Indianer

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Indianer
Sitting Bull, HĂ€uptling und Medizinmann der Hunkpapa-Lakota-Sioux. Foto von David Frances Barry, 1885
John Ross, Cherokee-HĂ€uptling von 1828 bis 1866; Farblithographie c.1843

Indianer ist die im Deutschen verbreitete Sammelbezeichnung fĂŒr die Indigenen Völker Amerikas, also die Ureinwohner, die den Kontinent bereits vor der 1492 einsetzenden Kolonisierung durch EuropĂ€er besiedelt hatten. Nicht eingeschlossen sind dabei die Inuit und andere Völker der arktischen Gebiete sowie der amerikanischen Pazifikinseln. Die Vorfahren der Indianer sind in frĂŒhgeschichtlicher Zeit von Asien und möglicherweise auch von anderen Kontinenten nach Amerika gelangt und haben dort eine Vielzahl von Kulturen und Sprachen entwickelt. Indianer ist eine Fremdbezeichnung durch die Kolonialisten, eine entsprechende Selbstbezeichnung der extrem unterschiedlichen weit ĂŒber zweitausend Gruppen existiert nicht. Allerdings gibt es ĂŒbergreifende Begriffe in Kanada, in den USA sowie im ehemals spanischen und im portugiesischen Teil Amerikas.

Die Vorfahren der heutigen Indianer gelten als die ersten menschlichen Bewohner Amerikas, wĂ€hrend die Inuit hier erst Jahrtausende spĂ€ter siedelten. Sie entwickelten zunĂ€chst die mitgebrachte JĂ€ger- und Sammlerkultur fort, lebten bald ĂŒberwiegend von LandsĂ€ugetieren wie Bisons, Karibus oder Guanacos, aber auch Nandus. Sie befuhren aber auch bereits im 10. Jahrtausend v. Chr. den Pazifik entlang der KĂŒste.[1] Der Gebrauch von Keramik, verschiedene Formen des Ackerbaus, wie etwa der vor 4000 v. Chr. einsetzende Anbau von KĂŒrbissen, und abgestufte Sesshaftigkeit sowie sehr frĂŒher Fernhandel kennzeichneten die Kulturen im Norden des Kontinents, wĂ€hrend im SĂŒden regional BewĂ€sserungswirtschaft zu höheren ErtrĂ€gen und vor 3000 v. Chr. zu stĂ€dtischen Kulturen fĂŒhrte, die nach Norden bis an den Mississippi und in den SĂŒden Kanadas ausstrahlten. Daneben existierten weiterhin Wildbeuterkulturen, die die Landschaft allerdings in viel grĂ¶ĂŸerem Ausmaß nutzten und verĂ€nderten, als lange angenommen.

Innerhalb weniger Jahrzehnte vernichteten vor allem Spanier die Großreiche Mittel- und SĂŒdamerikas. Noch zerstörerischer wirkten sich allerdings die von den EuropĂ€ern unbewusst eingeschleppten Krankheiten aus, die, oftmals ohne direkten Kontakt mit den Eindringlingen, ganze Regionen entvölkerten. In Nordamerika gerieten die Indianer ab 1600 nach und nach in die Minderheit, da ihre Zahl rapide abnahm, wĂ€hrend die der Zugewanderten zunahm. Dieser Prozess dauerte bis in das 19. und frĂŒhe 20. Jahrhundert an, und kehrt sich an manchen Orten derzeit um. Nur in einigen Gebieten besonders hoher Bevölkerungsdichte, wie in Bolivien und im SĂŒden Mexikos befinden sich Indianer in der Mehrheit. Die meisten Staaten versuchten durch gezielte Assimilationspolitik – vor allem durch Einweisung der Kinder in Internate und durch Versuche, die Indianer zu Bauern zu machen – die als minderwertig betrachteten Kulturen und Sprachen auszulöschen, und lösten damit die Politik von VerdrĂ€ngung, Absonderung in Reservaten, Zwangsumsiedlung und Segregation partiell ab, ohne sie ganz aufzugeben.

Heute stellt fĂŒr ihre Kulturen, die oftmals stark an ihre natĂŒrliche Umgebung gebunden sind, vor allem die Politik der Entwicklung und Industrialisierung sowie der Ausbeutung von BodenschĂ€tzen eine Gefahr dar, gegen die sich die Betroffenen zur Wehr setzen. Die Traumatisierungsfolgen sind lange unterschĂ€tzt oder ignoriert worden. Seit Ende des 20. Jahrhunderts haben sich Kirchen und inzwischen einige Regierungen fĂŒr Misshandlungen und Kulturvernichtung entschuldigt, in Bolivien regiert eine von einem Indio gefĂŒhrte Partei. Zudem bieten ihnen inzwischen Ausbildung und Bildung sowie die Beherrschung der Kolonialistensprachen Partizipationsmöglichkeiten und die Fertigkeiten, vertragliche und politische Rechte auch durchzusetzen.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Die deutsche Bezeichnung „Indianer“ geht auf das spanische Wort indio zurĂŒck, einen Neologismus aus der Kolonialzeit. Christoph Kolumbus glaubte 1492, in Indien gelandet zu sein, als er die Insel Hispaniola und damit den amerikanischen Kontinent erreichte. Mit „Indien“ bezeichneten die europĂ€ischen Seefahrer zur damaligen Zeit allerdings nicht nur den indischen Subkontinent, sondern ganz Ostasien, das sie ĂŒber den westlichen Seeweg zu erreichen suchten. Obwohl zuletzt Amerigo Vespucci den Irrtum Kolumbus' 1502 endgĂŒltig aufklĂ€rte, wurde die Bezeichnung der in den neu entdeckten Gebieten angetroffenen Bewohner als „Indianer“ beibehalten. Konkurrierende Begriffe wie „Amerikaner“ (etwa im Codex canadiensis), die teils wieder verschwanden, vor allem aber „Wilde“ und „Heiden“ (welche die Nichtzugehörigkeit zu „Zivilisation“ und Christentum hervorheben und damit eine Abgrenzung schaffen) waren von Anfang an in Gebrauch.

Im Spanischen gibt es den im Deutschen erkennbaren Unterschied zwischen „Inder“ und „Indianer“ nicht; beide Herkunftskategorien werden mit dem Wort indio bezeichnet. Um MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden, werden in fast allen lateinamerikanischen LĂ€ndern die „echten“ Inder nicht als indios, sondern als hindĂș („Hindu“) bezeichnet, obwohl dies eigentlich nur eine in Indien verbreitete Religionszugehörigkeit angibt. In der Literatur wurde – ausgehend vom Französischen amĂ©rindien – auch der Neologismus amerindio geprĂ€gt. Im allgemeinen Sprachgebrauch herrscht in Lateinamerika fĂŒr Indianer dagegen die generelle Benennung indĂ­genas („Eingeborene“, „Ureinwohner“) oder pueblos indĂ­genas (indigene Völker) vor, die grundsĂ€tzlich nicht auf die Urvölker Amerikas beschrĂ€nkt ist.

Im Englischen wurde zur Differenzierung der Begriff Red Indians geprĂ€gt, der im Deutschen ebenfalls als „Indianer“ zu ĂŒbersetzen ist, aber heute, ebenso wie die deutsche Bezeichnung „Rothaut“, wegen ihrer rassistischen Konnotationen regelmĂ€ĂŸig nicht mehr verwandt wird.

Im brasilianischen Portugiesisch versteht man unter índio allgemein einen „Ureinwohner“ (eigentlich indígeno oder nativo); die Brasilianer unterscheiden demnach zwischen índios latinamericanos, índios africanos und índios australianos (lateinamerikanischen, afrikanischen und australischen Ureinwohnern).

Manchmal wird der Ausdruck „Indianer“ im Deutschen ausschließlich auf die indianischen Ureinwohner Nordamerikas beschrĂ€nkt, wĂ€hrend die in SĂŒd- und Mittelamerika beheimateten Gruppen in dieser Diktion dann als „Indios“ bezeichnet werden.

Vielfach wird der Begriff Indianer, Indian oder Indio von den Mitgliedern der damit angesprochenen Gesellschaften als koloniale Fremdbezeichnung abgelehnt. Oft wird auch insgesamt das Recht bestritten, solche Oberbegriffe zu verwenden. FĂŒr die Betroffenen bestand bis zum Eintreffen der EuropĂ€er kein Anlass, einen ĂŒbergreifenden Sammelbegriff fĂŒr die Bevölkerung des Kontinents zu bilden. Selbst die Eigenbezeichnung vieler Gemeinschaften war hĂ€ufig einfach nur gleichbedeutend mit „Mensch“. Daneben existierten vielfĂ€ltige Fremdbezeichnungen durch Nachbargruppen, die von den Kolonisatoren oftmals ĂŒbernommen wurden. Durch klangliche Vereinfachungen der fĂŒr EuropĂ€er ungewohnten Namen entstanden weitere phantastische Volksbezeichnungen, manche Völker wurden auch mit willkĂŒrlichen oder auf neuen IrrtĂŒmern der Eroberer beruhenden Namen bezeichnet (etwa die „Flachköpfe“ oder die „Araukaner“).

Die Völker Amerikas sahen sich vor dem 19. Jahrhundert nie als einheitliche Großgruppe. Zwar gab es vielfĂ€ltige Sammelbezeichnungen fĂŒr Volksgruppen und verwandte Ethnien, aber erst angesichts der Kolonialisierung gewannen die Ethnien Nordamerikas insgesamt ein gewisses ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl. Begrifflich geschah das oft unter prinzipieller Beibehaltung des Indianerbegriffs, wie bei dem in den USA verbreiteten Begriff American Indian (Indianer), den auch Indianer selbst fĂŒr sich verwenden. Den verbindenden Aspekt der gemeinsamen geografischen Beheimatung auf dem Kontinent betonen Bezeichnungen wie Native Americans (amerikanische Ureinwohner, genauer ĂŒbersetzt: „eingeborene Amerikaner“) oder indigenous peoples of the Americas. Offenbar haben die Ureinwohner den Kontinent bzw. die ihnen bekannte Welt ursprĂŒnglich jedoch nur sehr selten als Einheit aufgefasst. Ein Beispiel dafĂŒr sind die Kuna in Panama und Kolumbien, die den Kontinent als Abya Yala („Kontinent des Lebens“) bezeichneten. Gail Tremblay hĂ€lt die gemeinsame Erfahrung mit der Kolonialherrschaft, den versuchten Genozid, die Assimilationsversuche und den Schmerz des Verlusts heute jedoch fĂŒr das Verbindende.[2]

Im Gegensatz zum Begriff „Indianer“ schließen Begriffe wie „amerikanische Ureinwohner“ (Native Americans, americanos nativos), „Urvölker Amerikas“ (original peoples of America, pueblos originarios de AmĂ©rica) oder „indigene amerikanische Bevölkerungen“ (indigenous American peoples, pueblos indĂ­genas de AmĂ©rica) auch die Inuit, Unangan und Yupik in Alaska und der nordkanadischen Arktis ein. Diese trafen jedoch wesentlich spĂ€ter als die Indianer in Amerika ein und unterscheiden sich genetisch und kulturell von den frĂŒheren Einwanderern. Letzteres gilt auch fĂŒr die Ureinwohner Hawaiis, Amerikanisch-Samoas und der Osterinsel. Sie alle werden daher nicht unter dem Begriff „Indianer“ gefasst.

Ebenso werden auch Mestizen, MĂ©tis oder Zambos, also Nachfahren aus Verbindungen zwischen EuropĂ€ern bzw. Afrikanern und Indianern, gemeinhin nicht zu Letzteren gerechnet. Ohnehin werden derartige Bezeichnungen, die – ebenso wie „Halbblut“ (half-breed) oder „Mischling“ (mixed-blood) – auf Vorstellungen von „Blutreinheit“ (Blood purity, Limpieza de sangre) zurĂŒckgehen und Menschen entsprechend der angeblichen „Unvermischtheit des Blutes“ zu kategorisieren suchen, heute meist sehr kritisch gesehen oder als rassistisch abgelehnt. Andererseits gilt die Mestizaje, also die untrennbare Vermischung indianischer und eingewanderter europĂ€ischer Vorfahren, die viele lateinamerikanische Mehrheitsbevölkerungen auch in ihrem SelbstverstĂ€ndnis prĂ€gt, als kulturelles und soziologisches Unterscheidungsmerkmal gegenĂŒber den rein „weißen“ bzw. „rassengetrennten“ Gesellschaften im Norden des Kontinents.

Auch in Kanada wird ĂŒberwiegend ein umfassender, nicht auf Indianer als solche beschrĂ€nkter Begriff gebraucht, nĂ€mlich jener der First Nations bzw. PremiĂšres Nations, also „Erste Nationen“. Komplikationen ergeben sich allerdings aus dem Umstand, dass das Indianergesetz von 1876, das immer noch GĂŒltigkeit besitzt und daher viele Traditionen des kolonialen Indianerbegriffs fortfĂŒhrt, zwischen Status Indians (das sind registrierte Angehörige der staatlich anerkannten First Nations, die bestimmte Rechte haben), Non-Status Indians (die diese Rechte nicht haben, weil sie nicht registriert sind) und Treaty Indians unterscheidet. Letztere unterliegen den Bestimmungen der EinzelvertrĂ€ge mit einer großen Zahl von StĂ€mmen. Aufgrund dieser Legaldefinitionen verlieren beispielsweise „gemischte“ Paare ihren Anspruch auf die Rechte der Ureinwohner, ggf. sogar ihre formale Anerkennung als „Indianer“. Selbst Angehörige der First Nations gelten darum heute oftmals formalrechtlich nicht als Indians. Auf lange Sicht kann das zum Verschwinden der „staatlich anerkannten“ Indianer und damit zur Bedeutungslosigkeit der ihnen von Gesetzes wegen zuerkannten Rechte fĂŒhren.

Dieses Ringen um die Bezeichnungen hat seinen Grund nicht allein in der Begriffsgeschichte, sondern auch in den gesellschaftlichen Konnotationen, mit denen die Begriffe verbunden sind. So wird Indian im englischsprachigen und Indio im spanischsprachigen Amerika hĂ€ufig auch in der Sprache der Allgemeinheit als abwertende Qualifizierung angesehen. Ähnliches gilt im französischen und im portugiesischen Sprachraum. Bei der Konstruktion eines politischen Subjekts, das sich als IndĂ­gena, wie in Guatemala oder Brasilien, als Pueblo Originario (Bolivien) oder Nacionalidad IndĂ­gena (Ecuador) bezeichnet[3], kommt es aufgrund der von Staat zu Staat unterschiedlichen Prozesse ebenfalls zu keiner einheitlichen Bezeichnung - zumal auch im politischen Raum Begriffe wie Partido Indio, National Congress of American Indians oder Indian Association of Alberta als Selbstbezeichnungen fortexistieren.

Durch die Übersetzung ins Deutsche wird dieses sprachliche und terminologische Wirrwarr von Selbst- und Fremdbezeichnungen, bestimmt durch AbgrenzungsbedĂŒrfnisse und Zuweisungen im Spannungsfeld zwischen Rassismus und kultureller Selbstbestimmung, noch weiter verkompliziert. Letztlich hat sich der im Deutschen relativ diskriminierungsarme Begriff Indianer (siehe hierzu auch Indianerbild im deutschen Sprachraum) in den Augen Vieler als derjenige erwiesen, der diese Benennungs-Probleme am nachhaltigsten löst. Immer wieder neu kritisch zu hinterfragen bleiben jedoch die oft unreflektierten Aspekte der Fremdbeschreibung, der Homogenisierung nicht zusammengehörender Gruppen oder der Verniedlichung.

Bevölkerung und Reservate

Reservate in den USA (ohne Alaska)[4]
Indianerreservate in Brasilien
Xavantes in ihrem Reservat Maraiwatséde[5]

Die indianische Bevölkerung Amerikas ist sehr ungleichmĂ€ĂŸig verteilt, wobei mehrere tausend Reservate bestehen. Dabei leben die meisten Indios in Mittel- und SĂŒdamerika nicht in Reservaten.

WĂ€hrend in Kanada 2006 knapp 700.000 Menschen (2,1 % der Bevölkerung) als Indianer galten, und 615 StĂ€mme in rund 3000 Reservaten anerkannt waren, existierten in den USA 562 von der Bundesregierung anerkannte[6], die 0,97 % der Bevölkerung darstellten und rund 245 nicht anerkannte StĂ€mme.[7] Innerhalb der Staaten lassen sich dabei gleichfalls Schwerpunkte erkennen. So lebt der ĂŒberwiegende Teil der US-Indianer in Kalifornien, Arizona, New Mexico und Oklahoma. Insgesamt leben in Nordamerika rund 3,5 bis 4 Millionen Indianer.

In Lateinamerika leben hingegen 65 bis 70 Millionen Indianer, davon etwa die HĂ€lfte in Mexiko, ein weiteres Drittel in den AndenlĂ€ndern. Nur in Bolivien stellen sie die Spitze der Regierung. Die Abgrenzung zur ĂŒbrigen Bevölkerung ist weniger scharf definiert, Reservate existieren vor allem in Brasilien, Kolumbien, Panama, Paraguay und Venezuela.

Allein in Mexiko wird die indigene Bevölkerung auf 30 % der ĂŒber 100 Millionen Mexikaner geschĂ€tzt; wobei Mestizen weitere 60 % der Gesamtbevölkerung ausmachen.[8] In Belize geht man von 10 % bzw. von 45 % aus. In Guatemala sind 59,4 % Mestizen (hier Ladinos genannt), 45 % der Bevölkerung gehören verschiedenen Maya-Gruppen an. Davon sind 9,1 % QuichĂ©, 8,4 Cakchiquel, 7,9 Mam, 6,3 % KekchĂ­, weitere 8,6 % gehören anderen Maya-Gruppen an. Im Nachbarland Honduras liegt der Anteil der Indios bei 7 %, der der Mestizen bei 90, Ă€hnlich wie in El Salvador, wo die Indianer jedoch nur noch 1 % der Bevölkerung stellen. In Nicaragua liegt der Anteil der Mestizen bei 69, der der Indios bei 5 %. In Costa Rica liegt der Anteil der Indios nur bei rund 1 %, in Panama bei 5 %. Die Karibik ist das Extrem, denn etwa auf Kuba leben praktisch keine Indianer mehr, Ă€hnlich wie auf Jamaika. Auf Dominica leben 300 bis 500 Kariben in einem eigenen Reservat.

In SĂŒdamerika existieren gleichfalls Schwerpunkte. WĂ€hrend der Anteil der Indianer in Kolumbien bei nur 1 % liegt, liegt dort der Anteil der Mestizen bei 58 %, immerhin 3 % sind Nachkommen von Schwarzen und Indianern. In Guyana liegt der Anteil der Indios bei 9,1 %, in Suriname bei 2 %. Erheblich höher ist der Anteil in den Andenstaaten, wie in Ecuador, wo 25 % der Bevölkerung Indianer sind, in Peru 45, in Bolivien sogar 55 % – 30 % sind Quechua und 25 % Aymara.

Weiter im SĂŒden, in Chile, liegt der Anteil der indianischen Bevölkerung nur noch bei knapp 5 %, die meisten sind Mapuche. In Argentinien liegt ihr Anteil bei unter 3 %, in Uruguay gibt es fast keine Indianer, in Paraguay liegt ihr Anteil bei rund 5 %, in Brasilien jedoch unter 1 %, wobei sie hier extrem verstreut leben.

In Nordamerika leben die Indianer oft in Reservaten, die in Kanada reserves, in den USA reservations genannt werden. In Kanada sind die Reservate infolge von VertrĂ€gen entstanden, die die Indianer mit der Regierung abschlossen. Kommissionen bestimmten nach Befragung der Indianer, aber ohne sie in die Entscheidung einzubeziehen, die Reservatsgrenzen. Innerhalb dieser Gebiete standen ihnen ihre traditionellen Rechte zu und sie zahlten fĂŒr dort getĂ€tigte UmsĂ€tze keine Steuern. Rund die HĂ€lfte der Indianer lebt heute in StĂ€dten.[9]

Die Indianerpolitik der Vereinigten Staaten war wankelmĂŒtig und wechselte mehrfach die Richtung. Alle StĂ€mme wurden ab 1830 gezwungen, ihre Wohngebiete östlich des Mississippi zu verlassen, hĂ€ufig wurden mehrere StĂ€mme in einem Reservat zusammengefasst.[10] Obwohl die lĂ€ndlich lebenden Indianer vielfach in Armut leben, gelang manchen StĂ€mmen eine ökonomische Erholung. GemĂ€ĂŸ der VolkszĂ€hlung im Jahr 2000 lebten etwa 85 % außerhalb von Reservationen, meist in StĂ€dten.

In Brasilien und in den angrenzenden LĂ€ndern existieren immer noch Gruppen, die nie Kontakt zu Weißen aufgenommen haben. Allein in Brasilien geht man von etwa 67 Gruppen aus.[11] Dadurch versucht man sie inzwischen vor Krankheiten zu schĂŒtzen, gegen die keine ausreichenden AbwehrkrĂ€fte bestehen.

Sprachen

→ Hauptartikel: Indigene amerikanische Sprachen
Verbreitungsgebiete der indigenen Sprachen Nordamerikas vor der Kolonialisierung

Die Haltung der europĂ€ischen Kolonisatoren hinsichtlich der indigenen Sprachen reichte von VernachlĂ€ssigung bis zu gezielter UnterdrĂŒckung. Nur die Missionsorden begannen frĂŒh, die Sprachen zu lernen und entsprechende Schulen einzurichten.[12] Das galt zunĂ€chst fĂŒr Peru, wo eine Hochschule entstand, dann fĂŒr zahlreiche Missionsgebiete zwischen QuĂ©bec und Kalifornien im Norden, ĂŒber die mexikanischen BallungsrĂ€ume bis zu den Grenzgebieten im SĂŒden Chiles und entlang der portugiesischen Grenze (Brasilien). Gelegentlich verbreiteten sie dadurch Sprachen in Gebiete, in denen diese Sprache vorher nicht in Gebrauch war, wie etwa im Fall des Quechua. Neben den Sprachen mit Millionen von Sprechern, wie Aymara, GuaranĂ­ und Nahuatl lernten die Missionare nur wenige Sprachen, was ihr Überleben wiederum bestĂ€rkte. Viele kleinere Sprachen verschwanden, ihr Gebrauch wurde, wie etwa in Kanada und den USA bis in die 1960er Jahre unterdrĂŒckt.

Es gibt zahlreiche Versuche, die nordamerikanischen Sprachen, deren Gebrauch in der Schule strikt untersagt war, wieder zu beleben. Einige der grĂ¶ĂŸeren Sprachen, wie Cree (mit 60 bis 90.000 Sprechern) in Kanada[13] oder Navajo im SĂŒdwesten der USA (mit rund 150.000 Sprechern) sind nicht gefĂ€hrdet, andere kurz vor dem Aussterben. In Kanada sind noch mindestens 74 Sprachen in Gebrauch.

Indiosprachen in Mexiko mit mehr als 100.000 Sprechern

In Mexiko und den sĂŒdlichen NachbarlĂ€ndern dominieren die Maya-Sprachen. Mexiko erkennt 62 nationale Indiosprachen an, wobei 2005 mehr als 6 Millionen ĂŒber 5 Jahre alte Bewohner eine dieser Sprachen als Muttersprache bezeichneten.[14] Weiter im Nordwesten und im SĂŒdwesten der USA dominieren die uto-aztekischen Sprachen. Ansonsten sind die amerikanischen Sprachfamilien, die bis in die 70er Jahre als Konsens galten, heute umstritten.

In der Karibik wurden die Sprachen der Cariben und der Arawak gesprochen, zu deren Vertretern etwa die Taíno zÀhlten.

Anders sieht es in SĂŒdamerika aus. SchĂ€tzungen zufolge waren dort vor Kolumbus rund 1500 Sprachen verbreitet, davon existieren heute noch etwa 350. Die Einordnung in Sprachfamilien ist dabei, wie in ganz Amerika, stark umstritten.[15] Die Zahl der Sprecher ist erheblich höher, zugleich konzentriert sich deren ĂŒberwiegende Zahl auf wenige Sprachen. Diese wiederum wurden von Missionaren erlernt und gefördert. So ĂŒberlebten zahlreiche Sprachen, zu denen inzwischen Materialien ĂŒber das Internet verfĂŒgbar sind.[16]

WĂ€hrend im östlichen Tiefland SĂŒdamerikas TupĂ­-Sprachen vorherrschen, deren grĂ¶ĂŸten Zweig die TupĂ­-GuaranĂ­-Sprachen darstellen, dominieren im Andenraum Quechua-Sprachen, deren sich bereits die Inkas bedienten. Neben ihnen bestehen große Sprachgruppen, wie die Aru-Sprachen, zu denen etwa das Aymara gehört, die indigene Sprache mit den meisten Sprechern in SĂŒdamerika (ca. 2,2 Millionen). In Argentinien sprechen rund eine Viertelmillion Menschen eine der beiden araukanischen Sprachen.

JĂŒngere Sprachen, wie das Chinook Wawa an der PazifikkĂŒste, entstanden, weil der extensive Handel eine einfache VerstĂ€ndigungssprache erforderte. Hinzu kamen Sprachen, wie das Michif, das aus indianischen und europĂ€ischen Sprachen bei der Entstehung eines Mischvolks entstand. Die Sprache der MĂ©tis, das besagte Michif, hat seine UrsprĂŒnge im Cree und im Französischen, das ebenfalls von ihnen gesprochene Bungee hat hingegen schottisch-gĂ€lische und Cree-Wurzeln.

Geschichte

Indianische Kulturen vor 1500

Die Besiedlung Amerikas erfolgte in mehreren Einwanderungswellen, die mindestens 16000 Jahre ĂŒberspannen. In diesem Kontinuum ist die europĂ€ische Zuwanderung nur eine von vielen. Die Hauptroute der als PalĂ€o-Indianer bezeichneten Gruppen fĂŒhrte von Sibirien ĂŒber Beringia nach Alaska und von dort aus nach SĂŒden. Der bisher Ă€lteste archĂ€ologische Fund (ca. 13.800 v. Chr.) stammt jedoch aus Chile, was die These unterstĂŒtzen könnte, die WestkĂŒste sei zuerst besiedelt worden, und von dort aus seien die Indianer ostwĂ€rts gezogen. Die Diskussion ĂŒber die frĂŒhesten Zuwanderer und die Wege, die sie innerhalb des Kontinents nahmen, ist in den letzten Jahrzehnten wieder stark in Fluss geraten, wobei auch asiatische und europĂ€ische Zuwanderer diskutiert werden.

Die frĂŒhen Siedler passten sich ihrer jeweils neuen Umwelt an und lebten als nomadische Wildbeuter, als Fischer, JĂ€ger und Sammler, spĂ€ter als sesshafte Ackerbauern mit entsprechenden, in einigen Gebieten urbanen Kulturen erstaunlicher Ausmaße (Archaische Periode). Von SĂŒdamerika bis weit in den Norden zĂŒchteten sie um 7000 v. Chr. beginnend, Pflanzen wie Mais, KĂŒrbis[17] und Kartoffel sowie zahlreiche, von den europĂ€ischen Bauern verdrĂ€ngte Arten, und wandelten dabei die Landschaft in viel stĂ€rkerem Maße um, als man lange angenommen hat.

Die Viehzucht beschrĂ€nkte sich auf wenige Arten, wie Lama und verwandte Kameloide (Alpaca und Vicuña), sowie das Hausmeerschweinchen im Reich der Inka, den Truthahn in Nord- und Mittelamerika, und den Hund. Als Lasttiere standen neben dem Lama der Inka nur noch Hunde fĂŒr kleinere Lasten zur VerfĂŒgung, die man in Nordamerika in einfache dreieckige Schleppgeschirre, Travois genannt, einspannte. Außerdem waren ihre Haare das Ausgangsmaterial fĂŒr Decken und Kleidung.

Das Rad als Fortbewegungsmittel war offenbar unbekannt, wiewohl RĂ€der und sogar ZahnrĂ€der als Bauteile mechanischer GerĂ€te verwendet wurden. Man ging in der Regel zu Fuß und transportierte seine Lasten selbst oder benutzte Wasserfahrzeuge wie das Kanu. WĂŒrdentrĂ€ger in hierarchischen Gesellschaften Mittel- und SĂŒdamerikas wurden mitunter in SĂ€nften getragen.

Nordamerika

In Alaska reichen die Ă€ltesten gesicherten Funde 12 bis 14.000 Jahre zurĂŒck. Als Ă€lteste Kultur galt lange Zeit die Clovis-Kultur, doch spĂ€testens die Funde in den Paisley-Höhlen, die rund ein Jahrtausend vor den Clovis-Funden liegen, zeigten, dass die frĂŒhesten Bewohner nicht dieser Kultur angehörten. Die Ă€ltesten menschlichen Überreste lieferte die ĂŒber 10.500 Jahre alte Buhl-Frau aus Idaho, sowie die Überreste aus der On Your Knees Cave auf der Prince-of-Wales-Insel in Alaska, die rund 9.800 Jahre alt sind. An diese frĂŒhe Phase, die durch den Kennewick-Mann, der genetisch nicht zu den amerikanischen Völkern passt, neu diskutiert werden musste, schloss sich die Archaische Periode an. An ihrem Ende zwischen 2000 und 1000 v. Chr. entwickelten sich der Gebrauch von Keramik, Ackerbau und verschiedene Formen abgestufter Sesshaftigkeit bis weit in den Norden. Die Jagdtechniken wurden durch Atlatl und spĂ€ter durch Pfeil und Bogen wesentlich verbessert. WĂ€hrend im Norden, wo Karibu- und Bisonherden die ErnĂ€hrung sicherten, Jagdkulturen bestanden, spielte die Jagd im SĂŒden eine immer geringere Rolle. Bevölkerungsverdichtungen traten in Nordamerika um die Großen Seen, an der pazifischen KĂŒste um Vancouver Island, am Mississippi und an vielen Stellen der AtlantikkĂŒste sowie im SĂŒdwesten auf.

In Nordamerika existierten im Einzugsgebiet des Mississippi und des Ohio (Adena-Kultur, Mississippi-Kultur) komplexe Gemeinwesen (Templemound-Kulturen), die jedoch kurz vor Ankunft der ersten EuropĂ€er untergegangen sind. Sie strahlten bis weit in den Norden und Westen aus. Im SĂŒdwesten der USA entstanden Lehmbausiedlungen mit bis zu 500 RĂ€umen, die so genannten Pueblos. Diese Kultur ging auf die Basketmaker zurĂŒck, die bereits Mais anbauten. Um die Großen Seen entwickelten sich Großdörfer mit Palisaden und dauerhafte Konföderationen. Diese Gruppen betrieben, Ă€hnlich wie im Westen, Mais- und KĂŒrbisanbau sowie einen ausgedehnten Fernhandel – etwa mit Kupfer und bestimmten Gesteinsarten, die fĂŒr Jagdwaffen und Schmuck von Bedeutung waren –, der sich in British Columbia bis 8000 v. Chr. nachweisen lĂ€sst.

Älteste Spuren in Meso- und SĂŒdamerika

Cueva de las manos (Höhle der HĂ€nde) in der sĂŒdargentinischen Provinz Santa Cruz, ca. 7300 v. Chr., heute Weltkulturerbe

Sieht man von den vieldiskutierten Funden von Monte Verde ab, so sind wohl die Funde von Los Toldos[18], in der argentinischen Provinz Santa Cruz, die Ă€ltesten in SĂŒdamerika.[19] Sie reichen mindestens 12.000 Jahre zurĂŒck. Ähnlich den nordamerikanischen FundplĂ€tzen, weisen die Überreste auf die Jagd von GroßsĂ€ugern, in diesem Falle auf Riesenfaultiere und Pferde hin, dazu kamen Guanacos und Lamas. Ähnliches wurde in Chile gefunden, wie etwa in der Cueva del MilodĂłn, wo sich, Ă€hnlich wie in Nordamerika, ausgestorbene Beutetiere, wie Pferde nachweisen ließen. Die Casapedrense-Kultur (ca. 7000 bis 4000 v. Chr.) galt als VorlĂ€uferkultur der Tehuelche, bzw. Patagonier, deren Ă€lteste Funde allerdings inzwischen auf 9400 bis 9200 v. Chr. datiert werden.[20]

Mesoamerikanische Kulturen

In den wasserarmen Regionen entwickelte sich schon frĂŒh eine BewĂ€sserungswirtschaft, was wiederum höhere Bevölkerungsdichten und komplexere Organisationsformen zuließ. Ähnlich komplizierte Verfahren zur SĂŒĂŸwassergewinnung wie in den trockenen Gebieten Zentral- und SĂŒdmexikos waren in Yucatan vonnöten. Hier entstand ab etwa 3000 v. Chr. eine auf grĂ¶ĂŸeren Siedlungen basierende Kultur, die zur vorklassischen Epoche der Maya-Kulturen gerechnet wird. Einer der Ă€ltesten Mayaorte war Cuello in Belize, das auf etwa 2000 v. Chr. datiert wird.

Maya-Pyramide in Chichén Itzå

Eine der wichtigsten Metropolen der Maya wurde neben Uxmal das zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert erstmals aufblĂŒhende ChichĂ©n ItzĂĄ. Es entstand ein ganzes Netz miteinander verbundener StĂ€dte. Nach dem ungeklĂ€rten Zusammenbruch der Mayakultur im 10. Jahrhundert besiedelten (oder dominierten zumindest kulturell) Tolteken die Stadt. Bei den Maya ĂŒbernahm nun TulĂșm an der KĂŒste eine FĂŒhrungsrolle, möglicherweise ein Anzeichen, dass sich im 12. Jahrhundert der wirtschaftliche Schwerpunkt auf den Seehandel verlagerte.

Zwischen 100 und 600 n. Chr. war TeotihuacĂĄn das kulturelle, wirtschaftliche und Herrschaftszentrum Mesoamerikas. Seine Einwohnerzahl wird fĂŒr die Zeit zwischen 450 und 650 auf bis zu 200.000 geschĂ€tzt. Die Stadt erstreckte sich ĂŒber 20 kmÂČ FlĂ€che. Allein die dortige Sonnenpyramide, die um 100 entstand, dehnt sich auf einer GrundflĂ€che von 222 mal 225 Metern aus und ist rund 65 m hoch. Weitere Großbauten, wie die Ciudadela, eine Art geschlossener Herrschaftsbezirk, entstanden. Die wirtschaftliche Basis der Stadt war neben der BewĂ€sserungslandwirtschaft ein ausgedehnter Obsidianhandel; er wurde wohl auf dem Platz vor der Ciudadela abgewickelt und reichte mindestens bis an die heutige Grenze zu den USA. Die Wurzeln der Stadt reichen bis 1500 v. Chr. zurĂŒck, um 750 war die Metropole allerdings verlassen. Das zurĂŒckbleibende Machtvakuum fĂŒllten im 10. Jahrhundert erst wieder die Tolteken.

Diese Tolteken wanderten ab dem 9. Jahrhundert in den SĂŒden Mexikos ein und bildeten fĂŒr zwei Jahrhunderte eine stĂ€dtische Kultur, die allerdings von den stĂ€rker militĂ€risch organisierten Chichimeken bedroht war, die gleichfalls aus dem Norden stammten.

Das von den Azteken beherrschte (grĂŒn) und tributpflichtige Gebiet (grĂŒn gepunktet) vor der Ankunft der Spanier, und ihre Nachbarn

Ende des 14. Jahrhunderts gelang es den Azteken, die sich selbst als Mexica bezeichneten, ein Großreich zu erobern, das sich mit tributpflichtigen Herrschaften umgab. Ihre Wurzeln reichen wohl ins 11. Jahrhundert zurĂŒck. Die Hauptstadt TenochtitlĂĄn dĂŒrfte mehrere Zehntausend Einwohner, möglicherweise sogar 150.000 gehabt haben.

Kulturen in SĂŒdamerika

Die Ă€ltesten Steinwerkzeuge in SĂŒdamerika reichen bis etwa 10000 v. Chr. zurĂŒck, Ă€hnlich wie die Höhlenmalereien bei Ayacucho in Peru und in den Lauricocha-Höhlen an der Quelle des Marañón. Der erste Anbau von KĂŒrbissen und Bohnen und die ZĂŒchtung von Lamas wird auf vor 4000 v. Chr. datiert, der KĂŒrbis taucht zu dieser Zeit aber auch schon weit im Norden, in Maine auf.

Die Àltesten Keramiken fand man im ecuadorianischen Guayas-Becken. Sie werden der Valdivia-Kultur zugeordnet und auf das 4. vorchristliche Jahrtausend datiert. Keramik hat sich in Nordamerika nur in den Ballungsgebieten durchgesetzt, in anderen Gebieten setzten unterschiedlichste Techniken und Hindernisse seiner Verbreitung Grenzen. Die Valdivia-Kultur brachte bereits eine stÀdtische Organisation mit Kulten, Riten und Opfergaben hervor.

Eine der Ă€ltesten StĂ€dte, Caral (nördlich von Lima), wurde 1996 entdeckt. FĂŒnf Jahre spĂ€ter konnte die dortige Stufenpyramide auf 2627 v. Chr. datiert werden. Zur Stadt gehörten HĂ€user fĂŒr mindestens 3.000 Bewohner. Tempelanlagen, kĂŒnstliche BewĂ€sserungssysteme und Fernhandel mit den KĂŒstenbewohnern und denen des Amazonasgebiets deuten auf eine bereits weit entwickelte Hochkultur hin.

Noch Àlter ist Sechin, eine Stadt, deren Pyramide auf 3200 v. Chr. datiert werden konnte, und die seit 2003 ausgegraben wird.[21]

An der KĂŒste Ecuadors bestand um 1600 v. Chr. die Machalilla-Kultur. Auf sie gehen die typischen KeramikgefĂ€ĂŸe mit Henkel zurĂŒck, die auch bei den ChavĂ­n, Mochica und ChimĂș ĂŒberliefert sind. Die nachfolgende Chorrera-Kultur brachte um 1200 bis 500 v. Chr. Keramiken in Menschen- und Tiergestalt hervor. Die HĂ€user wurden um einen großen Platz gruppiert und auf kĂŒnstlichen AufschĂŒttungen erbaut.

Die Kultur der Chavín (etwa 800 bis 300 v. Chr.) wies enge Beziehungen zu der der Olmeken auf, was der Gebrauch der SymbolhÀufungen von Raubkatze, Vogel und Schlange nahelegt. Die zeitgenössische Paracas-Kultur in der Gegend um Lima war wegen ihres Totenkultes bekannt.

Im Hochland von BogotĂĄ bestand die Herrera-Kultur (vor 4. Jahrhundert v. bis 2. Jahrhundert n. Chr.), an der Westseite der Anden die Calima-Kultur (4. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.). Grabanlagen ab dem 4. Jahrhundert gehen auf die San AgustĂ­n-Kultur zurĂŒck, die bis zum 7. Jahrhundert die Landschaft stark verĂ€nderte.

Zwischen 300 v. Chr. und nach 600 n. Chr. bestand die Nazca-Kultur rund 500 km sĂŒdlich von Lima, die BewĂ€sserungskanĂ€le baute. Ähnliche BewĂ€sserungssysteme entwickelte die Mochica-Kultur im WĂŒstenstreifen an der PazifikkĂŒste. Neben Edelmetallen wurde Kupfer verarbeitet.

Um den Titicacasee bestand ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. die Tiahuanaco-Kultur. Ihre Spuren sind in Peru, Bolivien und im Norden Chiles nachweisbar. Etwa gleichzeitig entstand die Wari-Kultur (600 bis 1100), die sich nördlich entlang der KĂŒste anschloss. Beide Kulturen wurden von HauptstĂ€dten dominiert, die von erheblicher Ausdehnung waren. Die Wari umgaben ihre Hauptstadt mit Verteidigungsmauern, ihr Haupttempel Willkawayin ist erhalten.

Machu Picchu, dessen Inkaname nicht ĂŒberliefert ist
Ollantaytambo im SĂŒdosten Perus, knapp 2800 m hoch gelegen

Das erste Großreich entwickelten die Chimu in der Zeit von 1000 bis 1470 mit der Hauptstadt Chan Chan in der Gegend um das peruanische Trujillo. Ab etwa 1200 bis 1532 schufen die Inka ein Reich, das im 15. Jahrhundert seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung annahm. Neben Cusco, das zeitweise die Hauptstadt war, und Machu Picchu, ist Ollantaytambo zu nennen, wo sich die Grundanlage einer Inkastadt weitgehend erhalten hat.

Erheblich weniger erforscht ist die Geschichte der am Ostrand der Anden und in den Waldgebieten des Amazonas lebenden Gruppen. Zahlreiche Funde deuten jedoch auf erheblich Ă€ltere Kulturen hin (ca. 2450 v. Chr.), die möglicherweise noch vor denen des andinen Hochlandes entstanden sind. Wenig ist ĂŒber die Chachapoya bekannt, die von etwa 800 bis 1600 am Ostrand der Anden lebten. Sie errichteten FelsengrĂ€ber an steilen Klippen.

Zwischen 1000 v. Chr. und 500 v. Chr. wanderten die Arawak den Orinoco abwĂ€rts. Sie bauten Kanus und lebten von Fischfang, Jagd und dem Anbau von Mais, Bohnen, SĂŒĂŸkartoffel, KĂŒrbis und Maniok. Hinzu kamen Erdnuss, Pfeffer, Ananas, Tabak und Baumwolle.

Kolonialgeschichte

Ausschnitt aus Seite 34 des Codex Osuna, mit Symbolen die die drei AztekenstÀdte Texcoco, Tenochtitlan und Tlacopån reprÀsentieren, dazu von Spaniern geschriebene Zeilen in Nahuatl

Ab 1492 wurde der Doppelkontinent nach und nach von europĂ€ischen Staaten in Besitz genommen. Die verfolgten Kolonisierungs- und Besiedlungsformen unterschieden sich dabei deutlich voneinander und hatten gravierende Auswirkungen auf die dort angetroffenen Kulturen. WĂ€hrend im Norden ein Jahrhundert lang der Handel vorherrschte, und erst nach 1600 erste dauerhafte Kolonien an der OstkĂŒste entstanden, eroberten Spanier binnen weniger Jahrzehnte die Großreiche Lateinamerikas.[22] WĂ€hrend im spanischen Bereich mehr als drei Viertel der Indianer lebten, erhielten Portugal mit Brasilien und Frankreich und England mit dem Norden die dĂŒnner besiedelten Regionen.

Zusammenbruch der indianischen Bevölkerung

Kriege spielten eine Rolle, doch eingeschleppte Krankheiten, Umsiedlungen und massenhafte Zwangsarbeit dezimierten die Bevölkerung in einem ungleich höheren, jedoch kaum quantifizierbaren Ausmaß. Viele Gruppen verschwanden durch eingeschleppte Seuchen, ohne dass ein EuropĂ€er sie ĂŒberhaupt zu Gesicht bekommen hatte.[23]

Um 1940 folgte man ĂŒberwiegend dem Anthropologen Alfred Kroeber, der die Bevölkerung der westlichen HemisphĂ€re im Jahr 1492 auf lediglich acht Millionen und nördlich des Rio Grande auf eine Million Menschen schĂ€tzte. Diese SchĂ€tzungen wurden bereitwillig aufgegriffen, da sie die Vernichtung in ihrem Ausmaß verminderte und den politischen Mythos aufrechterhielt, die Weißen hĂ€tten einen weitgehend menschenleeren Kontinent erobert – und damit ihren Besitz legitimierte. Seitdem wurden immer neue, extrem abweichende SchĂ€tzungen auf unterschiedlichster methodologischer Grundlage erstellt. Sie reichen von kaum mehr als 8 Millionen bis zu ĂŒber 110 Millionen. JĂŒngere SchĂ€tzungen gehen von einem sehr groben NĂ€herungswert von 50 Millionen Einwohnern aus, von denen etwa die HĂ€lfte in Mesoamerika, ein Viertel im Inkareich lebte.

Florida: Athore zeigt René Goulaine de LaudonniÚre Jean Ribaults SÀule (mit dem Wappen Frankreichs). Theodor de Bry Kupferstich nach einer kolorierten Zeichnung von Jacques Le Moyne, 1591

Wie stark die Diskussion in Bewegung geraten ist, zeigt die These, die spĂ€ter beobachteten riesigen Bisonherden seien Weidetiere der Indianer gewesen. Die HerdengrĂ¶ĂŸe stellte folglich kein natĂŒrliches Gleichgewicht dar, sondern beruhte auf in wenigen Generationen eingetretener Übervermehrung nach dem starken RĂŒckgang der menschlichen Population. Das als eher vorsichtig bekannte Smithsonian Institute hat seine SchĂ€tzung fĂŒr Nordamerika auf drei Millionen Menschen verdreifacht.

Mögliche Route de Sotos, 1539–1542

Die dichteste Bevölkerung existierte sicher in den Hochkulturen Lateinamerikas, wo dementsprechend die zahlenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸten Bevölkerungsverluste zu verzeichnen waren. HernĂĄn CortĂ©s gelang es mit ca. 500 Soldaten[24] und zahlreichen verbĂŒndeten Indianern, das Reich der Azteken zu vernichten, Pizarro das der Inkas. In der Karibik wurde die Bevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte fast völlig ausgelöscht, Hernan de Soto schleppte 1539 bis 1542 verheerende Krankheiten in das Gebiet zwischen Mississippi und Florida.

Die iberischen Staaten, die sich 1494 im Vertrag von Tordesillas ĂŒber die Aufteilung der Welt und damit auch des Kontinents geeinigt hatten, entsandten zahlreiche MĂ€nner nach Übersee, die sich dort mit indianischen Frauen verbanden. Rasch wuchs die Zahl der Abkömmlinge, die man Mestizen nannte. Die herrschende Klasse bildeten dabei Spanier und Portugiesen, die untere Klasse Mestizen und Indianer.

Von Pocken infizierte Nahua (Azteken), Bernardino de SahagĂșn (Florentiner Codex), 1585

In Amerika richteten vor allem Krankheiten wie Pocken, Masern und Grippe katastrophale SchĂ€den an.[25] Die Indianer verfĂŒgten ĂŒber keinerlei Abwehrstoffe gegen diese fĂŒr sie neuartigen Krankheiten. Zwar wurde die gezielte Verbreitung von Krankheiten in seltenen FĂ€llen gefordert und mittels pockeninfizierter Decken womöglich versucht, doch waren die Risiken unabsehbar.[26] In dem Moment, wo es möglich war, die eigene Bevölkerung zu impfen, förderten jedoch, wie 1862 im pazifischen Nordwesten, einige Politiker die Ausbreitung der tödlichen Epidemie oder nahmen sie in Kauf.

Weiter trugen in den britischen Kolonien in Nordamerika durch die Skalpproklamation von 1756, bis 1749 bereits in Halifax und bei den Franzosen, und in einigen US-Bundesstaaten wie Massachusetts (1744) die SkalpprĂ€mien zur Vernichtung bei. Die Proklamation von 1756 ist erst seit 2000 formal außer Kraft gesetzt worden. In Kalifornien wurden nach dem Goldrausch von 1849 innerhalb von nur zwei Jahrzehnten mehrere Tausend Indianer ermordet.

Trotz der nicht zu ĂŒberschĂ€tzenden Wirkung der Epidemien und in einigen Gebieten der Sklavenjagd, sollte die der Kriege nicht unterschĂ€tzt werden. Die verlustreichsten Kriege im Osten dĂŒrften der Tarrantiner-Krieg (1607–1615), die beiden Powhatankriege (1608–14 und 1644–46), der Pequot- (1637), der König-Philip-Krieg (1675–76), die Franzosen- und Indianerkriege (1689–97, 1702–13, 1754–63) sowie die drei Seminolenkriege (1817–1818, 1835–1842 und 1855–1858) gewesen sein. Dazu kamen die AufstĂ€nde des Pontiac (1763–66) und des Tecumseh (ca. 1810–13). Die Franzosen standen von etwa 1640 bis 1701 in den Biberkriegen, dann in vier Kriegen mit den Natchez (1716–29), die NiederlĂ€nder im Wappinger-Krieg und in den Esopuskriegen (1659–60 und 1663–64), die Spanier gegen die Azteken und Inkareiche, 1680 gegen die Pueblos und in zahlreichen weiteren KĂ€mpfen. Im Westen der USA waren es vor allem die AufstĂ€nde des Cochise (1861–74), der Sioux (1862) und Lakota (1866–67), oder von Apachen unter Geronimo (bis 1886), die bekannt wurden, ebenso einzelne Schlachten, wie die am Little Bighorn oder das Massaker von Wounded Knee (1890).

Tote auf dem Schlachtfeld von Wounded Knee. „Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer.“ Das in den Sprachgebrauch eingegangene Wort stammt von General Sheridan. Er antwortete auf die Aussage des Comanchen-HĂ€uptling Tosowi: „Ich bin ein guter Indianer“ mit: „Die einzigen guten Indianer, die ich gesehen habe, sind schon tot.“

Welchen Anteil wirtschaftliche Ausbeutung und desolate SozialverhĂ€ltnisse, VernachlĂ€ssigung, kriegerische Auseinandersetzungen, Epidemien, Sklavenjagd, „ethnische SĂ€uberungen“ und Genozidversuche[27] an dieser demographischen Katastrophe tatsĂ€chlich hatten – der Tiefpunkt wurde erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durchschritten – und in welchem VerhĂ€ltnis sie zueinander standen, wird kaum genau geklĂ€rt werden können. Fest steht nur, dass zahlreiche Völker mitsamt ihrer Kultur und Sprache vernichtet worden sind – die, gemessen an der Zahl der Opfer, grĂ¶ĂŸte demographische und wohl auch kulturelle Katastrophe in der Geschichte der Menschheit.[28]

Staat, Feudalsystem, Kirche und Sklaverei als Faktoren der Kolonialisierung

Um die Frage der Behandlung der Indianer entspann sich ein umfassender Konflikt zwischen den Exponenten BartolomĂ© de Las Casas als „Generalverteidiger der Indios“ und Juan GinĂ©s de SepĂșlveda, den Missionsorden und dem Indienrat sowie den lokalen Feudalherren.[29] Die Krone versuchte die Großen (Granden), die von Anfang an zur VerselbstĂ€ndigung ihrer Herrschaft neigten, durch ein BĂŒndnis mit den Kleinadligen, den Hidalgos, und der Kirche unter Kontrolle zu halten. Die Verwaltung sollte von Sevilla aus erfolgen, niemand durfte ohne Genehmigung in die Kolonien. Zugleich sollten die Indios missioniert, seit 1503 in Encomiendas zusammengefasst und vor ĂŒbermĂ€ĂŸiger Gewalt geschĂŒtzt werden (Gesetze von Burgos, 1512). Sie waren als ArbeitskrĂ€fte vorgesehen.

Indios, die an einem Fluss Gold waschen, Gonzalo Fernåndez de Oviedo: Historia General y Natural de las Indias, Islas y Tierra-firme del Mar Océano, Madrid 1535, Holzschnitt

1512/13 legten die Leyes de Burgos fest, dass die Indios den Feudalherren zwar ĂŒberantwortet – daher der Begriff Encomienda –, aber nicht als Sklaven gelten sollten. Sie konnten allerdings zur Arbeit gegen Entlohnung gezwungen werden. Durch das Recht Indiens versuchte Madrid gegen die brutale Drangsalierung der Indios und den rapiden Zusammenbruch der Bevölkerung durch das Encomiendasystem einen gewissen Schutz aufzubauen.

Durch das System der Mita waren die Provinzen schon im Inkareich gezwungen, reihum fĂŒr eine bestimmte Zeit ArbeitskrĂ€fte fĂŒr öffentliche Arbeiten zur VerfĂŒgung zu stellen. An dieses System knĂŒpfte das Repartimiento ab 1549 an, wenn auch, wie etwa in Chile, das Encomiendasystem bis nach 1650 fortbestand. Das Repartimiento- oder „Zuteilungssystem“ diente vor allem der Bereitstellung von KrĂ€ften fĂŒr die Feldarbeit und die lebensgefĂ€hrliche Arbeit in Gold- und Silberminen (PotosĂ­). Es wurde erst nach der UnabhĂ€ngigkeit von Spanien abgelöst, stellte aber dennoch im Vergleich zur Encomienda eine Milderung dar.

Hingegen versorgten die so genannten Paulistas oder bandeirantes, SklavenjĂ€ger aus SĂŁo Paulo, den Sklavenmarkt mit Indianern. Dazu durchstreiften sie riesige, auch spanische Gebiete, und entvölkerten sie mit UnterstĂŒtzung von Tupi-Armeen durch Menschenraub und Vertreibung. Erfolgreiche BemĂŒhungen zum Schutz der Indios vor SklavenjĂ€gern, wie im Jesuitenstaat von Paraguay, wo Indios, wie der Kazike NicolĂĄs NeenguirĂș den SklavenjĂ€gern erfolgreich Schlachten lieferten – waren die Ausnahme.

Missionare veranlassten die Indianer, oftmals unter Ausnutzung ihrer SchutzbemĂŒhungen gegen Ausbeutung und Tötung, ihre GlaubensĂŒberzeugungen aufzugeben. Ihre kulturellen Eigenheiten wurden von den Missionaren als „unzivilisiert“ oder „widernatĂŒrlich“ diskreditiert.

In SĂŒdamerika hatten Ordensmissionare bereits im 16. Jahrhundert indianische Sprachen erlernt und schriftlich dokumentiert, um die Ureinwohner missionieren zu können. Sie trugen so indirekt zum Erhalt zahlreicher Sprachen bei. In Lima entstand eine entsprechende Hochschule. Die von Jesuiten im 17. Jahrhundert im La-Plata-Gebiet aufgebauten Missionen („Reduktionen“ genannt), in denen sie den Indios eine zwar von europĂ€ischen WertmaßstĂ€ben geprĂ€gte und paternalistisch verstandene, aber doch eigenstĂ€ndige und in gewissem Sinne selbstbestimmte Entwicklung ermöglichen wollten, haben letztlich sogar dazu gefĂŒhrt, dass das GuaranĂ­ bis heute lebendig und in Paraguay als Amtssprache anerkannt ist.

Selbst dort, wo spanische Konquistadoren nicht hinkamen, lösten sie, von den Epidemien abgesehen, massive VerĂ€nderungen aus. Sie hatten Pferde eingefĂŒhrt, von denen einige flohen und sich in den nordamerikanischen Great Plains verbreiteten. Sie bildeten die Grundlage des Ende des 18. Jahrhunderts weit verbreiteten Reiternomadismus. Die Pferde erleichterten die Jagd und den Transport ungemein und fĂŒhrten zu einem verĂ€nderten KrĂ€fteverhĂ€ltnis unter den Völkern, und damit zu weitrĂ€umigen Völkerwanderungen. Zudem erschlossen sich die Reitervölker bisher unbewohnbare Gebiete, und mit den zugerittenen Pferden ein neues Handelsobjekt.

Ganz andere FernverĂ€nderungen lösten die nördlichen KolonialmĂ€chte aus, indem sie Pelzhandel betrieben. Sie verĂ€nderten damit nicht nur die mit ihnen handelnden Gesellschaften, sondern wirkten darĂŒber hinaus auf deren nahe und ferneren Nachbarn ein, sei es durch Handel mit Waffen und damit zusammenhĂ€ngende Machtverschiebungen, sei es durch die Entwicklung von Handelsmonopolen der in der NĂ€he der HandelsstĂŒtzpunkte (Forts) lagernden StĂ€mme, sei es durch Auslösung von Völkerwanderungen.

Nachkoloniale Geschichte

Die Ankunft Champlains in QuĂ©bec, George Agnew Reid (1860–1947), 1909. So stellte man sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Indianer des frĂŒhen 17. Jahrhunderts vor.

Der Einschnitt, den die Befreiung von portugiesischer, spanischer und britischer Kolonialherrschaft in den Jahrzehnten um 1800 darstellte, bedeutete fĂŒr die Indianer Nord- und SĂŒdamerikas eine Intensivierung der Binnenkolonisation und eine Zunahme der Einwanderung, vor allem in den USA, Kanada, Brasilien, Chile und Argentinien. Damit stand das von ihnen bewohnte Land viel stĂ€rker Verwertungsinteressen heimischer Eliten im Wege, die durch keine Zwischenmacht oder durch die Kolonialverwaltung mehr gebremst wurden.

In Nordamerika gerieten die Indianer schnell in die Minderheit, da ihre Zahl rapide abnahm, wĂ€hrend die der Weißen zunahm. Einzelne StĂ€mme und große Koalitionen, wie unter Pontiac und Tecumseh, wehrten sich vergeblich gegen das Vordringen, bis 1890 der letzte Widerstand gebrochen war.

Dabei versuchten die Staaten die Kosten der Besiedlung, d. h. den Aufbau einer Infrastruktur, etwa durch transkontinentale Eisenbahnbauten, Verwaltung und Verteidigung, Polizei und Gerichte auf verschiedenen Wegen zu bestreiten. In den USA eigneten sich die Siedler als unbearbeitet betrachtete LĂ€ndereien einfach an (Squatting) und zahlten dafĂŒr spĂ€ter geringe Summen, ein Verfahren, das in Kanada in geordnetere Bahnen gelenkt wurde (vgl. Wirtschaftsgeschichte Kanadas). Letztlich lief dies aber auch hier auf eine Inbesitznahme der ĂŒberwiegenden Teile des Bodens durch Siedler aus ganz Europa, deren Zuwanderung gefördert wurde, hinaus.

Indios besuchen eine Fazenda in Minas Gerais, Johann Moritz Rugendas GemÀlde, um 1824

In SĂŒdamerika wurden die kolonialen Landzuteilungen aufgelöst und gingen an Großgrundbesitzer, die sie ĂŒberwiegend als Haziendas, bzw. als Fazendas (Brasilien) weiterfĂŒhrten. An diesem Großgrundbesitz entzĂŒnden sich bis heute zahlreiche Konflikte, denn sie ĂŒberließen vielen Indios zwar kleine Parzellen fĂŒr die Subsistenzwirtschaft, forderten aber dafĂŒr Dienste – eine WiedereinfĂŒhrung feudaler Bewirtschaftungsformen mit Frondiensten.

Widerstand wurde mit Waffengewalt und Hunger gebrochen, die Indianer mussten in den USA sogar alles Land östlich des Mississippi verlassen (Indian Removal Act und Pfad der TrĂ€nen), in Kanada wurden Reservate meist im traditionellen Gebiet eingerichtet (reserves), ebenso wie in den USA (reservations). Dort wurden allerdings hĂ€ufig mehrere StĂ€mme, die kulturell oftmals weit entfernt standen, in eine Reservation gezwungen. Ende des 19. Jahrhunderts war dieser Prozess im Norden im Großen und Ganzen abgeschlossen, die Zahl der Indianer auf einen Bruchteil reduziert.

Indianer 1916 in Kalifornien

WĂ€hrend die Missionierung im SĂŒden ĂŒberwiegend im 16. und 17. Jahrhundert durch katholische Orden erfolgte, wurden viele StĂ€mme im Norden erst im Laufe des 19. Jahrhunderts katholisch oder schlossen sich einer der protestantischen Konfessionen an, insbesondere der in Kanada zunĂ€chst dominierenden anglikanischen Kirche. Dies war jedoch nur der erste Schritt zur Assimilierung, die auf die Auslöschung der Kulturen hinauslaufen sollte, die von beiden nordamerikanischen Staaten als minderwertig betrachtet wurden. Mehrere Generationen lang fruchtete dies jedoch wenig, so dass man die Kinder mit dem Mittel der Schulpflicht weitgehend von den Erwachsenen absonderte, um sie in internatartigen Schulen (Residential Schools) zu unterrichten, wie sie in ganz Kanada bestanden. Dort wurde ihnen nicht nur jede traditionelle kulturelle Äußerung sondern vor allem der Gebrauch ihrer Sprache verboten. Gegen die rechtliche und ökonomische Marginalisierung mit Rechtsmitteln vorzugehen wurde ihnen darĂŒber hinaus verboten. Traditionelle Rituale, wie Sonnentanz und Potlatch waren bis in die 50er Jahre verboten, die letzten dieser Schulen wurden erst in den frĂŒhen 1980er Jahren aufgelöst. Ähnlich war die Situation in den USA.

Der kommerzielle Fischfang und das Recht auf die Jagd wurden gleichfalls immer mehr erschwert. Besonders die Massenjagd der Amerikaner auf das Wild, wie das Abschlachten der Bisons im spĂ€ten 19. Jahrhundert oder die Dezimierung der Karibuherden in den Jahrzehnten nach dem Bau des Alaska Highways, bedrohen die vertraglich zugesicherte Existenzweise zahlreicher StĂ€mme. DarĂŒber hinaus zerschnitt der Bau riesiger StaudĂ€mme die Wanderrouten der Herden und erschwerte damit die traditionelle Lebensweise der Indianer noch mehr. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts erlangten die StĂ€mme hierin zunehmend Mitspracherechte und verwalten Parks und Schutzgebiete mit. Allerdings ist die Situation regional sehr unterschiedlich.

BisonschÀdel, Mitte der 1870er Jahre
„American Progress“ (amerikanischer Fortschritt), GemĂ€lde von John Gast, 1872, das die zivilisatorisch-religiöse Aufgabe der Siedler symbolisch ĂŒberhöht

In den USA fĂŒhrte diese Entwicklung zu einer massiven Landflucht und VerstĂ€dterung der Indianer, zugleich wurden die Reservate in Privatbesitz umgewandelt, den die verarmten Bewohner oftmals verkaufen mussten. In den 1930er Jahren erhielten die StĂ€mme die Möglichkeit, sich selbst zu verwalten und Hoheitsrechte auszuĂŒben, doch 1953 bis 1961 versuchte man, die zum Teil neu geschaffenen StĂ€mme und die Reservate aufzulösen und die Indianer zur Abwanderung in die StĂ€dte zu veranlassen (Termination Policy). Alaska, das erst 1959 Bundesstaat wurde, nahm eine andere Entwicklung. Hier schuf der Alaska Native Claims Settlement Act ein System von Beteiligungen und GeldflĂŒssen, wogegen die Ureinwohner ihre Reservate aufgaben, sieht man von Metlakatla auf Annette Island ab.

In Kanada beschreitet man den Weg der Privatisierung in jĂŒngster Zeit gleichfalls, doch wehren sich viele StĂ€mme dagegen. Viele Rechte sind in den letzten Jahrzehnten vor Gerichten erstritten worden, wozu Wiedergutmachungen und Beteiligungen an auf ihrem Land gemachten ErtrĂ€gen – etwa durch BodenschĂ€tze oder StaudĂ€mme –, sowie EntschĂ€digungen fĂŒr Misshandlungen in den Schulen gehören (s. Residential Schools (Kanada)). Dennoch lebt inzwischen jeder zweite Indianer in einer Stadt.

In Nordamerika dauerten die KĂ€mpfe indianischer Völker gegen die Unterwerfung bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts an. In SĂŒdamerika begannen sie erheblich frĂŒher, wie etwa im MixtĂłn-Krieg (bis 1542) und dauerten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Nach der Zerstörung der Großreiche drangen Spanier weit in den Norden vor und unterwarfen etwa die Pueblobevölkerung am Rio Grande. 1680 gelang diesen ein Aufstand, der bis 1692 andauerte. Der Widerstand der Maya gegen Landenteignung, Versklavung und DemĂŒtigung entzĂŒndete sich an der Hinrichtung mehrerer MayafĂŒhrer am 30. Juli 1847. Der als Kastenkrieg bekannte Aufstand – wobei Casta auch Rasse, Familie oder Stamm bedeuten kann – erfasste ganz Yucatan und dauerte bis 1901. Die letzten Cruzoob, wie sich die AufstĂ€ndischen nannten, schlossen erst 1935 einen Friedensvertrag mit der Regierung, der ihnen bis heute die Selbstverwaltung ihrer Dörfer gestattet. Der Aufstand der Zapatistas, die sich auf Emiliano Zapata zurĂŒckfĂŒhren, und der in der Provinz Chiapas 1994 begann, basiert ebenfalls auf dem Widerstand der Indios, bediente sich aber westlicher Ideologien und der Guerillataktik.

In Bolivien, dem einzigen Land, in dem die Mehrheit aus Indios besteht, regiert seit der Wahl vom 18. Dezember 2005 ein indianischer PrĂ€sident. Evo Morales, der seit 2005 die absolute Mehrheit besitzt, ließ sich 2008 mit 67 % der Stimmen bestĂ€tigen. „Armut, mangelhafter Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie fehlende Integration in das formale Wirtschaftsleben“[30] waren hier, genauso wie im benachbarten Peru, die Ursachen fĂŒr den Widerstand der Indios – neben dem mangelnden Respekt vor ihrer Kultur. Dabei verbĂŒndet sich der verarmte, auch nichtindigene Landraum zunehmend gegen die zentralistischen HauptstĂ€dte Lima und La Paz. Gut ausgebildete Indios, wie Alberto Pizango, der 1.350 Amazonasdörfer fĂŒhrte, vertraten, Ă€hnlich wie in Nordamerika, ihre AnsprĂŒche vor Gerichtshöfen und auf der politischen Ebene.[31] Im Juni 2009 kam es zu KĂ€mpfen, bei denen bis zu 250 Indianer ums Leben kamen.[32] Auch in Bolivien kam es 2011 zu Auseinandersetzungen mit etwa 10 Verletzten, PrĂ€sident Morales stoppte den Bau der umstrittenen Straße und fordert ein Referendum.[33]

Dilson Ingarico, PrĂ€sident des Indigenenrats der IngaricĂČ in Brasilien
Angehöriger der Rikbaktsa wÀhrend der indigenen Spiele im brasilianischen Olinda

Ganz anders ist die Situation in denjenigen Staaten SĂŒdamerikas, in denen die Indios zu einer kleinen Minderheit geworden sind, wie etwa in Brasilien. Die Landenteignung wird dort bis heute, wenn auch eher von Unternehmen auf der Suche nach BodenschĂ€tzen und von Grundbesitzern, fortgesetzt, wie etwa gegen die im Norden Brasiliens lebenden Makuxi oder die Guarani im SĂŒden.[34] Die Regierung steuert dieser Entwicklung nur unzureichend entgegen, wie am 17. MĂ€rz 2009 der Oberste Gerichtshof feststellte. Er entschied, dass das Reservat Raposa/Serra do Sol im Bundesstaat Roraima den dortigen Ethnien gehört. Das Reservat nahe der Grenze zu Guyana war zwar 2005 durch PrĂ€sident da Silva den Indios zugesprochen worden, doch habe die Regierung nicht einmal eingegriffen, als es zu KĂ€mpfen kam.

2007 war es um die Frage der Landrechte in Peru gleichfalls zu offenen Konflikten gekommen, und die Regierung hatte die EinschrĂ€nkung der Landrechte der Indios zurĂŒcknehmen mĂŒssen.[35] Seit 2002 kĂ€mpfen die TremembĂ© im brasilianischen CearĂĄ gegen ein Tourismusprojekt um ihr 3.100 Hektar großes Reservat.[36] Die SuruĂ­, ein Stamm in der Provinz RondĂŽnia, haben ĂŒber ihren HĂ€uptling Almir SuruĂ­, Kontakt zu Google Earth Outreach aufgenommen. Der vor 40 Jahren noch 5.000 Menschen umfassende Stamm besteht nur noch aus 1.300 Mitgliedern; er will die Zerstörung des Regenwalds ĂŒber Google Earth sichtbar machen und sein Gebiet ĂŒberwachen.[37][38] Die grĂ¶ĂŸte Zwangsumsiedlung ist am Rio Madeira vorgesehen, wo GDF Suez, ein halbstaatlicher französischer Konzern, den Jirau-Staudamm bauen lĂ€sst.[39] Ähnliches plant die Regierung Lula am Rio Xingu, wo sich inzwischen der Filmemacher James Cameron einmischt.[40] Einen Teil der technischen Ausstattung liefern Voith Hydro, Siemens und Andritz.[41] Dammbauprojekte bedrohen zugleich indianische Kulturen in Kanada, wie etwa in British Columbia, wie dies bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts Bauten in den westlichen USA taten. Sie verhinderten die Lachswanderungen und entzogen damit den davon abhĂ€ngigen StĂ€mmen die Lebensgrundlage.

Besonders ungĂŒnstig ist die Situation bei den weltweit rund 100 isolierten indigenen Gruppen, die von jedem (weiteren) Kontakt verschont werden sollen, weil sie ansonsten den ihnen unbekannten Krankheiten zum Opfer fallen wĂŒrden. Solche Gruppen existieren in Brasilien, Peru und Ecuador, ebenso wie im Chaco-Gebiet von Paraguay, wo etwa die Ayoreo leben. Allein im Reservat von Vale do Javari an der peruanisch-brasilianischen Grenze leben sieben isolierte Gruppen von unbekannter GrĂ¶ĂŸe.

Kultur

ErzÀhlung, Literatur, Schrift

Außer einigen mittelamerikanischen Kulturen, die eine Bilderschrift besaßen, wie die Maya, die ein echtes Schriftsystem entwickelten, hinterließen die Kulturen der westlichen HemisphĂ€re wenige schriftliche Zeugnisse. Doch in den letzten Jahren mussten die Ă€ltesten Schriften in die Zeit um 900 v. Chr. zurĂŒckdatiert werden. Der so genannte Cascajal-Stein aus dem frĂŒhen 1. Jahrtausend v. Chr. zeigt auf einer FlĂ€che von 36 mal 21 cm 62 Zeichen. Er belegt, dass die Olmeken, möglicherweise als erste, ein Schriftsystem entwickelt haben.[42]

Unter den PrĂ€rieindianern existierten Chroniken, die graphische Symbole fĂŒr wichtige Ereignisse verwendeten. Ohne mĂŒndlichen Kommentar waren diese Chroniken nicht verstĂ€ndlich. Die bedeutendste Bilderschrift ist die auf Baumrinde festgehaltene Stammessage der im Osten der USA lebenden Lenni Lenape, bekannt als Walam Olum. Die Überlieferung erfolgte daher grĂ¶ĂŸtenteils mĂŒndlich. Die mĂŒndliche Überlieferung war jedoch in der Lage Jahrhunderte und teilweise Jahrtausende zurĂŒckliegende Ereignisse zu bewahren.

Eine weitere Memoriertechnik ist die Errichtung von Erinnerungsmalen, wie etwa von TotempfĂ€hlen, die an der NordwestkĂŒste fĂŒr bedeutende Verstorbene aufgestellt wurden.

Sequoyah mit einer Tabelle der von ihm entwickelten Cherokee-Schrift. Nach einem GemÀlde von Charles Bird King

Schon frĂŒh entwickelten Missionare Schriften, die die Laute der Indianersprachen angemessener wiedergeben sollten, als es die begrenzten Möglichkeiten der lateinischen und kyrillischen Zeichen ermöglichen. Hinzu kamen eigenstĂ€ndige Entwicklungen, wie das von Sequoyah ab 1809 entwickelte Cherokee-Alphabet. Heute besitzen zahlreiche StĂ€mme, wie die Cree, eine eigene Schrift.

1828 bis 1834 konnte Gallegina Watie (Elias Boudinot), ein Cherokee, eine Zeitung herausgeben, den Cherokee Phoenix, der wöchentlich in Englisch und Cherokee erschien.

Nordamerika

Im Gegensatz zu den ErzĂ€hlungen der mĂŒndlichen Kultur basiert die literarische Produktion ganz ĂŒberwiegend auf den Kolonialsprachen, die paradoxerweise zu den hauptsĂ€chlichen, innerindianischen Kommunikationsmedien geworden sind. Neben dem Hauptstrom der Literatur reprĂ€sentiert die native literature die literarische Tradition der 1200 bis (ĂŒber) 1500 ethnischen Gruppen Nordamerikas.[43] Sie ist trotz der Übersetzung (ins Englische und Französische) und der Schriftlichkeit stark in mĂŒndlichen Traditionen verwurzelt.

Die im 17. Jahrhundert einsetzende schriftliche Überlieferung durch Übersetzung ins Englische bzw. Französische wirkte jedoch durch christlich-moralische Vorbehalte und MissverstĂ€ndnisse verzerrend. Zudem sind zahlreiche Geschichten im Besitz von Abstammungslinien und dĂŒrfen nur in bestimmten rituellen ZusammenhĂ€ngen erzĂ€hlt werden. Der ĂŒberwiegende Teil von ihnen ist weder öffentlich zugĂ€nglich noch ĂŒbersetzt. Motive und Figuren sind nach wie vor Bestandteil der mĂŒndlichen und literarischen Werke.

William Apes: The Experience of William Apes, a Native of the Forest, 1831

Die selbststĂ€ndige literarische Tradition reicht mindestens bis in das frĂŒhe 19. Jahrhundert zurĂŒck, wie etwa William Apes' The Experience of William Apes, a Native of the Forest von 1831 zeigt. Apes (1798–1839) war Pequot und zĂ€hlt, wie George Copway, ein Anishinabe, und Chief Elias Johnson, ein Tuscarora, zu den frĂŒhen Beispielen amerikanischer Literatur. Diese Tradition lĂ€sst sich bis Joseph Brant verlĂ€ngern, der Thayendanegea hieß (1742–1807) – er ĂŒbersetzte den anglikanischen Katechismus sowie das Evangelium nach Markus in die Sprache der Mohawk. Einen weiteren Aufbruchsversuch stellt das isolierte Werk von Oliver La Farge, die Novelle Laughing Boy von 1929 dar, ebenso wie die Tochter eines Mohawk-HĂ€uptlings Emily Pauline Johnson (1861–1913) mit Werken wie The Song My Paddle Sings, Flint and Feather oder The White Wampum, die auch in den USA und in Großbritannien publiziert wurden. Sie widmete Thayendanegea/Brant eine Ode to Brant.

Emily Pauline Johnson: The White Wampum, 1895

Der Kiowa N. Scott Momaday erhielt 1969 den Pulitzer-Preis fĂŒr House Made of Dawn, Vine Deloria publizierte Custer Died For Your Sins. An Indian Manifesto. Den nationalen Rahmen sprengte schließlich Dee Browns Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses von 1970. Nun errangen Autoren wie Norval Morrisseau mit Legenden (Ojibwa Legends of My People, 1965), Dan George und Rita Joe mit poetischen (My Heart Soars, 1974 und Poems of Rita Joe, 1978), aber auch politischen Werken (Harold Carinal: The Rebirth of Canada's Indians, 1977) im Norden Anerkennung. Eine wesentliche Rolle spielte zudem die RĂŒckgewinnung der kulturellen Autonomie nach den Verboten zentraler Traditionen, wie des Potlatch (George Clutesi: Potlatch, 1969). Insgesamt nahmen die Versuche, an die Überreste der eigenen Kulturen anzuknĂŒpfen zu (John Snow: These Mountains Are Our Sacred Places 1977, Beverly Hungry Wolf: The Ways of My Grandmothers, 1980). Dabei spielten autobiographische AnsĂ€tze eine wichtige Rolle (Rita Joe: Song of Rita Joe: Autobiography of a Mi'kmaq Poet).

Mesoamerika

Der Dresdner Codex, 39 BlÀtter, ca. 20 mal 10 cm, ca. 1200 bis 1250, S. 9 der Förstemannausgabe[44]

Mesoamerika, die Region mit einer weit zurĂŒckreichenden Schrifttradition, nahm sowohl spanische als auch Mayatraditionen auf, wie sie sich etwa in den Inschriften des Herrschers von Palenque, K'inich Janaab' Pakal (615–683), im Tempel der Inschriften erhalten haben.[45] Dabei ist die Verbindung von Text und Abbildung sehr eng, Ă€hnlich wie in den vier erhaltenen Maya-Codices, die ab dem 5. Jahrhundert auf der Innenseite bearbeiteter Baumrinde, vor allem von der Feigenart Ficus glabrata, geschrieben wurden. Unter ihnen gilt der Codex Dresdensis (1. HĂ€lfte 13. Jahrhundert) als wichtigster.

Codex Borgia, S. 71, wahrscheinlich kurz vor der Ankunft der Spanier in Puebla entstanden, Facsimile-Edition 1898. Der Codex diente wohl Priestern zur AusĂŒbung ihres Dienstes. Dargestellt sind Sonne (links), Mond (rechts) und Morgenstern (kleines Symbol) und die 13 Vögel (= Stunden) des Tages[46]

Die meisten Maya-Codices ließ Bischof Diego de Landa ab 1562 verbrennen. Dennoch hat sich hier wie bei den Azteken, wo in der Kolonialphase rund 500 von ihnen entstanden und heute noch zumindest in Teilen existieren, eine Tradition der Codex-Herstellung gehalten. Die Codices der Azteken enthalten meist keine Schriftzeichen, bzw. erst spĂ€ter eingetragene in lateinischer Schrift und in Nahuatl. In dieser Sprache verfassten Missionare erste Grammatiken und WörterbĂŒcher. Von beiden kulturellen Wurzeln geprĂ€gt waren bereits die Historien- und ProphetienbĂŒcher Chilam Balam.[47] So verbanden sich vorspanische, eher piktographische Traditionen mit kolonialzeitlich-schriftlichen, wobei letztere langsam die Oberhand gewannen

Im stĂ€rker rituellen Vollzug von mĂŒndlichem Textvortrag spielte der Gesang eine andere Rolle als in Europa. Im 16. Jahrhundert wurden 91 aztekische Lieder in den Cantares Mexicanos aufgezeichnet, womit rund die HĂ€lfte der Liedtexte ĂŒberliefert worden ist. Die einzigen ĂŒberlieferten Lieder der Maya finden sich den Cantares de DzitbalchĂ© aus dem 17. Jahrhundert. Die Vermischung spanischer und indianischer Traditionen wird als mestizaje bezeichnet. Auf diese Kultur der Mestizen bezieht sich die Literatur des Chicano, die von den Auswanderern in die USA ausging und sich stark auf die indianischen Wurzeln bezieht.

Ähnlich wie in Nordamerika schuf sich Mexiko ein literarisches Bild des Indianers, das Ă€hnlichen Wandlungen unterworfen war.[48]

SĂŒdamerika

Im SĂŒden des Kontinents bestand keine so weit zurĂŒckreichende literarisch-piktographische Tradition, wie sie in Mesoamerika bestand. Zwar gab es die quipu, ein Memoriermittel aus Knoten, das Kundige der KnotenschnĂŒre, Quipucamayos, beherrschten, doch bleibt der Zweck der SchnĂŒre unklar. Dennoch wirkten mĂŒndliche Traditionen und das Fortbestehen indigener Traditionen stark auf die schriftlich-literarische Entwicklung ein.

Im 20. Jahrhundert entstand der Indigenismo, dessen bedeutendster Protagonist JosĂ© MarĂ­a Arguedas aus Peru war. Er stammte von Quechua ab und war bei ihnen aufgewachsen. Als Völkerkundler veröffentlichte er 1966 das Waruchiri-Manuskript aus dem 16. Jahrhundert auf Spanisch, womit er es, obwohl fehlerhaft, einem breiteren Publikum bekannt machte – es war bereits 1939 von Hermann Trimborn ins Deutsche ĂŒbersetzt worden. Es gilt als wichtigstes Denkmal der frĂŒhkolonialen Quechua-Literatur.[49] Es ist zugleich die einzige Textsammlung in Quechua und befasst sich mit Mythen und Beschreibungen religiöser Zeremonien im Hinterland von Lima – wahrscheinlich aus der Feder des Geistlichen indianisch-spanischer Herkunft Francisco de Avila (vor 1608). Zu dieser Zeit war die von Vizekönig Toledo angeordnete Einrichtung von Reduktionen, also die Konzentrierung und Neuansiedlung der Indianer, bereits durchgefĂŒhrt. Das StĂŒck entstand also in einer Zeit, in der sich indianische und spanische Traditionen schon stark ĂŒberlagerten.

Eine der Überlieferungen aus Quechua-Feder, die von El Inca Garcilaso de la Vega stammenden Comentarios reales de los incas (1609) weisen, trotz jahrzehntelangem Gebrauch des Spanischen noch hohe Kompetenz in der Muttersprache des Verfassers auf. Ähnlich wie Felipe Guaman Poma de Ayalas Nueva corĂłnica y buen gobierno (um 1615) weist das Werk noch stark indigene ZĂŒge auf, und verbindet MĂŒndlich- und Schriftlichkeit.

Apu Ollantay, ein Drama wohl aus dem 18. Jahrhundert, das von der verbotenen Liebe des namengebenden Inkagenerals zur Inkaprinzessin Kusiquyllurs handelt, erfreute sich besonders wÀhrend der UnabhÀngigkeitsbewegungen erheblicher Beliebtheit.[50] Vor allem in Cuzco lebende Spanier, die die Lösung von der Kolonialmacht forderten, betrachteten das Quechua möglicherweise sogar als die angemessene Sprache ihrer Bewegung.

Inzwischen ist Quechua zu einer selbststĂ€ndigen literarischen Sprache geworden – Aymara weniger –, in die mehr und mehr ĂŒbersetzt wird. 1975 verarbeitete Jorge Lira die von ihm gesammelten ErzĂ€hlungen (Isicha Puytu). SpĂ€ter folgten MĂ€rchen vom Urubamba, dann Unay pachas von Rufino Chuquimamani, Pirumanta qillqasqa willakuykuna von CarmelĂłn Berrocal und 1992 Unay willakuykuna von Crescencio Ramos.

Zu den bekannteren Werken zÀhlt die Autobiographie von Gregorio Condori Mamani und Asunta Quispe Huamån, die von Ricardo Valderrama Fernåndez und Carmen Escalante Gutiérrez 1982 aufgezeichnet wurde.[51]

JosĂ© OregĂłn Morales publizierte 1994 acht Kurzgeschichten (Loro qulluchi – BekĂ€mpfung der Papageien), wobei er seine dörfliche Kindheit in den Anden verarbeitet und MĂ€rchen variiert. Porfirio Meneses LazĂłn verfasste Quechua-Gedichte (Suyaypa llaqtan, 1988) und Kurzgeschichten (Achikyay willaykuna (ErzĂ€hlungen des Morgengrauens, 1998)) bei denen er seinen ErzĂ€hlstil mit den volkstĂŒmlich gehaltenen Dialogen kontrastiert.

Den Literaturpreis Premio de cuento del Concurso Nacional de Literatura Quechua erhielt 1997 Macedonio VillafĂĄn Broncano (* 1949) fĂŒr seine ErzĂ€hlung Apu Kolkijirka (Herr Silberberg). Apu, eine Berggottheit, tritt als Ich-ErzĂ€hler auf und erzĂ€hlt die Geschichte „seines“ Ortes Cutacancha (Region Ancash).

Kunst, Handwerk, Ritual

Entsprechend der Wechselwirkung von natĂŒrlicher Umgebung und kultureller Entwicklung waren die Traditionen extrem verschieden. WĂ€hrend die Monumentalkulturen zwischen Mississippi und Anden vielfach Stein und Lehm als Ausgangsmaterial benutzten, bevorzugten die waldreichen Regionen des Nordens Holz und andere organische Materialien.

Heute wĂ€chst die bildende indianische Kunst in einem expandierenden Kunstmarkt mit. So sind Werke traditioneller Schnitzkunst, wie die TotempfĂ€hle der pazifischen KĂŒstenkulturen zu Sammelobjekten geworden.

Skulptur von Bill Reid: Schöpfungsgeschichte der Haida, in der der Rabe Menschen in einer Muschel findet (Foto: Joe Goldberg)
Totempfahl der Tsimshian in Ketchikan, Alaska

In Kanada und Alaska dominieren die West Coast Native Art – dies waren Meister der Haida, Tsimshian und Kwakiutl, dann Nuu-chah-nulth und KĂŒsten-Salish – und die „Woodlands“-Schule der „Legend Painters“ – vor allem Norval Morrisseau, ein Ojibwa, den man gelegentlich den „Picasso des Nordens“ nannte.[52]

SpĂ€testens im 17. Jahrhundert begann der Tauschhandel mit Werken fĂŒr Reisende, wie beispielsweise Mokassins oder kleine Schnitzwerke. Noch heute wird diese Kunst in allen QualitĂ€tsstufen angeboten. Traditionelle Kunst deckt dabei oft die Erwartungen von Kunst ab, die an sie herangetragen werden, versucht aber zugleich einen Kompromiss zwischen den Traditionen. Sie dient vielfach einer Werkproduktion, die nicht als Kunst aufgefasst wird, sondern rituellen, oftmals verborgenen Zwecken dient. KĂŒnstler wie Tony Hunt und Bill Reid (1920–1998) knĂŒpften dabei – trotz des Verbots öffentlicher Rituale wie des Potlatch – an die Traditionen an, die vor allem von den Haida Charles Edenshaw (um 1839–1920), Willie Seaweed (1873–1967) und Mungo Martin (1879/82–1962) von den Kwakiutl ererbt waren.

1973 grĂŒndeten sieben KĂŒnstler die Indian Group of Seven. Neben zeitgenössischen EinflĂŒssen verarbeiteten sie piktographische Traditionen der Algonkin und Petroglyphen des kanadischen Schilds. Viele KĂŒnstler, die mit nicht-traditionellen Techniken arbeiten, betrachten sich hingegen in erster Linie als KĂŒnstler und lassen sich ungern als „IndianerkĂŒnstler“ etikettieren.

Ähnlich wie im Norden standen in den heutigen USA Objekte wie HĂŒte, Decken, Körbe im Mittelpunkt, ebenso wie kunstvoll verzierte Waffen und Pfeifen, in manchen Regionen eine hoch entwickelte Baukunst. Die Objekte waren jedoch keine Kunstproduktion im westlichen Sinne, und nicht fĂŒr einen Markt bestimmt. Das Ă€nderte sich ab den 1820er Jahren, als die natĂŒrlichen Lebensgrundlagen der Indianer zunehmend zerstört wurden. So entstand die Iroquois Realist School (realistische Schule der Irokesen) bei den Haudenosaunee in New York City, gefĂŒhrt von David und Dennis Cusick. Edmonia Lewis (ca. 1845–1911), eine KĂŒnstlerin mit afrikanischen und indianischen Vorfahren (Mississaugas of the New Credit First Nation) mit einem Atelier in Rom, schnitzte 1877 das Portrait des PrĂ€sidenten Ulysses S. Grant.[53] Angel DeCora (Hinook-Mahiwi-Kilinaka, 1871–1919), die an der Hampton University studierte, engagierte sich im Arts and Crafts Movement (um 1870 bis 1920 v. a. in den USA und Großbritannien) und vermittelte ihren SchĂŒlern die Bedeutung von Kunst bei der Entwicklung des SelbstwertgefĂŒhls und des Widerstands gegen die staatliche Assimilierungspolitik.[54] Eine wichtige Gruppe waren darĂŒber hinaus die Kiowa Five aus Oklahoma[55], die 1928 erstmals in Prag ausstellten.[56]

Sitzender Quimbaya-Kazike, zwischen dem 2. und 10. Jahrhundert entstanden

Die kĂŒnstlerisch-rituellen Traditionen Mittel- und SĂŒdamerikas ĂŒbernahmen schon frĂŒh neue Materialien, die die Kolonisatoren einfĂŒhrten. Don Fernando de Alva Ixtlilxochitl, ein direkter Nachkomme Ixtlilxochitls I. von Texcoco, malte bereits im 16. Jahrhundert mit Tinte und Wasserfarbe auf Papier (Codex Ixtlilxochitl).

Erheblich weiter lassen sich die KĂŒnste der Metall- und Steinbearbeitung zurĂŒckverfolgen. An Metallen wurden vor allem Gold und Kupfer verarbeitet. Zahlreiche Relikte zeugen von der Kunstfertigkeit, auch wenn viele Werke durch Spanier, die nur am Gold interessiert waren und die symbolgeladenen Artefakte von sich wiesen, eingeschmolzen wurden.

Musik

Instrumente hatten eine Vielzahl von Funktionen, hier rufen sie die Bororo von Mato Grosso zur Schlacht. Jean-Baptiste Debret: Voyage pittoresque et historique au BrĂ©sil, ou SĂ©jour d'un artiste français au BrĂ©sil, depuis 1816 jusqu'en 1831, Paris 1834–1839.
Wandmalerei in Tempel 1 in Bonampak, einer Mayastadt in Chiapas, ca. 790

Systematische Musiksammlungen begannen im Norden erst um 1900.[57] 1911 waren dies Lieder der Malecite und Mi'kmaq[58] aus Kahnawake und Lorette.[59] Zugleich nahmen Wissenschaftler GesĂ€nge der Huronen, Algonkin und Irokesen auf, der Delaware und Tutelo. Doch erst der Anthropologin und TĂ€nzerin Gertrude Prokosch Kurath (1903–1992) gelang es, ein Notationssystem fĂŒr die IrokesentĂ€nze zu entwickeln. Es folgten Untersuchungen zu rituellen TĂ€nzen (William Fenton: The Iroquois Eagle Dance, 1953) und den Medizingesellschaften (The False Faces of the Iroquois, Norman, Oklahoma 1987).

Die Musik der Cree[60] und der Ojibwa, der Blackfoot und Sarcee folgten, wobei Forscher aus den USA bereits um 1900 wichtige BeitrÀge leisteten. Man untersuchte sowohl die traditionelle, als auch die von den Blood adaptierte Country- und Westernmusik sowie christliche Hymnen.[61]

James Teit nahm GesĂ€nge der Sikani, Tahltan, Tlingit, Carrier, Okanagan und Nlaka'pamux auf, 1913 erfolgten Sammlungen bei den Sikani bis zum Großen Sklavensee.[62] Weitere folgten in den 1970er und 1980er Jahren bei KĂŒsten-Salish in British Columbia und Washington.[63]

Erst ab den 1980er Jahren begannen die First Nations die Forschungen selbst zu betreiben.[64] Dazu kamen Labels, die von Indianern getragen wurden.

Bei den Maya waren neben Trommeln und verschiedenen Flöten Maracas und Okarinas in Gebrauch. Hinzu kommt ein Saiteninstrument, von dem sich zeigen ließ, dass es die Stimme eines Jaguars imitiert.[65] Dabei war die Verbindung zu Tanz und Ritual, wie ĂŒberall in Amerika, sehr viel enger, als in Europa.

Insgesamt unterscheidet man in Amerika sechs Areale: das der Inuit und der NordwestkĂŒste, dann Kalifornien und Arizona, das Große Becken, die Athapasken, Plains und Pueblo sowie das Östliche Waldland. GrundsĂ€tzlich steht das Singen im Vordergrund, Instrumente bilden eine rhythmische Begleitung. Dabei ist der Gesang im Norden, vor allem östlich der Rocky Mountains, dominanter, im SĂŒden stĂ€rker zurĂŒckgenommen. Trommeln und Rasseln (in SĂŒdamerika Maraca) herrschen vor, dazu kamen in Meso- und SĂŒdamerika verschiedenste Flöten, schließlich als besondere Trommelform der Teponaztli.[66]

Im Norden entwickelte sich an der NordwestkĂŒste eine komplexe rituelle Musikkultur mit umfangreichen Tanzritualen und langen Texten, die auswendig gelernt wurden. Melodien und Texte in Kalifornien und dem Großen Becken sind einfacher und kĂŒrzer, Falsett wurde bevorzugt. Hier herrschen kostĂŒmierte TĂ€nze vor, die bei den athabaskischen Gruppen eher selten sind, außer bei den von den Pueblos beeinflussten Apachen. Bei den Navajo wurde Gesang auch zur Heilung eingesetzt. Musik war niemals eine TĂ€tigkeit fĂŒr sich, sondern stark in soziale Handlungsrahmen eingebunden. Die Musik der PrĂ€rien ist am besten erforscht, und sie ist bei den weit verbreiteten Powwows gelĂ€ufig.

Über die vorspanische Musik SĂŒdamerikas ist wenig bekannt. Besonders in Patagonien wurde polyphoner Gesang entwickelt. In Brasilien und den angrenzenden Tropenwaldgebieten existiert noch traditionelle Musik mit Gesang, Flöte und Perkussion.

Museen, Bibliotheken

Religion

Ein Medicine Wheel, eine Heilige StÀtte und zugleich National Historic Landmark in Wyoming

Schamanistische Vorstellungen herrschten vor und verbanden sich in den Hochkulturen mit einer Priesterherrschaft, die sich zwischen Mississippi und Anden in riesigen Bauwerken manifestierte. Hier entstanden auch Priesterschulen, wĂ€hrend die Schamanenausbildung durch Ältere geschah, aber auch in Geheimgesellschaften, die ihr Wissen an die Mitglieder weitergaben.

In weiten Teilen basierte dies auf einem engen VerhĂ€ltnis zur natĂŒrlichen Umgebung, so dass Wetter, Pflanzen und Tiere, Erde und Himmel, aber auch Sterne und die Berechnung von Ereignissen des Jahreslaufs im Mittelpunkt standen (vgl. die heftig umstrittenen Begriffe Animismus, Naturreligion). Schöpfungsmythen und die kollektive Erinnerung an einen hĂ€ufig aus dem Tierreich stammenden gemeinsamen Vorfahren sowie der Glaube an einen Großen Schöpfer verbanden die Religionen. Er wurde als Lebensenergie verehrt und verband sich mit der Sonne, als Fruchtbarkeit und StĂ€rke, um mit der Erde verbunden zu werden, als Weisheit oder StĂ€rke, die mit BĂ€ren, Wölfen, Raben, Schlangen oder dem Quetzalcoatl verbunden waren.

Die religiösen Inhalte waren orts- und verwandtschaftsspezifisch und besaßen keinen universellen Geltungsanspruch. Die Heiligkeit von Orten, Ritualen, von Wissen und Geschichten, TĂ€nzen und Musik sowie Personen stand im Mittelpunkt. Die Hochkulturen entwickelten komplexe öffentliche Rituale, an denen Tausende von Menschen teilnahmen.

Die Initiation und Ausbildung war hĂ€ufig Aufgabe der Älteren, bei Schamanen geschah dies vielfach durch spontane Visionen. Schon als Kinder wurden bei manchen Stammesgruppen, wie den KĂŒsten-Salish, die „Historiker“ der Familien und StĂ€mme ausgewĂ€hlt und unterrichtet. In den Schriftkulturen der Maya und Azteken wurden Rituale schriftlich festgehalten, die religiösen Gehalte symbolisch aufgezeichnet.

Im SĂŒden drĂ€ngten die Orden und die Krone auf Missionierung, eine Aufgabe, die die Eroberer nur vordergrĂŒndig auf sich nahmen (Konquistadorenproklamation), oftmals, um die des Lateinischen nicht MĂ€chtigen, daher UnverstĂ€ndigen und Widerstrebenden, legitimerweise unterwerfen oder umbringen zu können.[67] Gleichzeitig hatte der spanische Staat die kirchliche Organisation von Rom weitgehend losgelöst und zu einer Staatskirche umgewandelt, der mit der Inquisition eine gefĂŒrchtete Waffe zur VerfĂŒgung stand. Dementsprechend förderte die Krone die Mission in ganz Lateinamerika und nutzte die Kirche zugleich, um die Granden unter Kontrolle zu halten, und um ein Eindringen der reformatorischen KrĂ€fte in die Kolonien zu verhindern.

Claude d'Abbeville: Histoire de la Mission, Paris 1614, Frontispiz; mit lateinischem Zitat aus Jesaja 49, 22[68]

Dies stĂ€rkte die Orden auch weiter im Norden, wo sie zugleich, vor allem die Jesuiten, fĂŒr Frankreich tĂ€tig waren. So wurden die Religionen der lateinamerikanischen Indianer und in geringerem Maße der Neufrankreichs mit katholischen Ritualen konfrontiert, hĂ€ufig wurden Umsiedlungen und ZusammenfĂŒhrungen durchgefĂŒhrt, die einer starken Vermischung der zuvor getrennten Gruppen Vorschub leisteten, wie etwa bei den GuaranĂŹ in Paraguay. Dabei verbanden sich Missionare vielfach mit den Kaziken, den jeweiligen Eliten, und die Jesuiten ĂŒberantworteten ihnen sogar militĂ€rische FĂŒhrungsaufgaben.

Das Christentum wurde im Norden, nach den ErschĂŒtterungen der Epidemien, als eine Form der spirituellen Heilung betrachtet, indianische Selige und Heilige wie Kateri Tekakwitha dienten als Vorbilder. Bei der Missionierung spielten zunĂ€chst die Jesuiten eine Hauptrolle, im 19. Jahrhundert die Oblaten. Wenige protestantische Gruppen, wie Methodisten und Baptisten missionierten im englischsprachigen Teil Amerikas, hinzu kamen russisch-orthodoxe Missionare in Alaska. Daher sind die Indianer heute ĂŒberwiegend katholisch, bilden im Nordwesten allerdings einen konfessionellen Flickenteppich. Dort entwickelten sich, wie in Lateinamerika, eklektische Formen, wie die Indian Shaker Church, oder, wie in Peru, Gruppierungen, die die Erinnerung an die Inkas wach hielten. Synkretistische Formen bildeten bei den Maya die Grundlage fĂŒr das als Sprechendes Kreuz bezeichnete Orakel, das Jose MarĂ­a Barrera am 15. Oktober 1850 zur Fortsetzung des Kastenkrieges gegen die mexikanische Regierung aufforderte. Das Kreuz wuchs auf den Wurzeln eines Kapokbaums, des heiligen Baums des Lebens, der wiederum aus einer Höhle wuchs, die einen heiligen Ort darstellte, der sich bei einem Cenote (Ts’ono’ot) befand, einem Ort der Regengötter ChĂĄak. HĂŒter des Kreuzes, und damit wichtige AufstandsfĂŒhrer waren etwa Crescencio Poot (1875–1885) oder MarĂ­a Uicab († 1872), die „Königin von Tulum“.[69]

Zahlreiche ZĂŒge der voreuropĂ€ischen SpiritualitĂ€t haben sich erhalten oder sind wiederbelebt und weiterentwickelt worden. Dabei werden viele Rituale nach wie vor nur innerhalb begrenzter Gruppen oder von Geheimgesellschaften geĂŒbt. Im Norden spielt vor allem der Begriff der „Medizin“ eine bedeutende Rolle. Zur Aufzeichnung komplexer VorgĂ€nge oder historischer Ereignisse benutzten oftmals geheime Gesellschaften mindestens seit dem 16. Jahrhundert Wiigwaasabak, Birkenrinde, auf der verschlĂŒsselt spirituell bedeutsames Wissen eingeritzt wurde.[70] Das Sprechende Kreuz wird noch heute verehrt, allerdings nur unter Mayas.

Angesichts der widersprĂŒchlichen Rolle, die Mission und Kirche gegenĂŒber den Indios gespielt haben, ĂŒberrascht es nicht, dass etwa die brasilianischen Indios im Mai 2007 die Aussage Papst Benedikts XVI. zurĂŒckwiesen, die katholische Kirche habe die Indianer in Lateinamerika erlöst. Noch sein VorgĂ€nger Johannes Paul II. hatte 1992 Fehler bei der Evangelisierung eingestanden.[71]

Politik

Die Regierungen Nordamerikas haben Institutionen ausgebildet, die fĂŒr die Belange der Indianer zustĂ€ndig sind, die aber oftmals aus den Kriegsministerien hervorgegangen sind. In Kanada ist dies das Department of Aboriginal Affairs and Northern Development (auch Indian and Northern Affairs Canada)[72], in den USA seit 1824 das heute dem Innenministerium unterstellte Bureau of Indian Affairs.[73] Jede Provinz bzw. die meisten Bundesstaaten wiederum haben ein Ministerium oder eine entsprechende Abteilung, die gleichfalls mit dieser Thematik befasst sind.

Auf der anderen Seite steht in Kanada eine Reihe politischer Parteien und die Assembly of First Nations als Dachorganisation. Sie ist das Sprachrohr aller First Nations, fĂŒhrt Prozesse und betĂ€tigt sich inzwischen ĂŒber die Staatsgrenzen hinaus, etwa bei den Vereinten Nationen, wenn es um Menschenrechtsfragen geht. StammesrĂ€te, die manchmal nur wenige, manchmal mehrere Dutzend StĂ€mme vertreten, hĂŒten Archive, fĂŒhren Vertragsverhandlungen und bilden meist eine Vertretung der sich sprachlich-kulturell nahe stehenden StĂ€mme gegenĂŒber der Regierung.

Unterhalb dieser Ebene liegen zwei Systeme im Widerstreit, nĂ€mlich das von der Regierung vorgeschriebene System gewĂ€hlter HĂ€uptlinge und ihrer Berater einerseits, und das der traditionellen HĂ€uptlinge. Bei vielen StĂ€mmen beherrschen die von der Regierung geförderten WahlhĂ€uptlinge die StammesrĂ€te, die wiederum zahlreiche politisch und wirtschaftlich bedeutende Positionen vergeben. Dazu kommen die jungen Erwachsenen und die Kinder, deren Zahl schnell wĂ€chst, die aber weder in der einen noch in der anderen Gruppe ausreichend vertreten sind. Auch der Anteil der stĂ€dtischen Bevölkerung nimmt stetig zu. In den USA haben viele StĂ€mme seit den 1930er Jahren Selbstverwaltungsrechte und fĂŒhren Polizei und Gerichte in ihren Reservaten.

Die Frage nach der Möglichkeit quasi-staatlicher SouverĂ€nitĂ€t mit entsprechenden Territorien steht dabei sowohl in Kanada als auch in den USA in hartem Kontrast zum Versuch, die StĂ€mme als Summe von Individuen zu behandeln. Den StĂ€mmen Kanadas soll ein Teil ihres traditionellen Gebietes zurĂŒckgegeben werden, doch nicht mehr als Kollektiveigentum, wie die Reservate, sondern als privater, verĂ€ußerlicher Besitz. Angesichts der verbreiteten Armut ist abzusehen, dass dies zum Verkauf großer Teile indianischen Landes fĂŒhren wĂŒrde, eine Assimilationsstrategie, wie sie die USA lange betrieben haben.

Die sozialen Probleme, wie Armut, Krankheiten, Alkohol- und Drogenprobleme, das Auseinanderbrechen von familiĂ€ren Strukturen, sowie die Bedrohung der Subsistenzwirtschaft durch EinschrĂ€nkungen des Fisch- und Jagdrechts, dazu ökologische Probleme und die Folgen zahlreicher Zwangsumsiedlungen treffen diese Gruppen besonders hart. Diese existentiellen Probleme haben vor allem in den USA und Kanada zu einer stark erhöhten Selbstmordrate gefĂŒhrt. In den USA liegt sie 70 % höher als im US-amerikanischen Durchschnitt. Indianische Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren bringen sich dreimal so hĂ€ufig um wie ihre amerikanischen Altersgenossen[74] Zugleich nimmt die Gewalt von Gangs in manchen Reservaten deutlich zu.[75]

Seit langem gibt es BemĂŒhungen wirtschaftlicher und kultureller Erholung. Letztere kreist zum einen um die Sprache und die Rituale, bei einigen StĂ€mmen um die Wiederherstellung der ĂŒberlieferten Gesellschaftssysteme.

In Mexiko ist die ComisiĂłn Nacional para el Desarrollo de los Pueblos IndĂ­genas (CDI), die „Nationale Kommission fĂŒr die Entwicklung der indigenen Völker“ zustĂ€ndig.[76]

Angehörige verschiedener Ethnien protestieren gegen ihre schlechten Lebensbedingungen im Vale do Javarí an der Grenze zwischen Peru und Brasilien, Januar 2008

In Brasilien nennt sich die zustĂ€ndige Institution Fundação Nacional do Índio (FUNAI), die dem Justizministerium untersteht.[77] Sie wurde 1910 von CĂąndido Rondon gegrĂŒndet, unter seiner Leitung entstand 1961 das erste Reservat (am RĂ­o XingĂș). Danach wurde die FUNAI fast bedeutungslos und das Justizministerium kontrolliert seit 2002 die zuletzt 2008 aktualisierte Gesetzgebung ().[78] FUNAI geht von 5,6 Millionen Indios um 1500, sowie 1.300 Sprachen aus, heute von 460.000 in etwa 215 bekannten Nationen, von ihnen leben 100 bis 190.000 in StĂ€dten. Man unterscheidet dabei 180 bekannte Sprachen und unterstĂŒtzt nach Jahrhunderten der Assimilation die Unterschiedlichkeit. Erst 1953 entwickelte die brasilianische Anthropologie, spĂ€ter die 1955 gegrĂŒndete Associação Brasileira de Antropologia, eine Namenskonvention fĂŒr alle StĂ€mme.

Organisationen wie der Koordinator der indigenen Völker des Amazonasbeckens[79] und der Indian Council of South America versuchen lĂ€nderĂŒbergreifend die Rechte der Indianer zu stĂ€rken, Ă€hnlich wie der International Indian Treaty Council fĂŒr ganz Amerika. Hinzu kommen Vertretungen bei der UNO oder der Organisation Unrepresented Nations and Peoples Organization.

Die VernachlĂ€ssigung ganzer Regionen und die ausbleibenden Landreformen fĂŒhrten in einigen LĂ€ndern dazu, dass Indiogruppen die linke, manchmal auch militante Opposition unterstĂŒtzten, wie das Movimiento Revolucionario TĂșpac Amaru, das seinen Namen vom letzten Inkaherrscher ableitet. Auch in den Staaten, in denen die Indios eine kleine Minderheit darstellen, wie in Kolumbien, versuchen sie ihr Land gegen Privatisierung, etwa durch Rohstoffunternehmen, zu schĂŒtzen. So half ihnen MartĂ­n von Hildebrand, dem Schutz ihrer Kultur, Sprachen und Reservate Verfassungsstatus zu verschaffen. Am 23. August 2011 stimmte der peruanische Kongress einer Gesetzesvorlage zu, die die Konsultation der regionalen indigenen Gruppe zwingend vorschreibt, wenn ein Unternehmen die dortigen Rohstoffe abbauen oder Holz einschlagen will.[80]

Wirtschaft

CharrĂșas am Rio de la Plata mit einer Bola, einer Jagdwaffe. Hendrick Ottsen: Iovrnael oft daghelijcx-register van de voyagie na Rio de Plata. 1603, 1617. Ottsen hatte 1598 bis 1601 SĂŒdamerika bereist.

Jagd und Fischerei dienen vielfach dem Lebensunterhalt, doch ist der kommerzielle Fang nur eingeschrĂ€nkt möglich. Viele FischbestĂ€nde sind rĂŒcklĂ€ufig und die Regierungen neigen dazu, den kommerziellen Fischfang zu bevorzugen, der den Indianern hĂ€ufig verboten ist.[81] Im Norden steckt die Holzindustrie in einer Krise, da große Mengen ĂŒberschĂŒssigen Holzes durch die katastrophalen Verluste, die der BergkiefernkĂ€fer anrichtet,[82] auf den Markt drĂ€ngen. In SĂŒdamerika werden fĂŒr Biodiesel erhebliche WaldbestĂ€nde vernichtet, so dass etwa Guarani in Paraguay zwangsweise umgesiedelt wurden. Steil ansteigende Rohstoffpreise von 2006 bis 2008 schĂŒrten vorhandene Konflikte, und so wuchs der Druck auf die StĂ€mme, Abbaugenehmigungen zu erteilen. Die natĂŒrliche Umgebung ist aber Voraussetzung fĂŒr den Erhalt der kulturellen Vielfalt, die die indianischen Kulturen kennzeichnet.

Über Selbstverwaltung und Tourismus entstehen in zahlreichen Parks, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, fĂŒr viele Reservatsbewohner ArbeitsplĂ€tze, die weder die natĂŒrlichen Ressourcen im bisherigen Ausmaß zerstören, noch von staatlicher Wohlfahrt abhĂ€ngig halten.

Neben den traditionellen Wirtschaftsweisen, der Überlassung von Land an Rohstoff- und Energieunternehmen und der Tatsache, dass die Indianer versuchen, ihre lĂ€ndliche Wirtschaftsbasis durch Holzeinschlag, Gewinnung von Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie, Rohstoffabbau, Tourismus, Kunsthandwerk und Landwirtschaft zu nutzen, wachsen zwei Bereiche in Nordamerika besonders schnell: GlĂŒcksspiel und Wirtschaftskontakte mit anderen indigenen Völkern.

In Meso- und SĂŒdamerika ist die Landwirtschaft, die dort ihre historischen Wurzeln hat, viel stĂ€rker in indianischen HĂ€nden, als im Norden. Indio ist in vielen Gegenden geradezu zum Synonym fĂŒr Campesino, Landbewohner, geworden, wobei die Subsistenzwirtschaft vielfach ĂŒberwiegt. Doch ist die Produktpalette eine sehr viel andere, als außerhalb der indianischen Ballungsgebiete. Tausende von Kartoffelsorten reprĂ€sentieren beispielsweise beinahe die gesamte Sortenvielfalt der Welt. Vom Mate-Tee reicht das Spektrum der Exportwaren ĂŒber den Kaffee bis zu Coca und Mohnprodukten, die auf verschiedensten Wegen den illegalen Weltmarkt erreichen.

Das Mohegan Sun, das Kasino, das von den Mohegan betrieben wird
Avi Resort and Casino in Nevada

Von den USA seit 1979 ausgehend spielen Kasinos eine zunehmende Rolle, die sich immer mehr zu touristischen und Entertainment-Unternehmen entwickeln. WĂ€hrend es in Kanada 2008 nur 17 Kasinos gab[83], existierten in den USA ĂŒber 400 in 27 Bundesstaaten.[84]Davon befinden sich allein 54 in Kalifornien, 73 in Oklahoma, wo ein deutlicher Siedlungsschwerpunkt der US-Indianer liegt, weitere 115 befinden sich in den nördlichsten Bundesstaaten entlang der kanadischen Grenze. Insgesamt beschĂ€ftigen die nordamerikanischen Kasinos rund eine halbe Million Menschen und setzten 2005 rund 20 Milliarden Dollar um.

Medien

In Kanada und den USA bieten Fernseh- und Radiostationen Sendezeiten in den lokalen Indianersprachen, besonders wichtig ist inzwischen allerdings das Internet geworden.[85] Erste eigene Fernsehsender entstanden in den USA, wie die North West Indian News (NWIN)[86] oder das Aboriginal Peoples Television Network.[87] Seit Ende 2009 strahlt auch der erste Fernsehsender in Ecuador ein Programm aus, das in Quechua angeboten wird.[88]

Bildung

Dr. Susan La Flesche Picotte († 1915), war die erste Indianerin in den USA, die einen Doktortitel (Dr. med.) erwarb.

Der Zugang zum Arbeitsmarkt hĂ€ngt von der Art der Ausbildung, dem Zugang zu Bildung und der Erreichbarkeit der ArbeitsstĂ€tten ab. Die lĂ€ndlich lebenden Indigenen stehen dabei erheblichen Problemen gegenĂŒber.

Nachdem die Internatssysteme in den englischsprachigen Staaten des Nordens seit den 1960er Jahren aufgelöst worden waren, ĂŒbernahmen vielfach indianische Gruppen selbst die Schulen. Gerade fĂŒr die oftmals sehr lĂ€ndlichen Reservate ist die Anbindung an das Internet dabei inzwischen von großer Bedeutung.

AuffĂ€llig ist, dass der Anteil der SchĂŒler, die einen höheren Bildungsabschluss erreichen, im Vergleich zur ĂŒbrigen Bevölkerung erheblich niedriger ist. So erlangten nach einem Regierungsbericht Kanadas nur rund 27 % der 15- bis 44-JĂ€hrigen ein sogenanntes post-secondary certificate, diploma oder degree, ein Anteil, der ansonsten bei 46 % liegt.[89] Dabei wird der Übergang zu höherer Bildung von bĂŒrokratischen HĂŒrden, und vielfach von den großen Entfernungen bis zur BildungsstĂ€tte behindert. In Lateinamerika ist die Situation der lĂ€ndlichen Gegenden in dieser Hinsicht noch ungĂŒnstiger, zumal wenn sie, wie in den Anden, sehr isoliert sind. Zudem ist die Art der Ausbildung und Bildung, wie sie von den StĂ€dten ausgeht, nur bedingt auf lĂ€ndliche oder gar indianisch-traditionelle Lebensweisen ĂŒbertragbar. Hinzu kommt, dass die Bildungssprachen zugleich die Kolonialsprachen sind.

FĂŒr die universitĂ€re Ausbildung sorgt in Kanada seit 2003 eine nationale First-Nations-UniversitĂ€t in Regina, in Saskatchewan. Daneben unterrichten zahlreiche Colleges verschiedene Aspekte der indigenen Kulturen, viele arbeiten mit Forschungsinstituten, Museen, UniversitĂ€ten und privaten Unternehmen, vor allem im archĂ€ologischen Bereich zusammen.

Schon die einfachste Erfassung von Aussagen ĂŒber Bildung, wie bei der Frage der LesefĂ€higkeit, bereitet enorme methodologische Probleme. Dennoch verkĂŒndete der bolivianische PrĂ€sident Evo Morales Ende 2008, in seinem Land hĂ€tten 820.000 Menschen binnen drei Jahren lesen gelernt. Damit sei die von der UNO vorgegebene Marke von mehr als 96 % LesefĂ€higkeit erreicht worden, und Bolivien damit frei von Analphabetismus.

Seit 1994 wird in Bolivien interkulturell und zweisprachig unterrichtet,[90] Anfang 2007 erhielten rund 1,2 Millionen SchĂŒler staatliche Hilfen. In Gesellschaften mit extrem unterschiedlichen kulturellen Gruppen erweist sich dabei die Zielvorstellung einer bloßen Alphabetisierung als zu einseitig an bereits in das weltwirtschaftliche GefĂŒge ausgerichteten BedĂŒrfnissen orientiert. Die Diskussion um die kulturell angemessene und von den Gruppen selbst bestimmten Bildungswege, -mittel- und -inhalte steht auf staatlicher Ebene erst am Anfang.

Siehe auch

Quellen

Literatur

  • Werner Arens, Hans-Martin Braun: Die Indianer Nordamerikas. Geschichte, Kultur, Religion. C. H. Beck, 2004 ISBN 3406508308.
  • Urs Bitterli: Die 'Wilden' und die 'Zivilisierten'. GrundzĂŒge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europĂ€isch-ĂŒberseeischen Begegnung. C. H. Beck, MĂŒnchen 2004 (Erstauflage: 1976), ISBN 3-406-35583-8.
  • Patricia Roberts Clark: Tribal names of the Americas. Spelling variants and alternative forms, cross-referenced, McFarland, 2009, ISBN 0-7864-3833-9 (fĂŒr Nord-, Mittel- und SĂŒdamerika)
  • Lothar DrĂ€ger, Rolf Krusche, Klaus Hoffmann: Indianer Nordamerikas. Ausstellungskatalog, Karl-May-Museum Radebeul (Hrsg.), MĂŒnchen 1992, ISBN 3874905144.
  • Brian M. Fagan: Ancient North America. Thames and Hudson Ltd, London and New York 1991, ISBN 0-500-27606-4 (auch deutsch: Das frĂŒhe Nordamerika – ArchĂ€ologie eines Kontinents. Übersetzt von Wolfgang MĂŒller, Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-406-37245-7.)
  • Hazel W. Hertzberg: The Search for an American Indian Identity. Modern Pan-Indian Movements, Syracuse University Press, 1971.
  • Alvin M. Josephy (Hrsg.): Amerika 1492. Die Indianervölker vor der Entdeckung. S. Fischer, Frankfurt 1992, ISBN 3-10-036712-X.
  • Susanne von Karstedt: Akteure, Ideologien, Instrumente: GrundzĂŒge der US-amerikanischen und argentinischen Indianerpolitik (1853–1899) im Vergleich. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2006.
  • Charles C. Mann: 1491: New Revelations of the Americans Before Columbus. Vintage Books, New York 2005, ISBN 140004006X.[91]
  • Steven T. Newcomb: Pagans in the Promised Land: Decoding the Doctrine of Christian Discovery. Fulcrum Publishing, 2008.[92]
  • Heinzgerd Rickert: Das Bild des Indianers in Europa. Bochum 2006, 64 S., ISBN 9783899662320.
  • GĂŒnter Stoll, RĂŒdiger Vaas: Spurensuche im Indianerland. Hirzel, Stuttgart 2001.
  • Smithsonian Institution (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Washington D.C., seit 1978.
  • Robert Wauchope (Hrsg.): Handbook of Middle American Indians. University of Texas Press, 1964–1976, 16 BĂ€nde.[93]

Weblinks

 Commons: Indianer â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Indianer â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Indianer â€“ Quellen und Volltexte

Anmerkungen

  1. ↑ In der Daisy Cave, im Norden der kalifornischen Channel Islands, fanden sich u. a. Überreste aus der Zeit um ca. 10300-9100 v. Chr. (Torben C. Rick, Jon M. Erlandson, Rene L. Vellanoweth: Paleocoastal Marine Fishing on the Pacific Coast of the Americas: Perspectives from Daisy Cave, California, in: American Antiquity 66/4 (2001) 595-614).
  2. ↑ Jeder von uns „comes from a people who has also had the experience of facing the forces of colonization by outsiders and has been subjected to attempts at physical and cultural genocide. Each knows the pressure to assimilate to other cultural patterns, and the pain of loss that has been handed down across the generations of people since contact 
 So it is that coming from such diverse cultures, we can join together to say, we are one.“ (Gail Tremblay bei einer Ausstellung zur Gegenwartskunst, We Are Many, We Are One, hrsgg. v. Jaune Quick-to-SeeSmith, 1997.)
  3. ↑ Juliana Ströbele-Gregor: Indigene Emanzipations-Bewegungen in Lateinamerika, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 51-52/2006 (Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung).
  4. ↑ Zur Identifizierung der EinzelstĂ€mme vgl. Indian Reservations in the Continental United States. Zum Stand der LandansprĂŒche (1978) vgl. Indian Land Areas Judicially Established 1978
  5. ↑ Vgl. Seth Garfield: Indigenous Struggle at the Heart of Brazil. State Policy, Frontier Expansion, and the Xavante Indians, 1937-1988, Duke University Press, 2001.
  6. ↑ Eine Liste der anerkannten StĂ€mme nach Bundesstaaten bietet Federal and State Recognized Tribes, Stand: Dezember 2007.
  7. ↑ Eine Liste findet sich hier: U.S. Federally Non-Recognized Indian Tribes – Index by State.
  8. ↑ Dies und die folgenden Angaben nach CIA World Factbook, Februar 2009
  9. ↑ Vgl. Liste der in Kanada anerkannten IndianerstĂ€mme.
  10. ↑ Die offizielle Liste der US-Reservate ohne Alaska, dazu Stammeslisten und eine Karte, findet sich hier, die Liste der Ureinwohner Alaskas hier.
  11. ↑ Raymond Colitt: Brazil sees traces of more isolated Amazon tribes, Reuters 17. Januar 2007
  12. ↑ Nicht umsonst betitelte John Eliot 1666 seine Indianische Grammatik mit dem Titel: The Indian grammar begun: or an Essay to bring the Indian Language into Rules, For the help of such desires as to Learn the same, for the Furtherance of the Gospel among them, Cambridge 1666. Vgl. Abb. (Archive.org, 13. Mai 2008).
  13. ↑ Eine der umfangreichsten Sammlungen von Lehrmaterialien bietet FirstVoices.
  14. ↑ Sistema Nacional de InformaciĂłn EstadĂ­stica y GeogrĂĄfica (SNIEG). AufgeschlĂŒsselt nach Provinzen: PoblaciĂłn hablante de lengua indĂ­gena de 5 y mĂĄs años por entidad federativa segĂșn sexo, 2000 y 2005
  15. ↑ Zur Sprachenverbreitung in Amerika vgl. Johannes Reese: Die Staaten und Territorien der Erde und ihre sprachliche Situation. Amerika
  16. ↑ Einen Eindruck von ĂŒber 800 Sprachen vermittelt Native Languages of the Americas: Preserving and promoting American Indian languages
  17. ↑ 2008 stellte ein Forscherteam fest, dass Teosinte im zentralen Tal des RĂ­o Balsas im SĂŒden Mexikos die Ausgangssorte darstellt. Im dortigen Xihuatoxtla shelter fanden sich 8.700 Jahre alte Spuren von Teosinte und KĂŒrbis (möglicherweise Cucurbita argyrosperma), dazu entsprechende Werkzeuge. Vgl. Dolores R. Piperno, Anthony J. Ranere, Irene Holst, Jose Iriarte und Ruth Dickau: Starch grain and phytolith evidence for early ninth millennium B.P. maize from the Central Balsas River Valley, Mexico, in: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, hgg. v. Jeremy A. Sabloff, University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology, Philadelphia 2009.
  18. ↑ Dazu ausfĂŒhrlich: George Weber: Los Toldos sites (Santa Cruz, Argentina)
  19. ↑ Allgemein zur Besiedlung SĂŒdamerikas: Poblamiento PrehistĂłrico de AmĂ©rica y de Patagonia
  20. ↑ Christine Papp: Die Tehuelche. Ein ethnohistorischer Beitrag zu einer jahrhundertelangen Nichtbegegnung, Diss. Wien 2002, S. 75.
  21. ↑ Berthold Seewald: Deutsche Forscher finden riesige Pyramide in Peru, in: Die Welt, 19. Oktober 2006 und Peru: Ältestes GebĂ€ude SĂŒdamerikas freigelegt.
  22. ↑ Vgl. Horst Pietschmann: Staat und staatliche Entwicklung am Beginn der spanischen Kolonisation Amerikas, MĂŒnster 1980 und Hans-JĂŒrgen Prien: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978
  23. ↑ Einen zusammenfassenden Überblick bietet Massimo Livi Bacci: Conquista: La distruzione degli indios americani, Bologna 2005.
  24. ↑ CortĂ©s, HernĂĄn: Die Eroberung Mexicos. Drei Berichte an Kaiser Karl V. S. 85
  25. ↑ Zur umfassenden Traumatisierung und zu HeilungsansĂ€tzen vgl. Cynthia C. Wesley-Esquimaux und Magdalena Smolewski: Historic Trauma and Aboriginal Healing, The Aboriginal Healing Foundation Research Series 2004, ISBN 0-9733976-9-1.
  26. ↑ Dieser Versuch ist immer wieder Gegenstand vor allem außerwissenschaftlicher Diskussion. Hierzu Ă€ußerten sich etwa Thomas Brown: Did the U.S. Army Distribute Smallpox Blankets to Indians? Fabrication and Falsification in Ward Churchill’s Genocide Rhetoric, in: plagiary 1/9 (2006) 1-30 oder [Guenter Lewy: Were American Indians the Victims of Genocide?, History News Network, 22. November 2004]. Vgl. auch Peter d'Errico: Jeffrey Amherst and Smallpox Blankets, University of Massachusetts 2007
  27. ↑ Zur Debatte ĂŒber die Völkermordfrage vgl. Guenter Lewy: Were American Indians the Victims of Genocide?, History News Network, 22. November 2004.
  28. ↑ Dies soll keineswegs den BefĂŒrwortern einer Relativierung der Shoa, bzw. des Holocausts eine Handhabe zu neuer Schuldzuweisung geben. Bedauerlicherweise geschieht dies schon, wenn auch ohne diese Absicht, durch Publikationen wie David E. Stannard: American Holocaust: The Conquest of the New World, Oxford University Press 1993 oder Russell Thornton: American Indian Holocaust and Survival: A Population History Since 1492, University of Oklahoma Press 1987, die wohl eher den Blick fĂŒr die Bedeutung der indianischen Verluste schĂ€rfen wollten, und sie dazu mit der Vernichtung der europĂ€ischen Juden verglichen. Explizit tut dies Lilian Friedberg in Dare to Compare: Americanizing the Holocaust, in: American Indian Quarterly 24.3 (2000) 353-380 (online).
  29. ↑ Zur Rolle der Kirche vgl. Hans-JĂŒrgen Prien: Die Geschichte des Christentums in Lateinamerika, Göttingen 1978.
  30. ↑ Johannes Winter / AndrĂ© Scharmanski: Sind die Andenstaaten unregierbar? Ursachen der politischen Krise in Bolivien, Ecuador und Peru, in: Zeitschrift Entwicklungspolitik 14 (2005) 30–34, hier: S. 30
  31. ↑ Der Zorn des Urwalds , SĂŒddeutsche Zeitung, 13. Juni 2009.
  32. ↑ Up to 250 Indigenous Peruvians Killed in Bagua, Says Leader Miguel Palacin , in: groundreport, 11. Juni 2009.
  33. ↑ Nach Eskalation in Bolivien: Morales stoppt umstrittenen Straßenbau im Amazonasgebiet, in: Stern, 27. September 2011.
  34. ↑ The Indians of Raposa–Serra do Sol, Website von Survival International
  35. ↑ SĂŒddeutsche Zeitung, Nr. 67, 21./22. MĂ€rz 2009, S. 8.
  36. ↑ TremembĂ© de Almofala
  37. ↑ Überwachung des eigenen Territoriums, in: SĂŒddeutsche Zeitung, 28. Juli 2009
  38. ↑ Tribe teams with Google to make stand in Amazon, in: San Francisco Chronicle, 18. Oktober 2009.
  39. ↑ David M. Kinchen: REPORT: Indigenous peoples in Brazil Harassed, Threatened, 18. April 2008
  40. ↑ 2010 reiste er nach Brasilien, um sich gegen die Umsiedlung von 12.000 Bewohnern und die Zerstörung ihrer Kultur einzusetzen. James Cameron, in real life, fights to save indigenous groups from massive dam construction in Brazil , in: Mongabay, 1. April 2010 und Tribes of Amazon Find an Ally Out of ‘Avatar’, in: New York Times, 10. April 2010
  41. ↑ Lulas Dampfwalze, in: Die Tageszeitung, 29. Dezember 2009
  42. ↑ Vgl. Ancient civilisations in Mexico developed a writing system as early as 900 BC, new evidence suggests, BBC 14. September 2006 und Ältestes SchriftstĂŒck Amerikas entdeckt, Spiegel Online 15. September 2006. Bereits 2002 war ein Zylinder mit Schriftzeichen von etwa 650 v. Chr. aufgetaucht ('Earliest American writing' unearthed, BBC 5. Dezember 2002).
  43. ↑ Zur anglokanadischen Literatur: Daniel David Moses/Terry Goldie: An Anthology of Canadian Native Literature in English, Don Mills:: Oxford University Press 1992. Eher fĂŒr wissenschaftliche BedĂŒrfnisse konzipiert: Penny Petrone: First People First Voices, University of Toronto Press 1984, ISBN 9780802065629. Übergreifend: American Indian Literature: an Anthology, hgg. v. Alan R. Vellie, Norman, Oklahoma: University of Oklahoma Press 1991. Blue Dawn, Red Earth: New Native American Storytellers, hgg. v. Clifford Trafzer, New York: Doubleday 1996. DarĂŒber hinaus bietet die Internet Public Library eine eigene Abteilung Native American Authors.
  44. ↑ Der Codex lĂ€sst sich als Förstemann- bzw. Kingsboroughversion von hier herunterladen.
  45. ↑ Stanley Guenter: The Tomb of K’inich Janaab Pakal: The Temple of the Inscriptions at Palenque (PDF, 4,4 MB).
  46. ↑ Nach (PDF, 36,3 MB) Kommentar von Eduard Seler
  47. ↑ Vgl. dazu Antje Gunsenheimer: Geschichtstradierung in den yukatekischen Chilam Balam-BĂŒchern. Eine Analyse der Herkunft und Entwicklung ausgewĂ€hlter historischer Berichte, Diss. Bonn 2002.
  48. ↑ Conrado Gilberto Cabrera Quintero: La creación del imaginario del indio en la literatura mexicana del siglo XIX, 2005
  49. ↑ Es liegt in der Biblioteca Nacional in Madrid. Zum Manuskript (PDF, 42,5 MB): Sabine Dedenbach-Salazar SĂĄenz: Die Stimmen von HuarochirĂ­. Indianische Quechua-Überlieferungen aus der Kolonialzeit zwischen MĂŒndlichkeit und Schriftlichkeit: Eine Analyse ihres Diskurses, Habilitationsschrift, Shaker Verlag: Aachen 2003 (CD-ROM), ISBN 3-8322-2154-9
  50. ↑ Eine englische Übersetzung liefert Clements Markham. Deutsch erschienen unter Ollanta. Ein Inka-Schauspiel Edition Viktoria 2007, ISBN 978-3-902591-00-5
  51. ↑ Ricardo Valderrama FernĂĄndez und Carmen Escalante GutiĂ©rrez: Gregorio Condori Mamani – AutobiografĂ­a, Centro BartolomĂ© de las Casas: Cuzco 1982. Dazu Nora Valeska Gores: Das hispanoamerikanische testimonio in der Kritik. Untersucht am Beispiel Gregorio Condori Mamani Autobiografia und Canto de Sirena, Magisterarbeit, Berlin 2007.
  52. ↑ Vgl. Morrisseau, 'Picasso of the North,' dead at 75. Ich folge im Weiteren weitgehend Joan M. Vastokas: Native Art, in: The Canadian Encyclopedia und Janet Catherine Berlo /Ruth B. Phillips: Oxford History of Art: Native North American Art, New York: Oxford University Press 1998.
  53. ↑ Women in History: Edmonia Lewis. Eine Abbildung des Grant-Portraits findet sich hier.
  54. ↑ Sarah McAnulty: Angel DeCora: American Artist and Educator, zuerst in: Nebraska History 57/2 (1976) 143-199.
  55. ↑ Die FĂŒnf waren James Auchiah (1906–1974), Spencer Asah (1905–1954), Jack Hokeah (1902–1969), Stephen Mopope (1898–1974) und Monroe Tsatoke (1904–1937).
  56. ↑ The Jacobson House. Native Art Center: About The Kiowa Five
  57. ↑ Dies und das Folgende nach der Encyclopedia of Music in Canada, Abschnitte First Nations Research, 1900–80 und 1980–90.
  58. ↑ Ein Beispiel fĂŒr die Musik und den Tanz sowie die Sprache der Mi'kmaq (Sprecher: Joel Denny).
  59. ↑ La musique chez les peuples indigenes de l'Amerique du Nord (Etats Unis et Canada), Paris 1911.
  60. ↑ Ein Beispiel fĂŒr die Musik und den Gesang der Cree, August 2008.
  61. ↑ Robert Witmer: The Musical Life of the Blood Indians, Ottawa 1982
  62. ↑ Alden J. Mason: Notes on the Indians of the Great Slave Lake area, New Haven 1946.
  63. ↑ Wendy Bross Stuart: Gambling Music of the Coast Salish Indians, Vancouver 1972. Der Ansatz von Herman Karl Haeberlin bei den Washingtoner KĂŒsten-Salish wurde durch seinen frĂŒhen Tod zunichte gemacht (vgl. Herman Karl Haeberlin/Helen Roberts: Songs of the Puget Sound Salish, in: Journal of American Folklore 31 (1928) 496–520).
  64. ↑ Wendy Wickwire; Theories of ethnomusicology and the North American Indian: retrospective and critique, in: Canadian University Music Review 6 (1995) 186-221.
  65. ↑ 2004 stellte das Princeton University Museum eine Website zur VerfĂŒgung, die es erlaubt, einzelne Instrumente anzuhören.
  66. ↑ Musikbeispiele aus ganz Amerika liefert die Website des Smithsonian Institution, Smithsonian Global Sound From the Andes to the Arctic. Explore American Indian Heritage through Music
  67. ↑ Vgl. dazu Horst GrĂŒnder: Christliche Heilsbotschaft und weltliche Macht. Studien zum VerhĂ€ltnis von Mission und Kolonialismus, LIT Verlag Berlin-Hamburg-MĂŒnster 2004, Kapitel Conquista und Mission.
  68. ↑ Jesaja 49,22: haec dicit Dominus Deus ecce levo ad gentes „manum meam et ad populos exaltabo signum meum“ et adferent filios tuos in ulnis et filias tuas super umeros portabunt – So spricht der Herr Gott: Seht, zu den StĂ€mmen hebe ich meine Hand, zu den Völkern hin errichte ich mein Zeichen. Sie bringen ihre Söhne im Gewande herbei und tragen deine Töchter auf der Schulter.
  69. ↑ Una Mirada al Pasado. María Uicab – La Santa Patrona de Tulum, Archivo General del Estado de Quintana Roo
  70. ↑ Kenneth E. Kidd: Birch-Bark Scrolls in Archaeological Contexts, in: American Antiquity 30/4 (1965) 480-483.
  71. ↑ So berichtete etwa Die Presse: Papst-Rede „beleidigend und beĂ€ngstigend“.
  72. ↑ Website INAC
  73. ↑ Website des BIA
  74. ↑ "Coyote – Indianische Gegenwart" Nr. 81, FrĂŒhjahr 2009, Seite 6
  75. ↑ Gangs in Indian Country, in: Daily Yonder, 17. September 2009
  76. ↑ Website der CDI
  77. ↑ Fundação Nacional do Índio
  78. ↑ Die Seite des Justizministeriums findet sich hier: Legislação Indigenista Brasileira e Normas Correlatas. Eine Karte der Indiogebiete findet sich hier (PDF, 6,4 MB).
  79. ↑ Die Website findet sich in fĂŒnf Sprachen, nĂ€mlich auf Spanisch, auf Englisch, auf Portugiesisch, Französisch und entsteht gerade auf NiederlĂ€ndisch.
  80. ↑ Peru Congress passes consultation law unanimously, Reuters, 24. August 2011.
  81. ↑ So kam es etwa um den Hummerfang der Burnt Church First Nation im Osten Kanadas zu einem zweijĂ€hrigen Konflikt.
  82. ↑ Vgl. Christine Fuchs: Attacke der KĂ€fer, Bericht des ZDF-Auslandsjournals vom 13. September 2007.
  83. ↑ In QuĂ©bec, in Neuschottland und auf Prince Edward Island gibt es noch keines, in British Columbia eins, in Alberta zwei, Manitoba drei, in Saskatchewan sechs, in Ontario zwei und in Neubraunschweig drei. (Stand: August 2008)
  84. ↑ Indian Gaming. S. a. National Indian Gaming Commission
  85. ↑ Listen dazu bieten Index of Native American Media Resources on the Internet oder Native Media
  86. ↑ Website der NWIN
  87. ↑ S. Website des Aboriginal Peoples Television Network.
  88. ↑ Quechua language TV hits the airwaves in Ecuador, in: Indian Country Today, 4. Dezember 2009
  89. ↑ Das ergab sich in der Parlamentsdebatte vom 18. Juni 2007.
  90. ↑ Bolivien liest!
  91. ↑ Rezension von Jörg Blech: ETHNOLOGIE. Dreckige Eroberer. In: Der Spiegel, Nr. 42/2005, 17. Oktober 2005 auf Spiegel Online.
  92. ↑ Vgl. Jessica Lee: Decoding Our Minds: An Interview with Steven T. Newcomb. In: The Independent, 25. April 2008.
  93. ↑ Rezension von Joyce Marcus, Ronald Spores: The Handbook of Middle American Indians: A Retrospective Look. In: American Anthropologist, New Series 80,1, MĂ€rz 1978, 85–100.

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   Pierer's Universal-Lexikon

  • Indianer — (hierzu die Tafeln »Indianische Kultur I III«, mit Textblatt), die Ureinwohner Amerikas, so von den spanischen Entdeckern genannt, welche die Neue Welt fĂŒr einen Teil In diens ansahen. Der neuerdings fĂŒr sie vorgeschlagene Name »Amerind«,… 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Indianer [2] — Indianer, Gebiet der freien, s. Indian Territory 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • Indianer [3] — Indianer, kleines Sternbild am sĂŒdlichen Himmel; besteht aus 12 Sternen von 4. – 6. GrĂ¶ĂŸe, steht zwischen dem SchĂŒtzen u. dem Pfau, Kranich u. Altar u. reicht mit den FĂŒĂŸen bis in den antarktischen Polarkreis 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • Indianer — Indianer, gewöhnlich gebrauchter Name fĂŒr die Ureinwohner Amerikas, die braunrothe Menschenrace; charakteristische Merkmale derselben sind: kupferbraune Farbe, schlichtes, schwarzes Haar, breites Gesicht, hinten eingedrĂŒckte Stirne; der Körperbau 
   Herders Conversations-Lexikon

  • Indianer(in) — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] 
   Deutsch Wörterbuch

  • Indianer — [Network (Rating 5600 9600)] Auch: ‱ Indisch ‱ indischer ‱ indische ‱ indisches ‱ Inder ‱ 
   Deutsch Wörterbuch

  • Indianer — In|di|a|ner 〈m. 3âŒȘ Ureinwohner von Amerika (außer den Eskimos); →a. Indio * * * In|di|a|ner , der; s, [nach lat. Indianus, eigtl. = indisch]: 1. [Ureinwohner Amerikas; so benannt aufgrund des MissverstĂ€ndnisses von Kolumbus, der glaubte, in… 
   Universal-Lexikon

  • Indianer — 1. Holzkeule der Tsimschian. 2. Kriegstanzflöte der Sioux. 3. Pfeife der Schwarzfuß Indianer. 4. Pfeil der Apatschen, Neumexiko. 5. Ballkelle der Tschokta. 6. Stumpfer Pfeil der Apatschen. 7. Steinerner Tomahawk. 8. Bogen der Apatschen. 9.… 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Indianer — der Indianer, (Aufbaustufe) Ureinwohner Amerikas Beispiele: In Peru kann man noch heute Indianer treffen. Die Indianer waren JĂ€ger und Sammler 
   Extremes Deutsch


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