Huexotzinco

Die Huexotzinca waren ein Volk der Nahua im heutigen mexikanischen Bundesstaat Puebla, die am östlichen Abhang der Volklankette Popocatépetl und Iztaccíhuatl sowie in der Flussniederung des Río Atoyaclebten. Sie hatten ihre Unabhängigkeit von den Azteken bis zur Ankunft der spanischen Conquistadoren weitgehend behaupten können.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die politischen Verhältnisse in der Region gehen auf die Wanderungsbewegungen nach dem Ende der toltekischenVormacht im zentralen Mexiko zurück. Durch Einwanderung und Eroberungen von chichimekischen Gruppen entstand eine sehr komplexe ethnische Gliederung.

Vorherrschaft

In der Mitte des 14. Jahrhunderts kam es zu Rivalitäten über die Vorherrschaft in der Region, wobei die Huxotzinca auf die Unterstützung der mit ihnen verwandten Acolhuaque aus dem Becken von Mexiko zählen konnten. Tlaxcallan entkam einer Niederlage dank der Hilfe seiner südlichen Nachbarn Cholollan, Cuauhtinchan und Totimehuacan.Eine Folge dieser Entwicklung war, dass insbesondere die politische Macht und territoriale Ausdehnung von Cholollan stark eingeschränkt wurde. Insgesamt trat danach – die exakte Datierung ist kontrovers – eine Zeit der ausgeglichenen Kräfte und Stabilität ein, wobei Huexotzinco die Rolle eines primus inter pares eingenommen haben dürfte. Gemeinsame Kriegsunternehmungen richteten sich unter anderem gegen Chalco im Becken von Mexiko und Cuauhquechollan, dessen Hauptort sich damals an der Stelle der modernen Stadt Atlixco befand. Da Cuauhquechollan unterlag, musste es rund 20 km nach Südwesten verlegt werden, sein vorheriges Territorium im besonders fruchtbaren Talgebiet wurde unter Huexotzinco und Calpan aufgeteilt – eine Struktur die bis in die Kolonialzeit Bestand hatte. Die Ausdehnung brachte Huexotzinco in direkten Kontakt mit Totimehuacan, das es nach anfänglichen Misserfolgen besiegte. Das dadurch sichtbar werdende Entstehen einer lokalen Macht rief Reaktionen im Becken von Mexiko hervor: Tlatelolco intervenierte und eroberte Cuauhtinchan, von wo es durch eine Fraktion des kleinen multiethnischen Staates zu Hilfe gerufen worden war. Tlatelolco etablierte in der Folge in Cuauhtinchan eine neue Herrscherdynastie.

Huexotzinco und Tlaxcallan als Enklaven innerhalb des Aztekischen Reiches

Gegenüber den Veränderungen im Becken von Mexiko, durch die die Tepaneken zur führenden Macht aufstiegen, blieben Huexotzinco und Tlaxcallan zunächst neutral. Dennoch bot Huexotzinco dem nach der Ermoderung seines Vaters flüchtigen designierten Herrscher von Tetzcoco, Nezahualcoyotl, Asyl. Dies führte zu einer Einmischung Huexotzincos in den Herrschaftsstreit von Tetzcoco an der Seite der erstarkenden Gegner der Tepaneken, Tenochtitlán und Tlatelolco. Mit dieser entscheidenden Unterstützung konnte Nezahualcoyotl sein Territorium zurückgewinnen. Huexotzinco und Tlaxcallan hielten die Allianz mit dem neuen Dreibund im Becken von Mexiko (Tenochtitlán, Texcoco und Tlacopan) aber nicht aufrecht, sondern boten nun den aus Texcoco Geflohenen der Gegenpartei Unterschlupf.

Auseinandersetzungen mit dem aztekischen Dreibund

Der zentralmexikanische Dreibund unternahm im Rahmen seiner aktiven Expansionspolitik ab Mitte des 15. Jahrhunderts, insbesondere unter Motecuzoma I. verschiedene Versuche, sich die Macht jenseits der Vulkankette Popocatepetl und Iztaccihuatl zu sichern oder jedenfalls die Handelswege zum und im tropischen Küstenland kontrollieren zu können. Huexotzinco, Cholollan und Tlaxcallan intervenierten deshalb in Coaixtlahuacan und in Cuetlaxtlan und Ahuilizapan im heutigen Veracruz, allerdings vergeblich. Ungefähr gleichzeitig eroberte Tenochtitlan – wiederum auf Bitten der den Aztekenfreundlich gesonnenen Fraktion in Cuauhtinchan, die benachbarte Stadt Tepeyacac, die danach Teil des aztekischen Tributimperiums blieb. Damit und durch weitere Eroberungen kleinerer politischer Einheiten waren Huexotzinco und Tlaxcallan praktisch eingekreist. Die jetzt unter aztekischer Herrschaft stehenden kleinen Herrschaften trugen zahlreiche kleinere Angriffe gegen Huexotzinco, Tlaxcallan und deren Alliierte vor, zunächst gegen Totimehuacan, dessen Bewohner fliehen mussten. Auch aus anderen Gebieten wurden Flüchtlinge aufgenommen, insbesondere nach der Eroberung von Chalco durch die Azteken im Jahre 1465.

Blumenkriege

Da beide Seiten offenbar weder stark genug waren noch sich Gewinn von weiteren Eroberungen versprachen, entstand die eigenartige Institution der Blumenkriege, durch die trotz regelmäßiger militärischer Aktivitäten in den näheren Umgebung die Machtverhältnisse nicht stärker verändert wurden. In den Augen der Azteken waren die Blumenkriege mit Tlaxcallan und vor allem Huexotzinco auch deshalb besonders wichtig, weil die Krieger dieser Städte wegen ihrer Tapferkeit berühmt waren. Die Blumenkriege sollten aber nicht als wenig ersthaft abgetan werden; bei einer Gelegenheit kurz vor Ende des 15. Jahrhunderts erlitten die aztekischen Truppen eine ihrer seltenen Niederlagen und eine Anzahl von Mitgliedern ihrer Herrscherfamilie kam zu Tode.

Niedergang

Kriege zwischen Tenochtitlan und Huexotzinco im Codex Telleriano Remensis für die Jahre 1517 und 1518. Der nackte Krieger für 1518 dürfte die Niederlage Huexotzincos ausdrücken
Krieg zwischen Tenochtitlan und Huexotzinco im Codex Telleriano Remensis für das Jahr 1514

Bald danach kam es zu einer nur fragmentarisch bekannten Entwicklung, die offenbar ausgelöst wurde durch den Tod des Herrschers Chiaucoatl von Chiautzingo, einer der Herrschaften innerhalb von Huexotzinco. Sein Sohn, Toltecatzin, kam in Streit mit den Priestern der lokalen Gottheit Mixcoatl-Camaxtli, woraus sich eine Bürgerkrieg entwickelte, der zum Nachteil von Toltecatzin und seinen Gefolgsleuten ausging, die nach Amaquemecan (in Chalco) fliehen mussten. Der Bürgerkrieg scheint jedoch weiter angedauert zu haben. Die dadurch verursachte Schwächung wurde von Tlaxcallan genutzt um in wenig besiedelte Gebiete im nördlichen Teil der gemeinsamen Grenzregion einzufallen. Daraus entwickelte sich ein blutiger Krieg, in dessen Verlauf Tlaxcallan mehrfach die Ernten in Huexotzinco zerstörte und dort eine Hungersnot verursachte. Viel Volk aus Huexotzinco sah keinen anderen Ausweg als ins Becken von Mexiko zu fliehen, auch nach Tenochtitlán. Sie wurden von zweien ihrer Herrscher, Tecayehuatl und Xayacamachan angeführt und in Tenochtitlán freundlich aufgenommen. Moctezuma II. verlegte Truppen nach Huexotzinco, wo sie oberhalb des Ortes ein Lager errichteten. Die Kämpfe dauerten mehrere Jahre an, bis Tlaxcallan schließlich besiegt und aus Huexotzinco vertrieben wurde. Danach kehrten kurz vor der Ankunft der Spanier in Mexiko viele Huexotzinca nach Hause zurück. Während die Gruppe des Tecayehua offenbar mit dem Einverständnis des aztekischen Herrschers weggingen, scheint die Gruppe des Xayacamachan sich heimlich davon gemacht zu haben, wurde aber ertappt und in der Nähe von Amaquemecan getötet. Eine Ursache im Hintergrund für Auseinandersetzungen scheint die Weigerung der Huexotzinca gewesen zu sein, das Bild ihres Gottes Camaxtli den Azteken zu übergeben. Da diese die Bilder der Gottheiten unterworfener Gebiete in ihren Tempeln beherbergten, dürfte die Weigerung eine diplomatische Form gewesen zu sein, auszudrücken, dass man sich nicht unterworfen fühlte. Ein Schlaglicht auf die Verhältnisse wirft die Aussage der Quellen, dass die Huexotzinca nach der Rückkehr ihre aztekischen Frauen aus der Zeit ihres Exils und deren Kinder töteten. Anschließend kam es zu einem Aufleben der Allianz zwischen Huexotzinco, Tlaxcallan und Cholollan, die offen gegen den aztekischen Dreibund gerichtet war. Dies wurde offenkundig, als Tecayehuatl eine Einladung zur den Feierlichkeiten bei einer Tempelweihe in Tenochtitlán ausschlug. Folge war ein neuerlicher Ausbruch des Krieges, der seinen Höhepunkt am Berg Ahuayocan (heute: Cerro Coxtocan nahe San Martín Texmulucan) hatte, wobei die Azteken eine schwere Niederlage erlitten und die aztekische Garnison aufgerieben wurde. In die Hände Huexotzincos fiel der zweithöchste Würdenträger von Tlatelolco, der tlacatecatl Totozaca, der anschließend geopfert wurde. Die Tlaxcalteken unter Xicotencatl waren die großen Sieger, während Huexotzinco offenbar seine Unabhängigkeit endgültig verloren hat und die Tenochtitlán freundliche Fraktion des Tecayehuatl in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Ab nun wird als Herrscher von Huexotzinco Quecehuatl genannt, ohne dass über ihn genaueres bekannt wäre. [1].

Conquista

Das Eindringen der spanischen Eroberer geschah zu dem denkbar ungünstigsten Augenblick, als durch innere Auseinandersetzungen die Kräfte in den von den Azteken unabhängigen Gebieten tiefgehend geschwächt waren und auch die jetzt dominierende Macht, Tlaxcallan, zu keinem effektiven Widerstand fähig war. Außerdem war die Erinnerung an die kaum vergangenen letzten Kriege mit den Azteken so frisch, dass jede Chance, sich von deren Umklammerung und Druck zu befreien willkommen sein musste. Als die Tlaxcalteken sich mit Hernán Cortés gegen die Azteken verbündeten, schlossen auch die Huexotzinca ein Bündnis mit den Spaniern. Dieses Bündnis hielt bis zum Sieg über die Azteken.[2]

Ehemalige Klosterkirche und Konvent in Huejotzingo

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Einzelnachweise

  1. Ursula Dyckerhoff: La Región del Alto Atoyac - la época prehispánica. In: Hanns J. Prem: Milpa y hacienda, tenencia de la tierra indígena y española en la Cuenca del Alto Atoyac, Puebla, México (1520-1650). Franz Steiner, Wiesbbaden 1978. ISBN 3-515-02698-3. S. 18-34.]]
  2. Bernal Díaz del Castillo: Geschichte der Eroberung von Mexiko, 1988, S. 500

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