Informationsgesellschaft


Informationsgesellschaft

Der Begriff Informationsgesellschaft bezeichnet eine auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) basierende Gesellschaft. Der Prozess der Durchdringung aller Lebensbereiche mit IKT, durch den sich eine postindustrielle oder postmoderne Informationsgesellschaft bildet, wird als Informatisierung bezeichnet (Nora/Minc 1979). Der Begriff Informationsgesellschaft ist nicht starr definiert und wird oft mit dem Begriff der Wissensgesellschaft zusammen verwendet. Ob wir uns heute in einer Informations- oder Wissengesellschaft oder beiden befinden ist nicht allgemein klar. Die beiden Begriffe werden häufig synonym verwendet.

Je nach Schwerpunkt können verschiedene Formen der Informationsgesellschaft unterschieden werden:

  • Informationsökonomiegesellschaft - Betonung der wirtschaftlichen Veränderungen, z. B. Herausbildung eines „quartären“ Sektors in der Drei-Sektoren-Hypothese
  • Informationstechnologiegesellschaft - IuK-Technologien als wesentlicher Faktor der wirtschaftlichen (und gesellschaftlichen) Entwicklung
  • Informationsbenutzungsgesellschaft - Betonung des Nutzungsaspekts und der Bedeutung für die Menschen in einer Informationsgesellschaft; auch „informierte Gesellschaft“ (Steinbuch 1966), „informationsbewusster Gesellschaft“ (Wersig 1973)

Kennzeichnend ist neben der Durchdringung mit IKT die Veränderung der Produktionsformen durch Entstehung neuartiger Branchen und Gewerke, die schließlich unter dem Begriff Informationsökonomie zusammengefasst werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Der amerikanische Wissenschaftler Norbert Wiener prognostizierte die Entstehung einer „Informationsgesellschaft“. Ebenfalls zu erwähnen sind hier Pierre Teilhard de Chardin und sein Buch Mensch im Kosmos aus den 1920er Jahren, in dem er eine Vernetzung der Menschen und die Wandlung der Erde von einer Biosphäre in eine Soziosphäre prognostiziert. Die Erde verwandele sich demnach von einem Biotop in ein denkendes Wesen. De Chardin beschreibt das Ziel unserer Evolution mit Hilfe der Technik als das Zusammenwachsen der Einzelwesen zu einem großen Gemein-Wesen, die er als Noosphäre bezeichnet.

Die engeren Vorläufer des Leitbilds wurden in den 1960er Jahren entwickelt, als ein Wandel in der Beschäftigungsstruktur der industrialisierten Staaten bemerkt wurde, der zunächst als Dienstleistungsgesellschaft bezeichnet wurde. Zu diesen Vorläuferbegriffen gehört die Informierte Gesellschaft (Steinbuch 1968, Haefner 1980 u.a.) und die Postindustrielle Gesellschaft (Bell 1973). In Japan wurde der gesellschaftliche Wandel hin zur Informationsgesellschaft bereits sehr früh erkannt. So taucht der Begriff „Informationsgesellschaft“ dort bereits 1963 in der Stufentheorie des Tadao Umesao auf.

Der Begriff der Informationsgesellschaft wurde in den 1980er Jahren aus einem Teilbereich dieses tertiären Dienstleistungssektors ausdifferenziert, der nicht direkt zum Bruttosozialprodukt beitrug und mehr oder minder mit der Verarbeitung von Information zu tun hatte; diese Veränderungen werden auch als zweite industrielle Revolution oder kommunikative Revolution (Wersig 1985) bezeichnet.

Die Vision der Informationsgesellschaft wurde vor allem während der 1990er Jahre im Rahmen der Diskussion um die Information Highways thematisiert. In der öffentlichen Diskussion weiter diskreditiert wurde der Begriff im Zuge des „Platzens“ der so genannten Internet-Blase der New Economy. Auf politischer Ebene wurde insbesondere John Perry Barlows Adaption der "Frontier"-Metapher auf das Internet kontrovers diskutiert. In Europa wurde der Begriff der Freiheitlichen Informationsinfrastruktur als techno-liberale Vision zur politischen Kommunikation der Frontier-Metapher entgegengesetzt.

Im Zusammenhang mit der Digitale-Kluft-Hypothese fordert Rademacher einen Marshallplan der Informationsgesellschaft.

Zu den Merkmalen der Informationsgesellschaft zählt u.a. die Informationsexplosion.

Der Wissenschaftstheoretiker Helmut F. Spinner bezeichnet die Informationsgesellschaft als Vorstufe oder Degenerationsform der Wissensgesellschaft [1] [2], wobei Spinner allerdings einen anderen Informationsbegriff verwendet als sonst.

Komplexität

Viele Autoren der Gegenwart wie Ulrich Beck, Jürgen Habermas, Jean-François Lyotard und Anthony Giddens betrachten Komplexität als ein wesentliches Merkmal unserer Informationsgesellschaft; die Komplexität führt zu Ungewissheit, daraus ergibt sich ein Gefühl der Überforderung. Als Lösung dieses Dilemmas liegt es nahe zu versuchen, die Komplexität und damit auch die Ungewissheit zu verringern. Genau dies leistet Information: „Information ist die Verringerung von Ungewissheit“ (Wersig 1971). Zur Bewältigung der Welt ist also eine Komplexitätsreduktionsgesellschaft bzw. Informationsgesellschaft anzustreben.

Bewährte Hilfsmittel der Komplexitätsreduktion sind beispielsweise:

Hilfsmittel zur Reduktion der Handlungskomplexität sind beispielsweise:

  • Weiterentwicklung unserer Sinne,
  • Weiterentwicklung des Konzepts des Management.

Hilfsmittel zur Reduktion der Wissenskomplexität sind beispielsweise:

  • Nutzung von Bildern und bildhaften Präsentationen als synoptische Präsentationen;
  • Nutzung von erzählenden Formen;
  • Nutzung von nicht-linearer und individualisierbarer Hypermedialität;
  • Nutzung von Agenten.

Rechtliche Säulen der Informationsgesellschaft

Kloepfer benennt als Säulen der Informationsgesellschaft die klassischen Kommunikationsgrundrechte (Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit u. a.), die Informationszugangsfreiheit, den Datenschutz, den Geheimschutz und die zivilrechtlichen Informationsausschließlichkeitsrechte (Recht am eigenen Bild, Urheberrechte usw.).[3]

Siehe auch

Literatur

  • Daniel Bell: The coming of post-industrial society. A venture in social forecasting. NY: Basic Books, New York 1973.
  • Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.): Info 2000: Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft. Bonn 1996.
  • Andreas Borrmann, Rainer Gerdzen: Kulturtechniken der Informationsgesellschaft. 1996.
  • Bill Gates: Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft. München 1997.
  • Sybille Krämer: Medien, Computer, Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien. 1998.
  • Leon R. Tsvasman (Hrsg.): Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte. Würzburg 2006.
  • Peter A. Bruck, Guntram Geser: Schulen auf dem Weg in die Informationsgesellschaft. 2000.
  • Gerhard Knorz, Rainer Kuhlen: Informationskompetenz - Basiskompetenz in der Informationsgesellschaft. Konstanz 2000.
  • Helmut Krcmar: Informationsmanagement. Springer, Berlin usw 2003.
  • Karsten Kruschel: Die abgewickelte Informationsgesellschaft. Von digitalem Schwund, Anti-Wissen und den Mühlen der Entfindung. In: Sascha Mamczak, Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2005. München 2005, ISBN 3-453-52068-8, S. 588–606.
  • Elmar Altvater u.a.: Die sogenannte Informationsgesellschaft. Neue Informations- und Kommunikationstechniken als Instrument konservativer Gesellschaftsveränderung. In: Arbeit 2000. Hamburg 1985, S. 76-109.
  • Herbert Kubicek, Arno Rolf: Mikropolis. Mit Computernetzen in die "Informationsgesellschaft". Hamburg 1995.
  • Armand Mattelart: Kleine Geschichte der Informationsgesellschaft. Avinus-Verlag, 2003, ISBN 3-930064-10-3.
  • Nicholas Negroponte: Total digital. Die Welt zwischen 0 und 1 oder die Zukunft der Kommunikation. München 1997.
  • Theodore Roszak: Der Verlust des Denkens. Über die Mythen des Computer-Zeitalters. München 1986.
  • Gernot Wersig: Die Komplexität der Informationsgesellschaft. Konstanz 1996, ISBN 3-87940-573-5.
  • Manuel Castells: Das Informationszeitalter. (3 Bände; Kurzrezension).

Zeitschriftenartikel, akademische Schriften

Weblinks

Fußnoten

  1. [1]
  2. [2]
  3. Michael Kloepfer: Informationsfreiheit und Verwaltungsverfahren, in: DÖV 2003, S. 223.

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