Jugoslawienkriege

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Jugoslawienkriege
Zerfall Jugoslawiens
Die Bevölkerungsgruppen Jugoslawiens 1991

Als Jugoslawienkriege (oft auch Balkankonflikt genannt) wird eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die mit dem Zerfall des Staates verbunden waren.

Im einzelnen handelte es sich um den 10-Tage-Krieg in Slowenien (1991), den Kroatienkrieg (1991–1995), den Bosnienkrieg (1992–1995) und den Kosovokrieg (1999).

Nach Volksabstimmungen erklÀrten zunÀchst Slowenien und Kroatien im Juni 1991 ihre UnabhÀngigkeit, gefolgt von Mazedonien (November 1991) und Bosnien und Herzegowina (MÀrz 1992).

Im Laufe der Konflikte versuchte die Jugoslawische Volksarmee (JNA), unter der FĂŒhrung von Veljko Kadijević und Blagoje AdĆŸić, die UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen in Slowenien (10-Tage-Krieg) und Kroatien militĂ€risch niederzuwerfen. 1992 weitete sich der Krieg auch auf Bosnien und Herzegowina aus.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Die Jugoslawienkriege wurden unter anderem durch die schweren ökonomischen Probleme verursacht, denen sich Jugoslawien in den 1980er Jahren ausgesetzt sah. Eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken lag in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (Ă€hnlich dem deutschen LĂ€nderfinanzausgleich). Angesichts der aufgrund einer Hyperinflation immer geringeren zur VerfĂŒgung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die wohlhabenderen Teilrepubliken grĂ¶ĂŸere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel fĂŒr sich, wĂ€hrend die Ă€rmeren LĂ€nder Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro sowie Serbien mit seinen beiden autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina einen höheren Anteil als Ausgleich fĂŒr die schlechte Wirtschaftslage fĂŒr sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch aufgrund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980, nicht politisch gelöst werden.

In dieser bereits aufgeheizten AtmosphĂ€re veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und KĂŒnste das SANU-Memorandum, in dem das politische System Jugoslawiens angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es sprach von einem „Genozid“ an den Serben im Kosovo. Dieses Memorandum war eine der InitialzĂŒndungen fĂŒr einen immer stĂ€rker aufkommenden Nationalismus innerhalb der albanischen und serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen jugoslawischen Völker. Besonders durch die Politik von Slobodan MiloĆĄević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 ParteisekretĂ€r des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschĂ€rft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 durch eine unter MiloĆĄević mit dem Ziel seiner Machterweiterung initiierte Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina abgeschafft wurde. Dies geschah im Rahmen der so genannten AntibĂŒrokratischen Revolution. Die politische FĂŒhrung der Regionen wurde durch Gefolgsleute von MiloĆĄević ersetzt. ZusĂ€tzlich angeheizt wurde das politische Klima auch durch nationalistische, antiserbische und antisemitische Äußerungen des spĂ€teren kroatischen StaatsprĂ€sidenten Franjo Tuđman, der etwa mehrfach betonte, dass er stolz bzw. glĂŒcklich sei, „weder mit einer JĂŒdin noch einer Serbin“ verheiratet zu sein. In Kroatien kam noch die öffentliche Darstellung von Ustascha-Symbolen, die Diskriminierung von Serben, vor allem im Beruf, das brutale Vorgehen der Polizei, die Verharmlosung serbischer Opfer im Zweiten Weltkrieg und schließlich eine um sich greifende "Serbophobie" erschwerend hinzu. Anstatt jedoch die Situation zu beruhigen, weckten und schĂŒrten kroatische wie serbische Politiker die nationalen Emotionen.[1]

Im Sog der politischen UmwĂ€lzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/90 bildeten sich auch in Jugoslawien neue Parteien, und es kam 1990 zu ersten freien Wahlen in einigen Teilrepubliken, die in Kroatien und Slowenien mehrheitlich von nationalistisch agierenden sowie zur staatlichen UnabhĂ€ngigkeit strebenden Parteien gewonnen wurden. Nachdem in Referenda in Slowenien und Kroatien (die Krajina-Serben boykottierten jedoch das Referendum) jeweils mit großer Mehrheit fĂŒr die Loslösung aus dem Staat Jugoslawien gestimmt wurde, proklamierten am 25. Juni 1991 zunĂ€chst Slowenien und dann Kroatien ihre UnabhĂ€ngigkeit, was von Teilen der jugoslawischen FĂŒhrung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war aufgrund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber ModalitĂ€ten fĂŒr einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Föderation nicht einmal in ErwĂ€gung gezogen worden waren. Die jugoslawische FĂŒhrung versuchte unter maßgeblichem Einfluss von MiloĆĄević, die UnabhĂ€ngigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es im Juni 1991 in Slowenien zu ersten KĂ€mpfen zwischen der jugoslawischen Armee und den slowenischen StreitkrĂ€ften. Die weiteren in Jugoslawien vorhandenen Konflikte entwickelten sich zum offenen Krieg. Insbesondere in den Republiken mit ethnisch weitgehend heterogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die KĂ€mpfe hart und lang andauernd gefĂŒhrt. So forderte dieser Balkankrieg allein in Bosnien um die 100.000 Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten, Vertreibungen und Zerstörungen. Da die seinerzeit nominell viertgrĂ¶ĂŸte Armee Europas, die JNA, jugoslawisch orientiert war, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Oberbefehlshaber der JNA war Veljko Kadijević. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr Ă€hnlichen Organisationsform im Falle eines Angriffes schnell und unbĂŒrokratisch die Verteidigung bis zum Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand. Die Waffen der kroatischen Territorialverteidigung wurden bereits im Mai 1990 von der JNA beschlagnahmt, die der bosnischen wenig spĂ€ter. Lediglich die Polizei behielt ihre leichte Bewaffnung. Die Kroatische Armee wurde seit 1990 jedoch schrittweise verstĂ€rkt und aufgerĂŒstet. Die meisten westlichen Staaten waren im Jahr 1991 noch entschlossen, Jugoslawien als Staat zu erhalten, kamen jedoch mit der Zeit zur Einsicht, dass dies nicht mehr zu verwirklichen war. Die im Jahr 1992 von der EU eingesetzte Badinter-Kommission stellte abschließend fest, dass die Grenzen der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens als zwischenstaatliche Grenzen der nun souverĂ€nen Nachfolgestaaten zu betrachten seien.

Innerjugoslawische Konflikte nach 1945

MachtĂŒbernahme der Kommunisten

Massaker von Bleiburg

→ Hauptartikel: Massaker von Bleiburg

Die Reste der verschiedenen Truppen (und die mit ihnen verbundenen Zivilisten), die nicht auf Seiten der Partisanen standen und in das von den Alliierten kontrollierte Österreich geflĂŒchtet waren, wurden von britischen Offizieren auf Titos Verlangen zu Tausenden nach Jugoslawien zurĂŒckgeschickt und innerhalb von Stunden nach ihrer Ankunft massakriert. Insgesamt wurden 1945/46 bei Massenerschießungen, „TodesmĂ€rschen“ und in den Gefangenenlagern Titos nach verschiedenen SchĂ€tzungen bis zu mehreren hunderttausend Menschen getötet.

Diese Ereignisse, wie auch ein Teil der wĂ€hrend des zweiten Weltkriegs von Jugoslawen an Jugoslawen ausgeĂŒbten Kriegsverbrechen, wurden in den folgenden Jahren öffentlich weitgehend totgeschwiegen. TatsĂ€chliche oder vermeintliche politische Gegner der kommunistischen Regierung wurden darĂŒber hinaus durch EinschĂŒchterung, Zwangsarbeit, willkĂŒrliche Festnahmen und Strafen bekĂ€mpft. Auch FĂŒhrer und aktive Mitglieder der Religionsgemeinschaften waren in den ersten Jahren starkem Druck ausgesetzt. Als potentielle Gegner betrachtete muslimische GlĂ€ubige wurden zum Teil ohne Untersuchung oder Gerichtsverhandlung getötet.

Widerstand der „Jungen Muslime“

Die Studentenorganisation Mladi Muslimani (dt. „Junge Muslime“), die Verbindung zu Vereinigungen aus islamischen Staaten hatte, leistete 1949 der Kampagne gegen den Islam Widerstand, worauf ihr eine pro-islamische Revolte vorgeworfen wurde. Vier Mitglieder wurden zum Tod verurteilt, mehrere hundert zu Haftstrafen.

Autonomiebestrebungen der 1960er Jahre

Kroatien

→ Hauptartikel: Kroatischer FrĂŒhling

1967 forderten kroatische Sprachwissenschaftler und verschiedene Studentenorganisationen die WiedereinfĂŒhrung der kroatischen Sprache und verlangen ein Abschaffen der Bezeichnung Serbokroatische Sprache in Kroatien.

Franjo Tuđman wurde wegen seiner politischen Thesen, die eine UnterdrĂŒckung von Kroaten durch Serben behaupteten und die bereits in jener Zeit als kroatisch-nationalistisch bezeichnet wurden, aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen.

Tausende kroatische Studenten und Intellektuelle, unter denen sich auch der spĂ€tere PrĂ€sident Kroatiens Stipe Mesić befand, demonstrierten wĂ€hrend des kroatischen FrĂŒhlings fĂŒr mehr SouverĂ€nitĂ€t des kroatischen Volkes innerhalb Jugoslawiens und forderten gleichzeitig, dass ein grĂ¶ĂŸerer Teil des in Kroatien erwirtschafteten Kapitals fĂŒr Investitionen in Kroatien (z. B. Autobahnen und andere infrastrukturelle Projekte) verwendet werden sollte. Dem StaatsprĂ€sidenten Josip Broz Tito gelang es nach Massenverhaftungen, diese politische – aus seiner Sicht separatistische und nationalistische – Bewegung niederzuschlagen. Zu den Hauptangeklagten, die nach der Beendigung der kroatischen antikommunistischen Bewegung wegen „konterrevolutionĂ€rer Umtriebe“ verhaftet wurden, zĂ€hlten sowohl Franjo Tuđman als auch Stipe Mesić.

Gleichzeitig wurde eine illegale Veröffentlichung eines kroatischen Wörterbuches bekannt.

Mazedonien

Ebenfalls 1967 hatte sich die Mazedonisch-Orthodoxe Kirche gegen den Willen des serbischen Patriarchats fĂŒr autokephal erklĂ€rt. Auch von den anderen orthodoxen Kirchen – einschließlich des Patriarchats von Konstantinopel – wurde die selbstĂ€ndige mazedonische Kirche bisher nicht anerkannt.

Verfassung von 1974

Initiiert vom Zentralkomitee des BdKJ beschloss die Bundesversammlung 1974 eine neue Verfassung, mit der die einzelnen Teilrepubliken ein höheres Maß an Autonomie erhielten. Die Republik Serbien wurde mit der Autonomie des Kosovos und der Vojvodina dreigeteilt. Ein Grund hierfĂŒr waren Autonomiebestrebungen von Albanern und Ungarn, die zum damaligen Zeitpunkt drei Viertel (laut Zensus von 1971: 73,7 %[2]) bzw. circa ein FĂŒnftel (laut Zensus von 1981: 16,9 %[3]) der dortigen Bevölkerung ausmachten.

Nach Titos Tod

Am 4. Mai 1980 starb Jugoslawiens StaatsprĂ€sident Josip Broz Tito im Alter von 88 Jahren. Ein kollektives StaatsprĂ€sidium mit jĂ€hrlich wechselndem Vorsitz aus den jeweiligen Republiken bzw. autonomen Provinzen ĂŒbernahm die Regierung in Jugoslawien.

Der jugoslawische Geheimdienst UDBA ließ in den 1970er und 1980er Jahren Dutzende Exilkroaten und Exilalbaner ermorden. Exilkroaten fĂŒhrten gewalttĂ€tige Vergeltungsmaßnahmen gegen jugoslawische Einrichtungen und Zivilisten im In- und Ausland durch.

Unruhen im Kosovo

Viele Albaner im Kosovo waren mit der 1974 erreichten Autonomie unzufrieden und demonstrierten 1981 fĂŒr die Schaffung einer mit den anderen Teilrepubliken gleichberechtigten Republik Kosovo und den Status eines Staatsvolks. Dies wurde von allen Teilrepubliken sowie der jugoslawischen Bundesregierung verweigert, die Proteste niedergeschlagen und der Ausnahmezustand ĂŒber die Region verhĂ€ngt. Zahlreiche Menschen wurden dabei getötet. Albanische Aktivisten wurden wegen konterrevolutionĂ€rer AktivitĂ€ten zu mehrjĂ€hrigen Haftstrafen verurteilt.

Klage gegen muslimische Intellektuelle

In Bosnien fand 1983 ein Gerichtsprozess wegen „feindseliger und konterrevolutionĂ€rer Handlungen aus muslimisch-nationalistischen GrĂŒnden“ gegen 13 muslimische Aktivisten statt. Hauptangeklagter war Alija Izetbegović, der 13 Jahre zuvor seine „Islamische Deklaration“ geschrieben hatte. Die Angeklagten, von denen einige am Ende des Zweiten Weltkriegs zu den „Jungen Muslimen“ gehört hatten, wurden beschuldigt, die Ziele einer „terroristischen“ Organisation wiederbelebt zu haben. Izetbegović wurde gleichzeitig vorgeworfen, die EinfĂŒhrung einer parlamentarischen Demokratie westlichen Stils befĂŒrwortet zu haben. Das Gericht verurteilte ihn zu einer 14-jĂ€hrigen GefĂ€ngnisstrafe, die nach der Berufung auf elf Jahre reduziert wurde. Zur Beruhigung der angespannten Lage im Kosovo wurde Alija Izetbegović 1988 frĂŒhzeitig aus der Haft entlassen.

SANU-Memorandum

→ Hauptartikel: SANU-Memorandum

Serbische Intellektuelle forderten im SANU-Memorandum 1986 ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“ und eine Revision der jugoslawischen Verfassung von 1974. Das Memorandum behauptete unter anderem einen Genozid am serbischen Volk im Kosovo und eine Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien. Das Memorandum wurde von den Politikern in Jugoslawien (einschließlich derjenigen in Serbien) nahezu einhellig verurteilt.[4]

Dennoch wurde der Kosovo-Albaner Sinan Hasani routinemĂ€ĂŸig zum jugoslawischen Staatsoberhaupt gewĂ€hlt.

Aufstieg von Slobodan Miloơević

Im April 1987 bereiste der serbische ParteifunktionĂ€r Slobodan MiloĆĄević den Kosovo und ließ sich auf verschiedenen Veranstaltungen im Beisein der Medien die Sorgen der Serben und Montenegriner mitteilen. Die orthodoxe Bevölkerung berichtete von einem massiven wirtschaftlichen, politischen und psychischen Druck durch die Albaner. Nach einer Rede im Kulturhaus von Kosovo Polje provozierte eine aufgestachelte serbische Menschenmenge die mehrheitlich mit Kosovo-Albanern besetzte Polizei mit SteinwĂŒrfen. Die Polizei ging daraufhin mit Schlagstöcken gegen die serbischen Nationalisten vor. Als MiloĆĄević vor das GebĂ€ude trat, riefen die Menschen „Sie schlagen uns!“. MiloĆĄević antwortete: „Niemand darf euch schlagen!“ („niko ne sme da vas bije“). In den kommenden Monaten knĂŒpfte MiloĆĄević engere Beziehungen zur orthodoxen Kirche und nutzt seine Kontakte zu den Medien zu einer zunehmend nationalistischen, pro-jugoslawischen Kampagne.

Im September 1987 wurde Slobodan MiloĆĄević auf Vorschlag von Ivan Stambolić Vorsitzender der serbischen Kommunistischen Partei, 1988 auch PrĂ€sident der Teilrepublik Serbien. Im Oktober 1988 veranlasste er im Rahmen der AntibĂŒrokratischen Revolution, die Regierungen der Vojvodina und Montenegros durch seine Gefolgsleute zu ersetzen.

Unruhen 1989

Serbien und Kosovo

Im MĂ€rz 1989 beschloss das Parlament der SR Serbien eine VerfassungsĂ€nderung. Damit wurde die seit 1974 bestehende Autonomie der Sozialistischen Autonomen Provinz Kosovo und der Sozialistischen Autonomen Provinz Vojvodina wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Daraufhin kam es im Kosovo zu Unruhen weshalb schließlich der Ausnahmezustand verhĂ€ngt wurde. In der Folgezeit wurden die Albaner aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens verdrĂ€ngt und durch Serben ersetzt.

Am „Vidovdan“ (St.-Veits-Tag) fand eine von hunderttausenden Serben besuchte Kundgebung in Gazimestan auf dem Amselfeld statt. Slobodan MiloĆĄević forderte auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss fĂŒr die Serben im jugoslawischen Staatsverband und betonte in seiner Rede: „[
] heute befinden wir uns wieder in Kriegen und werden mit neuen Schlachten konfrontiert. Dies sind keine bewaffneten Schlachten, obwohl diese nicht ausgeschlossen werden können.“[5]

Innenpolitisch verschĂ€rfte sich die Situation in Serbien. Die Medien wurden gleichgeschaltet, kritische Journalisten entlassen. Oppositionelle Personen hatten Hetzkampagnen zu befĂŒrchten. Die ultranationale „Tschetnik-Bewegung“ unter Vojislav Ć eĆĄelj wurde als Partei registriert.

Slowenien

Viele Slowenen und Kroaten fĂŒhlten sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wuchs der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen. Slowenien diskutierte die „asymmetrische Föderation“ – nicht jede Republik sollte auf gleiche Art in die jugoslawische Föderation eingebunden sein –, schaffte als erste Teilrepublik das Parteimonopol ab und setzte freie Wahlen an.

Der Demokratisierungsprozess geriet zunehmend in Konflikt mit der zentral organisierten, traditionell kommunistischen Obrigkeit. Im Laufe des Jahres 1989 kam es zu verschiedenen Ereignissen, durch die sich die Beziehungen zu Serbien verschlechterten (z. B. im Februar eine Veranstaltung, bei der die Situation der Albaner im Kosovo angeprangert wurde; im Sommer der Prozess gegen Redakteure der Jugendzeitschrift Mladina wegen der Publikation von Armeedokumenten, in denen die geplanten AktivitĂ€ten im Falle von Massendemonstrationen beschrieben waren). Im September und Oktober wurde eine neue slowenische Verfassung entworfen und verabschiedet, in der Slowenien sich legislative SouverĂ€nitĂ€t gab und ausdrĂŒcklich das Recht auf Sezession erklĂ€rte. Als die slowenische Polizei im Dezember 1989 ein geplantes „Meeting der BrĂŒderlichkeit und Einheit“ in Ljubljana verbot, reagierte Serbien mit einem Boykott slowenischer Produkte und brach wissenschaftliche und kulturelle Kontakte ab.

Kroatien

Die kroatische FĂŒhrung hĂ€lt sich in dieser Zeit der Spannungen noch stark zurĂŒck. In Knin (zum Teil von Serben besiedelt) findet Mitte 1989 sogar eine Demonstration statt. Besonders der Slogan „Ovo je Srbija“ („Das hier (dieses Gebiet) ist Serbien“) stieß in Kroatien auf Verbitterung.

Wirtschaftskrise

Die Hyperinflation verschĂ€rfte 1989 die wirtschaftlichen Probleme. Der Staatsbankrott konnte nur durch eine Intervention des Internationalen WĂ€hrungsfonds abgewendet werden. Im Dezember 1989 wurde der Dinar, der mittlerweile als wertloses Papiergeld in dicken BĂŒndeln kursierte (am 19. Dezember 1989 bekam man fĂŒr 1 DM (umgerechnet 0,51 â‚Ź) immerhin 70.000 Dinar), im festen VerhĂ€ltnis 7:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, und es wurden vier Nullen gestrichen.

Die wirtschaftliche Talfahrt ging 1990 weiter. Die Inflation konnte auf einen noch knapp zweistelligen Wert gedrĂŒckt werden. Aber der feste, kĂŒnstlich hochgehaltene Wechselkurs zur Deutschen Mark erschĂŒtterte die bisher weitgehend stabile Wirtschaft in der SR Slowenien und der SR Kroatien, die bisher sehr exportorientiert waren und erhebliche Deviseneinnahmen aus dem Tourismus erzielen konnten.

Die Teilrepubliken Slowenien und Kroatien begannen 1990, zunĂ€chst nicht mehr die vollen Steuern und Zölle an die Bundeskasse abzufĂŒhren und stellten ihre Zahlungen, auch die in den Republikenausgleichsfonds, dann ganz ein. Die Sparer, die von jeher ihre Ersparnisse ĂŒberwiegend auf Devisenkonten angelegt hatten, verloren ab Mitte 1990 immer mehr das Vertrauen in das marode System. Immer mehr Sparer zogen ihre Deviseneinlagen von den Banken ab oder vertrauten sie spekulativen Unternehmen wie der in Serbien neugegrĂŒndeten Privatbank Jugoskandik an. Im Oktober 1990 flossen umgerechnet ĂŒber 3 Milliarden Dollar ab. Zur Abwendung des Staatsbankrottes blieb der Regierung Marković nichts anderes ĂŒbrig, als sĂ€mtliche Devisenkonten zu sperren. Damit wurden sĂ€mtliche Sparer, die sich ihre Einlagen noch nicht hatten auszahlen lassen, faktisch enteignet.

Politische Transformation

Bundesebene

Am 22. Januar 1990 verließen die Delegierten der slowenischen und kroatischen Kommunisten den außerordentlichen Parteikongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, als ihre ReformplĂ€ne abgelehnt wurden. Der Kongress vertagte sich, ohne jemals wieder seine Arbeit aufzunehmen. Der Bund der Kommunisten Jugoslawiens brach allmĂ€hlich auseinander.

Slowenien und Kroatien legten in der Folgezeit einen Verfassungsentwurf fĂŒr eine Umwandlung der jugoslawischen Föderation in die losere Form einer Konföderation vor.

Slowenien und Kroatien

Im April 1990 wurden erste demokratische Wahlen in den Teilrepubliken Slowenien und Kroatien abgehalten.

In Slowenien wurde der Reformkommunist Milan Kučan zum StaatsprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Die Regierung wurde vom OppositionsbĂŒndnis „Demos“ gestellt. Sie erklĂ€rte im Juli die SouverĂ€nitĂ€t Sloweniens und kĂŒndigte an, eine jugoslawische Konföderation mit anderen Republiken anzustreben. Dagegen kamen heftige Proteste aus Belgrad. Ein weiterer Konfliktpunkt war der Wille der slowenischen Regierung, den Dienst ihrer Rekruten nur noch auf die Heimatregion zu beschrĂ€nken. Es wurde begonnen, eine eigene slowenische BĂŒrgerwehr aufzustellen.

In Kroatien ging die nationalistische[6] Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) unter Vorsitz von Franjo Tuđman als Sieger aus den Wahlen hervor. (Die Kommunisten hatten fĂŒr sich einen Wahlsieg mit relativer Mehrheit erwartet und ein Wahlsystem unterstĂŒtzt, das eine Regierung mit relativer Mehrheit statt absoluter erheblich begĂŒnstigte). Die Serbische Partei erhielt etwa 12 Prozent der Stimmen, was dem serbischen Bevölkerungsanteil in Kroatien entspricht.

Das kroatische Parlament fĂŒhrte Kroatisch als Amtssprache ein und schrĂ€nkte den administrativen Gebrauch der kyrillischen Schrift ein. In den serbisch besiedelten Gebieten wurde versucht, die kyrillisch beschrifteten Ortstafeln durch solche mit lateinischer Schrift zu ersetzen. Die Zahl der Serben in der Polizei und in leitenden Positionen im wirtschaftlichen Bereich sollte entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerung auf 12 % reduziert werden. Andererseits wurde den Serben kulturelle Autonomie und eigene Verwaltung der von ihnen bewohnten Gebiete angeboten. Den serbischen Parlamentsabgeordneten wurde auch das Amt des stellvertretenden ParlamentsprĂ€sidenten und ihre Vertretung in einigen wichtigen Gremien zugesagt. Diese Angebote verhallten jedoch angesichts der auffĂ€lligen „Kroatisierungsmaßnahmen“. In einer geplanten Verfassungsrevision wurde der serbische Bevölkerungsteil, der zuvor den Status eines „Staatsvolkes“ innehatte, zur „Minderheit“ herabgestuft, was den Verlust einiger staatsbĂŒrgerlicher Rechte zur Folge hatte. Bei den Serben Kroatiens begannen Proteste, die von Belgrad aus logistisch und ideologisch unterstĂŒtzt wurden. Ideologisch wurde vor allem behauptet, die kroatische Regierung plane einen Völkermord an den Serben Ă€hnlich wie im 2. Weltkrieg. Es kam zu gewalttĂ€tigen AufstĂ€nden und Straßenblockaden, die als „Baumstammrevolution“ (balvan revolucija) bekannt wurden.

Slowenien und Kroatien kĂŒndigten fĂŒr Juni 1991 ihre UnabhĂ€ngigkeit an, falls es bis dahin nicht zu einer politischen Neuordnung Jugoslawiens kommen sollte. In Slowenien stimmten am 23. Dezember bei einer Volksabstimmung 88,5 % fĂŒr die staatliche SouverĂ€nitĂ€t Sloweniens und ein endgĂŒltiges Ausscheiden fĂŒr diesen Fall.

Bosnien und Herzegowina

In Bosnien und Herzegowina wurde der Bosniake Alija Izetbegović StaatsprĂ€sident. Im gleichen Jahr ließ er eine Neuauflage der „Islamischen Deklaration“ drucken.

Ausbruch und Verlauf der Kriege

Ein M-84 Panzer der Jugoslawischen Volksarmee in Slowenien 1991. (Ausbruch der Jugoslawienkriege)


Am 28. Februar 1991 wurde in Knin die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen. Kroatische Familien wurden vertrieben und serbische FlĂŒchtlinge aus anderen Teilen Kroatiens aufgenommen. Ab MĂ€rz 1991 kam es in Kroatien zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen der kroatischen Polizei, der kroatischen Nationalgarde (VorlĂ€ufer der kroatischen Armee) sowie den paramilitĂ€rischen Kroatischen VerteidigungskrĂ€ften auf der einen und FreischĂ€rlerverbĂ€nden der in Kroatien lebenden Serben, serbischen Freiwilligen und Tschetniks aus Bosnien und Serbien sowie der Jugoslawischen Volksarmee (JNA), welche die Aufstellung einer kroatischen Armee zu verhindern suchte, auf der anderen Seite.

Bei den Auseinandersetzungen gab es teilweise Verletzte, etwa Anfang MĂ€rz in Pakrac. Die serbischen Medien melden von dort mehrere Tote und berichten, kroatische Polizisten hĂ€tten mit Maschinenpistolen auf unbewaffnete Zivilisten geschossen. Als sich die Unwahrheit dieser Meldungen herausstellt, kommt es in Belgrad zu großen Demonstrationen der Opposition und großer Teile der Bevölkerung gegen das Regime MiloĆĄević. Gegen die Demonstranten werden auch Panzer eingesetzt. Ein Demonstrant und ein Polizist kommen dabei ums Leben – die ersten Todesopfer des Jugoslawien-Konfliktes. Einige Tage danach, wĂ€hrend vor allem von Studenten getragene Protestkundgebungen in Belgrad noch andauern, kommt es zu mehreren ZwischenfĂ€llen in Kroatien. Die Polizeistation im Nationalpark Plitvicer Seen wird von serbischen FreischĂ€rlern ĂŒberfallen, wobei es zwei Tote gibt.

Am 10. MĂ€rz 1991 kommt es zu einer dramatischen Sitzung des PrĂ€sidiums der SFRJ im Hauptquartier der Armee in Belgrad. Die JNA fordert vom PrĂ€sidium, das formal den Oberbefehl ĂŒber die StreitkrĂ€fte hat, die Ausrufung des Ausnahmezustandes, um gegen die Unruhen in Kroatien und Slowenien vorgehen zu können. WĂ€hrend Serbien, Montenegro, Kosovo und die Vojvodina dafĂŒr stimmten, stimmten Kroatien, Slowenien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina dagegen. Damit ist der Antrag abgelehnt.

Am 1. April versucht die JNA angeblich noch, die kÀmpfenden Parteien in Kroatien zu trennen. In der kroatischen Firmensiedlung Borovo Selo werden am 2. Mai zwei kroatische Polizisten von serbischen FreischÀrlern getötet. Eine Gruppe von anderen Polizisten, die nach ihren Kollegen suchen, gerÀt in einen Hinterhalt. Insgesamt kommen 13 Kroaten und zwei Serben ums Leben.

Propaganda-Flugblatt der JNA: Aufforderung der JNA an die kroatischen Soldaten in Dubrovnik (die als Ustascha bezeichnet werden), sich zu ergeben

Am 15. Mai scheitert die turnusgemĂ€ĂŸe Wahl des Kroaten Stipe Mesić zum Vorsitzenden des PrĂ€sidiums der SFRJ am Votum der serbisch stĂ€mmigen Mitglieder des PrĂ€sidiums. Am 19. Mai entscheidet sich bei einem Referendum in Kroatien die kroatische Bevölkerung mit 93 % der Stimmen fĂŒr die Trennung vom jugoslawischen Bund. Die serbische Minderheit boykottiert die Abstimmung.

In einem Fait accompli proklamieren Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre UnabhĂ€ngigkeit. Slowenien ĂŒbernimmt noch am selben Tag die Gewalt ĂŒber seine Grenztruppen (wo aber die Überwachung der GrenzĂŒbergĂ€nge außer der so genannten „GrĂŒnen Grenze“ schon laut jugoslawischer Verfassung zur Kompetenz der jeweiligen Republiken gehörte).

Slowenien

→ Hauptartikel: 10-Tage-Krieg

Am 26. Juni 1991 greift die JNA in Slowenien ein, um die UnabhĂ€ngigkeit zu verhindern. Von Belgrad aus starten MiG-29-Jagdflugzeuge und beschießen den Ljubljanaer Flughafen. Nach zehn Tagen wird unter Vermittlung der EG das Brioni-Abkommen geschlossen. Da in Slowenien keine bedeutende serbische Minderheit lebte, die militĂ€risch hĂ€tte aktiv werden können, zog der letzte JNA-Soldat im Oktober 1991 aus Slowenien ab.

Der Krieg verlagerte sich trotz Waffenembargo der EG nach Kroatien. Das Gebiet um den Nationalpark Plitvicer Seen wurde durch die Jugoslawische Volksarmee besetzt. Mitte Juli eskalierten die ZwischenfÀlle in Kroatien zum offenen Krieg.

Kroatien

→ Hauptartikel: Kroatienkrieg
1991 zerstörtes Hotel in Kupari, sĂŒdlich von Dubrovnik (Kroatien) gelegen
Informationstafel fĂŒr Touristen in Dubrovnik (Kroatien): Plan der Altstadt mit BeschĂ€digungen, die 1991 und 1992 durch die Angriffe der jugoslawischen Armee bzw. serbisch–montenegrinischen Truppen auf die Altstadt von Dubrovnik entstanden sind
Beschluss zur Evakuierung der serbischen Bevölkerung aus den Gebieten der RSK durch den Verteidigungsrat der Republik Serbische Krajina (gezeichnet durch Milan Martić) vom 4. August 1995

Er wurde vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der so genannten Krajina gefĂŒhrt. Aber auch grĂ¶ĂŸere kroatische StĂ€dte sowie Slawonien und Nord-Dalmatien, wo Serben eine Minderheit darstellten, waren betroffen. Ziel Serbiens war, die Kontrolle ĂŒber ein zusammenhĂ€ngendes Territorium zu bekommen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an ein „Rest-Jugoslawien“ zu vollziehen. Die JNA beteiligte sich zunĂ€chst nicht direkt an den KĂ€mpfen, unterstĂŒtzte aber logistisch serbische VerbĂ€nde. Als sich Kroatien zur Blockade der Kasernen der JNA auf ihrem Territorium entschloss, trat die Armee offen als kriegfĂŒhrende Partei in Erscheinung. Sie beteiligte sich an dem Beschuss kroatischer StĂ€dte wie Vukovar, Osijek und Dubrovnik und blockierte kroatische AdriahĂ€fen.

Aufgrund der sich abzeichnenden VerfassungsĂ€nderung erklĂ€ren die Serben der Krajina am 25. Juli die „SouverĂ€nitĂ€t des serbischen Volkes in Kroatien“ und grĂŒnden einen Nationalrat. Die deutsche Bundesregierung erwĂ€gt die völkerrechtliche Anerkennung von Kroatien und Slowenien, was bisher von der EG abgelehnt wurde. Am 26. Juli wurde die kroatische Verfassung geĂ€ndert, die keine speziellen Gruppenrechte fĂŒr die serbische Minderheit mehr vorsieht.

Im September 1991 hatten serbische Milizen ein Drittel Kroatiens erobert. Wichtige Verbindungen nach Dalmatien waren unterbrochen.

Ende 1991 gelang es der kroatischen Armee, ihre Verteidigungslinien zu konsolidieren. Bis Anfang 1993 herrschte eine Waffenruhe. Die JNA befand sich in einer Umbruchphase von einer jugoslawischen zu einer rein serbisch dominierten Armee, nachdem das Personal der anderen Republiken aus der Bundesarmee zurĂŒckberufen oder entlassen wurde, und musste verstĂ€rkt serbische Reservisten mobilisieren.

Am 22. Dezember verabschiedete Kroatien eine neue Verfassung als einheitlicher und souverĂ€ner Staat, die Krajina-Serben riefen ihrerseits die Republik Serbische Krajina aus. Ziel war die Vereinigung mit den bosnischen Serben und Serbien zu einem gemeinsamen serbischen Staat (Großserbien).

Unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker erkannte die deutsche Bundesregierung Slowenien und Kroatien am 23. Dezember an, ohne dass alle von der EG verlangten Bedingungen (z. B. ausreichender Minderheitenschutz in Kroatien) erfĂŒllt waren.

Am 2. Januar 1992 vereinbarte der UN-Sonderbeauftragte Cyrus Vance mit der FĂŒhrung in Belgrad und Zagreb einen Friedensplan, der die Stationierung von UN-Truppen (United Nations Protection Forces, UNPROFOR) ermöglicht.

Ende Januar 1993, kurz vor Ablauf des UN-Mandats, beginnen die KĂ€mpfe in Kroatien von Neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurĂŒckzuerobern. Anfang Februar weiten sich die KĂ€mpfe auch auf das Hinterland von Split aus.

Die kroatische Regierung und die FĂŒhrung der Krajina-Serben einigen sich am 2. Dezember 1994 mit Hilfe der Vermittler Owen und Stoltenberg auf ein Abkommen, nach dem die Ölpipeline sowie mehrere Straßen und Bahnstrecken, die durch die „Krajina“ verlaufen, wieder in Betrieb genommen werden.

Die kroatische Regierung stimmte dem Verbleib eines um 10.000 auf 5.000 Soldaten verkleinerten UN-Kontingents am 12. MĂ€rz 1995 unter der Voraussetzung zu, dessen kĂŒnftige Hauptaufgabe bestĂŒnde in der strikten Kontrolle der Grenze zu Bosnien-Herzegowina und der Bundesrepublik Jugoslawien. Der UN-Sicherheitsrat beschloss am 31. MĂ€rz eine neue Aufgabenbeschreibung der in Kroatien stationierten Blauhelme unter dem Namen „UN Confidence Restoration Operation in Croatia“ (UNCRO).

Im Mai startete die kroatische Armee die „Operation Bljesak“ (kroat. „Blitz“) gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien und erobert diese zurĂŒck. Serbische Einheiten beschossen daraufhin die kroatische Hauptstadt Zagreb mit Raketen (siehe auch Zagreber Raketenbeschuss). Der fĂŒr den Einsatz verantwortliche serbische MilitĂ€rfĂŒhrer Milan Martić wurde vom ICTY, auch wegen dieses Angriffs, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Eine grundlegende Änderung der Lage in Kroatien und Bosnien zeichnete sich erst im FrĂŒhsommer 1995 ab. Anfang August startete die kroatische Armee eine Großoffensive mit der MilitĂ€roperation Oluja (kroat. „Sturm“) gegen die "Republik Krajina", die innerhalb weniger Tage eingenommen wurde. Den serbischen Einheiten und ihren Angehörigen wurde freier Abzug garantiert. Die politische FĂŒhrung der Krajina-Serben hatte angesichts der sich abzeichnenden Niederlage die Evakuierung angeordnet. Über 150.000 Serben flĂŒchteten aus der Krajina in Richtung Bosnien und Serbien, hierzu zĂ€hlen auch die Mitglieder der schĂ€tzungsweise 40.000 Mann starken „Armee der Republik Serbische Krajina“, wobei es von kroatischer Seite zu massiven Racheakten und Kriegsverbrechen kam.[7]. Nach Auffassung des ICTY hatte der Beschluss zur Evakuierung wenig bis keinen Einfluss auf den Exodus der Serben, da sich die Bevölkerung zum Zeitpunkt des Evakuierungsbeschlusses bereits auf der Flucht befand.[8] Der kroatische General Ante Gotovina wurde durch das ICTY schwerer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, an serbischen Zivilisten, fĂŒr schuldig befunden.

Im Abkommen von Erdut zwischen der Regierung Kroatiens und einer serbischen Delegation wurde die friedliche Reintegration der verbliebenen serbisch kontrollierten Gebiete in Ostkroatien fĂŒr 1998 vereinbart.

Bosnien und Herzegowina

→ Hauptartikel: Bosnienkrieg
Grbavica, Stadtteil von Sarajevo in Bosnien-Herzegowina
RegierungsgebĂ€ude von Sarajevo durch serbische Granaten entzĂŒndet
Zerstörte HÀuser in der NÀhe des Flughafens von Sarajevo
UNPROFOR-Truppen in Sarajevo
UN-Hilfskonvoi

Am 15. Oktober 1991 verabschiedete das Parlament Bosnien-Herzegowinas gegen die Stimmen der serbischen Vertreter ein Memorandum zur UnabhĂ€ngigkeit. Die serbische Regierung erklĂ€rte am 24. Oktober, sie wolle ein Jugoslawien unter Einschluss der „serbischen Gebiete in Kroatien und Bosnien-Herzegowina“ schaffen. Die serbischen Abgeordneten verließen das Parlament in Sarajevo und begrĂŒndeten ein eigenes „serbisches Parlament“ in Banja Luka. In Sarajevo demonstrierten am 12. November 100.000 Menschen fĂŒr ein friedliches Zusammenleben aller drei Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina.

Am 9. Januar 1992 proklamierten bosnische Serben in ihrem selbsternannten Parlament die Serbische Republik in Bosnien-Herzegowina.

Nach einem von den Serben boykottierten Referendum verkĂŒndete am 3. MĂ€rz auch Bosnien-Herzegowina seine UnabhĂ€ngigkeit. Es folgten militĂ€rische Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der anderen Seite.

Die Belagerung von Sarajevo begann am 5. April 1992 mit der Einnahme des Flughafens durch die Jugoslawische Volksarmee. Nach Anerkennung Bosnien-Herzegowinas durch die EG brachen am Tag darauf in ganz Bosnien schwere KĂ€mpfe aus.

Am 27. April schloss sich Serbien mit Montenegro zur Bundesrepublik Jugoslawien zusammen. Das StaatsprĂ€sidium der Bundesrepublik Jugoslawien gab am 5. Mai den Oberbefehl ĂŒber die Jugoslawischen StreitkrĂ€fte in Bosnien-Herzegowina an die bosnischen Serben ab. MilitĂ€rische Infrastruktur, die in die HĂ€nde der bosnischen Territorialverteidigung oder kroatischer VerbĂ€nde hĂ€tte fallen können, wurde vernichtet. Den bosnischen Serben wurde dagegen militĂ€risches GroßgerĂ€t ĂŒberlassen. Am 30. Mai verhĂ€ngte der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.

Am 3. Juli proklamierte die HDZ unter FĂŒhrung von Mate Boban die Kroatische Gemeinschaft Herceg-Bosna mit der Hauptstadt Mostar.

Der Reporter Roy Gutman berichtete in der amerikanischen Zeitung „Newsday“ vom 2. August erstmals ĂŒber Massenmorde in von bosnischen Serben betriebenen Internierungslagern. Der Sprecher des internationalen Komitees vom Roten Kreuz ließ verlauten, dass alle drei Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina Internierungslager eingerichtet hĂ€tten.

Auf der Jugoslawien-Konferenz in London unter Vorsitz von EG und UNO einigten sich am 26./27. August alle Kriegsparteien auf 13 GrundsĂ€tzen zur Konfliktlösung, u. a. Beendigung der KĂ€mpfe, Einhaltung von Menschen- und Minderheitenrechten, Auflösung der Internierungslager, Respektierung der territorialen IntegritĂ€t aller Staaten der Region. Nachfolgeprobleme der neuen Staaten Ex-Jugoslawiens sollten durch Konsens oder in einem Schiedsverfahren geregelt werden. Ein Lenkungsausschuss unter Vorsitz der beiden Sonderbeauftragten Cyrus Vance und David Owen sollte den Verhandlungsprozess zwischen den Kriegsparteien institutionalisieren.

Am 9. Oktober 1992 verhĂ€ngte der UN-Sicherheitsrat ein Verbot fĂŒr militĂ€rische FlĂŒge ĂŒber Bosnien-Herzegowina, das in der Operation Sky Monitor von der NATO ĂŒberwacht wurde.

Anfang Januar 1993 legten die beiden Vorsitzenden der Genfer Jugoslawienkonferenz, Owen und Vance, einen „Verfassungsrahmen fĂŒr Bosnien und Herzegowina“ (Vance-Owen-Plan) mit beigefĂŒgter Landkarte vor.

Am 25. MĂ€rz unterschrieb der bosnische PrĂ€sident Izetbegović den Vance-Owen-Plan. Der SerbenfĂŒhrer KaradĆŸić und das Parlament der bosnischen Serben lehnten den Gesamtplan jedoch ab. Am 1. April beschloss der UN-Sicherheitsrat die militĂ€rische Durchsetzung des Flugverbots ĂŒber Bosnien-Herzegowina. Dazu wurde der NATO eine fĂŒhrende Rolle zugewiesen, welche daraufhin die Operation Deny Flight startete. Am 6. Mai erklĂ€rte der Sicherheitsrat Sarajevo und fĂŒnf weitere belagerte StĂ€dte zu UN-Schutzzonen.

Im April greifen kroatische StreitkrĂ€fte unter Tihomir BlaĆĄkić zahlreiche bosniakische Gemeinden im zentralbosnischen LaĆĄva-Tal (LaĆĄvanska dolina) an und vertreiben oder ermorden große Teile der Zivilbevölkerung.

Am 16. Juni einigten sich die PrĂ€sidenten Serbiens und Kroatiens, MiloĆĄević und Tuđman unter Vermittlung von Owen und Stoltenberg, dem Nachfolger von Vance als UNO-Sonderbeauftragtem, ĂŒber die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas: In einer losen Konföderation sollen drei auf ethnischen Gesichtspunkten beruhende Staaten miteinander verbunden sein. Nach einer ErklĂ€rung Tuđmans sollte der bosniakische Staat aus zwei Teilen bestehen, einem im Zentrum des Landes und einem in der Region Bihać. Die kroatische Seite sei bereit, den Bosniaken Zugang zum Adria-Hafen Ploče zu gewĂ€hren.

Im Herbst 1993 begannen heftige KĂ€mpfe zwischen Truppen des „Kroatischen Verteidigungsrats“ HVO und bosniakischen Einheiten in Zentralbosnien, bei denen es zu Massakern an der Zivilbevölkerung kam. Die Armee der bosnischen Serben setzte ihre Angriffe in Nordbosnien und in den ostbosnischen Enklaven fort.

Kroatische GeschĂŒtze zerstörten am 9. November große Teile der Altstadt von Mostar, darunter auch die weltberĂŒhmte osmanische BrĂŒcke.

Im MĂ€rz 1994 beenden Kroaten und Bosniaken ihren Konflikt in der Herzegowina und vereinbaren unter US-Vermittlung eine Föderation. Es wurde auch ein erneuter Waffenstillstand zwischen den Krajina-Serben und Kroatien vereinbart, der sich aber wieder als brĂŒchig erwies. Am 10. und 11. April bombardierten amerikanische Flugzeuge serbische Stellungen bei GoraĆŸde.

Am 11. Mai einigten sich Vertreter der bosnischen Kroaten und Bosniaken in der US-Botschaft in Wien ĂŒber die politische FĂŒhrung und die Grenzen einer kĂŒnftigen Konföderation: Der Bundesstaat sollte 58 % des Territoriums Bosnien-Herzegowinas umfassen und aus acht Kantonen bestehen. Von diesen sollen vier von den Bosniaken, zwei von den Kroaten und zwei gemischt verwaltet werden. Die Region um Sarajevo sollte mindestens zwei Jahre lang von den UN kontrolliert werden.

Kroaten und Bosniaken setzten ein gemeinsames Oberkommando ein. Das Parlament der neugegrĂŒndeten „Föderation Bosnien und Herzegowina“ wĂ€hlte den Kroaten Zubak zum PrĂ€sidenten. Der bosnische MinisterprĂ€sident Silajdzić stellte am 23. Juni eine gemeinsame Regierung vor, der zehn Bosniaken, sechs Kroaten und ein Serbe angehören.

ReprĂ€sentanten der bosnischen Serben, die ca. 70 % des Territoriums besetzt hielten, wiesen diese Aufteilung zurĂŒck. Trotz VermittlungsbemĂŒhungen der UN kam es zu heftigen KĂ€mpfen in Zentralbosnien und Sarajevo.

Die internationale Kontaktgruppe, der Vertreter der UN, der EU, der USA, Russlands, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands angehören, legte gemeinsam mit Griechenland und Belgien einen neuen Teilungsplan fĂŒr Bosnien-Herzegowina vor: 49 % des Territoriums werden den bosnischen Serben, 51 % der bosniakisch-kroatischen Föderation zugeteilt. Das selbsternannte Parlament der bosnischen Kroaten und das bosnische Parlament stimmten zu, das selbsternannte Parlament der bosnischen Serben lehnte den Plan ab. Die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien antwortete darauf mit dem Abbruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den bosnischen Serben und der Schließung der gemeinsamen Grenze.

Bei einem Referendum in den von bosnischen Serben kontrollierten Gebieten wurde der Plan der Kontaktgruppe Ende August von angeblich 96 % der WĂ€hler abgelehnt.

Bosnischen Regierungstruppen gelang es am 20. August, die zuvor von bosniakischen Separatisten kontrollierte Stadt Velika KladuĆĄa einzunehmen.

Am 24. September beschloss der UN-Sicherheitsrat in der Resolution 943, die Sanktionen gegen Jugoslawien zu lockern, falls die Einhaltung des jugoslawischen Embargos gegen die bosnischen Serben bestĂ€tigt werden könne. Dies sollte von internationalen zivilen Beobachtern kontrolliert werden. Aufrechterhalten blieb das Handelsembargo. Die USA zogen sich aus der Überwachung des UN-Waffenembargos zurĂŒck.

Am 21. November 1994 flogen NATO-Kampfflugzeuge einen Angriff auf die Landebahn des Flughafens Udbina in der „serbischen Krajina“, von dem aus Serben Luftangriffe gegen Bihać gestartet hatten. Zwei Tage spĂ€ter wurden auch Raketenstellungen der bosnischen Serben im Raum Bihać bombardiert, nachdem zuvor ein britisches Flugzeug beschossen worden war. Als Reaktion blockierten serbische VerbĂ€nde 350 UN-Soldaten bei Sarajevo und nahmen weitere 55 Blauhelme fĂŒr mehrere Tage als Geiseln.

Russland erkannte Bosnien-Herzegowina am 21. Februar 1995 an. Andererseits vereinbarten die Verteidigungsminister Russlands und Jugoslawiens am 1. MĂ€rz ein Abkommen ĂŒber die bilaterale Zusammenarbeit.

Am 6. MĂ€rz schlossen die Oberkommandierenden der StreitkrĂ€fte Bosnien-Herzegowinas und Kroatiens ein MilitĂ€rbĂŒndnis, das einen gemeinsamen Kommandostab vorsah.

Einheiten der bosnischen Serben transportierten am 22. Mai schwere Waffen aus einem Waffendepot der UNO ab. Das UNO-Kommando forderte die sofortige ZurĂŒckgabe. Am 25. Mai bombardierte die NATO ein Munitionsdepot der bosnischen Serben in Pale, nachdem das Ultimatum zur RĂŒckgabe der gestohlenen Waffen verstrichen war. Die Serben antworten mit Artilleriebeschuss von Sarajevo und Tuzla, brachten eine Anzahl von Blauhelmen als Geiseln in ihre Gewalt, und verlangten fĂŒr ihre Freilassung die Einstellung der Luftangriffe.

Am 11. Juli eroberten serbische Truppen die UN-Schutzzone Srebrenica und begingen in den folgenden Tagen das schwerste Massaker des Krieges, dem mehrere Tausend Bosniaken zum Opfer fielen. Im August legten die USA dem UNO-Sicherheitsrat Fotomaterial eines US-AufklĂ€rers vor. Die Bilder lassen auf Massenexekutionen und -grĂ€ber in der Region schließen.

Unmittelbar nach Beendigung der MilitĂ€roperation Oluja wurde gemeinsam mit bosnischen Regierungstruppen die im Abkommen von Split zwischen der bosnischen und kroatischen Regierung vereinbarte MilitĂ€roperation Maestral begonnen. Das von Serben kontrollierte Territorium in Bosnien und Herzegowina schrumpfte innerhalb weniger Tage von 70 % auf etwa 47 %.[9]

Am 21. November wurde unter Vermittlung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA der Friedensvertrag von Dayton geschlossen. Bosnien-Herzegowina wurde dadurch zu einem föderativen Staat mit zwei EntitĂ€ten. Dem Abschlussdokument war unter starkem amerikanischem Vermittlungsdruck am 12. November das Abkommen von Erdut zwischen der SerbenfĂŒhrung in Ostslawonien und der kroatischen Regierung vorangegangen, das die Wiedereingliederung Ostslawoniens in das kroatische Staatsgebiet vorsah. Die Demilitarisierung des Gebietes und die RĂŒckkehr der FlĂŒchtlinge sollte fĂŒr die Dauer eines Jahres von einer eigens aufgestellten „Implementation Force“ (IFOR) der NATO im Auftrag der UN geleistet werden, die zunĂ€chst 57.000 Soldaten umfasste. Der Vertrag wurde am 14. Dezember in Paris von den drei PrĂ€sidenten Izetbegović, MiloĆĄević und Tuđman unterzeichnet.

Im Dezember 1996 wurde die IFOR durch die SFOR („Stabilization Force“) mit dem Ziel der Stabilisierung des Landes abgelöst. Seit Dezember 2004 wird dieser Auftrag von der EUFOR (Mission „Althea“) wahrgenommen. Die TruppenstĂ€rke der internationalen StreitkrĂ€fte wurde inzwischen (2010) auf weniger als 2.000 reduziert.

Kosovo

→ Hauptartikel: Kosovokrieg

Im September 1991 proklamierten Kosovo-Albaner unter Ibrahim Rugova die unabhĂ€ngige „Republik Kosova“, die aber weder von Serbien noch international anerkannt wurde, außer von Albanien, das Kosovo seither als unabhĂ€ngigen Staat sieht. In den folgenden Jahren unterstĂŒtzte die Mehrheit der Kosovo-Albaner Rugovas Politik des gewaltlosen Widerstandes.

Mit den Friedensabkommen von Dayton und Erdut wurden die Kriege in Bosnien und Herzegowina bzw. Kroatien 1995 beendet, ohne dass der ungelöste Kosovo-Konflikt berĂŒcksichtigt wurde. Ein zunehmender Teil der Albaner begann am Sinn des gewaltlosen Widerstandes zu zweifeln und unterstĂŒtzte die UÇK, die ab 1997 mit bewaffneten Aktionen gegen die serbische Polizei in Erscheinung trat.

Vom 24. MĂ€rz bis zum 10. Juni 1999 fĂŒhrte die NATO einen Luftkrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien mit dem erklĂ€rten Ziel, eine humanitĂ€re Katastrophe im Kosovo zu verhindern. Im Anschluss an den Krieg wurde das Kosovo unter UN-Verwaltung gestellt, blieb aber formal Bestandteil der Bundesrepublik Jugoslawien. Die militĂ€rische Kontrolle ĂŒbernahm - bis heute - die NATO-gefĂŒhrte KFOR-Truppe.

Im MĂ€rz 2004 flammte der ethnische Konflikt zwischen Albanern und den Minderheiten im Kosovo kurzzeitig wieder auf, als es zu konzertierten GewalttĂ€tigkeiten ĂŒberwiegend gegen Serben und ihren religiösen StĂ€tten, aber auch gegen Roma und Aschkali kam. Etwa 50.000 Personen[10] nahmen an diesen GewalttĂ€tigkeiten teil, bei denen 19 Menschen getötet, mehr als 1.000 verletzt und ĂŒber 4.000 vertrieben wurden.[11][12] Bis heute werden neben den serbischen Enklaven immer wieder auch Einrichtungen der UNMIK Ziele von Übergriffen.

Seit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung vom 17. Februar 2008 ist Kosovo aus Sicht seiner Institutionen ein souverĂ€ner Staat. FĂŒr die Anzahl der UN-Mitglieder, die bis jetzt den Kosovo als unabhĂ€ngigen Staat anerkannten siehe hier.

Mazedonien

Am 19. November 1991 erklĂ€rte Mazedonien seine UnabhĂ€ngigkeit. Mazedonien war das einzige Land, das ohne Belgrader Widerstand die UnabhĂ€ngigkeit erklĂ€ren konnte, allerdings nahm die jugoslawische Bundesarmee bei ihrem Abzug sĂ€mtliche schwere AusrĂŒstung mit sich. 500 US-Soldaten wurden danach in Mazedonien zur Aufrechterhaltung des Friedens unter UN-Mandat stationiert. Der PrĂ€sident Kiro Gligorov unterhielt gute Beziehungen zu Belgrad und den anderen Teilrepubliken.

Mitte Februar 1995 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der albanischen Minderheit und mazedonischen SicherheitskrÀften.

2001 intervenierte die mazedonische Armee gegen aufstÀndische albanische Separatisten im Nordwesten des Landes.

Kriegsopfer

Folgende Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:

  • Bosnien und Herzegowina: Eine von der norwegischen Regierung finanzierte Untersuchung durch das Research and Documentation Center (IDC) in Sarajevo kam im November 2005 zu einer Zahl von 97.207 Toten und Vermissten (80.545 Tote, 16.662 Vermisste), davon 66 Prozent Bosniaken, 26 Prozent Serben und 8 Prozent Kroaten.[13] Unter den Zivilisten sei der Anteil der Bosniaken noch höher.[13] WĂ€hrend des Bosnienkrieges seien insgesamt wahrscheinlich 100.000 Menschen ums Leben gekommen.[13]
  • Kroatien: Nach Angaben der kroatischen Regierung aus dem Jahr 1995 12.131 Tote, darunter 8.100 Zivilisten, 33.043 Verwundete, 2.251 Verschollene auf Seiten der Kroaten und 6.780 Tote auf Seiten der dort lebenden Serben.
  • Slowenien: bei den slowenischen Truppen 19 Tote und 182 Verletzte, bei der jugoslawischen Volksarmee 44 Tote und 146 Verletzte (SchĂ€tzungen)
  • Kosovo: 4.000 Leichen oder Leichenteile bis 2002 ausgegraben, etwa 800 albanische Tote wurden bislang in Serbien gefunden (da es bis heute keine genauen offiziellen Zahlen gibt, beruhen die Opferzahlen auf FlĂŒchtlingsberichten und Massengrabfunden).
  • Serbien: die NATO-Operation 1999 fĂŒhrte zu etwa 5 000 Todesopfern in der Bundesrepublik Jugoslawien (NATO-Angaben); nach jugoslawischen Angaben kamen 462 Soldaten, 114 Polizisten und etwa 2.000 Zivilisten ums Leben (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee).

Gerichtsprozesse

Internationaler Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien

Der Internationale Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien verhandelt seit dem Jahr 1994 einen Teil der individuell als Einzelperson oder Teil einer Befehlskette begangenen Kriegsverbrechen.

Internationaler Gerichtshof

13 Jahre nach Einreichung der Klage von Bosnien und Herzegowina gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien wurde am 26. Februar 2007 von dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag das Verfahren gegen den Staat Serbien und Montenegro beendet. Das Gericht entschied dabei, dass es sich bei dem Massaker von Srebrenica um Völkermord handelte, fĂŒr den die FĂŒhrer der Republika Srpska verantwortlich waren. Ein direkter Schuldspruch gegen Serbien wurde nicht gesprochen, allerdings wird Serbien vorgehalten, nicht alles Mögliche unternommen zu haben, den Völkermord zu verhindern.[14]

Kroatien hatte 1999 eine Völkermordklage gegen Serbien eingereicht, die von diesem Gericht im Jahr 2008 angenommen wurde.
Im Januar 2010 reichte Serbien eine Klage, gegen Kroatien, wegen Völkermords ein, welche derzeit vom Gericht noch geprĂŒft wird.[15]

Weiter bestehende Konflikte

Auch nach den Kriegen gibt es auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens noch ungelöste Konflikte.

Literatur

  • Arbeitsgruppe Sicherheitspolitik der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Hrsg.): Der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien. Vorgeschichte, Ausbruch und Verlauf. Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden, Arbeitspapier 66, ISBN 3-928214-41-1 (knappe Übersicht, Stand: Sept. 1993)
  • Johannes M. Becker / Gertrud BrĂŒcher (Hrsg.): Der Jugoslawienkrieg. Eine Zwischenbilanz. Analysen ĂŒber eine Republik im raschen Wandel. (= Schriftenreihe zur Konfliktforschung, Bd. 23). Lit Verlag, Berlin – MĂŒnster 2008, ISBN 3-8258-5520-1.[16]
  • Hans Benedikter: Die bitteren FrĂŒchte von Dayton. Völkermord und Vertreibungsterror in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, das Versagen des Westens, ein Friede ohne Gerechtigkeit, Menschenrechte und Demokratiefragen, die Protestbewegung in Belgrad., Autonome Regierung Trentino-SĂŒdtirol, Bolzano/Bozen 1997
  • Diana Johnstone:La Croisade des fous : Yougoslavie, premiĂšre guerre de la mondialisation , Le temps des cerises, 2005
  • Florian Bieber:Nationalismus in Serbien vom Tode Titos bis zum Ende der Ära Milosevic,Wiener Osteuropa Studien, Bd. 18, 2005, ISBN 3-8258-8670-0
  • Christopher Bennet: Yugoslavia's Bloody Callapse. Causes, Course und Consequences. Hurst & Company, London 1995
  • Leonard J. Cohen: Broken Bonds. The Disintegration of Yugoslavia. o. O. 1993
  • J. Pirjvec: Le guerre jugoslave, Einaudi, Torino 2002
  • Philip J. Cohen: Serbia's Secret War: Propaganda and the Deceit of History. Eastern European Studies, No 2, ISBN 953-6108-36-4
  • Hajo Funke, Alexander Rhotert: Unter unseren Augen. Ethnische Reinheit: Die Politik des Milosevic-Regimes und die Rolle des Westens. Verlag Das Arabische Buch, o. O. 1999. ISBN 3-86093-219-5
  • James Gow: Triumph of the Lack of Will. International Diplomacy and the Yugoslav War. Hurst & Company, London 1997.
  • Johannes Grotzky: Balkankrieg. Der Zerfall Jugoslawiens und die Folgen fĂŒr Europa. Sere Piper, MĂŒnchen 1993.
  • Nikolaus Jarek Korczynski: Deutschland und die Auflösung Jugoslawiens: Von der territorialen IntegritĂ€t zur Anerkennung Kroatiens und Sloweniens. Studien zur Internationalen Politik 1/2005, ISSN 1431-3545
  • Sonia Lucarelli: Europe and the Breakup of Yugoslavia. Kluwer Law International, Den Haag 2000.
  • Reneo Lukic, Allen Lynch: Europe from the Balkans to the Urals. The Disintegration of Yugoslavia and the Soviet Union. Oxford University Press, Oxford 1996
  • Norbert Mappes-Niediek: Die Ethno-Falle. Der Balkan-Konflikt und was Europa daraus lernen kann. Ch. Links Verlag, 2005. ISBN 3-86153-367-7
  • Hanns W. Maull: Germany and the Yugoslav Crisis, in: Survival, Vol 37, No. 4, Winter 1995–96, S. 99–130
  • Dunja Melčić (Hrsg.): Der Jugoslawien-Krieg. Handbuch zu Vorgeschichte, Verlauf und Konsequenzen. 2., aktualisierte Auflage. VS-Verlag, Wiesbaden 2007, ISBN 3-531-33219-8
  • Thomas Paulsen: Die Jugoslawienpolitik der USA 1989–1994. Begrenztes Engagement und Konfliktdynamik. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1995
  • Erich Rathfelder: Sarajewo und danach. Sechs Jahre Reporter im ehemaligen Jugoslawien. Mit einem Nachw. von Hans Koschnick. MĂŒnchen 1998. ISBN 3-406-42044-3
  • Jane M. O. Sharp: Honest Broker or Perfidious Albion? British Policy in Former Yugoslavia. Institute for Public Policy Research IPPR, London 1997.
  • Laura Silber, Allan Little: Bruderkrieg. Verlag Styria. ISBN 3-222-12361-6
  • Steven W. Sowards: Moderne Geschichte des Balkans. Der Balkan im Zeitalter des Nationalismus. BoD 2004. ISBN 3-8334-0977-0
  • Angelika Volle, Wolfgang Wagner (Hrsg.): Der Krieg auf dem Balkan. Die Hilflosigkeit der Staatenwelt. Verlag fĂŒr Internationale Politik, Bonn 1994.
  • Eric A. Witte: Die Rolle der Vereinigten Staaten im Jugoslawien-Konflikt und der außenpolitische Handlungsspielraum der Bundesrepublik Deutschland (1990–1996). in: Mitteilungen Nr. 32, MĂ€rz 2000, des Osteuropa-Instituts MĂŒnchen
  • Roy Gutman, David Rieff (Hrsg.): 'Crimes of war – what the public should know', 1999, ISBN 0-393-31914-8
  • Christian Konle: MakrokriminalitĂ€t im Rahmen der jugoslawischen Sezessionskriege. Kriminologische Untersuchungen der von serbischer Seite in Bosnien-Herzegowina und Kroatien verĂŒbten Menschenrechtsverletzungen. Herbert Utz Verlag, MĂŒnchen 2010 (Hochschulschrift: Regensburg, Univ., Diss., 2009), ISBN 978-3-8316-0943-7

Filme

FĂŒr weitere Filme siehe auch: Liste der Kriegsfilme.

Weblinks

 Commons: Jugoslawienkriege â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Zur Rolle der Religion im Konflikt:

Einzelnachweise

  1. ↑ Das Parlament: Der Zerfall Jugoslawiens und dessen Folgen, herausgegeben vom deutschen Bundestag. Abgerufen am 25. Juni 2011.
  2. ↑ Çollaku, Bekim. 2003. A Just Final Settlement for Kosovo is Imperative for the Peace and Stability in the Region., M.A. Thesis: University of Newcastle.
  3. ↑ Bieber, Florian & Jenni Winterhagen: Ethnic Violence in Vojvodina: Glitch or Harbinger of Things to Come. Flensburg: European Center for Minority Issues. 2006, S. 4.
  4. ↑ Das Parlament: Der Zerfall Jugoslawiens und dessen Folgen, herausgegeben vom deutschen Bundestag. Abgerufen am 25. Juni 2011.
  5. ↑ Deutsche Fassung der Amselfeld-Rede Slobodan Miloơevićs 1989 (rtf-Format)
  6. ↑ Carolin Leutloff-Grandits; Holm Sundhaussen (Hrsg.): Definitionsmacht, Utopie, Vergeltung: "ethnische SĂ€uberungen" im östlichen Europa des 20. Jahrhunderts. LIT Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-8258-8033-8.
  7. ↑ Das Parlament: Der Zerfall Jugoslawiens und dessen Folgen
  8. ↑ icty.org: Judgement Summary for Gotovina et al., Zugriff am 15. April 2011 Seite 3
  9. ↑ The military structure, strategy and tactics of the warring factions, Abschlussbericht der UN-Expertenkommisssion, 1992
  10. ↑ Kosovo: Das Strafrechtssystem lĂ€sst die Opfer im Stich. In: Human Rights Watch. 29. Mai 2006, abgerufen am 27. Januar 2011.
  11. ↑ Kristine Höglund: Managing Violent Crises: Swedish Peacekeeping and the 2004 Ethnic Violence in Kosovo. In: International Peacekeeping. 14, Nr. 3, 2007, S. 403–417, hier S. 406 (http://www.informaworld.com/smpp/content~content=a780628499~db=all~order=page, abgerufen am 16. Mai 2008).
  12. ↑ Kosovo: UNHCR-Position zur SchutzbedĂŒrftigkeit von Personen im Lichte der jĂŒngsten ethnisch motivierten Auseinandersetzungen. In: UNHCR. 9. April 2004, abgerufen am 27. Januar 2011.
  13. ↑ a b c IDC: Rezultati istraĆŸivanja "Ljudski gubici '91-'95"
  14. ↑ PresseerklĂ€rung zum Urteil des Internationalen Gerichtshofs vom 26. Februar 2007
  15. ↑ Spiegel Online - Internationaler Gerichtshof: Serbien verklagt Kroatien wegen Kriegsverbrechen. Abgerufen am 7. August 2011.
  16. ↑ Rezensionsnotiz von perlentaucher.de zur Besprechung in: SĂŒddeutsche Zeitung vom 19. November 2001.
  17. ↑ IMDb – Vrijeme za

  18. ↑ IMDb – Warheads − Söldner im Balkan
  19. ↑ IMDb – Bosna!
  20. ↑ IMDb – Dörfer in Flammen
  21. ↑ IMDb – Gori vatra – Feuer!
  22. ↑ IMDb – Karaula

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