Amnesty International

ÔĽŅ
Amnesty International
Amnesty International
Logo der Organisation
Gr√ľndung 28. Mai 1961
Sitz London
Personen

Peter Pack (Vorsitzender des internationalen Exekutivkomitees), Salil Shetty (internationaler Generalsekret√§r), Peter Benenson (Gr√ľnder)

Schwerpunkt Menschenrechtsorganisation
Mitglieder 3.000.000
Website www.amnesty.org

Amnesty International (von englisch amnesty‚Äö Begnadigung, Straferlass, Amnestie‚Äė) ist eine nichtstaatliche (NGO) und Non-Profit-Organisation, die sich weltweit f√ľr Menschenrechte einsetzt. Grundlage ihrer Arbeit sind die Allgemeine Erkl√§rung der Menschenrechte und andere Menschenrechtsdokumente, wie beispielsweise der Internationale Pakt √ľber b√ľrgerliche und politische Rechte oder der Internationale Pakt √ľber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Die Organisation recherchiert Menschenrechtsverletzungen, betreibt √Ėffentlichkeits- und Lobbyarbeit und organisiert u. a. Brief- und Unterschriftenaktionen in F√§llen von Folter oder drohender Todesstrafe.

Inhaltsverzeichnis

Gr√ľndungsgeschichte

Gr√ľndung der Internationalen Organisation

Amnesty International wurde 1961 in London von dem englischen Rechtsanwalt Peter Benenson gegr√ľndet. Ihm soll die Idee zur Gr√ľndung gekommen sein, als er in der Zeitung zum wiederholten Mal √ľber das ungerechtfertigte Handeln von Regierungen gegen die eigene Bev√∂lkerung las. Der Artikel berichtete damals von zwei Studenten, die in einem Restaurant in Lissabon auf die Freiheit anstie√üen. In Portugal war die Erw√§hnung des Wortes ‚ÄěFreiheit‚Äú zu dieser Zeit verboten; die beiden Studenten wurden festgenommen und zu sieben Jahren Haft verurteilt. Am 28. Mai 1961 ver√∂ffentlichte Benenson in der britischen Zeitung The Observer den Artikel ‚ÄěThe Forgotten Prisoners‚Äú (‚ÄěDie vergessenen Gefangenen‚Äú) √ľber diesen und andere F√§lle, in dem er die Leser aufrief, sich durch Briefe an die jeweiligen Regierungen f√ľr die Freilassung dieser Gefangenen einzusetzen[1]. Er schrieb: ‚ÄěSie k√∂nnen Ihre Zeitung an jedem beliebigen Tag der Woche aufschlagen und Sie werden in ihr einen Bericht √ľber jemanden finden, der irgendwo in der Welt gefangen genommen, gefoltert oder hingerichtet wird, weil seine Ansichten oder seine Religion seiner Regierung nicht gefallen.‚Äú Die aus diesem Artikel entstandene Aktion, ‚ÄěAppeal for Amnesty, 1961‚Äú gilt als der Anfang von Amnesty International. Zu den Gr√ľndungsmitgliedern geh√∂rten Eric Baker und der irische Politiker Se√°n MacBride, der von 1961 bis 1974 auch Pr√§sident der Organisation war.

altes Logo der Organisation
70 Pf-Sondermarke der Deutschen Bundespost (1974 f√ľr amnesty international

Das Logo von Amnesty International ist eine mit Stacheldraht umwickelte Kerze. Es wurde von der englischen K√ľnstlerin Diana Redhouse geschaffen und durch das Sprichwort Es ist besser, eine Kerze anzuz√ľnden, als sich √ľber die Dunkelheit zu beklagen inspiriert.

Die deutsche Sektion hatte bereits in den 1970er Jahren beschlossen, dieses Logo f√ľr sich nicht mehr zu verwenden. Stattdessen wurde bis 2008 ein blau-wei√ües Logo mit Kleinbuchstaben genutzt. In Deutschland, √Ėsterreich und der Schweiz bis Mitte 2008, wurde eine inzwischen aber nicht mehr verwendete Schreibweise mit Kleinbuchstaben und Abk√ľrzungen verwendet: amnesty international, ai oder amnesty. Mitte 2008 wurde international ein neues, einheitliches Layout eingef√ľhrt, welches die Farben Gelb und Schwarz verwendet. Das Logo enth√§lt den Schriftzug ‚ÄěAmnesty International‚Äú in Gro√übuchstaben und die mit Stacheldraht umwickelte Kerze.

Gr√ľndung in Deutschland

Die deutsche Sektion von Amnesty International wurde zwei Monate nach Gr√ľndung der internationalen Organisation (Ende Juni 1961[2]) von Gerd Ruge, Carola Stern und Felix Rexhausen in K√∂ln gegr√ľndet und im Juli 1961 als erste Sektion anerkannt.[3] Nach dem Fall der Mauer wurde die Organisation auch in den neuen Bundesl√§ndern aktiv.

Gr√ľndung in √Ėsterreich

Amnesty International √Ėsterreich wurde am 4. Mai 1970 gegr√ľndet. Derzeitiger Generalsekret√§r ist Heinz Patzelt.

Amnesty International √Ėsterreich geh√∂rte am 14. November 2001 zu den ersten 44 Organisationen, die das √Ėsterreichische Spendeng√ľtesiegel verliehen bekamen.

Gr√ľndung in der Schweiz

Offiziell gegr√ľndet wurde die Schweizer Sektion 1970. Doch schon 1964 gab es die erste Sektion in Genf, deren Initiator Se√°n MacBride war, damaliger Generalsekret√§r und Mitbegr√ľnder von Amnesty International. Der erste Mitarbeiter wurde 1976 eingestellt, im Jahre 1987 waren es 14, und im Jahr 2000 schon deren 28. Derzeitige Gesch√§ftleiterin ist Manon Schick.[4]

Ziele und Arbeitsweise

Eine Aktion von Amnesty International
50 Jahre Amnesty International: deutsche Briefmarke von 2011

Amnesty International recherchiert fortlaufend zur Menschenrechtssituation weltweit und f√ľhrt Aktionen gegen spezifische Menschenrechtsverletzungen durch. Der Jahresbericht der Organisation (Amnesty International Report) enth√§lt einen √úberblick √ľber die Lage der Menschenrechte in fast allen L√§ndern der Erde.

Die Organisation hat sich sieben Ziele unter dem Motto Gerechtigkeit globalisieren! gesetzt:

  1. Aufbau von gegenseitigem Respekt und Kampf gegen Diskriminierung
  2. Forderung nach Gerechtigkeit
  3. Sicherstellung der körperlichen und geistigen Unversehrtheit aller Menschen
  4. Schutz der Menschenrechte in bewaffneten Konflikten
  5. Schutz der Rechte von Fl√ľchtlingen, Asylsuchenden, Binnenfl√ľchtlingen und Migranten
  6. Schutz der Rechte von Frauen und Mädchen
  7. Förderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte

Einige Jahre wird die derzeitige internationale Kampagne ‚ÄěGewalt gegen Frauen verhindern‚Äú laufen, die sich gegen die vielf√§ltigen Formen von Gewalt gegen Frauen, sowohl staatlicherseits als auch im h√§uslichen Umfeld wendet. Nach einer schwierigen und kontroversen internen Diskussion beschloss die Internationale Ratstagung der Organisation 2007 in Morelos, Mexiko, eine begrenzte Position zum Schwangerschaftsabbruch. So soll die v√∂llige Entkriminalisierung gefordert werden, sowie Staaten aufgefordert werden, Abtreibung im Falle von Vergewaltigung, sexueller N√∂tigung, Inzest und bei schwerwiegender Gefahr f√ľr das Leben einer Frau zu legalisieren. Die Organisation bekr√§ftigt, dass viele gesellschaftliche Faktoren und Zw√§nge zu ungewollten Schwangerschaften beitragen und damit auch zu der - weltweit j√§hrlich in ca. 26 Millionen F√§llen illegalen - Entscheidung der Frauen.

Zu den typischen Aktionsformen der Arbeit von Amnesty International zählen:

  • Fallarbeit: Diese wird seit Gr√ľndung der Organisation betrieben und beinhaltet die langfristige Betreuung eines gewaltlosen politischen Gefangenen (prisoner of conscience) durch eine oder mehrere Amnesty-Gruppen, im Idealfall bis zu dessen Freilassung. Ein Grundsatz dabei ist, dass Amnesty-Gruppen nicht zu Vorg√§ngen im eigenen Land arbeiten.
  • Urgent Actions (Eilaktionen): Sie wurden 1973 eingef√ľhrt, um auf drohende Menschenrechtsverletzungen schnell reagieren zu k√∂nnen. Dabei werden m√∂glichst innerhalb von 48 Stunden Mitglieder und Unterst√ľtzer mobilisiert, um bei den verantwortlichen staatlichen Stellen zu appellieren. Im Jahr 2005 gab es 326 dieser Aktionen.
  • Briefe gegen das Vergessen: Pro Monat werden drei F√§lle aus verschiedenen L√§ndern vorgestellt, dabei geht es oft um F√§lle von verschwundenen Personen, Langzeitinhaftierungen oder Verurteilungen aufgrund unfairer Gerichtsverfahren.
  • √Ėffentlichkeits- und Lobbyarbeit: Vielf√§ltige Aktionen der Gruppen und die Arbeit des nationalen Sekretariats zielen darauf ab, das Bewusstsein f√ľr Menschenrechtsverletzungen in der √Ėffentlichkeit zu sch√§rfen und Menschenrechtsverletzungen bekannt zu machen und so Unterst√ľtzung f√ľr die Anliegen zu gewinnen. Auf die Arbeit von Amnesty macht die j√§hrlich vergebene Auszeichnung Botschafter des Gewissens aufmerksam.
  • Menschenrechtsbildung: Aktionen in Schulen, √∂ffentliche Vortr√§ge etc. zur Verankerung von Wissen √ľber die Menschenrechte.
  • Onlinekampagnen: Mit E-Card Aktionen und Onlinepetitionen nutzt Amnesty verst√§rkt das Internet als Protestmedium f√ľr ihre Kampagnenarbeit.

Aufbau der Organisation

International

Zahlen und andere Daten zur Organisation

Weltweit existierende Sektionen von Amnesty International, 2005 (52)
Generalsekretär: Salil Shetty

Amnesty International z√§hlt nach eigenen Angaben mehr als 3 Millionen Mitglieder und Unterst√ľtzer in mehr als 150 Staaten.[5] In 58 Staaten gibt es Sektionen, die eine kontinuierliche Menschenrechtsarbeit garantieren. Die gr√∂√üeren Sektionen unterhalten in der Regel ein Sekretariat mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Sektion koordiniert die Arbeit der Mitglieder und ist die Verbindungsstelle zwischen den Gruppen und dem Internationalen Sekretariat in London. Die Sektionen entsenden Vertreter in den internationalen Rat (engl. International Council Meeting, ICM), das oberste Gremium von Amnesty auf internationaler Ebene, das alle zwei Jahre zusammentritt. Der Rat legt Strategie und Arbeitsweise von Amnesty fest und w√§hlt das Internationale Exekutivkomitee, dem die F√ľhrung der laufenden Gesch√§fte der Organisation obliegt. Unter der Verantwortung des Exekutivkomitees steht auch das Internationale Sekretariat in London (England), an dessen Spitze die internationale Generalsekret√§rin steht. Von 2001 bis Dezember 2009 war dies die Bengalin Irene Khan. Bis zum offiziellen Amtsantritt ihres Nachfolgers Salil Shetty im Juli 2010 war Claudio Cordone, Direktor f√ľr Recherche und regionale Programme von Amnesty International, mit der kommissarischen Aus√ľbung beauftragt.

Generalsekretäre

Name Amtszeit
Peter BenensonVereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Peter Benenson 1961‚Äď1966
Eric BakerVereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Eric Baker 1966‚Äď1968
Martin EnnalsVereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Martin Ennals 1968‚Äď1980
Thomas HammarbergSchwedenSchweden Thomas Hammarberg 1980‚Äď1986
Ian MartinVereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Ian Martin 1986‚Äď1992
Pierre San√©SenegalSenegal Pierre San√© 1992‚Äď2001
Irene KhanVereinigtes KonigreichVereinigtes K√∂nigreich Irene Khan 2001‚Äď2010
Salil ShettyIndienIndien Salil Shetty 2010‚Äď

Deutsche Sektion

Mitgliedschaft und Strukturen sind in der Satzung und einem Arbeitsrahmen geregelt[6]. Mitglieder k√∂nnen sich einer Gruppe anschlie√üen. Seit Beschluss der Jahresversammlung 2010 zahlen alle Mitglieder Beitr√§ge, es gibt jedoch die M√∂glichkeit, sich davon befreien zu lassen. Von Gruppen wird aktiver Einsatz durch gezielte Aktionen vor Ort, Briefeschreiben, √Ėffentlichkeitsarbeit und Spendeneinwerbung erwartet. Alle Mitglieder erhalten auch unabh√§ngig von Gruppenaktivit√§ten Mitmachangebote. In Deutschland gibt es √ľber 600 lokale Gruppen mit insgesamt ca. 9000 Mitgliedern, die in 48 Bezirke aufgeteilt sind. Daneben gibt es sogenannte Koordinationsgruppen, die die Arbeit zu einzelnen L√§ndern oder bestimmten Menschenrechtsthemen sektionsweit koordinieren. Etwa 70.000 F√∂rderer unterst√ľtzen die Organisation durch regelm√§√üige Beitr√§ge. Geleitet und nach au√üen vertreten wird die deutsche Sektion durch einen ehrenamtlichen Vorstand, der zurzeit aus sieben Mitgliedern besteht.[7] Vorstandssprecher ist Alexander H√ľlle, der gemeinsam mit dem Vorstandsmitglied f√ľr Finanzen, Roland Vogel, den gesch√§ftsf√ľhrenden Vorstand bildet[8].

Das Sekretariat der Sektion ist auf die Standorte Bonn und Berlin aufgeteilt und erledigt administrative Aufgaben f√ľr die Mitgliedschaft, macht √Ėffentlichkeitsarbeit und √ľbernimmt Lobby-Aufgaben. Es besch√§ftigt √ľber 60 Teil- und Vollzeitkr√§fte und wurde von 2009 bis Mitte 2011 von Monika L√ľke als Generalsekret√§rin geleitet.[9][10]

Einmal j√§hrlich findet √ľber zweieinhalb Tage zu Pfingsten die Jahresversammlung der deutschen Sektion statt. Alle Mitglieder sind antrags- und stimmberechtigt, Gruppen haben zus√§tzliches Stimmrecht. F√∂rderer haben kein Stimmrecht und k√∂nnen nicht teilnehmen. Die Jahresversammlung w√§hlt den siebenk√∂pfigen, ehrenamtlichen Vorstand und beschlie√üt Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit der Sektion. Die Diskussionen sind vertraulich ("intern") und Beschl√ľsse sind in der Regel der √Ėffentlichkeit nicht zug√§nglich.

Die deutsche Sektion finanziert sich √ľberwiegend aus Mitglieds- und F√∂rdererbeitr√§gen und Spenden, zu einem geringeren Teil aus Erbschaften, Verkaufserl√∂sen, Geldbu√üen und Sammlungen. Seit mehreren Jahren f√ľhrt die Organisation Direktdialog in St√§dten durch, um F√∂rderer zu gewinnen. Im Jahr 2006 wurden ca. 10,8 Millionen Euro eingenommen. Davon wurden etwas √ľber 2,8 Millionen Euro an das internationale Sekretariat abgef√ľhrt, der Rest f√ľr die eigene Arbeit verwendet.[11] Zur Unterst√ľtzung der Arbeit von Amnesty International wurde im Mai 2003 die Stiftung Menschenrechte - F√∂rderstiftung Amnesty International mit Sitz in Berlin gegr√ľndet.

In seinem im Fischer Verlag publizierten Jahresbericht 2011 beklagte Amnesty International am 13. Mai 2011 Folter und Misshandlung in mindestens 98 Staaten (2010: 111 Staaten), unfaire Prozesse in 54 L√§ndern (2010:55 L√§nder), Zensur in 89 L√§ndern (2010: 96 L√§nder). Insgesamt attestierte Amnesty 157 Staaten, die Menschenrechte verletzt zu haben. Kritisch sah Amnesty International auch die europ√§ische Fl√ľchtlingspolitik. Der Streit um die Verteilung der etwa 30.000 ‚ÄěBootsfl√ľchtlinge‚Äú aus Nordafrika in Italien zeige, dass das Verteilungssystem innerhalb der EU nicht funktioniert.[12]

Aktionen und Kampagnen

Die Organisation f√ľhrt immer wieder gro√üe und kleine, internationale Themenkampagnen durch, die teilweise l√§ngerfristig, √ľber mehrere Jahre, angelegt sind.

Internationale größere Schwerpunkte derzeit sind:

  • Demand Dignity WSK-Rechte - Mit Recht gegen Armut
  • Stop Violence against Women: Hinsehen und Handeln, Gewalt gegen Frauen verhindern (Unterst√ľtzung des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen)
  • Irrepressible: Kampagne gegen die Zensur und f√ľr den freien Meinungs- und Informationsaustausch √ľber Internet und E-Mail, wie z. B. Forderung nach Aufhebung der Sperrung des Zugangs zu Wikipedia in China.
  • Cruel. Inhuman. Degrades us all: Kampagne gegen Folter und Gewalt im Namen des "Krieg gegen den Terror" sowie f√ľr Schlie√üung des Gefangenenlagers auf Guant√°namo.
  • Control Arms: Kampagne zur Kontrolle des Waffenhandels mit Kleinwaffen, also Gewehren, Pistolen, Elektroschockwaffen usw., die weit verbreitet sind und mit denen schwere Menschenrechtsverletzungen begangen werden.

1988 gab es eine internationale Amnesty-Konzerttour unter dem Titel Human Rights NOW!, die der Organisation zahlreiche neue Mitglieder einbrachte. Am 10. Dezember 2005 ‚Äď dem Internationalen Tag der Menschenrechte ‚Äď wurde ein neues Musikprojekt unter dem Titel Make Some Noise gestartet. Dabei ver√∂ffentlichten bekannte internationale K√ľnstler, darunter The Black Eyed Peas, Serj Tankian und The Cure, Coverversionen von John-Lennon-Songs exklusiv auf der Website von Amnesty. Parallel zur Musik werden dort konkrete Kampagnen und F√§lle vorgestellt.

Auszeichnungen

Kritik

Regierungen und nahestehende Kommentatoren, die von Amnesty International in ihren Berichten kritisch beurteilt werden, haben verschiedentlich Kritik an Amnesty ge√ľbt. So wurde Amnesty z.B. aus China,[14] Russland und dem Kongo Einseitigkeit gegen nicht-westliche L√§nder bei seinen Beurteilungen vorgeworfen, sowie dass die Sicherheitsbed√ľrfnisse (z. B. bei der Bek√§mpfung von Rebellen) nicht gen√ľgend beachtet w√ľrden. Umgekehrt wurde Amnesty z. B. nach der Kritik an der israelischen Politik im Gazastreifen vom American Jewish Congress und von der US-Regierung[15] nach der Kritik am Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base angegriffen. Abseits der L√§nderkontroversen stand Amnesty auch in der Kritik, nachdem es die sogenannte ‚ÄěBrutkastenl√ľge‚Äú als wahr annahm und verbreitete.

Neben den Vorw√ľrfen der Einseitigkeit von verschiedenen Seiten, gibt es kritische Stimmen, die anzweifeln ob Amnesty zu sehr auf √Ėffentlichkeitsarbeit ausgerichtet ist. Der Jura-Professor Francis Boyle (ehemaliges AI-Exekutivkomiteemitglied in den USA) warf Amnesty vor, als Ziel zuerst f√ľr Gelder und Mitglieder zu werben und sich erst danach f√ľr Menschenrechte einzusetzen.[16]

Des Weiteren kommt auch interne Kritik an Amnesty auf, seit auf der internationalen Ratstagung in Dakar im August 2001 eine Ausweitung des Mandats auf den Einsatz auch f√ľr wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte[17] beschlossen wurde. Der Organisation wird von Teilen der Mitgliedschaft vorgeworfen, an Profil zu verlieren und ihr Bet√§tigungsfeld zu sehr auszuweiten. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Organisation zu einem ‚ÄěMenschenrechts-Gemischtwarenladen‚Äú mutiere und an Glaubw√ľrdigkeit verliere. Amnesty solle sich weiterhin auf die b√ľrgerlichen und politischen Rechte konzentrieren.[18] Diese Bedenken wurden in einem BBC-Beitrag zum 50. Geburtstag der Organisation aufgegriffen,[19] in dem auch darauf hingewiesen wurde, dass Amnesty International es bisher nicht geschafft habe, eine nennenswerte Mitgliedschaft au√üerhalb von Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland zu gewinnen.

Kritisiert werden ‚Äď auch vereinsintern ‚Äď Zahlungen in H√∂he von ca. 500.000 englischen Pfund an die ehemalige internationale Generalsekret√§rin Irene Khan im Zusammenhang mit ihrem Ausscheiden aus der Organisation.[20]

Nachdem bekannt wurde, dass die Menschenrechtsorganisation beabsichtigt, sich zuk√ľnftig f√ľr eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruches in gewissen Grenzen sowie f√ľr ein Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch im Falle von Vergewaltigung, Inzest oder schwerwiegender Gefahr f√ľr Gesundheit oder Leben der Mutter einzutreten, sagte der Kurienkardinal der R√∂misch-katholischen Kirche Renato Raffaele Martino in einem Interview, Katholiken und kirchliche Organisationen sollten √ľberlegen, ob sie Amnesty International weiter unterst√ľtzen k√∂nnten.[21] Amnesty International erwiderte darauf, sich nicht f√ľr ein universelles Recht auf Abtreibung, sondern f√ľr die Entkriminalisierung von Frauen in einer Notlage einzusetzen.

Literatur

  • Amnesty International: Jahresbericht 2010. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 2010, ISBN 978-3-10-000834-3
  • Uta Devries: Amnesty International gegen Folter ‚Äď eine kritische Bilanz. In: Beitr√§ge zur Politikwissenschaft. Bd. 71, Peter Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-631-32748-X
  • K.E. Cox: Should Amnesty International Expand its Mandate to Cover Economic, Social, and Cultural Rights? In: Arizona Journal of International and Comparative Law. Vol. 16, T.2, S. 261‚Äď284, 1999
  • Heike Alefsen, Wolfgang Behlert, Stefan Ke√üler, Bernd Thomsen: 40 Jahre f√ľr die Menschenrechte. Neuwied/Kriftel 2001, ISBN 3-472-04738-0, Aufsatzsammlung, hrsg. von Amnesty International
    (darin auch ein Aufsatz: Einmischung, Einseitigkeit und mangelnde Ausgewogenheit ‚Äď Anmerkungen zur Kritik an amnesty international, S. 34‚Äď44)
  • Anja Mihr: Amnesty International in der DDR: der Einsatz f√ľr Menschenrechte im Visier der Stasi, Ch. Links Verlag, 2002, ISBN 3-86153-263-8
  • Stephen Hopgood: Keepers of the Flame. Understanding Amnesty International. Cornell University Press, Ithaca, N.Y. 2006, ISBN 0-8014-7251-2, (Inhaltsangabe:KEEPERS OF THE FLAME)
  • ai Bibliography ‚Äď Index: Publications on Health and Human Rights Themes. 1985‚Äď2005 Amnesty International | Working to Protect Human Rights

Quellen und Belege

  1. ‚ÜĎ The Guardian: The Forgotten Prisoners
  2. ‚ÜĎ Carola Stern im Gespr√§ch
  3. ‚ÜĎ http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Menschenrechte/amnesty40.html 40 Jahre amnesty international
  4. ‚ÜĎ Wechsel an der Spitze der Schweizer Sektion von Amnesty International, 22. Dezember 2010
  5. ‚ÜĎ About ai, abgerufen am 21. M√§rz 2011
  6. ‚ÜĎ http://www.amnesty.de/satzung-von-amnesty-international Satzung und Arbeitsrahmen von Amnesty Deutschland
  7. ‚ÜĎ Der ehrenamtliche Vorstand auf amnesty.de
  8. ‚ÜĎ http://www.stern.de/politik/deutschland/amnesty-international-alexander-huelle-ist-neuer-vorstandssprecher-1695417.html Alexander H√ľlle neuer Vorstandssprecher
  9. ‚ÜĎ Amnesty begr√ľ√üt Monika L√ľke als neue Generalsekret√§rin der deutschen Sektion
  10. ‚ÜĎ Amnesty trennt sich von Gesch√§ftsf√ľhrerin http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,767497,00.html
  11. ‚ÜĎ amnesty.de: Rechenschaftsbericht 2006 (PDF)
  12. ‚ÜĎ Amnesty Report 2011: EU miuss sich Verantwortung in der arabischen Welt stellen Amnesty International (abgerufen am 13. Mai 2011)
  13. ‚ÜĎ http://www.boeckler.de/76_12795.html
  14. ‚ÜĎ The U.S. and China This Week, U.S.-China Policy Foundation, 16 February 2001.
  15. ‚ÜĎ Press Briefing By Scott McClellan, The White House, 25. Mai 2005
  16. ‚ÜĎ Dennis Bernstein (2002): Interview: Amnesty on Jenin ‚Äď Dennis Bernstein and Dr. Francis Boyle Discuss the Politics of Human Rights. Covert Action Quarterly. Archiviert vom Original am 5 August 2009. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  17. ‚ÜĎ Jahresbericht Ai 2004, Abschnitt F√∂rderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte
  18. ‚ÜĎ Nina Streeck: Kann mal einer Amnesty helfen, bitte. Die Weltwoche, Nr. 1/2006
  19. ‚ÜĎ To enlarge the campaign to concern itself with "prisoners of poverty" makes it so large and all-embracing as to be virtually meaningless. John Tusa: Mid-life crisis for Amnesty?, BBC News, 28. Dezember 2010
  20. ‚ÜĎ Informationen zu Zahlungen an Irene Khan, Amnesty.de, abgerufen am 19. Mai 2011
  21. ‚ÜĎ Radio Vatikan: Vatikan: Abr√ľcken von Amnesty International? 13. Juni 2007
    Spiegel Online: Vatikan ruft zum Boykott von Amnesty International auf
    FTD: Vatikan fordert Boykott von Amnesty wegen Abtreibung

Weblinks

 Commons: Amnesty International ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Portal:Amnesty International ‚Äď in den Nachrichten

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Amnesty international ‚ÄĒ Zweck: Menschenrechtsorganisation Vorsitz: Peter Pack (Vorsitzender des internationalen Exekutivkomitees) Gr√ľndungsdatum: 28. Mai 1961 Mitgliederzahl ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Amnesty International ‚ÄĒ Contexte g√©n√©ral Champs d‚Äôaction D√©fense des droits de l homme Zone d‚Äôinfluence Monde entier ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Amnesty international ‚ÄĒ Logo de Amnesty International Contexte g√©n√©ral Champs d action D√©fense des droits de l homme Zone d influence ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • AMNESTY INTERNATIONAL ‚ÄĒ Cr√©√© en 1961, √† l‚Äôinspiration de Peter Benenson, avocat britannique, Amnesty International est un mouvement ind√©pendant. Cette organisation, dont le si√®ge international est √† Londres, Ňďuvre en faveur des personnes emprisonn√©es pour des ¬ęraisons… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • Amnesty International ‚ÄĒ ¬†¬†¬†Amnesty International was founded in 1961 by Peter Benenson. It is an independent worldwide voluntary movement, with a membership of 120,000 individuals in over 300 local groups throughout the UK. The organization‚Äôs mandate calls for the… ‚Ķ   Encyclopedia of contemporary British culture

  • Amnesty International ‚ÄĒ (izg. »Ömnesti intern√®Ň°onal) m DEFINICIJA nevladina, meńĎunarodna organizacija koja se zalaŇĺe za poŇ°tivanje ljudskih prava i oslobańĎanje politińćkih i vjerskih zatvorenika ETIMOLOGIJA engl ‚Ķ   Hrvatski jezińćni portal

  • Amnesty International ‚ÄĒ Infobox NPO organization name = Amnesty International organization organization motto = It is better to light a candle than to curse the darkness. [cite web|url=http://www.amnesty.ca/about/history/history of amnesty international/meaning of the… ‚Ķ   Wikipedia

  • Amnesty International ‚ÄĒ an independent worldwide organization working against human rights violations and for the release of persons imprisoned for political or religious dissent; Nobel peace prize 1977. Abbr.: AI, A.I. * * * ‚Ė™ international organization ¬†international… ‚Ķ   Universalium

  • Amnesty International ‚ÄĒ AI * * * am|nes|ty in|ter|na|tio|nal ‚Ć©[√¶Ő£mn…ôstńĪ ńĪnt…ô(r)n√¶Ő£ É…ôn…ôl] f.; ; unz.; Abk.: ai‚Ć™ internationale Menschenrechtsorganisation, die sich um die Freilassung polit. Gefangener bem√ľht [engl.] * * * Am|nes|ty In|ter|na|tio|nal [ √¶mn…™sti …™nt…ź… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Amnesty International ‚ÄĒ ¬†¬†¬†An international human rights nongovernmental organization. Created in 1961 by Peter Benenson, an English lawyer, Amnesty International works to free ‚Äúprisoners of conscience‚ÄĚ those detained not only for political reasons but also for race,… ‚Ķ   Historical Dictionary of the ‚ÄúDirty Wars‚ÄĚ


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.