John Burdon Sanderson Haldane

John Burdon Sanderson Haldane.
Familienstammbaum

John Burdon Sanderson Haldane (* 5. November 1892 in Edinburgh; † 1. Dezember 1964 in Bhubaneswar im Bundesstaat Orissa, Indien) war ein Theoretischer Biologe und Genetiker, der in Schottland geboren und in Eton und an der Oxford University ausgebildet wurde. Er war (zusammen mit Ronald Fisher und Sewall Wright) einer der Begründer der Populationsgenetik. Er wanderte 1957 nach Indien aus und nahm die indische Staatsangehörigkeit an.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

John Burdon Sanderson Haldane war der Sohn von John Scott Haldane, Professor für Physiologie in Oxford, und Louisa Kathleen Trotter. Seine Schwester war Naomi Mitchison. Bereits als Junge assistierte er bei den Arbeiten seines Vaters. Mit 13 Jahren tauchte er erstmals mit einem Helmtauchgerät. Er studierte Geisteswissenschaften in Oxford, wechselte aber danach zur Naturwissenschaft. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges ging er zur Britischen Armee, wo er sich vorrangig mit Sprengstoffen beschäftigte. Er war begeisterter Soldat und wurde mehrmals verwundet. Nach dem Krieg kehrte er zu seinen Forschungen an der Universität Oxford zurück (1919-1922). Von 1922 bis 1930 war er Lektor für Biochemie an der Universität Cambridge. Er verstand es ausgezeichnet, Ergebnisse der Naturwissenschaften populär darzustellen. Sein bemerkenswerter Aufsatz Daedalus or Science and the Future (1923) sagte viele wissenschaftliche Fortschritte voraus, wurde aber als zu idealistisch kritisiert.

Er forschte über Enzyme und über mathematische Methoden zur natürlichen Selektion. Nach einem Skandal wegen Ehebruchs wurde er wegen 'Unsittlichkeit' seiner Stelle in Cambridge enthoben. Er heiratete seine Geliebte (Charlotte Burghes) 1926, von der er sich 1945 scheiden ließ.

Haldane ist ebenfalls bekannt für eine Beobachtung aus seinem Aufsatz On Being the Right Size, welche Jane Jacobs und andere als das Haldane-Prinzip bezeichneten. Es besagt:

„Die bloße Größe bestimmt, wie die körperliche Ausstattung eines Tieres sein muss: Insekten haben keinen Blutkreislauf, um den Sauerstoff zu verteilen, weil sie so klein sind. Der wenige Sauerstoff, den ihre Zellen benötigen, kann durch einfache Diffusion in ihren Körper aufgenommen werden. Wenn ein Tier aber größer ist, braucht es ein kompliziertes Sauerstoffverteilungssystem, um alle Zellen zu erreichen.“

Von 1930 bis 1932 war er Professor für Psychologie an der Royal Institution in London. 1932 wurde er zum Mitglied der Royal Society gewählt.

Sein berühmtes Buch, The Causes of Evolution (1932), war das erste Hauptwerk, das als die „Synthetische Evolutionstheorie“ bekannt wurde. In dem Buch wurde die natürliche Selektion wieder als der Hauptmechanismus der Evolution eingeführt und mathematisch begründet mit den mendelschen Regeln.

In jungen Jahren war Haldane Kommunist. Er schrieb in den dreißiger Jahren zahlreiche Artikel in der kommunistischen Zeitung The Daily Worker, trat aber erst 1938 in die kommunistische Partei ein. Trotz der Moskauer Prozesse und anderer Exzesse stalinistischen Terrors blieb er ein „fellow traveller“ und brach erst 1950 mit der Kommunistischen Partei.

Von 1933 bis 1937 arbeitete er als Professor für Genetik am University College in London (UCL). 1937 zeigte er zusammen mit Julia Bell die genetische Verbindung zwischen der Bluterkrankheit und der Farbenblindheit auf.

Haldane untersuchte auch den Einfluss von Kohlendioxid im Blut auf das Atmungsverhalten, insbesondere auch unter hohen Drücken. Dabei führte er mit seinen Mitarbeitern auch Selbstversuche in einer Druckkammer durch, welche die Beteiligten nicht selten bis zur Besinnungslosigkeit brachten. Er verwendete früh Helium als Atemgas, um die negativen Folgen des Stickstoffs unter hohem Druck zu vermindern. 1937 erhielt er einen Lehrstuhl für Biometrie am University College in London, den er bis 1957 innehatte. 1938 trat er der Kommunistischen Partei bei, aus der er 1950 wieder austrat. 1952 wurde ihm die Darwin Medaille der Royal Society verliehen.

Aus Protest gegen das Verhalten der britischen Regierung während der Sueskrise, wanderten Haldane und seine zweite Frau Helen Spurway 1957 nach Indien aus. Er nahm 1961 die indische Staatsangehörigkeit an. 1957 bis 1961 war er Professor am Indian Statistical Institute und leitete das 'Orissa State Government Genetics and Biometry Laboratory'.

Haldane war befreundet mit dem Autor Aldous Huxley und diente als Vorlage für den Biologen Shearwater in Huxleys Novelle Antic Hay. Ideen aus Haldanes Daedalus, wie die Entwicklung von Föten in künstlichen Gebärmüttern beeinflussten Huxleys Schöne neue Welt.

Er hatte viele Studenten; der berühmteste war John Maynard Smith, mit dem er wohl am meisten gemein hatte.

In einer seiner letzten Reden, Biological Possibilities for the Human Species of the Next Ten Thousand Years (1963), führte Haldane den Begriff Klon ein, ein Wort aus dem Griechischen für Zweig.

Mitgliedschaften und Ehrungen

1932 wurde er als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt, die ihm 1952 die Darwin-Medaille verlieh. Haldane trat 1938 der Kommunistischen Partei (CPGB) bei; 1950 trat er wieder aus.

Zitate

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Haldane wird sehr oft zitiert. Einige seiner Aussprüche sind wahrscheinlich berühmter als er selbst:

  • Eine übermäßige Vorliebe für Käfer. Antwort auf die Frage, welche Schlüsse man über Gott aus der Schöpfung ziehen könne. Dies bezieht sich auf die Tatsache, dass 25% aller bekannten Tierarten Käfer sind. (Siehe Foto eines Schaukastens im Oxford University Museum of Natural History, der Haldane und seiner berühmten Antwort auf die Frage, was man aus der Schöpfung über Gott ablesen könne, gewidmet ist.)
  • Vier Stufen der Annahme: 1. Das ist wertloser Unsinn; 2. Das ist ein interessanter aber verdrehter Standpunkt; 3. das ist wahr, aber ganz uninteressant; 4. Ich habe das immer schon gesagt. Dies bezieht sich auf die Stadien die eine wissenschaftliche Theorie durchläuft.
  • Meine Vermutung ist, dass das Universum nicht nur seltsamer ist als wir uns vorstellen, sondern seltsamer als wir uns vorstellen KÖNNEN.[1] Oft als „Haldanes Gesetz“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit „Haldanes Regel“), dies ist eine Erklärung für das mangelnde Einfühlungsvermögen der modernen wissenschaftlichen Theorien.
  • Würde ich mein Leben opfern, um das Leben meines Bruders zu retten? Nein, aber ich würde, um zwei Brüder oder acht Vettern zu retten. Dieser Witz basiert auf der Idee der Kin-Selektion (Verwandtenselektion). Da man nur 50 % der Gene mit seinem Bruder und 12,5 % mit einem Vetter gemein hat, müsste man genügend Verwandte retten, um den Verlust der eigenen Gene zu kompensieren.
  • Nicht an einem Mangel an Wundern, sondern an unserem Mangel, uns zu wundern, wird die Welt zugrunde gehen.
  • Selbst der Erzbischof von Canterbury besteht zu 65 % aus Wasser.

Es ist erwähnenswert für Sammler, daß seine meistgesuchte Veröffentlichung die Kurzgeschichte My Friend Mr Leakey ist. In dieser kann auch das Zitat seltsamer als wir annehmen gefunden werden, obwohl Haldane sich dieses vorher ausdachte und es zur Erheiterung in die Geschichte einbaute.

Werke

  • 1922 - Sex ratio and unisexual sterility in hybrid animals (Haldane Regel) publiziert J. Genet. 12: 101-109.
  • 1923 - Daedalus or, Science and the Future
  • 1924 - A mathematical theory of natural and artificial selection. Part I
  • 1927 - Animal Biology
  • 1928 - Possible Worlds and Other Essays
  • 1928 - On Being the Right Size
  • 1930 - Enzymes
  • 1932 - The Inequality of Man
  • 1933 - Science and the Supernatural: A correspondence between Arnold Lunn and J. B. S. Haldane
  • 1934 - If....
  • 1934 - Human Biology and Politics
  • 1934 - My Friend Mr. Leakey (children's story)
  • 1937 - A Dialectical Account of Evolution
  • 1937 - The linkage between the genes for colour-blindness and haemophilia in man. Julia Bell; J.B.S. Haldane
  • 1937 - The Causes of Evolution (ISBN 0-691-02442-1)
  • 1938 - The Marxist Philosophy and the Sciences
  • 1938 - Heredity and Politics
  • 1938 - Reply to A.P. Lerner's Is Professor Haldane's Account of Evolution Dialectical?
  • 1939 - Preface to Engels' Dialectics of Nature
  • 1939 - From The Marxist Philosophy and the Sciences
  • 1940 - Lysenko and Genetics
  • 1940 - Why I am a Materialist
  • 1941 - The Laws of Nature
  • 1941 - New Paths in Genetics
  • 1949 - What is Life?
  • 1954 - The Origin of Life
  • 1954 - Biochemistry of Genetics
  • 1957 - The cost of natural selection

Einzelnachweise

  1. My suspicion is that the universe is not only queerer than we suppose, but queerer than we can suppose.

Weblinks


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