John Locke

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John Locke
John Locke (PortrÀt von Godfrey Kneller, 1697)

John Locke [dʒɒn lɒk] (* 29. August 1632 in Wrington bei Bristol; † 28. Oktober 1704 in Oates, Essex) war ein einflussreicher englischer Philosoph und Vordenker der AufklĂ€rung.

Locke war ein Hauptvertreter des britischen Empirismus und gilt allgemein als Vater des Liberalismus.[1][2][3] Er bildet zusammen mit George Berkeley (1684–1753) und David Hume (1711–1776) das Dreigestirn der britischen AufklĂ€rung und des aufkommenden Empirismus. Des Weiteren ist er neben Thomas Hobbes (1588–1679) und Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) einer der bedeutendsten Vertragstheoretiker in der frĂŒhen Phase des Zeitalters der AufklĂ€rung.

Seine politische Philosophie beeinflusste die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten, die Verfassung der Vereinigten Staaten, die Verfassung des revolutionĂ€ren Frankreichs und ĂŒber diesen Weg die meisten Verfassungen liberaler Staaten maßgeblich. In seinem Werk Two Treatises of Government argumentiert Locke, dass eine Regierung nur legitim ist, wenn sie die Zustimmung der Regierten besitzt und die Naturrechte Leben, Freiheit und Eigentum beschĂŒtzt. Wenn diese Bedingungen nicht erfĂŒllt sind, haben die Untertanen ein Recht auf Widerstand gegen die Regierenden.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Locke wurde als Sohn eines Gerichtsbeamten in der Grafschaft Somerset geboren. Er entstammte einer relativ wohlhabenden Familie. Sein Großvater Nicholas Locke hatte als Tuchverleger ein kleineres Vermögen und Landbesitz angesammelt, von dem die Familie leben konnte. Sein Vater stand im Englischen BĂŒrgerkrieg als Offizier auf der Seite des Parlaments. Die Lockes genossen Protektion durch die Familie der Pophams, die mit John Popham (1531–1602) einen Speaker des House of Commons und mit Alexander Popham (1595–1669) ein langjĂ€hriges Mitglied des Unterhauses hervorgebracht hatten.

So war es John Locke 1647 möglich, die ehemals königliche Westminster School in der Londoner Innenstadt zu besuchen. Er konnte von dort die versammelte Menge hören, als die Puritaner König Karl I. am 30. Januar 1649 hinrichteten.

Locke folgte dem klassischen Weg eines Westminster-SchĂŒlers und studierte ab 1652 am College Christ Church der University of Oxford „klassische Wissenschaften“, was eine Schulung an Aristoteles und der Scholastik einschloss. 1656 verlieh ihm die UniversitĂ€t den Bachelor of Arts. Überlegungen, sein Studium abzubrechen und in eine Anwaltskanzlei einzutreten, gab er auf. Stattdessen legte er die PrĂŒfung zum Master of Arts bereits zwei Trimester vor Ablauf der planmĂ€ĂŸigen Studienzeit im Jahr 1658 ab. Danach wurde er als senior student Mitglied des Lehrkörpers und nahm seine TĂ€tigkeit als Dozent auf. Er war ab 1660 Lecturer fĂŒr Griechisch, dann Rhetorik (1662) und Ethik (1663 „Censor of Moral Philosophy“). Seine Karriere war damit fĂŒr Oxford-VerhĂ€ltnisse durchaus typisch; aus dieser Zeit gibt es keine Aufzeichnungen oder Anzeichen dafĂŒr, welchen Rang er spĂ€ter im europĂ€ischen Geistesleben einnehmen sollte.

Bereits als Student hatte Locke, wie sich aus seinen Aufzeichnungen ergibt, Interesse an medizinischen Fragen und den neu aufkommenden empirischen Methoden gezeigt. So befasste er sich mit den Naturwissenschaften und hörte bei Richard Lower inoffiziell medizinische Vorlesungen. In dieser Zeit hatte er engeren Kontakt zu Robert Boyle und den experimentellen empirischen Methoden der Wissenschaften. Er interessierte sich besonders fĂŒr die botanischen Aspekte der Medizin und erarbeitete sich einen Abschluss als Bachelor in Medizin, schaffte es aber nie, den medizinischen Doktorgrad zu erwerben. Seit Mitte der 1660er Jahre stagnierte seine akademische Karriere, ohne dass er an der UniversitĂ€t wirklichen Erfolg gehabt hĂ€tte.

Nachdem sein jĂŒngerer Bruder schon in der Kindheit gestorben war, erbte John Locke nach dem frĂŒhen Tod seines Vaters 1661 etwas Land und einige Cottages, wodurch er finanziell unabhĂ€ngig wurde. In der statusbasierten englischen Gesellschaft hatte er so den Rang eines Landbesitzers inne.

Nach einer 1665 in diplomatischem Auftrag fĂŒr die englische Regierung unternommenen Reise quer durch Europa wurde er SekretĂ€r und Leibarzt des spĂ€teren Earl of Shaftesbury. In einer Operation an dessen Leber rettete Locke wahrscheinlich das Leben des Earls. Dieser protegierte Locke seitdem nachhaltig; dass Locke keine große politische Karriere machte, liegt wahrscheinlich an Lockes eigener Skepsis gegenĂŒber diesen Aufgaben, nicht an mangelnder UnterstĂŒtzung durch den Earl. Durch die enge Verbindung zur regierenden Klasse in der bewegten Zeit des Konflikts zwischen Parlament und Monarchie lernte Locke vieles ĂŒber die damalige praktische Politik, was er dann in seine spĂ€ten Werke einfließen lassen konnte.

Locke war spĂ€ter Erzieher des gleichnamigen Enkels, spĂ€teren Erben und frĂŒhen AufklĂ€rers Earl of Shaftesbury sowie dessen Geschwistern. 1672 erhielt er durch Shaftesbury ein Regierungsamt. Locke wurde 1668 Mitglied der Royal Society. Als Shaftesbury im Verlauf von MachtkĂ€mpfen in der Regierung in Haft kam, unternahm Locke von 1675 bis 1679 eine weitere Europareise. Shaftesbury ging nach erneuter Regierungsopposition wegen der Verschwörung gegen eine potenzielle Nachfolge des spĂ€teren Jakobs II. auf den Thron Karls II. 1682 ins hollĂ€ndische Exil, wo er 1683 starb. Locke blieb zwar zunĂ€chst in England, verbarg sich aber nach dem Rye House Plot, bei dem Jakob II. und Karl II. ermordet werden sollten, von 1683 bis 1688 in Holland.

1684 befahl der englische König, ihn in Abwesenheit aus dem Christ-Church-College auszuschließen. Locke, der zeit seines Lebens ĂŒberzeugtes Mitglied der UniversitĂ€t war, wehrte sich gegen diesen Beschluss. Die Zuneigung Lockes zu Oxford beruhte durchaus nicht auf Gegenseitigkeit: bereits 1683 fand im Hof die letzte öffentliche BĂŒcherverbrennung Englands statt, wobei auch viele Werke verbrannt wurden, die Locke schĂ€tzte. 1684 beschuldigten diverse Professoren der UniversitĂ€t Locke, den Stuarts feindlich gesinnt zu sein. Noch 1703, nachdem seine Werke in der europĂ€ischen Geisteswelt Furore machten, weigerte sich die UniversitĂ€t, die BĂŒcher ihres Sohns in den Lehrplan aufzunehmen.

Erst mit dem Machtantritt Wilhelms von Oranien wurde ihm 1689 wieder ein Regierungsamt angeboten, das er aus gesundheitlichen GrĂŒnden ablehnte. Ab 1690 zog er sich auf das Gut eines befreundeten Adligen zurĂŒck. WĂ€hrend er sich persönlich zurĂŒckzog, wuchs sein Ruf. Mit Wilhelm III. und der Bill of Rights hatte sich die protestantisch-bĂŒrgerliche Partei im englischen Machtkonflikt durchgesetzt. Lockes 1690 veröffentlichtes An Essay Concerning Humane Understanding (Versuch ĂŒber den menschlichen Verstand) machte seinen Namen in den gelehrten Kreisen Europas bekannt und berĂŒhmt, sodass spĂ€teren Veröffentlichungen große Aufmerksamkeit und intensive Auseinandersetzungen zuteilwurden. Im House of Commons bildete sich eine Gruppe um John Somers, 1st Baron Somers, die stark von Lockes Ideen beeinflusst war und sich mit ihm traf, wenn er in London war. Somers selbst wurde spĂ€ter wichtigster Berater von Wilhelm III.

Locke starb am 28. Oktober 1704 in seinem Arbeitszimmer.

Philosophie

Veröffentlichungen

Lockes erste Veröffentlichung war ein 1653 publiziertes Lobgedicht auf Oliver Cromwell, nachdem dieser eine Schlacht im Englisch-NiederlĂ€ndischen Krieg gewonnen hatte. WĂ€hrend seiner Zeit in Christ Church befasste sich Locke in seinen Schriften nicht mit Philosophie im engeren Sinne, er bereitete aber einige Texte zur Politik Englands und zum Naturrecht vor. Eine Abhandlung ĂŒber den civil magistrate bereitete er 1664 zum Druck vor, sie wurde aber nie veröffentlicht. Zusammen mit seinen universitĂ€tsinternen Schriften zeigt der Text, dass Locke zu dieser Zeit weit autoritĂ€rer war als zu spĂ€terer Zeit. Er verteidigt die absolute Macht des Magistrats ĂŒber die Mitglieder der Gesellschaft; die Entscheidungen binden selbst das Gewissen der einzelnen Mitglieder. Die Freiheit des Individuums beginnt erst dort, wo es keine bindende Entscheidung gibt. Im Gegensatz zu Verfechtern eines monarchischen Absolutismus legt Locke aber bereits in dieser Phase eine Art Rechtsstaat zugrunde, die höchste legitime Gewalt war nicht die Person des Herrschers, sondern die Gesamtheit der Gesetze, die er reprĂ€sentierte.

Lockes erste weiter verbreitete Publikationen sind wahrscheinlich in enger Zusammenarbeit mit dem 1. Earl of Shaftesbury entstanden. The Fundamental Constitutions of Carolina (Die grundlegende Verfassung Carolinas) erschien 1669, der Letter from a Person of Quality (Brief eines Vornehmen) 1675, beide wurden anonym veröffentlicht.

In seinen spĂ€ten Jahren fernab des politischen Tagesgeschehens veröffentlichte er seine Hauptwerke; die EntwĂŒrfe und Skizzen dazu waren aber weit Ă€lter. Sie sind in ihren GrundzĂŒgen bereits entstanden, als Locke noch eng mit dem Earl of Shaftesbury zusammenarbeitete. Sein erster Entwurf zum Versuch ĂŒber den menschlichen Verstand datiert von 1671.

1686 erschienen die anonym veröffentlichten Briefe ĂŒber Toleranz, die teilweise wahrscheinlich auch aus der Feder Shaftesburys stammen. 1690 folgten ebenfalls anonym Zwei Abhandlungen ĂŒber die Regierung, im selben Jahr erschien der Versuch ĂŒber den menschlichen Verstand, in dem zumindest sein Name unter dem Vorwort stand; 1692 wurden die bereits 1668 geschriebenen Betrachtungen ĂŒber die Senkung des Zinssatzes und die Erhöhung des Geldwertes publiziert, in denen er sich fĂŒr eine frĂŒhe Form des Freihandels einsetzte, 1694 schließlich die Thoughts Concerning Education (Gedanken zur Erziehung).

Eine Ausnahme in seinem Werk bilden die Zwei Abhandlungen ĂŒber die Regierung (Two Treatises on Government), ĂŒber die es keine Skizzen, Manuskripte oder anderen Aufzeichnungen Lockes gibt. Das Buch entstand im Wesentlichen wahrscheinlich Mitte der 1680er vor der Bill of Rights. Da es erst nach dieser veröffentlicht wurde, konnte er aber Einleitung und bestimmte Teile so umschreiben, dass es als BegrĂŒndung dieser gelesen werden konnte. Er ließ die Arbeit nicht nur anonym verlegen, sondern beseitigte auch alle Spuren, die ihn als Verfasser mit dem Werk in Zusammenhang bringen konnten. Unter anderem vernichtete er das Manuskript. Obwohl bereits zu Lebzeiten viele Zeitgenossen ihm die Abhandlung öffentlich zuschrieben und sie lobten, reagierte Locke nicht darauf. Selbst in seinem eigenen alphabetisch geordneten BĂŒcherregal war es bei den unbekannten Autoren eingeordnet. Erst in seinem Testament bekannte er sich zur Autorenschaft.

Erkenntnistheorie

An Essay concerning Humane Understanding (London: T. Basset/E. Mory, 1690)

Locke lieferte einen bedeutenden Beitrag zur Erkenntnistheorie. Er befĂŒrwortet zwar die rationale Theologie und die Wende der Philosophie des Mittelalters zur Philosophie der Neuzeit, die die rationalistische Philosophie vor allem RenĂ© Descartes verdankt. Locke wandte sich aber gegen die Rechtfertigung der Naturwissenschaften aus dem bloßen Denken und suchte ihr Fundament stattdessen in der Erfahrung.

Dennoch nahm er wie Descartes als Ausgangspunkt der philosophischen Überlegungen den Zweifel an der gegenstĂ€ndlichen Wirklichkeit, an der Existenz der Außenwelt. Die Aufhebung dieses Zweifels wurde von ihm nun nicht mehr ĂŒber den Gottesbegriff vollzogen, sondern empiristisch, angeregt durch Pierre Gassendi. In seinem aus vier BĂŒchern bestehenden Hauptwerk An Essay concerning Humane Understanding (Ein Versuch ĂŒber den menschlichen Verstand) untersuchte Locke den Ursprung, die Gewissheit und den Umfang menschlichen Wissens in Abgrenzung zu Glauben, Meinen und Vermuten. Ausgangspunkt war einerseits Lockes scholastische Ausbildung in Oxford auf Basis des in England vorherrschenden Nominalismus. Andererseits hatte er sich in seinem vierjĂ€hrigen Frankreichaufenthalt intensiv mit Descartes und dessen Vorstellung eingeborener Ideen auseinandergesetzt.

Entsprechend untersuchte Locke im ersten Buch zunĂ€chst den Ursprung der Ideen und entwickelte eine Vielzahl pragmatischer Argumente gegen die Existenz eingeborener Ideen. Seine Grundthese ist die bereits weit vor ihm formulierte Aussage: Nihil est in intellectu quod non (prius) fuerit in sensibus (Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen gewesen wĂ€re). Das zweite Buch befasst sich mit dem Zusammenhang von Ideen und Erfahrung. Das menschliche Bewusstsein ist bei der Geburt wie ein weißes Blatt Papier (Tabula rasa), auf das die Erfahrung erst schreibt. Ausgangspunkt der Erkenntnis ist die sinnliche Wahrnehmung. Er unterschied Ă€ußere Wahrnehmungen (sensations) und innere Wahrnehmungen (reflections). Der nĂ€chste Schritt ist im dritten Buch die Untersuchung der Rolle der Sprache, ihres Zusammenhangs mit den Ideen und ihrer Bedeutung fĂŒr das Wissen. Buch vier handelt schließlich von den komplexen (zusammengefassten) Ideen, von den Grenzen des Wissens und dem VerhĂ€ltnis von BegrĂŒndung und Glauben.

Ideen

Lockes Kritik der Vorstellung der eingeborenen Ideen (ideae innatae) hat einen aufklĂ€rerischen Charakter. Durch die Untersuchung der Dinge selbst soll den Dogmen, Vorurteilen und den von AutoritĂ€ten vorgegebenen Prinzipien, wie sie zu seiner Zeit an der Tagesordnung waren, der Boden entzogen werden. Besonders ausdrĂŒcklich wandte er sich gegen Descartes' Annahme, dass auch die Gottesidee angeboren sei: denn es gebe viele Gegenden in der Welt, wo es keine entsprechende Gottesvorstellung gibt.

Wenn es angeborene Ideen gĂ€be, mĂŒssten diese auch bei geistig zurĂŒckgebliebenen Menschen vorhanden sein.

„Erstens nĂ€mlich ist es offensichtlich, daß alle Kinder und Idioten nicht im geringsten eine Vorstellung oder einen Gedanken von diesen SĂ€tzen haben. Schon dieser Mangel genĂŒgt, um jene allgemeine Zustimmung zunichte zu machen, die notwendig und unbedingt die Begleiterin aller angeborenen Wahrheiten sein mĂŒĂŸte.“

– Buch I, Kapitel 1, Abschnitt 3

Eingeborene Ideen wĂŒrden auch die Vernunft ĂŒberflĂŒssig machen, da man ja nicht erst zu entdecken braucht, was man schon besitzt. Prinzipien wie das vom ausgeschlossenen Widerspruch (Nichts kann zugleich und in derselben Hinsicht sein und nicht sein.) oder von der IdentitĂ€t (alles, was ist, das ist.) sind evident, mĂŒssten aber erst durch die Vernunft erschlossen werden. Es gibt keine Kriterien zur Unterscheidung eingeborener von erworbenen Ideen. Auch das Kriterium der Evidenz kann aus Sicht Lockes nicht eingeborene Ideen kennzeichnen, denn es gebe so viele evidente Aussagen, dass diese unmöglich angeboren sein könnten. Aus den gleichen GrĂŒnden gebe es auch keine eingeborenen moralischen Prinzipien. GrundsĂ€tze wie Gerechtigkeit oder das Einhalten von VertrĂ€gen mĂŒssten durch die Vernunft begrĂŒndet werden, damit sie AllgemeingĂŒltigkeit erhalten.

Übersicht ĂŒber die Darstellung der Ideen bei John Locke

Als wesentliches Argument gegen den Innatismus sah Locke an, dass seine eigene, fĂŒr ihn schlĂŒssige Erkenntnistheorie ohne die Vorstellung der eingeborenen Ideen auskam.

Das Material der Erkenntnis sind einfache Ideen. Deren Ursprung liegt in der Erfahrung. Locke unterschied dabei sensations (Ă€ußere EindrĂŒcke) und reflections (innere EindrĂŒcke), die erst im Verstand zu komplexen Ideen verbunden und geformt werden. Die inneren EindrĂŒcke umfassen geistige TĂ€tigkeiten wie Wahrnehmen, Zweifeln, Glauben, Schließen, Erkennen oder Wollen. Komplexe Ideen entstehen durch Vergleichen, Zusammensetzen, Abstrahieren und andere entsprechende TĂ€tigkeiten des Verstandes. Damit war Locke nicht – wie so oft zu lesen ist – Sensualist. FĂŒr ihn gab es sehr wohl einen aktiven Verstand (vgl. intellectus agens), der im Erkenntnisprozess eine wesentliche Rolle spielt. So weit gibt es keinen Unterschied zu Kant. FĂŒr Locke gab es lediglich keine Ideen a priori, sondern nur das Vermögen, Wahrnehmungen zu verarbeiten zu Abbildern, komplexen Ideen und Begriffen. Bei komplexen Ideen unterschied er Substanzen, Relationen und Modi. Substanzen sind Dinge, die eigenstĂ€ndig existieren einschließlich der Engel, Gott und anderer 'konstruierter' GegenstĂ€nde. In Relationen drĂŒckt sich das VerhĂ€ltnis verschiedener Ideen aus. Modi sind Ideen, die nicht die Wirklichkeit abbilden, sondern geistige Konstrukte, beispielsweise „Dreieck“, „Staat“ oder „Dankbarkeit“.

Bei der Erfassung der Substanzen, die fĂŒr Locke jeweils komplexen Ideen entsprechen, unterschied er primĂ€re und sekundĂ€re QualitĂ€ten. PrimĂ€r sind solche Eigenschaften, die den Substanzen unmittelbar innewohnen wie Ausdehnung, Festigkeit oder Gestalt. SekundĂ€re QualitĂ€ten sind Eigenschaften, die nicht tatsĂ€chlich im Körper des Gegenstandes vorzufinden sind, sondern in der Idee der jeweiligen Substanz von unserer Wahrnehmung hinzugefĂŒgt werden.

„Was in der Idee von SĂŒĂŸ, Blau oder Warm ist, ist nur eine gewisse GrĂ¶ĂŸe, Gestalt und Bewegung der sinnlich nicht wahrnehmbaren Teilchen in den Körpern selbst, die wir so benennen.“

– II, 8,15

Locke fand in der Unterscheidung der sekundĂ€ren QualitĂ€ten ein Problem, das noch in der Philosophie der Gegenwart unter dem Stichwort Qualia intensiv diskutiert wird. SekundĂ€re QualitĂ€ten sind fĂŒr Locke Produkte des Geistes. Sie sind nichts weiter als die Vermögen verschiedener Kombinationen der primĂ€ren QualitĂ€ten. (II,8,22). PrimĂ€re QualitĂ€ten sind Eigenschaften fester Körper, deren Abbilder Ideen im menschlichen Geist hervorrufen. Dies setzt einen nicht nĂ€her bestimmbaren TrĂ€ger voraus (II,22,2), eine Substanz, deren Erkenntnis angenommen werden muss, ein Ding von dem wir offensichtlich keine klare Idee haben. Diese Substanz stellte sich Locke in Anlehnung an Gassendi und in Übereinstimmung mit dem von Boyle vertretenen Atomismus als nicht wahrnehmbare kleinste Teilchen vor. Diese Vorstellung kennzeichnete Locke ausdrĂŒcklich als Hypothese. Die Welt ist so, wie sie uns erscheint, auch wenn sie mit der realen Welt nicht ĂŒbereinstimmen muss. Aber an der Annahme einer realen Welt muss man festhalten. Als Konsequenz ergibt sich ein Dualismus von Geist und Materie. Die Annahme sowohl einer geistigen Welt als auch einer realen Welt war der Ansatzpunkt der Kritik sowohl fĂŒr Berkeleys Idealismus als auch fĂŒr Humes Skeptizismus.

Erkenntnis

Konzept der Erkenntnis bei John Locke

Erkenntnis ist die Perzeption (Wahrnehmung) der Übereinstimmung oder NichtĂŒbereinstimmung von Ideen. Zur Erkenntnis bedarf es also des Urteils, ob eine Aussage gĂŒltig ist. Locke unterschied grundsĂ€tzlich drei Elemente der Erkenntnis, die intuitive, die demonstrative und die sensitive Erkenntnis. Intuitiv erkennt man Ideen als solche, wenn sie im Geist als Einheit vorhanden sind (IdentitĂ€t) und sie sich von anderen Ideen unterscheiden (Distinktheit). Das intuitive Erfassen einer Idee ist notwendig fĂŒr die weiteren Erkenntnisschritte. Intuitive Wahrheit ergibt sich, wenn die Ideen nicht mehr weiter analysierbar sind (Evidenz).

Demonstrative Erkenntnis findet nur mittelbar statt. Der Verstand hat das Vermögen, mit Hilfe der Ideen einen Zusammenhang zwischen zwei Ideen herzustellen. Dieses Vermögen ist nach Locke die Vernunft, und diese Art der Erkenntnis nannte er die rationale. Die VerknĂŒpfung der Ideen erfolgt dabei in Einzelschritten, wobei jeder Schritt durch intuitive Erkenntnis bestĂ€tigt wird. Die scholastischen Syllogismen waren fĂŒr Locke nur deduktiv, also nicht geeignet, tatsĂ€chlich neue Erkenntnis zu erzeugen. Sie hatten fĂŒr ihn nur didaktische Funktion.

Mit der sensitiven Erkenntnis schließlich erfasst der Mensch die Existenz realer GegenstĂ€nde; denn niemand kann im Ernst so skeptisch sein, dass er ĂŒber die Existenz der Dinge, die er sieht oder fĂŒhlt, ungewiss wĂ€re. (IV, 11, 3). Allerdings sind die Sinne gegenĂŒber der Evidenz und der Ableitbarkeit mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, so dass Locke am Ende die Erkenntnis im engeren Sinne als intuitive und demonstrative Erkenntnis bestimmt.

„Diese beiden, Intuition und Demonstration, sind die Grade unserer Erkenntnis. Alles, was nicht einer diesen beiden entspricht, ist – wie zuversichtlich man es auch annehmen mag – bloßer Glaube oder Meinung, aber nicht Erkenntnis.“

– IV,2,14

Wie sicher ist aber das Wissen um das Erkannte? Lockes Empirismus begrenzt die Erkenntnis auf die Erfahrung. Was jenseits der sinnlichen Erfahrung liegt, die Essenz (das Wesen) der Dinge, könne nicht erkannt werden. Der Verstand gibt dem Erkannten Einheit, indem er den Begriff von der reinen Substanz im allgemeinen (II,4,18) bildet. Aber ĂŒber die Natur lĂ€sst sich nichts EndgĂŒltiges sagen. Mit Hilfe der Vernunft kann der Mensch die Sinne nicht ĂŒbersteigen. Er kann nur Hypothesen aufstellen als Leitfaden fĂŒr Forschung und Experiment. Absolute Gewissheit ist auf empirischem Wege nicht möglich. Im Bereich der Hypothesen arbeitet der Verstand mit abstrakten Begriffen wie Art und Gattung, indem er von der Erfahrung abgeleitete, aber abstrahierte komplexe Ideen wie Relationen und Modi verwendet. Solche Ideen wie die des Dreieckes haben nicht nur nominale, sondern auch reale Essenz. Deshalb ist es in den abstrakten Wissenschaften wie der Mathematik auch möglich, unanfechtbare Wahrheiten zu finden.

„Allgemeine und sichere Wahrheiten sind lediglich in den Beziehungen und VerhĂ€ltnissen der abstrakten Ideen begrĂŒndet.“

– IV,12,7

Da Gerechtigkeit, Dankbarkeit oder Diebstahl auch als Modi einzustufen sind, zĂ€hlte Locke die Moral zu den abstrakten Wissenschaften, fĂŒr die man diese allgemeinen und sicheren Wahrheiten mit Hilfe der Vernunft herleiten kann.

Rezeption der Erkenntnistheorie

Erste Reaktionen auf den Essay gab es bereits zu Lockes Lebzeiten, wobei sich sowohl Cartesianer (John Norris) als auch Thomisten (John Sergeant) ablehnend Ă€ußerten. Von den bekannten Philosophen reagierten sowohl Leibniz mit Neue Abhandlungen ĂŒber den menschlichen Verstand (1704, gedruckt 1759) als auch Berkeley mit der Abhandlung ĂŒber die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis (1709) unmittelbar kritisch auf das Werk Lockes. Dieses kann daher als Anstoß fĂŒr eine neue Gattung von Abhandlungen in der Philosophie angesehen werden, die sich ausschließlich auf die erkenntnistheoretische Frage konzentriert.

In diesem Sinn stehen auch Humes Untersuchung ĂŒber den menschlichen Verstand und Kants Kritik der reinen Vernunft in einer Linie der Diskussion ĂŒber die Erkenntnistheorie. WĂ€hrend Locke, Berkeley und Hume jeweils die empiristische Position vertraten, sind Leibniz und Kant Vertreter des Apriorismus – ein Gegensatz, der seit Descartes und Locke die philosophische Auseinandersetzung ĂŒber den Positivismus (John Stuart Mill) und Neopositivismus einerseits sowie den deutschen Idealismus einschließlich Arthur Schopenhauer, der Locke als seicht kritisierte, und dem Neukantianismus andererseits bis in die Gegenwart bestimmte.

Religion, Toleranzidee und Erziehungsgedanken

Von Lockes theologischen Schriften ist besonders The Reasonableness of Christianity as Deliver’d in the Scriptures (VernĂŒnftigkeit des Christentums wie in der Heiligen Schrift dargestellt, 1695) wichtig. Locke verband rationalistisches Gedankengut mit dem ĂŒberkommenen Supranaturalismus. Er wollte darlegen, dass das in der Bibel Bezeugte der Vernunft entspricht, ja von ihr als logisch anerkannt werden muss. Die Wunder seien eine Beglaubigung des Wahrheitsanspruchs der Bibel. Locke hielt an der wörtlichen Eingebung der biblischen Texte (Verbalinspiration) fest, ebenso am kosmologischen Gottesbeweis. Jesus war fĂŒr ihn sowohl Lehrer des göttlichen Willens (Heiland) als auch Erlöser (Christus) und Inhalt der göttlichen Selbstbekundung (Gottes Sohn).[4] Ähnlich wie Luther beschĂ€ftigte sich Locke intensiv mit den Briefen des Apostels Paulus. Posthum erschien A Paraphrase and Notes on the Epistles of St. Paul (Eine Paraphrase und Anmerkungen zu den Paulusbriefen)

Die Eltern Lockes waren Puritaner.[5] Deshalb waren ihm von klein auf reformatorische Frömmigkeit, LebensfĂŒhrung und Theologie vertraut. Dazu gehörten ganz wesentlich die demokratischen Strukturen im Leben der Kirchengemeinden bei Kongregationalisten, Presbyterianern, Baptisten und QuĂ€kern (z. B. Wahl der KirchenĂ€ltesten (Presbyter) und der in die regionalen und nationalen Synoden entsandten Vertreter durch die Gemeindeglieder, Gleichstellung von Geistlichen und Laien). Dieser demokratische Ansatz geht zurĂŒck auf Anschauungen Luthers („allgemeines Priestertum aller GlĂ€ubigen“, Wahl und gegebenenfalls Abwahl von Pfarrern durch die Gemeindeglieder), Calvins Kirchenordnung (1541; gewĂ€hlte KirchenĂ€lteste usw.) und die Schaffung von Synoden auf regionaler und nationaler Ebene durch die Hugenotten (Trennung von Kirche und Staat).[6]

Die 1620 von Kongregationalisten („PilgervĂ€ter“) in Nordamerika gegrĂŒndete Plymouth Colony wurde ebenso demokratisch verwaltet wie die benachbarte Massachusetts Bay Colony.[7] Der Baptist Roger Williams grĂŒndete 1636 die Kolonie Rhode Islands, die demokratische GrundsĂ€tze mit Glaubens- und Gewissensfreiheit fĂŒr alle christlichen Bekenntnisse verband. Dasselbe verwirklichte William Penn 1682 in der Kolonie Pennsylvania, die eine ZufluchtsstĂ€tte fĂŒr in Europa verfolgte religiöse Minderheiten wurde (QuĂ€ker, Hugenotten, Mennoniten, Böhmische BrĂŒder u. v. a. m.).[8] Die englische Öffentlichkeit erfuhr von diesen fĂŒr das 17. Jahrhundert umwĂ€lzenden Ereignissen durch Schriften, die FĂŒhrungspersönlichkeiten dieser Kolonien veröffentlichten (z. B. Edward Winslow, William Bradford, John Cotton). Die Kolonien kannten bereits ansatzweise das Prinzip der Gewaltenteilung. Im Zusammenhang mit der Reformation war die TĂ€uferbewegung entstanden. Als vielfach verfolgte Minderheit bestanden die TĂ€ufer auf Glaubens- und Gewissensfreiheit. Anfang des 17. Jahrhunderts bildeten sich aus dem englischen TĂ€ufertum Baptistenkirchen (General Baptists und Particular Baptists). FĂŒhrende Baptisten wie John Smyth, Thomas Helwys und John Murton forderten in einer Reihe von Schriften das Recht auf freie ReligionsausĂŒbung.[9] Auch Roger Williams schrieb ein leidenschaftliches PlĂ€doyer fĂŒr die Freiheit von Glauben und Gewissen.

Locke war von diesen Schriften beeinflusst.[10] Zu diesen EinflĂŒssen gehörte zudem der Verfassungsentwurf der Independenten (Kongregationalisten) unter ihrem FĂŒhrer Oliver Cromwell (Agreement of the People, 1647), der als Folge demokratischer Tendenzen die Gleichheit aller Menschen betonte.[11] Der „positiv-glĂ€ubigen Stellung Lockes zur Religion“ (Karl Heussi) entsprach es, dass er religiöse Toleranz nicht bzw. nicht nur philosophisch begrĂŒndet (siehe unten), sondern wie etwa auch Roger Williams biblisch-theologisch.[12] Schon im frĂŒhen 16. Jahrhundert hatte Luther die „unerzwingbare Freiheit des Glaubens“ betont.[12] Locke nahm von der Tolerierung durch den Staat den Atheismus und den Katholizismus aus.[10] Damit sind auch alle atheistischen Formen der AufklĂ€rung abgelehnt. Die katholische Kirche verhindert nach Lockes Ansicht die Verwirklichung seines zentralen Anliegens, des Rechts des Einzelnen, ĂŒber sein Denken, Glauben und Handeln selbst bestimmen zu können.[13] Locke unterstĂŒtzte die KrĂ€fte, die sich gegen die absolutistischen AnsprĂŒche Karls I., Karls II. und Jakobs II. sowie ihre Anstrengungen wandten, in England und Schottland gegen den Willen der ĂŒberwiegenden Mehrheit des Volkes den Katholizismus als Staatsreligion wieder einzufĂŒhren. Damit wĂ€re auch die Inquisition zurĂŒckgekehrt. Deshalb begrĂŒĂŸte Locke die Glorious Revolution (1688) und den Beschluss des Parlaments, dass jeder englische Monarch Mitglied der anglikanischen Kirche sein muss.

In seinem Letter Concerning Toleration (Brief ĂŒber die Toleranz) und den zwei Nachfolgebriefen ging Locke auf das VerhĂ€ltnis zwischen Staat und Religion ein. Er fĂŒrchtete damals die MachtĂŒbernahme der Katholiken und eine Verfolgung aller AndersglĂ€ubigen. Er sprach sich dafĂŒr aus, dass der Staat die Religion grĂ¶ĂŸtenteils seinen BĂŒrgern ĂŒberlasse. Locke griff dabei im Wesentlichen auf ein religiös-christliches und drei im engeren Sinn philosophische Argumente zurĂŒck. Religiös argumentierte er, dass sich nirgendwo in der Bibel ein Hinweis darauf finde, dass Menschen mit Gewalt dazu gezwungen wĂŒrden, ihre Religion zu wechseln. Innerhalb der philosophischen Argumentation nahm er einen Gedanken aus seinen Two Treatises auf: der Daseinszweck der Regierung sei es, Leben, Freiheit und Eigentum zu schĂŒtzen; wĂŒrde sie in das religiöse Leben ihrer BĂŒrger eingreifen, wĂŒrde sie ihre Kompetenzen ĂŒberschreiten. Dies wĂ€re auch nicht sinnvoll, da es beim Glauben auf eine innere Einkehr und Überzeugung ankĂ€me, die mit Gewalt und Verfolgung nicht erzwungen werden könne. Die rein Ă€ußerliche Annahme einer anderen Religion wĂŒrde keinen Schritt zum wahren Glauben hinfĂŒhren, aber in die Naturrechte der Untertanen eingreifen. Und selbst angenommen, die Regierung könnte auf eine Art die innere Überzeugung der Untertanen Ă€ndern, so wĂ€re es immer noch fraglich, ob dies der wahren Religion helfen wĂŒrde, da Regierungen an sich genauso anfĂ€llig dafĂŒr seien, eine falsche Religion zu propagieren wie ihre Untertanen.

In der Erziehung wandte sich Locke, der nicht verheiratet war und keine Kinder hatte, gegen strenge Schulzucht. Stattdessen mĂŒsse die Erziehung die IndividualitĂ€t der Kinder und Jugendlichen fördern. Lockes Empfehlungen zu Bildung und Erziehung sind eng verknĂŒpft mit seiner Lehre, dass jedes Kind in geistiger Hinsicht als Tabula rasa zur Welt kommt.[14]

Gesellschafts- und Staatstheorie

Titelseite der Ausgabe von 1690, veröffentlicht 1689

Locke schrieb seine Werke vor dem Hintergrund der Konflikte zwischen Parlament und Krone. Zu seiner Zeit waren es keine abstrakten Überlegungen, sondern argumentatorische Waffen im Konflikt um die neue Gesellschaftsordnung. Dabei stand das absolute Recht des Königs gegen die AnsprĂŒche des BĂŒrgertums auf Regierungsbeteiligung und eigene Rechte gegenĂŒber dem König. Locke begrĂŒndet, warum die Macht des Herrschenden eingeschrĂ€nkt sein sollte.

In seinen Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen ĂŒber die Regierung) geht der Whig (AnhĂ€nger der konstitutionellen Monarchie) Locke von natĂŒrlich gegebenen Rechten der Menschen aus (siehe Naturrecht). Er setzt bestimmte Annahmen ĂŒber den Zustand des Menschen in Abwesenheit des Staates und leitet von diesen ab, wie die Menschen im Naturzustand zusammenlebten. Über die AnhĂ€ufung von Eigentum bildeten sich Gesellschaften. Mithilfe seiner Vertragstheorie begrĂŒndet Locke, wie diese sich GesellschaftsvertrĂ€ge und somit Regierungen gaben. Da diese Regierungen nur geschaffen wurden, um bestimmten menschlichen Zwecken zu dienen, kann er im Folgenden legitime und illegitime Regierungen unterscheiden. Gegen illegitime Regierungen sieht er ein Recht auf Revolution.

Naturrechtslehre

Locke erklĂ€rt in seinem politischen Hauptwerk Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen ĂŒber die Regierung) Freiheit, Gleichheit und Unverletzlichkeit von Person und Eigentum zu den höchsten RechtsgĂŒtern. Er geht dabei von dem Gedanken aus, dass das höchste Ziel und Zweck des Menschen das Leben sei. Locke begrĂŒndet dies noch explizit damit, dass der Mensch durch Gott geschaffen sei:

“
by his [God’s] order and about his business, they are his property whose workmanship they are, made to last during his, not one another’s pleasure: 
 [human being] has no liberty to destroy himself, or so much as any creature in his possession, yet when some nobler use than its bare possession calls for it.”

„Sie sind sein Eigentum, denn sie sind sein Werk, von ihm geschaffen, dass sie so lange bestehen wie es ihm gefĂ€llt, nicht aber wie es ihnen untereinander gefĂ€llt. 
 [Der Mensch] hat nicht die Freiheit, sich selbst oder irgendein ihm unterworfenes Lebewesen zu zerstören, es sei denn, ein edlerer Zweck als bloße Erhaltung fordere es.“

– II. ii. 5

Aber er stellt auch fest, dass Gottes Wille durch reines Nachdenken und Weltbeobachtung erkennbar sei (vgl. NatĂŒrliche Theologie). Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Argumentation auch ohne Gott funktioniert. Um dieses Überleben zu sichern, sind die Rechte auf Leben, Gesundheit, Freiheit und Eigentum (Life, Health, Liberty, Property) notwendig.

Im Gegensatz zur Konzeption Thomas Hobbes' sind die Naturrechte bei Locke durch die Rechte anderer begrenzt. WĂ€hrend bei Hobbes im Prinzip jeder ein Recht auf Alles hat, werden die Rechte auf Freiheit und Eigentum bei Locke durch die Freiheits- und Eigentumsrechte anderer eingeschrĂ€nkt. „No one ought to harm another in his Life, Health, Liberty, or Possessions.“ (II, 6, II, 9-10). (deutsch: Niemand soll einem anderen an seinem Leben, seiner Gesundheit, seiner Freiheit oder seinem Besitz Schaden zufĂŒgen.) Aus dieser EinschrĂ€nkung leitet er selbst Rechte ab, diejenigen zu bestrafen und Ausgleich gegenĂŒber denen zu fordern, die sie verletzten. WĂ€hrend Hobbes von individuellen Rechten ausgeht, ist Lockes „Law of Nature“ ĂŒberindividuell angesiedelt: „the state of nature has a law of nature to govern it, which obliges every one.“ (II, 6, II, 6-7) (deutsch: Im Naturzustand herrscht ein natĂŒrliches Gesetz, das fĂŒr alle verbindlich ist.). Damit greift er auf Ă€ltere naturrechtliche Konzeptionen zurĂŒck.

Leben

Locke begrĂŒndet als erstes Recht, das Recht „a man has to subsist and enjoy the conveniences of life.“ (Das Recht eines Menschen, die Annehmlichkeiten des Lebens zu genießen und zu erhalten) (I 97, II, 2-3). Das Recht ergibt sich zwingend aus seiner BegrĂŒndung der Naturrechte. Wichtig ist hier, dass dieses Recht nicht nur die reine Selbsterhaltung einschließt, sondern auch die Freude am eigenen Leben. Folgend seiner Konzeption der Naturrechte und des daraus resultierenden Naturzustandes bedeutet es auch, dass das Leben der Menschen bereits im Naturzustand gesichert ist. Anders als bei Hobbes kann die Aufgabe der Regierung nicht nur sein, das Leben der Menschen zu schĂŒtzen.

Freiheit

Die zweite Abhandlung beginnt mit dem Recht auf Freiheit:

“Freedom to order their Actions, and dispose of their Possessions and Persons as they think fit, within the bounds of the Law of Nature, without asking leave, or depending upon the Will of any other man.”

„[Der Naturzustand] ist ein Zustand vollkommener Freiheit, innerhalb der Grenzen des Naturgesetzes seine Handlungen zu lenken und ĂŒber seinen Besitz und seine Person zu verfĂŒgen, wie es einem am besten scheint – ohne jemandes Erlaubnis einzuholen und ohne von dem Willen eines anderen abhĂ€ngig zu sein.“

– II, §4 (online)

Locke definiert aber auch eine legitime totale EinschrĂ€nkung der Freiheit: Sklaverei. Menschen können andere Menschen in dem Moment legitim versklaven, in dem letztere einen ungerechten Krieg beginnen und verlieren. Der Sieger hat, um den Krieg zu beenden, in diesem Moment nur die Wahl, seinen Gegner entweder zu töten oder zu versklaven. Bietet aber der Verlierer als Akt der Reue eine angemessene Wiedergutmachung fĂŒr das von ihm verschuldete Unrecht an, so muss der Sieger der Vernunft des Naturgesetzes folgen und den Kriegszustand beenden. Beide Parteien verfĂŒgen nun wieder ĂŒber die absolute Freiheit, die dem Naturzustand inhĂ€rent ist.

Der Historiker David Brion Davis sieht in Locke den letzten großen Philosophen, der die absolute und immerwĂ€hrende Sklaverei zu rechtfertigen versucht.[15]

Eigentum

Arbeitstheorie: Aneignung der Natur

Lockes Argumentation zum Eigentum verlĂ€uft zweistufig. In der ersten Stufe, der Arbeitstheorie, begrĂŒndet er, wie Menschen ĂŒberhaupt rechtmĂ€ĂŸig Privateigentum erwerben können. Im ersten Schritt widerspricht er der absolutistischen These, die nur dem König legitime Eigentumsrechte zubilligt. Sie lautet, dass die Welt Adam, Noach und dann ihren Nachfahren, den Königen gegeben worden sei, um ĂŒber sie zu herrschen. Nach Locke gab Gott die Natur allen Menschen gemeinsam (siehe 1. Mose), begrĂŒndungsbedĂŒrftig ist vielmehr, dass Einzelne sich Privateigentum aneignen können und damit den anderen Menschen Zugriff auf diesen Teil der Natur verwehren.

Das Eigentum rechtfertige sich aus dem Selbsterhaltungsrecht: Der Mensch sei folgend dem Freiheits- und Selbstbestimmungsrecht nicht nur EigentĂŒmer seiner selbst und damit auch seiner Arbeit, sondern auch berechtigt, der Natur ein angemessenes StĂŒck zu entnehmen, um sich selbst zu erhalten.

“natural reason 
 tells us, that Men, being once born, have a right to their Preservation, and consequently to Meat and Drink, and such other things, as Nature affords for their subsistence”

„die natĂŒrliche Vernunft 
 sagt, dass die Menschen, nachdem sie einmal geboren sind, ein Recht haben auf ihre Erhaltung und somit auf Speise und Trank und alle anderen Dinge, die die Natur fĂŒr ihren Unterhalt hervorbringt.“

– II, §25 (online)

Durch die Vermischung der Natur, die noch allen gehört, mit der eigenen Arbeit, die dem Individuum selbst gehört, ist der Mensch berechtigt, sich diesen Teil der Natur anzueignen. Er selbst gibt als Beispiel die Aneignung eines vom Baum gefallenen StĂŒckes Obst: Es gehört dem, der es aufgehoben hat, weil er es durch das Aufheben mit seiner Arbeit vermischt hat:

“The labour that was mine, removing them out of that common state they were in, hath fixed my Property in them.”

„Meine Arbeit, die sie dem gemeinen Zustand, in dem sie sich befanden, enthoben hat, hat mein Eigentum an ihnen bestimmt.“

– II, §28 (online)

An dieser Stelle der Argumentation greift Locke noch auf Ă€ltere Theoretiker des Privateigentums wie Hugo Grotius oder Samuel von Pufendorf zurĂŒck. Das Eigentum ist bei Locke zunĂ€chst durch mehrere EinschrĂ€nkungen begrenzt: Man darf der Natur nicht mehr entnehmen, als man selbst verbrauchen kann. Andere Menschen mĂŒssen ebenfalls genug von der gemeinsam gegebenen Natur zurĂŒckbehalten, um selbst ĂŒberleben zu können.

Vor allem der erstgenannte Punkt ist in seiner Argumentation wichtig. Es ist verboten, sich FrĂŒchte der Natur anzueignen und sie dann, im ursprĂŒnglichen Sinn des Wortes, verderben zu lassen:

“As much as any one can make use of to any advantage of life before it spoils, so much he may by his labour fix a Property in: Whatever is beyond this, is more than his share, and belongs to others. Nothing was made by God for Man to spoil or destroy.”

„So viel, als ein jeder zu irgendwelchem Vorteil fĂŒr sein Leben nutzen kann, bevor es verdirbt, darf er sich zu seinem Eigentum machen. Was darĂŒber hinausgeht, ist mehr als ihm zusteht, und gehört den anderen. Nichts wurde von Gott geschaffen, um zerstört zu werden.“

– II, §31 (online)

Geldtheorie: Ansammlung von Eigentum

In der zweiten Stufe, seiner Geldtheorie, legt er dann dar, wie die ursprĂŒngliche, auf Subsistenz beruhende Eigentumsordnung rechtmĂ€ĂŸig in eine kapitalistisch geprĂ€gte Eigentumsordnung ĂŒbergehen kann: Es ist erlaubt, verderbliche Gaben der Natur gegen weniger verderbliche einzutauschen, also beispielsweise Äpfel gegen NĂŒsse. Man darf mehr NĂŒsse besitzen, als man aktuell braucht, solange diese nicht verderben. Über diesen Zwischenschritt erlaubt er es dann auch, Naturprodukte, die man sich angeeignet hat, gegen Geld, das heißt Gold oder Silber zu tauschen:

“if he would give his nuts for a piece of metal, pleased with its color, or exchange his sheep for shells, or wool for a sparkling pebble or diamond, and keep those by him all his life, he invaded not the right of others, he might heap up as much of the durable things as he pleased; the exceeding of the bounds of his property not lying in the largeness of his possessions, but the perishing of any thing uselessly in it.”

„Gab er dann auch NĂŒsse fĂŒr ein StĂŒck Metall, dessen Farbe ihm gefiel, tauschte er seine Schafe gegen Muscheln ein oder Wolle gegen einen funkelnden Kiesel oder Diamanten, um sie sein ganzes Leben bei sich zu tragen zu können, so griff er nicht in die Rechte anderer ein, mochte er von diesen bestĂ€ndigen Dingen auch so viel anhĂ€ufen wie er wollte. er ĂŒberschritt die Grenzen rechtmĂ€ĂŸigen Eigentums nicht durch VergrĂ¶ĂŸerung seines Besitzes, sondern dann, wenn irgend etwas ungenutzt umkam.“

– II, §46 (online)

Dies allerdings ist bei Locke kein Recht im eigentlichen Sinn, sondern entsteht durch menschliche Übereinkunft und Akzeptanz. Da Geld nicht verdirbt, darf man sich davon so viel aneignen, wie man will und kann. Damit umgeht Locke die im Ă€lteren Naturrecht entwickelte und aufrechterhaltene Schranke fĂŒr das private Eigentum, ohne sie zu verletzen. Die naturrechtliche BeschrĂ€nkung, dass nichts verderben darf, bleibt formal anerkannt, faktisch darf man sich aber „unendlichen“ Reichtum aufhĂ€ufen, da Geld nicht verdirbt.

Gesellschaftsvertrag und Regierung

Da Menschen Eigentumswerte ansammeln, nehmen auch die Ungleichheiten in der Gesellschaft zu. Im ersten Stadium sind Menschen an das gebunden, was sie persönlich produzieren und konsumieren können, die EigentumsverhĂ€ltnisse werden relativ gleich bleiben. In der fortgeschrittenen Geldwirtschaft werden die Eigentumsunterschiede betrĂ€chtlich, was zu Neid, Streitereien und hĂ€ufigeren VerstĂ¶ĂŸen gegen das Naturrecht fĂŒhrt. In der Theorie kann jeder jemanden bestrafen, der gegen das natĂŒrliche Recht verstĂ¶ĂŸt. In der Praxis wird es jedoch meist das Opfer sein, das die Strafe vollstreckt. Da die Strafe aber im VerhĂ€ltnis zur Tat stehen sollte und das Opfer oft die Schwere des Vergehens ĂŒberschĂ€tzt, kann es hier hĂ€ufig zu Überreaktionen kommen. Durch die ĂŒbertriebenen Strafen und die darauf folgenden Retributionen kommt es zu Auseinandersetzungen bis hin zum Krieg. Laut Locke schließen sich die Menschen in diesem Moment zusammen, um den Vorgang abzubrechen und die eigenen Eigentumsrechte zu beschĂŒtzen.

Locke baut auf die von Thomas Hobbes aufgebrachte Theorie vom Gesellschaftsvertrag auf, wonach die Beziehung zwischen Volk und Regierung als VerhĂ€ltnis einer freien bĂŒrgerlichen EigentĂŒmergesellschaft interpretiert wird. Dabei weitet er das Widerstandsrecht gegen die Regierung erheblich aus. Anders als bei Hobbes können Menschen bei Locke aber ihre Rechte, auch das auf Leben, ganz verwirken durch eine Tat „that deserves Death“ (die den Tod verdient) (II, 23, I, 10)

Ausgehend von der Entwicklung des Gesellschaftsvertrages besitzt Locke MaßstĂ€be, nach denen sich die LegitimitĂ€t einer Regierung entscheiden lĂ€sst: Legitim sind Regierungen, welche die natĂŒrlich gegebenen Rechte des Menschen beschĂŒtzen; illegitim diejenigen, die sie verletzen. Da eine illegitime Regierung danach keine Existenzberechtigung hat, ist es wiederum rechtmĂ€ĂŸig, gegen eine solche Regierung zu rebellieren.

Gewaltenteilung

Noch vor Charles de Montesquieu entwickelt Locke innerhalb der zweiten Abhandlung ĂŒber die Regierung (und zwar im 12. bis 14. Kapitel) eine Theorie der Gewaltenteilung. Er sieht zwei bereits im Naturzustand dem Einzelnen zugeschriebene, durch den Gesellschaftsvertrag aber abgegebene Gewalten, und zwar die Exekutive und die Föderative. Im Staat kommen die Legislative und die PrĂ€rogative hinzu. Unter Föderative versteht Locke die Gewalt, die Entscheidungen ĂŒber BĂŒndnisse und damit ĂŒber Krieg und Frieden trifft, unter PrĂ€rogative eine der Exekutive zugeordnete Gewalt, die auch außerhalb des Gesetzes nach eigener Entscheidung fĂŒr das öffentliche Wohl handelt.

Entstehung und Rezeption der Zwei Abhandlungen

Zwar hatte Locke den Leviathan Thomas Hobbes' wahrscheinlich gelesen – es lassen sich in den Zwei Abhandlungen implizite Hinweise darauf finden –, vor allem aber war sein Buch als Erwiderung auf Robert Filmers Patriarcha, or the Natural Power of Kings konzipiert. Da die ersten Auflagen zahlreiche Druckfehler enthalten, die von Locke angemahnt wurden, ist es heute schwer, von einer Originalversion auszugehen. Allgemein wird heute die 4. Auflage als autorisierte Version angesehen.

Lockes Staatstheorie hat die amerikanische UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung 1776, den französischen Verfassungsentwurf 1791 sowie die ganze Entwicklung des bĂŒrgerlich-liberalen Verfassungsstaates bis heute maßgeblich beeinflusst. Die Einleitung der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung baut direkt auf Locke auf:

“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness. -- That to secure these rights, Governments are instituted among Men, deriving their just powers from the consent of the governed, -- That whenever any Form of Government becomes destructive of these ends, it is the Right of the People to alter or to abolish it,”

„Wir halten diese Wahrheiten fĂŒr ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unverĂ€ußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Streben nach GlĂŒckseligkeit. Dass zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingefĂŒhrt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten; dass sobald eine Regierungsform diesen Endzwecken verderblich wird, es das Recht des Volkes ist, sie zu verĂ€ndern oder abzuschaffen, und eine neue Regierung einzusetzen,“

Die Trias Life, Liberty and the pursuit of happiness ist eine literarisch adaptierte Version von Lockes Naturrechten auf Life, Health, Liberty and Property, wobei in den ersten EntwĂŒrfen Property auch wörtlich im Text stand und Thomas Jefferson es erst spĂ€ter durch das weniger eindeutige Pursuit of Happiness ersetzte.

Neben den revolutionĂ€ren Politikern der damaligen Zeit beeinflusste Locke aber auch die Entwicklung der politischen Theorie maßgeblich: die von ihm zugrunde gelegten Naturrechte sind bis heute Kernbestand des Liberalismus. Ebenso lassen sich mit ihm sĂ€mtliche Konzeptionen des Minimalstaats begrĂŒnden, die Eingriffe der Regierung in das Leben der Menschen nur zu eng definierten Zwecken zulassen.

In der akademischen Interpretation beeinflussten besonders Leo Strauss (1953) und C. B. Macpherson (1962) die Diskussion um seine Staatstheorie. FĂŒr Strauss und seine AnhĂ€nger hat Lockes Staatstheorie große Ähnlichkeiten mit der Thomas Hobbes, der grĂ¶ĂŸte Unterschied besteht ihrer Auffassung nach darin, dass Locke seine AnsĂ€tze fĂŒr die damalige Zeit sozial akzeptabler formuliert habe. Macpherson legt eine marxistisch beeinflusste Interpretation vor, die Locke als Apologeten des Kapitalismus sieht. Ihnen beiden zufolge legitimiert Lockes Werk die unbegrenzte EigentumsanhĂ€ufung des sich abzeichnenden Kapitalismus. Die EinschrĂ€nkungen, die er macht, seien nur oberflĂ€chlich und letztlich bedeutungslos.

Andere wie James Tully interpretieren das Werk fast gegenteilig: hier brachten Geld und die damit verbundene AnhĂ€ufung von Reichtum sowie die damit verbundenen Ungleichheiten nach Locke den Fall des Menschen. Die EinfĂŒhrung einer Regierung und damit die Loslösung aus dem Naturzustand war notwendig, um das Schlimmste zu verhindern.

WĂ€hrend Locke in seiner Arbeit mit Hilfe der Geldtheorie die VerschwendungseinschrĂ€nkung des Eigentums aushebelt, geht er auf die Feststellung, dass anderen Menschen genug zum Überleben bleiben mĂŒsse, nur knapp ein. Zu Lockes Zeiten handelte es sich hierbei um kein gravierendes Problem, da mit dem neu entdeckten Amerika scheinbar unbegrenzte natĂŒrliche SchĂ€tze zur VerfĂŒgung standen. Heute, nachdem es kein Land mehr auf der Erde gibt, das nicht von jemand beansprucht wird, beschĂ€ftigt sich ein großer Teil der wissenschaftlichen Diskussion damit, wie diese EinschrĂ€nkung unter den heutigen Bedingungen zu interpretieren und praktisch umzusetzen sei.

Werke und Ausgaben

Werke (Auswahl)

  • Epistola de tolerantia (A Letter Concerning Toleration), 1689 (Brief ĂŒber die Toleranz)
  • An Essay Concerning Humane Understanding, 1690 (Ein Versuch ĂŒber den menschlichen Verstand)
  • The Second Treatise of Civil Government, 1690 (Zweite Abhandlung ĂŒber die Regierung)
  • Some Considerations of the Consequences of the Lowering of Interest, an the Raising of the Value of Money, 1692, 5. Aufl. 1705
  • Some Thoughts Concerning Education, 1693 (Gedanken ĂŒber Erziehung)
  • The Reasonableness of Christianity as Deliver’d in the Scriptures, 1695
  • Of the Conduct of the Understanding, 1706

Werkausgabe

mit einer Reihe nachgelassener Manuskripte:

  • The Works, I-III, London 1704, I-X, 11. Aufl. 1812, (new ed. corrected) 1823 (Nachdruck Aalen 1963)

Deutsche Textausgaben

  • A Letter concerning Toleration
    • Ein Brief ĂŒber Toleranz (englisch-deutsch), ĂŒbers., eingeleitet und in Anm. erl. von Julius Ebbinghaus, Hamburg: Felix Meiner, 1996, ISBN 978-3-7873-1143-9
  • An Essay concerning Humane Understanding
    • Versuch ĂŒber den menschlichen Verstand in vier BĂŒchern, Bd. 1., Buch I und II, 5., Aufl. Meiner, Hamburg 2000. ISBN 978-3-7873-1555-0, Bd. 2., Buch III und IV, 3. Aufl. Meiner, Hamburg 1988. ISBN 978-3-7873-0931-3
  • The Second Treatise of Civil Government
    • Über die Regierung (The second treatise of government), ĂŒbers. von Dorothee Tidow. Mit einem Nachw. hrsg. von Peter Cornelius Mayer-Tasch, Stuttgart: Reclam, ISBN 3-15-009691-X
    • Zwei Abhandlungen ĂŒber die Regierung, ĂŒbers. von Hans Jörn Hoffmann, hrsg. und eingeleitet von Walter Euchner, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1977, ISBN 3-518-27813-4
  • Some Thoughts Concerning Education
    • Gedanken ĂŒber Erziehung, ĂŒbers., Anm. und Nachw. von Heinz Wohlers, Reclam Stuttgart 1990, ISBN 3-15-006147-4
  • Of the Conduct of the Understanding
    • Die Leitung des Verstandes, ĂŒbersetzt von JĂŒrgen Bona Meyer, Hrsg. von Klaus H. Fischer, Schutterwald/Baden, 1999 ISBN 978-3-928640-61-9
    • Über den richtigen Gebrauch des Verstandes, ĂŒbers. von Otto Martin, Leipzig: Felix Meiner, 1920; unverĂ€nd. Nachdr. d. Ausg. von 1920, Hamburg: Felix Meiner, 1978, ISBN 3-7873-0434-7

Siehe auch

Literatur

  • Falk, Francesca: Postkoloniale Perspektiven auf die politische Philosophie. Thomas Hobbes' horror vacui und John Lockes leeres Land. In: Tierische (Ge)FĂ€hrten. Historische Anthropologie, 2011. 19, 2 S. 292–310.
  • Peter R. Anstey (Hrsg.): The philosophy of John Locke. New perspectives. Routledge, London 2003, ISBN 0-415-31446-1
  • Michael R. Ayers: Locke. Epistemology & Ontology. Routledge, London 1991, ISBN 0-415-10030-5
  • Manfred Brocker: Die Grundlegung des liberalen Verfassungsstaates. Von den Levellern zu John Locke. Alber, Freiburg 1995, ISBN 3-495-47807-8
  • Walter Euchner: Naturrecht und Politik bei John Locke. Suhrkamp TaschenbĂŒcher Wissenschaft 280, Frankfurt/M, 1979, ISBN 3-518-07880-1 (Erstausgabe EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Frankfurt, 1969)
  • Walter Euchner: John Locke zur EinfĂŒhrung. Junius-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-88506-600-9
  • Eduard Fechtner: John Locke’s "Gedanken ĂŒber Erziehung", Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 2003, ISBN 978-3-928640-43-5
  • Crawford B. Macpherson: Die politische Theorie des Besitzindividualismus. Von Hobbes zu Locke. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1990, ISBN 3-518-27641-7
  • Leo Strauss: Naturrecht und Geschichte. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1989, ISBN 3-518-27816-9
  • Udo Thiel: John Locke. mit Selbstzeugnissen u. Bilddokumenten, Rowohlt, Reinbek 1990, ISBN 3-499-50450-2
  • James Tully: A discourse on property. John Locke and his adversaries. Cambridge University Press, Cambridge 1982, ISBN 0-521-22830-1
  • Jeremy Waldron: God, Locke, and Equality. Christian foundations of John Locke’s political thought. Cambridge University Press, Cambridge 2002, ISBN 0-521-89057-8
  • Michael P. Zuckert: Launching liberalism. On Lockean political philosophy. University Press of Kansas, Lawrence, Kansas 2002, ISBN 0-7006-1174-6
  • Locke Studies. An annual journal of Locke research. Lancaster University, Esrick, York 1. Jg. (2002) ff. [VorgĂ€nger: The Locke newsletter]

Weblinks

 Wikisource: John Locke (englisch) â€“ Quellen und Volltexte
 Wikisource: John Locke â€“ Quellen und Volltexte
 Wikiquote: John Locke â€“ Zitate
 Commons: John Locke â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Locke, John. A Letter Concerning Toleration Routledge, New York, 1991. p. 5 (Introduction)
  2. ↑ Delaney, Tim. The march of unreason: science, democracy, and the new fundamentalism Oxford University Press, New York, 2005. p. 18
  3. ↑ Godwin, Kenneth et al. School choice tradeoffs: liberty, equity, and diversity University of Texas Press, Austin, 2002. p. 12
  4. ↑ D. Henrich: Locke, John. - In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band IV (1960), Sp. 425 f. - Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. 11. Aufl. (1956), S. 398
  5. ↑ Uzgalis, William, "John Locke", The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2010 Edition)
  6. ↑ Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. 11. Aufl. (1956), S. 316; 325
  7. ↑ The Plymouth Colony Archive Project und Massachusetts Bay Colony
  8. ↑ M. Schmidt: PilgervĂ€ter.- In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band V (1961), Sp. 384
  9. ↑ Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. 11. Aufl. (1956), S. 382
  10. ↑ a b Karl Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte. 11. Aufl. (1956), S. 398
  11. ↑ W. Wertenbruch: Menschenrechte. Geschichtlich. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band IV (1960), Sp. 869
  12. ↑ a b Heinrich Bornkamm: Toleranz. In der Geschichte des Christentums. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band VI (1962), Sp. 943
  13. ↑ D. Henrich Locke, John. - In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band IV (1960), Sp. 425
  14. ↑ D. Henrich: Locke, John. - In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, 3. Aufl., Band IV (1960), Sp. 425-426
  15. ↑ Domenico Losurdo: Freiheit als Privileg – Eine Gegengeschichte des Liberalismus, Papyrossa, 2010, S. 12.
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   Diccionario de citas

  • John Locke — (1632 1704) English philosopher and political theorist (author of Essay Concerning Human Understanding ) 
   English contemporary dictionary

  • John Locke (philosophe) — John Locke  Pour l’article homonyme, voir John Locke (homonymie).  John Locke Philosophe occidental Époque moderne 
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  • John locke (lost, les disparus) —  Pour l’article homonyme, voir John Locke.  John Locke Personnage de 
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