals die Sikorsky X-wing, deren Rotor beim Vorw√§rtsflug angehalten und festgestellt wird und dann als zus√§tzliche Tragfl√§che dient. Wie bei anderen VTOL-Konzepten sollen damit gegen√ľber reinen Drehfl√ľglern bessere Flugleistungen erreicht werden. Es blieb bei einem Prototyp.

Im August 2008 bewies der Sikorsky X2 im Erstflug die Tauglichkeit des mit neuesten Verfahren optimierten Koaxial-Rotors in Kombination mit einem Schubpropeller - dem Prinzip der fr√ľheren Tragschrauber. Zwei Jahre sp√§ter erreichte er mit 250 Knoten True Airspeed (463 km/h) das Entwicklungsziel und √ľberbot damit den bisherigen Geschwindigkeitsrekord um 15%. Auch andere Hersteller erprobten √§hnliche, neue Hochgeschwindigkeits-Muster, so Eurocopter den X¬≥ und Kamov den Ka-92.

Unfälle

Abgest√ľrzter Hughes AH-64 Apache Kampfhubschrauber

Verglichen mit Tragfl√§chenflugzeugen weisen Hubschrauber eine deutlich h√∂here Unfallh√§ufigkeit auf: Zwischen 1980 und 1998 verzeichnete die Bundesstelle f√ľr Flugunfalluntersuchung (BFU) bei Hubschraubern statistisch pro einer Million Abfl√ľge 54 Unf√§lle mit sechs Toten, bei Tragfl√§chenflugzeugen lediglich zehn Unf√§lle mit 1,6 Toten. Die Unfallursachen liegen dabei anteilig mit √ľber 80 % im menschlichen Versagen.

Aus Sicht der Technik sind Hubschrauber nicht unsicherer als Tragfl√§chenflugzeuge und werden unter den gleichen Zuverl√§ssigkeitsforderungen ausgelegt und zugelassen. Die h√∂here Unfallgefahr kann mehr durch die Einsatzbedingungen erkl√§rt werden: Rettungsdienste und Milit√§r k√∂nnen einen Einsatzort nicht vorher bestimmen, Hindernisse wie Antennen oder Stromleitungen sind dem Piloten dann nicht bekannt. Eins√§tze im Hochgebirge, wie Lastentransport und Bergrettung, k√∂nnen wiederum durch die geringere Luftdichte und Abwinde den Antrieb an die Leistungsgrenze bringen. Bei dessen Ausfall sind zudem die Bedingungen f√ľr eine Autorotations-Landung h√§ufig schlecht.

Verwendung

Der Betrieb eines modernen Hubschraubers ist im Vergleich zu einem Flächenflugzeug mit vergleichbarer Zuladung deutlich teurer. Dennoch ergeben sich aufgrund seiner Fähigkeit, auf unvorbereitetem Gelände starten und landen zu können, eine Reihe von zusätzlichen Einsatzgebieten, unterscheidbar in zivile und militärische.

Zivile Verwendung

Rettungshubschrauber EC 135 des ADAC

Die h√§ufigste Verwendung in Mitteleuropa ist der Bereich Luftrettung mit dem Rettungshubschrauber, wovon es allein in Deutschland √ľber 50 St√ľtzpunkte gibt. Weitere Spezialisierungen stellen Intensivtransporthubschrauber, Gro√üraum-Rettungshubschrauber, Notarzteinsatzhubschrauber und Bergrettungsdienst dar. Auch bei der Polizei und bei der Feuerwehr sind Hubschrauber zu einem wichtigen unterst√ľtzenden Faktor geworden.

F√ľr den zivilen Passagiertransport wiederum werden Transporthubschrauber eingesetzt, etwa bei Bohrinseln, wo sie ein wichtiges Element der Logistik darstellen. Eine weitere Anwendung ist der Frachttransport, wenn G√ľter schnell direkt an einen bestimmten Ort zu bringen sind. Im Hochgebirge ist der Transport von Baumaterial und Bauteilen mangels geeigneter Landwege oft wichtig f√ľr die Errichtung und Versorgung von alpinen Einrichtungen. Gleiches gilt f√ľr Montagearbeiten an unzug√§nglichen Stellen, mitunter werden Hubschrauber dort auch als Baukran eingesetzt. Alpine Schutzh√ľtten, die nicht mit Fahrzeugen erreichbar sind und bis in die siebziger Jahre mit Tragtieren oder bei schwierigeren Zugangswegen mit Tr√§gern versorgt wurden, erhalten heute den Lebensmittelnachschub √ľberwiegend mit dem Hubschrauber. In nicht mechanisierbaren steilen Weinbergen wird der Pflanzenschutz zum Teil mit Hubschraubern durchgef√ľhrt. Im Touristikbereich werden Rundfl√ľge angeboten.

Modellhubschrauber bekommen zunehmend Bedeutung, da sich die Technik stetig entwickelt hat und der Pilot sein Hobby auch in Innenr√§umen aus√ľben kann. Ferngesteuerte Kleinhubschrauber werden daneben auch kommerziell als ‚Äěfliegender Kamerakran‚Äú eingesetzt und erm√∂glichen so Kamerafahrten, die sonst nur mit deutlich gr√∂√üerem Aufwand oder gar nicht realisierbar waren.

Statistische Daten

In Deutschland sind derzeit (Stand 2010) 811 Drehfl√ľgler bzw. Hubschrauber zugelassen.[1] Sie haben alle die Kennzeichenklasse H, tragen also eine Luftfahrzeugkennzeichen der Form D-HXXX.

Militärische Verwendung

US-Kampfhubschrauber AH-1W Super Cobra

Überwiegend zum Truppentransport eingesetzt (Transporthubschrauber), sind weitere typische militärische Anwendungen

Siehe auch: Militärhubschrauber, Hubschrauber der Bundeswehr

Technik-Artikel

Weitere Details zu Bauweise und Technik von Hubschraubern finden sich in diesen Artikeln:

Varianten der Bauweise zum Drehmomentausgleich
Heckrotor-Konfiguration ‚Äď Hubschrauber mit seitlichen Rotoren ‚Äď Tandem-Konfiguration ‚Äď Koaxialrotor ‚Äď Flettner-Doppelrotor ‚Äď Blattspitzenantrieb
Verwandte Flugzeug-Bauweisen
Tragschrauber ‚Äď Flugschrauber ‚Äď Wandelflugzeug ‚Äď Senkrechtstarter ‚Äď VTOL
Rotor
Rotorkopf ‚Äď Taumelscheibe ‚Äď Schlaggelenk ‚Äď Schwenkgelenk ‚Äď Rotorblatt
Auftrieb und Vortrieb
Schwebeflug
Landevorrichtung
Hubschraubertriebwerk

Wichtige Hersteller

Marinehubschrauber russischer Bauart, Mil Mi-14 der polnischen Marine

Europa:

S√ľdamerika:

Asien:

Afrika:

Nordamerika:

Siehe auch

Literatur

in chronologischer Sortierung:

  • Engelbert Zaschka: Drehfl√ľgelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber. C.J.E. Volckmann Nachf. E. Wette, Berlin-Charlottenburg 1936, ASIN B0046IAMSC.
  • Rolf Besser: Technik und Geschichte der Hubschrauber, Bonn 1996, ISBN 3-7637-5965-4.
  • Kyrill von Gersdorff, Kurt Knobling: Hubschrauber und Tragschrauber. Bernard & Graefe, Bonn 1999, ISBN 3-7637-6115-2.
  • Heinrich Dubel: Helikopter Hysterie Zwo, Berlin 2000, ISBN 3-929010-77-1.
  • Steve Coates, Jean-Christophe Carbonel: Helicopters of the Third Reich, 2003, ISBN 1-903223-24-5.
  • Ernst G√∂tsch: Luftfahrzeugtechnik, Motorbuchverlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02006-8.
  • Walter J. Wagtendonk: Principles of helicopter flight. Aviation Supplies & Acad., Newcastle 2003, ISBN 1-56027-217-1.
  • Yves Le Bec: Die wahre Geschichte des Helikopters, Chavannes-pr√®s-Renens 2005, ISBN 2-8399-0100-5.
  • Walter Bittner: Flugmechanik der Hubschrauber ‚Äď Technologie; das flugdynamische System Hubschrauber; Flugstabilit√§ten; Steuerbarkeit. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-23654-6.
  • Marcus Aulfinger: Hubschrauber-Typenbuch. Motorbuch Verl., Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02777-0.
  • J. Gordon Leishman: Principles of helicopter aerodynamics.Cambridge Univ. Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-85860-1.
  • Helmut Mauch: Das gro√üe Buch der Hubschrauber ‚Äď Geschichte, Modelle, Einsatz. GeraMond, M√ľnchen 2009, ISBN 978-3-7654-7001-1.

Film

  • Himmelsreiter ‚Äď Die Geschichte der Hubschrauber. Dokumentation, Deutschland, 2006, 52 Min., Regie: Mario G√∂hring, Peter Bardehle, Produktion: NDR, arte, Erstsendung: 19. April 2006, Inhaltsangabe von arte
  • Professor Oehmichens fliegende Maschinen Dokumentation, Frankreich, 2009, 52 min., Regie: Stephane Begoin; Produktion: arte F, Erstsendung: 20. Juni 2009, Inhaltsangabe von arte

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Luftfahrtbundesamt

Weblinks

 Commons: Kategorie:Hubschrauber ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Hubschrauber ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
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Synonyme:

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