Humanbiologie

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Humanbiologie

Die Humanbiologie ist eine naturwissenschaftliche Disziplin, die dar√ľber hinaus auch zu den Humanwissenschaften gez√§hlt wird, die sich im engeren Sinn mit der Biologie des Menschen sowie den biologischen Grundlagen der Humanmedizin und im weiteren Sinn mit den f√ľr den Menschen relevanten Teilbereichen der Biologie befasst. Synonym wird oft auch die Bezeichnung Biomedizin verwendet, auch wenn diese im eigentlichen Sinn nur die medizinisch relevanten Bereiche der Humanbiologie umfasst.

Die Humanbiologie entstand aus den naturwissenschaftlichen Teildisziplinen der Anthropologie und hat sich erst in j√ľngerer Zeit als eigenst√§ndiges Fachgebiet etabliert. Sie steht als spezielle interdisziplin√§re Wissenschaft zwischen Medizin und Pharmazie sowie Biologie und Anthropologie und ist gegenw√§rtig vor allem ein Lehr- und Studienfach zur wissenschaftlichen Ausbildung an Hochschulen. Das bedeutet, dass die Inhalte der Humanbiologie und ihre Abgrenzung zu anderen F√§chern vor allem durch die Curricula von entsprechenden eigenst√§ndigen Studieng√§ngen definiert sind, im Gegensatz zu den wesentlich √§lteren und hinsichtlich ihrer Inhalte historisch gewachsenen klassischen Naturwissenschaften wie Physik, Chemie oder Biologie.

Inhaltsverzeichnis

Forschungsgegenstand

Biologie des Menschen

Die Humanbiologie als Biologie des Menschen versucht, entsprechend der Bedeutung des Begriffs ‚ÄěBiologie‚Äú, den Menschen als Lebewesen auf naturwissenschaftlicher Ebene zu verstehen und zu erforschen. Sie bedient sich dazu verschiedener wissenschaftlicher Methoden, wie zum Beispiel Experimenten und Beobachtungen, um die biochemischen und biophysikalischen Grundlagen des menschlichen Lebens detailliert zu beschreiben und die zugrundeliegenden Prozesse durch Modelle formulieren zu k√∂nnen. Sie liefert damit als Grundlagenwissenschaft die Wissensbasis f√ľr die Medizin. Dabei ist der Informationsfluss zwischen den Disziplinen durchaus nicht einseitig, da die Kenntnis der Medizin √ľber pathologische Erscheinungen den Humanbiologen beim Verst√§ndnis der Physiologie des Menschen hilft. Aufgrund historisch gewachsener Betrachtungsebenen haben sich eine Reihe von Teildisziplinen herausgebildet. Die wichtigsten davon sind:

Anatomie und Physiologie: Lage einiger f√ľr die Verdauung relevanter Organe
Anatomie

Die Anatomie (einschließlich Zytologie, Histologie und Morphologie) ist die Lehre von Form und Bau des menschlichen Körpers, seiner Organsysteme, Organe und Gewebe. Sie ist vor allem eine beschreibende Disziplin und eine der ältesten wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit der Biologie des Menschen beschäftigen.

Physiologie

Die Physiologie erforscht und beschreibt die Funktion des menschlichen Körpers und seiner Organe, insbesondere aus physikalischer und chemischer Sicht. Eines der wichtigsten Anliegen der Physiologie ist es, den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Organen und ihre gegenseitige Steuerung zu verstehen.

Humangenetik

Die Humangenetik beschäftigt sich mit den genetischen Grundlagen des menschlichen Lebens. Sie untersucht die Vererbung von phänotypischen Merkmalen und den Einfluss der Gene auf das Aussehen, die Eigenschaften und die Fähigkeiten eines Menschen.

Immunologie: Schematische Darstellung der Immunantwort
Immunologie

Die Immunologie ist die Lehre von der k√∂rperlichen Abwehr von Krankheitserregern (Bakterien, Viren, Pilzen) und anderen k√∂rperfremden Substanzen (wie zum Beispiel Toxinen, Umweltgiften), sowie von St√∂rungen und Fehlfunktionen dieser Abwehrmechanismen. Zu diesen Fehlfunktionen geh√∂ren beispielsweise √ľberschie√üende Immunreaktionen (siehe auch: Allergien), Immunreaktionen gegen k√∂rpereigene Bestandteile (siehe auch: Autoimmunerkrankungen) und das Fehlen beziehungsweise Versagen einer angemessenen Immunantwort (siehe auch: SCID, Aids, Sepsis).

Biochemie und Molekularbiologie

Die eng miteinander verkn√ľpften Disziplinen Biochemie und Molekularbiologie untersuchen die chemischen und molekularen Grundlagen der Lebensprozesse des menschlichen K√∂rpers. Wichtige Ziele sind beispielsweise die Untersuchung der chemischen Reaktionen innerhalb der Zellen und der Beziehungen zwischen diesen Reaktionen sowie die Aufkl√§rung von Struktur und Funktion von Biomolek√ľlen wie zum Beispiel Proteinen, Kohlenhydraten, Lipiden und Nukleins√§uren.

Biologische Grundlage der Medizin

Die oben genannten Disziplinen der Humanbiologie liefern ein umfassendes Verst√§ndnis des menschlichen Lebens aus naturwissenschaftlicher Sicht und damit die Basis f√ľr eine wissenschaftliche fundierte Diagnose, Therapie und Prophylaxe von Erkrankungen des Menschen. Ziel dabei ist es, die Ursachen von Krankheiten wissenschaftlich zu erforschen und zu verstehen, um Krankheiten kausal, also urs√§chlich, zu behandeln beziehungsweise ihnen effektiv vorbeugen zu k√∂nnen. Dieser Bereich der Humanbiologie wird oft auch als Biomedizin bezeichnet. Wichtige Teildisziplinen, aufbauend auf den bereits genannten, sind:

Pathologie

Die Pathologie beschreibt krankheitsbedingte und krankheitsausl√∂sende anatomisch-morphologische Ver√§nderungen des menschlichen K√∂rpers und seiner Organe, insbesondere auf zellul√§rer Ebene. Sie ist vor allem f√ľr die Diagnostik von Erkrankungen von Bedeutung. Ihre Grundlage ist die Anatomie. Eines der wichtigsten Hilfsmittel der Pathologie ist die Mikroskopie.

Pathophysiologie

Die Pathophysiologie erforscht krankheitsbedingte und krankheitsausl√∂sende St√∂rungen der Funktion des menschlichen K√∂rpers und liefert dabei sowohl Erkenntnisse √ľber die Ursachen von Erkrankungen als auch f√ľr die Diagnostik. Ihre Grundlage sind die Erkenntnisse der Physiologie.

Pharmakologie und Toxikologie

Die Pharmakologie und die Toxikologie untersuchen die Wirkung von Arzneimitteln beziehungsweise Giften auf den Menschen. Sie erforschen dabei, wie sich ein Arzneimittel oder ein Giftstoff von seiner Aufnahme bis zu seiner Ausscheidung im K√∂rper verh√§lt (siehe auch: LADME), wie der K√∂rper auf den Stoff einwirkt (siehe auch: Pharmakokinetik) und wo im K√∂rper der Stoff welche Effekte bewirkt (siehe auch: Pharmakodynamik). Die Pharmakologie ist somit von gro√üer Bedeutung f√ľr die Therapie von Erkrankungen.

Medizinische Genetik

Die Medizinische Genetik besch√§ftigt sich mit dem Einfluss der Gene und ihrer Vererbung auf die Gesundheit des Menschen. Sie versucht, krankheitsausl√∂sende Gendefekte und Fehler in der Vererbung zu finden. Die Medizinische Genetik tr√§gt somit ebenfalls zum Verst√§ndnis der Ursache von Krankheiten bei, liefert jedoch vor allem Erkenntnisse f√ľr die Diagnostik (Klinische Genetik).

Pathobiochemie

Die Pathobiochemie untersucht, basierend auf den Erkenntnissen der Biochemie und der Molekularbiologie, krankheitsbedingte und krankheitsausl√∂sende Ver√§nderungen auf chemisch-molekularer Ebene. Sie tr√§gt somit entscheidend zum Verst√§ndnis der Ursache von Krankheiten bei, liefert jedoch ebenso wichtige Erkenntnisse f√ľr die Diagnostik.

Epidemiologie

Die Epidemiologie besch√§ftigt sich mit der H√§ufigkeit sowie der r√§umlich-geographischen und zeitlichen Verteilung von Erkrankungen in Beziehung zu bestimmten Umwelteinfl√ľssen oder Faktoren wie beispielsweise Alter, Geschlecht, Gr√∂√üe, Gewicht oder Erbanlagen. Sie arbeitet dabei zum Beispiel mit der Humangenetik, der Mikrobiologie und der Human√∂kologie sowie hinsichtlich ihrer Methoden mit der Mathematik, der Statistik und der Biometrie zusammen. Ziel ist vor allem die Aufkl√§rung der Ursachen von Erkrankungen und ihre Prophylaxe durch pr√§diktive Diagnostik (Vorhersage) beziehungsweise Risikoabsch√§tzung.

Weitere medizinische Fachrichtungen

mit Bezug zur Humanbiologie sind zum Beispiel

F√ľr den Menschen relevante Teilbereiche der Biologie

√úber die Humanbiologie im strengeren Wortsinn als Wissenschaft vom menschlichen Leben werden zu diesem Begriff im weiteren Sinn auch diejenigen Teilbereiche der Biologie hinzugerechnet, die von wesentlicher Bedeutung f√ľr das menschliche Leben sind. Dies betrifft unter anderem die folgenden Disziplinen:

Mikrobiologie: der Milzbrand-Erreger Bacillus anthracis
Mikrobiologie

Die Mikrobiologie als die Wissenschaft vom Leben der Mikroorganismen umfasst die Teilbereiche Bakteriologie, Virologie und Mykologie. Sie ist f√ľr die Humanbiologie insbesondere von Bedeutung im Hinblick auf Bakterien, Viren und Pilze als Krankheitserreger (Medizinische Mikrobiologie). Dar√ľber hinaus spielt die sogenannte Angewandte Mikrobiologie eine gro√üe Rolle f√ľr die Biotechnologie, beispielsweise zur technischen Herstellung von Proteinen (Eiwei√üen) f√ľr medizinische Produkte (zum Beispiel Medikamente wie Insulin) und industrielle Zwecke (zum Beispiel Enzyme f√ľr Waschmittel) durch gentechnisch ver√§nderte Mikroorganismen.

Biotechnologie

Die Biotechnologie als die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Biologie in technische Produkte und Prozesse ist f√ľr das Leben der Menschen sowohl direkt als auch indirekt in vielf√§ltiger Hinsicht von gro√üer Bedeutung, von der Entwicklung und Produktion von Medikamenten und Diagnostika √ľber die Herstellung von Lebensmitteln bis hin zu umweltrelevanten Anwendungen.

Humanökologie

Die Human√∂kologie ist die Lehre von den Beziehungen zwischen dem Menschen (sowohl als einzelnes Individuum als auch als Population und als biologische Art) und seiner belebten und unbelebten nat√ľrlichen Umwelt. F√ľr die Human√∂kologie wichtige Fachgebiete sind beispielsweise die √Ėkotoxikologie und die Hygiene.

Weitere Fachgebiete der Biologie

mit Relevanz f√ľr die Humanbiologie sind unter anderem

Beziehungen zu weiteren Wissenschaften

Neben den bisher genannten Fachgebieten innerhalb der Humanbiologie bestehen hinsichtlich der Inhalte und der Methoden Beziehungen zu einer Reihe von weiteren Wissenschaften. Hierzu zählen beispielsweise die Anthropologie, andere Naturwissenschaften, die Mathematik und die Informatik sowie die Psychologie.

Anthropologie

Die Anthropologie als Wissenschaft vom Menschen betrachtet neben den naturwissenschaftlichen Grundlagen des menschlichen Lebens weitere Ebenen zur wissenschaftlichen Erklärung dessen, was der Mensch ist. Hierzu zählen geisteswissenschaftliche Richtungen wie die Philosophie, die Theologie und die Geschichte ebenso wie sozialwissenschaftliche Disziplinen wie die Pädagogik, die Demografie, die Ethnologie oder die Soziologie. Die biologischen Ansätze der Anthropologie sind unter der Bezeichnung biologische Anthropologie ein Teilgebiet der Humanbiologie. Forschungsgegenstand dieses Bereiches sind beispielsweise die Paläoanthropologie und die Evolution des Menschen, die biologischen Grundlagen der menschlichen Fortpflanzung, oder die Populationsgenetik des Menschen.

Naturwissenschaften

Chemie

Innerhalb der Chemie bestehen Beziehungen zur Humanbiologie vor allem mit der organischen Chemie, zum Beispiel bei der Erforschung der Synthesewege von Biomolek√ľlen und der chemischen Synthese von Arzneistoffen, und mit der analytischen Chemie, vor allem bei der Entwicklung von bioanalytischen Methoden und der Strukturaufkl√§rung von Biomolek√ľlen.

Physik: MRT-Aufnahme des menschlichen Kopfes
Physik

Neben der Biophysik, die als Teildisziplin der Biologie zugerechnet wird, ergeben sich Überschneidungen zwischen der Humanbiologie und der Physik beispielsweise in der Medizinischen Physik. Diese beschäftigt sich insbesondere mit der diagnostischen und therapeutischen Radiologie, verschiedenen bildgebenden Verfahren (zum Beispiel der Sonographie), Diagnosemethoden in der Augenoptik oder der therapeutischen Anwendung von UV- oder Laser-Strahlung (zum Beispiel in der Zahnmedizin).

Weitere Naturwissenschaften

mit inhaltlichen √úberschneidungen mit der Humanbiologie sind beispielsweise

Mathematik und Informatik

Die Mathematik spielt innerhalb der Biologie, und damit auch der Humanbiologie, eine gro√üe Rolle bei der Formulierung von mathematischen Modellen biologischer Prozesse. Dieser Teilbereich der Biologie beziehungsweise Humanbiologie wird auch als Theoretische Biologie oder Biomathematik bezeichnet. Des Weiteren ist die Mathematik eine wichtige St√ľtze der Biometrie und der Biostatistik. Anwendungen der Informatik zur Untersuchung der informatischen Grundlagen biologischer Prozesse sowie zur Speicherung, Organisation und Analyse von biologischen Daten sind als Bioinformatik ein Teilgebiet der Biologie und damit auch der Humanbiologie.

Psychologie

Die Psychologie, die sich der Beschreibung, Erkl√§rung und Vorhersage des Erlebens und Verhaltens des Menschen widmet, nutzt f√ľr die Erforschung ihrer Fragestellungen unter anderem auch Methoden und Erkenntnisse der Humanbiologie, insbesondere der Neurowissenschaften. Dieser interdisziplin√§re Ansatz wird auch als Psychobiologie bezeichnet.

Historische Entwicklung

Die Humanbiologie entstand als eigenst√§ndige Wissenschaftsdisziplin erst in j√ľngerer Zeit, schwerpunktm√§√üig in der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts. Sie entwickelte sich dabei aus der naturwissenschaftlich orientierten Forschung innerhalb der Anthropologie, die sich durch vergleichende biologische Untersuchungen vor allem Fragen der Entwicklungsgeschichte des Menschen widmete. Erg√§nzend hinzu kam die Biomedizin. Diese nutzte ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts in zunehmendem Ma√üe die Erkenntnisse und Methoden moderner Disziplinen der Biologie, anfangs vor allem der Biochemie und sp√§ter der Molekularbiologie, zur wissenschaftlichen Erforschung der Ursachen von Krankheiten und M√∂glichkeiten zu ihrer Behandlung und Heilung. Aus diesen beiden Richtungen grenzte sich dann in zunehmenden Ma√üe die Humanbiologie als eigenes interdisziplin√§res Fach ab.

Bei der Etablierung der Humanbiologie als Lehr- und Studienfach im deutschsprachigen Raum nahm die Philipps-Universit√§t Marburg eine Vorreiterrolle ein, als sie 1979 als erste Hochschule in Deutschland einen entsprechenden grundst√§ndigen Studiengang einrichtete. Sie setzte dabei eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 1966 um. Dieser hatte zur Beseitigung des Mangels an wissenschaftlichem Personal in den Grundlagenf√§chern der Medizin wie zum Beispiel Anatomie, Biochemie und Physiologie die Einrichtung entsprechender Studienangebote im Bereich der theoretischen Medizin gefordert. An der Philipps-Universit√§t Marburg wurde dies zun√§chst in Form eines dreij√§hrigen Erg√§nzungsstudiengangs f√ľr Absolventen der Naturwissenschaften und anderer Studieng√§nge wie der Mathematik und der Informatik realisiert. Dem folgte von 1974 bis 1979 ein Studiengang, der auf einem Vordiplom in einem naturwissenschaftlichen Fach aufbaute und zu einem Abschluss mit dem Titel Dr. rer. physiol. f√ľhrte. Diese Variante musste jedoch aus fachlichen und juristischen Gr√ľnden aufgegeben werden. Beginnend mit Wintersemester 1979/1980 wurden dann Studenten f√ľr den Diplomstudiengang Humanbiologie immatrikuliert. Zum Wintersemester 2000/2001 wurde dieser Studiengang durch eine neue Studienordnung grundlegend reformiert, insbesondere hinsichtlich der Durchf√ľhrung des Hauptstudiums.

Der zweite Studiengang Humanbiologie entstand 1996 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universit√§t Greifswald. Als Vorl√§ufer hatte es hier ab 1988 den Studiengang Biopharmakologie gegeben, der aus der seit 1971 in Greifswald bestehenden Spezialisierungsrichtung ‚ÄěExperimentelle Pharmakologie und Toxikologie‚Äú innerhalb des Pharmazie-Studiums entstanden war und mit der Neueinrichtung des Faches Humanbiologie eingestellt wurde. Entsprechende √úbergangsregelungen f√ľr die betroffenen Studenten wie die problemlose freiwillige Umimmatrikulierung in den neuen Studiengang mit uneingeschr√§nkter Anerkennung bereits erbrachter Studienleistungen, ebenso wie die M√∂glichkeit, das Studium auf Wunsch auch nach alter Pr√ľfungs- und Studienordnung zu beenden, sorgten f√ľr einen reibungslosen √úbergang. Die Inhalte des Faches Biopharmakologie sind heute eine von mehreren m√∂glichen Spezialisierungen im Studiengang Humanbiologie. Der Studiengang Biopharmakologie war wiederum hervorgegangen aus der Spezialisierungsrichtung ‚ÄěExperimentelle Pharmakologie und Toxikologie‚Äú innerhalb des Pharmazie-Studiums, die seit dem Ende der 1970er Jahre an der Ernst-Moritz-Arndt-Universit√§t Greifswald bestanden hatte. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universit√§t Greifswald verf√ľgte somit bei der Einrichtung des Studiengangs Humanbiologie √ľber √§hnlich lange Erfahrungen und Traditionen in der Ausbildung im Bereich der theoretischen Medizin wie die Philipps-Universit√§t Marburg.

An der Universit√§t des Saarlandes entschied man sich Anfang der 1990er Jahre f√ľr die Aufgabe des klassischen Diplomstudiengangs Biologie in seiner gesamten Breite zugunsten einer vollst√§ndigen Konzentrierung und Ausrichtung auf die Humanbiologie und Molekularbiologie. Dies geschah 1999 durch Verabschiedung einer neuen Studien- und Pr√ľfungsordnung. Eine entsprechende Umbenennung des Studiengangs erfolgte allerdings nicht, so dass die Absolventen an der Universit√§t des Saarlandes ihr Studium weiterhin als Diplom-Biologen beziehungsweise Diplom-Biologinnen abschlie√üen. Das Studium der Humanbiologie als selbst gew√§hlter Schwerpunkt, also Haupt- oder Nebenfach, in einem Biologie- oder Biochemie-Studium ist dar√ľber hinaus noch an weiteren Universit√§ten m√∂glich.

Mit der Einf√ľhrung des Studienprogramms Molekulare Medizin an der Universit√§t Erlangen-N√ľrnberg im Jahre 1999 ist eine starke Zunahme entsprechender Studieng√§nge an weiteren Hochschulen zu verzeichnen, vor allem unter den Bezeichnungen ‚ÄěMolekulare Medizin‚Äú beziehungsweise ‚Äě(Molekulare) Biomedizin‚Äú. Insbesondere gibt es seit diesem Jahr auch erstmals ein entsprechendes Studienangebot an einer Fachhochschule sowie in √Ėsterreich, seit 2004 dar√ľber hinaus auch in der Schweiz. Diese neuen Studieng√§nge basieren zunehmend auf den Abschl√ľssen Bachelor/Master anstelle des bisherigen Diplomgrades. Es besteht im allgemeinen eine gute Durchl√§ssigkeit zwischen diesen Studienangeboten sowie mit den bereits vorher bestehenden Studieng√§ngen bei der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen bei einem Hochschulwechsel. Diese Durchl√§ssigkeit d√ľrfte mit der zunehmenden Verbreitung der Abschl√ľsse Bachelor und Master und der Einf√ľhrung des ECTS-Systems weiter zunehmen. Auch f√ľr die noch bestehenden Diplomstudieng√§nge ist in naher Zukunft eine Umstellung auf die neuen Abschl√ľsse zu erwarten. Der Humanbiologie-Studiengang in Marburg l√§uft beispielsweise seit dem Wintersemester 2007/2008 unter der Bezeichnung ‚ÄěBachelor in Humanbiologie (Biomedical Science)‚Äú. Ein entsprechender Master-Studiengang ist ab dem Wintersemester 2010/2011 geplant.

Studienmöglichkeiten

Die Attraktivit√§t der Fachrichtungen Humanbiologie beziehungsweise Biomedizin als Studienf√§cher ist in j√ľngerer Zeit deutlich gestiegen. Eine Reihe von Hochschulen hat auf diesen Trend mit der Einrichtung neuer Studienangebote reagiert. Die Zahl der Studienpl√§tze ist dabei in der Regel gering im Vergleich zu anderen F√§chern, so dass die Vergabe anhand eines √∂rtlichen Auswahlverfahrens (Numerus clausus) erfolgt, f√ľr das neben einem sehr guten Abitur auch Auswahlgespr√§che an der Hochschule ausschlaggebend sind. Neben grundst√§ndigen Studieng√§ngen und Aufbau- beziehungsweise Promotionsstudieng√§ngen wird Biomedizin auch als Nebenfach f√ľr Studieng√§nge wie Wirtschaftsingenieurwesen oder Mechatronik angeboten.

Studiengang besteht seit Abschluss Hochschule
Humanbiologie (Biomedical Science) 1979 Bachelor / Master Marburg (U)
Humanbiologie 1996 Bachelor / Master Greifswald (U)
Biologie (Human- und Molekularbiologie) 1999 Bachelor Saarland (U)
Molekulare Medizin 1999 Bachelor / Master Erlangen-N√ľrnberg (U)
Applied Biology (B) + Biology with Biomedical Sciences (M) 2000 Bachelor / Master Bonn-Rhein-Sieg (FH)
Molekulare Biologie 2000 Magister rer. nat. Wien (U)
Biomedizin 2001 Bachelor / Master W√ľrzburg (U)
Molekulare Medizin 2001 Bachelor / Master Freiburg im Breisgau (U)
Biomedizin und Biotechnologie 2002 Bachelor / Master Wien (U)
Molekulare Biologie (B) + Biomedizin (M) 2002 Bachelor / Master Mainz (U)
Molekulare Biomedizin 2003 Bachelor / Master Bonn (U)
Molekulare Medizin 2003 Bachelor / Master Göttingen (U)
Molekulare Medizin 2003 Bachelor / Master Ulm (U)
Molekulare Biologie (B), Molekulare Biologie mit Bioinformatik (M) 2003 Bachelor / Master Gelsenkirchen (FH)
Medizinische Biologie 2004 Bachelor / Master Duisburg-Essen (U)
Molecular Life Science 2004 Bachelor / Master L√ľbeck (U)
Biology (B) + Biology, Humanbiologie / Medical Biology (M) 2004 Bachelor / Master Z√ľrich (U)
Biologie (B) + Biomedizin (M) 2006 Bachelor / Master Hannover (MH)
Molekularbiologie 2006 Bachelor Graz (U + TU)
Biochemie und Molekulare Biomedizin, Biotechnologie, Molekulare Mikrobiologie 2007 Master Graz (U + TU)
Molekulare Medizin 2008 Bachelor / Master Universit√§t T√ľbingen
Molekulare und Technische Medizin 2010 Bachelor Hochschule Furtwangen
Molekulare Medizin 2011 Bachelor Universität Regensburg
Molekulare Medizin 2014 Master Universität Regensburg

Literatur

  • Gerhard Thews, Ernst Mutschler, Peter Vaupel: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen. 5. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1999, ISBN 3-8047-1616-4
  • Georg L√∂ffler, Petro E. Petrides: Biochemie und Pathobiochemie. 7. Auflage. Springer, Berlin 2003, ISBN 3-540-42295-1
  • Gholamali Tariverdian, Werner Buselmaier: Humangenetik. 3. Auflage. Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-00873-X
  • Charles A. Janeway, Paul Travers, Mark Walport: Immunologie. 5. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1079-7
  • Ernst Mutschler, Gerd Geisslinger, Heyo K. Kroemer, Monika Sch√§fer-Korting: Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. 8. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 2001, ISBN 3-8047-1763-2
  • Peter Reuter: W√∂rterbuch der Humanbiologie: Deutsch - Englisch/ Englisch - Deutsch. Birkh√§user Verlag, Basel, Boston und Berlin 2000, ISBN 3-7643-6198-0
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