Indiana Jones and the Spear of Destiny

Indiana Jones and the Fate of Atlantis
Entwickler: LucasArts
Verleger: Softgold
Publikation: 1992
Plattform(en): PC (DOS), Amiga, FM Towns, Mac
Genre: Adventure
Spielmodi: Einzelspieler
Steuerung: Maus, Tastatur
Medien: unterschiedlich, PC: 1 CD oder 5 3,5"-HD-Disketten; Amiga: 11 3,5"-DD-Disketten
Sprache: Deutsch (nur Text), Englisch (Sprachausgabe der CD-Version)
Altersfreigabe: PEGI:
PEGI-Einstufung: 12+


USK:
Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG USK
Information: Eine Sprachausgabe existiert nur auf Englisch bei der CD-Version.

Indiana Jones and the Fate of Atlantis (FoA) ist das zweite klassische Point-and-Click-Adventure von LucasArts mit dem Archäologen Indiana Jones als Titelfigur. Die Geschichte von FoA beruht auf keinem Film und galt daher lange Zeit als inoffizieller vierter Teil der Saga.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt und Handlung

Der Spieler übernimmt die Rolle des Archäologen Indiana Jones. Dieser muss zu Beginn des Spiels im Auftrag eines Besuchers in den Archiven der Universität eine mysteriöse Statue suchen, die bisher keiner der bekannten Hochkulturen zuzuordnen ist. Bei dem Besucher, der sich als Mr. Smith ausgibt, handelt es sich um einen Agenten des Dritten Reiches, der die Statue entwendet, nachdem Indiana Jones sie gefunden hat. Aufgrund von Hinweisen kann eine Querverbindung zu Sophia Hapgood, einer ehemaligen Assistentin und Geliebten von Indiana Jones, hergestellt werden, die sich jetzt pseudo-wissenschaftlich mit dem Mythos Atlantis beschäftigt. Zusammen mit ihr macht er sich auf die Suche nach Atlantis, um die Pläne der Deutschen zu ergründen und – falls nötig – zu stoppen.

Die im Spiel verwendeten Orte und geschichtlichen Fakten sind eine Mixtur aus den diversen zu Atlantis existierenden Theorien. Unter anderem finden der Philosoph Plato, die minoische Eruption der Vulkaninsel Santorin, die mittelamerikanischen Hochkulturen und die minoische Kultur Kretas im Spiel Verwendung.

Während alle Varianten des Spiels einen gemeinsamen Beginn und in Atlantis eine gemeinsame Endstrecke haben, kann der Mittelteil auf drei verschiedene Arten gelöst werden. In einem Gespräch mit Sophia wird dabei festgelegt, ob der Schwerpunkt auf Action (Action-Weg), Rätseln (Solo-Weg) oder in der Kooperation mit ihr (Team-Weg) liegen soll. Abhängig davon unterscheiden sich die Rätsel und die aufgesuchten Orte zum Teil erheblich. So taucht z. B. die Insel Thera nur im Solo-Weg und kurz, aber komplett anders, im Action-Weg auf. Entscheidet man sich, mit Sophia zu gehen, so kann sie z. B. bei manchen Rätseln helfen und die Steuerung der Figur vom Spieler zeitweise übernommen werden.

Das Spiel besitzt zwei verschiedene End-Szenarien (bei denen der Spieler als Indiana Jones überlebt). Diese sind abhängig davon, ob Indiana Jones Sophia aus dem Gefängnis der Nazis und von einem uralten Fluch befreit oder nicht.

Systeme und Versionen

Das Spiel erschien 1992 für MS-DOS, Amiga, FM-Towns und Apple Macintosh, eine ursprünglich ebenfalls geplante Version für den Atari ST wurde aufgrund des damals massiven Bedeutungsverlustes des Systems gestoppt. Auch die Amigaversion stieß mit 11 DD-Disketten an die Grenzen des damaligen Standard-Amiga-Systems A500 und war u. a. aufgrund der geringen Verbreitung von Festplatten auf dem Amiga-Markt das letzte LucasArts-Adventure, das dorthin portiert wurde. Für MS-DOS, FM-Towns und Apple Macintosh wurde später noch eine englische CD-Version mit Sprachausgabe veröffentlicht, die aber aus Kostengründen auf die bekannte Originalstimme von Indiana Jones (Harrison Ford) verzichtete. Diese Version ist heute verhältnismäßig rar.

Technik und Steuerung

Technisch basiert der Titel wie auch Monkey Island 2 auf Version 5 der LucasArts-eigenen SCUMM-Sprache: Der Bildschirm ist dreigeteilt in einen Bereich für Aktionsverben, ein aus Icons bestehendes Inventar der Spielfigur und den Spielbildschirm. Neben den klassischen Adventure-Rätseln sind auch Dialoge zu führen. Des Weiteren sind unterschiedliche Actionsequenzen zu bestehen, z. B. Faustkämpfe oder Ballonflüge. Die Animationen der Charaktere sind in diesem Spiel erstmals durch das Abfilmen echter Bewegungen und deren nachträgliche Bearbeitung am Computer entstanden und wirken daher realistischer als in vorhergehenden Adventures.

Entwickler

  • Story: Hal Barwood, Noah Falstein
  • Programmierung: Michael Stemmle, Ron Baldwin, Tony Hsieh, Sean Clark, Bret Barrett
  • Chef-Grafiker: William L. Eaken
  • Grafik: James Alexander Dollar, Mike Ebert, Avril Harrison
  • Chef-Animator: Collette Michaud
  • Animation: Avril Harrison, Anson Jew, Jim McLeod
  • Musik: Michael Z. Land, Titelthema: John Williams

Pressespiegel

Bewertungen in Spielezeitschriften

Auszeichnungen von Spielezeitschriften

Nachfolger

Ursprünglich wurde zwischen 1993 und 1995 von LucasArts ein neues Adventure als direkter Nachfolger von FoA entwickelt. Das Spiel mit dem englischen Titel Indiana Jones and the Iron Phoenix war thematisch nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt und sollte von überlebenden Nazis handeln, die nach Artefakten suchen, um ihre getöteten Führungsspitzen wiederzubeleben. Nach 15 Monaten Entwicklungszeit wurden Teile des Spiels auf der Spielemesse ECTS vorgestellt. Aufgrund massiver rechtlicher Bedenken gegen ein Erscheinen im Hauptabsatzmarkt Deutschland (Volksverhetzung), technischer Schwierigkeiten und Differenzen im Entwicklerteam wurde die Entwicklung am Spiel eingestellt. Daraufhin wurde von Teilen des Teams ein neues Adventure mit dem Titel Indiana Jones and the Spear of Destiny geplant, dessen Inhalt die Suche nach der Heiligen Lanze sein sollte, mit der Jesus Christus am Kreuz verletzt worden sein soll. Da es auch hier Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit externen Firmen gab, wurde die Produktion nie vollständig gestartet. Von beiden Spielen wurden nur jeweils Teile der Handlung als Comicserie bei Dark Horse Comics veröffentlicht.

Die offizielle Fortsetzung der Indiana-Jones-Reihe bei LucasArts erfolgte durch die Action-Adventures Indiana Jones und der Turm von Babel und Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft.

Außerdem existiert das Spiel Indiana Jones and his Desktop Adventures – ein kleines Action-Puzzle-Spiel in Vogelperspektive. Es wurde auf einer 3,5"-Diskette verkauft und läuft als Fensteranwendung unter Windows. Das besondere an dem Spiel ist, dass ein Generator bei jedem Neustart aus einer Reihe von Elementen ein neues Spiel erzeugt. Eine detaillierte Hintergrund-Story gibt es nicht. Mit Star Wars: Yoda Stories brachte LucasArts wenig später ein Spiel mit identischem Konzept heraus.

Sonstiges

In der Release-Version des Spiels finden sich noch einige Überreste aus dem Entwicklungsprozess, die nicht in die endgültige Version übernommen wurden. So ist z. B. in Sophias Wohnung noch ein weiterer, aus dem Spiel nicht zugänglicher Raum vorhanden, in dem anscheinend auch Rätsel geplant gewesen sind, da er vollständig mit nutzbaren Gegenständen ausgestattet ist. Unter anderem findet sich dort auch wieder Chuck die Pflanze, ein seit Maniac Mansion regelmäßig in LucasArts-Spielen auftauchender Running Gag.

Besonders unterhaltsam für Spieler der englischsprachigen Version waren zudem die vermeintlich deutschen Begriffe, die als Beschriftung in dem deutschen U-Boot an Schaltern und Hebeln zu finden waren, auf das es Dr. Jones im Laufe des Spiels verschlägt. Wer sich darauf freute, eine Klartextanleitung zur Bedienung des U-Bootes vorzufinden, wurde mit Wortschöpfungen wie „Ausgeschnitzel“, „Flugeldufel“ und „Krauskefarben“ überrascht.

Atlantis-Mythologie im Spiel

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dessen Spielinhalt sich noch mehr als der zugrunde liegende Film mit der Auseinandersetzung zwischen Indiana Jones und seinen Nazi-Widersachern beschäftigt, werden in Indiana Jones and the Fate of Atlantis die Rätsel und Spielelemente wesentlich von der im Spiel um die Legende von Atlantis aufgebauten Mythologie bestimmt.

Kernstück der Mythologie ist der sogenannte verlorene Dialog des Philosophen Plato, in dem dieser zusammen mit Sokrates und Hermokrates über die Legende von Atlantis referiert. Der Dialog besagt zunächst, dass aufgrund eines Übersetzungsfehlers des Kritias alle Zahlenangaben um den Faktor 10 falsch seien und Atlantis daher entweder 300 oder 30.000 Meilen entfernt läge und vor 1.000 oder 100.000 Jahren untergegangen sei. Weiterhin ist im Dialog zu lesen, dass Atlantis zwei Kolonien (Thera und Kreta) gegründet habe und der Zutritt durch eine richtige Anordnung so genannter Mond-, Sonnen- und Weltsteine gewährt werde. Das Material Orichalcum wird als Antriebsmittel für verschiedene Geräte erwähnt, so dass die Atlanter keine Nutztiere bräuchten. Allerdings könne Orichalcum nur in Atlantis hergestellt werden, obgleich es mit Detektoren aus Bernstein erkannt werden könne. Letztlich soll dem Dialog zufolge Atlantis durch das Ansteigen des Meeresspiegels untergegangen sein. Zwar habe Nur-Ab-Sal, der letzte König, eine Maschine namens Colossus gebaut, welche unter Einwirkung von Orichalcum Menschen zu Göttern machen und die Katastrophe abwenden sollte, aber derartige Experimente seien fehlgeschlagen und hätten lediglich Monster hervorgebracht.

Tatsächlich dient im Spiel der Dialog als Ratgeber und Hinweis für viele Rätsel; unter anderem verrät er die Stellung, auf die die im Spiel zu findenden Steine zu drehen sind. Auch die übrigen Aussagen aus dem Dialog finden im Spiel ihre Berücksichtigung. Dabei zeigt sich, dass Orichalcum bestimmte Gegenstände aus Metall in Bewegung versetzt oder Hitze erzeugt und nicht nur Bernstein, sondern auch elektrostatisch geladene Gegenstände anzieht. Tatsächlich baut sämtliche Technik der Atlanter im Spiel auf Orichalcum auf, wobei als sonstiges Material überwiegend Gestein zum Einsatz kommt. Dennoch sind dort sogar eine U-Bahn, eine Luftschleuse, ein Traktor sowie eine Tunnelbohrmaschine zu sehen, die mit Orichalcum angetrieben werden. Orichalcum selber wird, wie sich später zeigt, aus flüssiger Lava in einer komplexen Maschine hergestellt, da Atlantis offensichtlich in Verbindung mit einem untermeerischen Vulkan steht. Der ebenfalls erwähnte Colossus stellt den Hintergrund für das Finale des Spiels dar und ist tatsächlich nicht funktionsfähig, denn bei einer Dosierung von einer einzelnen Orichalcumperle verwandeln sich Menschen in kleinwüchsige, gehörnte Wesen, während sie eine höhere Dosis zu Dämonen verwandelt.

Ein kleinerer Bezug findet sich im Spiel zur minoischen Kultur. Da Kreta als atlantische Kolonie dargestellt wird, findet der Spieler in zwei der drei Lösungswege über den Palast von Knossos und das mythische Labyrinth einen Zugang zu Atlantis. Andererseits wird die erwähnte Erschaffung von gehörnten Wesen durch den Colossus im Spiel als Hintergrund für die Verehrung des Stiers bei den Minoern herangezogen. Kein direkter Verweis findet sich dagegen auf die minoische Eruption als Ursache für den Untergang von Atlantis. Zwar wird die Lage von Atlantis an einem Vulkan erwähnt, dieser jedoch nicht als Ursache für den Untergang bezeichnet. Auch auf der bei der Eruption zerstörten Insel Thera finden sich keine Anzeichen dafür, jedoch wird aus der Erde austretendes Gas in einem Rätsel zur Befüllung eines Ballons verwendet.

Neben den Theorien zum Untergang von Atlantis werden im Spiel auch gelegentlich Theorien geäußert, die teilweise dem pseudowissenschaftlichen Bereich der Prä-Astronautik zuzuordnen sind. So schätzt der Spielcharakter Dr. Björn Heimdall auf Island, dass die Insel mit dem sagenhaften Hyperborea identisch sei und nicht etwa Nebelschwaden, sondern ein Kraftfeld die Griechen von der Erkundung der Insel abgehalten habe. Island sei ihm zufolge tatsächlich einen Landeplatz für die Raumfahrzeuge technisch fortgeschrittener außerirdischer Wesen gewesen. Eine weitere Spielfigur, Dr. Charles Sternhart, stellt in Tikal den Bau der dortigen Pyramiden durch die Maya, die er als „primitive Wilde“ bezeichnet, in Frage. Seiner Ansicht nach stellten die Pyramiden Grabmale für atlantische Könige dar, was sich durch ein frühes Rätsel, bei dem neben Gebeinen auch ein Weltstein und eine Orichalcumperle gefunden werden, auch bestätigt.

Siehe auch

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