Italiener

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Italiener
Verbreitung der italienischen Sprache in Europa

Als Italiener (Italiani) bezeichnet man im Sinne einer Ethnie die Gesamtheit der Personen italienischer Muttersprache, teilweise auch deren Nachfahren. Italiener sind die Titularnation der Italienischen Republik und des fr√ľheren K√∂nigreichs Italien. Im staatsb√ľrgerlichen Sinn werden alle Staatsangeh√∂rigen Italiens als Italiener bezeichnet.

Das Staatsvolk umfasst √ľber 56 Millionen Menschen und macht etwa 92,5% der Einwohner Italiens aus. Hinzu kommen weltweit 60 bis 70 Millionen[1][2][3] Italienischst√§mmige, haupts√§chlich in Lateinamerika und in den Vereinigten Staaten.

Inhaltsverzeichnis

Ethnogenese

Der Raub der Sabinerinnen
als mythischer Beginn der
Verschmelzung der Italiker

Romanisierung der italischen Stämme in der Antike

In der Bronzezeit verdr√§ngten indoeurop√§ische Italiker, Veneter, Etrusker, Gallier und Griechen die Vorbev√∂lkerung (z. B. Ligurer). W√§hrend in der s√ľditalienischen Magna Graecia Griechen die italischen Sikeler verdr√§ngten und bis heute eine griechische Minderheit lebt, gr√ľndete der italische Stamm der Latiner im 12. Jahrhundert v. Chr. die Stadt Alba Longa. Die R√∂mische Mythologie machte sp√§ter den Trojaner Aeneas zum legend√§ren Stadtgr√ľnder, um sich bereits an eine ruhmreiche Vergangenheit anzusippen. Auch die venetische Stadtgr√ľndung Padua beruft sich auf einen trojanischen Gr√ľndervater (Antenor). Die aus Alba Longa ausgezogenen Zwillingsbr√ľder Romulus und Remus wiederum sollen um 753 v. Chr. die Stadt Rom gegr√ľndet haben.

In zahlreichen K√§mpfen gegeneinander und gegen die Etrusker unterwarfen die latinischen St√§mme schlie√ülich die √ľbrigen italischen St√§mme (Samnitenkriege), gegen die Griechen und Karthager entstand eine italische Wehrgemeinschaft unter F√ľhrung Roms. Nach dem Bundesgenossenkrieg wurden allen italischen und etruskischen St√§mmen und schlie√ülich auch den Venetern r√∂mische B√ľrgerrechte gew√§hrt. Sp√§testens mit der Vernichtung Karthagos und der Eroberung Griechenlands wurde Rom zum Zentrum eines gewaltigen Imperiums, das rund um das Mittelmeer weite Teile Europas, Asiens und Afrikas eroberte und romanisierte. Die Nordgrenze des eigentlichen Italien war zun√§chst der Rubikon, erst sp√§ter verlegten r√∂mische Kaiser ihre Residenzen nach Mailand und Ravenna.

Die Schlacht von Legnano wurde zum nationalen Mythos √ľberh√∂ht

Assimilation germanischer Eroberer im Mittelalter

Doch sp√§testens im 5. Jahrhundert u.Z. brach dieses Imperium w√§hrend der V√∂lkerwanderung zusammen, in Italien gr√ľndeten Ostgoten (in Ravenna) und Langobarden (in Pavia) germanische Reiche. San Marino wurde unabh√§ngig. Die Machtbasis der germanischen arianisch-christlichen Eroberer beschr√§nkte sich jedoch auf eine nur wenige Hunderttausende z√§hlende Milit√§r- und Oberschicht (100.000 Ostgoten), denen f√ľnf bis sieben Millionen katholische R√∂mer gegen√ľberstanden.[4] Ostgoten und Langobarden wurden daher ebenso rasch von der r√∂mischen Zivilisation assimiliert und katholisch wie sp√§ter die ebenfalls germanischen, aber bereits romanisierten und francophonen Normannen S√ľditaliens (Neapel, Tarent, Palermo). Dennoch sind in Norditalien langobardische und in S√ľditalien normannische Siedlungsspuren und Spracheinfl√ľsse nachweisbar. R√∂mer und germanische Eroberer verschmolzen (nicht vor dem 11. Jahrhundert) zu Italienern, doch Unterschiede zwischen Florentinern und Neapolitanern, zwischen Genuesen, Mail√§ndern, Turinern und Venezianern einerseits und R√∂mern oder Sizilianern anderseits blieben bestehen.

Die Langobarden wurden im 8. Jahrhundert von den Franken verdr√§ngt, den fr√§nkischen Eroberern folgten nach den fr√§nkischen Reichsteilungen im 9. Jahrhundert deutsche Eroberer, die im 10. Jahrhundert die letzten fr√§nkisch-r√∂mischen Kaiser bzw. fr√§nkisch-italienischen Nationalk√∂nige unterwarfen. 1027 trennte Kaiser Konrad II. zur Sicherung der wichtigen Brennerroute das Bistum Trient vom italienischen Reichsteil (dem ehemaligen K√∂nigreich der Langobarden) ab und gliederte es dem deutschen Reichsteil ein.

In ganz Italien k√§mpften fortan r√∂misch-deutsche Kaiser, P√§pste und Partikularf√ľrsten, Ghibellinen und Guelfen, Seerepubliken sowie Condottiere mit wechselndem Erfolg um Macht und Einfluss. Der in der Schlacht von Legnano 1176 errungene Sieg der im Lombardenbund zusammengeschlossenen norditalienischen St√§dte √ľber den Kaiser wurde sp√§ter im Risorgimento zwar nationalistisch √ľberh√∂ht, festigte aber das b√ľrgerliche, wenn auch nicht das nationale Selbstbewusstsein der rivalisierenden norditalienischen Stadtrepubliken.

Die Seerepubliken schafften es zu gro√üem Reichtum: Insbesondere die Republik Venedig erlebte dank des Monopols √ľber die Handelsrouten ins Byzantinische Reich eine au√üerordentliche Bl√ľte. Genua und Florenz entwickelten sich zu florierenden Bankzentren und finanzierten Kriege und Expeditionen zahlreicher europ√§ischer Herrscherfamilien.

Kulturelle Wiedergeburt in der Renaissance

Um 1307 schuf der Florentiner Dichter und Philosoph Dante Alighieri mit seiner G√∂ttlichen Kom√∂die ein Werk, welches f√ľr Italien eine √§hnliche Bedeutung hatte wie Luthers Bibel√ľbersetzung f√ľr Deutschland √ľber 200 Jahre sp√§ter. Aus dem toskanischen Dialekt des Vulg√§rlatein und sizilianischen Einfl√ľssen schufen Dante, der Dichter Francesco Petrarca sowie der Autor Giovanni Boccaccio die Grundlagen der modernen italienischen Sprache. Das Lateinische blieb aber weiterhin die dominierende Sprache auf der Halbinsel.

W√§hrend der Frieden von Lodi die Zersplitterung Italiens sowie ein stabiles Patt zwischen den damals f√ľnf st√§rksten italienischen Teilstaaten festigte (Venedig, Mailand, Florenz, Rom, Neapel), ergriff ausgehend von Florenz eine kulturelle R√ľckbesinnung auf Kunst und Wissenschaft, auf Ruhm und Gr√∂√üe der griechisch-r√∂mischen Antike Italien und ganz Europa (Renaissance).

Wirtschaftlicher und politischer Niedergang

Der wirtschaftliche Niedergang Italiens begann unmittelbar nach der Entdeckung Amerikas, mit der Verlagerung des Handels in die √úberseekolonien westeurop√§ischer Staaten, auch angesichts der osmanischen Kontrolle √ľber das Mittelmeer. Die Halbinsel hatte ihre Bedeutung als Umschlagplatz zwischen Abend- und Morgenland verloren.

Politisch wurde Italien, dessen Teilstaaten ihre Unabh√§ngigkeit bis daher erfolgreich verteidigen konnten, zum Spielball fremder M√§chte. Im 16. Jahrhundert k√§mpften Frankreich und Spanien um die Vormachtstellung auf der Halbinsel (Italienische Kriege). Das Tessin war schon 1512/13 an die Schweiz gefallen und die Vorherrschaft des Papsttums war durch die Pl√ľnderung Roms 1527 (Sacco di Roma) gebrochen worden. Florenz wurde nach dem Aussterben der Medici zum franz√∂sisch-√∂sterreichischen Spielball. Im Norden gewann das Piemont regierende Haus Savoyen durch Lavieren zwischen Frankreich und √Ėsterreich immer weitere Gebiete und schlie√ülich Sardinien hinzu und konnte sich zum m√§chtigsten Teilstaat auf der Halbinsel entwickeln. Genua verkaufte die Insel Korsika an Frankreich.

Vom 16. bis hinein ins 19. Jahrhundert stand der Gro√üteil Italiens somit unter Fremdherrschaft oder fremder Verwaltung. Dieses Erbe hat zu einem tief verwurzelten Obrigkeitsmisstrauen gef√ľhrt, es hat dem Individualismus, der Gleichg√ľltigkeit und dem Argwohn gegen den Staat Vorschub geleistet.[5]

Kulturell behielten Italiens Teilstaaten weiterhin eine herausragende Rolle. Rom, der Sitz des Papsttums, wurde ein Zentrum des Barocks, sp√§ter kannte der Klassizismus mit Antonio Canova eine Zeit der Bl√ľte. Zudem f√ľhrte der Grand Tour der S√∂hne des europ√§ischen Adels und des gehobenen B√ľrgertums obligatorischerweise auch durch Italien.

Italienisches Nationalbewusstsein

Nationalheld Giuseppe Garibaldi verkörperte das revolutionär-demokratische Element der Nation

Der Nationalgedanke kam mit den Revolutionsheeren der franz√∂sischen Republik ins Land. General Napoleon Bonaparte, selbst korsischer Herkunft, gr√ľndete seit dem Italienfeldzug diverse Tochterrepubliken. 1802 schuf er aus der Cisalpinischen Republik erstmals eine Italienische Republik und 1805 daraus das K√∂nigreich Italien, dessen Pr√§sidentenamt bzw. Krone er selbst √ľbernahm. Wenn dieses nationale K√∂nigreich auch nicht die gesamte Halbinsel umfasste und schon 1814 im Zuge des Wiener Kongresses von √Ėsterreich zerschlagen wurde, so wuchs aus der Erinnerung daran und dem revolution√§r-demokratischen Ideal die nationale Bewegung des Risorgimento.

Risorgimento

Der Geheimbund der Carbonari organisierte 1820/21 Aufst√§nde in den italienischen Staaten, die von √∂sterreichischen Truppen ebenso niedergeschlagen wurden wie die Auswirkungen der franz√∂sischen Julirevolution von 1830. Nach der Niederlage der Revolution von 1848/49 √ľbernahm statt revolution√§rer republikanische Kreise (z. B. Giuseppe Garibaldi) das K√∂nigreich Sardinien-Piemont die F√ľhrung im Kampf um die nationale Einigung. Die Italienischen Unabh√§ngigkeitskriege f√ľhrten 1861 schlie√ülich zur Errichtung eines gesamtitalienischen K√∂nigreichs unter dem Haus Savoyen. Durch den Frieden von Wien (1866) kamen auch Venetien und ein Gro√üteil des Friauls zu Italien. Mit der Angliederung Roms (und dem Sturz des Papstes) 1871 war die nationale Einigungsbewegung zuerst vollendet. Die von Italienern besiedelten Gebiete Trient, Triest und Istrien (das zusammen mit Dalmatien bis 1797 zu Venedig und 1805-1809 zu Italien geh√∂rt hatte) waren au√üerhalb des Nationalstaats geblieben und bis auf weiteres ein Teil des Habsburger Reiches. Zudem hatte Sardinien-Piemont 1860 Savoyen und Nizza an Frankreich zur√ľckgeben m√ľssen. Diese Gebiete wurden Ziel der Irredenta-Bewegung.

Das junge K√∂nigreich Italien war zus√§tzlich mit wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, dem Nord-S√ľd-Gegensatz und dem Brigantenwesen im S√ľden konfrontiert. Es wurde vers√§umt, die Verh√§ltnisse insbesondere im S√ľden durch eine Landreform und eine gerechte Besteuerung zu verbessern. Auch sprachlich war das Land nicht geeint: Gerade mal 2,5% der Bev√∂lkerung waren der hochitalienischen Schriftsprache m√§chtig.[6] Der Politiker Massimo d‚ÄôAzeglio beschrieb die Situation mit dem Ausspruch: ‚ÄěFatta l‚ÄôItalia bisogna fare gli italiani‚Äú (sinngem√§√ü: Italien war entstanden, die Italiener mussten aber erst noch geschaffen werden).[7]

Irredentismus und Kolonialismus

Die Niederlage von Adua f√ľhrte zu einem nationalen Trauma

Anl√§sslich des Jahrestages der Schlacht von Legnano entstand 1876 eine Gesellschaft zur Befreiung und Angliederung des unerl√∂sten Italien (Italia irredenta). Die italienischen Regierungen neigten fortan dazu, vor inneren Krisen immer wieder propagandistisch in die Irredenta-Politik zu fl√ľchten.[8] Die damit verbundene Konfrontation mit √Ėsterreich-Ungarn (und sp√§ter Jugoslawien) wurde zur nationalen Frage und einem Hauptelement des italienischen Nationalismus.[9]

Wegen der erst sp√§ten Herausbildung eines ausreichend m√§chtigen Nationalstaats war Italien beim Erwerb von Kolonien zu sp√§t bzw. zu kurz gekommen und strebte nun wie auch Deutschland, Japan oder die USA nach einer Neuaufteilung der Welt. Der Besetzung Tunesiens war Frankreich 1881 zuvorgekommen, obwohl sich dort bereits italienische Siedler und italienisches Kapital zu verbreiten begonnen hatten. Daraufhin verb√ľndete sich Italien mit Frankreichs Feind Deutschland und √Ėsterreich-Ungarn zum Dreibund, wodurch die Irredenta-Bewegung vorerst blockiert und von Ministerpr√§sident Crispi zeitweise sogar unterdr√ľckt wurde. Bismarck, aber auch Gro√übritannien dr√§ngte Italien stattdessen zu Kolonialabenteuern. Ab 1882 begann Italien, sich in Ostafrika festzusetzen (Eritrea, Somalia), Deutschland verzichtete und gab seine Anspr√ľche auf die Somalik√ľste auf. Erste Versuche, √Ąthiopien zu erobern, scheiterten 1887 und 1896.

Die Niederlage in der Schlacht von Adua war f√ľr das italienische Nationalbewusstsein ebenso pr√§gend wie sie es f√ľr das √§thiopische Nationalbewusstsein wurde. Einerseits wurde die √∂ffentliche Meinung f√ľr Jahrzehnte von nationalistisch-revanchistischen Racheforderungen beeinflusst, die republikanisch-demokratische und proletarisch-sozialistische Forderungen √ľberschatteten. Andererseits hatte gerade die Niederlage die Ohnmacht und Unzul√§nglichkeit italienischer Kolonialpolitik aufgezeigt. Crispi wurde gest√ľrzt, seine Nachfolger wandten sich wieder der naheliegenden Irredenta zu. Italien erkannte die franz√∂sische Herrschaft in Tunesien an, Frankreich wiederum Italiens Anspr√ľche auf Tripolitanien (Libyen), welches im Italienisch-T√ľrkischen Krieg von den Osmanen abgetreten werden musste.

Weltkriege und Faschismus

Italiens Diktator Benito Mussolini

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs verlor der Liberalismus des Giovanni Giolitti gegen√ľber dem Integralen Nationalismus des Gabriele d'Annunzio an Masseneinfluss. Nachdem Italien von den Entente-M√§chten die Irredenta-Territorien zugesagt worden waren, trat es 1915 in den Krieg ein und erhielt 1919 im Vertrag von Saint-Germain tats√§chlich das Trentino, Triest und Istrien sowie die dalmatinische Stadt Zadar. Der Rest Dalmatiens fiel jedoch an Jugoslawien und auch die Stadt Fiume sowie Albanien oder Kolonialbesitzt√ľmer konnte Italien zun√§chst nicht erwerben. Es bekam zwar zus√§tzlich das deutschsprachige S√ľdtirol, die Entt√§uschung √ľber den verst√ľmmelten Sieg (vittoria mutilata) war jedoch gro√ü. Diese lenkten Benito Mussolinis Faschisten in nationalistische Bahnen, die sie 1922 schlie√ülich an die Macht brachten. Mussolinis Irredenta-Politik erstreckte sich nach der Zerschlagung √Ėsterreich auch auf das Tessin und f√ľhrte zu Konflikten mit der Schweiz und der ‚Äělateinischen Schwester‚Äú Frankreich. In Frankreich lebten damals 850.000 Italiener, in Franz√∂sisch-Tunesien weitere 100.000. Die deutsche und die slowenisch-kroatische Minderheit wurden ebenso Opfer einer r√ľcksichtslosen Italianisierungspolitik wie die nichtitalienischen Minderheiten der Alpenromanen.

Doch Mussolinis √ľberhitzter Nationalismus ging weiter. Aus einer √úbersteigerung der Geschichte und gest√ľtzt auf altr√∂mische Traditionselemente entwickelte er einen √ľbernationalen Herrschaftsanspruch √ľber ein gro√ües Mittelmeerreich (Mare Nostrum). Daf√ľr wurde ein totalit√§rer F√ľhrerstaat geschaffen, der militaristisch, zentralistisch und klerikalfaschistisch war (1929 Vers√∂hnung mit dem Papsttum). Jeder einzelne Italiener hatte nur innerhalb der Gesamtheit und im Einsatz f√ľr den Staat einen Wert, regionalistische oder nebenstaatliche Strukturen (wie z. B. die Mafia) wurden bek√§mpft.[10] Die Nation verstand Mussolini als Schicksalsgemeinschaft und Partnerschaft zwischen den Interessen der Besitzlosen und der Besitzenden.

Propagiertes Ziel war die Wiedererrichtung des R√∂mischen Imperiums (Renovatio Imperii Romanorum). Ebenso wie etwa Frankreich oder Gro√übritannien sah sich auch Italien als Kulturnation und Zivilisationsbringer. Die allm√§hlich erfolgreich indoktrinierten und faschisierten Massen wurden 1931 f√ľr die ‚ÄěBefriedung‚Äú Libyens, 1935/36 f√ľr die Eroberung √Ąthiopiens (das niemals zum R√∂mischen Reich geh√∂rt hatte) und 1939 f√ľr die Besetzung Albaniens mobilisiert, doch italienische Siedler wollten sich in den Kolonien kaum niederlassen, und zwischen 1941 und 1943 brach das Imperium zusammen. Die Kolonien gingen nach dem Krieg alle verloren.

Italienische Republik

Die 1946 aus dem K√∂nigreich hervorgegangene Italienische Republik z√§hlt heute √ľber 60 Millionen Einwohner, rund 4 Millionen davon sind Ausl√§nder.

Bestimmender Grundsatz des italienischen Staatsb√ľrgerschaftsrechts ist das Abstammungsprinzip: Ist Mutter oder Vater Italiener, so erwirbt das Kind ebenfalls die Staatsangeh√∂rigkeit per Geburt. Der Erwerb der Staatsb√ľrgerschaft durch Naturalisation ist an einen vierj√§hrigen rechtm√§√üigen Aufenthalt f√ľr EU-B√ľrger beziehungsweise einen zehnj√§hrigen rechtm√§√üigen Aufenthalt f√ľr Nicht-EU-B√ľrger gebunden. Eine mehrfache Staatsb√ľrgerschaft ist grunds√§tzlich m√∂glich.

Separatismus

Die italienische Sprache und italienische Dialekte (12-22) sowie die anderen romanischen Sprachen in S√ľd- und Westeuropa
Dialekte und Regionen Italiens

Auch nach der Einigung von 1861 hatten in S√ľditalien Anh√§nger der aus Neapel vertriebenen Bourbonen mit Hilfe regionalistischer und separatistischer Kr√§fte den Widerstand gegen Rom noch eine Zeitlang fortgesetzt, im Gegenzug vernachl√§ssigte Rom lange Zeit die wirtschaftliche Hebung der widerspenstigen Regionen. Insbesondere die Sizilianer beanspruchten eine Sonderstellung in der Nation und erhielten aufgrund der starken Separatismusbestrebungen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein Autonomiestatut, noch bevor die gesamtitalienische Verfassung in Kraft trat.

Im Norden setze sich Ende der 1980er Jahre die Lega Nord f√ľr die autonomistischen Bestrebungen der dortigen Bev√∂lkerung ein. Die Partei bef√ľrwortete zwischenzeitlich sogar die Abspaltung der wirtschaftlich entwickelten und reichen Regionen Norditaliens. Zu diesem Zweck wurde die Idee einer eigenen Nation geschaffen, Padanien genannt, welche historische und sprachliche Besonderheiten der Po-Ebene gegen√ľber dem restlichen Italien unter der Herrschaft des ‚Äědiebischen Rom" (Roma ladrona) untermauern sollte.

Historische Ereignisse wie die Schlacht von Legnano werden als Symbol des norditalienischen Widerstandes gefeiert. Die Lega Nord f√ľhrt sogar den Freiheitsk√§mpfer Alberto da Giussano in ihrem Parteiwappen. Zudem betont sie, dass Staatsgebilde wie die Seerepublik Venedig √ľber Jahrhunderte unabh√§ngig blieben.

Sprachlich jedoch ist die vermeintliche Sonderrolle der Po-Ebene nicht fundiert. Die norditalienischen Dialekte stellen keine Ableger einer eigenen Sprache dar, sondern einen √úbergang. Sie sind zwar ‚Äď im Gegensatz zu den √ľbrigen ostromanischen Dialekte s√ľdlich der La-Spezia-Rimini-Linie ‚Äď westromanischen Ursprungs, aber durch das Standarditalienische √ľberlagert und mit ihm verschmolzen. Zudem wurde der Kunstbegriff Padanien auch auf Gebiete s√ľdlich der Linie liegenden und somit ostromanisch-italienischen Marken und der Toskana (aus dessen ostromanischen Florentiner Dialekt die italienische Standardsprache ja √ľberhaupt erst entwickelt wurde).

Sprachminderheiten

In Italien sind germanische, romanische und slawische Sprachminderheiten ansässig.[11]

Zu den germanischen Minderheiten z√§hlen neben den etwa 320.000 deutschsprachigen S√ľdtirolern auch 2.000 Fersentaler und 1.000 Zimbern im Trentino sowie 1.000 Walserdeutsche im Aostatal und in der Provinz Verbania. Weitere 2.500 Deutschssprechende bev√∂lkern die Sprachinseln Zahre und Tischelwang sowie das Kanaltal im Friaul und Pladen in Venetien.

Romanische Sprachminderheiten sind die 1.000.000 Sarden auf Sardinien, die 500.000 Friauler in Nordostitalien, die 90.000 Frankoprovenzalen im Aostatal, Piemont und zwei s√ľditalienischen Sprachinseln[12], die 30.000 Ladiner in den Provinzen Bozen, Trient und Belluno, die 18.000 Katalanen im sardischen Alghero. Okzitanen sind im Piemont und im kalabrischen Guardia Piemontese eine anerkannte Minderheit.

60.000 Slowenen in Friaul-Julisch Venetien und 2.400 Molisekroaten gehören zu den slawischen Minderheiten in Italien.

Auch 100.000 Albaner und 12.000 Griechen in S√ľditalien sind anerkannte Minderheiten.

Alteingesessene italienischsprachige Minderheiten

Alteingessesene italienischsprachige Minderheiten in Europa gibt es in der Schweiz (520.000), Frankreich (200.000), Kroatien (19.636)[13] und Slowenien (2.258).[14] Die meisten Italiener (200.000 bis 350.000) in der historischen Region Julisch Venetien, die heute großteils zu Kroatien und Slowenien gehört, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben.

Auch Monegassen und San-Marinesen sind italienischen Ursprungs und sprechen italienische Dialekte. Ethnisch sind sie Italiener, staatsrechtlich haben sie jeweils nichtitalienische Staatsb√ľrgerschaften. Allerdings sind 16-19% der Einwohner Monacos und 12-13% der Einwohner San Marinos Einwanderer mit italienischer Staatsb√ľrgerschaft. Auch die meisten der knapp 1.000 Einwohner des Vatikanstaates sind Italiener.

In der franz√∂sischen Kolonie Tunesien lebten zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch √ľber 100.000 Italiener und damit mehr als Franzosen, vor allem in den St√§dten Tunis, Biserta, La Goulette, Sfax. Nach der Unabh√§ngigkeit verlie√üen die meisten das Land. Heute leben in Tunesien noch etwa 3.000 Italiener.

Italienische Diaspora

Etwa 60 bis 70 Millionen außerhalb Italiens lebende Menschen haben dort ihre Wurzeln.

Das arme Land war zwischen 1876 und 1915 von einer massiven Auswanderungswelle betroffen. Schätzungsweise 14 Millionen Italiener verließen damals ihre Heimat. 1913 war das Jahr mit der höchsten aufgezeichneten Auswanderung: Über 870.000 Menschen wanderten damals aus.[15]

Hauptziele waren Brasilien und Argentinien sowie die USA. Dort bilden sie und ihre Nachkommen als Italo-Amerikaner mit 17.749.800 etwa 5,8% der Bevölkerung,[16] doch nur noch 789.800 Italoamerikaner sprechen Italienisch als Muttersprache (0,3% der Gesamtbevölkerung). Von diesen Muttersprachlern wiederum beherrschen nur 28,2% Englisch.[17]

Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich die Einwanderung verstärkt Richtung Westeuropa, viele Italiener wanderten insbesondere nach Deutschland, in die Schweiz und nach Frankreich aus.

Italienischstämmige weltweit

Staaten mit größter Anzahl an Italienischstämmigen Nachweis
BrasilienBrasilien Brasilien 25 Millionen (ca. 13‚Äď14% der Bev√∂lkerung) [18][19]
ArgentinienArgentinien Argentinien 20 Millionen (ca. 50%) [20][21]
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 17,8 Millionen (ca. 6%) [22]
FrankreichFrankreich Frankreich 3,5 Millionen (ca. 2%) [23]
KanadaKanada Kanada 1,5 Millionen (ca. 4,5%) [24]
UruguayUruguay Uruguay 1 Million (ca. 29%) [21]
VenezuelaVenezuela Venezuela 1 Million (ca. 4%)
AustralienAustralien Australien 850.000 (ca. 4%) [25]
ChileChile Chile 800.000 (< 5%) [21]
DeutschlandDeutschland Deutschland 650.000 ‚Äď 700.000 (< 1%)
SchweizSchweiz Schweiz 550.000 ‚Äď 700.000 (ca. 8%)
PeruPeru Peru 500.000 (ca. 3%) [26]
Vereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Vereinigtes K√∂nigreich 300.000 ‚Äď 500.000 (< 1%)
BelgienBelgien Belgien 290.000 (ca. 3%) [27]
Costa RicaCosta Rica Costa Rica 120.000 (ca. 3%)
ParaguayParaguay Paraguay 100.000 (ca. 1,5%)

Italienische Staatsb√ľrger weltweit

Im konsularischen Personenregister sind nach wie vor 4.106.640 Staatsb√ľrger eingetragen.

Staaten mit den meisten italienischen Staatsangehörigen
ArgentinienArgentinien Argentinien 659.655
DeutschlandDeutschland Deutschland 648.453
SchweizSchweiz Schweiz 533.821
FrankreichFrankreich Frankreich 343.197
BrasilienBrasilien Brasilien 297.137
BelgienBelgien Belgien 251.466
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 199.284
Vereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Vereinigtes K√∂nigreich 187.363
VenezuelaVenezuela Venezuela 124.133
AustralienAustralien Australien 122.863
KanadaKanada Kanada 121.465
SpanienSpanien Spanien 104.637
UruguayUruguay Uruguay 90.231
ChileChile Chile 48.966
NiederlandeNiederlande Niederlande 32.730
andere Staaten 341.239
Quelle: Italienisches Außenministerium[28]

Der Staat mit den meisten Pass-Italienern au√üerhalb Italiens ist Argentinien. Die meisten Auslandsitaliener leben aber in Europa (2.236.326), insbesondere in Deutschland und in der Schweiz. In Deutschland stellen sie nach den T√ľrken die zweitgr√∂√üte Gruppe der Ausl√§nder. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland 619.100 Menschen mit italienischem Migrationshintergrund.[29] Laut italienischem Au√üenministerium halten sich 648.453 italienische Staatsb√ľrger in Deutschland auf, weitere 533.821 Italiener leben in der Schweiz. Viele von Ihnen haben dank eines bilateralen Abkommens die doppelte Staatsb√ľrgerschaft, daher z√§hlen die schweizerischen Beh√∂rden nur 290.000 Italiener.[30] In √Ėsterreich leben 17.086 Menschen mit italienischer Staatsangeh√∂rigkeit.

Siehe auch

Literatur

  • Diercke L√§nderlexikon, 1989, ISBN 3-89350-211-4.
  • Harald Haarmann: Kleines Lexikon der V√∂lker: von Aborigines bis Zapoteken.
  • Detlev Wahl: Lexikon der V√∂lker Europas und des Kaukasus. Rostock 1999, Seite 94‚Äď101.
  • Dietmar St√ľbler: Italien ‚Äď 1789 bis zur Gegenwart. Berlin 1987.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Ein Panorama der Migration ‚Äď Italienische und deutsche Erfahrungen ‚Äď Ein Vergleich in 10 Thesen (PDF) S. 3
  2. ‚ÜĎ Wie viele sind die Italiener im Ausland?, Italienische Bischofskonferenz
  3. ‚ÜĎ Rapporto Italiani nel Mondo 2009 (PDF) Stiftung Migrantes
  4. ‚ÜĎ Rigobert G√ľnther: Vom Untergang Westroms bis zum Reich der Merowinger. Dietz, Berlin 1987, Seite 136.
  5. ‚ÜĎ Wie funktioniert Italien? Wenn wir wollten, k√∂nnten wir ‚Ķ In: Die Zeit, Nr. 13/2010.
  6. ‚ÜĎ Anna Laura Lepschy, Giulio C. Lepschy: Die italienische Sprache, S. 38
  7. ‚ÜĎ Richard Mohr: Dann reitet mein K√∂nig wohl √ľber mein Grab. (PDF) Inszenierung von Nation am Beispiel des Monumento Nazionale Vittorio Emanuele II in Rom, S. 3
  8. ‚ÜĎ Kinder, Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Band 2, Seiten 73 und 119. M√ľnchen/K√∂ln 1989
  9. ‚ÜĎ Golo Mann: Das Fischer Lexikon Au√üenpolitik, Seiten 121‚Äď126. Frankfurt/Hamburg 1958
  10. ‚ÜĎ Fraenkel, Bracher: Das Fischer Lexikon Staat und Politik, Seite 64f. Frankfurt/Hamburg 1959
  11. ‚ÜĎ Autonome Region Trentino - S√ľdtirol, Sprachminderheiten in Italien
  12. ‚ÜĎ Celle di San Vito und Faeto in der Provinz Foggia
  13. ‚ÜĎ Population by Ethnicity, by Towns/Municipalities, Census 2001. DZS.hr (2001). Abgerufen am 9. Mai 2007.
  14. ‚ÜĎ Population by ethnic affiliation, Slovenia, Census 1953, 1961, 1971, 1981, 1991 and 2002
  15. ‚ÜĎ Quelle: Aufarbeitung von Daten von ISTAT, in Gianfausto Rosoli, Un secolo di emigrazione italiana 1876-1976, Roma, Cser, 1978
  16. ‚ÜĎ Sarah Janssen (Hrsg.): New York Times The World Almanac and book of facts 2010, Seite 625
  17. ‚ÜĎ New York Times The World Almanac and book of facts 2009, Seite 596
  18. ‚ÜĎ Italienische Botschaft in Brasilien
  19. ‚ÜĎ italplanet.it
  20. ‚ÜĎ asteriscos.tv
  21. ‚ÜĎ a b c migranti.torino.it (PDF)
  22. ‚ÜĎ U.S Census Bureau ‚Äď Selected Population Profile in the United States
  23. ‚ÜĎ archiviostorico.corriere.it
  24. ‚ÜĎ statcan.ca
  25. ‚ÜĎ abs.gov.au
  26. ‚ÜĎ lucanidelperu.com
  27. ‚ÜĎ inca-cgil.be
  28. ‚ÜĎ Statistisches Jahrbuch 2009, S. 121‚Äď129 (PDF)
  29. ‚ÜĎ Bev√∂lkerung und Erwerbst√§tigkeit. Bev√∂lkerung mit Migrationshintergrund ‚Äď Ergebnisse des Mikrozensus 2005. Statistisches Bundesamt Deutschland, Erschienen am 4. Mai 2007, abgerufen am 28. Mai 2008
  30. ‚ÜĎ Erstmals √ľber eine Million EU- und EFTA Angeh√∂rige in der Schweiz. In: NZZ Online

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  • Italiener ‚ÄĒ Italiener, 1) Bewohner Italiens; 2) Kaufleute, welche mit Citronen, Orangen u.a. S√ľdfr√ľchten, Caviar, Lachs u. √§hnlichen E√üwaaren, s√ľ√üen u.a. Weinen (Italienischen Waaren) handeln; 3) in den deutschen Cantonen der Schweiz die ultramontan… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Italiener ‚ÄĒ Italińďner, s. Italienisches Huhn ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Italiener ‚ÄĒ Itaker (derb) * * * Ita|li|e|ner ‚Ć©m. 3‚Ć™ Einwohner des heutigen Italiens * * * Ita|li|e|ner, der; s; : Ew. * * * I Italiener, ¬† den Romanen zugeh√∂riges Volk, das Staatsvolk Italiens (etwa 54 Mio.) mit italienis ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Italiener ‚ÄĒ Ita|li|e|ner die (Plur.) <nach Italien, dem Herkunftsland der ersten Zuchtexemplare> sehr legefreudige Rasse von schlanken, kr√§ftigen H√ľhnern mit h√§ufig graubrauner od. goldfarbiger F√§rbung ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch

  • italiener ‚ÄĒ i|ta|lie|ner sb., en, e, ne ‚Ķ   Dansk ordbog

  • Italiener ‚ÄĒ Ita|li|e|ner ‚Ķ   Die deutsche Rechtschreibung

  • Italiener in D√ľsseldorf ‚ÄĒ Italiener bildeten zum Stichtag 31. Dezember 2007 in der nordrhein westf√§lischen Landeshauptstadt D√ľsseldorf mit 6.890 Personen nach T√ľrken und Griechen die drittgr√∂√üte Gruppe ausl√§ndischer Staatsb√ľrger.[1] Somit stellten sie an der gesamten… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • ITALIENER, BRUNO ‚ÄĒ (1881‚Äď1956), rabbi, author, and historian of Jewish manuscript illumination. Italiener, who was born in Burgdorf, Hanover (Germany), studied at the Jewish Theological Seminary in Breslau and Erlangen University. He served from 1907 to 1928 as… ‚Ķ   Encyclopedia of Judaism


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