IABP

Die intraaortale Ballonpumpe (IABP) ist ein notfallmedizinisches Hilfsmittel zur Unterstützung einer insuffizienten Herztätigkeit (z. B. nach Herzinfarkt) mit dem Ziel der Vermeidung eines kardiogenen Schockes. Sie wird zur Durchführung der intraaortalen Ballongegenpulsation benötigt. Ihr Einsatz ist dann angezeigt, wenn andere Maßnahmen wie Medikamente und Beatmung nicht ausreichend sind.[1]

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Prinzip

Schema des Aortenbogens mit Abgängen. Die IABP wird direkt unterhalb des Abganges der linken Arteria subclavia platziert.
  1. In der Systole entleert lässt er den systolischen Blutfluss nach distal weitgehend ungehindert zu.
  2. In der Diastole gefüllt hemmt der den diastolischen Blutfluss nach distal.

Die IABP wird zur Durchführung der intraaortalen Ballongegenpulsation benötigt. Sie wird (z. B. über die Femoralarterie mittels Seldingertechnik) in die Aorta descendens direkt unterhalb des Abganges der linken Arteria subclavia und oberhalb des Abganges der Nierenarterien gelegt. Dieser entsprechende Katheter wird mit der IABP verbunden. Eine anschließende Lagekontrolle (Röntgenmarker am proximalen und distalen Ballonende ermöglichen diese durch eine Röntgenaufnahme des Thorax) ist obligatorisch.[1][2][3]

Der Ballon bläst sich unmittelbar nach Schluss der Aortenklappe mit etwa 30-40 cm3 Helium auf und verhindert dabei den diastolischen Blutfluss in Richtung unterer Körperhälfte. In der oberen Körperhälfte erhöht sich dadurch hingegen den diastolische Fluss. Unmittelbar vor Beginn der Systole entleert sich der Ballon aktiv („leersaugen“) wieder und gibt damit den Blutfluss in Richtung unterer Körperhälfte frei.[1] Das Gerät wird individuell angepasst, wobei Füllung und Entleerung nicht grundsätzlich bei jeder Herzaktion durchgeführt werden.[3]

Um die optimalen Zeitpunkte für das Aufblasen und Absaugen des Ballons nicht zu verpassen bedarf es einer Triggerung. Beim Befüllen dienen dazu eine Druckmessung direkt über den IABP (charakteristische Veränderung des arteriellen Druckes bei Aortenklappenschluss) oder eine Zeitpunktbestimmung anhand des Druckverlaufes in einer radialen Handgelenksarterie oder einer Beinarterie. Beim aktiven Entleeren wird der Zeitpunkt des niedrigsten diastolischen Druckes am besten mittels Messung direkt über den IABP erkannt.[3]

Wirkung

Der wesentliche Effekt der intraaortalen Ballongegenpulsation besteht darin, die myokardiale Sauerstoffversorgung zu erhöhen und den myokardialen Sauerstoffverbrauch zu senken:

  • Das Aufblasen der IABP in der Diastole erhöht den Blußfluss in der oberen Körperhälfte und verbessert damit die Blutversorgung von Gehirn und Herz (diastolischer Druck in der Aorta ↑ und Koronarperfusionsdruck ↑),
  • Das aktive Entleeren der IABP verringert den enddiastolischen Aortendruck, und reduziert so die Arbeitsbelastung des linken Herz- Ventrikels (Zeitdauer der isovolumetrischen Kontraktion des linken Ventrikel ↓, Endsystolischer Druck im linken Ventrikel ↓ und linksventrikuläre Nachlast ↓).

Zusammengefasst wird dadurch eine Erhöhung des myokardialen Sauerstoffangebots (Koronarperfusion) und eine Senkung des myokardialen Sauerstoffbedarfs durch Nachlastverringerung bewirkt und das Herzzeitvolumen steigt um bis zu 40 % an.[1][3]

Durch das bewirkte Ansteigen des Herzzeitvolumes, die Senkung des Sauerstoffbedarfes des Herzens und die Verbesserung von koronarer sowie cerebraler Perfusion kann der betroffene Patient in entsprechenden Fällen zumindest zeitweise stabilisiert (am Leben erhalten) werden.[1][3]

Anwendung

Grundsätzlich ist der IABP bei Patienten mit drohendem oder manifestem kardiogenem Schock angezeigt, wenn andere Maßnahmen wie Medikamente oder künstliche Beatmung nicht ausreichen. Voraussetzungen dazu sind jedoch ein noch messbar vorhandener Blutdruck, ein regelmäßiger Herzrhythmus und ein noch nicht zu weit fortgeschrittenes Herzversagen (Herzindex mindestens 1,5 l/Minute/m2):[3]

Indikationen

  1. Refraktäre instabile Angina pectoris
  2. Drohender Infarkt
  3. Akuter Myokardinfarkt
  4. Refraktäres Ventrikelversagen
  5. Komplikationen eines akuten Infarktes
  6. Kardiogener Schock
  7. Unterstützung für diagnostische, perkutane Revaskularisations- und interventionelle Prozeduren
  8. Ischämiebedingte, therapierefraktäre ventrikuläre Arrhythmien
  9. Septischer Schock
  10. Intraoperative Erzeugung eines pulsatilen Flusses
  11. Entwöhnung von der Herzlungenmaschine
  12. Kardiale Unterstützung für nicht-kardiochirurgische Eingriffe
  13. Prophylaktische Unterstützung in Vorbereitung zur Kardiochirurgie
  14. Postchirurgische myokardiale Dysfunktion / Low-Output-Syndrom
  15. Myokardkontusion
  16. Mechanische Überbrückung zu anderen Assist-Devices
  17. Kardiale Unterstützung nach Korrektur anatomischer Defekte

Kontraindikationen

Als absolute Kontraindikationen gelten:

  1. Aortenklappeninsuffizienz
  2. Aneurysma der Aorta (thorakal oder abdominell)
  3. Fortgeschrittene aortoiliakale Arteriosklerose

Als relative Kontraindikationen gelten:

  1. Gerinnungsstörungen
  2. Vorhandene Blutungen

Komplikationen

Als klassische Komplikationen gelten eine Arterielle Verschlusskrankheit die das gezielte Einbringen des Ballon unmöglich macht, sowie ein Durchstechen (Perforation) von Beckenarterie oder Aorta.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Baenkler H.-W., e.a.: Innere Medizin, Thieme Verlag, 2001, S.254ff., ISBN 3131287519, hier online
  2. Burchardi H., e.a.: Die Intensivmedizin, Springer, 2007, S.421ff., ISBN 3540722955, hier online
  3. a b c d e f g Stierle U., e.a.: Klinikleitfaden Kardiologie, Urban&FischerVerlag, 2008, S.104ff., ISBN 3437222813, hier online

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