3 Iphigenie auf Tauris


Iphigenie auf Tauris

Daten des Dramas
Titel: Iphigenie auf Tauris
Gattung: Schauspiel
Originalsprache: Deutsch
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Literarische Vorlage: Aischylos: Orestie, Euripides: Iphigenie bei den Taurern
Erscheinungsjahr: 1787
Uraufführung: 6. April 1779 (Prosafassung)
Ort der Uraufführung: herzogliches Privattheater in Weimar
Ort und Zeit der Handlung: Hain vor Dianens Tempel auf Tauris; einige Jahre nach dem Krieg um Troja; Zeitraum von wenigen Stunden
Personen
Iphigenie auf Taurus, Gemälde von Georg Oswald May auf einer Briefmarke von 1949

Iphigenie auf Tauris ist ein Bühnenstück von Johann Wolfgang von Goethe nach der Vorlage von EuripidesIphigenie bei den Taurern. 1779 schrieb der Dichter eine Prosafassung, die er während seiner Italienreise ab 1786 in ein Versdrama umformte.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Der Halbgott Tantalus war einst bei den Göttern wegen seiner Klugheit beliebt und wurde zu ihnen eingeladen. Er feierte mit ihnen, wurde jedoch schnell übermütig, prahlte und stahl den Göttern Nektar und Ambrosia, welches ihnen Unsterblichkeit verlieh. Bei einer Gegeneinladung setzte Tantalus den Göttern seinen eigenen Sohn, Pelops, als Mahl vor, um ihre Allwissenheit auf die Probe zu stellen. Die Götter bemerkten den Betrug jedoch, sodass sie Tantalus daraufhin aus ihrer Gemeinschaft in den Tartaros verstießen und ihn und seine Familie verfluchten. Es entstand der Tantalidenfluch. So gab es in jeder Tantalus nachfolgenden Generation Mörder an ihrer eigenen Familie oder/und sie wurden selbst von Familienangehörigen aus Rache und Hass getötet.

So opferte Agamemnon, ein Heerführer und Urenkel des Tantalus, der Göttin Diana/Artemis (römisch/griechisch) seine älteste Tochter Iphigenie, da er Wind für die Seefahrt von Aulis nach Troja brauchte, um dort Krieg gegen Troja zu führen. Im Glauben, Iphigenie sei tatsächlich tot, ermordete deren Mutter Klytaimnestra ihren Ehemann Agamemnon, der ihr gemeinsames Kind augenscheinlich hatte töten lassen. Die verbliebenen Geschwister Iphigenies (Orest und Elektra) hegten wegen des Mordes an ihrem Vater einen Groll gegen die Mutter. Schließlich ermordete Orest seine Mutter mit Elektras Hilfe. Auch er wurde damit unrein und verfiel dem Fluch. Er flüchtete vor dem drohenden Schicksal, nun selbst der Rache anheimzufallen und wegen seiner Untat getötet zu werden. Apolls Orakel verwies ihn nach Tauris, von wo er „die Schwester“ holen solle: dies sei die einzige Möglichkeit, den Fluch zu lösen. Da Orest seine Schwester Iphigenie für tot hielt, vermeinte er, es gehe um Apolls Zwillingsschwester, die Göttin Diana. Deren Statue wollte er deshalb aus dem taurischen Tempel rauben. So landete er auf seiner Flucht zusammen mit seinem alten Freund Pylades an der Küste von Tauris.

Handlung

Am 4. Oktober 1963 findet im Deutschen Theater die Premiere von „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe unter der Regie von Wolfgang Langhoff statt. UBz. Szenenbild mit Wolfgang Langhoff als Thoas (links), Inge Keller als Iphigenie und Horst Drinda als Orest.
Titelblatt der Erstausgabe

1. Aufzug

Monolog von Iphigenie

1. Auftritt: Seit Diana Iphigenie vor dem Tod gerettet hat, dient diese ihr auf Tauris als Priesterin. Obwohl sie der Göttin dankbar und bei König Thoas und dessen Volk hoch angesehen ist, sehnt sie sich immer mehr zurück nach ihrer Heimat:
Und an dem Ufer steh ich lange Tage,
das Land der Griechen mit der Seele suchend … (V. 11)

Sie beklagt sich auch über ihr Leben als Frau in der Fremde, deren Schicksal normalerweise eng mit dem eines (Ehe)Mannes verknüpft ist:
Der Frauen Schicksal ist beklagenswert.
[…]
Wie eng gebunden ist des Weibes Glück! (V. 24 + 29)
.
Sie fleht Diana an, sie wieder mit ihrer Familie zu vereinen.
Und rette mich, die du vom Tod errettet,
Auch von dem Leben hier, dem zweiten Tode! (V. 52)

2. Auftritt: Arkas, der Vertraute von Thoas, des Königs von Tauris, kündigt dessen Erscheinen an. Iphigenie gesteht ihm ihr Heimweh. Arkas erinnert sie daran, wie viel Gutes sie auf Tauris getan hat, zum Beispiel den Brauch beendet zu haben, jeden Fremden an Dianas Altar zu opfern. Er erklärt, dass der König um ihre Hand werben werde, und rät ihr, zuzusagen. Iphigenie lehnt dies ab: Diese Hochzeit werde sie auf immer an Tauris binden.

3. Auftritt: Thoas bringt seine Werbung vor. Iphigenie begründet ihr Nein mit ihrer Sehnsucht nach Griechenland und müht sich, andere stichhaltige Gründe anzuführen, so den, dass auf ihrer Familie ein Fluch laste. Dieser verurteile die Nachkommen des Tantalus, einander umzubringen, wofür sie zahlreiche Beispiele aufführt. Thoas lässt nicht ab, aber Iphigenie beruft sich nun auf Diana:
Hat nicht die Göttin, die mich rettete,
Allein das Recht auf mein geweihtes Leben?
(Z. 438 f.)
Sie nimmt in diesem Moment ganz und gar die Rolle der Priesterin ein. Doch Thoas droht damit, dass er die alten Menschenopfer, denen sie vorstehen müsste, wieder einführen werde, bevor sie gehe.

4. Auftritt: Iphigenie betet Diana an und sagt ihr, dass sie auf die Güte und Gerechtigkeit der Götter vertraue; sie bittet die Göttin, ihr zu ersparen, unschuldige Opfer bringen zu müssen.

2. Aufzug

1. Auftritt: Iphigenies Bruder Orest und sein Freund und Cousin Pylades treffen ein, und die Zuschauer erfahren, dass sie einem Orakel des Gottes Apoll folgen. Denn der Vaterrächer und daher Muttermörder Orest wird seit seinem Mord von den unerbittlichen Furien verfolgt; deshalb flehte er Apoll an, ihn von deren Rache zu befreien. Apoll antwortete ihm durch sein delphisches Orakel, dass er „die Schwester“ nach Griechenland zurückbringen solle und dass seine Schuld damit getilgt sei. Im Glauben, es sei die Schwester Apolls gemeint, sind die beiden Männer deswegen nach Tauris aufgebrochen, um das Bildnis der Göttin Diana aus deren Tempel zu stehlen. Sie werden aber von Soldaten des Königs entdeckt und gefangen genommen. Orest ist verzweifelt und hat Angst, denn auf Tauris leben Barbaren, die den Göttern Menschenopfer darbringen. Pylades muntert ihn auf und erzählt ihm von der gütigen Priesterin, die Gefangene nicht tötet. Trotzdem fühlt sich Orest der Mission nicht gewachsen und ist ohne Hoffnung.

2. Auftritt: Iphigenie spricht zunächst mit Pylades, der seinen Namen verschweigt und vorgibt, er und Orest seien Brüder und Orest habe Brudermord begangen. Iphigenie fragt ihn über Griechenland aus, und er berichtet ihr den Fall Trojas und den Untergang vieler griechischer Helden. Seine Berichte verstärken ihr Heimweh und sie hofft, ihren Vater Agamemnon bald wiederzusehen. Doch Pylades erzählt auch vom Mord an Agamemnon, der von seiner Frau Klytaimnestra und deren Geliebten Ägisth begangen wurde. Iphigenie ist bestürzt und geht.

3. Aufzug

1. Auftritt: Iphigenie verspricht Orest, dessen Namen sie immer noch nicht kennt, alles zu tun, damit er und Pylades nicht der Diana geopfert werden. Sie fragt dann nach den Kindern Agamemnons (ihren Geschwistern). Orest berichtet ihr von der Ermordung Klytaimnestras durch Orest, der von Elektra aufgestachelt worden sei, und offenbart seine wahre Identität, da er Iphigenies Leiden nach dieser Nachricht nicht erträgt: Zwischen uns sei Wahrheit: Ich bin Orest. (V. 1080f.). Hier entscheidet sich Orest für den Weg der Ehrlichkeit, anders als Pylades, der List und Lüge notfalls für geboten hält. Iphigenie ist froh, ihren Bruder wiedergefunden zu haben, und gibt sich ebenfalls zu erkennen. Orest will jedoch immer noch sterben, um den Furien zu entrinnen; Iphigenie und Pylades sollen sich alleine retten. Er verschweigt jedoch den Orakelspruch. Am Ende des Auftritts sinkt er bewusstlos nieder.

2. Auftritt: Orest hat die so genannte „Hadesvision“. Darin sieht er die bereits verstorbenen Tantaliden glücklich in der Unterwelt versöhnt. Diese Vision trägt möglicherweise zu seiner Heilung bei, da sie ihm die Möglichkeit zeigt, dass es eine Versöhnung nach dem Tod geben kann.

3. Auftritt: Orest wähnt sich zunächst immer noch im Hades und denkt, dass auch Iphigenie und Pylades in die Unterwelt hinabgestiegen sind. Für seinen Freund fühlt er aufrichtiges Bedauern, was an sich ungewöhnlich für einen Tantaliden ist. Er wünscht sich jedoch noch seine Schwester Elektra in die Unterwelt, um so den Tantalidenfluch zu lösen. Darauf treten Iphigenie und Pylades an ihn heran, um ihn zu heilen. In einem Gebet dankt Iphigenie der Diana und bittet um die Erlösung Orests von den Banden des Fluches. Pylades spricht in klaren rationalen Worten zu ihm und versucht ihn dadurch zu heilen. Als Orest dann endgültig aus seiner Vision erwacht (Es löset sich der Fluch, mir sagt’s das Herz, V. 1358), schließt er Iphigenie in seine Arme, dankt den Göttern und bringt seine neue Tatkraft zum Ausdruck. Pylades erinnert die beiden an die Eile, die in der gefährlichen Situation geboten ist, und treibt die beiden zu schnelle[m] Rat und Schluss (V. 1368) an.

4. Aufzug

Während Pylades die Flucht mit Orest und Iphigenie plant, bewegt Iphigenie eine unbehebbare Sorge: Eine Flucht ließe sich realisieren, aber es fällt ihr schwer, den König zu hintergehen. Pylades führt ihr vor Augen, sie müsse nur dann ein schlechtes Gewissen haben, wenn Orest und er umgebracht würden. Dennoch ist sich Iphigenie unsicher, ob sie sich für die Wahrheit oder die Lüge entscheiden soll.

Arkas bringt die Botschaft, dass sie das Opfer der Schiffbrüchigen beschleunigen solle, der König sei ungeduldig. Iphigenie hält ihn hin: Sie müsse erst den – vermeintlich immer noch wirren – Orest heilen und die durch ihn befleckte Statue der Diana am Ufer waschen. Sie beginnt an dem Fluchtplan zu verzweifeln: Im Lied der Parzen (V. 1726 - 1766) erinnert sie an die gnadenlose Rache der Götter. Sie dichtet allerdings noch eine Strophe dazu, mit der sie andeuten könnte, dass sie dem Parzenlied nicht zustimmt (es gibt hier noch andere mögliche Interpretationen).

5. Aufzug

Iphigenie beschließt, sich an Thoas zu wenden, ihm wahrheitsgemäß den Fluchtplan zu eröffnen und an seine Humanität zu appellieren. Anfangs reagiert dieser erzürnt, dann richtet sich sein Zorn jedoch auf sich selbst, da er ihr Handeln auf seine Einwirkung zurückführt. Dieses Gefühl mildert sich weiter, als ihm die Priesterin offenbart, dass Orest ihr Bruder ist. Thoas fürchtet jedoch nunmehr in dem Muttermörder den Verbrecher. Die nächste Szene muss ihn noch weiter erzürnen, denn nun möchte Orest die Flucht gewaltsam erzwingen. Iphigenie führt jedoch alle zur Besinnung zurück.

Als der König auf sein Versprechen hingewiesen wird, lässt er schließlich die Drei gehen und sagt ihnen: „So geht!“ (V. 2151)“, „Lebet wohl!“ (V.2174) und gestattet ihnen, nach Griechenland zurückzukehren.

Auch der Orakelspruch findet nun seine richtige Deutung: Es ist Iphigenie, also die Priesterin selbst, die Apoll mit „Schwester“ gemeint hat und die Orest nach Griechenland bringen sollte, und nicht die Statue, wie vorher vermutet.

Charakterisierung der Hauptfigur

Szene aus Goethes Iphigenie von Angelika Kauffmann

Iphigenie hat eine klassische Wahl zwischen Pflicht und Neigung zu treffen: Viele und wichtige göttliche und menschliche Pflichten binden sie an ihre taurischen Aufgaben, aber ihr ganzes Herz will fort. In diesem Konflikt muss sie sich bewähren.

Sie wird als idealer Mensch charakterisiert. Ihre Haupteigenschaften sind vor allem Frömmigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Redlichkeit.

Sie ist somit eine typische Heldin und Vertreterin des klassischen Humanitätsideals. Am Anfang erscheint ihr Schicksal als Determination. Dass sie selbst und nicht ein „deus ex machina“ den Konflikt löst, spricht für die geistige Stärke des Menschen, aber auch für die Forderung nach Emanzipation der Geschlechter.

Die Dilemmata zwischen den Pflichten gegenüber anderen und sich selbst spiegelt sich vor allem in der Titelheldin: das Abwägen zwischen ihrer Menschenfreundlichkeit und der Pflichterfüllung als Priesterin, zudem ein Konflikt zwischen der Liebe zu ihrem Bruder und dem Auftrag, ihn zu töten, und der Antagonismus ihrer Gefühle zwischen ihrer Sehnsucht nach der Heimat und ihrer unbedingten Wahrheitsliebe.

Letztlich verkörpert sie das Ideal der Klassik: Das richtige Verhalten erfordere kein besonderes Räsonieren. Allein die innere Verpflichtung zu Menschlichkeit und Wahrheit weisen in diesem Seelendrama den Weg.

Merkmale des klassischen Dramas in Iphigenie auf Tauris

Iphigenie auf Tauris ist insofern ein klassisches Drama, weil es sowohl ein antikes Thema behandelt als auch das Menschenideal der Klassik widerspiegelt. So zeigt das Handeln der Protagonistin Iphigenie eine Harmonie zwischen Pflicht und Neigung, was in der Weimarer Klassik die Idealisierung eines Menschen bedeutet. Das Drama thematisiert zudem den inneren Kampf Iphigenies, bei dem zuletzt eben diese Harmonie zu einer Humanisierung der Menschheit führt.

Auch weist die Form des Dramas eindeutig klassische Elemente auf, wie zum Beispiel Einheit in Ort und Zeit oder eine einsträngige, klar nachvollziehbare Handlung. Somit besitzt Goethes Iphigenie auf Tauris die für die Klassik typische geschlossene Dramenform.

Neben der strengen Orientierung an der geschlossenen Form des antiken Dramas nach Aristoteles und der Vorbildlichkeit der griechisch-römischen Mythologie, sind folgende Merkmale typisch für das klassische Drama: Die Personen verkörpern weniger Individuen als Ideen. Ziel ist die Darstellung überzeitlicher, allgemeinmenschlicher Gesetze. Es fehlen nämlich z.B. spontane Ausrufe, emotionale Ausbrüche, die individuelle Gefühle ausdrücken. Ferner löst der sittliche Mensch konkrete politisch-soziale Konflikte allein durch seine Humanität, die als erlösendes Prinzip dargestellt und Bestandteil einer ethisch-religiösen fundierten Ordnung ist.

Iphigenie auf Tauris ist ein typisches Beispiel für ein klassisches Drama, weil es das Humanitätsideal mehr als alle anderen Werke hervorhebt. Goethe sagt selbst, dass Iphigenie auf Tauris „teuflisch human“ und für ein Publikum wenig ansprechend sei. Daher ließ Goethe die Aufführung von 15. Mai 1802 seinen Zeitgenossen Friedrich Schiller aufführen.

Sprachliche Gestaltung und Form

Versmaß: Formal entscheidet sich Goethe hier gegen Dialogprosa und für den Vers, fünfhebige Jamben mit wechselnden weiblichen und männlichen Kadenzen. Der Blankvers, den vor allem Gotthold Ephraim Lessing im deutschen Drama etablierte, galt zu damaliger Zeit als besonders rein, natürlich, ästhetisch und vorbildhaft.

Wortschatz: Über Goethes Wortschatz und -prägekraft muss hier nicht gesprochen werden. Doch fallen die verallgemeinernden Begriffe, sentenzenhaften Prägungen und Oxymora auf.

Syntax: Überwiegend findet sich ein heute eher als sehr komplex erscheinender hypotaktischer Satzbau, den Goethe seinem Theaterpublikum entschlossen zumutet, weil er es ermöglicht, die inneren Vorgänge der Personen darzustellen.

Stichomythien: Ein durch rasche, schlagende Wortwechsel argumentativ gehaltenes Streitgespräch zeugt von hohem geistigen Niveau und dem hohen Reflexionsgrad der einzelnen Personen.

Humanität

Wenn der Mensch nach dem Ideal der Humanität lebt, so spricht man von doppelter Harmonie. Die Humanität zeigt sich im Streben nach ihr. Voraussetzung ist hier eine Verbindung von „Pflicht“ und „Neigung“ (Vernunft und Gefühl), die Menschenopfer unnötig macht.

Thematik bei Goethe

Goethe wählte zwar für das Stück ein antikes Thema, gibt jedoch mit seiner Problematik ein seelisch sehr realistisches und zeitnahes Bild eines Problems seines Verfassers wieder. Goethe war Staatsminister des Herzogtums Sachsen-Weimar, genoss das Vertrauen des Herzogs und entfernte sich von seinem Dichterberuf.

Seine Flucht aus Weimar, seine Italienische Reise, spiegelt sich im Stück. Das der Iphigenie in den Mund gelegte berühmte Parzenlied („Es fürchte die Götter das Menschengeschlecht. Sie halten die Herrschaft in ewigen Händen und können sie wenden, wie’s ihnen gefällt …“) kann als Gleichnis des Lebens an einem Fürstenhof verstanden werden („Der fürchte sie doppelt, den je sie erheben …“).

Titel

Goethe wählte den Titel seines Werkes in falscher Analogie zur latinisierten Version des Titels der Euripidestragödie Ἰφιγένεια ἐν Ταύροις, Iphigenia in Tauris, was eigentlich soviel bedeutet wie Iphigenie bei den Taurern. Der deutsche Titel hingegen bezieht sich nicht auf die Tauri, das skythische Volk auf der Krim, sondern auf eine nicht existente Landschaft namens Tauris.

Literatur

Erstausgabe: J. W. Goethe. Iphigenie auf Tauris. Ein Schauspiel. Leipzig: Göschen 1787

  • Theodor W. Adorno: Zum Klassizismus von Goethes Iphigenie. In: Ders.: Noten zur Literatur IV. Frankfurt a. M. 1981.
  • Bernhardt, Rüdiger: Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie auf Tauris. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd.15). Hollfeld: Bange Verlag 2004. ISBN 978-3-8044-1794-6
  • Kathryn Brown und Anthony Stephens: „… hinübergehn und unser Haus entsühnen“. Die Ökonomie des Mythischen in Goethes Iphigenie. In: Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft 32 (1988), S. 94-115.
  • Franz-Josef Deiters: Goethes „Iphigenie auf Tauris“ als Drama der Grenzüberschreitung oder: Die Aneignung des Mythos. In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1999, S. 14-51.
  • Wolfdietrich Rasch: Goethes Iphigenie auf Tauris als Drama der Autonomie. München 1979.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Iphigenie auf Tauris — Iphigénie en Tauride (Gluck) Pour les articles homonymes, voir Iphigénie en Tauride. Iphigénie en Tauride est un opéra en quatre actes de Christoph Willibald Gluck sur un livret de Nicolas François Guillard, représenté pour la première fois à l… …   Wikipédia en Français

  • Iphigenie — (griechisch Ἰφιγένεια), auch Iphigeneía, Iphigenia oder Iphianassa (griechisch Ἰφιάνασσα) ist in der griechischen Mythologie die älteste Tochter von Agamemnon (dem König von Mykene auf der Peloponnes) und Klytaimnestra und die Schwester von… …   Deutsch Wikipedia

  • Iphigenie — {{Iphigenie}} Tochter der Klytaimestra* und des Agamemnon**, der eine Kränkung der Göttin Artemis* durch Iphigenies Opferung sühnen soll. Eben will man das Mädchen töten, da entführt es die Göttin durch die Lüfte nach Tauris am Schwarzen Meer;… …   Who's who in der antiken Mythologie

  • Tauris — ist eine Landschaft aus der antiken Sagenwelt. Lage Als die antike Landschaft „Tauris“ wird im Bildungsdeutschen gemeinhin die Halbinsel Krim im Schwarzen Meer angenommen (so in Goethes Iphigenie auf Tauris und in Gustav Schwabs einflussreichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Iphigénie en Tauride — Saltar a navegación, búsqueda …   Wikipedia Español

  • Iphigenie en Tauride — Iphigénie en Tauride Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Sommaire 1 Théâtre 2 Opéra 2.1 …   Wikipédia en Français

  • IPHIGÉNIE — Dans la mythologie grecque, fille aînée d’Agamemnon et de Clytemnestre. Lors de la guerre de Troie, son père dut la sacrifier à Artémis pour obtenir de la déesse qu’elle fît cesser le calme (ou les vents contraires) qui retenait en Aulide la… …   Encyclopédie Universelle

  • Iphigenie (Begriffsklärung) — Iphigenie steht für: Iphigenie, Figur in der griechischen Mythologie Iphigenia (Heilige), eine äthiopische Jungfrau und Märtyrin des 1. Jahrhunderts Iphigenie auf Tauris, klassisches Drama von Goethe Iphigénie en Aulide und Iphigénie en Tauride,… …   Deutsch Wikipedia

  • Iphigenie — Iphigenie, Iphigenia griechischer Ursprung, Bedeutung: von Geburt an kräftig. Bekannt aus der griechischen Mythologie sowie literarischen Bearbeitungen, z.B. Goethes »Iphigenie auf Tauris« (1779) …   Deutsch namen

  • Iphigénie en Tauride — Werkdaten Titel: Iphigénie en Tauride Originalsprache: Französisch Musik: Christoph Willibald Gluck Libretto: Nicolas François Guillard …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.