Investiturstreit

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Investiturstreit
Höhepunkt des Investiturstreits: Heinrich bittet Mathilde von Tuszien und Abt Hugo von Cluny um Vermittlung, worauf der Gang nach Canossa, einer Burg der Mathilde, die Exkommunikation Heinrichs IV. beenden sollte.

Der Investiturstreit war der H√∂hepunkt eines politischen Konfliktes im mittelalterlichen Europa zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung Geistlicher (Investitur). Als Zeit des Investiturstreites gelten f√ľr gew√∂hnlich die Jahre ab 1076 (Reichstag in Worms) bis zur Kompromissl√∂sung des Wormser Konkordates im Jahre 1122.

Inhaltsverzeichnis

Ursache

Schon im fr√§nkischen Reich besa√üen die fr√§nkischen K√∂nige das Recht auf Einsetzung der Bisch√∂fe. Dieses Recht begr√ľndeten sie mit dem Eigenkirchenrecht, welches einem Grundherrn mit Gottesh√§usern auf seinem Gebiet erlaubte, auf deren Verwaltung Einfluss zu nehmen. Seit der Einf√ľhrung des sogenannten Reichskirchensystems ab Otto I. wurde dieses Recht auf die Amtseinsetzung Geistlicher wie Bisch√∂fe und √Ąbte durch die r√∂misch-deutschen Kaiser wichtiger f√ľr deren Herrschaft im Reich, da den Bisch√∂fen und √Ąbten wichtige Rechte und Funktionen, wie zum Beispiel Grafenrechte, in der Reichsverwaltung verliehen worden waren. Die r√∂misch-deutschen Kaiser nach Otto I. sahen sich weiterhin als Eigent√ľmer aller Kirchen und bestimmten bei vielen Wahlen von Erzbisch√∂fen, Bisch√∂fen und √Ąbten mit. Die Kritiker dieses Systems nannten diese Praktik Laieninvestitur, weil die Einsetzung in das geistliche Amt durch Nicht-Geistliche (Laien) vorgenommen wurde. Sie bef√ľrchteten, dass dadurch bei der Amtseinsetzung mehr Wert auf Loyalit√§t zum Landesherrn als auf geistliche Bildung und charakterliche Eignung gelegt w√ľrde.

Da die Eigenkirchen und Eigenkl√∂ster von ihren Besitzern gekauft, getauscht und vererbt werden konnten, verloren sie immer mehr ihren religi√∂sen Zweck, w√§hrend sie gleichzeitig mehr an wirtschaftlicher Bedeutung gewannen. Mit dem Verkauf von Gottesh√§usern gingen ebenfalls die √Ąmter, eventuelle Reliquien und Pfr√ľnden in den Besitz des K√§ufers √ľber. Bis zum Beginn der Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts und der Cluniazensischen Reform, ausgehend vom Kloster Cluny, wurde in diesem Vorgehen nichts Unrechtes gesehen.

Kaiser Heinrich III. machte sich in seiner Amtszeit (1039‚Äď1056) zum Unterst√ľtzer der Kirchenreformen und sah es als des Kaisers Aufgabe an, auch die R√∂misch-katholische Kirche zu reformieren. 1046 amtierten drei miteinander konkurrierende P√§pste (Benedikt IX., Gregor VI. und Silvester III.). Heinrich lie√ü alle drei auf Wunsch der Synode von Sutri absetzen und durch den reformgesinnten Clemens II. aus Deutschland ersetzen. Bis Clemens 1047 starb, arbeiteten beide an der Verbesserung aller christlichen Kirchen zusammen. Den meisten Reformern ging es aber im Wesentlichen darum, das Amt des Papstes dem Einfluss des r√∂mischen Stadtadels zu entziehen. Heinrichs Nachfolger wurde sein sechs Jahre alter Sohn Heinrich IV., in dessen Amtszeit die Auseinandersetzungen mit dem seit 1073 amtierenden Papst Gregor VII. fielen.

Simonie als Grund√ľbel

Die kirchliche Reformbewegung sah in der Simonie - dem Kauf oder Verkauf kirchlicher √Ąmter, Pfr√ľnde, Sakramente, Reliquien oder √§hnlichem ‚Äď das Grund√ľbel der Zeit, da sich einerseits die Praxis stark gegen biblische Interpretationen wandte und sich andererseits durch die Abschaffung der Simonie eine engere Bindung an Rom erg√§be. Von vielen Synoden wurde wiederholt gefordert, dass Kleriker auf keinen Fall von Laien Kirchenstellen annehmen sollten, weder f√ľr Geld noch geschenkt. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der Abschaffung simonistischer Abh√§ngigkeiten ‚Äď von Laien als auch von Klerikern.

Standpunkte einzelner Personen zur Laieninvestitur

Der prinzipielle Unterschied zwischen den adeligen Eigenkirchenherren und dem K√∂nig, das ‚Äěsacerdotium‚Äú, wurde von Kirchenrechtlern seit der ersten H√§lfte des 11. Jahrhunderts immer wieder in Zweifel gezogen. Der 1025 gestorbene Bischof Burchard von Worms stellte das Kirchenrecht √ľber das weltliche Recht, bezeichnete die Kaiser ebenso wie die K√∂nige als Laien und verurteilte die Erhebung ins Bischofsamt mit der Unterst√ľtzung von Laien. Ebenso lehnte Wazzo von L√ľttich es ab, dass Bisch√∂fe dem K√∂nig in Fragen des Amtes Rechenschaft schuldig seien, und sah die Treueverpflichtung nur noch in weltlichen Angelegenheiten als gegeben an.

Allerdings war man sich auch innerhalb der Reformpartei nicht einig, wie weit der Einfluss des K√∂nigs an der Bischofseinsetzung gehen d√ľrfe. Die Vertreter einer extremeren Position, wie beispielsweise Humbert von Silva Candida, lehnten die Investitur durch weltliche Herrscher ab. In der Abhandlung ‚ÄěAdversus Simoniacos‚Äú betrachtete er auch K√∂nige als Laien. Zusammen mit der Vorstellung, dass kein Mensch etwas von einem anderen umsonst bekommen k√∂nne ‚Äď diese Idee wurde von Humbert im zweiten Buch von ‚ÄěAdversus Simoniacos‚Äú entwickelt ‚Äď folgt, dass die Verleihung von Kirchengut durch den K√∂nig zumindest simonistische Tendenzen hat.

Neben der N√§he zur Simonie kritisierte Humbert den Einfluss, den die K√∂nige auf die Vergabe von Bischofsst√ľhlen hatten, auch grunds√§tzlich. Er berief sich dabei auf Papst Leo den Gro√üen. Dieser hatte 458/59 in einem Responsum an Rusticus von Narbonne formuliert, dass keine vern√ľnftige √úberlegung es zulasse, dass zu den Bisch√∂fen auch Personen gerechnet w√ľrden, ‚Äědie weder von den Geistlichen gew√§hlt noch von der Bev√∂lkerung erbeten, noch von den Bisch√∂fen ihrer Kirchenprovinz mit der Billigung des Metropoliten geweiht worden seien‚Äú.

Einen gemäßigteren Standpunkt nahm Petrus Damiani ein. Er kritisierte die Mitwirkung der weltlichen Kräfte an der Investitur nicht grundsätzlich. Ihm war nur wichtig, dass die Wahl und Ernennung der Bischöfe nach kanonischem Recht ablief. Damiani konnte beide Punkte dadurch vereinigen, dass er die Übergabe von Ring und Stab nicht als Weihe betrachtete.

Verlauf

Auslöser des Streits

Heinrich IV. mit Gegenpapst Clemens III. (oben links). Die Flucht (oben rechts) und der Tod von Gregor VII. (unten rechts). Miniaturenzyklus in der Jenenser Handschrift der Weltchronik Ottos von Freising.

Ausl√∂ser des Streits zwischen Kaiser und Papst wurden Meinungsverschiedenheiten in der Besetzung des Amtes des Erzbischofs von Mailand. Das 11. Jahrhundert in Mailand war vor allem durch die starke Stellung der radikal reformerischen Pataria gepr√§gt. Diese machte es auch dem vom K√∂nig eingesetzten Erzbischof Wido schwer, weshalb er sich 1070 dazu entschloss sein Amt niederzulegen und seine Insignien an den K√∂nig zur√ľckzuschicken. Als Heinrich IV. daraufhin im Jahr 1071 das Erzbistum Mailand mit dem vom Papst Alexander II. exkommunizierten Erzbischof Gottfried besetzen wollte, spitzte sich die Situation zu. Der F√ľhrer der Pataria, der Ritter Erlembald, setzte kurzerhand den Kanonisten Atto als eigenen Erzbischof ein.

Kurze Zeit sp√§ter verstarb Papst Alexander II. am 21. April 1073. Mitten in den Mail√§nder Konflikt trat ein neuer Protagonist. In einem tumultuarischen Verfahren wurde der Erzdiakon Hildebrand noch w√§hrend der Leichenbeisetzung zum Papst erw√§hlt, welcher sich fortan Gregor VII. nannte. Dieser war gepr√§gt durch seinen religi√∂sen Eifer und seiner √úberzeugung von der Suprematie des Papsttums gegen√ľber dem K√∂nigtum. F√ľr Gregor stand die Freiheit der Kirche, die libertas ecclesiae, im Vordergrund seines Handelns. Seine √úberzeugungen werden v.a. im Dictatus Papae vom M√§rz 1075 deutlich, welches in der Forschung zumeist als Gedankennotiz verstanden wird. In zwei S√§tzen verdeutlicht Gregor hier sein Verst√§ndnis der Beziehungen zwischen Reich und Kirche. Darunter f√§llt auch seine √úberzeugung von der geistlichen Binde- und L√∂segewalt des Papstes, d.h. die Berechtigung weltliche Herrscher, auch den K√∂nig, von ihren √Ąmtern zu entheben und dessen Vasallen vom Treueid zu befreien. Nach Rudolf Schieffer war das Dictatus papae jedoch eher in gedanklicher Vorbereitung auf eine Auseinandersetzung mit dem franz√∂sischen K√∂nig Philipp I. formuliert. Lediglich in der R√ľckbetrachtung verr√§t es einiges √ľber das Amtsverst√§ndnis des Papstes zu der Zeit, als er in den direkten Konflikt mit Heinrich trat.

Dennoch war die Haltung Gregors zu Heinrich nach seinem Amtsantritt zun√§chst vers√∂hnlich. Erst die weitere Konfrontation im Mail√§nder Bischofsstreit tr√ľbte das Verh√§ltnis. Nachdem Erlembald 1075 gestorben war und die Pataria dadurch geschw√§cht wurde, griff Heinrich in die Auseinandersetzungen ein und ernannte Tedald zum neuen Erzbischof. Seinen zuvor eingesetzten Kandidaten Gottfried lie√ü er somit fallen. Es begannen Verhandlungen zwischen Papst Gregor VII. und dem K√∂nig, bei denen einige Reichsbisch√∂fe die Laieninvestitur durch den K√∂nig unterst√ľtzten. Die Verhandlungen schlugen aber fehl. Als Heinrich schlie√ülich noch zwei weitere Bisch√∂fe in Spoleto und Fermo, welche mitten im Kirchenstaat lagen, investierte, eskalierte die Situation. Der Papst exkommunizierte als Warnung einige Ratgeber des K√∂nigs. In einem Brief vom Dezember 1075 ermahnte Gregor VII. den K√∂nig mit recht harschen Worten wegen seines Umgangs mit den gebannten R√§ten und drohte ihm ebenfalls mit der Bannung, sollte Heinrich nicht einlenken.

Reichstag in Worms

Heinrich IV., 11. Jahrhundert

Durch diese Drohung sah sich Heinrich IV. in seiner K√∂nigsw√ľrde angegriffen und verb√ľndete sich auf dem Reichstag in Worms am 24. Januar 1076 mit dem deutschen Episkopat. M√∂glich wurde dies durch die ablehnende Haltung der salischen Reichskirche gegen die Reformbestrebungen des Papstes. Zusammen mit zwei Erzbisch√∂fen und 24 Bisch√∂fen, der Mehrheit des deutschen Episkopats, forderte Heinrich den Papst, der als Hildebrand und falschen M√∂nch angesprochen wurde, vom Stuhle Petri herabzusteigen, da seine Erhebung illegal gewesen sei. Unber√ľcksichtigt blieb dabei die Tatsache, dass man Gregor VII. die vergangenen drei Jahre anerkannt hatte. Auf einer Synode in Piacenza im Februar 1076 schlossen sich die oberitalienischen Bisch√∂fe der Absetzungserkl√§rung an und wagten sogar den Schritt, den Papst f√ľr exkommuniziert zu erkl√§ren.

‚ÄěHeinrich, nicht durch Anma√üung, sondern durch Gottes gerechte Anordnung K√∂nig, an Hildebrand, nicht mehr Papst, sondern falscher M√∂nch. [‚Ķ] Du scheutest dich nicht nur nicht, die Lenker der heiligen Kirche, n√§mlich Erzbisch√∂fe, Bisch√∂fe und Priester, die doch Gesalbte des Herrn sind, anzutasten, nein, wie Knechte, die nicht wissen, was ihr Herr tut, zertratest du sie unter deinen F√ľ√üen und gewannst dir dabei die Zustimmung aus dem Munde des P√∂bels. [‚Ķ] Aber du hast unsere Demut f√ľr Furcht gehalten und dich daher nicht gescheut, dich sogar gegen die uns von Gott verliehene k√∂nigliche Gewalt zu erheben; du hast zu drohen gewagt, du w√ľrdest sie uns nehmen, als ob in deiner und nicht in Gottes Hand K√∂nigs- und Kaiserherrschaft l√§gen. [‚Ķ] So steige du denn, der du durch diesen Fluch und das Urteil aller unserer Bisch√∂fe und unser eigenes verdammt bist, herab, verlasse den apostolischen Stuhl, den du dir angema√üt hast. [‚Ķ] Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes K√∂nig, sage dir zusammen mit allen meinen Bisch√∂fen: Steige herab, steige herab!‚Äú[1]

Zur Legitimation dieser Amtsenthebung wurde angef√ľhrt, dass der Patricius das Recht habe, den Papst zu ernennen oder zumindest seine Wahl zu best√§tigen. Dies war durch Heinrich IV. nicht geschehen. Als weiteren Grund wurde angegeben, dass sich Gregor gegen die Reichsrechte in Rom und Italien aufs Schwerste vergriffen habe.

Synode 1076 in Rom

Papst Gregor VII.

Die Antwort von Gregor kam umgehend. Auf der Fastensynode in Rom 1076 erkl√§rte er den K√∂nig f√ľr abgesetzt, sprach √ľber ihn den Bann aus und befreite all seine Untertanen vom Treueid. Damit griff Gregor VII. zu einer bisher nie da gewesenen Ma√ünahme. Dass er sich zu einem solchen Akt durchaus legitimiert sah, wurde bereits im Dictatus papae durch die Hervorhebung der p√§pstlichen Binde- und L√∂segewalt deutlich, die auch im folgenden Quellenzitat wieder angesprochen wird. In einem Gebet an den Apostel Petrus formulierte er:

‚Äě[‚Ķ] Und es ist mir durch deine Gnade von Gott die Macht gegeben zu binden und zu l√∂sen im Himmel und auf Erden. Hierauf fest vertrauend untersage ich, [‚Ķ] dem Sohne des Kaisers Heinrich, der sich gegen deine Kirche in unerh√∂rtem Stolze erhoben hat, die Herrschaft √ľber das ganze Reich der Deutschen und √ľber Italien, und ich l√∂se alle Christen von den Banden des Eides, den sie ihm geschworen haben oder noch schw√∂ren werden, und ich verbiete, dass ihm jemand wie seinem K√∂nig dient. [‚Ķ] Denn mit Gebannten hat er verkehrt, meine Ermahnungen, die ich ihm, wof√ľr du mein Zeuge bist, um seines Seelenheiles willen gesandt habe, hat er in den Wind geschlagen, und er hat sich von deiner Kirche getrennt, weil er sie zu spalten versucht hat, schlage ich ihm an deiner statt mit dem Bande des Anathems.‚Äú[1]

Die Absetzung Heinrichs begr√ľndete Gregor damit, dass Heinrich sich gegen die kirchlichen Hoheitsrechte aufgelehnt habe und somit kein K√∂nig mehr sein k√∂nne. Wem von Gott die Hoheit entzogen worden sei, verdiene auch nicht mehr, diese faktisch innezuhaben. Damit wurden alle Untertanen vom Treueid, den sie Heinrich geleistet hatten, entbunden. Wegen des Umgangs mit Exkommunizierten, den Heinrich trotz Mahnungen nicht aufgeben wollte, wurde er zudem exkommuniziert. Dieser Bann betraf nicht den K√∂nig, sondern den Christen Heinrich, da es einem Christen untersagt ist, mit Gebannten Umgang zu pflegen und sich der p√§pstlichen Autorit√§t zu widersetzen. Auch Erzbischof Siegfried vom Mainz wurde als Gastgeber der Synode gebannt, die anderen anwesenden Bisch√∂fe wurden suspendiert. Ihnen wurde jedoch die M√∂glichkeit gew√§hrt, wieder in ihre √Ąmter eingesetzt zu werden, sofern sie Reue zeigten.

Gang nach Canossa

‚Üí Hauptartikel: Gang nach Canossa

Zahlreiche Bisch√∂fe, die noch in Worms auf der Seite Heinrichs standen, wandten sich nun nach dem Bannspruch von ihm ab und hofften auf Begnadigung durch Unterwerfung. Auch unter den deutschen F√ľrsten verlor Heinrich an R√ľckhalt. Sachsen ging durch einen neuen Aufstand verloren. Die von Otto von Northeim und den s√ľddeutschen Herz√∂gen, dem Bayern Welf IV. und dem Schwaben Rudolf von Rheinfelden, gef√ľhrte F√ľrstenopposition kam daher im Oktober 1076 in Tribur am Rhein zusammen und verhandelte √ľber die Wahl eines neuen K√∂nigs. Heinrich lagerte derweil in Oppenheim auf der gegen√ľberliegenden Rheinseite. Nach l√§ngeren Verhandlungen einigte man sich auf eine neuerliche Zusammenkunft am 2. Februar 1077 in Augsburg, zu der auch der Papst geladen wurde. Sollte Heinrich bis dahin nicht vom Bann losgesprochen worden sein, werde man zur Wahl eines neuen K√∂nigs schreiten und Heinrich f√ľr abgesetzt erkl√§ren. Weiterhin musste der K√∂nig die Absetzungsaufforderung an den Papst widerrufen und sich dazu verpflichten Gehorsam und Genugtuung zu leisten.

Das Zusammentreffen der F√ľrstenopposition, bei welcher Gregor als Schiedsrichter fungieren sollte, sollte Heinrich zu verhindern wissen. Um den Papst noch vor dessen geplantem Treffen mit den abtr√ľnnigen F√ľrsten abzufangen, brach Heinrich im Dezember 1076 mit Frau und Kind sowie einem kleinen Gefolge nach Italien auf. √úber den Mont Cenis √ľberschritt er die Alpen im Westen. Da die s√ľddeutschen Herz√∂ge die anderen Alpenp√§sse versperrten, w√§hlte er den Weg √ľber Burgund. Nachdem Gregor VII. von der Reise Heinrichs erfuhr, f√ľrchtete er eine kriegerische Auseinandersetzung. Er wollte daher einer Begegnung mit Heinrich ausweichen und zog sich auf die Burg Canossa der ihm wohlgesinnten Markgr√§fin Mathilde von Tuszien zur√ľck. Heinrich erfuhr dies und wollte mit Hilfe der Markgr√§fin √ľber ein Treffen verhandeln. Die Verhandlungen scheiterten jedoch. Am Festtag der Bekehrung des Heiligen Paulus zog Heinrich IV. im h√§renen B√ľ√üergewand und barfu√ü (so die Darstellung des Chronisten Lampert von Hersfeld) vor die Burg Canossa. Drei Tage sp√§ter, am 28. Januar 1077, l√∂ste der Papst Heinrich schlie√ülich nach F√ľrsprache der Markgr√§fin und seines ebenfalls anwesenden Taufpaten, des Abtes Hugo von Cluny, vom Kirchenbann und reichte ihm die Eucharistie. Heinrich musste jedoch zuvor einen Eid leisten, dass er sich einem Schiedsgericht und dem Urteil des Papstes stellen wird sowie freies Geleit f√ľr Gregor gew√§hrt. Die Investiturfrage wurde nicht verhandelt. Das anschlie√üende gemeinsame Vers√∂hnungsmahl fand nach der √úberlieferung in frostiger Atmosph√§re statt.

Trotz Rekonziliation Heinrichs gedachte Gregor VII. seine Reise nach Augsburg anzutreten. Durch kluges Taktieren gelang es Heinrich aber immer wieder eine Zusammenkunft des Papstes mit der F√ľrstenopposition zu verhindern. Diese schritt schlie√ülich am 15. M√§rz 1077 im fr√§nkischen Forchheim, ungeachtet der Befreiung Heinrichs vom Anathem, zur Wahl eines neuen K√∂nigs. Neben dem s√§chsischen Herzog Otto von Northeim und den s√ľddeutschen Herz√∂gen waren auch zahlreiche Bischofe sowie zwei Legaten des Papstes ‚Äď als Beobachter gesandt ‚Äď anwesend. Die Wahl fiel schlie√ülich auf Heinrichs Schwager Rudolf von Rheinfelden. Dieser musste jedoch zuvor versprechen, die freie, kanonische Wahl der Bisch√∂fe zu garantieren und auf eine Erbfolge sowie ein Designationsrecht zu verzichten. Der K√∂nig sollte auch in Zukunft durch die F√ľrsten gew√§hlt werden. Weiterhin verzichtete er auf das Recht zur Investitur mit Ring und Stab (investitura cum baculum et anulum). Am 26. M√§rz wurde Rudolf durch Erzbischof Siegfried von Mainz geweiht und gekr√∂nt. Der Papst vermied es jedoch zun√§chst, sich f√ľr einen der beiden K√∂nige zu entscheiden. Die folgenden Jahre waren durch eine neutrale Politik Gregors gepr√§gt, welcher es sich offen hielt, f√ľr eine Seite Partei zu ergreifen.

Kriegerische Phase des Investiturstreits

Nach der R√ľckkehr Heinrichs ins Reich kam es zu diversen B√ľrgerkriegen sowie zu Auseinandersetzungen um die (Doppel-)Besetzung von F√ľrstent√ľmern und Bist√ľmern. 1078 sprach der Papst schlie√ülich ein allgemeines Investiturverbot aus. Da Heinrich aber weiterhin ohne R√ľcksprache mit dem Papst Bisch√∂fe investierte, galt die Friedens- und Schiedsrichterpolitik des Papstes sp√§testens 1080 als gescheitert. Gregor VII. wiederholte das Investiturverbot, sprach erneut den Bann √ľber Heinrich aus und schlug sich somit auf die Seite Rudolfs von Rheinfelden. Der Aufwind f√ľr die F√ľrstenopposition w√§hrte jedoch nicht lange. In der Schlacht an der Wei√üen Elster am 15. Oktober 1080 musste Heinrich zwar eine Niederlage einstecken, doch verlor Rudolf von Rheinfelden im Kampf seine rechte Hand und starb wenige Tage sp√§ter an seinen Verletzungen. Dass Rudolf gerade die Schwurhand abgeschlagen wurde, interpretierten die Anh√§nger Heinrichs propagandistisch als Gottesurteil und konnten so die F√ľrstenopposition diskreditieren und weiter schw√§chen.

W√§hrend Heinrichs erste Bannung 1077 zu einem Abfall seiner Unterst√ľtzer f√ľhrte, verlieh die erneute Bannung dem K√∂nig Auftrieb und st√§rkte die Anti-Gregorianer. Auf einer Synode in Brixen w√§hlten die anwesenden Bisch√∂fe Wibert von Ravenna zum neuen Papst. Um diesen nun nach Rom zu f√ľhren und um sich dort von seinem Papst zum Kaiser kr√∂nen zu lassen, stie√ü Heinrich gegen S√ľden vor. Im dritten Anlauf gelang es ihm schlie√ülich 1084 die Leostadt und die Peterskirche einzunehmen. Gregor fl√ľchtete in die Engelsburg, von wo aus er die formelle Wahl und anschlie√üende Inthronisation Wiberts als Clemens III. beobachten konnte. Einen Tag sp√§ter, an Ostern 1084, kr√∂nte Clemens III. Heinrich und seine Gemahlin Bertha von Turin zu Kaiser und Kaiserin. Versp√§tet erhielt Papst Gregor VII. nun Unterst√ľtzung von den in S√ľditalien herrschenden Normannen unter Robert Guiskard. Heinrich IV. musste sich nun zur√ľckziehen, doch wurde Rom von den Normannen als gepl√ľnderte und verw√ľstete Stadt zur√ľckgelassen. Der Unmut richtete sich daher nun auch gegen Gregor, der ins Exil nach Salerno fl√ľchtete. Dort starb er am 25. Mai 1085. Sein Nachfolger wurde nach ziemlich genau einj√§hriger Sedisvakanz der Abt Desiderius von Montecassino, der den Namen Viktor III. annahm, jedoch bereits im September 1087 verstarb. Wiederum erst nach einigen Monaten folgte ihm Odo von Ostia im M√§rz 1088 als Urban II. auf die cathedra petri.

Investiturstreit nach Papst Gregor VII.

Unter Urban II., der wie Gregor VII. als Reformpapst gilt, wuchs die Macht des Papsttums wieder an. Die Kreuzzugspredigt im Jahr 1095 in Clermont, die zum Ersten Kreuzzug f√ľhrte, zeigt dies deutlich. Urbans Nachfolger Paschalis II. exkommunizierte Heinrich IV. ein weiteres Mal. Mit einer Wallfahrt nach Jerusalem wollte sich Heinrich IV. vom Bann l√∂sen. Sein Sohn Heinrich V., der vom Papst unterst√ľtzt wurde, nahm seinen Vater jedoch im Jahr 1105 gefangen. Es gelang Heinrich IV. aber, aus Ingelheim nach K√∂ln zu entkommen und schlie√ülich in L√ľttich Zuflucht zu finden. Herzog Heinrich I. von Niederlothringen, Graf Gottfried von Namur und Bischof Otbert von L√ľttich hielten treu zu ihm. Auch mit Philipp I. von Frankreich kn√ľpfte er Beziehungen an. Der starke Anhang, den der Kaiser in Niederlothringen fand, zwang Heinrich V. dorthin zu ziehen, um auf L√ľttich vorzusto√üen. Der Angriff auf die Stadt misslang aber. Am Gr√ľndonnerstag 1106 wurden seine Truppen an der Maasbr√ľcke bei Vis√© geschlagen. Ein neuer Waffengang schien unvermeidbar ‚Äď da starb Heinrich IV. pl√∂tzlich am 7. August 1106 in L√ľttich.

In England (1105/07 im Konkordat von Westminster) und Frankreich (1107) kam es zu einer Einigung in Fragen der Investitur. Nur im Heiligen R√∂mischen Reich schwelte der Konflikt weiter. Im Jahr 1111 nahm K√∂nig Heinrich V. Papst Paschalis II. gefangen. Der Papst wurde gezwungen, dem K√∂nig das Investiturrecht zu √ľbertragen und Heinrich zum Kaiser zu kr√∂nen. Der Papst schloss daraufhin am 11. April 1111 den Vertrag von Ponte Mammolo. Demnach habe die Wahl der Bisch√∂fe und √Ąbte in Zukunft frei, aber mit Genehmigung des K√∂nigs zu erfolgen. Daran anschlie√üend sollte dann die Investitur durch den K√∂nig mit Ring und Stab erfolgen. Der Papst erkl√§rte sich bereit, Heinrich zum Kaiser zu kr√∂nen, was am 13. April auch geschah. Im Gegenzug verpflichtete sich der K√∂nig, die Gefangenen freizulassen, und zur Treue und Gehorsam gegen√ľber dem Papst, allerdings nur, soweit dies im Einklang mit den Rechten des Reiches sei. Der Vertrag wurde sofort heftig kritisiert und von den Bef√ľrwortern der Kirchenreform abgelehnt.

Auf der Synode in Fritzlar im Jahre 1118 wurde, unter dem Vorsitz des p√§pstlichen Kardinallegaten Kuno von Praeneste, der vom inzwischen verstorbenen Papst Paschalis II. √ľber Heinrich V. verh√§ngte Bann durch einen erneuten Bann des neuen Papstes Gelasius II. best√§tigt.

Wormser Konkordat und Folgen

‚Üí Hauptartikel: Wormser Konkordat

Im Jahr 1119 trafen sich Papst Calixt II. und Kaiser Heinrich V., um eine Einigung herbeizuf√ľhren. Diese wurde schlie√ülich 1122 mit dem Wormser Konkordat erzielt, welches seinen Ursprung unter anderem bei Ivo von Chartres hat. Kaiser Heinrich V. akzeptierte den Anspruch der Kirche auf das Recht der Investitur und verzichtete auf die Investitur mit Ring und Stab. Des Weiteren gew√§hrte er jeder Kirche die Wahlfreiheit der Investitur. Im Gegenzug r√§umte Papst Calixt II. ein, dass die Wahl der deutschen Bisch√∂fe und √Ąbte in Gegenwart kaiserlicher Abgeordneter verhandelt, der Gew√§hlte aber mit den Regalien, die mit seinem geistlichen Amt verbunden waren, vom Kaiser durch das Zepter belehnt werden solle (‚ÄěZepterlehen‚Äú). Kaiser Lothar III. r√§umte zudem der Kirche das Recht ein, zuerst Ring und Stab zu verleihen, wodurch der Einfluss des Kaisers auf die Einsetzung von Bisch√∂fen praktisch verloren ging. Dem Wormser Konkordat vergleichbare Vereinbarungen wurden bereits 1107 mit England (Konkordat von Westminster) und Frankreich, sp√§ter dann 1208 mit Aragon, 1213 mit England und 1268 mit Frankreich geschlossen und nochmals sp√§ter mit Schweden und Norwegen.

Der Investiturstreit war damit beigelegt, doch hatte das Kaisertum dadurch starke Einbu√üen erlitten. Die sakrale Aura des Kaisers war ersch√ľttert und die bis dahin bestehende Einheit von Kaisertum und Papsttum aufgehoben, wie auch das Reichskirchensystem faktisch zertr√ľmmert, wenn auch nicht beseitigt wurde. Die Bisch√∂fe bauten ihre Territorien aus, was teils in Konkurrenz zu den weltlichen F√ľrsten geschah, womit der Territorialisierung des Reiches Vorschub geleistet wurde ‚Äď sehr zu Lasten des K√∂nigtums. All dies f√ľhrte zur Neuorientierung der Idee des Kaisertums unter den Staufern, die bem√ľht waren, die Idee des Kaisertums auf eine neue Grundlage zu stellen, wobei die Problematik des Verh√§ltnisses des Imperiums zum Papsttum (und des sich verst√§rkenden Antagonismus zwischen den beiden Universalgewalten) bis ins Sp√§tmittelalter Bestand hatte.

Literatur

Quellen

Sekundärliteratur

Fußnoten

  1. ‚ÜĎ a b Aus dem Lateinischen √ľbersetzt von Hans-Georg Fath.

Weblinks


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