Joseph II. (HRR)

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Joseph II. (HRR)
Portrait des Kaisers Joseph II.

Joseph II. (ungarisch II. J√≥zsef, kroatisch Josip II.), Benedikt August Johann Anton Michael Adam (*¬†13. M√§rz 1741 in Wien; ‚Ƭ†20. Februar 1790 ebenda), Erzherzog von √Ėsterreich aus dem Geschlecht Habsburg-Lothringen, wurde 1764 r√∂misch-deutscher K√∂nig, war von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen R√∂mischen Reiches Deutscher Nation, ab 1780 auch K√∂nig von Ungarn und B√∂hmen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft

Der junge Joseph als Erzherzog (auf dem Stern stehend) neben seiner Mutter Kaiserin Maria Theresia

Der spätere Kaiser Joseph II. erblickte am 13. März 1741 als erster Sohn und viertes Kind von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan von Lothringen, der als Franz I. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Römisch Deutscher Kaiser) war, in Wien das Licht der Welt.

Im Wiener Diarium, der amtlichen Zeitung der Hauptstadt, hie√ü es dazu: "Heute in der fruhe zwischen 2 und 3 Uhr seynd Ihre Majest√§t die K√∂nigin zu Hungern und B√∂heim, Erz-Hertzogin zu √Ėsterreich, unsere Allergn√§digste Landes-F√ľrstin und Frau eines sch√∂n- und wolgestalteten Ertz-Herzogen zu unaussprechlicher Freude Allerh√∂chster Herrschaften wie auch zum h√∂chsten Trost alhiesiger Inwohner und gesammter K√∂nigl. Erb-K√∂nigreichen und Landen gl√ľcklichst entbunden worden; von welcher gl√ľklichen Entbindung alsogleich der Ruf mithin ein immerw√§hrendes Jubel-Geschrey durch alle Gassen noch bey eitler Nacht erschollen. Von dieser gl√ľcklichen Entbindung seynd auch die Nachrichten mittels Abfertigung einiger Kammer-Herren, Truhsessen und respektive Expresso an unterschiedliche ausw√§rtige H√∂fe abgefertigt worden." [1]

Noch am Abend der Geburt fand die Taufzeremonie statt. Als Taufpaten fungierten Papst Benedikt XIV., vertreten durch den F√ľrsterzbischof von Wien, Kardinal Sigismund von Kollonitz, sowie K√∂nig August III. von Polen, welcher durch den Prinzen und sp√§teren Reichsfeldmarschall Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen vertreten wurde. Getauft wurde das Kind schlie√ülich auf die Namen Josephus Benedictus Augustus Joannes Antonius Michael Adamus - der zweite und der dritte Vorname freilich zu Ehren der beiden Taufpaten. [2]

Heirat und Nachkommen

Der feierliche Einzug von Isabella von Parma in Wien zur Hochzeit mit Joseph

Joseph heiratete am 6. Oktober 1760 in Wien die Prinzessin Isabella von Bourbon-Parma (1741-1763), Tochter des Herzogs Philipp von Parma, Piacenza, Guastalla und dessen Gattin Prinzessin Louise Elisabeth von Frankreich a.d.H. Bourbon. Der auch f√ľr heutige Verh√§ltnisse etwas unkonventionell gef√ľhrten Ehe entsprangen zwei Kinder, die aber bereits fr√ľh verstarben.

  • Maria Theresia (1762-1770)
  • Christine (*/‚Ć 1763)

In zweiter Ehe heiratete er am 23. J√§nner 1765 in Wien-Sch√∂nbrunn seine Cousine 2. Grades Prinzessin Maria Josepha von Bayern (1739-1767), Tochter des Kurf√ľrsten Karl Albrecht und dessen Gattin Erzherzogin Maria Amalie von √Ėsterreich. Die von Joseph vernachl√§ssigte Ehe blieb kinderlos.

Joseph II. als römisch-deutscher Kaiser

Krönungsmahl Joseph II. in Frankfurt
Großes Wappen des Kaisers Joseph II.
Joseph II. und sein j√ľngerer Bruder, der sp√§tere Kaiser Leopold II.

Am 27. März 1764 wurde er in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und am 3. April 1764 ebenda als solcher gekrönt. Sein Wahlspruch wurde: Virtute et exemplo (Mit Tugend und Beispiel)

Joseph wurde 1765 nach dem Tod seines Vaters Kaiser des Heiligen R√∂mischen Reiches Deutscher Nation und offizieller Mitregent in den erzherz√∂glichen L√§ndern, ohne allerdings viel regieren zu k√∂nnen. Das erhebliche finanzielle Erbe des Vaters verwendete er zu gro√üen Teilen f√ľr die Sanierung des Staatshaushaltes. Die Position des r√∂misch-deutschen Kaisers war bereits zu dieser Zeit rein dekorativ, und seine Mutter Maria Theresia √ľberwachte in ihrer Besorgnis um sein unbedachtes Wesen seine Handlungen und Entscheidungen.

In vielen Fragen hatte Joseph andere, zum Teil auch kontr√§re Meinungen zu seiner Mutter Maria Theresia, die bei ihren eigenen Reformen geistig und emotional noch im Zeitalter der Gegenreformation lebte, w√§hrend Joseph bereits ein Anh√§nger aufkl√§rerischer Ideen war. Nach ihrem Tod 1780 versuchte er diese Ideen politisch umzusetzen, dies allerdings auf √ľberhastete oder undiplomatische Art, so dass viele davon durch Verz√∂gerungen oder Widerstand letztlich unwirksam blieben.

Als er 1790 an Tuberkulose verstarb, erhielt sein j√ľngerer Bruder Leopold II. die Kaiserw√ľrde. Nur wenige trauerten um ihn: "Aus der Fackel seines Geistes ist... ein Funke gefallen, der nie mehr erl√∂schen wird‚Äú.

Der aufgeklärte Absolutismus und Josephs Reformen

Er gilt als Exponent des aufgekl√§rten Absolutismus. F√ľr ihn war das Herrschertum ein Amt, ein Dienst am Staat als √ľbergeordnetem Ganzen. ‚ÄěAlles f√ľr das Volk, aber nichts durch das Volk‚Äú war sein angeblicher Leitspruch, der seinen Regierungsstil zutreffend charakterisiert.

Joseph II. versuchte den Einfluss des Adels und des Klerus zur√ľckzudr√§ngen. Die Leibeigenschaft der Bauern etwa wurde durch das Untertanenpatent am 1. November 1781 aufgehoben. Die adligen St√§ndeversammlungen wurden zugunsten von Staatsbeamten zur√ľckgedr√§ngt.

Dies hatte auch mit Josephs Zentralisierungstendenzen zu tun. So versuchte er, aus √Ėsterreich einen Einheitsstaat mit Deutsch als Staatssprache zu machen, und wollte die althergebrachten Sonderrechte der L√§nder seines Herrschaftsbereiches abschaffen. Er verzichtete sogar darauf, sich in Prag und Pressburg zum K√∂nig von B√∂hmen bzw. Ungarn kr√∂nen zu lassen. Diese Bestrebungen l√∂sten in den √Ėsterreichischen Niederlanden Unruhen aus und brachten Ungarn an den Rand eines Aufstandes.

Ein anderer Aspekt dieser Bem√ľhungen ist seine Kunstpolitik. So wurde das Burgtheater zum deutschen Nationaltheater erkl√§rt und der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1782 beauftragt, mit der Entf√ľhrung aus dem Serail die Gattung des Singspiels in deutscher Sprache auf k√ľnstlerisch ernstzunehmendes Niveau zu heben. Die Zusammenarbeit mit Mozart wurde auch in den folgenden Jahren beibehalten, als das Genre des Deutschen Singspiels sich nicht durchgesetzt hatte. 1786 genehmigte er die Urauff√ľhrung der Mozart-Oper Le nozze di Figaro (nach dem aufr√ľhrerischen St√ľck ‚ÄěDer tolle Tag" des Franzosen Beaumarchais, dessen Kritik an den Adelsvorrechten mit der Politik des Kaisers sehr gut zusammenging). 1789 erteilte er Mozart auch den Auftrag zu dessen Oper Cos√¨ fan tutte.

Josephs Einheitsstaat sollte in erster Linie f√ľr Wohlstand und Fortkommen seiner B√ľrger sorgen. Allerdings hatte Joseph die Tendenz sich auch um allerkleinste Details zu k√ľmmern, was von seinen Untertanen teilweise als schikan√∂s empfunden wurde. So gab es Regelungen bei Begr√§bnisfeierlichkeiten bis in kleinste Detail; Festlegung der Zahl der Kerzen, die bei einer Messe anzuz√ľnden seien; das Verbot von Pfeffern√ľssen als Genussmittel, welche er f√ľr gesundheitssch√§dlich hielt und vieles mehr.

Ein ernster zu nehmender Aspekt dieser Bem√ľhungen ist seine Gesundheitspolitik, die sich in der Gr√ľndung des Allgemeinen Krankenhaus und dem Josephinum (einer Ausbildungsst√§tte f√ľr Milit√§r√§rzte) niederschlug. Das Allgemeine Krankenhaus war eine Art Lieblingsprojekt des Kaisers, mit dem er sich √§u√üerst detailliert befasste.

Sein Reformwerk scheiterte letztlich am offenen und versteckten Widerstand der alten Eliten. Bei der Auswahl seiner Mitarbeiter √ľbersah er oft deren Fehler und mangelnde Konsensf√§higkeit. So bot der Protochirurg Giovanni Alessandro Brambilla der konservativen √Ąrzteschaft so viel Angriffsfl√§che, dass sich die Entwicklung der Chirurgie in √Ėsterreich letztlich um Jahrzehnte verz√∂gerte. Der Graf Belgioso schwei√üte als Statthalter der √∂sterreichischen Niederlande durch sein ungeschicktes Agieren sogar den Klerus und die Freigeister zu einer gemeinsamen Opposition zusammen.

Justizpolitik

Ein wichtiger Aspekt seiner Reformen ist allerdings, dass die Rechtsordnung unter ihm bedeutende Fortschritte machte. 1783 wurden Teile des Eherechts in der ‚ÄěVerordnung in Ehesachen‚Äú kodifiziert, 1787 wurde ein neues Strafgesetzbuch, das Josephinische Gesetzbuch erlassen, und die Ausarbeitung eines B√ľrgerlichen Gesetzbuches, die schlie√ülich zum ABGB f√ľhren sollte, wurde begonnen.

Innen- und Wirtschaftspolitik

Unter seiner Regierung wurden merkantilistische und physiokratische Ideen verwirklicht. Die Bevölkerung wurde dabei hauptsächlich als Arbeitskräftereservoir angesehen.

Ma√ünahmen zur Hebung der Bev√∂lkerungszahl gehen damit Hand in Hand. Vor diesem Hintergrund ist z.¬†B. die Aufhebung der Todesstrafe 1787 zu sehen ‚Äď die Delinquenten wurden schlie√ülich f√ľr die Zwangsarbeit gebraucht.

Ebenso verwirklichte er einen straffen Polizeistaat mit Spitzelsystem. Kurze Experimente mit der Pressefreiheit wurden rasch wieder aufgegeben.

Außenpolitik

Katharina II. (ganz links) teilt sich zwischen Joseph II. und Friedrich II. von Preu√üen Polen wie ein Kuchen auf, w√§hrend der polnische K√∂nig Stanislaus August II. sich verzweifelt an die Krone greift (Karikatur le g√Ęteau des rois von Jean-Michel Moreau, 1773)

In seiner Au√üenpolitik war Joseph expansiv, aber meistens nicht vom Gl√ľck beg√ľnstigt. Die Beteiligung √Ėsterreichs an der 1. Teilung Polens mit dem Zugewinn Galiziens ging auf die Initiative Preu√üens zur√ľck, das als Ausgleich f√ľr Russlands Zugewinne im Krieg mit der T√ľrkei einen Korridor durch Polen (als Verbindung zwischen Pommern und Ostpreu√üen) forderte. Dem war eine Politik der Ann√§herung an √Ėsterreich vorausgegangen, das 1771 einen geheimen Vertrag mit der T√ľrkei geschlossen hatte und damit Druck auf Russland aus√ľbte. Als Katharina II. von Russland von diesem geheimen Vertrag erfuhr, wurde √Ėsterreich auch ein Angebot gemacht, an der Teilung des souver√§nen Polens zu partizipieren. Die Initiative zu den Teilungspl√§nen ging also nicht von Joseph aus, zumal die Rolle √Ėsterreichs unter den europ√§ischen M√§chten 1771/72 nicht tonangebend war. Allerdings soll er im Gegensatz zu seiner Mutter keinerlei Skrupel bei diesem Handel gehabt haben.

Im Bayerischen Erbfolgekrieg, bei dem urspr√ľnglich geplant war, Bayern an √Ėsterreich anzuschlie√üen und daf√ľr den Wittelsbachern die √Ėsterreichischen Niederlande zu √ľberlassen (Bayerisch-Niederl√§ndisches Tauschprojekt), musste er sich letztlich mit dem Innviertel begn√ľgen.

1787 wurde er als Verb√ľndeter Katharinas II. in einen f√ľr √Ėsterreich wenig erfolgreichen T√ľrkenkrieg hineingezogen.

Religionspolitik (‚ÄěJosephinismus‚Äú)

Das Toleranzpatent von 1781

Am ber√ľhmtesten ist allerdings seine Religionspolitik, die meistens allein gemeint ist, wenn man von Josephinismus spricht.

In seinem Toleranzpatent wurde das Glaubensmonopol der Katholischen Kirche gebrochen ‚Äď Protestanten und Juden durften ihren Glauben aus√ľben, allerdings nur unter Duldung; der Vorrang der Katholischen Kirche blieb aufrecht.

Alle Orden, die im volkswirtschaftlichen Sinne unproduktiv waren, also keine Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivit√§ten betrieben, wurden aufgehoben, ihr Besitz verstaatlicht. Dies f√ľhrte dazu, dass viele kontemplative Abteien mit zum Teil langer Tradition geschlossen wurden. Aus dem Erl√∂s der Aufhebungen wurde der bis ins 20. Jahrhundert bestehende Religionsfonds gegr√ľndet, der die Besoldung der Priester √ľbernahm, die auf diese Weise zu Staatsbeamten wurden.

Auch viele Feiertage und Kirchenfeste (Wallfahrten, Prozessionen u. √Ą.) wurden abgeschafft ‚Äď haupts√§chlich um die Arbeitsproduktivit√§t zu erh√∂hen.

Andererseits wurde auf seine Initiative die Verwaltungsstruktur der katholischen Kirche in √Ėsterreich rationalisiert. Pfarrsprengel wurden verkleinert, neue Di√∂zesen wurden gegr√ľndet und bestehende mit den Grenzen der Kronl√§nder in Deckung gebracht.

Graf Falkenstein

Der unter dem Pseudonym Graf von Falkenstein inkognito reisende Kaiser erregte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf seinen Reisen durch Europa großes Aufsehen. 1777 bezeichnete man ihn in Frankreich auch als den Illustre Voyageur.

L√ľckenhaft Abschnitt¬†fehlen folgende wichtige Informationen: Einzelne Reisen sind lediglich mit √úberschriften versehen

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Herkunft des Inkognito

Joseph II. reiste incognito als Graf von Falkenstein

Als r√∂misch-deutscher Kaiser und Mitregent unternahm Joseph etliche Reisen, so durch B√∂hmen, nach Italien und Frankreich unter seinem offiziellen Incognito als Graf von Falkenstein (oder als Comte de Falckenstein auf seiner Reise nach Versailles). Die linksrheinische Grafschaft Falkenstein im Norden der heutigen Pfalz war eines der kleineren Besitzt√ľmer (etwa 125 km¬≤ und 4000 Einwohner) der Habsburger und das einzige, das territorial vom lothringischen Erbe geblieben war. Incognito-Reisen des Hochadels oder auch regierender F√ľrsten waren im 18. Jahrhundert g√§ngig und sollten in erster Linie den Aufwand f√ľr Repr√§sentation mindern. Beliebt waren Incognito-Reisen insbesondere bei protestantischen F√ľrsten auf der Grand Tour nach Italien.[3]

Die Inkognitoreisen des Kaisers

Joseph II. war derjenige europ√§ische Herrscher, der die h√∂chste Kilometerleistung seiner Zeit erreichte. In seinen knapp 25 Jahren Regierungszeit - 7102 Tage pr√§zise - verbrachte er 2260 Tage nicht in seiner Residenz. Die Reisen wurden mit √§u√üerster Pr√§zision vorbereitet und kalkuliert. Im Brief vom 19. Mai 1777 an Leopold vor der Abreise aus Paris: "... ich habe meine Zeit und Strecke berechnet....ich habe insgesamt 39 Tage Fahrt vor mir, in der Folge verbleiben mir zum Aufenthalt 27 frei verf√ľgbare Tage, die ich, ohne es im Voraus sagen zu k√∂nnen, nach ihrer Kuriosit√§t aufteilen will". Der ausgesprochen scharfsinnige und genaue Beobachter diktierte jeden Abend seine am Tage gemachten Erlebnisse und Beobachtungen - die meisten dieser Reisetageb√ľcher sind noch heute erhalten und von enormer Pr√§zision und Qualit√§t. [4]

Die Reise durch das Banat von 1768

Josef II. besuchte 1767/68 und 1773 das Banat. Ihm zu Ehren wurde ein au√üerhalb der Festung Temeschburg (heute TimiŇüoara) gelegener, aufbl√ľhender Stadtteil Josefstadt benannt. [5]

Die Italienreise von 1769

Josef II. fuhr mit seiner Kutsche zum Papst nach Rom. 1769 f√ľhrte ihn auch nach B√∂hmen, wobei im m√§hrischen Slavikovitz die Szene eines pfl√ľgenden Kaisers aus dem gleichen Jahr als Denkmal festgehalten wurde. [6]

Die Balkanreise 1773

1773 bereiste er das Banat, Siebenb√ľrgen und das gerade erworbene Galizien. [7]

Die Frankreichreise von 1777

1777 bereiste der Graf Falkenstein Frankreich, wo er aufgrund seines betont einfachen und b√ľrgerlichen Auftretens gefeiert wurde. Hauptmotive der Reise waren die Supervision der Schwester Marie-Antoinette, deren Verhalten und Einmischung in die franz√∂sische Innenpolitik in Wien Anlass zur Sorge gaben, sowie die Absprache mit den franz√∂sischen Verb√ľndeten √ľber die geplante Annexion gro√üer Teile Bayerns und des Schweizer Thurgaus. Umstritten ist die Frage ob der Schwager Ludwig XVI., den eine Phimose an der Erf√ľllung der dynastischen Pflichten gehindert haben soll, zur Operation √ľberredet wurde. Unterlagen zu einer derartigen Operation sind in franz√∂sischen Archiven nicht vorhanden. Ein Indiz f√ľr ein derartiges Leiden und eine insgeheime Operation k√∂nnte dagegen die Begleitung des Grafen durch den Protochirurgen Giovanni Alessandro Brambilla sein.

Die Hinreise f√ľhrte von Wien √ľber M√ľnchen, Stuttgart, Stra√üburg, Nancy nach Paris. Die R√ľckreise f√ľhrte im gro√üen Bogen √ľber Brest, Nantes, Orleans, Bordeaux, San Sebastian, Toulouse, Marseille, Genf, Basel, Freiburg, Konstanz, Innsbruck nach Wien zur√ľck. Leider hat sich das Reisejournal der Frankreichreise nicht erhalten. Die Briefe aus Frankreich an die Geschwister und Mutter wurden 1866-69 von Alfred von Arneth herausgegeben.

Legend√§r wurden seine Begegnungen auf dieser Reise mit f√ľhrenden K√∂pfen der Zeit, unter anderem mit Buffon, Haller, Lavater, Rousseau und Voltaire. Sein weiteres Interesse galt sozialen Einrichtungen, Industrieanlagen und milit√§rischen Einrichtungen. Der Graf reiste mit zwei Begleitern, den Grafen Philipp von Cobenzl und Joseph Colloredo-Mels und Wallsee.

Der Aufenthalt in Paris bedeutete den Zenit der Popularit√§t des Grafen Falkenstein. Das Ansehen wurde auf der R√ľckreise durch die vermeintlich √∂ffentliche Br√ľskierung Voltaires bei der Vorbeifahrt in Ferney dauerhaft besch√§digt.

Der den Philosophen Voltaire schätzende Graf Falkenstein befand sich in einem Dilemma, da er sich einerseits durch öffentliche Kundgebungen zu einem Besuch gezwungen sah andererseits inständig von der Mutter Maria Theresia beschworen wurde von einem Besuch abzusehen.

√úber den Ablauf der Ereignisse in Ferney gibt es unterschiedliche Versionen. Voltaire war alleine in seinem Schloss verblieben und hatte alle Bewohner Ferneys an die wenige Kilometer entfernte Landstra√üe beordert. Die durch die Menge unbeeindruckte Kutsche des Grafen Falkenstein passierte die Abzweigung nach Ferney, ohne anzuhalten. Als zwei Jugendliche auf die Trittbretter aufsprangen, um in das Innere zu sehen, hielt eine Stimme aus dem Inneren den Kutscher zum Gebrauch der Peitsche an. Erstaunlich milde fiel Voltaires sp√§tere Darstellung der Situation aus: zwei Betrunkene h√§tten den Monarchen beleidigt. Voltaire sprach Monate sp√§ter in Paris zu Gluck in voller Hochachtung √ľber den Kaiser Joseph II.

Sebastian Brunner, der noch in pers√∂nlichem Kontakt zu den ehemaligen Vertrauten des Kaisers stand, berichtet in seiner Biographie √ľber Joseph II. eine weitere Version: Der Kaiser habe sich zu diesem Zeitpunkt im Garten Voltaires aufgehalten um ein unabsichtliches Treffen zu erm√∂glichen. Voltaire habe jedoch sein Schloss nicht verlassen. In den Quellen ist wiederholt eine zweite Kutsche des Grafen belegt, die im Hintergrund logistische Aufgaben √ľbernahm und wahrscheinlich auch ein Double mitf√ľhrte. Die Version Brunners dementiert ein direktes Treffen, schlie√üt es aber letztlich nicht glaubhaft aus.

Das Ansehen des Kaisers in den Augen von auf Veränderungen drängenden Schichten wurde durch diese Affäre schwer beschädigt. Adam Smith kommt so zum Schluss, Joseph II. sei "of inferior mind", d. h. "niedriger Geistesart".

Die Reise durch die Niederlande von 1781

Der Graf von Falkenstein bereiste 1781 inkognito die √Ėsterreichischen Niederlande. Ende Mai inspizierte er die milit√§rische Befestigung von Namur und zog dann nach Charleroi, D√ľnkirchen, Ostende, Br√ľgge, Gent, Antwerpen, L√∂wen, Br√ľssel, und besuchte dort H√§fen und Manufakturen, sowie Zucht-, Kranken- und Waisenh√§user, in denen er auch das Essen kostete. Die wahre Identit√§t des Grafen wurde jedoch bald erkannt: insgesamt nahm er ungef√§hr 10.000 Bittschriften entgegen, die alle von der Regierung gepr√ľft wurden.[8] Darauf reiste er in die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Der Graf besuchte das Naturalienkabinett des Statthalters Wilhelm V. von Oranien in Den Haag, den Garten des Sohnes Unico Wilhelm van Wassenaers in Wassenaar und B√ľrgermeister Joachim Rendorp in Amsterdam, mit dem er sich √ľber die Schelde, das Barrieretraktat und die Lage seines unbeliebten Verwandten Ludwig Ernst von Braunschweig-Wolfenb√ľttel-Bevern auseinandersetze. Er besuchte in Den Helder liegende Kriegsschiffe, Zaandam sowie das Dorf Broek in Waterland.[9] Ende Juli reiste er √ľber Maastricht nach Paris.

Die Russlandreise von 1787

Darstellungen des Grafen von Falkenstein

Joseph Graf Falkenstein beim Gebet
  • M. le comte de Falckenstein, Kupferstich 1777, unbekannter franz√∂sischer Stecher
  • Anonymes Portrait des Grafen Falkenstein in Uniform, Kupferstich 1777, vermutlich Christian von Mechel 1737-1817
  • Der Graf von Falkenstein beim Gebet im Freiburger M√ľnster, Alabasterelief 1777, Joseph H√∂rr 1732-1785
  • Graf von Falkenstein, Kupferstich 1777 bei Sulzer, Johann Heinrich Lips 1758-1817

Bewertung

Grab von Kaiser Joseph II. in der Kapuzinergruft

Die historische Beurteilung seiner Person ist sehr unterschiedlich. Aufgrund der √úberst√ľrztheit und Radikalit√§t seiner Ma√ünahmen, die das Leben des Einzelnen teilweise bis ins Kleinste bestimmten, war Joseph zu Lebzeiten unpopul√§r bis zur Verhasstheit und er musste einige seiner Reformen kurz vor seinem Tod wieder zur√ľcknehmen.

Unter der Regentschaft seines bis zum Starrsinn reaktionären Neffen Franz II./I. wurde er hingegen allmählich zu einer mit Nostalgie verklärten Lichtgestalt.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird er einerseits als fortschrittlicher Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus gesehen, andererseits wird auch auf den paternalistischen und zentralistischen Charakter seines Regiments hingewiesen.

Nichtsdestoweniger war er einer der wichtigsten Herrscher √Ėsterreichs, auf den viele konstruktive Ans√§tze zur√ľckgehen und der einen bedeutsamen Reform- und Modernisierungsschub gebracht hat.

√úbersicht √ľber die Reformen

Joseph f√ľhrte viele Reformen durch, von denen er aber kurz vor seinem Tode noch viele zur√ľcknahm.

Staatswesen

  • Aufhebung der Leibeigenschaft
  • Ein Jahr nach demselben Beschluss seines Bruders Leopold II. in der Toskana: Abschaffung der Todesstrafe im Zivilstrafrecht (nicht im Milit√§rstrafrecht)
  • Religionsfreiheit
  • √Ėffnung des Praters und des Augartens f√ľr die √Ėffentlichkeit
  • Einschr√§nkung des strengen Spanischen Hofzeremonielles
  • Schutzz√∂lle f√ľr den Handel
  • Grundsteuer f√ľr den Adel
  • Versuch: Deutsch als Staatssprache im Vielv√∂lkerreich

Soziales

Joseph II. gr√ľndete das Allgemeine Krankenhaus in Wien
  • Bau von Schulen und Krankenh√§usern (u. a. altes Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien)
  • Gr√ľndung von Waisen- und Armenh√§usern
  • Verbannung der Friedh√∂fe aus den St√§dten, um das Grundwasser zu schonen
  • Einrichtung eines steirischen Volksmuseums
  • Verbesserung der Lebensverh√§ltnisse arbeitender Kinder

Kirche

  • Neugr√ľndung von Pfarren
  • Aufl√∂sung von 700 Kl√∂stern
  • Verringerung des p√§pstlichen Einflusses
  • Verbot von ‚Äěabergl√§ubischen‚Äú Br√§uchen der Kirche, gleichzeitig Religionsfreiheit f√ľr Christentum und Judentum im Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781
  • Abschaffung von S√§rgen f√ľr jeden Toten (stattdessen ein allgemeiner Sarg, der eine Fallt√ľr hatte, ein sogenannter Josephinischer Gemeindesarg, im Volksmund auch Klappsarg genannt - dies wurde von den damaligen √Ėsterreichern als piet√§tlos empfunden)

Literatur

  • Karl Gutkas: Kaiser Joseph II. Eine Biographie. Zsolnay, Wien, Darmstadt 1989. ISBN 3-552-04128-1.
  • Francois Fejt√∂: Joseph II. Portr√§t eines aufgekl√§rten Despoten. Matthes & Seitz, M√ľnchen 1987. ISBN 3-88221-512-7.
  • Lorenz Mikoletzky: Kaiser Joseph II. Herrscher zwischen den Zeiten, Muster-Schmidt, G√∂ttingen, Frankfurt, Z√ľrich 1979. ISBN 3788101075.
  • Humbert Fink: Joseph II. Kaiser, K√∂nig und Reformer. Econ, D√ľsseldorf, Wien, New York 1990. ISBN 3430127491.
  • Hans Magenschab: Josef II. √Ėsterreichs Weg in die Moderne. Amalthea, Wien 2006. ISBN 978-3-85002-559-1.
  • Justin V. Pr√°Ň°ek: Panov√°n√≠ c√≠saŇôe Josefa II.. I.-II., Prag 1903, 1904.
  • Robert Widl: Joseph II. und Isabella von Parma. Roman einer wundersamen Ehe. Stieglitz 2003.
  • Alfred Ritter von Arneth: Joseph II. und Katharina von Russland "Ihr Briefwechsel", Wien 1869.
  • Friedrich Weissensteiner, Die S√∂hne Maria Theresias, Kremayer & Scheriau, 1991.
  • Ernst Wangermann: Die Waffen der Publizit√§t. Zum Funktionswandel der politischen Literatur unter Joseph II.. 2004. ISBN 978-3-486-56839-4.
  • Katalog der Nieder√∂sterreichischen Landesausstellung: √Ėsterreich zur Zeit Kaiser Josephs II. Mitregent Kaiserin Maria Theresias, Kaiser und Landesf√ľrst. Stift Melk 29. M√§rz bis 2. November 1980.

Der Graf von Falkenstein in der zeitgenössischen Literatur

  • Du Coudray, Alexandre Jacques: Anecdotes int√©ressantes et historiques de l¬īillustre voyageur, Paris , Ruault, 1777. Erweiterte Auflage 1778.
  • L'Abbe Duval-Pyrau: Journal et Anecdotes interessantes du Voyage de Monsieur le Comte de Falckenstein en France, Frankfurt und Leipzig, Broenner, 1777.
  • Endres, Johann Friedrich¬†: Anthologische Beschreibung der Reise des Grafen von Falkenstein, Schwabach 1777.
  • Schiller , Friedrich zugeschrieben: Auf die Ankunft des Grafen von Falkenstein in Stuttgart, Stuttgart, Erhardt, 1777.
  • Anonym: Relation fid√®le et historique de monsieur le comte de Falckenstein dans nos provinces, Paris, Ruault, 1777.
  • Mayer, Charles-Joseph: Monsieur le Comte de Falkenstein, Rom und Paris, Cailleau, Esprit, Ruault, 1777.
  • Gobet, Pierre-Paul dit Dorfeuille: L' Illustre voyageur ou le Retour du comte de Falckenstein dans ses √©tats, com√©die, Paris 1777.
  • De Simpr√©, Gauthier und Ringwald Petter: Grefvens af Falkenstein resa til och fr√•n Frankrike, √•r 1777, Stockholm, Holmberg, 1786.
  • Lavater, Johann Kaspar: Aus meinem Tagebuch vom Jul(ius) 1777 auf einem Reischen mit Zollikofer, Handbibliothek f√ľr Freunde, Band V, Eigenverlag, 1793

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Gutkas, Karl: Joseph II. Eine Biographie, Wien, Darmstadt 1989, S. 15.
  2. ‚ÜĎ Gutkas, Karl: Joseph II. Eine Biographie, Wien, Darmstadt 1989, S. 16.
  3. ‚ÜĎ Babel, Rainer/Paravicini, Werner (Hrsg.): Grand Tour - Adeliges Reisen und europ√§ische Kultur vom 14. bis zum 18. Jahrhundert (= Beihefte der Francia, Bd. 60), Stuttgart 2005.
  4. ‚ÜĎ Kramar, Konrad/Stuiber, Petra: Die schrulligen Habsburger - Marotten und All√ľren eines Kaiserhauses, Wien 1999.
  5. ‚ÜĎ Birda.de, Die Schwabenz√ľge
  6. ‚ÜĎ Anton Schindling, Walter Ziegler - Die Kaiser der Neuzeit 1519-1918 heiliges r√∂misches Reich, √Ėsterreich, Deutschland: Heiliges r√∂misches Reich, √Ėsterreich, Deutschland, √Ėsterreich, Seite 259 - Ver√∂ffentlicht von C.H.Beck, 1990 - ISBN 3406343953, 9783406343957
  7. ‚ÜĎ Anton Schindling, Walter Ziegler - Die Kaiser der Neuzeit 1519-1918 heiliges r√∂misches Reich, √Ėsterreich, Deutschland: Heiliges r√∂misches Reich, √Ėsterreich, Deutschland, √Ėsterreich, Seite 258 - Ver√∂ffentlicht von C.H.Beck, 1990 - ISBN 3406343953, 9783406343957
  8. ‚ÜĎ Roegiers, J. (1980) Die Reise Josephs II. in den √Ėsterreichischen Niederlanden (Mai bis Juli 1781), S. 85-88. In: √Ėsterreich zur Zeit Kaiser Josephs II. Mitregent Kaiserin Maria Theresias, Kaiser und Landesf√ľrst. Nieder√∂sterreichische Landesausstellung. Stift Melk.
  9. ‚ÜĎ Dunk, Th. von der (2008) Germanie: Inkognito aber stadtbekantt. Joseph II. auf Reise in Holland, p. 95. In: De Achttiende Eeuw, 40 (2008) 1.

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
Franz I. Stephan Römisch-Deutscher Kaiser
1765‚Äď1790
Leopold II.
Maria Theresia Erzherzog von √Ėsterreich
1765‚Äď1790
König von Böhmen
1780‚Äď1790
König von Ungarn
1780‚Äď1790
König von Kroatien und Slawonien
1780‚Äď1790
Herzog von Mailand
1780‚Äď1790
Herzog von Luxemburg
1765‚Äď1790

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  • Joseph von Ferraris ‚ÄĒ Joseph Johann Graf von Ferraris (* 22. April 1726 in Lun√©ville; ‚Ć 1. April 1814 in Wien) war √∂sterreichischer Feldmarschall in den Niederlanden und Freimaurer. Im Sommer 1736 trat Ferraris als Page am kaiserlichen Hof in Wien in den Dienst von… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Joseph Franz Jacquin ‚ÄĒ Joseph Franz Freiherr von Jacquin, Lithographie von Joseph Kriehuber 1830 ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Joseph Freiherr von Sonnenfels ‚ÄĒ Joseph von Sonnenfels Titelseite des ersten Bandes der Wochenzeitschrift Der Mann ohne Vorurtheil (1765) ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Joseph Colloredo-Mels und Wallsee ‚ÄĒ Joseph Maria Graf Colloredo Mels und Wallsee. (* 11. September 1735 in Regensburg; ‚Ć 26. November 1818 in Wien) war ein Sohn des ersten F√ľrsten von Colloredo Mels und Wallsee, Rudolf Joseph. Colloredo, zeichnete sich im Siebenj√§hrigen Krieg… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Joseph von Colloredo-Mels und Wallsee ‚ÄĒ Joseph Maria Graf Colloredo Mels und Wallsee. (* 11. September 1735 in Regensburg; ‚Ć 26. November 1818 in Wien) war ein Sohn des ersten F√ľrsten von Colloredo Mels und Wallsee, Rudolf Joseph. Colloredo, zeichnete sich im Siebenj√§hrigen Krieg… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Joseph II. (Begriffskl√§rung) ‚ÄĒ Joseph II. war der Name der folgenden kirchlichen und weltlichen Herrscher: Joseph II. (Patriarch), √∂kumenischer Patriarch von Konstantinopel (1360‚Äď1439) Joseph II. (Chald√§isch katholischer Patriarch) von Diyarbakir (1667‚Äď1712) Joseph II. (HRR),… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia


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