Ingenieur

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Ingenieur

Ingenieur (Abk.: Ing.) ist die Bezeichnung f√ľr auf technischem Gebiet arbeitende, wissenschaftlich ausgebildete Fachleute. Ingenieure sind in einer von vielen technischen Fachrichtungen ausgebildet und t√§tig. Zum Beispiel geh√∂ren in den technischen Universit√§ten die klassischen Studienf√§cher, sowie in √Ėsterreich zus√§tzlich auch an den H√∂heren technischen Lehranstalten die Fachrichtungen Bauingenieur-, Maschinenbauwesen und Elektrotechnik auch heute noch zu den gr√∂√üten Abteilungen mit den meisten Fachinstituten und mit den meisten Studenten.

In Deutschland ist Ingenieur eine Berufsbezeichnung, die durch Ingenieurgesetze der deutschen Bundesl√§nder √ľber alle Ausbildungswege hinweg gesch√ľtzt ist.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Das lateinische Wort ingenium hei√üt "sinnreiche Erfindung" oder "Scharfsinn". Das davon abstammenden italienische Wort ingegnere (d. h. ‚ÄěZeugmeister‚Äú, ‚ÄěKriegsbaumeister‚Äú) wurde im Mittelalter nur im Zusammenhang mit Kriegstechnik und im Deutschen als ebenso einschr√§nkendes Lehnwort Ingenieur gebraucht. Erst im 17. Jahrhundert bedeutete das franz√∂sische Wort ing√©nieur ‚ÄěFachmann auf technischem Gebiet mit theoretischer Ausbildung‚Äú. Es kam im 18. Jahrhundert von dort erneut als Lehnwort Ingenieur ins Deutsche, jetzt aber in der allgemeineren franz√∂sischen Bedeutung und verdr√§ngte im Laufe des 19. Jahrhunderts auch die im Berg- und Wasserbau √ľbliche Bezeichnung Kunstmeister. [1][2]

Geschichtliche Entwicklung

Den mittellateinischen Titel ingeniarius, der auf die Wartung und den Einsatz milit√§rischer Instrumente (R√ľstungen, Waffen, Gesch√ľtze) bezogen war, trug auch Leonardo da Vinci in der damaligen italienischen Form ingegnier. Unter Sebastien le Pestre de Vauban, dem Festungsbaumeister von Ludwig XIV., bildete sich die √ľber das Milit√§rische hinausgehende, bis heute √ľbliche Bedeutung f√ľr Ingenieur heraus.

Seit dem Drei√üigj√§hrigen Krieg wurde in vielen Heeren Europas eine Gruppe technischer Fachleute rekrutiert und als mehr oder weniger eigenst√§ndige permanente Formation in die Hierarchie der Armee integriert. Es wurden Artillerie- und Ingenieurkorps gebildet.[3] Sp√§ter wurde das Arbeitsgebiet dieser Ingenieure von der Milit√§rtechnik auf das staatliche Zivilbauwesen und den Bergbau erweitert. Die absolutistischen Staaten organisierten eine technische B√ľrokratie sowohl im milit√§rischen als auch im zivilen Staatsdienst. Die Verkn√ľpfung beider Dienste zeigte sich im Fortifikationswesen. Der Festungsbaumeister war Techniker im Krieg und im Frieden. Er hatte befestigte Orte zu erbauen. Im Krieg gab er Hilfestellung bei deren Verteidigung und bei der Eroberung fremder Festungen.

Im deutschsprachigen Raum kommt besonders der Entwicklung in Sachsen eine Pionierrolle zu. August Christoph Graf von Wackerbarth, seit 1702 Chef der Ingenieuroffiziere, l√∂ste diese 1712 aus dem Artilleriecorps heraus und formierte so das erste Ingenieurkorps in Deutschland. Die Ingenieuroffiziere wirkten in Friedenszeiten im Wasserbau einschlie√ülich Melioration, im Wege- und Br√ľckenbau, in der Geod√§sie und Kartographie. Auch waren sie bei der gro√üen Landesvermessung 1780 und in vielen Bereichen der Infrastruktur- und Regionalentwicklung beteiligt. Die Befehlshaber des Ingenieurkorps standen bis 1745 zugleich an der Spitze des zivilen Oberbauamtes. Im Dezember 1743 nahm die Ingenieurakademie zu Dresden, deren Konzeption Jean de Bodt erarbeitet hatte, in der Neust√§dter Kaserne den Lehrbetrieb auf - mit F√§chern wie Mathematik, Festungsbau, Geod√§sie, Geographie, Zivilbaukunst, Mechanik und Maschinenkunde. Die hier erfolgte fr√ľhe Formation eines in der milit√§rischen Organisation eigenst√§ndigen Ingenieurkorps und die Etablierung einer auch wissenschaftliche Inhalte vermittelnden technischen Fachschule waren wesentliche Beitr√§ge sowohl zur Entwicklung des Ingenieurberufs mit gefestigtem Berufsbild als auch der Ingenieurwissenschaften.[3]

In Frankreich gab es 1720 die Gr√ľndung des ersten milit√§rischen Ingenieurkorps f√ľr Stra√üen- und Br√ľckenbau. Die wissenschaftliche Ausbildung der Ingenieure begann an der 1747 in Paris er√∂ffneten zivilen Ingenieurschule, der die √Čcole polytechnique 1794 und die Schule f√ľr Stra√üen- und Br√ľckenbau 1795 (√Čcole Nationale des Ponts et Chauss√©es) folgten.

Im Jahr 1736 wurde in Wien in der heutigen Stiftskaserne die erste Ingenieurschule gegr√ľndet.

Seit dieser Zeit entstanden auch in zahlreichen anderen L√§ndern Ingenieurschulen und sp√§ter auch Technische Hochschulen, die im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts Universit√§ten gleich gestellt wurden (heute Technische Universit√§ten). Im Bereich des heutigen Deutschlands erfolgte die Einf√ľhrung des akademischen Grades Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) zusammen mit dem Dr.-Ing. 1899 an den Technischen Hochschulen Preu√üens auf einen ‚ÄěAllerh√∂chsten Erlass‚Äú des K√∂nigs von Preu√üen anl√§sslich der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule Berlin am 19. Oktober 1899.

In den Folgejahren erfolgte auch in anderen L√§ndern des Deutschen Reiches die Einf√ľhrung des Dipl.-Ing. und Dr.-Ing. an den Technischen Hochschulen:

In den 1970er Jahren wurde in Westdeutschland damit begonnen, an den Ingenieurschulen ein h√∂heres Ma√ü wissenschaftlicher Ausbildung anzubieten. √Ąu√üeres Zeichen war deren Umbenennung in Fachhochschulen. In Ostdeutschland schuf man aus √§hnlichen Gr√ľnden ab 1969 die Ingenieurhochschulen, die nach der Wiedervereinigung ebenfalls Fachhochschulen sind.

Die milit√§rische Ingenieur-Tradition hat bei den Milit√§ringenieuren √ľberlebt. Das sind die auch unter den Sammelbegriff Pioniere fallenden Mineure, Pontoniere und Sappeure.

Berufsbild

Ingenieure sind ‚Äědie geistigen V√§ter Technischer Systeme‚Äú, mit deren Hilfe naturwissenschaftliche Erkenntnisse zum praktischen Nutzen der Menschen angewendet werden. Vorwiegend werden physikalische Erkenntnisse ausgewertet, andere stammen aus der Chemie und der Biologie (einschlie√ülich Medizin). Ein einzelnes System (Ger√§t, Maschine, Bauwerk, Transportmittel, Kommunikationsmittel und viele andere) kann auf Erkenntnissen aller drei Naturwissenschaften beruhen. Sicher ist, dass es sich selten auf nur einen Zweig einer der drei - vorwiegend der Physik - st√ľtzt. Das hat zur Folge, dass sich der einzelne Ingenieur ein breites naturwissenschaftliches Wissen anzueignen hat. Bei der Schaffung komplexer Systeme ist hingegen die Beteiligung mehrerer Fach-Ingenieure und mitunter auch Naturwissenschaftler n√∂tig. Die Fach-Ingenieure bevorzugen ihre oft zwischen den Disziplinen nicht gleiche Fachsprache. Die n√∂tige gemeinschaftliche Arbeit n√∂tigt aber dem einzelnen Ingenieur, sich allen Beteiligten - im Idealfall der Allgemeinheit - auch sprachlich gut verst√§ndlich zu machen. Die Technische Zeichnung wird im Allgemeinen problemlos von allen Beteiligten verstanden.

In der Regel werden bei der Schaffung von Systemen (Produkten) ‚Äď auch bei Einf√ľhrung komplett neuer technischer Anwendungen ‚Äď traditionell vorhandene Methoden und Mittel zur Herstellung verwendet. Der Ingenieur muss die bekannten Herstellungsmethoden, Werkzeuge und Werkstoffe und die f√ľr Teilfunktionen vorhandenen Standardbauelemente beherrschen. Die entsprechende Unterrichtung wird durch Industrie-Praktika unterst√ľtzt, in denen Lernen mit der Hand und vor Ort stattfindet. Wer vor dem Studium ein technisches Handwerk erlernte, hat diese Erfahrung intensiver gemacht.

Die theoretische Unterrichtung der Naturwissenschaften ist auf die Ingenieure zugeschnitten. Zum Beispiel werden Mechanik, Optik und Elektrizitätslehre nicht allgemein sondern als Technische Mechanik, Technische Optik und Elektrotechnik gelehrt. Der Ingenieur gebraucht ebenso wie der Naturwissenschaftler die Mathematik zur Beschreibung und zur quantitativen Bewertung seiner Objekte, und eignet sie sich im Vergleich mit dem Rechnen des Alltags als sogenannte höhere Mathematik an. Der Universitäts-Absolvent wird theoretisch umfangreicher als der Fachhochschul-Ingenieur ausgebildet, was ihn zum Entwicklungsingenieur prädestiniert. Ein Fachhochschulabsolvent hat oft vor seinem Studium ein Handwerk gelernt, was in einer Tätigkeit als Fertigungsingenieur von Vorteil sein kann.

Die traditionelle T√§tigkeit des Ingenieurs in einem industriellen Unternehmen zum Beispiel des Maschinenbaus ist der Entwurf beziehungsweise die Konstruktion des Produkts. Fast eben so lange gibt es den Entwicklungsingenieur (vorwiegend theoretische Vorarbeit zur Konstruktion). Parallel zum √úbergang zur immer intensiveren automatischen Fertigung erh√∂hte sich die Zahl der Fertigungsingenieure. Ein Ausr√ľstungsingenieur arbeitet an der Schnittstelle zwischen den Bereichen der Produktionstechnik, der Instandhaltung und der Prozesstechnik. Die vermehrte industrielle Arbeitsteilung f√ľhrte zu Verkaufs- und Einkaufsingenieuren als Kontaktpersonen zwischen den verkaufenden Zulieferfirmen und den Endproduktherstellern. Verkaufs- oder Marketingingenieure werden auch besch√§ftigt, um den Markt f√ľr das Endprodukt zu bearbeiten.

Ingenieure sind in ihrer Mehrzahl Arbeitnehmer in der Industrie oder bei einer Beh√∂rde. Selbst√§ndige Ingenieure ben√∂tigen Auftraggeber. In Arbeitsverh√§ltnissen haben sie in der Regel keinen Einfluss darauf, welche technische Aufgabe und wie sorgf√§ltig eine solche zu l√∂sen ist. In ung√ľnstigen F√§llen ist zum Beispiel in zu kurzer Zeit ein Produkt mit niedrigeren Herstellungskosten als das bisherige zu schaffen und dabei zu verbergen, dass Funktion und Qualit√§t nicht besser sondern schlechter geworden sein k√∂nnen.

Von Ingenieuren selbst dargestellte Berufsbilder stammen zum Beispiel von Max von Eyth (Hinter Pflug und Schraubstock, 19. Jahrhundert) und Heinz Hossdorf (Das Erlebnis Ingenieur zu sein, 2002[4]).

Der Ingenieur im Bild der √Ėffentlichkeit

Das Ingenieurlied

Die ersten beiden Zeilen des Ingenieurliedes [5] lauten.

Dem Ingenieur ist nichts zu schwere -
Er lacht und spricht: Wenn dieses nicht, so geht doch das!

Es wurde 1871 von Heinrich Seidel, der selbst Ingenieur war und darin seinen Beruf als Lebensmotto darstellte, verfasst.

Die Technik und die Ingenieure als deren Gestalter seien Garanten f√ľr Fortschritt und Frieden. Globales Handeln wurde den Ingenieuren von Seidel schon in der industriellen Gr√ľnderzeit best√§tigt.

Die letzte Strophe lautet:

Die Ingenieure sollen leben!
In ihnen kreist der wahre Geist der allerneusten Zeit!
Dem Fortschritt ist ihr Herz ergeben,
Dem Frieden ist hienieden ihre Kraft und Zeit geweiht!
Der Arbeit Segen fort und fort,
Ihn breitet aus von Ort zu Ort,
Von Land zu Land, von Meer zu Meer -
Der Ingenieur.

Das Ingenieurlied ist somit auch ein Beleg f√ľr die Euphorie, Wissenschaft und Technik w√ľrden die Menschheit in eine Wunderwelt f√ľhren,[6] und f√ľr die daraus resultierende hohe gesellschaftliche Anerkennung des Ingenieurberufs.

Die Euphorie hinsichtlich des technischen Fortschritts nahm erstmals nach dem Ersten Weltkrieg ab, in dem Teile der Welt auch mit Hilfe technischer Mittel zu Menschenschlachth√§usern wurden.[6] Seit etwa einem halben Jahrhundert besteht einerseits gro√ües Misstrauen gegen√ľber technischen Neuerungen und andererseits selbstverst√§ndliche Aneignung der immer zahlreicheren n√ľtzlichen und faszinierenden Produkte, die von Ingenieuren geschaffen werden. Die zunehmende allgemeine Ignoranz in technischen Dingen[6] wirkt sich auch auf den Ingenieur im Bild der √Ėffentlichkeit aus, in deren Augen der immer schon die wirtschaftliche Entwicklung pr√§gende Investor in den Vordergrund ger√ľckt ist.

Daniel D√ľsentrieb

In der deutschen √úbersetzung hat Daniel D√ľsentrieb die erste Zeile des Ingenieurlieds in folgender abgewandelter, etwas schn√∂der Form zum Motto:

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.

Der amerikanische Autor Carl Barks und die √úbersetzerin Erika Fuchs dr√ľcken in dieser Comic-Geschichte ihr eigenes zwiesp√§ltiges Verh√§ltnis zum Ingenieur aus. Barks w√§re gern Erfinder gewesen, Fuchs war mit einem Ingenieur verheiratet, von dem zwar die Abwandlung zu Ingeni√∂r/schw√∂r stammt, der das Ingenieurslied aber in seiner originalen Aussage beherzigte. Die Comic-Figur Daniel D√ľsentrieb trifft insgesamt das zwiesp√§ltige Verhalten der Allgemeinheit zum Ingenieur. Er ist hart arbeitend und zufrieden, auch wenn nicht alle seine genialen Entw√ľrfe gelingen oder die gelungenen angemessen gew√ľrdigt beziehungsweise entlohnt werden. Dem Ingeni√∂r ist nichts zu schw√∂r wurde zum - hintersinnig mit etwas Spott besetzten - gefl√ľgelten Wort. Eine √§hnliche Redewendung lautet:

Wo man ihm ein Rätsel schenkt, steht der Ingenieur und denkt.[7]

Ingenieur und Patent

Als Erfinder wird in Patentschriften h√§ufig ein Ingenieur genannt. Ein einzelner Ingenieur kann sich mit guten oder vielen Erfindungen einen Namen machen. Er ist aber nicht zwangsl√§ufig auch der Inhaber, der den gelegentlichen Erfolg eines erteilten Patents erntet. Das mit einem Patent gesch√ľtzte Recht geh√∂rt dem Arbeitgeber, der seinem angestellten Erfinder nur eine Verg√ľtung zu zahlen hat. Selbst√§ndige Ingenieure, die ber√ľhmt wegen ihrer vielen Patente sind, leisten sich deren Anmelde- und laufenden Kosten bei den Patent√§mtern meistens mehrerer L√§nder nur, weil sie durch wirtschaftlichen Erfolg auf Grund einer einzigen oder weniger Erfindungen dazu in der Lage sind. Beispiele f√ľr selbst√§ndige und wirtschaftlich erfolgreiche Erfinder sind Thomas Alva Edison und Artur Fischer.

Ansichten √ľber Ingenieure

Einige typische Stichproben findet man auf der Spiel-und-Spaß-Seite der VDI nachrichten.[8]

Deutschland

Sozialversicherungspflichtig
beschäftigte Ingenieure
in Deutschland[9]
Jahr Anzahl
1999 637.935
2001 657.491
2003 647.051
2005 639.119
2007 654.358

Der Grad Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) wird durch ein in der Regel f√ľnf Jahre dauerndes Studium an einer Technischen Universit√§t (fr√ľher Technische Hochschule) oder Universit√§t erworben. Das vierj√§hrige Studium an einer Fachhochschule f√ľhrt zum Diplom-Ingenieur (FH)[10] Die vor der Gr√ľndung der Fachhochschulen existierenden Ingenieurschulen f√ľhrten nach minimal drei Jahren zum Ingenieur (grad). Auf Grund des Bologna-Prozesses haben inzwischen viele Hochschulen auch ihre Ingenieurstudieng√§nge auf den Abschluss Bachelor oder Master umgestellt. Die entsprechenden akademischen Grade lauten Bachelor of Engineering (B.Eng.) oder Bachelor of Science (B.Sc.) bzw. Master of Engineering (M.Eng.) oder Master of Science (M.Sc.).

Berufsbezeichnungen und akademische Grade

Die Berufsbezeichnung ‚ÄěIngenieur‚Äú ist in der Bundesrepublik Deutschland seit Anfang der 1970er Jahre durch die Ingenieurgesetze der Bundesl√§nder gesch√ľtzt und wird seither nur an Absolventen entsprechender Bildungseinrichtungen verliehen. Zuvor durften (und d√ľrfen weiterhin) auch Personen ohne eine Ingenieurausbildung, aber mit langj√§hriger einschl√§giger Berufspraxis die Standesbezeichnung ‚ÄěIngenieur‚Äú f√ľhren.

Absolventen fr√ľherer Ingenieurschulen d√ľrfen nach landesrechtlicher Regelung die vormals verliehene staatliche Bezeichnung ‚ÄěIngenieur (grad.)‚Äú (graduierter Ingenieur) f√ľhren oder im Rahmen eines Nachdiplomierungsverfahrens beim f√ľr die zu Grunde liegende Ausbildung zust√§ndigen Kultusminister unter bestimmten Voraussetzungen die staatliche Bezeichnung ‚ÄěDipl.-Ing. (FH)‚Äú tragen. Der Grad ‚ÄěDipl.-Ing. (FH)‚Äú wird seit 1987 von den Fachhochschulen verliehen, die den Ingenieurschulen folgten. Der an Berufsakademien erworbene Abschluss erh√§lt den Klammerzusatz (BA): ‚ÄěDiplom-Ingenieur (BA)‚Äú.

Das Studium an Technischen Universit√§ten (fr√ľher Technischen Hochschulen) wird traditionell immer mit dem Grad ‚ÄěDipl.-Ing.‚Äú - in neuerer Zeit freiwillig mit dem Klammerzusatz (TU) oder (TH) geschrieben zur Unterscheidung vom Dipl.-Ing. (FH) - abgeschlossen.

Nach einer Promotion in den Ingenieurwissenschaften an einer Technischen Universit√§t wird der akademische Grad eines ‚ÄěDoktors der Ingenieurwissenschaften‚ÄĚ (‚ÄěDoktor-Ingenieur‚Äú, ‚ÄěDr.-Ing.‚Äú) verliehen, m√∂glich sind aber auch der ‚ÄěDr. techn.‚Äú bzw. der ‚ÄěDr. mont.‚Äú f√ľr technische bzw. Montanwissenschaften.

Bologna-Prozess

Auf Grund des Bologna-Prozesses haben inzwischen (2010) fast alle Fachhochschulen und die meisten Universitäten auch ihre Ingenieurstudiengänge auf den Abschluss Bachelor oder Master umgestellt. Studenten, die zuvor sich auf einen Diplom-Studiengang eingeschrieben haben, können auch noch ihr Studium mit Diplom abschließen. Die entsprechenden akademischen Grade lauten Bachelor of Engineering (B.Eng.) oder Bachelor of Science (B.Sc.) bzw. Master of Engineering (M.Eng.) oder Master of Science (M.Sc.) ohne Unterschied darauf, an welcher Hochschule das Studium absolviert wurde.

Kammern und Berufsverbände

Die berufsst√§ndischen Angelegenheiten der Ingenieure in Deutschland werden in Selbstverwaltung von den Ingenieurkammern wahrgenommen. Diese haben √∂ffentlich-rechtlichen Status und sind ‚Äď da das Ingenieurrecht in Deutschland grunds√§tzlich L√§ndersache ist ‚Äď auf Ebene der Bundesl√§nder organisiert. Ein ‚ÄěBeratender Ingenieur‚Äú muss bestimmte gesetzlich festgeschriebene Vorgaben erf√ľllen und sich in die ‚ÄěListe der Beratenden Ingenieure‚Äú der Ingenieurkammer seines jeweiligen Bundeslandes eintragen. Die Berufsbezeichnung Beratender Ingenieur f√ľr einen freiberuflich t√§tigen Ingenieur ist landesrechtlich gesch√ľtzt.

Berufsverb√§nde und Ingenieurvereinigungen wie beispielsweise der Akkreditierungsverbund f√ľr Studieng√§nge des Bauwesens (ASBau) stehen der Umstellung auf die neuen Abschl√ľsse kritisch gegen√ľber und zweifeln an, dass das Bachelor-Studium eine ausreichend berufsbef√§higende Ausbildung leistet. Sie sehen in den neuen Abschl√ľssen den Versuch, einen gro√üen Teil der Ausbildung in das Berufsleben zu verlagern.

Als Ingenieurverein hat sich in Deutschland der bereits 1856 gegr√ľndete VDI (Verein Deutscher Ingenieure) seit vielen Jahren erfolgreich etabliert. Mit derzeit rund 140.000 Mitgliedern (Stand Herbst 2011) geh√∂rt er zu den gr√∂√üten technisch-orientierten Vereinen und Verb√§nden weltweit.

Speziell die Interessen weiblicher Ingenieure vertritt der deutsche ingenieurinnenbund e. V. (dib). Mit der Organisation Ingenieure ohne Grenzen gibt es zudem einen Verein, der das weltweite Engagement von Ingenieuren f√ľr humanit√§re Projekte f√∂rdert.

In der DDR erworbene Ingenieur-Grade

Die Ingenieure in der DDR wurden auf drei Niveaustufen ausgebildet:

  1. Ingenieurschulen (Fachschulen)
  2. An Ingenieurhochschulen (IHS)
  3. Technischen Hochschulen, Technischen Universitäten und Universitäten

Ausbildung an Ingenieurschulen (Fachschulen)

Ingenieurszeugnis der DDR, November 1990
sogenannte ‚ÄěNachdiplomierung‚Äú

Als Zugangsvoraussetzung galt der Abschluss der 10. Klasse sowie eine Berufsausbildung. Eine Hochschulzugangsberechtigung in Form eines Abiturs o. √§. war nicht notwendig. Die Regelstudienzeit im Pr√§senzstudium betrug sechs Semester. Das letzte (sechste) Semester verbrachte der Student im Betrieb zur Einarbeitung auf seine zuk√ľnftige Stelle. Das Studium endete mit dem staatlichen Titel Ingenieur (Abk.: ‚ÄěIng.‚Äú). Der Abschluss galt gleichzeitig als fachgebundene Hochschulreife. H√§ufig wurden Facharbeiter mit guten und sehr guten Leistungen vom Betrieb zum Fachschulstudium delegiert. Auch gab es spezielle Sonderstudienformen f√ľr Frauen (Frauensonderstudium), um die Frauenrate in den technischen Berufen anzuheben.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die in der DDR erworbenen oder staatlich anerkannten schulischen, beruflichen und akademischen Abschl√ľsse beziehungsweise Bef√§higungsnachweise neu eingeordnet. Laut Art. 37, Abs. 1 des Einigungsvertrags haben die Fach- und Ingenieurschulabschl√ľsse, dessen Ausbildungsniveau zwischen der Facharbeiter- und Hochschulbildung lag, keine Entsprechung im westdeutschen Bildungssystem. Manche Abschl√ľsse sind gleichwertig dem westdeutscher Ingenieurschulen und Ingenieurakademien bis Anfang der 1970er Jahre. Eine Gleichstellung zu westdeutschen Fachhochschulabschl√ľssen war nicht m√∂glich. Die Gleichwertigkeit zu Fachhochschulabschl√ľssen konnte nur nach dem Erwerb zus√§tzlicher Qualifikationen (Aufbaustudium an einer FH) festgestellt werden.

Auf Dr√§ngen der neuen L√§nder wurde auch eine Regelung zum Erwerb des FH-Diploms aufgrund von Berufserfahrung und ohne Besuch des Aufbaustudienganges vereinbart. Mit dieser Nachdiplomierung wird den Absolventen das Recht einger√§umt, nach Nachweis einer einschl√§gigen dreij√§hrigen Berufst√§tigkeit den Titel Dipl.-Ing. (FH) zu tragen. Da dieser Titel vom Kultusministerium verliehen wird und nicht von einer Hochschule, handelt es sich hierbei um eine staatliche Bezeichnung und nicht um einen akademischen Grad. Dies ist vergleichbar mit der staatlichen Abschlussbezeichnung Dipl.-Ing. (BA) an einer Berufsakademie. Die urspr√ľngliche Stichtagsregelung wurde zwischenzeitlich durch ein Gerichtsurteil f√ľr ung√ľltig erkl√§rt.[11] F√ľr die Nachdiplomierung muss beim Kultusministerium ein kostenpflichtiger Antrag gestellt werden.

Nach der Wende wurden die meisten Ingenieurschulen geschlossen bzw. in Fachschulen zur Ausbildung Staatlich gepr√ľfter Techniker umgewandelt. Einige wurden zu Fachbereichen von Fachhochschulen ausgebaut.

Ausbildung an Ingenieurhochschulen (IHS)

Ab 1969 wurden im Rahmen der 3. Hochschulreform der DDR die Ingenieurhochschulen eingef√ľhrt. Als Zugangsvoraussetzung galt die Berufsausbildung mit Abitur (BmA) oder das Abitur der EOS mit einem Vorpraktikum. Auch bot man f√ľr Interessenten ohne Abitur einj√§hrige Vorkurse zur Erlangung des Teilabiturs direkt an den IHSen an. Die Regelstudienzeit betrug anfangs 3,5 Jahre und wurde sp√§ter auf vier Jahre erh√∂ht. Ein Semester war das gro√üe Industriepraktikum. Das Studium endete mit dem Hochschulgrad Hochschulingenieur (Abk.: ‚ÄěHS-Ing.‚Äú).

Die Ingenieurhochschule war von seiner Aufgabenstellung und vom akademischen Niveau das ostdeutsche Pendant zu den westdeutschen Fachhochschulen. Die Ingenieurhochschule sollte die Ingenieurfachschule ablösen. Aufgrund von Abiturientenmangel scheiterte dieses Vorhaben. Wegen der Verwechslungsgefahr zum Ing. wurde auch der Hochschulgrad HS.-Ing. ab 1977 nicht mehr vergeben. Die verbliebenen Ingenieurhochschulen wurden zu Technischen Hochschulen umgewandelt oder solchen angegliedert, oder sie wurden Ingenieurhochschulen mit Promotionsrecht und dem Abschluss Diplomingenieur.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden (gem√§√ü Einigungsvertrag) die Abschl√ľsse der Ingenieurhochschulen als gleichwertig bzw. niveaugleich westdeutscher FH-Abschl√ľsse eingestuft. Die Absolventen konnten sich ohne Auflagen und Einschr√§nkungen zum akademischen Grad Diplom-Ingenieur (FH) umdiplomieren lassen. Nach der Wende wurden s√§mtliche Ingenieurhochschulen zu Fachhochschulen.

Ausbildung an Technischen Hochschulen, Technischen Universitäten und Universitäten

Zugangsvoraussetzung f√ľr das Ingenieurstudium an einer TH/TU oder Uni war das Abitur. Die Regelstudienzeit betrug f√ľnf Jahre, sp√§ter wurde sie per Ministerbeschluss einheitlich auf vier Jahre begrenzt. Der Abschluss war der akademische Grad Diplomingenieur.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden (gem√§√ü Einigungsvertrag) die Abschl√ľsse an traditionellen Technischen Hochschulen und Universit√§ten als gleichwertig bzw. niveaugleich den Abschl√ľssen der westdeutschen Technischen Hochschulen und Universit√§ten eingestuft. Abschl√ľsse, die an Technischen Hochschulen abgelegt wurden, die aus Ingenieurhochschulen hervorgingen, unterzog man einer Inhaltspr√ľfung. Bei mindestens 9-semestriger Studiendauer wurden sie wie TH- bzw. TU-Abschl√ľsse gewertet. Bei 8-semestriger Studiendauer wurden sie als gleichwertig dem westdeutschen FH-Abschluss eingestuft. Die meisten dieser vormals in Technische Hochschulen umgewandelten Ingenieurhochschulen wurden nach der Wende zu Fachhochschulen. Nur einige wenige erlangten den Status einer TU.

√Ėsterreich

Die technische Ausbildung, die F√ľhrung der Standesbezeichnung Ingenieur und der akademischen Ingenieurgrade, sowie die auf ziviltechnischer und gewerberechtlicher Basis beruhende Berufsbezeichnung Ingenieur sind in √Ėsterreich bundeseinheitlich geregelt.

Ingenieursausbildung im Rahmen des Schulsystems

Im Rahmen des Schulsystems erfolgt die Ingenieursausbildung an den H√∂heren Technischen Lehranstalten (HTL) und den H√∂heren Land- und Forstwirtschaftlichen Lehranstalten (HLFL). Die Ausbildung dauert f√ľnf Jahre (9. bis 13. Schulstufe) und schlie√üt mit der Reife- und Diplompr√ľfung ab.

Die Voraussetzungen um die Standesbezeichnung Ingenieur (Ing.) f√ľhren zu d√ľrfen, sind im Ingenieursgesetz 2006 geregelt. Neben der Reife- und Diplompr√ľfung an einer der oben genannten Ausbildungseinrichtungen muss der Nachweis der Absolvierung einer mindestens dreij√§hrigen fachbezogenen Praxis, welche gehobene Kenntnisse auf jenen Fachgebieten voraussetzt, in denen Reife- und Diplompr√ľfungen abgelegt werden k√∂nnen, erbracht werden (¬ß 2 Z 1 lit. b IngG 2006). Mit diesen Nachweisen kann der Antrag beim Bundesministerium f√ľr Wirtschaft, Familie und Jugend gestellt werden. Nach erfolgreicher Pr√ľfung wird mit einer Urkunde ‚ÄěDas Recht zur F√ľhrung der Standesbezeichnung ‚ÄöIngenieur‚Äė (‚ÄöIng.‚Äė) verliehen.‚Äú

Ohne Reife- und Diplompr√ľfung, jedoch mit nachgewiesenen gleichwertigen Fachkenntnissen, kann das Recht zur F√ľhrung der Standesbezeichnung auch nach sechs Jahren Praxis verliehen werden. Es ist hierzu eine kommissionelle Ingenieurpr√ľfung abzulegen. Die Gleichwertigkeit der Kenntnisse als Pr√ľfungsvoraussetzung wird vom Bundesministerium f√ľr Wirtschaft, Familie und Jugend nach Ma√ügabe der Dinge streng gepr√ľft.

Dar√ľber hinaus gab es w√§hrend einer √úbergangszeit auch die Standesbezeichnung Diplom-HTL-Ingenieur (Dipl.-HTL-Ing.) bzw. Diplom-HLFL-Ingenieur (Dipl.-HLFL-Ing.). Hierf√ľr mussten nach der Reife- und Diplompr√ľfung einer √∂sterreichischen H√∂heren Technischen Lehranstalt oder einer H√∂heren Land- und Forstwirtschaftlichen Lehranstalt eine sechsj√§hrige fachliche Praxis absolviert, eine schriftliche Arbeit abgefasst, sowie eine kommissionelle Pr√ľfung vor Sachverst√§ndigen abgelegt werden. Diese M√∂glichkeit der Nachqualifizierung f√ľr HTL-Ingenieure war als √úbergangsphase nach Einf√ľhrung der Fachhochschulen gedacht und wurde mit der Ingenieurgesetznovelle 2006 per 31. Dezember 2006 wieder abgeschafft.

Universitäten und Fachhochschulen

Die Ingenieursausbildung an Universit√§ten (meist Technischen Universit√§ten) bzw. Fachhochschulen erfolgte bis zur Umsetzung des Bologna-Prozesses durch Diplomstudien, wobei deren Mindeststudiendauer an den Universit√§ten √ľblicherweise 10 Semester und an Fachhochschulen 8 Semester betrug. Den Absolventen von technischen Diplomstudien an Universit√§ten wurde der akademische Grad Diplomingenieur (Abk.: Dipl.-Ing. oder DI) mit 300 ECTS-Leistungspunkten und den Absolventen von technischen Diplomstudien an Fachhochschulen der akademische Grad Diplomingenieur (FH) (Abk.: Dipl.-Ing. (FH) oder DI (FH)) mit 240 ECTS-Leistungspunkten verliehen.

Mit der Umsetzung des Bologna-Prozesses erfolgt die Ingenieursausbildung sowohl an Universit√§ten (meist Technischen Universit√§ten) als auch an Fachhochschulen durch Bachelor- und Masterstudien, wobei f√ľr die Aufnahme eines Masterstudiums ein bereits abgeschlossenes Bachelor- oder Diplomstudium erforderlich sind. Die Studiendauer von technischen Bachelorstudien betr√§gt meist 6 Semester und jene der daran anschlie√üenden Masterstudien √ľblicherweise 4 Semester. Den Absolventen von Bachelorstudien wird der akademische Grad Bachelor of Science (Abk.: B.Sc. oder BSc) mit 180 ECTS-Leistungspunkten und den Absolventen von Masterstudien der akademische Grad Diplomingenieur (Abk.: Dipl.-Ing. oder DI) bzw. Master of Science (Abk.: M.Sc. oder MSc) mit 120 ECTS-Leistungspunkten (d. h. in Summe ebenfalls 300 ECTS-Leistungspunkten) verliehen.

Absolventen von Master-Studieng√§ngen sind f√ľr ein anschlie√üendes Doktoratsstudium zugelassen, wobei sich die Mindeststudiendauer des Doktoratsstudiums um bis zu 2 Semester verl√§ngern kann, falls die Mindeststudiendauer des absolvierten Masterstudiums weniger als 4 Semester betr√§gt.

Das Doktoratsstudium der technischen Wissenschaften, welches nur an Universitäten absolviert werden kann, weist eine Regelstudiendauer von 6 Semester mit insgesamt 180 ECTS-Leistungspunkten auf. Den Absolventen dieses Studiums wird der akademische Grad Doktor der Technischen Wissenschaften (Dr. techn.) verliehen.

Ziviltechniker und Ingenieurb√ľros

Der Zugang und die Aus√ľbung des Berufs des Ziviltechnikers (Architekten und Ingenieurkonsulenten) wird durch das Ziviltechnikergesetz reglementiert, die Vertretung der Ingenieurkonsulenten erfolgt durch die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten.

Der reglementierte Beruf Beratender Ingenieur bzw. die Zugangsvoraussetzung zum Betreiben eines Ingenieurb√ľros wird geregelt in der Verordnung des Bundesministers f√ľr Wirtschaft, Familie und Jugend √ľber das BGBL. II 89/2003 (‚ÄěZugangsvoraussetzungs-Verordnung f√ľr reglementierte Gewerbe Ingenieurb√ľros (Beratende Ingenieure‚Äú).

Die Berufsvoraussetzung ist gegeben f√ľr Personen, die

  • eine technische Hochschule oder Fachhochschule und eine mindestens dreij√§hrige fachliche T√§tigkeit im betreffenden Fachgebiet, oder
  • eine dem Fachgebiet entsprechende HTL (H√∂here Technische Lehranstalt bzw. entsprechende Sonderform HFL) und eine mindestens sechsj√§hrige fachliche T√§tigkeit im betreffenden Fachgebiet, und
  • eine Bef√§higungspr√ľfung gem√§√ü Gewerbeordnung 1994, BGBL. Nr. 111/2002, nachweisen.[12]

Personen die f√ľr das reglementierte Gewerbe Ingenieurb√ľro/beratende Ingenieure in √Ėsterreich zugelassen sind, d√ľrfen dieses auch in den anderen EU-L√§ndern aus√ľben (EU-Diplomanerkennungsrichtline f√ľr reglementierte Berufe).

Als Ingenieurvereine haben sich in √Ėsterreich der V√ĖI (Verein √Ėsterreichischer Ingenieure) und √ĖIAV (√Ėsterr. Ingenieur- und Architektenverein) seit vielen Jahren erfolgreich etabliert. Das √∂sterreichische Ingenieurregister wird vom Bundesministerium f√ľr Wirtschaft, Familie und Jugend gef√ľhrt.

Die berufsst√§ndischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Ziviltechniker in √Ėsterreich werden in Selbstverwaltung von den Ingenieurkammern wahrgenommen. Diese sind die gesetzliche Interessensvertretung des Berufsstandes und haben daher √∂ffentlich-rechtlichen Status. Sie sind in vier L√§nderkammern organisiert, deren bundesweite Dachorganisation die Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten ist. Innerhalb der Kammern sind neben den Ingenieurkonsulenten auch die Architekten vertreten, jedoch in getrennten Sektionen organisiert.

Schweiz

In der Schweiz k√∂nnen Ingenieurwissenschaften an den beiden Eidgen√∂ssischen Technischen Hochschulen (in Z√ľrich und Lausanne, Titel Bachelor/Master of Science ETH) und an den Fachhochschulen (Titel Bachelor/Master of Science FH) studiert werden.

Als Ingenieurvereine haben sich in der Schweiz einerseits der 1837 gegr√ľndete ‚ÄěSchweizerischer Ingenieur- und Architektenverein‚Äú und andererseits ‚ÄěSwiss Engineering‚Äú (ehemals Schweizerischer Technischer Verband, STV), etabliert. Ingenieurkammern wie in Deutschland und √Ėsterreich gibt es in der Schweiz nicht.

Frankreich

In Frankreich erfolgt das Ingenieurstudium an ‚Äě√Čcoles d‚ÄôIng√©nieurs‚Äú (Ingenieurhochschulen), auch ‚ÄěGrande √©cole‚Äú genannt, und an den Universit√§ten. Der Titel und Beruf Ing√©nieur ist an sich in Frankreich nicht gesch√ľtzt.

Die ‚ÄěGrandes √©coles‚Äú gelten als Ausbildungsst√§tten der F√ľhrungselite von Staat und Wirtschaft. Die Ausbildung an den Ingenieurhochschulen ist durch Projekte und Praktika w√§hrend des f√ľnf j√§hrigen Studiums st√§rker an den Erfordernissen des Arbeitsmarkts orientiert. Es gibt ungef√§hr 240 Ingenieurhochschulen, an denen j√§hrlich rund 26 000 Studenten ein Diplom erhalten. Um ein Ingenieurdiplom erteilen zu d√ľrfen, muss die Schule vom Hochschulminister dazu berechtigt werden. Die an den ‚ÄěGrandes √Čcoles‚Äú ausgebildeten Ingenieure tragen den Titel ‚Äěing√©nieur dipl√īm√©‚Äú gefolgt von dem Namen ihrer Ingenieurhochschule. Das Studium an den ‚ÄěGrandes √Čcoles‚Äú entspricht weitgehend einem verl√§ngerten Studium des Ingenieurwesens an einer Fachhochschule (Masterniveau) in Deutschland. Dies liegt an der verschulten und praxisnahen weniger forschungsorientierten Ausbildung an einer Grande √Čcole.

1992 wurden die IUP (Institut Universitaire Professionnalis√© = Praxisorientiertes Universit√§ts-Institut) an Universit√§ten er√∂ffnet. Dort bekamen die Absolventen nach vier Jahren Studium mit der Ma√ģtrise IUP einen Titel als ing√©nieur-ma√ģtre. Seit der Umsetzung des Bologna-Prozess wird dieser Titel nicht mehr verliehen. Andererseits gab es schon damals auf dem Arbeitsmarkt Ingenieure, die ein DESS nach f√ľnf Jahren Studium an einer Universit√§t erworben hatten. Heute ist in Frankreich jeder Master-Absolvent eines entsprechenden Studiengangs Ingenieur. Das Ingenieurstudium an einer Universit√§t in Frankreich ist weitgehend mit dem Studium an einer deutschen (Technischen) Universit√§t vergleichbar.

Die ca. 50 % der in Frankreich arbeitenden Ingenieure, die von den Universit√§ten kommen, sind meistens in einem besonderen Fach spezialisiert, w√§hrend die in Grandes Ecoles ausgebildeten ing√©nieurs dipl√īm√©s (Diplom-Ingenieure) grunds√§tzlich allgemeine Kenntnisse haben. Deswegen werden diese auch Ing√©nieur g√©n√©raliste genannt. Dessen Spezialisierung ist also relativ gering und soll theoretisch den franz√∂sischen ing√©nieur dipl√īm√© vielseitige Einsatzf√§higkeiten geben.

In den Unternehmen werden sowohl Ingenieure von Universit√§ten als auch ing√©nieurs dipl√īm√©s d'√Čcole am selben Posten Ing√©nieur genannt, die Lohnskala ist allerdings unterschiedlich: ein ing√©nieur dipl√īm√© verdient in der Regel mehr.

Italien

In Italien ist der Titel ingegnere gesetzlich gesch√ľtzt und an ein Hochschulstudium sowie eine Staatspr√ľfung gebunden.

Finnland

In Finnland erfolgt das Ingenieurstudium an Technischen Universit√§ten, an technischen Fakult√§ten anderer Universit√§ten und an Fachhochschulen. An Universit√§ten legen die Studenten zuerst das Examen tekniikan kandidaatti mit 180 Leistungspunkten nach etwa sechs Semestern ab und setzen ihre Studien danach bis zum Examen diplomi-insin√∂√∂ri (Diplomingenieur) fort. Die Gesamtdauer des Studiums ist 300 Leistungspunkte, das hei√üt zehn Semester. Im internationalen Vergleich werden tekniikan kandidaatti und diplomi-insin√∂√∂ri als Bachelor of Science (Eng.) und Master of Science (Eng.) √ľbersetzt. Die Absolventen k√∂nnen direkt promovieren.

An den Fachhochschulen hei√üt der Abschluss insin√∂√∂ri (AMK) (Ingenieur (FH)) mit 240 Leistungspunkten. Als Abschluss ist insin√∂√∂ri (AMK) mit tekniikan kandidaatti vergleichbar aber wird jedoch als Bachelor of Engineering √ľbersetzt. Nach drei Jahren Berufserfahrung k√∂nnen die Fachhochschulingenieure ihre Studien an Fachhochschulen fortsetzen. Dann k√∂nnen sie den Abschluss insin√∂√∂ri (ylempi AMK) (Ingenieur (hohere FH)) mit 120 Leistungspunkten ablegen. Gesetzlich ist insin√∂√∂ri (ylempi AMK) mit diplomi-insin√∂√∂ri vergleichbar und wird als Master of Engineering gewertet. Die FH-Ingenieure haben auch die M√∂glichkeit an den Universit√§ten zu studieren. Dort ist es ihnen m√∂glich mit Studien von 180 Leistungspunkten das Diplomingenieurexamen abzulegen.

Vor Einf√ľhrung des finnischen Fachhochschulsystems in den 1990er Jahren wurden Ingenieure auch in technische Lehranstalten (teknillinen oppilaitos) ausgebildet. Das Ingenieursstudium in einer solchen technischen Lehranstalt dauerte vier Jahre und schloss mit dem Abschluss insin√∂√∂ri (Ingenieur) ab. Die Abschl√ľsse insin√∂√∂ri und insin√∂√∂ri (AMK) sind gesetzlich fast gleichgestellt.

Andere europäische Staaten

In vielen Staaten Osteuropas wie z. B. der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Polen wird gem√§√ü dem Bologna-Prozess inzwischen der Bachelor bzw. Master verliehen. Hier verwendet man mittlerweile auch den internationalen Bachelor of Engineering (B. Eng.) bzw. Master of Engineering (M. Eng.).

Englischsprachige Staaten

Die Bezeichnung Engineer ist auch in den meisten englischsprachigen Staaten kein gesch√ľtzter Begriff und werden f√ľr verschiedenste Berufsbezeichnungen verwandt. Nur Titel wie Professional Engineer (P. E. oder Pr. Eng.), Chartered Engineer (CEng) in UK, Irland, Indien, Registered Engineer (R. Eng.), civil engineer (Bauingenieur) oder mechanical engineer (Maschinenbauingenieur) sind teilweise (z. B. in Kanada und einigen Bundesstaaten der USA) gesetzlich gesch√ľtzt.

Fachrichtungen

Sehr bekannte ingenieurwissenschaftliche Fachrichtungen sind beispielsweise:

Weitere Fachrichtungen finden sich in der Liste der ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Kaiser, Wolfgang K√∂nig: Geschichte des Ingenieurs. Ein Beruf in sechs Jahrtausenden. Carl Hanser Verlag, M√ľnchen u. a. 2006, ISBN 3-446-40484-8.
  • Horst Czichos, Manfred Hennecke (Hrsg.): H√ľtte ‚Äď Das Ingenieurwissen. 33. aktualisierte Auflage. Springer, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-540-71851-2.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Ingenieur ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Friedrich Kluge: Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen Sprache. Berlin 1948 und 2002.
  2. ‚ÜĎ G√ľnther Drosdowski: Das Herkunftsw√∂rterbuch: Etymologie der deutschen Sprache. Duden Band 7, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Z√ľrich 1989, ISBN 3-411-20907-0.
  3. ‚ÜĎ a b Ingenieurkammer Sachsen: Ingenieurleistungen in Sachsen, 1998, S. 9ff., ISBN 3-00-002735-1.
  4. ‚ÜĎ Heinz Hossdorf: Das Erlebnis Ingenieur zu sein, Birkh√§user Verlag, Basel 2002, ISBN 3-7643-6050-X, ISBN 978-3-7643-6050-4
  5. ‚ÜĎ Text des Ingenieurliedes auf hor.de
  6. ‚ÜĎ a b c Georg Ruppelt: Die Inscheniers k√∂nnen doch alles. Mit Stichworten daraus in: b-i-t-online.de, April 2005 (nur mit Anmeldung).
  7. ‚ÜĎ Wenn man ihm ein R√§tsel schenkt, dann sitzt der Ingenieur und denkt‚Ķ
  8. ‚ÜĎ Was ist eigentlich ein Ingenieur? Videos der VDI nachrichten.
  9. ‚ÜĎ Berufe im Spiegel der Statistik 1999 - 2007. Institut f√ľr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, abgerufen am 14. April 2009.
  10. ‚ÜĎ Der Klammerzusatz (FH) ist zwingend. Beim an einer (Technischen Universit√§t) erworbenen Diplom-Ingenieur wird gelegentlich zur Unterscheidung der freiwillige Klammerzusatz (TU) beziehungsweise (TH) verwendet.
  11. ‚ÜĎ Az: 2 A 278/09 des S√§chsOVG vom 11. Januar 2011.
  12. ‚ÜĎ www.ingenieurbueros.at

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