Kampanien

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Kampanien
Kampanien
Flagge der Region Kampanien
Basisdaten
Hauptstadt: Neapel
Provinzen: 5
Fl√§che: 13.590,25 km¬≤ (12.)
Einwohner: 5.834.056 (31. Dez. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte: 429 Einwohner/km²
Website: www.regione.campania.it
ISO 3166-2: IT-72
Präsident: Stefano Caldoro (PdL)
Karte
Karte Italiens, Kampanien hervorgehoben

Kampanien (italienisch Campania) ist eine Region an der Westk√ľste von Italien mit 5.834.056 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2010).

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

Kampanien wird nordwestlich von Latium, nord√∂stlich von Molise, √∂stlich von Apulien, s√ľd√∂stlich von der Basilicata und vom Tyrrhenischen Meer begrenzt. Hauptstadt dieser Region ist Neapel. Kampanien besteht aus den Provinzen Avellino, Benevento, Caserta, Neapel und Salerno und hat eine Ausdehnung von 13.595 km¬≤. Die 5.834.056 Einwohner konzentrieren sich gr√∂√ütenteils im Ballungsgebiet von Neapel. Damit ist Kampanien die am dichtesten besiedelte Region Italiens, und nur in der Lombardei leben mehr Menschen als hier. Kampanien ist die vierts√ľdlichste Region des italienischen Festlandes.

Geschichte

Die R√∂mer der Antike gaben der fruchtbaren Landschaft ihren Namen: Campania felix (gl√ľckliche Landschaft). Ein Name also, den sich Kampanien mit der historischen Landschaft Champagne in Frankreich teilt. Beide Namen beruhen etymologisch auf dem Begriff der Ebene (lateinisch campus). Im Altertum bezeichnete Campania nur die Ebene, die sich vom Gebirge Massicus (Neapolitanischer Apennin) s√ľdw√§rts bis zur gebirgigen Halbinsel von Sorrentum (Sorrent) erstreckt und vom Land der Sabiner und Picentiner begrenzt war. Urspr√ľnglich von den Oskern bewohnt, kam es seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. zu mehreren Koloniegr√ľndungen der Griechen (Neapolis, Cumae, Poseidonia = Paestum). 424 v. Chr. erlosch die bisherige Pr√§valenz der Etrusker, als die oskischsprachigen Samniten die Region eroberten.

Die zentrale Stadt jener Zeit war jedoch Capua. Der im Herzen der kampanischen Ebene gelegene Hauptort des kampanischen St√§dtebundes war bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. die gr√∂√üte Stadt Italiens nach Rom. Die Menschen des Landes um Capua waren keine Latiner. Als sich die Landschaft im Zuge der Kriege 340 v. Chr. mit Rom verband, bekamen die Bewohner den Status von municipes (‚ÄěHalb‚Äú-B√ľrgern), die civitas sine suffragio, im Gegensatz zu den Vollb√ľrgern der lateinischen Gebiete. 312 v. Chr., mit dem Bau der Via Appia von Rom nach Capua, wurde der Wichtigkeit dieser Verbindung Ausdruck verliehen. Die wohl ber√ľhmteste Stra√üe der Antike war Vorbild f√ľr alle weiteren r√∂mischen Stra√üen bzw. Konsularstra√üen.

Mit der Pl√ľnderung S√ľditaliens durch Hannibals karthagische Armee 216 bis 203 v. Chr. im Zweiten Punischen Krieg wurde die Landwirtschaft in eine andauernde Krise gest√ľrzt. Nicht nur die Verluste an Vieh und Getreide waren immens, auch entv√∂lkerte sich das Land, da auch in den folgenden 35 Jahren im Durchschnitt 135.000 r√∂mische B√ľrger und Verb√ľndete Dienst an der Waffe taten, anstatt das Land wiederaufzubauen. Diese triste Entwicklung f√ľhrte schlie√ülich zu den umfassenden gracchischen Reformen des Volkstribuns Tiberius Sempronius Gracchus (168‚Äď133 v. Chr.). Seine Reform wurde durch das ‚Äěager publicus‚Äú erm√∂glicht. Land, das illegal in Besitz genommen war, wie auch Grundbesitz von St√§dten wie Capua (das 216 v. Chr. im letzten Krieg revoltiert hatte), wurde vom Staat konfisziert. Dieser Staatsbesitz wurde nun an vormals enteignete Bauern mit unver√§u√üerlichem Besitzrecht legal verteilt.

90 v. Chr. wurde Kampanien (im Bundesgenossenkrieg) von Aufst√§ndischen √ľberrannt, jedoch 89 v. Chr. von Sulla zur√ľckerobert. Er belagerte die Stadt Nola s√ľd√∂stlich von Capua und f√ľhrte einen siegreichen Zug nach Samnium an. Zwei Jahre lang, von 73 v. Chr. bis 71 v. Chr., pl√ľnderte wiederum eine Streitmacht fl√ľchtiger Sklaven unter F√ľhrung des thrakischen Gladiators Spartacus S√ľditalien. Schlie√ülich wurden sie durch das Heer des Marcus Licinius Crassus (115‚Äď53 v. Chr.) geschlagen: 6000 gefangene Sklaven wurden gekreuzigt. Die Kreuze erstreckten sich von Capua bis Rom.

Zu Ende des Bundesgenossenkrieges folgte die Befriedung des S√ľdens. Allen Gemeinden, die loyal geblieben waren, und allen, welche die Waffen niederlegten, wurde das volle B√ľrgerrecht gegeben. Diese Ausweitung des b√ľrgerlichen Wahlrechts schloss die Romanisierung Italiens ab. Seit dem 1. Jahrhundert war die Gegend ein beliebter Sommersitz wohlhabender R√∂mer: Campania Felix.

Mit dem Sturz des letzten legitimen Kaisers Westroms, Julius Nepos, 475, setzte Odoaker mit seiner barbarischen Hilfstruppe seine Macht√ľbernahme in Italien durch und lie√ü sich von seinen S√∂ldnern zum Rex Italiae w√§hlen ‚Äď allerdings stellte er sich weiterhin unter den Supremat des ostr√∂mischen Kaisers in Konstantinopel. Dennoch war dies das Ende r√∂mischer Staatlichkeit im Westteil des Reiches. Erst unter Justinian I., dem letzten Kaiser Konstantinopels, dessen Muttersprache Latein war, gelang eine erneute, tempor√§re Eingliederung Italiens in ein R√∂misches Reich, doch fielen bereits 568 die ostgermanischen Langobarden in Italien ein. S√ľditalien blieb dann bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts in den K√ľstenstreifen byzantinisch bzw. langobardisch in den Dukate|F√ľrstent√ľmern Benevent, Capua und Salerno.

Zwischen 882 und 915 wurde Kampanien von Sarazenen √ľberfallen, die am Garigliano ein islamisches Emirat in Mittelitalien errichteten; die Landbev√∂lkerung ging stark zur√ľck. Bis 1091 eroberten normannische Krieger die seit 827 ebenfalls von den Sarazenen beherrschte Insel Sizilien. In der Folge vereinten sie dieses neue K√∂nigreich mit ihren bereits bestehenden Besitzungen um Neapel und brachten ganz S√ľditalien bis zur Grenze des Kirchenstaates unter ihre Herrschaft.

Dieses normannische K√∂nigreich fiel 1194 an den Staufer Heinrich VI., der 1186 Konstanze von Sizilien geheiratet hatte, die Erbin des letzten Normannenk√∂nigs Wilhelm II. Als 1197 Heinrich VI. √ľberraschend mit 32 Jahren starb, √ľbernahm Konstanze die Herrschaft f√ľr ihren Sohn. Dieser war als Friedrich II. bereits im Alter von zwei Jahren 1196 auch zum deutschen K√∂nig gew√§hlt und 1220 zum Kaiser gekr√∂nt worden.

Da Friedrich als Kaiser des Heiligen R√∂mischen Reiches Deutscher Nation auch √ľber die Gebiete Norditaliens herrschte, f√ľhlte sich der Papst durch diese Umklammerung bedroht. In Folge des sich immer mehr versch√§rfenden Konfliktes wurde 1265 der franz√∂sische Prinz Karl von Anjou durch Papst Clemens IV. auf den s√ľditalienischen Thron gehoben. Als letzter Staufer wurde Konradin 1268 gefangengenommen und bei Neapel hingerichtet.

Nach einem Volksaufstand fiel Sizilien an Peter III. von Aragon. Das alte normannisch-staufische Königreich war seither in das aragonesische Königreich von Sizilien und das durch die Anjou regierte Königreich Neapel geteilt.

Mit dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 geriet auch das K√∂nigreich Neapel in die Wirren des spanischen Erbfolgekriegs. Nach anf√§nglicher Herrschaft der nun in Spanien regierenden Bourbonen wurde S√ľditalien 1707/08 von √Ėsterreich besetzt. Die Friedensschl√ľsse von 1713/14 belie√üen das K√∂nigreich Neapel bei √Ėsterreich. Die Herrschaft des Hauses Habsburg fand ihrerseits durch neue europ√§ische Kr√§fteverschiebungen 1735 ein Ende, als √Ėsterreich das K√∂nigreich an eine j√ľngere Linie der spanischen Bourbonen abtreten musste. Ein spanischer Infant, der sp√§tere K√∂nig Karl III. von Spanien (reg. 1735‚Äď1759), war seit √ľber 230 Jahren der erste K√∂nig von Neapel, der pers√∂nlich dort lebte und regierte. Herrschaftszentrum blieb Neapel, das von den neuen Bourbonen-K√∂nigen prachtvoll ausgebaut wurde.

1799 wurde die Bourbonen-Herrschaft in Neapel durch revolution√§re franz√∂sische Truppen beendet, die dort gemeinsam mit s√ľditalienischen Anh√§ngern der Revolution eine Republik errichteten. Der nach Sizilien gefl√ľchtete K√∂nig wurde jedoch durch den baldigen R√ľckzug der Franzosen und einen blutigen antirevolution√§ren Aufstand der Landbev√∂lkerung zur√ľck an die Macht gebracht. Zahlreiche einheimische Revolution√§re wurden daraufhin hingerichtet.

Golf von Neapel

1806 eroberte Napoleon Neapel zum zweiten Mal. Neuer Herrscher wurde Napoleons Bruder Joseph Bonaparte, der 1808 ins eroberte Spanien wechselte, und danach Napoleons Schwager Joachim Murat, der sich in Neapel nach Napoleons erstem Sturz 1814 durch rechtzeitigen Seitenwechsel weiter halten konnte, 1815 jedoch ‚Äď nunmehr auf Seiten des zur√ľckgekehrten, aber bei Waterloo entscheidend geschlagenen Napoleon ‚Äď sein Reich und wenig sp√§ter sein Leben verlor.

Nach der Niederlage Napoleons wurde Europa auf dem Wiener Kongress neu geordnet. Die Königreiche Neapel und Sizilien wurden 1816 zum Königreich beider Sizilien (Regno delle Due Sicilie) vereinigt. Gerade durch diese aufgezwungene Vereinigung kam es in der Folge immer wieder zu Aufständen, die oft gewaltsam niedergeschlagen wurden.

Zu Beginn des italienischen Einigungsprozesses im 19. Jh. blieb das s√ľditalienische K√∂nigreich beider Sizilien unter dem jungen K√∂nig Franz II. (1859‚Äď1861) neutral. Angebote zum friedlichen Anschluss an die neue Monarchie Italien lehnte dieser letzte Bourbone ab. Als eine Truppe unter F√ľhrung des Revolution√§rs Garibaldi 1860 zuerst auf Sizilien landete und danach in Neapel einmarschierte, beendete dies die Herrschaft der Bourbonen. Der letzte K√∂nig beider Sizilien zog sich ins r√∂mische Exil zur√ľck, sein bisheriges K√∂nigreich schloss sich √ľber Volksabstimmungen dem neuen Italien an.

Wappen

Beschreibung: Im Silber ein roter Schrägbalken.

Verwaltungsgliederung

Die Provinzen Kampaniens

Zur Region Kampanien geh√∂ren folgende f√ľnf Provinzen:

Provinz Fläche (km²) Karte Einwohnerzahl
(31. Dezember 2010)
Bevölkerungs-
dichte (Einw./km²)
Provinz Avellino 2792
Map of province of Avellino (region Campania, Italy).svg
439.137 157
Provinz Benevento 2071
Map of province of Benevento (region Campania, Italy).svg
287.874 139
Provinz Caserta 2639
Map of province of Caserta (region Campania, Italy).svg
916.467 347
Provinz Neapel 1171
Map of province of Naples (region Campania, Italy).svg
3.080.873 2631
Provinz Salerno 4923
Map of province of Salerno (region Campania, Italy).svg
1.109.705 225

Wirtschaft

Wirtschaftlich wichtig sind der Nahrungsmittelsektor, der Weinbau und der Tourismus (vor allem in Neapel, Ischia, die Amalfik√ľste und Capri). Die Gegend um den Vesuv ist wegen der fruchtbaren Vulkanerde sehr g√ľnstig f√ľr die Landwirtschaft.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedr√ľckt in Kaufkraftstandards erreichte die Region 2006 einen Index von 66,1 (EU-27 = 100) (2009).[2]

Natur und Kultur

Mit dem Nationalpark Cilento und Vallo di Diano besitzt Kampanien einen Naturpark mit einigen bedeutenden antiken Stätten (Velia, Paestum und Kartause von Padula). Daher wurde der Nationalpark 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Kampanien ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Commons: Kategorie:Kampanien ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. ‚ÜĎ Statistiche demografiche ISTAT. Bev√∂lkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica vom 31. Dezember 2010.
  2. ‚ÜĎ Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)

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