Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung

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Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung

Die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung ist eine Serie von Ereignissen, Ideen und Ver√§nderungen, die zur politischen Separation der Dreizehn Kolonien in Nordamerika vom Britischen Empire und der Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika f√ľhrten. Zwar war der US-amerikanische Unabh√§ngigkeitskrieg ein wesentlicher Teil dieser Unabh√§ngigkeitsbewegung, aber die Bewegung sowie der Krieg entnahmen ihre Motivation von l√§ngerfristigen Entwicklungen und setzten Ereignisse voraus, die schon stattfanden, bevor der erste Schuss in der Schlacht von Lexington und Concord (1775) abgefeuert wurde. Ebenso gingen die Entwicklungen nach der britischen Kapitulation im Anschluss an die Schlacht von Yorktown (1781) weiter.

Vor der Unabhängigkeitsbewegung: Die Dreizehn Kolonien sind rot markiert, die rosa Fläche wurde von Großbritannien nach dem Franzosen- und Indianerkrieg beansprucht und die orange Fläche wurde von Spanien beansprucht. (Auf dieser Karte ist der Großteil von Britisch Nordamerika nicht zu sehen.)

Die exakte Natur und der Umfang der Unabh√§ngigkeitsbewegung ist eine Sache der Ansicht. Allgemein besteht die Meinung, dass die Unabh√§ngigkeitsbewegung w√§hrend des Franzosen- und Indianerkrieges (entspricht dem Siebenj√§hrigen Krieg) (1754‚Äď1763) begann und mit dem Verfassungskonvent von 1787 endete. Zu allen anderen Punkten variieren die Interpretationen.

In den USA wird die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung ‚ÄěAmerican Revolution ‚Äď Amerikanische Revolution‚Äú genannt. Unter anderem in Deutschland, Spanien und Frankreich wird die Tatsache der Losl√∂sung vom kolonialen Mutterland den damit einhergehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ver√§nderungen jedoch √ľbergeordnet. In mehreren Sprachen wird zudem der im englischen Original ‚ÄěAmerican Revolutionary War‚Äú genannte Krieg nicht als ‚ÄěAmerikanischer Revolutionskrieg‚Äú, sondern ‚ÄěAmerikanischer Unabh√§ngigkeitskrieg‚Äú genannt. So zum Beispiel in der deutschen, franz√∂sischen (‚ÄěGuerre d'ind√©pendance des √Čtats-Unis d'Am√©rique‚Äú) oder der spanischen Sprache (‚ÄěGuerra de la Independencia de los Estados Unidos‚Äú).

Inhaltsverzeichnis

Urspr√ľnge

In den fr√ľhen 1760ern herrschte das K√∂nigreich Gro√übritannien √ľber ein gro√ües Imperium auf dem Nordamerikanischen Kontinent. Zus√§tzlich zu den dreizehn britischen Kolonien hatte der Sieg im Siebenj√§hrigen Krieg Gro√übritannien Zugriff auf Neufrankreich, (Kanada), Spanisch Florida und die Gebiete der Indianer √∂stlich des Mississippi River gegeben. Ein Krieg gegen Frankreichs fr√ľhere indianische Verb√ľndete (Pontiac-Aufstand) f√ľhrte, wenn auch nicht zur Eroberung, so doch zu Befriedung der westlichen Grenzl√§nder. Die meisten wei√üen Kolonisten in Amerika betrachteten sich selbst als loyale Untertanen der britischen Krone, mit denselben Rechten und Pflichten wie die Einwohner Britanniens.

Die Auswirkungen der fr√ľhen wissenschaftlichen Revolution hatten einen immer gr√∂√üeren Einfluss auf das t√§gliche Leben und das bewusste Denken von jedermann. Die zunehmenden Ver√∂ffentlichungen und der Gedankenaustausch zwischen Gleichgesinnten √∂ffnete neue Gebiete f√ľr Fragen und Betrachtungen. Die fr√ľhen Werke von Denkern wie John Locke wurden Grundlage f√ľr M√§nner wie Charles de Secondat, Baron de Montesquieu. Die deistischen Ansichten einiger der Gr√ľnderv√§ter der USA und ihre Ansichten √ľber die passende Art der Regierung hatten ihre Wurzeln in der europ√§ischen Aufkl√§rung und wurden Grundlage f√ľr Ideen wie die Trennung von Kirche und Staat und anderer Freiheiten.

Religiöse Entwicklungen

Die Erste Gro√üe Erweckung ("The First Great Awakening", 1730er und 1740er Jahre) war die amerikanische Fortsetzung fr√ľherer religi√∂ser Erweckungen in Europa und f√ľhrte zur Infragestellung der Autorit√§t bestehender religi√∂ser Institutionen, insbesondere, aber nicht ausschlie√ülich der Church of England. Die Erweckung betonte individuelles Gewissen und individuelle Erfahrung als wichtige Quelle der religi√∂sen Erfahrung. Dies schloss ein starkes Element des Klassenkampfes ein: Gott erteilte seine Gnade jedem Menschen, unabh√§ngig von sozialer Herkunft und Grad der Ausbildung. Das war eine direkte Herausforderung der Anschauung der Oberklasse √ľber die H√∂herwertigkeit der Autorit√§ten ‚Äď und eine Grundlage f√ľr sp√§tere revolution√§re Ideen; es war zugleich das erste Ereignis, welches als gemeinsame Erfahrung durch alle Kolonien str√∂mte, von Neuengland bis zu North Carolina und South Carolina.

Der Weg zur Rebellion

Nach dem Franzosen- und Indianerkrieg und dem Pontiac-Aufstand wollte der neu gekrönte König Georg III. seine nordamerikanischen Besitzungen neu ordnen. Um sein Imperium stabiler und profitabler werden zu lassen, wurde eine neue Wirtschafts- und Landverteilungspolitik umgesetzt. Die koloniale Verärgerung wuchs im Lauf eines Jahrzehnt immer mehr an und hatte einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Wirtschaftliche Streitigkeiten 1760‚Äď1770

Die britische Staatsverschuldung hatte während der Kriegsjahre ein alarmierendes Niveau erreicht. Darum begann die Krone 1766 eine Reihe wirtschaftlicher Schritte zu unternehmen, um mehr Einnahmen aus den Kolonien zu erhalten. Die Vorgaben wurden damit gerechtfertigt, dass die Kolonisten die Vorteile des Friedens genossen, der erstritten worden war.

Theoretisch hatte Gro√übritannien bereits durch die Navigationsakte die Wirtschaft der Kolonien reguliert, aber eine weit gehende Nichtbeachtung dieser Gesetze wurde lange toleriert. Nun wurde jedoch durch die Anwendung unbegrenzter Durchsuchungsbefehle (gerichtliche Ausf√ľhrungsanordnung) eine strenge Vollstreckung zur Praxis. 1761 behauptete der massachusettsche Rechtsanwalt James Otis, dass die Ausf√ľhrungsanordnungen die verfassungsm√§√üigen Rechte verletzten. Er verlor den Prozess, aber John Adams schrieb sp√§ter: ‚Äědie amerikanische Unabh√§ngigkeit wurde dort und zu dieser Zeit geboren.‚Äú

1764 f√ľhrten Zuckergesetz und W√§hrungsgesetz des britischen Premierministers George Grenville zu wirtschaftlicher Not in den Kolonien. Proteste f√ľhrten zum Boykott britischer Waren und zum Aufkommen des popul√§ren Slogans ‚ÄěKeine Besteuerung ohne Repr√§sentation‚Äú (No taxation without representation) mit dem die Kolonisten unter Berufung auf die kolonialen Gr√ľndungsbriefe und die Magna Charta ausdr√ľckten, dass nur ihre Kolonialparlamente und nicht das Parlament des Vereinigten K√∂nigreichs Steuern von ihnen erheben k√∂nnten. In den Kolonien wurden Korrespondenz-Komitees gebildet, die den Widerstand koordinierten. Bislang hatten die Kolonien wenig Neigung zu gemeinsamen Aktionen gezeigt. Grenvilles Bestimmungen brachten sie zusammen.

Ein Meilenstein der Unabhängigkeitsbewegung war 1765, als Grenville das Stempelgesetz als einen Weg durchsetzte, die Truppeneinquartierung in Nordamerika zu finanzieren. Das Stempelgesetz sah vor, dass auf allen offiziellen Dokumenten, kommerziellen Verträgen, Zeitungen, Prospekten und Spielkarten in den Kolonien ein Steuerstempel aufgedruckt sein musste.

Der koloniale Protest erfasst eine breite Masse. Patriotische Gruppierungen wie die S√∂hne der Freiheit, wurden in jeder Kolonie gebildet und setzten sich offen daf√ľr ein, die Durchf√ľhrung des Stempelgesetzes zu verhindern. Der Aufruhr erreichte seinen H√∂hepunkt mit dem Stempelgesetzkongress, der im Oktober 1765 einen formalen Protest an das Parlament schickte. Das Parlament antwortete mit der Aufhebung des Stempelgesetzes, betonte aber mit dem Erkl√§rungsgesetz seine legale Autorit√§t √ľber die Kolonien ‚Äěin allen Belangen‚Äú.

Diese √ľbertriebene Darstellung des Bostonmassakers von Paul Revere hatte das Ziel, den Widerstand gegen die milit√§rische Besetzung Bostons zu entfachen.

Die Folgen lie√üen nicht lange auf sich warten. 1767 verabschiedete das Parlament die Townshendgesetze, die eine Steuer auf einige Grundbedarfsg√ľter erhob, die von den Kolonien importiert wurden, einschlie√ülich Glas, Farbe, Blei, Papier und Tee. Koloniale F√ľhrer organisierten Boykotts dieser britischen Importe. Die ‚ÄěLiberty‚Äú, ein Schiff des kolonialen H√§ndlers John Hancock, wurde des Schmuggels verd√§chtigt und am 10. Juni 1768 von Zollbeamten in Boston beschlagnahmt. W√ľtende Stra√üenproteste veranlassten die Zollbeh√∂rden, nach London zu berichten, dass sich Boston im Ausnahmezustand befinde.

Im Oktober 1768 trafen die ersten britischen Truppen in Boston ein. Die Spannungen erh√∂hten sich weiter und fanden ihren H√∂hepunkt am 5. M√§rz 1770 im Massaker von Boston, als britische Soldaten des ‚Äě29th Regiment of Foot‚Äú in eine w√ľtende Menschenmenge feuerten und f√ľnf Menschen t√∂teten. Revolution√§re Agitatoren wie Samuel Adams benutzten dieses Ereignis, um den √∂ffentlichen Widerstand zu sch√ľren, aber nach der Gerichtsverhandlung √ľber die Soldaten, die von John Adams verteidigt wurden, legten sich die Spannungen.

Die Townshendgesetze wurden 1770 zur√ľckgenommen, und es wurde theoretisch m√∂glich, dass weiteres Blutvergie√üen in den Kolonien h√§tte verhindert werden k√∂nnen. Die britische Regierung hatte aber eine Steuer des Townshendgesetze bestehen lassen, als Symbol ihres Rechtes, die Kolonien zu besteuern ‚Äď die Teesteuer. F√ľr die Unabh√§ngigkeitsk√§mpfer, die standhaft das Prinzip vertraten, dass nur ihre kolonialen Vertreter sie mit Steuern belegen konnten, war auch nur eine Steuer zu viel.

Streit um das Land im Westen

Die britische K√∂nigliche Proklamation von 1763 sollte die Konflikte zwischen Indianern und englischen Siedlern begrenzen, indem sie das Siedeln westlich der Appalachen einschr√§nkte. Trotzdem zogen Gruppen von Siedlern, zum Beispiel unter Daniel Boone weiter in das Gebiet hinter der Proklamationsgrenze und stie√üen gewaltsam mit Shawnee und anderen V√∂lkern zusammen, die in diesem Gebiet siedelten. Zudem erweiterte das Quebec Act die Grenzen Qu√©becs bis zum Ohio, f√ľhrte das franz√∂sische Zivilrecht wieder ein und schrieb die Tolerierung von Katholiken in diesem Gebiet fest. Angebote britische regul√§re Truppen auszusenden, um Forts im Westen zu besetzen, beunruhigten die Amerikaner zus√§tzlich, die begierig darauf waren, weiter westlich zu siedeln.

Krisen von 1772‚Äď1775

  • Gasp√©eaff√§re
  • Teegesetz von 1773
  • Boston Tea Party am 16. Dezember 1773
  • Intolerable Acts von 1774
  • Der erste Kontinentalkongress tagte ab dem 5. September 1774 in Philadelphia und unterst√ľtzte die Suffolkbeschl√ľsse, die die Intolerable Acts als verfassungswidrig erkl√§rten, forderte das Volk auf, Milizen zu bilden, und Massachusetts, eine unabh√§ngige Regierung zu bilden.
    • Joseph Galloways Plan der Bildung einer Union mit Gro√übritannien wurde abgelehnt.
  • Schlacht von Lexington und Concord am 19. April 1775
  • Der zweite Kontinentalkongress tagte am 10. Mai 1775
    • Die Olivenzweigpetition vom 5. Juli 1775 war der letzte Versuch des Kontinentalkongresses an K√∂nig Georg III. zu appellieren, seinen Beschwerden nachzugeben und weiteres Blutvergie√üen zu verhindern. Der K√∂nig war nicht einmal bereit, die Petition entgegen zu nehmen.

Die Wahl der Seiten

Dieser politische Cartoon (Benjamin Franklin zugeschrieben) erschien während des Franzosen- und Indianerkrieges, wurde aber wieder verwendet, um die amerikanischen Kolonien aufzurufen, sich gegen die britische Herrschaft zusammenzuschließen.

Zu den amerikanischen Unabh√§ngigkeitsk√§mpfern, bekannt als Patrioten, Whigs oder Rebellen, geh√∂rten viele Meinungsschattierungen. Alexander Hamilton, John Jay und George Washington repr√§sentierten eine sozial konservative Fraktion, die sich sp√§ter in der F√∂deralistischen Partei formierte und traditionell als bedachtsam und besorgt um die Bewahrung des Reichtums und der Macht der ‚ÄěBessergestellten‚Äú der kolonialen Gesellschaft charakterisiert wurde. Thomas Jefferson, James Madison, Benjamin Franklin und Thomas Paine wurden gemeinhin als Repr√§sentanten der weniger wohlhabenden Seite der Gesellschaft und einer politischen Gleichstellung portr√§tiert.

Eine gro√üe Zahl der amerikanischen Kolonisten stand loyal zur britischen Krone; sie waren als Loyalisten, Tories oder King's Men bekannt. Die Loyalisten geh√∂rten oft denselben wohlhabenden sozialen Kreisen an, die den rechten Fl√ľgel der Patrioten bildeten (wie zum Beispiel Thomas Hutchinson); abgesehen davon geh√∂rten zu den schottischen Hochlandbewohnern des Mohawktals oder den Grenzlandbewohner von Georgia sehr viele arme King's Men. Einige Loyalisten waren Indianer, wie zum Beispiel Joseph Brant, der eine gemischte Gruppe von Indianern, wei√üen Siedlern und wei√üen Arbeitern f√ľr die loyalistische Seite anf√ľhrte. Nach dem Krieg wurden die United Empire Loyalists ein zentraler Bestandteil der Einwohnerschaft der Abacoinseln (auf den Bahamas), der kanadischen Provinzen von New Brunswick und Ontario und von Freetown in Sierra Leone.

Klassenunterschiede zwischen den Patrioten

Wie es reiche und arme Loyalisten gab, so gab es auch reiche und arme Patrioten mit den unterschiedlichsten Zielen f√ľr die Unabh√§ngigkeitsbewegung. Reiche Patrioten verstanden unter Unabh√§ngigkeit, ihre Befreiung von britischen Steuern und Einschr√§nkungen bei der Eroberung des Landes im Westen, wollten aber unbedingt die Kontrolle √ľber die entstehende Nation erlangen. Viele Handwerker, kleine H√§ndler und kleine Farmer suchten hingegen nach der Unabh√§ngigkeit in der Bedeutung einer Verminderung der Macht und der Privilegien der Elite. Die reichen Patrioten brauchten die Unterst√ľtzung der unteren Klassen, hatten aber Angst vor deren radikaleren Zielen. John Adams (ein Angeh√∂riger der Elite, der aber mehr Bildung als Reicht√ľmer besa√ü) griff Thomas Paines ‚ÄěCommon Sense‚Äú wegen der ‚Äěabsurden demokratischen Vorstellungen‚Äú an, die es vorschlug.

Thomas Paine schrieb ein Pamphlet namens ‚ÄěCommon Sense‚Äú, in dem er darlegte, dass die einzige L√∂sung der Probleme mit Gro√übritannien eine Republik und die Unabh√§ngigkeit seien.

Frauen und die Unabhängigkeitsbewegung

Der Boykott britischer G√ľter h√§tte nie funktioniert ohne die Bereitschaft der amerikanischen Frauen zur Teilnahme: Frauen machten den Gro√üteil der h√§uslichen Eink√§ufe, und die boykottierten G√ľter waren weitestgehend Haushaltswaren wie Tee und Kleidung. Und da Kleidung eine Grundnotwendigkeit darstellt, kehrten die Frauen zum Spinnen und Weben zur√ľck ‚Äď Arbeiten, die man schon lange nicht mehr gebraucht hatte. 1769 produzierten die Bostoner Frauen 40.000 Spindeln Garn, und 180 Frauen in Middletown (Massachusetts) webten 20.522 Yards (18.765,317 Meter) Kleiderstoff.

Als die Unabh√§ngigkeitsbewegung fortschritt und sich die wirtschaftliche Trennung vertiefte, nahmen Frauen direkt an Hungeraufst√§nden und Teeren und Federn teil, was die Antwort des Volkes auf die Preistreibereien von loyalistischen wie patriotischen H√§ndlern war. Am 24. Juli 1777 sah sich Thomas Boyleston, ein patriotischer H√§ndler, der Kaffee und Zucker zur√ľckhielt, um Preissteigerungen abzuwarten, einer Volksmenge von 100 oder mehr Frauen gegen√ľber, die die Schl√ľssel zu seinem Warenhaus an sich brachten und den Kaffee selbst verteilten, w√§hrend eine gro√üe Gruppe von M√§nnern dabeistand und verbl√ľfft und sprachlos zusah.

Die Entstehung der Staatsverfassungen

1776 hatten die Kolonien ihre bestehenden Regierungen gest√ľrzt, Gerichtsh√∂fe geschlossen, britische Vertreter und Gouverneure aus ihren H√§usern vertrieben und Kongresse und Legislative gew√§hlt, die au√üerhalb jeden legalen Umfeldes existierten ‚Äď neue Verfassungen wurden in jeder Kolonie dringend gebraucht, um die k√∂niglichen Gesetze zu ersetzen.

Am 5. Januar 1776, sechs Monate bevor die Amerikanische Unabh√§ngigkeitserkl√§rung unterzeichnet wurde, ratifizierte New Hampshire die erste Staatsverfassung. Im Mai 1776 stimmte der Kongress daf√ľr, alle Formen der k√∂niglichen Autorit√§t zu unterdr√ľcken und sie durch √∂rtlich zu bestimmende Autorit√§ten zu ersetzen. Virginia, dessen Konvent am 12. Juni 1776 au√üerdem auch eine haupts√§chlich von George Mason formulierte Grundrechteerkl√§rung, die Virginia Declaration of Rights verabschiedete, South Carolina und New Jersey schufen ebenfalls vor dem 4. Juli ihre eigenen Verfassungen. Rhode Island und Connecticut nahmen einfach ihre bestehenden k√∂niglichen Gesetze und l√∂schten alle Verweise auf die Krone.

Die neuen Staaten mussten sich nicht nur entscheiden, welche Form der Regierung sie schaffen wollten, zuerst mussten sie entscheiden, wen sie ausw√§hlten, um die Verfassungen zu schaffen und wie das entstehende Dokument ratifiziert werden sollte. Das w√ľrde nur der Beginn eines Prozesses sein, der die Konservativen und die Radikalen in jedem Staat gegeneinander aufbringen w√ľrde. In den Staaten, wo eine reiche aktive Gesellschaft den Prozess kontrollierte, wie in Maryland, Virginia, Delaware, New York und Massachusetts, war das Ergebnis eine Verfassung, die Folgendes beinhaltete:

  • solide Eigentumsnachweise f√ľr ein Wahlrecht und noch mehr solide Voraussetzungen f√ľr ein Wahlamt (nur New York und Maryland senkten die Eigentumsvoraussetzungen)
  • Zweikammerlegislative mit dem Oberhaus, das das Unterhaus kontrollierte
  • starke Gouverneure mit Vetorecht √ľber die Legislative und wesentlichen Ernennungsrechten
  • wenig oder keine Beschr√§nkungen f√ľr Personen, die mehrere Positionen in der Regierung inne hatten
  • Einsetzung einer Staatsreligion

In Staaten, in denen sich weniger Wohlhabende ausreichend organisiert hatten, um mehr Mitspracherecht zu haben, insbesondere in Pennsylvania, New Jersey, New Hampshire und Vermont enthielten die Verfassungen im Ergebnis:

  • ein allgemeines Wahlrecht oder nur geringe Eigentumsvoraussetzungen, um w√§hlen oder ein Wahlamt innehaben zu d√ľrfen (New Jersey ging so weit, das Frauenwahlrecht einzuf√ľhren; ein radikaler Schritt, den es 25 Jahre sp√§ter widerrief)
  • starke Einkammerlegislative
  • verh√§ltnism√§√üig schwache Gouverneure ohne Vetorechte und nur wenig Ernennungsrechten
  • das Verbot, mehrere Regierungs√§mter inne zu haben
  • Trennung von Staat und Kirche

Selbstredend bedeutete die Tatsache, das Konservative oder Radikale die Macht in einem Staat hielten nicht, dass die weniger starke Seite das Ergebnis einfach hin nahm. In Pennsylvania war die besitzende Klasse erschrocken √ľber ihre neue Verfassung (Benjamin Rush nannte sie ‚Äěunseren Staatsmistkarren‚Äú) w√§hrend in Massachusetts die W√§hler die Verfassung zweimal ablehnten, die zu Ratifizierung vorgelegt worden war; sie wurde endg√ľltig ratifiziert, nachdem die Legislative an den Ergebnissen der dritten Wahl herum gebastelt hatte. Die radikalen Teile der Verfassung von Pennsylvania hielten 15 Jahre ‚Äď 1790 √ľbernahmen die Konservativen die Macht in der Staatslegislative, riefen einen neuen Verfassungskongress aus und schrieben eine neue Verfassung, die das allgemeine Wahlrecht f√ľr wei√üe M√§nner entscheidend reduzierte, dem Gouverneur Veto- und Ernennungsrechte einr√§umte und ein Oberhaus mit wichtigen Rechten innerhalb der Unikammerlegislative ausstattete. Thomas Paine nannte es eine Verfassung, die Amerikas unw√ľrdig sei.

Amerikanischer Unabh√§ngigkeitskrieg von 1775‚Äď1783

Hauptartikel: Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg

Amerika nach dem Krieg

  • Shays Rebellion ‚Äď 1786
  • Nordwestlicher Indianerkrieg (1785‚Äď1795)
  • Verfassungskonvent in Philadelphia von 1787

Die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung schrieb einige bemerkenswerte Neuerungen fest: die Trennung von Kirche und Staat, die die besonderen Privilegien der Anglikanischen Kirche im S√ľden und der Kongregationalistische Kirche in Neuengland beendete; ein Diskurs √ľber Freiheit, Pers√∂nlichkeitsrechte und Gleichheit, der in Europa gro√üe Beachtung fand; die Idee, dass die Regierung auf Basis der Zustimmung der Regierten funktionieren sollte (einschlie√ülich des Rechtes auf Widerstand gegen Tyrannei); die √úbertragung der Macht durch eine niedergeschriebene Verfassung; und die Idee, dass die kolonialen V√∂lker Amerikas selbstregierte Nationen mit ihren eigenen Rechten werden k√∂nnten.

Der Einfluss auf Britisch Nordamerika

F√ľr zehntausende Einwohner der Dreizehn Kolonien folgte dem Sieg der Unabh√§ngigkeitsk√§mpfer das Exil. Ungef√§hr 50.000 United Empire Loyalists flohen in die verbliebenen britischen Kolonien in Nordamerika, zum Beispiel nach Queb√©c, wo sie sich in den √∂stlichen Vororten ansiedelten, nach Oberkanada (heute Ontario), wie auch nach Prince Edward Island und Nova Scotia ‚Äď wo ihre Anwesenheit zur Gr√ľndung von New Brunswick f√ľhrte. So war der Samen f√ľr die franz√∂sisch-englische Dualit√§t in Britisch Nordamerika, die man die bekannteste politische und kulturelle Eigenschaft dessen nennen k√∂nnte, was eines Tages Kanada werden w√ľrde, ges√§t.

Unabhängigkeitsbewegung jenseits von Amerika

Die Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung war die erste Welle der Atlantischen Revolutionen, wie auch der Französischen Revolution, der Haitischen Revolution und Bolívars Krieg. Nachbeben gab es auch in Irland mit dem Irischen Aufstand von 1789, in Polen-Litauen und den Niederlanden.

Die Unabh√§ngigkeitsbewegung hatte in Gro√übritannien, Irland, den Niederlanden und Frankreich einen starken direkten Einfluss. Viele britische und irische Whigs zeigten offene Sympathie f√ľr die Patrioten in Amerika und die Unabh√§ngigkeitsbewegung war ma√ügebend und beeinflussend f√ľr viele europ√§ische Radikale, die sp√§ter aktive Rollen w√§hrend der Zeit der Franz√∂sischen Revolution spielen sollten.

Die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung hatte Einfluss auf den Rest der Welt. Zum ersten Mal hatte ein Volk in der westlichen Welt die Beherrschung durch eine Gro√ümacht abgestreift. Die Denker des Zeitalters der Aufkl√§rung hatten dar√ľber, dass das gew√∂hnliche Volk das Recht habe ungerechte Regierungen zu st√ľrzen, nur geschrieben; die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung war der erste praktische Erfolg.

Die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung war ein erstrebenswertes Vorbild f√ľr die V√∂lker in Europa und anderen Teilen der Welt. Es ermutigte die V√∂lker, f√ľr ihre Rechte zu k√§mpfen. Durch die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung sahen sich auch viele einfache Leute in Frankreich ermutigt. Die Soldaten in Frankreich, die w√§hrend der Amerikanischen Unabh√§ngigkeitsbewegung die Aufst√§ndischen unterst√ľtzt hatten, verbreiteten revolution√§res Ideengut. Das franz√∂sische Volk erhob sich schlie√ülich 1789, 6 Jahre nach dem Frieden von Paris, gegen die Monarchie und den Despoten Ludwig XVI. Auf gleiche Art und Weise brachen im fr√ľhen 19. Jahrhundert Unabh√§ngigkeitsbewegungen in den Kolonien in S√ľdamerika gegen den Besatzer Spanien aus. Jahre sp√§ter kam es zu √§hnlichen Unabh√§ngigkeitsbewegungen auch in Asien und anderen Teilen der Welt.

Eingrenzung und Definition der Revolution

Bis heute ist in der Geschichtsschreibung die Frage kontrovers, ob die Unabh√§ngigkeitsbewegung, der Krieg gegen das Mutterland und die Gr√ľndung der USA, als eine ‚ÄěRevolution‚Äú bezeichnet werden kann. Selbst das differenzierte Betrachten der Ereignisse ist schwierig, zumal unterschiedliche Revolutionsbegriffe und -definitionen zugrunde liegen. Somit ist eine einheitliche Geschichtsschreibung kaum m√∂glich. Siehe auch: Revolution (Politikwissenschaft)

Am auffallendsten sind die Abweichungen von einer marxistisch-dialektischen Revolutionsbetrachtung, die versucht, die Ereignisse in Amerika mit dem Historischen Materialismus zu beschreiben. In dieser Sichtweise werden haupts√§chlich die Gr√ľnde einer Revolution betrachtet, die laut Karl Marx in den wirtschaftlichen und sozialen Krisen einer Gesellschaftsstufe und dem daraus resultierenden verst√§rkten Klassenkampf liegen. Jedoch gab es in den Kolonien (mit Ausnahme der Sklaven) keine verh√§ltnism√§√üig starke Unterdr√ľckung der Bev√∂lkerung und somit keinen Klassenkampf. Eigentlich war die Bev√∂lkerung real√∂konomisch sogar sehr frei. Es gab keinen 3. Stand, wie in Europa (Vergleiche: Franz√∂sische Revolution) oder eine zahlenm√§√üig gro√üe Bauernklasse. Die Bev√∂lkerung war keiner existenziellen Krise ausgesetzt. Auch die Kolonialsteuern und Repressionen hatten keine finanzielle oder soziale Krise zur Folge. Auch hatte die Gr√ľndung der USA und die Verfassung kein unmittelbares ‚ÄěEinstampfen der sozialen Gesellschaftspyramide‚Äú zur Folge. Da keine unmittelbaren fundamentalen Ver√§nderungen und Umw√§lzungen in der Gesellschaftsstruktur geschehen sind, stimmt die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung nicht mit der Entwicklungsstufentheorie √ľberein. In der Betrachtungsweise des Historischen Materialismus ist die Amerikanische Unabh√§ngigkeitsbewegung also keine sozialpolitische Gesellschaftsrevolution.

Weiter lassen sich einige Abweichungen von einem etwas allgemeiner gefassten Revolutionsbegriff erkennen. Der Grund der Unabh√§ngigkeitsbewegung war haupts√§chlich der Konflikt zwischen den Kolonien und der Kolonialmacht England. Die Steuern, Z√∂lle und Abgaben an England wurden nicht mehr akzeptiert. Es gab sowohl kommerzielle (Befreiung von der Abgabenlast) als auch ideelle (‚ÄěKeine Steuern ohne Vertretung‚Äú) Gr√ľnde, sich vom Mutterland abtrennen und zu einer eigenen politischen Einheit zusammenschlie√üen zu wollen. In dieser Betrachtung wird die Unabh√§ngigkeitsbewegung und der Krieg als eine nationale Frage betrachtet, der als eine ‚ÄěRevolution nach Au√üen hin‚Äú betrachtet werden kann.

Dennoch beinhaltet die Unabh√§ngigkeitserkl√§rung und die Verfassung von 1787 Revolution√§res: Die Ideen der Aufkl√§rung hatten gro√üen Einfluss auf den Wortlaut der historischen Dokumente. In der Verfassung sind Menschenrechte wie die Gleichberechtigung zum ersten Mal in der Geschichte verankert. Die Gewaltenteilung und ein Repr√§sentativsystem mit Volkssouver√§nit√§t sind erstmals staatliches Prinzip und verhindern, dass ein neues aristokratisches System entstehen konnte. Hierin liegt der Bruch mit den bisherigen Gesellschaftsprinzipien. Die Ergebnisse und die zuk√ľnftige Bedeutung des Staatsystems zeigen klar, dass das Ergebnis der Unabh√§ngigkeitsbewegung revolution√§r und modern ist.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung in ihren Ergebnissen, Dokumenten (Verfassung und Unabhängigkeitserklärung) und Auswirkungen revolutionär ist, jedoch der Weg nicht als eigentliche Revolution bezeichnet werden kann.

Siehe auch

Literatur

  • Hannah Arendt: √úber die Revolution (On Revolution New York 1963), Piper, 4. Aufl. M√ľnchen 1994, ISBN 3-492-21746-X
  • Bailyn, Bernard. The Ideological Origins of the American Revolution. Harvard University Press, 1967. ISBN 0674443012.
  • Hawke, David. The Colonial Experience. Bobbs-Merrill, 1966. ISBN 0023518308.
  • Kelleter,Frank. Amerikanische Aufkl√§rung: Sprachen der Rationalit√§t im Zeitalter der Revolution. Sch√∂ningh, 2002. ISBN 3-506-74416-X
  • Miller, John C. Origins of the American Revolution. Little, Brown, 1943; reprinted Stanford University Press, 1959. ISBN 0804705933; 1991 paperback edition: ISBN 0804705941.
  • Edmund S. Morgan: The Birth of the Republic, 1763-89. 3. √ľberarbeitete Ausgabe. University of Chicago Press, 1992.
  • Nash, Gary B. The Urban Crucible: The Northern Seaports and the Origins of the American Revolution. Harvard University Press, 1986. ISBN 0674930592.
  • Nash, Gary B. The Unknown American Revolution: The Unruly Birth of Democracy and the Struggle to Create America. Viking, 2005. ISBN 0670034207.
  • Zinn, Howard. Eine Geschichte des Amerikanischen Volkes. Band 2: Unabh√§ngigkeitserkl√§rung, Revolution und das Aufbegehren der Frauen. Schwarzerfreitag, 2006. ISBN 3937623523.

Weblinks


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